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Die Medienfabrik der Zukunft In Kreuzberg eröffnete gerade die Blogfabrik, produziert werden soll dort die Zukunft des Onlinepublishing. Mit dem Dailybreadmag haben die Blogger ein gemeinsames Onlinemagazin geschaffen. Christian Mentz Eine Fabrik stellt man sich als einen großen, stickigen Raum vor, in dem viele Arbeiter werkeln, um dem Chef die Taschen zu füllen. So sah ja auch der Alltag in der Zeit der Industrialisierung Anfang des 20. Jahrhunderts aus, aus denen die Fabrikgebäude stammen, die heute von neuen Industrien besiedelt werden. Ratternde Maschinen und verschwitze Arbeiter sucht man in der Onlineindustrie vergeblich. In der Blogfabrik bestimmen weitläufige, helle und bunte Räume das Bild.

ziemlich genial. Und schon jetzt zeigt die Blogfabrik Kreativität bei der Erschaffung neuer Entlohnungsmodelle.

Blogger-Community meets Print-Unternehmen Üblicherweise zahlen Freelancer, die sich in einem Coworking-Space wie Blogfabrik einen Arbeitsplatz mieten, eine bestimmte Summe, denn letztlich mietet man sich ein Büro, egal ob nun für einen halben Tag oder einen Monat. Solche Coworking-Spaces gibt es in Berlin bereits einige, wie etwa das Betahaus. Doch in der Blogfabrik zahlen die Freelancer mit einer neuen Währung, nämlich Beiträgen für das Onlinemagazin www.dailybreadmag.de. Der Deal klingt fair: „Wir haben vereinbart, dass Blogger pro Monat etwa einen längeren und einen kürzeren Text für das DailyBreadMag schreiben“, legt Maria Ebbinghaus dar, die die Blogfabrik zusammen mit Daniel Gruber und Claudio Rimmele leitet. Die restliche Zeit können die Blogger für ihre eigenen Projekte verwenden und die digitalen und analoge Infrastruktur des Hauses nutzen.  urbanite Berlin

Fotos: Blogfabrik

Die Blogfabrik ist vieles in einem: Agentur, Thinktank und Coworking-Space: Freiberufler können sich hier einen Arbeitsplatz mieten. Aber was konkret soll hier fabriziert werden? Nichts weniger als die Zukunft des Online-Verlagsgeschäftes. Denn auch wenn sich lange alle einig sind, dass die Zukunft des Journalismus, des ganzen Publizistikwesens im Internet liegt, rätseln doch alle, wie damit Geld verdient werden soll. Laut einer Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft (Bitkom) bezahlen zwar rund ein Viertel aller User regelmäßig für journalistische Inhalte im Netz. Das ist nicht wenig, aber etwa 80 Prozent der Umsätze stammen immer noch aus Printprodukten. Auch die Blogfabrik wird mit Geld aus eher traditionellen Verlagsgeschäften betrieben: Finanzier ist die Münchner Unternehmensgruppe Melo, die mit Pressevertrieb und Logistik groß geworden ist. Sie hat mit der Blogfabrik nun eine Art Think Tank für die Online-Herausforderung geschaffen. Die Art, wie neue und klassische Medienunternehmungen hier zusammengebracht wurden, ist

URBANITE - Stadtmagazin Berlin | Oktober 2015  

Das Stadtmagazin für Berlin

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