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UPONOR ACADEMY

Uponor Kongress 2008


30. Internationaler

Uponor Kongress 2008 F端r alle Beteiligten und Freunde unseres Hauses

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30. Internationaler Uponor Kongress in A-6580 St. Christoph/Tirol 30. März – 05. April 2008 Veranstalter Uponor Central Europe Uponor GmbH Postfach 1641 97433 Haßfurt Germany T +49 (0)9521 690-0 F +49 (0)9521 690-710 W www.uponor.de E central-europe@uponor.de Gesamtherstellung concept-design Künnemann GmbH + Co. KG, Steinfurt Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers bzw. Verfassers des Beitrags. Der Inhalt der einzelnen Beiträge entspricht nicht unbedingt der technischen Auffassung des Kongress-Veranstalters.

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Inhalt Vorwort . ....................................................................................................................................................................................... 9 Dr. Joachim Bublath Wege aus der Energie- und Klimakrise? ................................................................................................................................ 13 Univ. Prof. Dr.-Ing. M. Norbert Fisch Energieeffiziente Bürogebäude planen, bauen und betreiben – Beispiele aus der Praxis ........................................... 15 Dr. Michael Günther Wie innovativ ist die Branche TGA? 30 Jahre Arlberg Kongress – Rückschau und Ausblick ....................................... 21 Dipl.-Ing. Jürgen Klement Sanierung von Warmwassersystemen unter den Aspekten Hygiene und Energieeffizienz ......................................... 49 Prof. Ph. Dr.-Ing. Bjarne W. Olesen Stehen prEN 1264 und prEN 15377 im Widerspruch? . ....................................................................................................... 55 Dr. rer. nat. Dirk Soltau Klimakatastrophe – Sind wir wirklich an allem schuld? ..................................................................................................... 63 RA. Friedrich-Wilhelm Stohlmann Haftung des Fachplaners bei unrichtiger Beratung oder falscher Ausstellung des Energiepasses für Gebäude . ................................................................................................................................................... 65 Prof. Dr.-Ing. Dieter Wolff Drei Säulen für die Optimierung des Gebäude- und Anlagenbestands: Energieeinsparung – Steigerung der Systemeffizienz und des Einsatzes regenerativer Energien ............................... 73 Index der bisherigen Referenten ........................................................................................................................................... 85

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Thema 30. Internationaler

Uponor Kongress 2008 30 Jahre Uponor Kongress in St. Christoph. Das ist mehr

staatlicher Bestimmungen wie der neuen EnEV 2007, noch

als ein rundes Jubiläum. Es sind 30 Jahre mit top-aktuellen

an Aktualität gewinnt.

und wegweisenden Themen, die bei allen Teilnehmern ihre Spuren in der täglichen Praxis hinterlassen haben.

Weitere Themen wie „Trinkwassertechnik“ und „Reno-

Kompetenter Wissenstransfer und Netzwerkbildung in der

vation“ versprechen interessante und neue Erkenntnisse.

Haustechnik haben so in den letzten drei Jahrzehnten

Es werden aktuelle Spuren aufgenommen und neue,

einen Weg bereitet, der auch mit dem 30. Uponor Kongress

interessante Wege beschrieben, ohne dabei auf Bewähr-

weiter fortgesetzt werden soll.

tes zu verzichten.

Mit dem Hauptthema „Energieeffizienz und Energetische

Die theoretischen Ausführungen der Referenten

Optimierung“ ist ein Themenbereich gewählt worden, der

werden auch auf dem kommenden 30. Uponor Kongress

vor dem Hintergrund exponentiell steigender Preise für

in gewohnter Art und Weise mit praktischen Erfahrungs-

fossile Brennstoffe und der Einführung immer strengerer

berichten unterlegt.

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Vorwort

Bernhard Brinkmann

Unsere Kunden sind nicht nur unsere Kunden.

wird. Dazu konnten wir erneut namhafte Referenten ge-

Sie sind unsere Partner

winnen, die sich dem Thema von verschiedenen Blickwinkeln aus annahmen. Dr. Joachim Bublath zeigte beispielsweise

Der Uponor Arlberg Kongress blickt bereits auf eine

auf, warum es so wichtig ist, unsere Gebäude energetisch

lange Tradition zurück. Seit drei Jahrzehnten bringen wir

zu optimieren, um Wege aus der Energie- und Klimakrise zu

Fachleute am Markt zusammen, um sich über aktuelle

finden. „Sind wir wirklich an allem Schuld?“ Dieser Frage

und wegweisende Themen auszutauschen, Netzwerke zu

widmete sich Dr. rer. Nat. Dirk Soltau. Wie energieeffizientes

stärken und gemeinsam Erfolge zu gestalten. Deshalb war

Planen, Bauen und Betreiben von Bürogebäuden in der

der 30. Arlberg Kongress für uns auch mehr als ein rundes

Praxis aussehen kann, welche Möglichkeiten es im Renovie-

Jubiläum. Er war ein Meilenstein in der Partnerschaft mit

rungsfall gibt und wie innovativ die TGA Branche eigentlich

unseren Kunden. Erfolg wird nicht nur in Umsatzhöhen,

ist, waren weitere Schwerpunktthemen der Fachvorträge.

Gewinnen oder steigendem Marktanteil gemessen. Er

Alle Beiträge haben wir hier im Kongressband noch einmal

definiert sich im Wesentlichen über die Beziehungen zu

zum Nachlesen für Sie zusammengetragen.

unseren Marktpartnern. Wir bedanken uns herzlich bei allen Gästen, Referenten Im Mittelpunkt dieses besonderen Arlberg Kongresses

und beim Hospiz für die Teilnahme bzw. Ausgestaltung

2008 stand das Thema „Energieeffizienz und Energetische

unseres Jubiläums-Kongresses. Ohne Frage konnten wir

Optimierung“ – ein Themenbereich, der uns nicht nur heute,

die Tradition fortsetzen und auch zum 30. Mal interes-

sondern auch in den nächsten Jahrzehnten beschäftigen

sante Denkanstöße mit Mehrwert verbinden.

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Referenten Dr. Joachim Bublath Wissenschaftspublizist und Moderator der Redaktion Naturwissenschaft im ZDF Univ. Prof. Dr.-Ing. M. Norbert Fisch Institut für Gebäude- und Solartechnik (IGS) TU Braunschweig, Fakultät Architekt, Bauen und Umwelt/EGSplan-Stuttgart Dr. Michael Günther Referent Academy Uponor Central Europe Dipl.-Ing. Jürgen Klement Beratender Ingenieur DVGW, VDI, VSIA Prof. Ph. Dr.-Ing. Bjarne W. Olesen Director: International Centre for Indoor Environment and Energy, Technical University of Denmark, Lyngby, Denmark, Department of Mechanical Engineering Dr. rer. nat. Dirk Soltau Astrophysiker und Wissenschaftsreferent Astrophysiker am Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik der Universität Freiburg RA. Friedrich-Wilhelm Stohlmann Rechtsanwalt, Kanzlei Stohlmann Prof. Dr.-Ing. Dieter Wolff Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel, Fachbereich Versorgungstechnik

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Dr. Joachim Bublath – Wege aus der Energie- und Klimakrise?

Dr. Joachim Bublath

retten können. Auf der Zunahme von Kohlendioxid basieren auch die

Wege aus der Energieund Klimakrise?

meisten Temperaturprognosen für das kommende Jahrhundert. Wälder als Wasserspeicher Die Wirklichkeit ist aber komplizierter: In der Atmosphäre wirkt ein Mix verschiedener Treibhausgase - das mit Abstand mächtigste ist Wasserdampf. Über 60 Prozent trägt er zur Erwärmung der Atmosphäre bei und macht so Leben auf der Erde erst möglich. Riesige Mengen an Wasser verdunsten täglich über den Ozeanen.

Allerorts ist die Rede von Königswegen aus der Energie- und Klimakrise. Da gibt es die Verfechter der regenerativen Energien,

Die waldbedeckten Gebiete sind mächtige Puffer für den Wasser-

die Verfechter der Kohlekraftwerke, diejenigen, die am liebsten

dampf: Sie speichern große Mengen Wasser und verzögern die

die Atomkraftwerke wieder auferstehen lassen möchten. Als

Verdunstung in die Atmosphäre. So wird unser Klima auch durch die

Hauptschuldiger für die globale Erwärmung gilt das Ansteigen

Wälder reguliert. Doch Millionen Hektar Wald verschwinden jährlich

des Kohlendioxids. Doch daneben sind noch weitere Gase für

durch Kahlschlag von der Erde. Damit ändert sich auch eine wichtige

den Treibhauseffekt verantwortlich. Ihre Konzentration in der

Regelgröße für den Klimafaktor Wasserdampf.

Atmosphäre wird durch den Menschen und veränderte Umweltfaktoren beeinflusst

Versiegelung der Böden

Der Mensch beeinflusst das Klima

Die Weltbevölkerung wächst, und mit ihr nimmt die landwirtschaftliche Nutzung von Flächen ständig zu. Äcker speichern jedoch ver-

Je mehr Menschen auf der Erde leben, desto mehr Energie wird

glichen mit den Wäldern das Wasser weniger stark. Durch die zusätz-

verbraucht. Beim Verfeuern fossiler Brennstoffe wie Kohle oder

liche Verdichtung vieler Böden kann weniger Wasser versickern.

Erdöl entstehen Treibhausgase. Sie werden für die Erderwärmung

Somit verdunstet das Wasser schneller, was regional bereits spürbare

verantwortlich gemacht - bis zum Ende dieses Jahrhunderts sollen

Klimaveränderungen auslöst.

die Durchschnittstemperaturen auf unserem Planeten um bis zu neun Grad steigen. Als Hauptschuldiger gilt das Kohlendioxid. Doch um

Noch extremer geht es in den Betonwüsten der großen Metropolen

den Klimawandel aufzuhalten, genügt es nicht, an der CO2-Schraube

zu: Die Sonne heizt die zugepflasterten Städte auf – sie gleichen

drehen. Das Klima hängt von vielen Faktoren ab, und die Zunahme

einem Backofen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die Hitzeinsel Tokio.

der Weltbevölkerung spielt dabei eine wichtige Rolle.

In den letzten Jahrzehnten ist die Temperatur in Tokio-Stadt durchschnittlich um drei Grad Celsius gestiegen. Auch der Wetterverlauf

Mit der Industrialisierung ist die CO2-Konzentration in der

scheint sich gewandelt zu haben. Über der heißen Stadt ballen sich

Atmosphäre in den letzten 150 Jahren immer schneller gestiegen.

feuchte Luftmassen zusammen, treiben auf und entladen sich als

Der Zusammenhang mit der Erderwärmung liegt für viele auf der

heftige Unwetter. So ist das lokale Klima in den Großstädten durch

Hand. Nur die Drosselung des CO2-Ausstoßes von Haushalten,

menschliche Einwirkung auf noch andere Weise als durch Kohlen-

Fahrzeugen, Industriebetrieben und Kraftwerken soll das Klima

dioxid-Emissionen drastisch verändert worden.

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Dr. Joachim Bublath – Wege aus der Energie- und Klimakrise?

Treibhausgas aus der Landwirtschaft Auch in anderer Hinsicht wirkt sich die wachsende Weltbevölkerung auf das Klima aus. Nahrungsmittel wie zum Beispiel Reis sind für Menschen lebenswichtig. Viele Reispflanzen gedeihen auf Wasserfeldern, darin leben aber auch bestimmte Bakterien, die das Treibhausgas Methan produzieren. Große Mengen des Gases steigen von den Reisfeldern in die Atmosphäre auf. Methan ist etwa zwanzig Mal so klimawirksam wie Kohlendioxid und verursacht vermutlich ein Fünftel des Treibhauseffekts. Auch Rinder erzeugen große Mengen an Methan, für die ebenfalls Bakterien verantwortlich sind. Sie leben in den Mägen der Wiederkäuer und helfen bei der Verdauung der Pflanzennahrung. Wissenschaftler wollen jetzt eine Pille entwickeln, die die Methanbakterien abtötet, ohne die Nutztiere zu schädigen. Zurzeit wird die Pille an Schafen getestet. Die Wiederkäuer, die für die Welternährung unverzichtbar sind, sollen sich so wenigstens bei ihrer eigenen Nahrungsverarbeitung klimaneutral verhalten. Das komplexe Zusammenspiel verschiedener Faktoren ist Verursacher der Klima-und Energiekrise. Aus diesem Grund sind nur komplexe Lösungsansätze möglich.

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Univ. Prof. Dr. Ing. M. Norbert Fisch – Effizient Planen, Bauen und Betreiben – Der Weg zu mehr Effizienz

Univ. Prof. Dr. Ing. M. Norbert Fisch

Effizient Planen, Bauen und Betreiben – Der Weg zu mehr Effizienz Innovative Gebäude zeichnen sich aus durch niedrige Lebenszykluskosten, geringen Primärenergiebedarf und damit niedrige CO2-Emissionen, hohe Nutzungsflexibilität und gute Behaglichkeit. Eine komplexe und mehrdimensionale Aufgabe, die mit der Fertigstellung des Gebäudes nicht endet. Gesamtenergieeffizienz

Abb. 1: Entwicklung der Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz von Gebäuden in Deutschland zur Reduzierung des Heizwärmebedarfs

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Frage, wie wir unter dem Druck des Klimawandels unsere Optimierungsmöglichkeiten am

Die weltweit stattfindenden Klimadiskussionen und die damit in

effektivsten und wirtschaftlichsten einsetzen. Aus meiner Sicht ist es

Verbindung stehende Forderung zur CO2-Reduktion verhelfen dem

dringend geboten, neben die Investitionsprogramme für die Sanierung

nachhaltigen und energieeffizienten Bauen zum endgültigen

des Gebäudebestands, verstärkt Akzente für die Verbesserung der

Durchbruch. Deutschland nimmt weltweit bei der Entwicklung und

Betriebsführung von Gebäuden zu setzen. Das Potenzial im Betrieb

Umsetzung energieeffizienter Gebäude und der Nutzung von

ist zweifelsfrei vorhanden und hat gegenüber baulichen Maßnahmen

Erneuerbaren Energien eine Spitzenposition ein. Die Politik unterstützt

zwei wichtige Vorteile: die Optimierung wirkt in der Regel sofort und ist

die Themen durch ehrgeizige Ziele in der CO2-Einsparung und einen

meistens mit geringen Kosten zu realisieren. Wenn man also die Frage

hohen Anteil der Erneuerbaren Energien an der Energieversorgung

nach der Wirtschaftlichkeit von Optimierungsmaßnahmen stellt – wie

sowie durch Steuerungselemente wie Gesetze, Verordnungen und

spare ich mit dem eingesetzten Kapital die meiste Energie ein? – ist die

Förderprogramme. Beispielhaft sind hier zu nennen: Die Einführung

Energetische Betriebsoptimierung sicherlich eine der effek-

der neuen Energie-Einsparverordnung (EnEV 2007 im Kontext der DIN

tivsten Maßnahmen.

18599) im Oktober 2007 und die aktuelle Diskussion für ein EEWärmegesetz zur Unterstützung der Erneuerbaren Energien für die Raumheizung und Warmwasserbereitung.

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Univ. Prof. Dr. Ing. M. Norbert Fisch – Effizient Planen, Bauen und Betreiben – Der Weg zu mehr Effizienz

Energieoptimiertes Bauen in der Forschung gern. Im Teilbereich EnBau – dies steht für den „Energieoptimierten Im Rahmen der Energieforschung unterstützt das BMWi (Bundes-

Neubau“ – wurden bisher über zwanzig Büro-, Verwaltungs- und Pro-

ministerium für Wirtschaft und Technologie) im Förderschwerpunkt

duktionsgebäude mit minimalem Energiebedarf geplant, gebaut und im

EnOB das Energieoptimierte Bauen. „Gebäude der Zukunft“ ist das

Betrieb evaluiert. Der Primärenergieverbrauch soll 100 kWh/(m2a)

Leitbild von EnOB und bezieht sich auf den Neubau gleichermaßen wie

nicht übersteigen, Arbeitsmittel wie Computer nicht berücksichtigt.

auf den Gebäudebestand (www.enob.info). In Teilbereichen geht es um

Mit diesen Demonstrationsgebäuden, die völlig normal genutzt werden,

die Entwicklung neuer Materialien (z. B. Vakuum-Isolationsglas, Vaku-

war es möglich die angestrebten Planungsziele in punkto Energiebedarf

um-Isolationspaneele, Phasen-Wechsel-Material im Innenputz oder in

und Nutzerkomfort zu evaluieren und im praktischen Betrieb zu

Gipskartonplatten, etc.), Komponenten (z. B. Elementfassaden mit

optimieren.

integrierter HLK- Technik, extreme Niedertemperatur Heiz- und Kühlflächen) und Systeme unter ganzheitlicher Betrachtung von Gebäude-

Die daraus gewonnen Erkenntnisse und Erfahrungen für die Planungs-

hülle und Gebäudetechnik bis hin zur Durchführung ambitionierter

praxis der „Gebäude der Zukunft“ sind weltweit einmalig. Das hohe

Demonstrationsgebäude (www.enob.de) – alles mit dem Ziel die Ener-

primärenergetische Ziel von 100 kWh/(m2a) wurde von der überwie-

gieeffizienz und den Nutzerkomfort von Nichtwohngebäuden zu stei-

genden Zahl der Demonstrationsgebäude erreicht und dies bei üblichen

Abb. 2: Informatikzentrum der TU Braunschweig Architekten: Pysall, Stahrenberg, Braunschweig Energiedesign: Prof. Dr. Fisch, IGS, TU Braunschweig, (EnOB-Projekt)

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Univ. Prof. Dr. Ing. M. Norbert Fisch – Effizient Planen, Bauen und Betreiben – Der Weg zu mehr Effizienz

Baukosten (275 bis 375 Euro/m 3). Verglichen mit konventionellen Neu-

Energieeffizientes Bauen in Theorie und Praxis

bauten in Deutschland bedeutet dies Einsparungen von 50 – 65 % bei den Energiekosten.

Die Publikationen in Fachzeitschriften und Magazinen über spektakuläre Architektur mit intelligenter Gebäudetechnik bleiben meist in der Beschreibung der Konzepte und Ziele, unterstützt mit bunten Bildern aus der Licht- und Strömungssimulation, stecken. Berichte über Erfahrungen aus dem Betrieb oder sogar erreichte Energieperformance und der Nutzerkomfort sind die Ausnahmen. Diese Beobachtung in Verbindung mit den Erfahrungen aus dem Betrieb der ersten Demonstrationsgebäude hat uns veranlasst zu fragen: Wie energieeffizient sind die als „innovativ“ und „ökologisch“ bezeichneten Gebäude der letzten zehn Jahre tatsächlich und wie funktionieren die Konzepte? Wie funktionieren z. B. Betonkerntemperierungen, Doppelfassaden, fassadenintegrierte dezentrale Lüftungssysteme oder Energiepfähle in der Praxis? Hinzu kamen die seinerzeit kontrovers und teilweise polemisch geführten Diskussionen über die Glasarchitektur in der Fachpresse bis hin zu dem im Spiegel erschienenen Artikel „Leben im Schwitzkasten“.

Abb. 3: Energieoptimiertes Bauen (EnOB-Projekt) Energie Forum Berlin Architekten:

In 2004 wurden deshalb am IGS verschiedene Forschungsprojekte zur

BRT, Hamburg und Jentsch Architekten, Berlin Energiedesign: Prof. Dr. Fisch, STZ/

Evaluierung von Energieeffizienz und Nutzerkomfort in Bürogebäuden

EGS, Stuttgart

im Betrieb begonnen. (Energieeffizienz und Nutzerkomfort in der Praxis! EVA – Evaluierung von Energiekonzepten; TwinSkinDoppelfassaden in der Praxis; WKSP-Wärme/Kälte-Speicherung im

Das Institut für Gebäude- und Solartechnik (IGS) hat im Rahmen von

Gründungsbereich, DEAL-Dezentrale, außenwandintegrierte

EnBau drei Projekte wissenschaftlich begleitet: das Informatikzentrum

Lüftungsgeräte)

der TU Braunschweig, das Energieforum in Berlin und das Regionshaus in Hannover. Eine sehr wichtige Erfahrung aus den drei Vorhaben ist, dass ein ganzheitliches Energiekonzept und eine entsprechende Qualitätssicherung während der Planungs- und Bauphase die Voraussetzung zur Erreichung des Ziels ist. Der entscheidende Erfolg liegt jedoch in der Evaluierung und Optimierung des Gebäudebetriebs in den ersten Betriebsjahren. Deshalb wurde in den letzten Jahren das Thema der Energetischen Betriebsoptimierung (EnBop) von Nichtwohngebäuden am IGS aufgegriffen und aktuell im Teilbereich EnBop etabliert (www.enob.de). Abb. 4: Nord LB Hannover; GSW Berlin; Post Tower Bonn

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Univ. Prof. Dr. Ing. M. Norbert Fisch – Effizient Planen, Bauen und Betreiben – Der Weg zu mehr Effizienz

Abb. 5: EVA – Evaluierung innovativer Energiekonzepte. Bürogebäude Rickmers, Architekten BRT Hamburg

Die ersten Forschungsprojekte (EVA und TwinSkin www.igs.bau. tu-bs.de) werden zurzeit abgeschlossen. Die Ergebnisse aus rund 25 Gebäuden sind äußerst vielfältig. So wurden sowohl in Büros mit Lochfassaden wie auch Räumen mit großem Glasanteil in der Fassade hohe Zahlen von Überhitzungsstunden gemessen. In beiden Gruppen gab es auch Räume mit gutem Komfort. Die Energieeffizienz lässt sich ebenfalls nicht klar zuordnen. Im Mittel beträgt der Primärenergieeinsatz rd. 285 kWhPE/(m2NGFa) (inkl. der Arbeitsmittel) wobei eine große Spanne der Energiekennwerte vorliegt. Ein hoher Verglasungsanteil in der Fassade muss nicht zwangsläufig zu einem extrem hohen Energieverbrauch und Überhitzungsstunden führen.

Abb. 6: Ergebnisse aus dem EVA-Projekt (Jahres-Primärenergieverbrauch in Bürogebäuden)

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Anteil Kälte macht in den Gebäuden meist weniger als 10 % des gesamten Primärenergieverbrauchs aus. Insbesondere Kälteanlagen stellen jedoch in der Betriebsführung eine besondere Herausforderung dar. Beleuchtungssysteme in Büros sind oft effizienter als in Bedarfsberechnungen angenommen. Lüftungsanlagen werden oft effizient geplant, aber ineffizient betrieben Der Nutzerkomfort ist in den meisten Gebäude gut. Die Probleme des Sick -Building-Syndroms aus den 70er Jahren sind weitgehend abgestellt. Problematisch bleibt die sommerliche Überhitzung. Der Nutzer braucht Möglichkeiten zur Einflussnahme auf die Abb. 7: Ergebnisse aus dem EVA-Projekt – Überhitzungsstunden sortiert nach

Bedingungen seiner unmittelbaren Umgebung, um sich wohl zu

Verglasungsanteilen in der Gebäudehülle

fühlen. Eine durchgehende Erkenntnis aus EVA ist: die Gebäude

So wird die Überhitzung neben dem Verglasungsanteil und dem

funktionierten oft nicht so gut, wie es der Planung nach

Sonnenschutz von vielen anderen Aspekten maßgeblich beeinflusst.

eigentlich möglich wäre. Das Fehlen klarer Vorgaben aus der Planung

Eine Rolle spielen unter anderem die Bedienung des Sonnenschutzes,

für den Betrieb, mangelnde Qualitätssicherung und fehlende

das Lüftungsverhalten der Nutzer und die internen Wärmelasten durch

Information und Schulung für die Betreiber und Nutzer führen

Beleuchtung und Geräteausstattung. Hinsichtlich des Fehlverhaltens ist

offensichtlich dazu, dass die innovativen Konzepte nicht in der Praxis

selbst bei einem außen liegenden Sonnenschutz eine farbneutrale

ankommen. Die Möglichkeiten der Betriebsüberwachung sind oft nicht

Sonnenschutzverglasung mit niedrigem Energiedurchlassgrad (g < 0,35)

geeignet, um die komplexen Regelungsstrategien der Gebäude zu

und hohem Lichttransmissionsgrad empfehlenswert. Insbesondere in

prüfen und eine energetische Betriebsoptimierung durchzuführen.

technisch hoch installierten Gebäuden hängt der Energieverbrauch neben der Gebäudehülle von der Klimatisierung und den jeweiligen

Die Ergebnisse aus den verschiedenen Projekten des BMWi-Förder-

Zielvorgaben für den Komfort ab. Die eingestellten Luftwechselraten,

programms „Energieoptimiertes Bauen“ liefern belastbare Grundlagen

Befeuchtungs- und Entfeuchtungs-Sollwerte sowie die Präzision, mit

für das Energiedesign der Zukunft. In fast allen Projekten zeigt sich die

der Temperaturen durch Einzelraumregelungen gesteuert werden,

Erfordernis einer durchgehenden Informationskette von der Entwurfs-

haben jedoch nur sehr bedingt mit der Gestaltung der Fassade zu tun.

planung über den Bau zum Betrieb und vor allem zum Nutzer. Dabei

Einige allgemeine Ergebnisse aus EVA lassen sich wie folgt

helfen Betriebshandbücher und Nutzerinformationen. Wichtig ist aber

zusammenfassen:

auch die frühe Einbindung des Facility Managements, am besten bereits in der Planungsphase. Gerade der hohe Automatisierungsgrad der

Primärenergieverbrauch liegt zum Teil mehr als 50 % über dem normierten Bedarf! Stromverbrauch macht ca. 70 – 90 % des Primärenergieverbrauchs aus

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Gebäudetechnik und die vom Personal vor Ort selten beherrschte (beherrschbare?) Gebäudeleittechnik führen zu Fehlfunktionen, die den Energiedesigner und noch mehr die Nutzer zur Verzweiflung bringen.

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Nötig ist aus meiner Sicht ein mindestens zweijähriges betriebs-

der Gebäudeautomation ermöglichen soll. Die Möglichkeiten der Infor-

begleitendes Monitoring mit intensiver Evaluierung und Optimie-

mationstechnologien zur nutzerorientierten Bedienung der Raumrege-

rung. Anschließen sollte sich eine kontinuierliche Überwachung

lung (User Needs Analysen, Human Interface), sowie die Einrichtung

der Energieeffizienz. Nur so wird aus guten Konzepten auch eine

interaktiver Plattformen zur direkten Kommunikation zwischen Nutzer

gute Performance.

und Facility Management müssen erprobt werden.

Quo Vadis – Energieoptimiertes Bauen?

Das IGS hat neben EVA in den letzten Jahren Projekte innerhalb dieses Rahmens bearbeitet. Das Thema hat eine sehr gute Resonanz erhalten.

Das BMWi führt den Förderschwerpunkt EnOB in den nächsten Jahren

Insbesondere die Fallstudien zu innovativen Komponenten wie dezentrale

fort und zeigt damit Kontinuität in der Forschungspolitik. „Leuchtfeuer-

außenwandintegrierte Lüftungsgeräte (Projekt DeAL mit dem Steinbeis-

und Leuchtturm-Demonstrationsprojekte“ stehen u. a. auf der Agenda.

Transferzentrum Energie-, Gebäude- und Solartechnik) und Systemen,

Plusenergie-Gebäude („Building as power plant“) und CO2-emissions-

die das Projekt WKSP zur Untersuchung von Anlagen zur Nutzung von

neutrale Energieversorgung sind Themen die im Neubau und der Sanie-

oberflächennaher Geothermie untersucht, unterstützen unsere Motiva-

rung angegangen werden. Neben den Büro- und Produktionsgebäuden

tion für EnBop.

gibt es Schwerpunkte im Bereich der Sanierung von Schulen und Museen. Im Bereich der empirischen Untersuchungen sind Defizite vorhanden, die dringend bearbeitet werden müssen. Wie wird das Thema Energieeffizienz in der Praxis in den Lebenszyklus integriert? Was wird aus Energiekonzepten zwischen Architektur-Wettbewerb und Betrieb? Wie wird EnergiemanaAbb. 8: Logo EnBop (siehe www.enob.info)

gement in Deutschland betrieben? Brauchen wir eine Ausbildungsoffensive im Technischen Gebäudemanagement? Was wissen Nutzer von den Gebäuden, in denen sie lernen oder arbeiten und mit welchen Mitteln kann

Als wichtige Ergänzung wird das IGS den Forschungsschwerpunkt EnBop-

ihr Verhalten möglicherweise verbessert werden? Welchen Stellenwert

Energetische Betriebsoptimierung koordinieren, wissenschaftlich beglei-

hat Energiemanagement bei Entscheidungsträgern in der Wirtschaft?

ten und dokumentieren. EnBop soll Forschungsprojekte zu drei Schwerpunkten enthalten:

Das Thema ist sehr umfangreich und nur interdisziplinär zu bearbeiten. EnBop wird deshalb von einem Team aus Ingenieuren, Architekten, Infor-

Die Entwicklung von Methoden, Werkzeugen und Dienstleistungen zur verbesserten Betriebsführung von Gebäuden

matikern, Physiologen, Umweltpsychologen und Betriebswirten begleitet, das Inhalte und Strukturen vorbereitet und Ergebnisse bewertet.

Fallstudien zur Betriebsführung oder -optimierung einzelner Gebäude, Systeme oder Komponenten

Die Integrale Planung war in den 90er Jahren der entscheidende

Empirische Untersuchungen zur Betriebsführung von Gebäuden

Schritt zu effizienten Gebäuden. Mit dem neu geschaffenen For-

Im Schwerpunkt Methoden und Werkzeuge wird in den kommenden

Rahmen des Forschungsnetzwerkes EnOB des BMWi) können wir

schungsbereich EnBop (koordiniert vom IGS, TU Braunschweig im

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Jahren an der Entwicklung des „Energie-Navigators“ gearbeitet, ein

die nächsten Schritt tun und guten Konzepten durch optimierte

System, dass eine gebäudespezifische und teilautomatisierte energeti-

Performance über den gesamten Lebenszyklus zum Erfolg

sche Betriebsanalyse und -überwachung innerhalb der Systemlandschaft

verhelfen.

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Dr.-Ing. Michael Günther – 30 Jahre Arlberg Kongress oder: Wie innovativ ist die Branche TGA?

Dr.-Ing. Michael Günther

30 Jahre Arlberg Kongress oder: Wie innovativ ist die Branche TGA?

Visionen?

Dr.-Ing Köhler - „Möglichkeiten zur Einsparung von Primärenergie bei Gebäudeheizung“ - „Energieeinsparung unter Einsatz von Wärmepumpen“ - „Eine exakte numerische Methode zur grundlegenden Berechnung der Wärmeleistung und Temperaturverteilung in Flächenheizungen“ Ing. J. Otto - „die »velta-Komfort« Fußbodenraumheizung“ Dr. B. Olesen - „Thermische Behaglichkeitsgrenzen und daraus resultierende Erkenntnisse für Raumheizflächen” Dr. A von Bassewitz / Ing. G. Dahms - „Kunststoffe in der Heizungstechnik” Dr. P. May / Dipl.-Ing. Dr. H. Kerschitz - „Energieeinsparung unter Nutzung von Sonnenenergie Prof. Dr. W. Buschulte - „Konstruktion und Betriebsweise eines Raketenbrenners” Bild 1: Einladung und Themen zum 1. Internationalen »velta«-Kongress 1979

Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.

Helmut Schmidt („Macher” & auch Visionär)

Der 1. Internationale velta – Kongress stand 1979 übrigens unter dem Einleitung

Thema „Möglichkeiten zur Einsparung von Primärenergie bei Gebäudebeheizungen mit konventionellen Heizsystemen, mit Niedertemperatur-

Als 1979 die Idee geboren wurde, am Arlberg einen Kongress abzuhalten,

Heizsystemen, mit Wärmepumpen und mit Sonnenkollektoren” und wurde

war das pragmatisch und visionär zugleich (Bild 1). Die folgenden Ver-

von STÜFEN und HEERING fachlich souverän moderiert. Es bleibt zu

anstaltungen bereicherten als velta Kongresse die Branche und führten

hoffen und zu wünschen, dass die Arlberg Kongresse unter der Ägide des

die damals wiederentdeckte Fußbodenheizung zum Durchbruch. Diese

Konzerns Uponor weiterhin Traditionen aufgreifen, aktuelle Fachthemen

Entwicklung war nicht a priori vorauszusehen. Das Engagement der Pro-

zum Nutzen der Architekten, TGA-Fachplaner und Ausführenden vor-

tagonisten der Fußbodenheizung STÜFEN, HEERING und OLESEN einer-

stellen und Ziele in Forschung und Entwicklung nicht nur benennen, son-

seits und das Mitwirken namhafter Wissenschaftler, Ingenieure und Hoch-

dern beispielhaft vorantreiben. In solider Forschung und Entwicklung

schullehrer wie STEIMLE, GERTIS, HAUSER, MEIERHANS, RICHTER und

sowie adäquater Öffentlichkeitsarbeit liegen auch künftig die Chancen

SOMMER andererseits sind verantwortlich dafür, das die Systemlösungen

jedes Unternehmens, besonders am Standort Deutschland. Weniger

der Niedertemperaturheizung heute weit über die konventionelle Fuß-

reden, mehr handeln – das ist die Devise.

bodenheizung hinausgehen und zu den Standardlösungen im Neubau geworden sind und zunehmend auch im Gebäudebestand werden.

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Dr.-Ing. Michael Günther – 30 Jahre Arlberg Kongress oder: Wie innovativ ist die Branche TGA?

Das Kongress-Thema „Einsparung von Primärenergie” aus dem Jahr 1979

schung nützt jedoch niemanden. Auch ist die Frage zu stellen, ob in

ist fast identisch mit dem Motto des Arlberg Kongresses 2008 „Energie-

den Konzernen Geisteshaltungen, finanzielle Mittel und Kapazitäten in

effizienz”. Es ist ein Dauerthema, was die Branche TGA auch in den

einem Umfang bereit gestellt werden, die wahre Innovationen einfach

nächsten 30 Jahren begleiten wird. Mit Blick auf die Energieressourcen

benötigen. Viel zu häufig ist zu hören, dass der Umsatz durch Marke-

und -reserven einschließlich derer wirtschaftlicher Erschließung und

ting Kampagnen schneller steigt, als wenn in neue Lösungen investiert

Nutzung wird sich unter Berücksichtigung der zunehmenden Nachfrage

wird. Diese Auffassung rächt sich in kurzer Zeit auch für diese Mei-

weltweit die Frage nach energieeffizienten Gebäuden und TGA-Anlagen

nungsvertreter – sofern die Fehlentscheider dann noch da sind.

zuspitzen. Für diese Prognose muss man kein Visionär sein. Dieser Beitrag soll in kurzer Form einige frühere Visionen mit den

1. Energieträgerstruktur

nachfolgenden Entwicklungen aufzeigen. Dabei wird verdeutlicht, dass es einerseits großartige neue Lösungen gibt, die das Marketing-Wort

Es ist unmöglich die Fackel der Wahrheit durch die Menge zu tragen,

„Innovation” wirklich verdient haben. Andererseits wird aber auch

ohne jemandem den Bart zu versengen.

offensichtlich, dass die Umsetzung visionärer Gedanken stagniert.

Lichtenberg

Wurde beispielsweise die Wirkweise der Brennstoffzelle bereits 1839 durch Sir William Robert Grove (Bild 2) offengelegt, steht nach voll-

Im Jahre 1932 wurde prognostiziert, dass die weltweiten Ölreserven noch

mundigen Ankündigungen ausgangs der 90er Jahre der wirtschaftlich

19 Jahre reichen würden, um den Bedarf bei gleichbleibender Nachfrage

akzeptable Einsatz dieser Technik in der TGA weiterhin aus. Es scheint,

zu decken. Auch heute werden ähnliche Horrorszenarien wie „Klima-

dass sich nicht alle wissenschaftlichen Kapazitäten (im wahrsten Sinne

katastrophe in 6 Jahren” veröffentlicht, die außer einer Verunsicherung

des Wortes) auf die dringendsten Ziele konzentrieren – eine Alibifor-

der Nachrichtenempfänger nichts bewirken.

Bild 2: Brennstoffzellen im Haus – die Umsetzung einer Vision (1839, rechts) lässt auf sich warten

22

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Hinsichtlich der Energieträgerstruktur für die kommenden Jahre und Jahrzehnte kann folgendes konstatiert werden: In den nächsten 20 Jahren ist der Mix aus klassischen Energieträgern und regenerativen Energien weiterhin bestimmend, wobei ein Wendepunkt für Öl, Gas und Kohle für den Zeitraum 2010 bis 2015 erwartet wird. Für die Zeitspanne zwischen 2010 und 2040 wird eine deutliche Differenz zwischen weltweiter Nachfrage und Angebot vorausgesagt (Bild 3). Folglich werden die Preise sämtlicher Energieträger und Brennstoffe deutlich zunehmen. Prognosen wurden hierzu mehrfach “nach oben” korrigiert (Bild 4). Nur durch Energieeinsparungen in allen Bereichen kann der

Bild 4: Prognose der Ölpreisentwicklung nach NITSCH /2/

Preisexplosion entgegengewirkt werden. Bis zum Jahr 2050 ist für Deutschland im Rahmen einer Effizienzstrategie geplant, die Primärenergie um 45 %, die Endenergie um 38 % zu reduzieren. Der

Die betriebskostenseitig motivierte zunehmende Nachfrage nach

Entwurf einer Energieeinsparverordnung EnEV 2009 sieht bei

regenerativen Energien wird durch politische Vorgaben (z. B. Entwurf

Neubauten eine Primärenergieeinsparung von 30 % gegenüber der

des Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz EEWärmeG (E) 12.2007;

EnEV 2007 vor.

Erneuerbare-Wärme Gesetz EWärmeG Baden-Württemberg) und Fördermaßnahmen mindestens unterstützt bzw. gefordert. Gegenwärtig fehlt für zahlreiche alternative Varianten der Energieversorgung die Wirtschaftlichkeit (z. B. Wärmepumpenanlagen mit umweltneutralen Arbeitsmitteln, Brennstoffzellentechnik, Bioheizölsysteme). Die EU-Ratstagung vom 8. März 2007 orientierte auf folgende Zielstellungen bis 2020: 20 % Energieeinsparung 20 % CO2-Einsparung 20 % Anteil erneuerbarer Energien

Bild 3: Prognose über die Primärenergieträgerstruktur /1/

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Das Energie- und Klimaprogramm des Bundeskabinetts, vorgestellt auf

einschließt. So wurden im Jahr 2007 ca. 26 % weniger moderne Wärme-

der Meseberger Tagung /3/ enthält folgende Zielstellungen:

erzeuger eingebaut als im Jahr 2006. Eine Erklärung hierfür wird in der Verunsicherung der Bevölkerung gesehen, die durch Panikmeldungen,

Ausbau KWK-Verdopplung des Anteils Strom auf 25 % (KWKG)

überzogen dargestellte Innovationen und Einspareffekte neuer Techniken

Anteil Erneuerbarer Energien an Stromerzeugung von 12 % auf 25 bis

und Technologien, unvorhergesehene Preisentwicklungen u. a. zuneh-

30 % (EEG)

mend beeinflusst wird.

Anteil Erneuerbarer Energien an Wärmeproduktion von 6 % auf 14 % (Wärmegesetz)

Das ist sicher richtig, wobei die Frage nach den Finanzierungsmöglich-

Einführung intelligenter (zeitgenauer) Strom-Messverfahren

keiten bei der progressiven Entwicklung der finanziellen Haushaltsbelas-

Ausbau der Förderprogramme (MAP, KfW u. a.)

tung ungenügend dargestellt wird. Auch verfehlen einzelne Fördermaß-

Einsatz energieeffizienter Produkte (RL Ecodesign)

nahmen und -gelder ihr Ziel durch falsche Vergabe bzw. Nutzung.

Verwendung biogener Brennstoffe (Bioöl, Biogas, Biomasse) Verschärfung des Anforderungsniveaus der EnEV von 2007 zu 2009

2. Wärme- und Kälteerzeugung

um 30 % (später nochmals um 30 %) Intensivierung privater Nachweisverpflichtungen

2.1. Konventionelle Wärmeerzeuger

(Fachunternehmererklärung; z. B. hydraulischer Abgleich von Heizungsanlagen)

5. velta Kongress 1983

Innovation, Forschung sowie Exportinitiativen

Karl Friedrich Holler „Wärmeerzeugung im Niedertempe-

Effizienzsteigerung im Verkehrsbereich und Kraftwerkspark

raturbereich: Vorteile – Probleme, Entwicklung – Trend”

Demgegenüber steht ein gegenwärtiger Modernisierungsstau vor allem

Der Autor verdeutlicht die Neuentwicklungen von Nieder- und

im Gebäudebestand, der den Austausch veralteter Heizungsanlagen

Tieftemperaturkesseln (Bild 5) und betont, dass Kondensatwasseranfall im Heizkessel gar nicht erst entstehen darf. Noch finden sich wenige Hinweise auf Brennwertkessel und -geräte. Und wenn, beziehen sich die Aussagen auf Erdgasgeräte. Stand 2008 Gas-Brennwerttechnik ist fast zur Standardtechnik avanciert. Allerdings ist das Entwicklungspotenzial erschöpft. Die zunächst als nicht lohnenswert deklarierte Öl-Brennwerttechnik bestimmt die Messeauftritte aller namhaften Kesselhersteller. Die Energieeffizienz von Gas- und Öl-Brennwertkesseln und -geräten wird als gleichwertig eingestuft. In den Normen hat der Brennwertbezug den Heizwertbezug verdrängt. Hinzu kommt bei Öl die zunehmende Anwendung schwefelarmen

Bild 5: Tieftemperatur-Öl-/Gaskessel mit heißer Brennkammer (1983)

24

Brennstoffs, woraus geringere Umweltbelastungen und geringere

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Synthese vergleichbar zu GTL oder CTL-Prozessen

Bild 6: BTL (Biomass To Liquid) – Herstellung (IWO /4/)

Wartungsaufwendungen abgeleitet werden. Es wird vermutet, dass das

Die Wirkungsgrade von Holzfeuerungen haben sich seit den 80er Jahren

etwas teurere schwefelarme Heizöl (Schwefelgehalt max. 50 mg/kg)

deutlich verbessert (Bild 7). Die technischen Weiterentwicklungen be-

das Standard-Heizöl (Schwefelgehalt über 50 mg/kg bis 1000 mg/kg)

wirkten auch verminderte CO2-Emissionen. Zur Feinstaubfilterung stehen

bis 2010 vollkommen ablösen wird. Die Notwendigkeit, regenerative

neue Technologien wie das Ionisations-Verfahren zur Verfügung.

Komponenten zu nutzen, erkennt auch die Mineralölwirtschaft und propagiert Bioheizöl. Allerdings handelt es sich im Vertrieb des Bioheizöls

Entwicklungsarbeiten beziehen sich gegenwärtig weiterhin auf Stück-

gegenwärtig nur um regionale Insellösungen. Auch sind die Anforderun-

holzkessel mit Stirlingmotor und Pelletsvergaser mit erdgasbetriebenem

gen an die Kesselanlagen für modifizierte Energieträger nicht zu unter-

Stirling. Jedoch wurde auch dieses Verfahren von Robert Stirling bereits

schätzen.

im Jahre 1816 entwickelt …

Bild 7: Auswirkungen technischer Weiterentwicklungen an Holzfeuerungen

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25


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Pelletkessel

Sole- / WasserWärmepumpe Gasbrennwert und Solar und Solar

Bild 8: Primärenergetisch qualitative Einordnung der Wärmeerzeugungsvarianten

Ölkessel

Jahresprimärenergiebedarf [kWh/m2] Sole- / Wasser- Luft- / WasserWärmepumpe Wärmepumpe

Bild 9: Visualisierung des individuellen Energieverbrauchsverhaltens (ZAE Bayern)

Im Neubau sollen die Anforderungen der entworfenen EnEV 2009

Hinsichtlich der Energieeffizienzbewertung der Wärmeerzeugung soll

dazu führen, den Primärenergiebedarf gegenüber der EnEV 2007

noch folgendes angemerkt werden:

erneut um 30 % zu senken. Bild 8 zeigt qualitativ ohne genaue Randbedingungen die Einordnung der Wärmeerzeugung. Daraus lässt sich ableiten, dass ein künftiger genereller Primärenergiebedarf auf dem Niveau von KfW 60 nur noch durch die Kopplung verschiedener technischer Systemlösungen erreichbar ist, was z. B. die zunehmend anzutreffende Darstellung von Gas- bzw. Öl-Feuerungstechnik in Verbindung mit Solarthermie erklärt.

Ein Primärenergiefaktor von 0,2 für Holzfeuerungen ist unter Berücksichtigung aller Hilfsenergien sehr optimistisch. Fallbezogen kann dieser Faktor 0,7 erreichen. Der Primärenergiefaktor für Strom wurde mit der EnEV 2007 von 3,0 auf 2,7 abgesenkt. Er wird mit der nächsten Novelle wie 2002 angekündigt die Zahl 2,5 annehmen. Mit einem niedrigeren Primärenergiefaktor werden elektromotorische Wärmepumpen etwas besser bewertet als bisher.

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Bild 10: Energieeffizienzlabel und Energieverbrauchsanzeige bei Umwälzpumpen

Bild 11: Vorschlag für ein differenziertes Energieeffizienzlabel für Wärmepumpen

Zwischen Theorie und Praxis, resp. Bedarf und Verbrauch, gibt es

Abweichungen in Frage stellen. Nicht immer können diese

meist große Unterschiede. Das gilt für Brennwert- ebenso wie für

Abweichungen nur auf das Nutzerverhalten zurückgeführt werden.

Wärmepumpenanlagen. Man wird sich jedoch darauf einstellen müssen,

Die fehlerhafte Betriebsweise der TGA-Anlagen bereitet öfters Ärger,

dass der Fachplaner TGA bzw. Energieberater im stärkeren Maße als

was sich nicht nur am unterlassenen hydraulischen Abgleich der

bisher für den prognostizierten Energiebedarf haften wird. Der Nutzer

Heizkreise o. ä. nachweisen lässt.

soll durch neuentwickelte Monitortechnik den Energieverbrauch kontrollieren und Einfluss auf das Betriebsverhalten nehmen können (Bilder 9 bis 11). Gleichzeitig wird er jedoch auch den berechneten Bedarf oder prognostizierten Verbrauch zumindest bei großen

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2.2. Wärmepumpen und Kältemaschinen

Zumindest das letztgenannte Argument erwies sich als falsch. Hinzu kamen betreuungsintensive Regelungstechnik und Inspektion, die

12. velta Kongress 1990

dieser Verfahrensweise zunächst ein Ende setzten, wobei weiter an

Joachim Paul „Wärmepumpen mit Wasser als Kältemittel –

diesem durchaus zukunftsträchtigen Thema geforscht wird. Analoge

oder: wie kann man Leistungszahlen verdoppeln?”

Entwicklungen vollziehen sich bei Wärmepumpenanlagen mit Ammoniak und Kohlendioxid.

Der Gedanke, natürliche Arbeits- bzw. Kältemittel wie Propan, Propen, Kohlendioxid, Ammoniak für Wärmepumpen und Kälte-

Stand 2008

maschinen oder eben Wasser (Bild 12) aus Gründen des Umweltschutzes zu nutzen, ist naheliegend. Im Beitrag 1990 wurde

Fast selbstverständlich wird weiter daran gearbeitet, natürliche

festgehalten, dass infolge der verdoppelten Leistungszahl die

Arbeitsmittel im Kreisprozess zu nutzen. Dennoch sorgen zunächst

Betriebskosten halbiert werden. Auch wurde eingeschätzt, dass

niedrige Systemtemperaturen in hoch wärmegedämmten Gebäuden

sich die Investitionskosten von Wasserdampf-Anlagen gegen-

dafür, dass sich die Leistungs- bzw. Jahresarbeitszahlen gegenüber

über konventionellen Systemen nicht erhöhen.

früheren Systemen bedeutend erhöhen.

Bild 12: Wärmepumpe mit dem Arbeitsmittel Wasser und DirektkontaktVerdampfer und -Kondensator (rechts) sowie Kältemaschine mit Wasser (ILK Dresden/VW Dresden)

28

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Tabelle 1: Leistungszahl ε bzw. COP-Standard- und Bestwerte (WPZ Buchs) EnEV 2007 / DIN V 4701-10: Randbedingungen allgemein

Messung WPZ Buchs *W5 / W35

Wärmepumpentyp

Kenngröße

Einheit

Wert

F1

F2

F3

Sole / Wasser

εN (B0 / W35)

-

4

4,2

4,4

4,7

Sole, ein

°C

0

PSolepumpe

W

1,2 • A N0,9

εN (W10 / W35)

-

4,9

6,1*

6,2*

6,6*

Wasser / Wasser

Luft / Wasser

Abluft / Wasser

Wasser, ein

°C

10

PWasserpumpe

W

2,0 • A N0,9

εN (A-7 / W35)

-

2,6

2,4

2,7

2,8

εN (A2 / W35)

-

3,1

3,1

3,3

3,4

εN (A10 / W35)

-

4

3,9

4,2

4,6

εN (A20 / W40)

-

3,8

3,2

3,4

3,8

Auch sollten energieeffiziente Wärmepumpenanlagen mit Arbeitsmitteln wie HFKW und HFKW-Gemische trotz eines TreibhausGefährdungspotenzials solange weiterbetrieben werden, bis Maschinen mit natürlichen Arbeitsmitteln wirtschaftlich vertretbar geplant und eingesetzt werden können. Mit Blick auf die Feinstaub-Diskussion, für veraltete Einzelofenfeuerungen angebracht, für technisch moderne Pelletsheizungen jedoch nicht, muss diese Warnung generell ausgesprochen werden. Als künftig chancenreich werden allgemein Absorptions- bzw. Adsorptionswärmepumpen, speziell Erdgas-Solar-Wärmepumpen angesehen, wobei auch hier intensive Entwicklungsarbeiten zu einer verbesserten Wirtschaftlichkeit führen müssen (Bild 13). Bild 13: Funktionsschema einer Gas-Absorptionswärmepumpe /5/

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2.3. Perpetuum Mobile Jahrelang war die Brennwerttechnik in Deutschland die Reinkarnation des Perpetuum Mobiles: Wirkungs- bzw. Nutzungsgrade von mehr als 100 %. Seit 2002 kamen mehrere dieser Systeme defintionsgemäß durch die EnEV 2002 bzw. DIN V 4701 Teil 10 dazu: Aufwandszahlen kleiner als 1. Bild 14 zeigt, dass frühere Fehlerfindungen auch heute noch neu entdeckt und verkauft werden.

Bild 15: Testika Freie Energie Maschine (30kW) als verklausuliertes Perpetuum Mobile (kritisch bewertet von HÜMMLER /6/)

3. Absorber- und Speichertechnologien 3.1. Massivabsorber 4. velta Kongress Theo Bracke „Ein emissionsfreies Heizsystem auf der Basis bewährter Technik – Bild 14: Perpetuum Mobile – gestern und heute

Massiv-Absorber, Massiv-Speicher” BRACKE entwickelte bereits 1985 Massiv-Absorber für die Außenwand,

Im Zusammenhang mit der Energieversorgung werden gelegentlich

30

die 20 Jahre später erneut als thermoaktive Wärmedämmung angeboten

sog. Freie Energie Maschinen vorgestellt, die wie ein Perpetuum Mobile

werden (Bild 16). In den 90er Jahren gab es Überlegungen, den velta

funktionieren, wobei diese Bezeichnung vermieden wird (Bild 15).

Klimaboden aus Polypropylen als Solarkollektor oder Absorber zu nutzen,

Angeblich wird nur unbegrenzt zur Verfügung stehende Freie Energie

was auch aus werkstofftechnischen Gründen wegen der hohen Tempera-

aus der Umgebung (Raumenergie) genutzt, so dass kein energetischer

turbelastung nicht funktionieren konnte (Bild 17). Außerdem wurden

Aufwand im eigentlichen Sinne entsteht. Den Nachweis dafür bleibt man

Rohrregister in massive Bauteile des Gebäudefundaments als Energie-

seit Jahrzehnten schuldig, weil „die Menschheit noch nicht reif für diese

speicher integriert. Diese Systeme heißen heute Sohlplattenkühler oder

Erfindung sei”.

Fundamentspeicher.

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Bild 16: Wasserdurchströmte Gebäudehülle als Massivabsorber nach BRACKE

Bild 17: velta Klimaboden als Solarkollektor – nur in der Theorie Stand 2008

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Massivabsorber werden in der Sohlplatte von Gebäuden montiert und

nachts der Speicher entladen werden, indem die eingespeicherte

als Wärmeübertrager im Sommerbetrieb genutzt (Bild 18). Dabei wird

Wärme an die Außenluft abgegeben wird.

die über thermoaktive Bauteilsysteme aufgenommene Wärme aus dem Gebäude dem möglichst feuchten Erdreich zugeführt. Allerdings ist

Wie bei den Massivabsorbern in der Sohlplatte von Gebäuden wirken

diese Vorgehensweise risikobehaftet, weil es zahlreiche Imponderabi-

zahlreiche klimatische Unwägbarkeiten, hinzu kommt der große

lien gibt. Dazu zählen insbesondere die Grundwasserdriftgeschwindig-

baukonstruktive Aufwand. Damit sollte auch dieses Verfahren künftig

keit, die Erwärmung des Erdreichs durch die die Wärmeabgabe der

nur ein Nischendasein führen.

Gebäude (Keller) im Heizbetrieb und eine mangelnde Regeneration des Erdreichs durch die Oberflächenversiegelung (z. B. Asphalt).

3.2. Speichertechnik

Das zweite Verfahren nutzt die Gebäudehülle, indem thermoaktive

Ebenso wurden bereits in den 80er Jahren die Rohrregister in massi-

Wärmedämmungen mit Rohrregistern versehen werden. Dabei wird die

ve Bauteile integriert, die somit als Energiespeicher wirkten. Diese

Lage der Rohre variiert. Einerseits ist die Nutzung der solaren Wärme-

Lösungen sind heute als Sohlplattenkühler oder Fundamentspeicher

gewinne beabsichtigt. Andererseits reduzieren wasserdurchströmte

bekannt. Vorteilhaft werden die kostenlosen Speichermassen des

Rohrregister die Transmissionswärmeverluste des Raumes durch die

Gebäudes genutzt, wobei allerdings die thermische Ankopplung dieser

Außenwand. Eine spezielle Anwendung ergibt sich außerdem im

Bauteile an die Umgebung (gleichgültig ob Erdreich oder Kellerräume)

Zusammenhang mit PCM-Speichertechnologien. Wasserdurchströmte

störend wirkt. Auch sind umfangreiche MSR-Technik und Bauteile mit

Fußböden, Wände und Decken nehmen die sommerliche Wärme des

Hilfsenergieverbrauch notwendig, um die Lade- und Entlade-

Raumes auf, transportieren diese in PCM-Speicher, die wiederum an

zyklen genau bestimmen und nutzen zu können.

Außenwandwärmeübertrager angeschlossen werden. Damit kann

Bild 18: Massivabsorber in der Sohlplatte (Raumkühlung) und thermoaktive Wärmedämmung der Außenwand (rechts)

32

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Stand 2008

Chancenreicher sind eher Speichermaterialien wie Zeolith (Bild 20 und 21). Zeolithe sind kristalline Alumosilikate, die in zahlreichen Modifika-

Seit langem gilt es als Wunschtraum, die solaren Wärmegewinne des

tionen in der Natur vorkommen, aber auch synthetisch hergestellt werden

Sommers für die Heizperiode zu speichern. Hierzu werden gelegentlich

können. Durch ihre Struktur können Zeolithe Wasser speichern, das

saisonale Kurz- und Langzeitspeicher (meist Kies-Wasser-Speicher

beim Erhitzen wieder abgegeben wird. Das Gestein scheint zu sieden.

großen Volumens) errichtet, deren baulicher Aufwand dem Nutzen

Ein Zeolith kann das Wasser auch wieder aufnehmen, ohne dass seine

allerdings entgegensteht. Geradezu Skurril mutet die Überlegung an,

Struktur zerstört wird. Mehr als 150 verschiedene Zeolithtypen sind

großvolumige Wasserspeicher direkt in das Gebäude zu integrieren

synthetisiert worden, 48 natürlich vorkommende Zeolithe sind bekannt.

(Bild 19).

Hinsichtlich der Anwendung gilt folgendes: nahezu verlustfreie Speicherung mit hohen Speicherdichten Anwendung zum Lastausgleich in Fernwärmenetzen saisonale Speicherung für die ganzjährige Versorgung mit solarer Wärme Effizienzsteigerung durch angepasste Sorptionsmaterialien Es werden Speicherdichten bis zu 270 kWh/t und Speichertemperaturen bis zu 200 °C genannt. Insbesondere die ZAE Bayern /7/ treibt die Entwicklungen voran und verweist auf einige Referenzgebäude mit ZeolithSpeicher-Systemtechnik.

Bild 19: Wasserspeicher von bis zu 40 000 Liter im Gebäude (links) oder als GFK-Tank (20 m³) für ein 30 m² großes Solarkollektorfeld neben dem Gebäude

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Bild 20: Klassifizierung der Speicherarten und Zuordnung der Speichermedien

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Bild 21: Zeolith-Speicher als Bestandteil einer Heizungsanlage in einer Schule mit einem Tankvolumen 10 m³ und einer Speicherdichte von ca. 124 kWh/m³ (ZAE Bayern)

Bild 22: PCM-Deckenelement mit Kapillarrohrmatte, vorgestellt auf dem Arlberg Kongress 2003 (EMPA Schweiz)

34

Im Gebäude werden Speichertechnologien vorwiegend unter Verwen-

Bauteile an kompakte PCM-Speicherblöcke angeschlossen. Entwick-

dung von PCM-Materialien (Phase Change Material – Phasenwechsel-

lungsarbeiten führen in Deutschland vorrangig das Fraunhofer Institut in

materialien) weiterentwickelt. Dabei handelt es sich einerseits um

Kassel und die TU Berlin (Hermann-Rietschel-Institut) durch. Seitens der

großflächige Anwendungen als PCM-Putz bzw. PCM-Heiz- und

Industrie arbeiten BASF, STO, Maxit, DAW, Dörken u. a. an den

Kühlpanele (Bilder 22 bis 24). Andererseits werden thermoaktive

Bauprodukten.

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4. Wärmeverteilung 4.1. Elektrische Hilfsenergien 1929 wurde OPLÄNDER das Patent für einen Umlaufbeschleuniger erteilt (Bild 25), so dass die Schwerkraftheizung durch die Pumpenwarmwasserheizung abgelöst werden konnte. Seitdem wurden diese

Bild 23: Mikroverkapselter PCM-Putz zur sommerlichen Raumtemperaturdämpfung und Angaben zum Putz Maxit Clima 26 (rechts)

Bild 24: PCM in wasserdurchströmten Decken und Fußböden (links) und als zwischengeschalteter Kompaktspeicher

Bild 25: WILO Innovationen – zentrale und dezentrale Umwälzpumpen

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Umwälzpumpen durch Weiterentwicklungen bedeutend energie-

4.2. Hydraulischer Abgleich als Dauerthema

effizienter, und die untere Grenze des Möglichen schien erreicht zu sein. Mit der Entwicklung dezentraler Umwälzpumpen sollen weitere Verbes-

Der hydraulische Abgleich wird in der VOB und mit geltenden

serungen eintreten, die allerdings mehr durch eine bessere Regelgüte

Normen, neuerdings auch in der EnEV 2007 explizit gefordert. Der

infolge Ersatz konventioneller Regelungstechnik, weniger durch noch

ZVSHK initiiert Fachunternehmererklärungen. Das ist die Theorie. In

geringere Antriebsenergie begründet wird (Bild 26).

der Praxis werden immer wieder nach verschiedenen Analysen an Anlagen ca. 80 % nicht abgeglichene Systeme vorgefunden. Der folgliche Heizenergiemehrverbrauch wird für kleine und mittlere Anlagen mit 12 bis 20 kWh/(m² • a) angegeben. Wenn dem so ist, muss gefragt werden, warum äußerst selten Verfahren eines dynamischen (hydraulischen) Abgleichs durchgeführt werden: Iterative Methode: wiederholtes Messen an jeder hydraulischen Messstelle und Einstellungen an den Regulierarmaturen, bis sich das gewünschte Ergebnis einstellt. Kompensations-/Proportionalmethode: über eine so genannte Schlechtpunktregelung mittels Hauptventil wird ein Mindestdifferenzdruck bei Sollmassenstrom für den ungünstigsten Anlagenteil festgelegt, die anderen Stränge werden dann

Bild 26: Geringere Raumtemperatur – Sollwertabweichungen bei dezentralen Umwälzpumpen durch bessere Regelgüte (BINE /8/)

messtechnisch einreguliert. Balance-Methode: hydraulischer Abgleich für ausgedehnte Heizanlagen mit Messcomputer mit 1 Pers. (BalancemethodeSoftware).

Es werden Energieeinsparungen von 10 bis 20 % gegenüber konventionellen Systemen mit zentraler Umwälzpumpe und Regelungstechnik nach EnEV 2007 angegeben. Skeptisch müssen der Installationsaufwand (Verdrahtung), die Austauschbarkeit und der geringe Differenzdruck von ca. 150 mbar betrachtet werden. Bedient eine dezentrale Umwälzpumpe z. B. den Heizkreis einer Fußbodenheizung, müssten entweder eine größere Dimension der Rohrleitung oder zusätzliche Heizkreisunterteilungen vorgenommen werden. Das verteuert die Anlage wegen der Mehrkosten für Verteiler/Sammler und Schrank. Ein alternativ montiertes

Bild 27: Abgleich der Audiotechnik – bei der Raumheizung analog unmöglich?

Hosenstück pro Heizkreis mit zwei parallelen Anschlüssen verursacht Probleme mit der Rohrführung im und vor dem Verteiler/Sammler.

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Sollten gerätetechnische Probleme die Ursache sein, liegt das an einer

5. Wärmeübergabe

mangelhaften Entwicklungsarbeit. Diese automatische Abgleichtechnik sollte ebenso wie die Heizkosten- und Kühlkostenerfassung sowie Trend-

5.1. Berechnung und Verbesserung konstruktiver Details

darstellung Bestandteil jeder Einzelraumtemperaturregelung gerade bei

der Fußbodenheizung

Flächenheiz- und -kühlsystemen werden. 2. velta Kongress Das automatische Einmessen von Audioanlagen des Home Enter-

Jürgen Otto „Der Einfluss von Installationsdetails und

tainments zeigt hierzu Möglichkeiten auf. Typisch für die Lösung

haustechnischer Gestaltung der Fußbodenheizung auf

des Herstellers Pioneer ist das automatische Lautsprecher-Ein-

Wärmeabgabe und Heizwassertemperaturen“

messsystem MCACC (inklusive 5-stufigem EQ für ein akkurates Einmessen der Lautsprecher), das sich durch Präzision, hohe

Im Mittelpunkt des Beitrages standen Untersuchungen zu den

Betriebssicherheit und einfache Bedienung auszeichnet (Bild 27).

Leistungen und Systemtemperaturen von nass und trocken verlegten Fußbodenheizungen. Dazu wurde eine neue Rechenmethode entwickelt (Bild 28). Die Trockenbausysteme mit höheren Vorlauftemperaturen gegenüber den Systemen mit Rohren im Estrich wurden sehr kritisch beurteilt und für Wärmepumpenanlagen als weitgehend ungeeignet erachtet. Baukonstruktive Weiterentwicklungen wurden angemahnt. Weiter hieß es, dass „keine Prognosen möglich sind,

Bild 28: Neue Rechenmethode zum Bestimmen der Heizwärmestromdichte von Fußbodenheizungen (OTTO, links) und Prüfstandsaufbau an der TU Berlin (HRI, Prof. Dr. Esdorn)

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wem und zu welchem Zeitpunkt der Durchbruch auf diesem Gebiet

Entwicklungsarbeiten der jüngsten Vergangenheit beziehen sich auf

gelingen wird“.

folgende physikalische Phänomene:

Die klassische Fußbodenheizung wurde zu Beginn der 80er Jahre neu entdeckt, wobei Korrosions- und Verschlammungsprobleme infolge nicht sauerstoffdiffusionsdichter Rohre diese Niedertemperaturheizsysteme in Bedrängnis brachten. Erst die Ummantelung mit Folien führte zu einer Diffusionsdichtheit, die in den Normen durch die DIN 4726 geregelt wurde. Tabelle 2 zeigt Versuche von Weiterent-

speicherwirksame Fußbodenheizung mit PCM-ZementestrichLasterverteilung dünnschichtige Flächenkühlsysteme mit Feuchte absorbierenden Schichten Infrarotregelung der Fußbodenheizung nach deren Oberflächentemperatur und Schutz des Oberbodens

wicklungen, die sich nicht durchgesetzt haben. Diese Ansätze werden immer mal wieder neu entdeckt und mit Marketing Aktionen als

Während sich zunächst die Weiterentwicklungen der Fußbodenheiz-

Innovation verkauft – bis man die Nichteignung erneut zur Kenntnis

systeme vorrangig auf Komponenten und Montagetechnologien

nehmen muss.

bezogen, wurden in den 90er Jahren die Möglichkeiten (und Grenzen) der Fußbodenkühlung entdeckt. Die Überlegung, einen Heizkörper

Tabelle 2: Fehlentwicklungen bei der klassischen Fußbodenheizung und thermoaktiven Bauteilsystemen

38

Entwicklungsansatz

technische Lösung

Bemerkung

1 geringe Trägheit des Bauteils (Fußboden)

Zumischen metallischer Körper in den Estrich

Logistik- und Technologieprobleme

2 höhere Heizleistung (Wärmeleitung)

Montage metallischer Rohrträger oder metallischer Lastverteilplatten

Estrich inhomogen, Logistik- Montage-, Preisprobleme

3 höher Heizleistung (Strahlungsreflexion)

Einbau einer Noppenaluminiumfolie oberhalb der Wärmedämmung

kein diathermer Luftraum durch das Estrichgewicht

4 höhere Heizleistung (Wärmeübergang)

Ovalrohr anstelle eines kreisrunden Rohres

Ovalrohr verursacht größere Temperaturwelligkeit und damit geringere Heizleistung

5 verbesserte Regelung

raumweise Temperaturregelung anstelle Massestromregelung

Unzuverlässigkeit der Einspritzung im Verteiler

6 Komfortverbesserung

reversierende Wasserströmung zum Erreichen gleichmäßigerer Oberflächentemperaturen

Systemträgheit, höhere Kosten, Unzuverlässigkeit

7 Montagevereinfachung

Ersatz der zentralen Verteiler/ Sammler mit Einzelraumtemperaturregelung

schlechte Durchströmung raumweise angeordneter Thermostatventilboxen

8 Kostenreduzierung von thermoaktiven Decken

Reduzierung der Deckenbewehrung durch Anrechnen der Stahlrohre

zu unsicher, Korrosion der Stahlrohre

9 Leistungszunahme thermoaktiver Decken

kreuzweise Anordnung zweier Rohrregister direkt übereinander

keine Leistungszunahme

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ebenso zur Raumkühlung zu nutzen, wird ebenfalls in Abständen neu

gen festgelegt, um sowohl konventionelle Systeme als auch Sonder-

diskutiert – und dann wieder verworfen. Das Kondensationsproblem, die

konstruktionen bewerten zu können.

ungünstige Raumtemperaturverteilung aufgrund der kleinen Kühlfläche u. a. sprechen dagegen, Heizkörper als Kühlkörper zu nutzen.

Als Ergebnis werden die mittlere Oberflächentemperatur und die Temperaturverteilung der beheizten oder gekühlten Fläche, die Norm-

In Verbindung mit dem hohen baulichen Wärmeschutz neuer Gebäude

Wärmestromdichte zwischen System und Raum, die zugehörige Norm-

werden andererseits auch Kühldecken wieder häufiger als Decken-

Heizmittelübertemperatur bzw. Norm-Kühlmitteluntertemperatur und

heizungen eingesetzt. Wie bei den Wandheiz- und –kühlsystemen be-

das Kennlinienfeld für die Beziehung zwischen Wärmestromdichte und

ziehen sich deren Weiterentwicklungen vorrangig auf montagetech-

den maßgeblichen Einflussgrößen angegeben.

nologische Details und weniger auf wärmetechnische Aspekte. Die Ausnahmen sind Überlegungen zur Systemintegration von Werkstoffen

Der Normentwurf prEN 1264 ist als Weiterführung der Norm für die

wie Graphit, die die Wärmeleitung und damit die Nutz- und

klassische Fußbodenheizung DIN EN 1264 zu betrachten und behan-

Verlustwärmeströme direkt beeinflussen.

delt nun auch die Umrechnung der Wärmeleistung von Fußbodenheizungen in die Wärmeleistung von Heizflächen in Wänden und

Stand 2008

Decken sowie in die Kühlleistung von Kühlflächen in Fußböden, Wänden und Decken. Dieser Normentwurf ist vorwiegend als Prüfnorm gedacht,

Bisher existierten für das Planen und Bemessen der Flächenheizung

widmet sich aber ebenfalls der Planung der genannten Systeme.

und -kühlung nur unvollständige Normen, die sich lediglich auf die klassische Fußbodenheizung (DIN 4725, DIN EN 1264) und Kühldecken

Beide Normenentwürfe sind weitgehend aufeinander abgestimmt und

(DIN EN 14240) bezogen.

enthalten Verweise auf die jeweils andere Ausgabe. Wärmetechnisch erfolgt die Bezugnahme auf den Beharrungszustand, so dass thermo-

Zum Zeitpunkt der Herausgabe dieses Beitrages liegen nun gleich zwei

aktive Bauteilsysteme (TABS) zunächst ausgeschlossen bleiben und

neue Normen im Entwurf vor, die sich mit dieser Thematik auseinander-

separat nur im Teil 3 des Normentwurfes prEN 15377 behandelt werden.

setzen. Dabei sollten diese Entwürfe differenziert betrachtet werden: prEN 15377 Teil 1 – Verfahren zur Bestimmung der Heiz- und 1. prEN 15377 – Planung von eingebetteten Flächenheiz- und

Kühlleistung

-kühlsystemen mit Wasser als Arbeitsmedium /9/ Für das Berechnen der dem Raum zuzuordnenden Nutzleistungen 2. prEN 1264 – Prüfverfahren für die Bestimmung der Wärmeleistung

thermisch aktiver Flächen und für das Bestimmen der Verluste in

von Fußbodenheizsystemen unter Benutzung von

entgegen gesetzter Richtung werden folgende unterschiedliche

Berechnungsmethoden und experimentellen Methoden /10/.

Verfahren benannt:

Der erstgenannte Normentwurf prEN 15377 ist demnach die künftige

vereinfachte Berechnungsverfahren in Abhängigkeit vom Systemtyp

Grundlage für die Planung, Montage, Inbetriebnahme, Nutzung und

Widerstandsverfahren

Wartung von Wasser führenden Systemen in Fußboden, Wand und

Fundamentale Berechnungen (Finite-Elemente-Methode (FEM) und

Decke, die sowohl der Raumheizung als auch der Raumkühlung dienen. Es werden Verfahren (Algorithmen und Prüfverfahren) und Bedingun-

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Finite-Differenzen-Methode (FDM) Prüfverfahren (insbesondere für Sonderkonstruktionen)

39


Dr.-Ing. Michael Günther – 30 Jahre Arlberg Kongress oder: Wie innovativ ist die Branche TGA?

Vereinfachtes Berechnungsverfahren (universelle Einfach -

mit anderen Wärmeleitfähigkeiten oder Rohrwanddicken ist der dafür

Potenzfunktion)

maßgebende Faktor B neu zu bestimmen.

Glg. (6-1) beschreibt die Abhängigkeit des Wärmestroms von den charak-

Die Kennlinien für diese Systeme werden wie folgt berechnet:

teristischen Systemmerkmalen wie Anordnung (Fußboden, Wand oder Decke), Konstruktion (Bauart des Systems), Oberflächenbelag bzw. Verklei-

Rohre im Estrich (nass verlegte Systeme)

dung, Rohrteilung, Rohrdurchmesser, Rohrüber- bzw. -unterdeckung: q = B . aB . aT mT . au mu . a mD .  q = B • i (ai mi) • H

(6-2)

(6-1) Rohre unter dem Estrich (trocken verlegte Systeme)

Das Verfahren setzt folgende Randbedingungen der Rohranordnung q = B . aB . aT mT . au mu . aWL . aK . 

voraus: Rohrteilung T > 0,05 m

(keine Kapillarrohrmatte)

Überdeckung su ≥ 0,015 m

(keine dünnschichtige FBH)

Rohrdurchmesser 0,01 m ≤ D ≤ 0,03 m

(keine Kapillarrohrmatte)

(6-3)

Systeme mit Flächenelementen q = B . aB . aT mT . au . 

(6-4)

Es wird zunächst von einer Wärmeleitfähigkeit des Rohres von

Bild 29 und 30 in Verbindung mit Tabelle 3 gibt die planungsrelevanten

R = R,0 = 0,35 W/(m . K) und eine Rohrwanddicke

Einflussparameter wieder, die vom Auftraggeber (z. B. Oberbodenbelag)

sR = sR,0 = (da − di)/2 = 0,002 m ausgegangen. Bei anderen Materialien

und dem Architekten (Baukonstruktion) festzulegen sind. Hinzu kommen

Bild 29: Rohre im Estrich (nass verlegt) und unter dem Estrich (trocken verlegt)

40

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Bild 30: Flächenelemente: Kapillarrohrmatte (links) und sog. Klimaboden (bis 1995)

Tabelle 3: Planungsrelevante Einflussfaktoren auf die Leistungen Baukonstruktive Einflussgröße

Rohre im Estrich

Rohre unter dem Estrich

Flächenelemente

aB Fußbodenbelag, Wand- oder Decken verkleidung

O

O

O

aT Rohrteilungsfaktor (Rohrabstand)

O

O

O

aU Überdeckungsfaktor

O

O

O

aD Rohraußendurchmesser

O

O

-

aWL Faktor für die Wärmeleiteinrichtungen

-

O

-

aK Korrekturfaktor für den Kontakt

-

O

-

Baukonstruktive Einflussgröße

Planerische Randbedingungen (Fragen)

aB Fußbodenbelag, Wand- oder Deckenverkleidung

o Material (Belagdicke, Wärmeleitfähigkeit)

aT Rohrteilungsfaktor (Rohrabstand)

o Heiz- oder/und Kühlfunktion, Leistungen, Energieeffizienz (Systemtemperaturen)

aU Überdeckungsfaktor

o System, Statik (DIN 1055, DIN 18560)

aD Rohraußendurchmesser

o System, Hydraulik

aWL Faktor für die Wärmeleiteinrichtungen

o Material (Materialdicke, Wärmeleitfähigkeit)

aK Korrekturfaktor für den Kontakt

o Technologie, Rohrmaterial, Rohrlage

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Dr.-Ing. Michael Günther – 30 Jahre Arlberg Kongress oder: Wie innovativ ist die Branche TGA?

Herstellerangaben (z. B. Rohrwerkstoff) und eigene Festlegungen des

berechnet (Bild 32). Die genauen Berechnungsverfahren sind im Anhang

TGA-Fachplaners (z. B. zur Energieeffizienz).

des Normentwurfes enthalten.

Luftspalten innerhalb der Heiz- und Kühlflächen sollten vermieden werden, sofern die Luft nicht gezielt erwärmt oder gekühlt werden soll. Für das Berücksichtigen der Dämmwirkung enthält der Normentwurf allerdings Angaben zu den äquivalenten Wärmeleitwiderständen in Abhängigkeit der Bauteillage und der Luftspaltdicke (Bild 31). Widerstandsverfahren Der Wärmestrom zwischen eingebetteten Rohren (Heiz- bzw. Kühlmitteltemperatur) und dem Raum oder der Oberfläche wird in gewisser Analogie zur Elektrotechnik mit Hilfe von Wärmewiderständen entlang

Bild 32: Thermisch aktives Bauteil und Abbildung im Widerstandsverfahren

des Wärmetransportweges vom Rohr zur thermisch aktiven Oberfläche

Bild 31: Luftspalt (rot gekennzeichnet) in fehlerhaft ausgeführter Wandheizung

42

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Die Einflüsse des Rohrtyps (Durchmesser, Wanddicke, Material), der

Fundamentale Rechenprogramme

Rohrteilung, des Wasserstroms und des Widerstandes der

(Finite-Elemente-Methode (FEM) und

Wärmeleitschicht sind in den virtuellen Widerstand Rt einbezogen, der

Finite-Differenzen-Methode (FDM))

sich wie folgt berechnet: Numerische Analysen nach der Finite-Elemente- (FEM) oder der R t = R z + R w + R r + R x

(6-5)

Finite-Differenzen-Methode (FDM) sind weitverbreitet. Es gibt zahlreiche kommerziell vertriebene Softwarelösungen, aber auch

Für den Beharrungszustand ergibt sich folgender Zusammenhang:

eigenständig programmierte Berechnungsabläufe. Diese Adaptionen jedoch müssen dem aktuellen Stand der Technik entsprechend und

(6-6)

nach den einschlägigen Verfahrensregeln und Normen so durchgeführt werden, dass sie leicht verifiziert werden können. Verfahrensweise bzw. anzuwendendes Rechenprogramm dazu sind im Anhang des Normentwurfes enthalten.

Hiervon abweichende Lösungsansätze werden im Normentwurf für folgende Konstruktionen angegeben:

Das in Bild 33 dargestellte Prüfbeispiel (Materialeigenschaften, Abmessungen) ist für die Verifizierung von numerischen FEM-

Rohre in massivem Beton eingebettet (TABS bzw. Betonkernaktivierung)

oder FDM-Rechenprogrammen für den Beharrungszustand zu verwenden.

Kapillarrohrmatten in einer Schicht an der raumseitigen Oberfläche

Bild 33: Prüfbeispiel der prEN 15277 zum Verifizieren anderer Lösungsansätze

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Bestandteile einer vollständigen Berechnungsdokumentation Für dieses Prüfbeispiel gelten folgende Randbedingungen: Eine vollständige Berechnungsdokumentation nach dem zitierten Bilanzgrenzen

Normentwurf muss die folgenden Bestandteile umfassen: Darstellung und Dokumentation der zu analysierenden Konstruktion

Wärmestromdichte an den seitlichen Bilanzgrenzen q = 0 W/m2

mit Hilfe von technischen Zeichnungen, Diagrammen und Skizzen; Angabe der zugrunde gelegten Materialdaten und der erforderlichen

Baukonstruktive Aspekte des thermisch aktiven Bauteils

Datenquellen; Beschreibung der zugrunde gelegten Lastfälle einschließlich

Rohrabstand T = 150 mm Rohraußendurchmesser D = 20 mm

Begründung durch Verfahrensregeln und Normen; Beschreibung und Darstellung des angewendeten numerischen

Rohrwanddicke sR = 2,3 mm

Modells unter Angabe der mathematischen und physikalischen

als Kreise simulierte Rohre

Grundlage, z. B. des Elementtyps, der Formfunktionen, der Anzahl der

Estrichdicke unter dem Rohr sE,u = 10 mm Estrichdicke über dem Rohr sE,o = 30 mm

Elemente, Knoten und Freiheitsgrade; Name, Verifizierung, falls verfügbar, und Ursprung des Rechenprogramms;

Wärmetechnische Parameter

Beschreibung der dem Modell zugrunde liegenden technischen Annahmen, Vereinfachungen und Anwendungsgrenzen.

Fußbodenbelag ( = 0,23 W/(m . K); s = 0,015 m) Estrich ( = 1,2 W/(m . K); s = 0,06 m) Wärmedämmung ( = 0,04 W/(m . K); s = 0,03 m) Beton ( = 2,1 W/(m . K))

Bild 34: Stahltrapezflachdecke Slimdek – Temperaturen und Kühlleistungsdichten

Thermische Ankopplung Raumtemperatur unter und über der Konstruktion ti = 26 °C mittlere Wassertemperatur tH = 18 °C kein seitlicher Wärmefluss Wärmeleitwiderstand an der oberen Luftgrenzschicht Ro = 0,1429 m2 . K/W Wärmeleitwiderstand an der unteren Luftgrenzschicht Ru = 0,0909 m2 . K/W Bild 34 zeigt die Berechnung der Kühlleistungsdichte einer Stahltrapezflachdecke im Kühlbetrieb unter Berücksichtigung komplizierter geometrischer Verhältnisse. Hierzu wurde eine FEM – Software eingesetzt, die gemäß des Normenentwurfes nunmehr vorab zu verifizieren wäre.

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Dr.-Ing. Michael Günther – 30 Jahre Arlberg Kongress oder: Wie innovativ ist die Branche TGA?

Die Bilder 35 bis 39 zeigen hierzu abschließend einige Anwendungen zum Teil neuartiger Uponor Lösungen der Flächenheiz- und -kühlsysteme.

Bild 35: Uponor Minitec – die dünnschichtige Fußbodenheizung in der Leipziger Oper (Bauleitung: Dipl.-Ing. Ingo Schnabelrauch)

Bild 36: Uponor Ceiling System – Deckenkühlung in der Anna-AmaliaBibliothek in Weimar (Bauleitung: Dipl.-Ing. Dieter Preuß)

Bild 37: Uponor Contec – Betonkernaktivierung in der Stadthalle Graz (Bauleitung: Ing. Markus Nebel)

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Dr.-Ing. Michael Günther – 30 Jahre Arlberg Kongress oder: Wie innovativ ist die Branche TGA?

Bild 38: Uponor Contec ON – thermoaktive Decke (TABS) mit thermischer Steckdose bei VELUX Österreich (Bauleitung: Dipl.- Ing. Holmer Deecke)

Bild 39: Fermenter mit wasserdurchströmten Behälterwänden (Bauleitung: Ing. Wieland Tempel)

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Dr.-Ing. Michael Günther – 30 Jahre Arlberg Kongress oder: Wie innovativ ist die Branche TGA?

3. Das Wasserstoff-Auto wird nachts angedockt und zum BHKW.

6. Das Haus der Zukunft

(Erst muss ich mal die Umweltplakette für Berlin bezahlen. „Es werden höchstens 5000 Fahrzeuge gebaut werden.

Übrigens sind die Preise für Kupfer und Platin wieder gestiegen.)

Denn es gibt nicht mehr Chauffeure, um sie zu steuern.“

4. Schwarzwasser-, Grauwasser- und Biogasanlage bestimmen die Gottlieb Daimler

gesamte Sanitärinstallation. (Warum ist das Wasser so trübe? Fördert der Biofilm die Legionellenbildung?)

Einige Gedanken zum Haus der Zukunft (Bild 40):

5. Präsenzmelder und Heiztapete führen zu Energieeinsparungen von 30 % gegenüber konventioneller Technik. (Wo ist meine Strickjacke?

1. Das 3 cm dicke Vakuumpanel bestimmt die Außenwandkonstruktion. (Wie bekomme ich am Freitag die 15 cm dicke PS-Wärmedämmung finanziert?) 2. Der PCM-Putz wirkt als Speicher. (Muss man bei der Putzerneuerung nach EnEV 2007 gleich den U-Wert der Außenwand verbessern? Dann

Das Wohnzimmer ist schon wieder kalt. Ich geh mal die Heizkurve anheben.) 6. Lüftungssensor und Lüftungsanlage arbeiten nach den Schadstoffen und sind energieeffizient. (Wo ist die Zeitung von gestern? Durch das Außenluftdurchlasselement zieht es …)

lieber kein neuer Putz.)

Bild 40: Das Haus der Zukunft – wird es so auch funktionieren? (Greenpeace /11/)

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Dr.-Ing. Michael Günther – 30 Jahre Arlberg Kongress oder: Wie innovativ ist die Branche TGA?

Das wir uns richtig verstehen: die angedeuteten Möglichkeiten der TGA

Literaturverzeichnis

im Haus der Zukunft werden zumindest teilweise erschlossen. Sollten wir aber nicht parallel zu diesen Entwicklungsarbeiten endlich Wege finden, die jahrelang bestehenden Fehler im Haus der Gegenwart zu beseitigen!? Auch das wäre dann wahrlich innovativ und visionär. Den folgenden Arlberg Kongressen bleibt zu wünschen, dass viele neue Ideen vorgestellt und diskutiert werden, die später die Branche prägen. Flächenheiz- und -kühlsysteme werden noch lange Bestandteil dieser modernen Konzepte sein (TROGISCH/GÜNTHER /12/). Zusammenfassung In den menschlichen Dingen ist ein Kreislauf, er geht um und lässt nicht immer dieselben glücklich sein. Herodot

/1/ HENNICKE, P.

Ökologische Industriepolitik – Strategien zur Erschließung der Effizienzpotenziale. Wuppertal – Institut für Klima, Umwelt und Energie GmbH. Tagung Düsseldorf, 2007.

/2/ NITSCH, J.

Wege zu einer klimafreundlichen Energieversorgung. Umwelttag „Anforderungen des Klimaschutzes an eine nachhaltige Energiepolitik in Baden –Württemberg“. Stuttgart, 2006.

/3/ -

Klimaschutzprogramm der Bundesregierung. Meseberger Tagung. 2007.

/4/

-

Ölheizung aktuell. IWO Information. 03/2007.

/5/

-

Absorptions- und Adsorptions- WP. OÖ Ferngas. 2007

/6/ HÜMMLER, G.

Tachyonen, Felder, Freie Energie –wie die Esoterik die Begriffe der Physik missbraucht. Vortrag GWUP Regionalgruppe Bamberg. 2003.

/7/

-

Thermochemische Speicher. BINE Information 02/2001.

/8/

-

Dezentrale Heizungspumpen. BINE Information 13/2006.

Als Zusammenfassung lesen Sie bitte die Einleitung. Danksagung

/9/ -

prEN 15377: Heizsysteme in Gebäuden – Planung von eingebetteten Flächenheiz- und Kühlsystemen mit Wasser als Arbeitsmedium. Entwurf 2006.

Dieser Beitrag widmet sich dem Entwicklungsstand der Branche TGA

/10/ -

prEN 1264: Raumflächenintegrierte Heiz- und Kühlsysteme mit Wasserdurchströmung. Entwurf 2007.

und verfolgt keinerlei kommerzielle Interessen. Es soll auf Neuent-

/11/ -

So werden wir wohnen. Greenpeace – Studie. 2006.

/12/ TROGISCH, A./ GÜNTHER, M.

Planungshilfen bauteilintegrierte Heizung und Kühlung Hüthig Verlag. Erscheint April 2008.

wicklungen aufmerksam gemacht werden, die in den genannten Unternehmen durch ein starkes Engagement aller Beteiligten entstanden sind. Dafür ist ihnen sehr zu danken. Stellvertretend für die anderen sollen WILO, TU Dresden (ITTGA) und TU Berlin (HRI) genannt werden. Diese Entwicklungsarbeiten und -ergebnisse sollen andere zu gleichen Anstrengungen motivieren, damit das hohe technische Niveau von Systemen und Produkten traditionsreicher Hersteller in Deutschland gewahrt bleibt.

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Dipl.-Ing. Jürgen Klement – Sanierung von Trinkwassersystemen unter den Aspekten der Hygiene und Energieeffizienz

Dipl.-Ing. Jürgen Klement

Sanierung von Trinkwassersystemen unter den Aspekten der Hygiene und Energieeffizienz

Dies sind im Wesentlichen: Veränderung des Geltungsbereiches bis hin zur letzten Zapfstelle Zuweisung der Zuständigkeit für die Einhaltung der Verordnung und somit der Sicherstellung der Trinkwasserqualität in der Hausinstallation an den Eigentümer bzw. Betreiber der Anlage Verschärfte Anforderungen an das Trinkwasser Zuweisung der Aufrechterhaltung der Trinkwasserqualität in der Hausinstallation an den Betreiber Anzeigepflicht neuer und bestehender Regen- bzw. Brauchwassernutzungsanlagen beim Gesundheitsamt Informationspflicht des Betreibers gegenüber dem Gesundheitsamt, z. B. beim Auftreten von Legionellen Vermehrte Überwachung von Trinkwasserinstallationen, besonders von Anlagen aus denen Wasser für die Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird.

Die Sanierung kontaminierter, hygienisch bedenklicher Trinkwassersysteme ist eine große Aufgabe für Planende, Ausführende und

Nutzer von Trinkwasseranlagen sind über Wasserbehandlungsmaßnahmen zu informieren

Betreiber von Trinkwasserinstallationen. Sie erfordert umfangreiches Detailwissen in den verschiedenen Bereichen der Trinkwasser-

Das Ziel der Trinkwasserverordnung ist der Schutz der menschlichen

Installationstechnik. Es ist eine Vielzahl von Einzelschritten die in

Gesundheit vor den nachteiligen Einflüssen, die sich aus der Verunrei-

Summe einen nachhaltigen Erfolg sicherstellen. Eine intensive Zu-

nigung von Trinkwasser ergeben, durch Gewährleistung einer jeder-

sammenarbeit mit den Überwachungsbehörden und Hygienikern ist

zeitigen Genusstauglichkeit und Reinheit an den Entnahmestellen für

bei diesen komplexen kostenintensiven Sanierungsmaßnahmen

Wasser für den menschlichen Gebrauch. Trinkwasser ist ein verderb-

ebenfalls notwendig.

liches Lebensmittel ohne aufgedrucktes Verfallsdatum. Gesundheitsgefahren in Trinkwasseranlagen können verschiedenen Ursprungs

Im Rahmen der Umsetzung der europäischen Trinkwasserrichtlinie

sein. Zu den physikalischen Veränderungen gehört z. B. die Tempe-

in nationales Recht wurde am 28. Mai 2001 die „Verordnung zur

raturerhöhung im Kaltwasserbereich, erhöhte Metallionenkonzentra-

Novellierung der Trinkwasserverordnung vom 21.05.2001“ veröffent-

tionen deuten auf chemische Veränderungen hin; Stagnation bedeu-

licht. Die Trinkwasserverordnung (TrinkwV 2001) trat am 1. Januar

tet mikrobiologische Veränderungen.

2003 in Kraft. Für den Bereich der Trinkwasserinstallation haben sich Veränderungen aus der Trinkwasserverordnung ergeben.

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Dipl.-Ing. Jürgen Klement – Sanierung von Trinkwassersystemen unter den Aspekten der Hygiene und Energieeffizienz

Für die Planung, Errichtung und den Betrieb von Trinkwasserinstalla-

Die wichtigsten Normen und Arbeitsmittel sind:

tionsanlagen gelten als anerkannte Regeln der Technik die nebenstehend aufgeführten Normen und Arbeitsblätter. Im Rahmen der

DIN EN 806-1, 2001-12; Technische Regeln für Trinkwasser-

Fortschreibung des Technischen Regelwerkes sowie der nationalen

Installationen – Teil 1: Allgemeines; Deutsche Fassung

Umsetzung der Europäischen Normen hat der Normenausschuss

EN 806-1:2001 + A1:2001

Wasserwesen im DIN eine Überarbeitung und Zusammenfassung aller für die Trinkwasserinstallation zuständigen Normen beschlossen, so dass hier in den nächsten Monaten und Jahren mit wesentlichen Änderungen zu rechnen ist.

DIN EN 806-2, 2005-06; –; – Teil 2: Planung; Deutsche Fassung EN 806-2:2005 DIN EN 806-3, 2006-07; –; – Teil 3: Berechnung der Rohrinnendurchmesser – Vereinfachtes Verfahren; Deutsche Fassung EN 806-3:2006

In § 4 der TrinkwV geht der Verordnungsgeber davon aus, dass ein zur

E-DIN EN 806-4, 2007-04; Technische Regeln für Installationen

Verteilung kommendes Trinkwasser die in der Verordnung aufgeführ-

innerhalb von Gebäuden für Trinkwasser für den menschlichen

ten mikrobiologischen, chemischen und Indikator-Parameter einhält. Des Weiteren wird unterstellt, dass bei der Wassergewinnung, der Wasseraufbereitung und der Wasserverteilung – Installationsanlagen sind die Endstufe der Verteilungsanlagen – die allgemein anerkannten Regeln der Technik eingehalten werden.

Gebrauch – Teil 4: Installation; Deutsche Fassung prEN 806-4:2007 DIN 1988-1, 1988-12; Technische Regeln für TrinkwasserInstallationen (TRWI); Allgemeines; Technische Regel des DVGW DIN 1988-2, 1988-12; –; Planung und Ausführung; Bauteile, Apparate, Werkstoffe; Technische Regel des DVGW DIN 1988-2 Beiblatt 1, 1988-12; –; Zusammenstellung von

Wesentliche Problembereiche dabei sind: die fachgerechte, der jeweiligen Spezialaufgabe angepasste Planung, die richtige Produktund Werkstoffwahl, handwerklich einwandfrei ausgeführte Installationen und der bestimmungsgemäße Betrieb, wobei zum einen der Wartung und Instandhaltung, zum anderen aber der Betriebsweise und Nutzung, die letztlich nur durch den Betreiber sichergestellt

Normen und anderen Technischen Regeln über Werkstoffe, Bauteile und Apparate; Technische Regel des DVGW DIN 1988-3, 1988-12; –; Ermittlung der Rohrdurchmesser; Technische Regel des DVGW DIN 1988-4, 1988-12; –; Schutz des Trinkwassers, Erhaltung der Trinkwassergüte; Technische Regel des DVGW

werden kann, eine besondere Rolle zufällt.

DIN 1988-5, 1988-12; –; Druckerhöhung und Druckminderung;

Um den hohen Anforderungen an das Trinkwasser gerecht zu werden,

DIN 1988-6, 2002-05; –; – Teil 6: Feuerlösch- und Brandschutz-

Technische Regel des DVGW sind in den technischen Regelwerken Anforderungen und Installationsvorgaben beschrieben, bei deren Einhaltung vermutet werden kann, dass es nicht zu einer Beeinträchtigung kommt. Im Schadensfalle kann demjenigen, der die Regelwerke eingehalten hat, also keine grobe Fahrlässigkeit unterstellt werden. Derjenige, der vom Regelwerk abweicht und andere technische Lösungen umsetzt, hat den Nachweis

anlagen – Technische Regel des DVGW DIN 1988-8, 1988-12; –; Betrieb der Anlagen; Technische Regel des DVGW DIN 14462, 2007-01; Löschwassereinrichtungen – Planung und Einbau von Wandhydrantenanlagen und Löschwasserleitungen; DIN 14462 Berichtigung 1, 2007-05

zu erbringen, dass seine abweichende Lösung mindestens der im Regel-

DVGW W 551, 2004-04; Trinkwassererwärmungs- und Trinkwasser-

werk beschriebenen gleichwertig ist. Dies wird im Einzelfalle schwierig

leitungsanlagen; Technische Maßnahmen zur Verminderung des

werden.

Legionellenwachstums; Planung, Errichtung, Betrieb und Sanierung von Trinkwasser-Installationen –Arbeitsblatt–

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Dipl.-Ing. Jürgen Klement – Sanierung von Trinkwassersystemen unter den Aspekten der Hygiene und Energieeffizienz

DVGW W 553, 1998-12; Bemessung von Zirkulationssystemen in

wasser. Dies ist durch die Minimierung der trinkwasserverändernden

zentralen Trinkwassererwärmungsanlagen –Arbeitsblatt–

Legierungsbestanteile und die Abstimmung der Werkstoffe auf die

VDI 6023 Blatt 1, 2006-07; Hygiene in Trinkwasser-Installationen –

Trinkwasserqualität nach DIN 1988-7 bzw. DIN 50930-6 zu erfüllen.

Anforderungen an Planung, Ausführung, Betrieb und Instandhaltung

2. Anforderungen an Werkstoffe und die Werkstoffauswahl

ZVSHK Merkblatt „Dichtheitsprüfungen von Trinkwasser-Installa-

zur Begrenzung der mikrobiellen Besiedlung

tionen mit Druckluft, Inertgas oder Wasser“ ZVSHK Merkblatt „Spülen, Desinfizieren und Inbetriebnahme von

Besonderer Bedeutung kommt unter hygienischen Aspekten den

Trinkwasser-Installationen“

nicht-metallenen Werkstoffen zu, da von ihnen eine Begünstigung

ZVSHK Fachinformation „Technische Maßnahmen zur Einhaltung

der Biofilmbildung in den Installationssystemen ausgehen kann.

der Trinkwasserhygiene – Verminderung des Legionellen- und

Die Anforderungen an derartige Werkstoffe sind in der UBA-

Pseudomonaswachstums in Trinkwasserinstallationen“

Leitlinie zur Umsetzung der KTW-Empfehlungen, ergänzt durch

ZVSHK Fachinformation „Brandschutz bei der Verlegung von

die Anforderungen des DVGW-Arbeitsblattes W 270 formuliert.

Leitungsanlagen“

In die Trinkwasserinstallation sind nach DIN 1988-2 nur Produkte

ZVSHK Fachinformation „Sanierung kontaminierter Trinkwasser-

einzubauen die den Anerkannten Regeln der Technik entsprechen.

Installationen“ 3. Dimensionierung von Installationen – Vermeidung von zu Die Detailanforderungen aus den Regelwerken lassen sich abstra-

langen Standzeiten und Verkeimung

hiert auf wenige Schutzziele zusammenfassen. Eine Übersicht solcher Schutzziele enthält der vom Bundesgesundheitsministerium in Zu-

„Wasser muss fließen“ eine Erkenntnis aus Römerzeiten. Für

sammenarbeit mit dem Umweltbundesamt vorgelegte Bericht an die

moderne Installationssysteme bedeutet dies vor allen Dingen die

Verbraucherinnen und Verbraucher über die Qualität von Wasser für

bedarfsgerechte Dimensionierung der Rohre unter Berücksich-

den menschlichen Gebrauch.

tigung der auftretenden Gleichzeitigkeitsbedingungen nach DIN 1988-3 wobei dem Planer bei der Festlegung der individuellen

Jeder an der Planung, Erstellung und Nutzung von Trinkwasserinstal-

Gleichzeitigkeitsfaktoren besondere Verantwortung obliegt. Der

lationen Beteiligte sollte die hehren Ziele stets im Kopf behalten und

schnelle Wasseraustausch ist zu begünstigen bedeutet: hohe

sein Handeln daran ausrichten. Im nachfolgenden werden Hinweise

Strömungsgeschwindigkeiten, das Einschleifen von Entnahme-

zu den einzelnen Schutzzielen gegeben:

stellen sowie die Anordnung von regelmäßig genutzten Entnahmestellen am Ende des Installationssystems. Es sollen nach

1. Anforderungen an Werkstoffe und die Werkstoffauswahl zur Vermeidung von Kontaminationen mit chemischen Stoffen

VDI 6023 nur Entnahmestellen geplant werden, die regelmäßig im Sinne der Aufrechterhaltung der Trinkwasserqualität genutzt werden. Aus schallschutztechnischen Gründen sind Rohrsysteme

Rohrleitungssysteme, Einbauteile und Armaturen bestehen zum

und Baukörper von einander zu trennen. Vorwand-Installations-

überwiegenden Teil aus metallenen Werkstoffen. Der zwangsweise

systeme sind nahezu ein Muss.

bedingte Kontakt des Trinkwassers mit der metallenen Innenoberfläche führt zu naturgesetzlich gegebenen Reaktionen und somit ggf. zu einer Erhöhung der Metallionenkonzentration im Trink-

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Dipl.-Ing. Jürgen Klement – Sanierung von Trinkwassersystemen unter den Aspekten der Hygiene und Energieeffizienz

4. Absicherung von angeschlossenen Apparaten und Geräten

7. Vermeidung von Undichtigkeiten bzw. Eindringen von Verunreinigungen

Werden in Installationsanlagen Apparate (z. B. Wärmetauscher, Trinkwassererwärmer, Wasserbehandlungsanlagen) eingebaut oder

ZVSHK-Merkblatt zu unterziehen. Aus hygienischen und

angeschlossen, so sind diese nach DIN EN 1717 bzw. der noch

praktischen Gründen sollte die Druckprüfung mit Luft oder einem

gültigen DIN 1988-4 abzusichern. Entsprechend der Gefährdungs-

inerten Gas durchgeführt werden. Anlagen die mit Wasser abge-

kategorie des anzuschließenden Apparates ist eine Sicherungseinrichtung auszuwählen. Tragen die einzubauenden bzw. anzu-

drückt werden sind danach unmittelbar in Betrieb zu nehmen,

d. h. der regelmäßige Wasseraustausch ist durch Spülpläne

schließenden Bauteile ein DVGW-Zertifizierungszeichen so gelten

sicherzustellen. Während der Verlegung der Rohrleitungen

diese als eigensicher und können ohne weitere Maßnahmen

ist darauf zu achten, dass Fremdstoffe nicht in die Leitungs-

angeschlossen werden.

öffnungen eindringen können.

5. Vermeidung von Rückfließen

Fertig installierte Rohrsysteme sind einer Druckprüfung nach

Geräte (Waschmaschine, Geschirrspülmaschine, Reinigungsgeräte)

Die Trinkwasserinstallationsanlage endet mit den freien Ausläufen

8. Vermeidung von Stagnationsbereichen

Stagnation in den Rohrleitungen führt zu einer Beeinträchtigung

der Entnahme-Armaturen oder den zugeordneten Sicherungsar-

der Trinkwasserqualität und ist ähnlich zu werten wie die

maturen nach DIN EN 1717. Bei Sanitärarmaturen mit angeschlos-

Überschreitung des Verfalldatums bei Lebensmitteln. Deshalb ist

senen Hand- oder Schlupfbrausen besteht die Gefahr des Zurück-

nach DIN 1988-2 und DIN 1988-4 bei Planung, Bau und Betrieb

saugens. In die Armatur integrierte Sicherungseinrichtungen

darauf zu achten, das stagnierendes Wasser nicht entsteht. Nicht

schützen das Trinkwasser vor dieser Gefahr und machen diese eigen-

durchströmte Umgehungsleitungen sind nicht zulässig.

sicher. 9. Spülung, ggf. Desinfektion von Installationen bei 6. Anforderungen an den Korrosionsschutz

Neben der Innenkorrosion ist die Kontaktkorrosion, die Element-

Inbetriebnahme

Trinkwasserinstallationen sind bei der Inbetriebnahme gründlich

bildung und Außenkorrosion in Zusammenhang mit Trinkwasser-

zu spülen. Das ZVSHK Merkblatt Spülen, Inbetriebnahme und

installationen von besonderer Bedeutung. In DIN 1988-7 werden

Desinfektion beschreibt die verschieden Spülverfahren (Wasser

die verschiedenen Korrosionsarten erläutert und Maßnahmen

oder Wasser/Luft, pulsierend) und deren Anwendungsnotwendig-

für die korrosionsschutzgerechte Planung und Ausführung be-

keiten. Die Spülung hat auf jeden Fall mit filtriertem Trinkwasser

schrieben.

zu erfolgen. Hausanschlüsse die seit längerem Stagnieren sind vor Befüllung der Installationsanlage gründlich in Abstimmung mit dem Versorgungsunternehmen zu spülen, um Fremdeintrag auszuschließen.

52

u p o n o r K ON G R E S S 2 0 0 8


Dipl.-Ing. Jürgen Klement – Sanierung von Trinkwassersystemen unter den Aspekten der Hygiene und Energieeffizienz

10. regelmäßige Inspektion von Anlagen

14. Vermeidung von nassen Feuerlöschleitungen als potentielle Kontaminationsquelle

Wie jedes technische System sind auch Trinkwasser-Installationsanlagen regelmäßig nach DIN 1988-8 zu inspizieren und bedarfs-

Werden nasse Feuerlöschanlagen unmittelbar an die Trinkwasser-

orientiert zu warten. VDI 6023 gibt umfassende Hinweise zu In-

installation angeschlossen bestehen nicht beherrschbare Risiken

spektions- und Wartungsfragen und bietet diverse Checklisten.

für die Trinkwasserhygiene. Feuerlösch- und Brandschutzanlagen werden bestimmungsgemäß selten betrieben. Aus diesem Grunde

11. Abtrennung von nicht mehr betriebenen Anlagen und -teilen

ist bei Planung, Bau und Betrieb sicherzustellen, dass stagnierendes Wasser nicht entsteht oder aber mit absoluter Sicherheit

Leitungen und Anlagen die bestimmungsgemäß auf Dauer nicht

von der Trinkwasseranlage ferngehalten wird. Mit Erscheinen der

mehr betrieben werden und somit Stagnieren sind abzutrennen.

DIN 14462-1 ist der unmittelbare Anschluss von Wandhydranten-

Bis zu diesen Zeitpunkt sie sie Bestandteil der Trinkwasseranlage

typ F an Trinkwasserinstallationen nicht mehr darstellbar.

und somit regelmäßig zu spülen.

Feuerlösch- und Brandschutzanlagen sind mittelbar anzuschließen oder als Nass-/Trockensysteme auszuführen. In dem neuen

12. Anforderungen an Einrichtungen zur Wasserbehandlung

Entwurf zur Überarbeitung der DIN 1988-6 werden verschärfte

(Filter, Dosiergeräte, lonenaustauscher) zur Vermeidung von

Anforderungen an die Trinkwasserhygiene formuliert. Ziel ist es

Verkeimungen und Grenzwertüberschreitungen für chemische

wenn immer möglich im Sinne des Multibarrierensystems

Stoffe

Trinkwasser- und Feuerlöschanlagen von einander zu trennen.

Alle Anlagen zur Wasserbehandlung müssen den Anforderungen

15. Warmwassertemperaturen größer 60°C zur Verminderung des

der DIN 1988-2 entsprechen und richtig dimensioniert werden.

Legionellenwachstums

Andere als die o. g. Anlagen z. B. prophylaktisch eingebaute Chlordioxidanlagen entsprechen nicht dem Reinheitsgebot der

Im DVGW Arbeitsblatt W 551 werden die Maßnahmen zur Vermei-

Trinkwasserverordnung. Werden dem Trinkwasser Stoffe zuge-

dung des Legionellenwachstum in Trinkwasser-Erwärmungsan-

geben sind die Nutzer hierüber zu informieren.

lagen und -installationssystemen beschrieben. Die dauerhafte Einhaltung einen Speichertemperatur größer 60°C sowie das nach

13. Anforderungen bezüglich unzulässiger Erwärmung von kaltem Trinkwasser

W 553 berechnete und hydraulisch abgeglichene Rohrnetz sind bei bestimmungsgemäß betriebener Anlage, der beste Garant für ein hygienisch einwandfreies Trinkwasser. Die Durchführung der

Nach der TrinkwV ist die Temperatur von kaltem Wasser auf 25°C

Zirkulation bis zur letzten Etagenzapfstellen bringt nicht nur

begrenzt. Bei Planung und Bau von Leitungen für die Kaltwasser-

hygienische Vorteil sondern auch Komfort. Thermostatarmaturen

versorgung ist darauf zu achten, dass es nicht zu unzulässigen

stellen den Verbrühungsschutz sicher.

Temperaturerhöhungen kommt. Nach VDI 6023 sind für warmgehende Leitungssysteme andere Schächte und Kanäle zu wählen als für Kalte. Rohrleitungen in Schlitzen für kaltes Trinkwasser neben warmgehenden Leitungen sind nach DIN 1988-2 ebenso wie Rohrleitungen in beheizten Räumen zu dämmen.

u p o n o r K ON G R E S S 2 0 0 8

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Eine erfolgreiche Sanierung ist die Summe aller Einzelmaßnahmen und das Ende eines langen gemeinsamen Weges zwischen allen Beteilig-

Entfernung der flexiblen Verbindungen zwischen der Trinkwasser-Installationsanlage und den Heizungsanlagen

ten. Beispielhaft sind hier die einzelnen Schritte einer insgesamt 2 ½-

Prüfung der Funktionsweise von Zirkulationen

jährigen erfolgreichen Sanierungsmaßnahme dargestellt.

Abtrennung von Schlauchleitungen nach Nutzung Grundreinigung der Trinkwasserspeicher

1. Planerische/Organisatorische Maßnahmen

Dauerhafte Erhöhung der Speichertemperatur auf > 60°C Wartung der Trinkwasserspeicher

Erfassung aller nicht regelmäßig genutzten Entnahmestellen Ermittlung aller Stagnationsstrecken Ermittlung aller nicht notwendigen zu versorgenden Trink-

Durchführung einer orientierenden mikrobiologischen Untersuchung Wiederholungsuntersuchungen

wasserstellen Erstellung von Spülplänen

3. Bautechnische Maßnahmen:

Festlegung der Spülzyklen Dokumentation der Maßnahmen

Einbau geeigneter Temperaturmessstellen

Anlage eines Betriebstagebuches

Ausbildung von durchschliffenen Leitungen mit kleinen Quer-

Anfertigung einer Anlagendokumentation mit Beschreibung und Strangschemata Ermittlung der Leistungsfähigkeit der Trinkwassererwärmungsanlagen Überprüfung des vorgehaltenen Wasservolumens Überprüfung der Größe von Trinkwasseraufbereitungsanlagen Erstellung eines Begehungsplanes der Anlagen mit Inspektionsaufgaben Entwicklung einer Instandhaltungsstrategie

schnitten zur Erreichung schnellen Wasseraustausches Trennung von Trinkwasser- und Betriebswassernetzen Einbau von Spülventilen Verbesserung der Isolation der Warmwasser- und Kaltwasserleitungen Festlegung von Probeentnahmestellen und Einbau von Probeentnahmeventilen Ausbau der fest installierten Umgehungsleitungen (Wasserzähler, Filter, Enthärtung) Entfernung von Stagnationsstrecken

2. Betriebstechnische Maßnahmen

Austausch der Zirkulationspumpen hydraulischen Abgleich der Zirkulationssysteme

Durchführung der regelmäßigen Spülungen mit Dokumentation Überprüfung und Wartung aller Einbauteile wie Filter, Enthärtungsanlagen, Sicherheitsventile Überprüfung und Wartung der Hydrantenanlage mit Funktionsprüfung

Entfernung der Stagnationsstrecken im Kaltwasserzulauf der Trinkwassererwärmer Erneuerung der nicht für Trinkwasser zugelassenen Einbauteile Umbau der Sammelsicherung zur Einzelsicherung Verbesserung der Netzstruktur

Überprüfung und Wartung der Sicherheitsventile der Trinkwassererwärmer Regelmäßiges Spülen bzw. Entfernung von vorhandenen Umgehungsleitungen

54

u p o n o r K ON G R E S S 2 0 0 8


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Professor Dr. Ing. Bjarne W. Olesen

nungs- als auch experimentelle Methoden zur Anwendung. Auf diese

Stehen prEN 1264 und prEN 15377 im Widerspruch? Neue europäische Normen zum Planen und Bemessen von wasserführenden Flächenheizungen und -kühlungen

Weise kann die Heiz-/Kühlleistung unter genormten Randbedingungen getestet und anschließend zertifiziert werden. Die neue Norm EN 15377 [6, 7, 8] enthält Berechnungsmethoden für die Auslegung und Dimensionierung von raumflächenintegrierten Heiz- und Kühlsystemen. Für manche Systeme werden die Berechnungsmethoden aus der Norm EN 1264 für die Auslegung und Dimensionierung herangezogen. Für andere Systemtypen, die von der Berechnungsmethode von EN 1264 nicht erfasst werden, enthält EN15377-1 neue Berechnungsmethoden. Ein besonderer Normteil behandelt die Thermo-Aktive-Bauteil-Systeme (TABS) oder Betonkernaktivierung, die direkt in die Gebäudemasse (Platten) integriert sind. Dieser Normteil beschreibt, wie das dynamische Verhalten des Systems zu berücksichtigen ist. Einleitung Die neue Norm für raumflächenintegrierte, hydraulische Flächenheizund ‑kühlsysteme EN 15377 setzt sich aus folgenden Teilen zusammen:

Teil 1: Bestimmung der Norm-Heiz- und Kühlleistung Teil 2: Planung, Auslegung und Installation (Dieser Teil wird Zusammenfassung

nach Neubearbeitung der EN1264 Teil 3 und 4 zurückgezogen)

Wegen der zunehmenden Anwendung von raumflächenintegrierten

Energiequellen und dynamische Betrachtungen

Teil 3: Optimierung für die Nutzung erneuerbarer Rohrsystemen für Gebäudeheizung – und inzwischen auch für Gebäudekühlung – ergab sich die Notwendigkeit, die existierende Eu-

In Teil 1 wird die stationäre Heiz- und Kühlleistung durch Berechnungen

ropäische Norm EN 1264-2 für Warmwasser-Fußbodenheizungen

auf Grundlage der Auslegungsdokumente und anhand eines Modells

einer Neubearbeitung zu unterziehen. Zur gleichen Zeit ist ein neuer

bestimmt. Die Berechnungsmodelle werden in prEN 1264 Teil 2 und 5

Satz von Normen EN 15377 für solche Systeme entwickelt worden,

sowie in EN 15377-1 aufgelistet. Bei Sonderkonstruktionen und in

und zwar im Zusammenhang mit den zahlreichen CEN-Normen für

manchen anderen Fällen wird die Leistung nicht nur durch Berechnung

die Erfüllung der Energie-Effizienz-Richtlinie für Gebäude (EPBD).

bestimmt, sondern darüber hinaus mit einer Testmethode gemäß EN 1264-2.

Die Normreihe EN1264 [1, 2, 3, 4, 5] wurde als Prüfnorm für Fußbodenheizsysteme überarbeitet. Es wurde ein neuer Normteil geschaffen

Die Heiz-/Kühlleistung wird als Funktion der Temperaturdifferenz

für andere Flächenheizsysteme wie Wandheizungen und Deckenheizun-

zwischen der Raum- und der durchschnittlichen Wassertemperatur

gen sowie für Kühlsysteme. Für die Prüfung kommen sowohl Berech-

angegeben.

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Als Ergebnis werden die Oberflächentemperatur und die Temperatur-

für einen bestimmten Systemtyp keine vereinfachte Berechnungsme-

gleichförmigkeit der Heiz-/Kühlfläche, die Stärke des nominalen Wär-

thode verfügbar ist, kann gemäß EN 1264 entweder eine Basisrechnung

mestroms zwischen Wasser und Raum, die assoziierte nominale mittlere

anhand der zwei- oder dreidimensionalen Finite-Differenzen- bzw.

Differenztemperatur und das Kennlinienfeld für die Beziehung zwischen

Finite-Elemente-Methode oder aber ein Labortest in Kombination mit

der Wärmestromstärke und den bestimmenden Variablen angegeben.

einer Berechnung durchgeführt werden.

Die Norm enthält verschiedene Methoden, so u. a. die Finite-Differenzen- oder die Finite-Elemente-Methode sowie vereinfachte Berech-

Die stationäre Heiz- und Kühlleistung kann auf Grundlage der be-

nungsmethoden, die abhängig sind von der Position der Rohre und der

rechneten durchschnittlichen Oberflächentemperatur bei gegebenen

Gebäudestruktur. Die vereinfachten Berechnungsmethoden sind spezi-

Kombinationen von Mediumtemperatur (Wasser) und Raumtemperatur

fisch auf den jeweiligen Systemtyp angepasst. Die Norm ist auf Systeme

bestimmt werden. Falls für die spezifische Wärmeleistung geprüfte,

anzuwenden, die entsprechend EN 1264 Teil 2 und Teil 5 berechnet

zertifizierte Werte verwendet werden, gilt in der Regel EN 1264 Teil 2

werden können. Die vereinfachten Methoden enthalten gewisse Grenz-

und/oder Teil 5.

bedingungen, die erfüllt werden müssen, bevor die entsprechende Methode angewendet werden kann.

Wärmeaustauschkoeffizient zwischen Oberfläche und Raum

Konzept der Methode zur Bestimmung der Heiz-

Die Beziehung zwischen der Wärmestromstärke und der Temperatur-

und Kühlleistung

differenz zwischen der Raum- und der durchschnittlichen Oberflächen-

Eine gegebene Oberfläche (Fußboden, Wand und Decke) liefert bei

abhängig von der Art der Oberfläche (Fußboden, Wand, Decke) sowie

einer gegebenen durchschnittlichen Oberflächen- und Raumtemperatur

davon, ob die Oberflächentemperatur unter (Kühlung) oder über (Hei-

(empfundene Temperatur i ) unabhängig vom raumflächenintegrierten

zung) der Raumtemperatur liegt.

temperatur (i - S,m) wird dargestellt durch die Gleichungen (1) bis (4),

Systemtyp in jedem Raum dieselbe Wärmestromstärke. Es ist somit also möglich, unabhängig von der Art des raumflächenintegrierten Systems für jede Oberfläche (Fußboden, Wand und Decke) eine Grundformel oder Kennlinie für die Kühlung und eine für die Heizung zu entwickeln, die auf alle Heiz- und Kühlflächen angewendet werden kann.

Tabelle 1: Gesamter Wärmeaustauschkoeffizient (Konvektion + Strahlung kombiniert) zwischen Oberfläche und Raum, empfohlene Höchst- und Mindestoberflächentemperaturen und Heizleistung bei 20°C Raumtemperatur und Kühlleistung bei 26°C Raumtemperatur für die Kühlung (EN15377-1, Olesen et. al. 2000 [10]). Gesamter Wärmeaustauschkoeffizient W/m².K

Diese Norm enthält zwei Methoden. Es sind verschiedene vereinfachte Berechnungsmethoden enthalten, um die Oberflächentemperatur (Durchschnitts-, Höchst- und Mindesttemperatur) abhängig von der Systemkonstruktion (Rohrtyp,

Fußboden

Rohrdurchmesser, Rohrabstand, Montage des Rohrs, wärmeleitende Vorrichtungen, Verteilerschicht) und der Konstruktion von Fußboden/ Wand/Decke (Beschichtung, Isolationsschicht, Schicht mit Lufteinschlüssen usw.) zu bestimmen. Die vereinfachten Berechnungsmetho-

Zulässige Oberflächentemperatur °C

Maximalleistung W/m²

Heizung

Kühlung

Max.

Min.

Heizung

Kühlung

Perimeter

11

7

35

19

165

42

Belegter Bereich

11

7

29

19

99

42

Wand

8

8

~ 40

17

160

72

Decke

6

11

~ 27

17

42

99

den sind spezifisch auf den jeweiligen Systemtyp angepasst, und die in der Norm aufgelisteten Grenzbedingungen müssen erfüllt werden. Falls

56

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Fußbodenheizung und Deckenkühlung:

q = 8,92 (i - S,m )1,1

(1)

Für andere Situationen werden folgende Relationen verwendet:

Universale einzelne Potenzfunktion gemäß EN 1264-2. Der Wärmefluss zwischen raumflächenintegrierten Rohren (Temperatur

Wandheizung und Wandkühlung:

q =

8 (| i - S,m |)

(2)

des Heiz- oder Kühlmediums) und dem Raum wird mit folgender allge-

Deckenheizung:

q =

6 (| i - S,m |)

(3)

meinen Gleichung berechnet:

Fußbodenkühlung:

q =

7 (| i - S,m |)

(4)

q = B •  (ai mi ) • H (W/m2) (5) i

wobei: Vereinfachte Berechnungsmethoden zur Bestimmung der

B

Heiz- und Kühlleistung oder der Oberflächentemperatur

Es gibt zwei Berechnungsmethoden, die je nach Systemtyp eingesetzt werden können. Eine Methode basiert auf einem Produkt einzelner

ein systemabhängiger Koeffizient in W/(m² • K). Er ist abhängig

vom Systemtyp und dem Wärmeaustauschkoeffizienten mi ) das Produkt der Potenzen, das die Parameter der Struktur ver ( a i i bindet (Oberflächenbelag, Rohrabstand, Rohrdurchmesser und Rohrverkleidung).

Potenzfunktionen von allen relevanten Parametern, die aus der FiniteElemente-Methode (FEM) hervorgehen. Eine andere Methode basiert

Die Wärmestromdichte ist proportional zu H , wobei die Differenz-

auf der Berechnung des äquivalenten Wärmewiderstands zwischen der

temperatur Heiz-/Kühlmedium wie folgt ist:

Temperatur des Heiz- oder Kühlmediums und der Oberflächentempe-

V – R °C H = V – i In R – i

ratur (oder Raumtemperatur).

Eine gegebene Systemkonstruktion kann nur mit einer der vereinfachten

wobei: i empfundene Raumtemperatur, °C V Vorlaufwassertemperatur, °C R Rücklaufwassertemperatur, °C

Methoden berechnet werden. Welche die richtige Methode ist, hängt vom Systemtyp A bis G ab (Position der Rohre, Holz- oder Betonkonstruktion) sowie den Grenzbedingungen, die in den Normen erfasst sind.

(6)

Abbildung 1: Systemtyp A, C und D wird von der Berechnungsmethode in EN1264-2 und 5 abgedeckt.

Typ A

Typ C

Typ D

1 1 3

3 2

Fußbodenbelag, Lastverteilung, Ebener Fußboden, Isolierung, Bodenplatte

2

4

4 7

5

5 6

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6

1 Fußbodenbelag 2 Estrich 3 PE-Folie 4 Rohre 5 Isolierung 6 Bodenplatte 7 Dampfsperre

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Diese Berechnungsmethode wird in EN 1264 Teil 2 angegeben für

Typ B

1

die Systemtypen A, B, C und D (siehe Abbildung 1 und 2). Methoden in Bezug auf den äquivalenten Wärmewiderstand

2 3

4

Der Wärmefluss zwischen raumflächenintegrierten Rohren (Temperatur 5

des Heiz- oder Kühlmediums) und dem Raum oder der Oberfläche wird anhand der Wärmewiderstände berechnet. Das Konzept wird in Abbildung 3 gezeigt.

6

Es wird ein äquivalenter Widerstand, R HC , zwischen dem Heiz- oder

7

Kühlmedium und einem fiktiven Kern (oder wärmeleitende Schicht) auf Höhe der Rohre bestimmt. Dieser Widerstand beinhaltet den Einfluss von Rohrtyp, Rohrabstand sowie der Installationsmethode des Rohrs (in

1

Beton, Holzkonstruktion usw.). Auf diese Weise wird eine fiktive Kerntemperatur berechnet. Die Wärmeübertragung zwischen dieser fiktiven Schicht und den Oberflächen R i und Re (oder Raum und Nebenraum)

2

wird anhand von linearen Widerständen berechnet (Hinzufügung des 3

Widerstands der Schichten über und unter der wärmeleitenden Schicht).

4 5

Der äquivalente Widerstand der wärmeleitenden Schicht kann je nach Systemtyp auf unterschiedliche Weise berechnet werden. Diese Berechnungsmethode, die das allgemeine Konzept des Widerstands nutzt, wird bei den in Abbildung 4 (Typ E und F) und Abbildung 5 (Typ G) gezeigten Systemtypen eingesetzt. Der äquivalente Widerstand der leitenden Schicht kann auch durch

6

eine Berechnung mit Hilfe der Finite-Elemente-Analyse (FEA) oder der Finite-Differenzen-Methode (FDM) oder aber durch Labortests gemäß

7

1 Fußbodenbelag 2 Estrich 3 PE-Folie 4 Wärmeleitplatte (Vorrichtung)

prEN 1264-2 bestimmt werden. 5 Rohre 6 Isolierung 7 Bodenplatte

Die Heiz- und Kühlleistung wird in einigen der beschriebenen Berechnungsmethoden direkt bestimmt (siehe EN 1264 Teil 5).

Abbildung 2: Systemtyp B ist von der Berechnungsmethode in EN 1264-2 und 5 abgedeckt.

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In anderen Berechnungsmethoden wird die durchschnittliche Ober-

systems (Kessel, Wärmetauscher, Kühler usw.) – muss auch die

flächentemperatur bestimmt und die Heiz- und Kühlleistung wird

Wärmeübertragung an der Außen (Rück-)Seite berücksichtigt wer-

berechnet gemäß:

den. Diese Wärmeübertragung wird als Verlust betrachtet, wenn die Außenseite nach draußen zu einem unkonditionierten Raum oder

qdes = ht (| s,m - i |)

einer anderen Gebäudeeinheit weist; sie ist abhängig von der Differenz zwischen der Temperatur der Rohrschicht und der Neben-

Bei der Beurteilung der Systemleistung – und bei Berechnung der

raum- bzw. Außentemperatur sowie dem Wärmeübertragungs-

gesamten benötigten Heiz- und Kühlleistung des Energieerzeugungs-

widerstand.

Ri

RHC

Abbildung 4a: In massiver Betonschicht integrierte Rohre, Typ E (EN15377-1)

Re

Abbildung 3: Basisnetzwerk der Wärmewiderstände

u p o n o r K ON G R E S S 2 0 0 8

Abbildung 4b: Kapillarrohre, in einer Schicht der nach innen gewandten Fläche integriert, Typ F (EN15377-1)

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Floor covering

Finish floor

Heat emmision plates increase heat transfer where necessary

Insulation decreases downward heat flow

Flooing boards

Radiant heating tube

Heat emmision plates increase heat transfer where necessary

Wood joist or truss

Flooing boards

Wood joist or truss

Radiant heating tube

Abbildung 5: In einer Holzfußbodenkonstruktion integrierte Rohre, Typ G (15377-1), [11]

EN 15377 – Teil 3: Optimierung für die Nutzung erneuerbarer

Die vorgeschlagenen Methoden werden dazu verwendet, um zu be-

Energiequellen

rechnen und zu überprüfen, ob die Kühlleistung des Systems ausreicht und um die Kühlanforderungen auf der Wasserseite zu berechnen und

Diese Norm soll als Richtlinie dienen für die Planung von integrierten

so das Kühlsystem zu dimensionieren.

Flächenheiz- und ‑kühlsystemen mit Wasser als Arbeitsmedium, um die Nutzung erneuerbarer Energiequellen zu fördern und eine Methode für

Thermoaktive Bauteilsysteme (TABS)

eine aktive Integration in die Gebäudemasse zu liefern, damit Spitzenbelastungen reduziert, Heiz-/Kühlbelastungen auf belastungsschwache

Ein thermoaktives Bauteilsystem (TABS) ist ein Heiz- und Kühlsystem,

Zeiten übertragen und die Systemgröße verringert werden kann. In

bei dem die Rohre im zentralen Betonkern einer Gebäudekonstruktion

einem Normabschnitt wird beschrieben, wie Auslegung und Dimensio-

integriert sind. Die Wärmeübertragung erfolgt zwischen dem Wasser

nierung verbessert werden können, um erneuerbare Energiequellen zu

(Rohre) und dem Beton, zwischen dem Betonkern und den Oberflächen

fördern. Spitzenbelastungen können reduziert werden, indem man die

des Raums (Decke, Fußboden) und zwischen den Oberflächen und dem

Gebäudemasse mit Hilfe von Rohren aktiviert, die in der Hauptbeton-

Raum.

platten des Gebäudes integriert sind (sogenannte thermoaktive Bau-

60

teilsysteme oder TABS [engl. Thermo-Active-Building-Systems]). Für

Der Ausgleich der Spitzenbelastungen bietet die Möglichkeit, ein Ge-

diese Systeme ist die Berechnung der stationären Heiz- und Kühlleis-

bäude während einer Zeitspanne zu heizen und zu kühlen, in der die

tung (Teil 1 dieser Norm) nicht ausreichend. Aus diesem Grund werden

Bewohner nicht anwesend sein müssen (nachts), wodurch auch die

in mehreren Abschnitten dieser Norm Methoden beschrieben, mit denen

Bedarfsspitzen reduziert werden (Abbildung 6). So kann der Ener-

das dynamische Verhalten berücksichtigt werden kann.

gieverbrauch gesenkt und der billigere Nachtstrom genutzt werden.

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4000 3800 3600 3400 3200 3000 2800 2600 2400 2200 2000 1800 1600 1400 1200 1000 800 600 400 200 0 -200

60

1 Wärmegewinn 2 Energiebedarf zur Klimatisierung der Ventilationsluft

3 Energiebedarf auf der Wasserseite 4 Spitze der Energiebedarfsreduzierung

Maximum total heat gain in space (W/m2 floor area)

00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 .00 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24

0.

Self-regulating effect of slab

Maximum temperatureincrease (21°C – 26 °C) 50

369

358

350 Wh/m2 d

40

300 250

30

Maximum 20

Minimum SWKI 95-3: occupants and equipment 10

SWKI 95-3: lighting 0 16

Abbildung 6: Beispiel des Spitzenausgleichseffekts (X-Achse: Zeit, Y-Achse: Kühlleistung W)

17

18

19

20

21

22

Inlet temperature tabs (°C)

Gleichzeitig kann die Größe des Kühlsystems einschließlich Kühler reduziert werden.

60

Die Auslegung und Dimensionierung von TABS ist möglich mittels sowie Berechnungsmodellen für raumflächenintegrierte Rohre. (Olesen und Dossi, [9]). Die Norm enthält eine vereinfachtere Berechnungsmethode. Daneben enthält die Norm auch Diagramme wie das in Abbildung 7 gezeigte [12]. Dieses vereinfachte Diagramm zeigt die Beziehung zwischen internen Wärmegewinnen, Vorlauftemperatur, Wärmeübertragung auf der Raumseite, Betriebszeiten und Wärmeübertragung auf der Wasserseite. Die Diagramme beziehen sich auf eine Betonplatte mit Doppelboden (R=0,45 m2K/W ) und einem zulässigen

50

Mean cooling power tabs (W/m2 floor area)

volldynamischer Gebäudesimulationen mit kommerziellen Programmen

320 Wh/m2 d 40

320 Wh/m2 d 30

20

10

Raumtemperaturbereich von 21°C bis 26°C. Das obere Diagramm zeigt auf der Y-Achse die maximal zulässige gesamte Wärmegewinnung im Raum (interne Gewinne plus Gewinne durch die Sonneneinwirkung) in W/m², und auf der X-Achse die erforderliche Vorlauftemperatur. Die Linien auf dem Diagramm entsprechen verschiedenen Betriebdauern (8 h, 12 h, 16 h und 24 h) und verschiedene täglich gelieferte

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0 16

17

18

19

24 h

20

16 h

21

12 h

22

8h

Abbildung 7: Funktionsprinzip von TABS (Koschenz und Lehmann [12])

61


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Energiehöchstmengen Wh/m² d. Das untere Diagramm zeigt die erfor-

Außerdem enthält die neue Norm einen Teil, in dem Methoden be-

derliche Kühlleistung W/m² auf der Wasserseite (zur Dimensionierung

schrieben werden, mit denen die dynamischen Effekte thermoaktiver

des Kühlers) für thermisch aktivierte Platten abhängig von der Vorlauf-

Bauteilsysteme (TABS) berücksichtigt werden können, bei denen die

wassertemperatur und der Betriebszeit. Des Weiteren wird die Höhe der

Rohre in der Hauptgebäudestruktur (Betonplatten oder Wände) inte-

täglichen Energieabfuhr angegeben Wh/(m² d). Das Beispiel zeigt, dass

griert sind, um die Gebäudemasse zu aktivieren.

bei einem maximalen internen Wärmegewinn von 38 W/m² und einer Betriebsdauer von 8 Stunden eine Vorlaufwassertemperatur von 18,2°C

Literaturverzeichnis

erforderlich ist. Wenn das System hingegen 12 Stunden in Betrieb ist, wird eine Vorlaufwassertemperatur von 19,3°C benötigt. Die gesamte Energieabfuhr beträgt für den Raum etwa 335 Wh/m² täglich. Die erforderliche Kühlleistung auf der Wasserseite beträgt bei einem 8-stündigen Betrieb 37 W/m² und bei einem 12-stündigen Betrieb nur 25 W/m².

[1] EN 1264-1, 1999: Floor heating: Systems and components - Part 1 : Definitions and symbols [2] prEN 1264-2, 2007: Prove methods for the determination of the thermal output of floor eating systems using calculation and test methods

Bei einem 12-stündigen Betrieb kann der Kühler also viel kleiner sein.

[3] EN 1264-3, 1999: Floor heating: Systems and components - Part 3 : Dimensioning

Die gesamte Wärmeabfuhr auf der Wasserseite beträgt ca. 300 Wh/m²

[4] EN 1264-4, 2001: Floor heating: Systems and components - Part 4: Installation

pro Tag.

[5] prEN 1264-5, 2007: Heating and cooling surfaces embedded in floors, ceilings and walls

Zusammenfassung und Erörterung

[6] EN15377-1, 2007: Design of embedded water based surface heating and cooling systems:

Dieses Dokument stellt eine neue und eine überarbeitete Europäische

[7] EN15377-2, 2007: Design of embedded water based surface heating and cooling systems:

— Determination of thermal output and cooling output

Determination of the design heating and cooling capacity

Norm (EN1264) zur Berechnung der Heiz- und Kühlleistung für wasserführende, Strahlungsheiz- und Kühlsysteme vor. Es sind verschiedene „vereinfachte“ Berechnungsmethoden, die von der Konstruktionsart abhängig sind, vorgestellt worden. Im Gegensatz zu Strahlenheiz- und ‑kühlplatten, bei denen die Heiz-/Kühlleistung durch Tests in einem genormten Testraum bestimmt werden muss, kann die Heiz-/Kühlleistung für raumflächenintegrierte Systeme anhand von Berechnungen bestimmt werden. Neben den enthaltenen „vereinfachten Berechnungsmethoden“ ermöglicht die Norm auch die Verwendung der Finite-Differenz- und der Finite-Elemente-Methode. Die Hersteller von Strahlungsheiz- und ‑kühlsystemen können die genormten Berechnungsmethoden verwenden, um Diagramme zu

Design, Dimensioning and Installation [8] EN15377-3, 2007: Design of embedded water based surface heating and cooling systems: - Part 3: Optimizing for use of renewable energy sources [9] Olesen, B.W. and Dossi, F.C. Operation and control of activated slab heating and ooling Systems, CIB World Building Congress 2004, [10] Olesen B. W. E. Michel, F. Bonnefoi, M. De Carli, Heat Exchange Coefficient Between Floor Surface and Space by Floor Cooling: Theory or a Question of Definition. ASHRAE Trans. 2000 Part 1. [11] NordTest NT VVS 127 (2001): Floor Heating Systems: Design and Type Testing of Waterborne Heat Systems for Lightweight Structures [12] Koschenz, M und Lehmann,B : Thermoaktive Bauteilsysteme, tabs . EMPA, Switzerland, 2000

erstellen, in denen die Wassertemperatur und Raumtemperatur in Relation mit der Kühl-/Heizleistung gebracht wird. Dadurch werden unnötige Systemtests vermieden.

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Dr. Dirk Soltau – Klimakatastrophe – Sind wir wirklich an allem schuld?

Dr. Dirk Soltau

Die Erd- und Klimageschichte lehrt uns: Die Vorstellung, dass sich die

Klimakatastrophe Sind wir wirklich an allem schuld?

Natur in einem „natürlichen“ oder gar „harmonischen“ Gleichgewicht befindet, und dass sie dem Menschen stabile Bedingungen für alle Zeit garantiert – sofern er sich nur wohl verhält – ist eher romantisch als real. Natürlich hat der Mensch einen großen Anteil am Klimawandel, und er verursacht ihn durch seinen Hunger nach Energie. Zur Zeit stillt er ihn mit eingelagerter Sonnenenergie in Form von fossilen Brennstoffen. Doch wenn es gelingt den Energiebedarf mit „frischer“ Sonnenenergie zu decken, dann wird sich auch die Klimaproblematik verändern.

Bilder einer Klimakatastrophe geistern durch unsere Köpfe:

Längst ist noch nicht alles über die Sonne erforscht. Schon immer

Ausgedörrte Landschaften, überflutete Regionen, Tornados und

wollte der Mensch mehr über die Sonne wissen, doch erst jetzt gibt

Hurrikans, Schneemassen und Gletscherschmelze. Dazu Schlag-

es technische Hilfsmittel, um mehr über die Sonnentätigkeit und ihren

zeilen wie „Abschmelzen der Polkappen“ und immer wieder die

Einfluss auf unser Klima und somit unser Leben zu erforschen.

Frage, wie lange Städte wie New Orleans oder Amsterdam noch den steigenden Fluten der Meere Stand halten können.

Das Ergebnis: Der Mensch ist zwar nicht ganz allein Schuld an der Klimaveränderung, aber er wird sich ihr anpassen müssen (und

Im Allgemeinen geht jeder davon aus, dass es sich um eine aus-

können).

schließlich selbst gemachte Katastrophe handelt, da der Kohlendioxid-Ausstoß der Menschheit ständig zunimmt und wir einfach nicht zurecht kommen mit der Verflechtung von Industriewachstum, demographischem Wachstum und Energiebedarf. Doch es gibt noch eine andere Variante, die berücksichtigt werden muss: Die Aktivität unserer Sonne. Ohne die Sonne wäre unsere Existenz undenkbar; sie legt mit ihrer Strahlung die Grundlagen für unsere Existenz. Sie ist Wärme- und Lichtspender und beeinflusst jegliches Leben auf unserem Planeten. Von der Sonne hängt es ab, ob Eiszeiten entstehen, ob Ernten gut oder schlecht ausfallen. Die Sonne lenkt Meeresströmungen und Winde und sorgt für die Verdunstung von Meerwasser – sie hat also einen direkten Einfluss auf das Erdklima und damit auch auf seine Veränderungen. Selbst weit entfernte Sterne stehen im Verdacht über die so genannte „Kosmische Strahlung“ Einfluss auf die Wolkenbildung und damit auf das Klima zu nehmen.

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Dr. Dirk Soltau â&#x20AC;&#x201C; Klimakatastrophe â&#x20AC;&#x201C; Sind wir wirklich an allem schuld?

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RA. Friedrich-Wilhelm Stohlmann – Haftung des Fachplaners bei unrichtiger Beratung oder falscher Ausstellung des Energiepasses für Gebäude

RA. Friedrich-Wilhelm Stohlmann

erhebliche fachtechnische Kenntnisse erforderlich sind. Die Umsetzung

Haftung des Fachplaners bei unrichtiger Beratung oder falscher Ausstellung des Energiepasses für Gebäude

der insgesamt 79 Seiten umfassenden vollständigen EnEV stellt Juristen, bauausführende Unternehmer, Architekten und Fachingenieure sowie insbesondere teilweise rat- und hilflose Immobilieneigentümer vor Probleme, deren Dimensionen gewaltig sind und deren Brisanz von allen Beteiligten noch nicht in umfassender Weise erfasst worden ist. Insbesondere größere und ältere Wohnungseigentumsanlagen und deren Verwalter sind zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben m.E. nicht ausreichend gerüstet, obwohl die Umsetzung am 01.01.2008 Pflicht geworden ist. Denn – je nach Sozialstruktur der Eigentümergemeinschaft – steht i.d.R. kleinen Gruppen der modernisierungswilligen, in die Zukunft schauenden Miteigentümer die Mehrheit der unwilligen Wohnungseigentümer bezogen auf etwaige Investitionen gegenüber. Haben sie sich mit dem Kauf Ihrer Eigentumswohnung finanzielle übernommen, so ist das primäre Ziel Einsparung von Instandhaltungskosten

I. Entwicklung der EnEV 2007

und Vermeidung von Modernisierungen. Wenn zukunftsweisende Maßnahmen zur Verbesserung der Energiebilanz des Gebäudes mit Stimmen-

Die EnEV 2007 stellt den derzeitigen Abschluss einer Entwicklung dar,

mehrheit verhindert werden können, so ergibt sich ein Konflikt zwischen

deren erster Auslöser die Ölkrise vom Oktober 1973 war. Die OPEC-

den Geboten des EnEG 2005 und der EnEv 2007 und den Beschluss-

Staaten drosselten die Produktion und der Ölpreis stieg binnen weniger

möglichkeiten des Wohnungseigentumgesetzes (WEG).

Tage um ca. 400 %. Den mächtigen Industrienationen wurde erstmals bewusst, dass die Weltwirtschaft von einer kleinen Minderheit abhängt.

II. Zielsetzung der EnEV 2007

Im Jahre 1976 wurde daher in der BRD das Gesetz zur Einsparung von Energien in Gebäuden erlassen. Klimaschutz und die befürchtete

Die Ziele der neuen EnEV 2007 sind äußerst ehrgeizig: Innerhalb eines

Klimakatastrophe haben die weitere Entwicklung wesentlich beeinflusst.

Zeitraumes von 10 bis 15 Jahren sollen mindestens 70 % an Immissionen

Die neue EnEV und ihre Grundlage, das Energieeinsparungsgesetz

und an Energie eingespart werden. Bei Neubauten ist dies durch ent-

(EnEG) vom 08.07.2005, dienen der rechtzeitigen Einleitung von Mo-

sprechende Planung und Bauerrichtung ohne Weiteres möglich. Bei

dernisierungsmaßnahmen nicht nur bei Neubauten, sondern insbeson-

Bestandsbauten bzw. Altbauten kann ein derartiges Minderungspoten-

dere auch in Bestandsgebäuden, da aufgrund der ständig steigenden

zial ebenfalls durch eine Reihe von energie- und immissonseinsparenden

Energiekosten die energetische Qualität eines Gebäudes zu einem

Maßnahmen im Baubestand realisiert werden. Die Umsetzung dieses

maßgeblichen Entscheidungskriterium für Mieter oder Käufer der

Ziels will der Verordnungsgeber mit den Mitteln des gesetzgeberischen

entsprechenden Immobilien werden wird.

Zwangs erreichen. Praktisch für alle Bauteile, die die energetische Gesamtbilanz eines Gebäudes beeinflussen, werden in der EnEV 2007

In 31 Paragraphen, die es in juristischer und technischer Hinsicht in sich

Fristen gesetzt und ab 2008 Energieausweise gefordert. Bei Nichtein-

haben, werden die Anforderungen der neuen EnEV formuliert. Zur EnEV

haltung der Vorgaben droht der Gesetzgeber mit Bußgeldern in teils

gehören noch zahlreiche Anlagen, zu deren Verständnis zum Teil ganz

empfindlicher Höhe.

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RA. Friedrich-Wilhelm Stohlmann – Haftung des Fachplaners bei unrichtiger Beratung oder falscher Ausstellung des Energiepasses für Gebäude

III. Der Energieausweis im Gebäudebestand

meister oder Schornsteinfeger, soweit sie Ausbildungsschwerpunkte oder erfolgreiche Fortbildungen im Bereich des energiesparenden Bauens

Mit der EnEV 2007 hat der Verordnungsgeber zwei verschiedene Art von

nachweisen können. Für den Verbrauchs-Energieausweis bedeutet dies

Energieausweisen geschaffen. Inhaltliche Gestaltung und Ausstellungs-

sicherlich einen Boom für zertifizierte Heizungsbauer bzw. Meister-

kriterien sind unterschiedlich. Der Energiebedarfsausweis, der lang-

betriebe. Für den Bedarfsausweis mit Modernisierungsempfehlungen

fristig für alle Gebäude angestrebt wird, beinhaltet eine Energiebedarfs-

dürften nur Bauphysiker bzw. Fachingenieure für Haus- und Gebäude-

berechnung für das Gebäude und zwar im Hinblick auf CO2-Immissionen

technik oder Architekten mit einschlägiger Erfahrung auf diesem Gebiet

und Energie. Er muss Modernisierungsempfehlungen zur Verbesserung

in Frage kommen. Betrachtet man die komplizierten Berechnungen, die

der energetischen Qualität der Gebäudehülle sowie insbesondere konkret

im Rahmen der Erstellung des Bedarfsausweises sowie insbesondere der

empfohlene Modernisierungsmaßnahmen enthalten. Der Inhalt bzw.

Modernisierungsempfehlungen vorzunehmen sind, so wird schnell

Text des Energieausweises ist in der Anlage 6 zu § 16 EnEV abgedruckt.

deutlich, dass hier eigentlich nur ein anerkannter Fachingenieur tätig

Demgegenüber beinhaltet der einfachere (und deutlich preisgünstigere)

werden sollte, weil nur dieser über das Fachwissen verfügt, um eine

Energieausweis auf der Grundlage des Energieverbrauchs (§ 19 EnEV)

ganzheitliche Betrachtung und Berechnung der energetischen Gebäude-

eine Ist-Erfassung des Energieverbrauchs auf der Basis der Verbrauchs-

hülle des Bestandsgebäudes vorzunehmen und geeignete Modernisie-

daten der letzten drei Kalenderjahre bzw. Abrechnungsjahre. Nach der

rungsempfehlungen zu geben.

Übergangsvorschrift des § 29 EnEV besteht für alle Gebäude bis zum 01.10.2008 eine generelle Wahlfreiheit zwischen verbrauchsbasierten und

IV. Zivilrechtliche Vertrags- und Haftungssituation der Aussteller

bedarfsbasierten Ausweisen. Die Gültigkeitsdauer eines Energieausweises

von Energieausweisen

beträgt gemäß § 17 Abs. 6 EnEV 10 Jahre. In den Kreisen der zertifizierten Aussteller von Energieausweisen wird daher zunächst eine Flucht in

1. Werk- oder Dienstvertrag?

den Verbrauchsausweis erwartet, der in der Regel 250,00 Euro kosten soll, teilweise aber auch bereits zu Discountpreisen von 50,00 Euro pro

Die Vorschriften der EnEV betreffen im Wesentlichen das öffentlich-

Ausweis angeboten wird. Im Übrigen gilt: Die Energiebedarfsausweise mit

rechtliche Verhältnis des Staates zu seinen Bürgern. Der Staat will – nicht

Modernisierungsempfehlungen werden für Wohngebäude bis Baujahr

zuletzt durch die scharfen Bußgeldvorschriften in § 8 EnEG (Energie-

1965 ab dem 01.07.2008, für alle anderen Wohngebäude ab dem

einsparungsgesetz) – sicherstellen, dass in den gesetzlich normierten

01.01.2009 und für Nichtwohngebäude ab dem 01.07.2009

Fällen Energieausweise erstellt und als Entscheidungshilfen bereitge-

vorgeschrieben.

halten werden.

Wer davor schon einen Verbrauchsausweis hat, muss den Bedarfsaus-

Dagegen richten sich die Verhältnisse der Beteiligten untereinander nach

weis erst nach Ablauf der Gültigkeitsdauer von 10 Jahren vorlegen. Eine

zivilrechtlichen Grundsätzen.

Ausnahme gilt für kleine Wohngebäude (weniger als 5 Wohnungen), für

66

die der Bauantrag vor dem 01.11.1977 gestellt wurde. Hier sind aus-

Dabei ist aber fraglich, ob hier Dienstvertragsrecht oder Werkvertrags-

schließlich Bedarfsausweise zulässig, es sei denn, bei der Errichtung oder

recht Anwendung findet. Nach Auffassung des Referenten ist Werk-

späteren Modernisierung wurde mindestens das Wärmeschutzniveau der

vertragsrecht gemäß § 631 ff. BGB anzuwenden, da in privatrechtlicher

ersten Wärmeschutzverordnung von 1977 erreicht. Ausstellungsberech-

Hinsicht die Ausfertigung eines solchen Energieausweises als erfolgs-

tigt für Bestandsbauten sind gemäß § 21 EnEV nicht nur zertifizierte

bezogen zu sehen ist. Entweder soll dem Auftraggeber selbst oder

Hochschul- und Fachhochschulabsolventen, sondern auch Handwerks-

seinem potenziellen Vertragspartner (Käufer oder Mieter) ein zu-

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RA. Friedrich-Wilhelm Stohlmann – Haftung des Fachplaners bei unrichtiger Beratung oder falscher Ausstellung des Energiepasses für Gebäude

treffendes Bild über den energetischen Zustand des Gebäudes vermittelt

vertragsrechtlich auszusehen hat – ab, so liegt ein Mangel i. S. des

und durch einen Ausweis eines qualifizierten und unabhängigen Fach-

Werkvertragsrechtes vor. Diese Beschaffenheit kann auch schlüssig

mann nachgewiesen werden. Die Leistung des Ausstellers derartiger

vereinbart sein, was der Auftraggeber an Leistungen und Erfolg im

Energieausweise ist nicht als bloße Dienstleistung, sondern als Werk-

Rahmen des Werkvertrages erwarten konnte. Dazu ist die Erfüllung

leistung anzusehen, wie dies auch bei gutachtlichen Leistungen von der

aller Anforderungen an den Energieausweis zu zählen, die sich aus der

Rechtsprechung angenommen wird. Der Energieausweis ist damit als

Gebäuderichtlinie und deren Umsetzung durch das EnEG und die EnEV

„Werk“ i.S. der §§ 631 ff. BGB zu beurteilen. Bereits 1972 hat der

ergeben. Insbesondere muss der Energieausweis auch ohne ausdrück-

Bundesgerichtshof entschieden, dass die Beauftragung zur Durchführung

liche vertragliche Vereinbarung tauglich sein, um einen Vergleich und

eines Gutachtens sich nach werkvertragsrechtlichen Vorschriften richtet.

eine Beurteilung der Gesamtenergieeffizienz des Gebäudes zu er-

Gleiches gilt für die Begutachtung durch einen Statiker. Ebenso ist die

möglichen. Diese Anforderungen sind streng zu handhaben. Insoweit

Arbeit eines Vermessungsingenieurs hinsichtlich der Einmessung und

kann ein Vergleich nur bedeuten, dass alle wesentlichen, für eine

Absteckung eines Hauses auf dem Baugrundstück als Werkvertrag ange-

energetische Gebäudegegenüberstellung benötigten Parameter in

sehen worden. Gleiches gilt für die Planungsarbeit der Architekten und

einer noch vertretbar engen Brandbreite zutreffend in Ansatz ge-

Fachingenieure.

bracht wurden und demnach dem Besteller des Energieausweises zur Verfügung stehen. Insoweit ist die Ausstellung eines Energieausweises

2. Werkvertragliche Mängelgewährleistung und Haftung

mit der Erstellung eines Gutachtens vergleichbar. Der Ausweisaus-

gegenüber dem Auftraggeber

steller hat daher unter Berücksichtigung der gesetzlichen Ausgestaltungsanforderungen ein genaues Gutachten in Form des Ausweises zu

Soweit eine Werkleistung mangelhaft ist, löst dies gemäß § 634 BGB

liefern. Außerdem muss der Energieausweis zwingend Empfehlungen

verschiedene Ansprüche des Auftraggebers gegen den Unternehmer aus.

für kostengünstige Verbesserungsmaßnahmen enthalten. Empfiehlt

Im Werkvertragsrecht steht der sogenannte Nacherfüllungsanspruch an

der Aussteller unwirtschaftliche Maßnahmen, ist seine Leistung als

erster Stelle. Dies gilt aber nicht, wenn der Schaden bereits eingetreten

mangelhaft i. S. des Werkvertragsrechtes anzusehen. Der Aussteller

und nicht wieder gut zu machen ist. In diesem Falle ist an Schadens-

hat daher die gesetzlichen Vorgaben zu den Berechnungsmethoden zu

ersatzansprüche i.S. des § 634 Nr. 4 BGB zu denken. Dazu später.

beachten und die Dokumentation sorgfältigst vorzubereiten. Schon heute kann davon ausgegangen werden, dass bei zukünftiger Bear-

2.1 Der mangelhafte Energieausweis

beitung von Energieausweisen erhebliche Fehlleistungen auftreten werden, da für die oben genannten Dumping-Preise keine sorgfältige

Bereits im Baurecht 2006, Bl. 1208 ff., hat der Bausachverständige

Aufnahme der maßgeblichen Gebäudekenndaten erbracht werden

Peter-Andreas Kamphausen darauf verwiesen, dass bezüglich der

kann. Es ist zu befürchten, dass mehr oder minder ungeprüfte Daten,

Haftung des Ausstellers die Vorschriften des Werkvertrags Anwendung

die aus Plänen entnommen oder vom Auftraggeber mitgeteilt werden,

finden. Dem ist beizupflichten.

in die Berechnungen einfließen. Erweisen sich diese Daten als unzutreffend, ist der Ausweis mangelhaft. Von einer solchen Mangel-

Ein Mangel im Sinne des Werkvertragsrechtes liegt immer dann vor,

haftigkeit des Ausweises ist auch dann auszugehen, wenn der Ausweis

wenn das Werk nicht die vertraglich vereinbarte Beschaffenheit aufweist.

nicht die vertraglich vorausgesetzte Verwendungseignung aufweist.

Hier wird zwischen der sogenannten Soll-Beschaffenheit und der Ist-

Das ist in allen Fällen anzunehmen, in denen der Ausweis von einer

Beschaffenheit unterschieden. Weicht die Ist-Beschaffenheit – wie

Person ausgestellt wird, die nach den gesetzlichen Vorschriften

das Werk sich darstellt – von der Soll-Beschaffenheit – wie das Werk

kein Berechtigter ist.

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RA. Friedrich-Wilhelm Stohlmann – Haftung des Fachplaners bei unrichtiger Beratung oder falscher Ausstellung des Energiepasses für Gebäude

2.2 Welche Schadensersatzansprüche sind denkbar?

Richtig ist insoweit, dass es im Gesetzgebungsverfahren bei der ergänzenden Einführung dieser Regelung – insbesondere auf Druck

Ein werkvertraglicher Schadensersatzanspruch setzt ein Verschul-

wohnungswirtschaftlicher Verbände – tatsächlich darum gegangen ist,

den des Ausweis-Ausstellers voraus. Dieses Verschulden liegt schon

sicherzustellen, dass der Energieausweis nicht juristischer Bestandteil

dann vor, wenn dem Ausweis-Aussteller Fahrlässigkeit vorgeworfen

des notariellen Kaufvertrages bzw. des Mietvertrages wird. In der ent-

werden kann. Fahrlässig handelt, wer die erforderliche Sorgfalt zur

sprechenden Veröffentlichung (Bundestags-Drucksache 15/5849,

Ermittlung der notwendigen Daten außer Acht lässt. Diese Fehler-

Seite 7) wird folgendes ausgeführt:

quellen können in der Praxis vielfältig sein. Die möglichen Fehler lassen sich in aller Regel den Bereichen der Datenerhebung, Datenverarbeitung und der Datendarstellung zuordnen. Denkbar

„Mit der Ergänzung soll verdeutlicht werden, dass die Energie-

ist beispielsweise, dass sich der Aussteller nur unzureichende

ausweise als Marketinginstrument im Grundstücksverkehr lediglich

Kenntnisse über die bauphysikalischen Kenngrößen des Objektes

zur Unterrichtung der Marktteilnehmer über energetische Eigen-

verschafft hat. Für diesen Fall sind ihm regelmäßig sorgfaltswidrige

schaften eines Gebäudes beitragen sollen. Das Energieeinsparungs-

Versäumnisse bei der Faktenerhebung vorzuhalten. Ebenso kann

gesetz weist den Energieausweisen jedoch keine neuen rechtlichen

es passieren, dass der Aussteller falsche Berechnungsmethoden

Wirkungen zu. Rechtswirkungen in Kauf- und Mietverträgen können

anwendet und daher zu einem falschen Ergebnis bezogen auf die

sich in der Regel nur entfalten, wenn die Vertragsparteien den

Aussagekraft des Ausweises kommt.

Energieausweis ausdrücklich zum Vertragsbestandteil machen.“

2.3 Worin kann der Schaden des Auftraggebers bei

Wenn der Gesetzgeber allein mit dieser Begründung beabsichtigt

haben sollte, zivilrechtliche Rechtswirkungen der Energieausweise

einem falschen Ausweis liegen?

zu leugnen oder zu beschränken, wäre ihm dies gründlich misslungen. Der Schaden kann darin liegen, dass sich der Auftraggeber selbst

Zunächst fragt sich dann bereits, warum er es bei einer lediglich

Ansprüchen seiner Vertragspartner ausgesetzt sieht, denen er den

deklaratorischen, ausschließlich öffentlich-rechtlich bedeutsamen

Energieausweis als Entscheidungshilfe zur Verfügung gestellt hat.

Normierung in § 5 a EnEG belassen und nicht auch eindeutige zivil-

Betroffen sein können also Käufer oder Mieter der Immobilie.

rechtliche Einschränkungen im einschlägigen kauf-, miet- und

Machen diese Vertragspartner des Auftraggebers im Einzelfall Ge-

werkvertraglichen Gewährleistungsrecht vorgesehen hat. Des Wei-

währleistungs- oder Haftungsansprüche geltend, wird der Auf-

teren können die Vertragsparteien – wie oben bereits angesprochen –

traggeber bei dem Aussteller des Ausweises Regress nehmen wollen.

die Inhalte und Ergebnisse von Energieausweisen nicht nur „ausdrück-

Nun könnte argumentiert werden, dass solche Ansprüche von Käu-

lich“, sondern auch konkludent zu vertraglichen Soll-Anforderungen

fern oder Mietern gegenüber dem Eigentümer der Immobilie schon

erheben, insbesondere über Beschaffenheitsvereinbarungen. Dies ist

deshalb nicht in Betracht kommen, weil der Energieausweis lediglich

häufig sogar geradezu naheliegend, weil der Energieausweis als Ins-

der Information dienen soll. Dies könnte man aus § 5 a Satz 3 EnEG

trument der Entscheidungsfindung konzipziert ist. Schließlich weist

entnehmen.

bereits die Gebäuderichtlinie (Artikel 7, Nr. (2), Abs. 2) ausdrücklich darauf hin, dass es für die Rechtswirkungen aus der „Informationsquelle Energieausweis“ allein auf das jeweilige nationale Recht

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RA. Friedrich-Wilhelm Stohlmann – Haftung des Fachplaners bei unrichtiger Beratung oder falscher Ausstellung des Energiepasses für Gebäude

ankommt, d. h. aus der Umsetzung der Gebäuderichtlinie ergeben

Leistungspflicht des Ausstellers zur eigenen Fakten- und Grundlagen-

sich gerade keine Notwendigkeiten für die Regelung weiterer, auch

erhebung eingeschränkt wird. Hierdurch ändert sich allerdings nichts

zivilrechtlich relevanter Einschränkungen.

an der schon vorher erwähnten Prüfungspflicht des Ausweis-Ausstellers. Insoweit kommt im Übrigen bei unrichtigen Architektenplänen und

Selbstverständlich kommt es im Einzelfall auf eine Prüfung an, ob

-angaben auch eine gesamtschuldnerische Haftung von Architekt und

und inwieweit aus fehlerhaften Energieausweisen beim Auftraggeber

Aussteller gegenüber dem Auftraggeber in Betracht.

Schäden eingetreten sind. Wie bereits erwähnt, können diese z. B. aus Mängelansprüchen der Vertragspartner des Auftraggebers

2.4 Vertragliche oder vertragsähnliche Haftung aus

(z. B. Miet- oder Kaufpreisminderung, Ansprüche aus Kündigung oder

Drittschutzgesichtspunkten

Rückabwicklung von Verträgen u.a.m.) stammen. Denkbar sind natürlich auch eigene oder „weitergereichte“ Schadensersatzansprüche, so

Der Bausachverständige Kamphausen weist in dem Aufsatz im Baurecht

z. B. wegen Energiemehrkosten, wenn der Energieausweis die Gesamt-

2006 zu Recht darauf hin, dass in der Rechtsprechung seit langem

energieeffizienz des Gebäudes falsch dargestellt hat. Auch für vom

geklärt ist, dass Verträge von Experten (Sachverständigen, rechts- und

Auftraggeber auf Empfehlung des Ausweis-Ausstellers umgesetzte,

steuerberatende Berufe etc.) nicht nur den direkten Vertragspartner,

aber unwirtschaftliche Verbesserungsmaßnahmen kann Schadens-

sondern auch Dritte schützen und damit auch unmittelbare Haftungs-

ersatz zu leisten sein (ggf. unter Anrechnung von Sowiesokosten). Es

ansprüche begründen können, obwohl die Dritten nicht Vertragspartner

sind daher vielerlei Regressmöglichkeiten bei mangelhaftem Energie-

geworden sind. Eine solche Haftung wurde z. B. bei Gutachten eines

ausweis denkbar.

Immobiliensachverständigen und bei Untersuchungen eines Baugrundsachverständigen vom BGH angenommen. Es ist daher davon auszu-

Zugunsten des Ausweis-Ausstellers kommt unter Umständen der

gehen, dass die bisherige Rechtsprechung keinen Anlass sehen wird, von

Mitverschuldenseinwand gemäß § 254 BGB in Betracht. Dies ist zu-

ihrem haftungsrechtlichen Lösungsansatz des Expertenvertrages mit

mindest denkbar, wenn der Auftraggeber unzutreffende Daten geliefert

Schutzwirkung zugunsten Dritter abzurücken.

hat, die in die Berechnung eingeflossen sind. Allerdings entbindet die Datenbereitstellung den Aussteller grundsätzlich nicht von eigenen sorg-

Allerdings ließe sich die Dritthaftung von Experten seit der Schuld-

fältigen Prüfungen auf Verlässlichkeit der Daten. Kann und muss er

rechtsmodernisierung auch an §§ 311 Abs. 3, 241 Abs. 2 BGB fest-

Zweifel an der Richtigkeit der Daten haben, treffen den Aussteller als

machen. Danach kann ein Schuldverhältnis, das insbesondere zur In-

Fachmann gesteigerte Nachprüfungspflichten. Ein Mitverschuldens-

teressenwahrung verpflichtet, auch zu Personen entstehen, die nicht

einwand kommt auch in Betracht, wenn der Architekt oder ein Sonder-

selbst Vertragspartei werden sollen. Dies ist insbesondere dann an-

fachmann des Auftraggebers Pläne und sonstige Unterlagen oder Daten

zunehmen, wenn der Außenstehende in besonderem Maße Vertrauen

auf Anordnung des Auftraggebers zur Verfügung gestellt hat. Hierbei

für sich in Anspruch nimmt und dadurch den Vertragsschluss erheblich

kommt es natürlich entscheidend darauf an, ob der Architekt oder

beeinflusst. Diese Vorschriften stellen also nicht mehr auf einen im

Sonderfachmann im Einzelfall aufgrund der konkreten vertraglichen

Extremfall sogar lediglich im Wege extensiver Auslegung fingierten

Vereinbarungen als Erfüllungsgehilfe des Auftraggebers im Verhältnis

Vertragswillen bei Abschluss des Expertenvertrages ab, sondern be-

zum Ausweis-Aussteller anzusehen ist. Dies wird auch dann der Fall sein,

gründen zum „Dritten“ ein eigenes (sog. rechtsgeschäftsähnliches)

wenn der Auftraggeber dem Ausweis-Aussteller die Lieferung der Unter-

Schuldverhältnis mit möglichen Haftungsfolgen im Falle enttäuschten

lagen und Daten vertraglich schuldet und damit die grundsätzliche

Vertrauens.

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RA. Friedrich-Wilhelm Stohlmann – Haftung des Fachplaners bei unrichtiger Beratung oder falscher Ausstellung des Energiepasses für Gebäude

Die Rechtsprechung hat Experten (z.B. für fehlerhafte Gutachten) dann

gesetzlich vorgegebene Leistungsziel „Energieausweis nach der

gegenüber Dritten haften lassen, wenn diese auf die Expertenleistung

EnEV“ nicht in unzulässiger Weise beeinträchtigen dürfen. Auf welche

vertrauen und auf der Grundlage dieses Vertrauens erhebliche

Gegenstände und Inhalte sich solche Vereinbarungen mit dem Auf-

Vermögensdispositionen getroffen haben. Diese Haftungssituation trifft

traggeber beziehen können (z. B. anzuwendende Berechnungsverfahren,

auch für Energieausweise zu. Hier sei nur auf folgendes hingewiesen:

Verwertung zur Verfügung zu stellender Daten etc.), wird die Praxis zeigen.

(a) Wie oben bereits dargelegt, soll der Energieausweis Verbrauchern energetische Vergleiche und Beurteilungen im Rahmen von

Im Übrigen lässt sich sagen, dass vertragliche Haftungsbeschränkungen

Entscheidungsfindungen für Bau, Kauf oder Miete ermöglichen.

heute als allgemeine Geschäftsbedingungen kaum noch in nennens-

Dabei geht es regelmäßig um erhebliche Vermögensdispositionen.

wertem Umfang wirksam vereinbart werden können. Bei Expertenverträ-

Nach seiner Konzeption ist der Energieausweis damit zudem selbst

gen muss dann sofort befürchtet werden, dass hiermit in sogenannte

geradezu typischerweise „drittschützend“.

kardinale Leistungspflichten eingegriffen wird. Aus diesem Grund muss z. B. damit gerechnet werden, dass eine Haftungsfreizeichnung

(b) Der Kreis derjenigen, die für solche Vermögensdispositionen in

in AGB für fahrlässig verursachte Fehler des Energieausweises, die vor

Betracht kommt, wird durch die Gebäuderichtlinie mit

einigen Jahren von den Gerichten noch toleriert worden wären, heute

Immobilieneigentümern, potentiellen Käufern und Mietern

möglicherweise für unwirksam erklärt würde.

bezeichnet. Jedem Aussteller ist damit klar, dass ein Auftraggeber den Energieausweis Dritten vorlegen wird (und dies gesetzlich sogar

Eine besondere Problematik stellt die Einschränkung der sog. Dritthaf-

muss) und diese auf dessen Richtigkeit vertrauen werden.

tung dar. Nach der bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes (BGH) zur Sachverständigenhaftung konnte der Gutachter durch eine

(c) Als Aussteller von Energieausweisen dürfen nur qualifizierte und

Vereinbarung mit seinem Auftraggeber klarstellen, dass er gegenüber

unabhängige Fachleute mit staatlich reglementierter Berechtigung

einem Dritten nicht haften wollte. Unklar war zuletzt nur noch, ob aus

auftreten.

Publizitätsgründen dieser Haftungsausschluss im Gutachten selbst ausdrücklich aufgeführt werden musste.

Damit liegen alle grundlegenden von der Rechtsprechung entwickelten Voraussetzungen einer Dritthaftung vor.

Diese Situation wäre wiederum anders zu beurteilen, wenn man die bisherige Konstruktion eines Expertenvertrages mit Schutzwirkung zuguns-

Dies wird von Kamphausen in dem genannten Aufsatz im Baurecht 2006

ten Dritter verlässt und stattdessen auf ein eigenständiges Schuldverhält-

völlig richtig dargestellt.

nis zwischen dem Experten und dem Vertragspartner des Ausstellers i. S. des § 311 Abs. 3 BGB abstellen würde. Diese Bestimmung lautet:

2.5 Vertragliche Haftungseinschränkungen „Ein Schuldverhältnis mit Pflichten nach § 241 Abs. 2 BGB kann auch

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Die praktisch wichtigste Möglichkeit für den Energieausweis-Aussteller,

zu Personen entstehen, die nicht selbst Vertragspartei werden sollen.

seine Haftungsrisiken zu beschränken, wird in Zukunft darin bestehen,

Ein solches Schuldverhältnis entsteht insbesondere, wenn der Dritte im

mit seinem Auftraggeber klare und unmissverständliche Regelungen

besonderen Maße Vertrauen für sich in Anspruch nimmt und dadurch

über sein Leistungssoll zu treffen. Dabei ist allerdings zu beachten,

die Vertragsverhandlungen oder den Vertragsschluss erheblich

dass die Möglichkeiten begrenzt sind, da solche Vereinbarungen das

beeinflusst“.

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RA. Friedrich-Wilhelm Stohlmann – Haftung des Fachplaners bei unrichtiger Beratung oder falscher Ausstellung des Energiepasses für Gebäude

Mit diesem Vertragspartner bestünden durchweg keinerlei schriftlich fixierte oder auch nur konkludente Vertragsvereinbarungen, da der Ausweis-Aussteller den Kauf- und Mietinteressenten seines Auftraggebers in der Regel gar nicht kennt. Da es sich um ein eigenes Schuldverhältnis handelt, könnten Haftungsbegrenzungen aus dem Vertrag mit dem Auftraggeber oder sonstige Absicherungen oder Einschränkungen, auf die der Experte z.B. im Energieausweis ausdrücklich hingewiesen hat, jedenfalls nicht unmittelbar den Inhalt des Schuldverhältnisses mit dem geschützten Vertragspartner seines Auftraggebers bestimmen. Allerdings könnte damit der Grad des Vertrauens in den Energieausweis abgeschwächt werden. Dies wiederum würde aber den gesetzlichen Vorgaben für die Qualität und Aussagekraft des Energieausweises widersprechen. V. Fazit Bezüglich der Bewertung des Vertragsverhältnisses zwischen Auftraggeber und Ausweis-Aussteller ist von einem Werkvertrag auszugehen, der aber auch Schutzwirkungen zugunsten Dritter entfalten kann, wie die Rechtsprechung zu Expertenverträgen ausweist. Allerdings bleibt die weitere Entwicklung der Rechtsprechung zu diesem weiteren Feld abzuwarten. F.W. Stohlmann

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Prof. Dr.-Ing. Dieter Wolff – Drei Säulen für die Optimierung des Gebäude- und Anlagenbestands: Energieeinsparung – Steigerung der Systemeffizienz und des Einsatzes regenerativer Energien

Prof. Dr.-Ing. Dieter Wolff

sierungen die bestmögliche Qualität für die Gebäude- und Anlagen-

Drei Säulen für die Optimierung des Gebäude- und Anlagenbestands: Energieeinsparung – Steigerung der Systemeffizienz und des Einsatzes regenerativer Energien

technik eingesetzt wird. Zusätzlich muss das Wachstum neuer Wohnflächen kontrolliert werden sowie die Verdichtung im Gebäudebestand mit energieeffizienten Modernisierungen oder Ersatzneubauten beschleunigt werden. Für eine wirtschaftliche Instandsetzung und Modernisierung bietet sich primär der Gebäudebestand mit Baujahr vor der 1. Wärmeschutzverordnung (WschV) 1977 an. Zu unterscheiden sind Modernisierungskonzepte für Nichtwohngebäude (z. B. Schulen, Bürogebäude, Krankenhäuser), für selbst genutzte Ein- und Zweifamilienhäuser oder für vermietete Mehrfamilienhäuser. Für Nachkriegs-Mehrfamilienhäuser ergibt sich ein typischer Instandsetzungsbedarf ohne energetische Maßnahmen von 50 €/m² + 2,50 €/(m²a) • (2000 – Baujahr) – Formel abgeleitet aus: (FAZ v. 6.7.2007 -Immobilien) – also beispielsweise von 150 €/m² für die dringlichsten Instandsetzungsaufgaben ohne zusätzliche energetische Maßnahmen bei einem Gebäude aus dem Jahre 1960. Wird bei der Instandsetzung sowieso etwas „angefasst“, greifen die Nachrüstverpflichtungen der neuen Energieeinsparverordnung (EnEV). Dann sollte eine energetische Modernisierung bestmöglich realisiert werden und weit über den derzeit geforderten Standard

Einführung

der EnEV hinausgehen. Die angekündigten Novellierungen der EnEV 2009 und 2012 mit jeweils 30-prozentiger Anhebung der Mindestan-

Wird die politisch, volks- und betriebswirtschaftlich sinnvolle Ziel-

forderungen sind in dieser Hinsicht sehr zu begrüßen und sollten auf

setzung: „Maximale mögliche Energieeinsparung und CO2-Minderung

die Bestandsmodernisierung ausgedehnt werden. Das Wirtschaftlich-

unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten durch umfassende Moderni-

keitsgebot der EnEV kann hierbei sicherlich eingehalten werden. Dies

sierung im Gebäude- und Anlagenbestand“ akzeptiert, könnten viele

gilt unter Berücksichtigung jährlicher Energiepreissteigerungsraten

Diskussionen über nur teilweise Instandsetzungen (z. B. alleiniger

von durchschnittlich 7 Prozent (mittlerer Wert der letzten 40 Jahre)

Fensteraustausch) oder einzelne Modernisierungsmaßnahmen (nur

für sinnvoll gewählte Kombinationsmaßnahmen in die Gebäude- und

Wärmepumpe anstelle des Altkessels) künftig entfallen.

Anlagentechnik und bei langfristiger Betrachtung (15 bis 30 Jahre).

Der weltweite Zielwert des IPCC (Intergovernmental Panel for Climate

Zusatzkosten zu den Kosten für die „Sowieso-Instandsetzung“ auf

Change) von 1 t CO2 pro Einwohner bis zum Jahre 2050 kann nur

den derzeitigen, nicht sehr anspruchsvollen EnEV-Neubaustandard

eingehalten werden, wenn im Rahmen von Instandsetzungsmoderni-

liegen heute typisch bei 250 bis 400 €/m². Schulze-Darup /1/ zeigt,

u p o n o r K ON G R E S S 2 0 0 8

73


Prof. Dr.-Ing. Dieter Wolff – Drei Säulen für die Optimierung des Gebäude- und Anlagenbestands: Energieeinsparung – Steigerung der Systemeffizienz und des Einsatzes regenerativer Energien

dass ein wirtschaftlich und technisch realisierbarer bestmöglicher

Kein Planer oder Architekt sollte noch auf die Idee kommen, eine

Standard (30 bis 50 Prozent unter den EnEV-Neubau-Anforderungen

Gebäudehülle nur nach den Mindestanforderungen zu dämmen oder

oder sogar annähernd auf Passivhausniveau) weitere Zusatzkosten

die Primärenergieanforderung der Energieeinsparverordnung - gerade

von typisch 120 bis 150 €/m² erfordert. Wichtigste Voraussetzung

noch an der zulässigen Grenze der EnEV „kalibriert“ – allein durch den

für die Umsetzung einer derart umfassenden Modernisierung ist eine

Einbau eines Pelletkessels oder einer Solaranlage zu erfüllen. So wird

langfristig weitere Nutzung.

Holz mit einem Primärenergiefaktor von 0,2 gegenüber Erdgas oder Heizöl mit 1,1 mehr als fünfmal besser bewertet, ohne zu berück-

Bei einer über das übliche Maß hinausgehenden energetischen Mo-

sichtigen, dass Biomasse natürlich nicht beliebig fossile Brennstoffe

dernisierung müssen sich alle Beteiligten tatsächlich mit diesem Ziel

ersetzen kann. Hier sollte zukünftig ein auf max. Endenergiebedarf

identifizieren. Die derzeit größten Schwierigkeiten und Hindernisse

begrenztes Biomassebudget greifen, dass eine primärenergetische

liegen nach Ansicht des Autors darin, Architekten, Anlagentechnik-

Bewertung von 0,2 für Holz nur bis zu einem Endenergiebedarf von

Fachplaner, Energieberater, Energieversorgungsunternehmen /2/,

z. B. 30 kWh/(m²a) erlaubt [Vorschlag: www.iwu.de].

die Komponentenhersteller sowie das ausführende Handwerk und die künftigen Qualitätssicherer zu einem verantwortlichen Netzwerk

Investitions- und Energiekosten, somit die jährlichen Gesamtkosten,

zusammenzubinden, das die prognostizierten Einsparkilowattstunden

werden dem Auftraggeber bei energetisch suboptimalen Lösungen

– nicht die eingesparten Energiekosten – tatsächlich garantiert. Bei

geringe Renditen, wenn nicht sogar Verluste gegenüber dem Altzu-

dem Prinzip des Energieeinspar- oder Performance-Contracting mit

stand bescheren.

Vertragslaufzeiten von 5 bis 20 Jahren für größere Liegenschaften im Nichtwohnbau wird dies bereits seit längerer Zeit erfolgreich prakti-

Noch nicht gelöste Fragen zu den Wechselwirkungen und der sinn-

ziert. Hindernisse für dieses Vorgehen liegen in der typisch deut-

vollen Kombination verschiedener baulicher und anlagentechnischer

schen Neigung zu komplizierter Bürokratie in der Steuer-, Miet- und

Komponenten und ihrer jeweiligen Nutzung werden bei umfassenden

Eigentumsgesetzgebung und den damit verbundenen Verordnungen;

Modernisierungen /4/ heute meistens übergangen, bewusst oder in

auch die Fördergesetzgebung und ihre Programme sind nicht immer

mangelnder Kenntnis der Zusammenhänge.

hilfreich. Diese Wechselwirkungen, z. B. in modernisierten Gebäuden mit Passiv-

74

Mit dem Kompensationsprinzip der EnEV ist ein gegenseitiges Ver-

haus-Dämmstandard und einer Komfortlüftung mit Wärmerückgewin-

rechnen bau- und anlagentechnischer Maßnahmen in einer primären-

nung /5/ bei Weiterverwendung vorhandener, viel zu großer Heizkör-

ergetischen Bilanzierung möglich. Dies ist aber aufgrund der drastisch

per, betreffen den gesamten Bereich der energetischen Einflüsse auf

gestiegenen Energiepreise und der allseits anerkannten Notwendig-

den Endenergieverbrauch. Daher müssen Wärmeerzeugung für Raum-

keit der Reduzierung von klimaschädigenden Gasen überflüssig /3/.

heizung und Trinkwarmwasser, die Arten der Lüftung, Wärmeverteilung

Wirtschaftlich und technisch bestmöglichste Standards nach dem

und Wärmeabgabe sowie die Regelung zentral/dezentral und Kompo-

z. B. in Japan bewährten Top-Runner-Prinzip erfüllen aus Sicht des

nenten zur Heizkostenerfassung in einem ganzheitlichen Systemzu-

Autors die künftigen Anforderungen besser. Dies sollte auch bei der

sammenhang analysiert werden. Vielfach werden diese Aufgaben einer

Formulierung von Förderprogrammen, wie den KfW-Programmen,

integrierten Planung im Rahmen „ehrlicher“ energetischer und wirt-

berücksichtigt werden. Als vorbildlich sind z. B. die regionalen Förder-

schaftlicher Gesamtbilanzen nicht ausreichend sachgemäß behandelt;

programme des Pro-Klima-Fonds der Stadtwerke Hannover zu nennen

zu viele Einzelinteressen verschiedener Teilbranchen sind betroffen, als

(www.proklima-hannover.de).

dass man sich bisher auf einheitliche Aussagen verständigt hätte.

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Prof. Dr.-Ing. Dieter Wolff – Drei Säulen für die Optimierung des Gebäude- und Anlagenbestands: Energieeinsparung – Steigerung der Systemeffizienz und des Einsatzes regenerativer Energien

Die umfassende Dämmung der Gebäudehülle (U-Werte zwischen 0,1

Optimierung der Regelung und Hydraulik in modernisierten

und 0,2 W/(m²K)), der Einsatz bester Fensterqualitäten (U-Werte

Bestandsgebäuden

unter 1 W/(m²K)) sowie - wenn wirtschaftlich sinnvoll und möglich - eine weitgehend dichte (n 50 < 0,6 h -1) und wärmebrückenfreie Hülle

In dem vom Verfasser begleiteten „OPTIMUS“-Projekt /8/ ergab

(ΔU WB < 0,05 W/(m²K)) sollten möglichst immer realisiert werden.

sich für Mehrfamilienhaus-Bestandsgebäude ein typischer Enden-

Diese Maßnahmen liefern Auslegungsheizlasten im Bereich von 10 bis

ergieverbrauch für Raumheizung und Trinkwarmwasser von 180 bis

25 W/m² beheizter Fläche, liegen damit im Bereich von Passiv- bzw.

210 kWh/(m²a) bezogen auf den Brennwert. Die unerwartet hohen

Niedrigstenergiehäusern und erfordern Wärmeabgabesysteme mit

Verluste der Niedertemperaturkessel lagen bei ca. 60 kWh/(m²a),

definierter Begrenzung der Heizleistung und bestmöglicher Dynamik

die der Brennwertkessel bei ca. 40 kWh/(m²a). Durch angepasste

(Einfachste „Notheizkörper“).

Dimensionierung, Wahl der richtigen Kesselkonstruktion und durch optimierte regelungstechnische und hydraulische Einbindung können

Will man den Standard von 1,5-, 3- oder 4- bis 6-l-Häusern tat-

die Verlustwerte der Kessel mehr als halbiert werden. Normwerte

sächlich erreichen, ist das Verschwendungspotenzial oder sogar der

liegen bei 2 bis 10 kWh/(m²a).

Zwangswärmekonsum /6/ ungeeigneter Komponenten und Systemkombinationen unbedingt zu vermeiden. Nachfolgend einige Beispiele

Das weitere wesentliche Einsparpotenzial, das durch das OPTIMUS-

aus begleiteten Felduntersuchungen.

Projekt nachgewiesen werden konnte, liegt in der vom Fachunternehmer dokumentierten angepassten Einstellung der Hydraulik

Reale Effizienz von Gas-/Ölkesseln in Einfamilienhäusern

(Hydraulischer Abgleich durch voreinstellbare Thermostatventile), der Regelpumpen (künftig nur Hocheffizienzpumpen) und der Vorlauf-

Die Kesselauslastung im Jahresmittel von Brennwertkesseln in neu-

temperaturregler nach einer baulichen Modernisierung. Die durch eine

eren Einfamilienhäusern mit einer typischen Kesselnennleistung von

Optimierung der Regelung und Hydraulik in modernisierten Mehrfa-

20 kW lag in einem Feldversuch /7/ mit mehr als 60 untersuchten

milienhäusern erreichbare Einsparung liegt allein für den Raumheiz-

Anlagen bei durchschnittlich 9 % oder 1,8 kW oder ca. 12 W/m².

verbrauch bei Werten von 15 bis 19 kWh/(m²a) und in Einzelfällen bei

Mittlere Heizlasten liegen bereits im EnEV-Standardneubau nur noch

noch höheren Einsparbeträgen. Durch Einsatz und Anpassung von

bei 5 bis 8 W/m². Der durchschnittliche mit Gas- und Wärmemengen-

Hocheffzienz-Umwälzpumpen ist ein weiteres Primärenergieeinspar-

zählern gemessene Jahresnutzungsgrad der Brennwertkessel in den

potenzial von 1 bis 4 kWh/(m²a), bei Etagenheizgeräten sogar bis zu

Einfamilienhäusern lag bei 86 % (entsprechende Kesselverluste: 15

20 kWh/(m²a) erzielbar.

kWh/(m²a)) bezogen auf den Brennwert und damit deutlich unter den möglichen Werten von 90 bis 95 % optimierter und richtig dimensio-

Noch keine Aussagen lassen sich treffen über Einsparmöglichkeiten

nierter Wärmeerzeugungsanlagen. Eine angepasste Dimensionierung

durch „Intelligente“ Heizkostenerfassungssysteme mit bedarfsabhän-

von Wärmeerzeugern, vor allem von hochinvestiven Geräten wie

giger Anpassung der Vorlauftemperatur. Hier müssen Auswertungen

Wärmepumpen, Klein-BHKW’s und Pelletkesseln ist grundsätzlich zu

des Instituts EOS über mindestens eine weitere Heizperiode abgewar-

fordern.

tet werden.

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Prof. Dr.-Ing. Dieter Wolff – Drei Säulen für die Optimierung des Gebäude- und Anlagenbestands: Energieeinsparung – Steigerung der Systemeffizienz und des Einsatzes regenerativer Energien

Heizkörper und Komfortlüftung in Faktor-10-Häusern

und ohne großen Aufwand könnte durch nachträgliche Dämmung der Keller- und der obersten Geschossdecke sowie durch eine zusätzliche

In den von Pro Klima, Hannover, geförderten und auf Passivhaus-

Optimierung der Regelung und Hydraulik der Endenergiebedarf auf

standard modernisierten Faktor-10-Häusern mit Komfortlüftung (mit

70 bis 75 kWh/(m²a) abgesenkt werden. In weiteren Untersuchungen

Wärmerückgewinnung) ergaben sich durchschnittliche Netto-Heiz-

ist zu klären, welche Systeme der Trinkwarmwasserverteilung unter

wärmeverbrauchswerte ohne anlagentechnische Verluste von nur 35

energetischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten speziell für den

bis 45 kWh/(m²a). Die Verbrauchswerte pro Wohnung schwankten

Geschosswohnungsbau am besten geeignet sind: herkömmliche Netze

zwischen 2 und 100 kWh/(m²a) (!) und im Mittel wurden noch ca. 11

mit konventionell geführten Zirkulationsleitungen, Systeme mit innen

kWh/(m²a) gegenüber der realistischen Bedarfsrechnung nach dem

liegender Zirkulationsleitung (sogenannte Inliner-Systeme), dezent-

PHPP-Verfahren (Passivhaus-Projektierungs-Paket des Passivhaus-

rale Gasetagenheizungen oder auch Systeme mit einer zentralen

Instituts) verschwendet. Die alten Heizkörper waren beibehalten

Vorlauf- und Rücklaufleitung und dezentraler Trinkwassererwärmung

worden und bezogen auf ihre Normleistung (bei Auslegungstempera-

über Wohnungsstationen. Entsprechende Untersuchungen werden

turen von 75/65/20 °C) nur zu 5 % „ausgelastet“. Sie wären also im

derzeit vom Autor begleitet.

Jahresmittel mit einer aus Vor- und Rücklauf gemittelten Heizwassertemperatur von 29 °C ausgekommen. Wäre eine Fußbodenheizung

Solare Trinkwassererwärmung und Heizungsunterstützung in

installiert gewesen, wäre diese mit 21 °C mittlerer Heizwassertem-

Einfamilienhäusern

peratur ausgekommen! An derzeit angebotenen Vorlauftemperaturreglern können solch niedrige Temperaturen bzw. Heizkurven gar

Die Effizienz von Solarthermie im Wohnbau ist wegen der hohen

nicht eingestellt werden. Natürlich waren die eingesetzten viel zu

Investitionen, aber auch wegen der Verluste durch Verteilung und

großen Feineinstell-Thermostatventile regelungstechnisch vollkom-

Speicherung eng vom Nutzwärmebedarf für die Trinkwasserer-

men überfordert. Bei geringen Heizlasten (Auslegungsheizlasten

wärmung oder die Heizungsunterstützung abhängig. Vom Autor in

kleiner als 10 W/m²) ist allein aufgrund der Regelbarkeit der Einsatz

Felduntersuchungen begleitet wurde eine Solaranlage in einem von

von Warmwasserheizungen mit Heizflächen anstelle der im Passivhaus

einem Rentnerehepaar genutzten Einfamilienhaus, in dem es sogar

vorgesehenen Restheizung über die Lüftung in Frage zu stellen. Je

zu einem Gasmehrverbrauch gegenüber einer einfachen Zentralgas-

geringer die Heizlast (Heizlasten von 10 – 30 W/m²), desto trägheits-

heizung ohne Solartechnik kam: Gaswandgerät, Solarkollektoren und

armer sollte das Heizsystem (Heizkörper bzw. Flächenheizungen)

Solarspeicher als auch der eingesetzte zentrale Regler kamen von

sein, um dynamisch auf Fremdwärmegewinne zu reagieren. Grenzen

unterschiedlichen Herstellern und die aufwändige zusätzliche Ver-

einer guten Regelbarkeit ergeben sich unter ca. 20 W/m². Einfache

rohrung sowie der 850-l-Pufferspeicher verursachten etwa 3-fach so

„Notheizkörper“ sind in den meisten Fällen die beste Lösung.

hohe Verluste wie der reine Nutzwärmebedarf der beiden Bewohner, der annähernd gleich dem Solarertrag aus den Kollektoren war.

Verteilverluste in modernisierten Gebäuden Nach der Dämmung der Außenfassade eines Plattenbau-Mehrfamilienhauses mit Anschluss an ein Fernwärmenetz ergaben sich akzeptable Endenergieverbrauchswerte von ca. 100 kWh/(m²a). Überraschend war die Aufteilung dieser Endenergiewerte auf Nutzen (56 kWh/(m²a) für Raumheizung und 20 kWh/(m²a) für Trinkwarmwasser) und Verluste (24 kWh/(m²a) für Verteilung und Speicherung). Wirtschaftlich

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In einer anderen Anlage (4-Personen-Einfamilienhaus) ergab der „gesponserte“ Ersatz eines fünf Jahre alten zentralen Brennwertkessels mit einfachem Trinkwarmwasserspeicher durch eine kompakte Solaranlage zur Trinkwassererwärmung und Heizungsunterstützung (alles von einem Hersteller) eine Einsparung von ca. 20 kWh/(m²a). Überraschend waren in diesem Neubau nach EnEV die geringen über ein Jahr gemittelten Leistungsanforderungen von 0,6 kW für die Raumheizung und von 0,4 kW für die Trinkwassererwärmung (siehe Abb. 3)! Solare Sanierung von Mehrfamilienhäusern Das Programm „Solare Sanierung“ (SOLSAN) verspricht für ein Bestandsgebäude mit einem heute für Bestandsbauten typischen Wärmebedarf von 200 kWh/(m²a) für Raumheizung und Trinkwarmwasser eine Reduzierung um 60 kWh/(m²a), also um 30 %, durch Abb. 1: Gemessene Energiebilanz einer solarunterstützten Heizungsanlage: Gasmehrverbrauch durch nicht angepasste Systeme

die Kombination: „Solarenergienutzung & Anlageneffizienz“. Nicht erwähnt wird, dass mit der solaren Sanierung meist auch weitere Maßnahmen wie der Einsatz eines neuen Brennwertheizkessels, ein hydraulischer Abgleich und weitere Optimierungsmaßnahmen durchgeführt werden. Nicht erwähnt wird, dass mit einer Solaranlage für Warmwasser und Heizungsunterstützung nur 10 bis max. 25 kWh/(m ²a) bezogen auf die beheizte Fläche an Endenergieeinsparungen möglich sind – und zwar unabhängig ob Alt- oder Neubauanlage; typisch sind 12 kWh/ (m ²a) für Solaranlagen nur für Warmwasser und 20 kWh/(m ²a) für Solaranlagen für Warmwasser und Heizungsunterstützung. Bei dem beworbenen Praxisbeispiel des Programms SOLSAN waren es lediglich 7 kWh/(m ²a). Die restlichen 53 kWh/(m ²a) können also nur durch die anderen Maßnahmen erzielt werden: Kesseltausch, Dachdämmung und anlagentechnische Optimierung. In Ihrer Koppelwirkung sind diese Einsparwerte durchaus realistisch, die Frage bleibt aber, was

Abb. 2: Anlage zur Bilanz nach Abb. 1

von den Maßnahmen wirklich umlagefähige Modernisierung und was Instandhaltung bzw. Instandsetzung ist? Sicherlich nicht ohne Grund wurde der ursprüngliche Titel der Aktion „Solare Sanierung“ aus Gründen der „Bilanzkosmetik“ ersetzt durch „Solare Modernisierung“.

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Abb. 3: Input-Output-Auswertung einer optimierten solaren Heizungsanlage

Optimierte Planung auf der Basis von Verbrauchsanalysen

MWh/a. Dieser Jahresgesamtverbrauch ist aus den mittleren Leistungswerten in der Heizperiode: 64 kW (Heizgrenztemperatur ca. 15 °C,

Welche Analyse und Planungsschritte und welche Empfehlungen wer-

mittlere Außentemperatur in der Heizzeit ca. +5 °C, ca. 250 Heiztage/a =

den für eine ganzheitliche Optimierung des Gebäude- und Anlagenbe-

6000 h/a) und dem Sommersockel von ca. 17 kW (an den verbleibenden

stands vorgeschlagen? An erster Stelle sollte eine einfache Einordnung

365 – 250 = 115 d/a = 2760 h/a) reproduzierbar:

der Gebäude- und Anlagenqualität auf Basis von Verbrauchsmessungen des Endenergieeinsatzes und wenn möglich auch der Nutzwär-

64 kW • 6000 h/a + 17 kW • 2760 h/a = 430 920 kWh/a = 431 MWh/a

meabgabe für Raumheizung, Trinkwarmwasser und evtl. zusätzlicher

78

Prozesswärme erfolgen. Abb. 4 zeigt eine solche Auswertung für ein

Mit nur zwei mittleren Leistungsangaben ist – konform und nachvoll-

mit Nahwärme versorgtes kleineres Krankenhaus. Die beheizte Fläche

ziehbar mit den Berechnungsgrößen der EnEV – eine Bestandsbeschrei-

beträgt ca. 3000 m², der Jahresenergieverbrauch für Wärme ohne die

bung im Rahmen eines Verbrauchs-/Bedarfs-Abgleichs in einfachster

Verluste des Nahwärmenetzes und der Wärmeerzeugerzentrale ca. 438

Form möglich.

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Abb. 4: Fingerabdruck eines kleineren Nahwärmeversorgten Krankenhauses aus Verbrauchsmessungen

Energieanalyse aus dem Verbrauch besser als „Kurz-Checks“

ist der Einbau eines Wärmemengenmessers hinter dem Wärmeerzeuger, um die tatsächlich vom Wärmeerzeuger abgeführten Nutzwärmemengen

An erster Stelle einer optimalen Planung steht somit eine weitgehend

und damit die Effizienz des Wärmeerzeugers und den Raumheiz- und

aus Verbrauchsauswertungen abgeleitete Analyse der Hauptverursacher

Trinkwarmwasserverbrauch auswerten zu können. Diese zwar etwas län-

eines zu hohen Energieverbrauchs (typisch 180 bis 250 kWh/(m ²a)

ger dauernde Analyse liefert deutlich seriösere Ergebnisse als die der-

für Raumheizung und Trinkwarmwasser in Bestandswohngebäuden.

zeit durch verschiedene Interessensverbände und durch die Normung

Eine monats- oder sogar wochenweise Verbrauchsauswertung unter

(Entwurf DIN 15378 bzw. DIN 4725) empfohlenen Kurzchecks, die mit

Berücksichtigung der Kesselkennwerte Wirkungsgrad und Bereit-

einem Punktesystem und vielfach ohne ausreichende Messgrößen und

schaftsverlust bzw. realistischer Arbeitszahlen und Effizienzkenn-

Verbrauchsauswertungen nur grobe oder sogar falsche Bewertungen

werte für Wärmepumpen oder andere Wärmeerzeuger liefert wertvolle

allein für die Anlagentechnik, nicht jedoch für den Gesamtkomplex

Aufschlüsse über die Verluste und die energetische Effizienz der

Gebäude – Anlagentechnik – Nutzer liefern.

Gebäudehülle, der Anlagentechnik und der Nutzung /9/. Besser noch

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Aus Erfahrungen zu Förderanträgen für umfassende energetische Modernisierungen ist vom Autor zu bemängeln, dass vielfach weder von den Betreibern noch von den Fördergebern die Geduld aufgebracht wird, zunächst eine Verbrauchsanalyse über eine Winterheizperiode durchzuführen, um dann mit gesicherten Ergebnissen einen anschließenden Abgleich zwischen Bedarf und Verbrauch als Voraussetzung für eine ehrliche Projektierung des ganzheitlichen energetischen Modernisierungsvorhabens durchzuführen. Zu häufig beantragen Entscheider, vor allem aus dem politischen Feld, Förderung nur für spektakuläre und häufig hoch investive „Leuchttürme“. Mit dem gleichen Fördergeld – oder mit Eigen- oder Fremdkapital – wären

Abb. 5: Auswertung von Vergleichen Bedarf/realer Verbrauch im Rahmen des OPTIMUS-Projektes

nachhaltige und primärenergetisch effektive Lösungen zu realisieren; die dann allerdings nicht so öffentlichkeitswirksam präsentiert werden können wie die Photovoltaik auf dem Schuldach oder die Solarkollek-

Die wichtigsten Ergebnisse des OPTIMUS-Projekts sind folgende:

toren auf dem Rathausdach, obwohl im Rathaus Warmwasser evtl.

Bei den älteren Gebäuden liegt der berechnete Energiebedarf um

nur zum Kaffeekochen benötigt wird.

15 % höher als der gemessene bereinigte Verbrauch. Bei den neuen Gebäuden ergeben sich 25 % geringere berechnete Bedarfswerte als

Seriöse Energieberatung mit Verbrauchs-Bedarfs-Abgleich

real gemessene Verbrauchswerte. Die Konsequenz eines reinen Bedarfs-Energieausweises ist eine viel zu hohe theoretische Einspar-

Die Analyse des Ist-Zustands ist nur durch eine seriöse und eine von

prognose. Dies hat drastische Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit

Interessen unabhängige Vor-Ort-Energieberatung sichergestellt. Ein

von Einsparmaßnahmen. Es ist zu fordern, dass die theoretischen

damit verbundener Verbrauchs-Bedarfs-Abgleich liefert weitere

Berechnungsprogramme bzw. die ihnen zugrunde liegenden Bilanz-

Aufschlüsse über die Einzelverluste und ihre Verursacher. Dies ist

verfahren angepasst werden, damit einem Bauherrn bei einer Energie-

durch die Ausstellung eines rein bedarfsorientierten Energieaus-

beratung, nicht zu hohe, in der Praxis nicht erzielbare Einsparungen

weises, wie es die EnEV 2007 als Alternative zum verbrauchsorien-

versprochen werden können.

tierten Energieausweis fordert, nicht gewährleistet. Für 65 Gebäude konnte der Endenergieverbrauch für Heizung und Neben dem Nachweis einer Energieeinsparung durch die Heizungsan-

Trinkwarmwasserbereitung ermittelt werden. Aufgrund des besser

lagenoptimierung wurden bei den im OPTIMUS-Projekt untersuchten

werdenden Baustandards liegt zwischen der ältesten und der neues-

Gebäuden theoretisch berechnete (EID-Energieausweis nach DENA)

ten Baualtersklasse etwa der Faktor 1,5 (214 bzw. 140 kWh/m²a). In

und gemessene Energiekennwerte verglichen. Vorab die Definitionen

der Theorieberechnung nach dem EID-dena-Energieausweisverfahren

von Bedarf und Verbrauch: Verbrauch basiert auf Messdaten, Bedarf

liegt eine Staffelung des Endenergiebedarfs zwischen 321 und 135

ist eine berechnete Größe auf Basis von Standardnutzungsdaten.

kWh/(m²a) vor. Zwischen der ältesten und der neuesten Baualtersklasse liegt hier fast der Faktor 2,4.

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Als Planungsinstrument für technisch und wirtschaftlich sinnvolle

tor für das eingesetzte Kapital mit ein. Ein Maßnahmenpaket ist dann

Modernisierungsmaßnahmen und für Neubauten werden heute ver-

wirtschaftlich, wenn der äquivalente Energiepreis bzw. die Kosten

schiedene praxistaugliche Rechen-Tools angeboten. Für eine erste

der eingesparten Energie geringer sind als die mittleren künftig zu

Kalkulation ist eine vom Institut Wohnen und Umwelt (IWU), Darmstadt,

erwartenden Energiepreise. Für mittel- und langfristig wirtschaftliche

angebotene Planungshilfe für Niedrigenergie- und Passivhäuser sehr

Maßnahmen sollte der äquivalente Energiepreis für thermische End-

zu empfehlen.

energien beim heutigen Stand zwischen 0,1 bis 0,15 €/kWh liegen (Tabelle 1)!

Wirtschaftlichkeit Wertanalyse als Planungsinstrument Letztlich sind für verschiedene Einzelmaßnahmen oder für Maßnahmenpakete Wirtschaftlichkeitsnachweise mit Variation der wichtigsten

Für Modernisierungsalternativen, die nicht direkt wirtschaftlich zu

Parameter (Annahmen zu Investitionskosten, Zinsen, Preissteigerungs-

bewerten sind, sondern auch zu einer Verbesserung des Standards

raten, Betrachtungszeiträume) durchzuführen. Für erste Vergleiche

oder des Komforts und der Hygiene dienen – bestes Beispiel ist die

hat sich das Instrument der Kosten der eingesparten kWh bzw. des

Komfortlüftung – bietet sich als Entscheidungshilfe die Wertanalyse

äquivalenten Energiepreises bewährt. Er gibt die Kosten der einge-

an.

sparten Energie an und ermittelt sich aus den annuitätischen Kosten der Maßnahme dividiert durch die eingesparten Energiemengen. Diese Betrachtung schließt Zins und Tilgung ausgedrückt im Annuitätsfak-

Tabelle 1: Typische Bereiche für äquivalente Energiepreise Maßnahme

Energieeinsparung in kWh/(m2a)

Investition in €/m2

Äquivalenter Energiepreis in €/kWh

Dämmung (Dach, Kellerdecke, Außenwand)

50 … 150

50 … 250

0,02 … 0,20

Fenster

20 … 50

30 … 150

0,06 … 0,30

Kesseltausch

20 … 120

20 … 80

0,02 … 0,20

Komfortlüftung

10 … 25 (max)

20 … 70

0,08 … 0,25

Solare Trinkwassererwärmung

5 … 20 (max)

35 … 50

0,10 … 0,30

Solare Trinkwassererwärmung und Heizungsunterstützung

10 … 25 (max)

50 … 80

0,10 … 0,40

Hydraulischer Abgleich und Heizungsoptimierung nach baulicher Modernisierung

10 … 20

1…6

0,02 … 0,04

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Prof. Dr.-Ing. Dieter Wolff – Drei Säulen für die Optimierung des Gebäude- und Anlagenbestands: Energieeinsparung – Steigerung der Systemeffizienz und des Einsatzes regenerativer Energien

Fazit

Warmmietenneutralität, bessere Möglichkeiten für ein Wärmelieferoder sogar ein Energieeinspar-Contracting und/oder eine Änderung

Vorrangig sollte bei jeder Optimierung des Gebäude- und Anlagen-

des Aufteilungsschlüssels der warmen Nebenkosten nach der Heiz-

bestands immer die Maxime stehen: Es sind die Modernisierungs-

kostenverordnung für den Mietwohnbau könnten hier Abhilfe schaffen:

investitionen bevorzugt zu tätigen, bei denen mit dem investierten

je besser der Gebäudestandard, desto geringer der verbrauchsabhän-

Kapital die langfristig größten Einsparungen erzielt werden können.

gige Anteil. Beim Passivhausstandard sollte auf eine Heizkostenab-

Die EnEV fordert zu Recht die nachträgliche Dämmung von Außen-

rechnung nach dem Verbrauch verzichtet werden.

wänden, Kellerdecke und Dach sowie die Kesselerneuerung, wenn im Rahmen einer Instandsetzung etwas „angefasst“ wird und bestim-

Niedrigstenergie- und Passivhausstandard bedeuten nicht kompli-

mte Randbedingungen erfüllt sind oder bestimmte Fristen überschrit-

zierte sondern einfache Technik. Das Risiko eines falsch gewählten

ten werden. Leider haben die Forderungen nur ein viel zu geringes

Energieträgers wird umso geringer, je besser der Dämmstandard des

Niveau. All diese Maßnahmen sind hoch wirtschaftlich. Und die

Gebäudes.

Solaranlage, die Wärmepumpe, das BHKW oder der Pelletkessel sind nach einer gebäude- und anlagentechnischen Optimierung langfris-

Alle Brachenakteure sollten sich einer offenen Diskussion der oben

tig als eine von vielen alternativen Möglichkeiten zwingend erforder-

angesprochenen Probleme öffnen und alle Beteiligten sollten wieder

lich. An erster Stelle steht jedoch eine bestmöglich gedämmte und

lernen, korrekt zu bilanzieren; energetisch und wirtschaftlich und

dichte Gebäudehülle!

ohne unrealistische „Bis-Zu-X-Einspar-Prozent-Versprechen“. Wirtschaftlichkeitsvergleiche erfolgen am besten mit dem Werkzeug

Man sollte also immer den ersten vor dem zweiten Schritt tun;

„Kosten je eingesparter kWh Energie“ bzw. „Äquivalenter Energie-

auch wenn dies nicht immer politisch opportun ist. Unsere kompli-

preis“.

zierte und von den meisten kaum nachvollziehbare Steuer-, Eigentums- und Mietgesetzgebung zusammen mit den verschiedenen

Für eine „ehrliche“ Energie- und Wirtschaftlichkeitsbilanz als

Förderprogrammen verführt jedoch zu förderpolitischen und

Grundlage für einen seriösen Maßnahmenkatalog zur energetischen

öffentlichkeitswirksamen „Paketlösungen“ und „Leuchttürmen“;

Modernisierung reicht nach Ansicht des Autors ein einfacher Ener-

nur dass diese nicht zwangsläufig das effektivste Einsparergebnis

gieausweis – gleichgültig, ob auf Basis des Energiebedarfs (Rechen-

mit minimalem Kostenaufwand liefern.

werte) oder des Energieverbrauchs (Messwerte) nicht aus. Notwendig ist eine fundierte Energieberatung, möglichst von einem kompetenten Team mit Sachkunde in Bauphysik und Anlagentechnik.

82

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Prof. Dr.-Ing. Dieter Wolff – Drei Säulen für die Optimierung des Gebäude- und Anlagenbestands: Energieeinsparung – Steigerung der Systemeffizienz und des Einsatzes regenerativer Energien

/1/

DBU-Studie: Energetische Gebäudesanierung mit Faktor 10, Osnabrück 2004

/2/

Studie Wuppertal-Institut für e-on Wuppertal 2006

/3/

Dr. Christian Fischer: Zur Einführung des Energieausweises. Planen ist nicht bloß Etikettieren. cci 9/2007, Seite 24 und cci 10/2007, Seite 17

/4/

Vergleiche Jagnow et al.: Die neue Energieeinsparverordnung 2002, DWD-Verlag 2002

/5/

Wolff – PH-Tagung 2007 Bregenz

/6/

Dissertation K. Jagnow (www.delta-q.de)

/7/

DBU-Studie Brennwertkessel (www.delta-q.de)

/8/

DBU-Studie OPTIMUS (www.delta-q.de)

/9/

Energieanalyse aus dem Verbrauch: E-A-V (www.delta-q.de)

Prof. Dr.-Ing. Dieter Wolff lehrt am Fachbereich Versorgungstechnik an der FH Braunschweig/Wolfenbüttel zu Heizungstechnik und Wirtschaftlichkeit Energietechnischer Anlagen. Prof. Wolff ist Mitglied im Vorstand des Instituts für Heizungs- und Klimatechnik, Gründer und Mitglied im Vorstand des TWW, Mitarbeiter in verschiedenen VDI-Richtlinien und DIN-Ausschüssen, vor allem DIN V 4701-10 „Bewertung heiz- und raumlufttechnischer Anlagen“.

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Prof. Dr.-Ing. Dieter Wolff – Drei Säulen für die Optimierung des Gebäude- und Anlagenbestands: Energieeinsparung – Steigerung der Systemeffizienz und des Einsatzes regenerativer Energien

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Index der bisherigen Referenten

Index der bisherigen Referenten Die nachstehend aufgeführten Referenten haben anlässlich der

Dr. Alexander Graf von Bassewitz

vergangenen Kongresse referiert. Die einzelnen Referate stehen

1979

Kunststoffe in der Heizungstechnik.

auf Wunsch zur Verfügung und können bei Uponor GmbH,

Physikalische Untersuchungen und Beurteilung der Werkstoffe.

Norderstedt abgefordert werden.

Anwendungstechnische Überlegungen.

1985

Lebensdauer von Kunststoffrohren am Beispiel

von Rohren aus hochdruckvernetztem PE nach Verfah-

ren Engel – Zeitstandsprüfung, Alterung, Extrapolation

Christian Achilles – Assessor jur. 1998

Auf dem Weg zum Euro … – volkswirtschaftlicher Rah-

Prof. Dipl.-Ing. Eckhard Biermann

men und betrieblicher Handlungsbedarf

1993

Die neue VOB - Ausgabe 1993

Einbeziehung der EG-Länder und Österreich

Prof. Wolfgang Akunow 1996

Der historische Werdegang der „russischen Seele“

Helmut Blöcher, Architekt 1995

Architektur der Sportschule Oberhaching

Dipl.-Chem. Heinz-Dieter Altmann 2004

DIN 18 560 „Estriche im Bauwesen“ – neue Bezeichnun-

Dipl.-Ing. Gerd Böhm

gen und erweiterte Anforderungen an Estriche

1986

Einfluss der Betriebstemperaturen auf Wirkungsgrad und

Nutzungsgrad des Heizkessels.

Prof. Dr.-Ing. Heinz Bach 1981

Effektive Wärmestromdichte bei Fußbodenheizungen –

Prof. Dr. Ing. Udo Boltendahl

Konsequenzen für eine wärmetechnische Prüfung.

1992

Beurteilung von Energiesystemen im Hinblick auf Res-

sourcenschonung und Umweltbelastung.

Prof. Dr. Wilfrid Bach 1990

Ozonzerstörung und Klimakatastrophe – welche Sofort-

Dr.-Ing. Bent A. Børresen

maßnahmen sind erforderlich?

1994

Reinhard Bartz

Fußbodenheizung und Kühlung von Atrien

Dr.-Ing. Theo Bracke

2007

Regelwerks- und Hygienekonforme Planung von Trink-

1985

Ein emissionsfreies Heizsystem auf der Basis bewährter

wasserinstallationen

Technik. Massiv-Absorber – Massiv-Speicher

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85


Index der bisherigen Referenten

Dr. Bernulf Bruckner

Prof. Dr. Felix von Cube

2004

2003

Basel II. Konsequenzen für den Mittelstand

Lust an Leistung.

Ralf-Dieter Brunowsky, Dipl.-Volkswirt

Gerhard Dahms

1999

Zukunftsperspektiven in Europa nach Einführung

1979

Kunststoffe in der Heizungstechnik.

des Euro

Physikalische Untersuchungen und Beurteilung der Werkstoffe.

Anwendungstechnische Überlegungen.

Dr. Joachim Bublath

1980

Thermoplaste – Elastomere. Die peroxydische Vernetzung

2008

des Polyethylens nach dem Verfahren Engel. „VELTA“

Rohre aus RAU-VPE 210.

Dr.-Ing. Sergej Bulkin

Sauerstoffpermeation bei Kunststoffrohren und ihre

1992

Passive und aktive Nutzung der Sonnenenergie für

Einwirkung auf Heizungsanlagen nach DIN 4751

Niedertemperaturheizungen in Rußland.

1983

Kriterien für Auswahl- u. Anwendung von Kunststoffrohren in

Heizungs- und Sanitärsystemen.

Prof. Dr.-Ing. Winfried Buschulte

Maßnahmen zur Verhütung von Sauerstoffdiffusion bei

1979

Primärenergeriesparende Verbrennungstechnik

Kunststoffrohren.

1980

Wirkungsgradverbesserung bei mineralisch befeuerten

1985

... eine runde Sache – Rohre aus RAU-VPE 210 für

Wärmeerzeugern durch rußfreie Verbrennung und

Fußbodenheizungen. Fakten und Argumente

Abgaskühlung.

1982

Senkung des Brennstoffverbrauchs von Wärmeerzeugern

durch Abgasnachkühlung.

2003

Betonkernaktivierung von A – Z

1986

Vorteile der rücklauftemperaturgeführten Heizwasservor-

2004

Kühlung am Beispiel Airport Bangkok

lauftemperatur bei Teilbeheizung einer Wohnanlage.

Wege aus der Energie- und Klimakrise?

Dipl.-Ing. Holmer Deecke

Dr. Michael Despeghel

86

Dr. Paul Caluwaerts

2007

Training für faule Säcke – oder ein präventivmedizinisch

1980

Wärmeverluste von Räumen mit unterschiedlichen

orientiertes Lebenskonzept

Heizsystemen und ihr Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit

und die erforderliche Heizleistung. Die differenzierten

Dr.-Ing. Günther Dettweiler

Wärmeverluste bei mäßiger Wärmedämmung.

1992

Der neue Flughafen München.

1981

Rationelle Klassifizierung unterschiedlicher Heizsysteme

Energiekonzeption nach neuesten ökonomischen und

unter Berücksichtigung von Komfort und Energiever-

ökologischen Gesichtspunkten.

brauch.

Umweltschutzmaßnahmen.

Dr. Dipl.-Ing. Hans Ludwig von Cube

Heinz Diedrich

1981

Energiesparen - eine der rentabelsten Investitionen für

1980

Niedertemperatur-Warmwasserheizungen in Verbindung

die kommenden Jahre.

mit elektrischen Wärmeerzeugern.

Elektrizitätswirtschaftliche Überlegungen bei Einsatz von

Elektrozentralspeichern von Wärmepumpen.

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Index der bisherigen Referenten

Dr.-Ing. Arch. Bernd Dittert

Thomas Engel

1980

Überblick über die Möglichkeiten der Energieeinsparung

1982

Polyethylen – ein moderner Kunststoff – von der Ent-

– bautechnische, wärmetechnische und regeltechnische

deckung bis heute

Maßnahmen.

1991

Bauphysikalische und heiztechnische Versuche an Fach-

o. Prof. Dr.-Ing. Horst Esdorn

werkhäusern.

1988

Deckenkühlung – neue Möglichkeiten für alte Ideen.

Dipl.-Ing. Werner Dünnleder

Dipl.-Ing. Gerhard Falcke u. Dipl.-Ing. Rolf-Dieter Korff

1991

Legionellenfreie Warmwasserversorgung unter Beibehal-

1983

Praktische Betriebserfahrungen mit Freiabsorbitions- und

tung der Wirtschaftlichkeit.

Luft/Luftwärmepumpen Systemen

Dipl.-Ing. Volkmar Ebert

Prof. Dr. sc. Poul Ole Fanger

1983

Auswirkung der novellierten Heizungsanlagen-

1982

Innenklima, Energie und Behaglichkeit

Verordnung vom 24.02.1982 und der Heizkostenverordnung

1994

Projektierungen für ein menschenfreundliches Innenklima

vom 23.02.1981 auf Heizungsanlagen-Konzepte.

Neue europäische Forschungsergebnisse und Normen

1998

Feuchtigkeit und Enthalpie – wichtig für die empfundene

Luftqualität und erforderliche Lüftungsrate

Prof. Dr.-Ing. Herbert Ehm 1987

Gebäude- und Anlagenkonzeption für Niedrigenergie-

häuser – bautechnische Randbedingungen.

Prof. Dr.-Ing. Klaus Fitzner

1993

Neufassung der energiesparrechtlichen und emissionstech-

1993

Fragen zur natürlichen und mechanischen Lüftung von

nischen Richtlinien. Wärme-, Heizanlagen- und Kleinfeu-

Gebäuden.

erungsanlagen-Verordnung.

1996

Quellüftung mit und ohne Deckenkühlung

1999

Perspektiven der Energieeinsparung von Neubau- und

Gebäudebestand

Dipl.-Ing. Heinz Eickenhorst 1983

Hinweise für Planung und Ausführung von elektrisch

angetriebenen Wärmepumpen in Wohnhäusern.

Univ. Prof. Dr.-Ing. M. Norbert Fisch 2008

Energieeffiziente Bürogebäude planen, bauen und betreiben

Beispiele aus der Praxis

Dr. sc. Techn. Karel Fort 1995

Dynamisches Verhalten von Fußbodenheizsystemen

Dipl.-Ing. Hans Erhorn 1986

Schimmelpilz - Wirkung, Ursachen und Vermeidung

Dipl.-Ing. (FH) Hans H. Froelich

durch richtiges Lüften und Heizen

1994

Beurteilung der thermischen und akustischen Eigenschaften

2006

Auswirkungen der DIN 18599 auf den Neubau

von Fenstern auf der Grundlage aktueller Anforderungen und

Erkenntnisse

u p o n o r K ON G R E S S 2 0 0 8

87


Index der bisherigen Referenten

Dr. Bernhard Frohn

Dr.- Ing. Michael Günther

2005

1993

Voraussetzungen für den effektiven Einsatz der Brenn-

werttechnik unter besonderer Berücksichtigung moderner

Dipl.-Ing. Manfred Gerner – Architekt BDB-AKH

Flächenheizungen.

1990

1998

Bauwerksintegrierte Heiz- und Kühlsysteme in Kombina-

tion mit Quelllüftung – messtechnische Untersuchungen

Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Dr. h.c. mult. Dr. E.h. mult. Karl Gertis

in einem Bürohaus und Schlussfolgerungen.

1984

Passive Solarenergienutzung – Konsequenzen für den

1999

Die Zukunft der Niedertemperatur-Heizung nach Inkraft-

praktischen Gebäudeentwurf und für die Heiztechnik.

treten der Energieeinsparverordnung (EnEV 2000)

1985

Feuchteflecken in Wohnungen – ist falsches Heizen schuld?

2000

Ideen und Hypothesen von gestern – Grundlagen des

1986

Neue bauphysikalische Rahmenbedingungen für die

Future Building Design von morgen?

zukünftige Heiztechnik.

2001

Integrale Planung – Anspruch nur für den Architekten?

1987

Verunsichern „baubiologische“ Argumente den Bauherrn

2002

Geothermische Nutzung des Untergrundes im Zusammen-

und Planer von Heizungsanlagen?

wirken mit thermisch aktiven Flächen

1988

Umweltverschmutzung durch private Hausheizung?

2003

Wie sind Gebäude und Bauteile mit Flächenheizung und

1992

Verschärfung der Wärmeschutzverordnung oder neue

-kühlung wirtschaftlich zu dämmen?

Heizwärmeverordnung?

2004

Industrieflächenheizung mit Walzbeton am Beispiel BV

1993

Bauen und wohnen wir gesund ? Kenntnisstand und

BMW Dynamic Center Dingolfing

Perspektiven.

2005

Abnahmeprüfung von Raumkühlflächen nach VDI 6031.

2001

Energie gespart, Gesundheit gefährdet – wohnen wir im

2006

Rasenheizungen nicht nur in den WM-Stadien:

Niedrigenergiehaus ungesund?

Spielsicherheit vs. Ökologie (zur Schnee- und Eisfreihal-

2005

Im Büro schwitzen? Kritische Anmerkungen zum sommer-

tung von Freiflächen)

lichen Wärmeschutz.

2007

Energieeffizient. Gesundheitsdienlich. Wirtschaftlich?

Energiekonzept am Beispiel bob (Balanced Office Building)

Wärmedämmung bei historischem Fachwerk

2008 Dr. Klaus Gregor 2006

Folgen der Deregulierung und das Wachsen der Eigen-

verantwortung im Arbeitsschutz

Wie innovativ ist die Branche TGA? 30 Jahre Arlberg-Kongress – Rückschau und Ausblick

Dipl.-Ing. Norbert Haarmann 1984

Planungshinweise für Wärmepumpenheizungsanlagen

Prof. Dr.-Ing. Helmut Groeger

88

1982

Baukonstruktive Randbedingungen für Niedertempera-

Prof. Dr.-Ing. Gerd Hauser

tur-Fußbodenheizungen

1989

Wege zum Niedrigenergiehaus

1995

Wärmeschutzverordnung 1995 – Wärmepass und Energiepass

Josef Grünbeck

1996

Energiesparendes Bauen in Deutschland – Erfahrungen

1987

Das mittelständische Unternehmen der Zukunft – wirt-

mit der WSchV’95 – Entwicklung zur Energiesparverord-

schaftliche und gesellschaftspolitische Bedeutung.

nung 2000

u p o n o r K ON G R E S S 2 0 0 8


Index der bisherigen Referenten

1998

Wasserdurchströmte Decken zur Raumkonditionierung

Dipl.-Ing. Klaus Hoffmann, Baudirektor

- Heiz- und Kühldecken

1984

- Bodenplattenkühler

- Wärmeverschiebung zwischen Gebäudezonen

1999

Auswirkungen eines erhöhten Wärmeschutzes auf die

1983

Wärmeerzeugung im Niedertemperaturbereich

Behaglichkeit im Sommer

Vorteile – Probleme, Entwicklung – Trend

2005

Der Energiepass für Gebäude. Europäische Richtlinie über

1985

Wärmeerzeugung mit Nieder-Tieftemperatur –

die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden ab 2006

Vorteile – Probleme

Kleine, mittlere und größere Leistungen. Brennwertkessel

Univ. Prof. Dr.-Ing. Gerhard Hausladen

1989

Modernisierung von Heizungsanlagen ohne Schorn-

1993

steinschäden – Neufassung der 1. Verordnung zur

Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes –

1.BImSchV – Auswirkung auf Heizung und Schornstein

Energetische Beurteilung von Gebäuden.

Dipl.-Ing. Rainer Heimsch, VDI/AGÖF

Heizung und Lüftung in Sporthallen

Karl Friedr. Holler, Oberingenieur VDI

2000

Energiesparendes beheizen und temperieren von histori-

schen Gebäuden

Dipl.-Phys. Stefan Holst

2003

Erhalt und Nutzung von historischen Gebäuden unter

1999

dem Aspekt Raumtemperierung und Bauphysik.

Kühlkonzeption am Beispiel Flughafen Bangkok

Dr. Siegfried Hopperdietzel Prof. Dr.-Ing. Günter Heinrich

1980

Kunststoff für die Heizungstechnik. Kontinuität der

1990

Abwärmenutzung mit Niedertemperaturheizung bei der

Produktion von Kunststoffrohren.

Rauchgasentschwefelung.

Erfahrung – Prüfung – Rezepturgestaltung.

Prof. Dr.-Ing. Siegmar Hesslinger

Dipl.-Ing. Architekt Michael Juhr

1987

Brennwerttechnik und Maßnahmen zur Minderung von

1998

Die Industriefußbodenheizung aus der Sicht des Architek-

NOx und SO2-Emission.

ten – am Beispiel des Logistikzentrums Hückelhoven

1989

Hydraulisches Verhalten von Heiznetzen insbesondere

2001

Produkt Bauwerk

bei Teillast und die Auswirkung auf die Heizleistung von

Kostenreduktion im Herstellungsprozess durch die Opti-

Raumheizflächen.

mierung der Zusammenarbeit von Auftraggebern, Planern,

2002

Untersuchung einer solarunterstützten Nahwärmeversorgung

ausführenden Firmen und Produktherstellern.

von Passiv-Doppelhäusern mit Wärmepumpenheizung Dipl.-Ing. Uwe H. Kaiser

Prof. Dr.-Ing. Rainer Hirschberg

1985

Kunststoffe für Rohre

1996

Das thermische Gebäudemodell – Basis rechnergestützter

Überblick, Werkstoffe, Eigenschaften und Anwendungs-

Lastberechnungen

bereiche

2002

Die Anlagenbewertung ist Sache der TGA-Branche

(Anwendung der EnEV und daraus resultierende Konse-

quenzen für Planer und Anlagenersteller)

u p o n o r K ON G R E S S 2 0 0 8

89


Index der bisherigen Referenten

Dipl.-Ing. Eberhard Kapmeyer

1981

Verbesserung der Heizleistung von Flächenheizungen

1990

Aktueller Stand der Maßnahmen zur Energieeinsparung

1982

Die Wärmebedarfsrechnung im Verhältnis zur tatsächlich

durch die Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland.

erforderlichen Heizleistung.

1992

CO2 Minderungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland. Dipl.-Ing., Dipl. Wirtschaftsing. FH Markus Koschenz

Prof. Dipl.-Ing. Manfred Karl

2003

tabs mit Phasenwechselmaterial, auf der Suche nach

1996

Fußbodenheizung als integraler Bestandteil von Solarheiz-

thermischer Speichermasse für Leichtbauten und Reno-

anlagen

vationen.

Dipl.-Ing. Walter Karrer

o. Prof. Dr.-Ing. habil. Günter Kraft

1989

1991

Thermische und hygrische Wechselbeziehungen zwischen

Außenwandkonstruktionen mit hinterlüfteter Wetterschale

und der Raumheizung.

Anwendung von CAD in der technischen Gebäudeausrüstung.

Dr. Helmut Kerschitz 1979

Theoretische Überlegungen zur Nutzung der Sonnenenergie. Raimund Krawinkel

Dr. Ing. Achim Keune

Dipl.-Ing. Klaus Krawinkel

2007

Die VDI 6022 und neue DIN EN-Normen im Kampf um die

1983

Grundsätzliches zur Energieeinsparung bei der Gebäudeplanung.

Hygiene in der Raumlufttechnik

Praktische Erfahrung mit einer Niedertemperatur- Großanlage

am Beispiel derSportschule Kaiserau. Von der Planung bis zur

Fertigstellung.

1995

Integrale Planung am Beispiel der Sportschule Oberhaching

Helmut Klawitter, Ing. grad. 1985

Schweißverbindungen von PP-R

Materialstruktur, Eigenschaften, Anwendung. Prof. Dr. Dieter Kreysig

Dipl.-Ing. Jürgen Klement 2008

Sanierung von Warmwassersystemen unter den Aspekten

Hygiene und Energieeffizienz

2007

Biofilm und Trinkwasserhygiene

Dr.-Ing. Rolf Krüger 1984

Stand der Technik bei beheizten Fußbodenkonstruktionen.

Prof. Dr.-Ing. Karl-Friedrich Knoche

Randbedingungen und Schadensursachen. Koordination der

1981

Gewerke.

Entwicklungstendenzen bei Absorptionswärmepumpen.

Dr.-Ing. Uwe Köhler

90

Dr.-Ing. Boris Kruppa

1979

Möglichkeiten zur Einsparung von Primärenergie bei

1999

Untersuchungsergebnisse der ProKlimA Felduntersuchung:

Heizungsanlagen mit Wärmeerzeugung durch fossile

Raumklima in Bürohäusern

Brennstoffe.

1980

Verbesserung des Energieausnutzungsgrades von Heiz-

Dr. rer. nat. Dipl. Chem. Carl-Ludwig Kruse

anlagen mit Wärmepumpen und Niedertemperaturheiz-

1984

Korrosionsschäden in WW-Heizungsanlagen und ihre

flächen.

Vermeidung.

u p o n o r K ON G R E S S 2 0 0 8


Index der bisherigen Referenten

1985

Vermeidung von Korrosionsschäden bei Fußbodenhei-

Dipl.-Ing. Gottfried Lohmeyer

zungsanlagen unter besonderer Berücksichtigung der

1992

Sauerstoffdurchlässigkeit von Kunststoffrohren.

1986

Abgasseitige Korrosion bei Öl- und Gasfeuerung.

Dipl.-Ing. Hans Joachim Lohr

1988

Korrosion in der Trinkwasser-Installation

2005

Nutzung oberflächennaher Geothermie zur Beheizung und

1990

Stand der Normung über Aufbau der Bodenkonstruktion

Kühlung von Gebäuden am Beispiel ausgeführter Gebäude-

von Warmwasser-Fußbodenheizung.

konzepte von der Entwurfsplanung bis zur Realisierung.

2005

Neue technische Regeln für den Korrosionsschutz in der

Sanitär- und Heizungstechnik DIN 1988-7,

EN DIN 12502-1 bis 5 und EN DIN 14868

Prof. Dr. Jean Lebrun

Betonböden im Industriebau – Hallen- und Freiflächen

Dr.-Ing. Rudi Marek 2000

Innovation Aktivspeichersysteme – Bauteilintegrierte

Möglichkeiten zur sanften Raumtemperierung

(Kombinationsreferat)

1982

Wärmeverluste von Räumen mit unterschiedlichen

Heizsystemen und ihr Einfluß auf die Wirtschaftlichkeit

Dipl.-Ing. (FH) Martin Maurer

und die erforderliche Heizleistung.

1995

Wärme – Kraft – Kopplung

Grundlagen – Technik – Einsatzbeispiele

Bernd Lindemann Ing. VDI 1996

„VELTA“ Industrieflächenheizung in der Praxis

Dr. P. May

Entscheidungs-, Planungs-, Berechnungs-, und Ausfüh-

1979

Energieeinsparung unter Nutzung von Sonnenenergie

rungsgrundlagen, Vergleiche.

Nutzbare Leistungen der Sonne.

Dipl.-Ing. Manfred Lippe

Dr. rer. nat. Erhard Mayer

2002

Brandschutz für die TGA

1993

- Leitungsanlage

- Lüftung

Dipl.-Ing. Robert Meierhans

- Schnittstellen zum Bauwerk

1998

Heizen und Kühlen mit einbetonierten Rohren

2000

Neue Hygienekonzepte –

Thermoaktive Flächen auch im Krankenhaus

Dipl.-Ing. Harald Lötzerich 1989

Kesselaustausch - ein Konzept für Energieeinsparung

und Umweltschutz

Was wissen wir über thermische Behaglichkeit?

Prof. Dr. Meinhard Miegel 1998

Krisen nutzen – Zukunft gestalten

Prof. Dr.-Ing. Harald Loewer

2004

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen demographi-

1985

Mensch und Raumluft – Lüftungs- und Heizungstechnik

scher Umbrüche

in wirtschaftlicher Verbindung

1991

Es kommt auch auf die Luftqualität an. Stand der Entwick-

lung von Bewertung und Regelung der Raumluftqualität.

u p o n o r K ON G R E S S 2 0 0 8

91


Index der bisherigen Referenten

92

Prof. Dr.-Ing. Jens Mischner

1987

Experimentelle Untersuchung zum Energieverbrauch

1997

Zur Gestaltung und Bemessung von Wärmeerzeugungs-

unterschiedlicher Heizsysteme bei miteinander vergleichbarer

anlagen mit Wärmepumpen

thermischer Behaglichkeit.

Grundlagen, Kosten, Primärenergieaufwand, THG –

1988

A SOLUTION TO THE SICK BUILDING MYSTERY

Emissionen, Optimierung

Eine neue Methode zur Beschreibung der Raumluft-

qualität von Prof. Dr. sc. P.O. Fanger

Dr. Marco Freiherr von Münchhausen

1990

Neue Erkenntnisse über die erforderlichen Außenluftraten

2006

Effektive Selbstmotivation – So zähmen Sie Ihren inneren

in Gebäuden.

Schweinehund

1992

Bewertung der Effektivität von Lüftungsanlagen.

1994

Fußbodenheizung in Niedrigenergiehäusern

Dr.-Ing. Helmut Neumann

Regelfähigkeit – Behaglichkeit – Energieausnutzung

1985

Wärmepumpentechnik – eine Herausforderung für den

1995

Raumklima- und Energiemessungen in zwei Niedrig-

Praktiker.

energiehäusern

Planen und dimensionieren von Wärmepumpenheizungsanlagen.

1995

Möglichkeiten und Begrenzungen der Fußbodenkühlung

Einbindung von Wärmepumpen in neue und bestehende

1996

Eine drahtlose Einzelraumregelung nach der empfundenen

Heizungsanlagen.

Temperatur

1986

Elektro-Zentralspeicher – Wärmeerzeuger für

1996

Auslegung, Leistung und Regelung der Fußbodenkühlung.

Flächenheizung unter Berücksichtigung geeigneter

1997

Flächenheizung und Kühlung

Werkstoffe.

Einsatzbereiche für Fußboden- Wand- und Deckensysteme

1998

Heizungssysteme – Komfort und Energieverbrauch

Prof. Dr.-Ing. Bjarne W. Olesen

1999

Stand der internationalen und nationalen Normung für

1979

Thermische Behaglichkeitsgrenzen und daraus resultie-

Heizsysteme in Gebäuden, CEN; ISO; DIN; VDI

rende Erkenntnisse für Raumheizflächen.

2000

Flächenkühlung mit Absorptionswämepumpen und

1980

Thermische Behaglichkeit in Räumen in Abhängigkeit von

Solarkollektoren

Art und Anordnung des Heizsystems. Die differenzierten

2001

Messungen und Bewertung der Betonkernaktivierung

Wärmeverluste bei optimaler Wärmedämmung.

BV M+W Zander, Stuttgart

1981

Thermischer Komfort und die Spezifikation von thermisch

2002

Sind „kalte“ Fensterflächen heute überhaupt ein Problem

angenehmer Umgebung.

für Behaglichkeit?

Differenzen des Komforts mit unterschiedlichen Heizme-

2003

Wie viel und wie wird in der Zukunft gelüftet?

thoden.

2004

Neue Erkenntnisse über Regelung und Betrieb für die

1982

Wie wird das thermische Raumklima gemessen?

Betonkernaktivierung

1984

Thermische Behaglichkeit, ihre Grenzen und daraus resultie-

2005

Lohnt es sich in ein gutes Raumklima zu investieren? Die

rende Erkenntnisse für Raumheizflächen.

Abhängigkeit von Arbeitsleistung und Raumklima.

1986

Eine experimentelle Untersuchung des Energieeinsatzes

2006

Energieeffizienz für Heizungsanlagen nach Europäischen

bei Radiatorheizung und Fußbodenheizung unter dyna-

Normen

mischen Betriebsbedingungen.

u p o n o r K ON G R E S S 2 0 0 8


Index der bisherigen Referenten

2007

Gefährdet das Raumklima unsere Gesundheit? Neue Erkenntnisse über den Einfluss des Raumklimas auf

2005

Rahmenbedingungen für den Einsatz der Flächentempe-

rierung in der sanften Renovierung.

Gesundheit, Komfort und Leistung

2006

Ganzheitliche Lösungen durch das Zusammenspiel der

2008

Stehen prEN 1264 und prEN 15377 im Widerspruch?

Uponor-Produkte

Wolf Osenbrück – Rechtsanwalt

Dipl.-Ing. Wolfgang Prüfrock

1990

Aktuelle Rechtsprobleme der HOAI

2007

Statusbericht zu den neuen Technischen Regeln für

1991

HOAI ’91 – wesentliche Leistungsbild- und Honorar-

Trinkwasser-Installationen (TRWI) – ein Kompendium

verbesserungen.

aus Europäischen und Deutschen Normen

1994

Vergabeordnung für freiberufliche Leistungen (VOF)

on Architekten und Ingenieuren

Dipl.-Ing. Rainer Pütz

1995

VOB-Nachträge: Baupraxis und Rechtswirklichkeit

2006

Verminderung des Wachstums von Legionellen und

1996

5. Änderungsverordnung zur HOAI

Pseudomonas aeruginosa in der Trinkwasserinstallation

Ausführungszeichnungen – Montagezeichnungen

zur Erhaltung der Trinkwassergüte im Sinne aktueller

Gesetze, Verordnungen und Regelwerke

Dipl.-Ing. Jürgen Otto 1979

Die regeltechnische Qualität der Fußbodenheizung im

Thomas Rau

Vergleich.

2002

1980

Die regeltechnische Qualität von Fußbodenheizungen mit

Zementestrich in Kombination mit witterungsabhängigen

Prof. Dr.-Ing. Rudolf Rawe

Reglern und Raumtemperaturreglern.

1987

Einfluss der Auslastung auf Wirkungsgrad und Nutzungs-

1987

Einflüsse von Regelung, Rohrnetzhydraulik und Nutzer-

grad von Wärmeerzeugern.

verhalten auf die Heizanlagenfunktion.

1989

Anlagen zur Brennwertnutzung im energetischen Vergleich.

1991

Hydraulik des Kesselkreises. Einführung verschiedener

1990

Niedertemperatur-Wärmeerzeuger im Vergleich – Einfluss

Kesselausführungen und Wärmeverbraucher.

konstruktiver und betrieblicher Parameter auf Verluste bei

Betrieb und Bereitschaft.

Intelligente Architektur

Prof. Dr. Erich Panzhauser 1986

Heizsystem auf dem humanökologischen Prüfstand.

Dr.-Ing. Joachim Paul 1991

Wärmepumpen mit Wasser als Kältemittel – oder:

Wie kann man Leistungszahlen verdoppeln?

Dipl.-Phys. Sven Petersen

Siegfried Rettich, Ing. Betriebswirt (WA) 1994

Kommunale Energiekonzepte

Voraussetzung für eine zukunftsgerechte Energiepolitik

Prof. Dr.-Ing. habil. Wolfgang Richter 1997

Zur Auslegung von Heizungs- und Lüftungsanlagen für

Niedrigenergiehäuser unter Berücksichtigung nahezu

2004

Der Einfluss des Oberbodens auf die Fußbodenheizung

fugendichter Bauweisen

und den hydraulische Abgleich

2001

Der Einfluss von DIN 4701-Blatt 10 auf die zukünftige

Heizungstechnik

u p o n o r K ON G R E S S 2 0 0 8

93


Index der bisherigen Referenten

Dipl.-Ing. Wolfgang Riehle

Dipl.-Psychologe Rolf Schmiel

1990

Die Fußbodenheizung aus Architektensicht.

2005

1996

Niedrigenergie im Bürohausbau

Kosten- und Energiesparkonzepte am Beispiel eines

Prof. Dr.-Ing. Gerhard Schmitz

Atrium-Bürohauses.

1993

Leistungspsychologie für Führungskräfte

Schadstoffarme Heizungsanlagen der neuen Generation.

Prof. Frieder Roskam

Dipl.-Ing. Jörg Schütz

1994

Wünsche – Bedürfnisse – Bedarf

2006

Die Trinkwasserverordnung – Auswirkungen auf die

– vom Sportverhalten zur Sportanlage

technischen Regeln der Gebäudetechnik

Dipl.-Ing. habil. Lothar Rouvel

Dipl.-Ing. Karl Seiler

1993

1985

NT-Heizungsanlagen mit Kunststoffrohren aus der Sicht

des verarbeitenden Handwerks.

Das Gebäude als Energiesystem.

Dipl.-Ing. Christoph Saunus 1994

Planungskriterien von Kunststoff-Trinkwassersystemen

Olaf Silling – Rechtsanwalt 2004

Die zivilrechtlichen Haftungsrisiken der EnEV

Franzjosef Schafhausen 1994

Globale Probleme lokal lösen. Das CO2- Minderungs-

Dipl.-Ing. Peter Simmonds

programm der Bundesregierung und seine Einbindung in

1994

Regelungsstrategien für kombinierte Fußbodenheizung

die europäische Strategie und in weltweite Konzepte

und Kühlung

1997

Von Rio nach Norderstedt. Fünf Jahre nach Rio – Wie

1999

Kühlkonzeption am Beispiel Flughafen Bangkok

geht es mit der globalen Klimavorsorge vor Ort weiter? Dipl.-Ing. Aart L. Snijders

Dipl.-Ing. Giselher Scheffler

1999

Nutzung von Aquiferspeichern für die Klimatisierung von

1985

NT-Heizungsanlagen mit Kunststoffen aus der Sicht des

Gebäuden

Architekten. Prof. Dr. jur Carl Soergel

Dr.-Ing. Siegfried Schlott VDI

1988

Aktuelle Probleme aus dem Baurecht.

1997

Quellüftung und Fußbodenheizung in der Musikhalle

1989

Bauvertragliche Gewährleistung im Verhältnis zur

Markneukirchen. Ein Jahr Betriebserfahrung

Produkthaftung

Dr.-Ing. Peter Schmidt

Dr. rer. nat. Dirk Soltau

1983

Wesentliche Änderungen bei der Wärmebedarfsberechnung

2008

mit der Neuausgabe der DIN 4701.

Klimakatastrophe – Sind wir wirklich an allem schuld?

Prof. Dr.-Ing. Klaus Sommer

94

1995

Planung mit Hilfe der Computersimulation

Beispiel: Niedrigenergiehaus

u p o n o r K ON G R E S S 2 0 0 8


Index der bisherigen Referenten

1996

Ein Beitrag zur integrierten Planung für ein ganzheitliches

1997

Das Vertragsverhältnis zwischen Auftraggeber und

Gebäudekonzept.

Architekt sowie zwischen Auftraggeber und ausführendem

2002

Untersuchung verschiedener Regelstrategien für Beton-

Unternehmer unter besonderer Berücksichtigung der

kernaktivierung auf Basis der Gebäudesimulation

Ansprüche zwischen Planer / ausführender Firma unter-

2005

Zusätzliche Aufheizleistung bei unterbrochenem Heiz-

einander.

betrieb – eine Planungshilfe im Rahmen der Heizlast-

2000

Bauhandwerkersicherungsgesetz

berechnung nach DIN EN 12831.

Bauvertragsgesetz

2003

Die Auswirkungen des neuen Werkvertragsrechts

Dr.-Ing. Peter Stagge

(01.01.2002) auf die Planung und Ausführung

1986

Betrachtungen zur Prüfpraxis und Gütesicherung von

haustechnischer Anlagen.

Rohren aus Kunststoff, insbesondere aus vernetztem

2008

Haftung des Fachplaners bei unrichtiger Beratung oder

Polyethylen. Gütesicherung von Rohren aus peroxydver-

falscher Ausstellung des Energiepasses für Gebäude

netztem Polyethylen (VPEa) mit dem VMPA-Über-

wachungszeichen.

Heino M. Stüfen 1980

Heiztechnische Konzeption und Berechnungsmethodik

der „VELTA“ Fußbodenheizung.

o. Prof. Dr.-Ing. Fritz Steimle

1983

Grundsätzliches zur Planung von Flächenheizungen.

1991

Thermodynamische Begründung für Niedertemperatur-

1984

Querschnittsbericht „VELTA“ Fußbodenheizungen

heizung.

Erfahrungen von 150.000 „VELTA“ Fußbodenheizungsanlagen.

1993

Entscheidungskriterien zur richtigen Brennwerttechnik.

1986

Erspare Dir und Deinem Kunden Ärger

1995

Wärmebereitstellung für Niedrigenergiehäuser

Planung und Erstellung sicherer und funktionstüchtiger

1997

Kühlung und Entfeuchtung

Flächenheizungsanlagen.

Kältemittel der nächsten Jahre

1987

„VELTA“ Industrieflächenheizung - System MELTAWAY

1998

Entwicklung der Wärmepumpentechnik – der Fußboden

Anwendungsmöglichkeiten und Erfahrungen.

als Heiz- und Kühlfläche

1989

Beurteilung der Regelfähigkeit einer Fußbodenheizung

2001

Tendenzen zur Kälteversorgung und Entfeuchtung in

1990

„VELTA“ Technik heute

Gebäuden

Anwendungsspektrum und Perspektive für die 90er Jahre

2003

Bedarfsgeregelte Lüftung in großen und kleinen Gebäuden. Prof. Dr. Peter Suter

Rudolf Steingen

1986

Leistungsabgabe und Komfort von Fußbodenheizungen

1992

in Räumen mit stark unterschiedlichen Wandtemperaturen

Der Wettbewerbsgedanke im Baurecht

Friedrich Wilhelm Stohlmann – Rechtsanwalt

Dipl.-Ing. Architekt Hadi Teherani

1990

Produkthaftungsgesetz 1990 – Wie wirkt sich das

2004

Innovative Gebäudekonzepte trotz effizienter Ökonomie

Produkthaftungsgesetz auf die Sanitär- und

2006

Gebaute Emotion

Heizungsbranche aus? Abgrenzung vertraglicher Gewähr-

leistung zu gesetzlicher Produkthaftung.

u p o n o r K ON G R E S S 2 0 0 8

95


Index der bisherigen Referenten

Dr. rer. nat. Markus Tempel

Dr. rer. Nat. Lutz Weber

2000

Innovation Aktivspeichersysteme – Bauteilintegrierte

Möglichkeiten zur sanften Raumtemperierung

(Kombinationsreferat)

Das Gehör schläft nie – ein Plädoyer für leise Installationen

Peter Wegwerth, Ing. grad. 1981

Die regeltechnische Qualität von Fußbodenheizungen

Prof. Dr.-Ing. Gerd Thieleke

mit Zementestrich in Kombination mit witterungsabhängigen

2004

Zukünftige Hausenergieversorgung auf Basis Brennstoff-

Reglern und Raumtemperaturreglern.

zelle und Wärmepumpe

1983

Großflächige Wärmetauscher aus Kunststoff für Flächen-

heizungen, Fassaden und Dachabsorber.

Univ. Prof. Dr. Friedrich Tiefenbrunner

1984

Membranausdehnungsgefäße richtig dimensionieren und

1989

einsetzen.

1987

Hydraulische Randbedingungen in Heizungsanlagen mit

Minoru Tominaga

geringer Spreizung.

2002

1988

Regeltechnische Notwendigkeiten für NT-Flächenheizungen.

Problematik der Verkeimung von Trinkwasserleitungen

Kundenbegeisterung als Erfolgsstragegie

Prof. Dr.-Ing. Achim Trogisch

Haymo Wehrlin, Ing. grad.

1998

Kann die WSVO im Widerspruch zur Gewährleistung eines

1981

Stand der Haus-Heiz-Wärmepumpe und der Solartechnik

optimalen sommerlichen Raumklimas stehen?

aus heutiger Sicht.

Dipl.-Ing. Klaus Trojahn 1991

Fußbodenheizung im Sportstättenbau

Dipl.-Ing. Manfred Wenting 1988

Großbilddemonstration „VELTA“ Software zur Dimensio-

nierung von Rohr-Fußbodenheizungen.

Frank Ullmann

1992

Regeltechnische Maßnahmen für die Fußboden-

1992

Der Fachingenieur als Unternehmer – Einführung in

heizungstechnik.

modernes Management für Technische Büros.

Von der individuellen Raumtemperaturregelung bis zum

DDC- (Direct-Digital-Control) System

Prof. Dipl.-Ing. Klaus W. Useman 1988

Kunststoffrohre in der Trinkwasser-Installation.

Bauphysikalische Einflussgrößen auf die Wärmebilanz von

Gebäuden.

1983

Anforderungen an die Regelfähigkeit von Heizungssystemen

aufgrund bauphysikalischer Einflussgrößen.

Prof. Dr. Norbert Walter

1985

Bilanzierung der Transmissionswärmeverluste zweier Räume

1994

mit unterschiedlichen Heizflächen.

1991

Berechnung des Jahresheizwärmebedarfs von Gebäuden

nach ISO 9164 und CEN/TC 89 künftige Europanorm.

Thomas Vogel, Dipl.-Ing. (FH) VDI 2000

96

Prof. Dr.-Ing. Hans Werner 1982

Brand- und Schallschutz

Zentraleuropäisches Hoch am Bau

u p o n o r K ON G R E S S 2 0 0 8


Index der bisherigen Referenten

Horst Wiercioch 2001

Betriebserfahrungen mit Betonkernaktivierung

BV M + W Zander, Stuttgart

Detlef Wingertszahn, Dipl.-Ing. 2001

Moderne Technische Gebäudeausrüstung, ein Ansatz

zur nachhaltigen Betriebskostensenkung.

Dr. Andreas Winkens 2003

Schimmelpilzbildung in Abhängigkeit unterschiedlicher

Wärmeverteilsysteme.

Prof. Dr.-Ing. Dieter Wolff 2000

Auswirkungen der EnEV 2001 und der begleitenden

Normung auf die Gebäude- und Anlagenplanung.

2008

Drei Säulen für die Optimierung des Gebäude- und

Anlagenbestandes:

Energieeinsparung – Steigerung der Systemeffizienz und

des Einsatzes regenerativer Energien.

Thomas Zackell 2007

Erkennung und Behebung von Schall- und Hygiene-

problemen in der Haustechnik

Prof.Dr.-Ing. Günter Zöllner 1982

Wärmetechnische Prüfungen von Heizflächen und ihre

Bedeutung.

1984

Wärmetechnische Prüfung und Auslegung von Warmwasser-

fußbodenheizungen.

1986

Energieeinsatz von Heizsystemen unter besonderer

Berücksichtigung des dynamischen Betriebsverhaltens.

1987

Experimentelle Untersuchung zum Energieverbrauch unter-

schiedlicher Heizsysteme bei miteinander vergleichbarer

thermischer Behaglichkeit.

u p o n o r K ON G R E S S 2 0 0 8

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Index der bisherigen Referenten

98

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