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ONLINE-BEILAGE

01/2018

unisono Zeitschrift des Sächsischen Chorverbandes e.V.

Zur Situation der musischen Ausbildung an den Schulen in Sachsen


SCHULE & MUSIK

Angehende Musiklehrer forderten vor dem Kultus- und Finanzministerium in Dresden die Rücknahme der Kürzungspläne. Foto: Doc Winkler

Anfang März sorgten Pläne des Sächsischen Kultus- und des Finanzministeriums für Proteste, der Freistaat wolle ab dem Schuljahr 2019/20 den Musik-, Kunst- und Sportunterricht kürzen. Inzwischen nahm das Kultusministerium die Pläne zurück, die sächsische Staatsregierung verabschiedete ein Handlungsprogramm »Nachhaltige Sicherung der Bildungsqualität in Sachsen«. In diesem Programm heißt es nun:

Aus dem Handlungsprogramm »Nachhaltige Sicherung der Bildungsqualität in Sachsen« Punkt 3.4 Überarbeitung der Lehrpläne und Stundentafeln Neue Lerninhalte wie beispielsweise Digitalisierung, Medienbildung und politische Bildung verlangen eine fächerübergreifende Lehrplanüberarbeitung, die sich in den Stundentafeln niederschlagen wird. Mit einer Stundentafelüberarbeitung wird deshalb die im bundesweiten und erst recht europäischen Vergleich überdurchschnittlich hohe Stundenlast der Schülerinnen und Schüler verringert und Raum hierfür geschaffen. Gleichzeitig wird so auch zusätzliches Lehrerarbeitsvolumen zur Absicherung des Unterrichts gewonnen. Die Lehrpläne und Stundentafeln werden zum 1. August 2019 überarbeitet. Ziel ist eine Absenkung des Unterrichtsvolumens um 4 Prozent bei gleichzeitiger Einhaltung der KMK-Standards (Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz – d. Red.). In die Stundentafelüberarbeitung sollen alle Fächergruppen einbezogen werden. www.bildung.sachsen.de/blog/wp-content/uploads/2015/08/Handlungsprogramm.pdf

Zu unserer Berichterstattung in der Ausgabe 1/2018 der »unisono«. Zeitschrift des Sächsischen Chorverbandes e.V.« können Sie auf diesen Seiten die wörtlichen Statements des Staatsministeriums für Kultus sowie der Schulpolitiker der im Sächsischen Landtag vertretenen Parteien nachlesen. Der Sächsische Chorverband wandte sich nach Bekanntwerden der Kürzungspläne für die Fachbereiche Musik, Kunst und Sport an die Fachpolitiker und bat sie um eine Positionierung.

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SCHULE & MUSIK

ICH WÜNSCHE MIR EINE STARKE UNTERSTÜTZUNG DES CHORGESANGS IN POLITIK UND GESELLSCHAFT Christian Wulff, Präsident des Deutschen Chorverbandes »Wir haben eine große Chortradition in Deutschland. Viele unserer Chorsängerinnen und Chorsänger sind im Kindes- und Jugendalter mit dem Singen in Gemeinschaft in Kontakt gekommen. Ich wünsche mir schon daher eine starke Unterstützung des Chorgesangs in Politik und Gesellschaft. Musik und Chorgesang helfen insbesondere, junge Persönlichkeiten zu entwickeln, ihnen für das gesellschaftliche Zusammenleben wichtige Werte zu vermitteln. Darüber sollte man nicht leichtfertig hinweggehen. Ich würde mir wünschen, dass man bei der Überarbeitung neuer Stundentafeln an den Schulen die persönlichkeitsfördernden und bildungspolitischen Aspekte der musischen Fächer berücksichtigt. Ich bin mir sicher, dass Musiklehrer an den Schulen, Chorleiter und Interessenverbände wie der Sächsische Chorverband dazu als Gesprächspartner gern den Verantwortlichen zur Seite stehen.«

Christian Wulff.

Foto: Doc Winkler

BESONDERE FÄCHER, DIE DIE PERSÖNLICHKEIT FÖRDERN, GIBT ES NICHT Kultusminister Piwarz überlässt seinem Sprecher die Antworten auf die »unisono«-Fragen Mit nachfolgenden Fragen wandte sich »unsiono« im Auftrag des Präsidiums des Sächsischen Chorverbandes an den Kultusminister des Freistaates Sachsen, Christian Piwarz. Für den Staatsminister antwortete dessen Sprecher Dirk Reelfs auf unsere Fragen. Warum hielt der Minister gerade die Kürzung von Schulstunden in den Fächern Musik, Kunst und Sport für opportun? Warum zog er die Kürzung in diesen Fächern in Betracht und brachte sie in die Diskussion? Es handelte sich nicht um eine Entscheidung von Kultusminister Piwarz, sondern um Überlegungen seiner Vorgänger. Eine Entscheidung oder gar einen Beschluss hat es bis zum heutigen Tag nicht gegeben. Welchen Stellenwert misst der Minister diesen »weichen« Schulfächern für die Persönlichkeitsentwicklung, der Herausbildung sozialer Kompetenzen und nicht

Sorgte für Aufregung mit Kürzungsplänen in den Fächern Musik, Kunst und Sport – und nahm die Pläne dann zunächst zurück: Kultusminister Christian Piwarz. »unisono« fragte beim Kultusminister in Dresden nach. Doch leider beantwortete er die Fragen nicht selbst. Seine Pressestelle lehnte eine direkte Beantwortung durch den Minister trotz unserer Bitte ab. Wir können daher nebenstehend lediglich die Einlassungen seines Ministeriumssprechers wiedergeben. Foto: Ronald Bonss

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SCHULE & MUSIK zuletzt für die (gesellschafts)politische Bildung junger Menschen im Freistaat bei? Die Persönlichkeitsentwicklung ist überfachliches Ziel und Aufgabe aller Fächer. Eine Unterscheidung von Fächern, die eine Persönlichkeitsentwicklung mehr fördern als andere, gibt es aus fachlicher Sicht nicht. „Die schulische Bildung soll zur Entfaltung der Persönlichkeit der Schüler in der Gemeinschaft beitragen. Diesen Auftrag erfüllt die Schule, indem sie den Schülern insbesondere anknüpfend an die christliche Tradition im europäischen Kulturkreis Werte wie Ehrfurcht vor allem Lebendigen, Nächstenliebe, Frieden und Erhaltung der Umwelt, Heimatliebe, sittliches und politisches Verantwortungsbewusstsein, Gerechtigkeit und Achtung vor der Überzeugung des anderen, berufliches Können, soziales Handeln und freiheitliche demokratische Haltung vermittelt, die zur Lebensorientierung und Persönlichkeitsentwicklung sinnstiftend beitragen“, so steht es im Sächsischen Schulgesetz. Leipzig wird 2020 Gastgeber des Deutschen Chorfestes sein. Damit wird das Chorfest erstmals im Osten Deutschlands stattfinden und zudem im 30. Jahr der Deutschen Einheit nach Sachsen kommen. Ein wichtiger Bestandteil der Chorszene in Deutschland sind die Kinder- und Schulchöre. Singen im Kinder- und Schulalter wird auch von dem neuen Präsidenten des Deutschen Chorverband, Bundespräsident a. D. Christian Wulff, als wichtiges Unterpfand für den Erhalt der Gesangstradition in Deutschland gesehen. Wird das Sächsische Kultusministerium die Schulchöre und das Musizieren in den nächsten Jahren überhaupt unterstützen und fördern? Wie wird das Ministerium dies tun? In Schulen wird von weniger GTA-Mitteln gesprochen, die jährlich zur Verfügung stehen. Die musisch-künstlerische Bildung wird in Sachsen als Aufgabe der gesamten Schule verstanden. Sie tritt im Unterricht aller Fächer, ausdrücklich in den Fächern Kunst und Musik, im fächerverbindenden Unterricht sowie in zahlreichen fakultativen Angeboten in Erscheinung. Schulchöre sind ein Bestandteil der vielen außerunterrichtlichen musikalischen Angebote an sächsischen

Unter großem medialen Interesse übergaben die Initiatoren der Demonstration »Singen für Bildung« vor dem Kultusministerium eine Petition an Kultusminister Piwarz. Foto: Doc Winkler

Schulen. Neben Schülerbands, Musicalgruppen, Tanz- und Instrumentalensembles gibt es auch zahlreiche Chöre. In den Schulen wird eigenverantwortlich und am Bedarf der Schüler entschieden, ob und wenn ja, welche musikalischen Angebote bestehen. Die Pluralität der kulturellen Angebote in den Schulen hat sich in den vergangenen 25 Jahren deutlich erhöht. Chöre sind nicht mehr die einzige Möglichkeit, um musikalischen Interessen und Neigungen nachzugehen. Die Zahl der Schulchöre wird statistisch nicht erfasst, gleichwohl wissen wir von Befragungen, dass an einer Vielzahl von Schulen Chöre existieren, so verfügt zirka jede zweite Schule demnach über einen Chor. Ihrer Aussage, im Freistaat Sachsen würden GTA-Mittel gestrichen, müssen wir widersprechen. Das Gegenteil ist der Fall: Die Mittel für Ganztagsangebote wurden erhöht. So standen im Jahr 2016 22,4 Mio. EUR zur Verfügung, im Jahr 2017 25,4 Mio. EUR und 2018 stehen 26,1 Mio. EUR zur Verfügung. Wie im Handlungsprogramm »Nachhaltige Sicherung der Bildungsqualität in Sachsen« nach4

zulesen ist, stehen ab dem 1. August 2019 für GTA jährlich noch 13,5 Millionen Euro mehr zur Verfügung. Die GTA-Mittel werden den Schulträgern oder Schulfördervereinen für die Gestaltung von Ganztagsangeboten als zweckgebundene pauschalierte Zuweisungen für ihre Schulen ausgereicht. Diese können eigenverantwortlich über die Art und den Umfang ihrer Ganztagsangebote entscheiden. Im Rahmen dieser Förderung können auch Schulchöre finanziert werden. Grundsätzlich werden an sächsischen Schulen mit Ganztagsangeboten musisch-künstlerische Angebote flächendeckend vorgehalten. Eine im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluation der Förderung der Ganztagsangebote im Freistaat Sachsen durch die TU Dresden im Schuljahr 2015/16 durchgeführte Befragung hat ergeben, dass an allen sächsischen Schulen die musisch-künstlerischen und die sportund bewegungsorientierten Angebote am weitesten (jeweils ca. 93%) verbreitet sind. (Die Fragen stellte Uwe Winkler.)


SCHULE & MUSIK Nach der Veröffentlichung der Kürzungspläne für die Unterrichtsstunden Musik, Kunst und Sport aus dem Sächsischen Kultus- wie aus dem Finanzministerium und der nachfolgenden Rücknahme der Pläne durch das Kultusministerium, bat »unisono« die Fachpolitiker im Sächsischen Landtag um eine Einschätzung der Situation und ihre Haltung zu den Plänen. Dazu stellten wir den Bildungspolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen und dem Vorsitzenden des Ausschusses für Schule und Sport im Sächsischen Landtag nachfolgende Fragen. 1.

Wie steht Ihre Fraktion zu den in die Diskussion gebrachten Plänen des Sächsischen Kultusministeriums? Werden Sie diese Pläne mittragen? Was werden Sie ggf. tun, um diesen Kürzungen entgegenzutreten oder Änderungen im Sinne dieser Fächer zu bewirken?

2.

In einer Sachverständigenanhörung im Ausschuss Schule und Sport im August letzten Jahres wurden Sie als Fachpolitiker seitens der Sachverständigen über die Wichtigkeit und Dringlichkeit insbesondere auch des Musizierens und Singens an den Schulen unterrichtet. Welchen Stellenwert haben die damals dargebrachten und von Ihnen begrüßten Argumente der Sachverständigen heute? Wie stehen Sie vor dem Hintergrund des aktuellen Vorstoßes des Kultusministers zu der damals protokollierten Dringlichkeit, dem Musikunterricht und der Lehrerausbildung in diesem Fach einen höheren Stellenwert beizumessen?

Die Antworten der Mitglieder des Sächsischen Landtages lesen Sie in den einzelnen Beiträgen.

IN WELCHEM GESAMTKONTEXT SICH SPORT, KUNST UND MUSIK WIEDERFINDEN, BLEIBT ABZUWARTEN Patrick Schreiber, Vorsitzender des Ausschusses für Schule und Sport im Sächsischen Landtag Zunächst einmal möchte ich Ihre Darstellung korrigieren, es handele sich bei der von Ihnen benannten Anpassung der Stundentafel um eine Maßnahme, die lediglich den Zweck verfolgt, Lehrstellen einzusparen. Vielmehr geht es darum, die sehr hohe stundenmäßige Belastung an sächsischen Schulen, entsprechend der Vorgaben der Kultusministerkonferenz, etwas zu senken und sächsische Schüler zu entlasten. Schließlich bildet Sachsen unter allen Bundesländern bislang den Spitzenreiter, was den quantitativen Arbeitsumfang an den Schulen angeht. Der Beginn der Diskussion um die Reduzierung der Stundentafel, um die Unterrichtsstunden für die Schülerinnen und Schüler zu reduzieren, reicht nun schon fast zwei Jahre zurück. Umgesetzt wurde diesbezüglich von der ehemaligen Ministerin Frau Kurth bisher nichts. Der jetzt bekannt gewordene Vorschlag bezüglich Sport, Musik und Kunst stammt noch aus der Zeit von Frau Kurth und ist lediglich eine Möglichkeit, ein gewisses Maß an Absenkung in der Wochenstundenzahl

zu erreichen. Ich war selbst in den Verhandlungen zum jetzigen Handlungsprogramm (Lehrermangel) dabei und habe damit auch selbst mitbekommen, dass sowohl Staatsminister Piwarz wie auch Staatsminister Haß diesen Vorschlag als eine von vielen Möglichkeiten dargelegt haben. Dass eine Absenkung der Stundentafel notwendig ist, darin waren wir uns mit der SPD, insbesondere auch mit der sich jetzt so empörend äußernden Frau Friedel von der SPD einig. Wir waren uns auch einig, dass wir gemeinsam schauen werden, was sinnvoll und machbar ist, auch wenn die eigentliche Entscheidung darüber nicht dem Sächsischen Landtag und den Abgeordneten zusteht. Wir haben rein rechtlich mit diesen Entscheidungen nichts zu tun, was auch gut so ist. Entscheiden werden hier entsprechende fachliche Kommissionen, an denen insbesondere auch Lehrer und Eltern beteiligt sind. Ich halte es auch nicht für sinnvoll, wenn Politiker im Landtag entscheiden würden, welche Unterrichtsfächer in welchem Umfang in den Schulen gehalten 5

Patrick Schreiber Foto: Christoph Reichelt

werden. Deshalb stellt sich die Frage, ob ich persönlich diesem Vorschlag zustimmen werde, nicht wirklich. In der Zwischenzeit ist aber wohl auch die Äußerungen des Kultusministers deutlich geworden, dass es sich


SCHULE & MUSIK tatsächlich nur um EINEN möglichen Vorschlag gehandelt hat und dass in dieser Frage rein gar nichts beschlossen ist. Auch, dass dieser Vorschlag nicht geeignet war, um ihn so einfach in die Öffentlichkeit hinauszuposaunen. Die Änderungen zur Stundentafel sollen mit dem Schuljahr 2019/20 in Kraft treten. Bis dahin werden jetzt insbesondere auch auf Grundlage des neuen Schulgesetzes die Vorschläge erarbeitet. Das Ziel besteht darin, die Unterrichtsbelastung der Schüler um vier Prozent zur reduzieren. Sie können versichert sein, dass wir diesen Prozess natürlich mit großer Aufmerksam verfolgen und uns auch soweit wie rechtlich möglich dazu einbringen werden. Sie haben sicherlich auch mitbekommen, dass wir beispielsweise bei den Themen digitale und politisch/ gesellschaftliche Bildung einen großen Nachholbedarf haben und dass das Fach Gemeinschaftskunde künftig bereits ab Klasse 7 gelehrt werden soll. Dies halte ich persönlich für sehr vernünftig. Ich bestreite nicht die Bedeutung der Fachbereiche Sport, Kunst und Musik für die Entwicklung junger Menschen. Mir persönlich sind insbesondere die Fächer Sport und Musik für die Entwicklung von Kindern sehr sehr wichtig. In welchem Gesamtkontext sich das dann alles wiederfinden wird, bleibt jetzt abzuwarten und muss intensiv diskutiert werden. Wie Sie sicherlich auch mitbekommen haben, werden wir auch im Bereich der Ganztagsangebote eine Menge zusätzlicher Mittel (13,5 Millionen Euro pro Jahr) aufbringen. Dies soll aus meiner Sicht nicht ersetzend für irgendetwas sein, aber ich denke die Kombination aus Unterricht und Ganztagsangebot bringt für alle einen Gewinn. Sie können ebenso versichert sein, dass die in der Sachverständigenanhörung im Landtag zum Thema Schulchöre geäußerten Argumente weiterhin gelten und in der Diskussion selbstverständlich eine Rolle spielen.

WIR SPRECHEN ÜBER EINE KÜRZUNG ÜBER ALLE FÄCHER Lothar Bienst, Bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Sächsischen Landtag und Vorsitzender des Arbeitskreises für Schule und Sport Das öffentlich gewordene Arbeitspapier, das die Stundenkürzung allein bei Musik, Kunst und Sport sieht, ist hinfällig. Für uns steht die gesamte Stundentafel zur Disposition. Vom Grundsatz wollen wir zwar nicht an die Kernfächer heran. Wir werden sie uns aber anschauen und prüfen, was inhaltlich überaltert ist. Das werden wir mit allen Fächern tun, also auch mit Musik, Kunsterziehung und Sport. Die Diskussion in den Arbeitskreisen ist angelaufen. Wir wollen zügig arbeiten, denn wenn man die Stundentafel verändert, dann müssen auch die Lehrpläne geändert werden. Wir haben die Diskussion in den Arbeitskreisen dazu begonnen. Ich denke, wir haben bis Februar/März kommenden Jahres klare Bilder, wie die Stundentafel aussehen wird. Wir sprechen von einer Kürzung der Stundentafel um vier Prozent – und zwar über alle Fächer hinweg.

Lothar Bienst

IMPRESSUM Herausgeber: Sächsischer Chorverband e.V. Geschäftsstelle: Bahnhofstraße 1 09669 Frankenberg/Sachsen Tel: (037206) 880 143 Fax: (037206) 894 191 Mail: geschaeftsstelle@s-cv.de Internet: www.s-cv.de Chefredaktion: Dr. Uwe Winkler (V. i. S. d. P.) unisono@s-cv.de Redakteure der Teilverbände: Matthias Queck (LCV) matthiasqueck@gmail.com Yves A. Pillep (MBC) quodlibet@freenet.de Angelika Hauffe (OSCV) redaktion@oscvev.de Margit Günther(WSCV) ws-chorverband@web.de Ronny Kienert (SCV) ronny.kienert@s-cv.de

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Satz und Layout: Doc Winkler MediaServices Baderberg 2 • 01662 Meißen Tel.: (03 521) 459 11 66 Fax.: (03212) 8924263 Druck: Druckerei Dämmig, Chemnitz Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos, Materialien übernimmt die Redaktion keine Haftung. Die Redaktion behält sich die sinnwahrende Kürzung von Beiträgen vor. Nachdruck oder fotomechanische Wiedergabe, auch auszugsweise, nur mit Zustimmung der Redaktion. Mit Namen des Verfassers veröffentlichte Artikel stellen

nicht unbedingt die Meinung des Präsidiums oder der Redaktion dar. »unisono« kann zum Preis von 10 Euro für 4 Ausgaben abonniert werden. Wenden Sie sich dazu bitte schriftlich an die Geschäftsstelle des SCV (Bahnhofstr. 1, 09669 Frankenberg/Sa.). Das Abonnement ist bis spätestens sechs Wochen vor dem jeweiligen Redaktionsschluss schriftlich kündbar. Fotonachweis Titelseite: Junge Schulmusiker demonstireren vor dem Sächsischen Kultusministerium. Foto: Doc Winkler


SCHULE & MUSIK

WIR MÜSSEN AN DIE HAUPTFÄCHER RAN, DAS HEISST AN MATHEMATIK UND DEUTSCH Sabine Friedel, Sprecherin für Bildungspolitik der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag Wir halten die einseitige Fokussierung auf die persönlichkeitsbildenden Fächer Musik, Kunst und Sport für falsch. Und gleichzeitig eine Reduzierung der Stundentafel für richtig und wichtig. Gerade auf den weiterführenden Schularten Oberschule und Gymnasium ist das Unterrichtsvolumen der Schülerinnen und Schüler zu hoch. Hier stehen pro Woche 32 bis 35 Unterrichtsstunden im Stundenplan. Oft kommt noch ein Schulweg von einer halben oder dreiviertel Stunde dazu. Und nachmittags Hausaufgaben. Wir verlangen damit den Schülern eine 40-/50-Stunden-Woche ab, die so manchen Erwachsenen krank macht. Und es bleibt zu wenig Zeit für Freunde, für Hobbys, für Abenteuer draußen und nicht zuletzt auch für »Langeweile«. Aus der Hirnforschung wissen wir, wie wichtig auch all diese Dinge für die Entwicklung der Persönlichkeit sind.

dungsberufen spielen Bruch- und Prozentrechnung eine weitaus größere Rolle als geometrische Analysen ...

Herr Kultusminister Piwarz hat in seiner Regierungserklärung betont: Wer die Stundentafel reduzieren will, der muss auch klar sagen, welche Fächer dann gekürzt werden sollen. Da hat er Recht, und ich sage das auch immer sehr deutlich: Wir müssen an die Hauptfächer ran. Das heißt: Mathematik und Deutsch. Ich will es am Beispiel Mathematik etwas genauer verdeutlichen. Nimmt man sich hier den Lehrplan für die Oberschule und schaut mal von hinten nach vorn (also beginnend in Klasse 10 bis hinunter in die fünf) die Stoffgebiete und vor allem die dazugehörigen Unterrichtsstunden an, dann fällt auf: Gegenüber der Geometrie, die in den Klassenstufen 5 bis 10 insgesamt 265 Unterrichtsstunden im Lehrplan ausmacht, treten Stoffbereiche wie Bruch- und Prozentrechnung sowie »Mathematik im Alltag« mit 186 Stunden unverhältnismäßig dahinter zurück. Bei diesen Anteilen wundert es mich auch nicht, wenn die Wirtschaft zu dem Schluss kommt, dass junge Azubis »nix können«, denn in den meisten Ausbil-

Wir fordern seit Langem, dass das Kultusministerium Lehrplankommissionen einberuft, die Lehrpläne im Licht der künftigen Anforderungen einer digitalisierten Gesellschaft überarbeitet und dann das Stundenmaß reduziert. Wie formulierte es der Vorstandsvorsitzende der AliBaba Group Jack Ma so schön: „Wir können Kindern nichts beibringen, was Maschinen besser können." Und befragt, was Schulen stärker unterrichten sollten: „Sport, Musik, Malerei, Kunst (….) Werte, Teamwork, Mitgefühl. So stellen wir sicher, dass Menschen unterschiedlich sind. Alles, was wir lehren, muss unterschiedlich von Maschinen sein.“ (Zitiert nach http://www.zeit. de/2018/12/bildung-schule-chancengleichheit-digitalisierung).

Die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz schreiben einen solchermaßen hohen Anteil der Geometrie auch überhaupt nicht vor. Die »Leitidee Raum und Form« ist vielmehr eine von fünf hier formulierten Leitideen, die Leitidee »Funktionale Zusammenhänge« eine zweite. Die übrigen drei haben mit Geometrie nichts zu tun. Ich fürchte, hier war bei der Lehrplanerstellung in Sachsen im Jahr 2004 die Ausgewogenheit der Lehrplankommission nicht ganz gewährleistet und die akademischen Vertreter in stärkerer Position als jene aus Wirtschaft und Gesellschaft. Das führt dazu, dass die Anwendbarkeit des zu vermittelnden Wissens weniger wichtig wird als die fachwissenschaftliche Herleitbarkeit.

Die Entscheidungen über Lehrpläne und Stundentafeln liegen ausschließlich beim Kultusministerium. Wir haben kein Mitspracherecht, sondern können uns nur »beratend« äußern. Das tun wir mit ganzer Kraft. Und haben außerdem dieses Thema mit vor7

Sabine Friedel Foto: Julian Hoffmann

gestellten Handlungsprogramm aufgenommen. Wir werden uns weiter dafür einsetzen, dass nicht Sport, Musik und Kunst bei dieser Stundentafelüberarbeitung reduziert werden, sondern die übertriebenen fachwissenschaftlichen und nicht alltagstauglichen Lerninhalte in den Hauptfächern. Einen höheren Stellenwert der musischen Ausbildung über die Stundentafel erreichen zu wollen, halte ich für keinen geeigneten Weg. Aber schon heute sind viele Schulen dank guter Ganztagsangebote ganz hervorragende Stätten umfassender musischer Ausbildung. Wir haben mit dem Handlungsprogramm auch aus diesem Grund die GTA-Mittel noch einmal deutlich erhöht, insgesamt stehen jetzt rund 40 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung, das ist doppelt so viel wie im Jahr 2014.


SCHULE & MUSIK

AUSSERSCHULISCHE ANGEBOTE SIND KEIN ERSATZ

FÜR DEN REGULÄREN SCHULUNTERRICHT Cornelia Falken, Bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke im Sächsischen Landtag Die Linke begrüßt eine Modernisierung der sächsischen Lehrpläne. Das ist längst überfällig und bietet auch Spielraum für eine Änderung der Stundentafel. Große Zweifel haben wir jedoch am Motiv des Kultusministers. Seine Pläne, die Stundentafel zu kürzen, dienen wohl eher dazu, den Lehrermangel zu kaschieren. Dies geschieht auf einem administrativen Weg, ohne mit den Betroffenen, den Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern und den Lehrkräften darüber gesprochen zu haben. Das lehnen wir ab. Ausgerechnet der Unterricht in Kunst und Musik soll noch weiter reduziert werden. Ab dem Schuljahr 2019/20 sollen in den fünften Klassen die Fächer Kunst und Musik um eine Wochenstunde verringert werden. Damit verstärkt der Kultusminister den Trend, Kunst und Musik (kulturelle Bildung) ganz in den Ganztagsbereich zu verlagern und den Fachunterricht weiter abzubauen. Das halten wir für völlig inakzeptabel. Musik und Kunst sind ein zentraler Bestandteil von Allgemeinbildung und für die Persönlichkeitsentwicklung von großer Bedeutung. Ihren besonderen Platz haben beide Fächer in der Schule. Die erhoffte Personalreserve wird sich ohnehin nicht einstellen, weil schon jetzt das Fachpersonal fehlt. Und beim Unterrichtsausfall rangieren Kunst und Musik ganz vorn. Die Linke wird die Kürzungsabsichten im Musik- und Kunstunterricht zum Thema im Sächsischen Landtag machen. Ein entsprechender Antrag mit dem Titel: „Kulturelle Bildung in sächsischen Schulen stärken – künstlerischen Fachunterricht absichern“ befindet sich im parlamentarischen Geschäftsgang. (Siehe Parlaments-Drucksache 6/2988). Eine Streichung der Stundentafel ohne vorherige Änderung der Lehrpläne, richtet nur Chaos im Unterricht an. Wir wissen uns hier einig mit dem Deutschen Kulturrat, der in einer

Resolution vom März 2015 auf die künstlerischen Fächer als einen „unverzichtbaren Teil des schulischen Bildungsauftrags“ hingewiesen hat. Die Grundlage für die künstlerischen Fächer „bildet der Pflichtunterricht, der von akademisch ausgebildeten Kunst-, Musik- und Theaterlehrern erteilt werden muss. Dieser Unterricht muss in allen Schulformen und -stufen mit mindestens zwei Stunden pro Fach in den Stundentafeln erteilt werden.“ Soweit der Deutsche Kulturrat. Um den Lehrerinnen und Lehrern den nötigen pädagogischen Freiraum für die Unterrichtsgestaltung zu geben, halten wir Rahmenlehrpläne für das geeignete Instrument. Eine Lehrplanform soll unserer Auffassung nach ein weitläufiges Orientierungskonzept bieten, das einen sehr allgemeinen Rahmen für die Freiheit im Klassenzimmer setzt. Man spricht deswegen auch von Rahmenplänen. Hier ist der pädagogische Spielraum für die Lehrkräfte weiter gefasst als in der bislang üblichen Lehrplanform. Der Grad an Verbindlichkeit ist geringer. Rahmenpläne folgen einem relativ offenen Planungsmodus. Die Mitgestaltung des Unterrichts durch die Schülerinnen und Schüler sowie Eigenständigkeit und Selbstregulation spielen in ihnen eine große Rolle. Lernansprüche und Schülerorientiertheit werden als nahezu gleichwertig betrachtet. Der Unterricht ist von vornherein stärker projektbezogen und handlungsorientiert angelegt. Rahmenpläne verzichten auf eine detaillierte Prozessplanung des Unterrichts. Das Arbeiten mit Rahmenlehrplänen ermöglicht auch pädagogisch sinnvolle Änderungen an der Stundentafel. Die Linke verfolgt seit Jahren mit großer Sorge die Tendenz, den Fachunterricht in Musik und Kunst an den Schulen aus Kostengründen zu reduzieren. Das belegen meine Kleinen Anfragen zur „Absicherung des Kunst- und Musikunterrichts“. (Sie8

Cornelia Falken Foto: Agentur DIG/Trialon

he Parlaments-Drucksachen 6/556, 6/557, 6/558 und 6/ 559) Im Grundschulbereich werden 60 Prozent des Kunst- und Musikunterrichts nicht mehr von Fachlehrern und -lehrerinnen unterrichtet. Phasenweise werden in verschiedenen Klassenstufen nur halbe Stunden für Kunst und Musik unterrichtet, und die aktuelle Stundentafel enthält eine Wahlmöglichkeit zwischen Kunst und Musik. Kulturelle Bildung umfasst - wie alle Bildung - die vor- und die schulische, die außerschulische und die Erwachsenenbildung. Dessen eingedenk plädieren wir aus systematischen Gründen für die Zuordnung kultureller Bildung zum schulischen Bereich. Warum? Den Grundstein für die kulturelle Bildung legen Kindergärten und Schulen. Vor allem die Schule ist eine Bildungseinrichtung, die das Leben Heranwachsender nachhaltig und lange prägt. Kulturelle Bildung wird hier sowohl fächerübergreifend als auch fachspezifisch vermittelt. Der Tendenz, den Fachunterricht in Musik und Kunst an den Schulen aus Kostengründen zu reduzieren, widersetzen wir uns.


SCHULE & MUSIK Schulen brauchen ausreichend und gut ausgebildete Musik- und Kunstpädagogen. Es besteht die Gefahr, Kunst und Musik (kulturelle Bildung) ganz in den Ganztagsbereich zu verlagern. Außerschulische Einrichtungen kultureller Bildung sind kein gleichwertiger Ersatz für den regulären Schulunterricht, weil letzteren alle Heranwachsenden besuchen. Außerschulische Angebote an kultureller Bildung treten zu den schulischen hinzu, sie ergänzen und erweitern die kulturelle Bildung in der Schule. Der Deutsche Kulturrat warnt in der bereits zitierten Resolution: „Sie sind kein Ersatz für die künstlerischen Schulfächer“ und „dürfen nicht als Vorwand für eine Reduzierung der Stundentafel missbraucht werden“. Einer solchen „Vereinnahmung von außerschulischen Aktivitäten“ widerspricht der Kulturrat ausdrücklich. Kulturelle Bildung ist stets auch eine Frage der angemessenen Personalausstattung. Aus schulischer Sicht sind die Ganztagsschulen besonders geeignete Einrichtungen der kulturellen Bildung. Die Betonung liegt auf Ganztagsschu-

le, nicht auf den Ganztagsangeboten. In einer Ganztagsschule werden Vorund Nachmittagsunterricht pädagogisch sinnvoll miteinander verbunden, Schulen mit Kultureinrichtungen und örtlichen Bildungsträgern vernetzt und Künstler und Kulturschaffende als Vermittler systematisch einbezogen. Insofern erweist sich kulturelle Bildung auch als ein Mittel der Schulentwicklung: Angebote der kulturellen Bildung, vom Kunstunterricht bis zum Musiktheaterprojekt, bieten besondere Möglichkeiten, die Qualität von Schule und Unterricht weiter zu entwickeln: Künstlerische Aktivitäten unter Einbeziehung von Eltern, außerschulischen Kooperationspartnern und in Zusammenarbeit mit Schulen anderen Schulen können unzeitgemäße Zeit-, Raum- und Unterrichtsstrukturen der Schule aufbrechen und zur Veränderung der Schulstrukturen im Sinne des Gemeinschaftsschulprojektes der Linken beitragen. Dabei sollen weitere Bereiche der kulturellen Bildung (z.B. Tanz, Medien, Zirkus, Ausstellungen und Museen) einen stärkeren Stellenwert in der Schule erhalten.

Die Künste, allen voran die Musik, tragen – insbesondere bei Kindern – Wesentliches zur Persönlichkeitsentwicklung bei. Daniel Barenboim, Generalmusikdirektor der Deutschen Staatsoper in Berlin, Dirigent und ein erstklassiger Pianist, bekräftigt die Bedeutung einer „Erziehung durch und mit Musik“ mit den Worten: „Natürlich lernen die Kinder Musik. Aber durch Musik lernen sie Dinge über und für das Leben: Disziplin, Leidenschaft, Zeiteinteilung, alles was der Mensch braucht.“ (Zitiert aus Freitag vom 12. Mai 2006, S. 3) Das Spielen eines Musikinstrumentes weckt die Freude am Musizieren und die Geselligkeit. Es fördert, insbesondere dann, wenn es gemeinsam mit anderen Kindern erfolgt, die kognitiven, motorischen, kreativen und sozialen Fähigkeiten, stärkt die Sinnlichkeit und Wahrnehmungsfähigkeit. Das belegen sowohl empirische Studien als auch verschiedene musikpädagogische Projekte. Und je früher mit der musikalischen Erziehung begonnen wird desto besser.

DIE KÜRZUNG IN MUSIK, KUNST UND SPORT HALTEN WIR FÜR FALSCH Karin Wilke, Schulpolitische Sprecherin der AfD-Fraktion im Sächsischen Landtag Die Stundentafel ausgerechnet in Musik, Kunst und Sport zu kürzen, also Fächern, die die Persönlichkeitsentwicklung fördern und den Bewegungsmangel ausgleichen, halten meine Fraktion und ich für falsch. Von daher werden wir diese Pläne unter keinen Umständen mittragen. Öffentlichkeit herzustellen ist hier sehr wichtig. In der aktuellen Situation, in der das Kultusministerium für die Besetzung offener Stellen verstärkt auf Seiteneinsteiger zurückgreifen muss, gibt es Rückmeldungen aus den Landesämtern, dass Seiteneinsteiger mit einer Hochschulausbildung im Bereich Kunst und Musik sich weitaus problemloser in ihren Aufgabenbereich integrieren, als das für andere Fächer gilt. Hier mit einem Einsparpotential

an Lehrern zu argumentieren, halte ich für unredlich. Singen und Musizieren hat einen hohen Stellenwert in der frühkindlichen und Schulbildung, es unterstützt die Bildung von Gemeinschaftsgefühl und Respekt für den anderen und schafft eine Verbindung zu den kulturellen Traditionen unseres Landes. Viele Kinder haben keine Möglichkeit, außerhalb der Schule künstlerischen und musikalischen Aktivitäten nachzugehen. Umso dringlicher ist es, dies innerhalb der Schule zu gewährleisten. Es kann nicht sein, dass die Staatsregierung ein gutes Projekt wie Jeki »Jedem Kind ein Instrument« unterstützt und ausweiten will, gleichzeitig aber den regulären Musikunterricht zurückfährt. 9

Karin Wilke Foto: Marco Klinger


SCHULE & MUSIK

ES MUSS PÄDAGOGISCHER UND DIDAKTISCHER SACHVERSTAND ZU RATE GEZOGEN WERDEN Petra Zais, Sprecherin für Bildungspolitik der Fraktion Bündnis90/Die Grünen im Sächsischen Landtag Aus Sicht der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ist es richtig, dass die Lehrpläne und Stundentafeln einer kritischen Betrachtung unterzogen werden. Dabei geht es zum einen um die Reduzierung der Unterrichtsbelastung, aber auch um die Frage, welche Inhalte und auch Methoden in einer Schule des 21. Jahrhunderts wichtig sind. Zu oft wurden neue Inhalte einfach zusätzlich in Lehrpläne eingearbeitet, eine Entschlackung aber fand nicht statt. Wir erwarten, dass bei einer solchen Überprüfung pädagogischer und didaktischer Sachverstand zu Rate gezogen und die betroffenen Gruppen (SchülerInnen, Eltern, LehrerInnen) einbezogen werden. Eine pauschale, fast willkürlich anmutende Streichung

einzelner Fächer oder Stunden ist für uns jedoch nicht zielführend – schon gar nicht, wenn damit eigentlich das Ziel verfolgt wird, die Folgen des Lehrermangels abzufedern. Dass gerade die »Nebenfächer« Musik, Kunst und Sport Opfer des Rotstifts werden sollen, ist für uns nicht tragbar. Kindertageseinrichtungen und Schulen sind herausragende Orte kultureller Bildung. Das Unterrichtsangebot in den künstlerisch-ästhetischen Fächern muss deshalb weiterhin – und besser als bisher – abgesichert werden.

Petra Zais Foto. Dirk Hanus

Ein unliebsames Ständchen brachten am Morgen des 8. März etwa hundert Dresdner Musikstudenten Kultusminister Piwarz vor seinem Haus. Sie protestierten mit ihrem »Singen für Bildung« gegen die Streichungspläne beim Unterrichtsangebot. Foto: Doc Winkler

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unisono Online-Beilage zur Ausgabe 01/2018  

Zeitschrift des Sächsischen Chorverbandes e.V.

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