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+++ VON HOMS NACH HAMBURG +++

Student Ibrahem ist angekommen Ursprünglich sollte das Interview für einen Beitrag über den 23-JÄHRIGEN SYRER UND HAMBURGER STUDENT IBRAHEM ALKURDI nur eine halbe Seite lang werden. Und eigentlich wollte unsere Autorin mit ihm nur über ein ihm verliehenes Stipendium sprechen. Doch nach dem Gespräch war ihr klar, dass sie seiner Geschichte mehr Platz widmen muss. Die Bilder vom Krieg aus seiner Heimatstadt Homs kennen wir nur aus dem TV – Ibrahem hat hier Freunde verloren und musste seine Familie zurücklassen. Und trotzdem steckt in ihm so viel MUT UND ZUVERSICHT FÜR DIE ZUKUNFT, die er sich mit seinem Fleiß und Know-How gerade neu aufbaut. Text: Kristina Regentrop

Was studierst du hier und war es schwierig, einen Studienplatz zu bekommen? Ich studiere Angewandte Informatik an der HAW im zweiten Semester. Mich hat es immer schon interessiert, wie man eine Software programmiert. Bereits als Kind habe ich mir gewünscht, irgendwann mal ein ganz großes Programm zu schreiben. Neben meinem Studium arbeite ich als Tutor, weil ich recht gut im Programmieren bin. Die größte Hürde war die Sprache. Ich hatte zuerst noch keine offizielle Aufenthaltsgenehmigung und konnte nicht an den Integrationskursen teilnehmen. Ich habe deshalb zu Hause alleine gelernt und die Kurse selbst bezahlt.

IBRAHEM ALKURDI (23) Bevor Ibrahem nach Hamburg kam, floh er zunächst alleine aus Syrien in den Jemen. Dort studierte er zwei Jahre lang Medizin – in Syrien war das wegen des Kriegs nicht möglich. Ein Teil seiner sechs Geschwister lebt in Europa, eine Schwester ist in Syrien. Seine Eltern sind momentan in Saudi-Arabien, möchten aber gerne zurück nach Syrien. Eine Flucht nach Deutschland erweist sich als zu schwierig für die beiden.

Und wie kam es zum Hamburg Stipendium? Das Hamburg Stipendium wird an Studenten mit Migrations- oder Flüchtlingshintergrund verliehen. Ich konnte im ersten Semester nicht nebenbei arbeiten und Geld verdienen, weil ich viel Deutsch gelernt habe. Ich lebe im Studentenheim in Bergedorf, dort ist es öfters laut und die Mitbewohner nehmen nicht so viel Rücksicht auf einen. Das Lernen dort fällt mir schwer. Mit einem Motivationsschreiben und zwei Gutachten von meinen Professoren habe ich mich dann einfach beworben.

Was möchtest du nach deinem Studium machen? Ich könnte mir vorstellen im Bereich Künstliche Intelligenz, Roboter oder selbstfahrende Autos zu arbeiten. Leider gibt es aktuell noch kein Projekt, an dem ich aktiv mitarbeiten kann.

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DEZEMBER/JANUAR 2019

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UNISCENE Hamburg Nr. 6/18  

Die UNISCENE ist Deutschlands junges Stadtmagazin. Bildung - Karriere - Lifestyle: Unter diesem Motto informiert die UNISCENE in Deutschland...

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