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06/2011

STUDIERENDENZEITUNG DER ÖSTERREICHISCHEN HOCHSCHÜLERINNENSCHAFT SALZBURG Staatsgründung für AnfängerInnen In einem Projekt gemeinsam mit dem Salzburger Landestheater hatten 86 SchülerInnen die Möglichkeit, ein eigenes Staatskonzept zu erstellen. Die fiktive Insel Zarkanien wurde von einem Diktator befreit und braucht nun eine neue Regierung, diese wurde sehr liberal und volksnah gestaltet. Seite 17

Student veröffentlicht ersten Roman Der Salzburger Student Mathias Klammer verfasste bereits mit 22 seinen ersten Roman. „Der Minimalismus der Dinge“ besticht durch seine sprachliche Klarheit und seine düstere Spannung. Sprachlich reduziert und dennoch in seinen Beschreibungen sehr ausgefeilt. Warum man nicht zum Lesen aufhören kann wird auf Seite 25 verraten.

Das Leben nach der ÖH-Wahl Der Wahlkampf ist zu Ende, die Stimmabgabe vorbei und das Ergebnis zur Wahl der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) ist da. Gestellt haben sich ihr insgesamt fünf Fraktionen mit den unterschiedlichsten Zielen. Die im Amt befindlichen Grünen & Alternativen StudentInnen (GRAS) sowie der Verband Sozialistischer Studierender (VSStÖ) kämpften um den Erhalt ihrer Stimmen, die Oppositionsfraktionen wagten einen Versuch den Spieß umzudrehen und eine trat zum ersten Mal an.

Die Koalition zwischen GRAS und VSStÖ geht in die Verlängerung und wird auch die nächsten zwei Jahre die Interessen der Salzburger Studierenden vertreten. Tatjana Markl wird als Vorsitzende aufhören. Wer an ihre Stelle tritt und wie das neue Team aussehen wird, erfährt ihr so bald wie möglich auf www.oeh-salzburg.at, denn derzeit laufen die Verhandlungen noch. Erfreulich Endlich. Die Wahlbeteiligung ist gestiegen. 27,7 Prozent der Studierenden gaben vom 24. bis 26. Mai ihre Stimme ab. Somit gingen über sieben Prozent mehr zur Urne als bei der Wahl im Jahr 2009. Und dennoch: Ein Tropfen auf den heißen Stein. Österreichweit lag die Wahlbeteiligung dieses Mal bei über 28 Prozent, Salzburg liegt also knapp darunter. Eine Frage, die nach wie vor offen bleibt ist, warum der Großteil der Studierenden die

Österreichische Post AG/ sponsoring.Post 5020 Salzburg. Zulassungsnr. zum Postversand GZ 02Z032996 S

Jane Goodall in Salzburg

Deine Stimme hat entschieden.

Wahl zur Vertretung ihrer eigenen Interessen nach wie vor schwänzt. Das Ergebnis im Detail Eindeutiger Wahlsieger sind die Grünen & Alternativen StudentInnen (GRAS), die sich mit 31,68 Prozent fünf Mandate (-1) sichern. Auf Rang Zwei rangiert die AktionsGemeinschaft (AG) mit 26,01 Prozent der Stimmen und vier Mandaten (-1). Aufgerückt ist der Verband Sozialistischer StudentInnen Österreichs (VSStÖ), der seine Stimmen mit 21,99 Prozent um mehr als fünf Prozent steigern konnte. Das ergibt drei Mandate (+1) für die Universitätsvertretung. Ebenfalls unter den Mandatsplätzen ist die Plattform unabhängiger Studierender (PLUSS) mit 10,63 Prozent und einem Mandat (+1). Sie traten heuer zum ersten Mal bei der ÖH-Wahl an. Kein Mandat erhielten der Kommunistische Stu-

© JGI Austria

Vor 30 Jahren wurde der HI-Virus entdeckt. Seither hat sich in der Medizin unheimlich viel getan und Erkrankte können ein relativ normales und langes Leben führen. Doch in unserer Gesellschaft gibt es immer noch viele Vorurteile und wenig Verständnis. Die Uni:Press führte ein Interview mit einem Mitarbeiter der Salzburger Aidshilfe. Seite 15

dentInnenverband (KSV) mit 3,32 Prozent, der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) mit 3,29 Prozent, sowie die Jungen Liberalen ( JuLis) mit 2,91 Prozent der Stimmen. Die bisherigen Koalitionsverhandlungen haben gezeigt, dass GRAS und VSStÖ ihre Arbeit in der ÖH fortsetzen werden und somit in der Universitätsvertretung mit sieben Mandaten sitzen. Demgegenüber steht die Opposition aus AG und PLUSS mit insgesamt fünf Mandaten. Was die Fraktionen zum Ergebnis sagen und wie es für sie weitergehen wird, hat die Uni:Press für euch auf Seite 2 zusammengestellt. Wenn ihr selbst aktiv bei der ÖH Salzburg mitmachen und eure Ideen und Interessen in die Tat umsetzen wollt, dann könnt ihr euch jederzeit an vorsitz@oeh-salzburg.at wenden.

Vergessener Müll Bis in die 1980er Jahre war es in Österreich üblich, einfach irgendwo „wild“ Müll abzulagern. Also zum Beispiel im Wald, auf einer Wiese oder an sonst einem Platz, der geeignet erschien. Die Folgen haben wir heute zu spüren, denn die 60.000 Altablagerungen kosten Geld und erschweren gerade in Hallein den Ausbau des Tierheimes. Seite 14

Die weltberühmte Schimpansenforscherin war in Salzburg und hat der Uni:Press ein Interview gegeben. Der 77-Jährigen liegt die Zukunft unserer Welt besonders am Herzen. Mehr Informationen über ihr Leben im Urwald, ihre Projekte zum Schutz von Natur, Tier und Mensch und wie Naturschutz in nächster Nähe praktiziert wird, kannst du auf den Seiten 8-9 lesen.

30 Jahre HIV/Aids

Umweltschutz © ÖH Salzburg

Von Christina-Anna Stenz

© Uwe Dreßler/aboutpixel.de

NR. 665

Sommerzeit ist Reisezeit Die Ferien nahen und wer noch keinen Urlaub gebucht hat, hat eine große Auswahl. Für Studierende gibt es sogar eigene Angebote, z.B. eine Reise mit einer Mitarbeit bei einem Hilfsprojekt. Oder man wendet sich dem Ökotourismus zu. Wer Geld sparen will, tingelt mit der Bahn quer durch Europa. Mehr dazu auf Seite 5.

Nach Ereignissen wie der Atomkatastrophe in Japan oder dem Ausbruch des EHEC Erregers in Deutschland ist das Thema Umweltschutz wieder in aller Munde. Und obwohl jedem/r klar sein müsste, dass es so nicht ewig weitergehen kann, scheint sich nur wenig zu verändern. Die Frage ist nur: Woran liegt das? An den Superkonzernen, die anscheinend alle Macht in ihrer Hand halten sollen und lieber noch mehr Öl verkaufen? An der Politik, die mehr an die Wirtschaftskrise denkt, als an die Zukunft? Oder an jedem/r Einzelnen von uns, der/die einfach zu faul ist auch nur einmal auf das Auto zu verzichten oder darauf achtet, ob die gekauften Himbeeren die halbe Welt überflogen haben, bevor sie im Regal landen? „Every single one of us makes an impact every single day.“ Jane Goodall, die Umweltschutzaktivistin drückt die einleuchtendsten Tatsachen am einfachsten aus. Wir ALLE haben einen Einfluss. Jede unserer Taten von uns hat Folgen, ob diese positiv oder negativ für unseren Planeten sind, das können wir selbst entscheiden. Das fängt schon beim Einkaufen an. Regionale Bioprodukte oder billig Obst aus weiß Gott woher? Ein T-Shirt um fünf Euro oder besser doch eines, an dem sicher kein Kind gearbeitet hat? Immer nur über Umweltschutz zu reden und Befürchtungen zu äußern ist zwecklos, wenn man nicht selbst endlich etwas tut. Sich nur zu beschweren über die „anderen“, die so unverantwortlich sind, hat keinen Sinn, wenn man sich im nächsten Moment ein Auto mit einem Durchschnittsverbrauch von 15 Litern kauft. Klimawandel hin oder her, wer sich beim Thema Umweltschutz nicht angesprochen fühlt, geht mit Schallklappen durchs Leben. Doch es gibt Hoffnung, Jane Goodall meint, überall auf der Welt wachen die Menschen endlich auf und merken, dass wir etwas ändern müssen. Um noch mehr aufzuwecken, befasst sich der Schwerpunkt dieser Uni:Press Ausgabe mit einigen dieser Probleme. Wer also mehr darüber erfahren will, selbst aktiv werden und Alternativen kennenlernen möchte, der/die kann sich mit diesem Thema ab Seite 8 beschäftigen. Vanessa Ziperzik


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UNI und SERVICE

Die Wahl ist vorbei, was jetzt?

Von Christina-Anna Stenz Die Grünen & Alternativen StudentInnen (GRAS) sind weiterhin mit fünf Mandaten die stärkste Kraft an der Uni Salzburg. Wie interpretieren sie die ÖH-Wahl 2011 und wohin kam das sechste Mandat? „Die um sieben Prozent gesteigerte Wahlbeteiligung zeigt eindeutig, dass die Studierenden unsere Exekutivarbeit in den vergangenen zwei Jahren schätzen und den grün-alternativen Kurs fortsetzen wollen. Die WählerInnen wollen weiterhin eine linke, kritische und kämpferische ÖH. Eine klare Abfuhr erhielten die konservativen Kräfte. Die ÖVPnahe Aktionsgemeinschaft (AG), verlor ein Mandat und steht jetzt bei nur mehr 4, der rechtsradikale Ring Freiheitlicher Studenten (RFS), verfehlte ein Mandat bei weitem.“ Den zweiten Platz sicherte sich die AktionsGemeinschaft (AG) und zeigt sich trotz dem Verlust eines Mandats zuversichtlich. Welches Resümee ziehen sie aus dem Ergebnis und was führte aus ihrer Sicht zur Steigerung der Wahlbeteiligung? „Aus Sicht der AktionsGemeinschaft sind

wir mit dem Ergebnis zufrieden. Es hätte natürlich besser sein können, wir haben ja ein Mandat verloren. Jedoch hätte es auch schlechter sein können. Super war bei dieser Wahl, dass man in jedem Wahllokal alles wählen konnte. Dies ist sicher auch ein Mitgrund, dass die Wahlbeteiligung gestiegen ist. Wir haben uns ja bereits im Vorfeld gefürchtet, dass die Wahlbeteiligung weiter sinkt und haben primär die Studis darauf aufmerksam gemacht, dass sie wählen gehen sollten und sie auch darum gebeten! Was im Vorfeld auch bereits klar war, dass der VSSTÖ sicher nicht noch weiter verlieren wird und seine Gewinne zu Lasten von GRAS oder AG gehen müssen. Leider hat uns scheinbar auch die PLUSS jede Menge Stimmen entführt.“ Die wohl größten Zugewinne konnte der Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) verzeichnen. Wie geht es angesichts dessen weiter? „Wir vom VSStÖ Salz© VSStÖ Salzburg burg haben bei dieser Wahl alle Ziele erreicht, wobei der schönste Erfolg ist, dass wir unsere Stimmen mehr als verdoppeln konnten und das Mandat in der Bundesvertretung erringen konnten. Zudem bereitet die gestiegene Walbeteiligung Grund zur Freude und lässt auf eine weitere Steigerung in den kommenden Jahren hoffen. Wie es in Zukunft in der ÖH Salzburg weitergeht wird in den kommenden Tagen und Wochen geklärt werden.“

Das Debüt der Plattform unabhängiger Studierender Salzburgs (PLUSS) kann sich sehen lassen. Bei ihrem ersten Antritt zur ÖH-Wahl können sie bereits stolz auf ein Mandat blicken. Worauf führen sie diesen guten Start zurück und welche Rolle schreiben sie sich innerhalb der ÖH zu?

© Martin Mayr

Obwohl die Ausgangssituationen der Fraktionen durchaus unterschiedlich waren, blicken alle gemeinsam positiv auf die vergangene Wahl zurück. Wo die eine oder andere Stimme verloren gegangen sein könnte und wie es nun weitergehen wird, berichtet die Uni:Press.

„Wir sind das erste Mal zu ÖH-Wahlen angetreten und freuen uns, dass wir so viele Studierende erreichen konnten. Allen, die uns ihr Vertrauen geschenkt haben, drücken wir an dieser Stelle noch einmal unseren besonderen Dank aus. 362 Stimmen haben uns auf Anhieb ein Mandat in der Universitätsvertretung der ÖH gesichert und rücken uns in die Nähe der großen Fraktionen. Unser Auftritt hat frischen Wind gebracht und ohne Zweifel deutlich zur gestiegenen Wahlbeteiligung beigetragen. Mit knapp 27% ist diese dennoch unterdurchschnittlich geblieben, was zeigt, wie unterrepräsentiert die ÖH in Salzburg ist. Wir wollen die ÖH wieder interessant machen und geben unser Bestes, damit die Studierenden von ihrer Wahl profitieren. Wie auch immer daher unsere Position innerhalb der ÖH während der neuen Funktionsperiode sein wird, ob wir an der Exekutive beteiligt sind oder in Opposition gehen, wir werden eine wichtige Rolle in

der studentischen Interessensvertretung an der Universität Salzburg einnehmen und unsere Aufgaben an den Studierenden orientieren.“ Als faire Verlierer zeigen sich die Jungen Liberalen ( JULIS), die bei der Wahl 2011 kein Mandat erreichen konnten. Welche Schlüsse ziehen sie aus der Wahl und wie stellen sie sich die zukünftige ÖH vor? „Wir freuen uns, dass so © JULIS viele Studenten liberal gewählt haben, obwohl wir uns im Wahlkampf dieses Jahr zurückhalten mussten. Wir haben nicht auf Bilder, sondern Inhalte gesetzt - und viele Studenten haben darauf reagiert. Dass es jetzt mehr Wahllokale gegeben hat, war ein guter Schritt in Richtung Wahlbeteiligung. Dass die Zahlen trotzdem so niedrig sind, ist für uns verständlich: man fühlt sich machtlos, wenn man von der Regierung so vorgeführt wird! Wir Jungen Liberalen werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass Vernunft und Zielstrebigkeit die Studentenpolitik beherrschen und hoffen, dass die jetzigen Mandatsparteien so produktiv miteinander zusammenarbeiten, wie wir uns eine Regierung vorstellen! Wir wünschen der neuen ÖH viel Glück und vor allem - viel Erfolg!“ Zur Wahl angetreten sind auch der Ring Freiheitlicher Studierender (RFS), sowie der Kommunistische StudentInnenverband (KSV), die der Uni:Press leider nicht für ein Statement zur Verfügung standen.

Kein Leerlauf im Sommer Wie jedes Jahr in den Sommermonaten gibt es auch heuer wieder die Möglichkeit, Sommerkurse an der Universität Salzburg zu besuchen. Das Angebot der „ditact 2011 women’s IT summer studies“ verteilt sich dieses Jahr auf den Zeitraum vom 22. August bis zum 3. September und bietet wieder eine Vielzahl an Kursen für IT-interessierte Frauen. Von Kunigunde Leitner Allgemeine Infos Die „ditact women’s IT summer studies“ finden 2011 bereits zum neunten Mal in Salzburg statt. Zielgruppe der Sommeruniversität sind ausschließlich Frauen, denen mit dem Angebot der ditact bessere Chancen für den Einstieg in den IT-Bereich geboten werden sollen. Vor allem in Studiengängen dieser Fachrichtung an Universitäten und Fachhochschulen soll der Frauenanteil dadurch erhöht werden. Mit rund 30 Kursangeboten in den Bereichen IT-Management, IT-Grundlagen, IT-Vertiefungen, IT-Anwendungen und IT & Karriereplanung wird die Verwirklichung dieser Pläne angestrebt. Dabei gibt es neben Workshops und Kursen zweiwöchige Module im Angebot. Standorte der Sommeruni sind die Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Salzburg sowie die Fachhochschule in Urstein. Zur Anmeldung Um an den Kursen der ditact teilnehmen zu können, ist zunächst eine Registrierung auf

der Homepage von ditact (siehe Infobox) oder auf Facebook erforderlich. Danach ist es notwendig, Kurse auf einer Merkliste einzutragen. In dieser Phase der Anmeldung besteht die Möglichkeit, beliebig viele Lehrveranstaltungen einzutragen. Wenn die Auswahl getroffen ist, schickst du die Kursliste ab. Von jetzt an hast du noch die Chance bis 26. Juli 2011 Kurse wieder aus der Liste zu entfernen oder neue hinzuzufügen. Mit der Einzahlung der Gebühr wird die Buchung fixiert. Unterkunft, Kinderbetreuung und Besonderheiten Für Teilnehmerinnen, die eine Unterkunft benötigen, stehen Zimmer im Eduard Heinrich Haus zur Verfügung. Dazu ist lediglich eine Anmeldung im Zuge der Kursbuchung zu tätigen. Die Salzburger Jugendherberge bietet Zimmer ab 19 Euro und liegt nahe der Salzach im Stadtteil Hernau. Den Kursbesucherinnen wird außerdem eine kostenlose Kinderbetreuung durch das Kinderbüro der Universität Salzburg angeboten. Dafür ist es nur notwendig bei der Anmeldung Bescheid zu geben, ob und wie viele Betreuungsplätze man benötigt. Für Abwechslung ebenfalls gesorgt: Mit dem ditact-Stammtisch sowie speziell gestalteten Abendworkshops wird das Programm aufgelockert. Das Kursangebot Das Programm der ditact umfasst heuer Module und Workshops verschiedenster ITBereiche. Einige davon klingen besonders interessant: Workshop Kohle & Cash, Marie & Moneten Keine Vorkenntnisse notwendig sind bei die-

sem Seminar aus dem Themenfeld IT & Karriereplanung. Unter dem Motto „Über Geld spricht man nicht. – Wir schon!“ wird ein Tabuthema unserer Gesellschaft aufgegriffen. Dabei geht es vorrangig um den selbstsicheren Umgang mit Geld und Spaß an der eigenen Unabhängigkeit. Tipps für rasches Geldverdienen sind hier Nebensache. Trotzdem – oder gerade deswegen – ein spannender Kurs für jede von uns. Vorlesung Grundlagen des eLaw Nicht nur für IT-Interessierte, sondern auch für alle anderen Internetnutzer dürfte diese Vorlesung aus dem Bereich IT-Anwendung von Nutzen sein. Exemplarisch werden relevante Sparten des eLaw sowie des E-Commerce-Gesetzes und weiterer Rechtsgrundlagen durchgenommen. Vorwissen ist dafür nicht erforderlich. Workshop Web 2011 Dieser Workshop aus dem Themenbereich IT-Vertiefungen beschäftigt sich mit den aktuellsten Entwicklungen im Web. Dabei werden vor allem neue technische Möglichkeiten behandelt. Dafür sind allerdings Vorkenntnisse und Erfahrung mit HTML, CSS und Javascript nötig. Es handelt sich also um keinen Kurs für Anfänger. Für diejenigen, die bereits mit den Grundlagen von IT vertraut sind, dürfte sich diese Lehrveranstaltung jedoch lohnen. Weitere nützliche Infos Bestimmte Module und Workshops der ditact sind für Studiengänge im IT-Bereich anrechenbar. Für alle, die keine universitären Studien oder Lehrgänge in dieser Sparte absolvieren, einzelne Lehrveranstaltungen je-

doch aus Interesse besuchen wollen, besteht grundsätzlich die Möglichkeit sich diese als freies Wahlfach anrechnen zu lassen. Sollte eine Teilnehmerin an einem bereits gebuchten Kurs nicht teilnehmen können, ist eine schriftliche Stornierung bis 22. Juli 2011 möglich. Gebühren werden bei Abmeldungen bis zu diesem Datum rückerstattet.

Alle Module der ditact Informatik Intensiv • Workshop Programmieren lernen mit Java • Workshop Sortieren, Suchen und Optimieren • Workshop Netzwerk- und Hardware-Labor • Workshop Linux Systems Management • Workshop Teambuilding Kreativität - Reflexion Web Basismodul • Workshop PHP und MySQL • Workshop TYPO3 HCI • Workshop HCI Grundlagen • Workshop Usability Check Agiles Projekt mit Ruby on Rails Agiles Projekt mit Android M6: Netzwerke


UNI und SERVICE

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Liebe Leserinnen und Leser! Das ist die letzte Uni:Press-Ausgabe, die in dieser ÖH-Funktionsperiode erscheint. Mit den Wahlen im Mai wurden die Karten neu gemischt – die Koalition bleibt jedoch bestehen: GRAS und VSStÖ werden weiterhin in der ÖH für eure Interessen kämpfen. Ab dem Sommer wird allerdings ein neues Team in die Kaigasse ziehen und mit diesem viele neue Ideen für die kommenden zwei Jahre!

Auch in der Kaigasse 28 achten wir in unserem Verhalten gegenüber der Umwelt darauf, dass wir nachhaltig vorgehen. Mit kleinen Verbesserungen, wie die ausschließliche Verwendung von Recyclingpapier, kompostierbaren Bechern und den Verzehr von bio-regionalen Lebensmitteln bei Veranstaltungen leisten wir zwar einen kleinen Beitrag, sind uns aber bewusst, dass das Problem woanders liegt, nicht im Konsumverhalten einzelner. Denn oft sind Stromspar-Aktionen und der Erwerb von Öko-Artikeln nicht mehr als ein Beruhigen des Gewissens, leider jedoch wenig sinnvoll für eine tatsächliche Verbesserung.

Vom 24. bis 26. Mai wurde gewählt: Diesmal lag die Wahlbeteiligung in Salzburg bei knapp 27 Prozent. Im Vergleich zur vorigen Wahl haben also ein Drittel mehr Studierende ihre Stimme abgegeben. An dieser Stelle bedanken wir uns bei all jenen, die es geschafft haben, an einem der drei Wahltage von ihrem Mitbestimmungsrecht Gebrauch zu machen. Wir wollen uns auch für die ehrenamtlichen Tätigkeiten der StudienvertreterInnen und der FakultätsvertreterInnen sehr herzlich bedanken. Sie leisten einen großen Beitrag zum Bestehen der HochschülerInnenschaft durch ihre Beratung und Aktivitäten vor Ort. Apropos Beratung: Danke an Peter Engel und sein Team für die großartige Serviceleistung und die Unterstützung der Studierenden in allen Belangen rund um das Studium. Übrigens: Ab dem Wintersemester findet ihr das Beratungszentrum im neuen Uni:Park Nonntal. Zu guter Letzt bedanken wir uns bei unserem Team in der Kaigasse 28. Die letzten zwei Jahre waren gefüllt mit intensiver Arbeit, vielen Aktivitäten und auch spaßigen Momenten.

Nichts desto trotz wünschen wir ein angenehmes Lesen der Uni:Press und einen erfolgreichen Semester-Ausklang!

In dieser Uni:Press-Ausgabe befassen wir uns mit dem Thema Umweltschutz – das Wort des Jahres 1971. Man mag jetzt meinen, es wäre ein veraltetes Wort und assoziiert es vielleicht mit Wald und saurem Regen. Aber überlegt man einen Moment, ist es aktueller denn je, es haben sich nur im Laufe der Zeit die Begriffe dafür geändert. War es in den Neunzigern noch die „Globalisierung“, gingen wir bald zur „Klimakatastrophe“ über, bis wir heute eher das Wort „Nachhaltigkeit“ mit dem Begriff des Umweltschutzes verbinden, wenn nicht sogar gleichsetzen. Wir in der ÖH blicken über den universitären Tellerrand hinaus und beschäftigen uns auch mit gesellschaftspolitischen Themen, daher haben wir vor gut einem Jahr das mittlerweile etablierte Projekt „Uni:nachhaltig“ ins Leben gerufen. Die Uni hat auf Initiative der ÖH das Projekt „Plus Green Campus“ gestartet und wird nun endlich den Forderungen der Studierenden im Bereich Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Soziale Zukunftsfähigkeit gerecht.

© ÖH Salzburg

Euer Vorsitzteam | Tatjana, Svjetlana und Elli

v.l. Svjetlana Vulin, Tatjana Markl, Elli Piller.

Rezension

Bachelor statt Burnout – ein Ratgeber für leidgeprüfte Studierende Wie komme ich ohne Nervenzusammenbruch durchs BachelorStudium? Welche Methoden helfen Ängste, Unsicherheiten, Organisations- und Motivationsschwierigkeiten zu umgehen? Der Ratgeber von Rosaria Chirico und Beate Selders soll Antworten auf diese Fragen liefern. Wir haben rein gelesen!

Von Jürgen Plank Die Bolognareform sollte es uns Studierenden ermöglichen, besser und schneller zu studieren – das war offenbar zumindest die Intention der PolitikerInnen, als vor über 10 Jahren die Bologna-Deklaration unterzeichnet wurde. Es folgte eine völlige Umstrukturierung der universitären Studien mit dem Ziel einer europäischen Kooperation, Koordination und einheitlichen Hochschulabschlüssen. Dass es sich mit dem Bachelor und dem Master jedoch nur bedingt besser studieren lässt, bekamen unsere BildungsministerInnen im vorletzten Herbst zu spüren, als die Uni „brennen“ musste, um auf die Situation der Studierenden aufmerksam zu machen. Die AutorInnen des Buches gehen zu Beginn genau auf die Umstrukturierungen des Studiums nach Bologna ein, wollen jedoch vor allem Tipps und Ratschläge für ein stressfreies Studium liefern. Im Buch finden sich neben den Definitionen von positivem und negativem Stress, und wie sich dieser auf Leben und Körper auswirkt auch viele Rat-

schläge zur Stressbewältigung. Anfangs bietet das Buch sogar die Möglichkeit, die eigene Stresseinstellung zu testen womit analysiert werden kann, wie wir mit schweren Aufgaben umgehen. Die Strategien sind nicht nur fürs Studium, sondern auch darüber hinaus anwendbar. In den einzelnen Kapiteln finden die LeserInnen Tipps zur Prüfungs- und Präsentationsvorbereitung sowie Hilfestellungen für die Selbstorganisation. Dabei geht es vor allem um ein gutes Zeitmanagement und die richtigen Methoden, Stress zu vermeiden. So wird im Buch zum Beispiel angeraten, nicht nur To-Do-Lists sondern auch Have-Done Lists zu erstellen, auf denen bereits erreichte Meilensteine gezeigt werden. Wer einer Deadline hinterherhinkt, soll zuerst seine eigene Arbeitsweise analysieren, bevor man sich in den letzten Tagen vor Abgabetermin Koffein intravenös verabreicht und lange Nachtschichten einplant. Wichtige Tipps und Informationen stehen immer in grau hinterlegten Kästen, und da sich diese Struktur durch alle Teile des Buches zieht, ist es auch sehr einheitlich. Thema Lernen: Gerade für Studierende teilweise schwerer als man glaubt! Wie motiviert man sich nach einem Auslandssemester auf den Balearen oder in einer Erstsemestrigen Party-WG auf die schwere Prüfungsphase? Was ist, wenn die Nachbarin im Studierendenheim immer gerade um 2 Uhr morgens vor hat ihren SingStar Rekord zu brechen und auch ein Drohverweis auf etwaige vorhandene Mafiafreunde sie nicht davon abhält, weiter in schrillen Tönen „Dancing Queen“ zu kreischen? Viele Studierende flüchten in

die Bibliothek, aber wie ist die Situation dort? Jeder verzweifelt nach Büchern Suchende ist auf einmal auch viel interessanter als der phänomenologische Poststrukturalismus der frühen Moderne. Am Nebentisch hämmert eine Studentin in Rekordzeit auf die Tasten ihres Notebooks, das Handy vibriert, dort drüben quatschen zwei Leute über Facebookevents: Gefällt mir - nicht! Mehr als 60.000 Gedanken durchlaufen täglich unser Gehirn – bei manchen Menschen, die man kennt nahezu unvorstellbar. Das Buch empfiehlt, um nicht von einer Reizwelle überschwemmt zu werden, alle Medien – Handy, Email, Facebook auszuschalten. Eine passende Lernumgebung sowie ein guter Arbeitsplatz sind fast genauso wichtig wie das eigentliche Arbeiten bzw. Lernen an sich. Ein Teil des Buches ist nur dem Bereich des „Lernen lernens“ gewidmet. Wer kennt es nicht? Die typischen Ausweichhandlungen vor dem Lernen. Wo man doch noch ganz schnell die Wohnung saugen, Stifte spitzen, einen ach so wichtigen Anruf beantworten, Kaffee trinken und googeln muss was „Faulheit“ auf Tschechisch, Nepalesisch oder Swahili heißt. Jeder lernt anders, da ist es egal ob man mit seinen Aufzeichnungen leise murmelnd durchs Zimmer läuft, Monologe führt, seltsame Grafiken um 3 Uhr morgens erstellt, nebenbei Musik hört oder Lerngruppen beitritt. Wichtig ist nur, sich den Stoff über möglichst viele Sinneskanäle einzuprägen. Im Buch wird jedoch angeraten, den letzten Tag vor der Klausur „lernfrei“ zu verbringen, dass sich der Lernstoff auch setzen kann. Die AutorInnen führen zudem an, dass es zum Beispiel erst nach etwa 15 Minuten

möglich ist, sich wirklich vollständig auf eine Materie oder einen Lernstoff zu konzentrieren und auch das nur, wenn man nicht von Nebengeräuschen oder anderen Einflüssen gestört wird. Hat man das Studium hinter sich gebracht, werden im Buch noch hilfreiche Tipps für den Start ins Berufsleben geliefert. “Bachelor statt Burnout“ zeigt auf, dass man sich vor allem erst über seinen eigenen Ziele und Stärken klar werden soll. In Summe kommen in diesem Werk 15 AutorInnen zu Wort und berichten über ihre Erfahrungen mit Studium und Beruf. Abgerundet wird der Ratgeber aus dem Vandenhoeck & Ruprecht Verlag mit weiteren Literaturempfehlungen, Internetlinks und vielen Checklists, welche die LeserInnen individuell für sich bearbeiten können und die offenbar auch zur mentalen Stärkung beitragen sollen. Das Buch „Bachelor statt Burnout“ ist gerade für StudienanfängerInnen sicherlich sehr empfehlenswert, denn es liefert Basics für viele Bereiche des Studiums aber auch Ratschläge wie es nach dem Abschluss weiter gehen kann.

Infos zum Buch Bachelor statt Burnout: Entspannt studieren - Wie geht das? Rosaria Chirico / Beate Selders Vandenhoeck & Ruprecht Verlag 14,90 Euro


UNI und SERVICE

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Neue Hürden für Erstsemester Wissenschaftsministerin Karl und Unterrichtsministerin Schmied einigten sich Mitte Januar auf einen verschärften Uni-Zugang ab nächstem Wintersemester. In der Studieneingangsphase von sogenannten „Massenfächern“ soll es nur noch zwei erlaubte Prüfungswiederholungen geben. Außerdem müssen MaturantInnen ab nächstem Jahr eine fristgerechte Studienberatung aufweisen um überhaupt studieren zu dürfen. Wir haben uns auf der Uni umgehört, was die Studierenden davon halten.

© Jürgen Plank

© Jürgen Plank

© Jürgen Plank

Von Jürgen Plank

Sabrina Kweton, 21, Kommunikationswissenschaft

Klaus Schächner, 24, Kommunikatioswissenschaft

Stefan Simader, 26, Geschichtswissenschaft

Prinzipiell halte ich eine Studienberatung für eine gute Idee. So können die Zahlen ein wenig eingedämmt werden. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass Jugendliche mit 18 oft noch nicht Bescheid wissen wie so ein Studium läuft und trotz verpflichtender Studienberatung kann die Frist sich bis 31. August für ein Studium entscheiden zu müssen, definitiv zu kurz sein. Dieser Druck kann zu einer Kurzschlusshandlung und einer unüberlegten Inskription führen. Gerade im ersten Semester, merkt man den großen Unterschied zwischen Schule und Uni, sodass man ein wenig Eingewöhnungszeit brauchen kann. Außerdem gibt es in den Eingangsphasen oft sehr viele Prüfungen. Da kann eine Prüfung schon daneben gehen. Wenn die Zahl der Prüfungsantritte herabgesetzt wird kann der Druck schon sehr groß sein.

Diese Verschärfung ist eine reine Schikane. Statt mehr Geld in den Lehrbetrieb zu investieren wird auf eine recht unmenschliche Art und Weise versucht die Studierendenzahl zu reduzieren. Im Endeffekt ist die Reduktion der Prüfungsantritte nichts anderes als eine versteckte Knock-Out-Eingangsphase. Das ist sicher alles andere als fair! Die Studienberatung halte ich für nicht ganz unvernünftig. Jeder soll sich nach dem Abitur oder der Matura Gedanken über seinen zukünftigen Weg und sein Studium machen. Trotzdem sollte auch diese Studienberatung nicht verpflichtend sein.

Mich betrifft das ganze ja nicht mehr, aber zum Beispiel meinen Bruder der im kommenden Wintersemester mit dem Studium anfängt. Der darf sich schon mit der verpflichtenden Studienberatung herumärgern. Diese Studienberatung sollte meiner Meinung nach auch auf freiwilliger Basis sein und nicht verpflichtend. Ich habe so eine Studienberatung auch einmal gemacht und bei meinem Test kam als Studienfach Physik mit neunzig-prozentiger Mehrheit heraus. Physik aber, hat mich schon in der Schule nie interessiert, also muss man bei diesen Studienberatungen vorsichtig sein. Auch diese Knock-Out-Prüfungen sind alles andere als gut durchdacht. Man kann einmal einen schlechten Tag erwischen und schon hat man ein Problem. Es sollte weiterhin drei Prüfungswiederholungen geben.

Sportstätten für „JEDERMANN“ in Salzburg ? Allgemein wird von allen Seiten immer mehr und öfter beklagt, dass unsere Kinder immer dicker und bewegungsfauler werden. Aus übergewichtigen Sprösslingen werden kranke Erwachsene. Was also liegt näher, als Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen ungezwungene Sportmöglichkeiten zu bieten, die sie frei und ohne Verpflichtungen nutzen können? Von Jennifer Rödl Gerade als JugendlicheR (oder Studierende) will man sich oft nicht unbedingt einem Verein (mit all seinen Verpflichtungen und Reglements) anschließen, sondern es wird bevorzugt, sich in ungezwungener Atmosphäre mit Freunden treffen zu können, ein wenig zu sporteln und zu „chillen“. Nur da, wo das Ganze nicht sofort auch Leistung bedeutet, können wir in einer leistungsorientierten Gesellschaft mehrere Menschen dafür begeistern. Sportarten und Sportstätten, die frei verfügbar und deren Benutzung gratis ist, sind in Salzburg allerdings rar gesät. Was also tun, wenn es einen nicht in die wunderschönen Berge vor unserer Haustür zieht? Es gäbe die Möglichkeit im Park Fußball zu spielen (in manchen stehen Mini-Eisentore)

oder sich eine Slackline zu spannen, Streetball zu spielen, da wo Platz und Korb vorhanden sind. Zu den sicherlich populärsten und „boomendsten“ Sportarten gehört Beachvolleyball. Ein Sport, der wenig Equipment benötigt, einen hohen Fitnessfaktor hat und auch mit geringen Kenntnissen von den AkteurInnen betrieben werden kann. Junge wie Alte lassen sich in Österreich nicht nur für den GrandSlam in Klagenfurt begeistern. Nicht erst seit der Diskussion um ein Hallenbad in Salzburg und der Unfähigkeit dies umzusetzen, entsteht der Eindruck, dass Salzburgs Politik sich selbst als Kulturstadt versteht und wohl kaum als Sportstadt (mal abgesehen von der Förderung für die Eliten). Es gibt zwar punktuell immer wieder herausragende Aktionen, wie z.B. die im Winter stattfindende „Midnight-Sports and Music“ , die an einigen Freitagen in der Riedenburg Halle stattfand oder das sommerliche Movida Festival, jedoch das ganze Jahr über frei zugängliche Sportstätten oder Beachvolleyballplätze gab es kaum bis gar nicht. Alte Plätze wurden neu aufgebaut und eingezäunt (zum Beispiel das Sportzentrum Mitte8 alte Union), um etwaigen nicht zahlenden Pöbel fernzuhalten. Die bis vor kurzen einzigen gratis Plätze in Salzburg (Klessheim) waren und sind ständig überfüllt. Dieses Jahr hat sich nicht nur der Europark als privater Anbieter entschieden, seinen Beachvolleyball Court am Theater Platz wieder

aufzuschütten. Es tut sich aber mehr: Scheinbar hat auch die Landesregierung erkannt, dass es durchaus sinnvoll ist, der Jugend selbst die Möglichkeiten für eine ausgeglichene, sportliche Freizeit in die Hand zu legen. Deshalb wurde nun vorerst bis September im Volksgarten ein Beachvolleyball Platz aufgeschüttet, der so genannte „SalzBeach“, maßgeblich dafür eingesetzt hat sich der Jugendkoordinator der Stadt Salzburg, Jürgen Höfferer. Zwei Mal pro Woche wird ein Training für die Öffentlichkeit angeboten, untertags stehen die Plätze der Allgemeinheit zur

Verfügung, Beachsoccer steht freitags und samstags am Programm. Fürs Strandfeeling gibt’s auch noch eine Beach Bar mit Liegen. Und auch „Ballathon“, ein Triathlon der Ballsportarten ist von Mitinitiator Andy Drewing wieder geplant. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Platz auch nächstes Jahr wieder aufgebaut wird und dass noch viele mehr folgen!

© Jennifer Rödl

Der Volleyballplatz am Salzbeach.


UNI und SERVICE

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Kreuzfahrt nach Balkonien Das Sommersemester geht dem Ende zu, die letzten Uni-Kurse werden abgeschlossen und trotzdem hört für viele StudentInnen die Arbeit nicht auf. Mit Ferienjobs und Praktika sichern sie sich die Finanzierung des nächsten Semesters. Da dürfen zumindest ein paar Tage Erholung danach – oder auch zwischendurch – nicht fehlen. Urlaubsplanung ist angesagt!

Von Kunigunde Leitner Sommer, Sonne, weißer Sandstrand, türkisfarbenes Meer, ein fruchtiger Cocktail (eisgekühlt natürlich) in der einen Hand, die gerade eben aus dem Sand ausgegrabene Muschel in der anderen, das Rauschen der Wellen im Ohr, Sambamusik im Hintergrund…Klingt

Die „modern day“-Methode Also ran an den Computer, StudentInnenreisen in die Suchmaschine eingeben und… Es gibt sie doch! StaTravel ist die erste Homepage, die einem ins Auge sticht. Als einer der größten Anbieter für Jugend- und StudentInnenreisen bietet StaTravel günstige Flüge mit allen möglichen Destinationen. Der Nachteil dabei: die Unterkunft muss dazu erst extra gesucht werden. Eine komplette Urlaubsreise zu Preisen für unsereins ist auch hier auf den ersten Blick nicht zu finden. Dafür hat man Gelegenheit auf andere interessante und vor allem alternative Reiseangebote zu stoßen. Wer die Onlinekataloge von StaTravel durchblättert kann beispielsweise die durchaus interessant klingende Rubrik „Reisen und Helfen“ entdecken. Was man sich darunter vorstellen kann? Nun, vor allem Reisen, die damit verbunden sind Projekte in allen Kontinenten zu unterstützen, wie der Aufenthalt und die Mithilfe auf einer Biofarm in Ecuador. Da es sich dabei keineswegs um einen gemütlichen Strandurlaub handelt, ist diese Art zu reisen allerdings sicher nicht jeder-

hört sich das Ganze dann aber doch nicht an. Wo bleibt da der Regionalbezug? Also weitergesucht. Nächster Fund im Reiseangebotsdschungel: „Forum anders reisen“. Von Strandurlaub über Schiffs- und Radreisen lässt sich hier alles finden. Kein Wunder handelt es sich dabei doch um einen Zusammenschluss von 130 Reiseanbietern, die sich dem nachhaltigen Tourismus verpflichtet haben. Von „Weltweitwandern“ dazu animiert, technische Verkehrsmittel außen vor zu lassen, nehmen wir dieses Mal Radreisen unter die Lupe. Auch hier besteht die Möglichkeit, die verschiedensten Länder per Drahtesel zu erkunden. Da wir als nachhaltig denkende Reisende auch den regionalen Tourismus etwas fördern möchten, konzentrieren wir uns auf Österreichtouren und werden auch prompt fündig. Ab 412 € können RadfahrerInnen zwischen Wien und Budapest den Osten Österreichs sowie den Westen Ungarns innerhalb von sieben Tagen entlang der Donau erkunden. Vor allem für Sportbegeisterte und NaturgenießerInnen eine ansprechende Alternative. Und für die weniger Sportlichen unter uns? Da werden wir sicher auch noch was finden.

ein paar Möglichkeiten offen. Die Internetseite www.reisegeier.at bietet eine Sparte mit Reisen bis zu 350 € in Länder wie Spanien, Griechenland, Portugal, Türkei oder Tunesien. Für billige Last-Minute-Buchungen bietet sich auch die Restplatzbörse an und unter www.billigerreisen.com kann man nach günstigen Angeboten stöbern. Die Chancen, ein leistbares Urlaubsziel zu finden stehen prinzipiell also gar nicht schlecht. Letzte Alternative – Balkonien Trotzdem. Nach ewig langem Suchen nach geeigneten Reisedestinationen, möglichst billig, dennoch erholsam und eventuell auch ein wenig abwechslungsreich, gibt es vielleicht doch noch jemanden der überhaupt nichts gefunden hat, was seinen Wünschen und Vorstellungen entspricht. Dann also doch zu Hause bleiben? Wieso auch nicht? Geld spart man dadurch auf jeden Fall, in Bezug auf Verpflegung und Unterkunft kann man keine bösen Überraschungen erleben und das mühsame Kofferpacken fällt auch weg. Der Umwelt wird es ebenfalls nicht © K. Leitner

© K. Leitner

Die allgemeine Vorstellung vom Urlaubsparadies – ein Sandstrand mit Palmen.

doch nach dem perfekten Urlaub, oder? Wäre es wohl auch, wenn da nicht diese winzige Kleinigkeit namens Liquiditätsmangel – zu Deutsch: fehlendes Kleingeld – im Weg stünde. Was also tun, wenn man sich die Kreuzfahrt um 3.000 € sicher nicht leisten kann, aber trotzdem einen schönen Urlaub genießen möchte? Die altbewährte Methode Das Naheliegendste zuerst: der Gang zum Reisebüro. Mit der größten Motivation und dem Wunsch nach einer kurzen (Das ist genau das, was ich will! Da brauch ich nicht länger zu suchen!) und möglichst wenig deprimierenden (Wie soll sich das denn einer leisten?) Unterhaltung wird die Sache angegangen. Eine halbe Stunde später ist man schon schlauer geworden. Die Kreuzfahrt ist eindeutig nicht finanzierbar, der Südseeurlaub wird’s wohl auch nicht werden, aber ein gemütlicher Strandurlaub am Mittelmeer könnte drin sein. Ab 450 € aufwärts bieten sich 7 Tage unter der Sonne von Kreta an. Flug, 3-Sterne-Hotel und Halbpension inklusive. Gleiches gilt für eine Woche Mallorca, Türkei oder Tunesien. Klingt nicht so schlecht. Ob es denn so etwas wie eine StudentInnenermäßigung geben würde? Leider, nein. Schade, aber die Suche nach dem perfekten Urlaub hat ja gerade erst angefangen. Vielleicht lässt sich etwas im Internet finden.

manns (bzw. jeder Frau‘s) Sache. Die Grundidee dahinter klingt jedoch ansprechend und führt uns zu einer weiteren Urlaubsmöglichkeit: dem Ökotourismus. Urlaub einmal anders – nämlich nachhaltig Was ist Ökotourismus denn eigentlich genau? Ganz allgemein betrachtet steht die Bezeichnung für umweltverträglichen Tourismus, der negative Umweltauswirkungen zu vermeiden sucht, aber auch den Tourismus auf regionaler Ebene fördern soll. Weiters umfasst der Begriff auch Reisen in Naturschutzgebiete. Da diese Art des Tourismus nicht nur der Natur, sondern auch unserem Gewissen gut tun wird, sehen wir uns einmal an, was sich dazu alles finden lässt. Mit der Suche unter dem Begriff Ökotourismus oder auch Nachhaltiger Tourismus findet man auf den ersten Blick nicht gerade eine Vielzahl an Reiseangeboten. Zwei Anbieter nachhaltiger Reiseangebote lassen sich aber dann doch recht schnell entdecken. „Weltweitwandern“ zum Beispiel hat sich darauf spezialisiert, Wanderreisen in jeden Teil der Welt anzubieten. Umweltverschmutzende Verkehrsmittel werden am Urlaubsort vermieden, das bewährte Fortbewegungsmittel Fußmaschine kommt bei dieser Art des Reisens zum Einsatz. Für Wanderbegeisterte sicher reizvoll. So ganz überzeugend sieht und

Eine eigene Jacht für einen Ausflug aufs Meer können sich nur die wenigsten unter uns leisten – aber man darf träumen!

Wir fahren mit der Eisenbahn, und wer fährt mit? Kreuzfahrt und Fernreisen haben wir preisbedingt bereits ausgeschlossen und mit dem Auto zu fahren kommt der Umwelt zu liebe sowieso nicht in Frage. Der Strandurlaub am Mittelmeer ist im Moment der beste Erholungstipp, mit Wander- und Radreisen haben wir für die Sportlichen unter uns etwas gefunden. Was gibt es sonst noch? Genau, die Bahn. Dann schauen wir doch mal, was die ÖBB uns so zu bieten hat. Angebot Nummer 1: die Sparschiene. Ab 19 € aufwärts bietet sich die Möglichkeit, verschiedenste Städte Europas zu erkunden. Prag, Budapest, Zürich…die Auswahl klingt nicht schlecht. Einziger Nachteil: nicht jede Stadt ist auch von jedem Bahnhof in Österreich aus zu erreichen. Angebot Nummer 2: Mit Interrail reist man durch den ganzen Kontinent ab 169 €. Wer also nicht unbedingt auf Sonne, Strand und Meer für seine Erholung angewiesen ist, sondern sich zur Abwechslung mal Europas schönste Städte ansehen will, wird hier sicher auf seine Kosten kommen. Was es sonst noch so gibt Einige nicht allzu teure Reiseangebote haben wir bisher auf unserer Suche bereits entdeckt. Diejenigen von uns, die immer noch nach dem Richtigen suchen, haben trotzdem noch

schaden, wenn ein paar TouristInnen weniger das Restkerosin dieser Welt verbrauchen. Als „Ersatzmeer“ muss eben der Pool oder der nahe gelegene See herhalten, statt Sandstrand gibt es die Blumenwiese und den fruchtigen Cocktail mixt man sich selbst. Fehlt nur noch die Sambamusik, aber die lädt man sich halt schnell vom Internet auf den i-Pod runter. Wer weiß, vielleicht ist Balkonien am Ende das beste Urlaubsziel überhaupt. LINKS StudentInnenreiseangebote unter: www.statravel.at Informationen zu nachhaltigem Tourismus unter: www.fairunterwegs.org/themen/ nachhaltige-initiativen/oekotourismus. html, www.nachhaltigkeit.at/article/articleview/77254/1/25540/ Reiseanbieter für nachhaltigen Tourismus: forumandersreisen.de/, www.weltweitwandern.at/ Bahnreisen: www.oebb.at Billigreisen unter: www.reisegeier.at/reisen-bis-350-euro, www.restplatzboerse.at, www.billigerreisen.com


UNI und SERVICE

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Wir lesen uns die Münder wund Wer sich für junge Literatur interessiert, für den sollte der Literaturwettbewerb „Wir lesen uns die Münder wund“ schon längst ein Fixtermin sein. Seit drei Jahren bietet das Jugendkulturzentrum MARK mit diesem Event eine Plattform für junge AutorInnen. Auch dieses Jahr ging er wieder über die Bühne, wir waren beim dritten Termin der Vorrunde dabei. Von Sandra Bernhofer Schauplatz MARK.freizeit.kultur: „Hui, eine Spinne!“, grölt der stadtbekannte Underground-Künstler Peter W., obwohl es ein schwarzer Plastiksalamander ist, den er mir unter die Nase hält. Naja, das kann man wohl unter künstlerischer Freiheit verbuchen, immerhin befinden wir uns kurz vor dem Beginn der dritten Vorrunde des Literaturwettbewerbs „Wir lesen uns die Münder wund“, der heuer bereits zum dritten Mal über die Bühne geht und auf der Idee von Stefan Ebner und dem Jugendkulturverein MARK basiert. Unterstützt wird der Contest vom Literaturhaus Salzburg, der Literaturgruppe erostepost und dem Land Salzburg unterstützt. Der Grund-

gedanke hinter dem Konzept ist der, nicht kommerziell etablierten Autorinnen und Autoren eine Plattform zu bieten, auf der sie in intimem Rahmen ihre Fähigkeiten im literarischen und rhetorischen Bereich vor einem Live-Publikum testen können und sich darüber hinaus mit anderen Schreibenden messen und auszutauschen können. Eine besondere Rolle kommt dabei dem Publikum zu: Es wird nicht auf die passive Rolle des Zuhörers/ der Zuhörerin, beschränkt, sondern kann aktiv mitentscheiden, wer in die Finalrunde kommen soll. Die FinalistInnen, drei sind es an der Zahl, werden im Abstand von jeweils einer Woche ermittelt, nicht mehr als zehn Personen treten pro Termin an. Enorme Bandbreite der literarischen Beiträge Bei einer solchen Vorrunde befinden wir uns also gerade: Rund 30 Leute sitzen in einem in Dunkelheit getauchten Raum, nur auf die Bühne aus gelben Spanplatten – darauf ein ausgeblichener Blümchenteppich, eine weiße Couch und ein rustikales schwarzes Tischchen – ist ein gleißender Scheinwerfer gerichtet. Das also ist das Setting für die große Battle der NachwuchsliteratInnen. Neun treten heute gegeneinander an. Von PennälerLyrik über Ansichten eines Kindergärtners bis hin zu verspielter Wortakrobatik und ei-

ner Poetry-Slam-Darbietung ist alles dabei, wobei die Qualität ebenso stark variiert wie die Inhalte – das Thema Liebe ist ein stark vertretenes, genauso wird aber auch Gesellschaftskritik geübt. Den Beginn macht Eva Müller, die so akzentuiert spricht wie man es sonst nur von SchauspielerInnen hört und sich in ihrem Beitrag die Geschichte von einem Zitronen- und einem Orangendorf erzählen lässt, die einander an einem reißenden Strom wie Spiegelbilder gegenüberliegen, bis die Liebe von zwei Kindern das Unmögliche möglich macht: Eine Brücke wird über den Fluss gebaut, die Kinder, inzwischen zu jungen Erwachsenen herangewachsen, küssen sich in deren Mitte. Auf die Frage des lyrischen Ichs, was aus den beiden wurde, meint der Erzähler lakonisch: „Meine Eltern.“ Klaudia Wrzecionko liest eine Geschichte mit dem richtigen Maß an Spannungsaufbau und Cliffhangern über einen Ehemann, der seine Frau dazu ermutigt, sich auch außerhalb der Ehe zu „amüsieren“. Wer genau hinhört, erkennt in diesem Text ein alternatives Ende zum Plot des Films „Breaking the Waves“. Beim Publikum sorgt Roman Gerold mit „Als ich einmal Endgegner war“ immer wieder für belustigtes Schmunzeln: Seine Erzählung ist eine Aneinanderreihung von abstrusen Metaphern und exquisiten Gedankensprüngen durch eine Super-Mario-Welt. Katharina Töpfer wählt die ungewöhnliche

Uni-Press-geprüfter Persönlichkeitstest: Welcher Studi-Typ bist du?

Das Sommersemester geht in die heiße Prüfungsphase. Die Hörsäle werden gestürmt, in der Aula wird getratscht, in der Mensa gefuttert und in den Bibliotheken gestrebert. Und überall sind die verschiedensten Studierenden in allen Farben und Formen. Letztlich kann man alle StudentInnen in Stereotypen packen und in Schubladen stecken. Aber welcher Studi-Typ bist du?

Von Jürgen Plank

© aboutpixel.de/ Ralph Müller

Wie sieht’s auf deinem Schreibtisch aus? A: Schreibtisch? Welcher Schreibtisch? Ahja, der ist unterm Klamottenberg und der Fahne von Bob Marley verschollen. B: Eine absolute Katastrophe! Meine WG Mitbewohnerin hat vorgestern meine streng nach Stärke sortierten Blei- stifte durcheinandergebracht. Außerdem hab ich keine grünen Post-Its mehr. Und im Geschäft gab’s keine kar- rierten DIN A4 Hefte mit Korrekturrand. C: Auf meinem Schreibtisch steht die Sammleredition aller „Chroniken von Narnia“- Figuren, nebst meinem getunten High-End-Spiele-Notebook und meiner Batman Lampe die das Batlogo an die Zimmerdecke wirft. D: Puh, keine Ahnung. War schon länger nicht mehr da heim. Ich ruf mal meinen WG Mitbewohner an, der kann nachschauen. Hast du auf deinem E: Auf dem Schreibtisch liegt mein Slawistik-Reader. Schreibtisch auch so einen Daneben noch ein wenig Marx, Adorno und Tolstoi. Bücherstapel? Und Baudrillard als Nachtlektüre. F: Schreibtisch ist ein Mix aus Küche und Hausapotheke. Kaffeemaschine, Koffeintabletten, Red Bull und ein Kissen zum Powernappen. Was ist dein Plan fürs Sommersemester? A: Im Sommersemester mach ich wegen dem schönen Wetter meistens a bisserl weniger. Einfach mal chillen. B: Mein Sommersemester hab ich schon zwei Wochen vor der PlusOnline Anmeldung für die Lehrveranstaltungen völlig durchgeplant. Die ProfessorInnen, die ihre Kurse noch nicht reingestellt haben, wurden telefonisch kontaktiert und über die spezifischen Kurs- inhalte befragt. C: Endlich meinen Erzfeind Dr. Evil bezwingen um Zeit fürs Studium zu haben. D: Ich möchte gerne etwas mehr Zeit mit meinen Kumpels und FreundInnen verbringen. Die hab ich wegen meinem stressigen Studium kaum gesehen. E: Im Sommersemester trete ich meine vierte TutorInnenstelle an. Nebenbein bin ich freiwilligeR LektorIn für drei Fachpublikationen, unter anderem dem Cooper-Nowitzki Theorem. F: Da ich im Wintersemester hauptsächlich Nachtrodeln und Boarden war und eine Studie über die verschiedensten Geschmacksrichtungen internationaler Biersorten im Sham-

Herangehensweise eines PR-artigen Wordraps und sorgt mit ihren Ausführungen über die Planbarkeit der Liebe für Aufsehen. Mike (mit Ausrufezeichen, bitte) schließt den Reigen mit Lyrik, die sich pointiert, treffend und fast comedy-haft um ein Pärchen nach dem Sex dreht. Die FinalistInnen rittern im Literaturhaus mit ihren Texten um die Krone der Salzburger JungliteratInnen. Eröffnet wird das Finale mit einer Lesung aus dem Roman „Brenntage“ von Michael Stavaric, der dann unter anderem mit Vorjahressieger Robert Presslaber in der Jury sitzt. Dem Gewinner bzw. der Gewinnerin winkt als Preis eine Buchpublikation in einer Auflage von 200 Stück. Für Leute, die sich für Literatur interessieren, sollten sich diesen Termin schon einmal rot im Kalender anstreichen!

Finalrunde im Literaturhaus Ort: Strubergasse 23 / H.C. Artmannplatz Termin: Fr, 10.6.2011, 20:00 Eintritt: 5 € bzw. 3 € Veranstalter: erostepost, MARK.freizeit. kultur, Verein Literaturhaus

rock und „Alchimist Belge“ initiiert habe, muss ich ein wenig Arbeit nachholen und mich im Sommersemester reinhängen.

Was gibt’s zum Mittagessen? A: Vietnamesisch Kochen mit FreundInnen. © Jürgen Schober B: Irgendwelche Nudeln mit irgendeiner Soße. C: Chips und Fischstäbchen. D: Entweder Pizza bestellen oder nen Toast in der Mensa. E: Medaillons mit Gorgonzola, Walnüssen, Tagliatelle und Weißbrot mit afrikanischem Chakalaka Dip. Der perfekte gustatorische und olfaktorische Genuss! Und zudem gute Hirnnahrung! Fünf Kaffee am Tag, das muss sein. F: Egal was, Hauptsache Kaffee ist da! Was würde dich von den unten aufgezählten Aktivitäten am meisten interessieren? A: Im Fernsehen einen Reisebericht über fremde Länder und Kulturen ansehen. B: Die Monatspläne und Aktivitätenliste für das nächste Quartal konzipieren. C: Endlich das legendäre Schwert Frostmourne vom noch legendäreren ultrabösen Drachen Deathwing erbeuten! D: Mich mit Freunden verabreden oder den Studierendenmittwoch planen. E: Meine Hobbys sind das Lesen und Analysieren der Spannungsverhältnisse zwischen redaktionellen und publizistischen Anforderungen an Redaktionen einerseits und den ökonomischen Zwängen andererseits. Neben Schach und Börsen-Simulationen inte- essiere ich mich auch noch sehr für Ansätze der politischen Ökonomie, die einen engen Zusammenhang zwischen der kommerziellen und redaktionellen Logik postuliert. F: Kaffee intravenös. Oder mich mit FreundInnen auf einen doppelten Espresso treffen. Welcher Buchtitel gefällt dir am besten? A: Anleitung zur Weltverbesserung. Das machen wir doch mit links! B: Nichts vergessen! Kopftraining für ein Supergedächtnis. C: Der Herr der Ringe D: The Bro Code (für Männer) oder „Perfekte Partys. Richtig Planen. Entspannt vorbereiten. Stressfrei genießen. Mit einem Vorwort von Sir Elton John (für Frauen). E: So gewinnt man den Nobelpreis: Das Geheimnis guter Wissenschaft. F: Endlich wieder gut schlafen: Der ganzheitliche Schlafratgeber. Die Auflösung mit den Typus-Klassifizierungen gibt’s auf Seite 23.

Das ist meine kleine Nachtlektüre, und was liest du so?


UNI und SERVICE

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Psychische BeeinträchtigungWer ist WIR? Und wer sind DIE? Wer definiert, wo die Grenzen zwischen psychisch krank und normal liegen und was bedeutet es überhaupt psychisch krank zu sein? Psychische Störungen werden zwar häufig in den Medien thematisiert, aber dennoch in ihrer Ganzheit tabuisiert und sind in der Gesellschaft nicht repräsentiert. Wer sind also „Wir“ und wer sind „Die“?

- ein momentan häufig verwendeter Begriff - wird übrigens nicht im ICD-10 als psychische Störung angeführt. Hier merkt man, dass es sich häufig auch um gesellschaftliche Konstruktionen handelt. Außer Acht gelassen werden darf zudem nicht, dass es sich bei psychischen Störungen um Krankheiten handelt, daher den Betroffenen keine Schuld trifft, wie es zumal häufig Suchterkrankten, aber auch anderen widerfährt. Psychische Beeinträchtigung im Studium

Von Barbara Rodinger Psychische Störungen werden gerne mit typisch medial vermittelten Beeinträchtigungen wie Depression, Schizophrenie und Burn-out in Verbindung gebracht. Dadurch aber wird nur ein geringer Teil aller Krankheitsbilder abgedeckt. Dazu einige Beispiele, die häufig nicht als psychische Störung bekannt sind (entnommen aus dem ICD-10, Handbuch der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen):

Gerade in der Phase zum Erwachsenwerden entstehen viele neue Probleme. Junge Menschen befinden sich am Beginn des Studiums noch in einem Entwicklungsprozess und in der Identitätsbildung. Hinzu kommt, dass gerade der Leistungs- und Erfolgsdruck im Bildungsbereich enorm ist. Im universitären Sektor geht es ganz stark um Intellektuelles,

den. Am Häufigsten genannt wurden Depressionen bzw. depressive Verstimmungen (ca. die Hälfte von den 4%), Angststörungen (fast 20%), sowie Burn-out (7%), bipolare Störungen und Borderline-Syndrom (je 2%), Bulimie und andere Essstörungen (8%). Angegeben wurden auch weitere Krankheitsbilder wie Aufmerksamkeitsdefizitstörung, Posttraumatische Belastungsstörung und Asperger-Syndrom, Dysthymie und Neurose. Bei 1,1% (etwa 3.300) der Studierenden ergeben sich durch die Erkrankung ständig negative Auswirkungen im Studium, wobei sich weitere 2,3% (knapp 7.0000) zumindest zeitweise beeinträchtigt fühlen. 19% der Studierenden mit psychischer Erkrankung waren im Wintersemester 2009/10 prüfungs- und 11% studieninaktiv. Somit kommen Studierende mit psychischer Erkrankung in ihrem Studium häufig langsamer voran als es der Regelstudiendauer entsprechen würde und weisen mit 32% eine besonders hohe Unterbrechungsquote auf.

Sensibilisierung und Aufklärung Um den Betroffenen ein Stück weit zu unterstützen, hat das gesellschaftspolitische Referat der ÖH für Studierende mit psychischer Beeinträchtigung eine Broschüre erstellt, die ab Juli sowohl gedruckt als auch online verfügbar sein wird. Dort finden betroffene StudentInnen Informationen zu Definitionen, Krankheitsbildern nach ICD-10, Rechten im Studium, Unterstützungsleistungen, Anlaufstellen als auch Erfahrungsberichten von Studierenden.

Überfliegt man nun die Liste psychischer Störungen im ICD-10, verwundert es kaum, dass jeder zweite Mensch im Laufe ihres/ seines Lebens an einer psychischen Störung erkrankt und sich in Behandlung begibt. (Die Zahlen fallen hier unterschiedlich aus, so nennt das EU-Grünbuch mehr als 27%, führt hier aber eine 12-Montas-Prävalenz an).

Eine psychische Störung darf und soll deshalb niemals getrennt vom sozialen Kontext betrachtet werden. Wenn gesellschaftlichen Vorstellungen in der Interaktion und Kommunikation nicht entsprochen wird, wird eine psychische Störung oft erst nach außen hin „sichtbar“ und je nachdem, wie das soziale Umfeld auf bestimmte Verhaltensmerkmale reagiert, werden Menschen benachteiligt, ausgeschlossen oder integriert. Homosexualität galt zum Beispiel noch bis 1992 als psychische Störung, wurde aber aus dem ICD-10 entnommen, da Probleme nicht durch eigene Neigung, sondern durch diskriminierende Reaktionen der sozialen Umwelt verursacht werden. Das sogenannte Burn-out

Hierzu wird im Bericht der sozialen Lage gesundheitlich beeinträchtigter Studierender auch angeführt, dass die häufigsten Probleme aufgrund unvorhergesehenen Studienunterbrechungen und Prüfungsmodalitäten, sowie der Studienorganisation entstehen. Die Abwicklung von Förderanträgen stellen für mehr als ein Drittel der Studierenden mit psychischer Erkrankung eine Hürde dar und etwa 50% der Studierenden mit psychischer Beeinträchtigung haben aufgrund ihres Krankheitsbildes spezifische Bedürfnisse im Studienalltag. Dabei wird bei mehr als einem Drittel auf diese gar nicht oder nicht eingegangen. 78% der Studierenden mit psychischer Erkrankung sei es übrigens lieber, wenn möglichst wenige Menschen über ihre Erkrankung Bescheid wissen. Um einer möglichen Stigmatisierung zu entgehen, suchen viele Betroffene erst dann Hilfe, wenn der Leistungsdruck schon extrem groß ist. Darüber gesprochen wird häufig erst, wenn es dem Betroffenen wieder besser geht.

Legasthenie, Rechenstörung (Dyskalkulie) und Sehschwäche, jegliche Form von Abhängigkeit (beispielsweise Alkohol, Tabak und andere psychotrope Substanzen), Ess- und Schlafstörungen, motorische bzw. Koordinationsschwierigkeiten, Angststörungen sowie unterschiedliche Persönlichkeitsstörungen, sexuelle Funktionsstörungen, Intelligenzminderung und Demenz, usf.

Zudem wurde in diesem Sommersemester die Selbsthilfegruppe „Mut zur Angst“ für StudentInnen mit Angststörungen gegründet. Dort kann man sich über Probleme im Alltag und/ oder Studium austauschen, Erfahrungen schildern oder sich einfach mal informieren. Die Gruppe trifft sich einmal im Monat, jeden letzten Dienstag.

© Barbara Rodinger

Eine einheitliche und allgemein gültige Definition des Begriffes „Psychische Störung“ gibt es dennoch nicht, da die Beeinträchtigungen sehr stark variieren. Jedoch kann gesagt werden, dass eine psychische Störung ein auffälliges Verhaltens- oder psychisches Muster kennzeichnet, welches zu momentanen subjektiven Leiden, einer persönlichen Beeinträchtigung und/ oder einem Verlust von Freiheit in Form von eingeschränkter Teilnahme am sozialen Geschehen führt. Rössler formuliert Ähnliches: „Gesund ist, wer flexibel mit dem Leben umgehen kann und aus unterschiedlichen Strategien auswählen kann, um seinen Alltag zu bewältigen. Gesund ist also, wer Alternativen hat und diese auch nutzt.“

Aufwand verbunden. Da die Krankheitsbilder psychischer Störungen so stark variieren, ergeben sich vielfältige und spezielle Bedürfnisse im Studium. Barrierefreiheit bedeutet demnach nicht, einen generellen Studienplan für alle betroffenen StudentInnen mit psychischer Beeinträchtigung zu etablieren, sondern immer auch ein Stück weit individuelle Studienplanung und Lernfreiheit.

um Leistung und auch ein Stück weit um Elite. Und immer dort, wo Leistung in einem hohen Ausmaß Thema ist, ist man mit Versagensängsten konfrontiert und dies erfordert psychische Stabilität. Zusätzlich erzeugen persönliche Veränderungen wie Wohnungsund Ortswechsel, neue FreundInnen und das selbstständige Arbeiten, die oft prekäre finanzielle Situation und überfrachtete Studienpläne zusätzliche Probleme im Studium. Studie zur sozialen Lage Im Wintersemester 2009/10 haben sich mehr als 40.000 Studierende an der umfangreichen Online-Befragung zur sozialen Lage gesundheitlich beeinträchtigter Studierender, welche alle drei Jahre vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung in Auftrag gegeben wird, beteiligt. Die Ergebnisse zeigen, dass fast 4% (14.000) an einer psychischen Beeinträchtigung lei-

Gleichstellung an der Uni Salzburg Die Paris-Lodron Universität Salzburg bekennt sich im Universitätsgesetz (2002) zur Gleichstellung von behinderten, psychisch Erkrankten, sowie chronisch kranken Personen und zur Schaffung von Rahmenbedingungen, die eine gleichberechtigte Teilnahme am gesamten Studien-, Lehr- und Forschungsbetrieb gewährleisten soll. Leider wurden diese Forderungen für StudentInnen mit psychischer Erkrankung bis dato nicht oder nur teilweise umgesetzt. Dafür bräuchte es Personen, die das Thema der psychischen Erkrankung durch Sensibilisierung und Aufklärung „enttabuisieren“, sowie Projekte in diesem Bereich wie zum Beispiel eine „Barrierefreie Lehrveranstaltung“ initiieren. Zudem ist die Einführung solcher Maßnahmen mit einem hohen finanziellen

Um nicht nur die StudentInnen für dieses Thema zu sensibilisieren, wird im kommenden Monat ein Informationsblatt an alle Lehrenden und Studienvertretungen ausgesandt. Hier soll noch einmal auf die Problematik eingegangen werden, dass zwar laut Universitätsgesetz Barrierefreiheit bestehen muss, die aber längst noch nicht umgesetzt wurde. All diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass das Thema der psychischen Erkrankung enttabuisiert wird und somit betroffene Studierende mehr Mut bekommen über ihre Probleme im Studienalltag zu sprechen oder sich Hilfe zu suchen.

Kontaktadressen gesellschaft@oeh-salzburg.at oder mutzurangst@oeh-salzburg.at


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Umweltschutz

We only have one planet earth Der Mensch ist das intellektuellste Lebewesen auf dieser Erde und trotzdem zerstören wir unser Zuhause. Haben wir unsere Weisheit verloren? Jeden Tag können wir etwas verändern. Doch wenn wir der Jugend nicht beibringen, bessere Begleiter und Begleiterinnen der Welt zu sein, dann verschwenden wir unsere Zeit. Mit unserem Verhalten haben wir ihre Zukunft gefährdet, ein altes Sprichwort besagt: „Wir haben die Welt nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geborgt.“ Gar nichts haben wir geborgt, wir haben gestohlen. – Weise Worte einer weisen Frau.

© Michael Neugebauer JGI

Von Vanessa Ziperzik Jane Goodall war im Mai in Salzburg und sprach über Umweltschutz, Nächstenliebe, junge Menschen und ihre geliebten Schimpansen. Im Rahmen eines Vortrages des Netzwerkes Natur Salzburg wurde die berühmte Wissenschaftlerin und Aktivistin eingeladen. Dabei gab das Jane Goodall Institut ( JGI) Austria bekannt, sich an dem Aufforstungsprojekt „Sustainable Livelihoods Project“ in Uganda zu beteiligen, das bereits von drei anderen Institutionen initiiert wurde. In dem afrikanischen Land leben noch rund 5000 Schimpansen, die vom Aussterben bedroht sind, da ihre Wälder immer kleiner werden und somit die Populationen. Um kleinere Waldstücke mit größeren zu verbinden und so Gruppen mit nur wenigen Affen mit anderen zusammenzuführen, werden Baumkorridore gepflanzt. Damit sich eine Schimpansengemeinschaft fortpflanzen kann und keine Missbildungen entstehen, müssen mindesten 500 Individuen zusammenleben können. In den von der Abholzung verschonten Gebieten sind teilweise weniger als hundert unserer nächsten, genetischen Nachbarn übrig. Ihnen kann nur geholfen werden, wenn die Menschen rund um ihren Lebensraum nicht mehr auf das Holz angewiesen sind, um zu überleben. Durch die jahrelange Rodung wurde das Ökosystem schwer in Mitleidenschaft gezogen und der Grundwasserpegel sinkt, was die Trinkwasserversorgung gefährdet. Darum wird die Bevölkerung aktiv in den Prozess einbezogen. In der Baumschule vor Ort arbeiten Einheimische, die einen gerechten Lohn erhalten und so das Schulgeld für ihre Kinder bezahlen können. Sie lernen von nachhaltiger Landwirtschaft, damit sie sich selbst mit Nahrung versorgen können und demnächst aus den neuen Wäldern nur gezielt Bäume entnehmen. Für die Kinder gibt es ein Bildungszentrum, in dem sie über Umweltschutz und Schimpansen unterrichtet werden und so alle Tiere des Waldes zu schätzen beginnen. Jane Goodall ist sich nicht sicher, welcher der wichtigste Punkt dieses Projektes ist: „Aber falls wir einen Bereich auswählen würden, wäre es die Arbeit mit den Frauen. Denn sie zu unterrichten und aufzuklären sorgt für kleinere Familien. Sie sind diejenigen, die die Familien ernähren müssen. Und ihnen zu helfen, all das auf eine nachhaltige Art zu machen, ist sehr wichtig.“ Durch die ganzheitlichen Aspekte des „Sustainable Livelihoods Project“ wird eine sichere Zukunft für Mensch und Tier in Uganda gesichert. Die Anfänge all dieser Projekte liegen weit zurück in den 60ern. Eine junge Frau alleine im Urwald von Tansania. Ihre langen Haare sind wie immer zu einem Zopf gebunden, auf Schuhe ver-

Jane mit einem ihrer geliebten Schimpansen.

zichtet sie manchmal. Sie sitzt unter einem Baum, macht sich Notizen, während vor ihr drei Schimpansen sitzen und sich gegenseitig lausen. Das Fernrohr baumelt wie üblich um ihren Hals, damit sie diese faszinierenden Tiere besser beobachten kann. Doch sie braucht es nicht mehr. Nachdem sie Monate, sogar Jahre, mit ihnen verbracht hat, verloren sie ihre Scheu. Ein Junges löst sich von der Gruppe und nähert sich. Langsam streckt es den Zeigefinger aus und stupst vorsichtig Janes Nase. Sie lacht und der Kleine läuft wieder weg. David Greybeard, Flo und Flint, so nannte sie drei der Schimpansen, ein Umstand, der ihr von den ForscherInnen der damaligen Zeit viel Tadel einbrachte. Denn es war üblich, wissenschaftliche „Objekte“ nur zu nummerieren. Doch bereits nach wenigen Monaten im Wald gelingt ihr die Beobachtung, die sie berühmt machen sollte und alle KritikerInnen verstummen lies. Im Oktober 1960 greift David Greybeard nach einem dünnen Ast, reißt die Blätter ab und fischt sich damit Termiten aus einem Bau. Diese alltägliche Handlung eines Affen stürzte die Wissenschaft in ein halbes Chaos, denn bis dahin wurde der „Mensch“ durch seine Werkzeuge definiert. Wie kann es da sein, dass eine „Bestie“ im Wald das Gleiche kann? Durch diese Entdeckung und noch viele andere wurde Dr. Jane weltweit bekannt. Sie lehrte uns, dass Schimpansen Gefühle haben, Familienbande aufbauen, in Gruppen jagen und sogar Artgenossen töten. Die Trennlinie zwischen Mensch und Tier wurde verschwamm immer mehr. Die Britin wurde 1934 geboren und wuchs in Südengland auf. Als Kind entdeckte sie ihre Liebe zu Afrika, inspiriert durch Tarzan den Dschungelkönig. Mit 23 Jahren hatte sie genug Geld gespart, um ihren Traum zu verwirklichen. Als sie endlich angekommen war, lernte sie Louis Leaky kennen, ein Anthropologe, der sie mit der Erforschung der Menschenaffen beauftragte. Und so begann die Geschichte einer unglaublichen Frau, die heute mit 77 Jahren, noch immer 300 Tage im Jahr um die Welt reist, um ihre Schimpansen und die Zukunft aller Lebewesen zu retten. Besonders in die Jugend setzt sie all ihre Hoffnungen: “Ich denke jeder von uns muss jeden Tag ein wenig Zeit damit verbringen, über

die Konsequenzen unserer Entscheidungen, die wir getroffen haben, nachzudenken und daraus zu lernen. Zum Beispiel: Warum ist es nicht gut, sehr viel Fleisch zu essen? Wir müssen es herausfinden, sehen ob wir dem zustimmen und dann müssen wir versuchen etwas dagegen zu unternehmen. Was kaufen wir zum Anziehen? Ist das durch Sklavenarbeit gemacht worden, oder in China oder Indien? Und wie kommen wir von A nach B? Wie behandeln wir unsere Mitmenschen? All diese kleinen Dinge. Wenn wir darüber nachdenken, beginnen wir etwas zu verändern.” Nicht nur in den Wäldern Afrikas muss etwas für den Umweltschutz getan werden, auch in Salzburg besteht Handlungsbedarf. Das Netzwerk Natur leistet dazu einen großen Beitrag. Nach dem Motto „Artenvielfalt ist Lebensqualität“ werden zahlreiche Projekte geleitet. Die Naturwissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft besteht aus 15 Organisationen, die alle ihr eigenes Spezialgebiet haben. BirdLife Salzburg bemüht sich, bedrohten Vogelarten wieder Nistplätze und Lebensräume zurückzugeben. Mit Erfolg, denn der Bestand der Braunkehlchen konnte in drei Jahren verdreifacht werden. Die Vereinigung Alpensalamander versucht diese stark gefährdeten Tiere und ihre Verwandten, die Feuersalamander zu schützen und zu erforschen. Sie arbeiten mit 25 Schulen zusammen, um jüngeren Generationen den Artenschutz näher zu bringen. Eine weitere Organisation des Netzwerkes ist die Biotopschutzgruppe

Pinzgau. Ihre Mitglieder haben sich vorgenommen, wertvolle und artenreiche Biotope in der ganzen Region zu erhalten, neu aufzubauen und zugänglich zu machen. Denn wie Direktor Feri Robl sagt: „Naturschutz muss man herzeigen.“ Wenn viele von den Bedrohungen wissen und sehen, dass dagegen etwas getan werden kann, sind Erfolge möglich. In seinem Vortrag erklärte er noch, dass viele Bachläufe und Biotope von der EWirtschaft gefährdet werden. Diese kleinen Paradiese sind aber für das Überleben vieler Tierarten wichtig und müssen geschützt werden. Es ist also nicht nötig, bis nach Afrika zu reisen, um etwas für unsere Umwelt tun zu können. Im ganzen Bundesland gibt es unzählige Menschen, die sich engagieren und viel Freude und Leidenschaft in die verschiedenen Projekte setzen. Mitmachen kann jedeR Einzelne von uns, neue Gesichter sind immer willkommen. Jane Goodall beim Interview mit Vanessa Ziperzik.

Bücher und DVDs

Gewinnspiel Die Uni:Press verlost 4 DVDs von Jane Goodall: „Grund zur Hoffnung“ wird 2000-mal verkauft und unter allen DVDs werden vom Jane Goodall Institut Austria noch einmal 50 Preise verlost. Hauptgewinn: ein Treffen mit der faszinierenden Umweltaktivistin. Schreib ein Mail mit dem Betreff „Jane“, deinem Namen und deiner Telefonnummer an presse@oeh-salzburg.at.

(von Jane Goodall) • • • •

Mein Leben für Tiere und Natur, 50 Jahre Gombe – Jane Goodall, 21€ Grund zur Hoffnung – Jane Goodall, 15€ Rickie & Henri – Allan Marks, Jane Goodall, 15€ DVD Jane’s Journey, Die Lebensreise der Jane Goodall, 15€

Alles unter www.janegoodall.at Spendenkonto: 409-11741-003 BLZ: 43000


Umweltschutz

Jane Goodall weist immer wieder auf die weltweiten Zusammenhänge im Umweltschutz hin und in die jungen Menschen steckt sie ihre größte Hoffnung. Laut ihr muss jedeR einen Beitrag leisten und selbst kleinste Veränderungen können wirken, denn: „Es bist nicht nur du, es bin nicht nur ich, die gerade auf unserem Planeten aufwachen.“ Ihre Schimpansen sind der Auslöser für ihren Kampf gewesen. Der Uni:Press erzählte die Wissenschaftlerin von ihrer berührendsten Begegnung mit einem Menschenaffen: Das war ganz am Anfang, als ich gerade David Greybeard folgte. Ich dachte, ich hätte ihn verloren, weil ich durch ein Buschgestrüpp und Lianen gegangen war. Und als ich herauskam: Da saß er und wartete noch immer. Am Boden lag ein roter Palmkern. Also habe ich ihn aufgehoben und ihn ihm auf meiner Handfläche hingehalten. Er drehte sein Ge-

sicht weg. Ich hielt meine Hand noch näher zu ihm. Er schaute mir direkt in die Augen, streckte seine Hand aus, nahm die Frucht. Er wollte sie nicht, er ließ sie fallen. Dann drückte er sehr sanft meine Finger. Genau wie Schimpansen ihre Beruhigungsgeste machen. So verstanden wir uns völlig. Es ist eine erstaunliche Kommunikation. Er verstand, dass meine Absicht gut war und ich verstand, dass er die Frucht wirklich nicht wollte. Aber dass er es verstanden hat, das war sehr, sehr bewegend.

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Netzwerk Natur Salzburg Das Netzwerk Natur besteht aus folgenden Organisationen: • sa|bot|ag www.hausdernatur.at/sabotag • SEA www.hausdernatur.at/arge-entomologie • HerpAG www.hausdernatur.at/arge-herpetologie • Ornithologische Arge www.hausdernatur.at/argeornithologie • Plattform Säugetiere www.hausdernatur.at/plattform-saeugetiere • BUFUS www.bufus.abg.ac.at • BirdLife www.birdlife.at • Bibermonitoring Salzburg widerin@a1.net • KFFÖ www.fledermausschutz.at • Alpensalamander www.alpensalamander.eu • Biotopschutzgruppe HALM www.halm-salzburg.at • Biotopschutzgruppe Pinzgau ferro@sbg.at • Österreichischer Naturschutzbund www.naturschutzbund.at • Fly for Nature www.flyfornature.net • Wilde Natur www.wildenatur.at

Plastiksackerl – Umweltsünder Nr. 1?

Von Vanessa Ziperzik und Christina-Anna Stenz „Basta buste“ - aus dem Sackerl 20 Milliarden Sackerl im Jahr wurden in Italien verwendet. Das verbraucht jährlich 430 Tonnen Öl bei der Produktion und macht einen Plastikmüll von 200.000 Tonnen. Auf der ganzen Welt sind es 600 Milliarden Einkaufstüten. Diese Zahl steigt noch ins scheinbar Unendliche, wenn man bedenkt, dass es 400 Jahre dauert, bis alle Bestandteile völlig verrottet sind. Unsere südlichen Nachbarn sind nicht die Ersten, die etwas dagegen tun. Wobei meistens nicht das Umweltproblem im Vordergrund steht, sondern die Müllentsorgung. Bangladesch war der erste Staat weltweit, der 2002 den Gebrauch verboten hat. Dort wurden in der Monsunzeit die Abwasserkanäle durch den Plastikabfall verstopft und es kam zu vermehrten Überschwemmungen. Irland schaffte es durch eine gehörige Steuer den Verbrauch um 95% zu senken. Die Erlöse kommen Umweltprojekten zugute und viele Supermärkte sind auf wiederverwendbare Stoff- und andere Tragetaschen umgestiegen. In Frankreich und China dürfen sie nicht mehr gratis ausgegeben werden. Auch bei uns in Österreich sind viele für die Abschaffung der Plastiksackerl. Laut einer Umfrage von orf.at sogar 79% der Befragten und fast 90% geben an, die Taschen mehrmals zu verwenden. 85% schätzen sie nach dem Institut für Sozialforschung für „sehr schädlich“ oder „eher schädlich“ ein. Der Ressourcenverbrauch ist enorm, denn die Sackerl werden aus Erdöl hergestellt. Auf dieses

gestärkte Bewusstsein springt nun die Politik auf. Die Wiener Umweltstadträtin Ulli Sima von der SPÖ plant einen Antrag an den Umweltminister, dem sich wahrscheinlich die Steiermark, Oberösterreich und Salzburg anschließen. Alleine in Wien sind es jährlich bis zu 2000 Tonnen zusätzlicher Müll, der durch Plastiksackerl entsteht. EU weit tut sich ebenfalls was. JedeR EuropäerIn verbraucht im Jahr ca. 500 Sackerl, mehr als eines pro Tag! Darum setzt sich EU-Umweltkommissar Janez Potočnik für ein Verbot oder eine Steuer ein. Bevor jedoch etwas getan wird, gibt es bis Ende August die Möglichkeit für jedeN, bei einer Onlineumfrage seine Meinung abzugeben. Dabei können sich Organisationen und öffentliche Einrichtungen genauso beteiligen, wie sämtliche EU-BürgerInnen. Sag auch du, was du von diesem Thema hältst. Der Link zur Befragung: http://ec.europa.eu/environment/consultations/plasticbags_en.htm Wirtschaftsfolgen Für die produzierenden Firmen ist ein Verbot ein enormer Verlust. In Italien waren alleine 4000 Menschen in ungefähr 100 Fabriken angestellt. Der Umsatz von 800 Millionen Euro im Jahr ist nicht gerade wenig. Für 50.000 Euro konnte eine Anlage umgestellt werden und anschließend andere Tragetaschen produzieren. Eine einmalige Belastung, die für die Unternehmen enorm ist, aber der Umwelt helfen sollte. Alternative Alternativen Die naheliegendste Alternative, das Papiersackerl, ist nicht gerade besser. Laut einer Denkstatt-Studie hat dieses fast den gleichen ökologischen Fußabdruck wie sein künstlicher Verwandter. Im Vergleich zu den dünnen Gemüse- und Obstsackerl hat es sogar einen 50% höheren. Denn in Österreich werden Abfälle sehr gut getrennt und verwertet. Dabei geht es auch anders: Sackerl, die aussehen wie aus Plastik, aber meist aus Kartoffelstärke sind. Statt aus Erdölprodukten werden so genannte biologische Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen wie Pflanzenstärke, Zucker oder Cellulose produziert und sind somit organisch abbaubar. Auch in der Herstellung sind sie umweltfreundlicher. Im Vergleich zum herkömmlichen Plastik entstehen viel weniger CO2-Emissionen. Während das herkömmliche Plastiksackerl über

400 Jahre braucht bis es verrottet, zerfällt das Biokunststoff Sackerl in wenigen Wochen am Kompost. Hat es als Einkaufstasche ausgedient, kann es als Bio-Müllbeutel verwendet und gemeinsam mit dem Biomüll entsorgt werden. Außerdem bleiben frische Waren länger frisch, weil der natürliche Kunststoff atmungsaktiv ist. Ein weiterer umweltfreundlicher Vorteil der Stärkesackerl ist, dass BioPlastik in Europa produziert wird, was weitaus kürzere Transportwege und somit einen viel geringeren CO2-Ausstoß impliziert. Legt das Plastiksackerl können großen Schaden anrichten. Sackerl aus natürlichem Kunststoff rund 3.000 Kilometer auf seistatt einer Kunststofftragetasche eine eigene nem Weg in die Geschäfte zurück, reist die Stofftasche oder einen Einkaufskorb mitzuPlastiktasche mit bis zu 30.000 Kilometern nehmen. Beobachtet man sich selbst einen zehn Mal weiter. Tag lang beim Einkaufen, ist es erschreckend, wie viel Plastik innerhalb dieses einen TaUmweltfolgen ges ins eigene Zuhause wandert. Die Wurst ist doppelt in Papier mit Kunststofffolie und Die Umweltschäden, die durch Plastiksackerl darüber in ein Plastiksackerl eingepackt, für und Plastikmüll verursacht werden, sind gra- das Obst reißt man sich auch noch schnell vierend. Besonders die Gewässer sind betrof- ein Sackerl ab, und bei den Süßigkeiten darf fen: stündlich werden laut der Organisation man Zuckerl nachdem sie aus der KunstOceana 675 Tonnen Müll ins Meer gewor- stoffpackung genommen wurden noch aus fen, 50% davon sind Plastik. In der Nähe von der eigenen Plastikhülle schälen. Auch bei Hawaii hat sich ein gigantischer Müllwirbel Haushaltsartikeln sieht es ähnlich aus: beim gebildet, in dem drei Millionen Tonnen Plas- Besteck sind jedes Messer und jede Gabel tikmüll schwimmen. Doch das ist nicht der einzeln verhüllt. Diesem Verpackungswahn einzige Strudel, auf der ganzen Welt gibt es zu entrinnen ist schwierig, manchmal sogar unzählige, die noch Jahrhunderte im Wasser unmöglich. Amazon bietet für manche Artreiben werden. Der Müll ist zusätzlich so tikel eine frustfreie Verpackung an, bei der verkleinert, dass viele Fische und Vögel ihn Kunststoffverpackungen durch Karton erfür Plankton oder ähnliches halten und es- setzt werden. Und auch beim täglichen Einsen. 100.000 Meeressäuger sterben pro Jahr kauf kann durch einfache Mittel Kunststoff daran und über eine Million Seevögel, die eingespart werden. Bei Käse und Wurst ist es ihre Jungen mit dem Müll auch noch füt- zum Beispiel möglich, sich diese in die eigene tern. Schildkröten halten Plastiktüten oft Dose (leider ebenfalls aus Plastik, aber imfür Quallen, eine ihrer Lieblingsspeise, und merhin oft verwendbar) einpacken zu lassen. fressen sie. Pinguine, Seeotter, Robben und Nicht nur das, sondern auch der Verzicht auf noch viele andere Tierarten werden durch die Gratissackerl in manchen Geschäften löst Abfallmassen bedroht. Abgesunkenes Plastik zwar bei den VerkäuferInnen oft Verwundeverdeckt Korallen, nimmt ihnen das Licht rung aus, ist aber für jedeN EinzelneN ein und die Nahrung und gefährdet die immer einfacher Weg, unsere Umwelt zu schützen. seltener werdenden Riffe zusätzlich. © CFalk/PIXELIO

In Italien sind seit Anfang dieses Jahres Plastiksackerl verboten. Frankreich hat schon seit 2010 ein landesweites Gesetz gegen die Tüten durchgesetzt und bei uns in Österreich ist nun ebenfalls eine Diskussion um einen stufenweisen Abbau der kleinen Umweltsünder ausgebrochen. Die EU führt zurzeit eine Online Befragung aller Bürger­ Innen zu diesem Thema durch. Wie umweltschädigend sind Plastiksackerl also und welche Reformen gehen ihnen an den Kragen?

JedeR kann Plastik sparen

Plastic Planet

Obwohl Plastiksackerl im Bezug auf den gesamten Müll, den ein Haushalt produziert, nicht besonders viel ausmachen (etwa 0,02%), kann durch ihr Vermeiden das Umweltbewusstsein innerhalb der Bevölkerung gestärkt werden. Noch dazu ist es besonders einfach

Ein interessanter und gleichzeitig erschreckender Film von Werner Boote zeigt auf: Überall in unserer Welt ist Plastik und zwar in enormen Ausmaßen! www.plastic-planet.de/


Umweltschutz

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Abseits von Glanz und Gloria – Salzburgs schmutzige Ecken werden bei der städtischen Abfallbeseitigung sogar Sonderschichten gefahren. Die Altstadt links und rechts der Salzach wird am Wochenende in den frühen Morgenstunden, wenn es erforderlich ist, auch spät abends, gereinigt. Und dennoch stellt sich die Frage: Wann ist eine Stadt „sauber“, sogar reinlich genug für ein internationales Top-Ranking, und wie sieht es mit dem Umweltbewusstsein der BürgerInnen im Speziellen aus?

Neun Uhr morgens, die Wohnungstür fällt ins Schloss. Das Stiegenhaus ist blitzblank, es riecht nach Reinigungsmittel. Dieser Luxus von Sauberkeit und Ordnung, herbeigezaubert von einer unbekannten Reinigungskraft, endet jedoch abrupt vor der Haustür. Mitten auf dem Gehsteig liegen zwei verrostete und reifenlose Drahtesel. In diesem Zustand werden sie vermutlich nicht mal mehr in Salzburg gestohlen. Um die Beseitigung kümmert sich notgedrungen wahrscheinlich jener Geschäftsinhaber, vor dessen Laden sie liegen.

Ein Spaziergang durch die Stadt gewährt Einblicke in das Müllentsorgungs-Verhalten der BewohnerInnen. Aufmerksame BeobachterInnen werden schnell fündig – etwa eine Sekunde nach Verlassen des Hauses entdeckt man die ersten Zigarettenstummeln und Papierservietten auf dem Boden der Schallmooser Hauptstraße, gleich danach die erste leere Bierdose in einer Auslagennische. Beim Schlendern durch die Linzergasse Richtung Staatsbrücke wird einem schlagartig bewusst: Abfälle aller Art sind integraler Bestandteil des Stadtbildes, weshalb man sie im Vorübergehen kaum mehr registriert. Die kleinen und mittleren Verunreinigungen in den Straßen und Gassen sind in den Augen, aber aus dem Sinn. Das dünne Kaffee-Rinnsal eines umgeworfenen Plastikbechers ist höchstens dann ein Ärgernis, wenn die sommerlich besohlten Füße etwas davon abkriegen.

Vom Jagen zum fanatischen Sammeln

Büromobiliar in der Salzach, kein „Sackerl fürs Gackerl“

Seit jeher produziert der Mensch Abfall. Unsere prähistorischen Ahnen hatten es in puncto Mülltrennung noch etwas einfacher. Gebrauchsgegenstände bestanden entweder aus verrottbarem Material, oder entsorgte Gegenstände hatten keinen negativen Einfluss auf die Umwelt, wie beispielsweise Metall. Dieses wurde eingeschmolzen und wiederverwendet. Die Problematik des Mülls entstand erst mit der Bildung von größeren Ortschaften und Städten, die sogenannten „Problemstoffe“ waren die Medaillenkehrseite des Fortschritts. Niemals zuvor in der Geschichte hat der Mensch so viel Stoff, Blech und Plastik mit sich herumgetragen wie heute. Weil das Jagen jetzt so einfach ist, unsere Behausungen über Keller und Dachböden verfügen, lässt sich das auch alles sammeln.

Beim Überqueren der Staatsbrücke sticht nicht nur die glitzernde Wasseroberfläche der Salzach ins Auge, sondern auch der darin befindliche Unrat. Wer sofort an lieblos entsorgte Fahrräder denkt, der wird überrascht sein, dass gleich neben einem solchen auch ein Bürostuhl sein nasses Dasein fristet. Ein Lokalaugenschein in der Getreidegasse bestätigt die Vermutung, dass Myriaden von Kaugummiflecken am Asphalt auch weiterhin unzählbar bleiben werden. Möchte man bei dem Bankomat in der Judengasse Bargeld beheben, muss zuerst inmitten eines Servietten- und Pappbecherhaufens Platz zum Stehen gefunden werden. Die Festspielstadt versprüht auch nicht immer betörende Düfte: An heißen Sommertagen erweisen sich Salzburgs Fiaker als überaus geruchsintensiv, und nicht alle HundehalterInnen haben das Sackerl für die feststofflichen Ausscheidungen des Vierbeiners parat. Auffällig ist auch, dass in der Touristenmetropole Salzburg nicht sonderlich viele Abfalleimer oder öffentliche Toilettenanlagen zu finden sind, Letztere sind auch nicht immer ein olfaktorischer Hochgenuss.

Die Sauberkeit der österreichischen Städte wird unter anderem im Tourismus beworben und gelobt. Wien ist sogar die zweitsauberste Stadt Europas. Wenn sich Salzburg während der Sommermonate wieder zum kulturellen Mittelpunkt für internationale KünstlerInnen und glamouröse Gäste entwickelt, dann

© Teresa Burian

An die Abfälle einer Fastfood-Kette ist man gewöhnt.

© Teresa Burian

Der früher gängige Grundsatz hinsichtlich der Abfallbeseitigung lautete „Vermeidung vor Verwertung vor Beseitigung“. Mittlerweile wurde in der europäischen Gesetzgebung eine Anpassung an das gesteigerte Müllvorkommen und die Vielseitigkeit der Abfallstoffe vorgenommen, und eine neue Zielhierarchie formuliert. Darin erhalten die Aspekte der Wiederverwendung und des Recyclings eine Aufwertung, die Vermeidung ist aber immer noch das höchste Prinzip. Um Nachhaltigkeit mehr ins öffentliche Bewusstsein zu rufen, ist eine bessere Vernetzung der bisherigen Einzelaktionen, auch gemeinsam mit umliegenden Gemeinden der Stadt Salzburg notwendig. Die Aufstockung der Ressourcen für die zuständigen Eigentlich bräuchte die Figur gar keinen Regenschirm. Umweltschutzabteilungen in Stadt und Land wäre ein guter Anfang. Auch die Salzburger Touristen- sind unser heutiges Wissen über langfristige branche sollte sich für die Erstellung eines Umweltschäden, sowie fortschrittliche Abumfassenden Müllvermeidungs-Konzepts fallsysteme. An der Gleichgültigkeit, mit der interessieren und Vorschläge bringen. Ein an vermüllten Plätzen vorbei gegangen wird, Verbot von Plastiksackerl wäre hier höchst hat sich nichts geändert. Die Zusammensetwillkommen und relativ einfach umzuset- zung des Hausmülls, von dem etwa ein Dritzen. Über Salzburgs Straßen laufen jährlich tel Lebensmittel sind, ist erschreckend. Es hunderttausende Touristen, doch das gestei- bräuchte mehr Vorbilder in der Erwachsegerte Müllvorkommen ist eine Ursache der nenwelt, denn besonders Kinder übernehmen Gleichgültigkeit und des mangelnden Um- das Verhalten der Großen oft unreflektiert. weltbewusstseins einer ganzen Zivilisation. Begriffe wie Nachhaltigkeit und UmweltbeUnd die Festspielstadt hat sogar eine eigene, wusstsein sollten keine Reizwörter sein, die unfreiwillig gewonnene Allegorie dafür: Es allein aufgrund ihrer oftmals inflationären handelt sich um das Werk der Künstlerin Verwendung Widerstände bei uns auslösen. Anna Chromy, der „Coat of Peace“. Diese Fi- Für eine Kulturhauptstadt wie Salzburg begur, ein leerer Umhang, der ein wenig an die deutet das vielleicht auch, dass man die frei„Nazgul“ aus den Herr-der-Ringe-Filmen willige Initiative der BewohnerInnen damit erinnert, steht unter den Dombögen. Möch- gewinnt, indem ihnen die Stadt ein Stück te man ein schönes Erinnerungsfoto von ihr weit „zurückgegeben“ wird. Initiativen, die schießen, muss man allerdings vorher den mehrheitlich für BürgerInnen ausgerichtet Müll aus ihrem (vermeintlich leeren) Inneren sind, wie beispielsweise das „Fairkehrte Fest“, entfernen. erfreuen die (der Kultur manchmal überdrüssigen) städtischen EinwohnerInnen. Die BeEs scheint, dass das achtlose Wegwerfen eine reitschaft, sorgsamer und vor allem sauberer Konstante im menschlichen Verhalten ist. mit unserem urbanen Wohnraum zu verfahDie alten RömerInnen entsorgten den In- ren, wächst möglicherweise, je mehr man das halt ihres Nachttopfes einfach auf der Stra- Gefühl bekommt, nicht bloß „lebendiges Beiße, ebenso waren auch Mozarts Zeitgenossen werk“ der berühmten Festspielstadt zu sein. nicht für ihre Reinlichkeit berühmt. Die einzigen Unterschiede zu diesen Gesellschaften

Ein Klassiker an Salzburgs Fahrradständern.

© Teresa Burian

Von Teresa Burian

Ökologiegerechtes Wirtschaften in der Stadt?

Eine (wilde?) Müllhalde beim Zentrum im Berg.

© Teresa Burian

Bald ist es wieder so weit: Die Festspielsaison beginnt und Salzburg putzt sich raus. Das Weltkulturerbe muss funkeln, alles wird aufpoliert. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich Salzburgs Jedermänner und -frauen allerdings auch als Dreckspatzen.


Umweltschutz

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Schreibt man Uni mit U wie umweltbewusst?

Von Kunigunde Leitner Weltweit werden seit über 100 Jahren geothermische Anlagen zur Erzeugung von Strom und Wärme verwendet. Inzwischen gibt es über 250 Kraftwerke, womit Erdwärme nach Wasserkraft Platz 2 der Energieerzeugung aus alternativen Energien einnimmt. Die Geothermie kommt dabei auf verschiedensten Einsatzgebieten zum Tragen. Sei es zum Beheizen von Gebäuden oder zur Erzeugung größerer Energiemengen für Fernwärmenetze. Island ist in dieser Hinsicht Vorreiter: über 50 Prozent dessen Primärenergie kommt aus Erdwärme. In Österreich hingegen wird die Wärme aus dem Boden bisher hauptsächlich für Thermalbäder genutzt. So funktioniert es Grundsätzlich nutzt Geothermie die in der Erde entstehende und gespeicherte Wärme als Energiequelle. Bei der Nutzung von Erdwärme bis zu einer Tiefe von wenigen hundert Metern spricht man von oberflächennaher Geothermie. Die in der Erde vorhandene Wärme stammt dabei großteils aus dem Erdinneren, wenngleich auch die Sonneneinstrahlung in der obersten Erdschicht ihren Beitrag leistet. Die Temperaturen steigen an, je weiter es in die Tiefe geht – pro

100 Meter um ca. drei Grad. Gewonnen wird die natürliche Energie aus dem Boden mittels Erdwärmekollektoren, Erdwärmekörben, oder – wie dies beim Uni-Park in Nonntal der Fall sein wird – mittels Erdwärmesonden. Dabei wird über Rohre eine Trägerflüssigkeit in das Erdreich geleitet. Diese erwärmt sich dort und wird mithilfe eines Pumpsystems wieder an die Oberfläche befördert, wo sie ihre Wärmeenergie abgibt. Für die Bohrarbeiten in diesem Zusammenhang liefern Erfahrungen und Daten aus der Erdöl- und Erdgasindustrie wichtige Ansatzpunkte. Die Salzburger Universität will nun die eben beschriebene Energiegewinnungsmethode nutzen, um rund die Hälfte des Energiebedarfs zur Beheizung und Kühlung des neuen Standortes in Nonntal abzudecken. Der Rest soll durch Fernwärme und eine Kälteanlage ergänzt werden.

mesonden im Boden zu versenken. Zudem ist es nicht immer möglich Erdwärme zu nutzen. Auch in Bezug auf die Wärmestromdichte gehört die Geothermie nicht zu den Spitzenreitern. So kann Erdwärme beispielsweise nicht mit Sonnenenergie mithalten. Fazit Grundsätzlich lässt sich also feststellen, dass die geothermische Energiegewinnung einige gute Argumente für deren Nutzung vorbringen kann. Im Gegenzug muss jedoch auch auf die dargestellten Nachteile hingewiesen werden, die trotz der nicht allzu großen Anzahl nicht vernachlässigt werden sollten. Insgesamt gesehen stellt die Verwendung von Erdwärme zur Energiegewinnung jedenfalls einen Pluspunkt für die Universität Salzburg dar.

Vorteile der Geothermie im Überblick • kein fossiler Energieträger • steht dauerhaft zur Verfügung • gute CO2-Bilanz • mehrereVerwendungs‑ möglichkeiten Nachteile der Geothermie im Überblick • Wärmepumpe muss mit Energie betrieben werden • teilweise aufwendige Vorarbeiten • viel Platz notwendig • geringe Wärmestromdichte

Der neue Gebäudekomplex der Universität Salzburg in Nonntal wird künftig zur Hälfte mit geothermischer Energie betrieben.

Vor- und Nachteile Was spricht nun eigentlich für den Einsatz dieser Energieform? Zunächst handelt es sich bei Erdwärme um keinen fossilen Energieträger und sie steht rein prinzipiell dauerhaft zur Verfügung, da sie einerseits aus Restwärme aus der Erdentstehungszeit besteht und andererseits aus radioaktiven Zerfallsprozessen sowie der Sonneneinstrahlung stammt. Daher ist nicht zu befürchten, dass diese Energiequelle in absehbarer Zeit versiegen wird. Ein weiterer Vorteil ist die gute CO2-Bilanz. Für die Nutzung von Erdwärme sprechen zudem ihre multiplen Verwendungsmöglichkeiten. Einerseits lässt sich mit geothermischer Energie Strom erzeugen, andererseits kann sie zu Heiz- und Kühlungszwecken genutzt werden. Und was spricht dagegen? Der größte Nachteil ist sicherlich die Notwendigkeit einer Wärmepumpe für das Beheizen eines Gebäudes. Diese muss wiederum mit Strom aus einer separaten Quelle betrieben werden. Des Weiteren sind teilweise aufwendige Vorarbeiten notwendig, um zum Beispiel die Erdwär-

Vor- und Nachteile

© K. Leitner

In Zeiten des Klimawandels und der ständig knapper werdenden Energieressourcen spielen alternative Energien eine immer größere Rolle. Zu diesen zählt unter anderem auch die Geothermie, die beim neu erbauten Uni- Komplex in Nonntal zum Einsatz kommt. Aber wie umweltfreundlich ist diese Form der Energiegewinnung tatsächlich? Was spricht für und was gegen die Nutzung von Erdwärme?

Umweltfreundliche Wärmedämmung demonstriert an Eisblöcken Vor dem Gemeindeamt der kleinen Ortschaft St.Aegidi in Oberösterreich konnten die EinwohnerInnen knapp drei Monate lang eine Kiste voller Eisblöcke bestaunen. Durch eine spezielle Wärmedämmung der Eisblocktruhe wurde veranschaulicht, dass eine optimale Isolierung des Hauses nicht nur energiesparend, sondern auch umweltfreundlich sein kann.

Von Kathrin Prünstinger Dieses Projekt, genannt Eisblockaktion, entstand durch die Mitgliedschaft der Gemeinde am „Klimabündnis Österreich“ und wurde initiiert von Gemeinderatmitgliedern. Ein Kubikmeter Eis, in Form von Blöcken mit einer Kantenlänge von 33 cm, wurde am 13. Februar 2011 in die Kiste am Gemeindeplatz gefüllt. Zur Verfügung gestellt wurde die Eisblockkiste von einer Firma, die sich der Zellulosefaserdämmung verschrieben hat. Diese Form des Dämmstoffs besteht aus zer-

kleinertem Altpapier und kann somit als sehr umweltfreundlich beschrieben werden. Die Eisblöcke in der Klimabox waren von 35 cm dieser Zellulosefaserisolierung umgeben. Ziel des Projekts war es nun, herauszufinden, ob das -20 °C kalte Eis mithilfe dieser Wärmedämmung einen Zeitraum von zweieinhalb Monaten übersteht. Den BewohnerInnen der Gemeinde sollte dadurch das Bewusstsein für Umweltschutz geschärft werden. Zusätzlich informiert wurden sie durch die Auftaktveranstaltung, bei der die Eisblockaktion konkret vorgestellt wurde. Klimabündnis – Gemeinden, Städte und Länder für den Umweltschutz Antrieb für das Vorhaben war der Beitritt der Gemeinde St.Aegidi zum Klimabündnis. Diese Organisation ist nicht nur in Österreich tätig, sondern engagiert sich in ganz Europa mit zahlreichen Projekten und Vorträgen für Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Insgesamt befinden sich derzeit 17 europäische Länder im Bündnis. Darüber hinaus unterstützt das Klimabündnis die einheimische Bevölkerung am Oberen Rio Negro in Brasilien gemeinsam mit der ortsansässigen Organisation FOIRN (Förderung der indigenen

Völker des Rio Negro). Dort streben sie vor allem nach Schutz der Amazonas-Regenwälder und einer nachhaltigen Entwicklungshilfe. Gegründet wurde das Klima-Netzwerk im Jahr 1990 in Frankfurt am Main. Seitdem breitet es sich immer mehr aus. So auch in Österreich: Alle neun Bundesländer sind Mitglied. Sie dienen somit vielen Gemeinden und Städten als Beispiel, die sich ebenfalls entschließen beizutreten. Auch viele österreichische Schulen beteiligen sich an dem Projekt Klimabündnis und wollen so bereits den jungen SchülerInnen Verständnis und Bewusstsein für Umweltschutz näher bringen. Die Universitäts-Stadt Salzburg gehört ebenfalls dem Klimabündnis an und feierte letztes Jahr 20-jährige Mitgliedschaft. Ein nächstes Projekt zum Thema Klimaschutz wird die Mobilitätswoche mit dem dazugehörigen „Autofreien Tag“ am 22. September 2011 sein. Dabei soll besonders auf die Möglichkeiten für die Reduktion von CO2-Emissionen aufmerksam gemacht werden. Wie viel Eis befand sich noch in der Kiste? Am 1. Mai wurde in St.Aegidi die Klimabox geöffnet. Um das Interesse und die Beteili-

gung der EinwohnerInnen zu erhöhen, gab es die Chance an einem Schätzspiel teilzunehmen. Die Meinungen, wie viel Eis sich noch in der Kiste befindet, gingen weit auseinander. Von 0 bis 99 % war jede Angabe vertreten. Das Ergebnis war durchaus erstaunlich: 90,09 % des Eises waren erhalten geblieben. Dadurch zeigt sich, dass man mit einer guten Isolierung des Hauses Wärme speichern und somit durch verringerte Heizkosten Geld sparen kann. Zudem leistet der umweltfreundliche Dämmstoff einen wesentlichen Beitrag zum Schutz des Klimas. Die GewinnerInnen des Schätzspiels konnten sich über einen Gutschein für eine Thermografie freuen. Eine Thermografie ist ein Messverfahren, das dazu dient, Schwachstellen mit zu viel austretender Wärme am Gebäude zu entdecken. Das sind zum Beispiel Fenster und Türen oder schlecht isolierte Wände. Doch das Problem wird nicht nur analysiert, es wird auch ein speziell zugeschnittenes Sanierungskonzept erstellt, das über Kosten und Nachhaltigkeit informiert.

www.klimabuendnis.at


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Umweltschutz

Interview

Diese drei Bereiche müssen laut dem Nachhaltigkeitskoordinator der Universität Salzburg Thomas Weiger miteinander im Einklang stehen, damit Nachhaltigkeitsprogramme erfolgreich sind. In einem Interview spricht der Neurobiologe und Tierphysiologe über Nachhaltigkeit, seine Aufgaben bei dem neuen Nachhaltigkeitsprojekt „PLUS Green Campus“ der Universität Salzburg und informiert, was jedeR Einzelne nachhaltig bewirken kann. Von Susanne Karrer Was bedeutet für Sie PLUS Green Campus? Weiger: PLUS Green Campus bedeutet für mich, dass unsere Universität in Zukunft einen grünen Weg gehen soll. Dies bedeutet aber, dass sich die Universität in mehreren Bereichen engagieren soll und muss. Einerseits natürlich, wie der Name schon impliziert, im Umweltbereich, aber auch in einem modernen Sinn von Nachhaltigkeit, dass etwas für die Menschen, die hier an unserer Universität studieren und arbeiten, getan wird. Eine dritte, wesentliche Säule jeder Nachhaltigkeitsbemühung ist die wirtschaftliche Seite, die auch berücksichtigt werden muss. Das heißt, dass alle drei Säulen Umwelt - Mensch – Wirtschaft - voneinander profitieren sollen und in einer Balance stehen. Was hat Sie dazu bewegt, Nachhaltigkeitskoordinator von PLUS Green Campus zu werden? Weiger: Einerseits bin ich vom Rektorat angesprochen worden, aber auch von den Studierenden, die mich baten, im Bezug auf Nachhaltigkeit für die Universität, etwas auf Schiene zu bringen. Aber es gibt auch einen persönlichen Grund – ich bin vor einem Jahr Vater geworden und sehe mich daher für diese zukünftige Generation auch ganz stark verantwortlich. Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie? Weiger: Nachhaltigkeit bezieht sich in einem modernen Verständnis - wie schon gesagt – auf Mensch, Umwelt und Wirtschaft. Historisch gesehen kommt der Begriff aus der Forstwirtschaft, weil man erkannt hat, dass man nicht mehr Holz ernten kann, als man nachpflanzt. Heute wird der Begriff Nachhaltigkeit leider oft auch inflationär verwendet, so sprechen wir auf Universitäten beispielsweise auch von nachhaltigen Prüfungssystemen, die mit diesem ursprünglichen Sinn der Nachhaltigkeit nichts mehr zu tun haben. Auf einer persönlichen Ebene bedeutet Nachhaltigkeit, dass ich in meinem täglichen Leben versuche auf die Umwelt - soweit es mir möglich und soweit das vertretbar ist in einem zeitlich-wirtschaftlichen Rahmen zu achten und zum Beispiel privat das Licht abzudrehen, beim Wasserverbrauch, Einkauf etc. aufzupassen. Was ist Ihre konkrete Arbeit bei PLUS Green Campus? Weiger: Meine konkrete Aufgabe ist es, die Bemühungen zur Nachhaltigkeit an der Universität zu koordinieren. Welche Projekte planen Sie für die nächsten Jahre? Weiger: Wir sollten uns zunächst mit dem Jetzt beschäftigen und vordringlich zuerst einmal eine IST-Analyse durchführen. Auf-

grund derer werden wir dann nachhaltige Programme entwickeln. Das PLUS Green Campus-Projekt wird daher mit einer Energie- und Müllanalyse am Beispiel der NAWI durch das Umweltservice Salzburg gestartet. Dieses Projekt ist schon auf Schiene und wir erwarten uns für den Sommer die besagten Berichte. Aufgrund dieser Berichte möchten wir dann entsprechende Projekte in diesen Bereichen umsetzen. Wie hoch sollte Ihrer Meinung nach der Nachhaltigkeitswert unserer Universität idealerweise sein und wie viel ist überhaupt möglich? Weiger: Die Universität muss sich bewusst werden, dass die Ressourcen, die sie verbraucht, limitiert sind und dass sie ihr Handeln und ihre Strategien dahin gehend ausrichten muss. Ein zweiter ganz wesentlicher Punkt ist, dass die Menschen, die an der Uni studieren und arbeiten, beginnen, ihr Bewusstsein in Richtung Nachhaltigkeit zu schärfen und versuchen, ihre Tätigkeiten auf der Universität möglichst nachhaltig auszurichten. Drittens ist die Universität in ein wirtschaftliches Netzwerk integriert, innerhalb dessen sie mit ihren Partnern nachhaltig zusammenarbeiten muss. Das heißt, dass Güter und Leistungen, die von außen bezogen werden, angefangen vom Klebeband über Reinigung bis hin zu Geräten und Chemikalien, wie zum Beispiel hier in der Biologie, auch in Bezug auf Nachhaltigkeit

„Ich glaube, dass jedeR sehr viele Dinge selber im persönlichen Leben tun kann.“ des Produkts selbst wie auch auf nachhaltig agierende Zulieferketten überprüft werden müssen. Das lässt sich nicht kurzfristig umsetzen, sondern in langfristigen Projekten Schritt für Schritt verwirklichen. Das liegt mir besonders am Herzen und sollte seitens der Universität auch konstant verfolgt werden. Viertens sollte an der Universität die Forschung und Lehre nachhaltig ausgerichtet werden. Wie die ökologische Forschung im Fachbereich der organismischen Biologie oder an den Materialwissenschaften, wo beispielsweise an neuen Materialien für die Fotovoltaik geforscht wird. Aber auch die Lehre sollte nachhaltige Ideen vermitteln und umsetzen. Als letzter Punkt ist die Nachhaltigkeit der Universität in der Kommunikation nach außen zu nennen. In ihrer Bildungsaufgabe soll sie die Bevölkerung über Strategien und Projekte informieren, die hier an der PLUS bereits umgesetzt wurden, mit denen wir gute Erfahrung gemacht haben und die möglicherweise jedeR Einzelne für sich selbst übernehmen kann. Mit wem arbeiten Sie bei PLUS Green Campus zusammen? Weiger: Mein erster Ansprechpartner ist der Rektor, von dem das Projekt ausgeht und der hierfür verantwortlich ist. Er hat PLUS Green Campus für seine kommende Funktionsperiode zu seinem persönlichen Anliegen gemacht. Eine zweite ganz große Partnerschaft besteht mit der ÖH. Die Studierenden machen einen Großteil der Angehörigen an

der Universität Salzburg aus, sodass es ganz wichtig ist, dass sie und Bedienstete zusammen an einem Strang ziehen und diese Universität in eine grüne verwandeln. Auf der Ebene der Universität selber kommen meine Partner aus den einzelnen Fachbereichen in Form von Beauftragten für Nachhaltigkeit, das sogenannte Green Team. Wir wollen zusammen im Team Maßnahmen zur Nachhaltigkeit an der Universität umsetzten. Dazu ist es ganz wichtig, dass auf lokaler Ebene Repräsentanten für dieses Projekt vorhanden sind. Als externen Partner gibt es momentan das Umweltservice Salzburg, mit denen wir die angesprochene Energie- und Müllanalyse an der Naturwissenschaftlichen Fakultät durchführen. Weshalb hat sich Uni:Nachhaltig in Green Campus umbenannt? Weiger: Das ist eigentlich eine Frage an die ÖH. Der Name PLUS Green Campus steht einerseits für Paris Lodron Universität Salzburg und andererseits für den Weg eine grüne Universität zu werden. Der Vorschlag zur Umbenennung stammt von mir. Meiner Meinung nach ist das Wort „nachhaltig“ für viele Leute ein Fremdwort und sie verstehen nicht, was darunter subsumiert wird. Meine Erfahrung war, als ich diese Aufgabe als Koordinator übernommen habe, dass etliche Leute mit dem Begriff eines Nachhaltigkeitskoordinators eigentlich nichts anfangen konnten und nicht wussten, was mein Tätigkeitsfeld ist. Deswegen habe ich nach einem Namen gesucht, der griffiger ist, der mit einer gewissen Emotion besetzt ist und der die Idee besser transportiert. Dafür steht dieses Green Campus, als Dachmarke sozusagen. Welches Nachhaltigkeitsvorbild haben Sie? Weiger: Für die Universität gibt es mehrere Vorbilder. In einem ersten Strategiepapier, das ich zusammen mit den Studierenden entworfen habe, haben wir vor allem amerikanische Universitäten analysiert. Aber auch Universitäten im europäischen Raum, da wäre beispielsweise die Leuphana Universität in Lüneburg besonders hervorzuheben, die uns sehr, sehr weit voraus ist. In amerikanischen Universitäten hingegen gibt es ganze Offices, die mit mehreren Leuten besetzt sind, die sich nur um Nachhaltigkeit bemühen. Dort können wir uns etliches abschauen. Was kann jedeR Einzelne tun, um ein Stück nachhaltiger zu werden? Weiger: Ich glaube, dass jedeR sehr viele Dinge selber im persönlichen Leben tun kann. Man kann zum Beispiel beim Einkaufen darauf achten, dass man Dinge kauft, die möglichst nicht verpackt sind, schon gar nicht in Plastik. Da wird man vielleicht auch seine

Nachhaltigkeitsdirektor Thomas Weiger

© privat

Umwelt – Mensch – Wirtschaft

Strategie ändern müssen und kann nicht nur im Supermarkt einkaufen, sondern sollte ab und an auch auf einen Bauernmarkt gehen. Ganz klassisch - aber immer aktuell und effektiv - kann man Zuhause das Licht abdrehen, wenn man nicht im Raum ist, man kann versuchen Geräte, die in Stand-by gehen, vom Netz zu trennen oder den Computer umgehend auf Stand-by setzen, wenn man kurz nicht darauf arbeitet. Man kann viele, viele Dinge tun, die man auch in vielen Broschüren nachlesen kann. Außerdem gibt es noch Bereiche wie Mobilität und Verkehr, wo jeder sehr viel zur Nachhaltigkeit beitragen kann. Was sind die Schwierigkeiten Nachhaltigkeit durchsetzen? Weiger: Es ist wichtig, dass man die Herzen der Menschen erreicht. Die Bewusstseinsschaffung sollte nicht von oben verordnet werden. Und man muss den Menschen vermitteln, dass Nachhaltigkeit nicht mit einem Komfortverlust einhergeht und man im Winter nicht mit der Daunenjacke und Handschuhen vor dem Computer sitzen muss. Wie zukunftsträchtig sehen Sie generell Nachhaltigkeitsprojekte, nachdem das Thema seit Fukushima wieder boomt? Weiger: Es ist nicht nur Fukushima. Ich glaube, dass wir, wenn wir auf diesem Planeten in einer gesunden Umwelt überleben wollen, uns immer mehr mit Nachhaltigkeit beschäftigen werden. Es wird immer ein Thema sein. Ohne Nachhaltigkeit werden wir wahrscheinlich nicht weit kommen. Nachhaltigkeit wird uns daher in Zukunft verstärkt beschäftigen und sogar beschäftigen müssen, das ist gar keine Frage. Was sind Ihre konkreten Ziele, die Sie in ihrer Funktion noch erreichen möchten? Weiger: Die ergeben sich zunächst unmittelbar aus der bereits laufenden Energie- und Müllanalyse. Die Punkte, die dort von Spezialisten aufgezeigt werden, wollen wir, soweit auch wirtschaftlich machbar, umsetzen. Ein Ziel ist es zum Beispiel universitätsweit im kommenden Jahr das Müll- und Wassermanagement aufgrund dieser Analyse zu verbessern.

Uni:Nachhaltig goes ÖH Green Campus Wie bereits berichtet, initiierten Studierende der ÖH Salzburg vor einem Jahr das Projekt Uni:Nachhaltig, um das Bewusstsein für Nachhaltigkeit in den Köpfen zu verankern. Bald schon machte Rektor Heinrich Schmidinger das Projekt zu einem gesamtuniversitären Anliegen und bestellte Thomas Weiger zum Nachhaltigkeitskoordinator. Nach Entwicklung eines Strategiepapiers zusammen mit der ÖH keimte bald die Idee auf, das Projekt unter dem Dachnamen „Green Campus“ zu führen. So beschreibt „PLUS Green Campus“ die nachhaltigen Tätigkeiten seitens der Universität und „ÖH Green Campus“ jene der ÖH. Alle ÖH-Informationen zu bereits verwirklichten und anstehenden Projekten, die genaue Zielsetzung und Kontaktmöglichkeiten bei Interesse am Mitwirken findet ihr unter: www.oeh-salzburg.at/uninachhaltig.


Umweltschutz

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Studierendenheime & Umweltschutz: Mehr als nur ein Lippenbekenntnis Studierende, die ihre Residenz in einem Wohnheim aufgeschlagen haben, legen ganz nebenbei und vermutlich unbewusst, ein umweltfreundliches Verhalten an den Tag. Zumindest wenn sie eines der Zimmer des Salzburger Studentenwerks in Beschlag genommen haben. Von Sandra Bernhofer Wer dieser Tage am Franz-von-Sales-Kolleg vorbeischlendert oder gar darin wohnt, wird es längst bemerkt haben: Es wird heftigst renoviert. Schon im Vorjahr war das Haus mit Vollwärmeschutz ummantelt, die Fenster ausgetauscht und die von der Wohnbauförderung empfohlenen thermischen Maßnahmen vorgenommen worden. So erfolgt die Warmwasseraufbereitung inzwischen über Solaranlagen; während früher Öl- und Gasheizungen der Stand der Dinge waren, sind mittlerweile alle Studierendenheime auf Fernwärme umgestellt worden. Das Franzvon-Sales-Kolleg heizt überhaupt mit einer sogenannten Luft-Solar-Wärmepumpe, die mit Hilfe von Umgebungsluft einen Pufferspeicher mit Wassertank erwärmt, das er-

wärmte Wasser wiederum beheizt das Haus. Diese umweltfreundliche Methode kommt etwa auch im Concordia-Heim in Klagenfurt zum Einsatz. Aus Alt mach umweltfreundlich Georg Leitinger ist der Geschäftsführer des Salzburger Studentenwerks, das nicht nur der größte Studierendenheimträger in Salzburg ist, sondern auch die Dachorganisation zu dem das Franz-von-Sales-Kolleg gehört. Im Interview erzählt er, dass nicht nur das FSK, wie es von InsiderInnen genannt wird, auf den neuesten Stand der Wohnbautechnik gebracht wurde, sondern auch die älteren Studierendenheime, die zum Teil noch aus den 60er und 70er Jahren stammen, darunter das Internationale Kolleg oder das Europakolleg. Darüber hinaus sind, um den Stromverbrauch zu senken, sämtliche Häuser auf Energiesparlampen oder LED-Beleuchtungskörper umgestellt worden. Ein weiterer wichtiger Punkt auf der Agenda betrifft die Kühlschränke, die sukzessive ausgetauscht werden. Darüber hinaus werden – ebenfalls laufend – neue, besser gedämmte Boiler eingebaut, was ebenfalls zu einer erheblichen Stromersparnis führt, denn kosten- und damit energierele-

vant seien in erster Linie die Kühlschränke und Heizanlagen, erklärt Leitinger. Die neu errichteten Häuser – der Campus Urstein, das Matador in Kuchl, das MozartStudentenheim sowie jenes, das gerade in der Gaswerkgasse entsteht, – wurden darüber hinaus mit Sensorarmaturen an den Waschbecken ausgestattet. „Das Wasser läuft somit nur, wenn man die Hände darunter hält, das heißt, nur wenn man es wirklich braucht“, erklärt Leitinger deren Funktion. 30 Prozent Wasserersparnis soll diese Maßnahme bringen. Um dem Verbrauch weiter vorzubeugen, sind bei den Duschköpfen sogenannte Perlatoren installiert. Diese reichern das Wasser mit Luft an, sodass zwar genug zum Waschen aus den Düsen fließt, im Endeffekt aber doch weniger herauskommt. Die Strahlregler können den Wasserverbrauch um etwa 40 Prozent verringern. „Das Salzburger Studentenwerk hat im Bereich Umweltschutz bzw. Nachhaltigkeit sehr viel getan“, fasst Leitinger die Maßnahmen zusammen. Neues und Wegweisendes Das Vorzeigeprojekt schlechthin ist aber das Heim Matador in Kuchl, das ein hundertprozentiges Passivhaus ist. Das bedeutet,

dass über die Abwärme vom Kochen sowie von den PCs und Menschen in den Räumen die Luft erwärmt wird. Damit steht es in der Tradition eines Paradestudierendenheims in Wien, das 2005 in Betrieb genommen wurde: als weltweit erstes Passivhaus-Studierendenheim. Eine Evaluation im Jahr 2007 hat ergeben, dass im Vergleich zu einem herkömmlichen Wohnhaus vier Fünftel an Heizenergie und damit auch der Treibhausgasemissionen eingespart werden können. Das Passivhaus-Wohnheim weist damit eine erfreuliche Energieperformance auf und leistet einen deutlichen Beitrag zum Klimaschutz. Mit ähnlichen Ergebnissen dürfte auch die Studierenden-Residenz in Kuchl aufwarten. Die Streichung der Förderung für die Generalsanierungen der österreichischen Studierendenheime durch das Wissenschaftsministerium wird auf Vorhaben, die dem Umweltschutz dienen, übrigens keinen Einfluss nehmen, schließlich stehen diese Maßnahmen im Interesse des Salzburger Studentenwerks – immerhin lassen Energiesparmaßnahmen ja auch die Betriebskosten dahin schmelzen.

Leere Mägen, volle Tanks? Seit der letzten Erdölkrise geistern Begriffe wie „globales Ölfördermaximum“ oder „Peak Oil“ durch die Weltwirtschaft. Die zur Problemlösung gedachten alternativen Treibstoffe laufen bei genauerer Betrachtung jedoch Gefahr, zum Nullsummenspiel zu verkommen. Von Teresa Burian Leidgeprüfte AutofahrerInnen können ein Lied davon singen: das Auf und Ab der Spritpreise an der Zapfsäule im Verlauf einer Woche macht die Fahrt zur Tankstelle jedes Mal zum Glücksspiel. Gebannt starrt man auf die Euro-Anzeige, deren Zahlen immer bedeutend schneller in die Höhe rattern als die Menge getankter Liter. Die globale Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen hat ein nie da gewesenes Ausmaß erreicht. Nicht nur im Transportwesen, sondern auch in der Energieversorgung sind wir mehr denn je auf Rohstoffe aus den Tiefen des Erdreichs angewiesen. Drei Ölkrisen innerhalb der letzten vierzig Jahre sprechen für sich. Und seit einiger Zeit bemerkt man anhand des größer werdenden Lochs in der Geldtasche, dass die wenigen, noch vorhandenen Ressourcen in ebenso wenigen Händen verteilt sind. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts, noch vor der Erfindung des Dieselmotors durch Rudolf Diesel, wurde ein Verfahren zur Herstellung eines „biologischen“ Treibstoffes beschrieben. Bei der Weltausstellung im Jahre 1900 berichtete Diesel von einem erdnussölbetriebenen Motor, der tadellos funktionierte. In den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts gab es in Europa bereits zahlreiche Biodieselanlagen. Eine intensivere Auseinandersetzung mit alternativen Treibstoffen, aus erneuerbaren Biomassen wie Ölpflanzen, Getreide oder Holzresten gewonnen, erfolgte

dennoch erst durch das konstante Rekordhoch von Rohöl (über 150 Dollar pro Barrel im Sommer 2008) der letzten Jahre. Biodiesel – das neue „schwarze Gold“? Fossile Brennstoffe „wachsen“ nicht schnell genug nach, über kurz oder lang (eher kurz) sind diese Rohstoffe erschöpft. Bis der letzte Tropfen jedoch in umgewandelter Form in die Atmosphäre gepustet wird, vergeht ausreichend Zeit, die es den Ölmultis erlaubt, jene Vorkommen anzuzapfen, deren Erschließung bisher unrentabel gewesen wäre. Die sogenannte „willingness to pay“ der KundInnen , also die Bereitschaft, für ein bestimmtes Produkt einen bestimmten (meist hohen) Preis zu bezahlen, scheint sehr flexibel, aber nicht unendlich zu sein. Doch die Nachfrage geht über das Angebot hinaus. In Österreich wird seit 2005 Dieselkraftstoff mit einer Biokomponente an den Tankstellen verkauft. Grundlage dafür ist die Europäische Biokraftstoffrichtlinie 2003/EG/30, die eine schrittweise Substituierung der fossilen Treibstoffe vorsieht. Der ursprüngliche Anteil von 5 % Biodiesel wurde im Jahr 2009 auf 7 % angehoben. Im Vorfeld wurde heftigst über die Verträglichkeit dieser neuen Kraftstoffmischung mit einzelnen Motorentypen diskutiert. Die Regierung war darum bemüht, FahrzeughalterInnen zu versichern, dass keinerlei oder kaum Anpassungsmaßnahmen erforderlich sein werden. Schlechte Erfahrungen und Schäden blieben trotzdem nicht aus: Da Biodiesel zähflüssiger als rein fossiler Diesel ist, kommt es bei Autos mit einer bestimmten Einspritztechnik zu Problemen mit der Kraftstoffpumpe. „Wir öffnen die Büchse der Pandora.“ Mit mahnendem Fingerzeig auf Bestimmungen des Kyoto-Protokolls wird immer wieder

auf die Vorzüge des Biodiesels als hochwertigen und umweltverträglichen Treibstoff verwiesen. Die teurere Variante wird aus frischen, pflanzlichen Ölen, wie beispielsweise Raps-, Soja-, Sonnenblumen oder Palmöl gewonnen. Als geringwertigere Rohstoffe werden Altspeiseöl oder auch Tierfette herangezogen. Biodiesel ist biologisch abbaubar, nicht wassergefährdend, zumeist ohne Aufrüstung der Motoren einsetzbar, ungiftig und hat etwa um die Hälfte weniger Ruß-Emissionen als herkömmlicher Diesel. Die bei der Verarbeitung entstehenden Abfallprodukte werden zu Futtermitteln weiterverarbeitet. Beim Thema Klimafreundlichkeit und Ökobilanz scheiden sich jedoch die Geister. BefürworterInnen betonen die bessere Umweltverträglichkeit im Vergleich mit anderen Biotreibstoffen, wie etwa Mais-Ethanol. Die geringeren Ruß-Emissionen werden jedoch von anderen schädlichen Verbrennungsprodukten, beispielsweise Ozon fördernden Gasen, überschattet. Die Chemie-Professorin Katharina Kohse-Höhnighaus von der Universität Bielefeld warnte in einer Studie vor der überstürzten Verwendung des bisher noch kaum erforschten Biokraftstoffes. Nicht alle möglichen Verbrennungsprodukte wären absehbar: „Wir öffnen die Büchse der Pandora. Wir verwenden Stoffe, ohne vorher unsere Hausaufgaben gemacht zu haben.“ Abholzungen für „Biodiesel“ Eine auf den ersten Blick günstige Ökobilanz muss auch im Zusammenhang mit den Landnutzungsänderungen kritisch betrachtet werden. In Schwellenländern wie Indien finden große Regenwaldrodungen (oft mittels Brandrodung) statt, um Ölsaaten anbauen zu können. Die dabei entstehenden CO2-Emissionen werden oft nicht berücksichtigt. Eine Bewirtschaftung mit Monokulturen bedeutet eine einseitige Auslaugung des Bodens, zusätzlich gefährden bestimmte Insektizide, welche für gleichbleibende Erträge garantie-

ren sollen, die Artenvielfalt in diesen Gebieten. Nichts Neues in unserer Welt des ewigen Konflikts zwischen Naturschutz und Ausverkauf von Ressourcen und Rohstoffen, mag man denken. Doch gerade in weniger industrialisierten Ökonomien ist der großflächige Anbau von Ölpflanzen für die Treibstoffgewinnung problematisch. Diese Agrarflächen verringern die Fläche für Lebensmittelpflanzen. Die Folgen können eine Verknappung und Verteuerung der Lebensmittel sein, wie bei der mexikanischen Tortilla-Krise im Jahr 2007. Aufgrund der hohen Nachfrage amerikanischer Ethanolproduzenten explodierten die Preise für Mais – einem wichtigen Grundnahrungsmittel Mexicos. Für viele Bauern und Bäuerinnen ist es oft profitabler, ihre Ernte an Treibstoffhersteller zu verkaufen, zumal diese, wegen der relativ geringen Energieausbeute, große Abnehmer sind. Ein Auto mit Biokraftstoff benötigt für 140 km den Jahresbedarf an Getreide eines Menschen. Die Folgen einer Verknappung am Ernährungssektor werden in Entwicklungsländern für reichlich Konflikt sorgen, Hungeraufstände drohen. Die Subventionen für die Herstellung von Biokraftstoffen, unter anderem durch die EU, bewirken genau das Gegenteil von dem, was die Klimabilanz tatsächlich verbessern würde. Nämlich eine Einschränkung des globalen Transport- und Verkehrsaufkommens, die Weiterentwicklung von Elektro- und Wasserstoffmotoren, sowie ein Umdenken in der Energiegewinnung und der Ausbau von Wind- und Wasserkraft. Wie erfolgreich die Verwendung von Biodiesel und Co. als Ersatz für fossile Brennstoffe tatsächlich ist, wird sich noch herausstellen. Derzeit sieht es jedoch so aus, dass diese Alternative (einmal mehr) nur der ohnehin bereits privilegierten Zivilisation in Industriestaaten zugute kommt.


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Umweltschutz

Umweltsünden von Gestern sind schwer zu verzeihen Das Halleiner Tierheim soll ein neues Katzenhaus bekommen. Doch auf dem dafür vorgesehenen Areal fand man eine alte Mülldeponie. Die Sanierung solcher noch zahlreich vorhandener Altlasten ist teuer.

Einsatz von Chemikalien wird das Entsorgen von Problemstoffen immer schwieriger, die Gefahr von negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt immer größer. Bewegung in diese Thematik kam erst nach dem spektakulären Fall der niederösterreichischen „Fischer-Deponie“ im Jahr 1987. Inmitten eines riesigen Grundwasserreservoirs wurde illegal giftiger Industriemüll abgelegt, was zur Verseuchung des Wasservorkommens in der Mittendorfer Senke führte, einem der größten Wasserspeicher Mitteleuropas. Nach etwa 160 LKW-Ladungen täglich und rund 130 Mio. Euro Kosten war die Sanierung nach drei Jahren abgeschlossen. In den letzten Jahren bemühte man sich um eine Wiederbegrünung der ehemaligen Deponie.

Von Teresa Burian

Noch zahlreiche Altlasten in Österreich

Seit geraumer Zeit muss das Tierheim in Hallein immer mehr Fundtiere aufnehmen. Die Betreuung und vor allem die Weitervermittlung von Hunden und Katzen sind vorbildlich, weshalb sich der Salzburger Landesrat Sepp Eisl für eine Erweiterung der Unterbringungsmöglichkeiten einsetzte. Das Projekt, sechs Räume mit Möglichkeiten zum Freigang, einem Operationssaal und passender Ausstattung, war ursprünglich mit 200.000 Euro veranschlagt worden. Bei dem Umwidmungsverfahren wurde aufgrund neuer geologischer Untersuchungen nun festgestellt, dass auf dem dafür geplanten Gelände früher eine Mülldeponie war. Damit verzögert sich nicht nur der Bau des Katzenhauses. Auch der finanzielle Umfang des Projekts dürfte aus allen Nähten platzen. Die Bezirkshauptmannschaft Tennengau prüft nun, welche Sanierungsmaßnahmen notwendig sind. Die Kosten dafür werden vom Land Salzburg als Grundstückseigentümer übernommen. Die kleine Industriestadt Hallein hat nicht zum ersten Mal mit Müll-Sünden in dieser Größenordnung zu tun. In den Jahren 2003 bis 2004 fand bereits die Sanierung der „Hausmüll- und Klärschlammdeponien Urstein“, mit einer Fläche von etwa 45.000 m² statt. In den 1970er Jahren wurde hier ein Abfallvolumen von etwa 200.000 m³ Hausmüll, Bauschutt, Aushubmaterial und Klärschlamm einer Papier erzeugenden Fabrik abgelagert. Die Deponie verfügte über keinerlei technische Schutzvorrichtungen, und Sickerwässer gelangten ungehindert ins Erdreich. Teilweise kam es auch zu einer direkten Einlagerung der Abfälle im Grundwasser, Messwerte ergaben eine dementsprechend erhöhte Belastung. Die Kosten der Sanierung beliefen sich auf ca. 52 Mio. Euro, ein großer Teil wurde von der öffentlichen Hand finanziert. Die Entsorgung in der Natur war Routine Die gängige Praxis der rücksichtslosen Entsorgung von Unrat aller Art in Wäldern, Flüssen und auf „wilden“ Deponien hatte von den Nachkriegsjahren bis in die 1980erJahre hinein Hochkonjunktur. Hinzu kamen die fehlenden Abfallwirtschaftspläne und die gedankenlose Entsorgung von wassergefährdenden Stoffen in den Ableitungen von Industrie und Gewerbe. Diese Unbedachtheit kommt uns nun teuer zu stehen, denn das Sanieren von belasteten Arealen verschlingt meist Millionenbeträge im zweistelligen Bereich. Auch heute, selbst bei entsprechenden Vorsorgemaßnahmen, kann durch Betriebsunfälle oder Lecks in Lagerbeständen auf Betriebsgeländen das Grundwasser verunreinigt werden. Durch den weit verbreiteten

Wirft man einen Blick auf den Altlastenund Verdachtsflächenkataster Österreichs, wird das ungeheure Ausmaß dieses Umweltproblems ersichtlich. Derzeit gibt es noch über 60.000 registrierte Altablagerungen (befugte und unbefugte) und Altlastenstandorte (zusätzliche Kontamination der Böden oder des Grundwassers). Bei den Letztgenannten kommt erschwerend hinzu, dass dort nach einer sogenannten Gefahreneinschätzung von erheblichen Gefährdungen für Mensch und/oder Umwelt ausgegangen wird. Bei den Verdachtsflächen, in Österreich übrigens über 2.100 Areale, handelt es sich um abgrenzbare Bereiche dieser Müllgebiete, von denen aufgrund der früheren Nutzung ebenfalls Gefahren ausgehen könnten. Gibt es für ähnliche Areale nicht hinreichend Beweise, dass es sich um Verdachtsflächen handelt, so werden sie vorerst als Beobachtungsflächen ausgewiesen. Spitzenreiter bei den registrierten Altablagerungen ist Oberösterreich mit 1.467, gefolgt von Niederösterreich mit 1.139 Standorten. Bei den Altlaststandorten ist Wien mit über 14.844 ausgewiesenen Flächen trauriger Spitzenreiter, Oberösterreich reiht sich mit 9.099 Gebieten gleich dahinter ein. Schätzungen des österreichischen Umweltbundesamtes zufolge besteht momentan bei bis zu 2000 Altlasten Sanierungsbedarf. Derzeit müssten für die Sicherung bzw. Sanierung dieser Gebiete etwa 4,4 Milliarden Euro aufgewendet werden. Den Höchststand erreichten die Ausgaben für die Altlastensanierungen im Jahr 2003: insgesamt wendete der Bund etwa 200 Mio. Euro auf. In diesem Jahr fielen einige große Projekte zusammen.

sagt werden musste, da die Sanierung einer alten Deponie (Kostenpunkt 80 Mio. Euro) mit zwei bis drei Millionen aus dem Gemeindebudget unterstützt werden musste. Teure Wiederherstellung von Nutzflächen Seit Einführung des Altlastensanierungsgesetzes (ALSAG) im Jahr 1989 bis 2006 betrugen die Gesamtkosten der Sanierungen 1,1 Mrd. Euro, wie eine Studie zum Thema belegt. Etwa 80% davon wurden vom Bund übernommen. Bis 2002 bildeten betroffene Länder und Gemeinden etwa die Hälfte der Förderungswerber, mittlerweile ist jener Anteil zugunsten von privaten oder betrieblichen Bewerbern, wie zum Beispiel der Metall- und Immobilienbranche, deutlich gesunken.

Den Großteil der noch zu sanierenden Alt­ standorte bilden Gebiete mit Lösungsmittelund Mineralölschäden. Die österreichischen Umweltqualitätsziele schreiben eine vollständige Entsorgung aller Altlasten bis 2050 vor, doch dafür werden mehr finanzielle Mittel sowie eine Weiterentwicklung von kostengünstigen Sanierungstechnologien notwendig sein. Durch die Reparatur von kontaminierten Gebieten können die entsprechenden Flächen wieder in Grün- oder auch Wohnflächen umgewandelt werden. Beispielsweise für das Halleiner Katzenhaus oder ein SeniorInnenheim in Anif. Angesichts der ungeheuren Ausgaben für die Wiederherstellung und Nutzbarmachung dieser Areale bleibt zumindest die Erkenntnis, dass dem Schutz von Böden und Wasservorkommen mehr Bedeutung denn je zukommen muss.

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So haben sich die verwaisten Halleiner Samtpfoten das wohl nicht vorgestellt.

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Deponiesanierung verhinderte Bau eines SeniorInnenheims Je nach Zustand dieser vermeintlich unsichtbaren Deponien und der von ihnen ausgehenden Gefahren für die Umwelt, werden sie in drei Prioritätengruppen eingeteilt. Bei der Räumung erfolgt das Ausheben und Entsorgen einer Deponie, beim Sichern sollen weitere Schäden durch sich ausbreitende gesundheits- und umweltgefährdende Stoffe verhindert werden. Die deutlich teurere und in manchen Fällen notwendige Totalsanierung von Altlasten bedeutet den kompletten Aushub einer Deponie und das weitreichende Abtragen von kontaminiertem Material. Die Trennung und weitere Aufbereitung bzw. Entsorgung der ausgehobenen Masse ist aufwendig und kostenintensiv. Zwar werden diese Maßnahmen vom Bund gefördert, doch ein Großteil der Gelder müssen von den jeweiligen GrundstückseigentümerInnen aufgebracht werden. Im Jahr 2007 bedeutete dies zum Beispiel für die Gemeinde Anif, dass der geplante Bau eines SeniorInnenheims abge-

Der Aushub von Altlasten kostet viele Millionen.

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Besonders Mineralölablagerungen und andere Giftstoffe gefährden Böden und Wasser.


Politik

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Dunkles Jubiläum: 30 Jahre HIV/Aids Dieser Tage begehen wir ein eher unerfreuliches Jubiläum: Das „Humane Immundefizienz“-Virus wurde vor nunmehr 30 Jahren entdeckt. Medizinische Fortschritte wurden erzielt, HIV ist aber nach wie vor die schlimmste Epidemie der Moderne. Vorurteile und Angst gegenüber HIV-Positiven resultieren daraus – selbst in unserer aufgeklärten Zeit.

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Von Sandra Bernhofer Am 5. Juni 1981 gingen die rätselhaften Fälle junger homosexueller Männer, die an Lungenentzündungen gestorben waren, durch US-amerikanische Medien. Zwei Jahre später sollten sie sich als die ersten offiziellen Opfer von HIV/Aids entpuppen. Wenngleich das HI-Virus bereits davor einige Jahrzehnte existiert haben dürfte, gilt dieser Tag gemeinhin als der Beginn der Aids-Ära. Inzwischen ist die Epidemie zu einer globalen Krise geworden: Seit ihrem Ausbruch hat sie mehr als 30 Millionen Todesopfer gefordert, rund 60 Millionen Menschen wurden mit HIV infiziert. 2009 lebten weltweit 33,3 Millionen Menschen damit. Im selben Jahr gab es 2,6 Millionen Neuinfektionen und 1,8 Millionen Aids-Tote. In Österreich gelten momentan rund 9000 Personen als HIV-positiv, überwiegend heterosexuelle Männer. Jährlich gibt es 500 Neudiagnosen. In der Medizin wurden in den letzten Jahren riesige Fortschritte gemacht, Medikamente ermöglichen Infizierten inzwischen ein akzeptables, längeres Leben. Ein wirkliches Heilmittel gibt es jedoch noch immer nicht. Der einzige Weg, sich gegen das HI-Virus erfolgreich zu wehren, ist sich selbst und andere zu schützen: Durch eine entsprechende Aufklärung hat sich weltweit gesehen die Ausbreitung der Krankheit allmählich verlangsamt. Stigmatisierung und Diskriminierung Eigentlich sollte heutzutage hinreichend bekannt sein, dass HIV durch ungeschützten Geschlechtsverkehr, Verwendung von infizierten Blutprodukten oder etwa bei einer Schwangerschaft von der Mutter auf das ungeborene Kind übertragen wird. Jedem/r sollte klar sein, dass Händeschütteln und miteinander Reden völlig gefahrlos sind. Und dennoch machen Infizierte immer wieder die Erfahrung, dass die Mitmenschen mit Ablehnung, Angst und Verunsicherung auf ihre Krankheit reagieren. Die gesellschaftliche Akzeptanz ist offensichtlich auch heute noch nicht gegeben, offene Diskriminierung leider keine Ausnahme: HIV-infizierten/Aidskranken Menschen wird die Einreise in einige Länder verwehrt, sie werden häufig von bestimmten Versicherungen ausgeschlossen, von ihren Familien verstoßen, aus ihrer beruflichen Tätigkeit verdrängt oder sozial isoliert. Weitere Informationen Weitere Informationen zur Diskriminierung von HIV-positiven Menschen findet ihr in PlusMinus, dem Magazin der österreichischen Aidshilfen: http://www.aidshilfen.at/pdf/pm0408screen.pdf Aidshilfe Salzburg Linzer Bundesstraße 10 Tel.: 0662/881 488 www.aidshilfe-salzburg.at

HIV - längst kein Todesurteil mehr, aber immer noch gesellschaftlich stigmatisiert

Aidshilfe Salzburg Florian Friedrich, Präventionsmitarbeiter in der Aidshilfe Salzburg, hat mit uns über die gesellschaftspolitische Komponente von HIV/Aids gesprochen. Was ist deine Erfahrung, wie gehen Betroffene damit um, wenn sie erfahren, dass sie HIV-positiv sind? Friedrich: Die meisten am Anfang natürlich sehr schlecht. Es gibt aber auch Leute, die nach außen hin wenig betroffen scheinen, es gibt Leute, die’s am Anfang verdrängen, und erst nach ein paar Monaten so richtig zusammenbrechen und es gibt Leute, die von Anfang an relativ gut damit zurechtkommen. Das ist sehr, sehr unterschiedlich. Die meisten wissen halt nach wie vor nicht, dass HIV keine tödliche Krankheit ist. Gefährlicher ist Aids, das im Endstadium ausbricht, wenn das Immunsystem total zerstört ist, weil fast alle weißen Blutkörperchen vom Virus angegriffen worden sind, und man Krankheiten wie Lungenentzündung, Infektionen im Gehirn, Pilzbefall bekommt. Aids bricht aber heute selten aus, weil es seit 1996 Medikamente gibt, mit denen man den Ausbruch auf Jahrzehnte hinaus, wenn nicht sogar überhaupt, verhindern kann. Wir haben mittlerweile Patienten, die sind 70 Jahre alt und leben seit 30 Jahren mit dem Virus. Vielen Leuten ist nicht bewusst, dass die Lebenserwartung so hoch ist. Wie reagieren direkte Angehörige, also Familie, Freunde, auf die Diagnose? Friedrich: Ich habe einen Arbeitskollegen, der sehr offen darüber spricht, der hält auch Workshops in Schulklassen und erzählt, wie sein Freundeskreis reagiert hat. Bei ihm war das in den 90er Jahren noch so, dass sich die Hälfte total distanziert hat oder den Kontakt gleich abgebrochen hat, die andere Hälfte ist zu ihm gestanden. Sehr oft reagieren aber gerade die Familienangehörigen sehr schlimm. Neulich habe ich einen schwulen jungen Mann kennengelernt, bei dem haben die Eltern gesagt, das sei die Strafe Gottes für seine Homosexualität. Die Reaktionen sind sehr, sehr unterschiedlich, auch je nachdem, aus welchem Umfeld jemand kommt. Wenn jemand aus einem christlich-fundamentalistischem Umfeld kommt, reagieren die Angehörigen wahrscheinlich anders als Leute aus einem Umfeld mit einem höheren Bildungsstatus, aber auch da ist es sehr unterschiedlich. Aber mein Eindruck ist schon, dass viele Angehörige das Ganze tabuisieren oder sehr negativ reagieren, gerade am Anfang. Die müssen das natürlich auch erst verkraften. Hat sich innerhalb der letzten 30 Jahre in der gesellschaftlichen Akzeptanz von HIV/Aids etwas verändert? Friedrich: Medizinisch ist HIV ja kein Todesurteil mehr, da hat sich total viel gebessert, aber gesellschaftspolitisch hat sich an den Diskriminierungen kaum etwas verändert. Ende der 90er war das anscheinend schon mal besser. In den letzten Jahren wird die Panik vor HIV wieder größer, warum auch immer, da gibt’s verschiedene Theorien, etwa das schöne Schlagwort von Michael Moore „Society of Fear“. Es ist so, dass unsere Gesellschaft sehr viel mit Sicherheitsdenken arbeitet und irrationale Ängste vor Krankheiten wieder größer werden. Aufgrund der Medikamente kann man heute zwar lange weiterleben, aber aufgrund der Diskriminierungen ist es psychisch genauso schwer wie früher. Vor ein paar Jahren hat es Umfragen in Schulen gegeben, bei denen herausgekommen ist, dass die Kinder mit ihrem besten Freund, ihrer besten Freundin, nicht mehr Computer spielen würden, wenn sich herausstellen würde, dass dieser/diese, Aids hätte. Auch sonst sind Diskriminierungen präsent, sei es bei Versicherungen, am Arbeitsplatz …

Wie sieht die Gleichstellung am Arbeitsplatz aus? Welche arbeitsrechtlichen Instrumente gibt es hier für Betroffene, sich gegen mögliche Diskriminierungen zur Wehr zu setzen? Friedrich: Rechtlich ist es so wie bei allen anderen Krankheiten auch, dass man in allen Berufssparten – bis auf eine: Prostitution – arbeiten darf, solange man die erwartete Leistung erbringen kann, was bei HIV auch der Fall ist. Es ist deshalb nicht zulässig, beispielsweise einen negativen HIV-Test zur Anstellungsbedingung zu machen oder ArbeitnehmerInnen aufgrund einer HIV-Infektion zu kündigen. Wir raten unseren KlientInnen aber, dem Arbeitgeber, der Arbeitgeberin, nichts zu sagen, weil die meisten total überzogen reagieren und entweder versuchen, die Betroffenen rauszumobben, oder nach irgendeinem Kündigungsgrund suchen. Es gibt durchaus Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen, z.B. den Arbeitsplatz zurückzuklagen, die meisten verzichten aber darauf, weil sie sich in einem solchen Umfeld nicht mehr wohlfühlen würden. Wie unterstützt die Aidshilfe Salzburg Betroffene? Friedrich: Wir von der Aidshilfe bieten medizinische Hilfe und psychologische Hilfe an, um KlientInnen dabei zu helfen, mit einem positiven Testergebnis fertig zu werden. Wir unterstützen sie dabei, eine Therapie zu beginnen und durchzuhalten. Nach einem möglichen Risikokontakt bieten wir kostenlose und anonyme HIVTests. Außerdem kommt Unterstützung in diversen Rechtsfragen. Es gibt auch ein Café, wo sich Betroffene austauschen können. Dadurch, dass wir ein sehr kleines Haus sind, läuft das alles sehr unbürokratisch ab. Wie lässt sich die Öffentlichkeit sensibilisieren, was trägt zum Vorurteilsabbau bei? Friedrich: Wir arbeiten viel über das Internet, bieten Workshops an und sind auch sehr viel in Schulen unterwegs. Die Palette reicht hier von Vorträgen über Exkursionen bis hin zum Einsatz von Peers, das heißt, dass sich Jugendliche unter Ausschluss von Erwachsenen über Sexualität und sexuell übertragbare Krankheiten wie HIV, Aids und Hepatitis unterhalten. Ziel ist es, aktuelles Wissen über Infektionsrisiken und Übertragungswege zu verbreiten. Außerdem sind wir am Welt-Aids-Tag mit Veranstaltungen sehr präsent. Würdest du sagen, dass der Umgang mit HIV/Aids durch die bessere Behandelbarkeit ein unvorsichtigerer geworden ist? So nach dem Motto „Mir passiert schon nichts“? Friedrich: Ja. Das lässt sich vor allem bei den jüngeren Generationen beobachten. Obwohl die Jugendlichen heute viel besser aufgeklärt sind und über die Risiken von Aids Bescheid wissen, haben viele eine äußerst laxe Verhütungsmoral, die irgendwie konträr zu diesem Sicherheitsdenken steht, das gleichzeitig um sich greift. Aids wird heute unter Jugendlichen auch nicht mehr ausreichend thematisiert, in den 80ern wurde viel mehr darüber gesprochen. Damals – das kommt auch in Statistiken sehr gut heraus – war die Angst vor Aids eine viel größere, weswegen auch viel mehr verhütet wurde. Heute wird damit viel zu lax umgegangen. Nur gut, dass der HI-Virus zu den schwer übertragbaren Erregern gehört, anders als etwa Syphilis, wo die Ansteckungsgefahr bei über 80 Prozent liegt. Bei HIV liegt diese nur bei 1 bis 10 Prozent. Es gibt Leute, die schlafen zehn Mal mit einem HIV-Positiven und es passiert nichts, aber genauso gut kann es sein, dass man sich gleich beim ersten Mal infiziert.


Politik

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Prostitution in Salzburg Sind Prostituierte schlichtweg völlig selbstständig agierende Sexworkerinnen oder verschleppte Opfer von Ausbeutung, die gesellschaftlich erduldet aber nicht erwünscht sind? Prostitution ist facettenreich und wohl kaum mit einem gängigen Klischee abgetan. Nichtsdestotrotz wissen wir, die „bürgerliche Mittelschicht“, kaum etwas über diesen Lebensraum. Willkür in der Verhängung von Verwaltungsstrafen, gesetzliche Grauzonen, Beschränkung der legalen Prostitution auf eine selbstständige Tätigkeit sowie gesellschaftliche Ächtung führt mitunter zu einer rechtlich als auch ökonomisch prekären Lebenswelt für Prostituierte. Von Jennifer Rödl Medial werden wir mit Images und Klischees zugedröhnt: auf der einen Seite die „geile Studentin“, die mit ihrem Nebenjob reich wird, oder die Managerin, die sich zur Entspannung, mal schnell anbietet, auf der anderen Seite minderjährige Mädchen, die als „Models“ nach Österreich kommen und selbst noch schwanger in Bordellen arbeiten. Dementsprechend verunsichert ging ich in der Rolle der Journalistin auf das Thema Prostitution zu, und in jedem Falle bereichernd und bestärkend war das Gespräch mit Lena (Namen und Orte wurden zum Schutz der Personen geändert), einer österreichischen Prostituierten. Lena ist ein offener Typ, sie hat sich nie versteckt, in ihrer Nachbarschaft wissen alle „was Sache ist“, wie sollte sie es auch verheimlichen, schließlich geht sie auf den Straßenstrich. Es gibt in Österreich kein einheitliches Prostitutionsgesetz, viel mehr wird ein Querschnitt aus dem Strafgesetz, Geschlechterkrankheitengesetz, Gewerberecht, Steuerrecht, kommunalem Recht und der Landesgesetze angewendet. Während in Wien auch „das Gehen auf den Strich“ erlaubt ist (allerdings ab 1. November nur noch in bestimmten Zonen), ist dies in Salzburg oder Vorarlberg nicht gestattet. Vorarlberg umgeht die Prostitution indem es bis jetzt noch keinem einzigen Bordell eine Konzession erteilt hat. Lena hat einen zwölfjährigen Sohn. Vor Kurzem hat sie ihm erzählt, „was Sache ist“, denn er wurde schon von älteren Jungs geärgert. Sie nähern sich langsam wieder an, keiner weiß so recht, wie mit der Situation umzugehen ist. Auch die Eltern in der Schule wissen Bescheid, aber da gibt es eigentlich keine Diskussionen oder Mobbing. Wie kommt wohl eine Frau wie Lena zur Prostitution? Ist es eine typische Geschichte? Aufgewachsen im Milieu, Alkoholentzug mit 16, Tod der Mutter mit 18, Obdachlosigkeit (trotz Lehrabschluss) und dann ist der Schritt auch nicht mehr weit, es mal zu probieren. Es gibt verschiedene Theorien, wie man zur Prostituierten wird, von der noch halbwegs ansprechenden Milieutheorie, bis zu Theorien über psychopathische Persönlichkeitsstrukturen. Prostitution wird mitunter durch mangelnde Triebkontrolle erklärt. Kaum Begründungen versuchen WissenschaftlerInnen aber für die Freier zu finden. Inzwischen ist die Theorie von der Prostitution als Sexwork vorherrschend: aus den Opfern werden Akteurinnen. Neue Forschungen belegen vielmehr, dass Sexworkerinnen unter den ungünstigen Arbeitsbedingungen und der gesellschaftlichen Ausgrenzung mehr zu leiden haben, als am eigentlichen Tauschhandel. 80 Euro kostet der Sex bei ihnen. Letztens stand ein Mädchen aus dem Ostblock mit einem Schild „Sex für 15 Euro und Blasen für 10 Euro“ an der Straße. Natürlich macht ihnen so etwas das Geschäft kaputt. Früher, vor dem Schengenabkommen, verdiente Lena sehr gut. „Das bisschen Geld kann doch dort

im Osten auch nicht so viel wert sein“, meint sie. Ich selbst frage mich, ob diese geringe Summe nicht einladend wirkt auf viele Männer, sich „diesen Luxus“ mal zu gönnen? Ob Lena denn keine Angst hat, frage ich sie. Natürlich. Sie lebt mit der Angst im Nacken. Sie wurde bereits Opfer einer Vergewaltigung durch einen Freier, 1997. Die gerufenen Polizisten waren sehr hilfreich. Es kommt dann auch zu einer Verurteilung, der bereits auffällige Täter wird zu einer achtmonatigen Haftstrafe verurteilt. Da sie ja nur Prostituierte ist, fügt Lena hinzu. Als der Täter seine Haftstrafe abgesessen hat, vergewaltigt er erneut, diesmal so schwerwiegend (und keine Prostituierte), dass er für 6 Jahre ins Gefängnis muss, letztlich hat Lena ihn wieder gesehen. Als sie mir das erzählt, spüre ich, wie es mir die Luft abschnürt. So viel Leid und Ungerechtigkeit auf einmal? Ich bewundere ihren Mut, mir das zu erzählen, und auch dass sie sich letztendlich doch gewehrt hat, und zwar so sehr, dass der Täter nachher selbst ins Krankenhaus musste. Laut einer Studie von 1997 erfahren über 50% der Prostituierten (sexuelle) Gewalt. Statistisch gesehen sind Frauen, die jung in die Prostitution einsteigen oder über schlechte Schulbildung verfügen öfter davon betroffen. Untersuchungen weisen außerdem darauf hin, dass sich Frauen nur selten an Institutionen oder die Polizei wenden, da sie annehmen, es würde ihnen als Prostituierte weniger geglaubt, als den Männern. Was hält Lena von Bordellen und den jüngsten Anschuldigungen gegen BordellbetreiberInnen? Sie selbst hat nie dort gearbeitet, hauptsächlich wegen dem Alkohol, denn sie ist ja trocken. „Außerdem muss man sich da zuerst mal angrapschen lassen und dann kommt der Freier vielleicht gar nicht mit. Von dem her ist die Straße einfacher: Man wartet, jemand bleibt stehen, es wird verhandelt, gezahlt und ich steige ein. Außerdem verdient man in Klubs nicht wirklich gut, man darf niemanden ablehnen und es ist Voraussetzung, dass man auch ohne Gummi bläst.“ Ich hake nach, schließlich wird Syphilis so übertragen. Lena meint 70% ihrer Kunden wollen ohne Gummi, der Trend steigt. Viele der Frauen machen das auch in Bordellen, dort scheint die Angst vor einer Schwangerschaft größer als vor HIV und anderen Krankheiten. Ich frage Lena, ob sie es nicht ausbeuterisch findet, dass die Frauen dort ohne Kondom Oralsex anbieten müssen. „Nein, schließlich spielen die Klubs mit offenen Karten.“ Ich sehe eine Visitenkarte von der Polizei auf dem Tisch liegen. Lena arbeitet selbst mit der Schengen-Polizei zusammen, „damit die Straßen sauber bleiben“. Eigentlich scheint es mir mehr wie ein Nichtangriffspakt. Lena liefert Informationen, im Gegenzug erfährt sie, wann verdeckte Ermittler unterwegs sind. Außerdem macht sie wöchentlich ihre „Gesundheitstests“. Sie zahlt sich diesen Vaginalabstrich und den HIV-Test selbst, da der Straßenstrich ja illegal ist in Salzburg und sie, um diesen Test über das Gesundheitsamt zu machen, einen Dienstgeber (ein Bordell) angeben

Prostitution in Salzburg

Landesweit gibt es ca. 500 Prostituierte, 42 Bordelle, 17 alleine in der Stadt Salzburg und zehn Go-go-Bars. Neun von zehn Prostituierten stammen aus Osteuropa und sprechen schlecht Deutsch. Eine Anstellung in einem Bordell ist rechtlich nicht möglich, alle Sexarbeiterinnen sind „freie Mitarbeiterinnen“. Zuständig für Kontrollen ist das Amt für öffentliche Ordnung. Straßenprostitution ist in Salzburg verboten, Liebesdienste können also legal nur in Bordellen erworben werden.

müsste. Der finanzielle Aufwand, den Lena selbst zahlt beträgt in der Woche circa 80 €. Prostituierte müssen sich für eine legale Ausführung des Gewerbes registrieren lassen. Die Zahl der registrierten Prostituierten steigt. Für registrierte Personen ist eine regelmäßige Gesundheitsuntersuchung vorgeschrieben. Laut dem Wiener Prostitutions- und Landessicherheitsgesetz beträgt die Strafe für Nichteinhaltung dieser wöchentlichen Untersuchungstermine 1000 Euro. Freier müssen sich weder registrieren, noch irgendwelchen Tests unterziehen. Sollten Prostituierte wegen Krankheit oder Urlaub ihre Tätigkeit unterbrechen, haben sie das den Behörden zu melden, jeder Ortswechsel ist bekannt zu geben. Nachdem Prostitution als sittenwidrig eingestuft wird, ist es ihnen nicht möglich, vorenthaltene Entlohnung für geleistete Dienste einzuklagen. „Ob sie schon mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist“ möchte ich wissen, „immerhin ist Straßenprostitution in Salzburg ja verboten.“ „Bis vor Kurzem nicht, allerdings habe ich letztens auf der Straße einen verdeckten Ermittler angemacht. Natürlich musste ich dann eine Verwaltungsstrafe zahlen“, schmunzelt sie. „Aber das war auch saublöd von mir, wir wussten ja, dass die Fahnder heute unterwegs sind.“ Manchmal kommt es auch unter den Mädels zu Handgreiflichkeiten, inzwischen gibt es keine Zuhälter mehr, die das Gebiet „markieren“ und verteidigen. Ihre Zone, also die der sauberen Sexworkerinnen, geht bis zur Lehener Brücke, „danach stehen die Giftler“. Früher hat Lena viel Geld verdient, jetzt steht sie an der Grenze zur Armut. „Hätte ich damals nicht das ganze Geld für Drogen ausgegeben, könnte ich mir jetzt schon eine Wohnung leisten“. Als ihr Sohn auf die Welt kam, als sie dieses kleine gesunde Bündel in den Händen hielt, da war es vorbei mit den Drogen. Vorher hatte sie gar nicht registriert, was da auf sie zukam. Dass sie damals in der Schwangerschaft die Drogen nicht sein lassen konnte, kann sie sich auch jetzt kaum verzeihen. Bei jedem Schnupfen oder Husten fragt sie den Arzt, ob der Grund ihre damalige Drogensucht war. „Das Anschaffen wurde dadurch auch viel erträglicher“. Bis vor Kurzem hat Lena in einem Café gearbeitet, das nun leider zugesperrt hat. Sie engagiert sich sozial, arbeitet mit MigrantInnen

und kümmert sich um verwahrloste Tiere. Ganz normal irgendwie. Aus der Vergewaltigung hat sie gelernt, sie hat einen Freund, der aufpasst (und vor der Wohnung wartet), wenn ein Freier kommt, aber die meisten sind sowieso Stammkunden. Ich frage Lena, ob sie irgendetwas anders machen würde, wenn sie ihr Leben noch mal leben könnte. „Das mit den Drogen, das würde ich anders machen, da ich dadurch in die Armut fiel. Aber Prostituieren… das würde ich nicht anders machen.“ In jedem Fall wünscht Lena sich mehr Akzeptanz und Unterstützung einen „normalen offenen Umgang“ mit ihr, denn primär ist sie Mensch, Frau und Mutter und keine Hure. Abgesehen von einer gewissen Skandalisierung findet die Arbeit und Lebenswelt Prostituierter gesellschaftlich, medial und politisch wenig Interesse. Es lag nie wirklich in der Absicht der Gesetzgebenden, Prostitution zu verbieten, vielmehr eine Kontrolle der lukrativen und „die Untertanen zufriedenstellenden“- Prostitution im Sinne der Herrschenden. In Österreich werden jedoch die Ausführenden und nicht Kunden kriminalisiert und stigmatisiert. Es hat System, dass sämtliche Regierungen Prostitution zwar nicht erlauben aber dafür gesetzliche Schlupflöcher und Grauzonen erlassen. Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen hat unsere Gesellschaft Prostitution stets geduldet und gefördert.

Verschleppte Frau wurde abgeschoben

Im Jänner 2011 wurde eine 27-jährige Nigerianerin nach mehreren Jahren der Zwangsprostitution in Wien abgeschoben. Laut dem Verein Exit rang sie sich trotz massiver Drohungen zu einer Aussage gegen die Menschenhändler durch. Trotzdem ist die Frau abgeschoben worden - laut InsiderInnen ein fatales Zeichen: „Eine Abschiebung wie diese kommt den MenschenhändlerInnen durchwegs zugute, die Opfer aber kommen dabei zu schaden“, heißt es von Exit, (www.derstandard.at)

Rahmenbedingungen- Prostitutionsmodelle Verschiedene Nationen haben gemäß ihrer Geschichte, politischen Kräfteverhältnis und kulturellen Normen Verschiedene „Regime“ im Umgang mit Prostitution entwickelt. • Prohibitive Regimes (USA): verbieten Prostitution und kriminalisieren sämtliche Beteiligte • Abolitionistische Regimes (Schweden): intendieren Prostitution abzuschaffen, indem unter anderem die staatliche Organisation von Prostitutionsmärkten ver- hindert wird. Freier und ZuhälterInnen werden kriminalisiert. • Reglementaristische Regimes (Österreich): entkriminalisieren Prostitution, stellen aber keine weitere rechtliche Absicherung für Prostituierte bereit. Der Staat kontrolliert die Prostitution durch Registrierung und staatliche Gesundheitskontrollen. • Sexwork-Regimes (Niederlande): regeln den Kauf und Verkauf von sexuellen Dienstleistungen rechtlich und erkennen Prostitution als eine Form von Arbeit an.


Politik

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Experiment Staatsgründung Lange Zeit war die Bevölkerung der Insel Zarkanien durch eine Kolonialmacht beherrscht. Die BewohnerInnen hatten keinerlei Mitbestimmungsrechte. Nun haben sich die Machthaber zurückgezogen. Du bist einE BewohnerIn Zarkaniens. Bei der Staatsneugründung hast du wie alle Anderen die Chance, diese mitzugestalten. Von Benjamin Hofmann und Elisabeth Buchner Auf diese Fiktion haben sich 86 SchülerInnen für zweieinhalb Tage beim Planspiel „Wir gründen einen Staat“ eingelassen. Unter Anleitung einer Theaterpädagogin und eines Regisseurs des Salzburger Landestheaters, sowie drei Studierenden der Politikwissenschaft der Uni Salzburg gründeten sie „ihren“ Staat – völlig nach ihren eigenen Vorstellungen, Idealen und Utopien. Die Ergebnisse wurden am 26. Mai 2011 im Salzburger Landtag der Öffentlichkeit präsentiert. Der Grundgedanke war, dass die SchülerInnen nicht wie bei anderen Planspielen praktisch erfahren, wie schon vorhandene politische Institutionen, beispielsweise die UNO oder ein Parlament, funktionieren. Sie sollten diese selbst erschaffen können, ausgehend von einer „Stunde Null“, in der alles Bestehende Platz macht für das vielleicht völlig Neue. In den Wochen zuvor wurde gemeinsam mit den Lehrerinnen ein Crashkurs in politischer Bildung durchgeführt. Er sollte den SchülerInnen vor Augen führen, dass sich im Laufe der Geschichte verschiedene Grundwerte und politische Systeme entwickelt haben. Bei ihrer eigenen Staatsgründung sollten sie dieses Wissen dann jedoch so gut wie möglich wieder ausblenden. Auch die EntwicklerInnen hatten keine Ahnung, welchen Verlauf dieses Experiment nehmen würde. Um dieses theoretische Konstrukt so lebendig und greifbar wie möglich zu machen, blieb es nicht bei der bloßen Gründung. Durch die Besetzung aller Ämter und die Konfrontation dieser ganz jungen politischen Gesellschaft mit Herausforderungen, denen sich Staaten tatsächlich ausgesetzt sehen, wurde sie mit Leben gefüllt. Der Prozess der Staatsgrün-

dung war als Ideenwettbewerb konzipiert: Drei Gruppen erarbeiteten unabhängig voneinander eine Verfassung ihres idealen Staates. Sie hangelten sich durch einen Fragenkatalog, der zunächst ganz prinzipielle Fragen wie „Soll es in eurem Staat Gesetze geben?“ stellte, später aber auch in Details wie Wahlrecht, die Beziehungen der Institutionen zueinander und die Außen- und Sicherheitspolitik eintauchte. Trotz völliger Freiheit in der Beantwortung des Fragenkatalogs entwickelten die SchülerInnen drei Staatsmodelle von verblüffender Ähnlichkeit: Alle drei Verfassungen geben dem Volk die Macht direkt über Gesetze abzustimmen. Drei sehr direktdemokratische Staatsentwürfe standen somit zur Wahl. Viel Partizipation + kreative Verpackung = idealer Staat Gesiegt hat ein Staatsmodell, das sich selbst als „alternative Demokratie“ bezeichnet. Es vereinigt weitreichende Partizipationsmöglichkeiten für die BürgerInnen mit einer kreativen Verpackung. So gibt es ein Sprachrohr, das Gesetze vorbereiten und beschließen kann. Seine Mitglieder – die SprecherInnen – werden dezentral pro Region gewählt. Um die Umsetzung der Gesetze kümmert sich das Verwaltungsrohr; ihre Einhaltung wird vom Sicherheitsrohr und seinen Eumeln, also den MitarbeiterInnen, überwacht; Recht wird vom Judikativrohr gesprochen. Für die Beziehungen zum Ausland zeichnet sich das Abflussrohr verantwortlich. Diese Institutionen sind zunächst einmal amüsant. Sie sind aber zugleich auch Aushängeschild einer fundierten und innovativen Verfassung. Zentral ist dabei die Rolle des Volkes: Den wahlberechtigten BürgerInnen wird eine Position „über den Institutionen“ eingeräumt. Per Handzeichen dürfen sie in Versammlungen direkt über Gesetze entscheiden. Dies entspricht einer alten Praxis von Demokratie, wie man sie heute noch in zwei Schweizer Landsgemeindekantonen findet. Hinzu kommt, dass keine Institution existiert, die einer Regierung gleichkäme. Deren Aufgaben sind vielmehr zwischen Verwaltungsrohr und Volk aufgeteilt. So können Gesetzesvorschläge ebenfalls von allen BürgerInnen eingebracht werden. Auf diese

Laut Verfassung der alternativen Demokratie Zarkanien geht alle Macht vom Volk aus. © Salzburger Landestheater

Weise wird Demokratie vom Individuum her organisiert. Schon der Einzelne kann sichtbar etwas bewegen. „Sie sind von übermorgen“, bescheinigte der Intendant des Salzburger Landestheaters Carl Philip von Maldeghem den SchülerInnen mit Blick auf ihr Staatsmodell und verwies auf den aktuellen Trend hin zu mehr bürgerschaftlichem Engagement. Doch drängt sich die Frage auf, ob das nicht eine idealistische Schönwetterdemokratie ist, die hier entworfen wurde. Die Betonung von Konsens statt Konflikt, das Prinzip einer pazifistischen Außenpolitik und das Fehlen einer effektiven Landesverteidigung scheinen den Eindruck zu bestätigen. Zugleich sieht die Verfassung aber einen starken Sicherheitsapparat zur Kriminalitäts- und Terrorismusbekämpfung im Innern vor. Das Beispiel verweist auf die zwei Quellen, aus denen sich der gesamte Staatsentwurf speist: dem jugendlichen Wunsch nach Anderssein und ganz konkreten politischen Prioritäten. Entsprechend vielschichtig sind die drei Staatsziele, die die SchülerInnen formulierten: Freiheit, Sicherheit und Gerechtigkeit. Die Vereinbarkeit dieser Ziele sollte später noch zum Härtetest für den jungen Staat werden.

„Wir gründen einen staat“ Interessiert an mehr Informationen zum Planspiel „Wir gründen einen Staat“? Dann melde dich bei uns: Benjamin Hofmann Benjamin.hofmann@stud.sbg.ac.at Elisabeth Buchner Elisabeth.buchner3@stud.sbg.ac.at Lukas Kollnberger Lukas.Kollnberger@stud.sbg.ac.at

© Salzburger Landestheater

Alternative Demokratie im Stresstest Nach der feierlichen Begründung des Staates am ersten Abend, inklusive Hymne und Flagge, begann am nächsten Tag die politische Arbeit – aus SchülerInnen wurden nun, nach einem intensiven Wahlkampf, AmtsträgerInnen und BürgerInnen. Noch während die StaatsvertreterInnen ihre Büros bezogen und versuchten, ihre Institutionen zum Laufen zu bringen, begannen sich die Ereignisse zu überschlagen. Über eine Jobbörse wählten sich die StaatsbürgerInnen ohne politisches Amt erste Funktionen, beispielsweise als UnternehmerInnen oder UmweltaktivistInnen, und versuchten, ihre politischen Anliegen durchzusetzen. Über Aktionskarten und die Presse wurde die „alternative Demokratie“ nun einem wirklichen Stresstest unterzogen. Ob Arbeitslosigkeit, Affären, Betrügereien, Unterschlagung, Armut, Energieversorgung, Krieg oder Terror – kein Thema, das unangetastet blieb – keines, für das nicht eine Lösung gefunden werden musste. Damit der neue Staat nicht sofort in Chaos und Anarchie versinkt, galt die Regel, dass jede politische Handlung oder Aktion über eine Pressemeldung an Presseteam und Spielleitung bekannt gegeben werden musste. So konnte zumindest ansatzweise ein Überblick gewahrt werden, obwohl vieles, beispielsweise die durch die Klagefreudigkeit der BürgerInnen ausgelöste Welle an Gerichtsverfahren, völlig losgelöst von jeglicher Steuerung von außen stattfand. Der Staat wurde innerhalb kurzer Zeit erstaunlich lebendig. Dies war auch der unabhängigen und kritischen Berichterstattung eines hoch motivierten Fernseh- und Presseteams zu verdanken. Fast im Viertelstundentakt erschienen neue News. Die Reporter rückten den AmtsträgerInnen dermaßen auf den Leib, dass in der abschließenden Reflexionsrunde von vielen SchülerInnen Grenzen der Pressefreiheit gefordert wurden. Staatsbesuche und diplomatische Kontakte mit externen Gästen intensivierten dieses Gefühl von

PlanspielteilnehmerInnen in Aktion: ArbeitnehmerInnen eines Automobil­ herstellers demonstrieren für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

Realität noch zusätzlich. Der Initiator des Planspielprojektes, Dr. Alfred Winter vom Amt für kulturelle Sonderprojekte, zeigte sich „begeistert von der Selbstverständlichkeit, mit der sich dieser Staat organisiert hat“. Den Höhepunkt bildete ein Kriegsszenario mit einem Nachbarstaat. Zarkanien hatte sich bis dahin noch so gut wie keine Gedanken über Landesverteidigung gemacht. So wurde es von der aggressiven Reaktion seines Nachbarlands auf die geäußerte Besorgnis über die dortige Menschenrechts- und Minderheitensituation ziemlich überrascht. Es folgten schwierige Verhandlungs- und Entscheidungsprozesse: „Hier gab es einen Konflikt innerhalb unserer Prinzipien Freiheit und Sicherheit. Letztlich mussten wir die Freiheit der unterdrückten Minderheit im Nachbarland für unsere eigene Sicherheit aufgeben“, stellen die Abflussrohrchefin und ihre Beraterin im Rückblick fest. Dieses Dilemma ist vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse in der arabischen Welt auch in der politischen Realität evident. Was lernen wir aus dem Experiment Zarkanien? Politikwissenschaftler Dr. Franz Fallend merkte im Landtag kritisch an, dass „so eine alternative Demokratie eigentlich nur dann funktionieren kann, wenn alle BürgerInnen informiert sind und politisch aktiv werden.“ Dass Zarkanien ein lebendiger und erfolgreicher Staat wurde, dürfte also vor allem dem Engagement der SchülerInnen zu verdanken sein. Diese Potenziale geweckt zu haben, ist der eigentliche Erfolg von „Wir gründen einen Staat“. Nach dem Abschluss des ersten Durchganges soll es daher weitere Spieltermine geben: mit anderen Schulen, in anderen Städten und Ländern. Denn bürgerschaftliches Engagement kennt keine Grenzen.

Impressum Medieninhaberin: Österreichische HochschülerInnenschaft Salzburg, Kaigasse 28, 5020 Salzburg, www.oeh-salzburg.at, sekretariat@oeh-salzburg.at, Herausgeberin: Tatjana Markl, Vorsitzende der ÖH Salzburg, Chefredaktion: Christina-Anna Stenz und Vanessa Ziperzik, Grafik und Layout: Katharina Enengl, Anzeigen und Vertrieb: Christina-Anna Stenz, Vanessa Ziperzik und Ludwig Seidl, MitarbeiterInnen dieser Ausgabe: Christina-Anna Stenz, Vanessa Ziperzik, Kunigunde Leitner, Teresa Burian, Sandra Bernhofer, Jürgen Plank, Jennifer Rödl, Kathrin Prünstinger, Tatjana Markl, Svjetlana Vulin, Elli Piller, Irina Zelewitz, Simon Hofbauer, Barbara Rodinger, Susanne Karrer, Benjamin Hofmann, Elisabeth Buchner, Jannis Menn, Cornelia Groiss, Druckerei: OÖN Druckzentrum GmbH & Co KG, Medienpark 1, 4061 Pasching, www.nachrichten.at, Auflage: 15.500 Stück


Politik

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So nah und doch so fern? Europa rückt ein Stück näher an seine BürgerInnen! Die Europäische BürgerInneninitiative – European Citizens‘ Initiative – bringt ab April 2012 ein Instrument direkter Demokratie auf europäischer Ebene. Ein Jahr vor der Einführung treffen sich im österreichischen Innenministerium, ko-veranstaltet vom Salzburger „Austrian Institute for European Law and Policy“, die ExpertInnen zum Auftakt des Endspurt: Es gilt, eine europäische Öffentlichkeit zu infomieren. Wie funktioniert diese europäische Variante des „Volksbegehrens“, wo liegen seine Defizite und Chancen?

Von Irina Zelewitz und Simon Hofbauer Seit 14. Februar dieses Jahres ist es fix: BürgerInnen der Europäischen Union (EU) haben ab April 2012 die Möglichkeit, eine Europäische BürgerInneninitiative (kurz: EBI oder englisch: European Citizens‘ Initiative - ECI) zu lancieren. Möglich gemacht hat dieses Instrument der direkten Demokratie der Vertrag von Lissabon (für VorzeigebürgerInnen zum Nachlesen: Abs. 4, Art. 11 EU-Vertrag). Eine Verordnung zur konkreten Ausgestaltung der ECI wurde im Dezember 2010 vom Europäischen Parlament (EP) verabschiedet. Der Rat der Europäischen Union (Rat) stimmte diesen Februar zu. EU? Lissabon? Direkte Demokratie? Die in den Vertrag von Lissabon aufgenommenen Ideen zur Stärkung direkter Demokratie (Art. 10.3 und Art 11) - darunter auch die ECI – zielen nicht auf einen Ersatz repräsentativer Demokratie ab. Die VolksvertreterInnen werden wie bisher gewählt. BürgerInnen und zivilgesellschaftliche AkteurInnen wie Nichtregierungsorganisationen (englisch kurz: NGOs, wie beispielsweise Amnesty International) haben jedoch in Zukunft die Möglichkeit, auch den Kurs gewählter VolksvertreterInnen direkt zu beeinflussen und zu korrigieren. Die ECI ist – zumindest vorerst – nur ein sogenanntes „Agenda-Setting-Tool“, eine

Möglichkeit, die Themen auf der politischen Tagesordnung der EU-Institutionen mitzubestimmen. Geht es nach Organisationen wie „Democracy International“ oder „Mehr Demokratie“ soll diese aber schrittweise zu einer alternativen Möglichkeit der Gesetzgebung, beziehungsweise einem Korrekturinstrument für auf herkömmlichem Wege beschlossene Gesetze ausgebaut werden. Wer macht eigentlich unsere Gesetze? Schon jetzt wird ein Großteil der Gesetze, die uns betreffen, als Richtlinie auf EU-Ebene beschlossen und nationalstaatlich „nur“ mehr als Gesetz implementiert. Die Europäische Kommission hat dabei das alleinige Initiativrecht. Die Gesetzesvorschläge der Kommission müssen dann in den meisten Fällen sowohl vom EP, als auch vom Rat beschlossen werden. Derzeit können Rat und EP die Kommission auffordern, ein Gesetz zu initiieren. Diese Möglichkeit haben ab 1. April 2012 in Form der ECI auch die UnionsbürgerInnen. Ihnen wird damit erstmals ein direktes Mitsprachrecht in der EU-Gesetzgebung eingeräumt. Eine europäische BürgerInneninitiative darf nicht gegen die demokratischen Grundwerte der Union verstoßen und muss sich auf Gemeinschaftsrecht beziehen. Sie kann also nur Themen behandeln, bei denen die EU „zuständig“, d.h. zur Rechtssetzung befugt ist. Durch die Verträge, die zwischen den Mitgliedsstaaten in den vergangenen fast 60 Jahren geschlossen wurden (wie zuletzt der Vertrag von Lissabon) wurden zahlreiche Politikbereiche „vergemeinschaftet“, wichtige Agenden wie Bildung, Soziales, Sicherheit und Verteidigung liegen – zumindest formell – aber noch gänzlich in nationaler Kompetenz. Als mögliche Themengebiete für eine Initiative ergeben sich daraus zum Beispiel Die Europäische Kommission setzt sich aus 27 Mitgliedern, den „KommissarInnen“, sowie dem Präsidenten und der Vizepräsidentin zusammen, diese ist gleichzeitig auch hohe Vertreterin für Außen- und Sicherheitspolitik. Diese Mitglieder werden jeweils von den 27 Mitgliedsstaaten entsandt und müssen vom EP bestätigt werden.

Das in Salzburg ansässige „Austrian Institute for European Law and Policy“ und das „Initiative and Referendum Institute Europe“ mit Sitz in Marburg luden ins Innenministerium.

Umwelt-, Daten- und KonsumentInnenschutz, Handelspolitik oder Landwirtschaft. Unter anderem durch die Verzahnung dieser verschiedenen Gebiete können aber auch jene Bereiche beeinflusst werden, die in nationalstaatlicher Kompetenz liegen. ECI – was, wann, wo, wie ? Um eine ECI zu starten, muss ein BürgerInnenausschuss mit mindestens sieben Mitgliedern aus sieben verschiedenen EUMitgliedsstaaten gegründet werden, der die Initiative bei der Kommission registriert. Die Kommission prüft die Zulässigkeit der Initiative und stellt bei einer Bestätigung Hilfestellungen für die InitiatorInnen zur Verfügung: So etwa die Übersetzung in alle EU-Sprachen und eine Open-Source-Software zum Sammeln von Unterschriften. In Folge müssen während eines Zeitraums von zwölf Monaten eine Million Unterschriften gesammelt werden. Diese Unterschriften haben aus mindestens sieben verschiedenen Ländern zu kommen und eine bestimmte Quote (die Anzahl der jeweiligen EuropaparlamentarierInnen eines Staates multipliziert mit dem Faktor 750) zu erfüllen. Die Quote reicht von 3.750 Unterschriften in Malta bis 74.250 in Deutschland. Alle wahlberechtigten UnionsbürgerInnen können eine ECI unterzeichnen. Wenn ausreichend viele Unterschriften erreicht werden, müssen diese jeweils an eine national zuständige Behörde (in Österreich das Innenministerium) übermittelt werden, die die Authentizität prüft. Auch das Sammeln von Online-Unterschriften ist möglich. Much Ado About Nothing? 1 Million Unterschriften – und dann? Bestätigen die nationalen Behörden innerhalb einer Frist von drei Monaten, dass mindestens eine Million Unterschriften gültig sind, ist die Initiative erfolgreich. Die Kommission kann daraufhin ein entsprechendes Gesetz initiieren, muss dies aber nicht tun. Jedenfalls aber haben die Initatoren die Möglichkeit, ihr Anliegen an zentrale Entscheidungsträger der EU-Politik zu kommunizieren: So haben die InitiatorInnen das Recht, ihre Initiative bei einer öffentlichen Anhörung im Europäischen Parlament unter Anwesenheit der Kommission zu präsentieren und die Möglichkeit, die Initiative direkt mit der Kommission und Mitgliedern des EPs zu diskutieren. Wesentlich ist zusätzlich die Chance, mediale Aufmerksamkeit für ein Interesse der UnionsbürgerInnen anzuziehen und diese so intensiver in den Entscheidungsfindungsprozess der EU einzubinden. Eine in Form einer ECI artikulierte Meinung von mindestens einer Million BürgerInnen kann viel schwieriger ignoriert werden, als Meinungen, die nur diffus oder garnicht zum Ausdruck gebracht werden. ECI Summit in Wien: Einblick in die Community der ECI-ExpertInnen

© Bengt Beier

Im Rahmen einer Konferenz diskutieren Anfang Mai VertreterInnen der Europäischen Kommission, des EP und nationaler Politik wie von NGOs und Wissenschaft die Implementierung der Europäische BürgerInneninitiative. Überraschend konkret … … geht es zu in der „ECI-Family“ – es wird schnell offensichtlich, dass sich hier ein überschaubarer Kreis an Menschen unterschied-

lichster Hintergründe und Prominenzgrade nicht gerade erst seit gestern mit dem Instrument der ECI auseinandersetzt: Erfahrungen bisheriger länderübergreifender Petitionen werden ausgetauscht, Kosten hochgerechnet, Einsparungsmöglichkeiten ausgelotet – geschätzte eine Million Euro könnte die Durchführung einer ECI kosten. Thematisiert wird auch die prozedurale Feinabstimmung, wie etwa die Überprüfungsmodalitäten der gesammelten Unterschriften oder die Internet-Plattform und Software für das Sammeln von Online-Unterstützungen. Mögliche erste ECIs, die bis 2015/16 eingebracht werden könnten werden vorgestellt: Aussichtsreiche ECIs könnten etwa von Greenpeace gegen genetisch veränderte Organismen (GMOs) oder von gewerkschaftlicher Seite für einen europäischen Mindestlohn kommen. Man ist hier optimistisch, dass die Voraussetzungen der ECI zumindest für größere NGOs kein unüberwindbares Hindernis darstellen und schon kommendes Jahr die ersten Initiativen eingebracht werden. Auch die FürsprecherInnen direkt demokratischer Instrumente wissen um die Unzulänglichkeiten der Europäischen BürgerInneninitiative: Für ECIs gibt es keine finanzielle Unterstützung und kleinere Gruppen werden sowohl Probleme haben, ausreichend finanzielle Mittel zu lukrieren, als auch MitstreiterInnen in mindestens sieben EU-Mitgliedsstaaten zu finden. Die Hürden kommen jedoch auch aus anderer Richtung: Welche Daten bei Unterzeichnung einer ECI angegeben werden müssen (Vor-/Nachname, Adresse, Geburtsort- und Datum, Nationalität, Ausweisnummer) ist von Land zu Land unterschiedlich, hat aber erfahrungsgemäß großen Einfluss darauf, wie viele BürgerInnen bereit sind, ihre Unterstützung zu bekunden. Österreich ist eines jener Länder, in denen auch die Angabe einer Ausweisnummer erforderlich ist. Ausblick 2015 soll es eine erste Überarbeitung des Instruments auf Basis der bis dahin gesammelten Erfahrungen geben. Auf dem Summit wird aber gehofft, dass durch erste erfolgreiche Initiativen diese Form der Demokratie weiter ausgebaut wird. Im Zuge der ECI-Überarbeitung im Jahr 2015 soll zumindest die partielle Ausweispflicht fallen, das Unterschriftenformular vereinfacht und der Zeitraum, der zum Sammeln der Unterschriften zur Verfügung steht, von zwölf auf 18-24 Monate ausgedehnt werden. Zudem sollen EU-Vertragsänderungen durch ECIs möglich werden. In weiterer Folge sollen ECIs als Gesetzgebungsmechanismus gleichberechtigt neben dem Initiativrecht der Kommission stehen. Eine Entwicklung in diese Richtung könnte die Funktionsweise der EU jedenfalls grundlegend verändern.

Links • • • •

www.democracy-international. org/eci.html www.europeancitizensinitiative.eu www.legalpolicy.eu http://tinyurl.com/http-ECIhandbook


Politik

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Interview

Probleme und Chancen der Entwicklungszusammenarbeit In jedem Land, das von Armut geplagt wird, gibt es unzählige NGOs und andere Vereine, die sich engagieren. Oft werden die Probleme nur oberflächlich behoben und die Ursachen ignoriert. Hans Eder, Direktor von Intersol, ist der Meinung, dass es der Entwicklungszusammenarbeit an Analyse und Theorie fehlt. Mit der Uni:Press sprach er über Solidarität und die Überheblichkeit der „entwickelten“ Staaten. Interview geführt von Vanessa Ziperzik Warum engagieren Sie sich im Bereich der Entwicklungshilfe? Eder: Zunächst einmal: Entwicklungshilfe ist ein Begriff, der mich im Engagement für Kooperation und Solidarität schon beschäftigt hat. Jetzt würde ich eigentlich nicht mehr sagen Entwicklungshilfe. Nicht, dass ich gegen die Hilfe wäre als Zeichen des Mitgefühls etc. und der Lösung von Problemen. Nur die Komplexität, wenn es um die Nord-Süd-Frage geht, ist weit höher, weit größer und bedeutsamer, als dass man das mit dem Begriff in den Griff kriegen könnte. Das heißt, ich würde eher sagen: Kooperation und Solidarität. Die Frage, warum ich mich dafür interessiere: Zum einen einfach aus der analytischen Erkenntnis heraus, dass die Beziehungen speziell zwischen Nord und Süd, wenn man das so volkstümlich sagt, konfliktorientiert sind. Es gibt eine Menge von ungelösten Problemen. Im Grunde genommen ist die Zukunft der Weltgesellschaft auch davon abhängig, dass man diese Probleme löst. Und nicht nur das, sondern dass man gemeinsam eine Perspektive für eine neue Geschichte entwickelt. Das ist für mich das Entscheidende, insofern geht das also weit über den Aspekt der Hilfe hinaus. Das eine ist eben die analytische Erkenntnis und das andere ist ganz einfach ein gewisser Impetus der Solidarität. Vor allem deshalb, weil ich das in meiner Zeit in Bolivien mit den Bauern erlebt habe. Die sind meine großen Lehrmeister, genauso wie die Universitätsprofessoren. Die Haltung dem Anderen gegenüber ist ein ganz wesentlicher Aspekt meiner Motivation. Ich glaube, dass man die Haltung und die Beziehung mit anderen, als DEN Anderen, den nicht Gleichen, einfach anders konzipieren muss. Das sehe ich als wichtige Aufgabe. Wir haben nicht gelernt, mit anderen als DEN Anderen umzugehen. Intersol versucht, einen neuen Ansatz vorzumachen. Welche Probleme tauchen auf, wenn statt Kooperationen und Solidarität nur Vorgaben und Richtlinien kommen? Eder: Das ist ein entscheidender Punkt. Diese normativen Vorgaben, politische Vorgaben, bis hin zu den Formularen. Diese Administration dessen, was man mit Entwicklungszusammenarbeit meint, die ist sehr wenig hilfreich. Bindet sehr, sehr viele Kräfte, Kapazitäten, Personal, Finanzen. Wenn man das in Bezug bringt, zu dem, was die sogenannte Entwicklungszusammenarbeit in den letzten sechs, sieben Jahrzehnten geleistet hat, dann würde ich sagen: Das ist ein zusätzliches Problem. Man hat das Problem, dass man keinen richtigen Ansatz hat, oder keinen politischen Willen, dass das in einer Weise administrativ behandelt wird, sodass eigentlich die Kreativität auf der Strecke bleibt. Was soll es zum

Beispiel, wenn man mehr oder weniger alles orientieren soll an den sogenannten Millenniumszielen, die von den Leuten im Süden überhaupt nicht mit formuliert wurden. Die eine zweifelhafte, wenn überhaupt analytische Basis haben. Und wenn es jetzt so ist, dass in jedem Projekt, das man bei staatlichen Stellen einreicht, die Millenniumsziele vorkommen sollen, und man eine Sache begründen muss, die an sich vom intellektuellen Anspruch her sehr, sehr schwach ist. Das sind alles so Dinge, wo man Leute beschäftigt, in dem Komplex der Entwicklungszusammenarbeit, die wenige Ergebnisse bringen. Kooperation meinen wir in der Tat so, wie der Begriff es aussagt. Also cooperare, ZU –sammen-Arbeit. Es ist ja nicht so, dass die Problematik nur im Süden ist. Vielfach wissen wir genau, dass im Norden die Ursachen liegen. Das muss solide und partizipativ betrieben werden. Was dann die Perspektive ist und wie die operationalisiert wird, auf der Ebene der Ideologie, Instrumente, Programme, Projekte, da ist diese Art der Hürden und diese Art der Administration überhaupt nicht dienlich. Im Gegenteil, eben hinderlich. Die Alternative ist eine Vereinfachung von Abwicklungen, die zwar professionell zu sein haben, aber die auf weniger Administration und mehr kultureller Aktion basieren. So wie Paulo Freire sie uns gelehrt hat, als zentrales Element des politischen Handelns. Das erfordert nicht diesen Grad an Bürokratisierung.

wir Analysen, Strategien und Formen der Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen mit den Partnern. Das heißt also, die Frage der Politik ist ganz zentral, aber DAS Politische und nicht die Parteipolitik. Was würde passieren, wenn es plötzlich nirgendwo mehr Entwicklungsprojekte geben würde? Eder: Ich bin mir gar nicht so sicher, dass das sehr viele negative Konsequenzen haben würde. Was machen sie denn? Wenn man die Staatlichen ansieht, die haben da wenig Problemlösungskapazität. Sie federn kaum die Auswirkungen von Problemen ab und haben auch wenig kreatives Potenzial. Ich würde sagen, das wäre keine große Tragik. Allerdings müsste man eben die Kooperationsformen und umfassende Probleme der Solidarität forcieren. Wenn es das nicht gäbe, dann schlittert man hinein, in eine Verschärfung der Konflikte, die wir dann merken, durch die Migrationsströme usw. Es ist ganz schlüsselhaft, dass man intelligente Systeme der Zusammenarbeit schafft. Ich sage nicht unbedingt Entwicklungszusammenarbeit, ich mag den Begriff Entwicklung nicht so gern, weil er behaftet ist, von der Philosophie des homo oeconomicus: Entwicklung ist Wirtschaftswachstum usw. Und wie das stattzufinden hat, das wissen nur wir, so auf die Art. Insofern ist Entwicklungszusammenarbeit nicht der zentrale Begriff,

„Es ist ja nicht so, dass die Problematik nur im Süden ist. Vielfach wissen wir genau, dass im Norden die Ursachen liegen.“ Wie viel Politik steckt also in Ihrer Arbeit? Eder: Von der Ausbildung her komme ich ja von zwei Seiten. Die eine ist der Agraringenieur, die andere ist ein Studium der Politikwissenschaft, Philosophie, Kommunikationswissenschaft, das ich nach der Praxis in Bolivien begonnen habe. Von daher interessiert mich der politische Prozess sehr, das heißt, in die Arbeit von Intersol fließt sehr viel Politik ein. Im Sinne ideologischer und strategischer Elemente, im Sinne auch der konkreten Theorie und Praxis, die uns da leiten. Intersol ohne Politik, nur auf der Ebene von Projekten, das ist nicht unseres. Da würden wir uns in die Nähe der Projektitisphilosophie bewegen. Wir sind für die Kooperation und die Solidarität und das geht nicht ohne politisches Verständnis, ohne Analysen. Und die machen wir jetzt in den Schwerpunktländern Mittelamerikas, Guatemala, El Salvador, Peru, Bolivien mit den Partnern. Ich selber und unsere Freunde von Intersol, die mit uns vor Ort arbeiten. Praktikanten, Fachleute etc., die werden angehalten, sich im Bereich des Politischen Gedanken zu machen, in der Vorbereitung von Personaleinsätzen zum Beispiel. Das miteinander Diskutieren: Wie sind Prozesse nach Bürgerkriegsphasen, besonders in Mittelamerika zu interpretieren? Ist das zu verstehen als demokratischer Sozialismus, zum Beispiel in El Salvador, oder was ist das denn überhaupt? Das ist die Frage, die uns leitet und darauf aufbauend machen

Entwicklungshilfe schon gar nicht. Aber umfassende Kooperation, wenn es die nicht gäbe und wenn die nicht forciert wird, dann werden sich die sozialen Konflikte verschärfen, die Fragen des Klimawandels werden noch gravierender werden für uns. Die Menschheitsentwicklung wird dann noch gefährdeter sein, als sie jetzt schon ist. Ist ein Projekt ohne die Unterstützung der lokalen Politik überhaupt möglich? Eder: Das ist möglich und das muss auch praktiziert werden. Die lokale Politik, wenn damit die Regierungspolitik gemeint ist, auf nationaler Ebene und auf lokaler, dann ist die oft nicht sehr dienlich in Hinblick auf die Lösung von Problemen oder der Kreation von neuen Ansätzen. Insofern steht das, was wir von Intersol meinen, im Gegensatz zu Regierungspolitiken, aber eben in Allianz mit der Zivilgesellschaft. Der Ansatz, den wir forcieren, ist: umfassende, langfristig angelegte, integrale Kooperationskonzepte, wo man dann auch auf örtlicher und departementaler Ebene die politische Gesellschaft mit hereinnimmt. Gemeinden, und Departementsverwaltungen aber schon, denn die sind näher am Bürger dran, die sind stärker unter Druck der Parallelmacht der Zivilgesellschaft und eignen sich deshalb durchaus. Wir sehen das in Bolivien, im Bereich der Solarenergie, wir sehen das in El Salvador, im Bereich des Gesundheitswesens oder selbst

Hans Eder ist der Direktor von Intersol.

in Indien, im Bereich der Biogasanlagen. Da arbeiten wir schon mit den lokalen Behörden zusammen. Aber die Zusammenarbeit mit der höheren Ebene, sprich mit der Regierung ist schwer. Da sind Einflüsse, die oftmals konträr sind, zu dem, was vor Ort eingefordert wird und was wir von Intersol aus forcieren. Wie kann Tourismus zu mehr Verständnis und Toleranz führen und zu einer besseren Zusammenarbeit? Eder: Zunächst einmal der Hintergrund, warum sich Intersol in Zusammenhang mit Guatemala mit dem sogenannten interkulturellen Tourismus beschäftigt: Eben aus der analytischen Erkenntnis heraus, dass die gängigen Systeme des Tourismus, all-inclusive Tourismus oder Ökotourismus, selbst Ethnotourismus, die vermeintlichen Alternativen, im Grunde wenig zur Völkerverständigung und zu Interkulturalität beitragen. Die sind wirtschaftlich orientiert und auch Ökotourismus kümmert sich meistens wenig um die Menschen vor Ort und der Ethnotourismus ignoriert die ökologischen Probleme. Ich glaube, dass eine Form des interkulturellen Tourismus, einfach zu mehr Kommunikation führt zwischen den „Touristen“, und unsere Partnern und Leuten vor Ort. Da ist es ganz entscheidend, dass man sich im Tourismus als Lernender entdeckt. Man braucht nicht verzichten auf die Sonne, die Annehmlichkeiten des Klimas oder die Flora und Fauna. Aber wir sehen das so, wenn man sich als Lernender entdeckt, dann kann der Tourismus zu entscheidenden Veränderungen im interkulturellen Nord-Süd-Beziehungsgeflecht dienen. Und genau das streben wir an. Insofern kann Tourismus dazu dienen, umfassende Sichtweisen über ein bestimmtes Land, eine bestimmte Kultur, über bestimmte historische Prozesse zu stärken. Der ganze Komplex des fairen Handels zum Beispiel ist auch wichtig. Wenn es einen Touristen gibt, der mit Intersol nach Guatemala fährt, dann wird natürlich der Fairtradeaspekt eingeführt. Das heißt, wir verbinden klassische Form von Tourismus mit einem interkulturellen Lernprozess. Wobei beide quasi Lehrende und Schüler sind.

Intersol Intersol ist eine NGO, die sich in Lateinamerika und Indien einsetzt. Mehr Infos unter: www.intersol.at


Politik

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Kommentar

Die kalkulierte Katastrophe Zwei Tage nach der nuklearen Katastrophe in Fukushima verlautete Angela Merkel in der ARD-Sendung Brennpunkt: „Ich kann heute nicht erkennen, dass unsere Kernkraftwerke nicht sicher sind, sonst müsste ich ja mit meinem Amtseid sie sofort abschalten. Das wäre ja ganz – äh – fatal wenn ich erklären würde, die sind nicht sicher.“ Von Kostas Merten Trotz des ernsten Themas entbehrt das obige Zitat nicht einer gewissen Komik. In Japan explodieren die Reaktorhüllen, die unaufhaltsam einsetzende Kernschmelze zeigt, wie hilflos auch eine hoch technisierte Industrienation einer Technik gegenübersteht, die man im Störungsfalle nicht einfach abschalten kann. Aber Frau Merkel meint: Atomkraftwerke sind sicher, jedenfalls muss sie das sagen, sonst wäre das ja – äh – ganz fatal. Solche Sätze passieren eben, wenn die neuen Formeln der Verdummung und Beschwichtigung erst einmal von PRBeraterInnen ausgedacht und von den PolitikerInnen eingeübt werden müssen.

wirtschaft ab. Deren innerer Logik nach versuchen Unternehmen stets, die Lohnkosten durch Rationalisierungen zu senken, also ArbeiterInnen durch Maschinen zu ersetzen. Für die Lohnabhängigen bedeutet das Arbeitslosigkeit oder „optimierte“, also verdichtete Arbeitsabläufe, die oft mit mehr Stress verbunden sind. Insofern steigt der Energiebedarf ständig, ohne dass sich dadurch der Lebensstandard der Menschen verbessern würde. Damit dieser Prozess funktionieren kann, muss die Energie nicht nur vorhanden, sondern vor allem auch billig sein. Nur so geht die Rechnung der Unternehmen auf. Da das Gelingen des kapitalistischen Wachstums die Grundlage der staatlichen Macht ist, sorgt der Staat mit seiner Energiepolitik für die richtigen Bedingungen: Konkurrenz soll die nötige Effizienz bringen, Regulierungen eine flächendeckende und sichere Belieferung sicherstellen. Die Standortkonkurrenz Die Außenseite dieser Logik ist die Standortkonkurrenz. Nicht nur sollen die nationalen Kapitale am Weltmarkt verdienen, sie sollen

Wie überaus real das berüchtigte „Restrisiko“ der Atomkraft verstanden werden muss, ist nicht nur aus der technischen Funktionsweise der Kernspaltung evident, sondern bereits seit Harrisburg und Chernobyl eine tödliche Erfahrung. Warum betreiben Staaten immer noch Atomkraftwerke? Die Ideologie dazu kennen wir: Um unsere Versorgung mit Strom sicher zu stellen, könne man auf Atomkraftwerke nicht verzichten. Wenn man sich anschaut, an welchen Kriterien sich die Energiepolitik tatsächlich orientiert, fällt schnell auf, dass diese Argumentation nicht stimmt. Der erste Punkt ist weitgehend bekannt: Energie ist eine Ware. Das heißt: der Zweck ihrer Produktion ist nicht die Versorgung der Bevölkerung, sondern der Gewinn der ProduzentInnen. Die Energiekonzerne setzen daher ihre nicht gerade bescheidenen Mittel dazu ein, um die überaus lukrativen Kraftwerke am Laufen zu halten. Besonders die alten Meiler erweisen sich dabei als regelrechte „Gelddruckmaschinen“. Dennoch ist das Interesse der Atomkonzerne keine ausreichende Erklärung für die Erfolgsstory der Atomkraft. Das wird schon in ihrer Geschichte deutlich. Denn die Atomkraftwerke waren nicht die Idee einer mafiösen Atomlobby, sondern eine Auftragsarbeit des Staates. Die Forschung und Entwicklung wurde mit Milliardensummen gefördert, und als sie fertig war, vergab der Staat die Lizenzen zu ihrer Benutzung an große Energiekonzerne. Er hat also ein eigenes Interesse an der Atomenergie, das nicht mit dem der Energiekonzerne identisch ist. Rationalisierung als innerer Prozess der Marktwirtschaft Energie ist nicht nur irgendeine Ware. Von ihr hängt der Fortschritt der gesamten Markt-

ihren Anteil daran vergrößern – was notwendig den Anteil der anderen KonkurrentInnen kleiner macht. Dieser Konkurrenzkampf wird auch über die Energiepolitik ausgetragen. Die Atomenergie bietet dabei einen entscheidenden Vorteil. Einmal erforscht ist sie eine billige und autarke Energiequelle, insbesondere, wenn die Technik zur Wiederaufbereitung ausgebrannter Brennstäbe zur Verfügung steht. Fossile Energieträger wie Öl und Gas müssen größtenteils von anderen Ländern gekauft werden, oft verlaufen die Pipelines durch umstrittene Territorien. Nicht umsonst war es schon immer ein zentrales Anliegen der NATO, „unser“ Öl auf fremdem Boden zu sichern. Die Atomkraft fungiert hier geradezu als günstige Alternative zum imperialistischen Krieg. Gleichzeitig ist sie auch ein Druckmittel gegen die Lieferländer anderer Energieträger: Durch ihre relative Unabhängigkeit von Öl und Gas können die Atomstaaten die Lieferanten dieser Energieträger in Preisverhandlungen unter Druck setzen. Ebenfalls nicht unbedeutend ist der militärische „Dual Use“: Wer ein Atomkraftwerk betreiben kann, besitzt gleichzeitig auch die Technologie zum Bau der Atombombe.

Grenzwerte: Warum Atomkraft werke auch ohne Unfall schädlich sind Auch der normale, störungsfreie Betrieb der Atomkraftwerke ist mit einer Verstrahlung der Bevölkerung verbunden. Immer wieder zeigen Studien, dass z.B. Krebserkrankungen von Kindern in der Nähe von Atomkraftwerken gehäuft auftreten. Das hindert den Staat nicht daran, die Kraftwerke weiter zu betreiben mit dem Verweis darauf, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Er hat bei dessen Festsetzung keine Sekunde lang die Lüge von der „unschädlichen Strahlendosis“ geglaubt. In einem amtlichen Papier der deutschen Strahlenschutzkommission heißt es: „Bei der Festsetzung von Dosisgrenzwerten für die Bevölkerung ist man davon ausgegangen, daß die Zahl der induzierten Krebskrankheiten und Mutationen proportional der applizierten Dosis ist, und daß kein Schwellenwert der Strahlenwirkung besteht.“ Die Grenzwerte sollen also nicht die Menschen vor der Strahlung schützen, sondern durch sie wird festgelegt, welche Strahlenbelastung beim aktuellen Stand der Technik unvermeidlich ist – woraufhin sie gesetzlich legitimiert wird.

Er berechnet für einen Krebstod Produktionsverluste von 20 Erwerbsjahren a 50.000 DM, also eine Summe von einer Million DM. Ein nicht tödlich verlaufender Krebsfall kostet die Volkswirtschaft nach seinen Annahmen eine halbe Million DM, weil 10 Erwerbsjahre ausfallen.“ 10,7 Billionen Mark klingt nach viel Geld, aber Unfälle mit Atomkraftwerken sind selten: „Weil ein solcher Unfall rein rechnerisch in Deutschland jedoch nur einmal in 1666 Jahren zu erwarten ist, beläuft sich der jährliche Schadenserwartungswert auf 6,42 Milliarden Mark oder 4,3 Pfennige je Kilowattstunde Atomstrom.“ 6,42 Milliarden Mark pro Jahr – so rechnet sich der Super-GAU. Atompolitik in Österreich: Von Zwentendorf nach Temelin

Atomkraftwerke sind auch in den Ländern ein Thema, die selber gar keine betreiben. Zum Beispiel in Österreich, wo die Inbetriebnahme des bereits fertig gebauten Atomkraftwerk Zwentendorf durch eine Volksabstimmung verhindert wurde. Diese war die Folge des Widerstands in der Bevölkerung in Kombination mit einer politischen Fehlkalkulation Bruno Kreiskys: Er hatte die Abstimmung zugelassen, © pinktentacle.com sie jedoch mit einer Rücktrittsdrohung verknüpft in der Annahme, dadurch das Kraftwerk bauen und gleichzeitig Schaden von seiner Partei abwenden zu können. Das ging schief – Österreich ist daher ohne ein eigenes geblieben und importiert statt dessen Atomstrom von den europäischen Nachbarn.

Seit einiger Zeit schon kritisieren österreichische PolitikerInnen verschiedene grenznahe Atomkraftwerke im Ausland. Diese AntiAKW-Haltung ist keinesfalls als eine Abweichung von der oben dargelegten Kosten-Nutzen-Rechnung zur verstehen, sondern ihre konsequente Fortsetzung. Denn wenn eines im Ausland steht, Österreich von dessen Vorteilen also nicht direkt profitiert, rechnet sich das damit verbundene Risiko selbstverständlich nicht mehr. Hinzu kommt, dass Staaten die Fukushima: Das Resultat einer zynischen Berechnung Strahlung als einen Eingriff in ihre Die Kalkulation mit dem Restrisiko Souveränität verstehen: Das Recht darauf, die eigene Bevölkerung schädlichen UmwelteinZurück zum Unfall. Auch für diesen gibt es flüssen auszusetzen, das behält sich jeder Naeine Art „Grenzwert“ – er heißt hier Rest- tionalstaat für sich selber vor. risiko. Vielen Menschen ist diese Ideologie bekannt nach dem Muster: „Irgendein Risiko bleibt immer“. In Wahrheit ist die Bestimmung des zulässigen Restrisikos weit von dieser naiven Feststellung entfernt. Tatsächlich findet hier keine Trennung zwischen der Realität und einem vernachlässigbar kleinen Risiko, sondern eine handfeste Güterabwägung statt: Der Staat rechnet buchstäblich mit dem Unfall. Wie diese Rechnung ausschaut, zeigt sich beispielsweise in einem Bericht, den die deutsche Bundesregierung im Jahr 1992 bei der Universität Münster in Auftrag gegeben hat. Die Frage: Wie viel Quellen kostet ein Super-GAU? Beziehungsweise vornehmer ausgedrückt: „Identifizierung und Internalisierung externer Kosten der Ener• http://tinyurl.com/aerztezeitunggieversorgung“. Darin heißt es, dass „beim akw Super-GAU eines Reaktors vom Biblis-Typ • http://tinyurl.com/gsp-atomkraft Schäden von annähernd 10,7 Billionen Mark • www.ssk.de/de/werke/1977/vollentstehen können“. Auch die Krebstoten hatext/ssk7701.pdf ben hier bereits ihren Preis erhalten: „Bei der • http://www.zukunftslobby.de/TaBewertung von Gesundheitsschäden wendet cheles/prognstu.html Hohmeyer die Humankapital-Methode an.


Politik

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Orchideensterben Konzerte, Kabarett & More an den Unis? Uni:Press Veranstaltungskalender Zu klein, zu teuer. So lautet oft das Urteil über sogenannte Orchideenfächer, also Studienrichtungen, die vom großen Studierenden-Ansturm verschont bleiben. Musik- und Tanzwissenschaft, Altertumskunde und Jüdische Kulturgeschichte sind beispielsweise sehr kleine Studienrichtungen in Salzburg – ihre Studierendenzahlen liegen im zweistelligen Bereich. Aber sind sie es dennoch wert, an allen Standorten erhalten zu werden?

Da das Unibudget trotz wachsender Studierendenzahlen, steigender Personalkosten und Inflation in Salzburg bis 2015 nicht erhöht wird, sondern bei circa 100 Millionen bleibt, ist nun – wiedermal – Sparen angesagt. Doch wo soll gespart werden? Eine Überlegung ist, kleine Studienrichtungen nur mehr an weniger Standorten in Österreich anzubieten. Trotz seiner bescheidenen Größe beheimatet Österreich 21 Universitäten, wo rund 300 Bachelor- und 400 Masterprogramme angeboten werden, was nach RektorInnenchef Hans Sünkel „übertriebender Luxus“ ist. Obwohl er keine konkrete Studienrichtung nannte, die aus seiner Sicht geschlossen werden soll, gilt diese Ansage wohl vor allem jenen Fächern mit vergleichsweise niedrigen Studierendenzahlen. Davon betroffen wären die oft als „Orchideenfächer“ bezeichneten Studienrichtungen, wie etwa Klassische Archäologie, wo es in Salzburg insgesamt nur 23 Studis gibt. Zusätzlich wird dieses Studium noch in Wien, Graz und Innsbruck angeboten. Dies wirft die Frage auf, ob so viele Standorte für so wenige Studierende notwendig sind. Denn bei sinkender Studierendenzahl wächst – grob gerechnet – der finanzielle Aufwand pro Studienplatz. Schon 2001 wurde dieses Thema unter der damaligen Bildungsministerin Gehrer behandelt, und zwar unter dem ursprünglichen Titel „Standortbereinigung und Schwerpunktbildung“. Später in „Profilentwicklung der österreichischen Universitäten“ umbenannt sollte die dafür eingesetzte Arbeitsgruppe offiziell kein Sparprogramm erstellen, sondern ein Konzept zur Stärkung besonderer Kompetenzen der bestehenden Universitäten und Studienrichtungen ausarbeiten. Damals war bereits der Vorschlag gefallen, „weniger erfolgreiche Forschungsbereiche“ zu schließen. Anstatt auf Breite (des Studienangebotes) solle bei den heimischen Universitäten auf Tiefe gesetzt werden. Das bedeutet, sich auf weniger Studienrichtungen zu konzentrieren und deren Qualität steigern. Auf den ersten Blick plausibel, ist es jedoch problematisch, dass man sich dabei offenbar an den falschen Zielen orientiert: Die Studienrichtungen, die mittlerweile für Platzmangel und miese Betreuungsverhältnisse bekannt sind, dienen als Vorbild im Bereich effizientes und kostengünstiges Budget-Haushalten. Ein weiterer Punkt, der gegen die Schließung kleiner Studienrichtungen spricht ist, dass die Vielfalt an Studienrichtungen innerhalb eines Bundeslandes sinken würde, was die Bandbreite möglicher Wahlfächer und somit die Interdisziplinarität einschränkt. Konkret heißt das, dass zum Beispiel SalzburgerInnen aus weniger Studienrichtungen wählen könnten und bei Interesse für ein selteneres Fach womöglich zum Umzug gezwungen wären. Darüber hinaus wäre es schwerer – in manchen Fällen sogar unmöglich – bestimmte Fächer zu kombinieren, weil diese nicht im selben Bundesland angeboten werden. Fairerweise muss erwähnt werden, dass das Bestehen einer Studienrichtung erst ab einer gewissen Zahl an Studierenden wirklich sinnvoll ist. Denn eine fruchtbare Diskussion innerhalb einer Lehrveranstaltung braucht eine bestimmte TeilnehmerInnenanzahl. Außerdem wächst mit der Größe einer Studienrichtung tendenziell auch die Zahl der Lehrenden und somit der Forschungsgebiete. Obwohl die sogenannte Standortbereinigung für das Gesamtbudget der Universitäten eine Entlastung bringen kann, darf die Schließung kleiner Studienrichtungen nicht die (einzige) Antwort auf den chronischen Geldmangel der österreichischen Universitäten sein. Es müssen vor allem mehr staatliche Mittel in den Bildungssektor investiert werden – damit würde auch der scheinbare Widerspruch von Angebotsbreite und Qualität der Studienrichtungen aufgehoben.

© Rockhouse

Von Cornelia Groiss

Bloc Party begeistern beim Stuck! Festival 2011 im Rockhouse.

Juni 15.06.2011 Führung zu den Ausstellungen Alberto Giacometti, Zeitgenössische Raumkunst und Sammlung MAP Museum der Moderne Mönchsberg, Beginn: 18:30 Uhr, Führung kostenlos 19.06.2011 Evita Easton | Ballet, Step, Jazz, ... Profi-Balletttänzerin und Leiterin der ältesten Ballettschule Salzburgs Republic, Beginn: 19:00 Uhr, Eintritt: ab 13,20 € 21.06.2011 Kurt Gersdorf & Band Jam-Session Jazz:it, Beginn: 20:00 Uhr, Eintritt frei 22.06.2011 ARGE kabarett | Jochen Malmsheimer Der Hausmeister aus „Neues aus der Anstalt“ mit seinem Programm „Wenn Worte reden könnten oder: vierzehn Tage im Leben einer Stunde“ ARGE kultur, Beginn: 20:00 Uhr, Eintritt: ab 11 € 28.06.2011 STUCK! FROM ABOVE - Stuck! Festival Warm Up 2011 supported by salzblog.at SHOWCASE & PRESS TALKS - Mean Poppa Lean (UK) Steaming Satellites (A) DJs: Sunae Solar & The Boy In The Radiator (Yeah!Club) Hotel Stein – Steinterrasse: Giselakai 3-5 (Staatsbrücke), 5020 Salzburg, Beginn: 18:00 Uhr, Eintritt frei

Juli 02.07.2011 DER HipHop-Act Österreichs mit brandneuem Album „Grotesk“ | Texta (A) Support: Hinterland (A) & Die Au (A) Local support: Arv Rockhouse, Beginn: 20:30 Uhr, Eintritt: ab 11 €

20.07.2011 ARGE produktion Taschenopernfestival 2011: „Der Engel des Herrn“ ARGEkultur, Beginn: 20:00 Uhr, Eintritt: ab 10 €

August stUck! festival 2011 nEW music clubfEstiVal im Rockhouse 04.08.2011 Mount Kimbie (UK), Vivian Girls (US), Handsome Furs (CAN), Casiokids (NOR), CREEP (US) I Heart Sharks (D), Janefondas (A), Olympique (A), YC DJTeam (A) Beginn: 18:00 Uhr 05.08.2011 FM Belfast (ISL), Metronomy (UK), Thieves Like Us (SWE/FR), Mirrors (UK), HGich.T (D), The Helmut Bergers (A), YC DJ-Team (A) Beginn: 18:00 Uhr 06.08.2011 Bloc Party DJ Set (UK), You Love Her Coz She´s Dead (UK), Flashguns (UK), Scanners (UK), COMA (D), Bilderbuch (A), mel (A), Marky Mushroom (A), YC DJ-Team (A) Das Line up ist noch nicht vollständig! Beginn: 18:00 Uhr Tagesticket ab 18 € Festivalpass ab 48 €

September 23.09.2011 ARGE roter salon Crazy Bitch in a Cave, Cherry Sunkist, chra comfortzone Labeltour. Support: DJ Didi Neidhart Studio ARGEkultur, Beginn: 21:00 Uhr, Eintritt: ab 7 €


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Kultur

Once - GefĂźhlvoll, aber unaufdringlich

         

Eine Liebesgeschichte ohne einen einzigen Kuss, ohne nackter Haut. DafĂźr mit viel Musik, die unter Letztere geht, und 2008 sogar einen Oscar gewonnen hat. Von Teresa Burian

Der Film „Once“ von Regisseur John Carney ist eine irische Low-Budget-Produktion aus dem Jahr 2007. Trotzdem ist dieses kleine musikalische Juwel der Filmgeschichte es immer wieder wert, gesehen zu werden. Der Hauptdarsteller Glen Hansard, bekannt aus der Band The Frames, schrieb zusammen mit seiner Filmpartnerin (und späteren Lebensgefährtin) MarkĂŠta IrglovĂ  den Soundtrack. Es ist also der besonders seltene Fall, in dem die Schauspieler nicht nur tatsächlich Ăźber musikalisches Talent verfĂźgen, sondern sich auch selber fĂźr die grandiose Filmmusik verantwortlich zeichnen. 2008 gewann der Titel „Falling Slowly“ den Oscar fĂźr „Bester Song“, sowie zwei weitere Preise bei ausländischen Filmfestivals. Zwei Menschen treffen sich, musizieren zusammen, verlieben sich und belassen es dabei. Im Filmabspann werden sie nur als „Girl“ und „Guy“ benannt, vĂśllig ausreichend fĂźr eine Handlung, die jedem und jeder in der Wirklichkeit widerfahren kĂśnnte. Mit ihren Liedern arbeiten sie ihre zerbrochenen Beziehungen auf. Er wurde von seiner ehemaligen Liebsten mit dem besten Freund betrogen. Sie lebt zusammen mit ihrer kleinen Tochter und ihrer Mutter in ärmlichen Verhältnissen in Dublin. Der Vater der Kleinen ist in Tschechien geblieben, den Grund dafĂźr erfährt man nicht. Im Vordergrund ihrer Treffen ist stets die Musik, sie inspirieren sich gegenseitig. Er borgt ihr seinen CD-Player, damit sie Texte zu seinen Melodien schreiben kann. Als die Batterien mitten in der Nacht leer sind, opfert sie sogar das Sparschwein ihrer kleinen Tochter, flĂźstert „Ich gebs dir zurĂźck!“ und wandert in Pantoffeln und Bademantel zur nächsten Tankstelle, um neue zu kaufen. Szenen wie diese verdeutlichen unspektakulär, aber dennoch auĂ&#x;ergewĂśhnlich die Besessenheit, die manche und manchen MusikliebhaberIn in kreativen Hochphasen ergreift. Zudem wird die eigentliche Message des Films, nämlich die Kraft und Magie von Musik, einmal mehr unterstrichen. Wer eine luftig-leichte HollywoodRomantik-KomĂśdie sucht, ist hier eindeutig falsch. „Once“ ist ein auĂ&#x;ergewĂśhnlich „normaler“ Film. Er erzählt eine Geschichte, wie sie jeden Tag passieren kĂśnnte: unaufgeregt, leise, ohne Kitsch, ohne Action oder kĂźnstlich aufgeblasenen GefĂźhlen, ein bisschen melancholisch und frĂśhlich zugleich. Und gerade durch diese Einfachheit ist man tief berĂźhrt, weil es die Erzählung so greifbar und realistisch macht. ZuseherInnen kĂśnnen sich gut mit den Charakteren identifizieren. Besonders Musikfreaks werden ihre groĂ&#x;e Freude mit dem Streifen haben, mehr Authentizität und pure Leidenschaft beim Musizieren erlebt man nur in einem Live-Konzert. John Carney, Ăźbrigens ein ehemaliges Mitglied der Frames, hat bei der DarstellerInnenwahl ein ausgesprochenes GespĂźr bewiesen. Das Mädchen ist tatsächlich Osteuropäerin, beide sind professionell in dieser Branche tätig. IrglovĂ  und Hansard verleihen dem Film schon fast dokumentarischen Charakter. Das kĂśnnte unter anderem daran liegen, dass die Emotionen der beiden real waren – während des Drehs wurden sie ein Paar. Eine ungewĂśhnliche Verbindung, trennen die beiden doch einige Jahre. MarkĂŠta IrglovĂ  war zum Zeitpunkt des Drehs erst neunzehn Jahre alt, Glen Hansard achtunddreiĂ&#x;ig. Das Duo arbeitet immer noch erfolgreich als „The Swell Season“ zusammen und hat einige Alben produziert. Mittlerweile gehen sie jedoch wieder getrennte Wege. So wie am Ende des Films. Nach der erfolgreichen Produktion eines Demo-Tapes mit ihr und einer spontan zusammengewĂźrfelten Band, beschlieĂ&#x;t er, nach London zu gehen und es einigen Agenten vorzuspielen. Dort lebt mittlerweile auch seine Verflossene. Sein Vater gibt ihm Geld, um diesen Neustart zu ermĂśglichen. Kurzentschlossen investiert der Mann das aber in ein Piano, welches er dem Mädchen schicken lässt. Auch sie ist nicht mehr alleine – der Vater ihrer Tochter ist nach Dublin gekommen.

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Ein junger Mann spielt sich in Dublins FuĂ&#x;gängerzonen ein bisschen Klimpergeld zusammen, wenn er im Laden seines Vaters Feierabend hat. Kaum jemand der PassantInnen bemerkt die Leidenschaft in seinen eigenen Songs. Wenn er gängige Lieder spielt, liegt mehr Geld im Koffer. Eine junge tschechische Migrantin jedoch hĂśrt ihm zu. Sie lobt sein Talent. Zufälligerweise repariert der Mann auch noch Staubsauger, also bringt sie ihren kaputten am nächsten Tag mit. Die beiden kommen ins Gespräch und entdecken ihre gemeinsame groĂ&#x;e Liebe zur Musik. Die junge Frau, stets ein bisschen altmodisch gekleidet und mit einigen seltsamen Nebenjobs, ist eine hervorragende Pianistin. In ihren Mittagspausen Ăźbt sie auf einem FlĂźgel in einem Instrumentengeschäft. Zusammen beginnen die beiden nun, Musik zu machen. Und gleichzeitig ihre gebrochenen Herzen wieder zusammen zu flicken, denn die unausgesprochene Liebe zwischen den beiden hat keine Zukunft.

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Kultur

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Mach dir dein Theater selbst! Kunst und Kultur für jedeN. So lautete das Motto eines Theaterworkshops im Toihaus, der von März bis Mai 2011 stattfand. Tanz- und schauspielbegeisterte StudentInnen hatten die Möglichkeit selbst Theater zu machen und dabei in die Welt der darstellenden Kunst einzutauchen. Die Uni:Press war beim Abschlussabend dabei. Von Kunigunde Leitner Stille. Das ist das Erste, das einsame BesucherInnen an diesem Abend beim Betreten des Toihaustheaters empfängt. Der kurze Gang hinter der gelben Stahltür ist wie ausgestorben, erst nach ein paar Sekunden ist das leise Spiel eines Cellos zu hören. Wer seine erste Überraschung überwindet und der Musik folgt, wird nach wenigen Metern staunend innehalten. Auf der leeren, fast kahl wirkenden Bühne des Theaters sind die abstrakt anmutenden Bewegungen junger Menschen zu sehen, die sich von den fremd wirkenden Klängen des Cellos inspirieren lassen. Die Probe eines professionellen Theaterensembles? Nein, ganz und gar nicht. Was nach einer lange erarbeiteten Choreografie aussieht, ist das Er-

gebnis spontaner Ideen junger Studierender. Sie alle sind TeilnehmerInnen eines Theaterworkshops, der in dieser Form zum ersten Mal im Toihaus stattgefunden hat. Das elfköpfige Ensemble des Theaters – bestehend aus Musikern, Tänzern und Schauspielern – hat in den letzten Monaten wöchentlich mit interessierten StudentInnen der Universität Salzburg einzelne Szenen und Performances unterschiedlicher Stücke erarbeitet. Die Idee dahinter war es, Kunst und Kultur jeder/m zugänglich zu machen und dabei bewusst mit jungen, unerfahrenen Menschen zu arbeiten. Um 29€ konnten 15 Theaterbegeisterte erste Erfahrungen mit Bühnenperformance sammeln. An jeweils einem Abend pro Woche haben dabei zwei KünstlerInnen des Toihausensembles den TeilnehmerInnen unterschiedliche Zugangsweisen zu Theater und Schauspiel näher gebracht. Die Motivation für dieses Projekt liegt in der Philosophie des Hauses begründet. Für die künstlerische Leiterin, Myrto Dimitriadou, wird Theater, ebenso wie andere Künste, im Grunde genommen von LaInnen getragen. Mit diesem Workshop sollte ebendiesen ein Raum zur Entfaltung gegeben werden. Dabei ging es hauptsächlich darum, Vergnügen bei der Sache zu haben und Erfahrungen zu sammeln. Ein Angebot, das beim Zielpublikum auf reges Interesse gestoßen ist. Nur

ungefähr die Hälfte der Interessierten konnte aufgenommen werden. Zu ihnen gehören Tanja und Suzanne, die von diesem Projekt begeistert sind. Die anfängliche Scheu haben die beiden schnell überwunden und sehr viel Positives aus den letzten Wochen mitgenommen. Wenn es nach ihnen geht, sollte ein derartiges Angebot auf Dauer etabliert werden. Vor allem für das Selbstbewusstsein sei Theater zu machen förderlich, verraten sie. Dass sie damit recht haben, beweisen die Szenen, die sich am heutigen Abend auf der Bühne abspielen. Schon nach wenigen Minuten des Zusehens ist zu erkennen, mit welcher Begeisterung und Konzentration die sogenannten LaInnen an die Erarbeitung der

vorgegebenen Szenen herangehen. Die Dynamik innerhalb der Gruppe ist sogar von der ZuschauerInnentribüne aus spürbar und die improvisierten Tanzchoreografien, die innerhalb kurzer Zeit in Szene gesetzt werden, sind beeindruckend. Für Myrto Dimitriadou hingegen ist die positive Performance der StudentInnen nicht überraschend. Schließlich ist sie davon überzeugt, dass jedeR Theater spielen oder tanzen kann, wenn er/sie nur die Möglichkeit bekommt, es zu versuchen. Beim Anblick der jungen KünstlerInnen kann man ihr da nur zustimmen.

Das Improvisieren auf der Bühne macht den WorkshopteilnehmerInnen sichtlich Spaß.

Videobilder sollen den KünstlerInnen als Anstoß für ihre Bewegungen dienen. Der Rest verfolgt die Performance.

© Toihaus

Infos über das Toihaus und weitere Workshops unter: www.toihaus.at

© Toihaus

Auflösung: Hier erfährst du welcher StudentInnentyp du bist! Pro Frage gibt es zwanzig Punkte für den jeweiligen Typus. Auflösung zum Test: „Welcher Studi-Typ bist du?“: Überwiegend A: Philosophischer Ökoidealist Überwiegend B: Fleißige Arbeitsbiene Überwiegend C: Komatöser Schlafwandler mit Nerdtendenzen Überwiegend D: Tratschtante in der letzten Reihe Überwiegend E: Teilzeit-Klugscheißer und Pseudo-Einstein Überwiegend F: Koffeinjunkie und Nachtmensch Philosophischer Öko-Idealist Peace, Schalom und Salaam Aleikum. Die Kombination deines Studiums ist ein Spiegel deines Selbst. Kapitalistische, ökonomische Imperialismusstudien wie BWL oder Recht und Wirtschaft würden dein Ying und Yang Prinzip aus dem Gleichgewicht bringen, sodass du definitiv mehr der Philosophietyp bist. Geographie interessiert dich aufgrund fremder Kulturen ebenfalls, zudem muss man ja wissen, wie die kulturelle Lage in Goa so ist, wenn du im Sommer deinen Fahrrard-Road-Trip nach Indien startest. Danach beginnst du im Wintersemester dein Zweitstudium der Panflöte am Mozarteum um mit dem coolen, bolivischen Trio aus der Getreidegasse endlich die Welttournee zu starten. Erkennbar bist du entweder an den bunten, ethisch vertretbaren Klamotten oder an den Dreadlocks, die vor allem im Winter perfekten Kälteschutz bieten. Fleißige Arbeitsbiene Nicht nur dein Zimmer ist perfekt aufgeräumt und strukturiert, auch dein Kopf und deine Gedanken laufen in komplexen, aber geradlinigen Bahnen. Die CDs sind alphabetisch gereiht, die Klamotten im Kleiderschrank perfekt nach saisonalen Kriterien geordnet. Dein Outfit ist jeden Tag virtuos und gleichermaßen korrekt. Nicht zu leger, jedoch auch niemals overdressed. Du hast dein Leben perfekt im Griff. Doch manchmal gibt es Stolpersteine und unvorhersehbare Hürden: Einmal bist du bei der Plus Online Rushhour auf der Warteliste gelandet und befindest dich in der schrecklichen Situation nicht zu wissen ob du im kommenden Semester auch tatsächlich im ausgewählten Kurs teilnehmen kannst. Ein anderes Mal sitzen im Hörsaal vor dir nervende Tratschtanten die dich von einem adäquaten Studiums- und Lernprozess abhalten. Und dann hat wieder jemand nicht rechtzeitig das von dir vorgemerkte Buch auf die HauptBib zurückgebracht, obwohl du dieses unbedingt bräuchtest. Eine bodenlose Frechheit! Aber dank deines perfekt ausgeklügelten Plans, den du bereits nach der Matura für dein gesamtes Studium konzipiert hast und, der auch kleine Abänderungen variabel zulässt, wirst du auch diese Hürden meistern. Zwar manches Mal mit einer Zornfalte des Unmuts auf der Stirn, aber immerhin sitzt im Salzburger Schnürlregen die Frisur perfekt. Komatöser Schlafwandler mit Nerdtendenzen Meistens fällst du durch deinen permanent auf ON geschalteten Stand-By oder Schlafmodus auf. Völlig egal ob Vorlesung, Pro-Seminar oder Übung, egal ob 9 Uhr Morgens, Mittags oder 18 Uhr Abends – du hockst meistens mit geröteten Augen und verschlafenem Blick in der letzten Reihe und starrst entweder müde nach vorne oder hast dein Gesicht auf der Bank liegen. Sollte man dein blasses Gesicht doch einmal sehen, fallen sofort die dunklen Augenringe auf, welche ebenfalls von eklatantem Schlafmangel künden. Deine permanente Müdig-

keit, die manche auch mit Desinteresse oder Faulheit verwechseln, liegt aber mitnichten an Lustlosigkeit, sondern einfach an dem Umstand, dass du Nachts das Alltagsoutfit gegen das Superheldenkostüm eintauscht. Egal ob als heroischer Paladin bei World of Warcraft, schurkischer Troll-Ritter bei Dungeons & Dragons oder gar selbst aktiv an der Salzach im Batman-Kostüm – du bist der Retter der Schutzlosen! Zwar hat dich der jahrelang geübte und erlernte Spock-Koma-Griff am Rudolfskai damals nicht vor den Rowdys und der Schlägerei, in die du geraten bist, retten können – dennoch glaubst du fest daran, dass nur Kryptonit dich wirklich zerstören kann. Kryptonit oder eine Zwangsexmatrikulation, weil du beim World of Warcraft-Zocken die kommissionelle Prüfung verpennt hast. BAZINGA! Tratschtante in der letzten Reihe Wie der Name des Stereotyps schon definiert, bist du immer in der letzten Reihe zu finden. Dort tauscht du dich über die neusten Erlebnisse des Salzburger StudentInnen- und Partylebens aus. Du bist ein geselliger Typ und die Uni ist für dich der perfekte Ort um deine Freundeslisten auf Facebook zu vergrößern. Bis dato hast du ohnehin erst 86.421 FreundInnen auf Facebook, eine erbärmliche Quote im direkten Vergleich zu Paris Hilton. Dein stylishes Smartphone vibriert im Sekundentakt, ständig bekommst du SMS oder Anrufe, die dir von den neuesten WG-Feiern, Geburtstagen oder VIP Hangar 7 Partys berichten. Wer dich nicht kennt, hat etwas verpasst. Zwar leidet dein Studium ein wenig unter deinem exzessiven Lifestyle, aber es heißt doch immer, man müsse auch während des Studiums Networking betreiben. Und das tust du! Teilzeit-Klugscheißer und Pseudo-Einstein DU inmitten von anderen Studierenden? Lächerlich! Eigentlich solltest du auf der anderen Seite des Hörsaals stehen, nämlich genau hinter dem Pult um dein vielfaches, kostbares Wissen an diese intellektuellen „Schwachmatiker“, die sich KommilitonInnen schimpfen, weiterzugeben. Während der Vorlesung sieht man dich ständig am Notebook tippen oder in Heften Notizen kritzeln. Nach der Vorlesung bist du der erste um den/die ProfessorIn mit deinen, individuellen Fragen zu traktieren um damit bei ihm/ihr und deinen StudienkollegInnen auftrumpfen zu können. Und vielleicht gab es in der Vorlesung zuvor auch den einen oder anderen Punkt den du beim Prof korrigieren musst. Immerhin bist du ja da um die ProfessorInnen zuweilen auf ihre Fehler hinzuweisen. Ansonsten hast du bereits deinen Stammplatz in allen Bibliotheken und bist meistens auch dort zu finden. Abends entspannst du dich dann mit wertvoller Weltliteratur. Erkennbar bist du an der mitgeführten Aktentasche, der großen Brille auf der Nase und dem strengen, oft leicht kritischen Blick, mit dem du deine Umwelt taxierst. Hach, diese Kleingeister… Koffeinjunkie und Nachtmensch Wenn andere friedlich um 3 Uhr in ihren Betten liegen, um Kräfte für den nächsten Unitag zu sammeln, kochst du gerade deinen achten Kaffee und fährst das Notebook nochmal zum Mail checken hoch. Aber nicht um irgendwelche Seminaraufgaben zu machen, sondern um abzuklären wo um diese Zeit noch irgendwo etwas offen hat. Dass der Bäcker nebenan auch immer erst gegen 4 aufsperrt ist völlig inakzeptabel. Kaffee mit Croissants wäre schon ein Hit, aber ein gemütliches Bierchen zu später Stunde tut es auch. Vielleicht hilft das Bier auch zum Einschlafen, denn Schlafen konntest du schon länger nicht mehr. Als Koffeinjunkie bist du immer wach. Aber nie richtig…


Kultur

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UniPress Festival-Guide Das Semester neigt sich dem Ende entgegen und der Sommer naht mit großen Schritten. Und mit dem Sommer ein Haufen Festivals! Wir zeigen dir die besten Ziele für unvergessliche Sonnenaufgänge. Von Jürgen Plank

Nova Rock 2011

Natürlich ist es ein wenig verrückt, über drei Tage auf einem aufgeweichten Acker fern der Heimat zu zelten, in Dosenmüll und Körpergerüchen fast zu ersticken und das teilweise mit Leuten zu teilen, mit denen man nicht einmal freiwillig im Bus fahren würde. Nach spätestens zwei Tagen Schweiß sehnt man sich nach überwältigendem, sanitärem Luxus, nach blitzenden Wasserhähnen aus Gold, jungfräulich weißem Marmor, eine aus Ebenholz geschnitzte Brille, einen Spülkasten voll Chanel No.5. und nach einem Lakaien der einem Toilettenpapier aus reiner Rohseide reicht. Aber unter den gegebenen Festivalumständen gibt man sich auch mit weniger zufrieden – nämlich mit Dixiklos und Schlauchduschen. Aber trotzdem! Selbst die lärmenden ZeltnachbarInnen, das warme Bier, Gulasch und Bratwürstel, das alles hat jeden Sommer aufs Neue irgendwie seinen Reiz, sich einmal unter all den Leuten, die man nicht kennt und ,die man niemals wieder sehen wird, ein wenig daneben zu benehmen und, zu seiner favorisierten Lieblingsmusik einen Kurzurlaub am Lande zu pflegen. Die UniPress gibt ausgewählte Tipps wo auch jeder seinen persönlichen Acker findet.

Nickelsdorf – Pannonia Fields (11. - 13. Juni)

Beatpatrol

St.Pölten (22. - 24. Juli)

Line-Up: Iron Maiden, System of a Down, Linkin Park, Volbeat, Motörhead, Thirty Seconds to Mars, Korn, Flogging Molly, In Extremo, Ghost, Pendulum u.v.m.

Line-Up: Paul Van Dyk, Tiesto, Martin Solveig, Fritz Kalkbrenner, Moby, Steve Angello, Afrojack, Oliver Koletzki, Lexy & K-Paul, uvm.

Preis: ab 122 Euro zzgl. Parken und Campen

Preis: ab 79 Euro inkl. Parken und Campen

Plus: „Gewaltiges Line-Up“ mit mehreren Stages, Heuriger und Biergarten, Bungee, Chill-Out-Zelt, Sonderzüge für 28 Euro zum Nova Rock, „Kempingski Zelt Hotel“ mietbar wenn man seine 80 kg Marschgepäck ohne Scherpa und Schlittenhunde zu bewältigen hat. DAS Festival Österreichs reiht sich seit 2005 in die Champions League der Rock ’n’ Roll Großveranstaltungen ein!

Plus: Top Festival für Freunde der elektronischen Musik mit vielen angesagten Djs. Das gesamte Festival setzt auf Umweltschutz, so gibt es zum Beispiel zu 100% Ökostrom.

http://www.beatpatrol.at

http://www.novarock.at

Urban Art Forms Festival 2011

Wiener Neustadt (16. - 18. Juni)

Line-Up: Vitalic, Foreign Beggars, Ricardo Villalobos, Paul Kalkbrenner, Deichkind, Funkberater u.v.m. Preis: ab 89 Euro Plus: Partybusanreise aus Deutschland (startet ab München und hält in Augsburg, Ingolstadt und Rosenheim) – DAS Festival für elektronische Musik mit Techno-Giganten der Szene im Line-Up.

FM4 Frequency Festival

Line-Up: Foo Fighters, Seed, The Chemical Brothers, Rise Against, The Kooks, Deichkind, The Ting Tings, Jimmy Eat World, Dropkick Murphys, Kaiser Chiefs, Good Charlotte, Apocalyptica, The Hundered in the Hands u.v.m. Preis: ab 120 Euro zzgl. Parken und Campen Plus: Festival definiert sich als Live-Heimtstatt der alternativen Pop-Avantgarde. Das Festival begeistert jedoch auch mit „härteren“ Bands wie Rise Against und Dropkick Murphys.

http://www.frequency.at/

http://www.uaf-festival.at

Donauinselfest 2011

Wien (24. - 26. Juni)

Line-Up: Russkaja, Sebastien B. Benett, Shout Out Louds, Chikinki, Andreas Vitasek, Lukas Resetarits, DJ Observer, Bloodsucking Zombies from Outer Space u.v.m. Preis: Eintritt frei Plus: 4,5 km Festgelände mit 18 verschiedenen Themeninseln, ca. 2000 KünstlerInnen mit etwa 600 Stunden Programm – da ist für jeden Besucher etwas dabei! Ob Rock, Pop, Alternativ, Indie, Punk, HipHop, Oldies, Electro, Kabarett oder Lesungen.

St. Pölten (18. - 20. August)

Chiemsee Reggae Summer

Übersee / Chiemsee (26. - 28. August)

Line-Up: Blumentopf, Mono & Nikitaman, Russkaja, Capleton, Irie Révoltés, Iriepathie, Jimmy Cliff, D-Flame, Dendemann, uvm. Preis: ab 84 Euro Plus: Festival in einer Wohlfühlregion. Der Chiemsee mit seinen schönen Badestränden lädt zur Abkühlung ein und ist auch nicht besonders weit von Salzburg entfernt.

http://www.chiemsee-reggae.de/

http://www.2011.donauinselfest.at

Two Days A Week World Bodypainting Festival 2011

Pörtschach (01. - 03. Juli)

Line-Up: Shaggy, Patrick Nuo, DJ Mosey, Milk & Sugar, Großstadtgeflüster, Tschebberwooky u.v.m. Preis: ab 29 Euro Plus: Weltmeisterschaft der Bodypainting Künstler, „Body Circus – the surreal ballroom“, World Facepainting Award, Special Effects Make Up Awards & Amateur Wettbewerb, 35 verschiedene Workshops, Kunstausstellungen und Fotografie, internationaler Fotowettbewerb, Riesenfeuerwerk mit dem SFK Symphony Orchestra, eigene Electronic Dance Music Stage

http://www.bodypainting-festival.com

Wiesen (02. - 03. September)

Line-Up: Beatsteaks, The Offspring, Bullet for my Valentine, The Baseballs, Paradise Lost, Madsen, Alkbottle, Yellowcard, From Dawn to Fall, Haudegen u.v.m. Preis: ab 83,40 Euro exkl. Parken und Campen Plus: Alternatives Rockfestival im Burgenland mit berühmtem Campingflair und außergewöhnlicher Konzertatmosphäre.

http://www.wiesen-festivals.at/two_days_a_week


Kultur

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Rezension

Der Salzburger Student Mathias Klammer zeigt in seinem Debüt­­­ roman ein unglaubliches sprachliches Geschick. „Der Minimalismus der Dinge“ hält was er verspricht: Sprache, auf ein Minimum reduziert, aber dennoch bildhaft genug, um sich ins Geschehen hinein zu versetzen und den Blick nicht mehr vom Buch zu lassen. Von Christina-Anna Stenz Ein ungewöhnliches Buch und doch voll mit Situationen, die aus dem täglichen Leben gegriffen sind. Der junge Osttiroler Mathias Klammer beschreibt den durchschnittlichen Alltag seiner ProtagonistInnen: „Ich, ein Altenpfleger, der nach dem Tod seiner Eltern auf sich allein gestellt ist. Jonas, der die Liebe seines Lebens gefunden hat, in einem Nachtclub. Anna, die sich vor der Welt versteckt, in der Dunkelheit, unter ihrer Bettdecke. Marian, der ohne seinen Vater nicht mehr leben kann. Und Otto, der auf etwas wartet, das sein Leben verändert, da das alte neben ihm vergraben liegt.“ Junge Innovation Mathias Klammer ist 22, kommt aus Osttirol und studiert in Salzburg und Graz Kommunikationswissenschaft und Germanistik. Schon in der Schulzeit verfasste Klammer

viele Rezensionen, seine ersten literarischen Texte wurden bereits 2009 veröffentlicht. Nun ist ihm etwas gelungen, das nur wenige geschafft haben. Beim Arovell-Verlag hat er seinen ersten Roman publiziert. Eine Geschichte ohne verschnörkelte Sätze und mit viel Substanz. Knappe Sprache Durch kurze prägnante Sätze, die kein Wort zu viel beinhalten, baut der Autor im gesamten Buch Spannung auf. Ständige Szenenwechsel und die eindrucksvoll beschriebenen Situationen, in denen sich die ProtagonistInnen befinden, laden zum Miterleben ein. Die LeserInnen haben das Gefühl dabei zu sein, mitten in der Geschichte. Ausschnitte aus dem Leben werden so haargenau umschrieben, dass die Spannung auf die weitere Geschichte bald unerträglich wird. Wer lange verschachtelte Sätze sucht oder liebt, der ist beim „Minimalismus der Dinge“ gänzlich falsch. Sprachliche Raffinesse braucht eben keine langen Ausschweifungen, sondern kann im noch so kurzen Satz die gewünschte Würze ausdrücken. Der Wechsel zwischen den kurzen Kapiteln und der Zeit verlangen den LeserInnen ein gutes Maß an Konzentration ab. Wer sich jedoch mitreißen lässt, für den wird das Lesen zu einem absoluten Genuss. Stimmiger Inhalt „Jonas griff nach der Flasche. Sie stand neben ihm. Schon seit einer Woche, seit zwei.

Keine Erinnerung. Sie war leer. Seit einer Woche, seit zwei. Keine Ahnung. Er packte sie, warf sie zu Boden, schaute ihr nach. Sie zerbrach nicht, rollte über den Teppichboden. Schmutzig.“ Der Roman erzählt von fünf Personen, die allesamt kein glückliches Leben führen. Der Ich-Erzähler hat seine Eltern, die er gehasst hat, verloren und fristet nun sein Leben als vereinsamter Altenpfleger, der von seiner Großmutter sehr geprägt wurde. Ebenfalls packend ist die Geschichte über Anna und den hoffnungslos verliebten Jonas. Auf Parallelen und ähnliche Erlebnisse bei den ProtagonistInnen wird man stoßen, die Handlungsstränge sind keinesfalls voneinander abgetrennt. Doch mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, das Buch ist es wert, es selbst zu lesen. Der Roman beginnt im Minusbereich, die LeserInnen starten bei Kapitel Minus Sechzig und arbeiten sich bis auf Kapitel Null, den Schluss, vor. Eine originelle Form für einen Roman, der, wie so viele andere Dinge, die Neugierde weckt und zum Hineinschmökern einlädt. Am Ende ist man begeistert. Eine Handlung, die wirklichen Inhalt hat und spannend zu lesen ist. Nicht selten wird ein Buch aus der Hand gelegt, mit dem unbefriedigenden Gefühl, das Ende sei kein richtiges, der Inhalt wäre eher lasch gewesen. „Der Minimalismus der Dinge“ entspricht dem nicht. Es ist endlich wieder einmal ein Buch mit fesselndem Inhalt und gehaltvollem Ende. „Genieße die kleinen Dinge. Aber lass dich nicht von ihnen überwältigen.“, die Moral von der G’schicht.

© Mathias Klammer

„Es sind die kleinen Dinge, um die es im Leben geht. Die ganz kleinen Dinge.“

Mathias Klammer veröffentlichte bereits mit 22 seinen ersten Roman.

Infos zum Buch Klammer, Mathias (2011) Der Minimalismus der Dinge. Arovell Verlag: Gosau, Salzburg, Wien. 9,90 Euro http://www.em-ka.at

Rezension

Felix J. Palma lässt die Grenzen der Zeit verschwimmen „Los geht’s geehrter Leser, versenke dich in die ergreifenden Seiten unseres Büchleins, in welchem du Abenteuer findest, an die du nicht einmal im Traum gedacht hast. Falls du wie alle vernunftbegabten Menschen glaubst, dass die Zeit ein Strom ist, der alles mit sich reißt zum dunkelsten Ufer, so wirst du hier feststellen, dass die Vergangenheit wiedergefunden werden und der Mensch auf seinen eigenen Spuren wandeln kann dank einer Maschine, mit der er durch die Zeit zu reisen vermag.“ Von Kathrin Prünstinger Der gutmütige Erzähler begleitet uns durch die wirbelnde Handlung des Romans von Felix J. Palma. Ungewöhnliche, zeitlose Liebesgeschichten erwarten uns, genauso wie Reisen in die Vergangenheit und in die Zukunft. Der Autor spielt mit der Zeit. Und mit dem Zeitgefühl seiner LeserInnen. Im London des späten 19. Jahrhunderts treibt Jack the Ripper nächtlich sein Unwesen und H.G. Wells schreibt den zukunftsorientierten Bestseller „die Zeitmaschine“. Das Unternehmen „Zeitreisen Murray“ verspricht der

zahlungskräftigen Bevölkerung, sie ins Jahr 2000 zu bringen, wo sie Zeuge der legendären Schlacht des Hauptmanns Shakelton gegen die Maschinenmenschen werden können. Der Roman beschreibt in drei Teilen die abenteuerlichen Wege der ProtagonistInnen. Ob nun der von Selbstmordgedanken gequälte Andrew in die Vergangenheit reist, um seine vom Ripper ermordete Geliebte zu retten. Oder Claire sich in ihren Helden aus der Zukunft verliebt. Überdies entdeckt Inspektor Garret Tote in den Straßen Londons, die mit Waffen ermordet wurden, die noch gar nicht konstruiert wurden. Scotland Yard steht vor einem Rätsel. Die Konstanten in diesen aufwirbelnden Geschichten sind H. G. Wells und Gilliam Murray. Beide machen Geschäfte mit der Zeit, doch in unterschiedlichen Varianten. Während Wells die Leute durch Fiktion das Zeitreisen näher bringt, gelingt es Murray tatsächlich eine Zeitmaschine vorzuweisen: die Cronotilus. Diese Straßenbahn steuert direkt durch die geheimnisvolle vierte Dimension ins Jahr 2000. Die Zugfenster wurden geschwärzt, um für die Sicherheit der Besatzung zu sorgen, denn die vierte Dimension wimmelt von gefährlichen Ungeheuern, die es in Schach zu halten gilt. Aufgrund solcher sonderbaren Vorkehrungen fragt man sich: Schein oder Wirklichkeit?

Die Faszination „Zeitreisen“ zieht uns in ihren Bann Mit jeder neuen Seite wirft der Autor Zeitbarrieren um. Durch unglaubliche und unvorhersehbare Handlungsstränge wird der/die LeserIn in die Irre geführt und verliert jegliches Zeitgefühl. Es stellt eine Herausforderung dar, den unerwarteten Wendungen zu folgen und nicht im Strudel der Ereignisse unterzugehen. Gerade darin liegt der Unterhaltungswert des Romans. Durch die völlige Hingabe an die Geschehnisse erlaubt sich der/die LeserIn die Frage: Ist es möglich, dass Zeitreisen tatsächlich existieren? Wells hat mit seinem Roman „die Zeitmaschine“ eine Vorstellung geschaffen, die sich in den Köpfen der Menschen fest gelagert hat. Palma greift diese Vorstellung geschickt auf und verwebt sie in eine Geschichte, die so fantastisch und gleichzeitig verwirrend ist, dass es beinahe unmöglich erscheint, sich nach Beenden des Buches davon loszureißen.

gültig, ob sie nun imaginär ist oder tatsächlich existiert. Andrew glaubt fest daran, in die Vergangenheit reisen zu können und die junge Claire hält unbeirrt an ihrer Liebe zu Hauptmann Shakelton fest, obwohl ein ganzes Jahrhundert zwischen ihnen liegt. Wells ist der Mann, der alles ermöglicht und am Ende des Rätsels Lösung darstellt. Ein geheimnisvoller Bibliothekar sucht ihn auf und stellt in vor unmögliche Tatsachen: Der Ausgang der Geschichte ist unausweichlich, denn er steht geschrieben. In der Landkarte der Zeit. Und am Ende ist es Wells, der die Karte und mit ihr das Schicksal in Händen hält.

Ist die Zeit unüberwindlich?

Infos zum Buch

Ein Briefwechsel mit der großen Liebe aus der Zukunft. Auf den Spuren der eigenen Vergangenheit wandeln. All das scheint für die ProtagonistInnen möglich zu sein, durch die Zeitmaschine aus Wells Roman. Gleich-

Félix J. Palma Die Landkarte der Zeit gebunden, 720 Seiten 25,70 Euro


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Kultur

Le Parkour: Die Kunst der etwas anderen Fortbewegung Die Stadt wird zum urbanen Spielplatz, Hindernisse gibt es nicht: Traceure und der Sport Parkour sind inzwischen auch in der Mozartstadt angekommen. Mit waghalsigen Sprüngen sorgen die Salzburger Freerunner von Urban Acrobatix für Aufmerksamkeit – doch die wenigsten wissen, worum es bei diesem Sport überhaupt geht.

Von Jürgen Plank Viele Tage im Jahr springt Christian Bacher über Hindernisse, schwingt sich über Geländer oder klettert an Mauern hoch, nicht weil er auf der Flucht ist, sondern weil es Spaß macht und sein Sport ist. Christian Bacher und die Urban Acrobatix sind Traceure (französisch für: „der den Weg ebnet“ oder „der eine Spur legt“). „Parkour“ heißt ihre Sportart, bei der es um die Kunst der Fortbewegung geht. Sie hat seit Jahren einen enormen Popularitätszuwachs und auf der ganzen Welt finden sich immer mehr AnhängerInnen. Auch bei den Urban Acrobatix gibt es inzwischen knapp 30 aktive Mitglieder, die immer wieder die Laufund Turnschuhe schnüren, um ihr alternatives

und spektakuläres Hobby zu betreiben. Doch für die Traceure ist Parkour mehr als ein Sport, es ist eine Philosophie, eine Lebenseinstellung: „Sich durch die Stadt oder durch einen Wald bewegen, dabei seinen Körper beanspruchen und seinen Gedanken freien Lauf lassen, ist für mich der perfekte Weg, um abzuschalten. Parkour und Freerunning ist viel mehr als normales Fitnesstraining, irgendwo raufklettern oder ein paar Saltos machen. Es ist eine Art zu leben, seinen Geist und Körper kennenzulernen, zu trainieren und sich frei und kreativ zu bewegen“, sagt Lukas Allnoch, Mitglied der Urban Acrobatix. Gute Laufschuhe und körperliche Fitness sind die einzigen Voraussetzungen, die man für diesen Sport braucht um erstaunte Blicke von SonntagsspaziergängerInnen oder TouristInnen zu ernten. Le Parkour kann man überall machen, man braucht keinen Verein und auch nicht viel Geld um Traceur zu werden. Die Philosophie hinter dem Sport steht auch dafür, dass man schrittweise lernt, Angst und Hindernisse zu überwinden, was sich dann auch auf das gesamte Leben übertragen lässt. „Ob im Studium, beruflich oder privat, kostet uns diese schnelllebige Welt und Zeit oft viel Energie, oder raubt uns einfach den letzten Nerv. In solchen Situationen ist es wichtig, einen Weg zu finden, abzuschalten, seinen Körper und Geist mit der nötigen Energie wieder aufzuladen, um sich dann dem Leben wieder mit voller Kraft zu widmen“, ergänzt Christian Bacher.

Woher kommt Parkour? Seinen Ursprung hat der Sport weder im Ghetto von New York, noch bei akrobatischen Palmenkletterern auf französisch Guyana, sondern in den Häuserschluchten der Pariser Vorstädte. Als Begründer der Parkour-Bewegung gilt David Belle. Belles Vater, der in Indochina als Waisenkind zum Soldaten ausgebildet und später bei der Pariser Feuerwehr durch spektakuläre Rettungseinsätze bekannt wurde, berichtete seinem Sohn, wie er einst als Soldat im Vietnamkrieg lernte, in Notsituationen möglichst schnell zu fliehen. David Belle hat diese Kunst der Fortbewegung Anfang der 80er Jahre dann in den Vororten von Paris auf städtische Voraussetzungen umgelegt. Immer mehr Menschen, vorwiegend Jugendliche, sind der Philosophie Belles, der „Méthode Naturelle“ und „l’art du deplacement“ gefolgt und daraus ist Parkour entstanden, die Kunst nur mit den Mitteln des eigenen Körpers Hindernisse effizient und mit Kreativität zu überwinden. Parkour – mit Risiken und Nebenwirkungen? Natürlich ist dieser Sport auch nicht ganz ungefährlich. Vor allem in manchen Medien wird Parkour als lebensgefährliche Extremsportart hochstilisiert. Gerade manchen Eltern von vorwiegend jungen oder jugendlichen Traceuren wird bei den waghalsigen und spektakulären Salti der Sprösslinge ganz übel.

Und doch ist gerade bei den Traceuren die oberste Prämisse das Risiko möglichst gering zu halten. „Man muss seinen eigenen Körper selbst einschätzen können. Parkour ist nur so gefährlich, wie man ihn sich selbst macht“, sagt Christian Bacher in ernstem Tonfall. Auf eines kommt es nämlich beim Parkour nicht an: Die Philosophie hinter dem Sport ist weder Wettkampf noch Mutprobe. „Es geht um Körper und Geist. Man muss sich konzentrieren und auch die eigenen Grenzen erkennen“, fährt Christian fort. Die Urban Acrobatix beschränken sich aber nicht nur auf die besten und schnellsten Bewegungen wie beim Parkour üblich, sondern versuchen auch Turnelemente in ihre Übungen und Abläufe zu integrieren. Das nennt sich dann „Freerunning“. So kommt es nicht selten vor, dass sich Trauben von ZuschauerInnen bilden, wenn die Traceure in Maxglan oder im Mirabellgarten mit einem Rückwärts-Salto von einer zwei Meter hohen Mauer springen und elegant auf dem Boden landen. Wer die Urban Acrobatix live erleben oder Parkour einmal selbst ausprobieren möchte, kann die Traceure beim Salzburger Movida Festival vom 27.7. bis 30.7. im Volksgarten treffen oder zum freien Training in der Turnhalle Maxglan erscheinen. Kontakt: c.bacher@gmx.at oder die Facebookseite der Urban Acrobatix

© Alle Fotos auf dieser Seite: Urban Acrobatix


Kultur

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Believe the Hype! Wenn eine Band die aktuellen Normen der Popmusik völlig über den Haufen wirft, dann wohl die Crystal Fighters: Bei ihrem Auftritt beim Yeah!Club im Rockhouse vergangenen Donnerstag konnte man live erleben, warum sie derzeit eine der gehyptesten Bands der Indie-Szene sind. Wir haben natürlich in der ersten Reihe abgetanzt. Von Sandra Bernhofer Kaum eine Combo klingt derzeit wahnwitziger als das katalanisch-amerikanisch-britische Quintett Crystal Fighters, das seinen Bandhauptsitz in London aufgeschlagen hat. Der vertonte Multikulti der Gruppe kommt unfassbar facetten- und abwechslungsreich daher: Rock-Gitarren werden munter mit polyrhythmischen Dubstep-Bässen und manischem Gesang kombiniert, dazu entlocken sie einem traditionellen baskischen Instrument bizarr-schöne Sounds – der Txalaparta, einer Art überdimensioniertem Xylophon. Mit dem Baskenland ist auch der Gründungsmythos der fünf MusikerInnen eng verbunden, der folgendermaßen lautet: Ex- und Immer-Wieder-Sängerin Laure entdeckt im Nachlass ihres Großvaters eine unvollendete Oper, die jener in geistig bereits deutlich umnachtetem Zustand geschrieben hat. Name des Werkes: Crystal Fighters. Bandname und Ideen für einige Songs waren damit schnell gefunden, die Mitglieder ließen auch nicht lange auf sich warten. Zwischen Dancepunk und Volksmusik Ab 2007 machen sich die Crystal Fighters in der Blogosphäre und der Clubszene mit etlichen Remixen von Stücken der Wombats, von CSS oder der Franzosen Pony Pony Run Run einen Namen, im Oktober 2010 folgt schließlich das Debütalbum „Star Of Love“. Jeder der Songs auf dem Erstling soll in mehr oder weniger großem Ausmaß auf der ominösen Oper von Laures Opa basieren, aus der sie sich ein unglaublich tanzbares Album zusammengestrickt haben, voll mit seltsamschönen Tribalpop-Rhythmen, atemlosem Ravebeat-Clubsound und unwiderstehlichen Mitsingrefrains. Der Mix aus traditioneller baskischer Folklore und elektronischen Clubsounds funktioniert erstaunlich gut, was aber noch weitaus mehr fasziniert, ist die Art und Weise, wie dieser ungewöhnliche Trupp diese explosive Musik-Mischung auf die Bühne bringt. Und die Live-Qualitäten der Band haben sich ganz offensichtlich schon herumgesprochen, denn aufgrund der großen Nachfrage musste das Konzert am Donnerstag von der intimen Rockhouse-Bar, wo der Yeah!Club üblicherweise stattfindet, in den Saal verlegt werden. Es darf gedanct werden Schon bevor die Bandmitglieder aus dem dichten Nebel auftauchen, der über die Bühne wabert, vibriert die Luft: Die deepsten Bässe ever gehen direkt über die Bauchdecke in die Beine, vom ersten Moment des Konzerts an ist die Atmosphäre durchtränkt von Energie. Nur Sänger Sebastian Pringle wirkt in seiner schludrigen Montur, als ob er gerade erst aus dem Bett gekrochen wäre. Nichtsdestotrotz punktet er durch seine im gebrochenen Rastafari-Englisch vorgetragenen Ansagen und tanzt wie ein wilder Derwisch vor seinem Publikum, dirigiert es wie ein Zeremonienmeister. Seine langen Haare

sind zu einem Knoten gezwirbelt, seine Show versetzt die ZuhörerInnenschaft weit, weit zurück in die Siebziger, als Rock ‚n‘ Roll noch in einem Atemzug mit Sex & Drugs genannt werden musste. Der weibliche Lead-Gesang kommt von Mimi, die mit ihrer sehr hohen, klaren Stimme einen deutlichen Kontrast zu Sebastians imposantem Gehabe bildet. Dann wäre da noch der amerikanische Gitarrist Graham Dickson zu erwähnen, der ebenfalls ganz in seiner Rockstar-Rolle aufgeht und oben ohne auf der Bühne herumhüpft, – in weiser Voraussicht, schließlich ist das Kommende so heiß, dass jedes Kleidungsstück überflüssig wird. Musikalisch können die Crystal Fighters nur auf das eher bescheidene Repertoire eines einzigen Albums zurückgreifen, doch was auf diese Scheibe gebannt ist, würde wahrscheinlich sogar reichen, um ein Kloster aufzumischen; das Publikum überzeugt der Synth-Wahnsinn sowieso. „Solar System“, das Eröffnungsstück, prescht mit intensiven Polyrhythmen los, im Tribalpop-Song „I do this everyday“ platzieren die Crystal Fighters durchaus harmonisch Metal-Gitarren, „I love London“ zitiert Gettofunk, das folkige „Swallow“ wird von einem gnadenlosen Dubstep-Bass attackiert und wandelt sich in eine psychedelische Hymne – die Art und Weise wie diese britisch-katalanische Band ihre Sounds zusammenschraubt, ist auf jeden Fall originell zu nennen: Von Techno geht es munter über Punk und Dub bis hin zu Drum ’n’ Bass, immer unterlegt mit der richtigen Dosis baskischer Volksmusik. Dass die Texte bei diesem musikalischen Freak-Out auf der Strecke bleiben und sich auf Mitgröl-Hymnen beschränken, stört nicht wirklich, das Tanzbein würde bei zu komplexen Lyrics ohnehin ins Straucheln kommen. Also gut, dass alles ist, wie es ist: Die Scheinwerfer schweifen fahrig über das Publikum, das HipHopÄrmchen wird ausgefahren, im vorderen Drittel des Saales pogt die Meute ausgiebig, kurz: Die Stimmung kocht! Doch die Crystal Fighters können auch anders – ruhig und entspannt nämlich: „Plage“

präsentiert naiv-fröhlichen Sommerpop, während „At Home“ eine harmonisch-warme Atmosphäre versprüht, die die Behaglichkeit der eigenen vier Wände treffend nachzeichnet. Die Hauptakteure bei diesem furiosen LiveTreiben sind neben den Bandmitgliedern natürlich die Txalapartas, die zwischen Graham und Perkussionist Gilbert stehen, welche darauf in bester Synchronie eindreschen. Der Klang von Holz auf Holz in einem entrückten vierhändigen Rhythmus hebt sich über die Soundkaskaden als urzeitliche Macht hinweg. Das ist Musik, die das baskische Volk und seine Mythen und Mysterien zelebriert. Rätselhaftes spricht oftmals auch aus den Texten der Band, die bei genauerem Hinhören eine Melancholie offenbaren, die sich so gar nicht mit den sprühenden, lebensfrohen Rhythmen vereinbaren lassen wollen. Das ist etwa der Fall beim fiebrigen „Xtatic Truth“, das sich die Crystal Fighters als Zugabe aufgespart haben: „We were born to be alone / Everybody all alone / Born alone to be alone / We‘ll stand alone forever”, lautet der deprimierend realistische Text und dennoch – dieses Lied ist eines der tanzbarsten Stücke am Album. Baskische Tradition meets Web 2.0

mit den neuesten Infos aus dem Band-Universium versorgen. Schlau ist auch ihr „Pay with a Tweet“-Konzept: Auf ihrer Webseite bieten sie einen ihrer Songs zum kostenlosen Download im Gegenzug für einen Tweet an, das heißt, wer twittert, dass er sich gerade einen der Gassenhauer der Crystal Fighters heruntergeladen hat, zahlt nichts für das Stück. Gezwitschert bekommen werden wir von der geheimnisumwitterten baskisch-britischen Combo aber auch unabhängig davon sicher noch so einiges… Crystal Fighters Wer sich vom Sound der kongenialen Krach-Combo aus Ostlondon selbst überzeugen möchte, kann das auf ihrer Homepage tun, wo das komplette Album im Stream abrufbar ist: http://crystalfighters.com/ In Mixtapes, Minimixe und Remixe noch und nöcher kann man hier reinhören: http://soundcloud.com/crystalfighters

© hanna hofstätter

Die Mystik, die die Crystal Fighters aus den baskischen Traditionen ziehen, setzt sich auch im Gehabe der Band fort. Über die Mitglieder – Sebastian, Gilbert, Graham, Mimi und Laure – ist nicht sonderlich viel bekannt; woher sie tatsächlich kommen oder was ihr Background ist, liegt im Ungewissen. Trotz aller Geheimniskrämerei und allen Traditionsbewusstseins ist das Quintett nicht im Geringsten verschroben, sondern eine Band am Puls der Zeit, die das Netz geschickt nutzt, um ihre Musik zu verbreiten: Eine eigene MySpace-Page gehört mittlerweile sowieso zur Standardausrüstung jedes ernst zu nehmenden MusikerInnenkollektivs, darüber hinaus sind die Crystal Fighters auf Soundcloud und Spotify genauso vertreten wie auf Facebook, wo sie ihre Fans beinahe täglich Wissen, wie man Party macht: die Crystal Fighters. © hanna hofstätter


Kultur

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Feminale – Die Frauensause Uni:Press-Ticketverlosung Die ÖH Salzburg verlost jeweils 1x2 Tickets für die folgenden Veranstaltungen im Rockhouse. Um bei der Verlosung mitzumachen, schick uns eine Mail mit dem Betreff „Rockhouse-Verlosung“, dem Veranstaltungstitel und deinem Namen an presse@oeh-salzburg.at!

© Rockhouse

Die ausgeflippten Australier präsentieren ihre neue Platte „Moment Bends“ Architecture in Helsinki MI 29.06.2011, 20:00 Uhr

Die Australier Architecture in Helsinki

Die australischen Seelenverwandten von Arcade Fire und Broken Social Scene sorgen mit ihrem knallbunten Sound seit Jahren für Furore – auf der neuen Platte wirken AiH ein gutes Stück reifer und setzten dieses Mal verstärkt auf synthetische Klänge. Als achtköpfige, kunterbunte Formation im Jahr 2000 gestartet, gelten Architecture in Helsinki spätestens seit ihrem 2005er-Erfolgsalbum „In Case We Die“ als eine der aufregendsten Bands aus ‚down under‘. Mittlerweile ist die Truppe rund um Frontmann Cameron Bird auf ein Quintett zusammengeschrumpft, so klingt auch ihr aktuelles Werk „Moment Bends“ wesentlich aufgeräumter und reduzierter. Auf ihrem mittlerweile vierten Studioalbum lassen AiH zwar wieder in ihr ausgeflipptes Spielzimmer blicken und bieten wie schon auf den drei Vorgängeralben ultimativen Twee-Pop aus Australien. Es gibt wild verträumte Spielereien mit allerhand ungewöhnlichen Instrumenten, allerdings haben die Aussis für die neue Platte ihre Party-Utensilien gründlich aufgeräumt und klingen wesentlich erwachsener, glatter und klarer.

DER HipHop-Act Österreichs mit brand­neuem Album „Grotesk“ Texta SA 02.07.2011, 20:30 Uhr

Sie trumpfen mit Konzerten von Kufstein bis Kuba auf ! Österreichs Wortakrobaten Nummer Eins Texta beehren das Rockhouse mit ihrem gerade erschienenen Album Texta sind im Juli im Rockhouse.

„Grotesk“. Die Rap-Legenden Texta, alias MC‘s Flip, Huckey, Laima, Chartstürmer Skero und DJ Dan gelten längst als Ausnahmeerscheinung im österreichischen HipHop-Geschehen. Nach über 400 Shows, u.a. mit Fettes Brot, Blumentopf und den Massiven Tönen, dem Amadeus Award 2009 und sechs Studioalben, wird es auf der neuen Platte ‚grotesk‘. Texta sezieren die Absurditäten der teils unwirklichen Wirklichkeit und überzeugen mit alten Qualitäten – übersprudelndem Wortwitz, philosophischen und persönlichen Texten - sowie neuen Styles, wie souligen Beatbomben von Produzent Flip, mit denen sie auch live die Massen zum Tanzen bringen.

Belgiens Popexport live! dEUS DO 07.07.2011, 20:30 Uhr

dEUS gilt mit ihrem extravagantem, vielfältigem Sound seit zwei Jahrzehnten als DAS Aushängeschild der belgischen Popszene. Seit ihrem Beginn 1993 zeigt die Band eine ungewöhnliche Vielfalt, so lassen sich Anleihen bei Velvet Underground, Violent Femmes genauso hören wie Leonhard Cohen oder Jazzeinflüsse im Stile von Charles Mingus. Dementsprechend vereint dEUS Elemente unterschiedlichster Stilrichtungen wie Neo-Folk, Gitarrenpop, Progressive Rock und Jazz und versteht es wie kaum eine andere Band, die verschiedenen Instrumente, Sounds und Geräusche so wüst virtuos durcheinander zu würfeln, ohne das Gefühl für den guten Song aus den Augen zu verlieren. Schon früh schaffen es dEUS mit „Worst Case Scenario“ (1994) raus aus der Clubszene Antwerpens auf die internationalen Bühnen und werden mit ihrem durchgeknallten Sound im Laufe der Jahre zum heißgeliebten Alternative-Act und echten Stars in Frankreich und den Benelux-Ländern. Nach weiteren Veröffentlichungen und einer längeren Auszeit (1999-2004) entsteht 2008 die aktuellste, mittlerweile zehnte Platte „Vantage Point“, mit der die Herren um Frontman Tom Barman einmal mehr ein musikalisches Meisterwerk abliefern.

Wir verlosen auch jeweils 1x2 Karten für mehrere Veranstaltungen in der ARGE. Wenn du welche gewinnen möchtest, dann schick ein Mail mit dem Betreff „ARGE-Verlosung“, deinem Namen und deiner Wunschveranstaltung an presse@ oeh-salzburg.at!

Sommer Konzert im Jazzit Hazmat Modine FR 15.07.2011, 20:30 Uhr

Es passiert selten genug in diesen Zeiten der musikalischen Einbahnstraßen, dass man beim Hören aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Auf Hazmat Moden trifft das definitiv zu. Nach ihrem grandiosen Sommer-Konzert 2008 im Jazzit mit ihrem damaligen Album „Bahamut“, ist nun die nächste CD „Cicada“ veröffentlicht. Als lebende Definition der amerikanischen Roots-Musik, dem Blues, ist Hazmat Modine kontinuierlich auf der Suche nach neuen Inspirationen, die sie in den verschiedenen Formen der Weltmusik finden. Weltmusikalisches, aber auch Blues und die Mundharmonika sind ebenso bedeutend für die Musik wie der raue Gesang und die BlechbläserSequenzen. Und da sind dann noch Song-Qualitäten, die USI-KURSE man nicht einfach unter den Teppich kehren kann. Hier passiert Außergewöhnliches aus dem der ZTraUSI-Kurse von A wieNährboden Aerobics bis wie dition, doch die Blüte steht im Jetzt. Hazmat Modine ist Zumba gibt es unter: eine großartige Liveband. http://www.sbg.ac.at/usi/ Mit einer TeilnehmerInnengebühr von weniger als 20 Euro pro Semester seid ihr dabei!

Eine Koproduktion von Klang 21 und ARGEkultur, Taschenopernfestival 2011: „Der Engel des Herrn“ FR 22.07.2011, 20:00 Uhr

Zum Weiterlesen: So sportlich ist Österreich (IFT): http://bit.ly/icXGMj

ARGE roter Salon Crazy Bitch in a Cave, Cherry Sunkist, chra FR 23.09.2011, 21:00 Uhr

TIPPS und HILFE

Sieben Uraufführungen an einem Abend, je zwölf Minuten zeitgenössischer Musiktheater-Miniaturen. Das Festival läuft vom 22. Juli bis zum 8. August und liefert eine Vielzahl musikalischer Theaterstücke.

Das Sozialreferat der ÖH Salzburg Neben sozialpolitischen Themen beschäftigen wir vom Sozialreferat uns mit der Unterstützung der Studierenden in sozialen Angelegenheiten.

Für Auftritte der etwas anderen Art ist Crazy Bitch in a Cave bekannt. Selbstgenähte Outfits, abgehobene Bühnenperformance und Glitzer gehören hier einfach dazu. Elektropop meets R’n’B. Gemeinsam mit den anderen zwei Bands treten sie im Herbst in der ARGE auf.

Für folgende Veranstaltungen im Jazzit verlosen wir 1x2 Freikarten. Um an der Verlosung teilzunehmen schick ein Mail an presse@oeh-salzburg.at mit dem Betreff „Jazzit-Verlosung“, dem Titel der Veranstaltung und deinem Namen!

© Rockhouse

dichte für die Wiener „Arbeiter-Zeitung“ und für das politische Kabarett „die Roten Spieler“ und, nach deren Verbot im Februar ´34 Stücke für die Wiener Kleinkunstbühnen. Aus Enttäuschung über das Versagen der sozialdemokratischen Führung wird er Mitglied der Kommunistischen Partei und beginnt den Roman „So starb eine Partei“. Der junge Autor ist Jura Soyfer. Er ist einer der wenigen, die diese Zeit literarisch aufgearbeitet haben. Im November ´37 wird Jura Soyfer zum ersten Mal verhaftet. Nach der Freilassung dauert die Freiheit lediglich 26 Tage. Beim Versuch, über die Schweizer Grenze zu gelangen, wird Jura Soyfer am 13. März 1938 festgenommen und ins Konzentrationslager Dachau, danach Buchenwald überstellt. Er muss im KZ als Leichenträger arbeiten und stirbt am 16. Februar 1939 an den Folgen einer Typhuserkrankung. Nach über 20 Jahren Absenz gibt es die Gruppe „Schmetterlinge“, eine 1969 entstandene Band des Austropop mit politisch-kritischen Texten, wieder in Salzburg zu hören mit dem Programm „Verdrängte Jahre“, das dem Werk von Jura Soyfer gewidmet ist. Anlass für dieses außergewöhnliche Konzert ist die 5. Verlegung von Stolpersteinen am 6. und 7. Juli 2011 in Salzburg.

Konzert im Rahmen der Stolperstein-Verlegung Schmetterlinge MI 06.07.2011, 20:00 Uhr

Im Wien der frühen Dreißigerjahre beginnt ein junger Autor seinen Weg. Er schreibt, knapp zwanzigjährig, Ge-

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Wir verlosen tolle Freikarten an alle Uni:Press LeserInnen!

Die Kernbereiche des ÖH Sozialreferates betreffen folgende Bereiche: • Beihilfen • Versicherungen • Studieren mit Kind Das • Taschenopernfestival in der ARGE hat Studieren und Arbeiten das Motto „Der Engel • Studieren und Wohnendes Herrn“. • ÖH Sozialstipendium & Fahrtkostenunterstützung Wenn du Fragen zu diesen Themenbereichen hast, stehen wir dir natürlich immer zur Verfügung. Schick einfach eine E-Mail an sozial@oeh-salzburg.at.


Uni:Press # 665 (Juni 2011)