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Jeden Tag erleben Kinder aktiv und passiv ein breites Spektrum an Gefühlen – die ihren und die unseren: Zorn, Liebe, Erwartung, Angst, Missmut, Zärtlichkeit, Sorge, Freude, Verwirrtheit, Heiterkeit, Traurigkeit, Interesse, Überraschung und viele andere mehr. Für Kinder ist das Erkennen positiver und negativer Emotionen und ihre Benennung der erste Schritt eines bedeutenden Werdegangs, bei dem sie lernen, mit Gefühlen zu leben und damit umzugehen. Ihre Emotionen in anderen Menschen wiederzuerkennen, mit einem Wort einen Gemütszustand zu definieren sind wichtige Mittel, um sich selbst zu verstehen, die eigene Gefühlswelt mitzuteilen und verstanden zu werden. Das Aufeinanderfolgen der Reime, die Sie mit Ihrem Kind lesen können, und die situationsbezogenen kindlichen Illustrationen sind die Hilfsmittel, die dieses Büchlein Ihnen bietet, um einen Gefühlszustand erkennen zu lernen und gemeinsam eine Sprache zu entwickeln, mit der einem Gefühl Ausdruck verliehen werden kann. Eine kleine Hilfestellung für Eltern bei ihrer Aufgabe, das Kind zu einem zunehmenden Gefühlsbewusstsein hinzuführen, eine Gelegenheit zum gemeinsamen Innehalten, eine kleine Entdeckungsreise für alle.


Das Gefühl, das mich befällt,

ist wie ein Blitz, der mich erhellt, hier in diesem Augenblick, und kehrt auch oft wieder zurück. Ob ich es möchte oder nicht, es verändert mein Gesicht. Hat es mich mal übermannt, hält es mich fest in seiner Hand.

Das vierte einer Reihe von Büchlein, die sich an das Kind wenden und sich mit seiner Wahrnehmung der eigenen Lebenserfahrungen befassen und mit den Handlungen, die für seine – emotionale – Gesundheit förderlich sind. Es geht um Gefühle und um die Möglichkeit, sie zu erkennen und andere darauf aufmerksam werden zu lassen.

Wenn’s die Wut ist, die mich quält, muss das schnell weg, was mich entstellt! Bühne frei einem neuen Gefühl! Sonst ist sie weg, die Freude am Spiel. Wenn ich mich wohl fühle, ist es fein, dann kann ich ganz ich selber sein. Wenn die Liebe mich erfüllt, ist ein jeder Wunsch gestillt.

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Etwas Neues soll gleich geschehen,

ich warte ab und möchte nicht gehen. Sitz ruhig da, für mich allein, bis es heißt: „Alle ins Auto rein!“

Tief durchatmen, das hat gut getan.

Ihre Worte sind für mich wie Balsam. Nachdem die Angst dann verflogen ist, merk ich, wie die Neugier ihre Bahn sich frisst.

Ich fühle mich schwer und erstarre schon. Mutter fragt mich: „Sorgst du dich, mein Sohn?“ Sie erzählt mir, was wir unternehmen werden, dass wir fahren durch Wiesen mit Pferden.

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Wenn ein lautes Geräusch man hört,

ist man oft plötzlich völlig verstört. Der Schrecken fährt einem in die Glieder, doch bald darauf erholt man sich wieder. Wenn Mama sich von mir entfernt das habe ich ja schon gelernt sollte ich mich nicht fürchten müssen, und dennoch stecke ich den Kopf unters Kissen. Ein Monster könnt mich überfallen, oh je! Wenn ich nur dran denke, tut der Kopf mir weh. Wenn ich schreie und davon will hüpfen, sehe ich das Monster durchs Schlüsselloch schlüpfen!

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Mein Freund hat mein Spielzeug kaputt gemacht. Er tat es mit Absicht, und hat dann gelacht! Ich hebe es auf, voller Trauer im Gesicht zornig, erbost, dass das Herz mir bricht. Mein Freund hat mich betrogen, ich kann’s nicht glauben. Tränen treten mir in die Augen. Doch bald ist der Frust wieder verflogen. Denn ich will spielen, nicht traurig sein. Drum lass ich nichts Böses in mein Herz hinein. Ich will lieber verzeihen, das ist schön, und zu den anderen auf den Spielplatz gehen.

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Wie eine Kerze stehe ich gerade.

Dann spring ich nach vorn, greif nach der Schokolade! Auf deinem Gesicht erkenne ich deine Sorgen, doch sind wir beisammen, denken wir nicht an morgen.

Ein kleiner Kater ist uns zugelaufen.

Bei allem, was wir so tun und erleben, fühlen wir etwas: erzittern, erbeben… Sich ärgern und lachen tut jedes Kind, wir müssen uns annehmen, so wie wir sind.

Ich renne gleich los, um ihm Futter zu kaufen. Auf dem Sofa liege ich mit ihm auf dem Arm. Ich bin überglücklich, mir wird ganz warm.

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Am Fensterbrett ein Vöglein nach Krümeln pickt. Ich nähere mich langsam, dass es nicht erschrickt. Die Sommersonne scheint heiter vom Himmel, im Garten erfreut uns Schmetterlingsgewimmel.

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Bist du heiter oder hast dich verirrt?

Bist du traurig oder etwas verwirrt? Oder fühlst du dich ruhig und zuversichtlich und macht dich das Leben restlos glücklich? Genervt und angespannt, beleidigt und verstummt, aufgeregt wie wild, dass nichts deine Neugier stillt? Ich bin nicht gerne bös’, besorgt oder nervös. Wenn ich auch einmal lustlos bin, sollen keine Sorgen mir kommen in den Sinn. Ich bin lieber zufrieden oder entzückt, heiter, lustig, munter und beglückt. Fröhlich, ruhig und etwas verträumt, ja, dann habe ich nichts versäumt!

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Mit einem etwas mürrischen Gesicht

hab ich in den Spiegel geblickt. Als ich dann ein Lächeln ausprobierte, sich meine Nase mit Falten verzierte. Hier schaut keiner mir mehr zu, wenn ich ein bisschen weinen tu. Doch dann strahle ich bald wieder, denn so schnell schlägt mich nichts nieder. Jetzt braucht es noch einen Klang dazu: ein Lachen bring ich hervor im Nu. Der Bauch macht ein Tänzchen zu dieser Musik, geht auf und nieder an einem Stück.

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Mein Blick wendet sich dem Himmel zu. Das Lachen wird lauter: haha, huhu! Und wie durch eines Zaubers Hand scheint wieder die Sonne über dem Land.

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Bunte Farben und Licht sind einfach so fein, sie müssen wieder in mein Herz hinein. Sie bahnen sich langsam den Weg zu mir, wenn sie einmal da sind, verrate ich es dir!

Dann fühl ich mich leichter, das Schwarze ist fort. Das Lächeln ist zurück an seinem Ort. Die Farben bringen wieder Heiterkeit. Bis zum nächsten Glückssprung ist es nicht mehr weit.

Meine Laune ist heute schwarz wie Kohle,

schwarz ist mein Spielzeug, schwarz ist die Dohle. Schwarz sind die Sonne und auch der Garten, schwarz die Augen und deine Worte, die zarten. Mit einer Bürste ich diese Farbe entferne, ich will nicht mehr schwarz sehen, mag’s bunt so gerne. Schwarz ist so traurig, tut mir nicht gut. Wenn’s einmal weg ist, bekomm ich wieder Mut.

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Wenn ich den Kreis mit grüner Farbe zeichne,

fühlt es sich an, als ob die Angst von mir weiche. Die Farbe tut gut und macht mich gesund, ist wie ein Lächeln von dir, denn ich mag es bunt! Wenn ein blauer Kreis mich dagegen umfängt, das Wasser mich zu herrlichem Plantschen drängt. Wasser, Luft, Himmel und Meer, diese Gefühlswelt begeistert mich sehr.

Wenn ich den Kreis rot male, scheint er breiter. Er wird größer und größer und immer weiter.

Wenn ich den Kreis orange male, kommt er mir entgegen, hüpft wie ein Ball, bringt mir Glück und Segen.

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Hab ich den Kreis in gelber Farbe gezogen, bricht Licht herein wie am frühen Morgen. Wenn der Hahn kräht und uns aufwecken will, kommen lustige Gedanken, steh ich nicht mehr still.

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Unglücklich

Aufgeregt Besorgt

Lebendig Gespannt

Bekümmert Überrascht Ruhig Glücklich

Heiter Durcheinander Verärgert Genervt

Interessiert Engagiert

Gelangweilt

Unbeschwert Fröhlich Verträumt

Froh

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Dein zärtliches Streicheln reißt Wände nieder.

Dein heller Blick blüht schöner als der Flieder. Wie kann man böse sein, wenn dein Lachen erklingt? Es ist wie ein bunter Falter im Wind. Wenn du vor dich hin spielst, gedankenverloren, erleuchtest du die Welt, fühlen wir uns neu geboren. Was du dir einfallen lässt, ist oft einfach genial. Wir sind ganz sprachlos und wundern uns all. Was du auch machst, ist für mich wie ein Geschenk. Du bist ein Schnellzug der Gefühle, so dass ich immerzu an dich denk.

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© Vera Tait für die Texte © Daniela Violi für die Illustrationen © Georges Moanack für das grafische Design © Karin Simeoni für die Übersetzung Herausgegeben von Il Pensiero Scientifico Editore Via San Giovanni Valdarno 8 00138 Roma www.pensiero.it Alle Rechte vorbehalten Gedrukt in Italien von Grafiche Dalpiaz, Trient

Meine Gefühle und ich