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unikum

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dezember 2011

magazin der studentInnenschaft der universität bern

Islam studieren – auch als Christ 4-5 Japan und Singapur: Das Leben im fernen Osten Grossrat zockt gross ab: Studieren wird teuer 14 Verborgene Filmschätze kommen ans Licht 19

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über den tellerrand


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10.02.11


editorial

inhalt

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akzent

KulturpartnerInnen, Serviceverzeichnis

Wie an der Uni mit dem Islam umgegangen wird

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Wenn Interdisziplinarität Programm ist

Wenn die Ferne ruft

Singapur und Japan: Einblicke in das Leben im fernen Osten 8-9

Kantönligeist - fremd im eigenen Land

Berndeutsch ist der beliebteste Schweizer Dialekt – nicht weil er besonders schön tönt

aussicht 18

Apropos ...

kompostierbar 18

Die Fünf

Die fünf bizarrsten Facts ferner Orte 19

Entdecken 10

Lernst du noch oder sprichst du schon? Zum Lernangebot der Uni gehören einige sehr exotische Sprachen – zum Beispiel Berndeutsch 11

Die Welt ist ein Buch. Man muss alle Seiten sehen. Dasselbe gilt fürs unikum.

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PS: Auf Ende Semester verlassen Redaktorin Marisa Molinaro und unsere Lektorin Nadine Zybach nach langjährigem Einsatz das unikum. Vielen Dank euch beiden! Auch ich packe meine Siebensachen und gebe den Koordinationsposten an unseren Frisbee-Helden Carlo Bischoff weiter. Auf dass er die nötige Weitsicht für diese Arbeit aufbringen mag.

Collegium generale

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Auch das unikum schaut in dieser Ausgabe über den Tellerrand. Wir befragen Studierende, die im Ausland studieren oder aus der Ferne in die Schweiz kommen. Auch in den Islamwissenschaften begegnet uns zunächst reichlich Fremdes – lest mehr dazu auf Seite 4. Über den befremdlichen Kantönligeist berichtet unser Artikel auf Seite 8. Und dass selbst Berndeutsch fremdes Terrain sein kann, lest ihr auf Seite 10.

Jacqueline Lipp Zukünftige Ex-unikum-Koordinatorin

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Philophobie Islam Liebe Leserin, lieber Leser Die beste Bildung – soll Goethe gesagt haben – findet ein gescheiter Mensch auf Reisen. Denn Reisen erweitert den Horizont. Aber heute war eh jedeR schon überall. In London, New York und Berlin sowieso. Doch haben wir uns dabei wirklich gebildet? Sind wir wirklich eingetaucht in die Kultur, die Sprache, das Fremde? Haben wir uns in unbekannten Gassen verloren, an fremden Blumen gerochen oder mit Einheimischen über Gott und die Welt gesprochen? Oder haben wir einfach nur Bilder für Facebook geschossen? Reisen war zu Goethes Zeiten wohl schon an und für sich ein Blicken über den Tellerrand. Aber heute kann man auch in der Ferne einfach in der eigenen Suppe stochern. Um Goethe à jour zu bringen: Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch, wenn er sich Zeit für seine Reise nimmt. Wenn er tatsächlich bereit ist, sich auf das Unbekannte einzulassen.

Impressum, Aus der Vorlesung

«Das Wetter ist wirklich scheisse in Nordengland»

Was erleben Studierende im Ausland? Gespräche über die grosse weite Welt

Das Licht der Vergangenheit: Die Lichtspiel Kinemathek in Bern 20

Pinnwand 21

Reinziehn

Unsere Buch-, Film- und CD-Tipps 22

Rätsel 23

Unter der Lupe

unisphäre

Fremde Zellen in der Brust: Von der Herzforschung am Inselspital

Selbstständigkeit gefällig?

UnternehmerInnen aller Unis, vernetzt euch! 14

Wem die Glocke schlägt

Die SUB zur Erhöhung der Studien-gebühren 15

äuää!

titelbild: stéphanie winkler unikum 154

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philophobie islam Islam an der Uni: Über Vorurteile und Offenheit gegenüber einer Religion, ihrer Kultur und einem Studienfach. damaris burri Minarettinitiative, Burka-Verbot, Entweihungsversuch in Grenchen: Wie kaum ein anderes Thema interessiert, polarisiert und verunsichert der Islam. Welchen Platz hat er in unseren Breitengraden? Und wie begegnen wir seinen Gläubigen? Solchen und vielen weitergehenden Fragen begegnen Studierende, die am Falkenplatz 11 ein und aus gehen. Dort befindet sich, vielleicht erst auf den zweiten Blick ersichtlich, das Institut für Islamwissenschaft und Neuere Orientalische Philologie. Islam studieren «Viele können sich gar nicht vorstellen, was wir machen», erzählt Esma Arnautovic, Vertreterin der Fachschaft. «Ich persönlich bin islamisch erzogen worden und Bekannte von mir glauben dann manchmal, das sei eine Ausbildung zum Imam oder so ähnlich.» Ihr Kollege Andreas Tscherrig, der Islamwissenschaft im Nebenfach studiert, ergänzt mit einem Schmunzeln: «Manche reagieren schon sehr verhalten. Aber wenn man den Leuten erklärt, dass dieses Studium zum Beispiel nicht die Konversion zum Islam voraussetzt und man nicht den Koran auswendig lernen muss, klärt sich das meistens.» Was auf dem Studienplan steht, ist in vier Schwerpunkte gegliedert: Geschichte der islamischen Welt und islamische Kulturgeschichte, islamische Religionsund Wissenschaftsgeschichte, Sozialwissenschaft einschliesslich Anthropologie sowie Literatur- und Sprachwissenschaft der islamischen Welt. Zu den Sprachen, die gelernt werden können, gehören neben Arabisch auch Persisch, Türkisch und Usbekisch. Das Angebot sei sehr breit gefächert, findet Tscherrig. Zudem schätzt er die familiäre Atmosphäre am Institut und den Kontakt mit den Dozierenden. Berufliche Perspektiven «In der Forschung liegt der Fokus an unserem Institut in der Neuzeit und Gegenwart», erklärt Professorin und Instituts-Co-Leiterin Anke von Kügelgen. Das Institut sei bestrebt um ein nachhaltiges Forschungsprofil, das vor allem auf die Analyse neuer Prozesse in der islamischen Welt ausgerichtet sei. Man wolle dabei auch die Zusammenarbeit mit WissenschaftlerInnen aus den jeweiligen Untersuchungsregionen fördern. «Zugleich sind wir bemüht, die Untersuchungsgegenstände nicht vorzugeben. So können bei uns ebenso gut die ägyptische und libanesische Popmusik wie arabische Reiseberichte des 18. Jahrhunderts erforscht werden.» Bezüglich Berufsperspektiven sieht es für die Studierenden ähnlich aus wie für andere GeisteswissenschaftlerInnen. Bisherige Absolventen und Absolventinnen seien unter anderem in akademischen Berufen, im di4

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illustration: paolo riva

plomatischen Dienst, bei der Entwicklungshilfe, in den Medien, im Kulturmanagement, in der öffentlichen Verwaltung sowie in Bibliotheken untergekommen, berichtet von Kügelgen. Fachschaftsvertreterin Arnautovic ergänzt: «Manchmal wird explizit eine Person gesucht, die Islamwissenschaften studiert hat.» Zum Beispiel wenn es um Migration gehe. Sie könnte sich vorstellen, später als Dolmetscherin zu arbeiten oder eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen. Zwischen da und dort Tscherrig, im Wallis aufgewachsen und katholisch erzogen, hatte vor seinem Studium überhaupt keinen Bezug zum Islam und dessen Kultur. «Das hat sich deutlich geändert. Quasi von 0 auf 100. Ich habe begonnen, Dinge zu hinterfragen.» Für Arnautovic hingegen war es eine neue Erfahrung, die wissenschaftliche Sichtweise auf ihren eigenen Glauben kennenzulernen. «Ansonsten war es für mich schon immer ein Spagat.» Im Alter von fünf Jahren war sie von Bosnien in die Schweiz gekommen, heute fühlt sie sich sowohl hier als auch in ihrem Glauben zu Hause. Ein ähnliches Kunststück vollbringt Aziz Benteli – ehemals Mathias – Geschichtsstudent an der Uni Bern. Er ist 2006 dem Islam beigetreten. «Ich bin immer zwischen hier und dort», sagt er. «Bern ist meine Heimat, hier wurde ich geboren. Trotzdem ist mir die Mentalität hier eher fremd und ich fühle mich sehr zur arabischen Kultur hingezogen.» Seine Eltern glaubten zuerst, es sei nur eine vorübergehende Faszination für den Orient und das Fremde. Dabei sind es inzwischen eher Gepflogenheiten von hier, die Aziz Benteli auffallen. Solche, die anderen normal vorkommen, wie zum Beispiel im Ausgang oft über den Durst zu trinken. Damit kann er sich nicht mehr identifizieren. Ein Berg von Vorurteilen Unterschiede in der Wahrnehmung davon, was fremd und was normal ist, kommen nicht zuletzt in Vorurteilen zum Vorschein. Die Bilder, die von den Medien geschaf-


fen werden, helfen in der Regel kaum, Vorurteile aufzuheben. «Was dort gezeigt wird, sind oft Missbräuche der Religion», so Benteli. «Manche islamische Staaten, die eigentlich ein Vorbild für andere sein sollten, werfen ein schlechtes Licht auf den Islam.» Ein Vorurteil gegenüber dem Studiengang sei beispielsweise, dass dieser von Männern dominiert werde, berichtet Tscherrig. Es sei aber gerade umgekehrt. In Arnautovics Umfeld glauben zudem viele, nur Muslime würden Islamwissenschaft studieren. Dabei handelt es sich in Wahrheit um einen Mix aus muslimisch, katholisch, protestantisch, jüdisch, atheistisch und anders orientierten Studierenden. Das Studium lebt ein Stück weit von dieser Durchmischung, denn genau diese macht die Diskussionen spannend. Islamwissenschaft ist ein Studiengang, der eine grosse Portion Offenheit fordert – und fördert. «Bei den Mitarbeitenden und Studierenden, die verschiedenster Herkunft sind, überwiegt deutlich die Neugier und die Suche nach Verständnis und Verständigung», meint von Kügelgen und ergänzt: «Es ist immer wieder erfreulich, zu sehen, dass Geschlecht, Herkunft, Religion und andere identitätskonstituierende Faktoren vollständig in den Hintergrund treten, sobald man gemeinsam an einer Sache arbeitet.» Auch Benteli sagt von sich, er sei offener geworden. Das findet er auch das Schöne an seinem neuen Glauben: «Im Islam sind alle gleich. Ich habe immer noch dieses

Bild vor Augen, wie draussen vor der Moschee die Sonne schien und sich Menschen verschiedenster Ethnien in die Arme fielen.» Und so sind sich alle einig, dass die Auseinandersetzung mit dem Islam bereichernd sein kann. «Sobald du dich mit etwas Neuem oder Fremdem abgibst, erfolgt auch eine Selbstreflexion», meint Tscherrig. «Dadurch verändert man sich eben. Aber das bedeutet ja nicht, dass man gleich alles Vertraute über Bord werfen muss.»

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wenn die ferne ruft Die einen kommen, die anderen gehen. Ein Gespräch mit einem Studenten, der nach Japan gegangen und einer Studentin, die aus Singapur gekommen ist. livia middendorp und david streit Es ist ein beissend kalter Novemberabend, als wir uns mit Anita und David in einem Berner Café treffen. Die ideale Gelegenheit, um in fremde Welten einzutauchen: Japan und Singapur. Im Gespräch erzählen die beiden von ihren Erlebnissen im Reich der aufgehenden Sonne und gewähren uns einen Einblick in zwei Staaten, welche von grundlegend verschiedenen Gesellschaftsformen geprägt sind. Unsere Gesprächspartnerin Anita Paul, 44, stammt aus Singapur. Sie studiert an der Universität Bern Germanistik und Englisch, absolvierte zuvor ein Ökonomiestudium in London. David Gebbers ist 25 Jahre alt und ebenfalls an der Uni Bern immatrikuliert. Er steht kurz vor seinem Master-Abschluss in Geografie und besuchte im Jahre 2010 im Rahmen eines Austauschsemesters Tokyo. Kaiser als Popstar Japan ist das Land der Freundlichkeit; Höflichkeit ist das höchste Gut. Peinlich genau wird darauf geachtet, niemanden zu belästigen. David erklärt dies so: «Etwas für uns Alltägliches, beispielsweise Leute, die aufgrund eines fehlenden Taschentuchs im Zug dauernd vor sich hin schniefen, würde es in Japan nicht geben. Die betreffende Person würde den Zug lieber verpassen und sich in einer Toilette säubern, bis ihr Aussehen tadellos wäre und sie sich wieder in der Öffentlichkeit zeigen könnte.» Weshalb? Der unschöne Anblick könnte bei den Mitmenschen unangenehme Gefühle hervorrufen. Jemandem zu nahe zu treten oder jemanden gar zu beleidigen würde der eigenen Person nur schaden. Das Individuum nimmt sich zum Wohl der Gesamtgesellschaft zurück. Die japanische Gesellschaft ist streng hierarchisch gegliedert, der Kaiser wird wie ein Popstar gefeiert. Befehle von oben werden nie als anstössig empfunden, sondern gewissenhaft ausgeführt. 6

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Zusammen ergeben die einzelnen BürgerInnen eine Maschine, in welcher ein jedes Rädchen exakt in das andere greifen sollte. So scheint es denn leicht zu erklären, dass in einer Metropolregion mit über 35 Millionen EinwohnerInnen kaum ein Zug zu spät kommt. «Die Pünktlichkeit ist verblüffend», meint David. «In Tokyo scheint überhaupt alles perfekt zu funktionieren. Auch in den grössten Menschenmassen wirst du nie angerempelt – alle passen auf und weichen dir aus.» «Kawaii» – alles ist niedlich Eine solch perfektionistische Gesellschaft entwirft aber auch ihre eigenen Ideale. Zum Beispiel die Niedlichkeit, die harmlose Angepasstheit. Ein wichtiges Wort scheint laut David «kawaii» zu sein, was so viel wie «jöööh» bedeutet: «Alles ist <jöööh>. Als Fremder bist du sowieso <jöööh>, aber auch in den Werbungen sieht man das Wort dauernd. Kleine Tiere, kleine Kinder. Alles hat niedlich zu sein.» Das persönliche Glück sollte sich in dieser heilen Welt dann wohl automatisch ergeben. Tatsächlich schimmert in Davids Ausführungen dieses Ideal durch: «In den Werbungen zeigt sich dies deutlich – Fröhlichkeit, Farben, lachende Gesichter überall.» Arbeit über allem Der Aufforderung, glücklich zu sein, scheinen aber nicht alle nachkommen zu können. Gemäss der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist Japan das Industrieland mit der weltweit höchsten Suizidrate. Etwa 30 000 Menschen nehmen sich jährlich das Leben. Einen Grund dafür sieht David in den Anforderungen, welche die japanische Gesellschaft ihren Mitgliedern stellt. «Ich denke, ihr Selbstbild gleicht oftmals dem eines Samurais, welcher für das Unternehmen, die Gesellschaft kämpft – ihre persönlichen Bedürfnisse gehen dabei komplett unter.» Nebst Vorgaben für das äusserliche Erscheinen – bei den Männern zum Beispiel kurzes Haar, kein Bart, Anzug – wird der gesellschaftliche Kodex auch innerlich übernommen. Dies zeigt sich auch in der Arbeitsmoral. Zwar würde in Japan die 40-Stunden-Woche gelten – die Realität sieht aber anders aus. Überstunden sind normal und 15 bis 16 Stun-

den pro Tag nicht selten. «Karoshi», Tod durch Überarbeitung, hat sich längst als Begriff etabliert. Die Identifikation mit der eigenen Firma sowie die Ehre, die grösstenteils mit dem beruflichen Erfolg zusammenhängt, lassen wenig Raum für privates Glück. «Viele Menschen in Japan scheinen nur für ihren Job zu leben und das sieht man ihnen deutlich an», meint David. «Sie sehen oft ziemlich verbraucht aus.»

David Gebbers studierte ein halbes Jahr in Japan. bild: david streit

Japan im Widerspruch Sogar in der Freizeit wird die Hierarchie anscheinend nicht abgelegt: «In der Firma tust du, was dir die Vorgesetzten sagen. Wenn du also nach der Arbeit trinken gehst und dir gesagt wird, du sollst noch ein Bier nehmen, und noch eins, und noch eins, machst du's. Die Folge: Da JapanerInnen Alkohol oft schlecht vertragen, siehst du Büroangestellte um zehn oder elf Uhr abends total betrunken in den Bahnhöfen. Sie finden ihren Heimweg nicht mehr und ihre Anzüge sind vollgekotzt. Am nächsten Morgen gehts dann um fünf Uhr in der Frühe wieder zur Arbeit. Wahnsinn!» Nein zu sagen scheint in der Welt vieler Büroangestellter unmöglich. Zu sehr sind sie eingebunden in die Gruppe, zu sehr geprägt von ihren gesellschaftlichen Normen. Die beiden Gegensätze, einerseits die Freundlichkeit und die Perfektion, andererseits die verborgenen Abgründe, haben bei David denn auch ihre Wirkung hinterlassen. «Manchmal dachte ich, Japan habe zwei Seiten, welche absolut unvereinbar seien.»


Trotz dieser Widersprüchlichkeiten, dieser schwer zu fassenden Kultur bereut er seine Wahl aber keineswegs: «Es war wahrscheinlich die beste Entscheidung meines Lebens, dorthin zu gehen. Natürlich sind die Leute anders, gibt es diese versteckten Details, welche man erst mit der Zeit sieht. Doch ich fühlte mich in Japan immer wohl, schätzte die Höflichkeit und hatte das Gefühl, ewig dort leben zu können. Denn trotz allen Unterschieden sind die Leute dort doch nur Menschen und nicht irgendwelche Ausserirdische, wie es aus westlicher Perspektive manchmal rüberkommt.»

Anita Paul aus Singapur. bild: david streit

Singapur – ein Paradies? Ein glänzender Diamant im Meer Südostasiens; eine Insel, eine Stadt, gerade mal ein Sechzigstel der Grösse der Schweiz – das ist Singapur, der vermeintlich sauberste Staat der Welt. Mit seiner extrem geringen Kriminalitätsrate ist der Stadtstaat eines der zehn sichersten Reiseziele. «Mein Pass wurde nicht einmal geöffnet, als ich in die Schweiz kam», erzählt Anita. «Es gibt keine Probleme in Singapur, weil es so klein ist. Es ist einfach zu kontrollieren.» Klein, sauber, sicher und ausserdem: reich. Singapur hat die höchste Dichte an Reichen. Ein paradiesischer Fleck, könnte man denken, eine Luxus-Insel inmitten einer von Problemen gezeichneten Welt. Wie sieht Singapur aus der Sicht von Anita aus, die den grössten Teil ihres Lebens in der prächtigen Oase verbracht hat? Streben nach Geld «Singapur versucht, ein New York, ein

London, ein Zürich zu werden. So gleicht beispielsweise das Bankensystem demjenigen der Schweiz und das Bildungssystem jenem von England. Dadurch ging ein Grossteil der ursprünglichen Kultur verloren. Das ist schade.» Gerne hätte Anita in der Zeit ihrer Eltern gelebt, auch wenn der Wohlstand damals nicht dem heutigen entsprach. «Klar, das Leben war nicht einfach damals. Das Leben ist nie einfach, doch die Leute waren glücklich. Heute laufe ich durch die Strassen von Singapur und suche vergebens nach einem Lächeln. Diese Stadt, sie gibt mir oft den Eindruck, man arbeite und lebe dort nur für's Geld.» Auch Anita selbst hatte einen gut bezahlten Job: Sie war im Marketingbereich tätig; auch an Wochenenden für ihre KlientInnen erreichbar zu sein, war eine Selbstverständlichkeit. Obwohl sie als kommunikative Person den sozialen Kontakt bei der Arbeit schätze, hasste sie ihren Job. «Also kündigte ich», erzählt Anita. «Ich schrieb dann für eine Monatszeitschrift und organisierte Konferenzen für AutorInnen, PublizistInnen und IllustratorInnen. Ich verdiente weniger – doch ich war glücklich.» Trotz allem gehe sie gerne in ihre Heimat zurück, ein Teil von ihr gehöre nach Singapur. «Ich besuche gerne meine Eltern und liebe das Essen dort. Doch es gibt diese Seite an Singapur, diese von Geld und Luxus gesteuerte Kultur, in der immaterielle Werte keinen Platz zu haben scheinen.» Die Folge davon: «Die Gesellschaft in Singapur ist sehr individualistisch, ich spüre keinen Zusammenhalt zwischen den Menschen, alle scheinen für sich selbst zu sorgen. Viele junge Leute meiner Generation haben deswegen das Land verlassen.» Worin sieht sie den Grund der Entwicklung hin zu einer derart von materiellen Werten bestimmen Kultur? «Ich gebe der Regierung die Schuld daran, die hat das alles angefangen: Leute sollen arbeiten, um die Effizienz des Landes zu steigern. So liegen lange Arbeitstage im Interesse der Regierung.» Regierungschef der Republik Singapur ist Lee Hsien Loong von der Peoples Action Party (PAP), Sohn des ehemaligen Regierungschefs. «Eine grössere Anzahl an Organisationen wird zudem von einem Mitglied der Lee-Familie geführt: Singapur gehört sozusagen der Familie Lee», so Anita. Seit Singapurs Unabhängigkeit 1965 dominiert die PAP das politische Geschehen, der Vergleich mit einem Einparteienstaat liegt daher nahe. Der Partei wird oft eine manipulierende Politik vorgeworfen, in welcher geg-

nerische Parteien gezielt aus dem Weg geschafft werden. Ob von einer Demokratie noch die Rede sein kann, ist fragwürdig. «Demonstrationen sind nicht erlaubt in Singapur», erzählt uns Anita. «Leute wurden verhaftet, weil sie sich kritisch gegenüber der Regierung geäussert hatten.» Zwei Staaten, zwei Gesellschaftssysteme Japan und Singapur haben verschiedene Wege gefunden, mit der Moderne umzugehen. Japan begreift sich als System, in welchem sich das Individuum der Gesellschaft unterordnet; diese Disziplin führt zur Wirtschaftsstärke. Als BesucherIn bleibt man an der Oberfläche. So hat es auch David in seiner Zeit an der Universität in Tokyo erlebt: «Ich sah mich nicht als Teil der Universität. Schlenderte ich über den Campus, so fühlte ich mich klar nur als Austauschstudent. Mit den regulären Studierenden kam ich gar nie wirklich in Kontakt.» Singapur dagegen lebt von seiner kulturellen Öffnung, aus welcher sich anhand des Konkurrenzdenkens eine beispiellose Erfolgsgeschichte ergeben hat – mit der Konsequenz, dass sich Einheimische, wie Anita, oft nicht mehr mit ihrem Land identifizieren können.

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kantönligeist – fremd im eigenen land Berndeutsch ist der beliebteste Schweizer Dialekt. Das hat vielleicht mehr mit Berns Image und weniger mit der Schönheit der Sprache zu tun. Weshalb es Dialektrassismus und Kantönligeist gibt – und warum das blöd ist. marisa molinaro Zürich Hauptbahnhof, zwei Zürcher treffen sich zufällig. «Was machst du eigentlich?» – «Ich studiere jetzt in Bern.» – «Echt? Das könnte ich nie! Da würde ich mich in alle Frauen verlieben!» Berndeutsch ist der beliebteste Schweizer Dialekt. 27 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer gaben 2002 in einer Umfrage an, dass ihnen der Berner Dialekt am besten gefalle. Für den zweitplatzierten Bündner Dialekt sprachen sich 21 Prozent aus und 20 Prozent fanden den Walliser Dialekt am schönsten. Als hätten die BernerInnen nicht schon immer gewusst, dass sie den schönsten, den sympatischsten, wohlklingendsten – ja einfach den besten Dialekt sprechen. Zwar ist die Um-

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frage fast zehn Jahre alt, das Resultat würde heute aber wahrscheinlich ähnlich ausfallen. Schon 1819 schrieb der Sprachforscher Franz Joseph Stalder in seiner Studie über die Landessprachen der Schweiz: «Der Berner Oberländer Dialekt ist der weichste und lieblichste von allen.» In 200 Jahren hat sich hier nicht viel verändert. Gebildetes Basel und arrogantes Zürich Dass es nicht nur der Dialekt ist, der die Bernerinnen und Berner so sympathisch macht, zeigt eine 2006 erschienene Arbeit der Studentinnen Sandra Schön und Andrea Ritzmann, welche die Einstellungen zu sechs Schweizer Dialekten und das Image der Dialektregionen untersucht. Wenig überraschend hat Bern ein überdurchschnittlich gutes und fest verankertes Image, das – auch dies wenig erstaunlich – am besten durch die Begriffe «langsam» und «gemütlich» beschrieben wird. Im Gegensatz dazu ist das Bild der typischen BündnerInnen vage. Naturverbunden seien sie, sympathisch und unmodern. Mit dem Wallis verbinden die meisten zwar viel, nur nicht alle dasselbe. So widersprüchlich die Assoziationen auch sind, zeichnet sich doch das Bild eines sympathischen, aber auf sich beschränkten Bergvolkes


ab – ganz im Gegensatz zu den BaslerInnen, die als gebildet oder elitär gelten. Die Meinung zu Zürich ist klar: Arrogant und grossmaulig. Positive Eigenschaften werden der Zürcher Bevölkerung kaum zugesprochen. Dagegen ist das Image der St. GallerInnen sehr unbestimmt mit leichter Tendenz zu den Attributen beschränkt, «arrogant» und «vom Land».

Das Klischee bestimmt, ob uns ein Dialekt gefällt Sprache ist nicht einfach schön, weil sie schön ist. Ob es überhaupt Laute gibt, die als angenehm oder unangenehm, schön oder weniger schön empfunden werden, ist wissenschaftlich umstritten. Vielmehr wird der Sprache die Funktion zugesprochen, die Sprechenden nach Persönlichkeitsmerkmalen einzuteilen. Man glaubt also, an der Art, wie eine Person redet, erkennen zu können, wie sie ist. Dass das Image einer Region bestimmt, wie ein Dialekt beurteilt wird, konnte in der Studie von Schön und Ritzmann für die meisten Dialekte gezeigt werden. Der Bündner Dialekt beispielsweise klingt für die befragten Personen dem Klischee entsprehend sympathish und naturverbunden. Die Begriffe «gescheit», «arrogant» und «fortschrittlich» wurden passend zum Bild der gebildeten BaslerInnen mit Abstand am meisten dem Basler Dialekt zugeordnet. Auch die Walliser und St. Galler Dialekte entsprachen zu weiten Teilen diesem Muster. Nicht so eindeutig zeigt sich dieses Bild jedoch bei den Kantonen Zürich und Bern: Der Zürcher Dialekt wird im gegensatz zur Region Zürich sehr selten als arrogant oder fortschrittlich charakterisiert und Berndeutsch wird zwar häufig als sympathish, jedoch weniger als langsam empfunden (Die Autorinnen merken dabei an, dass die Bernerin auf der Sprechprobe deutlich schneller spricht als dies für ihren Dialekt zu erwarten wäre). Dass Berndeutsch «so gemütlich tönt» und der Bündner Dialekt «heimelig» ist, hat darum weniger mit der Sprache allein zu tun, sondern vielmehr auch mit dem Bild, das man von BernerInnen oder BündnerInnen hat. Wie tönt denn zum Beispiel «heimelig» oder «gemütlich»?

WalliserInnen die restlichen DeutschschweizerInnen oft abschätzig als «Grüezi», weil sie zur Begrüssung eben «Grüezi» sagen und nicht wie im Oberwallis üblich «Tag wohl». Im Schlagabtausch um Dialekte begnügt man sich häufig auch nicht damit, nur festzustellen, dass man unterschiedlich spricht, sondern lässt gleich eine Wertung einfliessen. So kommt es vor, dass Dialekte pauschal als komisch oder «gruusig» bezeichnet werden. Die VertreterInnen der charmanten Dialekte verstehen diese Sticheleien meist als lustig gemeinte Witze, die «VerliererInnen» findens irgendwann nicht mehr so lustig – oder machen sich im besten Fall über sich selbst lustig. Sowieso alles Zucchini! Diese krampfhafte Abgrenzung voneinander mutet umso komischer an, wenn man bedenkt, dass für TessinerInnen sowieso alle DeutschschweizerInnen «Zucchini» sind – ohne sich die Mühe zu machen, zwischen den einzelnen Kantonen zu unterscheiden. Wozu auch? Sie

sind ja eh alle gleich: Ein bisschen stier, aber verlässlich, wenn's um die Arbeit geht und in ihrer unbeholfenen Art auch Gegenstand vieler Witze. Auch die Romands werfen alle DeutschschweizerInnen in einen Topf und halten sie ähnlich wie die TessinerInnen für verschlossen, fleissig und etwas wortkarg. Die ach so grossen Unterschiede zwischen den BewohnerInnen der verschiedenen Deutschschweizer Kantone sind aus etwas Distanz betrachtet verschwindend klein, vielleicht sogar blosse Einbildung.

Sprache als Trennlinie Dennoch werden in der Deutschschweiz die Unterschiede zwischen den Kantonen immer wieder betont. Darüber, ob das Volkssport oder ernst gemeint ist, scheiden sich die Geister. Oft geht es darum, sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen: Wenn es ein «in der Gruppe» gibt, muss es auch ein «draussen» geben, und diese Abgrenzung geschieht häufig über den Dialekt. So bezeichnen

illustrationen: paolo riva unikum 154

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lernst du noch oder sprichst du schon? Die Sprache ist der Schlüssel zu den Menschen und der Kultur eines Landes und hilft, in der Fremde heimisch zu werden. Die Sprachkurse an der Uni Bern erleichtern den Schritt ins Ausland – aber auch die Ankunft in Bern. rika koch Schon Wilhelm von Humboldt propagierte: Lernt Fremdsprachen! Das Erlernen von Sprachen diene der «Gedankenanregung», öffne die Türen zu «fremden Weltansichten» und gehöre deshalb zu einer umfassenden Bildung. In der heutigen globalisierten Welt ist dies aktueller denn je: Fremdsprachenkenntnisse sind für Studium und Beruf oft unabdingbar. Die Uni Bern scheint sich dessen bewusst zu sein, den Studierenden steht eine breite Sprachkurspalette zur Auswahl, von Englisch über Chinesisch werden die für eine zeitgenössische Universität üblichen Sprachkurse angeboten. Eine Besonderheit jedoch fällt auf: Als einizige Schweizer Universität bietet die Uni Bern Dialektkurse an. Doch wer will schon Berndeutsch lernen? «Exgüse Diir…» Der Kurs «Berndeutsch I» am Montagabend ist ausgebucht, obwohl er mit 550 Franken (1 100 Franken für Nicht-Immatrikulierte) nicht ganz billig ist. Die Dozentin Brigitte Huber Keller eröffnet die Stunde mit einem «Grüessech mitenand». Ein vielstimmiges «Grüessech» schallt zurück. In den nächsten 90 Minuten befassen wir uns mit der lokalen Trinkkultur («Eis ga zieh»), lernen, was ein «Ballöndli» oder «es zwöierli Rote» ist und wie

illustration: stéphanie winkler

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man diese ortgerecht bestellt («Chöi mir grad bsteuä?»). Die Stimmung ist gelöst, man ist unter sich und braucht sich nicht zu schämen, auch wenn Kieferverrenkungen beim Versuch, ein authentisches «äuää» auszusprechen, bisweilen für herzhaftes Lachen sorgen. Aber warum lernt man eigentlich Berndeutsch? Es würde eigentlich genügen, Hochdeutsch zu sprechen, Dialektkenntnisse sind zumindest ökonomisch gesehen wenig sinnvoll. Warum Mühe und Ressourcen aufwenden, um eine ungeschriebe Sprache zu lernen? «Weil die SchweizerInnen nicht gerne Hochdeutsch sprechen und ich in einer geselligen Tischrunde auch etwas verstehen will», meint eine Kursteilnehmerin aus Brasilien. Berndeutschkenntnisse, auch wenn sie nur bruchstückhaft sind, tauen das Klima auf und vereinfachen den Zugang zu den Bernerinnen und Bernern. Chinesisch ja, Französisch nein Dass der Berndeutschkurs zu den bestbesuchtesten Sprachkursen gehört, zeigt den beeindruckenden Integrationswillen der Neo-BernerInnen. Dass unsere Universität diese Integrationsbemühungen fördert und Dialektkurse anbietet, ist erfreulich. Ebenfalls erfreulich ist, dass die Uni ihren StudentInnen auch den Zugang zu weniger geläufigen Sprachen wie Arabisch, Griechisch oder Russisch ermöglicht. Weniger erfreulich ist hingegen, dass das Kursangebot lediglich von der Nachfrage bestimmt wird. Dadurch bleibt StudentInnen die Möglichkeit verwehrt, sich mit der landes- beziehungsweise kantonseigenen Sprache Französisch zu beschäftigen – und dies ausgerechnet an der Universität des Bilingue-Kantons Bern.

info

Das Sprachangebot an der Universität Bern

Die Abteilung für angewandte Linguistik (AAL) bietet acht Sprachkurse an: Arabisch, Berndeutsch, Chinesisch, Italienisch, Japanisch, Neugriechisch, Russisch, Spanisch. Mit Ausnahme des Neugriechisch- und des Chinesischkurses (beide gratis) müssen die Studierenden für eine Kursgebühr von 550 Franken pro Semester aufkommen. www.aal.unibe.ch Das Zentrum für Sprachkompetenz (ZSK) bietet Deutschund Englischkurse sowie eine Tandemvermittlung an. Die Englischkurse sind für Studierende gedacht, die sich in der Forschungssprache Englisch besser zurechtfinden wollen und beim Verfassen einer Arbeit auf Englisch von einem Beratungsangebot «Advice on Academic English» profitieren wollen. Das ZSK kann zudem circa 100 Studierenden pro Jahr für eine Lernpartnerschaft (Tandem) vermitteln. Häufig kommen Deutsch/Englischoder Deutsch/Französisch-Tandems zustande, manchmal finden sich aber auch GesprächspartnerInnen mit selteneren Muttersprachen, wie zum Beispel Bosnisch oder Farsi. www.zsk.unibe.ch


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bilder: carlo bischoff

«das wetter ist wirklich scheisse in nordengland» Warum verlassen Studierende ihre Heim-Uni? Und was erlebt man in der grossen weiten Welt? Gespräche über Pubs in Dublin, das Schweizer Klima und Orte, wo die Post abgeht. carlo bischoff 1

Elisabeth Jobin

5. Semester Kunstgeschichte, 24 «Huddersfield heisst das kleine Kaff in England, wo ich ein Semester lang war. Ich wollte mal erleben, wie's ist, in einem StudentInnendorf zu leben, so richtig, wie in den amerikanischen Filmen. Zusammen mit drei Engländerinnen, einer Inderin und einer Vietnamesin habe ich in einem Haus gewohnt. Da gab es auch ab und zu Zeiten, in denen ich dachte, dass ich dort bleiben möchte. Wäre da nicht das Wetter: Es ist wirklich scheisse in Nordengland, das muss man schon sagen. Als ich mit dem Zug in Huddersfield angekommen bin, hat es so stark gewindet, dass der Regen horizontal fiel. Ich habe nur gedacht: ‹Was mache ich hier eigentlich?›» 2

Res Mettler

5. Master-Semester Philosophie, 26 «Mit meinem Erasmussemester in Dublin wollte ich mir einen Stolperstein in den Weg legen, mir eine neue Challenge geben. Das Beste, was ich schlussendlich mit nach Hause genommen habe, ist die

Atmosphäre in den Pubs von Dublin. Dort bin ich richtig auf den Geschmack von Bier gekommen – Guinness natürlich. Tanzen konnte man in den Pubs auch viel freier als hier, es kannte einen ja niemand. Und die Band ‹Kings of Leon› habe ich auch erst dort kennengelernt. Studiert habe ich natürlich viel, denn man konnte profitieren. An der Uni gab es sogenannte ‹Societies›, wie hier die SUB-Gruppierungen. Alles in allem hatte ich dort eine super Zeit.»

Ohremi Adagunodo Mohammed

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3. Master-Semester Biomedical Engineering, 26 «In 2010 I came here to study at the University of Berne, because back in Nigeria the possibilities to study Biomedical Engineering are still very limited. I came directly from India, where I had studied before. My first days were pretty boring, because making friends here is much more difficult than in India or Nigeria. At the moment I'm living at the students house. The environment there is very friendly. There are people from all over the world. What I like the most in Switzerland is that education has a very high standard. They really try to push it to the limit. The worst part is the climate. When I came here it was the first time I saw winter and snow. It's just too cold although snow is very beautiful.»

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Mirjam Berger

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Markus Flück

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Milena Geiser

3. Semester Theaterwissenschaften, 20 «Ich werde im Frühling ein Erasmussemester in Berlin machen und möchte mal gerne in eine Grossstadt eintauchen. Mal raus aus Bern, wo sich alle kennen. Dazu kommt, dass Berlin im Moment das Mekka des deutschsprachigen Theaters ist. Die Chance, dort hinzugehen, will ich mir nicht entgehen lassen. Ich erwarte viele neue Erfahrungen, interessante Leute und wilde Partys. Meine Wohnung werde ich aber schon vermissen, denn da geht auch die Post ab. Eventuell werde ich sogar mal kurz wieder zurückkommen, aber nur arbeitshalber. Grundsätzlich versuche ich mit einem möglichst leeren Koffer zu gehen und mit einem vollen wieder zurückzukommen. Ein Tattoo bring ich auf jeden Fall nach Bern zurück.» 3. Master-Semester Soziologie, 25 «Letztes Semester war ich in Jena, in Ostdeutschland. Ich habe mich aus fachlichen Gründen für Jena entschieden. Bereits kurz nach meiner Ankunft wurde ich von einem Mitbewohner der neuen WG zu einem Abend mit Chili con Carne, Bier und Fussballmatch eingeladen. Den Schock vom Ankommen gab es bei mir erst am nächsten Morgen, als ich mit vollem Koffer vor leeren Schranktüren stand. In meiner dortigen WG haben wir oft separat gekocht und gegessen, dafür des Öfteren zusammen was getrunken oder eine Runde getöggelet. An schönen Tagen habe ich es mir dann im Park gemütlich gemacht – sinnigerweise heisst der Stadtpark in Jena: ‹Paradies›.» 1. Master-Semester Geografie, 22 «Da ich nach dem Gymnasium direkt zu studieren begonnen hatte, wollte ich die Möglichkeit, ein Erasmusjahr zu machen, nicht verpassen. Ich hab mich dann entschieden, an die Humboldt Universität in Berlin zu gehen. Ich kam mit meinem Gepäck dort an, hatte auch mein Cello mitgenommen, und es war eine ziemliche ‹Fuer›. Ich habe schnell interessante Leute kennengelernt, mit welchen ich auch heute noch Kontakt habe. Berlin ist eine Stadt mit einem üppigeren kulturellen Angebot als Bern, aber Velos werden auch dort geklaut. Vermisst habe ich die Schweizer Berge. Darum bin ich über Weihnachten zurückgekommen und auch gleich ein bisschen Skifahren gegangen.» unikum 154

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Beratungsstelle der Berner Hochschulen ze

Beratung / Coaching

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Studiengestaltung (Studienplanung, Studienfachwechsel und Fächerkombination, Alternativen zum Studium, Koordination von Studium und Erwerbsarbeit, Studium und Familie, Studienfinanzierung), Arbeits- und Lerntechniken und Bewältigung von Prüfungen, Laufbahnplanung und Berufseinstieg, Konflikte in persönlichen und studienbezogenen Beziehungen, Schwierigkeiten, Krisen und persönliche Entwicklung

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Mailberatung für Studierende zu Informationsfragen und bei persönlichen Anliegen unter www.beratungsstelle.bernerhochschulen.ch Unsere Angebote sind unentgeltlich und vertraulich. Telefonische oder persönliche Anmeldungen nimmt das Sekretariat entgegen.

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Online-Angebot unter www.beratungsstelle.bernerhochschulen.ch: Studienführer der drei Berner Hochschulen, Beratungstexte mit didaktischen Materialien zu Schlüsselkompetenzen des Studierens, Wegweiser Studienfinanzierung, Linkportal mit rund 500 kommentierten Links zum Studium, Berufseinstieg und zu Berufsfeldern u.a.

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Bibliothek: Informationen über Fachrichtungen an Schweizer Hochschulen, zu Bewerbungen, Berufsfeldern und zur Laufbahnplanung; Medien zur Planung und Strukturierung des Studiums, zu Lern- und Arbeitstechniken, Stressbewältigung und Motivation; Fachliteratur zu psychologischen Themen wie persönliche Entwicklung, Beziehungen, Depression, Ängste, zur Teamentwicklung, zu Konflikten und Methoden der Erwachsenenbildung.

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Wir leiten Workshops zu Themen wie: Lern- und Arbeitstechnik, Referatskompetenz, wissenschaftliches Schreiben, Prüfungssituation, Stressbewältigung, persönliche Entwicklung und Sozialkompetenz, Berufseinstieg, Laufbahnplanung, Mentoring.

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Beratungsstelle der Berner Hochschulen Erlachstrasse 17, 3012 Bern Tel. 031 631 45 51, Fax 031 631 87 16 E-Mail: bstsecre@bst.bernerhochschulen.ch Website: www.beratungsstelle.bernerhochschulen.ch

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Montag bis Freitag 8.00 - 12.00 und 13.30 - 17.00 Uhr (Freitag bis 16.30 Uhr) Die Bibliothek ist am Mittwoch Vormittag geschlossen. Die Beratungsstelle ist auch während der Semesterferien geöffnet.

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20.01.2009 bst/RM

Administrative Mitarbeit - Service-Aushilfe - Nachtwache Messemitarbeit - Umzugshilfe - Nachhilfe - Marktforschung Unterstützung im Baugewerbe - Aushilfe für Verkehrsdienste IT-Assistenz - Kinderbetreuung - Ferienvertretung - Bürohilfe Reinigungen - Wissenschaftliche Mitarbeit - Programmieren Grafische Mitarbeit- Schreibarbeiten - Redaktionsmitarbeit Verkauf - Sicherheitsdienst -Kochen - Übersetzen - Support Studentische Hilfskraft - Telefondienst - Anwaltspraktikum Internationales Büro

Fernweh? Da hilft ein Mobilitätsprogramm der Universität Bern

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www.sub.unibe.ch/studijob Therapie-Assistenz - Betreuung - Transkription - Buchhaltung Programmieren - Betriebsmitarbeit - Produktmanagement Marketing-Assistenz - Aufgabenhilfe - Produktionsassistenz Hilfsassistenz - Backoffice-Unterstützung - Küchenmitarbeit Lagerleitung - Haushalthilfe - Promotionen - Badeaufsicht Juristische Mitarbeit - Projektunterstützung - BWL-Praktikum Aushilfe im Handwerksbetrieb - Archivieren - Datenpflege Sozialpraktikum - Fahrdienst - Labormitarbeit - Barmitarbeit ..................................................................................

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selbstständigkeit gefällig? Hast du auch schon von deiner eigenen Firma geträumt? Der Entrepreneurs Club der Universität Bern hilft unternehmerisch interessierten Studis, sich untereinander zu vernetzen. josua romano Ein Summa-cum-laude-Abschluss hat noch niemandem geschadet. Doch neben guten Leistungen zählt auch das richtige Beziehungsnetz als Schmieröl im Karrieremotor. Gegenseitiger Austausch und Unterstützung sind gefragt. Das hat auch der Entrepreneurs Club der Universität Bern (ECUB) erkannt und sich zum Ziel gesetzt, unternehmerisch interessierte Studierende interdisziplinär untereinander zu vernetzen. Zu diesem Zweck organisiert der ECUB verschiedene Meetings und Events. Zum Beispiel die sogenannten «Start-Up Impressions». Das sind Vorträge, an welchen JungunternehmerInnen, die an der Uni Bern studieren oder studiert haben, ihre Projekte vorstellen und von ihren Erfahrungen auf dem Weg zur Selbstständigkeit erzählen. «Start-Ups» sind vereinfacht ausgedrückt die NewcomerInnen unter den Unternehmen. Vor und nach solchen «Start-Up Impressions» werden bei gemütlichem Apéro Ideen ausgetauscht und Kontakte geknüpft. Die Vernetzung beschränkt sich aber nicht nur auf die Uni Bern. Der ECUB tauscht sich auch mit den Entrepreneurs der ETH und Uni Zürich sowie der Uni St. Gallen aus, um die richtigen Leute zusammenzubringen. Alle Studis willkommen Die Motivation der Mitglieder wird denn auch deutlich spürbar, wenn man einen solchen Vortrag besucht. So wird man schnell mit interessanten Leuten und ihren Geschäftsideen bekannt gemacht. Auch wenn man an diesen Meetings vor allem auf Betriebswirtschaftsstudierende trifft, sind alle Studis willkommen. Denn neben dem wirtschaftlichen Know-how braucht es je nach Projekt natürlich die Zusammenarbeit mit VertreterInnen anderer Fachbereiche, damit ein Start-Up erfolgreich werden kann. Interdisziplinarität wird in der Wirtschaftswelt hoch geschätzt. Wie entsteht eine solche Kooperation? Trifft da nicht ein Haufen von Alphatieren aufeinander, von denen jedes die eigene Idee für die beste hält? «Nein», wehrt sich der ECUB, «EinzelkämpferInnen sind im UnternehmerInnentum nicht gefragt. Es geht vor allem darum, theoretisches Uni-Wissen praktisch anzuwenden. Ob man dabei eine eigene Idee oder die von KollegInnen verfolgt, spielt keine Rolle.» Dies zeigte sich auch am ersten «Start-Up-Weekend», welches unter dem Motto stand: «Von der Idee zur Unternehmensgründung in 48 Stunden». Etwa hundert Studierende unterschiedlichster Fachrichtungen arbeiteten ein Wochenende

lang an der Entwicklung von Geschäftskonzepten, mit dem Ziel, diese am Ende des Events realisieren zu können. Dabei wurden sie von KennerInnen der Start-UpSzene unterstützt und stellten ihre Ideen zum Schluss einer ExpertInnen-Jury vor. Motivierung zur Risikobereitschaft? Der ECUB hilft also jungen UnternehmerInnen, sich zu finden. Doch wie muss man sich das vorstellen? Ein Unternehmen zu gründen heisst immer auch, zu investieren. Drängt man da nicht junge Leute dazu, hohe finanzielle Risiken auf sich zu nehmen? Auch hier gibt der ECUB Entwarnung: «Unser zentrales Ziel ist es ja nicht, Leute zu ermutigen, Kredite aufzunehmen. Bei einem Start-Up geht es um viel mehr als nur um die Finanzen, etwa um ein solides Businessmodell, eine ausgewogene Verteilung der Kompetenzen und vieles mehr.» Zudem gäbe es neben der Eigen- und Fremdkapitalfinanzierung unzählige weitere Finanzierungsmöglichkeiten wie zum Beispiel die Beteiligungsfinanzierung, Business Angels, Venture Partners, Wettbewerbe, Stiftungen und viele mehr. Ein gewisses Risiko bestehe aber natürlich immer. Jedoch sei man nur einmal im Leben so flexibel wie während des Studiums, weshalb sich dieser Zeitpunkt anbiete, um in einem geschützten Rahmen unternehmerische Erfahrungen zu sammeln. Bist du neugierig geworden, oder verfolgst du bereits eine Geschäftsidee? Dann ab zum ECUB. Die Mitgliedschaft ist kostenlos und kann auf www.ecub.ch beantragt werden.

bild: enterpreneurs club universität bern

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wem die glocke schlägt

gängen. Eines ist klar: Die Alarmglocken läuten schon, denn bei den Schwächsten spart sich's am ringsten.

Am 29.November 2011 entschied der Grosse Rat des Kantons Bern, die Studiengebühren ab diesem Frühling um 150 Franken auf 805 Franken pro Semester zu erhöhen. Dabei kommen die zusätzlichen Gelder nicht einmal der Bildung zugute.

Ayse Turcan vom SUB Vorstand übergibt die

lc&jl. Die Stimmung während der Finanzsession des Grossen Rates des Kantons Bern war gereizt. Es ging darum, den Budgetvoranschlag 2012 des Regierungsrates zu verabschieden. Dieses happige Entlastungspaket sieht Einsparungen von rund 277 Millionen Franken vor. Für viele Ratsmitglieder war daher klar, dass bei allen Bereichen gespart werden muss. Immer wieder wurde daher argumentiert, dass es sich nicht lohne, das vom Regierungsrat so schön geschnürte «Päckli» wieder aufzureissen und einzelne Kürzungen rauszunehmen. Und so kam es, dass auch die Erhöhung der Studiengebühren nicht aus dem Voranschlag 2012 gestrichen wurde: Der Vorschlag, die Studiengebühren nicht zu erhöhen, wurde mit 28 Ja- zu 109 NeinStimmen (bei elf Enthaltungen) abgeschmettert. Die Studierenden müssen ab dem Frühjahrssemester 2012 tiefer in die Tasche greifen. Die erhöhten Studiengebühren tragen dabei aber nicht zur Qualität der universitären Bildung bei, sondern stellen eine Quersubventionierung des Kantons Bern dar. Das heisst, das Geld fliesst nicht in die Unikasse, sondern an den Kanton, der damit Einsparungen in anderen Bereichen abfedert. Der Widerstand Dass gerade die Studierenden für die Misswirtschaft des Kantons Bern aufkommen sollen, war für die StudentInnenschaft der Uni Bern (SUB) von Anfang an nicht nachvollziehbar. Zusammen mit dem Verband der Studierendenschaft der Berner Fachhochschule (VSBFH) versuchte sie, die Erhöhung der Studiengebühren mit verschiedenen Mitteln abzuwehren. Zusammen mit dem VSBFH gelang es der SUB, über 5 000 Unterschriften für ihre Petition zu sammeln, welche dem 14

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Grossratspräsidenten Beat Giauque zu Beginn der Finanzsession überreicht wurde. Des Weiteren führten die SUB und der VSBFH verschiedene Aktionen durch und konnten so wiederholt auf ihr Anliegen aufmerksam machen. So wurde beispielsweise ein Picknick vor dem Rathaus veranstaltet oder Studentenfutter verteilt, um gegen die Erhöhung der Gebühren zu protestieren. Zudem versuchten die beiden Studierendenvertretungen die GrossrätInnen in persönlichen Gesprächen und öffentlichen Veranstaltungen über die Risiken einer Erhöhung der Studiengebühren aufzuklären. Einsicht hatten der Grosse Rat aber anscheinend nicht. Massnahmen gefordert Die SUB fordert nun Massnahmen des Regierungsrates, um die Studierenden und die Hochschulbildung im Kanton Bern abzusichern. Dazu gehört in erster Linie eine zuverlässige Härtefallregelung für Studierende, welche die höheren Studiengebühren nicht übernehmen können. Zudem braucht es eine Nivellierung des Stipendiensystems nach oben sowie eine längerfristige Refinanzierung der Universität Bern, um die Qualität von Lehre und Forschung sicherzustellen. Nach wie vor zahlt der Kanton Bern im Vergleich zu anderen Kantonen wie Basel oder Zürich am wenigsten an seine Uni. Die Verantwortung aller Klar ist: Der Kanton Bern muss seiner Verantwortung gegenüber der Hochschulbildung nachkommen und für eine qualitative Bildung mit chancengerechtem Zugang für alle einstehen. Doch auch die Studierenden sollten sich weiterhin für ein gutes und faires Ausbildungssystem an der Universität einzusetzen. Denn es ist nicht klar, was in den nächsten Jahren auf die Hochschulbildung im Kanton Bern zukommen wird. Noch immer steht die Forderung von Grossrat Erich Hess im Raum, die kostendeckende Studiengebühren für ausländische Studierende vorsieht und die nun dem Regierungsrat als Postulat überwiesen wurde. Zudem sind auch weitere Einsparungsforderungen möglich, wie zum Beispiel die Streichung von Studien-

Petition gegen die Erhöhung der Studienge-

bühren dem Grossratspräsidenten Beat Giauque. bild: clau dermont

sr-news Budget 2012

jr. Die einzelnen Budgetposten sind im Rat immer wieder hart umkämpft. Das ist auch gut so: Schliesslich geht es hier um Geld von Studierenden, mit dem bedächtig umgegangen werden muss. Trotz aller Debatten demonstrierte der Rat bei der Verabschiedung des Gesamtbudgets 2012 Einigkeit: Es wurde einstimmig ohne Enthaltungen und Gegenstimmen angenommen – ein gutes Zeugnis für den SUB-Vorstand.

StudiBar wird weiterverfolgt

jr. Das Projekt «StudiBar» im Soz-Café in der Länggasse wird weitergeführt. Die Konkurrenzsituation und strenge Nutzungsauflagen sorgten bei einigen im Rat für Bedenken. Trotzdem stimmte eine klare Mehrheit einem Antrag der Projektleitung zu. Wenn alles nach Plan verläuft, sollte die Bar spätestens im Herbst 2012 ihr Türen öffnen.

Neue Vorstandsmitglieder

jr. Nach den Austritten von Lorenz Solothurnmann und Anja Ghetta aus dem Vorstand der SUB wurden die Ressorts «Finanzen» und «Dienstleistungen/ Mobilität» neu besetzt. Gewählt wurden Emmanuel Schweizer und Milena Geiser. Wie der Vorstand die Ressorts aufteilen wird, ist noch nicht entschieden. Mehr zu den beiden Neuen und ihren Ressorts lest ihr in der März-Ausgabe des unikums.


impressum

Das unikum ist das Organ der StudentInnenschaft der Universität Bern (SUB) und erscheint sechsmal jährlich mit einer Auflage von 10 000 Stück. Redaktion: Jacqueline Lipp (jl), Flurin Jecker (fj), Marisa Molinaro (mm), Carlo Bischoff (cb), Damaris Burri (db), Josua Romano (jr), Livia Middendorp (lm), David Streit (ds), Rika Koch (rk) E-Mail: vorname.nachname@unikum.unibe.ch Externe: Letizia Carigiet (lc) Layout und Satz: Paolo Riva, Stéphanie Winkler Lektorat: Nadine Zybach Werbung: Raphael Bättig Kontakt: raphaelbaettig@gmx.ch Adresse: unikum, Lerchenweg 32, 3000 Bern 9 E-Mail: unikum@sub.unibe.ch www.unikum.unibe.ch Belichtung und Druck: Haller & Jenzer, Burgdorf Nächste Nummer: unikum 155

Redaktionsschluss: 20.02.2012 Inputs und Ideen für Artikel bis: 01.02.2012 Inserate-Annahmeschluss: 01.02.2012 Erscheinungsdatum: 7.03.2012 Abonnemente: Das unikum kann für

illustration: stéphanie winkler

äuää! Dies ist ein Kommentar der unikum-Redaktion zum Artikel «Studentenschaft steckt in der Krise» von Reto Wissmann im «Bund» des 2. Dezembers 2011. Lieber Herr Wissmann Das Arbeiten als JournalistIn bei einer Zeitung ist nicht einfach. Die Medienlandschaft ist im Wandel und Printmedien geraten zunehmend unter Druck. Der rettende Anker sind mehr denn je spannende, packende und neue Geschichten. Die Frage ist jedoch: Wo bekomme ich die her? Und was mache ich, wenn ich keine finde? Als Lösung bieten sich verschiedenste Möglichkeiten, am gäbigsten ist aber wohl das Aufpeppen, Büschälä und Selektionieren von Fakten. Liest man zum Beispiel das Protokoll einer Sitzung des StudentInnenrats (SR) und sucht sich einzelne Themen aus, dann kann das schon ein gefundenes Fressen sein. Denn an einer SR-Sitzung wird zum Teil hitzig und engagiert diskutiert – jawohl «engagiert». Da kann schon mal EineR sagen,

Fr. 30.–/Jahr abonniert werden. E-Mail an: unikumabo@sub.unibe.ch

die unikum-Redaktion fühle sich nicht verantwortlich, die Hefte zu verteilen oder sei zu wenig motiviert. Lässt man andere Voten aussen vor und verwandelt solche subjektiven Aussagen in Tatsachen, kreiert man würzige Details für einen Artikel, welcher es auf die erste Seite des Bern-Faszikels schafft – und dies in einem Qualitätsmedium. Dazu hier mal herzliche Gratulation. Doch ehrlich gesagt: Die gäbigste Lösung ist das vielleicht eben doch nicht, denn sie ist unprofessionell. Leute mögen keine FaktenverdreherInnen und schon gar keine Halbwahrheiten. In diesem Sinne wäre es wünschenswert gewesen, uns direkt anzusprechen, anstatt nur einseitige Aussagen aus einem Protokoll über uns zu publizieren. Bei der StudentInnenschaft der Uni Bern (SUB) arbeiten nämlich engagierte Leute und zwar mit Herzblut: Das ist Tatsache. Unserer Meinung nach ist das bereits genug interessant, um fundiert und wahrheitsgetreu darüber zu berichten. Den Artikel lesen unter: http://www.derbund.ch/bern/Studentenschaft-steckt-in-der-Krise/story/10184096

Aus der Vorlesung

mm. Erstes Semester, zweiter Studientag: Zwei Frischlinge lernen sich gerade kennen, sie kommt aus Zürich, er aus Luzern. Er: «Eine Zürcherin in Bern? Das passt ja gar nicht! Das ist wie eine Kuh im Vorlesungssaal!» Ort des Geschehens: Vorlesungssaal.

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kulturpartnerInnen

kino kunstmuseum

jl. Filmkunst und Kinokultur in allen Facetten: Dafür steht das Kino Kunstmuseum. 1983 gegründet, wird das Kino seit 2003 vom Verein Cinéville betrieben. Der Fokus des Kinos Kunstmuseum ist international, zugleich aber räumt es dem Schweizer Film und dem Berner Filmschaffen einen besonderen Stellenwert ein. Ab dem 1. Dezember 2011 baut das Kino Kunstmuseum sein Programm gleich dreifach aus: Neu gibt es täglich Vorstellungen, zum Programmkino kommen Premierenfilme hinzu und dank der engen Kooperation mit dem Kellerkino können neu zwei Leinwände bespielt werden. Wie du zu deinem SUB-Kinobillet kommst, erfährst du in der nebenstehenden Spalte. Mehr zum Programm findest du unter http://www.kinokunstmuseum.ch

Die unibox wirbt um dich

cb. Die unibox, das Radiogefäss der SUB, widmete die letzte Sendung der Werbung. Sie spielte Musik, die dank Werbung bekannt geworden ist und zeigte mit dem Jingle-Quiz, ob und wie stark die Dauerberieselung uns konditioniert. Sie nahm sprachliche Mittel von WerbetexterInnen unter die Lupe, beleuchtete, wie bereits KindergärtelerInnen den Marken nachrennen, hörte sich auf den vorweihnachtlich geschmückten Strassen zum Nerv-Faktor von Werbung um und trug zusammen, wie viele Werbebotschaften an einem einzigen Tag so auf uns einwirken. Zu hören war die Sendung am 9. Dezember 2011 von 17 bis 18 Uhr auf Radio Rabe (95,6 MHz). Für alle, die's verpasst haben sollten: Auf www.subnew.unibe.ch/unibox sowie www.rabe.ch können alle vergangenen unibox-Sendungen nachgehört werden.

serviceverzeichnis

KulturpartnerInnen der SUB Gratis* für alle SUB-Mitglieder bee-flat BeJazz Bierhübeli Café Kairo Club Bonsoir Dampfzentrale Bern ISC Kino Cinématte Kino Kunstmuseum Marians Jazzroom ONO Schlachthaus Theater Stadttheater Bern StattLand Theater am Käfigturm Wasserwerk Club YB Heimspiele Berner Kammerorchester Berner Symphonieorchester

Vorgehen

Für Tickets: Besuche uns unter http:// subnew.unibe.ch/freier-eintritt, logge

dich mit deinem Uni-Account ein und suche auf der Liste aller Veranstaltungen deine Favoriten. Ein Klick und schon bist du auf der Gästeliste registriert. Bitte lies jeweils den kurzen Zusatztext, bevor du auf «OK» klickst, denn das Vorgehen ist nicht bei allen Reservationen gleich. Einige Tage vor der Veranstaltung erhältst du die definitive Bestätigung deiner Anmeldung per Mail. Deine gültige Legi gilt dann als Veranstaltungsticket. Pro Person können nur zwei Events gleichzeitig reserviert werden. Bei Nichterscheinen am reservierten Anlass werden weitere Reservierungen storniert. *Weitere Informationen findest du unter

http://subnew.unibe.ch/freier-eintritt

SUB-Dienstleistungen

Auskunft, Inserateaufgabe und Dienstleistungen für SUB-Mitglieder und DienstleistungsabonnentInnen:

StudentInnenschaft der Universität Bern Lerchenweg 32, 3000 Bern 9 Tel. 031 631 54 11, Fax 031 631 35 50 E-Mail: wost@sub.unibe.ch http://subnew.unibe.ch Öffnungszeiten SUB: Mo 14–17 Uhr, Di–Do 11–17 Uhr

Wohnausschreibungen

Online-Plattform, Wohnungsmail und Inserateaufgabe: http://subnew.unibe.ch/ wohnen E-Mail: wost@sub.unibe.ch

Studijob SUB

Online-Plattform, Stellenmail und Inserate­aufgabe: http://subnew.unibe.ch/ studijob-sub Tel. 031 631 35 76, Fax 031 631 35 50 E-Mail: studijob@sub.unibe.ch

Rechtshilfedienst der SUB (RHD)

Kostenlose Beratung von Studierenden der Uni Bern in rechtlichen Fragen. Anmeldung via E-Mail obligatorisch: E-Mail: rhd@sub.unibe.ch

Sozialfonds

Der Sozialfonds steht SUB-Mitgliedern und Mobilitätsstudierenden mit finanziellen Schwierigkeiten zur Seite.

Weitere Dienstleistungen

Freier Eintritt, kopieren, Spiralbindegerät usw.: http://subnew.unibe.ch/freier-eintritt

SUB-Gruppierungen

Liste der SUB-Gruppierungen:

http://subnew.unibe.ch/ gruppierungen

Beratungsstellen

Beratungsstelle der Berner Hochschulen

Beratung bei Studiengestaltung, Berufseinstieg, Lern- und Arbeitsstörungen, Prüfungsvorbereitung, persönlichen Anliegen und Beziehungskonflikten. Anmeldung im Sekretariat. Bibliothek und Dokumentation zu Studiengängen, Tätigkeitsgebieten, Berufseinstieg, Weiterbildung, Lern- und Arbeitstechniken und vieles mehr. Ausleihe: Mo–Fr 8–12/13.30–17 Uhr (Mittwochmorgen geschlossen) Erlachstrasse 17, 3012 Bern Tel. 031 631 45 51, Fax 031 631 87 16 www.beratungsstelle.bernerhochschulen.ch

Weitere Beratungsstellen:

www.sub.unibe.ch/aktuelles/ adressverzeichnis

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kunterbuntes studium In den verschiedenen Fakultäten kümmert man sich um den eigenen Kram. Das Collegium generale holt alle an einen Tisch. damaris burri Das Collegium generale (CG) wurde 1959 ins Leben gerufen, um den Dialog zwischen den Disziplinen und Fakultäten zu fördern. Es veranstaltet Vorlesungen über interdisziplinäre Fragestellungen der international und regional Forschenden. «Wir offerieren einen Panoramablick», fasst Sara Zwahlen zusammen. Sie ist seit mehreren Jahren wissenschaftliche Mitarbeiterin des CG und übernimmt gemeinsam mit dem Sekretariat den grössten Teil der Organisation. «Die Möglichkeit, ein Thema in seiner Breite so intensiv zu bearbeiten, gibt es sonst nirgendwo.» Was wir also in den üblichen Vorlesungen oft vermissen, nämlich die Integration eines Themas in weitere Zusammenhänge, ist hier Programm. Für Themenwünsche offen «Gerade in Zeiten des schlanken Bologna-Systems bietet das Collegium generale kulturell-soziale Nachhaltigkeit im Bildungsbereich», so Gabriele Rippl, Präsidentin des CG. Die Projektthemen werden in der Regel von den Mitgliedern des breit abgestützten Gremiums vorgeschlagen. Für Themenwünsche ist das CG aber offen. Studierende können via Studierendenvertretung oder über die Fakultäten Vorschläge einbringen oder das CG sogar direkt ansprechen. Rippl betont: «Die Zusammenarbeit mit den Studierenden und der SUB ist uns wichtig.» Gelungen ist die Zusammenarbeit zum Beispiel bei der von der SUB initiierten Vorlesungsreihe über Bildungspolitik, die im Herbstsemester 2013 stattfinden wird. Lesung mit Laura de Weck Jedes Semester organisiert das CG eine interdisziplinäre Vorlesungsreihe, die für HörerInnen aller Fakultäten gedacht ist und von Dozierenden aus ganz verschiedenen Fachrichtungen gehalten wird. Nach bestandenem Leistungsnachweis erhalten Studierende für den Besuch der Vorlesungsreihe drei ECTSPunkte als freie Leistung.

Eine Fangemeinde in der Stadt Bern scheinen auch die literarischen Lesungen gewonnen zu haben. Diese sind genau wie die Vorlesungsreihe öffentlich und kostenlos. Gerade wurden einige Lesungen zum Thema «Verschiedene Generationen – verschiedene Perspektiven» abgeschlossen, mit AutorInnen wie Martin Walser oder Laura de Weck. Zudem wird jeden Frühling das sogenannte Münchenwiler Seminar abgehalten. Es findet im Schloss Münchenwiler bei Murten statt und richtet sich an die in Lehre und Forschung tätigen Mitarbeitenden der Universität. Ziel ist die Vernetzung der Forschenden in einem externen Rahmen. Für Studierende besteht ebenfalls die Möglichkeit, daran teilzunehmen, wenn sie an einem Thema speziell interessiert sind. «Bisher waren alle begeistert, die daran teilgenommen haben», meint Zwahlen. Blick über den Tellerrand Das Collegium generale kann in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen auf aktuelle gesellschaftliche oder bildungspolitische Fragestellungen mit Sonderveranstaltungen reagieren. Zwahlen erläutert: «Kurzfristig könnten wir zum Beispiel ein Kontaktseminar organisieren. Allgemein versuchen wir natürlich, Themen, die in der Luft liegen, durch unsere Vortragsreihen aufzufangen.» Augenblicklich auf Ereignisse zu reagieren sei jedoch schwierig, gibt Rippl zu bedenken, da man Wert auf eine wissenschaftliche Aufarbeitung lege.

Ich

mit

Im Januar werden alle Studis per EMail über die Veranstaltungen des CG informiert. «Wir wünschen uns, von den Studierenden mehr wahrgenommen zu werden», sagt Rippl. «Es ist wirklich eine Chance, während des Studiums über den engeren fachlichen Tellerrand hinauszuschauen.»

info

Vorlesungsreihe

Ort und Zeit: Jeweils mittwochs, 18.15 bis 19.45 Uhr Hauptgebäude, Hochschulstrasse 4 Auditorum maximum, Raum 110 Thema des nächsten Semesters: Im Herzen der Macht? Hauptstädte und ihre Funktion Studierende können sich die Vorlesungsreihe als freie Leistung mit drei ECTS anrechnen lassen. Das Programm sowie Podcasts der bisherigen Vorlesungen sind auf der Webseite www.collegiumgenerale.unibe.ch zu finden.

Energie.

überzeuge

Wo fliesst Ihre Energie? Finden Sie’s raus – Infos zum Einstieg bei der BKW-Gruppe gibt es unter:

www.bkw-fmb.ch/karriere


apropos ...

... kompostierbar. Im Frühling bin ich ins Nordquartier von Bern gezogen. Voller Enthusiasmus habe ich in der neuen Wohnung alles ausgepackt und eingerichtet. Nebst Tellern und Gläsern natürlich auch das grüne Kompost-Chübeli. Denn so wie ich das gelernt habe, wird in einem Haushalt ein Kompost geführt. Das hat auch ganz gut funktioniert – bis der Kübel voll war. Ich war überrascht, als ich in meinem neuen Heimquartier keine Möglichkeit fand, meinen Kompost zu entleeren. Kompostieren sei eine sinnvolle Art, die Abfallmenge zu reduzieren, steht auf der Internetseite der Stadt Bern. Solche Nachhaltigkeitsgedanken zu verbreiten ist meiner Meinung nach nur lobenswert, wenn man auch die Möglichkeit dazu bietet, sie umzusetzen. Erst gerade habe ich dann dasselbe Dilemma an der Uni Bern entdeckt. Auf den Momento-Kaffeebechern der ZFV-Gastronomiegruppe, welche die Unimensen betreibt, steht, dass diese kompostierbar seien. Als ich aber meinen Becher für den Kompost abgeben wollte, wurde ich erneut vor den Kopf gestossen. Man habe keinen Kompost, alles komme in den gleichen Kübel, hiess es. Als Konsument fühle ich mich so für blöd verkauft. Da hat mir eine Marketing-Abteilung etwas vorgegaukelt. Auf die Frage hin, dass das ja dann keinen Sinn mache, wurde mir gesagt, ich solle mich bei der Verwaltung melden. Gesagt – getan. Die Stellungnahme der Marketingabteilung der ZFV-Unternehmung findet ihr auf www.unikum.unibe.ch. Manch EineR denkt sich jetzt bestimmt, so wichtig sei das nicht. Ich hingegen erwarte, dass man sich ernsthaft und im Einzelnen darum kümmert, wenn man Nachhaltigkeit und Umweltschutz einen hohen Stellenwert zugesteht. Ob man nun eine Unternehmung, ein Quartier oder eine Einzelperson ist. Denn aus klein wird ja bekanntlich gross. carlo bischoff

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die fünf

die fünf bizarrsten facts ferner orte In den Weiten dieser Welt sind Ortschaften zu finden, die voller Geheimnisse stecken – von denen leider kaum jemand weiss. Wir haben fünf davon ausfindig gemacht. david streit 1. Baarle: In welchem Land wohne ich? Aufgrund eines Streits um Landverhältnisse liegt dieser Ort einerseits in den Niederlanden (Baarle-Nassau) und andererseits in einer belgischen Enklave (Baarle-Hertog). Die Grenzziehung gestaltet sich dabei äusserst umständlich. Beinahe grundstücksweise ändert sich die Staatszugehörigkeit – so gibt es Häuser, die teils in Belgien, teils in den Niederlanden liegen. Häuser werden ihrer Wohnungstür entsprechend einer Nationalität zugeordnet und es gibt unter anderem zwei Bürgermeister, zwei Polizeiwachen und zwei Feuerwehren. 2. Fucking und die Diebe Mit einem andern Problem kämpft die österreichische Ortschaft «Fucking». Aufgrund ihres anrüchigen Namens kämpft sie gegen den Diebstahl ihrer Ortsschilder. Belegt ist der Name des Dorfes eigentlich seit 1070, doch erst seit dem um sich greifenden Einfluss der englischen Sprache hat er das öffentliche Interesse geweckt. Seither suchen gerade englische Touristen scharenweise das bemitleidenswerte Nest mit gerade mal 91 EinwohnerInnen heim. Als Folge davon wurden alle acht Ortsschilder sorgsam einbetoniert, vernietet oder angeschweisst. 3. Biritiba-Mirim und das Sterbeverbot Die Kleinstadt in der Nähe von São Paulo ist direkt von den Auswirkungen der grossen Schwester betroffen: Da unter ihr die Grundwasserquelle für etwa zwei Millionen EinwohnerInnen der brasilianischen Metropole liegt, darf sie laut einem nationalen Gesetz ihre Friedhöfe nicht ausbauen. Weil nun aber schon alle Gräber besetzt sind und andere Massnahmen (wie beispielsweise die Bestattung von Leichen unter den Bürgersteigen) nicht den gewünschten Erfolg

erzielt hatten, erliess der Bürgermeister im Jahre 2005 ein Sterbeverbot. 4. Gorsafawddacha’idraigodanheddogled dollônpenrhynareurdraethceredigion Ein Ort, den es eigentlich gar nicht gibt. Bloss eine karge Sitzgelegenheit und das Namensschild erfreuen hier das Auge der BesucherInnen. Bezeichnet worden war damit eine Bahnstation tief in der walisischen Pampa. Der Name war geschaffen worden, um der ebenfalls in Wales gelegenen Ortschaft Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch den Eintrag ins GuinessBuch der Rekorde als längster Name für einen Bahnhof streitig zu machen. Nachdem das Ziel erreicht war, wurde der Einfachheit halber der ursprüngliche englische Name, «Golf-Halt», wieder eingeführt. 5. Bangkok und sein richtiger Name Kaum bekannt ist, dass Bangkok eigentlich den längsten Ortsnamen der Welt trägt. Der zeremonielle Name in Thai besteht aus 139 Zeichen und lautet in transkribierter Form: Krung Thep Mahanakhon Amon Rattanakosin Mahinthara Ayuthaya Mahadilok Phop Noppharat Ratchathani Burirom Udomratchaniwet Mahasathan Amon Piman Awatan Sathit Sakkathattiya Witsanukam Prasit. Auf Deutsch: Stadt der Engel, große Stadt und Residenz des heiligen Juwels Indras, uneinnehmbare Stadt des Gottes, große Hauptstadt der Welt, geschmückt mit neun wertvollen Edelsteinen, reich an gewaltigen königlichen Palästen, die dem himmlischen Heim des wiedergeborenen Gottes gleichen, Stadt, die von Indra geschenkt und von Vishnukarm gebaut wurde. Da dies wohl auch den Einheimischen zu lang ist, wird Bangkok meist nur «Krung Thep» genannt («Stadt der Engel»).


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Der Projektor rattert – es werde Licht. bild: flurin jecker

das licht der vergangenheit Gut versteckt ist sie, die Gerümpelkammer der Kinokunst, das Museum der Filmtechnik, der Spielplatz für LichtspielerInnen oder offiziell die Lichtspiel Kinemathek in Bern. Doch wer sie findet, wird belohnt. flurin jecker Ein Kollege und ich gehen den Bahngleisen beim Güterbahnhof entlang. Wie ausgestorben wirkt die vom Nebel verschleierte Gegend, wo versprayte Zugwaggons eher auf «Endstation» als auf Veranstaltungstipp hinweisen. Trotzdem suchen wir weiter nach dem Lichtspiel, dessen äussere Erscheinung für uns nur schwer vorstellbar ist. So heisst es Augen auf und Beeilung; wir sind schon fünf Minuten zu spät. «Hier gibt's kein Kino», meint ein abendlicher Hundespaziergänger. Doch da wir glauben, es besser zu wissen, suchen wir weiter. Es ist herbstlich kalt, der eigene Atemdunst ähnelt den Rauchschwaden der Müllverbrennungsanlage, dessen rot blinkende Kamintürme ziemlich unheimlich wirken. Und plötzlich

erscheint vergilbt weiss leuchtend, in nostalgisch alten Lettern die Aufschrift «LICHTSPIEL». Darunter führt eine Treppe hoch – wir sind da. Drinnen, ein Gang, der erste alte Projektor und ein paar Kinoreklamen, aber Menschenleere. Die Vorstellung hat wohl schon begonnen, also gehen wir mit etwas unsicherem Schritt weiter in die nach morschem Holz riechende Gerümpelkammer voller Projektoren, die überspannt ist mit uralten Holzbalken und ein paar mehr oder weniger bejahrten Filmwerbungen als Farbtupfer hat. «Night at the Museum» fällt auf – denn so kommen wir uns auch vor. Hinter einer unspektakulären Tür scheint ein laufender Streifen zu hören zu sein. Wir treten ein. Dort stehen uns rund 50 rotgepolsterte und fast gänzlich besetzte Fauteuils entgegen. Links und rechts davon etliche Projektoren, Visionierungstische, Lampen, Filmbände und unzählige antike, technische Geräte, aufgetürmt wie pompöse, hoffnungslos überladene Regalwände: eine grandiose Kulisse zum laufenden Film. Ganz hinten in diesem Garage-ähnlichen Raum bedient ein Mann einen ratternden, verglichen mit den anderen jedoch modernen Projektoren, dessen Licht durch den Staub scheint, wie dies die Sonne am vorhergehgangenen Herbstmorgen durch den Nebel vermochte. «Ist da noch frei?», fragen wir eine junge Zuschauerin der hintersten Reihe und versinken in den Sesseln im Film. Die Stimmung ist wie gemalt. Es läuft ein schwarzweiss-Stummfilm über eine Pelikan-Fabrik, in welcher Tinten und Stifte hergestellt wurden. Männer mit Hipster-Frisuren und an dunkle Zeiten erinnernden Oberarmbändern stehen am Laufband und drehen Tintendöschen zu, Stück für Stück. So folgen die Zuschauenden den flinken Bewegungen der FabrikarbeiterInnen, immerzu schmunzelnd über die Seltsamkeiten der 50er-Jahre, bis es abrupt dunkel wird, das hintergründige Rattern die Tonlage ändert und die nächste Rolle eingespannt ist. «Vom Tag zur Tageszeitung» heisst die. Eine Doku – wohl aus den 70ern – über die Entstehung eines Berner Tagblattes; informativ und hinreissend zugleich. Und so setzt es sich fort, Film für Film, kunterbunt zusammengestellte Streifen, an diesem Sonntagabend zum Thema des geschriebenen Wortes – des Öfteren eher im weiteren Sinne. In der Pause prosten wir an der verspielt dekorierten Bar mit einem Felsenau Spezial, wonach ich die Ehre habe, den pompösen Vierklang-Pausengong zu schlagen, der die zweite Runde einläutet. Der Raum verdunkelt sich, der Projektor fängt abermals an zu rattern und die ZuschauerInnen warten gespannt, was diesmal aus dem Archiv ausgegraben wurde … Der Eintritt ist frei – Kollekte. Ab März 2012 zügelt das Lichtspiel in die Räumlichkeiten der Schauspielschule neben der Dampfzentrale. Weitere Infos und das aktuelle Programm findest du unter www.lichtspiel.ch.

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Zwei Rappen für jeden Stift: Stifte-Recycling

Mit dem Recycling-Programm für leere Schreibgeräte können Studierende benutzte Stifte kostenlos recyclen. Für jedes Stück werden einer gemeinnützigen Organisation deiner Wahl zwei Rappen gutgeschrieben. Die alten Stifte werden zu Giesskannen oder Stifthaltern verarbeitet. Um bei diesem Sammel- und Recyclingprogramm mitzumachen, muss man sich nur registrieren und schon kann's losgehen. Anschliessend wird die Sammlung kostenlos eingesendet und der Recyclingprozess beginnt. Was wird gesammelt: Alle Schreibgeräte, egal welcher Art und Marke. Registration und weitere Informationen unter www.terracycle.ch

Schneewochenende im Simmental Aki-Veranstaltung

Schnee und Hüttenspass im Simmental mit für AnfängerInnen geeineten Ski- und Boardtouren auf Turnen und Abendberg. Wann: Freitag, 27. bis Sonntag, 29. Januar 2012 Infotreffen: Mittwoch, 25. Januar 2012, 19 Uhr Anmelden bis 25. Januar 2012 Weitere Informationen bei

thomas.philipp@aki-unibe.ch

Erweiterte Öffnungszeiten

Wegen den Feiertagen und für die Prüfungsvorbereitung gelten an der UB und der NB besondere Öffnungszeiten. Weitere Infos unter www.ub.unibe.ch

Ich

mit

handle

Mobility Carsharing für Studierende

Seit dem 1. November 2011 profitieren Studierende der Uni Bern von folgenden Sonderkonditionen für Mobility Carsharing: • Kostenloses Testabo für 4 Monate, (statt 70 Franken, kann nur einmal bezogen werden) • Jahresabo für 70 statt 290 Franken Bestehende Mobility-KundInnen können ebenfalls zum Spezialangebot wechseln, entweder kostenlos nach Ablauf des aktuellen Abos oder sofort gegen eine Gebühr von 50 Franken. Für die Stundenund Kilometertarife gelten die normalen Standardansätze der Mobility Genossenschaft. Weitere Informationen sowie Anmeldung unter www.carsharing.unibe.ch

Beratungsstelle der Berner Hochschulen – Workshop Schreibkompetenz

Ein Workshop für Studierende, die an einer schriftlichen Arbeit sind und ihre wissenschaftliche Schreibkompetenz im Austausch mit anderen weiterentwickeln und allfällige Schreibschwierigkeiten überwinden wollen. Wann: Donnerstag, 19. Januar und 2. Februar 2012, 13.30 bis 17.00 Uhr, zweiteiliger Kurs. Wo: Beratungsstelle der Berner Hochschulen, Erlachstrasse 17, Bern Anmelden bis spätestens 4. Januar 2012. Weitere Informationen unter www.bera-

tungsstelle.bernerhochschulen.ch

Energie.

Stellenausschreibungen

Das unikum, das Magazin der StudentInnenschaft der Universität Bern, sucht eineN

LektorIn Zum Korrekturlesen des unikums suchen wir eine Lektorin oder einen Lektor. Er oder sie sucht nach grammatikalischen Fehlern, stilistisch unschönen Formulierungen und Unstimmigkeiten im Layout. Wenn du ein Flair für die deutsche Sprache und Rechtschreibung hast, jede unikum-Ausgabe eingehend lesen und dich in einem tollen Team engagieren möchtest, bist du bei uns am richtigen Ort. Die Arbeit wird mit 250 Franken pro Ausgabe entlöhnt, darin inbegriffen sind nebst der gedruckten Ausgabe Lektoratsarbeiten für die Online-Artikel. Das unikum erscheint dreimal pro Semester. Die Einsatztage während des Semesters sind jeweils einmal pro Monat am Sonntag und Montag. Bedingung ist die SUB-Mitgliedschaft. Arbeitsbeginn: März 2012.

Redaktorinnen / Redaktoren Die unikum-Redaktion ist für das ganze Spektrum der Aufgaben, die das Herausgeben eines Magazins mit sich bringt, verantwortlich. Dazu gehören die Magazinplanung, das Verfassen von Artikeln, das Korrekturlesen und die Blattkritik. Wenn du vielseitig und insbesondere unipolitisch interessiert bist, Lust hast, in einem motivierten Team mitzuarbeiten und wertvolle journalistische Erfahrungen sammeln willst, dann bist du bei uns am richtigen Ort. Das unikum erscheint dreimal pro Semester. Bedingung ist die SUB-Mitgliedschaft. Arbeitsbeginn: Februar 2012. Bewerbungen (Für Redaktion mit Textproben) bis Freitag, 13. Januar 2012 an: unikum, «Bewerbung Lektorat» /«Bewerbung Redaktion» , Lerchenweg 32, 3000 Bern 9 oder unikum@sub.unibe.ch. Die Bewerbungsgespräche für das Lektorat finden am 23. Januar 2012, diejenigen der Redaktion am 25. Januar 2012 statt.

Wo fliesst Ihre Energie? Finden Sie’s raus – Infos zum Einstieg bei der BKW-Gruppe gibt es unter: 20

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www.bkw-fmb.ch/karriere


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Rival Sons

Pressure and Time jr. Ihr Sound ist wie ein Flashback aus den wilden Zeiten des Rock'n'Roll – roh, ehrlich und mitreissend. Die perfekte Liaison zwischen Led Zeppelin, The Doors und den technischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts hat einen Namen: «Pressure And Time» von Rival Sons. Doch die Musiker spielen derart virtuos auf, dass ein blosser Vergleich mit den Helden von gestern zu kurz greift. Dabei ist vor allem die charakteristische Stimme Jay Buchanans hervorzuheben, deren Umfang und Vielfältigkeit einen schlicht aus den Socken haut. Die Songs sind eingängig, aber nicht aufdringlich, entschlackt, aber nicht banal. Keines der elf Stücke des Albums fällt ab. Dementsprechend nachhaltig ist auch das Hörvergnügen. Dies ist insofern erstaunlich, als die Band die Scheibe in nur zwanzig Tagen eingespielt hat. Wer vom Einheitsbrei der Popindustrie allmählich gelangweilt ist, muss zugreifen. Von allen Versuchen, die gute alte Schule zu modernisieren, ist «Pressure And Time» der Tauglichste.

Black keys

El camino chop. Die Blues-Retrorocker Black Keys haben nach ihrem grandiosen Vorgängeralbum «Brothers» bereits ihren Nachfolger «El Camino» am Start. Die elf neuen Tracks wurden am legendären Aufnahmeort Muscle Shoals in Alabama aufgenommen und von Danger Mouse mitproduziert. Mit dem Opener «Lonely Boy», welcher auch die erste Auskopplung darstellt, setzen The Black Keys die Messlatte bereits massiv hoch. Der Track groovt auf der ganzen Linie! Es folgen mit «Dead And Gone» und «Gold On The Ceiling» zwei Songs, welche mit brillianten ChorArrangements sehr britisch abrocken, respektive Glanzzeiten von Jon Spencer Blues Explosion aufleben lassen. Oder das als Akustik-Ballade startende «Little Black Submarines», welches dann nach einer Minute White-Stripes-mässig aus der Garage schiesst. Musikalisch als Bastard aus Blues, Country, Boogie, Soul und Rock zu bezeichnen, kommt das Ganze mit grossen Chören, fetten Blues-Gitarren und einem Hauch Glamrock-Pathos daher, schnörkellos und homogen in einer Art und Weise, die momentan ihresgleichen sucht. Gewinne eine von drei CDs! Schicke eine E-Mail mit dem Betreff «el camino»an: verlosung@sub.unibe.ch. Einsendeschluss ist der 31. Januar 2011.

Peter Bichsel

Des Schweizers Schweiz jl. 1967 geschrieben – und topaktuell. Peter Bichsels «Des Schweizers Schweiz» enthält sechs Stellungnahmen, die mit unserem Land hart ins Gericht gehen. So entzaubert Bichsel einige sich auch heute noch hartnäckig haltende Mythen um die Verdienste der Schweiz: Im Zweiten Weltkrieg, der Armee, unserem 700-jährigen Bestehen, ja selbst was die Berge betrifft. Alles Dinge, auf die wir stolz sind – ohne etwas dafür getan zu haben. So hart diese Aussagen auch klingen, Bichsel kontrastiert seine unmissverständliche Kritik an der reaktionären und selbstgerechten Schweiz mit milden, fast schon lieblichen Worten. Man hat beinahe Mitleid mit der Schweiz. Doch Bichsel kritisiert nicht nur, er hat auch eine Vorstellung davon, wie es sein sollte. So plädiert er für eine ernst genommene Demokratie, in der reger Meinungsaustausch anstatt Politverdruss herrscht. Und so bedauert man ihn, den «Propheten», wenn er sagt: «Ich erschrecke beim Gedanken, in zwanzig Jahren in einer Schweiz leben zu müssen, die aussieht wie diese.» Und das, wie gesagt, 1967. film 4

Welt am Draht (1973)

Rainer Werner Fassbinder cb. Man könnte meinen, es handle sich um eine Kopie der Matrix-Trilogie. Dem ist aber nicht so. Denn «Welt am Draht» ist eine zweiteilige TV-Produktion, welche bereits im Jahre 1973 auf ARD ausgestrahlt wurde. Auch heute gibt es solche Fernseh-Mehrteiler noch. Meistens zaubern sie dem Publikum aber lediglich ein beschämtes Lächeln aufs Gesicht. «Welt am Draht» ist da inhaltlich und filmisch ganz anders. Die Geschichte handelt von Fred Stiller (Klaus Löwitsch), tätig am Institut für Kybernetik und Zukunftsforschung (IKZ). Seinen KollegInnen und ihm gelingt es, eine virtuelle Realität mit Identitätseinheiten inklusive eigenem Bewusstsein zu schaffen. Als die beiden Welten zusammenzufallen scheinen, verliert sich Fred im Wirrwarr zwischen Realität und Simulation – und wird als verrückt abgestempelt. Auch die Zuschauenden wissen plötzlich nicht mehr, was wahr und was nicht wahr ist. Wie bei Matrix überträgt sich dieses mulmige Gefühl in die eigene Wirklichkeit – wenn sie denn überhaupt existiert. unikum 154

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finde die acht unterschiede

illustration: paolo riva Schicke die Lรถsung stichwortartig oder als Scan bis am 20. Februar 2012 an

unikumraetsel@sub.unibe.ch. Dir winkt einer von zwei Bugeno-Gutscheinen im Wert von je 40 Franken.

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unter der lupe

Herstellung eines Gewebes: Wachsende Zellen (rot) auf einer künstlich hergestellten Matrix. bild: zvg

fremde zellen in der brust

spritzte sie direkt ins beschädigte Herz. Man stellte die Hypothese auf, die Stammzellen würden sich dann mit den vorhandenen Herzzellen zusammentun und die toten Zellen ersetzen. Weil dem aber nicht so war, arbeiten ForscherInnen der Klinik für Herz- und Gefässchirurgie des Inselspitals nun an einer neuen Methode der Stammzellenbehandlung. Koordiniert durch Professor Hendrik Tevaearai und geleitet von Doktorin Marie-Noelle Giraud-Flück, lassen die WissenschaftlerInnen im Labor Stammzellen auf einem künstlichen, jedoch biologisch nahen Gerüst wachsen und kleben das fertige Gewebe nachträglich auf die Infarktzone des Herzens. «Unsere Resultate sowie andere Studien haben erwiesen, dass sich diese Methode positiv auf die Herzleistung auswirkt», erklärt Tevaearai, «jedoch weiss man noch nicht genau, wie und warum.» Denn anders als früher angenommen würden die Stammzellen selbst nicht zu Herzmuskelzellen, sondern unterstützten die noch vorhandenen gesunden Zellen indirekt, via Ausscheidung von Proteinen. Diese wirkten sich ihrerseits wiederum positiv auf das umliegende Gewebe aus. Um welche Proteine es sich dabei handle, sei nicht bekannt. «Wenn man die kennen würde, dauerte es wohl nicht lange, bis man sich an die Entwicklung eines entsprechenden Medikamentes machen würde.» Es bleiben noch viele Fragen offen, was diese neue Methode der Herzbehandlung betrifft. Bis Menschen direkt davon profitieren können, dürfte es also, wenn überhaupt, noch lange dauern. «Unsere Forschung bringt aber so oder so einen Fortschritt, egal ob diese Methode je am Menschen angewendet werden wird», meint Tevaearai und ergänzt: «Die Erkenntnisse, die dadurch gewonnen werden, sind überaus wertvoll für die Zukunft der Kardiologie und somit für die Herzkrankheitsbehandlung unserer Kinder.»

Herzinfarkt! Was dann? Viel Hoffnung ruht auf der Behandlung durch «Tissue Engineering», der künstlichen Herstellung und Einführung von Herzgewebe. Im Inselspital wird fleissig daran geforscht. flurin jecker Die Kardiologie, also die Wissenschaft des Herzens, beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten damit, nützliche, aber auch günstige Methoden zu entwickeln, um beschädigte Herzen zu behandeln oder zu ersetzen. Die Herztransplantation ist da eine Möglichkeit. Das Problem: Herzen sind rar am Markt. Und somit müssen andere Lösungen her. Vor rund zehn Jahren steckte man viel Hoffnung in die Gentherapie, also in die Einführung von Erbgut in lebende Zellen. Da sich dies aber bis dato nicht bewährt hat, kam die Stammzellenforschung auf den Tisch. Bei dieser isolierte und züchtete man früher Muskel-Stammzellen, sogenannte Myoblasten, und

Prof. Dr. Hendrik Tevaearai leitet und koordiniert

die Forschung und Entwicklung des Departements für klinische Forschung an der Universität Bern.

Ihm liegen ein Zusammenspiel seiner Forschungsgruppen und sinnvolle Forschungsschwerpunkte am Herzen. bild: flurin jecker

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Damit am Ende eines Tages nicht nur der Kunde punktet. Meine Leistung schafft Klarheit.

Bei KPMG zu arbeiten verlangt vollen Einsatz. Und wer leistet, verdient sich Freiraum – zum Beispiel für sich und seine Leidenschaft. Denn KPMG zählt heute und in Zukunft auf ausgeglichene Mitarbeitende. www.kpmg.ch/careers

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