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Wasser wirkt UNICEF Kambodscha Januar 2013

Reisetagebuch


Wir lernen die Menschen nicht kennen, wenn sie zu uns kommen. Wir m端ssen zu ihnen gehen, um zu erfahren, wie es mit ihnen steht. Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)


Wasser wirkt

Reisetagebuch UNICEF Kambodscha 17. - 29. Januar 2013


Das Team Sonja

Sandra

Babette Susanne Werner Sebastian

Beate

Jutta Mariele

Petra

Ursula

Helga

Die Route

Projektreise Kambodscha 2013

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Samstag, 19. Januar

Gespannte Erwartung und ein langer Flug Ursula: Ich kann es kaum fassen, dass

ich diesmal dabei bin. Gemeinsam mit neun Ehrenamtlichen stehe ich am Frankfurter Flughafen und warte auf den Abflug nach Phnom Penh. Ich freue mich sehr, dass ich für die UNICEF-Projektreise nach Kambodscha ausgewählt wurde und mit eigenen Augen sehe, wie UNICEF in einem Projektland arbeitet. Kambodschas Bevölkerung ist nicht nur arm sondern auch leidgeprüft: unter der Herrschaft der Roten Khmer in den 70-er Jahren erlebte sie einen grausamen Genozid. Binnen 24 Stunden wurde Phnom Penh entvölkert, nahezu zwei Millionen Menschen wurden Opfer des Regimes. Es traf nicht nur Intellektuelle, Beamte, Lehrer und Ärzte, es reichte einer Fremdsprache mächtig zu sein. Was uns erwartet Kambodscha zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Auf einer Fläche, die der Hälfte der von Deutschland entspricht, leben 15 Millionen Einwohner. Das Land hat weltweit den höchsten Anteil an amputierten Menschen – auch heute sind noch nicht alle Landminen geräumt -, 50 % der Kinder haben keinen Grundschulabschluss, fast 40% der Kinder arbeiten. Der Schwerpunkt unserer Reise liegt auf dem UNICEF-Programm „WASH – Water, sanitation and hygiene“. Wir werden Projekte besuchen, für die wir in Deutschland bei der Kampagne „Wasser wirkt“ um Spenden werben. 50% der Bevölkerung hat keinen Zugang zu sauberem Wasser und 75% leben ohne Toilette - für uns unvorstellbar. Ein besonderes Problem ist arsenverseuchtes Wasser, das furchtbaren Langzeitschäden bei Menschen verursacht.

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Projektreise Kambodscha 2013

Sonntagmorgen – Endlich da

Nach anstrengenden 15 Flugstunden landen wir um 9.30 Ortszeit in Phnom Penh. Schon von weitem erkenne ich unsere Tour-Begleiterin Belinda Abrahams, die Leiterin des WASH-Programms, wir hatten sie schon auf Fotos gesehen. Erste Gedanken werden ausgetauscht, während wir auf unser Gepäck warten. Sandra wartet vergeblich. Bewundernswert, mit welcher Gelassenheit sie es aufnimmt! Alle hoffen mit ihr, dass der Koffer morgen eintrifft. In UNICEF-Fahrzeugen geht es zum Hotel. Eigentlich sind wir alle totmüde. Aber wir erfrischen uns kurz und überraschen dann Belinda mit einem UNICEF-Banner, auf dem das Motto „Wasser wirkt“ in deutsch und in khmer abgedruckt ist. Erste Eindrücke Belinda führt uns zum Restaurant von „Friends“, einer NGO und Partnerorganisation. Hier werden Straßenkinder zu Kellnern ausgebildet. Sie servieren uns heiß ersehnte Erfrischungen. Während sich am Nachmittag „unsere Hauptamtlichen“ Jutta und Sebastian aufs Ohr legen, teilt sich das Reiseteam in Erkundungsgrüppchen auf. Mit Tuktuks fahren wir durch die Straßen von Phnom Penh, in denen es lärmt und von Mopeds knattert. Ganze Familien haben auf den Zweirädern Platz. Mit Beate und Petra mache ich den Russischen Markt unsicher und kaufe erste „Anschauungsmaterialien“ für meine Vortragsarbeit nach der Reise.


Protokollantin Ursula und Belinda Abraham

Kurz vor dem Abflug sind alle noch munter

Wasser wirkt auf khmer Wohnhaus gegenĂźber dem Friends-Restaurant

StraĂ&#x;enszene in Phnom Penh

Im Russenmarkt

Petra und Beate im Tuktuk unterwegs Projektreise Kambodscha 2013

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Montag, 21. Januar, frühmorgens

BORDA School in Phnom Penh – zum Auftakt Vorbildliches Petra und Helga:

Nun geht es richtig los: Wir sind gespannt auf unseren ersten Projektetag und die erste Schule, die wir in Kambodscha besuchen werden. Nach 30minütiger Fahrt erreichen wir die Kdei Chas Primary School in einem Vorort der Hauptstadt. Hier wurde in Kooperation von UNICEF mit der Bremen Overseas Research Development Asscociation (BORDA) ein vorbildliches Wasser- und Abwassersystem errichtet. Hinter dem weiträumigen, von Bäumen umgebenen Gelände fließt der Mekong. Ein Empfangskomitee von Schülern in schwarzen Röcken oder Hosen und weißen Blusen, Lehrern und Vertretern der Kommune erwartet uns. Wir staunen: alles macht einen fröhlichen, sauberen und gepflegten Eindruck – ein schöner Auftakt für unsere Projektwoche. Einer der Klassenräume ist für uns vorbereitet: Im Karree nehmen wir auf roten Pflastikstühlchen Platz und freuen uns, dass gekühlte Wasserflaschen griffbereit stehen. Sie sind hochwillkommen bei den heißen Temperaturen, an die wir uns erst noch gewöhnen müssen. Ein Schulbetrieb – fast so wie in Deutschland Während wir von draußen das Lachen der Kinder hören, die in der Pause auf Schaukeln und Rutschen spielen, begrüßt uns der Schuldirektor. 507 Schüler besuchen die Schule, die von 16 Lehrern in neun Klassen unterrichtet werden, drei weitere Räume gehören zum angeschlossenen Kindergarten (Vorschule). Zu einer Klasse gehören 30 und 35 Schüler - das ist nicht viel anders als an so mancher Grundschule in Deutschland. Nach der 6.Klasse können Schüler eine weiterführende Schule ganz in der Nähe besuchen. 93 % der Mädchen und 91 % der Jungen erreichten ihren Abschluss an der Primary School – beeindruckende Zahlen! Der Unterricht dauert vier Schulstunden, je-

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Projektreise Kambodscha 2013

weils von Montag bis Samstag. Die Kinder haben Fächer wie Mathematik, Lesen, Schreiben. Die Schulbücher werden von der Regierung und durch Spenden finanziert. Fast alle Kinder wohnen in der Umgebung und, kommen mit dem Fahrrad, zu Fuß oder einem Bus zur Schule. Die neunjährige May May zum Beispiel kommt jeden Tag mit dem Fahrrad und bringt ihre kleine Schwester mit, die die Vorschule besucht. Nachmittags, erzählt sie uns, erhält sie zusätzlich drei Stunden lang Englischunterricht, der privat gezahlt werden muss und monatlich 5 US Dollar kostet. Vorbildliche Wasserversorgung und sanitäre Anlagen Bis Januar 2012 gab es in der Schule nur sechs Grubenlatrinen in schlechtem Zustand und keine Möglichkeit zum Händewaschen neben den Latrinen. Das Wasser kam aus Tanks, die in der Regenzeit überflutet waren und das Schmutzwasser die Umgebung kontaminierte. Das BORDA-Team in Kambodscha - mit Koordinator Alex Cambell an der Spitze - plante und baute neue Sanitäranlagen, getrennt für Jungen (5 Urinale und eine Toilette) und Mädchen (3 Toiletten), eine weitere Toilette für die behinderten Kinder. Es gibt zehn Plätze zum Händewaschen. Einige Monate später wurde die Wasser- und Abwasseranlage gebaut. In drei Kubikmeter fassende Tanks wird Regenwasser gesammelt, das durch ein spezielles, ökologisches Filter-System aufbereitet wird. Herzstück der Anlage ist das „Decentralized Wastewater Treatment System“ (DEWATS). Es reinigt das täglich anfallende Abwasser aus Toiletten, Urinalen und Waschbecken. Abwasser wird durch Becken geleitet, dabei aufbereitet und fließt dann – umweltgerechten Kriterien entsprechend – ins Grundwasser und den Boden. Der Bau der Anlage kostete insgesamt 17.092 US Dollar.


Petra und Helga freuen sich über singende Schulkinder

Lehrerin Yon Sothea informiert uns über ihre Schule

Nagelneue Toiletten

Ohne unsere Übersetzerin Cheata versteht auch Sebastian nichts

Wir erleben eine Demonstration im gründlichen Händewaschen

....und auch unter den Nägeln schön sauber machen

Die Schüler halten die Toilettenanlagen sauber und immer bleiben die Schuhe draußen

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Ebenso wichtig: Schulungen in Hygiene Wesentlicher Teil des Projekts und von UNICEF unterstützt sind die Schulungen für das Schulkomitee (Lehrer, Eltern und Schüler). Denn nachhaltige Veränderungen gelingen nur, wenn die Beteiligten das Projekt mittragen und die neuen Installationen auch regelmäßig säubern und instand halten.

Wir sind begeistert von dieser Schule! Besondere Freude macht uns der Besuch einer Gruppe von vier- bis fünfjährigen Vorschulkindern. In Reih und Glied auf ihren roten Plastikstühlchen sitzend buchstabieren sie, wie sie es gelernt haben und singen ein Händewasch-Lied. Man möchte am liebsten alle in den Arm nehmen, jedes einzelne!

Mit Feuereifer demonstrieren einige Mädchen an den Waschbecken vor ihren Toiletten, wie man sich richtig die Hände wäscht. Sie schauen dabei auf Wandtafeln, die zeigen, wie man es richtig und gründlich macht. Warum Händewaschen nach dem Toilettenbesuch wichtig und für ihre Gesundheit notwendig ist, erklären ihnen die Lehrer. Die Kinder reinigen auch die Toilettenanlagen selbst - zumindest die größeren. Gerade putzt eine Gruppe von Neunjährigen aus der dritten Klasse. Dass wir sie dabei beobachten, stachelt ihren Ehrgeiz noch an - eifrig schwingen sie Lappen und Besen. Was uns auffällt: Beim Händewaschen werden nur kleine Seifenstücke (Hotelseife) verwendet. Die Erklärung ist simpel: zunächst gab es große Seifenstücke, aber die nahmen die Kinder mit nach Hause. Nun besorgt die Schule nur noch die kleinen Seifen: eine Box mit 500 Stück kosten 12,50 US Dollar. Alex rechnet es uns vor: das sind 1,5 Cents pro Monat pro Schüler.

Im benachbarten Klassenraum üben ältere Jungen und Mädchen lesen. Die Bücher liegen auf Holzgestellen, das vereinfacht das Handhaben der Bücher. Der Inhalt sieht wie überall auf der Welt aus: bunt bebilderte Geschichten von Hasen und anderen Tierkindern. Draußen wird inzwischen erklärt, wie der Schulmüll gesammelt und bis zur Abholung getrennt gelagert wird. Die Kinder sind auch hier dabei, uns alles zu zeigen. Zum Abschied singen sie uns noch ein Lied. Sebastians Dankworte an die Gastgeber bringt es auf den Punkt: „Es ist beeindruckend zu sehen, wie das Schulpersonal, die Kinder und alle anderen Beteiligten gemeinsam umsetzen, was UNICEF mit dem WASH-Programm erreichen will.“

Alex erläutert das Regenwasser- und Abwassersystem

Das schattige Schulgelände direkt am Mekong

Toll - sauberes Wasser fließt aus dem Hahn

Das Gruppenfoto zur Erinnerung an den Besuch darf nicht fehlen

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nachmittags

Ein Dorf ohne Wasserleitung Petra: Wir besuchen eins der namenlosen

Dörfer am Stadtrand von Phnomh Penh, um zu erfahren wie das UNICEF-Programm „Lokale Bündnisse für Kinderrechte“ (LGCR) funktioniert. Hier wird uns das Ausmaß der Armut im Land deutlich. Am trocken-staubigen Feldrand sitzen kleine Kinder. Das ganze Dorf macht einen verfallenen und verwahrlosten Eindruck. Zwischen den Hütten, zusammengefügt aus Holz, Wellblech und getrockneten Palmwedeln, laufen Hunde, Katzen und Kühe herum. Vor den Hütten sitzen die Familien und ihre Nachbarn. Als wir näher kommen verstummen die Gespräche. Die Ankündigung unseres Besuches hat sicher Neugier geweckt. Wir schauen uns ebenso neugierig um und nehmen Eindrücke vom Dorfleben auf. 53 Familien leben hier mit rund 60 Kindern im Schulalter. Der Lehrer wohnt im Ort und gibt allen, auch den Erwachsenen, täglich um17 Uhr noch Englischunterricht. Trotzdem müssen unsere Gespräche mit Dorfbewohnern aus dem Khmer übersetzt werden. UNICEF hat das landesweite Projekt LGCR 2011 gestartet. Es soll die Versorgung mit sozialen Dienstleistungen für besonders arme Dörfer und Gegenden verbessern. Pro Jahr bekommen die einbezogenen Kommunen dafür ein Budget von 1000 US Dollar zur Verfügung gestellt. Davon sollen die Gemeinen z.B. die Betreuung von Schwangeren oder medizinische Versorgung finanzieren. Eine Checkliste mit 14 Indikatoren hilft einzuordnen, welche armen Familien Förderung bekommen: es zählt die Anzahl der Kinder und die Einkommens und Wohnverhältnisse der Haushalte, erklärt Leng Cheang, Leiter des Poor Community Development Office. Straßenbau oder Gesundheitsversorgung? Belinda fragt den Vorsteher dieser Gemeinde, für was sein Budget bestimmt ist. Eigentlich - so antwortet er und die um uns herumstehenden Männer stimmen ihm zu - würden sie gerne eine Straße bauen. Belinda sagt, dass die LGCR-Mittel nicht für den Straßenbau

gedacht sind. Einige der Männer arbeiten als Tuktuk-Fahrer in Phnom Penh, andere als Taxifahrer oder Bauarbeiter. Ihr eigenes Interesse ist es, die holprigen, in der Regenzeit aufgeweichten Arbeitswege besser befahrbar zu machen. Belinda fragt auch nach der Drainage, denn alle Häuser haben Latrinen. Beim Gang durch das Dorf werden wir später einige der Toiletten sehen. Eine Wasserleitung würde Entwicklungschancen bringen In diesem Dorf geht es UNICEF auch darum, durch eine Wasserleitung besseren hygienische Verhältnisse zu schaffen. In 500 Metern Entfernung verläuft die Hauptleitung von Pnom Penh. Ein Anschluss zu diesem Dorf wurde 2012 beantragt, aber noch hat sich nichts getan. Die Kosten liegen bei 12.500 US Dollar. Beim unserem Rundgang hören wir, dass sich die Menschen hier gegenüber dem Nachbardorf benachteiligt fühlen. Dort gibt es bereits eine Wasserleitung und eine „richtige“ Straße. Es gibt auch Unternehmen, die Arbeitsplätze bieten. In der dort ansässigen Textilfirma arbeiten vor allem Frauen. Wasser für Kambodschas Dörfer gibt es nicht gratis. 3000 Kubikmeter hygienisch sauber aufbereitetes Nass kosten 10 US Dollar. Die gleiche Menge vom nahen Fluss kostet nur 5 Dollar, es ist aber nicht unbelastet. Das Dorf hat zwar einen Brunnen mit einer Pumpe. Der Brunnen liefert aber nur Brauchwasser, das zum Waschen und für die Tiere genommen wird. Neben der mangelnden Trinkqualität ist es auch schlichtweg zu salzig. Wir nehmen den Pfad durch das Dorf. Den herumliegenden Müll hebt keiner auf, weil es auch kein System für die Entsorgung gibt. Im ersten Haus, das wir betreten dürfen, köchelt auf einer Holz-Feuerstelle in einem Tontopf Futter für das Schwein. In diesem Topf werden auch alle Mahlzeiten der Familie und heißes Wasser zubereitet. Eine andere Kochgelegenheit gibt es nicht. Projektreise Kambodscha 2013

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23 Dollar pro Monat für drei Personen In der nächsten, noch baufälligeren Hütte treffen wir Chan Vat, eine ältere Frau, die zwei ihrer Enkelkinder allein großzieht. Deren Eltern arbeiten in der Stadt. Direkt neben der ebenerdigen Kochstelle, die kaum als solche zu erkennen ist, sehen wir die Latrinenschüssel aus flacher Keramik, eingefasst von weißen Fliesen. Das ist unhygienisch, unmittelbar daneben werden die Speisen zubereitet. Chan Vat bekommt keine staatliche Rente, eine NGO gibt ihr zwei Dollar pro Woche. Sie verdient 15 Dollar pro Monat durch Handarbeiten, die in den Shops der NGO Friends International verkauft werden (Friends und seine Einrichtungen begegnen uns auf unserer Reise noch häufiger). Chan Vat stehen also 23 Dollar pro Monat für sich und die Enkel zur Verfügung. Manchmal gelingt es ihr, noch ein Huhn zu verkaufen. Dass UNICEF hier eingreift und in diesem Dorf für Wasser und bessere sanitären Anlagen sorgen wird, erscheint uns bitter notwendig.

Der Alltag spielt sich vor den Hütten ab.

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Auf dem Rückweg zu den Autos begegnen wir einem kleinen Mädchen. Sie sitzt im Gras und macht ihre Hausaufgaben. Die Unterrichtsmaterialien sind pinkfarben, wie es auch die Kinder in Deutschland mögen. Sie lächelt, winkt, streichelt kurz den Hund und lässt sich nicht weiter stören. Wir wünschen ihr alles Gute!

Wir gehen den Pfad ins Dorf

Küchen- und Waschutensilien

Bottiche fangen das Regenwasser auf


Petra protokolliert Belindas Diskussion mit dem Gemeindevorsteher

Hier schlafen die Großmutter und ihre Enkelkinder

Eine Frau pumpt Brauchwasser um ihr Schwein zu waschen

Die Feuerstelle für die Familiengerichte und das Schweinefutter Die sanitären Einrichtungen in Chan Vats Hütte

Chan Vat mit Enkeln und Nachbarin

Sie ist ganz in ihre Hausaufgaben versunken

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Besuch bei den Kolleginnen und Kollegen UNICEF-Länderbüro Beate und Jutta: Nach dem

vielversprechenden Besuch in der BORDA-School fahren wir zurück in die City, um das UNICEF-Headquarter und unsere internationalen Kollegen kennenzulernen. Das UNICEF-Büro liegt in einem Viertel mit Wohnhäusern, Villen und Restaurants. Es besteht aus zwei sich gegenüberliegenden Gebäuden mit einfachen, zweckmäßigen Büros, Pförtnerhäuschen am Eingang und grünen Höfen. Im Konferenzraum liegen vor unseren Plätzen Stapel mit Briefing-Materialien und – als Überraschung - Poloshirts und Jutetaschen mit den WASH-Regeln in Bildern und Khmer-Texten. Rana Flowers, Stellvertreterin Sua Kim, Denise Shepherd-Johnson (Leiterin Kommunikation) und weitere Mitarbeiter begrüßen uns herzlich. Rana ist Australierin, arbeitet seit 18 Jahren für UNICEF und leitet seit sechs Monaten das Länderbüro. Sie umreißt die zentrale Aufgabenstellung für UNICEF: „In den vergangenen zehn Jahren haben sich unser Auftrag und die Arbeitsweise verändert. Wir sind vor allem politisch tätig und stellen die Verbindung her zwischen den Anliegen von UNICEF und den politisch Verantwortlichen im Land.“ UNICEF sorgt dafür, dass die Rechte der Kinder berücksichtigt werden, kontrolliert und setzt sich dort ein, wo dies nicht der Fall ist. Wie arbeitet UNICEF in Kambodscha? Das Land verfügt über eine junge Bevölkerung, 41 % der Menschen sind unter 18 Jahren alt. Kambodscha war früher ein Land der Lehrer und Ärzte. Nachdem das Pol Pot Regime der roten Khmer Ende der 70er-Jahre die gebildete Mittelschicht nahezu ausgerottet hatte, wächst diese erst allmählich wieder nach. Die Schere zwischen den Lebensbedingungen der Stadtbevölkerung und der auf dem Land ist gewaltig. Die Mehrheit der Landbevölkerung lebt nur ganz knapp über der Armutsgrenze. Deshalb steht die Versorgung der ärmsten und benachteiligten Kinder und ihrer Familien und die Verbesserung der Lebensbedingungen auf dem Land für UNICEF im Fokus. Gesprächspartnerin zu sein und am Verhandlungstisch in Ministerien und Behörden Einfluss zu nehmen – so beschreibt Rana ihre Rolle. „Translate meetings in concrete results, that is 14

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our challenge.“ Ihre Stellvertreterin ergänzt, dass UNICEF die Armut, die Nöte und die Bedürfnisse der ärmsten Familien für die politisch Handelnden sichtbar macht. Schnell geraten wir in eine spannende Diskussion. Was genau ist die Rolle von UNICEF hier in Kambodscha? Denise erläutert: „Wir sind hier nicht als NGO tätig. Wir bauen keine Brunnen, sondern wir sprechen in den Verhandlungszimmern mit den verantwortlichen Regierungsvertretern und überzeugen sie. Und unsere fünf Teams in den Regionalbüros sind ganz nah an den Menschen vor Ort, sie sammeln Daten, kontrollieren die Wirkungsweise der eingesetzten Mittel und organisieren die Arbeit mit den lokalen UNICEF-Partnern. Das sind oft kleinere NGOs. Wir bewirken durch unseren Einfluss Veränderungen.“ Zum Beispiel mit dem Projekt „Social Service Mapping“. Not sichtbar machen und wirksame Hilfe für die benachteiligsten Kinder erreichen In dem Kartierung- oder Vermessungsprojekt geht es darum, die Orte mit den ärmsten und bedürftigsten Familien (mit dem Fokus auf Frauen und Kindern) zu identifizieren. Die Karten zeigen, in welchen Dörfern es an Zugang zu Gesundheitsleistungen, Bildung, Wasser und Versorgung mit sanitären Anlagen mangelt. So stellt UNICEF die Informationen bereit, mit deren Hilfe bei der Regierungsplanung Nöte und Bedürfnisse der armen Bevölkerungsteile in den Blick genommen werden und berät, wie zur Verfügung stehende Budgets effektiv verwendet werden. Die Mitarbeiter der fünf UNICEF-Regionalbüros in den bevölkerungsreichsten Gebieten –alle Kambodschaner - kennen die Nöte der Menschen. Ein Regionalbüro ist jeweils mit einer Leitung, Experten für die Programm-Schwerpunkte, einer Verwaltungskraft und zwei Fahrern ausgestattet. Das gesamte UNICEF-Team in Kambodscha umfasst rund 180 Kollegen. Wie beeinflusst man eine Regierung, die seit 30 Jahren im Amt ist (mit Hun Sen als Regierungschef und als auf Plakaten allgegenwärtigen Chef der Cambodians People Party) und als eine der 15 korruptesten der Welt gilt? Wir fragen nach.


UNICEF hat eine starke Stimme Und die Kollegen erläutern: Kambodscha ist auf dem Weg, eines der Entwicklungsländer mit „mittleren Einkommen“ zu werden. Dies ist ein strategischer heikler Punkt, denn die Ungleichheiten zwischen der städtischen Bevölkerung und den Menschen auf dem Land, den vielen Ärmsten und den wenigen Reichen sind ja nicht kleiner geworden – im Gegenteil. „Urban“ und „rural“ das unterscheidet sich dramatisch. Die Einordnung als Entwicklungsland mit mittlerem Einkommen wird die UNICEF-Arbeit noch schwerer machen, aber auch besonders wichtig. UNICEF muss die unsichtbare Verelendung der Familien sichtbar machen und sich für die Belange der ärmsten Menschen in den Dörfern gegenüber der Regierung und den gesellschaftlichen Ansprechpartnern stark machen.

Sedhta Chin (die HIV/Aids-Expertin im Länderbüro) bringt es nochmal auf den Punkt: „We are the ones who stimulate the government. They don’t regard us as a donor but as a partner who helps them work. We bring NGOs together and use their efficiency.” Wir unterbrechen unsere Diskussion und stärken uns im nahe gelegenen Rega Restaurant. Nach der Mittagspause stellen uns die Leiter der UNICEF-Programmschwerpunkte die Daten und Ziele ihrer Arbeit vor: Basic Education/ Bildung, Lokale Bündnisse für Kinderrechte / LGCR, Gesundheit und Ernährung, Child protection/Kinderschutz. In kurzer Zeit müssen wir eine Fülle von Informationen aufnehmen – denn es stehen für den Nachmittag noch zwei Projektbesuche auf unserer Agenda. Wir sind dankbar für die verteilten Briefingunterlagen. Im Verlauf der Reisewoche werden wir sie nutzen, um besser verstehen und einordnen zu können.

Das UNICEF-Länderbüro im Phnom Penh

Diskussion unter Kollegen Rana(links), Sua Kim (Mitte) und Sebastian

Wir werden erwartet

In der Gesprächspause ordnet Protokollantin Beate ihre Notizen

Die WASH-Regeln auf der Jutetasche werden uns auf der Tour begleiten

Für Fahrten über Land über Kambodschas Pisten sind die UNICEF-Autos sehr zweckmäßig

Zum Schluss noch ein offizielles Erinnerungsfoto vom Besuch im Länderbüro Projektreise Kambodscha 2013

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Versorgung für Schwangere und Babys mitten im Slum Helga:

Die UNICEF-Autos bringen uns wieder an den Rand der großen Hauptstadt. Schon aus der Ferne sehen wir die Ansammlung von Baracken und Wellblechhütten, umgeben von unendlich viel Müll. In diesem Slum leben rund 1.030 Menschen. Sie wurden 2007 zwangsweise hierher umgesiedelt. Die Regierung hatte das Land, auf dem sie in Phnom Penh wohnten, verkauft. Von dieser Praxis (relocation) hören wir in den nächsten Tagen noch häufiger. Durch von Unrat bedeckte Gassen geht es zum Ziel unseres Besuchs: eine Gesundheitsstation. Eine Schar Mütter mit Babys und Kleinkindern wartet auf Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen. Impfen, wiegen und beraten An einer Waage hängt ein Wäschekorb, in dem die Kleinkinder gewogen werden. Die Ergebnisse werden in einem „Kinderpass“ festgehalten. Die Mütter werden über Hygiene und Gesundheit aufgeklärt. Es ist nicht einfach, sie zu erreichen. Viele kommen erst beim zweiten oder dritten Kind, um die Ratschläge zu befolgen. Die Gesundheitshelferinnen (viele arbeiten ehrenamtlich) suchen die werdenden Mütter regelmäßig auch zu Hause auf.

Der Wohnort für über tausend Menschen

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Wir besuchen Chum Keo in ihrem Verschlag, der mit einer roten Zahl gekennzeichnet ist. Sie ist 41 Jahre alt und hat schon drei Fehlgeburten gehabt. Nun ist sie im 9.Monat schwanger und schon zwei Wochen über die Zeit. Für eine normale Geburt in der Klinik muss sie 100 US-Dollar bezahlen, bei Komplikationen steigt der Preis. Die Kosten für einen Kaiserschnitt wird sie wohl nicht tragen können. Die Gesundheitshelferin zeigt der Hochschwangeren in einem Ordner Bilder über eine gesunde Geburt und die notwendige Hygiene. Wir sehen die Reaktionen der Frau und bezweifeln, ob sie die Anweisungen wirklich versteht und ob sie in der Lage ist, sie zu befolgen. Unerträgliche sanitäre Verhältnisse Nun laufen wir durch die allerübelste Gegend. Auf einem Abwasserrohr balancieren wir über einem stinkenden Kanal, in dem es von Unrat wimmelt. Woher der Geruch kommt ist klar: hier gibt es keine einzige Toilette!


M채dchen vor H체tte

Protokollantin Helga in der Wartschlange

Die Gesundheitshelferin impft gegen Kinderkrankheiten

Die Untersuchungsergebnisse und Impfungen werden im Kinderpass festgehalten

Geburtsberatung bei Chum Keo

Hierin werden die Kinder gewogen

Der Weg durch den Slum ist manchmal ein Balanceakt Projektreise Kambodscha 2013

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Dienstag, 22. Januar, vormittags

Die Schultoiletten sind Vorbild für die Dörfer – und Kinder gute Lehrer Werner:

Wir verlassen Phnom Penh um 7.00 Uhr. Die Nationalstrasse in die Provinz Kampong Cham wird repariert, die Autos quälen sich über kilometerlange Schotterund Staubstrecken. Die Sicht ist zeitweise so schlecht, dass man das 20 Meter vorweg fahrende Fahrzeug nicht sehen kann. Um 11.00 Uhr erreichen wir die Bunrani Hunsen Grundschule im Dorf Bang Traw. Sie ist ein Musterbeispiel für die Umsetzung des UNICEF-WASH-Programms.

kelkinder, die sie tagsüber betreut. Die Toilette der Familie wurde vor ein paar Tagen fertig, die Nachbarn haben beim Bau geholfen. Chea Sophal hat bereits 50 US-Dollar in das Material investiert. Das waren ihre Ersparnisse. Nun fehlt der Toilette noch ein kleines Haus als Sichtschutz. Auch einen Wasserbehälter zum Händewaschen mit Seifenpulver möchte sie noch aufstellen. Bisher nutzen alle den großen Wasserbottich vor dem Haus zum Waschen, Baden und für den Haushalt.

Der Schuldirektor, neun Lehrer und fast alle 250 Schüler (6 und 12 Jahre alt) empfangen uns in ihren weiß-blauen Schuluniformen. Im vergangenen Jahr wurden sechs verschließbare Toiletten errichtet. Die Jungen benutzen die beiden linken Häuschen, daneben das Häuschen für den Lehrer. Rechts sind die beiden Toiletten für die Mädchen und eine dritte, die die Lehrerinnen und ein behindertes Kind benutzen. Das Wasser wird aus dem Teich und einem Brunnen zu den Behältern in den Latrinen getragen - und dort spült man dann mit der Schöpfkelle runter.

Kinder sprechen offen über Klos Es ist Chea Sophal etwas peinlich, mit uns über ihre Latrine und über Hygiene zu sprechen. Die Enkelin erzählt dagegen ganz stolz von den Toiletten in ihrer Schule. Sie weiß, wie sie sich nach dem Toilettengang die Hände richtig wäscht und singt uns noch einen Händewasch-Song vor. Vermutlich hat sie ihre Großmutter davon überzeugt, eine Toilette zu bauen und nicht mehr hinter dem Haus im Waldstück ihr Geschäft zu verrichten. Und dass die Nachbarin bereits „eine schöne Toilette“ hatte, hat Chea Sophal ebenfalls angespornt – so funktioniert sozialer Druck!

Mustergültige Toiletten hat die Schule – aber keinen Wasserspeicher Spätestens im März sind Teich und Brunnen ausgetrocknet. Dann muss Wasser gekauft werden: 2000 Liter Wasser kosten 4 US Dollar. Die Gemeinde trägt einen Teil, aber auch die Schüler müssen sich beteiligen. Der größte Wunsch von Schulleiter Thou Ratana ist die Installation einer Pumpe und eines Wasserreservoirs, die kontinuierliche Versorgung der Schule sicherstellt. Alle Schulkinder leben in Ban Traw und anderen umliegenden Dörfern, so dass ein normaler Schulweg etwa zwei Kilometer lang ist. Wir wollen uns noch die sanitären Verhältnisse der Familien anschauen. Zu Besuch bei Frau Sophal Susanne: Wir treffen Frau Chea Sophal. Sie ist 60 Jahre alt, hat sieben Kinder und zwei En18

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Das Trinkwasser holt die Familie am Brunnen vor dem Haus. Sie kochen es immer ab. Auf unsere Nachfrage erfahren wir von unseren UNICEF-Begleitern, dass der Brunnen viel zu hohe Arsenwerte aufweist. Darüber haben Chea Sophal und Nhoung Sophy nicht gesprochen – ob sie wohl wissen, was dies bedeutet? „ODF“ heißt das Ziel für Dörfer und Kommune In Bang Traw verfügen bisher 36 von 473 Haushalten über eine eigene Toilette. Der Dorfvorsteher tut sein Bestes, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Aber es gibt für ihn noch viel zu tun. Sein Kollege aus dem Nachbardorf mit dem schönen Namen Kaoh Ta Ngo Ti Pi hat bereits den ODF-Status (Open Defecation Free)


Wernerhält den Zustand der Toiletten im Tagesprotokoll fest

Links für Jungen und rechts für Mädchen...

_und sofort danach zum Händewaschen

Vor dem Klassenzimmer

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erreicht. Am Ende unseres Rundgangs dort treffen wir eine alte Dame, die voller Stolz ihre Toilette präsentiert: es ist ein einfaches Loch im Boden, mit Holzdeckel verschlossen, aber sorgfältig mit einem Paravent aus bunten Tüchern verkleidet. Wie viele andere Dörfer liegt auch Kaoh Ta Ngo Ti Pi im Überschwemmungsgebiet von Mekong und Tonle Sap. In der Regenzeit steht rund um die Hütten alles knietief unter Wasser. Dann werden die Latrinen abgedeckt. Sie sind ein guter Anfang, um durch Bakterien übertragene Krankheiten zurückzudrängen. Aber wir fragen uns, ob bei den Überschwemmun-

gen die in der Grube angesammelten Fäkalien nicht doch herausgeschwemmt werden und den Boden kontaminieren. Am Ende dieses Vormittags haben wir die wichtige Rolle der Gemeinde-Bürgermeister für das Funktionieren des WASHS-Programms verstanden. Zu den Themen Gesundheit, Wasser, sanitäre Anlagen, Bildung und Kinderschutz geschult und überzeugt, geben sie ihr Wissen auf der untersten Verwaltungsebene an die Dorfvorsteher weiter. So funktioniert die Kette, die zum ODF-Status führt.

Nach der Regenzeit trocknet der Brunnen aus

Im Gespräch mit Oma und Enkelin.

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Das Aufklärungsplakat hängt in jedem Haus


Eine nagelneue Latrine - es fehlt nur noch der Sichtschutz

Protokollantin Susanne schaut genau hin

Hier werden die Mahlzeiten zubereitet

Nhoung Sophy demonstriert das H채ndewaschen

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nachmittags –

Mönche beraten AIDS-Kranke und ein Mädchen, das uns beeindruckt Beate und Babette: Auf der

Fahrt zur Pagode gibt uns Meas Molika, Kinderschutzexperte im Länderbüro, erste Informationen über die „Buddhist Leadership Initiative (BLI)“. 90% der Bevölkerung Kambodschas sind Buddhisten. Die Mönche sind Vertrauens-, Respekt- und Repräsentationspersonen und genießen hohes Ansehen. Im BLI-Projekt unterstützen sie HIV-Infizierte und an Aids erkrankte Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene. HIV-Infizierte leben in Kambodscha meist zurückgezogen, in Angst vor Diskriminierung, oft von Depressionen geplagt. Die Mönche betreuen in der Provinz Kampong Cham zurzeit 240 Waisen und gefährdete Kinder (106 Mädchen/134 Jungen). Viele dieser Kinder sind selbst infiziert oder haben ihre Eltern durch AIDS verloren. Wie machen die Mönche die Kinder und Jugendlichen für ihr Leben mit dem Virus stark? Die Sdeung Chey Pagode ist ein großes Gebäude, an drei Seiten offen, prächtig bunt und gold verziert. Die überdachte Terrasse wird von Säulen gesäumt. Deren Rückseite bildet ein mit Buddhastatuen und Blumen geschmückter Altar. Davor verbreiten Räucherstäbchen ihren angenehmen Duft. Es herrscht eine entspannte friedliche Stimmung, Vogelgezwitscher ist zu hören. Zwei, in ihr orangefarbenes Gewand gehüllte Mönche sitzen vor dem Altar. Gebete, Lebensregeln und Meditation Einer der beiden Mönche arbeitet an einem Laptop, sein Handy liegt griffbereit daneben. Außer uns nehmen rund 20 Männer, Frauen und Kindern an der Zeremonie teil. Wir sitzen auf bunten Strohmatten. Tee wird serviert. Etwas befangen schauen wir auf die von der Krankheit gezeichneten Menschen und sind berührt, mit welcher Hingabe sie den Mönchen lauschen. Einer der Mönche beginnt ein Gebet, das er im Wechsel mit der Gruppe spricht. Danach trägt er gebetsmühlenartig und mit

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monotoner Stimme vor - es klingt ähnlich wie das Rosenkranzbeten in der katholischen Kirche. Worum geht es in seinen Ratschlägen? Wir lauschen der Übersetzung: ehrlich zu sich und zu anderen sein, an sich glauben, selbstbewusst sein, innere Ruhe finden. Jeder Mensch soll achtsam und eigenverantwortlich leben, lautet die Botschaft. Niemand soll sich auf Wohltaten anderer verlassen oder gar verlangen, dass ihm Reiche helfen. Weitere Ratschläge lauten: keinen Alkohol trinken, auf Hygiene und Sauberkeit achten und alten Menschen, den Mönchen und allen Mitmenschen mit Respekt begegnen. Die Mönche mahnen auch, sich regelmäßig in Meditation zu üben, um Ruhe und Gelassenheit zu finden, den Geist frei zu machen und Motivation, Energie und Wachheit zu gewinnen. „Jeder einfache Mensch trägt, wenn er gute Gefühle hat, den König in sich“. Die Hände ineinandergelegt sammeln wir uns und verharren in der Stille. Die Treffen helfen HIV-Infizierten zurück ins Leben Nun folgt der Vortrag von Chea Sarteh, dem stellvertretendem Direktor der Kultur- und Religionsbehörde, über das Leben mit dem HIV-Virus. Es geht recht fröhlich dabei zu, es wird herzlich gelacht. Auf einem Flipchart hat Chea Sarteh „goldene Regeln“ für den Alltag mit AIDs aufgeschrieben. Zusammengefasst geht es darum, aktiv am Leben teilzunehmen, sich gut zu ernähren, auf Hygiene zu achten und regelmäßig und pünktlich die Medikamente einzunehmen. Wir erfahren, dass einige aus der Gruppe schon seit 2006 an den Treffen teilnehmen. Sie kommen aus einem Umkreis von bis zu sieben Kilometern mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit dem Bustaxi. UNICEF finanziert Fahrtkosten und Schulungsmaterial des Projekts. Die Mönche besuchen auch die Schulen der Provinz und klären dort über AIDS/HIV auf. Über die Schulkinder erfahren Familien und Nachbarn,


Die schöne Sdeung Chey Pagode

Treffen in der Pagode

Sebastian lässt sich das Konzept erklären

Schuhe-aus ist obligatorisch

Chea Sarteh gibt Regeln und Ratschläge

Die Mönche machen auch Hausbesuche Projektreise Kambodscha 2013

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was AIDs bedeutet und worauf man im Umgang mit den Erkrankten achten muss. Das Projekt hat Erfolg: durch die Aufklärungsarbeit leben die Betroffenen aktiver und gesünder und die Diskriminierung durch ihre Umgebung hat spürbar abgenommen. Hem – ein tolles Mädchen Das zeigt uns die Begegnung mit Hem Srey Khcuch. Wir besuchen das 15jährige Mädchen in ihrem Dorf. Sie wurde bei ihrer Geburt mit HIV-infiziert und nimmt seit 2006 am BLI-Projekt teil. Hem führt uns zu dem Haus, in dem sie mit ihrer 85-jährigen Ur-Großmutter lebt. Die betagte Frau beeindruckt: ganz aufrecht steht sie da, mit kurzen grauen Haaren und geschminkten Lippen. Als Hem fünf Jahre alt war, starb ihre Mutter an AIDS. Ihr Vater ist

verschollen. Heute ist sie eine hervorragende Schülerin in der 9.Klasse. Sie unterstützt ihre Ur-Großmutter bei der Hausarbeit und verkauft nach der Schule Obst. Sie versichert, dass ihr genug Zeit für Schule und Hausaufgaben bleibt. Alle zwei Monate fährt sie zur Untersuchung und Behandlung nach Phnom Penh. Sie zeigt uns ihr Untersuchungs-Kontrollheft, in dem alle Behandlungen und Medikamentendosierungen dokumentiert sind. Behandlung und Medikamente sind für sie kostenfrei, ihre Fahrtkosten werden von UNICEF übernommen. Nachdenklich und voll Bewunderung über ihre Zielstrebigkeit und Disziplin verabschieden wir uns von der 15jährigen, die für ihr Alter viel Verantwortung trägt und mutig mit ihrer Krankheit umgeht.

Wir treffen Hem Srey Khcuch

Hem und ihre Ur-Großmutter umrahmt von unseren Protokollantinnen

Hems Untersuchungsheft

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Meditations端bung

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nachmittags

Core-Mothers übernehmen die Vorschulerziehung Petra: Kaum sind wir im Dorf Nekta

Sneung aus unseren Autos geklettert, empfangen uns 20 Kinder im Vorschulalter. Sie singen vom Händewaschen und dem Bananenbaum, ziehen im langen Zug hintereinander über den Hof. Die zuschauenden Eltern, Projektleiter, Betreuer und wir Gäste sind begeistert. Die Kinder ziehen sich zum Malen auf eine Bastmatte zurück. Wir setzen uns auf rote Plastikstühlchen und führen das Gespräch mit den Projekt-Beteiligten. UNICEF startete das Core-Mother-Projekt 2011. Es macht Kinder im Vorschulalter „ready for school“. Ohne Vorbereitung können Kinder dem Unterricht in der ersten Klasse nicht folgen, müssen Klassen wiederholen oder brechen die Schule ab. Die Mütter lernen, wie sie ihre Kinder auf den Schulbesuch vorbereiten können. Es geht um einfache Dinge: einen Stift richtig halten, Feinmotorik beim Malen, Zählen bis Zehn, grobmotorische Bewegungen durch Tanz und Rhythmik. Im Training erfahren die Eltern, was und wie sie mit ihren Kindern zu Hause üben. Schulungen im Kaskadenmodell An der Spitze steht die Core-Mother („core“ steht für Kern oder Mitte). Sie hat ein 2tägiges Training absolviert und leitet fünf Mütter als Teamleiterinnen an, die ihrerseits Gruppen von je fünf Müttern trainieren - so erreicht und schult man schnell 25 Frauen. In der Kommune Beoung Nau nimmt die Hälfte aller Mütter an den kostenfreien Treffen teil. Sie werden in den fünf zur Gemeinde gehörigen Dörfern durchgeführt. In 13 von 17 Distrikten der Provinz läuft das Projekt schon. Trainingsmaterial ist zum Beispiel der „Lernkalender“. In vielen Bildern erklärt er, was Kinder in welchen Lebensmonaten und -jahren lernen und können sollten. Er gibt den Müttern auch

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ganz praktische Hinweise für ihren Tagesablauf, zur Zubereitung der Mahlzeiten, zur Toilettenbenutzung, zu Benutzung von Zahnbürsten und zum Haarekämmen. „Wir brauchen mehr Kalender“, geben sie uns mit auf den Weg. So wie wir bei UNICEF, arbeiten auch hier die Unterstützer vor Ort ehrenamtlich. Wir sind neugierig: Was bewegt eine gestandene Frau wie Long Yeath, sich als Core-Mother zu engagieren? Sie hat schon sieben Kinder groß gezogen und findet gut, dass sie so noch mehr Kindern Bildung, soziale, mentale, aber auch moralische Kompetenzen mit auf den Lebensweg geben kann. Werden auch behinderte Kinder gefördert? Wir erfahren, dass Kinder mit Behinderungen in die „normalen“ Gruppen integriert sind. Ursula, die eine Schule für benachteiligte Kinder leitet, berichtet über das deutsche Modell, in dem behinderte Kinder gezielte Anleitung durch ausgebildete, fähige Lehrer und in kleinen Klassen bekommen. Hovn Thavy, die Vertreterin der zuständigen Provinz-Behörde, notiert die Anregungen. Die Verabschiedung ist herzlich. Nach knapp zwei Stunden steigen wir wieder in die Autos, nach allen Seiten winkend geht’s es weiter. Wir verlassen das Treffen mit dem guten Gefühl, dass Spendengelder hier gut angelegt sind!

Die Kinder tanzen ein Willkommen


kleine Dankeschöns

Coremother Long Yeath leitet andere Mütter an

Der Lernkalender zeigt, was Vorschulkinder können sollten

Malen gehört zu den Vorschulkompetenzen

Petra macht ihre Notizen fürs Tagesprotokoll

Projektreise Kambodscha 2013

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Mittwoch, 23. Januar, vormittags

Schleichendes Gift im Schulbrunnen Petra: Susanne:

Auf der Fahrt durch die Provinz Kampong Cham informiert uns Lork Chamroeun (UNICEF-WASH-Expertin) über die Situation der Grundschule im Dorf Koah Mitt, die wir besuchen werden. Das Wasser in den Brunnen dieser Region ist stark arsenverseucht. UNICEF wird in dieser und weiteren 60 Schulen der Provinz Regenwasserauffangsysteme als alternative Wasserquellen installieren. Die Schule ist relativ klein (103 Schüler von der 1. bis 6. Klasse plus die Kinder vom angeschlossenen Kindergarten), die Gegend arm. Viele Familien sind abgewandert, da die Region von Bodenerosion betroffen ist. Im letzten Jahr wurden nur zwölf Kinder geboren. Außerdem leiden einige Dorfbewohner bereits unter sichtbaren Hautkrankheiten, die das arsenhaltige Wasser verursacht hat. Die Ärzte behandeln zwar die Symptome, doch sie bagatellisieren das Problem und verschreiben Salben. Dann verschwinden die Ausschläge für kurze Zeit, nach einigen Tagen tauchen die roten, schwülstigen Narben wieder auf. Arsen führt langfristig zu Erkrankungen der Organe, später zu Krebs. „Arsen ist ein unsichtbares Monster. Man kann es nicht sehen, riechen oder schmecken,“ klagt Schuldirektorin Sun Si Horn. Arsen kommt natürlich in tiefen Gesteinsschichten vor. Werden Brunnen gebohrt, gerät es ins Grundwasser. Nur ein Brunnen im Dorf hat arsenfreies Wasser Sun Si, das Lehrerkollegium (8 Männer und 4 Frauen) und der Leiter des Dorfkomitees beschreiben uns die Situation der Schule: Das arsenverseuchte Wasser aus dem Brunnen - von australischen NGOs gebaut - kann nur für die Latrinen genutzt werden. Viele Kinder bringen ihr Trinkwasser von zuhause mit. Doch auch das ist häufig mit Arsen belastet. Der Schule und dem ganzen Dorf steht nur ein arsenfreier Brunnen zu Verfügung - und dieser ist Kilometerweit entfernt. Um Trinkwasser 28

Projektreise Kambodscha 2013

zu holen, fahren die Schüler der 6. Klasse mit Wassertanks - auf Fahrrädern montiert – die sechs Kilometer weite Strecke hin und wieder zurück. Das braucht Stunden und ist für die Kinder anstrengend – außerdem verlieren sie viel vom kostbaren Wasser auf den holprigen Wegen. Der von UNICEF versprochene Regenwassertank wird große Erleichterung bringen, sagt die Schuldirektorin. Das Regenwasser wird in den Klassenräumen durch einfache Keramikfilter laufen und kann dann gefahrlos getrunken werden. Schulkinder sind gute Lehrer Die Lehrer zeigen uns die UNICEF-Aufklärungsplakate. Rote Farbe auf den Brunnenrohren heißt: Dieser Brunnen ist arsenverseucht! Das Wasser darf nur zum Händewaschen, zur Bewässerung der Felder oder für die Latrinen benutzt werden! Grün bedeutet: Dieses Wasser ist frei von Arsen, man kann es trinken oder zum Kochen verwenden. Ihre Kenntnisse über die Gefahren des giftigen Wassers tragen die Kinder in ihre Familien- sie wirken als .Multiplikatoren und verbessern die gesundheitliche Situation aller Menschen im Dorf! Wir nehmen uns die Zeit, in alle Klassen zu schauen. Die Bemalung in den Räumen erinnert an deutsche Schulen. Wir erfahren, dass australische Kunststudenten am Werk waren. Einige Schüler der 6.Klasse beeindrucken mich ganz besonders. Zwei treten vor und fragen auf Englisch: „Wie heißt du? Woher kommst du? Wie geht es dir?“ Ich unterhalte mich mit Hilfe der Übersetzerin mit Soun Sun Tearo. Er ist elf Jahre alt. Sein großer Wunsch ist es, auf die Secondary School zu gehen. Doch er muss seinen Eltern am Nachmittag auf den Feldern helfen. Zum ersten Mal habe ich Gelegenheit, einige Fotos meiner Familie und meines elfjährigen Sohnes zu zeigen. Wir unterhalten uns über Schulen in Deutschland, Hausaufgaben und natürlich über Fußball!


Rot angestrichene Brunnen sind arsenverseucht.

Das Wasser des Schulbrunnes kann nur als Brauchwasser genutzt werde

Das Brunnenrohr ist 13 m tief

Protokollantin Susanne zeigt Fotos von zu Hause

Eine Wasserkette von Brunnen zu Latrine

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Wasserkette und Tattoo-Akkord Dann begutachten wir die Schul-Latrinen. Unter Aufsicht eines Lehrers holen die Sechstklässler das Wasser aus dem 13 m tiefen Brunnen, bilden eine Kette und füllen es in das Leitungssystem zur Latrine, bis die Tanks für die Wasserhähne und Toilettenspülungen gefüllt

sind. Mittlerweile hat sich eine große Schar von Schülern um uns versammelt. Wir holen die mitgebrachten UNICEF Tattoo „Wasser wirkt“ heraus und verbringen die nächste halbe Stunde damit, im Akkord Tattoos auf Schülerarme zu kleben!

Ein bunt bemaltes Klassenzimmer

Schüler im Klassenzimmer

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Projektreise Kambodscha 2013

Anstellen für ein Wasser wirkt-Tattoo


Vorschule macht Lust aufs Lernen

Mariele:

20 bis 25 Kinder besuchen die Preschool im Dorf Trapeng Tbal, heute sind 18 gekommen. Wir schauen zu, wie die Lehrerin den Unterricht gestaltet. Sie sagt die Namen der Monate des Jahres und zeigt dabei auf die passenden Khmer-Wörter auf den Plakaten. Auch wie man die Kringel der Khmer-Schrift zeichnet, üben die Vorschulkinder schon. Sie lernen Buchstaben kennen und üben sich im Lesen. Zwei behinderte Kinder sitzen ebenfalls im Stuhlkreis. Sie werden in den Unterricht integriert und bekommen leichtere Aufgaben: Zeig uns Deine linke Hand und zeig uns Deine rechte Hand! Wo ist oben und wo ist unten?

Vorschulklasse beim Unterricht

Zwei Stunden pro Tag machen fit für die Grundschule In der bevölkerungsreichen Provinz Kampong Cham (1,8 Mio Einwohner) haben nur 38 % der Kinder Zugang zum Vorschulunterricht. Kinder die eine Vorschule besucht haben, haben es später viel leichter, dem Unterricht in der Grundschule zu folgen und ohne Angst in die Schule gehen. Die Lehrerin unterrichtet Montag bis Freitag jeweils zwei Stunden am frühen Vormittag. Der Vertreter der zuständigen Behörde berichtet stolz, dass die Kinder auch abwechselnd von einem Mann unterrichtet werden. So ist der Lehrer gleichzeitig ein Vorbild für die Jungen, diesen Beruf vielleicht selbst zu ergreifen. Srey Roth und Kuy Ny erzählen mir von ihrem Schulalltag – und was sie danach machen. Zunächst holt sich jedes Kind einen Stuhl, sie bilden einen Kreis und dann geht es ans Lernen. Kuy erzählt, dass er schon viele Buchstaben kennt und dass die Kinder oft spielen dürfen. Er kommt gerne in die Vorschule und möchte später in der „richtigen“ Schule noch mehr lernen. Auch Srey freut sich jeden Tag auf den Unterricht. Sie möchte Lehrerin werden. Wenn sie nach Hause kommt, wäscht Srey das Geschirr ab, Kuy muss dann Feuer holen. Hausaufgaben haben sie keine.

Khmer Kringel zu malen ist gar nicht so einfach

Erste Erfahrungen mit Stiften und Papier Projektreise Kambodscha 2013

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UNICEF stattet die Klassenräume aus UNICEF arbeitet seit 2011 in dieser Provinz daran, allen Kindern Vorschulunterricht zu ermöglichen. In Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden auf Provinz- und auf kommunaler Ebene dringt UNICEF auf den Ausbau des Preschool-Systems, stellt Lernmaterialien zu Verfügung und sorgt für die Räumlichkeiten und deren Ausstattung mit Stühlen, Tischen und Tafeln. In jeder Vorschule werden Wasserfilter aufgestellt. Der Besitzer des Hauses, in dem die Vorschule in Trapeng Tbal untergebracht ist, hat auch für eine Latrine gesorgt. Die Hände waschen sich die Kinder in einem Bottich. Die Versorgung mit Wasser ist ein Problem, es muss gekauft und mit dem Fahrrad hierher transportiert werden. Zwei Wasserpakete braucht die Vorschule pro Tag, sie kosten 1.000 Riel, das sind ungefähr ein Viertel US Dollar. Nachdem UNICEF die Preschool -Kampagne in Kampong Cham gestartet hatte, wurden Lehrer gesucht, aber nur wenige Freiwillige meldeten sich. Die Lehrkräfte bekommen eine Grundausbildung und müssen danach jeden Monat an einem weiteren Lehrgang teilnehmen. 12 Dollar erhalten sie monatlich von UNICEF und 13 weitere Dollar kommen aus kommunalen Mitteln.

Eine Rinne für das kostbare Regenwasser - aber es hat lange nicht mehr geregnet

Mariele befragt Kuy Ny und unser Kollege Sophorn übersetzt

Bevor wir uns von den Kindern verabschieden, zieht Werner noch eine Überraschung aus der Tasche. Er zaubert Seifenblasen – die beiden behinderten Jungen springen besonders ausgelassen in die Luft, um die Bläschen zu fangen. Werner zaubert mit Seifenblasen

Alle Kinder auf der Welt fangen gerne Seifenblasen

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nachmittags

Porridge ist gut gegen Mangelernährung Helga und Babette: Wie UNICEF die Mangelernährung bei Kleinkindern bekämpft, erkunden wir bei unserem Besuch in Thormanek, einem Dorf in der Provinz Kampong Thom. 10 bis 15 % der Neugeborenen in Kambodscha sind schon bei der Geburt unterernährt, die Zahl der mangelernährten Kinder im Alter von 6 bis 20 Monaten hat sich dramatisch erhöht. Unsere UNICEF-Begleiter erklären uns, dass viele Schwangere bereits unterernährt sind und die Babys neben der Muttermilch keine geeignete zusätzliche Nahrung bekommen. Kambodschanische Mütter füttern ihre jüngsten Kindern meist nur mit Reisbrei, auch wenn andere Nahrungsmittel zu Verfügung stehen. Und die Nährstoffe im Reisbrei sind ungeeignet bzw. reichen für die gute Entwicklung des Kindes nicht aus. UNICEF hat 2012 eine dreijährige Aufklärungskampagne gegen Mangelernährung gestartet. Radio und Fernsehen werden genutzt, aber noch wichtiger sind dabei die lokalen Gesundheitshelfer in Dörfern und Gemeinden. Wir nehmen an einer „Child health fair“ in Thormanek teil. Die beiden Gesundheitshelfer des Dorfes (ein Mann und eine Frau) haben viele Mütter vorher zu Hause besucht und zu dem kostenlosen Treffen eingeladen. So kocht man nahrhaften Brei Die Hitze an diesem Nachmittag scheint den rund 20 versammelten Müttern nichts auszumachen. Das Treffen findet unter dem auf Stelzen gebauten Haus vom Bürgermeister der Kommune statt. Zum oberen Raum führt eine Treppe, der schattige Platz unten ist nach allen Seiten offen, so dass Wind hereinweht. Auf dem Sandboden liegen Bastmatten, auf denen Mütter, Kinder, Großmütter und Enkel dicht gedrängt barfuss sitzen. Die Schuhe bleiben in Kambodscha immer draussen. Väter sind nirgendwo zu sehen. An der Seite ist ein Werbebanner befestigt, das auf das Treffen aufmerksam macht. Auf der gegenüberliegenden Seite ist eine Leinwand aufgespannt

und verschiedene Lehrposter befestigt. In der Mitte kniet die Leiterin des Treffens, umgeben von Laptop plus Beamer für Film und Vortrag. Daneben stehen eine Kochplatte mit einem riesigen Kochtopf, eine Waschschüssel, Lebensmittel und alle notwendigen Küchenutensilien zum Vor-und Zubereiten eines gesunden, vitaminreichen und nahrhaften Porridge für die Kleinkinder. Grundzutaten sind Reis und Wasser. Um die richtige Konsistenz zu erhalten, muss der Reis mindestens eine Stunde kochen und dann wird er mit kleingeschnittenem, frischem Gemüse angereichert. Völlig unbeeindruckt von Lärm und Unruhe durch die vielen Kinder wird hier vorgetragen, zugehört, werden interessiert Fragen gestellt und die Kochvorführung gespannt verfolgt. Schließlich ist das Porridge fertig und für alle Babys in der Runde gibt es eine gute Portion. Schön für uns, das Lächeln der Mütter beim Füttern ihrer Kindern zu sehen. Die Gesundheitshelfer erreichen auch kranke Kinder und Schwangere Im Gespräch mit den Frauen wird deutlich, wie dankbar sie für die Informationen sind. Viele Anregungen werden sie in im Alltag anwenden. Sicher kommen manche Frauen auch, um anschließend gleich ein Essen für die Familie mit nach Hause zunehmen. Schließlich ist es aufwändig, regelmäßig so gesund zu kochen. Die Mütter sind oft zehn Stunden außer Haus zur Arbeit und dann wird die Zeit für die Zubereitung knapp. Es dauert schließlich eine Stunde. Ein Verbesserungsvorschlag Andere kaufen Porridge (allerdings ohne Gemüse) fertig auf dem Markt, wieder andere sagen, dass sie kein Geld für den Kauf von Gemüse haben. Wir fragen, ob es nicht die Möglichkeit gibt, dass eine Frau Porridge für mehrere Haushalte kocht und dann an die anderen verkauft. Vanny Ung, unsere UNICEF-Kollegin, freut sich über die Frage. Sie hatte die Projektreise Kambodscha 2013

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legin, freut sich über die Frage. Sie hatte die gleiche Idee und versucht schon seit einiger Zeit, die Frauen hierzu zu motivieren. UNICEF trägt die Kosten für Aufklärungsmaterial und die Lebensmittel bei den Kochvorführungen. Bei den Veranstaltungen und ihren Hausbesuchen erreichen die Gesundheitshelfer auch Familien mit kranken Kindern und leiten notwendige Schritten ein. Alle schwangeren Frauen werden aufgefordert, sich auf AIDS/HIV testen zu lassen, auch diese Test werden von

UNICEF gefördert. Sind sie positiv getestet, werden Mütter und auch die Kinder medikamentös behandelt. Die Vertreter von UNICEF treffen sich viermal im Jahr mit beteiligten Provinzbehörden, um die Aufklärungsarbeit zu planen. In welchen Dörfern die Veranstaltungen durchgeführt werden entscheiden dann die Gesundheitszentren und die Behörden gemeinsam.

Mütter wollen lernen ihr Kinder gesund zu ernähren

Gesundheitshelferinnen demonstrieren die Porridge-Zubereitung

Kleine Erfrischung zwischendurch

Jetzt darf gekostet werden

_ und noch ein Löffelchen für Mami

Protokollantinnen Helga und Babette bei der Arbeit

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Projektreise Kambodscha 2013


Als Dankeschรถn gibts Luftballons

Projektreise Kambodscha 2013

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Task Forces erreichen besonders benachteiligte Kinder Sonia:

Seit 2011 arbeiten auf UNICF-Initiative in der Provinz Kampong Thom sog. „Orphans and vulnerable Children Task forces“. Sie organisieren Ressourcen, sensibilisieren für das Thema und beraten die Gemeinden, wie sie Hilfe für besonders benachteiligte Kindern zur Verfügung stellen können. Die Kommune Kor Koh liegt zehn Kilometer von der Provinzhauptstadt Thom entfernt. Sie besteht aus zehn Dörfern mit insgesamt 11.592 Einwohnern, 41 % sind Kinder. Wir treffen vier Gesprächspartner aus der Task Force und vom örtlichen Komitee für Frauen und Kinder. Unsere Gesprächspartner wirken etwas verunsichert, es wird viel geflüstert, Papiere müssen noch aus dem Kofferraum geholt werden. Dann wird uns berichtet. Es folgen so viele Informationen, Zahlen und Strukturen, dass sie auch ohne gefühlte 35 Grad im Schatten ermatten würden. Während jemand berichtet und Chivith - unser Begleiter aus dem UNICEF-Regionalbüro - übersetzt, mache ich seitenweise Notizen. Aber wir brauchen dieses Hintergrundwissen um zu verstehen, wie Unicef Entscheidungen beeinflusst und welche Unterstützung den Kindern angeboten wird.

Kategorie

Projektreise Kambodscha 2013

Statistik gehört dazu Benachteiligung und Gefährdung von Kindern wird in 10 Kategorien gemessen und identifiziert. Wir erfahren die Zahlen in der Gemeinde Kor Koh:

Beschreibung

1

Waisen (Kinder ohne Vater)

2

Anzahl

Davon Mädchen

127

66

Waisen (Kinder ohne Mutter)

63

26

3

Vollwaisen

20

7

4

Kinder mit Behinderung

16

2

5

Straßenkinder

1

0

6

ausgesetzte Kinder

3

1

7

Extrem arme Kinder

152

65

8

Opfer sexuelle Ausbeutung

0

0

9

Kinder, deren Familienmitglieder mit HIV/Aids infiziert sind

10

8

10

selbst mit HIV/Aids infizierte Kinder

4

0

396

175

Gesamt 36

Wie arbeitet eine Task force? Die Task Force bilden Vertreter verschiedener Verwaltungsebenen: von den kommunalen Komitees für Frauen und Kinder, von den zur Provinz gehörigen Gemeinden und Vertreter aus dem Distriktrat. Eine Task Force hat oft 60 Mitglieder Man trifft sich alle drei Monate, um über finanzielle und materielle Unterstützung zu beraten. In kleineren Gruppen auf Gemeindeebene berät man sich monatlich. Bei diesen Treffen geht es zum Beispiel um die Versorgung von Schulen mit Wasser und Latrinen, aber auch um die Versorgung der Preschools. In der Gemeinde Kor Koh sind das 7 Preschool-Klassen mit 140 Kindern. Ein weiteres Thema ist der Zugang zu Gesundheits-Dienstleistung, vor allem für Schwangere. Das Gremium ist auch dafür zuständig, die besonders benachteiligten Kinder lokal und im Distrikt zu identifizieren.


Wir nehmen an einem Treffen der Task Force teil

Die Vorsitzende des örtlichen Frauenkomitees (rechts) und die Sozialarbeiterin

Sonia führt das lange Protokoll

Das Haus, in dem Mony und seine Großmutter leben

Kollege Chivith fragt die alte Dame wie es Mony in der Schule geht Samphos, 14 Jahre Projektreise Kambodscha 2013

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Schnell wird klar, wie sich Benachteiligung in dieser Gemeinde äußert. Und genau so schnell kann man ausrechnen, dass etwa 8% der Kinder von Kor Koh gefährdet und benachteiligt sind. Manche Kinder werden als „besonders gefährdet“ eingeschätzt. Ihre Daten werden an die übergeordnete Social Affairs-Behörde gegeben, damit die Task Force schnell aktiv wird und Unterstützung organisiert. Beim ersten Besuch in der Familie wird festgestellt, was gebraucht wird. Beim nächsten Besuch werden die fehlenden Ressourcen zur Verfügung gestellt. Diese Services und Hilfeleistungen kommen von NGOs, wie z.B. dem Roten Kreuz, Worldvision oder buddhistische Initiativen. Sie versorgen Kinder mit Schulmaterialien und Essen. Viele Involvierte – eine Sozialarbeiterin Bisher klingt es so, als wären sehr viele Personen involviert. Ich frage nach, wie viele Mitglieder der Task Force direkten Kontakt zu den Kindern haben. Und höre, dass nur fünf für die Kinder selbst zuständig sind, und sich eine einzige Sozialarbeiterin um die 396 benachteiligten Kinder direkt kümmern muss. Gleich stellt sich die nächste Frage: wie schafft sie das? Die junge Frau erklärt uns ihren Tagesablauf. Pro Tag besucht sie vier Familien. Sie kann also rund 80 Familien im Monat besuchen, in den meisten Fällen erreicht sie pro Familie ja gleich mehrere Kinder. Sie bestätigt uns noch, dass sie bei ihrem Erstbesuch zunächst die Familiensituation einschätzt, schaut ob die Kinder zur Schule gehen und bis zum nächsten Besuch Ressourcen wie Kleidung und Essen beschafft. Das bestätigt, was unsere UNICEF-Kollegen im Briefing festgestellt haben: Kinderschutz in Kambodscha ist schwach, es gibt zu wenig Geld und zu wenig Leute. Nur mit Hilfe von NGOs können benachteiligte Kinder versorgt werden. Wir erfahren auch, dass die zuständige Regierungsbehörde die Anzahl der staatlichen Angestellten in diesem Bereich eingefroren hat und es auch in Zukunft bei einer Sozialarbeiterin für ca. 400 Kinder bleiben wird. Neben Personal und Material fehlen Transportmöglichkeiten, um die betroffenen Familien zu erreichen. 38

Projektreise Kambodscha 2013

Und wo setzt Unicef seine Hilfestellung an? Unsere Kollegen erklären uns, dass in Zusammenarbeit zwischen UNICEF und dem Innenministerium 2012 ein „Social Service Package“ eingerichtet wurde. Daraus wird jährlich an 31 Gemeinden ein Budget von 1.000 US Dollar pro Gemeinde für gezielte Hilfen an benachteiligte Frauen und Kinder gegeben. Das Geld kommt von Unicef, über die Verteilung entscheidet das Ministerium. Kor Koh ist eine dieser 31 Gemeinden. Nach der Auszahlung wird streng geprüft, ob das Geld auch zweckgemäß ausgegeben wird. Dann brechen wir endlich auf, um Familien mit benachteiligten Kindern zu besuchen und zu sehen, wie diese Mittel wirksam werden. Mony, 12 Jahre, Vollwaise. Mony war zehn Monate alt, als er beide Eltern verlor. Zusammen mit seinem älteren Bruder, kam er in die Obhut seiner Großmutter. Das Haus, in dem Mony mit seiner Oma wohnt, hat sein Onkel gebaut. Mony ist jetzt 12, geht gerne zur Schule, sein Lieblingsfach ist Englisch, er ist in der 5. Klasse. Seine Großmutter ist mittlerweile 69 Jahre alt. Sie hatte fünf Kinder – zwei davon leben in Siem Reap, eins nebenan, eins im Nachbarort und eins ist verstorben. Fast jeden Tag backt und verkauft sie Kuchen, um sich und den Enkel zu ernähren; damit verdient sie einen manchmal zwei US Dollar am Tag. Manchmal ist sie allerdings zu schwach und das Tageseinkommen fällt aus. Mony ist ihr eine große Hilfe, er begleitet sie oder übernimmt den Verkauf alleine. Die Sozialarbeiterin besucht Mony einmal im Monat, sie bringt ihm Schulmaterial und Essen mit. Dadurch sinkt das Risiko, dass er die Schule vorzeitig beendet, um die finanzielle Verantwortung für sich und seine Oma zu übernehmen. Er ist gerade beim nachmittäglichen Englischunterricht, als wir mit seiner Oma sprechen. Darum lernen wir ihn leider nicht selbst kennen. Die Schule ist drei Kilometer entfernt. Er geht immer zu Fuß. Monys Bruder ist jetzt 17 und wohnt bei seinem anderen Großvater in Phnom Penh. Er arbeitet als Kellner. Die Schule hat er mit 13 abgebrochen.


Samphos, 14 Jahre, Vollwaise und Thuy, 15 Jahre, von den Eltern verlassen Die nächste Großmutter, die wir besuchen, kümmert sich um zwei Kinder: die 14-jährige Samphos und den 15-jährigen Thuy. Die beiden sind Cousine und Cousin. Samphos ist ein zurückhaltendes Mädchen mit großen Augen. Sie mag Mathe, musste allerdings die 6. Klasse schon zweimal wiederholen. Sie scheint nicht sehr zuversichtlich zu sein, dass es diesmal besser klappt. Sie sagt uns, dass sie viele Freunde in Kor Koh hat und dass sie Lehrerin werden möchte. Über die Task Force wird sie mit Schulmaterialien und Kleidung versorgt. Sehr wichtig ist, dass sie auch Rechtsschutz bekommt. Denn ihre Tante hat das vom Mädchen von den Eltern geerbte Land für eine Hypothek eingesetzt. Thuy arbeitet auf dem Feld, er passt dort auf Kühe auf. Er hat die Schule in der 6. Klasse beendet. Während wir mit seiner Großmutter sprechen, kommt er langsam angeschlichen bzw. erst sehen wir die Kühe und dann sehen wir Thuy hinter einem Baum versteckt. Er erzählt, dass er die Schule beenden musste, weil sich sonst keiner um die Kühe kümmern konnte. Seine weitere Pflichten sind Palmblätter zu schneiden und Pflanzen zu gießen. Wir fragen uns, wie seine Zukunft aussehen wird.

Thuy kommt gerade vom Kühehüten

Familienbild mit Großmutter, Enkelin, Kusinen und Nachbarn Projektreise Kambodscha 2013

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Donnerstag, 24. Januar, vormittags –

Besuch auf der Kinderstation im Provinzhospital Sandra: Am Eingang empfängt uns

Klinikdirektor Dr. Socheat Mey. Er leitet noch zwei weitere Krankenhäuser in Kampong Thom, der zweitgrößten Provinz Kambodschas mit rund 700.000 Einwohnern. Mit 16 Ärzten und 84 weiteren Angestellten ist die Klinik die größte von 79 Kliniken der Provinz. Durchschnittlich 700 bis 800 Patienten werden im Monat behandelt. Dr. Mey erklärt uns die Aufnahme der Patienten. Gleich am Eingang befindet sich der Empfangsschalter, an der Wand darüber sind auf einer riesigen Liste die Preise für sämtliche Behandlungen aufgeführt. Die Erstuntersuchung wird von einer Krankenschwester und einem Arzt durchgeführt, entsprechend der Diagnose werden die Patienten weitergeleitet. Die Erstuntersuchung dient auch dazu, die Behandlungskosten festzusetzen. Wie finanzieren arme Familien den Krankenhausaufenthalt? Das IDPoor-System Wir sind verblüfft, wie offen das Krankenhaus die Kosten der Behandlungen plakatiert (150.000 Riel = 36 US Dollar kostet zum Beispiel eine einfache Geburt ohne Komplikationen, 60.000 Riel =14 US Dollar die Behandlung einer Durchfallerkrankung). Können sich arme Leute diese Behandlungen leisten? Der Direktor erklärt, dass zahlungskräftige Patienten die Kosten entweder aus eigener Tasche zahlen oder eine Krankenversicherung besitzen. Sind Patienten als IDPoor eingestuft, werden die Kosten für die Basis-Gesundheitsversorgung übernommen. Das IDPoor-System wurde 2005 von Staat eingeführt, um arme Haushalte mit sozialen Leistungen zu erreichen. In Interviews werden die Haushalte nach einer Liste von Kriterien in der Bedürftigkeit eingestuft. So bekommen arme Familien auch kostenlosen Zugang zu medizinischer Versorgung. Die Leistungen werden aus dem Health Equity Fund (HEFs) bestritten. Er kommt für Medikamente, für die Mahlzeiten,

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für Transport- und andere Zusatzkosten auf. Die Mittel des HEF stammen aus dem Health Sector Programm, das durch Spenden der Weltbank, von NGOs und weiteren Partnern der Entwicklungszusammenarbeit sowie Geldern der kambodschanischen Regierung finanziert wird. Nur 11 % der Patienten haben eine Krankenversicherung Gleich neben dem Empfang der Klinik hat die NGO „Action for health“ ihr Büro. Ihre Mittel kommen von USAID und aus dem nationalen Gesundheits-Budget. Geben Patienten an, dass sie die Behandlungskosten nicht zahlen können, aber noch nicht als IDPoor eingestuft sind, werden sie interviewt und dann eingestuft. Dr. Mey betont, dass auch Patienten behandelt werden, die die Kriterien nicht erfüllen, aber dennoch nicht in der Lage sind die Klinikkosten zu bezahlen. In diesen Fällen trägt „Action for health“ die Kosten oder die Klinik macht die Behandlung kostenlos. Ein weiterer Service der Klinik: Werden Frauen mit Problem-Schwangerschaften eingeliefert, werden keine Transportkosten in Rechnung gestellt. Wir fragen nach genaueren Zahlen: 46% der Klinik-Patienten fallen unter IDPoor“, so Dr. Mey, 43% sind Selbstzahler und lediglich 11% besitzen eine Krankenversicherung“. Mangelernährte Babys auf der Kinderstation Wir beginnen unseren Rundgang auf der Kinderstation. Im ersten Behandlungsraum treffen wir auf eine junge Mutter, die mit ihrem Säugling zum ersten Mal in einer Klinik ist. Sie lebt 40 Kilometer entfernt auf dem Dorf und hat ihre Tochter zu Hause zur Welt gebracht. Ihr Baby liegt hellwach auf der Behandlungsliege, strampelt mit Beinchen und Ärmchen - und abgesehen von der Infusion, fallen uns keine Krankheitssymptome auf. Der Kinderarzt erklärt, dass das Baby schon drei Monate alt ist, aber nur 2,7 kg wiegt und 50 cm misst.


Die Behandlungspreise erfährt man gleich am Klinik-Eingang

Protokollantin Sandra scherzt mit Peu Yun und ihrer Mutter

Bei einem kleinen Patienten

Auf der Frühchen-Station

Der Kreißsaal im Provinzkrankenhaus

Eine Wöchnerin und das Neugeborene werden von ihrer Mutter umsorgt

Ein Großvater kümmert sich um sein Enkelchen, damit die Wöchnerin zu Kräften kommt

Im Kochhaus können sich Angehörige Essen zubereiten

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Das kleine Mädchen hat seit der Geburt kaum an Größe und Gewicht zugenommen. Es ist unterernährt, weil die Mutter Probleme beim Stillen hat und nicht weiss, wie sie dies mit Zusatznahrung kompensieren kann. Meist geben die Mütter ihren Säuglingen nur eine Mischung aus Wasser, zerdrücktem Reis und Zucker. Diese falsche Ernährung kommt sehr oft vor. Sie wird von Generation zu Generation weitergegeben, obwohl in den Dörfern andere Nahrungsmittel vorhanden sind. Da die Säuglinge nicht genug Nährstoffe bekommen bzw. sie aus dem Reiswasser nicht aufnehmen können, magern sie ab, erklärt der Kinderarzt. UNICEF stellt therapeutische Nahrung und Dehydrierungslösungen für die unterernährten Kinder bereit und schult das Krankenhauspersonal. 30 Provinzkliniken haben mittlerweile ausgebildetes Personal und versorgen mit der Therapie. Durch UNICEF können in jedem Jahr über 2.000 mangelernährte Kleinkinder in Kambodscha gerettet werden. Wir wünschen Mutter und Tochter alles Gute und setzen unseren Rundgang fort.

Peu Yun ist lungenkrank Mir fällt die kleine Peu Yun auf, weil sie so lebhaft wirkt. Ihre Mutter freut sich, dass ich mich ihrem Baby zuwende und lacht über meine Späße mit Peu Yun. Sie berichtet, dass ihre Tochter ein sehr lebendiges Baby war und durch die Krankheit immer stiller wurde. Es sind Lungenprobleme. Nun ist Peu Yun aber auf dem Weg der Besserung. Ich würde mich gerne länger mit der 3-fachen Mutter unterhalten, die ein paar Jahre jünger ist als ich. Aber ich spreche kein Khmer und sie kein Englisch. Uns fällt auf, dass sich die Mütter mit ihren Babys wenig beschäftigen - eine zufällige Beobachtung? UNICEF-Kollegin Navy erklärt, dass es leider üblich sei, dass Mütter ihre Kleinkinder wenig motivieren und fördern. Wieder einmal stelle ich fest, wie wichtig Bildung für den Entwicklungsprozess einer Gesellschaft ist. Vieles von dem, was uns mittlerweile selbstverständlich erscheint, haben auch wir erst lernen müssen. Und nicht umsonst gib bei uns diverse Eltern-Ratgeber für das erste Lebensjahr.

15 qm für sechs Mütter mit Kindern Der nächste Raum ist das, was wir in unseren Krankenhäusern als Frühchen-Station kennen. Ein Winzling liegt in dem einzigen Inkubator, über den das Krankenhaus verfügt. Und wenn nun mehrere Frühchen gleichzeitig geboren werden? Ob es in dieser Klinik dafür eine Lösung gibt?

Ein Mehrzweckraum wirkt Wunder – dank Frau Linsenhoff Im Anbau hinter der Kinderstation betreten wir einen großen Raum, der bunt gestaltet und voller Spielsachen ist. Ringsherum sitzen Kinder mit Müttern und Großmüttern. Es ist der Wartebereich, der 2006 mit Spenden der Linsenhoff-UNICEF-Stiftung errichtet wurde. Durch die Stiftungs-Mittel konnten bisher in sechs der 79 Krankenhäuser der Provinz Mutter-Kind-Aufenthaltsräume errichtet werden. Sedtha erläutert uns voller Enthusiasmus, wieviel die Existenz dieses Raumes in der Klinik schon bewirkt hat, es ist „ihr Baby“. Hier gibt es Ablenkung vom physischen und psychischen Stress, den ein Klinikaufenthalt mit sich bringt. Zwei Ehrenamtliche kümmern sich um die Spielecke für Kinder. Der andere Teil des Raums wird für Ernährungs-Schulungen genutzt. Mütter und Großmütter lernen, wie sie aus selbst angebautem Gemüse eine ausgewogene Ernährung für ihre Kinder zubereiten. Die angrenzenden kleinen Räume dienen als Labor, Beratungs- und Behandlungszimmer. Früher mussten wartende Patienten und Angehörige draußen unter den Bäumen sitzen. Wir sehen einige Großmütter, die zum regelmäßigen Check-up mit ihren Enkelkindern gekommen sind. Die Eltern dieser Kinder sind

Wir treten dann in eines der Patientenzimmer. Darin stehen sechs Betten – dabei misst der Raum nur 15 qm . Auf jedem Bett sitzt eine Mutter mit ihrem kranken Baby. Einige Mütter haben noch weitere Kinder dabei, auf die zu Hause niemand aufpassen kann - oder weil die ganze Familie mit ins Krankenhaus gekommen ist. Dies ist in Kambodscha üblich, erzählt uns UNICEF-Kollegin Sedtha Chin, die sich in diesem Krankenhaus sehr gut auskennt. Patienten erhalten zwei Klinik-Mahlzeiten pro Tag, die Angehörigen können im Hof hinter der Kinderstation für sich kochen. In den Gesprächen mit den Müttern wird schnell klar, dass die Babs hauptsächlich mit Unterernährung oder schwerem Durchfall kämpfen. Viele Kinder leiden auch an Atemwegserkrankungen. 42

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an AIDS gestorben, erklärt uns Sedtha. Hier erhalten die Kinder antiretrovirale Medikamenten, die vom Gesundheitsministerium zur Verfügung gestellt werden. Kinder, die mit HIV leben, haben wenig Appetit, benötigen aber viel und gute Nahrung zur Stärkung ihres Immunsystems. UNICEF übernimmt die Kosten für therapeutische Fertignahrung, die die Familien auch mit nach Hause nehmen, damit die Kinder bei Kräften bleiben. UNICEF unterstützt in Kambodscha das nationale Ernährungsprogramm für HIV-infizierte Kinder.

Der Aufenthaltsraum der Kinderstation wurde durch Mittel von Ann-Kathrin Linsenhoff gebaut

Zum Abschluss des Besuches erklärt uns Sedhta, dass der neue Aufenthaltsraum für viele Zwecke nützlich ist. Während der Regenszeit ist er besonders wichtig. Etwas höher gebaut, wird er in der Regenzeit nicht überschwemmt. Wenn Denguefieber ausbricht, dient er als Isolationsstation. „It is a benefit for everybody“, sagt Sedtha und wir spüren die Leidenschaft, mit der sie sich für ihr Konzept einsetzt.

Eine Ehrenamtliche Betreuerin beschäftigt sich mit den wartenden Kindern

Ernährungsschulung

Hier wird mit gesunden Zutaten gekocht

Seifenblasen bringen immer Spaß

Großmütter

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Eine WASH-Vorzeigeschule und danach ein „ODF“ Dorf Sonia:

Wieder steht ein Schulbesuch auf unserem Programm -es geht ins Dorf Ploy Treas. Beim Briefing haben wir von unserem UNICEF-Kollegen erfahren, dass die Schule ziemlich isoliert liegt, aber gut ausgestattet ist, was Wasser, Hygiene und sanitäre Anlagen betrifft. Gleich bei der Ankunft fällt uns der Mülleimer auf: er besteht aus vier in den Boden gerammten Stöcken, dazwischen baumelt eine große Plastiktüte. Tatsächlich liegt weit und breit kein Müll auf dem Boden des Schulgeländes. Eine ganz einfache Maßnahme – und wie wirkungsvoll! Auch die Schulglocke fällt uns auf, eine ausgemusterte Autofelge. Neben der Schule befindet sich eine große Pagode, viele schattenspendende Bäume stehen auf dem Gelände. Die Kinder sind alle beim Unterricht. Wir werden vom Schuldirektor und Lehrern begrüßt. Schon der erste Raum, den wir betreten, bringt uns zum Staunen: eine Schul-Bibliothek. Neue Regale, neue Bücher, alles sehr ordentlich. Die Bibliothek ist erst vier Monate alt ist, die NGO „Room to Read“ hat das Zimmer eingerichtet. Auch ältere Kinder haben Zutritt und dürfen die Bibliothek nutzen. „Es kommt sehr gut an“, meint der Schuldirektor. Einmal im Monat wird Hygiene unterrichtet Die Schule selbst ist schnell beschrieben: zwei Gebäude mit neun Klassenzimmern, vier Lehrer, 242 Schüler (davon 101 Mädchen), sechs Toiletten, zwei Handwaschbereiche und zwei Regenwassertanks. Ein Tank stammt aus der Zusammenarbeit zwischen UNICEF und der Provinzbehörde für ländliche Entwicklung. Den anderen hat die Gemeinde finanziert. Die Toiletten wurden 2005 gebaut worden und sind noch funktionstüchtig. Die WASH-Elemente werden hier groß geschrieben, wobei die Betonung auf Schulung liegt: es kommen regelmäßig Vertreter der Provinzbehörde vorbei und führen Trainings durch. Monatlich bekommen die 4. bis 6. Klassen Hygiene-Unterricht. 44

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Die Schule spürt die Vorteile – es fehlen viel weniger Schüler wegen Krankheit. Die Schüler selbst spielen dabei eine wichtige Rolle: die Älteren bringen den Jüngeren bei, wie man die Toiletten benutzt und wie man sich danach die Hände wäscht. Und der Domino-Effekt reicht bis ins Dorf: die Kinder bringen zu Hause den restlichen Familienmitgliedern die drei WASH-Regeln bei: „Benutze eine Latrine“, „Wasche dir die Hände mit Seife“ und „Trinke nur sauberes Wasser“. Wasserfilter in jedem Klassenraum Wir schauen in den Klassenzimmern vorbei. In der 5. Klasse herrscht penible Ordnung. Haben Sie extra für uns so aufgeräumt oder schaut es immer so aus? Neben der Tür steht ein Wasserfilter – es sind einfache Keramikfilter, mit denen UNICEF die Klassenzimmer ausgestattet hat. Jedes Kind hat eine eigene Flasche oder Tasse. Es wird nicht geteilt – das ist eine Hygiene-Maßnahme, an die sich alle halten. Auch hier funktioniert die Formel: sicheres Trinkwasser = weniger Krankheiten & Fehlzeiten = bessere Bildung. In der 6. Klasse zeigt uns Ry Sok Nai, 13 Jahre, wie er oben Regenwasser einfüllt und unten das gereinigte Wasser in seine Flasche zapft. Onn Kosai - ein hübsches Mädchen ohne Hände - zeigt, dass sie es problemlos schafft, ihre Flasche selbstständig zu füllen. Wir fragen die Kinder, was sie werden wollen – „Lehrer“ lautet die einmütige Antwort. Würde man einer Klasse in Deutschland die gleiche Frage stellen, wären die Antworten sicher vielfältiger. Ein Junge fragt mutig, ob wir bitte Schaukeln für den Pausenhof organisieren könnten. Wir wollen es versuchen! Zum Schluss führen wir den Kindern Gummitwist vor. Etwas ganz neues, so denken wir - wie naiv! Die Kinder kennen das Spiel längst, freuen sich aber trotzdem über unsere holprige Vorführung und über die Gummibänder, die wir ihnen übergeben.


Lehrer empfangen uns in der Schulbibliothek

Die Schulglocke in PoKtom

Sonia protokolliert die anderen hรถren zu

Das Lese-Angebot der Schulbibliothek

Ein Blick in eine der Schul-Latrinen

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Diese Keramikfilter stehen in jedem Klassenzimmer

Ry Sok Nai erkl채rt uns wie der Keramikfilter funktioniert

Einer der beiden Regenwassertanks der Schule

Auch Onn Kosai hat ihre Flasche gef체llt Pit-Latrine von Sok Coen

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Kleine Latrinenkunde Weiter geht‘s nach Svay Kal zu einem Spaziergang durch das Dorf. Die Grundstücke stehen dicht aneinander. Zäune gibt es keine, die Dorfhunde laufen also frei herum. Es sind viele. Ich fühle mich richtig unwohl und muss mich zusammenreißen. Dann stehen wir vor dem Haus von Sok Coen. Er ist Besitzer einer Pit-Latrine (einfache Grubenlatrine). Er erklärt stolz, dass sie nur 3 US Dollar kostete, weil er sie selbst gebaut hat. Die benötigten Materialien für Sichtschutz, Tür und Dach wachsen auf seinem Grundstück: es sind Bananen- und Palmenblätter, auch Zweige. Er muss sich nur einmal im Jahr um Erneuerung kümmern. Ein paar Häuser weiter zeigt uns die 40jährige Poa Eth ihre Flush-Latrine (Fäkalien werden mit wenig Wasser abgespült). Sie ist von Zementmauern umgeben und hat eine Holztür. Sie hat 200 US Dollar gekostet. „Die ganze Familie profitiert davon“, erzählt die Besitzerin. Ihre drei Söhne finden es gut, eine Flush Latrine zu haben. Ihre Tochter wird erst später profitieren. Sie ist noch ein Baby und wird in der Hängematte geschaukelt, während wir uns unterhalten. Wie funktioniert der Prozess zum ODF-Status? Das Dorf hat 186 Haushalte, davon verfügen 119 über Pit Latrinen und 58 über Flush Latrinen. „Wie erreicht UNICEF, dass die Dorffamilien in Latrinen investieren?“ fragen wir unseren kambodschanischen Kollegen Sekheng Soon. Er erläutert, dass Unicef mit der Regierung auf allen Verwaltungs-Ebenen zusammenarbeitet, um das WASH-Programm voran zu treiben. Es kostet einiges an Überzeugungsarbeit, bis eine Kommune den ersten Schritt zum ODF-Status (open defacation free) unternimmt. Das Ministerium für ländliche Entwicklung selektiert Kommunen, die dafür in Frage kommen. Dann folgen Informationsveranstaltungen. Die Gemeindekomitees für Frauen und Kinder und die Gremien im Provinz und Distrikt müssen überzeugt werden. Denn Ziel ist nicht nur der Latrinenbau, sondern eine Verhaltensänderung bei den Menschen - was viel schwieriger ist und oft sehr lange dauert. Nach der Entscheidung für eine Kommune wird dort das „Village Mapping“ angestossen. Dabei wird erhoben, wie und wo die Menschen ihr Geschäft verrichten. Dann wird errechnet, wie viele Fäkalien im Laufe eines Jahres am Boden zusammen-

kommen, damit sich das jeder schön bildlich vorstellen kann. Es wird darüber aufgeklärt, welche Krankheiten sich durch „open defecation“ ausbreiten können. Auch hier helfen Poster und Bilder. Erst mit diesem Schulungsprozess wird erreicht, dass die Menschen in den Gemeinden den ODF-Status für sich als erstrebenswert ansehen. „Das hat in Svay Kal sieben Monate gedauert“, erzählt uns der Dorfvorsteher. Im Oktober 2007 erreichte das Dorf dieses Ziel. Die NGO „Clear Cambodia“ hat geholfen, die Latrinen zu konstruieren. Zu den 200 US Dollar, die eine Flush-Latrine kostet, muss die Familie 20 US Dollar beisteuern. Um den ODF-Zustand auch zu erhalten, gibt es weiterhin regelmäßige Trainingseinheiten für die Dorfbewohner. Es traten seitdem 85% weniger Durchfallkrankheiten auf. Der Dorfvorsteher ist besonders Stolz auf eine Goldmedaille, die er vom Premierminister für die Erreichung ODF-Status erhalten hat. Sie hängt bei ihm zu Hause! Wir halten fest: der Prozess zur Erreichung des ODF-Status dauert zwar ziemlich lange, aber es lohnt sich. Und UNICEF ist von Anfang bis Ende begleitend dabei, unterstützt den Aufklärungsprozess und organisiert helfende NGOs. Svay Kal wird als Vorzeigedorf von anderen Gemeinden besucht. Es kam sogar eine Gruppe aus Laos, die hier lernen wollte, wie man die Gerüche in den Griff bekommt. „Ist doch ganz einfach“, sagt der Dorfchef „man muss Asche verwenden“.

Flush-Latrine von Poa Eth

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Freitag, 25. Januar, vormittags –

Angkor Wat Wer als Tourist nach Kambodscha reist, will die riesige Tempelanlage von Angkor Wat sehen. Die gesamte Stadt Siem Reap mit Flughafen und vielen Hotels ist auf die Touristenströme eingestellt. Wir haben die Stunden des Freitagsvormittags, um die Tempelanlage zu besuchen. Schon um 4 Uhr ist Treffpunkt im Hotelfoyer, um noch rechtzeitig den Sonnenaufgang vor der Tempelanlage zu bestaunen. Angkor war einst das Machtzentrum der Region und mehr als 50 Ruinen zeugen von der Blütezeit der Khmer. Für einige Stunden tauchen wir ein in die im Dschungel liegenden Gebäudekomplexe mit Türmen, Terrassen, Reliefs von Apsara-Tänzerinnen und lächelnden Gottheiten. Der Führer bringt uns völlig erschöpft, aber wohlbehalten und rundvoll mit Götter- und Herrscher-Anekdoten wieder ins Hotel.

Sebastian und Ursula im Tempel Ta Prohm Eins der beliebtesten Fotomotive sind die von Kapokbäumen überwucherte Tempeldächer

Nach dem Ausflug erwarten uns am Nachmittag noch zwei Projektbesuche.

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Projektreise Kambodscha 2013


nachmittags

Zu Hause bei zwei Familien in Keo Por Werner und Ursula: Das Dorf

Keo Por liegt in der Nähe der Provinz-Hauptstadt Siem Reap, eine Region die in der Regenzeit häufig überflutet ist. Vor zwei Jahren gab es eine besonders große Überschwemmung, bei der UNICEF viele Menschen aus den überfluteten Dörfern evakuieren musste, berichtet Path Heang, der Leiter des UNICEF-Regionalbüros. Uns erwartet Sith Se Samnag mit vier ihrer fünf Kinder. Vor zehn Jahren hat ihr Mann die Familie verlassen und ging nach Thailand. Um ihre Familie durchzubringen, verkaufte Sith Haus und Felder. Jetzt wohnt sie mit ihren Kindern im Haus einer Tante. Sie arbeitet in den Reisfeldern. Die beiden Töchter (13 und 15 Jahre alt) gehen zur Schule. Die drei Söhne sind 19, zehn und drei Jahre alt. Der Älteste lebt in der Provinzhauptstadt. UNICEF unterstützt die Alleinerziehende im Rahmen des kommunalen Programms für besonders benachteiligte Familien und Kinder mit Schulkleidung und Schulmaterial. Eine Latrine besitzt ihr Haus nicht. Wasser liefert ein Brunnen. Die Filterung des Brunnenwassers erfolgt durch eine Bio-Sand Filteranlage, die von einer NGO bezahlt wurde. Die Arbeit auf dem Reisfeld bringt ein karges Familieneinkommen Auf die Frage nach ihrem Lieblingsspielzeug kann keines der kleineren Kinder auch nur ein einziges Spielzeug vorweisen, keinen Ball, keinen Teddy - einfach nichts. Die 15-jährige legt den Schulweg von acht Kilometern mit dem Fahrrad zurück. Das Fahrrad ist vor einiger Zeit kaputt gegangen. Auch deshalb geht das Mädchen oft nicht in die Schule und hilft auf den Reisfeldern, um das Geld für die Reparatur zu verdienen. Die tägliche Arbeitszeit für sie und ihre Mutter ist von 6 bis 10 und nachmittags von 13 bis 16 Uhr. Pro Tag auf dem Reisfeld verdient das Mädchen zwei, die Mutter erhält 2,50 US Dollar.

Wir besuchen auch die Familie Sieh Makra. Die Familie betreut zwei Waisen-Kinder: Keo Deh, 11 Jahre, geht zur Grundschule in die 4. Klasse und möchte mal Lehrer werden. Er kennt die WASH-Regeln aus der Schule, ( hat aber heute noch nicht die Hände gewaschen). Auch er besitzt kein Spielzeug. Sein Traum ist es, ein eigenes Auto zu fahren. Heang ist 13 Jahre, sein Vater ist verstorben, seine Mutter hat ihn verlassen. Sein Lieblingsfach ist Rechnen und er möchte später gerne Soldat werde. Zur Schule fährt er mit dem Fahrrad, das ihm von einer NGO geschenkt wurde. Auch er weiß aus der Schule, wie wichtig Händewaschen ist. Die Familie hat eine Latrine, die vom Roten Kreuz bezahlt wurde. Auch diese Familie wird aus dem Fonds von 1.000 US Dollar unterstützt, mit dem UNICEF ausgewählte Gemeinden ausstattet, um dort die Kinder zu erreichen, denen es besonders schlecht geht. So macht Brunnenbau keinen Sinn Der Dorfvorsteher zeigt uns beim Rundgang einen Brunnen, der von Privatpersonen gespendet wurde. Er funktioniert nicht. Denn niemand hat dafür gesorgt, dass er an der richtigen Stelle gebaut wurde und darum, dass sich das Dorf um die Wartung kümmert. So hängt hier ein schiefes Schild und erinnert an den Namen der Spender vor einer verrosten Handpumpe. Im Nachbarort sehen wir Fortschritte. Einige Latrinen sind bereits gebaut. Hier besitzt jeder Haushalt einen Wasserfilter. Das sind große Sandsteinsäulen, in denen Siebe und Sandschichten das Wasser säubern. Aus dem Brunnen wird zunächst das Wasser geschöpft – es sieht braun aus – dann wird es gefiltert und kann getrunken werden. Bei einer Familie wird gerade die Latrine errichtet. Warum sie dies tun? Weil auch die Nachbarn eine Latrine installiert haben.

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Beim Rundgang im Dorf Keo Por

Sith Se Samnag mit ihrem j체ngsten Sohn

Die 15j채hrige Tochter arbeitet schon auf dem Reisfeld

Protokollant Werner bei Familie Sieh Makra

Ursula inspiziert den Brunnen der kein Wasser gibt

Im Nachbarort haben die Familien Wasserfilter

Regenwasser wird oben in den Filter gef체llt

Das Wasser aus der Filteranlage kann getrunken werden.

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nachmittags

„Gute Freunde“ – diese NGO überzeugt! Sandra:

Kaliyan Mith bedeutet „Gute Freunde“.Das Projekt gehört zu Friends International, einer Organisation, der wir schon mehrmals auf unserer Reise begegneten: Wir haben in Friends-Restaurants in Phnom Penh und Siem Reap gegessen und Souvenirs in ihren Läden für Kunsthandwerk gekauft. Friends ein gutes Beispiel dafür, wie die Zusammenarbeit zwischen UNICEF und einer NGO in Kambodscha funktioniert. Am Stadtrand von Siem Reap liegt das Kaliyan Mith-Bildungszentrum. Wir werden von Ampor Sam-Oeun empfangen, eine energiegeladene junge Frau, die uns ihr Team vorstellt. Es sind drei junge Kambodschaner, die uns das Bildungszentrum zeigen werden, der Sozialarbeiter James Forley und Dorette Bernath, eine Lehrerin aus der Schweiz, die ehrenamtlich im Projekt arbeitet. Sozialarbeit für Straßenkinder und Bildungsangebote für Benachteiligte Kaliyan Mith startete das Projekt 2007. Die Mitarbeiter kümmern sich um Kinder, die auf der Straße oder in Waisenhäusern leben , um sie wieder in ihre Familien und in ihre Communities einzugliedern. Sie machen aufsuchende Sozialarbeit, bieten aber auch Zuflucht und Anlaufstelle für Straßenkinder. Im Bildungszentrum werden Kinder in Kursen so gefördert, dass sie anschließend eine normale Schule besuchen können. Und es gibt Angebote beruflicher Ausbildung für Jugendliche. Oft rufen Polizeistationen an. Sie bringen straffällig gewordene Kinder, die eine Gefängnisstraße vermeiden, wenn sie im Projekt gemeinnützige Arbeit leisten.

Ein Novum für Kambodscha: NGO-Angebote werden koordiniert James erläutert uns zunächst das 2011 gestartete sog. 3PC (Partnership Program Protection of Children). UNICEF finanziert das 3jährige Projekt, um den Kinderschutz in Kambodscha zu stärken - und Friends International koordiniert es. Neun NGOs, die sich alle um Kinderschutz kümmern, aber bisher nur ihren eigenen Ansatz, eigene Ziele verfolgten und unabhängig arbeiteten, bündeln darin ihre Kräfte. Sie arbeiten eng mit der Regierung und Behörden auf der kommunalen Ebene zusammen, tauschen ihre Daten und Erfahrungen aus und verständigen sich auf gemeinsame Ziele und ein gemeinsames Vorgehen. Das macht Sinn: denn je mehr und besser die einzelnen Organisationen kooperieren, um so schneller und effizienter sind die Wege, um einzelnen Kinder zu helfen und ihnen Unterstützung anzubieten. So verbessert UNICEF den Kinderschutz in den fünf Provinzen Battambang, Banteay Meanchey, Sihanoukville, Phnom Penh und Siem Reap. Wiedereingliederungsklassen im Bildungszentrum Im Bildungszentrum schauen wir uns zunächst die Wiedereingliederungsklassen an. Hier werden Kinder unterschiedlichen Alters auf den Besuch der öffentliche Schule vorbereitet. Viele sind verwahrlost und/oder kommen aus Familien, in denen viel Alkohol konsumiert wird, erzählt Dorette Bernath. Die schweizer Lehrerin lebt schon lange mit ihrem Mann in Kambodscha und suchte für sich eine erfüllende ehrenamtliche Tätigkeit. Kaliyh Mith überzeugte sie. Sie baute die Vorschul-Angebote auf und schult angehende Lehrer. Alle Kinder müssen für ihre Einschulung registriert werden, erläutert Dorette. Manche Eltern verpassen die Fristen oder es fehlen die Geburtspapiere. Manchmal reicht das Geld nicht, um die Schuluniform zu zahlen. Damit die Kinder kein Jahr verlieren, werden sie auf dem Klassenlevel unterrichtet, den sie zur Registrierung im nächsten Schuljahr benöProjektreise Kambodscha 2013

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tigen. Wichtig ist auch Hygiene-Unterricht. Oft waschen sich Kinder erst im Bildungszentrum, da sich zu Hause niemand um sie kümmert. 20 bis 25 Schülern besuchen eine Klasse. Die Lehrer können intensiv mit ihnen arbeiten und

jedes einzelne Kind fördern. Die Gehälter der Lehrer werden von UNICEF und aus privaten Spenden finanziert. Ob die Spendengelder für das nächste Jahr reichen, macht kontinuierliche Arbeit und Planung oft schwierig.

Das Team von Kaliyan Mith

bemalte Wände vor den Klassen

Wiedereingliederungsklasse

Gruppe Jungen

das Tattoo wirkt immer

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Frisörausbildung

Ausbildung an der Nähmaschine

Anprobe

Taschen für Touristen fertigen

das Haus von Sothan Kun

Friseure, Schneiderinnen und KFZ-Mechaniker Jugendliche erhalten im Zentrum eine berufliche Ausbildung, z. B. zum Frisör. Ihre Modelle finden die angehenden Herrenfriseure an Grundschulen. Dort bieten sie zweimal wöchentlich kostenlos Haarschnitte für Jungen

an. Am Ende der Ausbildung bekommt jeder Absolvent das Zertifikat, das dazu berechtigt ein Geschäft aufzumachen. Rund 80 US Dollar kostet es, einen Frisörsalon zu eröffnen. Ein paar Meter weiter werden Mädchen zu Näherinnen ausgebildet. In einer Halle sitzen Mädchen an Nähmaschinen. Dies ist ein Projektreise Kambodscha 2013

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sie letztes Jahr ihre Ausbildung beendete und mit der „home-based-production“ begann. Sie kauft die Materialien vom Markt oder sammelt sie von der Straße auf. Diese Schnipsel - z.B. von Keksverpackungen – bringt sie zum Laminieren und fertigt daraus Portemonnaies, Mappen und Taschen für den Friends-Shop. „Jetzt verdiene ich 30 Dollar in der Woche“, sagt sie und zeigt uns Muster ihrer Produkte, ein kleines Etui und eine Netbooktasche. Sothan zeigt uns eine fertige Tasche

„work&learn program“. Die Mädchen erlernen das Schneidern und arbeiten gleichzeitig ein Jahr lang ohne Gehalt. Sie bekommen eine Mahlzeit. Ihre Produkte werden in den Friends-Shops und anderen Geschäften angeboten. Die jungen Frauen fertigen auch Souvenirs aus Zeitungen, Plastik oder anderen verwertbaren Materialien. Nun wissen wir, wie und wo unsere Mitbringsel hergestellt werden. Viele der hier ausgebildeten Schneiderinnen bekommen nach dem Jahr einen Job in der Bekleidungs-industrie, erzählt mir Dorette. In einer kleinen Werkstatt werden Automechaniker angelernt. Manchmal haben die jungen Männer eine kriminelle Vergangenheit und saßen bereits im Gefängnis. Weshalb diese Ausbildung nicht bereits im Gefängnis angeboten wird, frage ich einen Mitarbeiter von Kaliyan Mith. Die Antwort erstaunt: Da oft nicht klar ist, wie lange die Straffälligen im Gefängnis bleiben, macht es keinen Sinn macht, mit der Ausbildung zu beginnen und dann abzubrechen. Nach der Ausbildung: home-based production Wir besuchen Sothan Kun in ihrem kleinen Haus. Sie hat die Ausbildung zur Schneiderin abgeschlossen und macht nun Heimarbeit. Sie ist 34Jahre alt, zum zweiten Mal verheiratet und hat sechs Kinder. Der Älteste ist bereits 20 Jahre alt und Sohn ihres Ex-Mannes, erzählt Sothan. Ihr eigenes ältestes Kind ist zehn 10 Jahre alt. Sothans Mann verdient mit der Aufzucht von Hühnern 60 US Dollar im Monat. Sie selbst verdiente 30 Dollar monatlich mit dem Verkauf von Gemüse, bevor 54

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Was macht sie, wenn sie krank ist, nicht arbeiten kann oder sich um ihre kranken Kinder kümmern muss? Sothan antwortet etwas verlegen, dass es noch nicht vorgekommen sei und sie ehrlich nicht wüsste, was sie dann tun solle. Die für uns gewohnten sozialen Absicherungen bei Arbeitslosigkeit oder Krankheit sind hier undenkbar. Ziel ist ein fester Arbeitsplatz James dämpft bei der Rückfahrt unsere Begeisterung für die Einkommensmöglichkeiten durch Heimarbeit. Home based production und Verkauf der Produkte an NGOs, erklärt er uns, kann nur eine kurzfristige Lösung sein. Langfristiges Ziel ist ein fester Arbeitsplatz für die Absolventen der Ausbildungen. Nachhaltigkeit und Hilfe zur Selbsthilfe sind Ziele, die UNICEF und Projekte wie Kaliyan Mith oder Friends International verbindet.

Freitagabend –

Abschiedsessen in Siem Reap Zum Abschied von den Kollegen des Regionalbüros Siem Reap essen wir zusammen in einem riesigen Restaurant, bedienen uns bei dröhnend lauter Musik am typisch kambodschanischen Buffet und sind fasziniert von der ausdrucksstarken Darbietung der Apsara-Tänzerinnen auf der Bühne, die leider sehr weit von unserem Tisch entfernt liegt. Wir bedanken uns bei Path, Sekheng, Chivith und all den anderen, die es mit fachlichen Erläuterungen und viel Übersetzungsarbeit möglich machten, dass wir intensive Eindrücke nach Deutschland mitnehmen, wie UNICEF das Leben für Kinder verändert und ihr Überleben sichert.


Samstag, 26. Januar

Ein letzter Schulbesuch und Rückfahrt nach Phnom Penh Sebastian und Jutta: Während

ein Teil der Reisegruppe die schwimmenden Dörfer (Floating Villages) auf dem Tonle Sap besucht, fahren wir zur Chriew Schule am Stadtrand von Siem Reap. Ein letztes Mal laufen wir durch ein typisch kambodschanisches Schulgelände. Hier gibt es einen Schulgarten, ein Feld, auf dem die Schüler Gemüse anbauen. Das Wasser für die Pflanzen ist aufbereitetes Abwasser. Die Schüler füllen es in Gießkannen aus einem großen blauen Tankt. In drei Schulklassen verteilen wir „Wasser wirkt“-Tattoos und Pins als Dankeschön. Die Kinder in diesen Klassen hatten Bilder gemalt, die wir mit nach Hause nehmen. Sie zeigen den alltäglichen Umgang mit Wasser und Hygiene an der Schule. Eines der Bilder wird die nächsten „UNICEF-Nachrichten“ zieren, in denen wir den Spendern über die Wasserkampagne berichten. Auf dem Schulgelände ist es drückend heiß. Vor den Klassenräumen stehen kleine Waschschüsseln zum Händewaschen. Schockierende Eindrücke von den Floating Villages Die mehrstündige Rückfahrt von Siem Reap zurück nach Phnom Penh wird von einer Imbisspause in einer Garküche am Straßenrand unterbrochen. Wie immer übernimmt unsere Fahrerin Sokleap die Bestellung. Sie war in den Reisetagen der energische, gleichzeitig aber ruhende Pol wenn es um das Beladen der Autos, die Walki-Talki-Absprachen zwischen den drei Fahrzeugen und die Pausen auf unserem Weg entlang der breiten Hauptverkehrsstraße ging. Meistens trug sie weiße Handschuhe und den für kambodschanische Frauen typischen Stoffhut mit breiter Krempe, hinten mit Bändern zusammengebunden, oft auch einen Mundschutz gegen den Staub. Sie führt auch jetzt das Kommando und bestellt für den ganzen Tross Reis, Platten mit Fisch und Fleisch, Gemüseteller und die süßsaure heiße Suppe, die nie fehlt. Zum Nachtisch gibt es Ananas und Früchte, die man auf deutschen Märkten nicht findet.

Gemüse im Schulgarten

Auf der Bootsfahrt zu den Floating Villages

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Heute wird die Tisch-Diskussion besonders emotional geführt. Denn diejenigen von uns, die den Trip zu den schwimmenden Dörfern unternommen haben, waren schockiert von der bitteren Armut der Kinder dort. Sie fragen, was UNICEF tut, um die Situation dort zu verbessern. Nach dem Nachmittag im Slum nahe

Cheatah übersetzt...

... unseren Dank an die Schulklasse für ihre Zeichnungen

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Phnom Penh ist es das zweite Mal, dass wir mit der harten Realität konfrontiert werden, die das Leben vieler kambodschanischer Kinder prägt. Und damit, dass noch unendlich viel für UNICEF und Andere zu tun ist, damit das Land seinen Weg aus der Armut findet.


Ein emotionaler Abschiedsabend An diesem letzten Tag, denwir vor allem mit der Rückfahrt von Siem Reap nach Phnom Penh verbringen, sind unsere Gesichter von Müdigkeit gezeichnet. Wir haben in den vergangenen Tagen so viel gesehen und erlebt. Diese Eindrücke zu verarbeiten, wird Wochen, vielleicht sogar Monate dauern. Natürlich wollen wir am Abend vor unserer Abreise noch einmal besonders nett zusammensitzen. Phnom Penh hat auch einige hübsche Restaurants zu bieten. Im „Diplomanten-Viertel“ reservieren wir einen Raum in einem der wenigen zweistöckigen Restaurants und können so etwas seprariert in einer trauten Runde den Abschluss der Reise begehen. Viele ergreifen das Wort, um sich zu bedanken – wir bei den Ehrenamtlichen, die Ehrenamtlichen bei uns. Großer Respekt vor dem Einsatz der Anderen, gemischt mit viel persönlicher Sympathie prägt die Stimmung. Oft wird gesagt, dass die eigentliche Arbeit erst jetzt beginnt, wenn wir von dem Land berichten, in das wir einen Blick werfen durften, wenn wir Andere, Daheimgebliebene überzeugen wollen, dass sich der Einsatz für die Kinder Kambodschas lohnt, und dass UNICEF diesen Einsatz mit viel Energie und einer umfassenden Strategie angepackt hat.

Wir fahren zurück nach Phnom Penh

Angestrengte und müde Gesichter bei der Diskussion über das Erlebte

Zurück im Hotel packen wir die Koffer verstauen die wenigen Kleidungsstücke, die wir angesichts der hohen Temperaturen gebraucht haben, und die bescheidenen Mitbringsel, die die Gepäckbeschränkung auf 23 Kilo (?) zulässt.

Mangos als Pausenbrot

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Sonntag, 27. Januar

Rückflug nach Hause Die lieb gewonnenen Fahrerinnen und Fahrer um Sokleap bringen uns frühmorgens zum Flughafen. Auch Belinda ist extra zum Hotel gekommen, um sich zu verabschieden. Wir bedanken uns mit einem Wellness-Gutschein, den sie nach der reiseintensiven Woche mit zwölf Besuchern aus Deutschland und ihren bohrenden Fragen sicher gut gebrauchen kann. Im Flugzeug schreiben Einige noch ihre Protokolle. Andere spielen Fotos auf den Computer und tauschen ihre gesammelten Dateien. Irgendwann sind die Akkus leer und jeder versucht für sich, etwas Schlaf zu finden.

Von hier aus geht es wieder zurück nach Deutschland

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Nach einer besonders kurzen Nacht geht über Frankfurt die Sonne auf. Weil die Maschine verrspätet ist, bleibt nicht viel Zeit für den Abschied. Alle rennen ihren Anschlussflügen und –zügen hinterher. Aber wir sehen uns ja schon am 15. Februar wieder zum Nachbereitungstreffen!


Die Autorinnen und Autoren und Projektreisenden: Beate-Maria Blinzler, UNICEF-Arbeitsgruppe Landshut Sonia Dunster, UNICEF-Arbeitsgruppe Nürnberg/Team Lauf Mariele Ecke, UNICEF-Hochschulgruppe Göttingen Ursula Grass, UNICEF-Arbeitsgruppe Karlsruhe Helga Hildebrand, UNICEF-Arbeitsgruppe Bremen Sandra Kascha, UNICEF-Hochschulgruppe Köln Petra Mewes, UNICEF-Arbeitsgruppe Leipzig Babette Reitz, UNICEF-Arbeitsgruppe Ravensburg Susanne Seiler, UNICEF-Arbeitsgruppe Dortmund/Team Witten Werner Went, UNICEF-Arbeitsgruppe Leverkusen Sebastian Sedlmayer, UNICEF-Bundesgeschäftsstelle Jutta Wache, UNICEF-Bundesgeschäftsstelle Wir danken unseren Kolleginnen und Kollegen bei UNICEF-Kambodscha für die sorgfältige Vorbereitung der Projektbesuche, die guten Briefings und Hintergrundgespräche, die unsere Augen öffneten, für die fürsorgliche Rundumbetreuung auf unserer Reise: Belinda Abraham, Sokleap Svay, Veasna Mok, Sary Suos, Ream Rim, Khiev Pharin, Davy Nou, Sophorn Som, Chamroeun Lork, Molika Meas, Sohone Som, Kimlong Saim, Vanny Kong, Chivith Rottanak, Sovadhanak Hun, Sekheng Soon, Samouern Un, Vanny Ung, Sedhta Chin, Navy Kieng, Path Heang und Denise Shepherd-Johnson Danke an die Kollegin Kirsten Leyendecker, die die Projektbesuche von Köln aus steuerte – und die so gerne mitgefahren wäre. Redaktion: Jutta Wache Gestaltung: Günter Kress Fotos: UNICEF/Reiseteilnehmer


Babette Beate Helga Jutta Mariele Petra Sandra Sebastian Sonja Susanne Ursula

19. - 27. Januar 2013

Werner


Reisetagebuch Kambodscha "Wasser wirkt"