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M ag a z i n f ü r d i e M i ta r b e i t e n d e n d e r u n i v e r s i tät B a s e l 

01 / 2 010

«Deutscher Filz»

Universitätsstiftung Basel

Zwei Berufe, eine Berufung

Ein böses Wort macht die Runde – auch an der Universität Basel?

Privates Geld soll helfen, exzellente Leistungen zu fördern.

Dorothea Trottenberg geht ihrem Faible für Osteuropa gleich doppelt nach.

550 Jahre Universität Basel: Im Jubiläumsjahr öffnet die Universität ihre verborgenen

Schatzkammern, denkt über Wissen nach und äufnet Geld.


EDiTOR ia L

reto caluori Universität Basel Öffentlichkeitsarbeit

Wissen, beweg uns!

A

n ihrem 550. Geburtstag blickt die Universität Basel zurück – und nach vorne. Von so viel Zukunftswillen haben wir uns anstecken lassen und den Auftritt des Mitarbeitendenmagazins modernisiert. Vier Hauptrubriken schaffen in «uniintern» eine verbesserte Orientierung, das Layout ist flexibler geworden und die Bilder haben mehr Raum erhalten. Zudem steht im Zentrum jedes Hefts ein thematischer Schwerpunkt, der in dieser Ausgabe dem 550-Jahr-Jubiläum gewidmet ist.

Aus der Vielzahl von Veranstaltungen, mit denen die Universität im Jubeljahr Vergangenheit und Zukunft verbindet, haben wir im «uniintern» zwei herausgegriffen: Einsichten in die Gründungsgeschichte vermittelt die Ausstellung «Schatzkammern der Universität», die wir in diesem Heft vorstellen. Sie verweist auf die Wurzeln und Werte, welche die Universität Basel gegen aussen unverwechselbar machen und gegen innen Gemeinsamkeit schaffen. Doch Tradition allein ist kein Erfolgsfaktor, auch wenn wir gerne darauf verweisen, die älteste Hochschule der Schweiz zu sein. Stellvertretend für die zukunftsgerichtete Dimension der Jubiläumsfeier werfen wir deshalb einen Blick voraus auf den mehrtägigen Kongress des Wissens, der Ende Mai stattfindet und der besonders die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ansprechen soll. Sie sind herzlich eingeladen, die Veranstaltungen zu besuchen und sich von neuem Wissen bewegen zu lassen!

uniintern Magazin für die Mitarbeitenden der Universität Basel Petersplatz 1, Postfach, 4003 Basel. Tel. 061 267 24 95, Fax 061 267 30 13 uniintern@unibas.ch www.unibas.ch/uniintern

Mai 2010

Reto Caluori, reto.caluori@unibas.ch

herausgeber Öffentlichkeitsarbeit (Leitung: Hans Syfrig) redaktion Reto Caluori, reto.caluori@unibas.ch gestaltung Continue AG, Basel text Michel Ecklin, Anna Wegelin Fotografie Claude Giger, Peter Schnetz Korrektorat Birgit Althaler, Basel Druck Effi ngerhof AG, Brugg auflage 5800 Ex. titelbild Prof. Martin Wallraff und Sara Stöcklin haben

Ps: Haben wir mit den Themen, den Inhalten und der Ge-

staltung des neuen «uniintern» Ihren Geschmack getroffen? Über Ihre Feedbacks, Anregungen und Wünsche freue ich mich!

die «Schatzkammern»-Ausstellung im Münster organisiert. (Foto: Peter Schnetz)


I n h a lt

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Deutsche an der Universität Basel

Privates Geld für Exzellenz

Dorothea Trottenberg

«Universität» steht für Universalität – schreibt die Kolumnistin Prof. Anne Peters.

Die Ziele der Universitätsstiftung Basel erläutert Dr. Ueli Vischer.

Viele Bücher nimmt sie nur kurz zur Hand, andere beschäftigen sie monatelang.

U n i v e r s i tät 4 E-Mail direkt  Wie es mit der Sanierung der Pensionskasse für die Universitätsmitarbeitenden

L eu t e 16 Porträt  Dorothea Trottenberg, Fachreferentin an der Universitätsbibliothek und Übersetzerin.

weitergeht. 4 Dynamische Fakultät  Das WWZ präsentiert sich in einem Imagefilm. 5 Die Zahl  10 Mio. 6 Kolumne  Deutsche an der Universität Basel 7 Habilitation  Die Regenz berät über eine Revision. 7 Medienspiegel

Service 18 Gesundheitsmanagement  Das Ressort Personal prüft eine Mitarbeitendenbefragung. 19 Neuberufungen 20 Personalia 21 Dienstjubiläen

F o ku s 8 Schätze aus der Gründungszeit  Die Aus­ stellung «Schatzkammern der Universität Basel» zeigt kostbare Objekte aus den ersten hundert Jahren der «hohen Schule». 12 Blick über den Zaun  Am Wissenskongress diskutieren prominente Wissenschaftler die Perspektiven der Wissenschaft. 14 Exzellente Leistungen ermöglichen  Dr. Ulrich Vischer zu den Zielen der Universitätsstiftung Basel.

22 Ehrungen und Mitgliedschaften 23 Toolbox  auktiOpro 23 Cartoon  Nicolas Mahler 24 Domino  Weshalb wir uns an die Vergangenheit nur bedingt erinnern.


U n i v e r s i tät

E - M a i l D i re k t Von: uniintern@unibas.ch Gesendet: Freitag, 9. April 2010 11:33 An: christoph.tschumi@unibas.ch Betreff: Sanierung der Pensionskasse

Lieber Herr Tschumi Der baselstädtische Grosse Rat hat entschie­ den, die Pensionskasse des Staatspersonals mit knapp 800 Mio. Franken auszufinanzieren. Wie geht es nun mit der Sanierung der Kasse für die Universitätsmitarbeitenden weiter? Mit bestem Dank und Gruss, Redaktion uniintern

Denkspuren und Lebensfährten n  Nachlässe – das klingt nach Papier, Karton und viel Staub. Doch bei genauerem Hinsehen treten sinnliche Spuren des wissenschaftlichen Denkens sowie des privaten und universitären Lebens zutage. Aus Anlass der Nachlassausstellung zum 550-Jahr-Jubiläum vermittelt eine Führung einen Blick in die Welt der Nachlässe von Professorinnen und Professoren und zeigt, was die Gelehrtennachlässe umfassen, wie sie erschlossen werden und warum es von Bedeutung ist, diese Notizen, Arbeitsentwürfe, Tagebücher und Briefe zu erhalten. 2. Juni 2010, 18.00 bis ca. 19.15 Uhr; Universitätsbibliothek Basel, Treffpunkt Eingangshalle

Von: christoph.tschumi@unibas.ch Gesendet: Dienstag, 20. April 2010 07:04 An: uniintern@unibas.ch Betreff: Sanierung der Pensionskasse

WWZ mit Imagefilm

Sehr geehrte «uniintern»-Redaktion Die provisorische Deckungslücke beim Univer­ sitätspersonal betrug Ende 2009 73,2 Mio. Franken bei der Pensionskasse Basel-Stadt (PKBS) und rund 2,5 Mio. bei der Baselland­ schaftlichen Pension verzeichneten Lücke von 95,1 Mio. (PKBS) bzw. 5,4 Mio. (BLPK) ist dies eine deutliche Verbesserung, welche die Sanie­ rungsdauer verkürzen wird. Die Vorsorgekommission der Universität hat entschieden, die Sanierung des Bestandes in der PKBS ähnlich wie beim Staatspersonal

n  Eine dynamische Fakultät, die sich den Fragen der Zeit stellt – so prä-

sentiert sich das Wirtschaftswissenschaftliche Zentrum (WWZ) in einem neuen Imagefilm. Die knapp 14-minütige filmische Visitenkarte fängt die moderne Infrastruktur im Jacob Burckhardt Haus ein und porträtiert in sieben Interviews die Forschung am WWZ. Prof. George Sheldon (Bild) erörtert zum Beispiel Entwicklungen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt und Prof. Frank Krysiak führt aus, was der Klimawandel für das wirtschaftliche Wachstum bedeutet. Der Imagefilm, in dem eingebundene Grafiken und Animationen das Gesagte illustrieren, wurde vom New Media Center der Universität Basel produziert und lässt sich auf der WWZWebsite anschauen.

Basel-Stadt durchzuführen. Auf Basis des Be­ schlusses des Grossen Rates wird die Kom­

inet wwz.unibas.ch

mission in den kommenden zwei Monaten dem Universitätsrat das Sanierungskonzept vor­ legen. Danach werden die beiden Trägerkan­ tone zu begrüssen sein, da diese letztlich den Arbeitgeberanteil der Sanierung zu finanzieren haben. Dieser Prozess wird noch einige Monate dauern, womit für das Universitätspersonal die Sanierungsmassnahmen nicht vor Mitte 2010 einsetzen werden. Sobald wichtige Entscheide vorliegen, werden wir das Personal im Detail informieren. Freundliche Grüsse Christoph Tschumi, Verwaltungsdirektor

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Filmische Visitenkarte: Ein Online-Video porträtiert die Forschung an der Wirtschaftswis­ senschaftlichen Fakultät.


U n i v e r s i tät

Stammzellenforschung: Unheilbare Krankheiten überwinden pie von Krankheiten. Noch ist aber unklar, wie sie im Detail funktionieren. Das neue Nationalen Forschungsprogramm «Stammzellen und regenerative Medizin» (NFP 63) möchte deshalb eine Basis für künftige medizinische Anwendungen legen. Das NFP umfasst zwölf Projekte, von denen vier von Basler Forschungsgruppen durchgeführt werden. Das Team um Prof. Heinrich Reichert (Biozentrum) untersucht, wie sich verhindern lässt, dass sich nach einer Stammzelltransplantation im Gehirn ein Tumor bildet. Die Gruppe von Prof. Georg Holländer (Departement Biomedizin) analysiert die Entwicklung des Thymus, während Dr. Antoine Peters (Friedrich-Miescher-Institut) der Frage nachgeht, wie aus einem Spermium und einer Eizelle eine totipotente Stammzelle entsteht. Das Projekt von Dr. Jörg Halter (Universitätsspital Basel) befasst sich schliesslich mit rechtlichen und ethischen Aspekten der Blutstammzellspende.

Zusätzlich hat der Schweizerische Nationalfonds ein Sinergia-Projekt von Prof. Yves-Alain Barde (Biozentrum), Dirk Schübeler (FMI), Lukas Sommer (Universität Zürich) und Austin Smith (Universität Cambridge) bewilligt. Ihr Projekt «Mouse and human stem cells: Control of self-renewal and neural differentiation» wird mit 1,5 Mio. Franken gefördert. inet www.nfp63.ch

Fotos: Biozentrum

n  Auf Stammzellen ruhen grosse Hoffnungen für die Thera­

Gehirn der Taufliege Drosophila ohne und mit Tumor (rechts): Wie aus Nervenstammzellen Hirntumore entstehen, kann bei der Taufliege in molekularen Einzelheiten untersucht werden.

Die Zahl

¡ºæºººæººº Text: Dr. Kurt Kamber, kurt.kamber@unibas.ch

D

er Europäische Forschungsrat hat drei Basler Forscherinnen und Forschern einen «Advanced Investigator Grant» zugesprochen. Damit haben Silvia Arber, John Paul Maier und Ed Palmer zusammen fast zehn Millionen Franken für ihre Grundlagenforschung über die nächsten fünf Jahre erhalten. Das ist eine bemerkenswerte Auszeichnung für die drei Wissenschaftler und auch ein schöner Erfolg für die Universität Basel – den sie sich im Fall von Silvia Arber mit dem Friedrich-Miescher-Institut teilt. Die «Advanced Grants» sind Teil des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms, an dem sich dank der bilateralen Verträge auch Forschende in der Schweiz beteiligen können. Mit den «Advanced Grants» möchte der Europäische Forschungsrat etablierte Wissenschaftler ermutigen, innovative und risikoreiche Projekte im Bereich der Grundlagenforschung einzureichen.

Noch mehr Risikobereitschaft seitens der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler könnte jedoch nicht schaden: Die Basler Erfolgsquote lag bei dieser Ausschreibung bei sagenhaften hundert Prozent, da ausser den Eingaben der drei erfolgreichen Forschenden keine weiteren Proposals aus der Universität Basel eingereicht worden sind. Das Vizerektorat Forschung & Nachwuchsförderung hat kürzlich aufgezeigt, dass die jährlich zur Verfügung stehenden Drittmittel aus den europäischen Forschungsrahmenprogrammen zwischen sechs und acht Mio. Franken betragen. Das ist zwar ein respektabler Betrag, aber ein Vergleich mit anderen Schweizer Hochschulen lässt vermuten, dass die Universität Basel ihr Forschungspotenzial auf europäischer Ebene noch nicht voll ausgeschöpft hat. Verschiedene Beratungsangebote und Informationsveranstaltungen möchten deshalb den Forschenden die EU-Fördergefässe im laufenden Jahr detailliert vorstellen.

Weitere Informationen Ressort EUresearch, www.euresearch.unibas.ch

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U n i v e r s i tät

kOLU M n E

Deutsche an der Universität Basel von Prof. Dr. Anne Peters, anne.peters@unibas.ch

ie fühlt man sich als Deutsche an der Universität Basel? So werde ich in den letzten Monaten von in- und ausländischen Kollegen häufiger gefragt. Diese haben vor allem von der SVP-Kampagne gegen den «deutschen Filz» an der Universität Zürich gehört und auch von der Gegenanzeige, in der 200 Zürcher Professoren die Internationalität ihrer Institution verteidigten.

förderung in der Schweiz zu tun. Die Förderung dürfte jedoch mittlerweile mit den neuen Instrumenten des Nationalfonds wie Ambizione und Förderprofessuren besser sein als in Deutschland. Das Zahlenverhältnis bei Bewerbungen spiegelt vor allem die Grössen der beiden Nationen. Die Chance, dass sich unter 40 deutschen Bewerbern ein Spitzenkandidat findet, der besser ist als die vier Schweizer, ist schlicht eine Frage der Statistik.

In Basel scheint kein Bedarf und kein Publikum für derartige Aktionen zu Wenn also der Schweizer Anteil unter bestehen. Die Universität Basel liegt im den Professoren höher gehalten werden «Die chance, dass sich ein Dreiländereck und hat immer wieder deutscher spitzenkandidat findet, ist soll, müsste man sich offen dazu bekengezielt junge deutsche Privatdozenten nen, dass über die Fachkompetenz hinschlicht eine Frage der statistik.» angeworben, etwa in der zweiten Hälfte aus zum Beispiel auch die lokale Verdes 19. Jahrhunderts, als Forscher wie Nietzsche, Dilthey, netztheit eines Bewerbers (Stichwort Fundraising) oder der Wackernagel und Ihering geholt wurden. Selbstwert der kulturellen Vielfalt in die Auswahl mit einbezogen werden dürfen. Aus der Diskussion um die FrauenförAuch die heutige Universität Basel mit einem italienischen derung sind die Schwammigkeit des Begriffs der «Qualifi kaRektor und einer österreichischen Vizerektorin hat keine tion» und die Möglichkeiten seiner Erweiterung sattsam Probleme mit Ausländern, selbst wenn diese deutsch sind. bekannt, allerdings auch die damit einhergehenden Risiken. Oder doch? An unseren sieben Fakultäten ist immerhin die Professorenschaft von zweien durch Deutsche majorisiert: «Universität» steht für Universalität. Der epistemische Uni79% der Psychologieprofessoren (11 von 14) und 70% der versalismus der Wissenschaften ist nicht an einen global zuTheologieprofessoren (7 von 10) sind deutsche Staatsbürger. gänglichen Gegenstand gebunden. Selbst lokal verwurzelte Der deutsche Professorenanteil an den übrigen Fakultäten Objekte werden oft von Forschern aus aller Welt untersucht. rangiert zwischen 47% (WWZ) und 28% (Jus). Der kleine Bekanntlich wurde das bedeutendste Buch der letzten JahrAnteil an der juristischen Fakultät erklärt sich mit der na- zehnte über die Geschichte Basels vom amerikanischen Rotionalen Gebundenheit ihres Forschungs- und Lehrgegen- manisten Lionel Gossman geschrieben. standes: Gelehrt wird vor allem schweizerisches Recht, und mit diesem haben sich Juristen, die nicht in der Schweiz aus- Die Annahme, dass die Nationalität der Forscher wissengebildet wurden, in aller Regel nicht befasst. schaft liche Erkenntnisse beeinflussen würde, ist eine Verfälschung des Wissenschaftsgedankens. Die Universität Basel Es kommt vor, dass zehnmal mehr deutsche Bewerbun- hat sich seit ihrer Gründung dem universalistischen Wisgen auf die Ausschreibung von Professuren eingehen als senschaftsideal verschrieben und sich als eine «Gelehrtenschweizerische. Dies hatte möglicherweise bis vor Kurzem republik» jenseits aller geografischen Grenzen verstanden. mit den ausgezeichneten ausseruniversitären Karriere- und Deren Grenzen sind allein, woran der Psychologe Meinrad Verdienstmöglichkeiten und einer schwachen Nachwuchs- Perrez kürzlich erinnerte, die Grenzen der Vernunft.

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Illustration: Raphael Gschwind

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U n i v e r s i tät

Habilitation steht zur Debatte

au s de n M ed i e n

n  Dank Tenure Track erfolgt heute die Wahl auf eine ordentliche Professur oft ohne Habilitation. Damit stellt sich die Frage, was die «Habil» denn sein soll: Ein wissenschaftlicher Qualifikationsnachweis? Eine Anerkennung von geleisteten akademischen Diensten? Oder ein Bindeglied zwischen externen Fachleuten und der Hochschule? Kommt hinzu, dass in den Fakultäten eine äusserst heterogene Praxis herrscht, was die Kriterien für die Habilitation und die Rechte und Pflichten von Habilitierten betrifft.

Aus diesem Grund hatte die Regenz eine Arbeitsgruppe beauftragt, Empfehlungen für eine Revision der universitären Habilitationsordnung zu entwickeln. Im März und April diskutierte sie diese Vorschläge, darunter die strategische Ausrichtung der Habilitation als Lehrqualifikation, die Abschaffung der Lehrverpflichtung und die Entlöhnung der Lehrveranstaltungen von Privatdozierenden.

n  Höhere Gebühren für ausländische Studis? Der CVP-Grossrat Oswald Inglin fordert höhere Studiengebühren für ausländische Stu­ denten. «Jeder sechste Studierende an der Uni­ versität Basel stammt mittlerweile aus dem Aus­ land», so lnglin. «Diese bezahlen die normalen Studiengebühren von 700 Franken pro Semes­ ter, obwohl sie für die Universität Kosten von 50 Millionen Franken verursachen. Das muss jetzt ein Ende haben», sagt Inglin. (10.2.2010)

n  Keine höheren Studiengebühren für Aus­

Die offene Debatte zeigte die unterschiedlichen Bedürfnisse der Fakultäten auf: In den Naturwissenschaften faktisch abgeschafft, möchte zum Beispiel die Philosophisch-Historische Fakultät die Habilitation behalten, um die Karrierechancen des eigenen akademischen Nachwuchses nicht zu kompromittieren. Die Medizin macht geltend, in der Lehre auf die Privatdozierenden angewiesen zu sein. Die Regenz hat nun beschlossen, den Titel des Privatdozenten beizubehalten. Zudem hat das Gremium die Vorschläge zur Überarbeitung an die Arbeitsgruppe zurückgewiesen und sie um weitere Abklärungen gebeten, welche finanziellen Folgen eine Abschaffung der Lehrpflicht nach sich ziehen würde.

länder «Wir beabsichtigen in Basel keine Erhö­ hung der Gebühren für ausländische Studieren­ de. Dies wäre in Basel politisch inadäquat und liefe zudem unserem schon geografisch beding­ ten Interesse an Studierenden aus dem grenzna­ hen Ausland zuwider.» Prof. Antonio Loprieno, Rektor der Universität Basel (17.4.2010)

n  Uni-Fest lockte die Massen an. Die ver­ gangenen zwei Tage war für einmal Liestal das Herzstück der Universität Basel. Die Feierlich­ keiten zum 550-Jahr-Jubiläum der altehrwürdi­ gen Institution entpuppten sich dabei als wasch­ echtes Volksfest. Mit dem Markt des Wissens auf dem Obergestadeck trafen die Organisato­ ren offensichtlich den Nerv der Zeit, denn mit offiziell bestätigten 15 – 20 000 Besuchern fan­ den fast doppelt so viele Menschen den Weg nach Liestal wie erhofft. (19.4.2010)

n  Basler Forscher dringen tiefer in die Zelle

Foto: Peter Schnetz

ein. Forscher der Universität Basel haben her­ ausgefunden, wie einer der wichtigsten Baustei­ ne für die Nachrichtenübertragung im Gehirn zusammengesetzt ist. Das könnte zu besseren Medikamenten gegen multiple Sklerose oder Suchterkrankungen führen. (20.4.2010)

Habilitation: Die Regenz hält am Titel «Privatdozent» fest.

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Trouvaillen aus den ersten hundert Jahren der Universität Basel: Prof. Martin Wallraff und Sara Stöcklin haben für die «Schatzkammern»-Ausstellung wertvolle Schriftstücke und Objekte zusammengetragen.

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F o ku s

Au s s t e l lu n g « S c h at z k a m m e r n d e r U n i v e r s i tät B a s e l »

Schätze aus der Gründungszeit Text: Anna Wegelin, wegelin@magnet.ch; Foto: Claude Giger

Die Universität Basel ist nicht nur die älteste Hochschule der Schweiz. Ihre spätmittelalterliche Gründung fällt auch in eine Zeit gesellschaftlicher Spannungen. Die sehenswerte Ausstellung «Schatzkammern der Universität Basel» zeigt kostbare Urkunden und Objekte aus den ersten hundert Jahren der «hohen Schule».

D

ie feierliche Gründung der Universität Basel am 4. April 1460 erfolgte mit der Erlaubnis und dem Segen von Papst Pius II. Er war eine Schlüsselfigur bei der Universitätsgründung, die Stadtbürger vorangetrieben hatten. Basel galt im Spätmittelalter als wichtiges kirchliches Zentrum. Doch die Kirche hatte zunehmend einen schweren Stand, erklärt Prof. Martin Wallraff, Ordinarius für Kirchen- und Theologiegeschichte. «Das Basel der Gründungsjahre war durch soziale und politische Spannungen gekennzeichnet», so der Theologieprofessor. Das nach mehr Autonomie strebende Bürgertum rüttelte an der Autorität des Fürstbistums. Allianz von Kirche und Stadt

Martin Wallraff und Sara Stöcklin-Kaldewey, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Kirchengeschichte, haben die Ausstellung «Schatzkammern der Universität Basel» organisiert. Sie eröffnete, genau eine Woche nach dem feierlichen Auftakt zum Uni-Jubiläumsjahr in Liestal, mit Feierlichkeiten im Basler Münster: dort, wo vor 550 Jahren die Geburtsstunde der «hohen Schule» in einer bemerkenswerten Allianz von Kirche und Stadt besiegelt wurde. Bis Ende November sind im Hochchor der Stadtkirche ausgewählte Urkunden und Objekte aus den ersten hundert Jahren der Universität zu bestaunen, angefangen beim Basler Konzil (1431–1449) bis zur Neuorganisation der Universität infolge der Reformation von 1529. Zu den eindrücklichsten Dokumenten der Ausstellung gehört die päpstliche Stiftungsbulle (siehe Seite 11). Die in einem vertrackten Latein formulierte Urkunde spielte eine zentrale Rolle bei der Universitätsgründung.

Über dreissig Schriftstücke und Objekte, darunter das Szepter, das bis heute jedes Jahr für den Dies Academicus hervorgeholt wird, werden in Vitrinen zu den folgenden acht Themenbereichen gezeigt und beschrieben: Gründung, Stadt Basel, Universitätsbetrieb, Humanismus und Buchdruck, Universalienstreit, Konzil, Klerus und Klöster sowie Reformation. Zusammen mit einleitenden Texten und Kurzporträts von Persönlichkeiten wie Johannes Oekolampad oder Erasmus von Rotterdam entsteht so ein spannender Einblick in Organisation, Wesen, Status und Entwicklung der jungen Wissensstätte, die auch eine moralische Institution war. So erfahren wir im Themenbereich «Universitätsbetrieb», dass die Hochschule für die Rechtshändel ihrer Mitglieder verantwortlich war und deshalb die meist jungen Schüler (im Durchschnitt 16 Jahre) unter Eid verpflichtete, sich sittsam

Ser v i c e

Schatzkammern der Universität Basel Ausstellung im Hochchor des Basler Münsters, bis 26. November 2010. n  Öffnungszeiten während der Sommerzeit von Montag bis Samstag, 10 –17 Uhr; Sonn- und Feiertage, 11.30 –17 Uhr. Während der Winterzeit von Montag bis Freitag, 11 –16 Uhr; Samstag, 11 – 17 Uhr; Sonn- und Feiertage, 11.30 –16 Uhr. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog: Schatzkammern der Universität Basel. Die Anfänge einer 550-jährigen Geschich­ te. Herausgegeben im Auftrag des Rektorats von Martin Wallraff und Sara Stöcklin-Kaldewey. Schwabe Verlag, Basel 2010, 128 Seiten, Fr. 25.– Begleitend zur Ausstellung findet die Vortragsreihe «Kon­ texte der Universitätsgründung» statt, zudem lassen sich von Mai bis November öffentliche Führungen durch Aus­ stellung und Staatsarchiv besuchen. Weitere Informationen: www.550.unibas.ch/schatzkammern

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FOKUS

Kl i m a , L i c h t u n d S i c h er h e i t

Tücken einer Ausstellung

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ls Sara Stöcklin-Kaldewey und Martin Wallraff von der Theologischen Fakultät einen geeigneten Ort für die Ausstellung «Schatzkammern der Universität Basel» suchten, einigten sie sich schnell auf das Basler Münster: Denn hier fand vor 550 Jahren der feierliche Gründungsakt der Hochschule statt. Der Ausstellungsort Kirche – ein grosser Raum mit leichten Temperaturschwankungen je nach Jahreszeit und ohne museumsübliche Infrastruktur – forderte grosse zusätzliche Anstrengungen. «Wir waren uns zuerst der Tücken nicht bewusst», so Sara Stöcklin.

Die kostbaren Schriftstücke und Gegenstände mussten in konservatorischer Hinsicht adäquat präsentiert und vor Langfingern geschützt werden. «Das Licht darf nicht zu stark, Temperatur und Feuchtigkeit müssen stabil sein und die Sicherheit gewährt», erklärt die Theologin. So mussten die Vitrinen im deutschen Gummersbach speziell angefertigt werden, unter anderem mit Klimagerät und UV-Schutzfolie. Die Basler Agentur «Stauffenegger + Stutz» für visuelle Gestaltung, die zur Ausstellung eine Installation mit Diaprojektionen an die Kirchenwände kreierte, hatte zur Aufgabe, genau die richtige Lichtmenge auf die Ausstellungskästen zu werfen, die selber ohne Innenbeleuchtung auskommen müssen. Um Kosten zu sparen, werden die Vitrinen nach der Ausstellung von der Universitätsbibliothek übernommen. Damit sie dort durch die Türen gehen, durften sie eine bestimmte Grös­se nicht überschreiten. Eine Sicherheitsfirma schliesslich stellt die Alarmanlage und Videoüberwachung. Kopfzerbrechen bereitete schliesslich die einzige «externe» Leihgabe in der Ausstellung, eine Büste des UniMitbegründers Papst Pius II.: Da sie im Besitz der römisch-katholischen Kirche ist, musste sie extra versichert werden. Doch der Wert der Büste, eine Schenkung, war nirgends festgehalten. «Wir haben enorm viel dazu gelernt», meint Sara Stöcklin. Licht, Klima und Sicherheit für die «Schatzkammern der Universität Basel» kosteten rund 100  000 Franken – fast ein Drittel des Gesamtbudgets der Ausstellung.

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zu verhalten. In den ersten Jahrzehnten mussten sie sogar in überwachten Wohngemeinschaften, sogenannten «Bursen», leben – das pure Gegenteil von heutigen Wohngemeinschaften. Die Ausstellung «Schatzkammern der Universität Basel» kostete (ohne den Aufwand für das Personal) rund 360 000 Franken, die hauptsächlich von drei Basler Stiftungen finanziert wurden. Gesamtes Ausstellungsmaterial aus Basel

«Die Gründungsgeschichte der Universität Basel ist nicht nur relativ gut dokumentiert», sagt der Ausstellungsmacher Martin Wallraff. «Die Quellen befinden sich auch komplett vor Ort.» Die Exponate und Schriftstücke stammen vor allem aus den Beständen des Staatsarchivs und der Universitätsbibliothek, aber auch von der universitären Kunstsammlung und vom Frey-Grynaeischen Institut der Theologischen Fakultät am Heuberg. Teilweise sind sie zum ersten Mal in der Öffentlichkeit zu sehen. So wird zum Beispiel der erste Band der Rektoratsmatrikel erstmals nach seiner Restauration im Themenbereich «Gründung» gezeigt, gemäss Wallraff ein «extrem prächtiger Kodex mit preziosem Schmuck». Die 1460 entstandene kostbare Pergamenthandschrift umfasst die ersten hundert Jahre Universitätsgeschichte auf 220 Blättern. Auf der ersten Seite ist der Gründungsgottesdienst im Münster bildlich dargestellt, mit der Troika Bischof, erster Rektor und ehemaliger Stadtbürgermeister in der Mitte. Über 8000 Studenten und rund 150 Rektoren sind in der Matrikel verewigt. «Schatzkammern der Universität Basel» ist eine unaufgeregte wissenswerte Ausstellung mit einer inhaltlich sorgfältigen Dramaturgie, die der frühen Hochschule am Rheinknie alle Ehre macht. Dabei wird auch ein Blick in ein bahnbrechendes Stück Stadtgeschichte gewährt, das mit dem Konzil von Basel eingeleitet wurde. Die Versammlung von mehreren Hundert Geistlichen und Gelehrten (unter ihnen auch die Gesandten von neun Universitäten) führte Prozesse über wichtige politische Konflikte in der damaligen Zeit und setzte sich 1439 vom Papst ab. Wegen des Konzils wurde die Infrastruktur der Stadt ausgebaut und im Juni 1433 sogar das Studium generale, ein Vorläufer der Universität Basel, für die zahlreichen Konzilteilnehmenden aus dem In- und Ausland eröffnet. «Als Kommunikationszentrum, Bücher- und Kunstmarkt besass das Basler Konzil in seinem Jahrhundert eminente Bedeutung», weiss das Historische Lexikon der Schweiz. Und so kam es, dass ein kirchlich-weltlicher Bund unter den besten Voraussetzungen die älteste Universität der Schweiz ins Leben gerufen hat.


Die Wissenschaft führe den Menschen zur klaren Erkenntnis der Geheimnisse der Welt: Stiftungsbulle der Universität Basel, ausgestellt im lombardischen Mantua am 12. November 1459. (Staatsarchiv Basel­Stadt, Städt. Urk. 1658)

Die päpstliche stiftungsbulle Text: Sara Stöcklin-Kaldewey, sara.stoecklin@unibas.ch

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ie Basler Gelehrten und Ratsherren, die seit Längerem von einer Universitätsgründung träumten, hatten Grund zur Freude, als 1458 ein neuer Papst gewählt wurde. Der ehemalige Konzilssekretär Aeneas Silvius Piccolomini, nunmehr Pius II., kannte und schätzte die Rheinstadt. Ein Vorteil, der genutzt werden sollte – gute Beziehungen zählten damals wie heute. Bürgermeister Hans von Flachsland wurde nach Mantua geschickt, um dem neuen Papst zur Wahl zu gratulieren und (nebst anderen Anliegen) den Wunsch nach der Gründung einer Universität vorzubringen. Er stiess auf wohlwollende Zustimmung. Gute Beziehungen ermöglichten auch die rasche Ausfertigung der päpstlichen Stiftungsbulle. Der Bruder des Bürgermeisters war päpstlicher Kämmerer und unterstützte die Basler bei der Überwindung der kurialen Bürokratie. Am 12. November 1459 wurde die Urkunde von Pius II. unterschrieben. Jenseits der üblichen Kanzleiformeln lässt sich in den Worten eine persönliche Note erkennen. Die Wissenschaft, so wird eingangs festgehalten, mache den Menschen «Gott ähnlich» und führe ihn «zur klaren Erkenntnis der Geheimnisse

der Welt». Die von den «geliebten» Baslern gewünschte Universität solle dazu beitragen, dass der «Glaube sich verbreite, die einfachen [Gemüter] unterrichtet werden mögen, der Gleichheit gedient sei, verständiges Urteil kräftig gedeihe, der Geist der Menschen erhellt und ihr Verstand erleuchtet werde.» Als Ort, «der sich einer milden Luft erfreut, wo Überfluss an Nahrungsmitteln und eine Fülle aller andern zum täglichen Leben nötigen Dinge gefunden wird», eigne sich Basel ausgezeichnet als Stätte der Bildung. Die Stadt solle daher fortan «mit den Gaben der Wissenschaft geschmückt» werden und «Männer hervorbringen, die durch Reife des Urteils auffallen, [...] gelehrt in der Weisheit der verschiedenen Fakultäten». Am 4. April 1460 wurde die Bulle zur Gründung der Universität im Basler Münster verlesen, wo sie heute, nach 550 Jahren, abermals zu bewundern ist. Sara Stöcklin-Kaldewey ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Fach­ bereichs Kirchengeschichte und war für die Konzeption und Realisation der Schatzkammern­Ausstellung verantwortlich. Weitere informationen zur Stiftungsbulle fi nden sich im Katalog zur Ausstellung «Schatzkammern der Universität Basel», Schwabe, Basel 2010 (Beitrag von Prof. Maria Antonietta Terzoli).

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FoKUs

W i s s en B e W eg t u n s – e i n ko n g r e s s z u m t h e m A W i s s en

Blick über den Zaun Text: Reto Caluori, reto.caluori@unibas.ch

am Wissenskongress diskutieren ende Mai prominente Wissenschaftler aus dem Blickwinkel verschiedener

nisiert wird, diskutieren Wissenschaft ler und Autoren Zukunftsentwürfe in Wissenschaft und Literatur.

Fachbereiche über die Perspektiven der Wissenschaft. Dabei stehen die themen Mensch, Kultur, technologie und Welt im Zentrum.

«D

er Wissenskongress möchte nicht die Vergangenheit beschwören, sondern Zukunftsperspektiven thematisieren – wie das ganze Jubiläumsjahr», erklärt Prof. Hans-Joachim Güntherodt, der bei der Organisation des Kongresses federführend war. Während vier Tagen, vom 25. bis 28. Mai, betrachten die Wissenschaft ler Luc Montagnier, Timothey Besley, Stephen Shennan und Horst Bredekamp in Vorträgen und Workshops die Themen Mensch, Kultur, Technologie und Welt – grosse Themen von zeitloser und fundamentaler Bedeutung. Gleichsam als eigene Tagung fügt sich daran am 29. Mai «Science + Fiction» an. An der eintägigen Veranstaltung, die von Prof. Joachim Seelig orga-

Wissen bewegt uns – ein Kongress zum thema Wissen

«Wir wollen die Schnittstelle thematisieren, an der wissenschaft liches und öffentliches Interesse konvergieren», erläutert Güntherodt die Wahl der Themen: «Dadurch kann das wissenschaft liche Reflexionspotenzial der Universität Basel sichtbar gemacht werden.» Die Vorträge in der Aula richten sich denn auch nicht an Spezialisten, sondern an ein breites Publikum in- und ausserhalb der Universität, das sich für Wissenschaft interessiert. Güntherodt denkt da etwa an die Alumni und Mitglieder der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft, sowie an Forscherinnen und Forscher, die in der Industrie tätig sind. Besonders am Herzen liegen dem ehemaligen Basler Rektor aber die Angehörigen der Universität: «Im Rahmen der 550-Jahr-Feier wird viel gemacht für die allgemeine Bevölkerung. Ich habe mir ge-

luc Montagnier World Foundation AIDS, Paris

timothy J. Besley London School of Economics and Political Science

n Der Wissenskongress vom 25. bis 29.

«hiv/aiDs research: past and

«transparency and accountability

Mai 2010 bietet fünf prominenten Wissen­

prospects»

in economic Policy Making»

schaftlern aus ganz unterschiedlichen Fach­

25. Mai, 18 Uhr, Aula des Kollegienhauses

26. Mai, 18 Uhr, Aula des Kollegienhauses

pektiven der Wissenschaft zu refl ektieren.

Im Mai 1983 hat Prof. Luc Montagnier erst­

Der britische Ökonom und Politikwissen­

Neben den öffentlichen Vorträgen haben die

mals über die Isolierung des Aids­Erregers

schaftler Prof. Timothy J. «Tim» Besley hat mit

Mitarbeitenden und Studierenden der Uni­

berichtet, der später den Namen «Humanes

seiner Forschung zur öffentlichen Wirtschaft,

versität Basel die Möglichkeit, in Workshops

Immundefi zienz­Virus» (HIV) erhielt. Dafür

zur politischen Ökonomie und zur Ökonomie

direkt mit den Referenten ins Gespräch zu

wurde Montagnier zusammen mit Françoise

der Entwicklungsländer auf sich aufmerksam

kommen.

Barré­Sinoussi 2008 der Nobelpreis für Me­

gemacht. Neben seiner Professur an der LSE

dizin und Physiologie zuerkannt. Heute steht

berät der 48­Jährige die Europäische Kommis­

Das detaillierte Programm fi ndet sich auf

der 1932 geborene Virologe als Direktor der

sion, die Weltbank und das Finanzministerium

der Jubiläumswebsite: www.550.unibas.ch

Weltstiftung für Aids­Forschung und ­präven­

Ihrer Majestät.

bereichen eine Bühne, um über die Pers­

tion in Paris vor.

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FoKUs

sagt, wir sollten zum Jubiläum auch etwas für die Wissenschaft, für die Universität und für die Mitarbeitenden tun.» Den Wissenskongress wünscht sich Güntherodt als Anlass, an dem die Fakultäten zusammenkommen und Visionen entwickeln, wie wir in Zukunft mit Wissen umgehen: «Vieles Wissen können wir heute leicht über Google abfragen. Aber wir müssen neu mit dem Wissen umgehen, neu denken und die richtigen Fragen stellen. Für mich hat das riesige Konsequenzen für die Universität und die Ausbildung», sagt der Nanowissenschaft ler, der die Universität Basel in einer zukunftsträchtigen Disziplin an die Weltspitze gebracht hat. Für die Organisation des Kongresses war eine rollende Planung nötig. Microsoft-Gründer Bill Gates musste absagen, zudem konnte keine der angefragten Wissenschaft lerinnen die sich abzeichnende Männerrunde ergänzen. Mit dem Line-Up ist Güntherodt dennoch hochzufrieden: «Zwei Engländer, ein Amerikaner, ein Franzose und ein Deutscher – damit haben wir eine gute Mischung.» «Wir wollten die Referenten nicht entlang der Fakultäten aussuchen, sondern Personen finden, die Fachbereiche und Themen übergreifen.» In Bezug auf die vier Themen Mensch, Kultur, Technologie und Welt lassen sich die Sprecher denn

stephen shennan University College, London

auch nicht eindeutig zuordnen. Diese Diff usion wünscht sich Güntherodt auch im Publikum: «Das ist eine grosse Herausforderung. Normalerweise gehen die Kulturwissenschaft ler zu kulturwissenschaft lichen Veranstaltungen und die Naturwissenschaft ler zu naturwissenschaft lichen. Wir wollten das mischen und auf den Kern der Universität zurückkommen: nämlich den Blick über den Zaun zu wagen.» Vom Kongress erhofft er sich einen Ausblick, «wie wissenschaft liche Erkenntnisse auf Basis des Denkens unsere Welt auf allen Gebieten verändern werden». Zentral ist dabei der fakultätsübergreifende, inter- und transdisziplinäre Charakter der Veranstaltung: «Es geht darum, die Universität als Ganzes wahrzunehmen, wo es durch Denken zu Wissen kommt, und das Zusammenwirken von allem.» Klingt das nicht nach einer losen Klammer, unter der sich alle zu einem Jubiläumsakt zusammenfinden können? Nein, widerspricht Güntherodt: «Die Veranstaltungen des Wissenskongresses sollen als wissenschaft liche Höhepunkte des Jubiläums in bester Erinnerung bleiben.» Interdisziplinarität sei mehr als nur ein Thema für die Sonntagspredigt: «Lösungen für die grossen Fragen kommen aus Grundlagen. Und die grundlegenden Neuerungen sind zumindest in den Naturwissenschaften immer von den Rändern gekommen.»

horst Bredekamp Wissenschaftskolleg zu Berlin

ray Kurzweil Kurzweil Technologies

«the Darwinian analysis of

«galilei und die Künstler»

«interaction science-Fiction in

cultural traditions»

28. Mai, 18 Uhr, Aula des Kollegienhauses

shaping the Future» 29. Mai, 9 Uhr, Aula des Kollegienhauses

27. Mai, 18 Uhr, Aula des Kollegienhauses Als Professor für theoretische Archäologie hat

Der an der Humboldt­Universität lehrende

Raymond «Ray» Kurzweil hat sich in den letz­

Stephen Shennan die Ur­ und Frühgeschich­

Kunstwissenschaftler Prof. Horst Bredekamp

ten Jahrzehnten als einer der einfl ussreichs­

te mit innovativen Modellen um neue Denk­

hat massgeblich zur Entwicklung der Bildwis­

ten Erfi nder profi liert. Der MIT­Absolvent ent­

ansätze erweitert. Seine «Darwinistische

senschaft als neuer Disziplin beigetragen.

wickelte Synthesizer, eine Lesemaschine für

Archäologie» erforscht die kulturelle und tech­

Mit einem akribischen, anderen Blick gelingt

Blinde sowie Spracherkennungsprogramme.

nische Evolution anhand von Ausgrabungser­

es ihm, seinen Betrachtungsgegenständen

Bis 2045, so die neusten Thesen des Futu­

gebnissen und kombiniert anthropologische

– unter anderem Darwins Notizbücher und

risten, werden uns die Computer intellektuell

Forschung mit neuesten neurologischen Er­

Galileis Mondbilder – ganz neue Einsichten

überragen und Nanoroboter in unseren Blut­

kenntnissen.

abzugewinnen.

bahnen Krankheiten bekämpfen.

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FOKUS

U n i v e r s i tät s s t i f t u n g B a s e l

Exzellente Leistungen ermöglichen Interview: Reto Caluori, reto.caluori@unibas.ch; Fotos: Peter Schnetz

Im Vorfeld der 550-Jahr-Feier hat die Universität Basel eine eigene Stiftung gegründet, um die Exzellenz in

Fall diese Pfeiler entlasten, sondern zusätzliche Leistungen ermöglichen.

Forschung und Lehre gezielt zu fördern. Das Jubiläumsjahr möchte sie zum Anlass nehmen, ihre Sammeltätigkeit aufzunehmen. «uniintern» sprach mit dem Stiftungsratspräsidenten Dr. Ulrich Vischer.

Herr Vischer, was beabsichtigt die Universitätsstiftung? Über die Stiftung sollen Private dazu beitragen können, die Universität auf ein international konkurrenzfähiges Level zu bringen. Es sollen Projekte gefördert werden, die der Strategie der Universität entsprechen, also sowohl in den Profilierungsbereichen «Kultur» und «Life Sciences» als auch ausserhalb. Dafür zusätzliche private Mittel zu generieren, die uns gestatten, hervorragende Wissenschaftler und ihre Forschung zu fördern, das ist das Ziel dieser Stiftung. Wozu benötigt die Universität zusätzliche private Mittel? Die Finanzierung der Universität steht auf mehreren Beinen. Hauptsächlich sind es die Beiträge der beiden Trägerkantone und des Bundes sowie Drittmittel, wovon dank hervorragender Projekte ein guter Teil vom Nationalfonds stammt. Die Universitätsstiftung soll auf keinen

U n i v er s i t ä t s s t i ftu n g B a s el

Exzellenz fördern n  Die Universitätsstiftung Basel möchte mit privaten Mit­ teln die Realisierung von Projekten ermöglichen, die aus dem regulären Etat nicht zu finanzieren sind. Geleitet wird sie durch einen Stiftungsrat, dem Dr. Ulrich Vischer (Präsi­ dent), Klaus Endress (Vizepräsident), Dr. Dominik Koechlin, Dr. Georg Krayer, Prof. Dr. René Rhinow, Dr. Rolf Soiron und Dr. Thomas Staehelin angehören. Ein Patronatskomitee mit elf Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wis­ senschaft unterstützt den Stiftungsrat bei der Äufnung. Die Geschäfte der Universitätsstiftung Basel führt der Adjunkt des Rektors, Dr. Beat Münch.

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Welche Bereiche möchten Sie mit den Mitteln denn fördern? Wir möchten Vorhaben fördern, die mit der Strategie der Universität in Einklang stehen. Im Unterschied zu anderen privaten Geldern, mit denen Spender oft spezielle Wünsche einbringen bzw. aus den verschiedensten Bereichen vorgebrachte Wünsche erfüllen können, soll die Universitätsstiftung speziell dort besondere Anstrengungen ermöglichen, wo die Universität stark sein möchte.

«Private können helfen, die Universität auf einen exzellenten Level zu bringen.»

Können davon auch Fachbereiche ausserhalb der beiden Profilierungsschwerpunkte profitieren? In unserer umfassenden Strategie kommen nicht nur die beiden Profilierungsbereiche «Kultur» und «Life Sciences» vor. Wir möchten auch auf anderen Gebieten Exzellenz bieten, weshalb es vorgesehen ist, dass die Universitätsstiftung auch andere Fachbereiche unterstützt. Wenn also zum Beispiel ein hervorragendes Projekt etwa von den Ökonomen oder den Medienwissenschaftlern kommt, ist das natürlich auch förderungswürdig. Wen wollen Sie um Spenden angehen? Wir möchten mit der Universitätsstiftung die Identifikation der Gesellschaft und der Wirtschaft mit der Universität stärken. Das sind denn auch die beiden Bereiche, die wir im Jubiläumsjahr ansprechen werden, also private Personen und Wirtschaftsunternehmen. Dabei soll die Universitätsstiftung die Bemühungen der Fakultäten und der Forscher um Drittmittel nicht konkurrenzieren, die eigentlich die besten Einwerber von Drittmitteln sind. Auch die über ein Dutzend Stiftungen und über 200 Fonds, die mit ihren Zwecksetzungen zugunsten der Universität wirken, bleiben unersetzlich.


Hochkarätige Leistungen: Die von Dr. Ueli Vischer präsidierte Universitätsstiftung Basel möchte mit privaten Mitteln die Exzellenz in Forschung und Lehre steigern und die Nachwuchsförderung intensivieren.

Können die Spender auf die Verwendung ihrer Gelder Einfluss nehmen? Wir haben verschiedene Spendemöglichkeiten festgelegt. Bei der für uns idealen Variante gibt der Spender sein Geld in die Stiftung und der Stiftungsrat verwendet es auf Antrag des Rektorats im Interesse dessen, was er für die Universität förderlich hält. Möchte der Spender etwas präziser wählen, was mit seinem Geld geschieht, kann er in einen von fünf durch die Stiftung eingerichteten Fonds mit von der Stiftung schwergewichtig definierten Zwecken einbezahlen. Schliesslich kann ein Spender zugunsten der Stiftung auch einen besonderen Fonds mit selbst definierter Zwecksetzung einrichten. Wir wollen also möglichst allen die Möglichkeit bieten, der Universitätsstiftung etwas zu geben und sich darin so wiederzufinden, wie sie das eben möchten.

«Senior Excellence» und «Junior Excellence» sollen besondere Aufmerksamkeit erhalten – was heisst das? Für die erste Sammelrunde, die jetzt im Jubiläumsjahr ansteht, möchten wir die Exzellenzkampagne auf eine bestimmte Gruppe von Destinatären fokussieren, konkret auf die «Gewinnung von erfahrenen, profilierten Forscherpersönlichkeiten» einerseits und die «Förderung junger Wissenschaftler» andererseits. Das gilt aber nur für das Jubiläumsjahr; danach kann und wird es auch wieder andere Förderschwerpunkte geben. Die genannten Zwecksetzungen bleiben parallel dazu unverändert. Wie kann man sich um Stiftungsmittel bewerben? Sobald die Sammlung von Erfolg gekrönt sein wird, können Vorschläge und Gesuche an das Rektorat gerichtet werden. Dieses unterbreitet seine Anträge sodann dem Stiftungsrat.

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Leiht sich eine Neuerwerbung zuweilen gerne selber aus: Dorothea Trottenberg, Übersetzerin und Fachreferentin für Slavistik an der Universitätsbibliothek.

D o r o t h e a T r o t t en b e r g

«Ich hatte einen guten Russischlehrer» Text: Michel Ecklin, michel.ecklin@mr41.ch; Foto: Peter Schnetz

Als Fachreferentin für Slavistik und Osteuropa-Studien nimmt Dorothea Trottenberg viele Bücher nur kurz in die Hand. Als Übersetzerin hingegen hat sie monatelang mit demselben Buch zu tun.

A

uf dem Tisch von Dorothea Trottenberg stapeln sich jede Woche dicke Kataloge. Darin sind Listen mit Tausenden von Neuerscheinungen, die grosse Bibliotheken erstellt haben. Auch die Fachverlage schicken ihr Broschüren mit Neuheiten. Zudem kursieren unter Slavistinnen und Slavisten E-Mails mit neuen Publikationen, und schliesslich durchsucht sie selbst die Fachzeitschriften nach Neuerscheinungen.

«An die Daten der neuen Bücher zu kommen, ist nie ein Problem», sagt sie. «Schwieriger ist es, diejenigen auszuwählen, welche die Universitätsbibliothek erwerben soll.» Ihre per-

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sönlichen Interessen als Slavistin und Osteuropa-Historikerin dürfen bei der Wahl keine Rolle spielen, betont Dorothea Trottenberg. Sie muss die vorhandenen Bestände sinnvoll ergänzen und dabei die Sammelschwerpunkte der UB berücksichtigen, in Absprache mit dem Slavischen Seminar und dem Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte am Historischen Seminar. Zudem berücksichtigt sie Wünsche von UBBenutzern und Instituten, etwa in Hinblick auf Lehrveranstaltungen. Alle erworbenen Bücher landen bei ihr auf dem Tisch. Jedes Buch versieht sie mit Schlagwörtern, um es über die Themensuche im Katalog auffindbar zu machen. Fünf bis zehn Minuten lang durchblättert sie jedes Werk, um sich einen Überblick über den Inhalt zu verschaffen. «Das ist natürlich nicht viel», sagt sie. «Aber es passiert schon mal, dass ich eine Neuerwerbung selber ausleihe, wenn sie mich interessiert.»


l eU t e

Deutlich mehr Zeit verbringt Trottenberg mit einem Buch, wenn sie es übersetzt. Denn Texte vom Russischen ins Deutsche zu übertragen, bildet für sie das zweite berufliche Standbein. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sie viel Belletristik, aber auch Philosophisches und Kulturwissenschaft liches übersetzt. Aktuell arbeitet sie an einer mehrbändigen Edition des russischen Literaturnobelpreisträgers Iwan Bunin, die ihr Ehemann Prof. Thomas Grob herausgibt. Unlängst übertrug Trottenberg auch einige weniger bekannte Erzählungen Anton Tschechows ins Deutsche, die dieses Jahr zum 150. Geburtstag des Autors erschienen sind (siehe Kasten). Von der ersten Rohfassung über den parallelen Textvergleich bis hin zum Gegenlesen der gesetzten Seiten braucht sie um die drei Stunden – pro Seite.

«Nach zwei Jahren Arbeit an ‹Krieg und Frieden› war es schwierig, mich davon zu trennen.» Die grösste Herausforderung besteht darin, einen dem Werk angepassten Stil zu finden und diesen konsequent durchzuziehen. «Ich brauche manchmal eine halbe Stunde, um ein passendes deutsches Wort zu finden», erklärt die freischaffende Übersetzerin. So überrascht es nicht, dass sie zwei Jahre lang mit Lew Tolstois 1400-Seiten-Epos «Krieg und Frieden» beschäftigt war. «Danach war es schwierig, mich davon zu trennen.» reiseleiterin in der sowjetunion

Ihre Zuneigung zu Sprache und Kultur Osteuropas entdeckte die 52-Jährige schon als Jugendliche. «Ich hatte einen guten Russischlehrer», sagt sie rückblickend. Noch vor der Öffnung des Ostblocks konnte sie als eine der wenigen WestWissenschaft lerinnen in der Sowjetunion forschen und arbeitete dort auch als Reiseleiterin. Sie wusste schon früh, dass sie ihr Interesse für Osteuropa mit der Liebe zu Büchern verbinden wollte. Deshalb liess sie sich neben ihrem Studium zur Bibliothekarin ausbilden. Heute umfasst ihre Aufgabe als Fachreferentin die Beratung der Bibliotheksbenutzerinnen und -benutzer. «Hilfe zur Selbsthilfe» lautet ihr Grundsatz, wenn jemand Mühe bei der Literatursuche hat. Dorothea Trottenberg schätzt es, als Fachreferentin nicht nur am Schreibtisch zu sitzen, sondern mit den konkreten Anliegen der Benutzer zu tun zu haben. «Da sehe ich, wofür ich all die Bücher in der Hand habe.»

PROjEkT

Figuren mit Tiefenschärfe Text: Prof. Thomas Grob, thomas.grob@unibas.ch

A

nton Tschechow (1860–1904) ist einer der meistgespielten Autoren der Welt, seine Erzählungen gehören zum Grundbestand der Weltliteratur. Unerreicht sind seine ironische, doppelbödige Leichtigkeit, die sanfte Melancholie und eine Komik, die immer eine Komik des Alltäglichen ist und eine Form des höheren Ernstes. Zu Tschechows 150. Geburtstag versammelt der Band «Eine Bagatelle» elf Geschichten aus einer Zeit, als er sich von den frühen Humoresken löste, mit denen er schon als Student seinen Lebensunterhalt und den seiner Familie verdient hatte. Den Humor bewahrt er sich, doch die Themen werden ernster, die Figuren gewinnen an Tiefenschärfe. Und bereits beherrschte Tschechow die Kunst, über die scheinbare Oberfläche des Dialogs alle Dimensionen menschlicher Existenz anzudeuten. Tschechow zu übersetzen ist keineswegs einfach. Bei ihm gibt es kein überflüssiges Wort, keinen falschen Ton. Gerade die Leichtigkeit, die Alltäglichkeit, der vielschichtige Ton sind schwer in eine andere Sprache zu bringen. «Eine Bagatelle» stellt zwei Möglichkeiten der Übersetzung nebeneinander: diejenige von Alexander Eliasberg (1878–1924), einem jüdischen Intellektuellen, der zu den frühesten Übersetzern der russischen (und jiddischen) Klassiker zählt, und andererseits neue Übersetzungen von Dorothea Trottenberg. Wer aufmerksam liest, kann so das Zeitgebundene wie das Zeitlose dieser Erzählungen im Dialog der Übersetzungen heraushören. Prof. Thomas Grob ist Ordinarius für Slavische und Allgemeine Literaturwissenschaft. Anton Pawlowitsch Tschechow: Eine Bagatelle. Erzählungen von Liebe, Glück und Geld. Hoffmann und Campe, Hamburg 2010.

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Service

B e t r i e b l i c h e s G e s u n d h e i t s m a n ag e m en t

Rasch Handeln bei Langzeitabsenzen Text: Ursula Draeger, ursula.draeger@unibas.ch

Vor einem Jahr hat das Rektorat beschlossen, an der Universität ein Betriebliches Gesundheitsmanagement einzuführen. Nach Workshops mit Führungsbeauftragten prüft das Ressort Personal nun eine Mitarbeitendenbefragung. Bereits heute können sich Mitarbeitende und Vorgesetzte bei einer drohenden Langzeitabsenz

wichtig, die universitären Abläufe bei der Meldung von Arbeitsunfähigkeit zu verbessern. Konkret heisst dies, dass die Zeit zwischen Abwesenheit, Meldung und Bearbeitung durch die Krankentaggeldversicherung Sympany verkürzt werden muss, um die Voraussetzungen für ein frühzeitig ansetzendes Case Management zu verbessern.

von einer Case Managerin beraten lassen.

D

ie Workshops mit Führungskräften aus Fakultäten, Departementen und der zentralen Verwaltung hatten zum Ziel, den Nutzen des Betrieblichen Gesundheits­ managements (BGM) aufzuzeigen. Die Teilnehmenden wurden für das Thema sensibilisiert und darüber informiert, wie sie die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden am Arbeitsplatz unterstützen können. Zudem wurden sie zu Themen wie Führung, Absenzen und Arbeitsanforderungen befragt sowie um eine Einschätzung gebeten, wie sie die flächendeckende Einführung eines BGM an der Universität beurteilen.

Ein zentrales Ergebnis der Befragung ist, dass eine universitätsweite Implementierung nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie für die Organisationseinheiten keinen zusätzlichen administrativen Aufwand bedeutet und wenn es gelingt, dem einzelnen Mitarbeitenden den individuellen Nutzen des BGM aufzuzeigen. Die Auswertung liefert auch Hinweise auf mögliche Schwachstellen in der Universität als Gesamtorganisation. Deshalb prüft das Ressort Personal nun die Durchführung einer Mitarbeitendenbefragung, die neben Themen zur Mitarbeitendenzufriedenheit auch Fragen zu gesundheitlich relevanten Einflussfaktoren umfassen soll. Zu einem BGM gehört auch ein professionelles Case Management. Darunter versteht man eine koordinierte Fallbetreuung mit dem Ziel, länger erkrankte Mitarbeitende im Idealfall gar nicht zu chronisch Kranken werden zu lassen und sie bereits während einer Krankheit im Hinblick auf eine Rückkehr an den Arbeitsplatz zu unterstützen. Da Studien nachweisen, dass bei Erkrankungen mit mehr als 30 Tagen Arbeitsunfähigkeit die Chance einer beruflichen Reintegration signifikant abnimmt, ist es besonders

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In den Workshops wurde umfassend über das Dienstleistungsangebot der Case Managerin informiert, die bei Sympany für die Universität Basel zuständig ist. Sie berät zum Beispiel Vorgesetzte oder Mitarbeitende bei komplexen medizinischen Diagnosen oder bei Arbeitsunfähigkeit, die mit zusätzlichen Risikofaktoren wie einer schweren Krankheit von Angehörigen, Sucht, Trennung etc. verknüpft ist. Einen zentralen Erfolgsfaktor bildet die Aufmerksamkeit der Führungsbeauftragten, die potenziell kritische Fälle in ihrem Team frühzeitig erkennen und so die Verstetigung einer Absenz massgeblich verhindern können. Deshalb ist es wichtig, dass diese das Beratungsangebot von Sympany kennen und darauf hinweisen können. Selbstverantwortung der Mitarbeitenden

Da Krankheitsfälle an der Universität erst ab dem 60. Krankheitstag als Langzeitabsenz gelten, kommt der Eigenverantwortung der Betroffenen grosse Bedeutung zu. Mitarbeitende können das Beratungsangebot der Case Managerin von sich aus bereits früher nutzen und so dazu beitragen, dass die Absenz verkürzt wird. Ziel ist es, die Gefahr einer Chronifizierung bzw. die durchschnittliche Dauer der Langzeitabsenz um die Hälfte von 60 auf 30 Tage zu senken. Die Beratung ist für alle Mitarbeitenden der Universität kostenfrei und garantiert den Unterstützung Suchenden absolute Vertraulichkeit gegenüber dem Arbeitgeber. Ursula Draeger ist Projektleiterin im Ressort Personal und Ansprech­ partnerin zu Fragen des BGM. Weitere Informationen zum Case Management erteilen die für die jeweilige Organisationseinheit zuständigen Ansprechpersonen der Personaladministration oder Simone Jochim, Case Managerin Trust Sympany (Tel. 058 262 44 67, E-Mail: simone.jochim@sympany.ch).


Service

N EU BE RU F U NGE N

Prof. Dr. Jörg Huwyler Ordinarius für Pharmazeutische Technologie per 1. August 2010

Prof. Dr. Regina Kunz Extraordinaria für Versicherungsmedizin per 1. März 2010

n  Forschungsschwerpunkte  Mein Forschungsinteresse

n  Forschungsschwerpunkte  Meine Forschungsschwer-

gilt der Arzneimittelentwicklung. Dabei beschäftigt mich die Frage, wie Wirkstoffe innerhalb unseres Körpers mitHilfe von geeigneten pharmazeutischen Technologien zu erkrankten Geweben und Organen transportiert werden können. Die Entwicklung neuer Technologien und ihre Anwendung für biologische und klinische Fragestellungen sind dabei von besonderem Interesse. Derzeit beschäftigen wir uns mit der Herstellung von Nanopartikeln, die an geeignete Antikörper gekoppelt werden und so zelluläre Schranken im Körper überwinden können.

punkte sind Outcome-orientiert und behandeln den Ausbau der Evidenzbasis und die Integration von Evidenz in die Entscheidungsfindung der Versicherungsmedizin. Meine Forschung spricht zentrale Themen wie die Qualität in der Begutachtung, Reintegration von Menschen in den Berufsprozess oder Interventionen zur verbesserten Versorgung von Patienten mit chronischen Schmerzen an.

n  Ziele, Vorstellungen und Wünsche  Die pharmazeuti-

sche Technologie ist ein interdisziplinäres Fachgebiet, das sich zunehmend mit biologischen Fragestellungen beschäftigt. Ich möchte unseren Studenten der Pharmazie eine fundierte Grundausbildung in diesem Fach bieten und ergänzend einen neuen Schwerpunkt auf moderne biologische Anwendungen setzen. Interdisziplinäre Forschung lebt von der Interaktion mit verschiedenen Fachgebieten. Ich wünsche mir, dass die pharmazeutische Technologie zu einem starken und angesehenen Projektpartner innerhalb der naturwissenschaftlichen Fakultät wird, der eine Brücke schlagen kann zwischen Forschungsgruppen am Pharmazentrum, dem Biozentrum und dem Universitätsspital.

n  Ziele, Vorstellungen und Wünsche  Die Versicherungsmedizin ist eine junge akademische Disziplin mit Schnittstellen zu klinischer Medizin, Sozial- und Präventivmedizin, Rehabilitation, Klinischer Epidemiologie und biopsychosozialer Forschung sowie eine interdisziplinäre Ausrichtung zur Rechtswissenschaft und zur Ethik. Daneben erfordert sie die Zusammenarbeit mit Versicherungen und Patientenverbänden. Mein Ziel ist, die Versicherungsmedizin als akademisches Fach zu etablieren und wichtige Fragen mit aussagekräftiger Forschung zu untersuchen. Die Ergebnisse sollen Menschen mit Versicherungsansprüchen sowie den Sozialund Privatversicherungen helfen, Entscheidungen auf einer soliden Evidenzbasis zu treffen. Dazu benötige ich ein dynamisches Forscherteam und ein gutes (inter-)nationales Netzwerk mit engagierten Partnern. Und natürlich wünsche ich mir, dass uns der Aufbau des ersten deutschsprachigen postgraduierten Masterstudiengangs in Versicherungsmedizin gelingen wird.

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Service

P er s o n a l i a

n  Eintritte

Alexandre Brocard, Universitätsspital, Querschnittsfunktionen Gabriela Burkhalter, Universitätsbibliothek Simone Chambers, Philosophisches Seminar Mario Emmenlauer, Biozentrum Dr. Nele Hackländer, Student Services Adela Jurkovicova, Biozentrum Bao-Uyen Luu, Basel Advanced Study Centre Sonia Minerba, Universitätsbibliothek Ismail Oezden, Departement Physik Dr. Bettina Oswald, Ressort Bauten, Haustechnik, Sicherheit Christine Rotberg-Eckert, Student Services Ernestine Schikore, Universitätsrechenzentrum Esther Spinatsch, Departement Pharmazie Dr. Eva Vojtech, Geologisch-Paläontologisches Institut Sonja Weichsel, Biozentrum Christel Widia, Institut für Medizinische Mikrobiologie

T i tul a rprofe s s ure n

n  Theologische Fakultät

Prof. Dr. Markus Zehnder für Altes Testament n  Medizinische Fakultät

Prof. Dr. Barbara Claudia Biedermann für Innere Medizin Prof. Dr. Heike Freidank für Medizinische Mikrobiologie Prof. Dr. Martin Hatzinger für Psychiatrie Prof. Dr. Jürg Metzger für Chirurgie Prof. Dr. Christiane Pauli-Magnus für Klinische Pharmakologie und Toxikologie Prof. Dr. Dimitrios Tsakiris für Innere Medizin, speziell Hämatologie Prof. Dr. Antje Welge-Lüssen Lemcke für Oto-RhinoLaryngologie n  Philosophisch-Naturwissenschaftliche Fakultät

Prof. Dr. Roger G. Clerc für Molekularbiologie

n  Pensionierungen

Jacqueline Samaridis, Institut für Medizinische Mikrobiologie Richard Suter, Ressort Bauten, Haustechnik, Sicherheit

Wa h le n

Prof. Dr. Sabine Böckem, Ordinaria für Controlling, per 1. August 2010 Prof. Dr. Jörg Huwyler, Ordinarius für Pharmazeutische Technologie, per 1. August 2010 Prof. Dr. Beat Müller, Ordinarius für Innere Medizin (Argovia-Professur), per 1. Mai 2010 Prof. Dr. Maurus Reinkowski, Ordinarius für Islamwissenschaft, per 1. August 2010 Prof. Dr. Roberto Simanowski, Extraordinarius für Medienwissenschaft, per 1. August 2010 (befristete auf fünf Jahre)

E r n e n n u n ge n

n  Assistenzprofessur

Prof. Dr. Nicola Gess, Assistenzprofessorin (mit Tenure Track) für Neuere deutsche Literaturwissenschaft, per 1. August 2010 n  SNF-Förderungsprofessuren

Prof. Dr. Jérémy Blanc, SNF-Förderungsprofessor am Mathematischen Institut Prof. Dr. Sebastian Hiller, SNF-Förderungsprofessor am Biozentrum Prof. Dr. Martin Stern, SNF-Förderungsprofessor am Departement Biomedizin Prof. Dr. Daiana Stolz, SNF-Förderungsprofessorin am Universitätsspital Basel

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Ve n i a do c e n d i

n  Medizinische Fakultät

PD Dr. Alain Marcel Bernheim für Kardiologie PD Dr. David Conen für Innere Medizin PD Dr. Marc Axel Wollmer für Gerontopsychiatrie (Umhabilitation) PD Inti Zlobec, PhD, für Experimentelle Medizin n  Philosophisch-Historische Fakultät

PD Dr. Peter Haber für Allgemeine Geschichte der Neuzeit PD Dr. Johanna Miecznikowski-Fünfschilling für Romanische Sprachwissenschaften PD Dr. Regula Schmidlin für Deutsche und Allgemeine Sprachwissenschaft n  Philosophisch-Naturwissenschaftliche Fakultät

PD Dr. Joachim Kuhlemann für Geologie (Umhabilitation) PD Dr. Silke Robatzek für Pflanzliche Zellbiologie PD Dr. Andriy Romanyuk für Physik PD Dr. Olaf Werner Schenk für Wissenschaftliches Rechnen und Angewandte Informatik


Service

D i e n s t j ub i l ä e n ( M a i , Ju n i , Jul i )

n  10 Jahre

Brigitte Bruderer, Dentalassistentin, Universitätskliniken für Zahnmedizin Markus Hauri, Leiter Einkauf/Materialverwalter/ Sicherheitsbeauftragter, Departement Chemie Brigitte Heiz Wyss, Leiterin Sekretariat, Institut für Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie Ursula Hirter-Trüb, Apothekerin/Mitarbeiterin für Museumsprojekte, Pharmazie-Historisches Museum Basel Werner Indlekofer, Fotograf/Fotolaborant, Zentrale Dienste, Biozentrum Min Ji-Lu, Laborantin, Institut für Medizinische Mikrobiologie Martin Kluge, Museumsassistent, Pharmazie-Historisches Museum Basel Eleonore Müller-Fehlmann, Sekretariat Abteilung Marketing und Unternehmensführung, WWZ Gertrud Pluskwik, Bibliothekarin, Universitätsbibliothek Dr. Hans-Jürgen Sass, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Abteilung Strukturbiologie, Biozentrum Gabrielle Schaer, Laborassistentin, Botanisches Institut Caroline Schneider, Buchhaltung, Zentrale Verwaltung, Biozentrum Marlies Schnell, Direktionssekretärin, Universitätsbibliothek

n  15 Jahre

Beatrice Bloch, Sekretärin, Universitätskliniken für Zahnmedizin Barbara Grob, Mitarbeiterin, Universitätsbibliothek Marion Israel Hug, Bibliothekarin, Universitätsbibliothek Roger Kurz, Technischer Mitarbeiter, Anatomisches Institut Maria Elias Robles, Mitarbeiterin Reinigungsteam, Institut für Medizinische Mikrobiologie Annette Roulier, Fotografin/Fotolaborantin, Zentrale Dienste, Biozentrum Christoph Wehrmüller, Administrationsleiter, Medizinbibliothek n  20 Jahre

Julian Berezowski, Röntgenassistent, Universitätskliniken für Zahnmedizin Dr. Dieter Glatz, Stv. Leiter Universitätsrechenzentrum Sabine Groelly, Betriebsassistentin, Universitätsrechenzentrum Filomena Mazumdar-Bianculli, Administration, Ethnologisches Seminar Ginette Muller, Betriebsassistentin, Universitätsrechenzentrum n  25 Jahre

Andrea R. Löschmann-Hage, Laborantin, Abteilung Biochemie, Biozentrum n  30 Jahre

Serge Ganzmann, Bibliothekar, Universitätsbibliothek n  40 Jahre

Peter Wehrli, Computerverantwortlicher, Rektorat und Verwaltung

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service

E h RU nGE n U n D M i TGL i E D s c h a F T E n

Dr. isabelle cherchneff-Parrinello Marie Heim­Vögtlin­Preis 2010

Qualität statt Quantität

Der Preis möchte die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Familie stärken – sehen Sie sich selbst als Vorbild? Es ist wichtig zu zeigen, dass es für Frauen möglich sein kann, trotz einer langen Pause wieder in die Wissenschaft zurückzukehren. Meine Rückkehr in einen eher technologischen, sich rasch entwickelnden Bereich mag dabei besonders schwierig gewesen sein. In diesem Sinn glaube ich, dass man mich durchaus als «Role Model» für Wissenschaft lerinnen sehen kann, die Kinder haben oder sich welche wünschen.

Die astrophysikerin Dr. isabelle cherchneff-Parrinello vom Departement Physik hat den Marie heim-vögtlinPreis 2010 erhalten. Der schweizerische nationalfonds würdigt damit ihre Forschung zum Ursprung von staub im frühen Universum – und ihre rückkehr in die Wissenschaft.

Frau Cherchneff, Sie hatten Ihre Karriere aus familiären Gründen uwnterbrochen. Wie schwierig war der Wiedereinstieg? Ich war sieben Jahre weg von der Wissenschaft, aber überraschenderweise hatten meine Kollegen mich und meine Forschung nicht vergessen. Das mag damit zusammenhängen, dass ich bereits über einige Anerkennung verfügt habe, bevor ich pausierte. Ich wurde schnell eingeladen, neue Zusammenarbeiten einzugehen. Der schwierigste Teil war, mir den aktuellen Wissensstand wieder anzueignen und nach so einer langen Zeit wieder als Wissenschaft lerin zu denken.

Was raten Sie jungen Frauen, die eine Karriere und eine Familie möchten? Für eine Frau ist es sehr schwierig, eine wissenschaft liche Karriere mit einer Familie in Einklang zu bringen. Beide Aufgaben verlangen einen hundertprozentigen Einsatz, was bedeutet, dass man zweihundert Prozent Energie aufbringen muss. Zudem sollte man einige Jahre im Ausland gearbeitet haben, um sich als internationale Expertin zu etablieren. Deshalb würden meine Ratschläge lauten, erstens eine Mutterschaft gut zu planen (nicht zu früh, aber auch nicht zu spät); zweitens einen unterstützenden Partner zu haben, der anerkennt, dass einem die eigene Arbeit sehr wichtig ist; und drittens die eigene Forschung entlang kreativer, neuartiger Linien zu entwickeln, da eine Wissenschaft lerin mit Kindern auf lange Sicht immer weniger publizieren wird als ihre männlichen Kollegen. Insofern hilft es, auf originäre Arbeiten und auf Qualität statt Quantität zu setzen.

n  Medizinische Fakultät

n  Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

PD Dr. Stefan Borgwardt von den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel erhielt für seine Forschung zur Früherkennung von Schizophrenie und bipolaren Störungen zusammen mit der Berner Psychologin Dr. Frauke Schultze-Lutter den mit 20 000 Euro dotierten Gerd-Huber-Forschungsförderpreis.

Peter Weber, M.Sc., Doktorand an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, erhielt für seine Masterarbeit über Hedge Funds den mit 30 000 Franken dotierten Nachwuchsförderpreis Wirtschaft 2010 der Basler Privatbanquiers.

n  Philosophisch-historische Fakultät

Prof. Dr. Alexander Grob, Ordinarius für Entwicklungs- und Persönlichkeitspsychologie, erhielt den erstmals vergebenen Anerkennungspreis der Schweizerischen Vereinigung für Kinder- und Jugendpsychologie.

n  Fakultät für Psychologie

Prof. Dr. Gottfried Boehm, Ordinarius für Neuere Kunstgeschichte, wurde zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, Sektion Kulturwissenschaften, gewählt. n  Philosophisch-naturwissenschaftliche Fakultät

Prof. Dr. Anne Spang, Extraordinaria für Biochemie, erhielt für ihre Arbeiten zur Zellbiologie den mit 4 000 Euro dotierten Binder Innovationspreis 2010.

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Prof. Dr. Ralph Hertwig, Ordinarius für Kognitionswissenschaft und Entscheidungspsychologie, wurde zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, Sektion Psychologie und Kognitionswissenschaften, gewählt.


service

T O OL B OX

auktiOpro – auktion und Projektbegleitung online Text: Heidi Röder, heidi.roeder@unibas.ch

M

it auktiOpro, dem neuen Online-Tool aus der Werkzeugkiste des LearnTechNet, lassen sich Online-Auktionen veranstalten und Projekte begleiten. Dozierende können damit zum Beispiel Plätze in einer Lehrveranstaltung oder die Themen für eine Seminar- oder Masterarbeit unter ihren Studierenden versteigern. Die konventionelle Vergabe per Liste oder Los ist zeitlich und organisatorisch aufwendig und kann die Interessen der Studierenden oft nicht berücksichtigen. Hier bietet auktiOpro eine faire Alternative. Studierende können aus einem begrenzten Guthaben an Prioritätspunkten auf eines oder mehrere Wunschthemen bieten, ihre Gebote modifizieren oder wieder löschen. Die dynamische Auktion und ihre Regeln sind für Studierende und die Beutreuungspersonen transparent. Die Vergabe von Themen oder Plätzen geschieht mit auktiOpro effizient. Neben dieser organisatorischen Erleichterung fördert die Auktionsfunktion von

auktiOpro auch die Motivation der Studierenden, denn hier sind weder Schnelligkeit noch Zufall, sondern die Interessen entscheidend. Nach dem Zuschlag für ein Projekt unterstützt auktiOpro die Studierenden und ihre Betreuungspersonen auch bei der Durchführung des Projekts. Über das Online-Tool lassen sich Termine koordinieren, Dokumente und Informationen tauschen sowie Arbeiten einreichen und bewerten. Im Rahmen eines Pilotprojekts wird auktiOpro derzeit im WWZ-Seminar «Aktuelle Themen in der Ökonomie» eingesetzt und evaluiert. Im Sommer wird entschieden, ob auktiOpro an der Universität Basel künftig flächendeckend zum Einsatz kommt.

Wer auktiOpro ab dem Herbstsemester für Lehrveranstaltungen nutzen möchte, wendet sich bitte an: heidi.roeder@unibas.ch

caRTOOn MiT nicOLas M ahLER

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DOMinO

christine Bischoff, Ma, Assistentin am Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie

christine Bischoff fragt:

Woran liegt es, dass wir uns an die Vergangenheit nur bedingt «wirklichkeitsgetreu» erinnern können? Prof. Dr. ralph hertwig antwortet:

I

n der modernen Gedächtnispsychologie haben sich zwei Antworten auf diese Frage herauskristallisiert. Die erste erklärt sie damit, dass unser «Datenspeicher» nicht immun ist gegenüber Faktoren, die Gedächtnisverzerrungen hervorrufen können. Einer dieser Faktoren ist das Ausmass, in dem eine erlebte Information (eine Episode, ein Name etc.) mit anderen Informationen assoziiert ist. Besteht eine starke semantische oder pragmatische Assoziation, dann besteht die Gefahr, dass auch die anderen Informationen während der Erinnerung aktiviert und als Teil der ursprünglich erlebten Information abgerufen werden. Weitere Faktoren sind temporale Interferenzen (d.h. ein Ereignis, das direkt vor oder nach einem zu erinnernden Ereignis stattgefunden hat, wird retrospektiv als das fragliche Ereignis erinnert) oder suggestive Fragen. Diesen und anderen Faktoren gemeinsam ist die Vorstellung, dass Verzerrungen und Lücken im Gedächtnis Ausdruck eines nicht optimal arbeitenden Informationsverarbeitungssystems sind. Es gibt aber auch eine völlig andere Sichtweise. Deren Ausgangspunkt ist die Frage, was die zentrale adaptive Funktion des Gedächtnisses ist: wirklichkeitsgetreue Archivierung unserer erlebten Vergangenheit oder Bereitstellung jener Informationen, die der Organismus in der Zukunft am wahrscheinlichsten brauchen

Prof. Dr. ralph hertwig, Ordinarius für Kognitionswissenschaft und Entscheidungspsychologie

wird? Eine solche funktionale Sichtweise lässt vermuten, dass nicht jene Organismen einen Vorteil geniessen, deren Gedächtnis die Vergangenheit möglichst wirklichkeitsgetreu konserviert, sondern jene, deren Gedächtnis möglichst zuverlässig und schnell die Daten zur Verfügung stellt, die am besten den Informationsanforderungen der Gegenwart entsprechen. Das bedeutet auch, dass ein Gedächtnis, das systematisch Informationen in den Hintergrund verbannt («vergisst»), die in der Zukunft mit geringer Wahrscheinlichkeit benötigt werden, effizienter ist als eines, das sich als detailgetreuer Archivar der Vergangenheit geriert. In diesem Sinn arbeitet unser Gedächtnis effizient. Moderne Analysen zeigen, dass die charakteristischen Vergessens- und Behaltensfunktionen des menschlichen Gedächtnisses ein Spiegelbild der statistischen Struktur unserer Umwelt sind (d.h. der Häufigkeit, mit der Information in der Vergangenheit erwähnt wurde; wie zeitlich nahe und in welchen Intervallen diese Erwähnungen stattfanden etc.). Sie zeichnen damit das Bild eines hocheffizienten und adaptiven Gedächtnisses, das spekuliert, welche Informationen eine Person für die Gegenwart und Zukunft braucht und das – um den schnellen und zuverlässigen Abruf dieser Information zu gewährleisten – andere Daten und damit einen Teil unserer Vergangenheit dem Vergessen preisgibt. ralph hertwig fragt:

Was eigentlich ist Zeit und ist es zumindest theoretisch denkbar, dass Menschen irgendwann mal in der Lage sein werden, in die Zukunft zu reisen? Antwort in der nächsten Ausgabe 02/10.


uniintern 01/2010