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Region Zürich-Schaffhausen

2 Industrie 1. Mai 2012 3 Aktuell 4 Agenda Giardina

Nr. 2 | 27. April 2012 Erscheint als Beilage zur Zeitung «work» | Redaktion Unia Region Zürich-Schaffhausen T 044 299 25 25, F 044 299 25 59 | www.unia.ch

Kanton Zürich: Nein am 17. Juni zu liberalisierten Ladenöffnungszeiten

Nein zu Sonntagsarbeit im Verkauf! Am 17. Juni stimmt Zürich über eine vollständige Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ab. Eine Annahme wäre ein klarer Schritt zur Sonntags- und Nachtarbeit. Es kann nicht sein, dass das Verkaufs­ personal dafür bezahlen muss, wenn Kunden am Sonntag Möbel und Kleider einkaufen wollen. Die FDP-Initiative «Der Kunde ist König» will sämtliche Regeln bei den Ladenöffnungszeiten abschaffen. Das ist ein inakzeptabler Angriff auf eine der wichtigsten Freiheiten in unserem Land: der Freiheit, nicht rund um die Uhr für den Arbeitgeber verfügbar zu sein. Die betroffenen Angestellten im Detailhandel kennen die Folgen der liberalisierten Ladenöffnungszeiten nur zu gut: Bei Versamm-

lungen und in Umfragen der Unia sprechen sich jeweils gegen 100 Prozent der im Verkauf Beschäftigten gegen eine weitere Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten aus. Sie wissen, dass ihre Freizeit und das selbstverständliche Recht, sich einfach einmal erholen zu können, von den Ladenöffnungszeiten direkt betroffen sind. Besonders leiden alleinerziehende Mütter, die mit längeren Arbeitszeiten und Wochenendarbeit noch mehr Schwierigkeiten haben, die Betreuung ihrer Kinder sicherzustellen. Oder wer soll für ihre Kinder sorgen, wenn sie rund um die Uhr verfügbar sein müssen?

Keine Regeln führen zu schlechteren Arbeits­ bedingungen Die Befürworter der Initiative beten stets das neoliberale Mantra von mehr Arbeitsplätzen. Alle Erfahrungen aber zeigen, dass das schlichtweg falsch ist. Statt zu Arbeitsplätzen, komme es vor allem zu einer direkten Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Die Arbeitszeit der Angestellten verteilt sich plötzlich auf mehr Arbeitstage pro Woche, es gibt mehr Abendeinsätze und mehr Wochenendarbeit. Und letztlich wird die Wochenarbeitszeit auf Kosten der Angestellten erhöht, statt neue Leute einzustellen.

An Sonntagen und in der Nacht auf der Zürcher Bahnhofstrasse Kleider einkaufen zu können, ist für die Verkäuferinnen und Verkäufer ein Horror­szenario, denn es schränkt Privat- und Familienleben unnötig ein.

Der Kunde ist König – aber der Sonntag gehört mir Verkäuferinnen und Verkäufer sind Tag für Tag im Einsatz, um sämtliche Bedürfnisse ihrer Kunden so gut wie möglich zu erfüllen. Je nach Ort heute schon von

frühmorgens bis spätabends und in Ausnahmefällen auch an Sonntagsverkäufen. Die Kunden haben heute mehr als genug Möglichkeiten, einzukaufen. Nur weil ein paar grosse Ladenketten noch mehr verkaufen und verdienen wollen,

dürfen nicht die Angestellten die Zeche bezahlen. Deshalb setzt sich die Unia gemeinsam mit den Betroffenen für ein Nein am 17. Juni ein. ✏✏ Lorenz Keller

Kurzinterview: Das halten zwei betroffene Arbeitnehmerinnen von längeren Ladenöffnungszeiten

«Wer sorgt am Sonntag für die Betreuung der Kinder?» Unia: Irene, deine Arbeitszeiten sind in der Vergangenheit schon länger geworden. Was hat sich seither für dich geändert? Irene Weber: Wir arbeiten jetzt ver-

beitsbedingungen zu verhindern! Dafür will ich mich einsetzen. Und auch dafür sorgen, dass alle meine

Kollegen, Freunde, Bekannten und meine Familie am 17. Juni Nein stimmen.

mehrt in Schichten. Es wurden weder zusätzliche Stellen geschaffen, noch wurde der Lohn erhöht. Für mich ganz klar eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, vor allem in Bezug auf die Familie. Mit den unregelmässigen Schichten ergeben sich auf einmal Probleme, wenn man für die Betreuung der Kinder sorgen muss. Und es fehlt mir regelmässig die Zeit, gemeinsam mit der Familie zu essen.

Unia: Rosa Maria, du arbeitest nicht direkt im Verkauf. Wieso betrifft dich eine Initiative über Ladenöff­ nungszeiten? Rosa Maria Giardino: Viele Leu-

Habt ihr dafür mehr verkauft?

te denken, dass es immer nur ein paar Verkäuferinnen und Verkäufer betrifft, wenn die Läden länger geöffnet sind. Dabei wird oft vergessen, dass es eben viel mehr Direktbetroffene gibt. Zum Beispiel mich, die im Einkaufszentrum im Service arbeitet, aber auch das Reinigungspersonal, das am Sonntag und spätnachts noch putzen muss oder die Lastwagenfahrer, die auch am Wochenende frisches Gemüse in die Läden fahren müssen.

Auch das nicht. Die Leute sind vielleicht etwas länger im Laden – der Umsatz steigt deshalb kaum.

Aber die Kunden wollen auch am Sonntag einkaufen?

Was heisst das für dich in Bezug auf die Initiative vom 17. Juni? Es geht mir darum, eine weitere Verschlechterung meiner Ar-

Von der Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten wären Irene Weber (links) und Rosa Maria Giardino direkt betroffen.

Wer am Sonntag dringend einen Liter Milch oder Brot braucht, hat heute mehr als genug Möglichkeiten, dies irgendwo einzukaufen. Wir müssen aufhören, immer

mehr auf dem Buckel der betroffenen Verkäuferinnen und Verkäufer zu fordern. Und vielleicht heisst das halt, dass man einmal einen Tag warten muss, um einen neuen Duschvorhang oder eine neue Blumenvase zu kaufen.

Irene Weber arbeitet als Verkäufe­ rin, Rosa Maria Giardino ist Service­ angestellte. ✏✏ Interview: Marita Rensch

Informiert bleiben und mitmachen!

facebook.com/FairerVerkauf


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Zürich-Schaffhausen | Nr. 2 | 27. April 2012

Aktuell

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Industrie: Unia-Aktionstag in Oberwinterthur für einen sicheren Werk- und Denkplatz Schweiz

Stopp der Gratisarbeit in der Industrie 2013 läuft der Gesamtarbeitsvertrag der Maschinenindustrie aus. Am Aktionstag in Oberwinterthur informiert die Unia über ihre neuen Vertragsforderungen. Gemeinsam mit ihren Mitgliedern verteidigt die Unia die Arbeitsplätze in der Industrie und setzt sich für mehr Schutz der Beschäftigten ein. Am 6. Juli führt die Gewerkschaft Unia in Oberwinterthur ihren regionalen Industrie-Aktionstag durch. Ein Zufall ist das nicht: Die Gegend zwischen der kanalisierten Eulach und den zahlreichen Zuggleisen, die in alle Himmelsrichtungen abzweigen, war schon immer stark mit der Industrie verbunden. Die Fabrikhallen der

Sulzer sind inzwischen modernen Produktionsstätten diverser Industriebetriebe gewichen, die heute Hunderten von Menschen eine Arbeit bieten. Mit dem Industrie-Aktionstag vom 6. Juli will die Unia aber nicht nostalgisch in die Vergangenheit Winterthurs zurückschauen, sondern auf die gegenwärtige Situation der Arbeitnehmenden in der Schweizer Industrie aufmerksam machen. Weil der MEM-Gesamtarbeitsvertrag am 30. Juni 2013 ausläuft, erhalten die Gewerkschaften, und damit auch die Arbeitnehmenden der Industrie, die Möglichkeit, einen neuen Vertrag auszuhandeln. Dieses gilt es zu nutzen, denn der bisherige Vertrag hatte in seiner praktischen Umsetzung einige Schwächen, die bereinigt werden müssen.

Arbeitszeiterhöhung zahlt sich für Unternehmen aus So machte die Arbeitgeberseite während der Frankenstärke im letzten Jahr erschreckend häufig von Artikel 57 des Vertrags Gebrauch, dem sogenannten Krisenartikel. Dieser erlaubt es dem Arbeitgeber, bei schweren wirtschaftlichen Schwierigkeiten von den gewöhnlichen GAV-Regelungen abzuweichen. Darunter fallen Arbeitszeiterhöhungen oder Lohnkürzungen. Zahlreiche Firmen benutzen die Krise als Vorwand, um ihren An­gestellten Gratis-Arbeitsstunden aufzubrummen oder Lohnsenkungen durchzusetzen. So haben im Raum Basel diverse Arbeitgeber ihre Löhne im schwächeren Euro statt in Franken ausbezahlt. Betroffene Arbeitnehmer der Firma Stöcklin AG liessen sich

Industrie-Aktionstag am 6. Juli in Oberwinterthur Komm auch du an den Industrie-Aktionstag in Oberwinterthur. Setz dich für eine gute Sozialpartnerschaft zwischen deiner Gewerkschaft und deinem Arbeitgeber ein. Wenn du etwas für dich, deine Arbeitskollegen und für deinen Betrieb bewegen möchtest, informiere dich am Aktionstag über die bevorstehenden Vertragsverhandlungen. Das sind die Forderungen der Gewerkschaft Unia: 1. Sichere Mindestlöhne in der Industrie Die im Zusammenhang mit der Frankenstärke von den Arbeitgebern beschlossenen Lohnsenkungen, Arbeitszeiterhöhungen und Lohnzahlungen in Euro sind nicht tragbar. Der Risikoabwälzung der Krise auf die Arbeitnehmenden muss ein Riegel geschoben werden. Mit sicheren Mindestlöhnen soll der Lohndruck gestoppt werden.

2. Klarere Regelung des Artikels 57 (Krisenartikel) In jedem Fall sollen die Gewerkschaften und die Personalkommissionen bei einer Verschlechterung der Arbeitszeit und der Löhne beigezogen werden. 3. Mehr Schutz für die Personalkommissionen und die Vertrauensleute Wer sich in der Personalkommission oder als Vertrauensmann/-frau für das Wohl seines Betriebs engagiert, sich für die eigenen Rechte und diejenigen seiner Kolleginnen und Kollegen aktiv einsetzt, muss einen besonderen Schutz geniessen. Insbesondere dürfen keine Kündigungen aufgrund der Arbeit in der Personalkommission oder des gewerkschaftlichen Engagements ausgesprochen werden. ✏✏ pj

Die Sulzerallee: das industrielle Herz Oberwinterthurs. diese Ungleichbehandlung nicht gefallen und wehrten sich auf gerichtlichem Weg. Anfang Jahr bekamen sie Recht. Der Arbeitgeber muss jetzt nachzahlen. Ende 2011 versuchte die Georg ­Fischer AG in Schaffhausen die ­Arbeitszeit für die Arbeitnehmenden um zweieinhalb Stunden zu erhöhen. Dies wäre einer Lohnsenkung von 6,5 Prozent gleichgekommen. Doch dank der Intervention der Gewerkschaft Unia verzichtete die Georg Fischer AG darauf. Zu Recht, denn letztes Jahr konnte der Konzern eine Gewinnsteigerung um 56 Prozent verbuchen – und dies mit den gewöhn­ lichen Arbeitszeiten. Sämtliche negative Beispiele aus den vergangenen Jahren sind Grund genug, dass die Gewerkschaft Unia bei den bevorstehenden GAV-Verhandlungen fordert,

dass der Krisenartikel nur noch unter klaren Bedingungen und unter Beizug der Gewerkschaft angewendet werden darf.

Jeder ist vom GAV betroffen Der Industrie-Aktionstag in Oberwinterthur soll den Belegschaften der Region die Möglichkeit geben, mehr über die zentralen Weichenstellungen bei den kommenden Vertragsverhandlungen zu erfahren. Die Verhandlungen sind für jede und jeden in der Industrie von grosser Bedeutung. Mit dem neuen Gesamtarbeitsvertrag für die Schweizer Maschinenindustrie wird das Fundament gelegt, mit dem in den Betrieben die Entscheide zu Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen und Sozialleistungen der Arbeitnehmenden gefällt werden. ✏✏ Per Johansson

1.-Mai-Programm in der Region Zürich-Schaffhausen Bülach Dienstag, 1. Mai ab 10.30 Uhr: Kulinarik ab 11.00 Uhr: Ansprachen von Daniel Lampart (SGB Chef­ ökonom), Pedro Lenz (Schrift­ steller), Sabine Ziegler (KR SP) ab 12.30 Uhr: Musik mit Flavia Zucca im Kulturzentrum Im GUSS, Schaffhauserstrasse 102, Bülach

Limmattal / Dietikon Dienstag, 1. Mai ab 12 Uhr: Festwirtschaft, musikalische Begleitung 14 Uhr: Ansprachen von Martin Näf (NR SP), Michele Schiavone (Partito Democratico Schweiz) In der Markthalle auf dem Kirchplatz, Dietikon

Uster Dienstag , 1. Mai 13 bis 17 Uhr: Festwirtschaft bei der Landihalle, Stadtpark 13.45 Uhr: Demonstration vom Bahnhof Uster zum Stadtparkcafé Ab 15.00 Uhr: Ansprachen bei der Landihalle von David Roth (Präsident Juso Schweiz),

Ornella Ferro (KR Grüne) Musik mit der Band «Bastler» und Kinderspielmobil für einen unterhaltsamen Familiennachmittag

Ansprache von Paul Rechsteiner, (Präsident SGB und SR SP)

Abbas, organisiert vom 1.-MaiKomitee und GBKZ

Adliswil

Winterthur

Dienstag, 1. Mai 11 bis 15 Uhr: 1.-Mai-Fest in der Kulturschachtle 12 Uhr: Ansprache Matthias Aebischer (NR SP), 14 Uhr: Ansprache Julia Gerber Rüegg (GBKZ) Begleitung mit Musik und Risotto

Dienstag , 1. Mai Umzug und Kundgebung 10 Uhr: Besammlung an der Lagerstrasse, Umzug 12 Uhr: Schlusskundgebung auf dem Bürkliplatz, Ansprachen von Paul Rechsteiner (Präsident SGB und SR SP, Kamal Abbas (Koordinator der freien ägyptischen Gewerkschaftsbewegung), Pedro Lenz (Schriftsteller), betroffenen Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Verbänden, Vertreterinnen und Vertretern der Roten Falken.

Freitag, 27. April 1.-Mai-Party, Kraftfeld 21 Uhr: Apéro 22 Uhr: Türöffnung, Eintritt Fr. 15.– mit 1.-Mai-Bändel 22.45 Uhr: Ansprachen von Jaqueline Fehr (NR SP) und Joachim Lichtenhahn (Juso Winterthur) 23 Uhr: Konzert mit «The Wazomba Overdrive Orchestra» und «Trubaci Soundsistema» Dienstag, 1. Mai Kundgebung 11.00 Uhr: Besammlung, Neumarkt 11.15 Uhr: Kundgebung mit Anna Serra (Juso Winterthur), Charles Lewinsky (Schriftsteller), Matteo Pronzini (Unia Industrie) Modera­ tion: Hedi Strahm (Präsidentin Unia Winterthur) 12.30 Uhr: Demonstrationsumzug durch Winterthur 13.15 Uhr: Festwirtschaft Reit­ halle, offenes Mikrofon mit

Zürich Montag, 30. April Maivorfeiern, organisiert von SP-Seniorengruppen, GBKZ und Avivo, im Volkshaus Zürich, Blauer Saal 14.30 Uhr: Ansprachen von Mario Fehr (RR ZH), Katharina PreliczHuber (Präsidentin des VPOD) Grussadressen von Julia Gerber Rüegg (GBKZ), Renate Büchi-Wild (Vizepräsidentin SP Kt. ZH) Kurzfilm zum 1. Mai. Musik von singenden Seniorinnen und Senioren unter Leitung von Karl Scheuber 19.30 Uhr: öffentliches Hearing mit Paul Rechsteiner und Kamal

Samstag, 28. April Sonntag 29. April Dienstagnachmittag, 1. Mai (nach Umzug und Kundgebung) Internationales Volksfest, organisiert vom 1.-Mai-Komitee Kasernenareal, mit Kulinarischem aus aller Welt, Politdiskussionen, Filmvorführungen und Live-OpenairKonzerten Fotoausstellung von Florian Aicher: Mir Büezer münd zämä stah, däfed ois für d'Profit nööd spalte lah! Vernissage am Samstag, 28.April 2012, 12 Uhr

Schaffhausen Montag, 30. April ab 17 Uhr: eine 1.-Mai-Einstimmung im Mosergarten, organisiert von den Jusos 19 Uhr: Podium zum Thema Lohngerechtigkeit. Grill und Barbetrieb. Dienstag, 1. Mai 10.30 Uhr: Besammlung der UmzugsteilnehmerInnen in der Vorstadt 11.00 Uhr: Beginn des Demonstrationsumzuges 11.30 Uhr: Kundgebung auf dem Fronwagplatz, Ansprachen von Katharina Prelicz-Huber (Präsidentin vpod), Martin Flügel (Präsident Travail Suisse), Manuel Beja (Migrationsredner Unia, auf Portugiesisch) Anschliessend Volksfest auf dem Fronwagplatz mit Hampi und Vreni Die Satus-Festwirtschaft bietet ­Essen und Getränke an ab 16 Uhr: ein 1.-Mai-Fest im Mosergarten, organisiert von der AL Live-Musik mit Oriental Frienship und Plain Zest Ausländische Spezialitäten und Barbetrieb ✏✏ pj


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Zürich-Schaffhausen | Nr. 2 | 27. April 2012

Aktuell

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Spanien: Zürcher Gewerkschaftsdelegation unterstützt eintägigen Generalstreik in Barcelona

Eine Metropole liegt 24 Stunden lahm Am 29. März hat ein Generalstreik grosse Teile Spaniens lahmgelegt; besonders in den industriellen Ballungszentren wie Barcelona. Eine Delegation von Zürcher Gewerkschaftssekretären war mit dabei, als die katalanische Hauptstadt stillstand. In den grossen Industriebetrieben rund um Barcelona geht an diesem letzten Donnerstagmorgen im März gar nichts mehr. Die gesamte Arbeiterschaft hat den Betrieb für die nächsten 24 Stunden eingestellt. In der Automobilindustrie hat der Streik schon zwei Stunden zuvor begonnen. «Heute arbeiten wir nicht», skandieren die Gewerkschaftsmitglieder, die in den Vororten der Stadt unterwegs sind, um weitere Geschäfte und Betriebe für den «Vaga General», wie der Generalstreik auf Katalanisch heisst, zu schliessen. Über 100 000 Menschen nehmen insgesamt in Barcelona am Streik teil. Mit dabei sind auch 13 Gewerkschaftssekretäre der Unia Zürich. Zum ersten Mal beteiligen sich die Zürcher an einem Generalstreik in Spanien, um sich mit ihren Kollegen vor Ort auszutauschen. Auch Andi Scheu, Sektionsleiter der Unia Zürcher Oberland, ist mit einem 100-köpfigen Pikett in einem nördlichen Stadtquartier Barcelonas unterwegs. Seit den frühen Morgenstunden ist die Gruppe durch das Quartier gelaufen, um Ladenöffnungen zu verhindern. Nun macht sich die Gruppe daran, den Eingang eines Einkaufszentrums zu blockieren. Kurz darauf stösst ein weiteres Pikett von Gewerkschaftsvertretern zu ihnen. Diese berichten, wie sie Punkt Mitternacht das grosse Verteilzentrum am Hafen, das die ganze Region Barcelona mit Lebensmitteln versorgt, blockiert haben. Damit haben sie die Geschäftstätigkeit zahlreichen Verkaufsfilialen lahm­ gelegt. Selbst der spanische Warenhausgigant «El Corte Inglés» kann seine Produkte nicht mehr ausliefern. «Alles verläuft hier völlig reibungslos», beschreibt Scheu sei-

Vertreterinnen und Vertreter der Gewerkschaft Unia an der Demonstration durch die Strassen Barcelonas. nen ersten Eindruck und ergänzt, dass der Streik doch viel weniger turbulent verläuft, als er eigentlich erwartet hätte.

Jeder zweite Jugendliche arbeitslos Grund zum Streiken haben die Spanier genug. Die liberale Politik der neuen bürgerlichen Regierung um Mariano Rajoy hat harte Haushaltskürzungen beschlossen, verbunden mit gestrichenen Sozialleistungen. Und wieder treffen die Entscheidungen der Regierung diejenigen, die es schon schwer genug haben, ihren Alltag zu meistern. Neben der Kürzung der Pensionsgelder und der Verschlechterung der Kündigungsbestimmungen erhalten die Arbeitgeber die Möglichkeit, Gesamtarbeitsverträge kurzfristig zu kündigen. Die spanische Arbeitslosigkeit liegt bei

21 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit sogar bei 46 Prozent. Das ist die höchste Rate seit 17 Jahren. Die Perspektivlosigkeit der Jugend hat während des Generalstreiks viele auf die Strasse getrieben, zumal die beschlossene Arbeitsmarktreform eine neue Kategorie von jungen Arbeiternehmenden unter 30 beschlossen hat, die zu schlechten Löhnen eingestellt werden können und kaum einen Kündigungsschutz geniessen.

«Der Streik beginnt im Kopf» Seit Wochen haben sich die Gewerkschaften der katalanischen Hauptstadt auf den Generalstreik vorbereitet. Unermüdlich waren die Rentnergruppen der Gewerkschaften UGT und CCOO im Vorfeld auf den Strassen Barcelonas unterwegs, um die Leute davon

zu überzeugen, am 29. März die Arbeit niederzulegen. Die Rentner führten Flashmobs, unerwartete Aktionen, auf Plätzen und Einkaufszentren durch. «Auch Bankfilialen sollen die Rentnergruppen besetzt und dort für den Generalstreik geworben haben», erzählt Scheu. Die Gespräche mit ihren spanischen Kolleginnen und Kol­legen haben den Zürcher UniaSekretären viel gebracht. «Der Streik beginnt im Kopf», sagt Scheu und ergänzt: «Erst wenn die Leute selber daran glauben, dass die Sache ein Erfolg wird, gibt es dem Streik ­eine eigene Dynamik.» Für ihn ist es ebenso das politische Gespür der Spanier, das sie am Generalstreik mitmachen lässt. «Die einfachen Menschen wollen sich die so­zialen Errungenschaf-

ten nach der Franco-Ära nicht durch die arbeitgeberfreundlichen Entscheide der Regierung kaputt machen lassen», erklärt Scheu. Das Konzept der spanischen Gewerkschaften ist in Barcelona aufgegangen: Am 29. März stand die Stadt komplett still. Die Gewerkschaften und die Bevölkerung Barcelonas haben der spanischen Regierung ein klares Zeichen gesetzt, dass sie keine Verschlechterung ihrer Arbeitnehmerrechte wollen, und sie haben gezeigt, dass sie gemeinsam in der Lage sind, eine der wichtigsten Wirtschaftsregionen des Landes vollständig lahmzulegen. Noch bleibt die Regierung hart, doch für die Arbeitnehmenden in Barcelona geht der Kampf weiter. ✏✏ Per Johansson

Industrie: Zimmer GmbH in Winterthur stellt bisherige Langzeit-Temporäre neu fest an

Das Aus der Kettenverträge Das Warten auf bessere Zeiten hat für die vielen Temporärangestellte der Firma Zimmer in Winterthur ein Ende. Den temporären Mitarbeitenden hatte die Firma Zimmer ihre befristeten Arbeitsverträge teilweise über mehrere Jahre immer wieder verlängert. Nach mehrmaliger Intervention der Gewerkschaft Unia haben die betroffenen Mitarbeitenden nun eine Festanstellung erhalten. «Das Aneinanderreihen von befristeten Arbeitsverträgen ist problematisch, denn mit diesen Kettenverträgen sind diese Arbeitnehmenden nicht dem Gesamtar-

beitvertrag der Maschinenindustrie unterstellt und haben damit deutlich schlechtere Arbeitsbedingungen», erklärt Oswald Ulrich, Leiter der Unia-Sektion Winterthur. Leider ist die Anstellung von Temporären mit Kettenverträgen in der Schweiz keine Seltenheit. Faktisch arbeiteten die Temporären dann häufig gleich wie Festangestellte, unterstehen aber aufgrund ihres Status als Temporärangestellte nicht dem Maschinenindustrie-Gesamtarbeitsvertrag (GAV MEM). Bisher galt für sie lediglich das schlechtere Schweizer Arbeitsgesetz, das im Gegensatz zum GAV

MEM keinen 13. Monatslohn, nur vier Wochen Ferien und nur einen bezahlten Feiertag vorsieht.

Schritt in eine nachhaltige Personalpolitik Inzwischen wurde aber der eigens für die Temporärangestellten geschaffene Gesamtarbeitsvertrag vom Bundesrat allgemeinverbindlich gesprochen. Seit Januar gilt nun für alle Temporären, die in der Schweiz arbeiten, ein eigener Gesamtarbeitsvertrag. Im Falle von Zimmer hingegen unterstehen die ehemaligen Temporären nun durch ihre Festan-

stellung neu dem GAV MEM. Für Ulrich ist dies ein grosser Erfolg: «Die Arbeitsbedingungen für die vielen Mitarbeitenden werden sich nun deutlich verbessern», ist der Winterthurer Unia-Sektionsleiter

überzeugt. «Eine nachhaltige Personalpolitik kommt den Industriebetrieben immer zugute, denn sie erhalten motivierte und zuverlässige Mitarbeitende.»  ✏ pj


UniaRegio Region

ZürichSchaffhausen

Die Ausstellung ist vom 28. April bis 2. Mai von 12 Uhr bis 22 Uhr geöffnet. Mittwoch, 2. Mai, Sitzung Bau­ gruppe, 19 Uhr, Unia-Sekretariat Zürich, Stauffacherstrasse 60.

Samstag, 28. April, Konferenz Gartenbauer und GärtnerInnen, 15 Uhr, in der Unia-Zentrale Zürich.

Mittwoch, 2. Mai, Sitzung Gruppe Elektriker und Gebäudetechniker, 18.30 Uhr, im Unia-Sekretariat Zürich.

Dienstag, 1. Mai, Tag der Arbeit (bitte separates Programm in ­dieser Zeitung beachten).

Dienstag, 15. Mai, Delegiertenver­ sammlung, Volkshaus Zürich.

Samstag, 2. Juni, regionale Dele­ giertenversammlung Zürich-Schaff­ hausen. Sonntag, 17. Juni, Abstimmungs­ wochenende.

Sektion

Zürich Samstag, 28. April, Fotoausstel­ lung von Florian Aicher zum Thema «Mir Büezer münd zämä stah, däfed öis für d’Profit nööd spalte lah», musikalische Umrahmung mit der Formation «Le Voilà» (Musik aus Rumänien und der Schweiz), Zeughaus 5, Kanonengasse 16.

Zürich-Schaffhausen | Nr. 2 | 27. April 2012

Agenda

Sonntag, 20. Mai, Veranstaltung Coop-Mitarbeitende «Die aktuelle Wirtschaftslage und die Auswirkungen auf die Coop-Mitarbeitenden», 14 Uhr, Volkshaus Zürich. Dienstag, 5. Juni, Sitzung Gruppe Elektriker und Gebäudetechniker, 18.30 Uhr, im Unia-Sekretariat Zürich. Mittwoch, 6. Juni, Sitzung Bau­ gruppe, 19 Uhr, Unia-Sekretariat Zürich, Stauffacherstrasse 60.

IG Jugend Gruppensitzungen, jeden 2. Sonntag, um 16 Uhr im Unia-Sekretariat Zürich, Stauffacherstrasse 60, Zürich, nächste Daten: 6. Mai, 20. Mai, 3. Juni. Samstag, 9. Juni, Jugendkommis­ sion, Unia-Zentrale Bern.

IG RentnerInnen Seniorenstamm, im Restaurant Biergarten, Hohlstrasse 25, Zürich, 14 Uhr, nächste Daten: 9. Mai, 6. Juni, 4. Juli. Computermorgen, jeweils donners­ tags, im Unia-Sekretariat Zürich, Stauffacherstrasse 60, Zürich, 9.15 Uhr. Auskunft: Walter Zehnder, T 044 431 57 95. Freitagswanderungen, jeden Frei­ tag, Treffpunkt bei der grossen Uhr HB. Zürich, 9.15 Uhr, weitere Auskünfte zur Wanderroute gibt Fritz Allenbach, T 044 372 17 36. Neu: Die Wanderungen können auch im Internet nachgeschaut werden unter: http://seniorwanderer.blogspot.com

Donnerstag, 24. Mai, Besich­ tigung einer Schokoladefabrik, Reise mit der Bahn nach Flawil. Geführter Rundgang durch die Fabrik. Besuch des Schoggi-Ladens, anschliessend Rückfahrt nach Winterthur.

IG Jugend Mittwoch, 2. Mai, Grosse Sitzung, 19 Uhr, im Coopi. Mittwoch, 16. Mai, Kleine Sit­ zung, 19 Uhr, im Unia-Sekretariat Winterthur. Mittwoch, 6. Juni, Grosse Sitzung, 19 Uhr, im Coopi.

Sektion Sektion

Winterthur IG RentnerInnen Montag, 7. Mai, Diskussions­ nachmittag zum Thema «Sozial­ wesen der Stadt Winterthur», Vortrag einer Spezialistin, 14 Uhr, im Unia-Sekretariat Winterthur, 5. Stock, Lagerhausstrasse 6, Winterthur, Teilnahme ohne Anmeldung.

Zürcher Oberland Donnerstag, 3. Mai, Sitzung Gruppe Industrie, 19 Uhr, Unia Sekretariat Uster, Bahn- strasse 23. Donnerstag, 24. Mai, Sitzung Gruppe Maler-Gipser, 19.30 Uhr, Unia Sekretariat Uster, Bahn­ strasse 23.

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Donnerstag, 7. Juni, Sitzung Gruppe Bau, 19.30 Uhr, Unia Sekretariat Uster, Bahn­ strasse 23. Donnerstag, 21. Juni, Sitzung Gruppe Industrie, 19 Uhr, Unia Sekretariat Uster, Bahn­ strasse 23.

IG RentnerInnen Dienstag, 15. Mai, Ausflug mit Heiniger Car ins Val de Travers im Neuenburger Jura. Besichtigung der Asphalt-Mine, mit Führung, Auskunft: Manfred Glufke, T 055 240 43 94. Donnerstag, 14. Juni, Schiffsaus­ flug auf den Zuger See mit Mittagessen auf dem Schiff, Auskunft: Manfred Glufke, T 055 240 43 94.

Sektion

Schaffhausen IG RentnerInnen Donnerstag, 31. Mai, Schifffahrt Zürichsee, Ausflug auf den Uetliberg, Treffpunkt 9.30 Uhr, Abfahrt 9.46 Uhr, Bahnbillett selber lösen, Neunuhrpass plus Billett Schaffhausen–Dachsen retour. Anmeldung an Kurt Bernhard, T 052 643 17 69.

Schlechte Löhne für schöne Gärten Mit einer Aktion an der Eröffnung der Zürcher Gartenmesse Giardina Mitte März hat die Unia auf die Tiefstlöhne in der Gartenbaubranche aufmerksam gemacht. Ein Mindestlohn von 3350 Franken pro Monat für einen Angestellten, der einfache Arbeiten ausführt, ist schlicht inakzeptabel. Es kann nicht sein, dass Arbeitnehmende mit einer 100-Prozent-Stelle nur mit grosser Mühe finanziell über die Runden kommen. Ein Vergleich der Löhne der Gartenbauer mit denen der Bauarbeiter zeigt: Die Gartenbauer verdienen oft mehr als 1000 Franken weniger im Monat, obwohl beide vergleich­ bare körperliche Schwerstarbeit leisten. ✏ pj

Gewerkschaftsmitglieder verteilen zusammen …

Blumiger Empfang an der Giardina-Eröffnung in Zürich.

… mit Gewerkschaftssekretären der Unia Flugblätter an die Messebesucher.

Herausgeberin Verlagsgesellschaft work AG, Postfach, CH-8026 Zürich | In Zusammenarbeit mit Unia Region Zürich-Schaffhausen, Postfach 1544, CH-8026 Zürich, T 044 299 25 25, F 044 299 25 59, zuerich-schaffhausen @unia.ch | Redaktion Per Johansson | Gestaltungs­ konzept ivony ltd, CH-8008 Zürich | Layout Bubenberg Druck- und Verlags-AG, CH-3007 Bern | Druck Ringier Print Adligenswil AG, CH-6002 Luzern

Die Angestellten im Gartenbau schuften zu Tiefstlöhnen. Vielen Auftraggebern ist dies oftmals gar nicht bewusst.

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