Issuu on Google+

2 3 4

Region Zürich-Schaffhausen

Aktuell Aktuell Agenda Bilder Sektionsfeste

Nr. 6 | 17. Dezember 2010 Erscheint als Beilage zur Zeitung «work» | Redaktion Unia Region Zürich-Schaffhausen T 044 299 25 25, F 044 299 25 59 | www.unia.ch

Unia Region: Jahresrückblick zweier Gewerkschaftsmitglieder

2010 war ein bewegtes und vor allem politisches Jahr

Ursula Mattmann Alberto

«Vor Tausenden von ­Menschen zu sprechen ist etwas Unvergessliches» «Es war minus zehn Grad kalt, und der Schnee auf dem Boden war aalglatt festgefroren», erzählt Ursula Mattmann, wenn sie an den Februar dieses Jahres zurückdenkt. Der gebürtigen Luzernerin, die seit über 40 Jahren in Schwerzenbach im Zürcher Oberland lebt, konnte die eisige Kälte jedoch nichts anhaben. Über mehrere Wochen hinweg verteilten sie und weitere Unia-Mitglieder auf Plätzen in Wetzikon, Uster und Rüti BVGRentenklaurechner, schoben in Tausende von Briefkästen Flug-

Manuela Corrodi

«Alle Restaurants sollten am 1. Mai geschlossen bleiben» «Am Tag der Arbeit ist es viel einfacher mit den Leuten über Politik und über die Gesellschaft zu diskutieren als an allen anderen Tagen im Jahr», meint Manuela Corrodi. Die 20-Jährige Winterthurerin ist besonders bei der Unia Jugend engagiert. Am diesjährigen 1. Mai in Winterthur sei ihr wieder einmal die starke Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Jugendorganisationen aufgefallen. Gemeinsam mit den Jusos habe die Unia Winterthur allein am 1. Mai jeweils 150 Unterschriften für das Referendum gegen die Verschlechterung der Arbeitslosenversicherung (AVIG) und die 1:12-Initiative sammeln können. «Es ist schön

blätter gegen den Rentenklau und führten etliche Diskussionen mit Passanten auf der Strasse. «Der Kampf gegen den Rentenklau war mir wichtig und das Abstimmungsergebnis hat mir Recht gegeben», sagt Mattmann. Sie ist froh darüber, dass die Schweizer Stimmberechtigten am 7. März der BVG-Revision eine Abfuhr erteilten. Gerne erinnert sich Mattmann an den kalten Tag in Uster, als sie im Stadtzentrum Flugblätter verteilte und ihr plötzlich ein lokaler SVP-Gemeinderat gegenüberstand und ihr einen Pappbecher mit warmem Kaffee samt SVP-Werbeguetzli reichte. «Der flüsterte mir dann zu, dass er mit Sicherheit Nein zur BVG-Vorlage stimmen werde», erzählt Mattmann mit einem Schmunzeln. Sie ist froh, dass die Leute realisiert haben, dass es sich bei der BVG-Abstimmung um reinen Sozialabbau zu Ungunsten der Arbeitnehmenden gehandelt hat. ***** Bei der Revision des Arbeitslosenversicherungsgesetzes hätten die Leute dies hingegen nicht eingesehen, meint Mattmann. Mit Bestürzung habe sie neulich in der Presse gelesen, dass viele Stimmberech-

zu sehen, dass es immer noch Jugendliche gibt, die sich für Politik interessieren und sich auch einsetzen wollen», sagt Corrodi. Während der letzten Jahre hat sie an allen 1. Mai-Feierlichkeiten in Winterthur teilgenommen. Es gehe vor allem darum, ein Zeichen zu setzen, dass die Menschen in der Schweiz Sozialabbau keinesfalls einfach so hinnehmen. Für Corrodi ist es ein wichtiges Anliegen, dass die Solidarität unter den Menschen weiterhin gelebt werden muss. Beruflich arbeitet sie als Spitex-Hauspflegerin und betreut vor allem ältere Menschen. Für die kommenden 1. Mai-Feiern würde sie sich wünschen, dass alle Arbeitnehmenden den freien Tag nutzen würden, um an der Demonstration und dem Fest in der Winterthurer Reithalle teilzunehmen. Zwar zeigt sie Verständnis dafür, dass man im Pflegebereich, in dem sie selber tätig ist, oder auch in den Spitälern, die Patienten nicht einfach links liegen lassen kann. «Es wäre aber schon ein gewaltiger Schritt, wenn sämtliche Restaurants und Bars am Tag der Arbeit geschlossen hätten und das Gastropersonal am Fest teilnehmen würde», findet Corrodi.. ***** Von der AVIG-Abstimmung ist sie enttäuscht. Anders als an den 1. Mai-Feierlichkeiten habe sie wäh-

tigte beim AVIG-Referendum blind den Parolen der politischen Parteien gefolgt seien: «Es ist doch schlimm, wenn die Leute einfach so abstimmen, wie es die Partei entschieden hat, obwohl ihnen die innere Stimme etwas anderes sagt.» Nach dem Abstimmungssonntag vom 26. September wäre sie am liebsten in die Romandie ausgewandert, wo das Referendum in allen Kantonen angenommen worden war, erzählt sie. «Ich frage mich manchmal, ob es uns in der Deutschschweiz einfach zu gut geht, dass die meisten dieser Sozialabbauvorlage zugestimmt haben.» Vor allem die negativen Folgen für die Jugendlichen bedauert Mattmann. Es sei schlimm, wenn man in jungen Jahren keine Lehrstelle finden könne. «Aber es ist auch keine Lösung, wenn Junge jeden Job annehmen müssen. Dann bekommt man einen schlechten Job, der nicht der eigenen Ausbildung entspricht und nach ein paar Jahren auf dem ungeliebten Beruf habe man dann auch keine Lust mehr, sich weiterzubilden», ist sich Mattmann sicher. ***** Trotz Regenwetters und Kälte blickt die 63-Jährige auch gerne

rend der Kampagne erkennen müssen, dass es aber auch sehr viele Jugendliche gibt, die nichts mit Politik anfangen können – selbst dann nicht, wenn es die Jungen wie bei der Revision der Arbeitslosenversicherung besonders hart trifft. Die Planung und Durchführung der AVIG-Kampagne empfand Corrodi dennoch als Bereicherung. Zusammen mit weiteren Unia Jugend-Mitgliedern und den Jusos gründete man ein Jugendkomitee gegen die Verschlechterung der Arbeitslosenversicherung. Gemeinsam habe man die ganze Stadt Winterthur sowie die umliegenden Gemeinden mit Flugblättern bedient. «Und an ein paar Tagen waren wir früh morgens am Bahnhof Winterthur unterwegs und legten unsere Flugblätter in die gestapelten 20-Minuten-Zeitung», erzählt Corrodi. *****

auf den diesjährigen 1. Mai zurück. In Uster sei der Tag der Arbeit einfach schön und gemütlich. Mit Paul Rechsteiner vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund war dieses Jahr auch ein prominenter Gast anwesend. «Für viele Oberländer ist es eine Selbstverständlichkeit, an den Feierlichkeiten in Uster dabei zu sein», sagt Mattmann und ergänzt: «Ich hätte schlicht ein schlechtes Gewissen, wenn ich als Gewerkschafterin nicht mitdemonstriert hätte.» Dagegen nervt sich Mattmann an der politischen Diskussion, die immer wieder über die Abschaffung des 1. Mai geführt wird. «Sollte mir mal der Alfred Heer von der SVP über den Weg laufen, dann würde ich ihm ins Gesicht sagen, dass man bei einer Abschaffung des 1. Mai auch sämtliche Heimspiele des FC Zürich und GC verbieten müsste, nur weil ein paar Idioten Krawalle machen.» Dann hätte die SVP gleich alle ihre Wähler verloren, ist sich Mattmann sicher. ***** Einen besonders schönen Moment durfte Mattmann dieses Jahr während der nationalen Frauendemonstration in Bern erleben.

Auch in der Jugendgruppe intern sei dieses Jahr einiges geschehen. Mit Referaten trägt die Unia Jugend neu selber zur Bildung ihrer Mitglieder bei. So sprach Vasco Pedrina, ehemaliger Co-Präsident der Unia, über die Gewerkschaftsbewegung von früher und gab Anregungen zur Zusammenarbeit mit Vertrauensleuten. «Die Diskussion mit Vasco war interessant, weil er nicht nur theoretische Aspekte erläuterte, sondern auch Beispiele aus der Praxis nannte», erinnert sich Corrodi. Zudem steuern die Mitglieder der Jugendgruppe auch mit eigenen Referaten zur Bildung bei. So hielten zwei Mitglieder dieses Jahr Vorträge zur italienischen sowie zur thailändischen Gewerkschaftsbewegung. In guter Erinnerung wird Corrodi auch die Veranstaltung zum Thema «Jugend und Krise» bleiben. Mit rund 20 Personen haben sich

Am 13. März sprach sie auf dem Bundesplatz als geladene Rednerin zu den Demonstranten. Dass 8000 Frauen und solidarische Männer aus der ganzen Schweiz in die Hauptstadt kamen, um sich für die Gleichstellung stark zu machen, habe sie sehr beeindruckt. Die Gleichstellung ist Mattmann, die unter anderem in der Unia die nationale Frauengruppe präsidiert, ein sehr wichtiges Anliegen, für das es sich auch im kommenden Jahr zu kämpfen lohnt. ✏✏ Per Johansson

Zur Person: Innerhalb der Unia ist die 63-Jährige Ursula Mattmann Alberto in mehreren Gremien aktiv. So hat sie das Amt der Sektionspräsidentin Unia Zürcher Oberland inne und ist zudem als Präsidentin der Unia Frauen Schweiz aktiv. Weiter ist sie im Vorstand der Region ZürichSchaffhausen und im Zentralvorstand. Mattmann wohnt zusammen mit ihrem Mann in Schwerzenbach. Für Mattmann ist es ein wichtiges Anliegen in der Unia aktiv zu sein, da eine Gewerkschaft stets vom Handeln ihrer Mitglieder lebt. Nur so kann auch etwas für die Arbeitnehmenden in der Schweiz erreicht werden.

überdurchschnittlich viele Junge an dieser Diskussion beteiligt. Zuletzt hat auch gesellige Zusammenhalt zur Festigung der Jugendgruppe beigetragen. Die beiden Ausflüge in die Paintball-Arena und der Besuch einer Kleinbrauerei mit anschliessendem Bowlen waren gemäss Corrodi ein Erfolg. ✏✏ Per Johansson

Zur Person: Die 20-Jährige Manuela Corrodi wohnt in Winterthur und arbeitet als Hauspflegerin bei der Spitex. In der Unia ist sie besonders in der Jugendgruppe aktiv. In ihrer Freizeit trifft sie sich gerne mit Freunden und geht ab und zu Joggen. Corrodi ist in der Gewerkschaft aktiv, da es für sie wichtig ist, dass man sich für zeitgemässe Arbeitsbedingungen als Gewerkschaftsmitglied stark machen muss. «Man arbeitet um zu leben und lebt nicht um zu arbeiten», lautet ihre Devise.

Betriebsferien Weihnachten–Neujahr Die Sekretariate der Unia-Region Zürich-Schaffhausen bleiben vom 24. Dezember 2010 bis und mit 9. Januar 2011 geschlossen. Allen Mitgliedern und ihren Angehörigen wünschen wir frohe Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr!


UniaRegio

Zürich-Schaffhausen | Nr. 6 | 17. Dezember 2010

Aktuell

2

Unia-Frauen: Planung landesweiter Aktionen für die Gleichstellung der Frauen

Endlich einmal Taten statt schöne Worte Die Gewerkschaftsfrauen werden nicht müde, sich für die Gleichstellung stark zu machen. Im kommenden Jahr wollen sie die schlafenden Politiker mit mehreren nationalen Aktionen endlich für ihr wichtiges Anliegen wachrütteln. «Achtung. Fertig. Frauen los!» – Mit dem von der Frauenkommission des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) lancierten

Slogan stehen die Frauen seit Ende November in den Startlöchern für ihre im kommenden Jahr geplanten Aktionen. Insbesondere am 14. Juni möchten die Frauen die Öffentlichkeit auf ihr Anliegen aufmerksam machen. Ob Büroangestellte, Reinigungsfrau, Krankenschwester oder Hausfrau; sämtliche Frauen sind dazu eingeladen, an den landesweiten Aktionen teilzunehmen. Grund zum Protest haben die Frauen genug. Nach wie vor ha-

pert es in der Schweiz mit der Umsetzung der Gleichstellung. Noch immer erhalten Frauen für gleiche Arbeit weniger Lohn als ihre männlichen Berufskollegen, und bei der beruflichen Karriere werden in vielen Betrieben Männer den Frauen vorgezogen – trotz gleicher Qualifizierungen. Zudem ist in vielen Familien die Kinderaufsicht noch immer Frauensache, was für viele Mütter gleichbedeutend mit dem Ausstieg aus ihrem Berufsleben ist.

Steh-auf-Aktion im Kantonsrat Der Kampf um die Gleichstellung der Geschlechter ist heute nötiger denn je. Dies, obschon die Schweizer Frauen jedes Jahr ihr Anliegen in die Öffentlichkeit tragen. So nahmen am vergangenen 13. März über 8000 Frauen und solidarische Männer an der nationalen Frauendemonstration in Bern teil. Und Mitte Juni dieses Jahres machten die Gewerkschaftsfrauen an einer

Steh-auf-Aktion auf der Tribüne im Zürcher Kantonsrat die Politiker aller Parteien erneut auf den schleppenden Gleichstellungsprozess aufmerksam. Dennoch stösst Frau bei den Verantwortlichen in Regierung und Parlament auf taube Ohren. Somit scheint es unausweichlich, dass die weibliche Bevölkerung am 14. Juni 2011 ihrem Unmut laut Ausdruck verleihen muss. ✏✏ Per Johansson

Weitere Informationen zu den Gleichstellungsaktionen der Frauen im Internet unter www.14juni2011.ch. Ab Januar beginnen die Planungen der Aktionen, insbesondere derjenigen zum 14. Juni. Helferinnen und Helfer sind herzlich willkommen. Wer sich an der Planung und Durchführung der Aktionen beteiligen möchte, kann mit Maria-José de Olazabal, Verantwortliche der Unia Zürich, Kontakt aufnehmen. E-Mail: maria.jose.de.olazabal@unia.ch Zürcher Unia-Frauen an der nationalen Frauendemonstration anfangs März in Bern.

Fotos und Videos zu vergangenen Frauenstreikaktionen gibt es auf der regionalen Unia-Website unter www.zuerich-schaffhausen.unia.ch

Elektrogewerbe: Unia-Multibranchenkonferenz stimmt gutem Lohnabschluss zu

Mehr Geld im Portemonnaie der Elektriker Der Lohnabschluss im Elektroinstallationsgewerbe bringt den Beschäftigten mit bis zu fünf Berufsjahren 200 Franken mehr Lohn. Die Mindestlöhne steigen je nach Kategorie zwischen 50 und 350 Franken. Die gegen 100 Delegierten der UniaMultibranchenkonferenz haben am 20. November in Bern den Lohn­ abschluss im Elektroinstallationsgewerbe angenommen. Die Mobilisierungen der Unia im Baunebengewerbe haben in dieser Branche eine kräftige Lohnerhöhung ermöglicht, welche die Arbeitnehmenden mehr als verdient haben. Der Vertragsabschluss bringt den Beschäftigten des Elektrogewerbes mit bis zu fünf Berufsjahren 200 Franken mehr Lohn generell. Davon profitieren rund 45 Prozent der Beschäftigten. Für die übrigen Arbeitnehmenden mit mehr als 5 Berufsjahren werden die Löhne individuell um 1,5 Prozent angehoben. Damit steigt die Lohnsumme im Elektroinstallationsgewerbe um ca. 3,2 Prozent.

Auch Mindestlöhne steigen Ebenfalls angehoben werden die Mindestlöhne. Sie steigen je

nach Kategorie zwischen 50 und 350 Franken. Generell gelten die höchsten Mindestlöhne in jeder Kategorie nicht mehr ab dem 30. Altersjahr sondern bereits nach fünf Berufsjahren. Ab diesem Zeitpunkt liegt nun der Mindestlohn in der tiefsten Lohnkategorie der Arbeitnehmenden ohne Berufsabschluss bei 4320 Franken, in der höchsten Lohnkategorie der Telematiker bei 5100 Franken. Die Vertragspartner des Elektroinstallationsgewerbes haben zudem die Bildung einer Arbeitsgruppe vereinbart, welche die Zuordnung der ausländischen Berufsdiplome zu den verschiedenen Lohnkategorien klären muss. Dem Vertrag des Elektroinstallationsgewerbes unterstehen in der ganzen Schweiz 16 000 Arbeitnehmende.

Mehr Lohn in weiteren Branchen Angenommen hat die Multibranchenkonferenz auch den Abschluss in der Gebäudetechnik, der den Beschäftigten eine generelle Lohnerhöhung von 50 Franken pro Monat und ebenfalls um 50 Franken erhöhte Mindestlöhne ab dem 4.  Berufsjahr bringt. Bereits vorgängig haben die Delegierten

des Metallbaus (plus 50 Franken generell und ein zusätzlicher Ferientag bis zum vollendeten 45. Altersjahr) und des Isolationsge-

werbes (plus 50 Franken generell bis zu einem Lohn von 5600 Franken und 25 bis 75 Franken höhere Mindestlöhne) die ausgehandelten

Lohnabschlüsse angenommen. Im Carrosseriegewerbe werden die Effektivlöhne und die Mindestlöhne um 50 Franken angehoben. ✏ KK


UniaRegio

Zürich-Schaffhausen | Nr. 6 | 17. Dezember 2010

Aktuell

3

Unia Migration: Podiumsdiskussion zur aktuellen Situation der Migranten in der Schweiz

Bessere Integration durch Gewerkschaftsarbeit Für viele ausländische Arbeitnehmende ist die Unia die einzige Möglichkeit, ihre politischen und gesellschaftlichen Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen. An einem Podium Ende November diskutierten rund 20 Migranten über ihre Situation in der Schweiz und über die Ausschaffungsinitiative der SVP. Mit der Annahme der Ausschaffungsinitiative Ende November haben die Stimmberechtigten den Grundstein einer Zwei-KlassenRechtsprechung gelegt. Neu wird nicht mehr jeder einzelne Straftäter beurteilt, wie es in der Schweiz bisher Tradition war, sondern die hier lebenden Ausländer erfahren eine Pauschalbeurteilung durch den Richter. Bereits während der Abstimmungskampagne wurde das Verhältnis zwischen Schweizern und Ausländern zum Teil als getrübt empfunden. Ein Grund mehr

für die Unia-Interessengruppe Migration, in Zürich zu einem Informationstag einzuladen.

Integration durch Information An der Podiumsdiskussion versuchten Migrantinnen und Migranten, ein Stimmungsbild zur

derzeitigen Situation zu zeichnen. Die politische Kampagne der SVP zur Ausschaffungsinitiative habe nur noch mehr dazu geführt, dass sich Schweizer und Ausländer voneinander distanzieren, sagte Osman Osmani, der in der Unia im Bereich Migration und Integration tätig ist. Denn während der negativ

Am Podium diskutierten (von links) Rita Schiavi, Bernd Schlemmer (Moderation) und Osman Osmani.

geprägten Ausschaffungsdebatte sei völlig untergegangen, dass man in Sachen Integration inzwischen sehr viel erreicht habe, so Osmani weiter. Gerade die Gewerkschaften hätten hierzu viel beigetragen. Dazu zählen nicht nur die Deutschkurse der Unia, sondern auch die Organisation an sich. «Für viele Migranten ist unsere Gewerkschaft oft die einzige Möglichkeit, um sich in der Öffentlichkeit für Ausländeranliegen Gehör zu verschaffen», erklärte Alex Granato, zuständiger Sekretär für die IG Migration in der Unia Zürich-Schaffhausen. Dem konnte Rita Schiavi, Mitglied der Unia-Geschäftsleitung, nur zustimmen und ergänzt: «Integration bedeutet, dass Migranten stets informiert sein müssen». Nur so könnten sich die Ausländerinnen und Ausländer als Teil der Schweizer Gesellschaft sehen. Bereits in den Sechszigerjahren, als vor allem italienische Arbeiter in die Schweiz kamen, waren die Gewerkschaftssekretäre auf den Baustellen und in

den Fabriken unterwegs, um diese über politische und gesellschaftliche Aktualitäten zu informieren.

Ausländerstimmrecht als Lösung Dass gerade Migranten, die mit ihrer täglichen Arbeit zum Wohlstand der Schweiz beitragen, heute wieder vermehrt politisch von der SVP als Sündenböcke missbraucht werden, werteten alle 20 Teilnehmenden der Podiumsdiskussion als Ohrfeige, die den bisherigen Errungenschaften im Integrationsprozess nur schadet. Daher macht sich Osmani für das Stimm- und Wahlrecht der Ausländer stark. «Dann wären die bürgerlichen Parteien gezwungen, auch um die Wählerstimmen der Ausländer zu buhlen», so Osmani. Politische Kampagnen wie bei der Ausschaffungsinitiative, bei der man Minderheiten und Mehrheiten gegeneinander ausspielt, wären dann viel weniger möglich. ✏✏ Per Johansson

Unia Winterthur: Protest gegen längere Ladenöffnungszeiten im Grüze-Markt

Regale auffüllen statt Familienleben Während sich die meisten Leute an den Samstagabenden zu Hause für den Kinobesuch schön machen oder den Abend zusammen mit dem Lebenspartner und den Kindern geniessen, füllen die Angestellten im Coop Markt Grüze noch immer die Regale auf, bedienen Kundinnen und Kunden. Seit dem letzten Novemberwochenende hat der Coop Grossmarkt am Winterthurer Stadtrand jeden Samstag bis 20 Uhr geöffnet. Für die Coop-Belegschaft bedeutet dies eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Unter der verlängerten Ladenöffnungszeit leidet das Familien- und Sozialleben

der Angestellten. Diese bekommen ihre Kinder, ihre Lebenspartner und ihre Freunde samstags erst spät abends wieder zu sehen. Denn bis die Angestellten selber zu Hause sind, ist es bereits 21 Uhr oder später. Je nach Familiensituation lässt sich die Kinderbetreuung an Samstagabenden nur mit Schwierigkeiten bewerkstelligen. Im Gegensatz zum Coop-Markt hat keine Kinderkrippe bis 20 Uhr geöffnet.

Coop-Vorgesetzte lenken nicht ein Gegen die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen wehrten sich

Gewerkschaftsfotograf gibt neues Fotoheft heraus

130 Beschäftigte anfangs November mit einer Petition – ohne Erfolg, denn die Verantwortlichen von Coop wollten die Verlängerung nicht zurücknehmen. In den Gesprächen war keine Bereitschaft vorhanden, die Verschlechterung mit Zulagen, Essensentschädigung oder einem freien Samstag pro Monat abzufedern. Am letzten Samstag im November trugen die Angestellten daher einen Pin mit der Aufschrift «Fair Work». Unterstützt wurden sie von Aktivistinnen und Aktivisten der Unia Winterthur. Vor dem Eingang informierten diese die

Kunden über die von der Öffentlichkeit viel zu wenig beachtete Kehrseite der längeren Ladenöffnungszeiten. ✏ pj

Mehr Fotos zur Coop-Aktion u­nter www.zuerich-schaffhausen. unia.ch

Unia Zürich: Solidaritätsaktion der portugiesischen Gruppe

Soziale Knetmännchen Ein Hauch Generalstreikstimmung Für die Unia und andere Gewerkschaften drückt Florian Aicher immer wieder mal auf den Auslöser seiner Kamera. Wird irgendwo zu gewerkschaftlichen Anliegen gesprochen, gefeiert, demonstriert oder gestreikt, ist der professionell ausgebildete Fotograf aus Zürich

nicht weit. Zu seiner Bilderausstellung vom vergangenen 1. Mai in der Kaserne Zürich ist Ende November ein Fotoheft mit dem Titel «Sozialismus – yes we can!» erschienen. Auf den farbenfrohen Bildern stellt Aicher mit Knetfiguren seine Sicht einer gerechten und sozialen Welt dar. Den halben Tag arbeitet der 32-Jährige bei der Post als Briefträger und in der zweiten Tageshälfte ist er unter anderem als Hochzeitsfotograf tätig. Aicher ist Mitglied der Gewerkschaft Kommunikation. Das Fotoheft «Sozialismus – yes we can!» ist für 8 Franken in der Buchhandlung im Volkshaus Zürich erhältlich oder kann direkt bei Florian Aicher bestellt werden. ✏ pj

Bestellung unter: florian.aicher@artofax.ch Weitere Fotos: www.artofax.ch

Am 24. November stand in Portugal alles still. Am «Greve Geral», dem landesweiten Generalstreik, beteiligten sich Arbeitnehmende aus fast allen Branchen. Auf den Bahnhöfen und Flughäfen lief nichts mehr, die Schulen blieben geschlossen und auf den Strassen türmten sich die Müllberge. Die beiden grossen portugiesischen Gewerkschaften CGTP und UTP hatten zum Streik aufgerufen, um sich gegen die drastischen Sparmassnahmen der Regierung zu wehren. Mit einer kleinen Solidaritätsaktion auf dem Zürcher Helvetiaplatz unterstützten in der Schweiz lebende Portugiesen und UniaMitglieder ihre Landsleute in der fernen Heimat. Trotz beissender Kälte harrte das Dutzend Aktivisten mehrere Stunden auf dem Platz aus. Vorbeifahrende Autos unterstützten die Kundgebung mit

Hupkonzerten. In einer kurzen Videobotschaft munterte Isaque Ferreira, Präsident der portugiesischen Gruppe der Unia Zürich,

die Arbeitnehmenden in Portugal auf, noch die letzten Stunden des eintägigen Generalstreikes durchzuhalten. ✏ pj

Fotos und Videobotschaft der Solidaritätskundgebung unter www.zuerich-schaffhausen.unia.ch

Portugiesinnen und Portugiesen während der Solidaritätsaktion auf dem ­Helvetiaplatz.


UniaRegio Sektion

Zürich

IG RenterInnen Mittwoch, 5. Januar, 9 Uhr: Vorstandssitzung im Sitzungszimmer der Unia, Volkshaus Zürich, 2. Stock. Interessierte Gäste sind willkommen und melden sich an bei Herbert Mielebacher, Tel. 044 301 07 07 oder seebi.hebi@ hispeed.ch

Zürich-Schaffhausen | Nr. 6 | 17. Dezember 2010

Agenda Computer-Vormittage für Neu­ einsteigerInnen finden statt: ab 6. Januar 2011 jeweils Donnerstags, 9 bis 11 Uhr. Interessierte melden sich bei Walter Zehnder, Tel. 044 431 57 95. Achtung: Es handelt sich hier nicht um einen Kurs, sondern um Hilfestellung von geübteren Anwendern für Neueinsteiger­Innen!

Seniorenstamm im Restaurant «Biergarten», Hohlstrasse 25, 8004 Zürich, jeweils Mittwochs ab 14 Uhr: 5. Januar, 9. Februar

Voranzeige Donnerstag, 20. Januar, 14 Uhr: Jahresversammlung im Volkshaus Zürich, Blauer Saal.

Sektion

Winterthur IG RentnerInnen

Persönliche Einladungen wurden versandt. Anmeldung mit der Anmeldekarte oder Tel. 052 260 04 44, E-Mail: winterthur@unia.ch

Donnerstag, 13. Januar, 14 Uhr: Generalversammlung im Restaurant Hirschen, Winterthur-Wülflingen. Mit Bus Nr. 2 bis Lindenplatz. Themen: Aktivitäten der Gruppe (Rückblick und Ausblick), Informationen zu den allgemeinen Aktivitäten der Unia.

Unia Region: Sektionsfeste in Zürich, Winterthur und im Zürcher Oberland

Reden, Musik, Essen und Gemeinsamkeit

Weitere Bilder auf unserer Website www.zuerich-schaffhausen.unia.ch

Herausgeberin Verlagsgesellschaft work AG, Postfach, CH-8026 Zürich | In Zusammenarbeit mit Unia Region Zürich-Schaffhausen, Postfach 1544, CH-8026 Zürich, T 044 299 25 25, F 044 299 25 59, zuerich-schaffhausen @unia.ch | Redaktion Verena Aerne | Gestaltungs­ konzept ivony ltd, CH-8008 Zürich | Layout Bubenberg Druck- und Verlags-AG, CH-3007 Bern | Druck Ringier Print Adligenswil AG, CH-6002 Luzern

www.unia.ch

4


Rwzhsh2010 12