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UNIAKTIV Duisburg-Essen

BERICHT 2011

UNIAKTIV Zentrum f체r gesellschaftliches Lernen und soziale Verantwortung der Universit채t Dusiburg-Essen www.uniaktiv.org


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Inhalt

AUS DEM REKTORAT - GruSSwort des Rektors 03 Vom Herausgeber - Willkomen zum UNIAKTIV-Bericht 04 Von nun an freiwillig - auf dem Weg zu einer Neuen Engagement-Kultur 06 ZuM Thema - Was ist Service Learning? 08 Service Learning - aus drei Perspektiven 10 Eine internationale Perspektive - Dr. Jeffrey Anderson im talk 14 Studentisches Engagement - Die Praxis nicht aus den Augen verlieren 18 Der UNIAKTIV-Preis - Engagement wird geehrt 20 Das UNIAKTIV-Team - Die Menschen Dahinter 22 Hochschulnetzwerk: Bildung durch Verantwortung - Hochschulen f端r gesellschaftliches Engagement 23 Regio ELF - Engagement durch Lehre und Forschung f端r die Region 24 Unsere Kooperationspartner - Gemeinsam Zeichen setzen 25 Publikationen - Aus unserer Feder 26

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Impressum - Der Bericht und seine Macher 27


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Aus Dem Rektorat GruSSwort des Rektors Prof. Dr. Ulrich Radtke

Als Rektor der Universität Duisburg-Essen (UDE) grüße ich Sie, die Leser dieses Projektberichts, herzlich. Zum wiederholten Mal gibt UNIAKTIV, das Zentrum für gesellschaftliches Lernen und soziale Verantwortung der UDE, in dieser Form einen Eindruck von seiner Arbeit der vergangenen Jahre und den Erfolgen, die seit seiner Gründung erreicht wurden. Darüber freue ich mich sehr. Wir als Hochschule haben es uns zum Ziel gesetzt, gesellschaftliches Engagement an und aus der UDE heraus zu fördern, als festen Bestandteil unserer Arbeit zu implementieren und nach außen hin sichtbar zu machen. Dies tun wir aus dem Bewusstsein heraus, als Teil dieser Region eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung von Zukunftschancen zu spielen. Etwa 66 Prozent unserer Studierenden stammen aus der Region, viele davon haben einen Migrationshintergrund, viele sind Personen, die als Erste in ihren Familien eine Hochschulausbildung aufnehmen. Gleichzeitig bilden wir einen immensen Teil des zukünftigen Fach- und Führungspersonals dieser Region aus. Durch diese Besonderheit und das damit verbundene Selbstverständnis als Universität im Ballungsraum des Ruhrgebiets streben wir Exzellenz in Forschung und Lehre an der UDE nicht als Selbstzweck, sondern vor dem Hintergrund dieser gesellschaftlichen, vor allem auch regionalen Verantwortung der Hochschule an.

UNIAKTIV ist maßgeblich daran beteiligt, dieser sozialen Verantwortung Rechnung zu tragen. Seit Juli 2005 wirkt das Zentrum für gesellschaftliches Lernen und soziale Verantwortung bei der Mitgestaltung und Umsetzung der UDE-Strategie gesellschaftlicher Verantwortung mit. Als extern finanziertes Projekt gestartet hat sich UNIAKTIV inzwischen an der UDE etabliert und besitzt heute wie damals bundesweiten Modellcharakter im Bereich der Entwicklung, Umsetzung und Förderung universitären Engagements. UNIAKTIV leistet einen wichtigen Beitrag dabei, gesellschaftliches Engagement von Studierenden und Lehrenden zu fördern und zu unterstützen. Der Erfolg von UNIAKTIV als Teil unserer Strategie gesellschaftlicher Verantwortung zeigt sich unter anderem durch den Erfolg des Programms Regio ELF (Engagement durch Lehre und Forschung für die Region) beim Wettbewerb „Mehr als Forschung und Lehre! Hochschulen in der Gesellschaft“, dem gemeinsamen Förderprogramm von Stifterverband und Stiftung Mercator. Mit Regio ELF erweitern die UDE und UNIAKTIV ihr Portfolio. Wir intensivieren die Zusammenarbeit unserer Universität mit der Region und entwickeln Forschungsfragen, die sich speziell an den Bedürfnissen des westlichen Ruhrgebiets orientieren und über die Lehre und Forschung eine direkte Rückwirkung auf diese Region haben werden. Regio ELF, das von UNI-

AKTIV im Auftrag von und zusammen mit dem Prorektorat für Diversity Management vorbereitet wurde, hilft so den Herausforderungen, mit denen das westliche Ruhrgebiet konfrontiert ist, auch in Forschung und Lehre zu begegnen. UNIAKTIV ist somit ein wichtiger Baustein bei der Umsetzung der universitären EngagementStrategie und hilft die Bindung zur Zivilgesellschaft des westlichen Ruhrgebiets noch enger und nachhaltiger zu gestalten. Im vorliegenden Bericht bekommen unsere teilweise langjährigen Partner aus der Gesellschaft wie dem universitären Kosmos nun die Möglichkeit sich vorzustellen und von Ihren Erfahrungen mit UNIAKTIV zu berichten. Wir als Rektorat der UDE sind stolz auf diese Partnerschaften, auf die Arbeit von UNIAKTIV und darauf, dass UNIAKTIV mitverantwortlich dafür ist, dass wir als Universität als partizipierender, verantwortungsbewusster Partner im Ruhrgebiet wahrgenommen werden. Wir wünschen uns für uns als UDE, für UNIAKTIV und unsere Partner in Gesellschaft und Universität eine weiterhin langanhaltende und erfolgreiche Zusammenarbeit.

Prof. Dr. Ulrich Radtke

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Vom Herausgeber Willkommen zum UNIAKTIV-Bericht Sehr geehrte Damen und Herren; Sehr geehrte Leserinnen und Leser, wir freuen uns mit diesem Berichtsheft erneut die Aktivitäten von UNIAKTIV, dem Zentrum für gesellschaftliches Lernen und soziale Verantwortung der UDE, in komprimierter, gedruckter und gehefteter Form präsentieren zu können.

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UNIAKTIV – das steht seit 2005 für aktives Lernen, für Lernen im Sinne gesellschaftlicher Verantwortung, für Lernen außerhalb des vielzitierten Elfenbeinturms Universität. In den letzten sechs Jahren ist UNIAKTIV, und damit die UDE, zum sichtbaren und festen Partner für gesellschaftliches, kulturelles und soziales Engagement im westlichen Ruhrgebiet geworden. Gleichzeitig hat sich UNIAKTIV von einem drittmittelfinanzierten Projekt zu einem festen Bestandteil an der UDE entwickelt, der in den Bereichen Service Learning und gesellschaftliche Verantwortung von Hochschulen deutschlandweit weiterhin Strahlkraft besitzt und neue Wege geht. Diese Vorreiterstellung hat die externe Evaluation durch die HIS GmbH (2009) bestätigt. Das Gutachten prognostiziert auch die Möglichkeit, Service Learning zu einem Profilmerkmal der UDE auszubauen – eine Möglichkeit, die vielfach bereits erfüllt scheint. Immer wieder werden UNIAKTIV und die UDE herangezogen, wenn es gilt, die besten Beispiele für gelungene Partnerschaften aufzuzeigen: Im Sonderheft „Kreative Vielfalt“ der Hochschulrektorenkonferenz, im „Zeit“-Studienführer 2011 oder in der internationalen Vergleichsstudie „Mission

Gesellschaft“ von Stifterverband, CHE und Stiftung Mercator. Immer wieder wird deutlich, was das Rektorat der UDE (zuletzt in der duzAkademie 04/2011) betont: UNIAKTIV ist ein entscheidender Baustein bei der Mitgestaltung und Umsetzung der universitären EngagementStrategie (S.03). Dass dies erkannt und gefördert wird, belegt auch die Tatsache, dass das UDERektorat seit Auslaufen der Stiftungsförderung die Finanzierung von UNIAKTIV übernommen hat. Die beste Weise, unseren Dank dafür auszudrücken, ist eine kontinuierliche Fortsetzung unserer Strategie und Arbeit an der Schnittstelle von ‚Campus‘ und ‚Community‘. Deshalb arbeiten wir weiterhin daran, Projekte zu ermöglichen, die universitäres Wissen mit gesellschaftlichem Engagement verbinden und eine Situation erzeugen, die für alle Seiten gewinnbringend ist: Studierende können ihr theoretisches Wissen praktisch anwenden, die Community Partner können einerseits universitäres Wissen für einen guten Zweck anwendbar machen und andererseits die Studierenden bei ihrer persönlichen Profilbildung unterstützen; nicht zuletzt gewinnt die Zivilgesellschaft, Universität inklusive. Die UNIAKTIV-Kernkompetenzen – Ermöglichung von Service Learning, Umsetzung von Partnerschaften zwischen Campus und Community sowie die Entwicklung innovativer Formen

zur Übernahme universitärer gesellschaftlicher Verantwortung – gilt es an der UDE fortzuführen, zu schärfen und auszubauen. Über die UDE hinaus entwickeln wir verstärkt Möglichkeiten, um die UNIAKTIV-Expertise im Aufbau von Service Learning- und Campus-CommunityZentren auch anderen Hochschulen zur Verfügung zu stellen. Durch die aktive Mitgestaltung im Hochschulnetzwerk: Bildung durch Verantwortung arbeiten wir auch weiter daran, die Idee universitärer gesellschaftlicher Verantwortung zu verbreiten und für die deutsche Hochschullandschaft nutzbar zu machen (S.23). An der Schnittstelle von Campus und Community zu stehen, bedeutet aber auch, die (regionale) Zivilgesellschaft im Blick zu behalten. Mit Regio ELF, dem seitens Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und Stiftung Mercator ausgezeichneten und geförderten Programm, ist es im Jahr 2011 gelungen, mit einem stark regional bezogenen Konzept in einem hochkarätigen nationalen Wettbewerb zu punkten. Auch hier setzen wir an, um die Region „Westliches Ruhrgebiet“ gemeinsam mit alten und neuen Partnern voranzubringen (S.24). Zum Zeitpunkt der Drucklegung dieses Berichts kann UNIAKTIV bereits auf Kooperationen mit mehr als 150 vorwiegend regionalen Community Partnern, den Einsatz von 1669 Studierende in Engagements und die Durchführung von mehr als 90 Service-LearningSeminaren zurückblicken und all diese Zahlen –


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sowie die Personen und Geschichten dahinter – als Erfolg werten. Deshalb lässt der vorliegende Bericht einige der Partner, der vermittelten Studierenden und der beteiligten AkademikerInnen zu Wort kommen und sie von ihren Erfahrungen berichten, die sie mit UNIAKTIV und auch wegen UNIAKTIV gemacht haben. Klaus Bremen, Geschäftsbereichsleiter des Landesverbands NRW des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands und langjähriger UNIAKTIV-Beiratssprecher, erläutert in seinem Beitrag, warum Initiativen wie UNIAKTIV gerade mit Blick auf den Wegfall des Zivildienstes noch einmal Bedeutung erlangen (S.06). Prof. Dr. Jeffrey Anderson von der Seattle University, der im Oktober 2010 an der UDE zu Gast war, stellt sich im Interview kritischen Fragen zu seiner Sicht auf Service Learning (S.14). Richtig praktisch wird es mit der Reportage über Nicole van Dielingen, eine der zahlreichen Studierenden, die durch UNIAKTIV ein ehrenamtliches Engagement gefunden haben (S.18) sowie im Interview mit PD. Dr. Manfred Wahle, der Lehrerin Ulrike Riebel und dem Referendar Tom Eickelau, die ihre eigene Perspektive auf Service-LearningSeminare mit ein und demselben Community Partner eröffnen (S.10). Darüber hinaus werden die Träger des UNIAKTIV-Preises vorgestellt (S.20), die Projektstruktur von UNIAKTIV sichtbar (S.22) und die seit 2009 erschienen UNIAKTIVPublikationen dargestellt (S.26). Wir hoffen Ihnen, sehr geehrte Leserinnen und Leser, mit diesem Bericht einen interessanten und informativen Einblick in unsere Arbeit bieten zu können und wünschen viel Spaß bei der Lektüre. UNIAKTIV bericht 2011


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Von nun an freiwillig auf dem Weg zu einer neuen EngagementKultur von Klaus Bremen

Selbst gewähltes soziales Engagement statt Pflichtdienste Es hat in Deutschland in diesem Jahr eine Zeitenwende gegeben: Kein junger Mann wird sich mehr damit beschäftigen müssen, ob er Bundeswehr-tauglich ist, den Wehrdienst verweigert, Zivildienst leisten muss oder sich dann doch ein gutes Attest besorgt. Wenn sich jetzt junge Männer als Soldat oder im zivilen Bereich für „ihr Land“, für „ihre Gemeinschaft“ engagieren, dann nur noch aus freien Stücken, selbst entschieden und eben – freiwillig. Diese Möglichkeit gab es mit dem sogenannten Freiwilligen Sozialen Jahr immer schon. Seit 2011 wird für Gemeinschaftsdienste eben nur noch das Freiwilligkeits-Prinzip gelten.

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Was jetzt kommt Neu eingeführt wurde ein „Bundesfreiwilligendienst“ (BFD) als eine Art „Ersatzersatzdienst“ mit Einsatzplätzen vor allem in sozialen, ökologischen und kulturellen Diensten und Einrichtungen. Dort können sich junge, aber auch ältere, Männer und Frauen freiwillig für sechs bis maximal 24 Monate engagieren und neue Erfahrungen sammeln. Zugleich wird das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) aufgewertet und als weitere Möglichkeit, sich als Freiwilliger umzuschauen, zu engagieren und etwas Neues zu lernen, endgültig etabliert. Zukünftig wird es jährlich im BFD und im FSJ jeweils rund 35 000 Einsatzplätze geben,

um für einen selbst gewählten Lebensabschnitt soziales Engagement zu leisten. Dafür gibt es eine finanzielle Unterstützung (bis max. 330 Euro/Monat), eine Versicherungsabsicherung, pädagogische Begleitung und Qualifizierung (vgl. www.bmfsfj.de). Das Interesse am Freiwilligendienst ist hoch und einem Einsatzplatz im FSJ stehen jeweils etwa vier interessierte junge Menschen gegenüber. Die Zeichen stehen also durchaus so, dass in Deutschland eine neue Kultur der FreiwilligenArbeit möglich ist. Engagement-bereit? Aus einer repräsentativen Erhebung zum Engagement in Deutschland, dem „Freiwilligen-Survey“, erfahren wir: „Junge Menschen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren sind eine zivilgesellschaftlich sehr aktive Gruppe. […] Allerdings ist ihr freiwilliges Engagement in der letzten Dekade langsam, aber kontinuierlich auf einen nur noch knapp durchschnittlichen Wert gesunken (1999: 37%, 2009: 35%).“ (Freiwilligen-Survey 2009, S.17) Das Engagement-Potenzial in dieser Altersgruppe bleibt dem Bericht nach also weiterhin groß – nur wird es immer weniger umgesetzt. Für viele junge Menschen wird es durch den Wegfall der Pflichtdienste künftig weitaus geringere Berührungspunkte mit sozialer und freiwilliger Arbeit geben. Verstärkt werden sich wohl nur solche jungen Menschen dem Freiwilligendienst zuwenden, die

von sich aus ein stark ausgeprägtes Engagementbedürfnis mitbringen, während die Gesamtzahl der Engagierten gleichbleibt oder gar abnimmt. Das Gegenteil wäre wünschenswert: Es braucht eine neue Kultur des freiwilligen Engagements, in der nicht nur der Karriereerfolg allein, sondern auch Solidarität eine Rolle spielt. Eine Kultur, in der wir uns anderen Menschen zuwenden und ihnen mit unserem Engagement unsere Fähigkeiten anbieten. Die sozialen Dienste und Einrichtungen sind dafür gefordert. Gestern konnten noch im Rahmen eines Pflichtdienstes Tätigkeiten angeordnet werden – heute gilt es, Menschen für die eigene Arbeit zu interessieren und zu begeistern. Hierfür engagiert sich unter anderem der Paritätische in Nordrhein-Westfalen mit seinen rund 3000 sozialen Vereinen, Gesellschaften und Stiftungen und rd. 5500 sozialen Diensten und Einrichtungen (www.paritaet-nrw.org) – ebenso wie die anderen Verbände der Freien Wohlfahrtspflege. Im Engagement lernen Ein Schlüssel für die Zeitenwende hin zu einer neuen Kultur freiwilligen Engagements liegt sicher auch darin, bei den Wünschen und Bedürfnissen anzusetzen, die die freiwillig Engagierten an ein Engagement richten. Schaut man in den Survey, fällt auf, dass freiwilliges Engagement durchaus als persönliche Lern- und Erfahrungschance wahrgenommen wird und gerade darüber motiviert:


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Klaus Bremen M.A. ist Mitglied der Geschäftsleitung des Paritätischen in NordrheinWestfalen und einer der beiden Sprecher des Beirats von UNIAKTIV. Der Paritätische (offiziell: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband) fungiert in Nordrhein-Westfalen als Dachverband für mehr als 3000 selbstständige Organisationen im sozialen Bereich. Die Mitglieder betreiben zum einen rd. 5000 Dienste und Einrichtungen mit rd. 110 000 MitarbeiterInnen in allen Bereichen sozialer Arbeit. Zum anderen organisieren sich im Paritätischen vor allem soziale Initiativen und Selbsthilfe-Zusammenschlüsse von BürgerInnen. Der Paritä-

„Im Rahmen des Engagements Erfahrungen zu sammeln und die eigenen Kenntnisse zu verbessern, ist speziell für junge Engagierte motivierend, aber auch ältere Engagierte gewinnen oft neue Erfahrungen und Kenntnisse. Sowohl 2004 als auch 2009 gaben 45 % der Engagierten an, durch ihre Tätigkeit in ‚sehr hohem‘ oder ‚hohem Maße‘ Fähigkeiten erworben zu haben, die für sie wichtig sind (11 % bzw. 10 %). […] Fast alle Anforderungen, denen Freiwillige gerecht werden müssen, sind mit dem Eindruck verbunden, im Engagement etwas zu lernen, insbesondere Fachwissen, Belastbarkeit und Führungsqualitäten.“ (Freiwilligen-Survey 2009, S. 34) Wenn es gelingt, die Engagement-Erfahrungen mit der Lernbereitschaft junger Menschen zu verbinden, werden Engagement und Engagierte gleichermaßen gestärkt. Hier haben die Ausbildungseinrichtungen eine wichtige Rolle. Bewusstseinsbildend auf der einen Seite: Fängt die Stärkung eines Bewusstseins für verantwortliches Denken und Handeln während der Schulbildung an, so ist es Aufgabe der Hochschule, dies aufzugreifen und zu vertiefen. Und lernorientiert auf der anderen: Als zentrale Orte des Lernens sind Schulen und Hochschulen besonders geeignet, um die im Engagement gemachten Erfahrungen zu reflektieren und weiter für Werdegang und Ausbildung der jungen Menschen nutzbar zu machen.

tische NRW umfasst 54 Kreisgruppen in 23 kreisfreien Städten und 31 Landkreisen. Der Paritätische ist einer der sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege und konfessionell und parteipolitisch unabhängig. Als Community Partner in Kooperation mit UNIAKTIV hat der Paritätische NRW wiederholt an Service-Learning- und DesignThinking-Seminaren teilgenommen, wie etwa an „Öffentlichkeitsarbeit in Institutionen“ und „Wie kommt das Neue in die Welt? Radikale Innovationen durch NutzerInnen“.

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Weitere Informationen und Kontaktadresse: www.paritaet-nrw.org

Positioniert: UNIAKTIV – Engagement vom Campus aus Wie junge Menschen auch während ihrer Ausbildung motiviert werden können, sich ehrenamtlich zu engagieren, zeigt die Arbeit von UNIAKTIV. Freiwilliges Engagement während eines Studiums – so wie es hier vermittelt wird – geschieht nicht nach dem Muster der oben geschilderten neuen Freiwilligendienste: UNIAKTIV bietet Studierenden einen in der Regel zeitlich kürzer befristeten Zugang zum freiwilligen Engagement. UNIAKTIV setzt zugleich von Beginn an auf die systematische Verbindung von Engagement und Lernen, z.B. in den individuellen ehrenamtlichen Tätigkeiten, die begleitend reflektiert werden oder im Service Learning, wo Studierende im Engagement Studieninhalte erlernen und vertiefen. UNIAKTIV ist Vorreiter einer Hochschulausbildung, die nicht nur inhaltlich, sondern auch sozial auf unsere Welt im Wandel vorzubereiten hilft. Zwischen den Freiwilligendiensten und Engagementangeboten wie denen von UNIAKTIV gibt es Synergien. So ist z.B. der Paritätische ein dauerhafter Partner in den Service-LearningAngeboten von UNIAKTIV. Wenn derartige Kooperationen zwischen den unterschiedlichen Anbietern und Trägern sozialer Engagementmöglichkeiten weiter verstärkt und ausgebaut werden, dann ist ein weiterer wichtiger Schritt hin zu einer neuen Kultur der FreiwilligenArbeit getan.

Literatur: Hauptbericht des Freiwilligensurveys 2009. Ergebnisse der repräsentativen Trenderhebung zu Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und Bürgerschaftlichem Engagement. Zusammenfassung. München 2010

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Zum Thema Was ist Service Learning?

Service Learning (Lernen im gesellschaftlichen Engagement) ist ein pädagogisches Konzept, bei dem sich Studierende im Rahmen einer Lehrveranstaltung für die Zivilgesellschaft engagieren. Die gemachten Engagement-Erfahrungen werden in der Lehrveranstaltung genutzt, um neue Lehrinhalte zu erlernen, Theorien praktisch anzuwenden und bei den Studierenden ein Verständnis von gesellschaftlicher Verantwortungsübernahme zu entwickeln.

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Damit ist Service Learning immer zugleich Pädagogik und Engagementform und berücksichtigt beide Seiten: Einerseits ermöglicht Service Learning ein Lernen aus der praktischen Handlungserfahrung. Deshalb werden die gemachten Erfahrungen in der Lehrveranstaltung aufgearbeitet, reflektiert und eingeordnet. Andererseits wird die Zivilgesellschaft (in Form von städtischen und freien Trägern der Wohlfahrtspflege, gemeinnützigen Einrichtungen und anderen) durch eine Dienstleistung konkret unterstützt. Darum haben die Studierenden als Dienstleister ihren Auftrag bzw. eine konkrete Lösung im Blick. In diesem Verständnis ist Service Learning eine Verbindung von Theorie und Praxis und

trägt dazu bei, Anwendungsorientierung und Verantwortung bereits im Studium zu fördern. Mit dieser Programmatik kann Service Learning in vielfältigen Formen umgesetzt werden. An der UDE wird das Konzept vorrangig in Form von Projekten umgesetzt, bei denen die Studierenden in Gruppen eine konkrete Fragestellung bearbeiten. Diese Fragestellung erwächst entweder aus dem fachlichen Ziel einer Lehrveranstaltung (Bsp.: Erarbeitung und Anwendung von Konzepten der Öffentlichkeitsarbeit) oder aus der konkreten Fragestellung einer gemeinnützigen Einrichtung (Bsp: Evaluation einer Integrationsmaßnahme), die dann von einem Seminar aufgegriffen wird. UNIAKTIV initiiert, begleitet und unterstützt die Entwicklung und Umsetzung von Service-Learning-Projekten im engen Kontakt mit Fachlehrenden und zivilgesellschaftlichen Einrichtungen. Als zentraler Ansprechpartner übernimmt UNIAKTIV die Identifikation und Kontaktierung geeigneter Service-Learning-Partner sowie die konzeptionelle Begleitung von Projekten und steht für alle Fragen rund um Service Learning zur Verfügung.

Projekt *Service-Learning-Aktivitäten können sehr gut in der Form von Projekten durchgeführt werden. Als Projekt verstehen wir (im Gegensatz zu Routine- oder Linientätigkeit) eine Gruppenarbeit, die eine klare Zielstellung in zumeist beschränkter Zeit verfolgt und für die Gruppenmitglieder angemessen komplex und neuartig ist. Am Beispiel: Ein Engagement in dem ein Freiwilliger einmal in der Woche beim Verteilen von Lebensmitteln zum Beispiel für „Die Tafeln“ hilft, ist eher kein Projekt. Demgegenüber kann die Erstellung eines Logistikkonzeptes für „Die Tafeln“ durch eine Projektgruppe als Projekt gelten. Weil sich in Projekten die strukturierte, eigenverantwortliche Vorgehensplanung sowie eine Vielzahl von sozialen, methodischen und Selbstkompetenzen sehr gut üben lassen, eignet sich diese Form besonders für Service Learning.


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Service Learning aus drei Perspektiven

Beim Service Learning sind immer drei Personengruppen involviert: Auf der einen Seite die Lehrenden, auf der anderen die Studierenden und zudem die öffentlichen Partner wie etwa Schulen. Eine dieser Schulen ist die Tiegelschule in der Essener Nordstadt. Die Tiegelschule hat als Community Partner an mehreren ServiceLearning-Seminaren mit der UDE und UNIAKTIV zusammengearbeitet. Im Folgenden reden wir mit drei Beteiligten von jeweils einer dieser Kooperationen, mit dem Lehrenden PD Dr. Manfred Wahle, dem ehemaligen Lehramtsstudenten Tom Eickelau und der TiegelschulLehrerin Ulrike Riebel, und versuchen so, drei verschiedene Sichtweisen auf ein und dasselbe Konzept zu eröffnen.

des Projektlernens“ für Lehramtsstudierende angeboten. Die Studierenden sollten selbstständig die Planung und Organisation von schulischen Lernprozessen übernehmen, eigene Vorstellungen von Lernzielen und -strategien entwickeln und in einem praktischen Projekt an der Tiegelschule umsetzen. Ziel des Seminars war es, praktische Beispiele des Projektlernens zu untersuchen, diese selbst mit SchülerInnen der Tiegelschule umzusetzen und zu thematisieren, worin die Chancen und die Grenzen dieser Beispiele liegen. Besonders an PD Dr. Wahles Seminar war, dass die Studierenden die Methode „Projektlernen“, mit der sie später unterrichten sollten, anhand eben dieser Methode erlernt haben.

die Tiegelschule, seinen Bedarf vor und, darauf bezogen, mögliche Projekt-Konzepte. Diese wurden im Plenum diskutiert. Daraufhin sind die einzelnen Projekte in Studierendengruppen geplant und umgesetzt worden. Abschließend wurden die Projekte und deren Ergebnisse in einer Präsentation dargestellt.

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Was ist aus Ihrer Sicht das Wesentliche an der Service-Learning-Methode? Zentral ist für mich die Verknüpfung von Theorie und Praxis im Interesse des Aufbaus von Professionalität. Durch die Einblicke in Handlungsfelder, die sich im Rahmen des konventionellen Lehramtsstudiums nicht unbedingt erschließen, findet eine Horizonterweiterung statt. ServiceHerr Dr. Wahle, aus der Sicht eines Lehrenden: Learning-Seminare bieten außerdem sehr gute 1 Was war das Besondere an Ihrem Service-Lear- Sensibilisierungsmöglichkeiten in Bezug auf die Bedeutsamkeit zivilgesellschaftlichen Engagening-Seminar? In meinem Seminar wurden nicht nur die theore- ments. tischen Hintergründe des Projektlernens vermittelt. Die Methode wurde gleichzeitig praktisch Und welche Unterschiede gibt es im Vergleich zu angewandt. Das bedeutet, die Studierenden ha- „klassischen“ Lehrveranstaltungen? ben im Seminar an sich selbst erfahren können, Anders als bei vielen „klassischen“ Lehrveranwas es bedeutet, Projektlernen in der Praxis um- staltungen, wie Sie es nennen, gibt es eine zielzusetzen und dieses Wissen in ihre Service-Lear- orientierte Kooperation mit außeruniversitären Partnern, den Community Partnern, mit vertiefning-Seminare übertragen zu können. ten Theorie-Praxis-Bezügen. Die Seminare bieten ein breiteres Arbeits- und Handlungsspektrum Wie war Ihr Seminar aufgebaut? Im Sommersemester 2010 hat PD Dr. Manfred Das Seminar verlief in vier Phasen: Zu Beginn für die Studierenden. Ich sehe Service-LearningWahle von der Fakultät für Bildungswissen- stand die Erarbeitung theoretischer Grundlagen. Seminare als gangbare Wege aus dem sogenannschaften das Seminar „Theorien und Modelle Anschließend stellte der Community Partner, ten Elfenbeinturm.


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Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem Community Partner und welche Anforderungen stellt eine Zusammenarbeit an Community Partner und Universität? In den meisten Fällen war die Zusammenarbeit mit der Partnerschule sehr konstruktiv. Lediglich in einem Fall klafften die Ansprüche des Lehrers und der Projektgruppe auseinander, so dass ich als Seminarleiter eingreifen und die Ansprüche mit den Beteiligten abgleichen musste. Ich denke aber, dass diese Probleme im späteren Berufsleben der Studierenden noch häufiger auftreten werden und insofern eine wichtige Lernerfahrung darstellen. Für mich persönlich bedeutet das, dass ich bei der Projektauswahl noch genauer auf die Projektdefinitionen schauen werde. Zudem ist es wichtig, dass die Schulen eine solide Kooperation eingehen. Dies beinhaltet eine angemessene Betreuung der Studierenden, die Realisierbarkeit der Projekte in einzelnen Schulklassen und regelmäßigen Kontakt mit mir als Seminarleitung. Werden Sie weitere Service-Learning-Seminare anbieten? Als Vertretungsprofessur an der TU Dortmund ist mir das derzeit nicht möglich. Mittelfristig möchte ich aber auf jeden Fall weiter ServiceLearning-Seminare anbieten. Herr Wahle, vielen Dank für das Gespräch.

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aber auch die Ausschreibung eine Rolle, weil dort der Theorie-Praxis-Transfer ins Zentrum gerückt wurde. Hat die Ausschreibung dann mit dem Seminar selbst mithalten können? Ja, voll und ganz. Wir hatten einen Theorieblock, aber einen wesentlichen Teil des Seminars gestalteten wir selbstständig in studentischer Projektarbeit. Wie sah die Projektarbeit konkret aus? Wir hatten den Auftrag, uns mit der Leseförderung an der Tiegelschule im Essener Nordviertel zu befassen. Wir haben verschiedene Überlegungen zur Umsetzung unserer Fragestellung entwickelt und uns letztlich für die Veranstaltung eines Lesewettbewerbs in der 3. und 4. Klasse entschieden.

Tom Eickelau war Lehramtsstudent an der UDE und hat an einem Service-Learning-Seminar mit der Tiegelschule als CommunityPartner teilgenommen. Mittlerweile ist Tom Referendar in Berlin. Tom, du hast während deines Studiums an der UDE ein Service-Learning-Seminar besucht. Was war deine Motivation an einem solchen Seminar teilzunehmen? Meine primäre Motivation bestand natürlich darin, einen Schein in dem entsprechenden Modul zu erwerben. Bei der Auswahl spielte

Warum gerade ein Lesewettbewerb? Wir wollten möglichst viele Kinder erreichen und auf die Bedeutung des Lesens aufmerksam machen. Durch den offiziellen Charakter und die Einrichtung einer Jury wurde der Stellenwert des Wettbewerbs nochmals hervorgehoben. Die Vorentscheidungen haben wir in den einzelnen Klassen gemacht und dann haben wir an einem Tag innerhalb von drei Schulstunden die Finalisten antreten lassen. Das ganze haben wir als eine Art Stationenlernen aufgebaut, so dass immer alle Kinder gleichzeitig

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1 2 „So eine Veranstaltung wäre ohne die Studierenden nicht möglich gewesen.“

eingebunden waren. Während ein Teil der Jury vorlas, haben andere Gruppen Lesezeichen bemalt und ausgeschnitten, eine Geschichte vorgelesen bekommen oder Bewegungsübungen anhand einer Geschichte gemacht. War das Projekt ein Erfolg? Ja, ich denke schon. Es war zwar so, dass wir erst bei der Planung festgestellt haben, dass wir das Programm nicht mit unserer Fünfergruppe allein stemmen können, aber wir haben dann noch nach Kommilitonen gesucht, die uns bei dem Lesewettbewerb unterstützen. Außerdem hat die Tiegelschule bei allen Ideen gut mitgearbeitet. Dank all der Hilfe war der Tag aus unserer Sicht ein voller Erfolg.

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Wie beurteilst du das Projekt im Hinblick auf die an der Uni vermittelte Theorie? Zuerst muss man sagen, dass wir vieles von dem, was wir im Studium vermittelt bekommen haben, direkt oder indirekt für unseren Lesewettbewerb aufgreifen konnten. Gleichzeitig mussten wir uns natürlich Gedanken machen, wie wir das Projekt umsetzen. Wir haben verschiedenste Literatur zur Leseförderung durchgearbeitet, einen Projektplan erstellt und diesen dann auch umgesetzt. Ich habe es sehr genossen, auch mal zielorientiert im Team zu arbeiten. Das findet viel zu selten in der Lehrerausbildung statt, ist aber für meinen zukünftigen Beruf sehr wichtig.

Was hast du in diesem Seminar gelernt? Gerade die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern in einem nicht optimalen Umfeld, also im reellen Schulbetrieb, empfinde ich als sehr wertvolle Erfahrung. Mit dieser Situation wird man sich im Referendariat und im späteren Lehralltag wahrscheinlich häufig konfrontiert sehen. Dabei habe ich gelernt, dass nicht immer alles nach Plan läuft und man immer einen Plan B parat haben sollte, um Schwierigkeiten begegnen zu können. Letztlich war aber die Arbeit im Team für mich die wichtigste Erfahrung, weil ich gemerkt habe, dass man zusammen viel mehr erreichen kann. Ich werde versuchen, diese Arbeitsform auch in mein späteres Berufsleben zu übertragen. Auch und gerade weil ich weiß, dass Lehrer häufig Einzelkämpfer sind. Beim Service-Learning geht es ja um freiwilliges Engagement. Inwieweit würdest du eurer Projektarbeit als solches bezeichnen? Freiwillig war es für mich eigentlich nicht, weil ich ja auch einen Schein bekommen wollte. Aber natürlich hätte ich für den Schein auch ein anderes Seminar wählen können. Im Endeffekt bin ich stolz, dass wir so ein Projekt auf die Beine gestellt haben. Es war viel Aufwand und ich gehe davon aus, dass ein Lesewettbewerb in dieser Form niemals ohne unsere Arbeit zustande gekommen wäre. Das Seminar gewählt zu haben hat sich also wirklich gelohnt. Tom, vielen Dank für das Gespräch.

*DieProjektlernen Methode des Projektlernens zielt auf eine weitgehend selbstständige Aktivität der SchülerInnen. Diese beteiligen sich an der Planung und Organisation von Lernprozessen, entwickeln eigene Vorstellungen

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Ulrike Riebel ist Lehrerin an der Tiegelschule (www.tiegelschule.de) und hat schon mehrere Service-Learning-Projekte an Ihrer Schule als Kooperationslehrerin betreut. Frau Riebel, Sie haben, neben anderen Projekten, im vergangenen Jahr einen Lesewettbewerb an ihrer Schule betreut. Wie hat Ihnen dieses Projekt gefallen? Der Schülerlesewettbewerb war sicherlich eines der ambitioniertesten und gleichzeitig besten Projekte, die wir je in Kooperation mit der Uni durchgeführt haben. Besonders spannend finde ich, dass aus dem Bedarf, etwas für die Leseförderung an unserer Schule zu tun, ein Lesewettbewerb entstanden ist. Dieser hat letztlich in der Umsetzung auch alle Kolleginnen und Kollegen motiviert, dabei mitzumachen. Die Studierenden haben von der Konzeption des Tages bis zu Auswahl der Texte und Teilnehmerklassen sehr viel mit dem Lehrerkollegium abstimmen müs-

von Lernzielen und -strategien, kooperieren im Lernprozess und übernehmen in hohem Maße Verantwortung für die aktive Teilnahme am Unterricht und an ihren Projekten.


sen. Gleichzeitig haben Sie den Tag mit zehn Studierenden durchgeführt, so dass wir Lehrer die Schüler nur von Station zu Station bringen mussten. So eine Veranstaltung wäre ohne die Studierenden nicht möglich gewesen. Wie waren Sie in den Seminarablauf eingebunden? Grundsätzlich laufen die Vorbereitungen eigentlich immer ähnlich ab. In einem Vorgespräch spreche ich mit dem Dozenten über potenzielle Projekte an unserer Schule. Wir versuchen dabei immer Themen zu identifizieren, die sowohl das Lehrerkollegium als auch die Schüler als wichtig erachten und die gleichzeitig ein spannendes Lernfeld für die Studierenden darstellen. In der Vergangenheit waren das Elternarbeit, Hausaufgabenbetreuung, Streitschlichterprogramme, Jungen- und Mädchenförderung oder auch – wie in diesem Fall – Sprachförderung. Gerade diese ist vor dem Hintergrund der Heterogenität in

meiner Kollegen respektive deren Schülern tätig und auch für die interne Organisation zuständig. Wie sind Sie in das Seminar und die Arbeit mit den Ich kümmere mich also beispielsweise um die Räume und koordiniere die Zeiten, zu denen wir Studierenden eingebunden? In einer der ersten Seminarstunden an der Uni- uns treffen. versität stelle ich zunächst unsere Schule vor. Ich berichte über unsere spezielle Situation im Umfeld Wie ist Ihre Meinung zu Seminaren, die mit der Serder Nordstadt. Wir haben Schüler aus vielen ver- vice-Learning-Methode eine Verbindung von Theorie schiedenen ethnischen und kulturellen Gruppen, und Praxis herstellen? was im Schulalltag seine ganz eigenen Heraus- Ich befürworte diese Art von Seminar sehr, auch forderungen mit sich bringt. Weiter stelle ich die wenn das für die Schulen größeren ArbeitsaufThemengebiete vor, die im Moment an der Schule wand bedeutet. Die Erfahrungen und neuen Ideen besondere Priorität haben, um die Studierenden rechtfertigen den zusätzlichen Arbeitsaufwand. für die aktuellen Bedürfnisse unserer Schüler zu Außerdem geben diese Seminare uns Lehrern sensibilisieren. Gleichzeitig versuche ich aber die die Möglichkeit, Studierenden des Lehramts Offenheit gegenüber neuen und anderen Ideen schon vor dem Eintritt in die Referendarzeit einen von Seiten der Studierenden hervorzuheben, da- intensiven Einblick in die Schulwirklichkeit zu eröffnen. mit sie sich nicht zu sehr eingeschränkt fühlen. In der Schule bin ich dann als Mittler zwischen den Interessen der Studierenden und den Interessen Frau Riebel, vielen Dank für das Gespräch. unseren Klassen eine zentrale Herausforderung.

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Eine Internationale Perspektive Prof. Dr. Jeffrey Anderson im Talk

Professor Dr. Jeffrey Anderson von der Seattle University nutzt seit mehr als 20 Jahren Service Learning in seinen Seminaren und hat zahlreiche Studien zum Thema veröffentlicht. Er gilt als Koryphäe im Bereich Service Learning in der Lehrerbildung. Grund genug, Dr. Anderson an die UDE einzuladen. Mit dem Fulbright Senior Specialist Program war Jeffrey Anderson im Oktober 2010 für zwei Wochen als Gast an der UDE, um seine Erfahrungen zu teilen. Dr. Anderson sprach mit uns über Service Learning in Deutschland und den USA, die Lehrerbildung mit Service Learning und die Eigenheiten deutscher Universitäten. Dr. Anderson, im Herbst des Jahres 2010 waren Sie für einige Wochen als Fulbright Senior Specialist an der Universität Duisburg-Essen. Haben Sie während Ihres Aufenthalts bei der Umsetzung und Entwicklung von Service Learning Unterschiede zu amerikanischen Universitäten wahrgenommen? Auf jeden Fall. In den Vereinigten Staaten herrscht eine höhere hierarchische Gewichtung von Service Learning als in Deutschland. Die Universitätspräsidenten und -leitungen dort geben dem Thema mehr Nachdruck und unterstützen es in stärkerem Maße als dies in Deutschland der Fall ist. Außerdem steht auch die Regierung hinter dem Konzept Service Learning. Sie hilft den Universitäten dabei, die Studieren näher an die Gesellschaft zu bringen

„Bildung ist nicht das Füllen eines Eimers, sondern das Anzünden eines Feuers.“ William Butler Yeats

– mit politischen und finanziellen Mitteln. Wie werden Service-Learning-Projekte in den USA eingeleitet? In den USA ist der beste Weg zur Umsetzung von Service Learning, drei verschiedene Herangehensweisen gleichzeitig zu nutzen: Zum einen hierarchisch, also mit Unterstützung der Hochschulleitung und der Fakultäten. Zum anderen von unten nach oben, also von den Studierenden aus. Der dritte Weg ist der von außen nach innen, wenn also gesellschaftliche Institutionen wie Grundschulen, weiterführende Schulen und Ehrenamtagenturen nach Service Learning oder anderen Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Studierenden fragen. Wie haben Sie Service Learning in Deutschland wahrgenommen? Ich habe sofort bemerkt, wie viel sich hier in Sachen Service-Learning tut, besonders an der UDE. Ich hatte unheimlich viele Termine zu dem Thema, die auf ein sehr großes Interesse hinweisen. Ich habe beispielsweise Workshops für Universitätsmitarbeiter und Studierende der Lehramtsstudiengänge angeboten und Forschungssitzungen geleitet. Es fanden Treffen mit der Hochschulleitung, wie dem Prorektor für Lehre, Prof. Dr. Franz Bosbach, und der Verwaltung statt. Ich habe auch an der Konferenz des Netzwerks: Bildung durch Verantwortung in Halle teilgenommen. Ich war begeistert von dem

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Jeffrey B. Anderson ist Professor für Lehrerbildung am College of Education an der Seattle University. Anderson hat eine Vielzahl von Büchern und Artikeln zum Thema Service Learning veröffentlicht und gilt als Experte in Sachen Service Learning in der Lehrerbildung.

Einsatz und dem Engagement, mit dem sich die Netzwerkmitglieder um die Integration von Service Learning in die Schulausbildung bemühen. Überhaupt: Ich bin beeindruckt von den Leuten, die hier so viel Einsatz bringen um Service Learning in die Curricula von deutschen Hochschulen zu integrieren. Im Besonderen möchte ich diesbezüglich Prof. Stark und die Mitarbeiter von UNIAKTIV sowie die Mitglieder des Hochschulnetzwerks nennen. Betrachten wir die Lehrerausbildung näher. Gibt es aus Ihrer Sicht besondere Vorteile durch den Einsatz von Service Learning als Bestandteil der Ausbildung zukünftiger Lehrer? Der Einsatz von Service Learning in der Lehrerbildung hat den Vorteil, dass wir die zukünftigen Lehrer dazu anzuregen, etwas in den Schulen zu verändern und ihre Schüler zu inspirieren. Wenn wir einhundert künftige Lehrer in unseren Seminaren zur Nutzung von Service Learning als pädagogische Lehrform ausbilden und später nur fünfzig von ihnen Service Learning wirklich umsetzen, dann können sie positiven Einfluss auf Tausende von Schülern haben. Wie können zukünftige Lehrer persönlich von Service Learning profitieren? Viele Lehrer sind frustriert, wenn Sie nach dem Berufseinstieg feststellen, dass sie lediglich standardisierte akademische Curricula lehren, ohne sich mit gesellschaftlichen Problemen auseinan-

Anderson wurde mehrfach für seine Leistungen und Verdienste in der Lehrerbildung ausgezeichnet. Im Oktober 2010 war Jeffrey Anderson als Senior Specialist mit dem Fulbright Scholar Program zu Gast an der UDE.


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Prof. Dr. Jeffrey Anderson

der setzen zu können. Service Learning gibt ihnen die Möglichkeit beides zu tun. An der Seattle University bemühen wir uns aus verschiedenen Gründen, Studierende mit Service Learning in Kontakt zu bringen. Sie lernen, das Service Learning ein Weg ist, sich für soziale Gerechtigkeit und Fairness in der Gesellschaft einzusetzen. Für viele unserer Studierenden ist das von großer Relevanz. Denn aus diesem Grund werden sie Lehrer. Sie können durch Service Learning also ihre gesellschaftlichen Ideale vorantreiben, während sie ihren Schülern akademische Inhalte vermitteln. Außerdem erfahren schon Studierende, wie kraftvoll Lernen sein kann, wenn ihre eigenen Schüler durch Service Learning motiviert werden und sich gesellschaftlich engagieren. Wenn man einen konkreten Grund hat, den Stoff zu lernen, ist das eine Bereicherung – sowohl für die

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Erwerb von Credit Points, die zu behandelnde Literatur und vieles mehr. Eine umfangreiche Sammlung amerikanischer ServiceLearning-Syllabi finden Sie auf: www.compact.org/initiatives/syllabi/

UNIAKTIV bericht 2011

Syllabus Ein Syllabus ist ein Lehrplan zur Strukturierung von akademischen Lehrveranstaltungen. Er zeichnet sich in seiner amerikanischen Form durch seinen Detailreichtum und seine Transparenz aus. Der Syllabus regelt die genauen inhaltlichen Lehr- und Lernschritte, den

es ist sinnvoll, Service Learning systematisch zu integrieren. Das macht es für alle Beteiligten einfacher und weniger arbeitsintensiv. Es ist wichtig, die Menschen für Service Learning zu begeistern. Deshalb sollten Skeptiker am besten mit Schülern und Studierenden sprechen, die bereits Service Learning praktiziert haben. Von denen hören sie, was sie gelernt haben und wie sie motiviert wurden, noch mehr zu lernen. Das ist der beste Weg, Skeptiker davon zu überEs gibt sicher auch Skeptiker des Konzepts. Was zeugen, Service Learning auszuprobieren. Sie können Sie denen entgegenbringen? reagieren eher auf Schüler und Studierende als Eine der häufigsten Befürchtungen vieler Leh- auf Professoren. render ist, dass ihnen die Zeit fehlt, die Kontakte zu den Community Partnern zu knüpfen oder Warum interessieren sich Professoren überhaupt für dass es keine Kapazitäten im vollen Curriculum Service Learning? gibt. Wir sprechen mit ihnen darüber, wie wir Es gibt verschiedene Gründe für Lehrende, sich ihnen dabei helfen können, ein System zu ent- für Service Learning zu entscheiden. Manche wickeln, das Service Learning unterstützt. Denn tun es aus Aspekten sozialer Gerechtigkeit. Sie Lehrer als auch für ihre Schüler. Während meines Aufenthalts in Deutschland habe ich ein Zitat von Yeats verwendet: „Bildung ist nicht das Füllen eines Eimers, sondern das Anzünden eines Feuers“. Service Learning ist eine Möglichkeit, dieses Feuer zu entfachen. Die Lehramtsstudierenden erfahren: Wenn ich das Feuer in meinen Schülern entfachen kann, dann lernen sie wesentlich mehr.


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suchen Wege, um die Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft zu bekämpfen und betreiben Service Learning, um die Lebensqualität innerhalb der Gemeinschaft zu verbessern. Andere folgen einem akademischen Standpunkt. Sie suchen nach Wegen, ihren Studierenden das Curriculum effizienter zu vermitteln. Und dann gibt es noch eine dritte Gruppe, die im Service Learning eine Perspektive zur Entwicklung der Persönlichkeiten der Studierenden sieht. Sie halten es für wichtig, den Charakter der Studierenden, ihre Bereitschaft, sich in andere Menschen einzufühlen und ihr Wissen über sich selbst weiterzuentwickeln. Und was motiviert Studierende, an Service-Learning-Seminaren teilzunehmen? Einige Studierende nehmen an Service Learning teil, weil sie durch praktische Erfahrungen lernen wollen. Es geht also um handlungsorientiertes Lernen. Viele dieser Studierenden beteiligen sich an Service-Learning-Projekten, die sich mit der Umwelt beschäftigen. Daraus entwickelt sich oft schnell ein Interesse daran, wie man die Gesellschaft insgesamt verbessern kann.

UNIAKTIV bericht 2011

Ein sehr wichtiger Aspekt des Service Learning ist die Reflexion als Teil des Lernprozesses. Wenn Sie Ihre Beteiligung am Fulbright-Program als Senior Specialist reflektieren, was waren die zentralen Aspekte und Momente Ihres Aufenthalts an der UDE?

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Fulbright Senior Specialist Program Das Fulbright Senior Specialist Program gibt deutschen Hochschulen die Möglichkeit, amerikanische Wissenschaftler für einen Zeitraum von zwei bis sechs Wochen nach Deutschland einzuladen, um an der einladenden Gastinstitution unterschiedlichen Aktivitäten nachzugehen, wie dem Halten von Seminaren und Workshops, der Teilnahme an speziellen akademischen Programmen und Konferenzen, dem Entwickeln und Bewerten von akademischen Lehrplänen

Für mich war die Zeit in Essen bereichernd. Ich habe viel über Deutschland und das deutsche Bildungssystem gelernt. Eine Sache, an die ich mich besonders erinnere, ist der Tag, an dem wir eine Fahrradtour zur Zeche Zollverein gemacht haben. Durch die Anlage dort habe ich einen Blick darauf erhalten können, wo Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet geschichtlich positioniert sind, wie es damals war und was sich verändert hat. Ich habe dadurch etwas über die Geschichte und die natürlichen Ressourcen dieses Gebietes und über die Universität gelernt.

und Abläufen und der Konsultation mit Administratoren und Lehrkräften. Die Projekte können in den unterschiedlichsten Fachgebieten angesiedelt sein. Ziel des Programmes ist die Entwicklung von langfristiger akademischen Kontakte und Kooperationen, sowie die Stärkung des transatlantischen Verständnisses. Weitere Informationen finden Sie auf der Website: www.fulbright.de/guest-lecturers/ssp.html

che, kurze Form eines Lehrplans, eines Syllabus, benutzen, um ihre Kurse zu unterrichten. In den USA muss jeder Lehrende einen sehr detaillierten Lehrplan erstellen. Wenn wir also mit einer Fakultät zusammenarbeiten, die Service Learning in die Kurse integriert, helfen wir vor allem dabei, diesen Lehrplan umzuschreiben. Zu guter Letzt: Was hat Ihnen in Deutschland am besten gefallen und gibt es etwas, was Sie vermissen, seit Sie wieder in Amerika sind? Ich habe das Gefühl, dass die Menschen in Deutschland, zumindest die, die ich getroffen habe, einen gesünderen, ausgeglicheneren Lebensstil haben als viele Menschen in den USA. Ich glaube, dass wir Amerikaner manchmal so etwas wie Workaholics sind und zu viel und zu hart arbeiten. Ich bin mit dem Eindruck zurückgekehrt, dass wir Amerikaner angstgetrieben sind, dass wir uns davor fürchten, den Anschluss zu verlieren oder zu versagen und deswegen immer härter arbeiten. In Deutschland arbeiten die Menschen auch hart und erzielen viele Erfolge, aber sie nehmen sich auch Zeit, um zu entspannen und das Leben zu genießen. Ich bin mit diesen unterschiedlichen Perspektiven zurückgekehrt. Das ist etwas, das ich vor meiner Anreise wirklich nicht erwartet hatte.

Was genau haben Sie über die Universität gelernt? Sind Ihnen spezielle Eigenheiten deutscher Universitäten aufgefallen? Ich erinnere mich daran, dass wir darüber gesprochen haben, wie eine Universität funktioniert. Und an der Universität Duisburg-Essen findet eine Sache nicht statt, die an US-Universitäten gang und gäbe ist: Wir beginnen das Jahr mit einer Versammlung in der der Rektor eine Präsentation vor den Mitarbeitern der Universität hält. Er resümiert die Erfolge der Universität des vergangenen Jahres und setzt anschließend die Ziele für das kommende Jahr. Ich habe das immer als hilfreich empfunden. Ich denke, dass es auch für deutsche Universitäten hilfreich sein könnte. Eine andere Sache ist, dass viele der Fakultäten anscheinend keinen oder nur eine sehr einfa- Dr. Anderson, vielen Dank für dieses Interview.


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Studentisches Engagement Die Praxis nicht aus den Augen verlieren Nicole von Dielingen

nen gewesen. Die 21 Jahre alte Studentin macht an der Universität Duisburg-Essen den Bachelor in Erziehungswissenschaften und war zu Beginn ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit im ersten Semester gewesen. „Da ich vorher schon eine Ausbildung gemacht und in einem Rehabilitationszentrum für Kinder mit Sprachstörungen gearbeitet habe, ist es mir wichtig auch während meines Studiums den Praxisbezug nicht zu verlieren. Ich möchte mich weiterhin engagieren und praktische Erfahrungen sammeln“, erklärt Nicole ihre Entscheidung für das Ehrenamt.

Kaffee trinken, ins Kino gehen, gemeinsam in der Sonne sitzen oder einfach nur spazieren gehen – Einmal in der Woche hat Nicole solche Aktivitäten nicht mit ihren Freundinnen gemacht, sondern mit drei Schülerinnen im Alter von 15 und 16 Jahren. In Kontakt gekommen war die Studentin mit ihnen durch ihr ehrenamtliches Engagement bei der Radtke Stiftung. Diese private Stiftung mit Sitz in Essen hat es sich zum Ziel gesetzt, darauf aufmerksam zu machen, dass immer mehr Kinder und Jugendliche soziale Unterstützung brauchen. Ein wichtiger Bestandteil der Stiftungsarbeit ist dabei das Patenprogramm, bei dem sich Freiwillige engagieren. Als Mentoren sind die Studierenden für Jugendliche aus erschwerten Familiensituationen da und unterstützen sie beispielsweise bei Problemen in der Schule. Von Januar 2011 an ist Nicole von Dielingen eine dieser Mentorin-

Die Praxis nicht aus den Augen verlieren Dass das so schnell geklappt und sie eine Organisation gefunden hat, in der sie sich gerne eingesetzt hat, hängt auch mit ihrem Besuch des „Markts der Möglichkeiten“ im Rahmen der Orientierungswoche zu Semesterbeginn zusammen. Bei dieser Infoveranstaltung ist sie mit den Mitarbeitern des Zentrums für gesellschaftliche Verantwortung ins Gespräch gekommen und hat von der Möglichkeit erfahren, mit Hilfe von UNIAKTIV eine ehrenamtliche Tätigkeit nach Ihren Wünschen zu finden. Mit einer Mitarbeiterin hat sie bei einem Beratungsgespräch im Detail reflektiert, wo ihre Interessen und Fähigkeiten liegen und in welchem Bereich sie sich ehrenamtlich engagieren möchte. Im Anschluss haben beide gemeinsam in der EngagementDatenbank, die UNIAKTIV zusammen mit der Ehrenamt Agentur Essen betreibt, nach passen-

UNIAKTIV bericht 2011

Eine Vielzahl von Studierenden engagiert sich ehrenamtlich neben ihrem Studium. Oft haben sie ihr Engagement schon früher begonnen und sind in Sportvereinen, Parteien oder anderen Körperschaften organisiert. Den Studierenden, die sich weiterhin oder auch erstmals engagieren möchten, kann UNIAKTIV ein ehrenamtliches Engagement vermitteln. Über die Jahre hinweg haben viele junge Frauen und Männer, die an der UDE studieren, dieses Angebot gewinnbringend in Anspruch genommen. Eine von ihnen ist Nicole von Dielingen.

den Angeboten von Non-Profit-Organisationen gesucht. Das Inserat der Radtke Stiftung hat die Studentin besonders interessiert und so hat sie Kontakt mit der Stiftung aufgenommen, um zu klären, ob ein Engagement bei dieser möglich sei und ob beide Seiten die gleichen Erwartungen von- und aneinander hätten. Von Januar 2011 an hat sie die drei Mädchen betreut, die in Essen eine Sonderschule besucht und im Sommer 2011 ihren Abschluss gemacht haben. Einmal wöchentlich traf sie sich mit den 15 und 16 Jahre alten Mädchen, von denen zwei aus dem Libanon stammen und eine aus Afghanistan. Für die gemeinsamen Unternehmungen erhielt sie von der Radtke Stiftung ein Budget. „Davon konnten wir zum Beispiel Kaffee trinken oder auch mal ins Kino gehen.“ Wichtiger sei aber gewesen, dass man einfach Zeit miteinander verbringen und sie mit dem Mädchen über das sprechen konnte, was diesen wichtig gewesen ist und was sie beschäftigt hat, verdeutlicht Nicole. Unterschiedliche Leben in derselben Stadt Trotz der recht kurzen Zeit, die sie sich kennen, habe sie einiges über die Mädchen und deren Familien erfahren können. Dabei wurden die kulturellen Unterschiede manches Mal sehr deutlich. Das habe bei der Freizeit begonnen, die die drei zumeist im familiären Rahmen verbracht hätten, und gehe weiter über die Art der Zukunftsplanung und ihr Bild von Deutschland,


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Chance hoch 2 Die Methode des Mentoring, wie sie Nicole von Dielingen bei der Radtke-Stiftung angewandt hat, wird auch an der UDE mit Unterstützung von UNIAKTIV praktiziert. Mit Chance hoch 2, dem Programm für BildungsaufsteigerInnen, fördert und begleitet die UDE erstmalig in Deutschland Jugendliche aus Nichtakademikerfamilien mit und ohne Migrationshintergrund ab der Klassenstufe 9 respektive 10 durchgängig bis zum Bachelor-Abschluss.

Definition: Mentoring *Mentoring bezeichnet die gezielte, unterstützende Beratung einer unerfahreneren Person (Mentee) durch eine erfahrene Person (MentorIn), die auf die Autonomie des Mentees abzielt. Mentoring besitzt Sozialisationsfunktion und trägt dazu bei, Anpassungsprozesse bei den Mentees zu begleiten, die bewusst oder unbewusst ablaufen. Es schließt eine emotionale Beziehung zwischen MentorIn und Mentee ein und bedarf einer offenen, vertrauensvollen Atmosphäre. Im Fokus dieser MentorIn-Mentee-Beziehung stehen Karriereentwicklung im Sinne von Zugang zu Netzwerken sowie psycho-soziale Funktionen, insbesondere im Hinblick auf Rückhalt in schwierigen Situationen und emotionale Unterstützung des Mentees.

wohin sie als Kinder mit ihren Familien gekommen waren, sagt Nicole. „Was mich immer wieder erstaunt hat, war, wie wenig Lebenspraxis die Mädchen hatten. Bei einem Besuch im Einkaufszentrum etwa musste den Dreien erst einmal gezeigt werden, wie die Orientierungskarte dort gelesen werden muss“, berichtet die Studentin. Sie freue sich, wenn sie ihnen dabei habe zeigen können, wie einfach manche Dinge seien und wie viel Spaß Unternehmungen

Die ProgrammteilnehmerInnen erhalten eine ideelle Förderung in Form von Seminaren und Workshops und eine materielle Förderung in Form eines Stipendiums. Ein zentraler Baustein im Bereich der Schülerförderung von Chance hoch 2 ist das Mentoring, in dessen Rahmen Studierende Gruppen von in der Regel drei bis vier SchülerInnen begleiten. Auf diesem Weg gelingt es, die SchülerInnen „auf Augenhöhe“ an das Uni- und das StudierendenLeben heranzuführen. Chance hoch 2 ist ein Programm des Prorektorats für Diversity Management, mit dem die UDE noch mehr darüber lernt, was die Bildungsinstitutionen in der Region dazu beitragen können, um die Zahl der BildungsaufsteigerInnen an Hochschulen deutlich zu erhöhen. Das Programm wird seit 2010 mit einer Anschubfinanzierung für insgesamt sieben Jahre von der Stiftung Mercator unterstützt. Weitere Informationen zu Chance hoch 2 unter: www.uni-due.de/chancehoch2

machen können. Denn wirkliche Hobbys habe keines der Mädchen gehabt, erzählt sie weiter. Auch für Nicole sei es eine neue Erfahrung gewesen, mitzubekommen, wie unterschiedlich das Leben sein könne, selbst für Menschen, die in derselben Stadt leben. Für Nicole ist es eine Bereicherung gewesen, sich mit den unterschiedlichen Kulturen der drei Teenager und den sich daraus ergebenden Perspektiven zu beschäftigen. Und auch für ihre Mentees sei es ihrer Er-

*DieSybille-und-Horst-Radtke-Stiftung Sybille-und-Horst-Radtke-Stiftung wurde von der ehemaligen Schulleiterin einer Gemeinschaftsgrundschule in Gelsenkirchen, Sybille Radtke, und ihrem Ehemann, dem ehemaligen Geschäftsführer der Essener AWO und früheren Landtagsabgeordneten Horst Radtke gegründet. Die Stiftung unterstützt Schulen und Kindergärten mit finanziellen Mitteln für gemeinschaftsfördernde Projekte und sucht Paten, die sich um auffällig gewordene Kinder und Jugendliche kümmern. Kontakt: Telefon 0201/585656

fahrung nach hilfreich gewesen, Meinungen und Lebensstile kennenzulernen, die ganz anders seien als diejenigen, die sie gekannt haben, ob die ihrer Familien oder ihrer Klassenkameraden. Alle drei Mädchen haben im Sommer einen guten Schulabschluss geschafft. Nicole absolviert gerade ein Auslandssemester. Trotzdem ist der Kontakt nicht abgerissen. Sie schreiben sich noch immer Briefe und Postkarten.

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Der UNIAKTIV-Preis

Preisträger 2011

Engagement wird geehrt Seit dem Jahr 2008 vergibt UNIAKTIV zusammen mit der UDE jährlich den UNIAKTIV-Preis. Die Auszeichnung wird von einer Jury, die aus dem UNIAKTIV-Beirat besteht, in drei Kategorien vergeben: An Studierende, Lehrende und Non-Profit-Organisationen. Der UNIAKTIVPreis ist eine Auszeichnung für gesellschaftliches Engagement über die Grenzen der Universität hinweg. Die Preisträger machen sich dadurch verdient, dass sie gesellschaftliche Problemlagen erkannt haben und diese an der Schnittstelle von Universität und Zivilgesellschaft zu lösen versuchen. Besonders ist, dass nicht nur Studierende, sondern auch Lehrende und zivilgesellschaftliche Partner der Universität geehrt werden. Dies macht den UNIAKTIV-Preis zu einer in Deutschland einzigartigen Würdigung zivilgesellschaftlichen Engagements. UNIAKTIV und die UDE möchten mit der Vergabe des mit jeweils 1000 Euro dotierten Preises das bürgerschaftliche Engagement derjenigen würdigen, die mit Ihren Projekten einen Beitrag zur gesellschaftlichen Verantwortung der UDE leisten und sich durch ihren vorbildlichen Einsatz für die Region hervortun.

UNIAKTIV bericht 2011

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Non-Profit-Organisationen (NPO) sind Organisationen, deren primäres Ziel nicht die Gewinnmaximierung oder -erwirtschaftung ist. NPOs arbeiten mit hauptund ehrenamtlichen Mitarbeitern für einen dem Gemeinwohl dienlichen Zweck im sozialen, kulturellen oder wissenschaftlichen Bereich. Community-Partner im Service-Learning sind meinst NPOs wie etwa Stiftungen, Vereine oder gemeinnützige Gesellschaften.


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Kategorie Studierende

Kategorie Lehrende

Kategorie NPO

Bernd Ahrens, Tatjana Domke, Benjamin Klör, Boris Dr. Cornelia Arend-Steinebach Lewin, Bernd Löber, Rebekka Schmalenbach, Irene Seib, Sascha Trudrung für die Software-Entwicklung für Lichtblicke e.V.

Verein für Kinder und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten Ruhrgebiet e.V. (VKJ)

Die Gruppe von Studierenden hat sich im Rahmen des Bachelor- und Masterprojekts bei Michael Beul am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Softwaretechnik mit der „Konzeption und Entwicklung eines Softwaresystems für Lichtblicke e.V.“ beschäftigt. Der Verein Lichtblicke existiert seit 1998 und hat seitdem rund 18 Millionen Euro an 82 000 bedürftige Kinder und Familien aus Nordrhein-Westfalen verteilt. Dieses Geld wird über Spendenaufrufe im Lokalradio und NRWRadio-Rahmenprogramm generiert, wobei die Spender sich als Dankeschön einen Musiktitel wünschen dürfen. Die Studierenden haben dafür eine Software entwickelt, die sowohl die Förderanträge, als auch die Spendengelder und die Musikwünsche zentral verwaltet. Funktionalität und Handhabung des Programms wurde gegenüber der Vorgängersoftware durch Teilautomatisierung vereinfacht und optimiert, Spendenanrufe werden von selbst registriert und die gewünschten Musiktitel automatisch in die Radio-Playlist integriert. Außerdem entfällt die teure Software-Lizenz. So sparen die Mitarbeiter viel Zeit und Geld, das den bedürftigen Familien zu Gute kommt. Die Studierenden haben aus Sicht der Jury das relevante Problem der Kinderarmut auf fachspezifische Weise aufgegriffen und ihr theoretisches Wissen vorbildlich einer akuten Bedarfslage angepasst. Für diesen Einsatz gebührt ihnen Anerkennung, die in Form des UNIAKTIV-Preises 2011 ausgesprochen werden soll.

Der VKJ ist ein in Essen beheimateter Verein, der sich für die Chancengleichheit aller Kinder und Jugendlicher einsetzt. Er ist in Arbeitsbereichen tätig, in denen Kinder, Jugendliche und Erwachsene betreut werden, die von anderen Trägern und Verbänden nicht erreicht werden. Seit der Gründung im Jahr 1970 begreift sich der VKJ als Anwalt von Kindern, Jugendlichen und Familien in sozial benachteiligten und problematischen Lebenslagen. Das Grundziel war und ist die Hilfe zur Selbsthilfe und somit die Chancengleichheit für alle Kinder, Jugendliche und Familien. Der VKJ hat sich in mehreren Service-LearningSeminaren zum Qualitätsmanagement in sozialen Einrichtungen als zuverlässiger und engagierter Partner gezeigt, der die Studierenden in vorbildlicher Weise betreut. Der Geschäftsführer Oliver Kern hat sich auch außerhalb von Projekten als regelmäßiger und engagierter Ansprechpartner und als treibende Kraft der Verbindung von Universität und Zivilgesellschaft hervorgetan. Beispielsweise hat sich Oliver Kern mit dem VKJ in der Programmentwicklung von Regio ELF engagiert. Für seinen steten Einsatz und die vorbildlichen Kooperationen mit der UDE und den Studierenden verleiht die Jury dem VKJ den UNIAKTIVPreis 2011.

Dr. Cornelia Arend-Steinebach ist Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Berufs- und Weiterbildung der UDE. Im Wintersemester 2010/11 hat sie mit dem kompletten dritten Semester des Bachelorstudiengangs Erziehungswissenschaften in drei Seminaren „Didaktische Analyse, Planung, Gestaltung und Evaluation von Lernsituationen“ 43 Service-Learning-Projekte organisiert, 22 davon in Zusammenarbeit mit UNIAKTIV. 120 Studierende haben sich unter der Leitung von Dr. Arend-Steinebach sozial engagiert und didaktische Projekte in so vielfältigen Bereichen wie der Gewaltprävention, der Förderung der Lesekompetenz und der Gesundheitserziehung von Kindern und Jugendlichen sowie der inklusiven Gesellschaft, der Integration von Senioren und der kulturellen Teilhabe durchgeführt. Evaluationen haben eine hohe Zufriedenheit mit den Seminaren ergeben und die Förderung von Sach-, Sozial- und Selbstkompetenzen sowie die erfolgreiche Verknüpfung von Fachpraxis, Gemeinnützigkeit und Wissenschaft bestätigt. Die Jury des UNIAKTIV-Preises möchte Dr. Arend-Steinebach für ihr erfolgreiches und weitgefächertes Engagement danken, das in umfassender und vorbildlicher Weise die Verbindung von Universität und Zivilgesellschaft verstärkt hat. Dafür bekommt sie von der Jury den UNIAKTIV-Preis 2011 in der Kategorie Lehrende verliehen.

Bisherige Preisträger Kategorie Studierende: Bisherige Preisträger Kategorie Lehrende:

Bisherige Preisträger Kategorie Non-ProfitEinrichtungen:

2008: Verena Simon und Sabrina Karthaus für 2008: Michael Beul, Fakultät für Wirtschaftsdie Entwicklung eines Sinnesgartens zur Förde- wissenschaften/ Lehrstuhl für Wirtschaftsinforrung demenziell erkrankter Menschen matik und Softwaretechnik

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2010: Arbeiterkind e. V. für die Unterstützung 2010: Siegrid Lange und Prof. Dr. Hans Curt 2010: Alta Vita e. V. von Kindern aus nicht-Akademiker Familien Flemming für ihr Service-Learning-Seminar „Art auf dem Weg an die Hochschule. meets Science“ im Studiengang „Water Science“. 2009: HerzDame – HerzBube (Ehrenamtlicher Seniorenbesuchsdienst der AWO Essen) 2009: Medinetz Essen e.V als ehrenamtli- 2009: Prof. Dr. Nicole Krämer und ihre Mitarche studentische Initiative zum Aufbau eines beiter und Mitarbeiterinnen Sabrina Sobieraj, 2008: Bunter Kreis Duisburg e.V. Netzwerkes zur medizinischen Versorgung in Nina Haferkamp und Thomas Witschel, AngeDeutschland illegal lebender MigrantInnen. wandte Kognitions- und Medienwissenschaften


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Das UNIAKTIV-Team Die Menschen dahinter

Beirat Klaus Bremen (Beiratssprecher) Geschäftsführer GSP – Gemeinnützige Gesellschaft für soziale Projekte mbH

Patrick Hintze Stellv. Vorsitzender des Senats; Student der Politikwissenschaften

Janina Krüger (Beiratssprecherin) Dr. Anja Pitton Geschäftsführerin d. Ehrenamtagentur Essen Geschäftsführerin des Zentrums für Lehrerbildung der UDE Prof. Dr. Ute Klammer Prorektorin f. Diversity Management der Robin Rengers UDE und Lehrstuhlinhaberin am Institut für Student der Politikwissenschaften Soziale Arbeit und Sozialpolitik Prof. Dr. Dieter Schramm Prof. Dr. Rolf Dobischat Dekan Ingenieurwissenschaften der UDE und geschäftsführender Direktor des Instituts für Lehrstuhlinhaber am Institut für Mechatronik Berufs- und Weiterbildung und Präsident des und Systemdynamik Deutschen Studentenwerks Dr. Bernd Thunemeyer Svenja Dubielzig Geschäftsführer des Hochschulrates Gründerin des social Entrepreneur Socialdeal; Studentin der Wirtschaftsinformatik Prof. Dr. Wolfgang Stark

Der UNIAKTIV-Beirat besteht aus VertreterInnen der UDE, von Non-Profit-Organisationen aus dem Raum Duisburg und Essen und aus Studierenden der UDE. Der UNIAKTIV-Beirat hat eine beratende, unterstützende und kontrollierende Funktion inne und unterbreitet Vorschläge zur weiteren Implementierung von bürgerschaftlichem Engagement an der UDE. Die Mitglieder werden auf eine Zeit von drei Jahren bestellt. Mindestens zwei Mal im Jahr tritt der UNIAKTIV-Beirat zusammen und fasst Beschlüsse mit einfacher Mehrheit. Einmal im Jahr bestimmt der Beirat die Träger des UNIAKTIV-Preises.

Wissenschaftliche Leitung

Wissenschaftliche Mitarbeiter

Wissenschaftl. und Stud. Hilfskräfte

Prof. Dr. Wolfgang Stark Leiter des Labors für Organisationsentwicklung und Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie an der UDE

Jörg Miller Projektleitung

Annika Hensel Projektassistenz Chance hoch 2

Karsten Altenschmidt Programmleitung Regio ELF und Chance hoch 2-Mentorenausbildung

Ariane Möllmann Projektassistenz

Daniela Filetti Wiss. Mitarbeiterin UNIAKTIV & Regio ELF

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Christina Gärtner Wiss. Mitarbeiterin Einstieg UDE

Eike Rüdebusch Presse und Öffentlichkeitsarbeit Johanna Steinecke Projektassistenz Regio ELF


2 3 Hochschulnetzwerk: Bildung durch Verantwortung Hochschulen für gesellschaftliches Engagement Das Hochschulnetzwerk: Bildung durch Verantwortung (BdV) wurde im März des Jahres 2009 gegründet. Inspiriert durch das USamerikanische Campus Compact initiierten die Universität Duisburg-Essen, die Leuphana Universität Lüneburg, die Universität Mannheim, die Universität Osnabrück und die Universität Würzburg ein Netzwerk von Hochschulen, das die Engagementförderung und die Integration von Engagementformen in die universitäre Lehre als wichtiges Moment der Hochschulbildung versteht. Erklärtes Ziel des Netzwerks ist es, soziales Engagement an den Hochschulen zu fördern, zivilgesellschaftliche Kompetenzen der Studierenden zu stärken und die Hochschulen effektiv mit der Gesellschaft und der Region zu verknüpfen. Das Netzwerk hat sich seit seiner Gründung zu einer aktiven Community entwickelt, die die beteiligten, an Service Learning interessierten Hochschulen unterstützt, mit Hilfe der gemeinsamen Plattform, gemeinsamer Netzwerktreffen und einer

gemeinsamen Präsenz auf Konferenzen. In den letzten zwei Jahren war es dem Netzwerk: BdV möglich, sechs weitere Hochschulen als Mitglieder zu gewinnen: die Universität Augsburg, die Universität Erfurt, die Fachhochschule Erfurt, die Martin-Luther-Universität HalleWittenberg, die Hochschule RheinMain und die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. Das Netzwerk konnte im Folgenden auf diversen Konferenzen als Repräsentant dieser Hochschulen auftreten, die sich als Mitgestalter einer lebendigen Demokratie und somit als mitverantwortlicher aktiver Teil der Gesellschaft betrachten. Eine flächendeckende Implementierung von Service Learning und Community Service an deutschen Hochschulen wird durch gemeinsame Forschung und Öffentlichkeitsarbeit des Hochschulnetzwerks: BdV weiter vorangetrieben. UNIAKTIV ist seit der Gründung des Hochschulnetzwerks als dessen Koordinator tätig.

Aus dieser Position heraus unterstützt UNIAKTIV das Netzwerk dabei, neue Mitglieder zu gewinnen, Informationen bezüglich Service Learning und Community Service an den Hochschulen untereinander auszutauschen und die entsprechende Forschung voranzutreiben, um eine nationale Ausdehnung der gemeinsamen Vision des Netzwerks zu begünstigen. Darüber hinaus organisiert und koordiniert UNIAKTIV die regelmäßigen Netzwerktreffen, betreut administrativ die Homepage (www.netzwerk-bdv.de) und steht als Ansprechpartner für potenzielle Mitglieder und Interessenten zur Verfügung.

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Campus Compact (CC) ist ein US-amerikanischer Zusammenschluss von Universitäten und Colleges, der Engagement und gesellschaftliche Verantwortung an Hochschulen unterstützt. CC hilft Universitäten beim Aufbau langfristiger sozialer Partnerschaften in ihrer Umgebung und stellt Ressourcen und Weiterbildungen für Lehrende, die Lernen mit Hilfe gesellschaftlichen Engagements in die Curricula integrieren möchten. 1985 gegründet, sind heute 1100 Universitäten auf Leitungsrespektive präsidialer Ebene bei Campus Compact involviert. Campus Compact ist die einzige US-Universitätsorganisation, die sich dem gesellschaftlichen Engagement von Universitäten verpflichtet sieht. Die Organisation unterstützt gesellschaftliches Engagement, das den Studierenden hilft, soziale Fähigkeiten auszubauen. Weitere Informationen auf www.compact.org

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Regio Elf Engagement durch Lehre und Forschung für die Region

Wenn Seminare und Forschungsprojekte nicht nur Fachfragestellungen aufgreifen, sondern die Herausforderungen des westlichen Ruhrgebiets angehen und dafür praktische Lösungen entwickeln, dann ist das Engagement durch Lehre und Forschung für die Region (Regio ELF) – das neue Programm für Campus-CommunityPartnerschaften. Mit diesem Ansatz übernimmt die UDE auf neue Weise Verantwortung für die Zivilgesellschaft, in der sie verortet ist. Bis 2013 werden in der Region rund um die Universitätsstandorte Duisburg und Essen Ideen und Projekte entwickelt und unterstützt, die die Herausforderungen „Bildung“ und „Nachhaltigkeit“ aufgreifen. Based Research (CBR) *ist Community wissenschaftliche Arbeit, die sich an

UNIAKTIV bericht 2011

den Bedürfnissen der Gemeinschaft, der umliegenden Umgebung und ihrer Menschen, orientiert und innerhalb dieser stattfindet. CBR-Aktivitäten sind über ihren gesamten Verlauf stark partizipativ und binden die NutzerInnen und AuftraggeberInnen durchgängig mit ein. Ziel des CBR ist es, Ergebnisse zu erzielen, die unmittelbar für diese Gemeinschaft anwendbar sind und helfen, deren spezifische Fragestellungen zu lösen.

Herzstück des Programms sind Innovationsprozesse zur Entwicklung neuer Ideen genauso wie interdisziplinäre, offene Workshops, in denen bestehende Projekte und Initiativen vernetzt und unterstützt werden. Darüber hinaus wird zusätzlich zum mittlerweile bekannten Service Learning das sogenannte Community Based Research (CBR) erprobt, eine Methodik, mit der Forschungsvorhaben in enger Zusammenarbeit zwischen Forschern, Studierenden, Auftraggebern und interessierten Bürgern durchgeführt werden. Das bei UNIAKTIV angesiedelte Programm übernimmt die Koordinierung und Gestaltung der Angebote, bei denen möglichst viele Teilnehmer aus Universität und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten sollen. Das Regio ELF Konzept hatte UNIAKTIV im Auftrag und in enger Zusammenarbeit mit dem Prorektorat für Diversity Management für den Wettbewerb „Mehr als Forschung und Lehre. Hochschulen in der Gesellschaft“ entwickelt. In der Finalrunde des Wettbewerbs im Februar 2011 setzte sich die UDE-Delegation mit tatkräftiger Unterstützung vom Geschäftsführer des Vereins für Kinder und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten Ruhrgebiet e.V., Oliver Kern, durch und wird nun gemeinsam mit fünf weiteren Anträgen anderer Hochschulen vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft und der Stiftung Mercator gefördert.

Agenda Forum Essen e.V. Agentur für Arbeit Albert Schmidt Haus Alfred-Krupp-Gymnasium Allgemeiner deutscher Fahrrad Club (ADFC) Alta Vita e.V. Altenheim St. Thomas Anders Leben Anders wohnen für Jung und Alt e.V. (ALAW) Animal peace Tierhof e.V. Arbeiter Samariter Bund Regionalverbund Ruhr e.V. (ASB) Arbeitskreis Vogelheimer Bürger e. V. c/o Computainer Asienhaus Essen e.V. AWO - Seniorenzentrum Duisburg Innenhafen AWO Essen AWO Otto Hue Haus Seniorenzentrum AWO Paul Gerlach Bildungswerk AWO-Duisburg e.V. (Mehrgenerationenhaus) Bahnhofsmission Essen Basic Know How e.V. Bauspielplatz Tempoli - Stadt Duisburg Jugendamt Big Brothers Big Sisters Ruhrgebiet (BBBS) Bildungszentrum für die Entsorgungs- und Wasserwirtschaft (BEW) Bunter Kreis Duisburg e.V. Bürgerstiftung Duisburg AGg Campus FM - UDE Caritas Aidsberatung / Caritasverband für das Bistum Essen e.V. Caritasverband der Stadt Duisburg/Schifferkinderheim Nikolausburg Centrum für bürgerschaftliches Engagement COME! Colours of Music in Essen CVJM Neukirchen Der bunte Tisch Moers Deutscher Kinderschutzbund Ortsverband Duisburg Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V. Deutscher Tierhilfe Verband e.V. Diakonie Ruhr - Katharina-von-Bora-Haus die Kurbel - kath. Jugendwerk Oberhausen > int. Kinderakademie Osterfeld DLRG Bochum Mitte Don-Bosco-Club Essen-Borbeck e.V. DRK Fam.-Bildungswerk Kreisverband Duisburg e.V. DRK Kreisverband Dortmund eV. Duisburger Tafel e.V. Ehrenamt Agentur Essen e.V. Einradabteilung - DJK Adler 07 Bottrop e.V. Elly-Heuss-Knapp-Stiftung (Alteneinrichtung) Elternverein Studium und Beruf e.V. Essener Tafel e.V. Euro Schulen Ruhe GmbH /Essen Fachdienst für Integration und Migration (Caritas) Filmforum Duisburg Forum für Baukommunikation e.V. Franz Sales Wohnen GmbH Freundeskreis Wilhelm Lehmbruck-Museum e.V. Future Plan B


Arbeit e.V. offene Ganztagsgrundschule Bruchschule PariSozial GmbHg Paritätische Sozialdienste GmbHg Paritätischer Wohlfahrtsverband Duisburg Paritätischer Wohlfahrtsverband e.V. Bottrop Pascal Gymnasium Paten für Arbeit in Essen e.V. Peru Freunde Philarmonie Essen Philippinenbüro e.V. im Asienbüro Politischer Salon Essen Polizei Sportverein Essen e.V. Pro Asyl Flüchtlingsrat Psychatrische Hilfsgemeinschaft Duisburg GmbHg (PHG) Radio c.t. e.V. Bochum radio NRW GmbH Re/Init (Arbeitsförderung) Regenbogen Duisburg e.V. Regionalzentrum Süd - Stadt Duisburg Jugendamt Ronald McDonald Haus Essen - Hundertwasser Haus RosaMond e.V. - Schwul-lesbischer Verein Düsseldorf RWE Companius Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutschjüdische Geschichte UDE Schönebecker Jugendblasorchester Schülerruderriege Mark am HelmholtzGymnasium Schulzentrum Am Stoppenberg / Bistum Essen Science withtout Borders Seniorenheim Stoppenberg Grabenstraße Seniorenstift St. Franziskus Seniorenzentrum Altenessen SIFE (Stud. Initiative) Social-Deal.de / Dubielzig Kilders Köninger Social Deal GbR Sophia NRW GmbH in Z‘arbeit mit dem Glückauf Nachbarschaftshilfe e.V. Sozialdienst kath. Frauen - Zentrale e.V. (SkF) Sozialer Dienst des Universitätsklinikums Essen Sozialpsychatrisches Zentrum Special Olympics Deutschland in NordrheinWestfalen e.V. Spielzentrum Süd Sportjugend NRW e.V. St. Ludgeri Altenheim Stiftung Stadt Essen - Stadtentwicklung Stadt Essen, Jugendamt Stadt Mülheim adR / Bildungspartnerschaften Eppinghofen Stadt Oberhausen Familienbüro Städt. Kinder- und Jugendzentrum Rumeln Städtische integrative Kindertagesstätte Imbuschweg Städtisches Kinder- und Jugendzentrum „Die Insel“ Stadtsportbund Dortmund e.V. Stiftung Bürgernsche / Dingdener Heide Stiftung Wilhelm Lehmbruck-Museum - Jugend trifft Kunst

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Unsere Kooperationspartner Gemeinsam Zeichen Setzen

Storp 9 Studentische Unternehmensberatung VIA e.V. Suchthilfe Direkt Theodor Heuss Grundschule Theodor-Goldschmidt-Realschule Tiegelschule UNICEF - Hochschulgruppe UDE Unperfekthaus Verband Bildung und Erziehung NRW (VBE) Verein der Freunde und Förderer der Realschule Süd e.V. Verein für interkulturelle Arbeit (VIA) Verein für Kinder und Jugendarbeit in Sozialen Brennpunkten Ruhrgebiet e.V. (VKJ) Verein für Körper und Mehrfachbehinderte e.V. Verein zur Förderung der Kinder und Jugendliteratur e.V. Verkehrsclub Deutschland e.V. VHS Essen

Menschen sind nicht perfekt. Wir sind es auch nicht. Sollten wir, trotz allergrößter Mühe, hier Partner vergessen haben, bitten wir diese, das zu entschuldigen. Unser Dank und unsere Anerkennung gilt allen, die mit uns arbeiten, gleichermaßen, auch wenn sie an dieser Stelle nicht erwähnt sein sollten.

UNIAKTIV bericht 2011

Gehörlosenzentrum Recklinghausen (GLZ) geoPark Ruhrgebiet e.V c/o Geologischer Dienst NRW Gesamtschule Essen Nord Gesamtschule Holsterhausen Gesamtshochschule Holsterhausen Geschichtswerkstatt Oberhausen e.V. GGS Overbergschule GLS Bank Gründungsinitiative Förderkreis Hausgemeinschaft Altes Rathaus Rumeln (Senioren/Pflegeheim) Gymnasium Essen Überruhr Hauptschule am Stoppenberg Haus der Begegnung Bochum e.V. Hermann Giese Haus / Theodor Fliedner Stiftung Hockey Club Essen 1899 e.V. HopeHunter e.V. Hoffnungsjäger für Mensch und Tier Hospiz am evan. Krankenhaus Hövelschule HPH-Netz Niederrhein ICJA Freiwilligenaustausch weltweit e.V. Inernationales Jugend- und Kulturzentrum Kiebitz e.V. Initiative für Nachhaltigkeit Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege der Stadt Essen Integratives Montessori Kinderhaus Essen e.V. Jedem Kind sein Instrument Jugendgruppe der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Marl Jugendzentrum „ZAP“ Duisburg Jugendzentrum Essen (JZE) Papestraße (u.a. Townload) Kath. Familienbildungsstätte - Wellcome kath. Kindergarten St. Marien Kath. Kirchengemeinde Liebfrauen Kath. Öff. Bücherei St. Ludgerus und Martin Katholische Pfarrgemeinde St. Vincentius Kinder- und Jugendtheater KOM‘MA Kinder- und Jugendtisch e.V. ‚Immersatt Kindernothilfe e.V. Kindertagesstätte Bärenhöhle e.V. Kulturhaus Bochum e.V. Thealozzi Kulturstiftung Essen Landesarbeitsgemeinschaft lokale Medien NRW e.V. Landschaftspark (Tour de Rour) Lebenshilfe Duisburg e. V. Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V. Lebenshilfe Heilpädagogische Sozialdienste GmbHg Lichtblicke e.V. Mädchengymnasium Essen-Borbeck Mehrgenerationenhaus Essen Mehrgenerationenhaus St. Anna Essen Mentoring Ratingen Mondo Mio - Kindermuseum Montessori Kinderhaus Essen Murmel e.V. (siehe EAE) Neue Lernkultur e.V. i.G. (Förderverein Schule) Nienhof-Verein zur Förderung psychosozialer


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Publikationen Aus Unserer Feder

Altenschmidt, Karsten/ Roth, Christiane (2011): An der Schnittstelle von Bildung und Gemeinwesen. Auswirkungen von Service Learning auf Bildung und Gesellschaft. In: Aktive Bürgerschaft e.V. (Hg.): Diskurs Service Learning. Unterricht und Bürgerengagement verbinden. Berlin: Selbstverlag, S. 43-53.

Altenschmidt, Karsten/ Miller, Jörg (2010): Service Learning in der Hochschuldidaktik. In: Auferkorte-Michaelis, N./ Ladwig, A./ Stahr, I. (Hg.): Hochschuldidaktik für die Lehrpraxis. Interaktion und Innovation für Studium und Lehre an der Hochschule. Opladen & Farmington Hills, MI. Budrich UniPresse, S. 68-79.

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Altenschmidt, Karsten/ Miller, Jörg/ Stark, Wolfgang (Hg.) (2009): Raus aus dem Elfenbeinturm? Entwicklungen in Service Learning und bürgerschaftlichem Engagement an deutschen Hochschulen. Weinheim/Basel.

Der 2009 erschienene Sammelband bietet eine Bestandsaufnahme von Service-Learning-Akteuren und Programmen an deutschen Universitäten. Der Band stellt eine Verbindung von methodischer Reflektion und praktischem Fieldbook dar. Er zeigt dabei, wie sich Service-Learning-Projekte in so unterschiedlichen Bereichen wie Wirtschaftsinformatik und Lehrerbildung anstoßen und durchführen lassen.


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Impressum Der Bericht und seine Macher

Herausgeber UNIAKTIV – Zentrum für gesellschaftliches Lernen und soziale Verantwortung an der Universität Duisburg-Essen Campus Duisburg LB 006 Lotharstr. 65 47057 Duisburg Tel.: + 49 0203 379 - 1338 Fax: + 49 0203 379 – 1335 Campus Essen Pavillon für Information und Kommunikation Universitätsstraße 12 45141 Essen Tel.: + 49 0201 183 - 2220 Fax: + 49 0201 183 - 4350

Verantwortlich i.S.d.P.: Prof. Dr. Wolfgang Stark, Jörg Miller Redaktion und Konzept: Karsten Altenschmidt, Eike Rüdebusch Redaktionelle Mitarbeit: Sarah Lüning

Bildnachweis Seite 03 – UDE/Pressestelle; Seite 06 – Klaus Bremen; Seite 10 – UDE/Pressestelle; Seite 11 – privat, Seite 12 – privat; Seite 15 – Jeffrey Anderson; Seite 18 – privat; alle anderen: UNIAKTIV.

Mit Beiträgen von: Karsten Altenschmidt, Mark Becker, Klaus Bremen, Annika Hensel, Jörg Miller, Prof. Dr. Ulrich Radtke, Eike Rüdebusch.

E-Mail: info@uniaktiv.org Website: www.uni-aktiv.org

Gestaltung: Dustin Jessen

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UNIAKTIV Bericht 2011  

Neuigkeiten, Informationen und Good Practice aus dem Zentrum für gesellschaftliches Lernen und soziale Verantwortung an der Universität Dusi...

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