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unclesally*s magazine

September 2011 / Ausgabe 169

THE KOOKS Thees Uhlmann / The Horrible Crowes / Samiam The Drums / Stephen Malkmus / Theophilus London The Rapture / dEUS / Im Test: Urlaub In Polen

www.sallys.net

„Jeder sollte popeln dürfen!“ (Thees Uhlmann)

B.I.N.

ALLE INFOS, ALLE BANDS

Kino

WHAT A MAN

Noch was: KINO / COMIX / COMPUTERSPIELE / DIE BESTEN PLATTEN / HÖRSPIELE / BÜCHER / DVDs


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INHALT/EDITORIAL

INHALT

unclesally*s magazine

No.169 – September 2011

EDITORIAl Science Fiction

Mal aus der Perspektive eines PrintDinosauriers: Es gibt Dinge, die müssen gar nicht elektronisch sein. Das gilt nicht nur für alberne Indie-Bands, die sich Vintage-Synthesizer kaufen, oder für kleine Computer, auf denen man ’Schiffe versenken’ spielen kann.

Musik: Seite 30

Bücher Seite 60

TheoPHilus London

John niven

Super, hier gibt’s was, woran sich die Hipster weiden, wonach sie ihre Garderobe ausrichten und ihre CD-Sammlung pimpen können. Aber Halt! Auch wir mögen Theophilus. Wenn alle Poser schreien, dann sind wir eben lauter. Theo ist schon in Ordnung!

Als John Niven 2008 seine Freunde killte, gelang dem ehemaligen A&R der Durchbruch als Buchautor. Mittlerweile hat er das Musikbusiness verlassen und sucht statt neuer Künstler lieber erstklassige Formulierungen und gute Geschichten. Das neueste Buch des Schotten heißt „Gott bewahre!“ und darin geht’s um - genau - Gott und so. Aber das erklärt euch der gute John lieber selbst in unserem Interview.

06 - 09 Starter

Musik Stories 3

06 Feist / Male Bonding 07 Cloudberry 08 The Subways / Red Bull District Ride 09 Das tut gut!

Musik Stories 1

10 Thees Uhlmann 11 dEUS 12 Clap Your Hands Say Yeah/ Stephen Malkmus 13 The Sainte Catherines 14 Samiam 15 The Horrible Crowes

16 Auf Achse:

Wir, ihr und Jack Daniel’s beim Roskilde Festival. Wie haben Schoten gegessen, Bäume gepflanzt und mit sportlichen Rentnern abgehangen. Doch bevor wir unsere innere Mitte finden konnten, haben wir dann doch noch rechtzeitig die Kurve gekratzt. Puh.

Musik Stories 2

18 CANT/ Katzenjammer/ Ganglians 19 The Drums 20 Theophilus London

22 Titel: The Kooks

Mädchenmusik und Röhrenjeans: The Kooks sind zurück. Während die einen schon freudig darauf warten, sich über Luke Pritchard und seine Kollegen lustig zu machen, schreiben die anderen fleißig Heiratsanträge auf ihre T-Shirts. Spaß werden im Endeffekt alle mit dem neuen Album haben.

36 Hard-Fi/ Auletta 37 The Rapture 38 Talking To Turtles/ Bombay Bicycle Club

Ihren letzten Walzer als Polen-Experten tanzen die Kölner bei uns, bevor es demnächst auf AbschiedsTour geht.

Die werden sich noch umgucken, wenn eines Tages alle Alltagsgegenstände an Netzteilen hängen und immer im falschen Moment nicht mehr funktionieren. Wenn die Gesellschaft tief gespalten ist, nicht nur zwischen Nichtrauchern und Rauchern, sondern auch noch zwischen hippen eund rückständigen Analog-Rauchern. Dann sitzt Thees Uhlmann in Hemmoor, spielt Sudoku und lässt den Irrsinn der digitalisierten Welt schön an seinem Heck vorbei ziehen. Und wir? Wir laden jetzt unsere eisernen Lungen auf, hust.

Musik Stories 4

Loriot (1923 - 2011)

39 Auf der Couch...

... mit Damian Abraham von Fucked Up. Wenn Damian mit seiner Geschichte fertig ist, wollt ihr alle nettere Menschen werden. Wartet’s nur ab!

40 Im Test: Urlaub In Polen

42 Dear Reader/ CSS/ Waters 43 Cerebral Ballzy 44 Dampfmaschine/ Iceage/ Mother Mother/ Boy/ Maybeshewill/ Grand Griffon 45 Reiseführer: Mit Black Tide nach Miami 46 Beirut/ Eastern Conference Champions

Live

47 Konzert des Monats/ Konzertfotos Of Death 48 Touren und Konzerte 51 Im Tourbus mit Friska Viljor

52 - 59 Kino

So gut kann’s gehen, so übel könnte es werden...

52 What A Man - Matthias Schweighöfer 53 Colombiana - Zoe Saldana 54 3 Fragen an... 55 Hell/ Die drei Musketiere 56 Le Havre/ Freunde mit gewissen Vorzügen/ Roller Girl 57 Shortcuts 58 Kino DVDs

33 Mixtape

60 – 66

26 – 32 Platten ?????

34 Mode:

Casper – auch vor der Fotokamera der Hit.

Zuletzt wurde uns das klar, als uns der Herr mit dem lippenstiftähnlichen Gebilde im Mund erklären wollte, warum es viiiiiel besser sei, ein e-Raucher zu sein. Wir so: „Keine Macht den Party-Drogen!“ Er so: „Nee, ’e’ wie ’elektronisch’. Das ist eine elektronische Zigarette. Ich verdampfe darin reines Nikotin und keinen schädlichen Teer oder andere Substanzen. Das Tollste ist aber, dass ich damit auch im Zug oder im Flugzeug rauchen kann.“ Wir so: „Elektrosmog!“ Am nächsten Tag war der Herr ganz hibbelig, weil er nachts vergessen hatte, seinen Zigaretten-Akku aufzuladen. Das ist dann wohl das elektronische Äquivalent zu „Feuerzeug vergessen“. Ist rumgehüpft wie Judy Garland in ’Der Zauberer von Oz’ und damit sind wir auch schon bei unseren Titeldarlings, den The Kooks. Die haben der Kollegin Stiller nämlich stilecht im Judy Garland-Zimmer Weltwissen in die Feder diktiert. War auch ganz schön schwierig, denen auf dem Titelbild die e-Zigaretten aus der Visage zu retuschieren, bei dem ganzen Kabelsalat.

60 Bücher: Interview mit John Niven 62 Games 64 Kreuzworträtsel 65 Redaktionscomic 66 Vorschau/ Impressum/ Screenshots

Kurz bevor wir den Umschlag mit dem fertigen neuen Heft drin angeleckt, zugeklebt, mit der Adresse der Druckerei versehen und zur Post getragen haben, erreichte uns die traurige Nachricht, dass Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow, besser bekannt als Loriot, am 22. August im Alter von 87 Jahren gestorben ist. Deshalb haben wir in letzter Minute noch ein paar platzschaffende Fotostauchungen und Schriftgrößenjustierungen vorgenommen, um uns mit einem Bild und einem herzlichen „Danke für alles!“ vom Erfinder der Steinlaus, Teiler des Kosakenzipfels, Verleiher des Jodeldiploms und hoffnungslos hilfsbereiten Gemäldeausrichter zu verabschieden. Er saß und sprach und bereicherte den Humor hierzulande in kaum zu überschätzender Weise. Unsere Badewannen werden von nun an irgendwie leer wirken – aber beim nächsten Mal Scrabble werden wir ganz sicher „Hundnase“, „Schwanzhund“ und vielleicht auch „Quallenknödel“ legen. Was? Ach!


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unclesally*s magazine

Neuigkeiten

Foto: Mary Rozzi

Heute auf: Vietnamesisch

benh tat va cai chet (Tote und Verletzte) KINGS OF LEON

Zuerst wurde ein Konzert abgebrochen, da Frontmann Caleb Followill angeblich zu betrunken zum Weiterspielen war, dann folgte die Absage der kompletten US-Tour. Die Gerüchteküche kocht über: So versuchen die Mitglieder nun anscheinend, ihren Frontmann in eine Entzugsklinik einweisen zu lassen, da dieser außer Kontrolle geraten sei.

MEAT LOAF

Der alternde Popmusiker Meat Loaf (zu Deutsch „Hackbraten“, basierend auf seinem großzügigen Körperumfang) brach während eines Konzerts ohnmächtig zusammen und lag minutenlang bewegungslos auf der Bühne. Nach eigener Aussage führte eine Asthma-Erkrankung zu Atemnot. Das Konzert wurde nach der Versorgung durch Sanitäter vollendet.

verbliebenen Mitglieder ihre Band nach zehn gemeinsamen Jahren und einer noch in Planung befindlichen Abschiedstour durch Kanada auflösen.

DISTURBED

Aufgrund des bevorstehenden Untergangs der Musikindustrie legen Disturbed eine Pause auf unbestimmte Zeit ein, heißt es seitens der Band.

MEDIENGRUPPE TELEKOMMANDER

„Die Elite Der Nächstenliebe“ ist das Abschiedsalbum der Mädchengruppe Telekommander. Die Trennung wird von einer finalen Tour im Oktober begleitet.

URLAUB IN POLEN

Auch das Kölner Duo Urlaub in Polen ist in der Auflösung begriffen. Nach zwölf Jahren und vier Alben verabschieden sie sich mit dem neuen Werk „Boldstriker“ und einer Abschiedstour, die noch bis zum Dezember andauern wird.

THE VON BONDIES

MOTÖRHEAD

Ex-Gitarrist Michael „Würzel“ Burston verstarb an den Folgen einer Herzkrankheit.

chia tay va khoang cach (Trennungen und Pausen) ALEXISONFIRE

Der mit dem Soloprojekt City & Colour erfolgreiche Gitarrist Dallas Green hat seine bisherige Band Alexisonfire im vergangenen Dezember verlassen. Nachdem deren ursprünglicher Plan, mit personellem Ersatz fortzufahren, aus persönlichen Gründen scheiterte, wollen die

Frontmann Jason Stollheimer verkündet den offiziellen Split der Von Bondies. Er sei das letzte verbliebene Mitglied und ziehe nun ein anderes Ein-Mann-Projekt auf, The Hounds Below.

thay the/doi thanh vien (Mitgliederwechsel) BIOHAZARD

Frontmann Evan Seinfeld nimmt fortan einen anderen Pfad als seine Band Biohazard. Für den Broterwerb bleibt ihm die langjährige Aktivität als Schauspieler in Pornoproduktionen.

HELDEN & DIEBE

Heute mit: Kevin Hendrick (MALE BONDING)

Feist Leslie Feist ist zurück. Am 30. September erscheint ihre neue Platte, im Oktober kommt sie für ein exklusives Konzert nach Berlin. „Metals“ ist der Nachfolger ihres umjubelten dritten Albums „The Reminder“. An Singles wie „1234“ und „I Feel It All“ können sich sicher die meisten noch erinnern. Vier Jahre nach Erscheinen dieser Stücke stellt sie nun am 22. Oktober ihr neues Werk im Berliner Tempodrom dem deutschen Publikum vor. Auch ohne hellseherisches Talent dürfen wir als Präsentator der Show vorhersagen, dass das nur mit früh gekauftem Ticket eine sichere Sache für euch wird. Also husch...

COHEED AND CAMBRIA

Coheed And Cambria setzten den in den USA verhafteten Bassist Michael Todd vor die Tür. Ausgangspunkt war Todds iPhone-Überfall auf eine Apotheke, um an rezeptpflichtige Schmerzmittel zu gelangen. Dabei hielt er dem Apotheker sein Smartphone mit der digitalen Drohnotiz hin, bei Nichtaushändigung der Medikamente in dem Geschäft eine Bombe zu zünden. Dummerweise ließ er sich mit dem Fluchttaxi direkt zur Konzerthalle fahren, wo er anschließend verhaftet wurde.

GALLOWS

Wade MacNeil, Gitarrist und Sänger der frisch getrennten Alexisonfire (siehe oben), wechselt den musikalischen Rahmen und übernimmt den vakanten Posten des Frontmanns der Gallows. Dessen früherer Inhaber Frank Carter suchte wegen musikalischer Differenzen den Ausgang in Form seines neuen Projekts Pure Love.

MXPX

Der einst ausgestiegene Drummer Yuri Ruley ist wieder mit im Boot und damit auch am Entstehungsprozess des neunten Studioalbums beteiligt, das dieser Tage aufgenommen wird.

du an moi va su ket hop lai (Neue Projekte und Wiedervereinigungen)

Zurzeit sind Novella meine Lieblinge, aber das wechselt fast wöchentlich. Sie sind eine All Girl-Band aus London und klingen ein wenig wie The Gordons oder eine härtere Version von Slowdive. Ich habe sie nur einmal live gesehen, aber sie haben mich sofort umgehauen und ich möchte sie unbedingt wieder sehen... Foto: Steve Gullick Heimat Novella: novellaband.com Heimat Male Bonding: malebondingblog.blogspot.com Auch gut: „Endless Now“ – das neue Album von Male Bonding

ALL

Nachdem in den vergangenen Monaten vermehrte Lebenszeichen von den Prog-Punkrockern ALL und deren Geschwisterband Descendents zu beobachten waren, wird es im Oktober beim „Riot Fest“ in Chicago zum Höhepunkt derselben kommen: Beide Bands spielen dort, ALL sogar Sets mit allen drei Sängern der Bandgeschichte (Dave Smalley, Scott Reynolds und Chad Price). Ähnliches geschah bereits im Mai

beim „Punk Rock Bowling“ in Las Vegas, die Bandwebsite warnt allerdings: „Don’t count on this happening again.“

BACKYARD BABIES

Nicke Borg, Frontmann der schwedischen Backyard Babies, stellt uns Ende September das Soloalbum „Homeland - Chapter II“ vor die Nase.

FRANK BLACK

Frank Black von den Pixies, derzeit wieder als „Black Francis“ unterwegs, nahm mit Songwriter Reid Paley ein gemeinsames Album namens „Paley & Francis“ auf.

BLACK FLAG

Die legendäre Punk/Hardcore-Truppe der ersten Stunde brachte nach ihrer Trennung vor allem Henry Rollins hervor, der als Solokünstler des gesprochenen Wortes noch immer die Welt bereist. Neben dem früheren Frontmann will auch Bassist Chuck Dukowski wieder ins Gespräch kommen und gründete sein Projekt Black Face. Die bisher aufgenommenen Songs stammen aus der Black Flag-Zeit, ob neues Material folgen wird, bleibt offen.

PETE BRUNI

Knastbruder Pete Doherty (Babyshambles, ExThe Libertines) habe sich nach seiner aktuellen Entlassung regelmäßig mit Frankreichs First Lady, Musikerin Carla Bruni getroffen, meint die einschlägige farbenfrohe Presse. Der linksorientierte Britrocker unterstütze die rechtsorientierte Französischfolkerin möglicherweise auf deren kommender Platte, heißt es.

BUSH

Bush, reformierte Alternative-Rocker der zweiten Stunde, bringen nicht nur im September ihr neues Werk „The Sea Of Memories“ in die Läden, im November steht dazu auch eine Tour auf der Agenda. Von der Originalbesetzung ist neben Frontmann Gavin Rossdale noch Schlagzeuger Robin Goodridge übrig. Die weiteren Namen


sind Chris Traynor (Helmet, Rival Schools, Bush in den Jahren 2001 und 2002) und Corey Britz.

NO DOUBT

Die reanimierten No Doubt arbeiten an einem neuen Album. In welche musikalische Richtung das erste Werk seit einem Jahrzehnt tendieren wird, bleibt noch offen.

NOEL GALLAGHER

Während Bruderherz Liam Gallagher mit seiner neuen Band Beady Eye eher im Tiefflug startet, könnte das für Noel Gallagher anders aussehen. Im Oktober erscheint sein Solodebüt nach der Trennung von Oasis, „Noel Gallager’s High Flying Birds“.

RADIOHEAD

Frontmann Thom Yorke lieh dem Berliner Elektro-Duo Modeselektor erneut seine stimmliche Qualität. Auf den Songs „Shipwreck“ und „This“ des kommenden Albums „Monkeytown“ ist er der Mann der Stunde.

THE SWELL SEASON

Marketa Irglova, die weibliche Hälfte des Oscarprämierten Duos The Swell Season, veröffentlicht im Oktober ihr Solodebüt „Anar“.

TURBONEGRO

Zwei Jahre nach ihrer Trennung spielten die Norweger von Turbonegro ein Reunionkonzert in Hamburg. Mit auf der Bühne: Der neue Sänger Tony Sylvester aka. „Duke Of Nothing“, welcher früher als Präsident der Turbojugend London am Schreibtisch/Tresen saß. Ein neues Album und eine Tour dürfen für das kommende Jahr erwartet werden.

bang dia cd (Platten)

BIOHAZARD

Ende September erscheint „Reborn In Defiance“ aus dem Hause Biohazard. Aufgenommen noch mit Frontmann Evan Seinfeld, der mittlerweile von der Band vor die Tür gesetzt wurde (siehe oben).

BOUNCING SOULS

Im kommenden Frühling steht ein neues Werk von den Bouncing Souls auf dem Programm.

THE BRONX

The Bronx veröffentlichten eine weitere Platte mit ihrem Nebenprojekt Mariachi El Bronx, bei dem traditionell orientierte Mariachi-Musik gespielt wird. Der Titel: „Mariachi El Bronx II“.

DAS GUTE GESCHÄFT IN DIESEM MONAT ist:

Tonbrauerei Werbellinstraße 50 12053 Berlin empfohlen von: Cloudberry

Thies und die Tonbrauerei. Das ist wie Heimkommen zu Mama, Papa und Hund. Egal, wo wir mit Cloudberry in Deutschland unterwegs sind, wir schauen immer gerne in der Tonbrauerei vorbei. Nicht nur, weil Thies immer etwas zu trinken bereit hält und lecker für alle kocht. Nein, auf Thies ist auch sonst immer Verlass! Sei es für toll klingende Vorproduktionen wie für unser neues Abum „The Closer We Get“, Proben zwischen den hektischsten Terminen oder gleich ganze Produktionen am Stück. Die Tonbrauerei, gelegen in Räumen der alten Kindlbrauerei in Neukölln, ist einer unserer „places to be“ in Berlin, wenn’s um den guten Ton geht! Checkt: myspace.com/tonbrauerei AUF TOUR 23.8. Frankfurt, Nachtleben / Support von Rival Schools *** 03.9. Düsseldorf, Zakk / Zakk On The Rocks *** 14.10. Neuruppin, JWP MIttendrin *** 15.10. Berlin, Magnet / Motor Club *** 27.10. Hamburg, Molotow Heimat: cloudberry.de Auch gut: „The Closer We Get“ - das neue Album von Cloudberry Foto: v.ln.r. Sebastian Lübeck (Bass/Cloudberry), Foto auf dem Klavier: Thomas Wolf (Schlagzeug/Cloudberry), Hinten im Bild: Marco Pleil (Gesang, Gitarre/Cloudberry), Vorne im Bild: Thies Neu (Tonbrauerei)


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unclesally*s magazine

Foto: Patrick Wamsganz

LOS CAMPESINOS!

Der Nachfolger von „Romance Is Boring“ neigt sich seiner Fertigstellung entgegen. Das Datum der Veröffentlichung bleibt jedoch noch unter Verschluss.

THE MARS VOLTA

Dieser Tage nimmt das sechste Album von The Mars Volta im Studio Gestalt an. Im Frühjahr des kommenden Jahres ist das Ergebnis zu bewundern.

NEW FOUND GLORY

Der Oktober bringt „Radiosurgery“, das siebte Werk aus der Feder New Found Glorys.

PUSCIFER

Die dritte Band von Tool- und A Perfect Circle-Frontmann Maynard James Keenan schiebt im Oktober ihr neues Studioalbum „Conditions Of My Parole“ in die Vertriebskanäle. Der Titel mag irgendwie nicht an die Vorgänger „V Is For Vagina“, „C Is For (Please Insert Sophomoric Genitalia Reference Here)“ und „V Is For Viagra. The Remixes“ herankommen.

RANCID

Das Studio ist die vorübergehende Heimat von Rancid, die den Nachfolger des 2009er „Let The Dominoes Fall“ in die Festplatte ritzen.

THE SHINS

The Subways

bei den Telekom Street Gigs Viel gibt es derzeit über die Subways zu berichten: So werden sie im Oktober die Titelseite unseres Heftes zieren – weil am 16. September ihr neues Album „Money And Celebrity“ erscheint. Tags zuvor (also am 15.9.) gibt es bereits die Möglichkeit, sie im Rahmen der Telekom Street Gigs auf der alten Festung Fort Asterstein in Koblenz sehen. Wer die Live-Auftritte des Trios kennt, der weiß: das wird ein Spitzending. Tickets für diesen geschichtsträchtigen Abend könnt ihr nicht kaufen, sondern bis zum 8. des Monats unter telekom-streetgigs.de gewinnen. Außerdem habt ihr auf sallys.net die Chance, 1x2 Karten samt Music Pack und Fan Paket mit je einem signierten Poster, einem T-Shirt sowie dem neuen Album einzustreichen. Obendrauf erwartet den Gewinner und seine Begleitung ein Meet & Greet mit der Band, was definitiv sehr nett und sehr lustig werden wird. Versprochen. telekom-streetgigs.de

Auf der kommenden US-Tour werde neues Material gespielt, lässt die Band auf ihrer Website verlauten. Im Anschluss wolle man daraus ein Album pressen, das im nächsten Jahr erworben werden darf.

erfährt. Die Songs werden wahrscheinlich auch in Albumform veröffentlicht, so McCarthy gegenüber dem britischen NME.

THE TALLEST MAN ON EARTH

Der Schwede Kristian Matsson, auch bekannt als The Tallest Man On Earth, arbeitet gemeinsam mit der Schwedin Amanda Bergman (Idiot Wind) am Soundtrack des Streifens „Once A Year“.

con lai/phan cuoi (Der Rest)

RIOTS IN LONDON

Während die Plattenfirma Universal ihr Londoner Büro aufgrund der dortigen Krawalle evakuierte, brannten die Lagerhallen von PIAS und etwa 100 weiteren Labels ab. Dabei gingen für viele der Unternehmen sämtliche existierende Vorräte in Flammen auf. Betroffen von dem Anschlag waren zum Beispiel Domino, Kitsune, Kompakt, Mute, Ninja Tune, Nuclear Blast, One Little Indian, Rough Trade, Sideone Dummy, Sonar Kollektiv, SubPop, Wall Of Sound und Warp. Der Vertrieb von physischen Tonträgern und das Überleben der Labels kann dadurch massiv beeinflusst werden.

Unsere TV-Tipps im September: Arte vs. Noisey

dien anh va man anh nho

Musikfernsehen im Internet – Arte und Noisey machen gemeinsame Sache: Auf noisey.com kann man sich Konzerte aus der ganzen Welt angucken. Das wäre ja noch nichts wirklich neues, doch die Mitschnitte werden charmant durch Interviews mit Band und Publikum, Backstage und Frontclub-Bildern und dem ganzen KonzertDrumherum ergänzt. Drei Konzerte im Monate kann man jetzt auch bei Arte Live Web online sehen: Im September sind das No Joy, die quirligen Japanerinnen von Nissenmondai und die französischen Elektro-Punks von Cheveu. Alle weiteren Infos gibt es unter liveweb.arte.tv/de und noisey.com.

BEAVIS AND BUTTHEAD

„Tonspur - der Soundtrack meines Lebens“

SWANS

2010 wiedervereinigt und mit dem ersten Album seit 14 Jahren am Start, arbeitet die Band nun am zweiten Werk ihrer zweiten Schaffensphase. Zu Beginn des kommenden zwölf Monats-Zyklus’ darf das Noiserock-Opus erwartet werden.

(Film und Fernsehen) Mit Beavis und Butthead werden die beiden prolligen MTV-Comicfiguren aus den Neunzigern reanimiert. Nach 14 Jahren ist eine neue Staffel in Produktion, in der sie über die aktuelle Jugendkultur „reflektieren“ dürfen.

FRANZ FERDINAND

Gitarrist Nick McCarthy schrieb die Musik für das Musical „The Tempest Muppet Music Show“, ein Projekt, das auf Puppen und Shakespeare basiert und im September in London seine Uraufführung

Ab dem 10. September startet 3sat um 22.50 erneut die Sendereihe „Tonspur - der Soundtrack meines Lebens“. Moderatorin Nina Brunner und drei Musikexperten erraten, welcher Song für welchen prominenten Gast eine ganz besondere Bedeutung im Leben hat. Folgende Gäste sind im September zu Gast im Studio: 10.09. Roger Willemsen * 17.09. Paola Felix * 24.09. Joschka Fischer Und als Ausblick: Am 15. Oktober könnt ihr dort Smudo und am 5. November DJ Bobo sehen.

Red Bull District Ride Models gesucht

Was die Profifahrer da auf ihren Bikes anstellen, ist nicht zu glauben. Doch wer hätte gedacht, dass du mal als Model in einem professionellen Foto-Shooting posieren würdest? Äh, wir! Der Red Bull District Ride ist zurück. Am 10. September treffen sich in Nürnberg die 25 weltbesten Fahrer des Urban Freeridings und zeigen ihre Tricks und Künste. Das bedeutet Sport, Spaß und Spannung auf und entlang der Strecke des urbanen Parcours, der sich von den Mauern der Kaiserburg bis zum Hauptmarkt durch die gesamte Nürnberger Altstadt schlängelt. Weil wir uns neben Sport aber auch noch für schicke Klamotten interessieren, veranstalten wir im Rahmen des District Ride gemeinsam mit Red Bull und der Streetfashion Brand 55DSL ein Shooting. Das professionelle Make-up, einen TopFotografen, Unterkunft und Verpflegung stellen wir – jetzt fehlen nur noch zwei passende Models. Und damit meinen wir jetzt keinen 1,90 großen Hungerhaken mit hohlen Wangen und grimmigem Gesicht, sondern einen Jungen und ein Mädchen von euch: Natürlich, charismatisch, frisch und fröhlich. Habt ihr nicht Lust? Dann bewerbt euch bis zum 5. September, mit Foto, per E-Mail an verlosung@ sallys.net; Stichwort: Red Bull District Ride. Bitte sagt uns, wieso ihr den Job unbedingt haben möchtet und gebt euer Alter und eure Konfektionsgröße an.

Für alle, die nicht in Nürnberg dabei sein können, präsentiert die Telekom die spektakulären Tricks des Red Bull District Ride live und im Webcast auf redbulldistrictride.com. Am 11. September gibt es ab 16.00 Uhr eine Zusammenfassung im Fernsehen auf ServusTV (servustv.com). Zu empfangen über den Satellit Astra und Kabel. Alle Infos unter redbulldistrictride.com


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Das TUT GUT

Heute: 500 junge Ideen, täglich die Welt zu verbessern

So manchen plagt das schlechte Umweltgewissen, der innere Schweinehund, die Spenden-Lethargie – dabei ist es so einfach, die Welt etwas weniger schlecht zu machen. „1000 Ideen, täglich die Welt zu verbessern“ hat einen kleinen Bruder: „500 junge Ideen, täglich die Welt zu verbessern“, die Jugendbuchausgabe der 1000 Ideen, fasst auf 304 Seiten Tipps für all jene unter euch zusammen, die manchmal nicht so genau wissen, wo sie mit dem Weltretten anfangen sollen. Das ist nämlich einfacher, als man denkt und muss nicht immer bei „Ärzte ohne Grenzen“ irgendwo im Krisengebiet oder mit „Greenpeace“ unter Ölbohrplattformen auf hoher See stattfinden. Von den 500 in diesem Buch enthaltenen Ideen sind fast alle schon mit minimalem Aufwand umsetzbar, entfalten aber bei konsequenter Anwendung gewaltige Wirkung. Schon die morgendliche Dusche in euren vier Wänden könnt ihr dazu nutzen, Wasser zu sparen. Einfach kurz reinpinkeln und schon spart ihr euch die Klospülung – macht im Jahr mehrere tausend Liter Wasser.

Das von „Wissen macht Ah!“-Moderatorin Shary Reeves, Tagesschau-Mann Jan Hofer und Journalismus-Urgestein Dieter Kronzucker herausgegebene Buch hält aber auch weniger seltsame Tipps parat, die darüber hinaus daran erinnern, dass sich auch jemand, der in einer Wegwerf- und Überflussgesellschaft lebt, durchaus eigene Konsumgrenzen setzen kann. Schon ein T-Shirt weniger, das wir kaufen, spart 2000 Liter Wasser. Ein Deckel auf dem Topf sorgt dafür, dass 30% weniger Energie verbraucht werden, wenn man Wasser für die tägliche Tütensuppe erhitzt. Und auch für uns Printmagazin-Menschen hat „500 junge Ideen, täglich die Welt zu verbessern“ einige Inspiration parat, indem es uns auflistet, welche Computer-Schrift wieviel Tinte verbraucht. Die nächste Ausgabe drucken wir deshalb in Calibri oder Verdana. Lasst euch überraschen. Daniel Westland mit Shary Reeves, Jan Hofer & Dieter Kronzucker (Hrsg.) - 500 junge Ideen, täglich die Welt zu verbessern (rororo)

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MUSIK STORIES

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Thees Uhlmann

Meine Tochter, Sudoku und Ich Die Idee eines Soloalbums schleppt Thees Uhlmann zwar nicht schon ewig mit sich herum, die Zeit sei nun trotzdem gekommen - warum aber die Kollegen beim gleichnamigen Debüt ’Thees Uhlmann’ nicht mitmachen durften, das Landleben manchmal besser als die Großstadt ist und was die Drogeriekette Schlecker mit alledem zu tun hat, erklärt der hauptberufliche Tomte-Frontmann am besten selbst. Die Frage ist unumgänglich und kommt an erster Stelle: Warum muss es 2011 ein Soloalbum sein, mit dem sich Thees Uhlmann aus der Pause zurückmeldet? Um das klarzustellen: Ich verfolge keinen tiefgreifenden Plan, so Marke „Dieses Jahr wird das Thees Uhlmann-Jahr“. Vielmehr entstanden Songs, bei denen ich wusste, dass sie mehr zu mir als zu Tomte passen (denkt nach). Was allerdings von Anfang an sicher war, ist, dass es kein akustisches Singer/SongwriterAlbum werden sollte und deswegen steht der Zusatz „Thees Uhlmann & Band“ über diesem Versuch - weil mir die neue Band sehr wichtig ist. Die meisten Songs auf ’Thees Uhlmann’ entstanden am Klavier - wie kam es dazu? Seit 14 Jahren ist ja eigentlich die Gitarre dein Hauptinstrument. Es war auch nicht einfach sie abzugeben. Ich spiele quasi genauso Klavier wie Gitarre, mehr nach Gefühl als nach Noten - deswegen gab es im Studio hin und wieder Diskussionen, wenn jemand anderes an den Saiten stand: „Thees, ich kann das so nicht spielen, wie soll das gehen?“ Darauf antwortete ich meist, nimm den Finger so (deutet einen Griff an) und dann funktioniert das. Stimmte natürlich nicht, klappte trotzdem. Dann ist also der Unterschied zwischen diesem und allen anderen Werken, die vorher mit Tomte

erschienen, dass du neue Instrumente und Arrangements benutzt hast? Wie soll ich es erklären? Nimm den Track „Das Mädchen Von Kasse 2“: Der Text dazu entstand, als ich vor einiger Zeit an der Kasse bei Schlecker wartete und dort ein Typ hinter mir war, der nicht nur ein wenig arrogant wirkte, sondern auch quengelte, warum das hier so lange dauere. Ich meine, jeder weiß inzwischen, unter welchen Bedingungen die da teilweise arbeiten und dann macht der noch ein Fass auf... Um ihn geht es in den Lyrics aber gar nicht! (nickt zustimmend) Richtig, denn das wäre TomteStyle gewesen: Dem Kerl eine ordentliche Abreibung zu verpassen. Dieses Mal habe ich mich stattdessen der Kassiererin zugewandt und ihr dieses Lied gewidmet. (stockt) Meine Güte, das war jetzt die beste Erklärung, die ich je zu diesem Thema hatte - darf ich die weiterverwenden? Gern. Davon abgesehen wirkt ’Thees Uhlmann’ an einigen Stellen wie ein Homecoming-Album - als wäre es im Leben das Wichtigste, ein Zuhause zu finden. Guter Gedanke, weil ich dies manchmal selbst so sehe. (überlegt) Also mehr auf mich als auf meine Musik bezogen. Letztens rief zum Beispiel ein guter

Freund von mir an und meinte: „Thees, du musst heute Abend kommen, Mona spielen, arschgeile Band!“ Ich hatte aber keinen Bock und bin stattdessen in meine Heimat Hemmoor gefahren, zu meiner Tochter und meiner Mutter, Sudoku spielen. Ist es das, worum es geht, wenn du im Song „Lat: 53.7 Lon: 9.11667“ singst: „Du kriegst die Leute aus dem Dorf/ Das Dorf nicht aus den Leuten“? Viele haben den Song negativ interpretiert - ganz so, als ob ich jemandem Engstirnigkeit vorwerfe. Darum geht es aber nicht: Ich bekenne mich vielmehr zu dem Ort, der meine Heimat darstellt. Klar wollte ich vor Jahren in die weite Welt hinaus, inzwischen finde ich es aber auch schön nach Hemmoor zu fahren und die Gegend zu genießen. Du wirkst sehr aufgeräumt und zufrieden. Was wird als nächstes kommen: ’Thees Uhlmann 2’ oder eine neue Tomte-Platte? Ich kann mir gut vorstellen, noch einmal ohne die Band etwas auszuprobieren, aber natürlich bin ich weiterhin der Typ von Tomte. Das ist jeweils mein Angebot an die Leute. Text: Marcus Willfroth

Heimat: thees-uhlmann.de


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MUSIK STORIES

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dEUS

Näher am Menschen „Jungs, damit ihr es wisst: Ich werde nie wieder einen dEUS-Song schreiben!“, eröffnet Sänger und Bandkopf Tom Barman seinen verdutzten Kollegen eines Abends im Tourbus. Was er damit meint: Ab jetzt ist Teamwork angesagt. Tom Barman ist sichtlich entspannt, und er hat auch allen Grund dazu. Während dEUS in den Neunzigern berüchtigt für ihre vielen Umbesetzungen waren, hat er nun endlich ein Team gefunden, das seit sieben Jahren stabil läuft. Mit „Keep You Close“ erscheint dieser Tage bereits die dritte Platte in Folge mit derselben Besetzung - was früher kaum denkbar gewesen wäre. Und auch wenn mit der Urbesetzung der kreative Wahnsinn aus den Anfangstagen ein wenig verloren ging: Als Band funktionieren dEUS besser denn je. „Auch wenn ich unser letztes Album ’Vantage Point’ immer noch gerne mag - es erschien mir einfach nicht mehr stimmig, dass ich noch Songs vorgebe. Schließlich waren die besten dEUS-Stücke immer gemeinsam entstanden, von ’Suds & Soda’ über ’Instant Street’ bis ’Bad Timing’. Deswegen wollte ich, dass sich jeder gleichberechtigt einbringt.“ Bei einer derart talentierten Truppe bedeutet das natürlich, dass man sich durch Berge von Ideen kämpfen muss. „Jeder kann im Prinzip jedes Instrument spielen und hat das auch getan. Letztlich hat alles schon wieder länger gedauert, weil wir nun mal super detailverliebt sind.“

Nicht zu vergessen, dass Antwerpener Musiker sich scheinbar einfach nicht mit einer Band begnügen können: „Unser Gitarrist Mauro ist zum Beispiel in ungefähr 15 Projekten involviert, er begleitet Theaterstücke oder macht Filmmusik. Alan ist ein sehr gefragter Bassist. Auch mein elektronisches Projekt Magnus bringt bald eine zweite Platte raus, und so ist das bei uns allen.“ Während die musikalische Umtriebigkeit die Hauptband etwas komplizierter zu managen macht, hält man sich so die Kreativität frisch. „Die Stücke von ’Keep You Close’ sind nur ein kleiner Teil von dem, was wir zusammen gemacht haben. Wir sitzen auf ein paar sehr tanzbaren Stücken, die wir

bald einspielen und veröffentlichen werden. Einfach live, ohne Overdubs. Dann gibt’s noch andere, die sind einfach kriminell poppig.“ Doch erst einmal will das neue Werk ausgiebig betourt werden. „dEUS hat immer irgendwie von der Gemeinschaft gelebt, auch im Sinne einer engen Verbindung zum Publikum. Das hatte mir zuletzt etwas gefehlt. Das ist auch die Idee hinter dem Titel ’Keep You Close’.“ Tom lächelt: „Und auch das macht diese dEUS-Besetzung aus: Wir lieben es, zu touren.“ Text: Robert Goldbach Heimat: deus.be

Foto: Olaf Heine


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MUSIK STORIES

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Clap Your Hands Say Yeah Alles Im Lack

In ihrem Hunger nach Anerkennung haben Clap Your Hands Say Yeah eine Discokugel und ein Autoradio gefressen. Alec Ounsworth ist ein komischer Kauz, das fängt schon beim Namen an. Von Geburt an hieß er eigentlich Dounsworth, aber das D war ihm dann irgendwann zu unsexy. Als Sänger von Clap Your Hands Say Yeah hat er außerdem eine Stimme wie ein Feuermelder und insgesamt eine komische Vorstellung von Popmusik. Selber, sagt er, höre er zum Beispiel gar keine, es sei denn, seine Freunde machen sie, „oder das Sir Douglas Quintet.“ Für ihr erstes Album ging es damals noch ganz klassisch drei Wochen lang ins Studio, aber ’Hysterical’, das neue Baby, sollte es einmal schöner haben. „Unser Produzent John Congleton wollte für die Platte einen dicken Drumsound“, sagt Alec. „Das hat etwas gedauert, aber Songs wie ’Open Road’ und ’Maniac’ sind jetzt so das, was mich am meisten erfüllt, wenn ich sie live spiele.“ Kein Wunder. Im Vergleich zu den eher experimentellen Klängen der ersten LPs klingt ’Hysterical’ wie ein Cadillac, der mal ein VW Käfer war, und so hübsch und melodisch, als käme es von einer ganz neuen Band. „Robbie hat während der Bandpause ei-

gene Sachen aufgenommen, Sean hat auch Musik produziert, und ich habe mein Soloalbum rausgebracht“, sagt Alec. „Als wir wieder zusammenkamen, mussten wir uns erst einmal erinnern, wie Clap Your Hands Say Yeah eigentlich klangen.“ Ounsworth ist stolz auf den Glanz der neuen Songs und besteht darauf, das Radio-Gen schon immer in sich getragen zu haben. Und sein Herz auf der Zunge. „Normalerweise traut sich niemand zu fragen, um was es in den Songs eigentlich geht, aber diesmal haben sich einzelne Bandmitglieder zaghaft danach erkundigt.“ Vielleicht we-

gen ’Strangled Caravan’, dem „Versuch erstmals einen Lovesong zu schreiben“, oder auch wegen ’Disabled Motorist’, dessen Text Ounsworth für seinen bisher gelungensten hält. „Es gibt Leute, die Songtexte mit Gedichten vergleichen“, sagt er und lacht, „aber ich finde, das geht ein bisschen weit.“ Kann gut sein, dass er seine Meinung bis zum nächsten Album ändert. Text: Ralph Krüger Foto: Pieter Van Hattem Heimat: clapyourhandssayyeah.com

Minuten und gut ist. Andererseits sind die Tracks vor der Reunion entstanden und danach nur noch aufgenommen worden - scheinbar waren mir auf dem letzten Album ’Real Emotional Trash’ manche Songs zu lang und so habe ich mich diesmal kürzer gefasst. Dein Produzent und alter Buddy Beck hat damit nichts zu tun? Um es kurz zu machen: Nein! Er hat sich angeboten, ich mag seine Arbeit und wir kennen uns schon ewig. (blickt ins Leere) Sorry, dass ich keine spannendere Geschichte auf Lager habe. Früher hast du darüber gesungen, wie es wohl wäre, wenn du eines Tages Freiheit gegen Verantwortung eintauschen müsstest - inzwischen bist du Vater... Es ist neben der Musik das größte Geschenk, das ich je bekommen habe. Dies kannst du den Texten auf ’Mirror Traffic’ auch anhören; manchmal klingt es, als würde ich Kinderlieder singen. (lacht)

Stephen Malkmus

„Pavement interessieren niemanden!“ Obwohl die Live-Reunion der Alternative-Helden von Pavement vollends glückte, macht sich deren Frontmann Stephen Malkmus wieder allein ans Werk und veröffentlicht sein fünftes Album ’Mirror Traffic’ - das indes stark an die Hauptband erinnert. Zufällig, wie Malkmus betont. Knapp ein Jahr ist die gemeinsame Tour mit Pavement her und nicht wenige hofften, dass es einen neuen Longplayer von euch geben würde - was hinderte dich? Stephen Malkmus: Es war nicht unbedingt eine künstlerische Rückkehr der Band, sondern eher eine Art Klassentreffen - 20 Jahre nach dem Start. Ich habe manchmal darüber sinniert und stets das gleiche gedacht: Wenn die Sex Pistols jetzt ein Album veröffent-

lichen würden, es wäre mir egal und das, obwohl ich ein echter Fan bin. Eine weitere Pavement-Platte würde ebenfalls niemanden interessieren. Trotzdem fällt auf, dass ’Mirror Traffic’ manchmal Pavement zitiert! Echt? (überlegt) Muss an den kurzen Songs liegen, die waren ja unser Markenzeichen: Sag’s in zweieinhalb

Das Musiker-Leben gegen familiäre Verantwortungen einzutauschen, scheint ein wichtiges Thema zu sein. Ich hatte immer persönliche Bezüge in meinen Songs - selbst wenn diese um ganz andere Inhalte gestrickt waren, kamen sie aus meinem Inneren und waren nie etwas Konstruiertes. Inzwischen geht es halt nicht mehr darum, mit den Kumpels auf der Halfpipe abzuhängen, sondern darum wie man den Sonntag mit der Familie verbringt. Was würde der Slacker von damals über den heutigen Stephen Malkmus denken? Er würde ihn okay finden. Warum auch nicht: Es gibt da draußen Leute, die meine Musik hören wollen - ist doch eine prima Sache. Text: Marcus Willfroth Foto: Leah Nash Heimat: stephenmalkmus.com


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MUSIK STORIES

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The Sainte Catherines

Montreal, mon amour Quebec. Ein bisschen Kanada, ein bisschen Frankreich; wo man das eine hasst und vom andern ignoriert wird, und wo sich der perfekten Schauplatz für skurrile Geschichten findet – egal, ob sie wie bei David Foster Wallaces Monumental-Roman ’Infinite Jest’ in dystopische Weltliteratur verpackt sind, oder wie bei The Sainte Catherines in den Energie geladenen Punkrock des neuen Albums ’Fireworks’. Musik hin, Literatur her – was bleibt ist die Erkenntnis, dass in Montreal die Uhren anscheinend ein wenig anders ticken: „Ich bin nicht stolz auf meine Herkunft, aber ich bin stolz auf die kulturelle Vielfalt und die Andersartigkeit im Vergleich zum Rest von Kanada oder der Welt. Es ist ein ziemlich einzigartiger Ort“, so Gitarrist Marc Beaudet. „Aber wäre ich aus Chicago, würde ich dasselbe wohl auch über Chicago sagen.“ Kein übertriebener Lokalpatriotismus also, der den Unmut der punkinternen Szenepolizei auf sich ziehen könnte. Bei einer derartigen Prüfung kämen die Sainte Catherines aber so oder so glimpflich davon, verbringen alle Bandmitglieder schließlich ihre

gesamte Zeit damit Konzerte und Tourneen für kanadische DIY-Bands zu buchen, bei Greenpeace aktiv zu sein, im Punkplattenladen zu arbeiten oder ein Tonstudio zu betreiben. „Dass wir auf diese Weise unseren Lebensunterhalt bestreiten, also Geld verdienen, könnte uns natürlich szeneintern zum Verhängnis werden“, scherzt Beaudet. Wohl kaum. Und es ist auch mehr Augenzwinkern denn Sorge. Schließlich haben die Sainte Catherines mit dem ’Pouzza Fest’, einer Kopie des legendären Gainesville-“Fest“-Punk-Happenings den Versuch

gestartet, ihre positiven Tourerfahrungen an die lokale Szene weiterzugeben. „Wir hatten jedes Mal so viel Spaß in Florida, dass wir den Leuten hier die Möglichkeit geben wollten, das gleiche zu erfahren.“ Der Erfolg der Veranstaltung, die dieses Jahr bereits in die zweite Runde ging, zeigt, wie gut sie daran taten. Ähnlich positive Erfahrungen für Europa wird es hoffentlich im September geben. Dann sind die Sainte Catherines nämlich hier auf Tour. Text: Aiko Kempen Heimat: saintecatherines.com


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MUSIK STORIES

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SAMIAM

Zurück, weil alle Lust hatten. Gute Nachrichten für alle, die eine Samiam-Platte pro Jahrzehnt zu wenig finden: Die San Francisco-Punks haben nach einer halben Dekade ein neues Album fertig, es heißt ’Trips’ und klingt wahrhaftig, als käme es aus der legendären ’Astray’Zeit. Die Reise durch schmerzliche, schöne und intensive Erinnerungen beginnt also von vorn. Gitarrist Sergie Loobkoff, der neben Sänger Jason Beebout das einzige noch aktive Gründungsmitglied bei Samiam ist, ist merklich überrascht von unserem Anruf in Sachen ’Trips’. Entweder wurde bei der Planung an irgendeiner Stelle die Zeitverschiebung nicht berücksichtigt oder der sehr aufgeweckte und bodenständige Loobkoff hat in seinem vollgepackten Terminkalender irgendwie irgendwas durcheinander geworfen. „Tut mir Leid, ich bin auf der Arbeit. Aber ich bin sofort für euch da“, lässt er verlauten und verzieht sich in einen ruhigen Raum. Kaum ist dann die erste „offizielle“ Frage gestellt, beginnt Sergie auch schon unaufhörlich zu reden. Es sei toll, zurück zu sein, wieder mit neuen Songs zu touren und überhaupt fühlt sich alles toll und toller an. Das Übliche, mag man denken. Aber der Redefluss, in den er sich verstrickt – einzig auf die Frage hin, wie es ihm geht! – ist so euphorisch und unbremsbar, dass man eigentlich nur selig grinsen kann, wie man es auch auf einer Samiam-Show machen würde, während diese stets an- bis betrunke-

ne Band Klassiker des Mitt-Neunziger-Emo-Punk spielt. Man merkt jedenfalls schnell, dass Sergie hier keine Promo-Maschinerie herunterrappt. „Es hat plötzlich alles noch mal gepasst. Wir hatten alle Lust und Zeit und unsere Fans warteten ja auch schon etwas länger. Außerdem können wir nicht ständig mit den immer selben Songs touren, irgendwann wird auch das langweilig.“ Das letzte Studioalbum von Samiam liegt immerhin bereits fünf Jahre zurück. ’Whatever’s Got You Down’ klang roh und ungeschliffen, frisch aus der Garage. Fans handeln das Album noch immer als eines der schlechtesten, was Loobkoff versteht, aber nicht gänzlich unterstreicht: „Naja, das Album klang natürlich sehr ungestüm und roh, aber das war auch unsere erste Zusammenarbeit mit einem anderen Produzenten und jeder hatte Schwierigkeiten, sich daran zu gewöhnen. So was wird ja gerne ausgeblendet. Aber im Endeffekt spielen wir die Platte gerne live, was prima passt“. Da hat er Recht. Allerdings passt bei Samiam im Grunde ohnehin jede Platte perfekt ins Bühnenbild.

Auch das neue Album ’Trips’, aufgenommen im Studio von Billie Joe Armstrong, seines Zeichens Green Day-Chef, wird sich live perfekt einreihen können – auch wenn die Bedingungen diesmal ganz andere waren: „Es war wie in einem Raumschiff da drin“, scherzt Sergie sympathisch. Dass dieses Stück Musik in einem höchst modernen Studio eingespielt wurde, hört man aber zu keiner Sekunde. Keine glatt gebügelten oder pompösen Refrains, keine kitschigen Keyboards. Alles beim Alten, nur durchzogen von einem frischen und lebendigen Sound, der einlädt, eingangs erwähnte Erinnerungen freudig zu wecken. Genau das ist es wohl, weshalb man Samiam die Treue hält: Man leidet, singt, trinkt und feiert mit ihnen wie mit einem beständigen Freund, der so bleibt, wie er ist. Text: Steffen Sydow Heimat: myspace.com/samiam


The Horrible Crowes Licht an, Licht aus

The Gaslight Anthem-Frontmann Brian Fallon entdeckt seine dunkle Seite: Für sein Zwei-Mann-Projekt The Horrible Crowes braucht er nur Unterstützung von Kumpel Ian Perkins und sich selbst. Die Abgeschiedenheit hört man ihnen an. Brian Fallon will kein Rockstar sein. Klar, mit The Gaslight Anthem und deren von Bruce Springsteen infiziertem Punk-Rock’n’Roll marschiert er von seiner Heimatstadt New Jersey aus gerade auf bestem Wege in die Stadien dieser Welt. Damit dieser Siegeszug kein jähes Ende findet, musste der 30-jährige Sänger, Gitarrist und Tattoo-Fan aber noch eine Sache mit sich selbst klären. Mit Tourgitarrist Ian Perkins entdeckte er im letzten Winter die dunklere Seite des Soul und seine Vorliebe für Tori Amos, Afghan Whigs und Tom Waits. „Das musste raus“, sagt Fallon über die langsameren, fast bedrohlich schönen Songs des jetzt erscheinenden The Horrible Crowes-Debüts mit dem hübschen Namen ’Elsie’, „vorher hätte ich keine neuen Rocksongs schreiben können“. Wie er da sitzt und über sein Songwriter-Intermezzo spricht, sieht Fallon verbrauchter aus als im Scheinwerferlicht der großen Bühnen. Geplant gewesen seien The Horrible Crowes nie, sagt er und bestellt einen Chai Latte. Die Songs seien in ihrer Hoffnungslosigkeit eben nur nichts für The Gaslight Anthem gewesen. Den wahren Unterschied sieht er aber nicht allein im Licht und Dunkel, sondern in seinen entsprechenden Texten. „Da ist viel ’Wir’ in Gaslight Anthem, es geht um und an ein Publikum“, erklärt Fallon. „Auf ’Elsie’ dauert es länger, die Geschichten zu erzählen. Es handelt von um ein Dazwischen von zwei Menschen, da gibt es keine großen Statements.“

Elsie übrigens ist kein Name eines bestimmten Mädchens. Elsie stehe stellvertretend für all die schlechten Beziehungen, durch die ein Kerl geht, wenn er jung ist. Als richtiges Soloalbum indes will Fallon „Elsie“ nicht verstanden wissen. Alleine losziehen würde er erst dann, wenn The Gaslight Anthem sich irgendwann mal trennen sollten, dann aber „mit großer Band und Pianos und Orgeln und allem Drum und Dran“. Und das dürfte noch ein bisschen dauern, schließlich hat Fallon mit seiner Band noch Großes vor. Ihr viertes Album ist langsam in der Mache - im Dezember geht es ins Studio - und soll mehr als nur die Bestandsverwaltung des Vorgängers ’American Slang’ werden. Wieder etwas Ganzes, so wie ’The `59 Sound’ ein in sich geschlossenes Album war. Und der eingeschlagene Weg soll damit weitergehen: „Klar wollen wir in Stadien spielen“, gibt Fallon zu und schwärmt von der Bodenständigkeit eines Bruce Springsteen, eines Dave Grohl und eines Eddie Vedder. „Wir wollen aber die netteste Band sein, die das jemals geschafft haben wird.“ Mit Jeans und T-Shirt, ohne Feuerwerk und maßgeschneiderte Anzüge und Arroganz. „Ich hasse das“, sagt der Mann, in dessen Liedern von Hass so gar keine Spur ist. „So möchte ich nicht sein.“ Text: Fabian Soethof Heimat: thehorriblecrowes.blogspot.com


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AUF ACHSE

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auf achse...

Text: Christine Stiller Fotos: Mario Krenz, Torben Priemer

im Wunderland Mit Torben und Lars

Love, Peace & Roskilde. Jack Daniel’s hatte uns zum legendären dänischen Festival eingeladen und 50 von euch durften mit. Unsere neuen Freunde Lars und Torben haben im Vorfeld der Reise ihre Hausaufgaben besonders gut gemacht und sich so einigen Schabernack einfallen lassen. Gemeinsam mit ihnen haben wir das Kultfestival erkundet.

Das Highlight der Anreise: die Überfahrt nach Dänemark mit der Fähre. Das Gegenteil von Spass jedoch: das miese Wetter.

VIP-Camping für unsere Reisegruppe: Statt Zeltaufbau im Regen erwartet sie einer dieser komfortablen Camper-Träume in knallorangem Polyester.

Zu diesem Zeitpunkt ahnen die Mitreisenden noch nicht, welchem schweren Hygiene-Schicksal sie dadurch entrinnen. Am letzten Festivaltag hat man auf den regulären Zeltplätzen gewiss mit Ratten und Mäusen gefrühstückt.

...die laut Protokoll in einem roten Ganzkörperanzug stattfinden muss und sich unter den Roskilde-Besuchern ausgesprochener Beliebtheit erfreut.

Deshalb schafften es die Jungs beim ersten grossen Headliner des Festivals auch nur in die hinteren Reihen der Orange Stage. Aber Iron Maiden sind wohl auch eher was für die Jüngeren...

Deshalb: Stösschen auf den Luxusschlafplatz und dann planen unsere Freunde Lars und Torben auch schon ihre erste Roskilde-Aktion: „Free Hugs für alle“...

...und Roskildes rüstige Rentner. Dieses Exemplar spielt ganz offensichtlich immer noch - seit dem Gründungsjahr des Festivals anno 1971.


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Sportlich wird es auch, als wir Parkway Drive an ihrem Tourbus zu einer Runde Twister einladen. Da Basser Jia O’Connor mit seinem gebrochenen Fuss nicht mitmachen kann, spielt er zur Entschädigung lieber eine Runde Gummitwist. Australier halt.

...vor allem Nahrungsmittel. Jeder der unzähligen Stände ist verpflichtet, wenigstens ein vegetarisches Gericht anzubieten.

Von den insgesamt 30.000 unbezahlten Mitarbeitern auf dem Roskilde, sehen mindestens 29.999 aus wie Models Auch mit Müllsack.

AUF ACHSE

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Nach dem Auftritt fangen wir Torsten von den Beatsteaks ab und erkunden mit ihm das Gelände. Tattoos vs. T-Shirts - hier gibt es alles...

Das hält Lars und Torben aber nicht davon ab, ihre ungeteilte Aufmerksamkeit der Forstwirtschaft zu widmen und einen neuen Roskildewald zu pflanzen. So tragen sie den Gutmensch-Gedanken des Festivals stellvertretend für uns alle weiter.

Danke an Jack Daniel’s und das Roskilde-Team von der gesamten unclesally*s Reisegruppe.


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MUSIK STORIES

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Cant

Musikalische Anleitung zum Erwachsenwerden und Träumen...

Mit der New Yorker Formation Grizzly Bear hebt der Sänger, Komponist und Produzent Chris Taylor die Grenzen zwischen klassischem Songwriting und abstrakter Elektronik auf. Seine Produktionen für andere Künstler wie Jamie Lidell gelten als visionär und außergewöhnlich. Nun hat er unter dem Namen Cant seine ureigene Version von elektronisch infiziertem Kammerpop entworfen und veröffentlicht sein Debütalbum ’Dreams Come True’. Allerdings hört er die Bezeichnung „Soloprojekt“ nicht besonders gerne. Immerhin hat der Multi-Instrumentalist eigens für Cant eine Band formiert und wird nicht müde, zu betonen, wie wichtig diese für den Schaffensprozess war - neben George Lewis Jr. alias Twin Shadow, versteht sich, dem anderen Mitstreiter am Cant-Debüt. Dennoch: „Nach sieben Jahren mit anderen Bands hatte ich das Gefühl, mich selber finden zu müssen.“ Das sei aber nicht der Grund dafür, dass das Debüt ’Dreams Come True’ heißt. Der Titel impliziere vielmehr eine ge-

wisse Zweideutigkeit: „Er hat zwar eine sehr positive Grundaussage, aber wenn du wirklich am Boden bist und dich jemand damit konfrontiert, kann es auch ein Schlag ins Gesicht sein. Es geht eher um die Frage, wie wir mit Träumen umgehen und fasst zusammen, was mich im Moment in meinem Leben beschäftigt.“ Dazu zählt auch der Prozess des Erwachsenwerdens: „In meinem Alter verblasst der Optimismus der Kindheit allmählich und wird überschattet von existentiellen Fragen und Ängsten, die einen davon abhalten können, das zu tun, wovon man immer geträumt hat. Wie schrecklich wäre es, nicht wenigstens einen Teil von dem auszuleben, was in uns steckt?“ Und wie gut, wenn man’s tut! Text: Stephanie Johne Heimat: terriblerecordsus.com

Katzenjammer

Die machen, was sie wollen

Wenn sich Marianne Sveen mal nicht gut fühlt, geht sie mit weißer Afro-Perücke auf die Bühne. „Ich trage sie immer, wenn ich schlechte Laune habe“, sagt sie im Interview. So richtig vorstellen kann man sich allerdings nicht, dass die vier Sängerinnen mal miese Laune haben. Denn wo auch immer man das Quartett aus Oslo hört oder sieht - es ist eine ausgelassene Party im Gang. „Jede darf tun, was sie will“, sagt Sveen. Kein Wunder, dass Katzenjammer-Konzerte zugleich schillernde Happenings und zirkusartige Kunstprojekte sind. „Ich glaube, das ist es, was unseren Fans so gefällt“, sagt Anne Marit Bergheim. „Sie fühlen sich wie in einer anderen Welt und können eine Zeit lang alles andere vergessen.“ Diese Welt, die sich auch beim Anhören des zweiten Albums ’A Kiss Before You Go’ auftut, klingt nach Jahrmarkt, Straßenmusik und Seemännern, nach Polka, Rock und Pop. Der Sound der Power-Girls ist nicht nur wegen der rund 30 verwendeten Instru-

mente schwer einzuordnen - sondern auch deshalb, weil sie sich vom Cartoon bis zu Walt Disney-Filmen stark an Visuellem orientieren. Wenn die Girls, die eigentlich lieber Hunde mögen, dann auch noch ungestüm wie Katzenkinder über die Bühne tollen, kann man sich schon mal fürchten. „Ich glaube schon, dass manche Jungs Angst vor uns haben“, überlegt Bergheim. Beim gleichen Geschlecht kommt die selbstbewusste Mischung aus feminin und maskulin, die Katzenjammer ausstrahlen, umso besser an. So rief in Norwegen ein Mädchen mitten in den A-CapellaSong ’God’s Great Dust Storm’ hinein: „Wenn ich mit einer Frau schlafen würde, wäre es Marianne!“ Verdenken kann man es ihr nicht. Text: Silvia Weber Foto: Erik Weiss Heimat: katzenjammer.no

Ganglians

Cool, ohne cool zu sein

Von Beginn an versuchten die Ganglians, ihre Nische zu finden: Kramten dafür tief in der Kiste der populären Musik und scheinen mit ihrem dritten Album ’Still Living’ endlich fündig geworden. Ryan Grubbs ist ein ausgesprochen freundlicher Mensch, kann sich im Gespräch kaum einen Scherz verkneifen und sogar über sich selbst lachen: „Ich muss oft lesen, dass wir eine total durchgeknallte Band aus Sacramento seien und man uns keinem Genre zuordnen könne“, berichtet er mit leichtem Grinsen. „Um ehrlich zu sein: Das ist ziemlicher Blödsinn, weil wir einen sehr traditionellen Sound besitzen, der alles andere als ’out of space’ ist.“ Mag stimmen und doch wirft ihr neues Werk ’Still Living’ eine altbekannte Frage auf: Warum klingt eine Band, deren Musiker jung genug sind, um die Kinder ihrer musikalischen Vorbilder zu sein, so „rückwärtsgewandt“ und doch zugleich sehr, sehr eigen? „Solche Sachen fragen sich nur Musiknerds. Die Leute

auf unseren Konzerten wollen einfach eine gute Zeit haben - that’s it“, folgt die Antwort und erklärt nicht, warum ’Still Living’ einmal mehr Blaupausen der Vergangenheit entwirft; wilden Slacker Rock, ruhigen Wave und atmosphärischen Chill Out präsentiert - eines hingegen kann Grubbs problemlos zugeben: Nämlich, dass die neuen Songs dem Hörer vor allem Spaß bereiten sollen. „Düstere Platten können wir im Alter immer noch machen - jetzt sorgen wir erst mal auf unsere Weise für gute Laune“, bietet der Sänger der Ganglians an und lädt damit ein, auf dem Hügel zu verweilen, auf dem es sich die Jungs in den vergangenen drei Jahren so gemütlich eingerichtet haben. Text: Marcus Willfroth Foto: Jan Rasmus Voss Heimat:myspace.com/ganglians


The Drums

Die Stadtneurotiker Als The Drums im Sommer 2009 zu ’Let’s Go Surfing’ pfeifend über den dunklen Strand liefen, fanden die Blogs ihre neuen Lieblinge. Die Kritiker waren begeistert endlich wieder catchy Songs mit Herzschmerz und dem gerade noch aushaltbaren Hauch an narzisstischer Melancholie zu hören. Darüber hinaus wirkte die Sechzigerjahre-Preppy-Boy-Inszenierung als puristische Linie, wie die begrüßenswerte Antithese auf die geschmacklosen Turnschuhe-Träger des New Rave. The Drums klangen ein bisschen wie The Smiths. Sänger Jonathan Pierce tanzte ausladend affektiert, irgendwas zwischen Ian Curtis und eben auch Morrissey. Mal wieder was Neues nach den betont cool und lässigen Bands wie The Strokes, Mando Diao und Konsorten. Mit ’Portamento’ melden sich die stilsicheren Wahl-New Yorker zurück und müssen mutig sein, denn der Hype des ersten Albums hat die Erwartungen hochgeschraubt. Gitarrist Adam Kessler hielt den immensen Belastungen dieser aufstrebenden Band nicht mehr stand. Fortan treten The Drums als Trio in Erscheinung, live werden sie von Aushilfs-Musikern unterstützt. „Adam war mehr der Typ für eine Freundin und zum Holzschnitzen. Anfangs, als er uns verließ, dachten wir uns wirklich ’Fuck you, Adam’“, schildert Sänger Jonathan Pierce die schwierige Situation. Schaut dabei immer zu seinem besten Freund und Gitarristen Jacob Graham, nur um sich zu versichern. So, wie es Ehepaare machen, wenn nur einer für beide spricht. ’Portamento’ ist das persönlichste Album der Drums. Waren die ’Summertime!’-EP und das Debüt noch cineastische Kollagen metaphorischer Geschichten, verdichtet sich der Nachfolger zum intimsten Tagebuch. „I need a doctor“, ruft Jonathan Pierce im gleichnamigen Stück.

Nein, mittlerweile brauche er aber keinen Doktor mehr. „Ich brauche eine Therapie“, stellt er richtig. Gegen oder für was, das will er nicht sagen. Er wirkt erschöpft und leer, orientierungslos und abgeschnitten. Das Tourleben sei sehr hart. „Deine Freunde lernen, ohne dich klarzukommen und wenn Du dann mal wieder zuhause vor ihrer Tür stehst, merkst du erst, wie fremd ihr euch geworden seid.“ Um ihn an sich zu erinnern, hat Pierces beste Freundin seinen linken Daumen grün lackiert. Immer wenn er dort hinschaut, muss er an sie denken. Das macht es nicht ganz so schwer. Das ganze Album strotzt vor unerfüllter Liebe, aussichtslosem Sehnen und dem Gefühl, aus den eigenen Fehlern nicht zu lernen. Es ist wie eine Neu-Instrumentierung zu Woody Allens ’Der Stadtneurotiker’ im Gewand nostalgischer Pop-Musik. Pierce und Graham schätzen den Regisseur sehr. Die Eröffnungsszene in ’Manhattan’ unterlegt durch Gershwins ’Rhapsody In Blue’ sei die beste Beschreibung von New York, die es jemals gab. Na bitte. Stadtneurotiker! Text: Frédéric Schwilden Heimat: thedrums.com


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Theophilus London Air Jordans, Hipster und Sex

Einen komischen Namen hat der Kerl ja: Theophilus London. Der Musiker, den man bisher fast mehr in Mode- und Lifestylemagazinen sehen konnte als in Musikmedien. Einen komischen Klamottengeschmack hat er nämlich auch. Dabei klingt die Musik des Rappers, der nicht aussieht wie ein Rapper, alles andere als komisch. Sie trifft den Nerv der Zeit (ja, mal wieder so einer) wie kaum ein anderer. Wenn nicht komisch, was dann? „Gut“ dürfte ein passenderes Adjektiv sein. Dabei bietet Theophilus London genug Angriffsfläche für potenzielle „Hipster! Hipster!“-Rufe. Seine Kleidung fällt natürlich als erstes ins Auge: Skinny Jeans, alberner Schmuck, Jeanshemd, Jackett und Boots sind extravagant aufeinander abgestimmt und wehe, die Sonnenbrille fehlt. Doch auch die Instrumentals des Musikers aus Brooklyn sind alles andere als gewöhnlich. „Alternative“ könnte man seine Musik nennen, wäre der Begriff nicht so ausgelutscht. „HipHop“ ginge auch, aber dann machen die Rap-Puristen Kleinholz aus mir. Weder er noch seine Musik sind leicht zu kategorisieren. Einflüsse aus Synthie-Pop und R’n’B, wilde Ausreißer in Soul oder aktuellen Elektro, der in Trinidad geborene Herr London gibt nicht viel auf Genregrenzen. Dennoch atmen seine aktuellen Releases vor allem klanglich den Geist der Achtzigerjahre, nicht nur auf Rap bezogen. Laute Bassdrums fehlen ebenso wenig wie billige Synthies und furchterregend kitschige Chimes. Nur, dass Theophilus um einiges besser rappen kann als seine Vorbilder von damals und sich (noch) keine „Keytar“ umhängt. Auf Beats, die irgendwo zwischen Hudson Mohawke, Kraftwerk, Depeche Mode und a-ha einzuordnen sind, rappt und

singt Theophilus London eigenen Angaben nach über „sex, boy-girl romance, love and loss in the digital age, sex, air travel, chocolate, sex“ und „appropriate footwear selection“. Wer in den Pressetext seines Albums seine Lieblingsschuhe und -hosen reinschreibt (es sind übrigens Air Jordan IIIs und Levi’s), zeigt, wo es langgeht. Materialistisch, jung, sexuell aktiv. Wenn da mal nicht irgendwo ein Opi empört auf den Tisch haut.

sie nicht alle ekelhafterweise nennt, auch vor 25 Jahren schon, sonst wäre die Musik von Theophilus London nicht so eine bewusste Mischung aus den Achtzigern und Jetzt, aus schmierig und aggressiv, aus Pop und allem anderen. Höchstens der junge und ebenfalls singfreudige Kid Cudi schafft derzeit mit seinem Sound etwas Ähnliches, zwar verkiffter, aber durchaus gleichwertig polarisierend.

Aber solche Themen haben schon immer funktioniert, gerade wenn dazu getanzt werden soll. Und tanzbar ist ein Großteil der musikalischen Ergüsse des Newcomers. Das erste offizielle Album ’Timez Are Weird These Days’ ist nicht nur eine Scheibe für hippe (ja, hippe!) Boutiquen, Szenelokals und winzige Clubs mit 15-Euro-Longdrinks. Das Album spiegelt, ähnlich wie sein Mixtape-Vorgänger ’Theophilus London’, umfassend die Stimmung einer riesigen emotionalen und feierfreudigen Generation wider. Den Sound fühlen Businesstypen Mitte Zwanzig auf der Afterwork-Party genauso wie jugendliche Nachahmer der britischen Serie ’Skins’, wenn sie das erste Mal Substanzen ausprobieren, die man besser unausprobiert lässt. Und den Sound fühlten die Kids und Teens und Twens, und wie man

Bevor mir jemand zuvorkommt: Ja, das ist Musik für ’American Apparel’, für Viva-Werbeeinblendungen und für seltsam aussehende Menschen in Prenzlauer Berg und Sternschanze. Für verwackelte Videos mit Sepiafilter, Jungs mit Seitenscheitel und T-Shirts mit V-Ausschnitt. Das ist hier und da sogar Musik für die „Das Beste aus den Achtzigern, Neunzigern und die heißesten Hits von heute“-Sender auf Irgendwas-kommaNull. Aber wenn man alldem gar keine Beachtung schenkt, kriegt man mit, dass das ja sogar Musik für einen selbst ist. Musik, die gefällt. Gut eben. Text: Axel Genz Foto: Jonathan Mannion Heimat: theophiluslondon.net Empfohlen von: splash-mag.com


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e in Erfüllung Leben nicht alle Wünsch im ss da iß, we , so besser, ist re Wer älter als sechs Jah sich rechtzeitig noch einen Traumjob angelt. Um ar t’ verHe e n Th ma Of Mit ’Junk t. er gehen. Gut, wenn ssi ere int en ch ns t 2006 sind dere Me wenn das auch noch ans dieser Tage ihr dr ittes Album. Seit dem Debü rzehnten geöffentlichen The Kook re vergangen. Was anderen Bands erst in Jah ngs in einem gerade einmal fünf Jah s Br ighton mit ihren poppig-süßen Indie-So oße Hallen, -Erfolg, gr lingt, haben die Jungs au geschafft: Mainstream da mal anzuecken, so m au itr Ze n rze ku ßig um hier und verhältnismä klingt nach d genügend Potenzial berühmte Festivals unse auch ein bisschen Spaß mit ihnen hat. Das .. ie. es dass die br itische Pr Darf man neidisch sein? Unbedingt. Irgendw einer echten Karriere.

t: frage, wie Luke erklär Eine reine Geschmacks ufte-A mit Liv en wie oss wir gen en ers en hab seiner Alt „Unsere ersten beiden Alb Während die meisten mit ’Junk ihrem metaphorischen len versucht und uns nun pie zus ein n me nah ler weile sicher fest an öglichehr sm erw tion Feu tt duk sta Pro en und ben The Heart’ neuen kreativ Of Schreibtischschicksal kle nig t. Wir we r and ew vie zug nur n tagtäglich Instrumenten autos oder Raumkapsel lebt keiten, Sounds und wie Daft Punk, Air, MGMT en, seh en inn von e nds inspirierende Bürowänd en ließen uns von Ba ieren und wollten Pritchard einen typisch D Soundsystem inspir LC und Kooks-Frontmann Luke e ein en Produziert und ndet er mit Fre Klang für die Platte.“ Jugendtraum. 2004 grü Jah- einen modernen gänger, ben Vor sie den N bei IH die die , on nde sch Band und so sind die Wä Sommertag umgeben, wurde das Album, wie Angeles s Lo „In . ffer uen erikaner Tony Ho re später an diesem gra The People Londoner von dem Am ter im Fos tels nd Ho Ba re’der Go mit e t haben wir viel Zei die des schicken ’Th Mark (Foster) hat uns eiden Lockenkopf während bracht. Ihr Frontmann ver Stadtteil Kensington. Um bei um Alb für die Zukunft en de zum neu das uns nun hof fentlich der ersten Interviewrun a im so- niges gelehrt, wird. Doch rm sen nfi las tte n Pla che ne tau sei ein ie ihn weiter in die Mater Laune zu halten, hat Die auch die rt. um rtie Alb e qua ein neu “ das d Room r Spielereien sollte genannten „Judy Garlan keit, hat aber trotz alle nsportieren. Wir ich tra tte nnl Mä Pla vor ten ers ade r ere ger rt ser strotzt nicht gt Stimmung uns eiten mal wieder angehö bieten. Auf Nachfrage zei haben sie uns nach Ewigk so einige Gimmicks zu unmit en , geg uhe hin Sch wo n en, nde en, glitzer itives Strahl Luke bereitwillig die rot m und sie hat so ein pos etwas düsterer, ernsthafter, l in Anlehnung an den Fil um eher Alb s eite zw ser denen das Hotelpersona sch ist. Wir hof fen, dass sich einen kleinen Beistellti niger lebhaft geworden we ’Der Zauberer von Oz’ der sich zt tte zurück erinset nn ert hat. Da das Gefühl der ersten Pla neben dem Bett dekori polsterte die Leute an sik.“ Mu l-ge e hel neu e, für sch t odi Zei e altm toll 26-Jährige auf eine - nern, das war eine Him iten bre em ein ber von Récamière, die gegenü goldverziertem Kopfende melbett mit aufwendig ch die braunen Locken. Die Goldenen (drei) Jahre dur steht. Luke streicht sich rzrze Jeans, einen schwa Er trägt eine enge schwa breiten Bündchen und 4 und 2006 mit kurze Zeit zwischen 200 er lov weiß melierten Pul o Park, en- Luke spricht die xïm ung Ma ie-J wie Ind ds te fek Ban per he das an, als junge, britisc und braune Schnürschuhe e and ett din ldk Fer Go nz te Fra zar blitzt eine The Futureheads, Outfit. An seinem Hals en kollektiv ossen. Bloc Party, alb chl büt ges De auf en und ihr t mit aun ys gel nke her vor. Luke wirkt gut ge- die Arctic Mo sse und überfüllte Indieer ein paar leicht schief großes mediales Intere für Wenn er lacht, entblößt für diese ben eile urt mit allen Vor Heute ist die Begeisterung stellte Zähne. Intuitiv und ser Discos sorgten. tchard und die Pri ger bei h Sän auc – vom nz aut efl oga abg lastet hätte man mehr Arr ge- Bands erheblich Monkeys, die etwa zur ht. Luke wirkt nicht ein So sind etwa die Arctic . Co Band erwartet. Zu Unrec ht nic lobtes Debüt irrt selbstbewusst. Er t wie die Kooks ihr hochge bildet, eher angenehm dern gleichen Zei at I’m Not’ son Wh , at’s her Th um , r me Am I Zim im ’Whatever People Say unsicher mit dem Blick gen öffentliche Ge die st nes äch sei t zun genkontak und damit sucht stets gezielt den Au er dabei von der neuen veröffentlichten, nten, „zur kon tet für sich verbuchen übers. Euphorisch berich Kollegen Hugh Harris Aufmerksamkeit Sie haen. ord gew and e-B ne verdammten Josh Homm endet. Platte, auf der er und sei e ew est zug neu und das -So n (Bass) und dem Americana (Gitarre), Peter Dento mit ben sich mehr verbunden. ch ug) alis gze sik hla mu (Sc en st ihn rga h nde mic Früher fühlte ich Sie Bandmitglied Chris Pre unterschiedlicher sein. hen haben. Jetzt könnten wir nicht wie ihren alten Regeln gebroc so , len pie zus gs live ein versuchen nun, die Son tracks ’Inside In/Inside Out’ taten, als sie ihre Album büt on De sch em als ihr auf dam es wie wir sich ttet Statt spo so , st en“ son hab en t ihn setz von nk’ dem Computer zusammenge am erÜb oder dem Nachfolger ’Ko zu ten me letz har die Rock ’n’ Roll-C Frage, ob The Kooks da die hoch gepriesenen rohen en, ont Luke. Auf die sei riz Ho elle n ie-W ene eig Ind den hen nun britisc unterwerfen, ließen sie rn. lebenden dieser mputertechnik erweite von Synthesizern und Co


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t s b l e s h c i d e Betr端g

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Gemeinsam mit Kumpel Miles Kane (ehemals The Rascals) veröffentlicht er 2008 „The Age Of The Understatement“, das Debüt ihrer Last Shadow Puppets.

Bloc Party

... und es begab sich zu der Zeit, dass The Strokes in England erfolgreicher waren als daheim in New York, und junge UK-Bands ihnen nacheiferten. Die Indie-Disco etablierte gepflegtes Slackertum, schöne Mädchen und Jungs, die plötzlich wieder Lederschuhe trugen. Den Soundtrack lieferten zu Beginn des neuen Jahrtausends eine ganzen Reihe von Debütanten aus UK. Neben The Kooks auch Franz Ferdinand, Arctic Monkeys, Bloc Party und Maximo Park. Inzwischen regieren längst andere die Tanzflächen und sind der Soundtrack für die Hipster, die im Morgengrauen aus den Clubs stolpern. Aber was machen eigentlich...

gefeierten Bands jener Zeit momentan nicht mehr viel (Interessantes) von sich hören lassen, antwortet er lachend: „Wir sind auf jeden Fall eine der überlebenden Bands. Aber ich denke, der Grund ist: Wir haben uns weiterentwickelt und uns viel Zeit für die dritte Platte genommen. Noch kann ich nicht sagen, wie sie bei den Leuten ankommen wird. Wie wir aber bei unseren letzten Konzerten und den Festivals spüren durften, wissen die Fans unsere Musik nach wie vor zu schätzen, auch die alten Songs.“ Die „alten“ Kooks-Songs, das sind beispielsweise ’Eddie’s Gun’, ’You Don’t Love Me’, ’Sofa Song’, ’Naïve’, ’She Moves in Her Own Way’ und ’Ooh La’ - alles bekannte Singles ihres erfolgreichen Debütalbums, die melodisch enorm eingängig und textlich, nun ja, eher simpel gehalten sind. „And I will do my best, just to get under her dress...“, heißt es da im ’Sofa Song’, während ’Eddie’s Gun’ eine humorvolle Abhandlung zum Thema Potenzstörungen darstellt, von den britischen Medien aber gern und gierig als Liebeslied über Lukes Verflossene, die Sängerin Katie Melua interpretiert wurde. Die Texte der neuen Platte erscheinen weniger bildlich, wer sich allerdings intellektuell stimulieren lassen möchte, der lese lieber ein Buch, statt Passagen wie „I wanna make you happy/ Are you a good girl through the night“ oder „Taking pictures of you/ Such a wonderful thing to do“, was nun wirklich bei niemandem weiche Knie verursachen dürfte, allzu viel Bedeutung beizumessen. Doch sind Worte nicht zweitrangig, wenn es um eingängige Pop-Songs geht? Lukes wunder Punkt ist nach wie vor die Kritik anderer Bands und Journalisten, The Kooks zielten zu sehr auf kommerzielle Mainstream-Erfolge ab. Dennoch ist das neue Album gefüllt mit gewohnt melodiösen Indie-Pop-Stücken, die es allerdings rein objektiv gesehen nicht leicht haben werden, im Radio gegen ihre Vorgänger zu bestehen. Dafür kommen beispielsweise bei ’Time Above The Earth’ ordentlich Streicher und im Song ’Runaway’ ein paar synthetische Beats und Chorgesänge zum Einsatz. Luke selbst bezeichnet die musi-

Arctic Monkeys

Arctic Monkeys

Ihr Debütalbum „Silent Alarm“ erscheint 2005. Und das ist auch heute, nach „A Weekend In The City“ (2007) und „Intimacy“ (2008) nicht vergessen. Wer schon einmal in der Indie-Disco gestrandet ist, kann unmöglich an den Hitsingles „Helicopter“ und „Banquet“ vorbeigetanzt sein. Alles läuft gut, bis es 2009 (auch offiziell) in der Kapelle kriselt. Eine Pause wird eingelegt. Sänger Kele Okereke arbeitet an Bloc Party

Für Bassist Andy Nicholson ist der Indie-Traum bereits kurz nach der Veröffentlichung ihres gefeierten Debütalbums „Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not“ 2006 vorbei: Er verlässt die Band und wird durch Nick O’Malley ersetzt. Die Arctic Monkeys versuchen daraufhin, ihren Erstlingserfolg zu toppen. Erst mit Hilfe von James Ford (Simian Mobile Disco), dann wird Josh Homme von den Queens Of The Stone Age in die Produzentenkabine beordert. Erreicht haben die Herren ihr Ziel mit dem vierten Album „Suck It And See“ allerdings noch nicht. Im Gegenteil… Einen Soloausflug gönnt sich Sänger Alex Turner.

kalische Umorientierung als eine Art Heuchelei sich selbst gegenüber. Die Band habe sich die Erlaubnis erteilt, ihren Sound so zu verändern, wie es ihnen fünf Jahre zuvor nie in den Sinn gekommen wäre. Sich selbst öfter einmal untreu zu werden, gehört wohl zum Leben dazu.

Seelenmüll Auch wenn seit der Gründung 2004 nicht allzu viel Zeit vergangen ist, hat Luke, der im Übrigen auch mal mit der Schauspielerin Mischa Barton zusammen war, in dieser kurzen Lebensphase die Höhen und Tiefen einer Bandkarriere wie im Zeitraffer durchlebt. Drei Monate nachdem er und seine Freunde sich in ihrer Studienzeit am Brighton Institute of Modern Music zu den Kooks formieren, winkt schon eine große Plattenfirma mit dem Vertrag. Während die Arctic Monkeys 2006 für ihr Debüt bejubelt werden, müssen sich The Kooks zunächst nur mit Platz Zwei begnügen und dürfen sich bis heute nicht gerade als Lieblinge der Kritiker und selbst-erklärten Musikbesserwisser bezeichnen. Die Mädchen aber lieben sie. Und so füllen The Kooks nach und nach immer größere Konzertsäle und werden im kommenden November beispielsweise erneut vor sehr vielen jungen Menschen, deren Erziehungsberechtigten und all den anderen Fans, die sie über die Zeit für sich gewinnen konnten, in der Berliner Columbiahalle spielen. Auf solch einer großen Bühne kommen die meisten Bands nie an. Doch gab es zwischenzeitlich auch Momente, in denen fraglich schien, dass die Kooks bis zum heutigen Tag überhaupt noch existieren würden. Lediglich Luke und Gitarrist Hugh Harris sind seit dem Gründungsjahr mit von der Partie. Gesundheitliche Schwierigkeiten haben Bassist Max Rafferty im Jahr 2008 (Drogen) und Drummer Paul Garred 2009 (ein neurologisches Problem mit seinem Arm) den Job gekostet. Ersatz musste her und wurde in Peter Denton (Bass) und Schlagzeuger Chris Prendergast gefunden - vorerst zumindest.

Gab es eine Zeit, in der du am liebsten alles hingeworfen hättest? Luke: Ich hatte oft das Verlangen, meine Koffer zu packen und nach, was weiß ich, Indien abzuhauen. Du hast definitiv diese Gedanken, besonders, wenn du dich von Menschen im Stich gelassen fühlst, sei es von Max, der sich mit Feiern und Drogen so ausgehebelt hat, dass er nicht mehr fähig war, in der Band zu spielen, oder aber dem armen Paul, der unverschuldet aus gesundheitlichen Gründen aussteigen musste. Das ist besonders traurig, wir sind nach wie vor die besten Freunde. Doch all diese Hürden gilt es zu überwinden, wenn es die Sache wert ist. Wenn man in Freundschaft als Band angefangen hat, ist es sicher schwer, sich neu zu orientieren... Luke: Ich sehe das nicht so (klingt plötzlich leicht gereizt). Die Leute müssen Bands immerzu irgendwelche Regeln auferlegen. Ich finde das scheiße, Bands in Schubladen zu stecken und auch noch Genres drauf zu kritzeln. Die Vergangenheit hat uns doch einiges gelehrt: Bands wie die Rolling Stones haben viele Veränderungen durchgemacht. Oder Neil Young, der in einigen Bands gespielt hat, bevor er erst zu „DEM“ Neil Young wurde. Alles, was die Sache lebendig hält, ist gesund. Trotzdem braucht eine Band so etwas wie eine Hauptperson. Mick Jagger und Keith Richards sind ja zum Beispiel nach wie vor dabei. Luke: (stammelt ein wenig verunsichert) Das stimmt natürlich... Ich würde nicht wollen, dass The Kooks ohne mich weiter machen (lacht). Inwieweit hat dein Traumjob dein Leben einfacher und in welcher Hinsicht komplizierter gemacht? Luke: Das ist ja viel mehr als nur ein Job. Ich liebe es. Wir haben in fünf Jahren erlebt, was andere in 20 nicht schaffen. Wir sind eine der wenigen Bands aus England, die fast überall auf der Welt Fans zu den Konzerten locken. Diesen Lebensstil zu führen und seine kreative Arbeit einem Publikum präsentieren zu


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Franz Ferdinand

Frsnz Ferdinand einem Soloprojekt. Sein erstes Album „The Boxer“ erscheint im Sommer 2010. Gitarrist Russell Lissack veröffentlicht bereits im Frühjahr desselben Jahres das Debüt seines Elektro-Projekts Pin Me Down, in dem er gemeinsam mit Sängerin Milena Mepris als Duo tätig ist. Bassist Gordon Moakes findet sein Plätzchen in der Post-Hardcore-Formation Young Legionnaire, die mit „Crisis Works“ im Frühling 2011 ihre erste Platte veröffentlicht. Schlagzeuger Matt Tong ist derweil nicht untätig, lässt ein paar Solostücke via SoundCloud hören. Totgeglaubte leben länger. Die Pause auf unbestimmte Zeit ist im Endeffekt recht kurz ausgefallen. Mit einem neuen, mittlerweile vierten Bloc-Party-Album wird möglicherweise schon Ende 2011 gerechnet.

können, ist so cool. Auf der Bühne fühle ich mich sowieso am wohlsten. Bist du vor einem Auftritt nicht mehr nervös? Luke: (lacht ein bisschen verlegen) Nein, da fühle ich mich tatsächlich sehr gut. Du wirkst in der Tat sehr selbstbewusst. Was verunsichert dich denn? Luke: Ja, also, auf eine Art... Ich bin wirklich sehr selbstbewusst und mag es nicht, mich in Unsicherheiten hinein zu steigern. Meine persönliche Überzeugung und Philosophie ist es, dass man wirklich versuchen muss, diese Dinge nicht an sich heran zu lassen. Es ist sinnlos. Ich nehme viele Dinge, die ich sehe, nicht für bare Münze. Man kreiert sich seine eigene Realität. Ich glaube daran, dass man das, was man haben möchte, in seiner subjektiven Wahrnehmung auch so erleben kann. Ich meine, wer sind die zufriedensten Menschen? Das sind doch die, die sich nicht von möglichen Unsicherheiten irritieren lassen! Diese Einstellung klingt sehr praktisch... Luke: Auf der anderen Seite bin ich nicht die Erleuchtung selbst. Wenn du mein Psychiater wärst, könnte ich dir all meine Unsicherheiten aufzählen. Ich habe natürlich auch Millionen kleiner Sorgen im Hinterkopf. ’Was denken die Leute von mir? Denken sie, ich bin scheiße? Oder meine Musik? Ist die zu kommerziell? Finden sie meine Nase zu groß?’ Das ist doch alles scheiße. Wenn du in diesen Strudel gerätst, hört es nicht mehr auf und du beginnst, dich selbst zu hassen. Also kannst du das abschalten? Luke: Ja, soweit ich es packe. Jeder hat doch diese Probleme, aber die Sache verschlimmert sich definitiv, wenn du bekannt bist. Es gab eine Phase, als ich in Brighton lebte und das Haus nicht mehr verlassen habe! Ich wollte einfach meine Ruhe. Selbst wenn ich wusste, dass mich niemand anstarrte, hatte ich trotzdem immer das Gefühl, die Leute würden über mich reden. Aber das lief alles nur in meinem Kopf ab.

Nicht nur in Sachen Altersweisheit sind Franz Ferdinand ihren Mitstreitern voraus, als sie 2004 mit ihrem Debüt „Franz Ferdinand“ den Anfang machen. Auch in puncto Stil zeigen sich die Schotten am konstantesten und haben ihren TrademarkSound über drei Alben nur noch verfeinert. Musikalische Seitensprünge leistet sich bisher lediglich Gitarrist Nick McCarthy, der zusammen mit seiner Frau unter dem Namen Box Codax und mit Lo-FiSounds die Nerven der Indie-Jünger strapaziert. Alex Kapranos, der in seinem Vorleben als Koch arbeitete, hat seine kulinarischen Erlebnisse, die ihm das Touren durch die Welt beschert, in dem musikalischen Kochbuch „Sound Bites“ zusammengefasst.

TITEL

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xes“ stetig Richtung „Ausgelutscht“. Ihr Drittling „Quicken The Heart“ treibt 2009 kaum noch jemandem Begeisterungstränen in die Augenwinkel. Und während das neue Bloc-Party-Album schon noch mal ganz interessant werden könnte, lässt zumindest der Gedanke an eine neue Platte von Maxïmo Park, die Smith für 2012 ankündigt, wohl nur die wenigsten das Puls-Level wechseln. Auch einige Bandmitglieder dieses fünfköpfigen Ensembles sind solo unterwegs. So liefert Gitarrist Duncan Lloyd 2008 mit „Seeing Double“ ein ordentliches Debüt ab, während Chefchen Smith als Alleinunterhalter auf „Margins“ 2010 dann doch eher klingt, als würde er mit seiner Gitarre in der Badewanne sitzen und ohne jeglichen Anflug von Temperament die blanken Fliesen ansingen.

Maxïmo Park Die Band mit dem ulkigen ï. Maxïmo Park aus dem englischen Nordosten erobern 2005 die Herzen mit ihrem Debüt „A Certain Trigger“. Songs wie „Apply Some Pressure“ nerven heute aber irgendwie nur noch, wenn sie zum gefühlt 5.000.000. Mal im Indie-Radio dudeln. Im Grunde geht es für den charismatischen Sänger Paul Smith und seine Jungs nach dem Erfolg ihrer zweiten Platte „Our Earthly Pleasures“ (2007) und Songs wie „Our Velocity“ und „Books From Bo-

Maxïmo Park

Wann war das? Luke: Nach dem ersten Album. Manchmal saß ich nur mit Freunden im Park und irgendein Typ kam auf mich zu: ’Bist du das Arschloch aus dieser Band...?’ Da vergräbst du dich dann bald in deiner eigenen Welt. Deshalb ist es jetzt auch angenehmer, im anonymen London zu wohnen. Das Leben ändert sich, wenn du eine Single in den Charts hast und die Leute dein Gesicht erkennen. In England sind die Menschen sehr auf Konfrontation aus. Jeder Fremde meint, dich kritisieren zu dürfen. Das nervt.

Wie bist du dem entronnen? Luke: Glücklicherweise habe ich viele gute, alte Freunde, die mir sagten: „Hör auf damit, du bist ein totales Arschloch geworden!“ Andere Kumpels haben sich lange mit mir hingesetzt, mir verständnisvoll zugehört und mit mir darüber geredet. Deshalb ist es immer wichtig, alte Freunde zu haben.

Die Musikszene kann sehr oberflächlich sein. Inwieweit vermisst du da mehr Tiefgang in deinem Leben? Luke: Ich versuche, dieser Welt so gut es geht fernzubleiben. Natürlich bekomme ich viele Einladungen für Mode- und Musikveranstaltungen. Aber ich war nie wirklich ein Teil dieser Szene.

So lang der Weg nicht im Dschungelcamp endet... Luke: (lacht) Nein, nein. Wenn man sich die Leute, die bei so etwas mitmachen, ansieht: Die sind ja für Dinge berühmt geworden, die von vornherein schon scheiße waren.

Wirklich nicht? Luke: Ab und zu, aber ich mag es nicht. Wir bleiben lieber in unserer eigenen Welt. Vielleicht ist es anders, weil wir nicht in London, sondern in Brighton angefangen und daher eine ganz andere Mentalität haben. Natürlich treffen wir auch unsere Freunde in Bands gern mal bei solchen Anlässen oder ich begleite meine Freundin, die in dieser Welt zu Hause ist. Was macht sie denn? Luke: Sie ist Model und bewegt sich daher in der Modeszene. Es ist manchmal nett, diese Seite des Lebens zu sehen. Aber du DARFST all das nicht glauben, sonst drehst du ab. Um ganz ehrlich zu sein (er lehnt sich weiter nach vorn und schlägt bedeutungsvoll die Augen auf), als unser zweites Album veröffentlicht wurde, bin ich tatsächlich schwach geworden und habe den Hype ein bisschen geglaubt. Obgleich wir nie die Lieblinge der Presse waren, kamen doch genug Leute auf mich zu, die mir sagten, wie toll ich sei. Das verdreht dich. Du tendierst dazu, dich selbst abzufeiern, egal, wie lächerlich du dich machst.

Und jetzt bist du darüber hinweg? Luke: Na ja, du weißt, man stolpert vor und zurück (lacht verlegen).

Welche Eigenschaft schätzt du an anderen Menschen am meisten? Luke: Bescheidenheit. Die ist nicht leicht zu finden, besonders nicht bei Männern. Wieso nicht? Luke: Das liegt am Testosteron (lacht). Und was lehrt uns diese Geschichte? Wie in jeder guten Frauenzeitschrift sei auch hier einmal mehr bewiesen, dass Menschen irgendwie nur Menschen sind und jeder seine eigenen Problemzonen fürchtet. Sicher, Leute wie Luke Pritchard haben es spannender getroffen. Am Ende kämpfen aber sogar die besonders Selbstbewussten jeden Tag aufs Neue gegen ihre banalen Unsicherheiten. Glück für den, der dabei nicht von den Medien beobachtet wird. Text: Christine Stiller Heimat: thekooks.com


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PLATTEN/10 GEBOTE

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DIE 10 GEBOTE

Cave In White Silence

dEUS Keep You Close

Grand Griffon Protektor

Oathbreaker Mælstrøm

Primus Green Naugahyde

The Rapture In The Grace Of Your Love

The Sainte Catherines Fire Works

Samiam Trips

St. Vincent Strange Mercy

Thees Uhlmann Thees Uhlmann

(Hydra Head/Indigo) Stilistisch richtig zu fassen waren Cave In nie und auch „White Silence“, ihr erstes Langspiel-Opus nach sechs Jahren, ist unfassbar. Gut. Cave In errechnen aus ihrer Fähigkeit tolle Melodien zu schreiben und dem Willen zur Dekonstruktion, der ihren frühen Alben anzumerken war, einen kleinsten gemeinsamen Nenner und, siehe da, plötzlich lässt sich die seit der Weichspülerphase der Band getrennte Fanschar wieder zusammenaddieren. „White Silence“ bestätigt eindrucksvoll, dass Cave In nur das machen, was Cave In wollen. Das Album rast über Berge von Brachialität in Schluchten tiefer Melodieseligkeit, schlägt musikalische Loopings, läuft im akustischen Closer ruhig aus und verdient den viel zitierten Achterbahnvergleich trotzdem nur teilweise. Denn schlecht kann einem von „White Silence“ auf gar keinen Fall werden. Text: Timo Richard

(DFA/Cooperative/Universal) Vor fünf Jahren war der Aufstieg von The Rapture in die Riege der Großen eigentlich nur Formsache. Doch die Band nahm sich mit Personalrochaden für fünf Jahre selbst aus dem Hamsterrad. Nun überraschen die Hinwendung zum Soul und der Umgang mit musikalischen Versatzstücken: Ein Saxophon und selbst Akkordeons kommen im housigen „Come Back To Me“ zu ihrer respektablen Verwendung abseits jeglicher Musikschulen. Nicht nur mit dem grandiosen Hit „How Deep Is Your Love“ wird der Tanzknüppel geschwungen, dazwischen Soundtüfteleien - selten in den letzten Jahren war handgemacht Elektronisches so aufregend. Das Ende wartet mit der großen, gecroonten Geste und erhabener Bläsersektion in „It Takes Time To Be A Man“ auf. Harmonien scheinen vertraut und „In The Grace Of Your Love“ ist eigentlich eine gängige Phrase im Pop-Universum, trotzdem klingt hier alles eigen. Text: Volker Bernhard

(PIAS/Rough Trade) Mitte der Neunzigerjahre waren dEUS neben Schokolade einer der erfolgreichsten belgischen Exporthits und ihre Alben glichen einer Pralinenschachtel: Man wusste nie, was man kriegt - um mal die Worte von Forrest Gumps Mama zu benutzen. Nach einem regen Bäumchen-wechsel-dich der Bandmitglieder ist der kreative Chaos-Club von einst längst in entspannteren Fahrwassern gelandet. Was nicht heißen soll, Sänger Tom Barman stehe inzwischen einem schnarchigen Altherrenverein vor. Keineswegs. Der Indie-Poprock der Antwerpener ist auch nach zwanzig Jahren noch dezent angeschrägt und bietet genügend Groove, gute Melodien und Ideenreichtum, um das aktuelle dEUS-Lebenszeichen zu einer sehr erfreulichen Angelegenheit zu machen. Doch, ach, waren das noch Zeiten, als man blind in die Pralinenschachtel griff... Text: Nina Töllner

(Big Ugly Fish/Cargo) Schön, dass die letztjährige LP der Sainte Catherines nun auch endlich offiziell bei uns erscheint – und zwar passenderweise auf ’Big Ugly Fish’, dem Label ihrer Soundverwandten und Freunde von Leatherface. Noch schöner wäre es, wenn die Kanadier nach immerhin zwölf Jahren Bandgeschichte mit ihrem vierten Album endlich etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen würden. Auf „Fire Works“ klingt das Sechserpack aus Montreal jedenfalls so eingängig wie nie, und die Produktion ist nicht mehr so rumpelig wie auf dem schon ziemlich gelungenen Vorgänger „Dancing For Decadence“, aber auch keinesfalls glatt. Ausfälle sucht man hier vergebens, und wer es schafft, einen guten Song wie „Chub E & Hank III“ durch einen hymnischen Mitsingpart hinten raus noch so großartig aufzupimpen, muss sich keineswegs hinter größeren Namen wie Hot Water Music oder auch Gaslight Anthem verstecken. Text: Marek Weber

(Zeitstrafe/Cargo) Das Gefühl, wenn du zum allerersten Mal in deinem Leben Fahrrad fährst und dich auf die Fresse packst, vergisst du nie. Genauso fühlen sich die Texte auf „Protektor“ an: wie nacktes Knie auf Asphaltstraßen - brutal ehrlich und intensiv. Ohne kitschig oder abgedroschen zu wirken. Was unzählige Deutsch-Punk Bands in den letzten Monaten und Jahren versuchten, absolvieren Grand Griffon bereits beim Debüt mit Exzellenz. Obwohl bei jener Gruppierung passender Weise eher von deutschem Screamo die Rede sein müsste. Das Lehrgeld, das die beiden ehemaligen Mitglieder von Escapado, Helge (Gesang) und Gunnar (Bass), in ihrer Vorgängerband zahlen mussten, kommt ihnen nun zugute und ist sicher nicht ganz unschuldig an der Perfektion des langerwarteten „Protektor“. Text: Sarah Gulinski

(Hopeless/Soulfood) Sieben Lieder lang fühlt man sich tatsächlich wie auf einem Trip, denn die großen Punkrock-Melancholiker Samiam haben die erste Hälfte von „Trips“ mit Hits gepflastert, denen es an nichts mangelt. Der Opener „80 West“ zieht mit manischer Energie in ein Album, das an die großen Würfe der Bandkarriere anknüpft – auch wenn das, was folgt, oft eher Indieals Punkrock in Reinform ist, mehr They Might Be Giants als Minor Threat. Alles so schön bunt hier. Aber der Trip hält nicht auf Albumlänge, denn Samiam schwächeln im letzten Drittel spürbar, klingen plötzlich nach schmalbrüstigen Foo Fighters und die in den ersten Songs so treffsicheren Hooks verfehlen irgendwie ihr Ziel – das Herz des Hörers. Das ist nach den ersten Songs allerdings so voller Glückseligkeit, dass es diese Fehlschüsse verkraftet. Und dann schmeißt man den Trip(s) eben noch mal neu ein. Text: Richard Solms

(Deathwish/Indigo) Ein Wahnsinnsdebütalbum legen Oathbreaker aus Belgien vor. Ihre selbstbetitelte EP war 2008 bereits überzeugend, aber „Mælstrøm“ ist eine derart ausgereifte Arbeit, wie man sie eher von einer älteren Band erwarten würde. Der Vierer aus Ghent spielt modernen, metallischen Hardcore ähnlich wie Cursed oder Converge (Kurt Ballou hat die Scheibe auch gemischt), ist aber dabei durchaus eigen. Die unheimlich versierte Gitarrenarbeit schreckt auch vor Solofüllern nicht zurück. Interessant ist auch das niederknüppelnde Gesamtkonzept - die Texte sind durch Tarotkarten inspiriert und geben dem ganzen eine düstere, taumelnde Stimmung. Der Knaller ist aber, dass hinter dem brachialen, zornigen Gesang eine Sängerin steht (ja, die Haare auf dem Cover sind ihre!). Dass die nicht nur brüllen kann stellt eindrucksvoll der Albenausklang „Mælstrøm“ unter Beweis, bei dem akustische Gitarren und glockenklarer Gesang zusammenkommen. Text: Hans Vortisch

(4AD/Beggars/Indigo) Inmitten einer Menge verstörter Rock-Fans steht Annie Clark alias St. Vincent und zerschlägt genüsslich eine Gitarre. Das macht sie nicht, um jemanden zu ärgern. Es ist einfach ihre Art, mit einer Gitarre umzugehen. Und wenn ich „zerschlagen“ schreibe, dann meine ich damit nicht „zerstören“, sondern „befreien“. St. Vincent zieht das Instrument raus aus dem Sumpf der Klischees, in dem es feststeckt, und nimmt es mit auf eine Reise, in der es einen neuen Reiz erfährt aber auch Elektronik eine Rolle spielt. „Strange Mercy“ definiert sich dadurch, wie es scheinbar Paradoxes vereint: Gitarren-Riffs, untermalt von Beats und zersetzt von wummernden Bässen und Noise-Collagen. Darüber legt Clark ihren melodieverliebten Gesang, der hier noch das gewöhnlichste ist und doch am meisten Kontraste setzt. Wirklich interessante Alben werden seltener. Dieses gehört zu ihnen. Text: Jan-Niklas Jäger

(ATO/Prawn Songs/Essential/Soulfood) Da sind sie wieder! Nach dem ziemlich durchwachsenen „Antipop“ (1999) hatten Primus irgendwie den Spaß an der Bandroutine verloren und schmissen hin. Umso schöner, dass sie ihn jetzt noch mal wiedergefunden haben – wie man hier deutlich hört. Denn „Green Naugahyde“ ist genau das Album geworden, auf das Primus-Fans elf Jahre lang nicht mehr zu hoffen gewagt hatten. Ein gepflegt durchgeknallter Funk-RockJazz-Hirnkäse-Bastard aus einer ganz finsteren Ecke der Seele, zelebriert von drei Ausnahmemusikern, die dreizehn Songs lang wieder 99% aller Musikschaffenden neidisch lassen werden dürften. Primus sind wohl die einzige Band, die zu kopieren nie jemand versucht hat. Hier hört man wieder, warum. Willkommen zurück, ihr habt gefehlt. Text: Robert Goldbach

(Grand Hotel van Cleef/Indigo) Wo Thees Uhlmann draufsteht, steckt auch Thees Uhlmann drin: Mit Hilfe von alten und neuen Freunden (zum Beispiel Produzent und Gitarrist Tobi Kuhn, Bassist Niko Potthoff, Marcus Wiebusch und Casper) hat der stets lebensfrohe Tomte-Frontmann ein nach ihm benanntes Soloalbum aufgenommen, das mehr US-Bluesrock, mehr Roadmovie und mehr Geschichten über andere Menschen beheimaten soll und doch die unverkennbare Handschrift und Weltsicht Uhlmanns trägt. Der tauscht in seinen Texten hier und da Verklausulierungen gegen eine kindliche Unmittelbarkeit („Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“) und wähnt sich und seine „U Street Band“ zwischen Conor Oberst und Bruce Springsteen. Das Ergebnis klingt leichtfüßiger als Tomte und genauso metapher- und pathosbeladen. Und unter einem kleinen Ego hat der Mann schließlich noch nie leiden müssen. Text: Fabian Soethof


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PLATTEN/OFFENBARUNG

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DIE OFFENBARUNG Cerebral Ballzy Cerebral Ballzy

(Cooking Vinyl/Indigo) Lustige Punk-Uniformen haben Cerebral Ballzy an – und nicht nur das: Die New Yorker haben geschafft, wonach sich Plattenfirmen-Menschen die Hände blutig reiben, wofür jüngere Geschwister töten würden und Vorstadtbands jahrelang erfolglos proben: Sie sind der Inbegriff von cool und schütteln mit ihrem Debütalbum mal eben so eine nicht mal 20-minütige Abrissbirne mit Stil aus dem Ärmel. Wer jetzt noch auf den Hype-Zug aufspringt, ist zwar ein bisschen spät dran, aber trotzdem: Herzlich willkommen. Schön, dass ihr da seid. Die Frage ist: Warum machen Cerebral Ballzy jetzt, was die Bad Brains, Suicidal Tendencies, Black Flag und andere Hardcore-Originale vor 30

Jahren auch schon gemacht haben? Besser: Warum nicht?! Songs über Verweigerung, Schwarzfahren, Skaten, Bier trinken, zu viele Drogen – geht immer. Kein Geschnösel, kein doppelter Boden. Prägnante Texte, minimales Vokabular und Instrumentierung, hohes Tempo. Attitüde zählt hier doppelt, Eitelkeit nichts. Übrigens, Nerdfact: Raymond Pettibon, der Mann, der Sonic Youths „Goo“-Artwork und das Black Flag-Logo gebastelt hat, ist für das „Cerebral Ballzy“-Cover verantwortlich. Mehr Original geht nicht. Versucht das mal nachzumachen... Text: Ina Göritz

1 hoffnungslos ** 2 üben ** 3 bemüht ** 4 egal ** 5 kann man machen ** 6 gut ** 7 vorn dabei ** 8 wichtig ** 9 grandios ** 10 Klassiker Admiral Black Phantasmagoric

(Hazelwood/Rough Trade) Der schwarze Admiral hört eigentlich auf den Namen Shaun Mulrooney, bekannt als Sänger der irischen Punk-Kapelle Humanzi. Mittlerweile in Berlin residierend, verfolgt Mulrooney mit seinem neuen Bandoutfit einen etwas anderen Weg, der ihn als deutlich gereiften Songwriter ausweist. Für die Songs von „Phantasmagoric“ ließ er sich von Krautrock, Psychedelic, britischem Indie-Rock und New Wave inspirieren. Gerade auf „Shock Corridors“ hört man die Kraut-Einflüsse durchaus raus, der Hit „Worm Of The Third Sting“ ist hingegen fast schon hippiesk. Nur modern oder trendy ist hier nichts. Mit seinem ersten Werk positioniert sich der Admiral in unmittelbarer Nachbarschaft von traditionsbewussten Rockbands wie etwa dem Black Rebel Motorcycle Club – und zwar auf Augenhöhe. 7 Text: Robert Goldbach

Anti-Flag Complete Control Sessions #3

(SideOneDummy/Cargo) Ähnlich wie die Kollegen von Scream und den Bouncing Souls sind auch AntiFlag dem Ruf von ’SideOneDummy’-Mitbegründer Joe Sibs gefolgt und haben sich dabei nicht zweimal ins Studio bitten lassen. Solche lockeren Sessions sind ja oft eine ganz vergnügliche Angelegenheit und so haben Anti-Flag mal eben ganz entspannt vier weithin bekannte Covers von The Clash hingerotzt, um dann noch drei ihrer eigenen Klassiker, die jeder Anti-Flag-Fanatic wohl im Schlaf mitsingen kann, noch mal einzuspielen. Das erinnert natürlich schwer an John Peel und seine Sessions, und so ähnlich ist das ganze Projekt von Sib wohl auch geplant. Als echtes Fan-Leckerli werden die „Complete Control Sessions“ nur auf Vinyl und als Download veröffentlicht und in dieser Kombination ist dieses Lebenszeichen von Pat Thetic und seiner Crew ein hübscher kleiner Anheizer für das im kommenden Winter anstehende nächste Album. 7 Text: Tim Kegler

Auletta Make Love Work

(Virgin) Statt das britische Indie-Nationalarchiv zu brandschatzen und deutsche Texte darauf zu pappen, haben die fünf Mainzer sich mit ihrem zweiten Album stilistisch Richtung Deutschland neuorientiert. Das war auch bitter nötig und der

erste Eindruck, die Single „Make Love Work“, ließ Gutes hoffen. Letztendlich aber reihen sich Auletta mit der gleichnamigen Platte ein in den deutschen Weltverbesserer-Pop. Es wird mit tiefgründigen bis platten Texten um sich geschmissen, die noch jeden Hornbrillen-Hipster alt aussehen lassen. Und obwohl man auf der Platte durchaus überzeugende Songs wie den Opener „Gold“ findet, steht man am Ende doch wieder da und denkt: Alles nur nachgemacht. Hier ein bisschen Madsen, dort ein wenig Echt und obendrauf etwas Clueso. Auletta haben Potenzial, aber sie müssen sich trauen, die Musik-Schablone auch mal wegzulegen. 5 Text: Johannes Musial

Banquets Top Button, Bottom Shelf

(Coffeebreath And Heartache) New Jersey ist ja nicht erst seit The Gaslight Anthem auf der Karte für leidenschaftlichen Punkrock fett markiert. Die Szene dort brodelt schon seit etlichen Jahren und mit Banquets hat man fast sowas wie eine kleine Underground-Supergroup vorliegen. Mitglieder der großartigen Let Me Run vereinten sich hier mit weiteren Freunden und nahmen eine Platte auf, die zwischen „Something To Write Home About“ der Get Up Kids und der letzten Loved Ones-Platte perfekt die Brücke schlägt, und Gefühl mit kumpeligem Punk zu vereinen versteht. Musik dieser Art hört man zwar seit dem Durchbruch der erstgenannten sehr oft, jedoch selten mit soviel Leidenschaft und Herzblut vorgetragen wie von den Banquets. Sehr schönes Debütalbum! 7 Text: Steffen Sydow

Beirut The Rip Tide

(Pompeii/Indigo) Da ist es wieder, dieses Gefühl, als sei man im Frankreich-Urlaub und würde an einem lauen Abend über den Dächern von Paris mit Freunden die Zeit verbummeln und über bedeutungsschwangere Dinge philosophieren. Kaum eine andere Band schafft es innerhalb weniger Minuten, ja beinahe Sekunden, diese spezielle Stimmung beim Hörer hervorzurufen. Wie genau Beirut das immer wieder anstellen? Keine Ahnung! Aber sie tun es! Mastermind Zach Condon kann man für „The Rip Tide“ zwar nicht das

Wort Innovation auf die Stirn tätowieren, doch der geneigte Beirut-Konsument gibt sich sehr wahrscheinlich auch mit dem Gewohnten zufrieden. Und wir wollen mal nicht zu hart sein, denn einen klitzekleinen Tick poppiger ist das dritte Studioalbum ja immerhin. Besser als nichts. 8 Text: Sarah Gulinski

Bernd Begemann & Die Befreiung Wilde Brombeeren

(Tapete/Indigo) Obwohl Begemann seit 1987 Alben veröffentlicht und unzählige (Hamburger) Bands beeinflusst und gefördert hat, ist der große Erfolg ausgeblieben. Das wird sich nun mit „Wilde Brombeeren“ nicht ändern. Dabei ist seine Gitarren-Popmusik durchaus eingängig. Aber es scheint eben nur bestimmte Leute anzusprechen, wie er Alltägliches mit eigener Note und Humor präsentiert. So liefert er zum Beispiel jetzt den Titeltrack zur CD aus 2009 nach. Die rockende Musik zu „Ich Erkläre Diese Krise Für Beendet“ schrieb übrigens Michel Van Dyke vom Trio Ruben Cossani. In „Die Slums Von Eppendorf“ besingt Begemann funky die Probleme der eher wohlhabenden Bewohner. Mit „Dein Trottelfreund Meint“ macht er einem Mädel den Mann madig. Und bei „Gib Mir Eine Zwölfte Chance“ versucht er, noch mal seine Flamme für sich zu gewinnen. Da bleibt nur eines: Kopfschütteln oder Kopfnicken! 6 Text: Holger Muster

Black Tide Post Mortem

(Spinefarm/Universal) Harte Töne im leicht zu konsumierendem Zuckermix: Black Tide aus Miami bemühen sich auch auf ihrem zweiten Album wieder äußerst erfolgreich, diverse Metal- und Hardcore-Spielarten zu einem eingängigen Paket zu schnüren. Erst packt man die Trivium-Keule aus, dann zitiert man Bullet For My Valentine, legt für die Traditionalisten noch etwas Metallica dazu, und fertig ist ein hymnischer Stil-Mix, der nach Stadion schreit. Ein bisschen FeuerzeugPathos kommt später auch noch dazu, und trotz der dicken und arg glatten Produktion fällt es ob der zahlreichen Hits schwer, die Jungs aus Miami nicht zu mögen. Leichter verdaulich kann Metal zwar kaum sein - viel eingängiger und mitreißender allerdings auch nicht. 7 Text: Tito Wiesner

Blood Orange Coastal Grooves

(Domino/Good To Go) Devonté Hynes hat schon einiges hinter sich: Wilden Indie-Punk mit Test Icicles, Singer/Songwriter-Pop, den er zwei Alben lang als Lightspeed Champion veröffentlichte und jetzt kommt die softe Elektro-Variante für die er sich in Blood Orange umbenannt hat. Und wie immer macht der in NY residierende Londoner auch diesmal mehr richtig als falsch. Fluffige Melodien, mal aus dem Fundus von Duran Duran und mal dem von Chris Isaak hervorgekramt, gepaart mit nerdigem asiatischen Geklingel und Geschichten, die mit Hilfe von Jennie Livingstons New Yorker Drag-Doku „Paris Is Burning“ entstanden. Immer Pop und immer dynamisch und vor allem: Immer froh gestimmt, auch wenn textlich mal keine Rettung in Sicht ist. Ob man es nun gut findet, dass man Hynes auf Anhieb wiedererkennt, in welchem Band-Kostüm er auch gerade steckt, muss jeder selbst wissen. 6 Text: Ina Göritz

Bombay Bicycle Club A Different Kind Of Fix

(Universal) Zweite Kehrtwende innerhalb von drei Alben: Letztes Jahr ging es von straightem Indie-Rock zu seichtem Akustik-Pop, heuer kehren Bombay Bicycle Club zwar zurück zur Rockinstrumentierung, erweitern aber die Herangehensweise an ihre Musik ungemein. Viel ausgefeilter fallen die Arrangements aus, die sich mal bei Animal Collective bedienen oder mal einen Groove produzieren wie einst die Talking Heads. Die meisten Songs haben jeweils eine angenehm eigene Note, was die Homogenität des Albums aber nicht stört. Das Erfreulichste aber: Das Songwriting leidet unter dieser soundfixierten Arbeitsweise nicht. Insgesamt fühlt sich „A Different Kind Of Fix“ ein bisschen an wie der Versuch, Radio-Airplay und Indie-Credibility zu vereinen. Das wird sich wahrscheinlich recht schnell abnutzen, aber gerade jetzt in diesem Moment gefällt es richtig gut. 7 Text: Jan-Niklas Jäger

Boy Mutual Friends

(Grönland/Rough Trade) Man mag ja von Herbert Grönemeyers Geknödel halten, was man will, aber was andere Künstler angeht, hat der Mann definitiv Geschmack. Neuste Ergänzung seiner ohnehin schon erlesen


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besetzten Plattenfirma ’Grönland’ ist das Duo Boy. Valeska Steiner aus Zürich und Sonja Glass aus Hamburg liefern auf ihrem Debütalbum genau das ab, was ihr Foto auf dem Cover verspricht: Zwölf wirklich hübsche, alles andere als aufgetakelte, aber natürlich trotzdem lässige Songwriter-Pop-Songs, die sich ohne Ausnahme mit reizenden Midtempo-Melodien ins Ohr schmeicheln und dort auch bleiben wollen. Nicht nur Fans von Feist werden ihre Freude daran haben, sondern auch die von Phoenix, deren Drummer bei vier Stücken ausgeholfen hat. Und überhaupt jeder, der schönen Pop zu schätzen weiß. 7 Text: Patrick Heidmann

Braid Closer To Closed EP

(Polyvinyl/Cargo) Und wieder eine Auferstehung. Braid, die rumpeligste Inkarnation des Ne u n z i g e r j a h r e - E m o , kriecht aus der Asche eines Genres, dessen Anhänger mittlerweile Familienväter sind, die heimlich in der Garage weinen. Braid waren, als sie ihr epochales „Frame & Canvas“ veröffentlichten, in Emo-Kreisen die, die nicht jammern, hatten immer noch Biss, vertrackte Rhythmen und Schreie – so Jungs-Sachen halt. Da knüpfen die vier Lieder auf „Closer To Closed“ leider nicht an. Sie sind trotz eines Covers (Jeff Hansons „You Are The Reason) zwar allesamt unverkennbar Braid, haben schöne Refrains und sind schreddelig produziert aber die Magie ihres Opus Magnum können Braid nach langer Abstinenz nicht reproduzieren – wäre auch viel verlangt von einer Band, mit der man sich durch den Nebel der Teenie-Jahre geboxt hat. Eine EP, die sich anfühlt, als würde man die Ex zufällig am Flughafen treffen. 5 Text: Timo Richard

Cant Dreams Come True

(Warp/Rough Trade) Multiinstrumentalist und Grizzly Bear-Mastermind Chris Taylor verfügt schon seit jeher über eine außergewöhnliche und recht eigenwillige Auffassung von Stil und Ästhetik. Während seine Passion für elektronische Klänge bei seiner Hauptband noch vermehrt im Verbund mit Indie-Folk-Rock präsentiert wird, gibt sich der New Yorker auf seinem Solodebüt vollends der Magie von Beats, Synthies und Loops hin. Bisweilen verstört und abstrakt, vermengt er dabei seine klare Stimme mit allerlei technischem Schnickschnack und bietet dennoch eher Kammer-Feeling als Opulenz. Mit freundlicher Unterstützung von Twin Shadow-Mastermind George Lewis Jr., der Chris Taylor beim Songwriting unter die Arme griff, beweist der Ober-Bär sein Gespür für zeitlosen Elektro-Pop. Zwischen avantgardistischen Arrangements und seichtem Pop-Schmelz findet man auf „Dreams Come True“ vor allem eins: Entspannung. 7 Text: Kai Butterweck

Ceremony Covers EP

(Bridge Nine/Soulfood) Das Abschiedsrelease von Ceremony auf ’Bridge Nine’, bevor man mit dem neuen Album 2012 zu ’Matador Records’ wechselt. Mit dieser EP könnte man aber unmissverständlich ausdrücken, wohin die Reise mit Album Nummer Vier gehen wird. Noch näher an die Wurzeln, noch weiter zurück. Auf sechs Songs covert man alte Helden wie Wire, die Pixies oder Urban Waste und vermeidet unnötige Neuinterpretationen. Es geht um die Huldigung und darum, den Standpunkt deutlich zu machen. „I got into Punk-Rock, I got into Hard-Core“ singt Ross Farrar da mit seiner unverwechselbaren Stimme und macht die „Covers“-EP zu einer besonderen, wertvollen

(Virgin)

Die meisten Menschen schauen mit gemischten Gefühlen auf ihre Pubertät zurück. Viele haben sie gar ganz verdrängt. Doch es war nicht alles schlecht. Gern erinnert man sich an die Zeit, als Minidramen noch sieben Stunden lang das Ende der Welt bedeutet haben und man an die große Liebe ohne Krähenfüße, Bierbauch und penetrante Ex-Beziehungen glaubte, die einem die Tour vermasseln. Genau in diesem Zeitraum scheinen auch die Kooks mit ihrer dritten Platte festzustecken. Hier sind Jungs nicht (nur) selbstverliebt, sondern machen den Mädchen noch auf kitschige Teenager-Art den Hof. Alles verpackt in süßen, glatten Pop-Melodien, ein bisschen verschmust, ein bisschen wie Picknick im Park mit Knutschen. Eine Fiedel hier, ein Gitarrenzupfen da. Knatschige Spielverderber können das gern seicht und belanglos finden. Aber die haben heute Nachmittag auch kein Date im Park – mit Anfassen. Text: Henrike Soltau

Clap Your Hands Say Yeah Hysterical

(V2/Cooperative/Universal) Nach dem letzten Album und den Soloausflügen von Alec Ounsworth schien die Zukunft von Clap Your Hands Say Yeah ungewiss, doch nun melden sie sich schließlich mit ihrem dritten Werk zurück, das weit weniger hysterisch ist, als man annehmen könnte. Eine gewisse Professionalisierung lässt sich beobachten: statt ruppigem LoFi-Sound dominieren die Keyboards das Feld, beim Songwriting ist Schönheit eher Ziel als Zufall und auch Ounsworth selbst zügelt sein extravagantes Vibrato stärker, wodurch er umso mehr an David Byrne erinnert. Natürlich werden sich an dieser Stimme nach wie vor die Geister scheiden. Wer’s mag, bekommt mit „Hysterical“ ein durchdachtes IndiePop-Album vorgesetzt, das lieber ordentlich als spektakulär sein möchte. Zum Glück schlägt das dissonante Piano in „Adam’s Plane“ kurz vor Schluss nochmal richtig quer und sorgt schließlich doch noch für ein paar schräge Momente. 6 Text: Robert Goldbach

CSS La Liberación

(V2/Cooperative/Universal) Dass aus Brasilien musikalisch noch mehr kommt als Samba und Bossa Nova, wissen Eingeweihte spätestens seit 2006. Da machten CSS alias Cansei de Ser Sexy („Keine Lust mehr, sexy zu sein“) mit ihrem Debütalbum auf sich aufmerksam, das gerne mal neben den Chicks On Speed unter dem Label Agit-Dance-Punk einsortiert wurde. Bei Album Nummer Drei erhöhen die inzwischen zum Quintett geschrumpften CSS den Pop-Faktor in fast schon unverschämtem Maße, bewahren sich aber den überbordenden DIYChaos-Faktor und die ironisch-subversiven Texte. Was dabei herauskommt: ein Album so unfassbar tanzbar wie zuletzt nur das von Robyn, so heiß und sexy wie es sich für Brasilien gehört und so clever referenziell wie Lady Gaga es gerne wäre. Besser geht Elektropop in diesem Sommer nicht! 7 Text: Patrick Heidmann

Dampfmaschine Bete Zur Maschine

The Kooks Junk Of The Heart Pro

und vor allem spannenden Sache. Hier wird noch einiges passieren, immerhin ist ’Matador Records’ nun neben Fucked Up um eine der besten Hardcore-Bands dieser Tage reicher. 8 Text: Steffen Sydow

CONTRA

Das verflixte siebte Jahr hat wieder zugeschlagen. Prominentes Opfer heute: The Kooks. Die Briten haben sich im siebten BandEhejahr fast vollständig von ihrem Stil und Sound getrennt. Es fehlen die Ecken und Kanten. Ganz nach Pop-Lehrbuch wurden die fein säuberlich weggeschliffen. Gute Songs lassen sich an einer Hand abzählen und der positive Schwung, der bei den ersten beiden Alben das Steuer noch fest in der Hand hielt, wurde diesmal in den Kofferraum gesperrt. The Kooks fahren mit der neuen Platte auf der Schnellstraße Richtung Kitsch-Pop. Es finden sich überladene Arrangements, durchschaubare Melodien und der klischeehafte Einsatz von Synthesizern. Kurze Zwischenstopps gibt es bei Psychedelic-Bands wie MGMT oder New Wave-Acts wie The Killers. Da hilft auch keine Eheberatung mehr. Wer The Kooks schon beim zweiten Album „Konk“ abschreiben wollte, darf nun gerne den Deckel zu machen. Text: Johannes Musial

(Redfield/Alive) Knochenbrüche und Bandscheibenvorfälle verkomplizierten die Aufnahmen zum neuen Dampfmaschine-Album, geschadet hat das der Quasi-Nachfolgeband von Good Witch Of The South allerdings nicht. Mal krachend und schnell mit einer gehörigen Portion Rotz wie bei „Haben Haben Haben“, dann wieder extrem Groove-lastig auf den Spuren von Danko Jones oder klassisch rock’n’rollend in Gluecifer- oder früher Turbonegro-Manier: Dampfmaschine bedienen sich im großen Rock-Laden und formen das Ganze zu einer ganz eigenen, leicht arroganten und prolligen, aber eben auch grundsympathischen Wuchtbrumme - wie man sie in solcher Qualität hierzulande sonst eigentlich nur von Smoke Blow erwarten würde. Niederknien, mitbeten! 7 Text: Tito Wiesner

Dan Andriano in the Emergency Room Hurricane Season

(Asian Man) Inzwischen gehört es zum guten Ton, als Punkrocker zur Akustikgitarre zu greifen, um sich auf Solopfaden ruhigeren Tönen zu widmen. Und

so reiht sich auch Alkaline Trio-Bassist Dan Andriano neben etablierten Ex-Punks wie Chuck Ragan, Tim Barry oder Austin Lucas ein. Warum man in derartigen Fällen eine fragwürdige Identität von Person und Musik voraussetzt und die Stilbezeichnungen Folk, Country, Akustik regelmäßig mit dem Anhängsel Punk versehen muss, erschließt sich nicht ganz, aber lassen wir das mal beiseite. Ruhig und verhalten kommt „Hurricane Season“ daher und das ist leider auch das Hauptproblem, denn so sehr ich Dan Adriano mit Band auch mag, so sehr muss ich doch zugeben, dass außer seiner leicht-nasalen Sangestechnik wenig im Gedächtnis bleibt. Vielleicht ist der Verzicht auf anbiedernde Eingängigkeit aber auch einfach nur Stilprinzip. 5 Text: Aiko Kempen

Dangerous! Teenage Rampage

(Epitaph/Indigo) Kommt auch nicht häufig vor, dass ein etabliertes Punkrock-Label wie ’Epitaph’ eine außerhalb von Down Under komplett unbekannte Band unter Vertrag nimmt, um ihr Debütalbum zu veröffentlichen. Wer „Teenage Rampage“ erstmal gehört hat, versteht allerdings, warum man in Kalifornien so begeistert war über diese jungen Australier: Hier wird die Garagen-Legende MC5 zu neuem Leben erweckt, mit Hives-Genen aufgepeppt, dem Selbstbewusstsein von Mötley Crüe frisiert und dann zu einem trotz aller Retro-Anleihen modernen und ziemlich Stil-bewussten Rock’n’Roll-Glam-KickassFeuerwerk vermengt. Poser-Party-Rock galore - aber eben so präsentiert, dass nicht nur Jeansjacken-Träger, sondern auch Punkrock-Kids begeistert mitfeiern. 6 Text: Tito Wiesner

Dear Reader Idealistic Animals

(City Slang/Universal) „Replace Why With Funny“ gehörte vor zwei Jahren zu den ganz großen Entdeckungen in Sachen Indie-Pop, Dear Reader aus Südafrika waren bei klugen Schöngeistern in aller Munde. Nun gibt’s den Nachfolger und manches hat sich verändert. Bassist Darryl Torr ist nicht mehr mit dabei, Sängerin Cherilyn MacNeil ist nach Berlin gezogen und macht alleine weiter. Vielleicht aufgrund dieser Trennung sind die Texte, die unbedingt näheres Hinhören wert sind, dieses Mal noch düsterer und trauriger als zuletzt, die wieder überzeugend von Brent Knopf produzierten Melodien erneut ein wenig heiterer, als die Geschichten es vermuten ließen. So entstehen viele Momente ernsthafter, klarer Schönheit, doch ganz den bleibenden Eindruck wie beim Erstling wollen die Songs nach ein paar Mal Hören noch nicht hinterlassen. Und das Tier-Motto, das sich so putzig durch die Songtitel zieht, hätte auch musikalisch konsequenter aufgegriffen werden dürfen. 5 Text: Patrick Heidmann

Der Tante Renate H4xX02

(Audiolith/Broken Silence) Der Tante Renate präsentiert: Das Album zum Konzept. „H4xX02“ ist nicht nur Norman Kolodziejs YPS-Heft gewordene Ode an die Hacker-Kulur inklusive Mitmachspaß zum selber cracken, sondern einmal mehr Techno-Pop-Spaß für alle, denen Großraumveranstaltungen Angst machen. Album Nummer Vier hat alles, was man sich in den Standardbausatz für gute (Elektro-)Musik wünscht: Wummernde Beats, Gitarrenriffs und Computerspiel-Gedaddel als Stilmittel. „H4xX02“ ist U-Musik, die nicht ironisch ist, schockieren muss und die Grenzen verschieben will. Und das ist auch mal gut so. 8 Text Britta Arent


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The Devil Wears Prada Dead Throne

(Roadrunner/Warner) The Devil Wears Prada sind die sympathischen Streber und Musterschüler des Metalcore - kaum eine andere Band in diesem Genre ist mit jeder neuen Veröffentlichung so kontinuierlich und gleichmäßig besser geworden. In weniger als fünf Jahren ist man vom Plagiat und Abziehbild zum Szene-Vorreiter gereift - kein Wunder, dass „Dead Throne“ jetzt bei ’Roadrunner’ erscheint. Die Zukunft scheint in großen Hallen zu liegen. Dicke Breakdowns, fiese Deathcore-Attacken, die Härte der zuletzt erschienenen „Zombie“-EP garniert mit unglaublich eingängigen Melodien: Stücke wie „Vengeance“ oder „Born To Lose“ zerlegen die Gehörgänge und lassen als Dankeschön einen nicht mehr abzulösenden Kaugummi im Gehörgang zurück. CandyCore zum Ausrasten und Liebhaben. 8 Text: Tito Wiesner

The Drums Portamento

(Moshi Moshi/Cooperative/Universal) Das erste Lebenszeichen von The Drums, ihre vor perfekten Popsongs strotzende „Summertime“-EP, wird immer ihr Maßstab bleiben. Dagegen wirkte das selbstbetitelte Debütalbum reichlich blass und auf ihrem Zweitwerk wird gar nicht erst versucht, daran heranzureichen. Vermutlich ist es der richtige Weg, denn dass sich das Pop-Zeit Kontinuum ein weiteres Mal für die New Yorker öffnet, scheint fraglich. Also Blick nach vorn: „Portamento“ verlangt Zeit, um die bezirzenden, jedoch selten anspringenden Melodien lieben zu lernen. Experimente gibt es abgesehen vom enervierenden „Searching For Heaven“ nicht, das würde dem selbst aufgetragenen engen Pop-Korsett widersprechen. Trotzdem wirkt vieles nahezu introvertiert; auch wenn etwa „What You Were“ rhythmisch losbrettert, ist die Hookline glücklicherweise etwas zu düster zum Mitgrölen geraten. Die zum Trio geschrumpfte Band wagt keinen Ausfallschritt, aber einen gelungen Stolperer im Pop-Kontext. Bravo. 7 Text: Volker Bernhard

Eastern Conference Champions Speak-Ahh

(The Organisation/Soulfood) Die Gattung „Traurige Pop-Songs“ ist gefährdet. Erstmals in den Achtzigern in Erscheinung getreten, hat eine Unterwanderung durch andere Pop-Gattungen zur Heimatlosigkeit geführt, die

besonders tragisch ist, weil Traurige Pop-Songs keine Rudeltiere sind. Eastern Conference Champions ist eine Organisation aus den Indie-Wäldern, die sich nun dem Schutz einiger dieser scheuen Freunde verschrieben und für diese unter dem Namen „Speak-Ahh“ einen Naturpark errichtet hat. Vor allem die Unterarten „Indie-Rock-Songs in Moll“ und „Melancholische Pop-Balladen“ finden hier Unterschlupf. Zu letzteren zählt etwa ein liebenswertes Exemplar namens „Patience“, das in einer besseren Welt schon längst vom Radio adoptiert worden wäre. Zu ersteren gehört „A Million Miles An Hour“, das eine zweite Heimat im TwilightSoundtrack-Zoo gefunden hat. Öffnungszeiten von „Speak-Ahh“: immer. Eingeladen sind alle mit Herz für Traurige Pop-Songs. 6 Text: Jan-Niklas Jäger

Firefox AK Color The Trees

(Razzia/Four/Sony) „Color the Trees“ ist bereits das dritte Album von Andrea Kellerman alias Firefox AK, und wer die ersten beiden nicht kennt, hat zwar was verpasst, steht aber – zumal in Deutschland – nicht alleine da. Der Drittling ist ohne Frage der beste Moment, um die Bekanntschaft der mit Tiger Lou-Frontman Rasmus verheirateten Schwedin zu machen. Denn die zwölf Songs bieten ein Pop-Panoptikum, wie es so bunt und strahlend zur Zeit wohl nur aus Skandinavien kommen kann. Aus Beat-lastigem Euro-Dance, cleverem Elektropop und zarten Folk-Momenten ist, kombiniert mit Andreas hinreißend zarter Stimme, ein erfrischend abwechslungsreiches, nie allzu glattes Pop-Album entstanden, das mit denen von Lykke Li oder Oh Land durchaus mithalten kann. 7 Text: Patrick Heidmann

Fruit Bats Tripper

(Sub Pop/Cargo) Es ist etwas irreführend, dass einem die Fruit Bats immer wieder als The Shins-Nebenprojekt vorgestellt werden, schließlich veröffentlicht Eric D. Johnson unter dem Namen schon länger Platten, als er bei James Mercers Band zugange ist. Parallelen sind dennoch unverkennbar. Zum einen wäre da der Indie-Folk-Sound, den beide teilen, und sogar die Vocals wecken gewisse Assoziationen zur „Re-

ferenzband“, doch treibt Johnson seine Stimme öfters in hohe Stimmlagen. Da kann es sogar mal passieren, dass das im Zusammenhang mit dem Groove von „You’re Too Weird“ unangenehme Disco-Assoziationen hervorruft, die der überraschende Einsatz eines Synthesizers im nächsten Track gleich mal bekräftigt. In erster Linie punktet „Tripper“ mit seinen Singer/SongwriterMomenten. Wann immer es zu sehr in Richtung Tanzfläche schielt, wird es anstrengend. 6 Text: Jan-Niklas Jäger

Ganglians Still Living

(Souterrain Transmissions/ Cooperative/Universal) „This is a sad, sad song for all you sad, sad people!“ Das sitzt. So einem „Hör dich glücklich“-Einstieg muss der großstädtische Griesgram erst mal was entgegen setzen. Aber gebt euch keine Mühe. Hat ja schon bei den Housemartins nie funktioniert. Spätestens, wenn die US-Indie-PopSchredder-Gemeinschaft Ganglians einen Gang zurückschaltet und ihre monochromen BeachBoys-Variationen warmgelaufen sind, ist auch euer Puls gleich dem eines schnurrenden Kätzchens. Weiteratmen, hochgucken, weiterlaufen. Die Hektik, die Großstadt und der Wahnsinn können auch noch warten. Und die Ganglians begleiten euch so lange. 6 Text: Britta Arent

Hard-Fi Killer Sounds

(Warner) Es gibt Dinge, die macht man nicht: kleine Hunde treten, Ed Hardy tragen, warmes Bier trinken - und vor allem: Jay-Z samplen! Warum hat den Jungs von Hard-Fi niemand gesagt, dass man gegen „99 Problems“ im Original IMMER verliert?! Egal, jetzt ist’s eh zu spät: Der Opener „Good For Nothing“ will mit seiner seltsamen Mischung aus Sample, Indie-Rock-Attributen und halbgarem Refrain zu viel auf einmal sein und kann doch nichts reißen. Wer sich da schon gradlinige Indie-Rock-Ware wie „Cash Machine“ oder „Hard To Beat“ vom Hard-Fi-Debüt „Stars Of CCTV“ zurückwünscht - daraus wird nix. Mit „Fire In The House“ gewinnt der Geist von Nick Straker die Oberhand über das Album und quält mit fiesen Achtzigerjahre-Beats aus der Effekt-Zauberkiste, als ob es keinen Morgen gäbe. Was auch immer Hard-Fi sich dabei gedacht haben: Es funktioniert nicht. Es fiept zu sehr, hallt zu doll, es nervt und tut weh. Aber vor allem: es macht noch nicht mal Spaß. 4 Text Ina Göritz

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The Horrible Crowes Elsie

(SideOneDummy/Cargo) Mit seiner Band Gaslight Anthem hat sich Brian Fallon mittlerweile in die Herzen und Hallen der Massen gespielt, trotzdem gibt es für ihn auch ein Leben abseits des leidenschaftlichen Folk-Rocks mit seinem langjährigem Freund Ian Perkins hat er die Horrible Crowes ins Leben gerufen, um der gemeinsamen Vorliebe für Künstler wie Afghan Whigs, PJ Harvey, Joan As Police Woman und Tom Waits nachzugehen. „Elsie“ klingt zwar manchmal (etwa beim tollen „Behold The Hurricane“) trotzdem wie die ruhige Seite von Gaslight Anthem - zu prägnant ist Fallons Stimme, um nicht an die Hauptband denken zu müssen. Insgesamt sind die Songs aber dunkler, trauriger, langsamer, stellenweise souliger - und manchmal auch etwas langweiliger und zäh. Aber Gaslight Anthem haben ja auch ein paar Jahre gebraucht, um vom Geheimtipp zum Meisterwerk zu reifen. 6 Text: Tito Wiesner

Howling Bells The Loudest Engine

(Cooking Vinyl/Indigo) Ihr gutes Auffassungsvermögen in allen Ehren, aber Howling Bells haben das Einmaleins moderner Rockmusik zu genau studiert: Es beginnt schon beim „Charlatan“ betitelten Opener, dass einem das Gefühl nicht loslässt, PJ Harvey stand neben dem Mischpult Spalier und The Dead Weather schauten ihr währenddessen aufmerksam über die Schulter – so sehr kommt „The Loudest Engine“ dem Rezensenten bekannt vor und doch sind Howling Bells prinzipiell nur in England eine Hausnummer des Indie-Rock. Vielleicht liegt der regionale Ruhm aber genau darin begründet, dass Sängerin Juanita Stein und ihre Gefolgschaft alles richtig machen wollen und dabei vermeintlich so sehr zu gefallen wissen, dass wenig überraschendes hängen bleibt? Fest steht, „The Loudest Engine“ könnte mehr Eigensinn vertragen; beim nächsten Mal dran denken. 4 Text: Marcus Willfroth

Iceage New Brigade

(Beggars/Indigo) Alter Däne, hier brennt die Hütte! Iceage aus Kopenhagen haben ihr Debütalbum „New Bri-


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gade“ ganz sicher nicht mit dem Ziel zusammengezimmert, den Punkrock neu zu erfinden – dafür haben sie umso mehr Spaß an blechern schepperndem Getöse Marke Buzzcocks. Melodien Mangelware, Krach karrenweise, und mit „Broken Bone“ (!) gibt’s sogar eine Art Hit für die Irren-Disco. In 25 Minuten ist das Kind geschaukelt, halten wir uns doch also diesmal auch kurz: heftig! 5 Text: Friedrich Reip

Katzenjammer A Kiss Before You Go

(Vertigo/Universal) Vier norwegische Grazien mit Instrumentenpark, die sich aufführen, als seien sie einem Wanderzirkus vom Balkan entflohen? Her mit dem Major-Deal! Nach ihrem furiosen Debüt „Le Pop“ fanden die Katzenjammer-Ladies Unterschlupf im Hause ’Universal’ und beim Hören der neuen Single „I Will Dance“ beschleicht einen nun das Gefühl, der Umzug sei der adretten Damenriege schlecht bekommen. Katzenjammer goes Dixie Chicks? Oh je. Aber alles halb so wild. Der raue Charme wurde zwar etwas poliert, Spielfreude und stilistischer Wahnwitz bleiben jedoch unverändert. Beispiele gefällig? „Cherry Pie“ ist ein Kuchenrezept im Swing-Format. Das schaurige „Soviet Trumpeter“ könnte einem Tim Burton-Film entstammen. Und in „God’s Great Dust Storm“ gospeln sich die Damen das Herz aus dem Leib. Live bestimmt ganz großes Kino. 6 Text: Nina Töllner

Klee Aus lauter Liebe

(Universal) Es dürfte, von Goldfrapp vielleicht abgesehen, keine Pop-Band geben, bei der jedes Album aufs Neue eine solch überraschende Wundertüte ist wie bei Klee. Wollen sie uns mit Elektropop zum Tanzen bringen, holen sie die Rockgitarren raus oder soll es doch eher handgemacht und sanft zugehen? Man muss auf alles gefasst sein, auch auf Enttäuschung. Auf „Aus lauter Liebe“, dem fünften Album der Kölner, verschwindet letztere glücklicherweise nach den ersten drei Songs. Denn während man sich dort noch, auch dank des Albumcovers, in Schnulzen-Kitsch-Ödnis wähnt, laufen Klee ab „Nimm Dein Leben in die Hand“ zu alter Form auf. Tatsächlich packen sie dieses Mal sogar all ihre Wundertüten-Zutaten auf ein Album, was Suzie Kerstgens – der immer noch tollsten Stimme im Deutschpop – alle Facetten abverlangt. Alles in allem also vielleicht nicht das „ganz große Kino“, das die Plattenfirma platt verspricht. Aber trotz ein paar Ungereimtheiten doch wieder ein Album voller Abwechslung und Ohrwürmer. 7 Text: Patrick Heidmann

Lee Jay Cop Revolution Of The Dog

(Run United/Revolver) Außen pfui, innen hui? Der Normalverbraucher würde in Anbetracht des ungelenken und, schlimmer noch, vielleicht sogar ironiefreien Albumcovers wohl gar nicht erst versuchen, den Inhalt auszutesten. Vielleicht ist es auch nur alberner Humor, wie man ihn auf Dorffesten, Abifeiern oder beim Sparkassen-Rockspektakel antrifft. Musikalisch meinen es die Jungs um Christopher Been Jr. aus Oldenburg jedenfalls nicht gerade „unernst“. Statt „Itsy Bitsy Teenie Weenie...“ geht’s auf ihrem Debüt um Damen namens Antonella (die Arme) und die Hürden, die sich einem so im Alltag in den Weg schieben. Eine musikalische Linie wird man hier vergeblich suchen: Mal säuselt sensibler Gitarren-Pop, mal krakeelt der Space-Rocker – alles drin, alles dran. Wer (tatsächlich) auf Wundertüten steht, der kriegt allerdings was geboten. 5 Text: Henrike Soltau

Male Bonding Endless Now

(SubPop/Cargo) Im Vorprogramm von Crystal Castles bekamen Male Bonding letztes Jahr kaum ein Bein auf den Boden und auch „Endless Now“ bestätigt den Eindruck: Diese Band macht Punkrock für Stubenhocker und Cheftheoretiker, für Leute, die mit überkreuzten Beinen auf dem Teppich hocken und sich den mageren Damenbart kraulen. Die aber dürften wieder ziemlich glücklich sein über den neuen Versuch der Londoner Lärmapostel. Krachig im Ansatz und nach hinten raus unverschämt melodisch kommen die neuen Songs daher – eine Mischung so anspruchsvoll wie die Aufzucht von jungen Einhörnern. Bei 2,5 Promille erschließt sich dann die nächste Dimension: Male Bonding sind eigentlich Hippies, die für dich und deine heterosexuellen Kumpels nur das Beste wollen und am liebsten dabei zusehen würden. Tut ihnen den Gefallen! 6 Text: Michael Haacken

Maria Taylor Overlook

(Affairs Of The Heart/ Indigo) Azure Ray sind Geschichte, Maria Taylor macht alleine weiter und so ist „Overlook“ das vierte Werk ihrer Solokarriere. Welche spätestens jetzt an Fahrt hinzugewinnt, denn die neuen Songs sind die bislang stärksten, die Taylor je alleine aufgenommen hat: Es beginnt beim sagenhaften Opener „Masterplan“, der wie in einem Fie-

bertraum verworrene E-Gitarren bedient; geht weiter mit Country infizierten Folk-Songs und endet schließlich im wundervoll in sich gekehrten „Along For The Ride“ - um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Keines von Taylors bisherigen Werken war Durchschnitt, doch mit solch einer Meisterleistung hätte man wirklich nicht gerechnet. Da ist der erneute Abschied von Azure Ray locker zu verkraften - weil „Overlook“ genau das ist, was der Titel verspricht: Ein Überblick über all die Qualitäten Maria Taylors. 8 Text: Marcus Willfroth

Maybeshewill I Was Here For A Moment, Then I Was Gone

(Function/Cargo) Ein Neuanfang. Daran glaubt wohl niemand so recht, dass das funktionieren kann. Vor allem dann nicht, wenn die Situation zuvor nicht die totale Katastrophe war. Maybeshewill haben es trotzdem getan - nach zwei Alben und unzähligen Konzerten. Das kann man mutig oder notwendig nennen. In jedem Falle hat es den Engländern gut getan, ihnen ermöglicht, noch intensiver zu klingen. Klar, man darf dabei nicht vergessen, dass Post-Rock den Ruf hat, nie wirklich schlecht sein zu können. Doch auch ungeachtet jener Legende Tatsache sticht „I Was Here For A Moment, Then I Was Gone“ nicht nur dank des auffällig schönen Artworks hervor. Statt lediglich vor sich hin zu plätschern, wechseln die Stücke immer zwischen melodischer Härte und sensibler Eindringlichkeit, ähnlich wie der Soundtrack eines Filmes, der dich auch Tage nach dem Kinobesuch noch gedanklich zermürbt. 7 Text: Sarah Gulinski

Mogwai Earth Division

(PIAS/Rough Trade) Mogwai dürfen alles. Sie haben ein Genre maßgeblich geprägt, mit Gitarren so ziemlich alle Klangwände produziert, die Effektpedale hergeben und sich gerechtfertigterweise immer weiter vom Post-Rock entfernt – das Genre ist durch, inzwischen selbst für die Urväter. Da darf man auch schon mal eine neue EP mit einer charmant-traurigen Klavieretüde beginnen. Bei „Hound Of Winter“ dann der Moment zum Aus-den-Wolken-Fallen: Mogwai machen auf Singer/Songwriter mit Zupfgitarre, Mundharmonika und beschwertem Säuselgesang. Ahnungen von Hallflächen und Geigen summen im Hintergrund. „Drunk And Crazy“ schließlich beginnt mit krachigen Synthesizern und Samples voller Bitcrushing, die sich schlussendlich mit erhabenen Streichersätzen paaren. Für sich genommen gekonnt arrangiert, im Kontext des Mogwai’schen Gesamtwerkes ein weiterer Schritt weg vom früheren Sound. 8 Text: Volker Bernhard

Moonface Organ Music Not Vibraphone Like I’d Hoped

(Jagjaguwar/Cargo) Über den aktuellen Stand in Sachen Wolf Parade lässt sich derzeit kaum etwas sagen: Während Dan Boeckner unlängst mit den Handsome Furs aktiv wurde, gründet Kollege Spencer Krug das Projekt Moonface, um - wie er sagt - seinem stetig wechselnden Musikansatz gerecht zu werden. Gut, und doch ist „Organ Music Not Vibraphone Like I’d Hoped“ keine leichte Kost: Ein Großteil der Songs auf dem Debüt besteht prinzipiell nur aus Schichten an Orgelsounds und wilden Lyrics, die wiederum derart abstrakt wirken, dass sie alles und nichts bedeuten können. Krug frönt hier seiner Vorliebe für Komplexität und verzichtet dabei auf sämtliche Pop-Ansätze, die Wolf Parade zu einer der besten Bands unserer Zeit machen - ob man’s braucht, bleibt fragwürdig, eine interessante Studie ist es indes schon. Mehr aber nicht. 4 Text: Marcus Willfroth

Mother Mother Eureka

(Last Gang/Warner) „Heureka!“ schrie der nackte Archimedes bei seinem Jubellauf durch das griechische Syrakus nachdem er in der Badewanne einen Geistesblitz hatte. „Heureka“, zu deutsch „Ich hab’s gefunden“, wollen auch Mother Mother mit ihrem dritten Album in die Welt schreien. Ob die Kanadier bei den Aufnahmen nackt waren, ist nicht überliefert. Aber es ist wohl sicher, dass viele Fans die Entdeckung feiern werden, die sie mit dieser Platte in der großen MusikBadewanne gemacht haben. Nicht zu Unrecht, denn auf „Eureka“ finden sich großartige Songs wie „Calm Me Down“, der entspannt dahin fließt, Upbeat-Stücke wie „Baby Don’t Dance“ aber auch ruhige Nummern à la Angus & Julia Stone wie „Getaway“. Doch voll kann die Platte nicht überzeugen, dafür ist sie zu wechselhaft und hat zu viele schwache Momente. Beim nächsten Bad also bitte gründlicher einschäumen und den Schmutz mit dem Schwamm abrubbeln. 7 Text: Johannes Musial

N.R.F.B. Nuclear Raped Fuck Bomb

(Major Label/ Broken Silence) Wahrscheinlich würde sich für diese Mini-LP kein Mensch interessieren, wenn hier nicht zufällig ein All-Star-Team aus Jens Rachut (u.a. Dackelblut, Oma Hans), Frankie Stubbs (Leatherface), Mense Reents (Goldene Zitronen) und Thomas Wenzel (Die Sterne) am Werke wäre. Fans der genannten Bands


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sollten allerdings lieber nicht blind zugreifen, denn auch wenn manche Songstrukturen klar nach Rachut klingen, hat man von Anfang an das Gefühl, in ein Kuriositätenkabinett oder auf die private Spielwiese der Musiker geraten zu sein. Zwischen Kirmestechno à la Charly Lownoise & Mental Theo, (unkommerziellem) NDW und ein bisschen Noise lässt sich kein roter Faden entdecken. Die Platte hat zwar ihre Momente („Achtung-Achtung“), aber falls hier eine Zielgruppe erwünscht ist: viel Glück bei der Suche. 4 Text: Marek Weber

Other Lives Tamer Animals

(PIAS/Rough Trade) Meist beweisen die US-Fernsehmacher einen besseren Musikgeschmack als die hiesigen und so wurde den USZuschauern bereits zweimal Schönes vom Other Lives-Debüt „Other Lives“ auf die Mattscheibe projiziert und auch der Nachfolger hält jede Menge Vorzeigbares bereit. Nicht nur Wayne Coyne macht keinen Hehl daraus, dass der Song „For 12“, eine Mischung aus Winnetou-Soundtrack und Fleet Foxes, sein Herz gewonnen hat. Dass es einer gehörigen Portion an Freakshow bedarf, um dem Flaming Lips-Frontmann zu gefallen, darf hiermit als Gerücht betrachtet werden, denn die Band aus Sacramento liefert mit „Tamer Animals“ ein Album ab, das eingängig ist, ohne anbiedernd zu sein, verspielt, aber nie überladen und solide, ohne langweilig zu sein. Und manchmal ist das mehr, als man zu hoffen gewagt hat. 7 Text: Ina Göritz

Paley & Francis Paley & Francis

(Cooking Vinyl/Indigo) Paley und Francis könnten zwei süße Terriermischlinge sein, die zusammen durch die Straßen streunen und Blödsinn machen. So ähnlich kann man sich das Projekt von Reid Paley und Frank Black auch tatsächlich vorstellen. Zwei ältere Männer, die zusammen durch die breiten Alleen der Rocklandschaft schlawinern und an Einflüssen mitnehmen, was auf den Allgemeinplätzen ihre Generation so angebracht scheint, und sich ein paar vergnügliche Stunden bereiten. Viel länger haben die beiden auch nicht an ihrem gemeinsamen Projekt geschraubt und ja, auch wenn man bedenkt, dass Frank Black mit den Pixies einige der besten Songs überhaupt verfasst hat, muss man das hier nicht unbedingt mitmachen. Aber ältere Geschwister, die früher mal die Pixies mochten und auch nichts gegen Tom Waits haben: Hier, das ist für euch! 6 Text: Ina Göritz

Red Hot Chili Peppers I’m With You

(Warner) Wenn eine Band wie die Red Hot Chili Peppers dieser Tage ihr inzwischen zehntes Album veröffentlicht, dann wird jeder Ton im Vorfeld sehr gut behütet, sprich: man darf ihn sich genau einmal anhören. Deshalb seien diese Buchstaben unter Vorbehalt zu lesen. Doch zu den Fakten: John (Frusciante) wurde zu Josh (Klinghoffer), Rick Rubin hat’s produziert und obwohl ja zu lesen war, dass man sich nach dem Doppelalbum diesmal alle Filler sparen und es definitiv nur 12 Titel werden sollten, sind es dann irgendwie doch 14 geworden. Dafür ist aber auch für jeden was dabei: von rotzig funky bis melodiös poppig - wie man die Peppers seit nunmehr fast 30 Jahren kennt und liebt. Aber - aufgemerkt, es darf auch experimentiert werden (Bläser, Klavier, Sounds, Percussion) und da wird es dann richtig spannend. Allein für „Even You Brutus“ und natürlich für Fleas göttlichen Bass lohnt es sich, dieses Album sein Eigen nennen zu können. Text: Caroline Frey

Schrappmesser The Shape Of Platt To Come

(Bakraufarfita/New Music) Eine Band, die sich Schrappmesser nennt, im Titeltrack ihrer ersten 7“ die gottgleichen Refused

verballhornt und ihre Songs zum Beispiel „Rür“ nennt - da versucht wohl jemand, ganz besonders witzig zu sein. Dieser jemand ist allerdings Ingo von den Donots, im Verbund mit Phil und Christian von Waterdown. Und: Das ist sogar wirklich witzig. Nicht so sehr wegen der für Nicht-Plattdeutsche kaum verständlichen Texte, mehr auf Grund der Herangehensweise und Spielfreude - in den vier Songs reicht das Spektrum von Old School-Hardcore über hymnischen Ramones-Punk bis zu Dicke-Hose-Rock, und jedes einzelne Stück ist ein Hit. Schade nur, dass die sieben Minuten dieses Vinyls so schnell vorbei sind. Da darf gerne bald Nachschub kommen. 7 Text: Tito Wiesner

Scream Complete Control Sessions # 2

(SideOneDummy/Cargo) Schaut man sich die Geschichte von Scream an, kommt schnell die Frage auf, warum diese Band eigentlich nie so groß geworden ist, wie andere Kombos, die zur gleichen Zeit, Anfang der Achtzigerjahre, begonnen haben. Immerhin veröffentlichten Scream ihre Alben auf dem Fugazi-Label ’Dischord’, und ein gewisser Dave Grohl saß als Teenager hinter dem Schlagzeug, bevor er dann zu einer Band aus Seattle wechselte, deren Namen wir hier mal nicht nennen werden. Für Punkhistoriker sind Scream mit ihrer rockigen, aber extrem abwechslungsreichen Hardcoreversion eh schon legendär und die gleiche Zielgruppe wird diesen Mitschnitt aus dem Studio von Radiomoderator Joe Sib eh lieben. Die Live-Atmosphäre dieser Veranstaltung samt Zwischenkommentaren wurde aufs beste bewahrt und man kann auch beim 2011er-Sound von Scream erahnen, dass diese Band manche Idee für das geliefert hat, was später mal als Grunge bekannt wurde. 7 Text: Tim Kegler

S.C.U.M Again Into Eyes

(Mute/Good To Go) Warum sich eine IndieCombo nach Valerie Solanas’ bewegungskonstituierendem radikal-feministischen Traktat benennt, mag ein paar interessante Überlegungen wert sein - vielleicht haben S.C.U.M aber auch einfach ein Faible für kryptischen Nonsens. Die musikalische Orientierung hingegen ist offensichtlich: Vor allem vor dem elegisch-entrückten Bowie verbeugt sich die Band tief, auch die üblichen Helden des New Wave haben ihre Spuren hinterlassen. Die gigantische Produktion von Ken Thomas aber ist deutlich wärmer ausgefallen, als nahe gelegen hätte, und räumt den Moog-Synthies amtlich Platz ein. Glanzstücke der Platte jedoch sind das wunderschön verrauschte „Paris“ und die Disco-Nummer „White Chapel“. Ein Flirt mit der potenziellen künftigen Mainstream-Tauglichkeit? Konkurrenz für Coldplay? Wer weiß, wer weiß. 8 Text: Friedrich Reip

The Sea Rooftops

(Popup/Cargo) „Give me your love, give me your loooooove“ - wie bitte? Wieso ist das echte Leben nur kein Liebeslied von The Sea? Ach ja, weil das auf Dauer doch zu nervig wäre. Das fällt spätestens auf, wenn die beiden UK-Brüder beim dritten Song ihrer nunmehr zweiten Platte angekommen sind und man sich nach weniger quirligem Gepose und viel, VIEL weniger theatralisch langgezogenen Vokalen sehnt. Liebe, Liebe, Liebe im Indie-Takt und später gibt’s noch Led Zeppelin – hätten diese den Soundtrack für die Bälleparadies-Disco neben einer rosa Hinterhofapotheke geschrieben. Gemein? Genervt! Won’t you give me love tonight? Äh, eher nicht. Aber dann bleibt mehr für euch Indie-Girls... 5 Text: Christine Stiller

Sondre Lerche Sondre Lerche

(Tellé/Soulfood) Fast könnte man Sondre Lerche unterstellen, ein Streber zu sein. In diesem Fall sollte die Kategorisierung allerdings nicht mit negativen Attributen behaftet sein. Blickt man über seine Diskografie, entdeckt man eine breite Vielfalt von Jazz, Folk, Rock und Pop. Abwechslungsreich, nie langweilig. Der Norweger, der schon seit langem in New York sein neues Zuhause gefunden hat, veröffentlicht jetzt sein sechstes Album, das einmal mehr sein musikalisches Talent unterstreicht: dieses feine Gespür für große Melodien mit orchestralen Komponenten und der tiefe Sinn für Arrangements. Das Album lässt die Sonne scheinen, wenn es regnet und bringt Licht in die Dunkelheit; man möchte tanzen, lachen und singen. Seine Hausaufgaben hat er gemacht, jetzt bleibt nur abzuwarten, ob die Songs auch mit Nachhaltigkeit bestechen. 7 Text: Kati Weilhammer

Stephen Malkmus & The Jicks Mirror Traffic

(Domino/Good To Go) Wer nur eines der viel zu routinierten PavementComeback-Konzerte gesehen hat, wusste sofort, dass dem Klassentreffen der alten Kumpels keine weitere Platte folgen wird. Kreativität entfacht ihr ehemaliger Frontmann Stephen Malkmus inzwischen eher im Kreise seiner Band The Jicks - und nachdem der letzte Longplayer „Real Emotional Trash“ ziemlich psychedelisch um die Ecke bog, ist „Mirror Traffic“ wieder genau das, wofür man Stephen Malkmus seit jeher mag: Kurze, knackige Popsongs treffen auf Siebzigerjahre-Singer/Songwriter und gesellen sich zu knarzig verschrobenen Beats. Produziert wurde das fünfte Werk seiner Solokarriere von niemand Geringerem als Beck höchstpersönlich und doch ist es ganz allein Malkmus zu verdanken, dass „Mirror Traffic“ zwischen Dada-Lyrik und großer Songkunst so toll geworden ist. 8 Text: Marcus Willfroth

Talking To Turtles Oh, The Good Life

(DevilDuck/Indigo) Ist es eigentlich als Kompliment zu verstehen, wenn eine deutsche Band amerikanisch klingt? Im diesem Fall: unbedingt. Talking To Turtles machen es sich mit ihrem zweiten Album, ihren Akustikgitarren, der Melodica und ihrem Glockenspiel in der Schlafzimmerecke bequem, flüstern sich mit zerbrechlichen Stimmen Intimitäten zu und lassen uns mithören, ohne dass es uns peinlich sein muss. Zu verspielt, um im drögen Singer/SongwriterGetümmel mitzumischen, zu reduziert-detailverliebt um als kleinstes Bandkollektiv der Welt durchzugehen - wer also einen Vergleich sucht, muss das Kopfkino anschmeißen und sich vorstellen, Matt and Kim seien die Witze ausgegangen und die beiden würden jetzt mal was Besinnliches machen. 7 Text: Britta Arent

Theophilus London Timez Are Weird These Days

(Warner) In seiner Heimat New York ist der Rapper längst keine kleine Nummer mehr und obwohl Theophilus London schon diverse Mixtapes und EPs auf seinem Zettel hat, wird er hierzulande noch nicht so wirklich beachtet. Mit seinem Album „Timez Are Weird These Days“ sollte sich das schleunigst ändern. Schon der Opener „Last Name London“ macht

PLATTEN

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gleich auf dicke Hose. Geschickt wird hier mit dem Wechsel zwischen lauten und leisen Elektro-HipHop-Beats, in Verbindung mit choralem Frauengesang, das Revier großflächig auf dem Tanzparkett markiert. Die zehn weiteren Songs machen dann gerne mal einen Abstecher in die Achtzigerjahre und flirten mit soften PopElementen, ohne dabei aber aus dem Konzept zu fallen. Resultat ist eine der gelungensten Debütplatten des Jahres. Kanye bekommt endlich wieder ernsthafte Konkurrenz. 8 Text: Natascha Siegert

Tom Morello: The Nightwatchman World Wide Rebel Songs

(New West/Blue Rose/ Soulfood Music) Zum Glück ist hier nicht drin, wonach das Cover aussieht. Das dritte Nightwatchman-Album ist das erste, das mit der kompletten Besetzung des Freedom Fighter Orchestras aufgenommen wurde - und das steht ihm hier und da gar nicht so schlecht. Trotzdem fragt man sich, was mit dem guten Tom so los ist. Auch wenn die Texte immer noch wütend und kritisch politisch sind, die (akustische) Gitarre in all ihren Spielarten das bestimmende Instrument ist, so wird er in diesem Leben einfach kein zweiter Johnny Cash. Zwei Songs seien dennoch empfohlen: In „It Begins Tonight“ hören wir sogar mal wieder die gute alte quirlige und elektrische RATM-Gitarre und die erste Single „Save The Hammer For The Man“, wird dank Ben Harper nicht nur im Gitarren-, sondern auch im Mikrofon-Duett zu einer kleinen, feinen Country-Ballade. 5 Text: Claudia Corb

Urlaub In Polen Boldstriker

(Strange Ways/Indigo) Jetzt ist es aus, vorbei. Die Kölner von Urlaub In Polen veröffentlichen mit „Boldstriker“ ihr fünftes und letztes Album. Wer noch einmal alle Erwartungen und Berechnungen über Bord wirft, wird von Georg Brenner und Jan Philipp Janzen mit elektronischwabernden Club-Tracks und futuristischem Noise-Pop belohnt. Sperrig schön und mit „The Velvet Blues (Ext. Version)“ fast schon hymnenhaft - der Gegenentwurf zum glatten Pop. War schön mit euch, Jungs. Wir hören uns bei Ken und Von Spar. 7 Text: Britta Arent

Waters Out In The Light

(City Slang/Universal) Port O’Brien, das sympathische Indie-Folk-Kollektiv ist Geschichte. Als Liebespaar Kopf einer Band zu sein – vielleicht doch keine so gute Idee. Aber auch wenn das stetige Touren seiner Band den Gnadenstoß erteilte: Sänger Van Pierszalowski suchte sich eine neue Mannschafte und Befreiung von Bekanntem. Dafür lud er zwei ehemalige Jam-Kumpanen aus Norwegen zum Spielen seiner vor Neunzigerjahre-Flair strotzenden Stücke ein. Da passt es, dass im Studio der Schlagzeugsound von Nirvanas „In Utero“ emuliert werden sollte. Dazu muffigdrückender Bass und schrammelnde Gitarren – das Vokabular des Grunge eben. genau dieses paart Van Pierszalowski, altbackener Sound hin oder her, jedoch zuweilen mit charmanten Popmelodien wie in „Out In The Light“ oder dem Quasi-Hit „For The One“, auch wenn Überraschungen anders klingen. 5 Text: Volker Bernhard

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DEMODESASTER

unclesally*s magazine

DEMODESASTER Zwanzig

Anfang der Neunzigerjahre wähnte sich die Metallerzunft mit allem Gepose und mythologischem Budenzauber noch auf dem Zenit des Erfolges. Und plötzlich tauchten rund um Seattle schüchterne Nerds in Flanellhemden auf, überrannten den Musikmarkt und sangen über sich und ihre Probleme. Auch wenn nicht klar ist, was Grunge nun wirklich war - von „letzte Jugendbewegung des Jahrtausends“ bis „kluge Vermarktungsstrategie der Musikindustrie“ ist alles drin kreierte die vielschichtige Bewegung allein im September 1991 mehrere Alben der musikalischen Zeitgeschichte. Nirvanas „Nevermind“, Pearl Jams „Ten“, Soundgardens „Badmotorfinger“, um nur drei zu nennen. Drei Scheiben, die heute punktgenau 20 Jahre alt werden und all unseren Bands sagen sollen: „Macht euer Ding! Lasst euch nicht reinreden!“ und ihnen ein wärmend Utensil mit auf den Weg geben. A PONY NAMED OLGA THE LAND OF MILK AND PONY

Das Leben ist nicht immer nur Ponyhof, aber mit etwas Rockabilly, Punk- und Garagenrock in der Blutbahn auch so noch gut zu ertragen. Das dachte sich das Trio sicherlich, als es das Kleinpferd zum musikalischen Konterfei erhob. Per Selbstbeschreibung nennt sich das dann „Texasgarageskabillypunk & Selbstmitleid from Berlin“. Als wir in die neue Scheibe der Berliner Institution hören, wird uns klar, dass zügelloser Spaß und zwinkerndes Auge zusätzliche Bandmitglieder sind. Ergänzt durch eine gute Kelle Westernflair und Surfgitarre treiben die drei Tollenträger ohne Durststrecke gute Laune und schwitzendes Publikum vor sich her. Und der flitzfingrige Gitarrist & Fronter Heini Hempel zeigt erneut, dass noch jede Menge versierte Nummern in der Hüfte des Ponys stecken. Macht Spaß. 7 Flanellhemden Heimat: myspace.com/aponynamedolga Kontakt: ponyolga@gmx.de

ASSYRIAN THE WOLF THROUGH EVERY FALL AND HIVER

Wir haben hier in der Redaktion ja schon einiges gesehen an skurrilen thematischen Bezügen. Doch wenn eine Band, die sich nach Wolf und einem Volk des Altertums benennt, plötzlich den Bienenzüchter aus dem Textekoffer zaubert, können auch wir nicht mehr folgen. Was namentlich zunächst martialisch nach Drone-Platte anmutet, entpuppt sich als verhaltenes Artrock-Scheibchen. Dabei ist sich das Quartett aus Hamburg jedoch nicht immer einig, wo all die geballte Eingebung nun hin soll. Ob minimalistische Piano-Intros und -Outros im gnädigen Satie-Stil oder mühsam verfrickeltes Gegniedel, atmosphärisches Schichten oder treibend und discotauglich, bedient wird so ziemlich alles zwischen Indie bis Progressive, wirkt jedoch leicht orientierungslos. 6 Flanellhemden Heimat: myspace.com/assyrianthewolf Kontakt: contact@assyrianthewolf.com

COFFEESHOWER KICKING A MEDICINE BALL

Es gibt Tage, da kommen wir ohne das leckere schwarze Gold - genannt Kaffee - nicht aus der Hüfte. Die Italiener aus L’Aquila scheinen das auch gut zu kennen, gehen aber konsequent den ganzen Schritt und wählen neben dem Bad in der Moshpit-Menge auch die volle Bohnenbrause. Was

schon anfangs auffällt: Hier sind vier Jungs am Werk, die keine halben Sachen machen, nach oben wollen. Spielversiertheit, die suggeriert, dass die Vier ihre Instrumente sogar mit ins Bett nehmen. Darüber hinaus klingt „Kicking A Medicine Ball“ jedoch wie eine Verbeugung vor Neunzigerjahre Posthardcore-Bands wie Taking Back Sunday oder Saosin. Das wäre auch unser einziger Kritikpunkt an der sonst unheimlich dichten wie guten Scheibe: Weniger Querverweise und mehr Mut, die hauseigene Röstung anzupreisen. 6 Flanellhemden Heimat: coffeeshower.com Kontakt: coffeeshower@hotmail.com

I AM SOULCRAFT DTO.

Zu viele Köche verderben den Brei, dachte sich I Am Soulcraft aka Ingo Helmes und schraubt lieber allein im DIY-Labor an chilligen Elektro-Beats. Heruntergebrochen auf die Basis ist Musik für ihn „wie Fotografieren oder Malen: eine Kombination aus Farben, Licht- und Schattenspielereien, geschichteten Lagen“. Klingt im Ansatz minimalistisch und unromantisch, ist zur Beschreibung der Umsetzung dann auch zu kurz gegriffen. Denn was Ingo uns da zaubert, ist groß und mehr als Sampler-Lego! Fitzelige, kleinfasrige Gebäude bastelt er in kompositorischer Akribie, fragmentarisch zusammengestellt aus Ziegel- und Mauerwerk des vollen Fundus’ namens Ambient, Jazz, Lounge und weiterer Spielarten der vertrackt genialen Kopfmusik. 8 Flanellhemden Heimat: myspace.com/iamsoulcraft Kontakt: i-helmes@i-m-soulcraft.de

JONA:S GRAU

Glaubt man Jona:S’ Texten, dann steckt ganz pessimistisch hinter jeder weißen Weste auch ein schwarzes Schaf, verschwimmt jedwedes bunte Kolorit früher oder später zur fahlen Tristesse. Tanztaugliche Melancholie, die mit auf Synthiepop-Schnüre gezogenem Deutschrap dazu anstachelt, die Trauerränder von der Emoplatte zu kratzen. „Scheiß auf Junimond, lass Träume zu Ende gehen, zieh die Klamotten aus und dusch dich im Novemberrain.“ Ganz so plakativ und schlimm ist es um Jona:S aber nicht bestellt, auch wenn ihr teils melancholisch lebenserfahrener Mix nicht gerade die Gute-Laune-Platte des Monats wird. Die Giessener Reimemeister schaffen jedoch textgewaltig den Spagat zwischen Lebensbejahung und skeptischer Schwarzmalerei und damit den Soundtrack für jeden Großstadtneurotiker. 8 Flanellhemden Heimat: jona-s.de Kontakt: kn@mec-early.com , info@jona-s.de

LONG VOYAGE SPRING FAIR EP

Long Voyage begreifen sich als tonales „On the road“-Gefühl. Indie-Folk, der Fahrtwind, Sand in den Schuhen und allgemein wohlige Rastlosigkeit in sich birgt. Mundharmonikas surren, Stampfrhythmen treiben an wie ein gut geölter Kolbenmotor. Ein Miniaturvehikel, abgespeckt und heruntergebrochen auf nur das Nötigste. Globetrotter brauchen nicht viel Gepäck. Und auch wenn Long Voyage vorrangig Nicolas Huarts Vision von der Reise bleibt, hat er als Kanadier inzwischen in Leipzig geankert und versucht sich, begleitet von befreundeten Musikern, an Sesshaftigkeit. Doch auch in der kreisfreien Stadt Sachsens angekommen, bleibt die Message, dass der Weg wichtiger ist als das Ziel. In diesem Sinne: die perfekte Roadtrip-Untermalung. 6 Flanellhemden Heimat: longvoyager.com Kontakt: info@thanksforthepostcard.com

SHIRLEY HOLMES DTO.

Kritische Stimmen munkeln, dass nach der kreativen Hochphase der Riot Grrrl-Szene und deren Idealausverkauf durch Kommerzialisierung nichts mehr kam an coolen Frauenbands. Dass die anfängliche Wut und gelungene Emanzipation von der männlich dominierten Musikszene durch zu viel „Brüste raus, es ist Sommer“-Image verwässert wurde. Aber nix ist! Außerdem, Totgesagtes lebt länger! Trotz des Bedienens alten Sounds riecht auf Shirley Holmes Erstling nix nach Moder, weisen die zwei Mädels plus Drummer (man ist ja

nicht so) zwar klar auf die Neunziger, altbacken ist aber anders. Straight-Forward-Nummern, die noch Grunge kennen, Garagenatmosphäre und Ehrlichkeit sind die Attribute, aus denen der Silberling geschnitzt wurde. Nur die namentliche Verbeugung vor einer Kinderserie bleibt uns fraglich. 7 Flanellhemden Heimat: myspace.com/shirleyholmesberlin Kontakt: shirley.holmes@gmx.de

SPITCHILD SUNDAY MORNING PORNSHOW

Die vier Jungs von Spitchild haben sich, in selbstgestrickte Hardrockgrandezza und allerlei Blingbling eingemummelt, Stylersprüche aus Nikki Sixx’ Buch in die Köpfe gedrömmelt. Musikalisch posen die Pornomucker zwischen Spacigem wie Powerman 5000 und Alternative Rock, der zeitweise zur abgeschmackten Nickelback-Stadionschmonzette verkommt. Das Vokabular sitzt zwar und wird konsequent durchwandert. In der Theorie gibt’s dafür auch ne Eins. Doch während wir den Jungs bereitwillig versierte Saitenpflege attestieren, sieht’s mit Glaubwürdigkeit schon anders aus. Klar kann all das auch als Ironie durchgehen, richtig sicher sind wir uns aber nicht. Und dann lugt, wie im Albumtitel bereits enthalten, der Wochenendpornorocker um die Ecke, dem man die „Ich fick alles“-/“Rolf Eden“-Nummer nicht abkauft. 5 Flanellhemden Heimat: spitchild.de live: 17.9. Göppingen, Festival 18.9. Stuttgart, 1210 Kontakt: booking@spitchild.de

Text: Maik Werther

Volkswagen Sound Foundation Neun Newcomer für Förderprogramm ausgewählt

Auf in die nächste Runde: auch dieses Jahr werden wieder ausgewählte Bands das bewährte Förderprogramm durchlaufen, etwa den zweitägigen Aufenthalt bei der Bandfactory in Wolfsburg, wo Profis aus den verschiedensten Bereichen den Neulingen mit Rat und Tat zur Seite stehen werden. Zu diesem Zweck hat die achtköpfige Jury aus hunderten von Bewerbern neun Bands ausgewählt, die von der Förderung der Sound Foundation profitieren dürfen. Im Bereich Pop sind das Beta 2.0, Cold Water Effect und KEYNO. Gewinner in der Kategorie HipHop & R’n’B wurden Backwoods Bunch, Shubangei & The Maxons und Chupacabras, während Gone Astray, REDEEM und The Bonny Situation den Rock vertreten.


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MIXTAPE

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WAS HÖRT EIGENTLICH... DER TANTE RENATE Norman Kolodziej weiß: Wer in der Jugend Guns N' Roses hört, der ist nicht zwangsläufig verloren. Im Gegenteil, denn nur wer hier und da mal seine Ohren spitzt, wird stark genug, um auch Eurodance aus Russland zu ertragen. Wann diese Gabe hilfreich werden kann? Bei eurer nächsten Dachparty in Hamburg vielleicht. Mit welchen Bands bist du groß geworden? Wer hat deinen Musikgeschmack geprägt? Aufgewachsen bin ich mit Guns N' Roses, Metallica, Slayer, Cannibal Corpse, Kraftwerk und mit ganz vielen Sachen vom C64. Ich habe viel so C64Demo-Musik gehört. Weißt du noch, was die erste CD war, die du dir gekauft hast? Eine Single und es ist mir saupeinlich: "Two Hearts" von Phil Collins vom Soundtrack zum Film "Buster". Du bist auch mit Hardcore-Punk groß geworden. Welche Bands sollten bei den jüngeren Leuten auf keinen Fall in Vergessenheit geraten? Refused und Snapcase würde ich gerne mehr im Radio hören. Aber man romantisiert das ja. Wenn ich mir alte Kassetten anhöre, bin ich oft überrascht, was das soundmäßig für ein Trash war. Wenn jemand mit Gitarrenmusik sozialisiert worden ist, über welche Umleitung würdest du ihn an Elektro heranführen? Mittlerweile kann man ja einen ganz guten Bogen schlagen, angefangen mit Gitarrenrock-Bands wie Refused zum Beispiel. Die haben auf "The Shape Of Punk To Come" zwischen den Liedern auch so Elektrozeugs. Dann weiter über

Justice, die Gitarrenrock mit Elektro machen, und dann könnte man sie ganz geschmeidig an Kraftwerk oder Jean Michel Jarre heranführen (lacht). Zu welchem Song würde niemand tanzen außer dir? Vielleicht zur Titelmusik von 'Out Run', dem C64-Spiel. Welchen Song sollte man auf ein Mixtape packen, mit dem man ein Mädchen begeistern will? Ich habe noch nie ein Mixtape für ein Mädchen gemacht. Mit ’Räuberhöhle’ kriegt man mit Sicherheit alle. (lacht) Zur Zeit finde ich aber zum Beispiel "Circles" von Digitalism super und würde das wohl auf ein Mixtape packen. Ich würde die Sachen nehmen, die ich mag und nicht welche, von denen ich denke, dass die gut ankommen könnten. Aber zum Beispiel "Everything Is Everything" von Phoenix fanden immer alle Frauen gut, oder? Welche Platte würdest du spielen, wenn du deine Partygäste loswerden wolltest? Ich habe mir letztens eine MP3-CD aus Russland mitgebracht. Da sind so 240 Songs mit der gleichen Geschwindigkeit drauf, so Eurodance-Zeug. Da kann man schon mal ins Bett gehen und das läuft dann noch zwei, drei Tage weiter.

Welchen Song hättest du gern selbst geschrieben? Ich glaube, "Sunday Bloody Sunday" von U2. Wenn du eine Nacht im Gefängnis verbringen müsstest und man ließe dich die ganze Zeit nur eine Platte hören, welche würdest du wählen? Ich war schon mal ein paar Stunden im Knast. Ich saß mit einem Kumpel auf einem Dach in der Schanze in Hamburg und als wir runter gehen, hält uns plötzlich ein Typ eine Knarre ins Gesicht. Irgendeine Oma hatte behauptet, wir hätten bei ihr ein Fenster zu öffnen versucht. Wir standen da mit Falafel und einem Bier in der Hand, es war absolut

lächerlich. Was Mega-Aggressives hätte ich da gern gehört, Citizens Arrest zum Beispiel.

DAS MIXTAPE: • Metallica - "Seek & Destroy" • Phil Collins – "Two Hearts" • Refused - "New Noise" • Justice - "Stress" • Kraftwerk - "Autobahn" • Räuberhöhle - "Everyday More And More Ppl Are Going Radical" • Digitalism - "Circles" • Phoenix - "Everything Is Everything" • U2 - "Sunday Bloody Sunday" • Citizens Arrest - "Soaked In Others' Blood" Text: Christine Stiller Heimat: dertanterenate.de Auch gut: "H4xX02" - das neue Album von Der Tante Renate


Foto & Post-Production: Tim Klรถcker, 103prozent.de Styling: Alexandra Heckel Outfits: Mazine + Casper privat


FESTIVAL SPEZIAL 2011

BIN 2011

Berlin Music Week / Berlin Festival Fritz - Die Neuen DeutschPoeten / Reeperbahn Festival

FESTIVAL RÜCKBLICK ØYA, HIGHFIELD UND OPEN FLAIR


BEGINNER, SUEDE, PRIMAL SCREAM BEIRUT, LFO, BOYS NOIZE ALOE BLACC, MOGWAI, THE DRUMS, THE RAPTURE, dEUS, THE BLOODY BEETROOTS JAMES BLAKE, PUBLIC ENEMY, BATTLES, ODD FUTURE WOLF GANG KILL THEM ALL, HERCULES AND LOVE AFFAIR, BOY GEORGE & MARC VEDO KRUDER & DORFMEISTER, APPARAT BAND, CASPER CLAP YOUR HANDS SAY YEAH, THE NAKED AND FAMOUS, MR. OIZO CSS, SANTIGOLD, PANTHA DU PRINCE, DIPLO, A-TRAK, SKRILLEX DJ HELL, WIRE, HEALTH, BURAKA SOM SISTEMA, AUSTRA, MOUNT KIMBIE, BAG RAIDERS, ALEX WINSTON, YUKSEK, BRODINSKI, YELLE, THE BLACK ANGELS, FIREFOX AK, RAINBOW, ARABIA, WATERS, RETRO STEFSON, TUNE-YARDS, DRY THE RIVER, HOUSSE DE RACKET, ANDY BUTLER OH LAND, GESAFFELSTEIN FLORRIE, JIMMY EDGAR, REMMIDEMMI, GRECO-ROMAN SPECIAL, RELISH, SPECIAL, G.I. DISCO, BERLIN BATTERY LAST DAYS OF 1984 AND MANY MORE PRESENT SCREAMADELICA

DEATH CREW 77 LIVE

DJ-SET

DJ-SET

LIVE


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HIGHFIELD 2011

FOTO: JOHANNES GRANSETH

Die meisten Festivals diesen Sommer sind ja buchstäblich ins Wasser gefallen – Regen, Kälte und Unwetter machen besonders wenig Spaß, wenn man den ganzen Tag mit den Füßen im Matsch vor einer Bühne steht und abends unter eine löchrige Zeltplane kriechen muss. Dieses Problem hatte das diesjährige Highfield nicht, was sicherlich nicht unerheblich zur hervorragenden Stimmung beitrug. Nach dem Umzug an den Störmthaler See südlich von Leipzig im vergangenen Jahr hat sich das Festival am neuen Platz sichtlich eingelebt. Auch wenn viele der Parkplätze gefühlte sieben Meilen von den Zeltplätzen entfernt lagen und die sanitäre Situation an solch einem Festival auf dem grünen Rasen sicher nie völlig zufrieden stellt, so ist doch die Lage direkt am See unschlagbar. Die beiden großen Bühnen waren so platziert, dass man problemlos von einer zur anderen pendeln konnte und die Auftrittszeiten so getaktet, dass der Besucher so ziemlich jede Band sehen konnte, wenn er denn wollte.

ØYA-FESTIVAL IN NORWEGEN Als das Øya-Festival am Rande von Oslo 1999 zum ersten Mal stattfand, kamen circa 1000 Neugierige am Tag vorbei. Heute gehört Øya mit insgesamt 85.000 Besuchern zu einem der größten Festivals in Norwegen. Auch in diesem Jahr konnte sich nicht nur das Line-Up sehen und vor allem hören lassen: Neben den Headlinern wie Kanye West, Pulp und Kyuss Lives! überzeugte vor allem auch die Auswahl in den kleinen Schriftgrößen: The Avett Brothers, Crystal Fighters, Explosions in the Sky, Ghost, Fleet Foxes, Kaizers Orchestra, Lykke Li, The Pains of Being Pure at Heart, Sharon Jones & The Dap Kings, Warpaint u.v.m. sorgten für ein musikalisches Rundumsorglos-Paket, bei bester und friedlichster Stimmung. Auf vier Bühnen und in 25 Clubs quer durch Oslo hatte man die Qual der Wahl zwischen insgesamt über 200 Bands, allerdings war das Mitführen von ausreichend „Kleingeld“ ratsam - die Preise in Norwegen sind nochmal einen ganzen Zacken teurer, als man es von der Heimat vielleicht gewöhnt ist. Dafür sind dort aber die Festivals vorbildlich, was Umweltschutz und Energiepolitik angeht: So werden die Gitarrenamps mit erneuerbaren Energien versorgt und anstatt fetttriefender Pommes gibt es leckeres Bioessen aus der Region und sogar das, was sonst in den Dixieklos chemisch vor sich hin mieft, wird hier zu Methangas für die städtischen Busse. Es war ein besonderes Øya, so kurz nachdem das Land durch die Morde eines Wahnsinnigen bis ins Innerste erschüttert worden war. Vielleicht war es auch deshalb eine nochmal besonnenere Stimmung, die unter dem Motto "Taking Back Oslo" Musiker, Macher und Besucher ein bisschen näher zusammenrücken ließ. Man war sich bei aller Fassungslosigkeit über das Geschehene einig, sich die Freude und den Spaß an der Musik nicht nehmen zu lassen, sondern ihre friedliche und verbindende positive Kraft nutzen zu wollen. Mit Erfolg: Es wurde viel getanzt, gelacht und gemeinsam gefeiert. Schön war’s!

OPEN FLAIR Wie auch schon im letzten Jahr haben uns das Open Flair und seine Besucher herzlich empfangen und vier Tage lang ordentlich verwöhnt. Um neben dem bunt gemischten Musik- und Kulturprogramm auch ein bisschen Entertainer zu spielen, haben wir ein uns Bands eingeladen, die euch mit Autogrammen versorgten oder unsere lustigen Festivalgames mit euch spielten. So haben sich die Donots im Boule versucht, Frank Turner im Miniangeln und Jupiter Jones – dem Anfangsbuchstaben wegen – im Jenga. Außerdem statteten uns The Subways, Itchy Poopzkid, 3 Feet Smaller, Fiddler's Green und Boy Hits Car einen kleinen Besuch an unserem Festivalstand ab. Die Fotos dazu seht ihr in unseren News auf sallys.net.

Das Programm war dieses Jahr besonders fein, neben großen Namen wie den Foo Fighters, Thirty Seconds To Mars oder Seeed stach besonders die große Menge an Punkrock und Hardcore-Bands heraus, von denen viele lange nicht in Deutschland gespielt hatten, etwa Face To Face oder The Mighty Mighty Bosstones. Auch die Bands wussten das durchaus zu schätzen. So halfen Hot Water Music bei den Bouncing Souls an Mikro und Gitarre aus, während letztere zusammen mit dem Sänger von Rise Against bei Hot Water Music mitspielten. Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, dass einige dieser Punkrock-Bands im Rahmen eines verschwitzen Clubauftritts noch mehr Spaß gemacht hätten, anstatt am hellichten Nachmittag vor vielen Leuten, die offensichtlich noch nie von ihnen gehört hatten. Keine Angst vor großen Bühnen mussten natürlich Festivalroutiniers wie Flogging Molly, Dropkick Murphys, Rise Against, Deftones oder auch die Donots haben, bei denen die Massen lautstark mitfeierten. Vielleicht die Überraschung des Festivals war Royal Republic, bei denen es wirklich ganz erstaunlich abging. Im nächsten Jahr wieder! Text: Hans Vortisch

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BERLIN MUSIC WEEK

FUNERAL SUITS

Vom 7. bis 11. September bleiben die Kopfhörer bitte zu Hause. In der Hauptstadt steht alles im Zeichen der Berlin Music Week und da sollte man seine ungeteilte Aufmerksamkeit dazu nutzen, hier und da und dort – einfach überall – auch mal live reinzuhören... Party reiht sich an Konzert und wieder an Party. Das Angebot ist groß und es sollte für wirklich jeden was dabei sein. Wir haben euch mal ein paar Tipps zusammengestellt - alle Infos gibt es unter berlin-music-week.de ZEBRA AND SNAKE

MUSIC FROM IRELAND Do, 8.9. Comet, Eintritt frei! Live: Galaxie, Funeral Suits, Ham Sandwitch, We Cut Corners und Last Days Of 1984 Auch die Iren rücken mit einer musikalischen Delegation bei der Berlin Music Week an. Im Gepäck haben sie fünf bisher ungesignete Bands, wer also Plattenverträge loswerden oder sich einfach mal anhören möchte, was die kleine grüne Insel musikalisch so zu bieten hat, der ist hier richtig.

ANGEL AT MY TABLE

NORDIC BY NATURE SCANDINAVIAN MUSIC IN BERLIN Mi, 7.9. Magnet & Comet Live: Ikons, Zebra And Snake, Marcus Price u.a. 10 Euro Am 7. September zieht es alle skandophilen Musikliebhaber in Magnet und Comet Club. Bei Nordic By Nature werden euch die neuesten Trends aus DEN Trendländern schlechthin vorgestellt. Wer also wissen möchte, was in Sachen Pop, Rock, Elektro und HipHop in der nächsten Zeit so angesagt sein wird, lernt von nordischen Newcomern wie Ikons, Zebra And Snake und Marcus Price sicher schnell.

LUCY SWANN

LUXEMBURGER ROCK NACHT Fr, 9.9. Comet Live: Mutiny On The Bounty, Versus You, Angel At My Table Auch Luxemburg kommt mit einem Beitrag zur musikalischen Völkerverständigung nach Berlin. Während bei Mutiny On The Bounty und Versus You die Gitarren die Hauptrolle spielen, ist es bei Angel At My Table der Powerpop-Sound einer weiblicher Stimme.

METAL HAMMER AWARDS Fr, 9.9 Kesselhaus Live: Audrey Horne, Primal Fear, Caliban, Die Apokalyptischen Reiter 25 Euro Alle Metal-Fans gehen am 9. September ins Kesselhaus. Hier werden die Metal Hammer Awards 2011 verliehen. Als musikalische Ehrengäste sind Audrey Horne, Primal Fear, Caliban und Die Apokalyptischen Reiter geladen. Welch feierlicher Anlass! Spitzenschneiden für den schwarzen (!) Teppich nicht vergessen…

THE GREAT ESCAPE PRESENTS... Do, 8.9. Maschinenhaus Live: Dry The River, I Am Oak, Lucy Swann u.a. 18 Euro Am 8. September heißt es The Great Escape presents... und das bedeutet, Bands wie Dry The River und I Am Oak entern das Festival. Das bringt gute Laune und Lagerfeuer-Escape-Fantasien, wenn die Akustikklampfe kickt.

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BEGINNER

BERLIN FESTIVAL

9. & 10.9. Flughafen Tempelhof Berlin Music Week Ticket 100 Euro, 2-Tagesticket 84 Euro, Tagesticket Freitag oder Samstag 51 Euro, Club Xberg Tagesticket 26 Euro Ein Blick auf die Headliner lässt vermuten: Die Veranstalter setzen dieses Jahr auf Wiedervereinigungen und Rückblicke – mit den ehemals absoluten Deutsch-HipHoppern Beginner und den Brit-Pop-Veteranen Suede geben sich zwei erneut zusammengefundene Hochkaräter die Ehre, während Primal Scream ihr komplettes „Screamadelica“-Album von 1994 runterspielen werden. Doch keine Angst, auch die Gegenwart kommt nicht zu kurz, schließlich hat das Festival auf dem Flughafengelände Tempelhof auch noch aktuelle Publikumslieblinge für euch parat. So bitten etwa The Drums zum Tanz, Beirut liefern den Soundtrack zum Sommerende und James Blake zeigt live, warum er mit seiner Avantgarde-Version von Ambient und Dubstep so oft als Wunderkind gefeiert wird. Weitere Highlights erwarten euch mit Mogwai, Battles, Aloe Blacc oder The Rapture.Um Mitternacht knipst das Berlin Festival dann den Strom aus. Doch das ist natürlich kein Grund, die Party frühzeitig zu beenden. Der Club Xberg wurde ins Leben gerufen, um euch die Möglichkeit zu bieten, in Clubs wie der Arena Berlin, dem Lido, dem Magnet und vielen weiteren Venues mit Gigs, DJ-Sets und Performances, so lang euch die Füße tragen wollen, weiterzufeiern. Dabei werden unter anderem DJ Hell, Public Enemy, Mr. Oizo und die Bag Raiders eure Nacht zum Tag umfunktionieren. Sagenhafte 62 Clubs

öffnen ihre Pforten. Shuttle-Busse machen es euch einfach, vom Festivalgelände dorthin zu kommen. So und wer jetzt genau wissen will, wer, was, wann und wo macht und für welche Veranstaltung er welches Ticket zu welchem Preis braucht, dem sei berlinfestival.de empfohlen - da gibt es für alle Verzweifelten sogar einen Ticketrechner. Man klickt an, wen man gerne alles sehen will und bekommt seine ganz persönliche Ticketempfehlung. Schlau.

CLUESO

TREEFIGHT FOR SUNLIGHT

FOTO: ANIKA MOTTERSHAW

FRITZ DIE NEUEN DEUTSCHPOETEN

REEPERBAHN FESTIVAL 22. bis 24. September Hamburg – Reeperbahn 3-Tages-Ticket Do. – Sa.: 60 Euro 2-Tages-Ticket Do. & Fr. oder Fr. & Sa.: 45 Euro 1-Tages-Ticket Do. / Fr. / Sa.: 30 Euro

Sa, 3.9. IFA Sommergarten Ausverkauft Clueso, Bosse, Philipp Poisel, Marteria, Kraftklub, Wir Sind Helden u.a. Das letzte Gedicht haben die meisten von uns in der Schule geschrieben, die letzte Form von Poesie wohl eher nicht vor drei Minuten bei Facebook gepostet. Dabei mögen wir sie doch alle, die Metaphern, die Personifikationen, die Alliterationen, Oxymora und Vergleiche. Und wenn das Ganze dann auch noch von sympathischen Menschen in Musik verpackt wird, dann, ja dann seid ihr bei den Fritz DeutschPoeten. Herzlichen Glückwunsch, euer Horizont wird sich erweitern und euer Herz mit Zuneigung füllen, wenn ihr Künstler wie Clueso, Bosse und Philipp Poisel kompakt an einem Konzertabend erlebt. Unter verlosung@sallys.net könnt ihr euch noch für ein paar Tickets bewerben, die wir klugerweise für euch gesichert haben, bevor sie restlos ausverkauft waren.

Wenn sich das schöne Hamburg zum Ausgehen fertig macht, dann heißt es wieder: Willkommen beim Reeperbahn Festival. Bei Deutschlands größtem Clubfestival gibt es Musik von gefeierten Indie-Acts, Rock-, Pop-, Soul- und HipHop-Künstlern, Elektro-Nerds und natürlich aufstrebenden Newcomern, die sich auf 40 ausgewählte Clubs, Bars, Konzerthallen und Theater verteilen. Von den insgesamt 200 Shows werdet ihr viele verpassen. Doch wer sich klug anstellt, der kann hier so einiges erleben. Auf jeden Fall solltet ihr mal beim "Spot On Denmark" im Indra vorbeischlendern. Dort werden euch Darkness Falls, Lucy Love, The Malpractice und Treefight for Sunlight einen Einblick in die Schönheiten der dänischen Musikszene geben. Line-Up: Bratze, Chuckamuck, Cloud Control, Dear Reader, Eastern Conference Champions, Friska Viljor, Frittenbude, Ganglians, Handsome Furs, The Jezabels, Kraftklub, Long Distance Calling, Martin And James, Miss Li, The Raveonettes, The Rifles, Station 17, Touchy Mob, Turbostaat, When Saints Go Machine, Yelle u.a.

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HANDSOME FURS (CAN)

THE KING BLUES (UK)

Eigentlich ist an Pelzen nichts Schönes zu finden, die Handsome Furs beweisen aber zumindest auf musikalischer Ebene das Gegenteil. Mit „Sound Kapital“ kehren Wolf Parade-Kopf Dan Boeckner und Alexei Perry zurück und haben all ihre songwriterische Finesse mit ordentlich Keyboard-Dampf aufgefönt. Ihre legendären Live-Shows werden sie aber wohl weiterhin – zum Glück – mit einer elektrischen Gitarre bewaffnet spielen.

Der gute alte Freund Punk ist nicht mehr das, was er mal war. The King Blues aus London zeigen, dass das nicht gezwungener Maßen nur Schlechtes bedeuten muss. Hier funktioniert das Ganze nämlich mit mehr als nur drei stumpf geschrammelten Akkorden. Mit ihren Ska- und Folk-Einflüssen in der Musik schafften sie es immerhin bereits auf die Bühne mit den Specials und den Pogues. Wieder einmal der Beweis, dass Punk eben vor allem eine Lebenseinstellung ist.

ESCAPADO (GER)

CLOUD CONTROL (AUS)

Wenn einer Band Sänger und Bassist verloren gehen, kann das entweder das abrupte Ende oder eben einen Neuanfang bedeuten. Die Flensburger von Escapado entschieden sich mutig für die zweite Variante und bestätigen in neuer Formation und mit ihrem aktuellen Album „Montgomery Mundtot“ wiederholt ihren Ausnahmestatus in der deutschen Post-Hardcore-Szene.

Die einen bezeichnen sie als Folk-Pop, die anderen als die blumigen Nachkommen der unbeschwerten Hippie-Kombos vergangener Tage. Egal bei welchem Namen man Cloud Control nennen möchte, es ist und bleibt Musik gewordene gute Laune. Sehr wahrscheinlich der australischen Sonne geschuldet bezaubern sie daher auf ihrem Debüt mit melodieverliebtem Indie-Rock.

MAT McHUGH (AUS) Hauptberuflich ist er Sänger der australischen Band The Beautiful Girls. Heute lässt Mat McHugh seine Kollegen aber zu Hause und kommt allein zu Besuch, um die Stücke seiner ersten Solo-EP „Go Don't Stop“ vorzustellen. Während andere Singer/Songwriter gerne mal schwerfällig auf die Tränendrüse drücken, wärmen seine einfühlsamen Songs das Herz und halten die Herbstmelancholie noch einen Abend länger zurück.

REPTILE & RETARD (DK) Wären Reptile & Retard aus Deutschland, würden sie sich mit ihrem Elektro-Rock-Geballer ganz eindeutig nur bei einem Label heimisch fühlen: Audiolith! Sind sie aber nicht und somit beweisen sie, dass die Dänen nicht nur schön aussehen, die können auch noch neue Arten des Tanzens erfinden. Den Speeddance beispielsweise, für den man nur eine Anweisung folgen muss: Dance as if your pants were on fire.

TALKING TO TURTLES (GER) Wenn man das Indie-Duo von Talking To Turtles betrachtet, kann man kaum glauben, dass Zwischenmenschliches auch schwierig sein kann. Ihr bezauberndes Debüt nahmen sie in der Berliner WG eines Freundes auf, Ende August veröffentlichen sie dann bereits das Nachfolgealbum „Oh, The Good Life“. Und ganz nach dem Motto „Nicht kleckern, sondern klotzen“ spielten die sympathischen Rostocker Anfang des Jahres sogar beim legendären SXSW in Austin.

SCAMS (UK) Schön zu wissen, dass Brit-Rock doch noch am Leben ist und nicht in den letzten Atemzügen liegt. Scams sind vier Jungs aus Leeds, die locker als die Blaupause des neuen britischen Rock durchgehen könnten und quasi als Retter des fast klinisch toten Genres gefeiert werden sollten. Ihre aufgeregten, vor Energie fast platzenden Songs versprechen jedenfalls Großes.

TEAM ME (NOR) Es ist fast wie im Märchen: Marius Hagen beschließt Musik zu machen, allein ist das allerdings irgendwie doch ein wenig wie mit einer Wand zu sprechen. Also fragt er fünf Freunde um Hilfe und plötzlich sind da sechs Norweger auf der Suche nach dem perfekten Indie-Pop-Song. Team Me sind mittlerweile ein verschworenes Ensemble, dessen Debütalbum voll perlender Melodien steckt.

Der vierzehnte Act wird kurzfristig bekannt gegeben...

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MUSIK STORIES

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Hard-Fi

Die Jäger des verlorenen Darts Eine Dartscheibe, Jay-Z und ein Talisman. Ich möchte lösen: Wer sind Hard-Fi? Die Veröffentlichung der dritten Platte ’Killer Sounds’ hatte sich verzögert. Schuld müsse wohl die Dartscheibe sein, gibt Sänger Richard Archer im Interview zu Protokoll. Und tatsächlich grassiert bei Hard-Fi die Dartsucht. Auf Tour und im Studio herrschen hitzige Rivalitäten, das Brett darf nie fehlen. Nur zähneknirschend gibt Richard die bittere Wahrheit zu: „Ross ist der Beste.“ Aber er trainiert hart, um den Gitarristen zu bezwingen. Ein Dartwurf ins Bull’s Eye, so ließe sich auch die Bandgeschichte von Hard-Fi beschreiben. Aus dem kleinen Örtchen Staines bei London raus in die Welt. Gestern noch die Vorstadtritter, kurz darauf Chartkönige. Richard stellt aber fest: „Alle sagen immer, wir hätten Erfolg über Nacht gehabt, dabei war es jahrelange Arbeit.“ Und die hat sich ausgezahlt. Das Debüt ’Stars of CCTV’ schlug hohe Wellen und auch der Nachfolger ’Once Upon A Time In The West’ hinterließ einen kräftigen Schuhabdruck im Gesicht der britischen Musiklandschaft. Danach nahm sich die Band erst einmal eine Auszeit, um die Köpfe frei zu bekommen. Mit neuer Energie und neuen Ideen ging es dann an ’Killer Sounds’. Doch Moment, neue Ideen? Dem Betätigen der Abspieltaste folgt ein Stirnrunzeln und kurze Nachdenklichkeit.

’Good For Nothing’ heißt der erste Track des Albums und basiert auf einem Sample von, ja richtig, Jay-Zs ’99 Problems’. Aha! Richard löst unsere Verwirrung: „Das machen wir häufig so. Wenn wir etwas hören, das wir mögen, dann versuchen wir etwas zu schreiben, das so klingt. ’Give It Up’ verwendet zum Beispiel ein altes Blues/Folk-Sample. Und ursprünglich waren auf dem Album auch Beatles-Samples.“

Augen zu verlieren. Sollte es doch so weit kommen, dann hat Richard gegen das Verlieren von Dingen noch ein Ass im Ärmel beziehungsweise einen Talisman in der Tasche. Den bekam er von einem Fan geschenkt und hatte ihn als ausgewiesener Spezialist für temporäre Deplatzierungen bitter nötig: Sogar der Talisman ging kurz verloren. Doch er ist wieder da, genau wie Hard-Fi.

Bei aller Sampelei versuchen Hard-Fi aber ihren eigenen Stil aus Pop, Punk und Dance nicht aus den

Text: Johannes Musial Heimat: hard-fi.com

bereichert. Er ist der Mann für unsere Keyboard- und Synthiesounds und liefert jede Menge Input“, sagt Alex. Und auch der Produktionsprozess wurde umgekrempelt: Statt Gitarren-Sessions wurde intensive Studioarbeit mit zwei neuen Produzenten betrieben. Laut Alex lief das Ganze fast ein bisschen Workshop-mäßig ab offensichtlich die richtige Strategie: „Ich konnte mich diesmal viel mehr verwirklichen. Das liegt vielleicht daran, dass ich älter geworden bin und meine Ideen viel besser einbringen konnte. Außerdem wurden nicht stumpf die Demos abgearbeitet, sondern wir haben intensiv an unseren Visionen gefeilt und dabei teilweise auch selbst die Produzentenrolle übernommen.“ Das Ergebnis ist ein melodisches Popgerüst mit Anleihen aus Indie-Rock, Soul, und Elektronik, untermalt mit Chören und aufwendiger Instrumentalisierung. „Unser Debüt war noch sehr Gitarrenpoplastig, vielleicht auch verspielter und naiver. Auf dem neuen Album sind deutlich mehr musikalische Einflüsse hörbar und es ist wesentlich kraftvoller, auch wenn hier und da mal die Gitarre durch ein Klavier ersetzt wird.“

Auletta

(Fast) alles neu Nach ihrer ausgedehnten Tour zum 2009 erschienenen Debüt ’Pöbelei & Poesie’ mussten Auletta erst mal runterkommen und ihre musikalischen Visionen ordnen. Das Ergebnis ist ambitioniert: Auf dem Zweitling „Make Love Work“ paart sich der hymnische Pop der Band munter mit E-Gitarren und Klavierballaden. Und auch bei den Texten hat Sänger Alex Zwick Neuland betreten. „Ich fürchte, um diesen typischen Satz ’Wir sind reifer geworden und haben uns weiterentwickelt’ kommen wir wohl auch nicht herum“, lacht Alex. „Das Wichtigste ist aber sicherlich, dass wir unsere musikalischen Einflüsse erweitert haben.“ Der für Gesang und Texte verantwortliche Frontmann von Auletta ist gut drauf. Und er scheint mit sich, der Welt und seiner Band voll

im Reinen zu sein. Wenn man ihm so lauscht, hat er dazu auch allen Grund: Fast ein Jahr lang hat die mittlerweile fünfköpfige Mittzwanziger-Band aus Mainz am neuen Album gefeilt. Die erste wichtige Entscheidung, sich mit Chris Stiller ein neues Mitglied zuzulegen, ging schon mal voll auf: „Mit Chris, der musikalisch sehr versiert ist, wurde die Band auf jeden Fall

Ganz offensichtlich wurde die Zeit auch genutzt, um sich mit dem eigenen Seelenleben zu beschäftigen, denn Alex’ Texte sind doch sehr persönlich geraten: „Beim Debüt ging es noch mehr um das Wir-Gefühl der Band, diesmal sind die Texte aus meiner eigenen Perspektive. Und ich habe mich an das Thema Liebe gewagt! Das war Neuland für mich und es hat eine Weile gedauert, bis ich mich damit wohl gefühlt habe. Aber im Nachhinein finde ich, dass diese intensiven Nummern mit die schönsten sind.“ Text: Isabel Ehrlich Foto: Nina Stiller Heimat: auletta.de


The Rapture

New York City brennt wieder Lange war es mucksmäuschenstill um die einstigen Senkrechtstarter von The Rapture. Doch nun setzen sie zur Rückkehr an: ’In The Grace Of Your Love’ nennt sich ihr neues Werk und wirkt wie eine Kampfansage. Weil Frontmann Luke Jenner es niemanden mehr Recht machen will - außer: sich selbst vielleicht. Party hard. Feier’ die Feste, wie sie fallen. The Rapture waren einen Sommer lang das Nonplusultra des Independent, doch als das Jahr 2003 und ihr damaliges Werk ’Echoes’ verebbten, fand die Band mit dem Nachfolger ’Pieces Of People We Love’ kaum mehr den Anschluss. Im stilsicheren Teenage Fanclub-Shirt gekleidet, sitzt Luke heute vor einem und sieht den Grund dafür nur bei sich selbst: „Ich wusste damals nicht genau, wo die Reise hinführen soll, hörte zu wenig auf meine innere Stimme und funktionierte nur noch.“ Die ganze Situation nahm derart surreale Züge an, dass er bald darauf die Band verließ und das eigene Leben auf die Reihe bekommen wollte: Als erster Schritt folgte die Versöhnung mit seinem Vater - zu dem Jenner jahrelang kaum Kontakt pflegte und bei dem er sich maximal zu den Feiertagen meldete. „Es gab keinen Streit, Krach oder ähnliches, aber zu sagen hatten wir uns trotzdem nicht viel. Inzwischen ist dies komplett anders und er wurde sogar unser Coverheld fürs neue Album“, erklärt der Sohnemann und zeigt voller Stolz ein Exemplar von ’In The Grace Of Your Love’ - auf dem Vattern mit Surfbrett bewaffnet über eine große Welle reitet. Das Foto rückte der gerne raus und stand auch sonst er als Ratgeber in jeder Situation zur Verfügung, erfährt man auf Nachfrage. „Nachdem die Sache mit ihm wieder lief und wir einen Weg fanden, fühlte ich mich irgendwie erwachsen genug, meinen Songs einen autobiographischeren Charakter zu verpassen. Alle Beteiligten sind froh darüber, meine Familie vor allem, und so ist die Platte ein Statement für die Liebe, die Hoffnung und Zuversicht.“ Gerade noch rechtzeitig, denn längst haben andere Acts in Sachen elektronischer Indie-Pop die Führung übernommen, man denke nur an Phoenix oder Hot Chip - doch The Rapture setzen mit ’In The Grace Of Your Love’ zur Aufholjagd an und bieten SynthieSounds, treibende Beats und luftig leichte Gitarrenlicks. „Ich bin wirklich happy mit dem Ergebnis und letztens kam sogar ein Freund zu mir und meinte: ’Endlich brennt New York City wieder. Gut gemacht!’“, freut sich Luke und hat Gründe genug dazu - musikalisch wie privat rückte er die Dinge zurecht und selbst wenn dies mit langem Anlauf geschah, brachte es ihn zurück in die Spur. Und: zurück zum Glück. Text: Marcus Willfroth Foto: Ruvan Wijesooriya Heimat: therapturemusic.com


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MUSIK STORIES

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„Man kann Gitarre und Melodica nur schwer gleichzeitig spielen. So habe ich mich in die Band gekauft und hatte einen Fuß in der Tür“, scherzt Claudia. In ihren Liedern singen sie von den schönen und weniger schönen Momenten im Leben, über die Zukunft oder von Umarmungen mit Grizzlybären. Trotz großer Studioaufnahmen und breiterem Bandsound hat auch auf ’Oh, The Good Life’ jedes Stück eine Seele, ganz genau so wie bei ihrem Debüt ’Monologue’, welches noch in einem Berliner Wohnzimmer in Friedrichshain entstand. Jeder Song ist voll mit poetischen Momenten und melancholischen Geschichten, ohne dabei die üblichen BetroffenheitsGesten zu imitieren. Der Grat zwischen großartig und phänomenal-egal ist gerade bei ruhigen Tönen grundsätzlich bedrohlich schmal. Für den Journalistik-Studenten und die Diplom-Biologin eine Leichtigkeit. Die Jobs bleiben derzeit allerdings auf der Strecke.

Talking To Turtles

Von Zweien die auszogen, um Grizzlys zu zähmen Eine Geschichte wie aus dem Märchenbuch: Zwei Landeier beschließen gemeinsam Musik zu machen. Kaum drei Jahre später sitzen sie für die Aufnahme ihres Debütnachfolgers im legendären Avast!-Studio in Seattle (Band of Horses, Bikini Kill, Tori Amos) und spielen bei einem der bekanntesten amerikanischen Festivals. Mit ’Oh, The Good Life’ veröffentlichen die beiden Rostocker Florian Sievers und Claudia Göhler ihr zweites Album, produziert und gemischt in den USA. Einmal vor Ort nutzt das Paar seine Chance und spielt im Anschluss drei Konzerte beim legendären SXSWFestival in Austin. Dabei beginnt 2008 alles eher aus

Versehen. In den vier Wänden ihrer eigenen kleinen Wohnung, soll Claudia die neuen Stücke von Flos Gitarren-Soloprojekt als erste Kontrollinstanz für gut oder schlecht befinden. Auslöser für den Zusammenschluss zum Duo ist eine Melodica, die das Set erweitern soll, was Flo jedoch vor ein Problem stellt.

Was für Florian eine logische Konsequenz ist, denn: „Wir geben momentan alles dafür. Weil wir so viel Talking To Turtles machen möchten, bleibt wenig Zeit für einen festen Job, daher wäre es natürlich schön, davon irgendwann die Miete zahlen zu können, was aber nicht heißt, dass dieser Gedanke ständig in unseren Köpfen ist“. Auf die Frage, warum die zwei Livemusiker Stefan und Charlie nicht dauerhaft integriert werden, gestehen die zwei, sich noch nie darüber unterhalten zu haben – und Florian macht scheinbar unbemerkt eine Liebeserklärung: „Wir lieben es, zu viert auf der Bühne zu stehen, aber Talking To Turtles ist unser beider Ding und das sind eben einfach wir zwei, was sich genau so einfach schön und richtig anfühlt“. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann... Na, ihr wisst schon. Text: Sarah Gulinski

Heimat: talkingtoturtles.de

wir haben nie ausufernd getourt. Also hatten wir immer viel Zeit, am nächsten Album zu arbeiten.“ Beständigkeit scheint nicht das Ding der Gruppe zu sein. „Es ist doch langweilig, immer wieder das gleiche Album zu machen“, meint Jamie, betont aber, dass es auch keine bewusste Entscheidung gewesen sei, dass alle Alben der Band ziemlich unterschiedlich klingen: „Das ist eine ganz natürliche Entwicklung, weil unser Musikgeschmack immer noch dabei ist, sich konstant zu verändern. Wir sind ja noch eine ziemlich junge Band.“

Bombay Bicycle Club Der dritte Streich

2008 der Schulabschluss, 2009 das erste Album, 2010 der NME Award als ’Best New Band’. Bombay Bicycle Club arbeiten sich jedes Jahr einen Schritt weiter nach oben und man fragt sich, was da noch kommen soll. Ihr bestes Album seit Bandgründung vielleicht? ’A Different Kind Of Fix‘ ist das dritte Album der Band in drei Jahren. Eine ungewöhnlich hohe Veröffentlichungsquote, nehmen sich Bands heute doch oftmals nach getaner Arbeit zwei bis drei Jahre Aus-

zeit. Nicht aber der Bombay Bicylcle Club. „Ich weiß auch nicht so recht, warum das so ist“, lacht Gitarrist Jamie MacColl. „Es ist ein bisschen seltsam. Ich würde uns als eine ziemlich gute Liveband bezeichnen, aber

Was die Haupteinflüsse dieser ziemlich jungen Band sind? Vornehmlich die frühen Indie-Bands aus den späten Achtzigern und frühen Neunzigern: Jamie nennt Pavement, die Pixies, Sonic Youth und die Smashing Pumpkins, verweist aber darauf, dass gerade bei der neuen Platte auch elektronische Musik keine unwichtige Rolle gespielt habe. „Die Hauptinspiration war aber, dass wir uns unser erstes Album nochmal angehört haben“, erklärt er. So jedenfalls sei die Rückkehr zu den E-Gitarren zustande gekommen, nachdem es auf dem Vorgänger ’Flaws‘ vollkommen akustisch zuging. Zwar schaffte es jenes Album in die britischen Top 10 – doch sieht Jamie das nicht als Maßstab oder gar Motivation zur Wiederholung: „Die Charts werden derzeit von wirklich schlechter Pop-Musik dominiert. Ich hingegen schätze Bands, die einen eigenen Sound haben. Bands wie Wild Beasts, Metronomy oder The XX“. Ob er seine Band auf einer Ebene mit diesen sieht? „Mit dem neuen Album - ja.“ Text: Jan-Niklas Jäger Heimat: bombaybicycleclubmusic.com


MIT: AUF DER COUCH

?! Damian Abraham

(Fucked Up)

Dass Damian Abraham so ein liebenswürdiger Mensch geworden ist, verdankt er wohl einem glücklichen Zufall und zu großen Anteilen seiner Band Fucked Up. Kinder sind bekanntlich grausame kleine Biester und so musste der Sänger, der schon in seiner Schulzeit einige Kilos mehr auf den Rippen hatte, früh erkennen, wie böse diese Welt sein kann. Wer jetzt eine Weile mit Damian auf unserer Couch verbringt, dürfte anschließend in Folgendem mit uns übereinstimmen: Liebe Kinder, einfach ein bisschen weniger scheiße sein! Warst du als Kind eher schüchtern oder einer von den Lauten in der Schule? Damian: Wer als dickes Kind aufwächst, ist immer irgendwie der Außenseiter. Die Leute machten sich ständig über mich lustig und ich habe versucht, es mit gutem Humor zu kompensieren. In dieser Zeit hat sich mein Sinn für Humor ausgebildet. Ich war kein Klassenclown und habe nicht den Unterricht gestört. Aber ich war definitiv ein kleiner Witzbold. Wann hast du das erste Mal gemerkt, dass du dich als Entertainer auf der Bühne wohl fühlst? Damian: In der siebten Klasse habe ich bei einem Theaterstück mitgemacht und den feigen Löwen in 'Der Zauberer von Oz' gespielt. Das hat mir sehr gut gefallen. In einer Band wollte ich immer schon sein. Ich war in Highschool-Bands, aber hätte nie gedacht, dass das was Richtiges werden könnte. Wie hat es deine Persönlichkeit beeinflusst, in Fucked Up zu sein? Wärst du sonst ein anderer Mensch? Damian: Ich wäre definitiv ganz anders. Durch die Band habe ich viel Selbstvertrauen gewonnen. Früher hätte ich zum Beispiel niemals mein T-Shirt ausgezogen. Ich war so beschämt wegen meines Körpers. Heute könnte ich keine Show mehr komplett angezogen spielen. Außerdem habe ich das Leben auch durch die netten Begegnungen mit verschiedenen Menschen mehr schätzen gelernt. In welcher Situation fühlst du dich unwohl? Damian: Ich habe üble Sozialphobien, deshalb fühle ich mich oft unwohl oder bin schüchtern. Ich gleiche es aber aus, indem ich sehr lebhaft werde und Foto:plappere. Erik Weiss Vor jedem Auftritt bin ich auch nach

all den Jahren noch nervös. Wahrscheinlich ändern sich so grundlegende Dinge nie... Damian: Ich weiß. Ich möchte es nicht auf die schlimmen Schulerfahrungen schieben, denn diese Zeit war ja nicht nur schlecht. Aber wenn du immer ‘der Dicke’ bist, formt das deine Persönlichkeit zu großen Anteilen. Es verändert die Art, wie du dich Menschen gegenüber verhältst, du wirst introvertiert und schüchtern. Die Kinder in der Schule verkorksen dich. Niemand ist gemeiner als das Kind, das in der Schule neben dir sitzt. Wie wirst du deinen Sohn darauf vorbereiten? Damian: Meine Frau und ich wissen, dass man ein Kind nicht vor der bösen Welt beschützen kann. Ich werde meinem Sohn Holden nicht vorgaukeln, dass niemand je gemein zu ihm sein wird. Wir wollen ihm nur genug Selbstvertrauen mitgeben, Verständnis für andere Menschen und eine Leidenschaft für etwas, so dass er hoffentlich stark genug sein wird, mit all dem Negativen umzugehen und auch andere nicht selbst angreift. Was wäre eine Eigenschaft, die du gern ablegen würdest? Damian: Ich mache mir immer Sorgen. Wenn etwas, so wie jetzt mit der Band, super läuft, frage ich mich schon, was es letztlich ruinieren wird. Ich kann Dinge nicht einfach nur genießen. Wie wirkt man dem entgegen? Damian: Das funktioniert kaum, aber letzten Sommer habe ich angefangen, Marihuana zu rauchen. Das entspannt mich ein bisschen. Text: Christine Stiller, Heimat: myspace.com/epicsinminutes


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TEST

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TEST URLAUB IN POLEN

Im großen Polen-Test Wenn es um öffentliches Interesse geht, ist Polen immer so was wie das Sandwichkind unter den Nationen. Auf der Hitliste der europäischen Reiseziele liegt unser östlicher Nachbar wohl auch nur irgendwo im Mittelfeld. Frechheit! In unserem Test machen wir das Land, nach dem Georg Brenner und Jan Philipp Janzen einst ihr Musikprojekt benannten, zum Hauptakteur des Tages. Mit einem Telefon- und 50/50-Joker ausgestattet, stürzt sich Gitarrist Georg in ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang: Er war ja noch nie in Polen...

Frage 1 Welcher Fluss fließt durch Polen?

A Weichsel B Moldau C Donau D Wolga Georg: Ich tippe auf die Weichsel. Die Wolga ist eher in Russland unterwegs. Die Donau fließt auch in einer anderen Ecke, in Ungarn und so.

Korrekte Antwort: A

Frage 2 Welche Band nannte sich ursprünglich Warsaw?

A Joy Division B Gang Of Four C Wire D The Cure Georg: Joy Division auf jeden Fall. Das weiß ich tausendprozentig!

Korrekte Antwort: A

Frage 3 In Danzig steht ein Verkehrsschild, das mehr Verwirrung stiftet, als aufklärt. Warum?

A Es zeigt ein Zeichen, das es offiziell gar

nicht gibt

teilweise widersprechende Anweisungen

B Es erteilt dem Fahrer zwölf, sich

C Es ist auf Deutsch D Es kündigt einen beschrankten Bahn-

übergang an, stattdessen kommt aber eine Brücke, die über einen Bach führt

Georg: Ok, also da steht ein Straßenschild rum und das irritiert die Leute... Ich nehme D, das mit dem Bahnübergang und zwar weil die Antwortmöglichkeit so konkret klingt, das könnte es sein.

Korrekte Antwort: B

Frage 4 Vergangenen Mai gab der polnische Premierminister Donald Tusk US-Präsident Barack Obama ein Computerspiel als Begrüßungsgeschenk bei einem Staatsbesuch. Welches?

A Starcraft 2 B The Witcher 2 C Football Manager 2010 D Duke Nukem Forever Georg: Mit Computerspielen kenne ich mich nicht so aus. Fußball war es nicht, denn ich glaube, das ist nicht so angesagt in Amerika. Ich kenne die Spiele nicht, aber würde sagen, so ein Ballerspiel war es auch nicht. Ich nehme den 50/50-Joker.

B The Witcher 2 C Football Manager 2010 Georg: Ok, dann sage ich Antwort B.

Korrekte Antwort: B

Info: Es handelt sich hierbei um ein in Polen entwickeltes Spiel, das auf einer Buchreihe des polnischen Fantasy-Schriftstellers Andrzej Sapkowski basiert.

Frage 5 2007 sollten die Teletubbies auf Initiative einer hohen Staatsbeamtin in Polen verboten werden. Warum?

A Weil mehrere Zuschauer während der

Sendung epileptische Anfälle erlitten hatten B Weil man in einigen Episoden polen feindliche Witze ausgemacht zu haben glaubte C Weil man Tinky Winky aufgrund seiner violetten Farbe und seiner Vorliebe für


Handtaschen für homosexuell hielt D Weil es unmöglich war, die seltsame Sprache der Teletubbies ins Polnische zu übersetzen Georg: Ich tippe ja auf die Geschichte mit dem schwulen Teletubbie. Polen ist glaube ich schon noch ziemlich konservativ. Die Menschen sind ja sehr katholisch und dann vielleicht auch recht prüde. Wer weiß...

Korrekte Antwort: C

Frage 6 Welchem „Hobby“ ging Karol Józef Wojtyła, besser bekannt als Papst Johannes Paul II., während seines Studiums im besetzten Polen nach?

A Er spielte in der experimentellen

Theatergruppe B Er baute Figuren für das Puppentheater eines befreundeten Künstlers C Er war Marathonläufer D Er schrieb Liebesgedichte Georg: Das ist natürlich echt crazy. Wer weiß denn so was? Liebesgedichte schreiben erscheint mir in diesem Fall sehr abwegig, könnte deshalb sogar sein. Experimentelles Theater schließe ich jetzt mal aus. Obwohl das mit dem Papst-sein ja auch sehr experimentelles Theater ist. Das hat er dann später gemacht. Fürs Puppentheater Figuren geschnitzt? Der ist ja nicht aus Augsburg! Marathonläufer? War der denn so sportlich? Na ja, der war eigentlich immer ganz drahtig, nicht so ein dicker Papst. Ich tippe auf den Marathonläufer.

Korrekte Antwort: A

Frage 7 Im Süden Polens befindet sich das Salzbergwerg Wieliczka, das im 13. Jahrhundert gebaut wurde und als eines der ältesten Salzbergwerke der Welt gilt. Heute gibt es dort eine weitere Attraktion. Welche?

A Das Skelett eines angeblichen Außer-

irdischen, auf dessen „Auslieferung“ die USA seit 1959 hoffen B Eine unterirdische Kapelle, ein Restaurant, einen Souvenir-Shop sowie Internetzugänge C Eine Aufzuchtstation für Grottenolme D Den einzigen Bunker der Welt, der zum UNESCO Weltkulturerbe zählt Georg: Das mit dem Restaurant scheint Quatsch zu sein. Das ist ja nichts sonderlich Tolles. Das mit den Grottenolmen klingt ganz witzig. Ich sage, es sind die Grottenolme.

Korrekte Antwort: B

Frage 8 Wer wurde nicht in Polen geboren?

A Marie Curie B Frédéric Chopin C Igor Strawinski D Nikolaus Kopernikus

Georg: Kopernikus. Ich glaube, der war Tsche-

che. Oder? Ich nehme den Telefonjoker, kann aber jemanden hier vor Ort fragen und muss niemanden extra anrufen. Telefonjoker: Drei Männer, offenbar mit Georg befreundet, werden konsultiert. Sie wissen die Antwort auch nicht. Georg: Gut, die würden jetzt bei Wikipedia nachschlagen, aber das ist ja unfair. Drei Jungs gefragt, alle überfordert. Philipp hätte das sicher gewusst. Mist. Ich tippe mal blind, denn ich weiß es nicht: Marie Curie.

Korrekte Antwort: C

Frage 9 Welche Zeichentrickfiguren stammen aus Polen?

A Piggeldy und Frederick B Lolek und Bolek C Hase und Wolf D Der kleine Maulwurf Georg: Lolek und Bolek sind tschechisch, glaube ich. Oder ist das der kleine Maulwurf. Dann sind es Lolek und Bolek. Die anderen waren früher im Sandmännchen. Piggeldy und Frederick sind zumindest definitiv deutsch.

Korrekte Antwort: B

Frage 10 Woraus besteht das polnische Nationalgericht Bigos?

A Weißkohl und Fleisch B Rote Beete und Fisch C Kartoffeln, Mais und Bohnenmus D Speck und Zuckerrüben Georg: Kartoffeln und Mais können wir schon mal aussortieren. Das ist doch nicht polnisch. Das mit dem Fleisch und dem Weißkraut klingt eher bayrisch. Speck und Zuckerrüben, das ist totaler Quatsch. Rote Beete und Fisch? Ich habe mal Labskaus gegessen, da ist so was drin. Das ist das abstrakteste Gericht, das man essen kann. Da werden Kartoffeln, Rote Beete, Fleisch und Hering zu einem Brei püriert und obendrauf gibt es dann noch ein Spiegelei. Dann sage ich mal, weil das total abgefreaked ist: Rote Beete und Fisch.

Korrekte Antwort: A

Fazit: Fünf korrekte Antworten. Bestanden. Ein Test, bei dem fundiertes Schulwissen schön gewesen wäre, aber nicht viel geholfen hätte. Bevor sich die Band demnächst in den ewigen Dauerurlaub verabschieden wird, konnte Georg kurz vor dem Schlussakkord noch einmal austesten, was er reisetechnisch bisher im Leben verpasst hat. Nächstes Jahr geht‘s dann wirklich mal rüber, oder? Text: Christine Stiller Heimat: myspace.com/urlaubinpolen Auch gut: „Boldstriker“ - das Abschiedsalbum von Urlaub in Polen


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MUSIK STORIES

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Dear Reader Kein Fall für Zwei

Für Cherilyn MacNeil ist ’Idealistic Animals’ kein Trennungsalbum geworden. Auch wenn sich die Chefin hinter Dear Reader vor den Aufnahmen von ihrem Freund und Kollegen Darryl Torr trennte, ginge es ihr vielmehr ums große Ganze. Depression, Selbstzweifel, Melancholie. Auch das sei der Stoff aus dem idealistische Menschen gestrickt seien, erklärt Cherilyn MacNeil im Büro ihres Berliner Labels - unweit der eigenen Wohnung. „Tiere ticken da anders, folgen ihren Instinkten, nicht ihrem Verstand“, fügt die schüchterne Dear Reader-Sängerin hinzu und betont, dass sie nicht unbedingt eine gute Interviewpartnerin sei, sich aber alle Mühe geben werde. Und zu besprechen gibt es in der Tat eine Menge - unangenehme Dinge vor allem: Wie zum Beispiel die Tatsache, dass sie und ihr ehemaliger Bandkollege und Boyfriend Darryl Torr inzwischen getrennte Wege gehen. „Leider richtig, das ehemalige Duo wurde zum Ein-Frau-Projekt“, lächelt sie und fügt hinzu, dass dies auch der Grund sei, warum sie nun in Berlin-Neukölln wohne. „Alles lief sehr harmonisch ab, aber ich be-

schloss den Neustart mit einem Wechsel des Wohnorts zu beginnen.“ In Berlin angekommen, war die neue Lebenslage zunächst kein Zuckerschlecken: „Ich konnte ein Jahr lang kaum Musik hören, habe nur gelesen und dabei erkannt, dass man nicht immer direkt sagen muss, was in einem vorgeht.“ Gedacht, getan: Alle Songs auf ’Idealistic Animals’ sind nach Tierarten benannt und fallen trotzdem überraschend persönlich aus. Das eigene Leben im Spiegel des Fremden - das war MacNeils Plan, er ist ihr gelungen. Musikalisch hingegen erinnert vieles an den Mitternachtspop des 2009er Debüts ’Replace Why With Funny’. Man muss ja nicht alles anders machen. Text: Marcus Willfroth Foto: Marcus Maschwitz Heimat: myspace.com/dearreadermusic

CSS

Flamenco-Gezupfe und Penis-Absätze

Nach drei Jahren Auszeit versuchen sich CSS mit ihrem neuen Album ’La Liberación’ erneut am Dancefloor-Putsch. Sängerin Lovefoxx und Gitarristin Ana Rezende über die Vorzüge von Gras und Lady Gaga. Großbritannien im Winter kann ziemlich kalt und ziemlich dunkel sein. Für eine brasilianische Band umso mehr. Was liegt da also näher, als sich im Tourbus auf andere Gedanken zu bringen? „Reggae hat uns durch den Winter gebracht, ehrlich. Wir spielten Poker, hörten Reggae und haben dazu Gras geraucht. Ich kling jetzt wie ein Typ, oder?“, beschreibt Lovefoxx ihre Bewältigungsstrategie für die vierte Jahreszeit. So verwundert es auch kaum, dass ihre erste Single ’Hit Me Like A Rock’, ein Duett mit Primal-Scream-Sänger Bobby Gillespie, ein sonniger Up-Beat-Song geworden ist. ’La Liberación’ kommt überhaupt erstaunlich vielseitig daher. Verträumtes Flamenco-Gezupfe trifft auch stampfenden Bombast-Disco-Synthie-Dance wie man ihn von Lady Gaga kennt. Bei Gaga sind sich Ana Rezende und Lovefoxx einig: „Ihre Penis-Absätze, die

sie bei ’American Idol’ trug, waren grandios.“ Beide sind Feuer und Flamme für die Künstlerin, die mehr Mainstream kaum sein könnte. Ihr Spiel mit Verkleidungen, mit der Optik des Hässlichen und mit Geschlechterrollen kommt gut an. Lovefoxx macht sich seit Jazz-Dance-Aufführungen im zarten Alter von acht auch stets Gedanken um die geeignete Kostümierung, zumindest auf der Bühne. Heute ist sie eher männlich lässig: Sie öffnet den obersten Knopf ihrer Jeans-Shorts: „Sorry, mein Bauch drückt so, wir hatten vorhin Burger.“ Ganz schön gaga, oder? Text: Frédéric Schwilden Heimat: myspace.com/canseidesersexy

Waters

Wildwasserbahn der Liebe

Die Trennung von seiner Freundin und Bandkollegin verarbeitet Van Pierszalowski mit einem Album, das ihr eh zu laut gewesen wäre. Der Durchbruch mit Port O’Brien zeichnete sich gerade ab, als es mit dem Beziehungsglück bergab ging. „Ich musste mich schnell entscheiden, ob ich die Band weiterführen oder etwas ganz anderes machen wollte“, sagt der Sänger. Nun ist es ein Mittelding geworden. Waters sind eine Frau weniger als Port O’Brien, klingen aber eher nach einer Person mehr und ganz schön nach Classic Rock. Pierszalowski behandelt seine Gitarre wie Neil Young, und wenn er sein aufgeschrammtes Herz besingt, hört er sich auch so ähnlich an. „Da endet es aber auch“, interveniert der Mittzwanziger. „Die amerikanischen Siebziger mag ich nicht besonders. Ich höre lieber Nirvana, Sonic Youth oder Yo La Tengo. Das ist so meine Welt.“ Für die GrungeErfahrung aus erster Hand ist Van ein wenig jung –

als Kurt Cobain starb, ging er gerade in die vierte Klasse. „Aber ’In Utero’ ist trotzdem mein absolutes Lieblingsalbum. Es repräsentiert totale Ehrlichkeit vor der aggressivsten Klangkulisse. Da wollte ich auch mit Waters hin.“ Ganz so wild ist ’Out In The Light’ dann nicht geworden, aber seine stürmische Genese weht einem auch so ins Gesicht. Und macht Pierszalowski zu einem Experten, was das Verhältnis von Kummer und Kreativität angeht. „Ich wanderte durch Oslo, trank viel Kaffee und war deprimiert und optimistisch gleichzeitig“, sagt er über den Entstehungsprozess. „Normalerweise brauche ich für meine Texte immer ewig, aber diesmal waren sie sofort da.“ Text: Ralph Krüger

Heimat: thisiswaters.com


Cerebral Ballzy Wenn möglich bitte wild

Sollte die alte Plattenbusinessweisheit, dass die Bands mit den bescheuertsten Namen die beste Musik machen, noch stimmen, dürfte dem weltweiten Siegeszug einer rotzfrechen New Yorker Hardcoreband nichts im Wege stehen. Die Ähnlichkeit mit dem medizinischen Begriff für eine Hirnerkrankung, bei der Kinder gern mal als Spastiker bezeichnet werden, ist für Cerebral BallzyBassist Melvin Honore aber nur Provokation. „Wir haben nicht die Absicht, mit dem Namen jemanden zu beleidigen“. „Ballzy“ zu sein bedeutet für ihn im Bandkontext einfach, großmäulig und hart rüberzukommen. Was in der hirnbedingten Kombination für eine Punkband natürlich bestens passt. Wenn im Zusammenhang mit dem Fünfer aber das Wort Hardcore fällt, sollte man den Vergleich mit New Yorker Kollegen wie Agnostic Front vermeiden, denn das selbstbetitelte Ballzy-Debüt lässt eher an die Beastie Boys denken, die Anfang der Achtzigerjahre mit ihrer ersten EP ’Polly Wog Stew’ einen ähnlichen Sound fabriziert haben. Auch die Bad Brains werden oft als Vergleich herangezogen, was von der Tatsache herrührt, dass drei Fünftel der Bandmitglieder afroamerikanische Wurzeln haben. Für Melvin ist das nachvollziehbar. „Die Leute brauchen etwas zum Vergleichen, das sie kennen, und wenn wir dadurch die Aufmerksamkeit bekommen, die wir verdienen, ist das schon in Ordnung.“ Textlich fahren Cerebral Ballzy die Schiene, die man von chaotischen Punkbands der ersten Stunde kennt: die Ablehnung jeglicher Autoritäten, obligatorische Saufsongs und Hymnen auf das Lieblingshobby der Band. „Skaten, ganz klar. Es gibt hier in Brooklyn eine Menge Skateparks, wo wir oft abhängen.“ Warum seine Band aber sogar in der New York Times abgefeiert wird, kann er dagegen nicht erklären, denn eigentlich ist ihr Ziel ganz simpel: „Eine gute, und wenn möglich eine wilde Zeit zu haben.“ Vielleicht ist es diese Unbekümmertheit, die viele bei einer Hardcoreband aus New York vermisst haben. Kein pathetisches Rumgebrülle von tätowierten Ex-Skinheads, sondern echte Kids, die mit einminütigen SongGranaten jede Party rocken. Dass Cerebral Ballzy auf bestem Wege sind, sich einen Ruf als wildeste Partyband New Yorks zu erspielen, gehört für Melvin zur Mission. „Da draußen passiert soviel Scheiß, dass wir den Kids eine Auszeit geben wollen, um das alles mal zu vergessen.“ Text: Tim Kegler Foto: Dan Kendal Heimat: cerebralballzy.com


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SPEED DATING

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SPEED DATING

Iceage

Dampfmaschine

Suchen: Theatralische Punk-Versteher mit Pop-Affinität und Desinfektionsspray in der Hosentasche. Der erste Eindruck: Sollte eigentlich ein dänischer Akzent sein. Doch irgendwie klingt der Kandidat erstaunlich britisch. Darin bin ich eigen: Dieser potenzielle neue Freund ist zwar Punkrocker, aber mit sauberen Fingernägeln und einer Flasche Sagrotan im Handgepäck, wenn in der nächsten Hinterhof-Kaschemme mal wieder der Pilz an den Wänden keimt. Hochzeit oder kurze Affäre: Auch wenn er lieber mehrgleisig zwischen Joy Division und seinen liebsten Punker-Idolen pendeln würde, sehnt sich dieser wilde Junge doch nach Beständigkeit und Geborgenheit – in etwa 40 Jahren!

Sucht: Untergewichtige Ballerina im rosa Tutu zum Vernaschen hinter der Bühne... Der erste Eindruck: …jedenfalls wäre das das Surrealste, das wir uns für diesen Kandidaten wünschen könnten. Schließlich hat dieser Vollblut-Bierrocker neben „gehörten“ 20 Kilo Körperbehaarung und sieben Litern Schweißproduktion (pro Song) auch eine Vorliebe für die schönen Künste – äh – nein! Darin bin ich eigen: Wie viele dieser unsicheren Würstchen habt ihr bei uns schon kennen gelernt? Seien wir ehrlich: sehr viele. Kollege Dampfmaschine ist anders und platzt fast vor Selbstvertrauen. Schöne Sache. Und in Bezug auf Körperhygiene ein netter Gegentrend zum Kandidaten Iceage nebenan. Hochzeit oder kurze Affäre: Was ruft der gesunde Menschenverstand? Richtig: Mach einen Fehler und entscheide dich für den Typen mit dem Superego und der großen Schnauze!

Heimat: myspace.com/egaeci Aktuelles Album: „New Brigade“

Heimat: immerdampf.de, Aktuelles Album: Bete Zur Maschine

Grand Griffon

Maybeshewill

Suchen: Ein Herrchen mit starker Hand und sanftem Gemüt. Der erste Eindruck: Keine Angst, der beißt nicht. Vielleicht knurrt er ein bisschen. Vielleicht auch ein bisschen mehr. Vielleicht auch 40 Minuten am Stück. Nein, bleibt hier, es ist nur HardcorePunk. Grand Griffon aka Französische Hunderasse aka neue Band von Helge und Gunnar von Escapado. Sitz? Platz? Fehlanzeige. Das werden die Schwiegereltern sagen: Hoffentlich sagen sie nicht so viel. Der Kandidat ist streitlustig und streng, wenn es um seine (natürlich richtige) Meinung geht. Wenn sie ihn aber erst mal besser kennen, werden sie viel Freude mit ihm haben. Zu Hause ist er doch ganz zahm.

Suchen: Quasselstrippen mit Tiefgang und einem Hang zu gewissen Experimenten - hüstel Der erste Eindruck: Ach! So ein Ärger. Der Typ kriegt die Zähne nicht auseinander. Auch wenn ihr mittlerweile geübte Speed-Dater seid: So eine verkopfte InstrumentalBand bringt auch eine top-trainierte Flirtmaschine so schnell nicht zum Schnattern. Das werden die Schwiegereltern sagen: Während sie die üblichen unangenehmen Dinge von euch und natürlich leider auch sich selbst preisgeben, verbeißt sich euer Date in eine Violine. Kratzt ganz schön am Zahnfleisch. Huh. Hochzeit oder kurze Affäre: May-

Hochzeit oder kurze Affäre: Ein super Typ. Sieht spitze aus und hat auch noch was im Kopf. Und wenn ihr es schafft, ihn für euch zu gewinnen, ist er eine treue Seele. Heimat: myspace.com/grandgriffon Aktuelles Album: „Protektor“

Mother Mother

Boy

Suchen: Zucker-resistente Spaßpüppchen, die mit Spielzeug tatsächlich Plastikautos und Barbiezoo meinen. Der erste Eindruck: Nachdem ihr in unserer heutigen Runde bisher ganz schön ins Schwitzen gekommen seid, ist bei dieser kanadischen Indie-Combo mal wieder süßes, entspanntes Füßchenkreisen angesagt. Darin bin ich eigen: Aber das macht ganz, ganz, ganz doll viel Spaß, wie wir Indie-Kinder gerne fröhlich zwitschern. Das ist wie zusammen mit Micky, Donald, Tick, Trick und Track im Süßwarenladen das komplette Angebot zu exen. Flippiger Scheiß! Hochzeit oder kurze Affäre: Der

Suchen: Die große Liebe vom Campingplatz, der man sein Leben lang am Lagerfeuer entgegenschmachten kann. Der erste Eindruck: Kennt ihr diese Mädchen, die so schüchtern und charmant zugleich sind, dass der Begriff "Mauerblümchen" auf einmal total positiv klingt? Das! Darin bin ich eigen: Strom ist überbewertet. Diese Damen brauchen für ihr Herzensglück nur zwei Akustikgitarren und etwas Stimmgewalt. Kerzenschein kann auch nicht schaden. Hochzeit oder kurze Affäre: Wer so hoffnungsvoll vom Anfang singt, muss einfach an das Happy End zu

Morgen danach wird natürlich schrecklich sein. Unter Umständen hat euch der Zuckerschock schon zu einer improvisierten Eheschließung auf dem nächtlichen Kinderspielplatz nahe am Kaugummiautomaten animiert. Ihr erkennt das Drama am Plastikring am Finger. Heimat: mothermothersite.com Aktuelles Album: „Eureka“

be she will, maybe she will not, maybe she will, maybe she will not... Der Antrag kommt in jedem Fall per Post. Heimat: maybeshewill.net Aktuelles Album: „I Was Here For A Moment, Then I Was Gone“

zweit glauben. Und nicht vergessen, die Kinder zum Gitarrenunterricht zu schicken! Heimat: listentoboy.com Auch gut: "Mutual Friends" - das aktuelle Album von Boy


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REISEFÜHRER

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FÜHRER E IS E R L L O 'R 'N K C O R Mit BLACK TIDE nach MIAMI Miami, die Stadt der Schönen, Reichen und Rentner! Assoziationen von langen Sandstränden, süffigen Cocktails und aufgerüsteten Bikini-Babes werden geweckt. An Metal aber denkt wohl niemand. Außer der Band Black Tide. Die vier Heavy-Metal-Jungs sind im amerikanischen Urlaubsparadies groß geworden. Sänger und Gitarrist Gab berichtet von den schönsten Ecken seiner Heimatstadt. Was sollten wir unbedingt dabei haben, wenn wir in Miami Urlaub machen wollen? Gab: So seltsam es sich auch anhören mag, die zwei wichtigsten Dinge sind Sonnencreme und ein Regenschirm. Miami ist wahrscheinlich der einzige Ort, an dem dir in der einen Sekunde noch die Sonne ins Gesicht scheint und sich im nächsten Moment schon sintflutartige Regenschauer über dich herab ergießen. Was macht einen wahren MiamiTypen aus? Gab: Ich bin mir nicht so ganz sicher, wie ich einen typischen Einwohner beschreiben soll. Unten am Strand gibt es viele Jungs, die eindeutig zu viel Zeit im Fitness-Studio verbringen. Im Stadtzentrum trifft man dann auf viele Menschen mit einem Hang zum Frisuren-Perfektionismus.

Dein Lieblings-Club? In welcher Location kann man sich neue, coole Bands ansehen? Gab: Ich bin nicht wirklich ein großer Club-Gänger. Die Hot-Spots von früher haben entweder schon alle dicht gemacht oder mittlerweile den Besitzer gewechselt. Das „LIV“(4441 Collins Ave, Miami Beach) soll gerade der angesagteste Club der Stadt sein. Wenn man gute Live-Musik sucht, ist entweder das „Jazid“ (1342 Washington Ave, Miami Beach) oder das „Van Dyke Cafe“ (846 Lincoln Road, Miami Beach) auf jeden Fall die richtige Adresse. Und wo bist du am liebsten? Gab: Mich trifft man oft auf der Lincoln Road. Dort gibt es die Spezialitäten-Bar „Zeke’s“ (625 Lincoln Road, Miami Beach), die einem wegen ihrer riesigen Auswahl an Bier Freu-

dentränen in die Augen treibt. Dort gibt es über 400 verschiedene Sorten und jede einzelne ist wunderbar. Auch zu empfehlen ist der „Club Deuce“ (222 14th St, Miami Beach), die älteste Bar in South Beach. Dort kann man nur mit Bargeld bezahlen und weiß nie, wer einem über den Weg läuft. Achtet mal auf einen Typen namens „Ziggy“. Der sieht Keith Richards erschreckend ähnlich und hat immer seinen Hund dabei. Ein romantischer Platz für das erste Date… Gab: Mein Schlafzimmer. Nein, nur ein Scherz! Der Strand in Key Biscayne ist perfekt für einen Spaziergang. Strände sind generell immer super für Dates, da es dort viele verschiedene Restaurants und Geschäfte gibt. Wo findet man die coolsten Klamotten-Läden oder Tattoo-Shops?

Gab: Der Strand ist die Anlaufstelle für alles in Miami. Dort gibt es ganz viele verschiedene Vintage- und DesignerShops. Ich selbst habe mich nie in Miami tätowieren lassen. Das „Miami Ink“ (222 14th St Miami Beach) ist aber eines der angesagtesten Tattoo-Studios. Wo sieht man die meisten Opfer plastischer Chirurgie? Gab: South Beach! Das ist wirklich kein schöner Anblick. Welcher Song beschreibt am besten das Miami-Feeling? Gab: Das ist wahrscheinlich „Miami“ von Will Smith. Text: Natascha Siegert, Foto: Justin Borucki Heimat: blacktidemusic.com Auch gut: „Post Mortem“ - das neue Album von Black Tide


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MUSIK STORIES

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Beirut

„Sie sagten: Lass es sein!“ Kommt der Erfolg über Nacht, kann dem Künstler ein Kater am Morgen schnell die Laune vermiesen. So geschehen im Falle von Zach Condon, der ganze vier Jahre brauchte, um sich erholt und genesen mit ’The Rip Tide’ zurückzumelden. „Alle wussten es damals besser. Jeder sagte mir, wie es laufen soll und keiner erkannte das eigentliche Problem“, beschwert sich Beirut-Mastermind Condon nach einem Schluck aus der Kaffeetasse. Ein Griff zur Zigarette folgt, doch dann überlegt er es sich anders: „Das Zeug wollte ich längst bleiben lassen, bin doch Familienvater, da hat man nicht zu rauchen“, ärgert er sich. Aber der Reihe nach, denn wer bei diesem wilden Gesprächseinstieg den Überblick verloren hat, der weiß ungefähr, wie sich unser Interviewgast in den vergangenen Jahren fühlte: Als 2006 das Debüt ’Gulag Orkestar’ auf den Markt kam und der Erfolg über Nacht eintrat, war Zach Condon gerade alt genug, um ohne Papas Hilfe einen Plattenvertrag unterschreiben zu dürfen der Druck, der damit einherging, machte es für ihn bald unmöglich zu touren und so kam 2007 nicht nur das zweite Album ’The Flying Club Cup’, sondern auch der Zusammenbruch. Notwendige Konsequenz: Ein Rückzug ins Private, die Geburt seines Kindes, Hochzeit und der Bau eines Hauses. Idylle pur, doch irgendwas fehlte. „Ich beschloss im Frühjahr letzten Jahres, dass eine Veröffentlichung meiner neuen Platte ’The

Rip Tide’ über mein eigenes Label viel Druck von mir nehmen würde“, erklärt Condon. „Natürlich kamen die Leute auf mich zu und meinten: ’Lass das sein, du hast keine Ahnung!’ Ihre Meinung war mir aber egal.“ Wie gut, denn an Qualität hat er keineswegs eingebüßt - eher hinzugewonnen, und obschon die neuen Songs weniger Einflüsse

aus dem Balkan transportieren, sind sie charmant und eingängig geworden. Er sei froh über die musikalische Entwicklung seines Projekts Beirut und die Sache mit den Kippen, sagt Zach Condon, die bekäme er auch noch hin. Text: Marcus Willfroth

Heimat: beirutband.com

Bereits ihr Debütalbum ’Ameritown’ konnten die US-Indie-Rocker um Gitarrist und Sänger Joshua Ostrander auf einem Majorlabel platzieren. Das, wovon viele Bands träumen, wurde jedoch zur unbefriedigenden Erfahrung. Das Album ging in der Masse der Veröffentlichungen unter und als es um die Planung des Nachfolgers ging, sollte auch noch der Etat dafür gekürzt werden. „Wir mussten ehrlich sein und sagen: ’Das ist nicht, wo wir sein sollten. Es ist besser, wenn wir das alleine durchziehen’“, erinnert sich Joshua. Also machte sich die Band selbständig und ehe man sich versah, fand man sich auf dem Soundtrack der Vampir-Schnulze ’Twilight‘ wieder. „Ich hätte gerne die Gesichter der Leute bei unserem alten Label gesehen, als das passierte“, lacht Joshua, „als wir ohne Plattenvertrag oder Management auf diesem Soundtrack landeten“.

Eastern Conference Champions Self-made men

Die meisten Bands finden erst mit einem großen Label im Rücken das Gehör der Massen. Die Eastern Conference Champions drehen den Spieß um und rücken erst nachdem sie sich unabhängig gemacht haben weiter in das öffentliche Bewusstsein vor.

Mit ’Speak-Ahh‘ legen die Champions nun ihren zweiten Longplayer vor. Rauer und ungeschliffener als der Vorgänger klingt er. „Wir arbeiteten nicht sehr lange an den Songs“, erklärt Joshua, „Früher mochten wir immer unsere Demos lieber, also nahmen wir diesmal so früh wie möglich auf.“ In erster Linie sieht sich die Band ohnehin als LiveAct. „Das Album soll den Leuten Lust machen, diese Songs live zu hören.“ Die Möglichkeit dazu gibt es im September, wenn sie mit den Get Up Kids durch Deutschland touren. Text: Jan-Niklas Jäger Heimat: easternconferencechampions.com


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so war’s

SO WAR´S

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Foto: Natascha Siegert

Foto: Axel Mosch

Seeed

11.08. Berlin - Festsaal Kreuzberg

Lange musste man auf diesen Augenblick warten! Fast vier Jahre sind seit dem letzten Seeed-Konzert vergangen. Wie groß demnach die Vorfreude der Fans auf diesen Abend war, kann sich auch jeder Außenstehende problemlos vorstellen. Wir wollten es aber mit eigenen Augen sehen. An einem feucht-warmen Augusttag warteten schon am frühen Abend weit mehr Menschen vor dem Festsaal Kreuzberg, als später in den kleinen Club passen würden. Freude und Enttäuschung lagen nah beieinander. Die Tickets waren rar gesät, sodass nur eine kleine Auswahl an Fans Zeuge des musikhistorischen Spektakels werden konnte. Während sich die Glücklosen vor dem Club grämten, fiel für die begeisterten Ticketbesitzer um 22.30 Uhr der Startschuss. Stilecht betraten Band und Instrumentalisten in schwarzem Anzug und Krawatte die Bühne und

eröffneten den Abend mit „Molotov“, dem ersten Song der im nächsten Jahr erscheinenden neuen Platte. Darauf folgten Hits, wie „Dickes B“, „Music Monks“, „Wir Sind Seeed“ gemixt mit Justin Timberlakes „Sexy Back“ oder Lil Wayne’s „A Milli“, die von der tanzenden Meute mit erstaunlicher Textsicherheit und grazilem Hüftschwung

frenetisch gefeiert wurden. Als dann Sänger Dellé passend zum Song „Schwinger“ auch noch der Ehering vom Finger rutschte, aber dank hilfsbereiter Mädchen aus der ersten Reihe wieder seinen Weg an die Hand des Sängers fand, war der Abend auch in Sachen Anekdoten perfekt und das begeisterte Publikum wieder verliebt wie am ersten Tag.

KONZERTFOTOS OF DEATH Ihr geht doch alle auf Konzerte. Und macht dabei - Fotos? Die wollen wir sehen. Und prämieren. Denn an dieser Stelle küren wir die „Konzertfotos Of Death“ - egal, ob mit Handy oder der Digitalen geschossen. Schickt uns euer Konzertfoto inklusive Namen der geknipsten Band/Person, Ort, Datum und zwei Sätzen dazu, wie’s so war, auf dem Konzert. Entweder per Mail an sallys@sallys.net oder aber ihr ladet euer Foto ganz einfach auf sallys.net hoch. Da könnt ihr dann auch die Fotos der anderen bestaunen und euren Senf dazugeben. Die besten, schrägsten und lustigsten aus den letzten Wochen zeigen wir euch hier:

WOLF GANG 30.5. Manchester - Academy 3 Geknipst von: Deez

Einer der höchstgehandelten Newcomeracts beim Dot to Dot Festival 2011, Max McElligott und seine vier Wölfe, enttäuschten nicht. Auch ohne Album brachten sie das Publikum ordentlich zum Tanzen!

13&GOD 17.7. Hamburg - Uebel & Gefährlich Geknipst von: b.b. Krasse Band!

ROUGHIX 11.6. Berlin - Forum Factory Geknipst von: Curtis Junefield

Roughix aus Bonn - echt funktastisch! Damit sich der Trompeter nicht langweilt, übernimmt er kurzerhand das Bassspielen. Die Band ist ein Kracher!

DONOTS 5.8. Anröchte - Big Day Out 6.0 Geknipst von: Mrs. Neerg JUPITER JONES 5.8. Anröchte - Big Day Out 6.0 Geknipst von: Mrs. Neerg

Nicki höchst erfreut! So ein schönes Konzert!

Heidewitzka! Das war mal ein Konzert von der Sorte, die einem nie aus der Erinnerung schwindet. Ein Publikum mit gewaltiger Stimmkraft, eine Band mit gewaltiger Sprachlosigkeit und ein Abend mit gewaltigem Wiederholungsfaktor! So muss das sein!

KLAXONS 18.6. Neuhausen ob Eck Southside Festival Geknipst von: lena-m

Arcade Fire haben gleichzeitig gespielt, dementsprechend war dann auch mehr Platz zum Dancen! :)

PORTUGAL. THE MAN 18.6. Neuhausen ob Eck - Southside Festival Geknipst von: lena-m Toller Auftritt, sogar mit passendem Outfit: Regenmantel!


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PRÄSENTIERT

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Präsentiert TOUR DES MONATS. The Jezabels Es wird Zeit, seinen Indie-Horizont zu erweitern. Kommt und seht die großartigen Jezabels! Doch zuerst die schlechte Nachricht: Wer jetzt schon einmal auf die Clubs der anstehenden Konzertreise schielt, stellt fest, dass es nicht allzu viele Tickets geben wird. Die letzten Shows der vier Australier waren jedenfalls fix ausverkauft und so können wir euch nur zu Stress und Eile raten. Denn, nun folgt die gute Nachricht: The Jezabels sind etwas ganz Besonderes. Die vier haben einen Hang zur Poesie und Theatralik, machen Musik für die große Bühne, aber ohne sich dabei je selbst in den Vordergrund zu schieben. Es ist emotionaler Theater-Pop, mit viel Herz und Gitarre, Piano und treibenden Drums. Indie – in Karohemd, statt Röhrenjeans. Kunst, Seele und große Emotionen. Wer nicht geht, ist doof. Zur Vorbereitung auf die Shows dienen euch bisher nur EPs: „The Man Is Dead“, „She‘s So Hard“ und „Dark Storm“. Wir verlosen ein Paket mit allen drei Tonträgern auf sallys.net. Das Debütalbum „Prisoner“ erscheint erst im Frühjahr 2012. Bis dahin seid ihr aber definitiv schon Fan – wenn, ja wenn ihr euch jetzt ein Ticket besorgt.

AUF TOUR 19.9. Berlin - Festsaal Kreuzberg *** 20.9. München - Atomic Café *** 21.9. Köln – Luxor *** 22.9. Münster - Gleis 22 *** 24.9. Hamburg - Reeperbahn Festival

Mit einer E-Mail an verlosung@sallys.net habt ihr die Möglichkeit, für sämtliche von uns präsentierten Shows den ein oder anderen Gästelistenplatz zu ergattern. Bitte schreibt den Namen eurer Wunschkonzert-Combo in den „Betreff“ und gebt eure Adresse an! 5 Bugs

02.11. Göttingen - Musa 03.11. Köln - Luxor 04.11. Hannover - Musikzentrum 05.11. Bochum - Matrix 07.11. Nürnberg - Hirsch 08.11. München - Backstage 09.11. Stuttgart - Cann 10.11. Frankfurt - Nachtleben 11.11. Hamburg - Knust 12.11. Berlin - Festsaal Kreuzberg    

Asking Alexandria

28.01. Köln - Essigfabrik 29.01. Hamburg - Markthalle 03.02. Berlin - C-Club 04.02. Chemnitz - AJZ Talschock 05.02. Nürnberg - Hirsch 08.02. München - Backstage Halle 12.02. Stuttgart - Die Röhre 13.02. Frankfurt - Batschkapp    

Bag Raiders

11.11. Trier - Messeparkhalle 12.11. Siegen - Siegerlandhalle 14.11. Oldenburg - Kongresshalle 15.11. Rostock - Stadthalle 17.11. Zwickau - Stadthalle 19.11. Freiburg - Zäpfle in der Rothaus Arena 22.11. Heilbronn - Harmonie 23.11. Würzburg - S.Oliver Arena 27.11. Fürth - Stadthalle 29.11. Madgeburg - Stadthalle 30.11. Cottbus - Messehalle 2 02.12. Köln - Palladium 03.12. Göttingen - Lokhalle 05.12. Braunschweig - Stadthalle 07.12. Essen - Grughalle 09.12. Berlin - Max-Schmeling-Halle 10.12. Berlin - Max-Schmeling-Halle    

British Sea Power 09.10. Köln - Luxor 10.10. Berlin - Lido 11.10. München - 59to1    

01.09. Hamburg - Uebel & Gefährlich 03.09. Köln - Bootshaus 07.09. Frankfurt - Sinkkasten Arts Club 08.09. München - Baby Club 10.09. Berlin - Flughafen Tempelhof (Berlin Festival)    

Cant

09.11. Berlin - Magnet 10.11. Hamburg - Indra 16.11. Köln - Gebäude 9    

Casper

Band Of Skulls

14.10. Hamburg - Molotow 15.10. Berlin - Levee 17.10. Köln - Gebäude 9    

Beatsteaks

01.09. Leipzig - Conne Island 03.09. Hamburg - Bahrenfelder Trabrennbahn 28.09. Erlangen - E-Werk 05.11. Offenbach - Stadthalle 07.11. Osnabrück - Osnabrückhalle 08.11. Lübeck - Musik- und Kongresshalle

18.11. Karlsruhe - Substage 19.11. Trier - Exhaus 23.11. Münster - Jovel 24.11. Leipzig - Werk II 25.11. Neubrandenburg - Güterbahnhof 26.11. Cottbus - Gladhouse 27.11. Potsdam - Waschhaus Arena 29.11. Rostock - Stadthalle 30.11. Hannover - Capitol 01.12. Würzburg - Posthalle 02.12. München - Backstage 03.12. Tübingen - Sudhaus 05.12. Freiburg - Jazzhaus 06.12. Saarbrücken - Garage 07.12. Dortmund - FZW 09.12. Wilhelmshaven - Pumpwerk 10.12. Hamburg - Große Freiheit 36 11.12. Hamburg - Große Freiheit 36    

Bosse

15.11. Köln - Stollwerck 16.11. Fulda - Kreuz 17.11. Frankfurt - Batschkapp

01.10. Heidelberg - Halle o2 02.10. Aachen - Musikbunker 04.10. Gießen - MUK 05.10. Stuttgart - Longhorn 08.10. Augsburg - Kantine 10.10. Freiburg - Jazzhaus 11.10. Frankfurt - Batschkapp 12.10. Bielefeld - Kamp 13.10. Bielefeld - Kamp 14.10. Hamburg - Große Freiheit 36 15.10. Potsdam - Lindenpark 18.10. Dortmund - FZW 19.10. Erfurt - Centrum 20.10. Leipzig - Conne Island 21.10. Dresden - Reithalle 23.10. Nürnberg - Hirsch

25.10. Lübeck - Riders Cafe 26.10. Hannover - Musikzentrum 27.10. Kassel - Musiktheater 28.10. Bremen - Schlachthof 29.10. Köln - Live Music Hall 30.10. Duisburg - High5Club 31.10. Münster - Skaters Palace 01.12. Düsseldorf - Stahlwerk 02.12. Kaiserslautern - Kammgarn 03.12. Lingen - Alter Schlachthof 14.12. Würzburg - Posthalle 17.12. Lindau - Club Vaudeville 01.03. Hannover - Capitol 02.03. Leer - Zollhaus 03.03. Hamburg - Große Freiheit 36 08.03. Frankfurt - Batschkapp 10.03. Mannheim - Maimarktclub 12.03. Schweinfurt - Stattbahnhof 15.03. Kiel - MAX 17.03. Oberhausen - Turbinenhalle 18.03. Osnabrück - Rosenhof 20.03. Reutlingen - Franz K 21.03. Saarbrücken - Garage 22.03. Karlsruhe - Substage    

Clueso & Band

13.10. Freiburg - Rothaus Arena 14.10. Würzburg - S. Oliver Arena 15.10. Kempten - Big Box 17.10. Saarbrücken - E-Werk 18.10. Koblenz - Sporthalle Oberwerth 19.10. Hannover - AWD Hall 21.10. Mannheim - Rosengarten 23.10. Magdeburg - GETEC Arena 24.10. Kassel - Kongress Palais 25.10. Bielefeld - Stadthalle    

Dum Dum Girls

03.11. Berlin - Festsaal Kreuzberg 04.11. Köln - MTC Club    


Dyse

06.10. Duisburg - Steinbruch 07.10. Köln - Sonic Ballroom 08.10. Münster - Gleis 22 14.10. Dresden - Scheune 15.10. Erfurt - Museumskeller 21.10. Würzburg - Immerhin 22.10. Karlsruhe - Hackerei 05.11. München - Backstage 19.11. Nürnberg - MUZ Club 20.11. Stuttgart - Zwölfzehn 09.12. Rostock - Zuckerfabrik 10.12. Flensburg - Volxbad 11.12. Lüneburg - Jeckyll & Hyde 12.12. Hamburg - Hafenklang 16.12. Braunschweig - Herr Tegtmeyer 17.12. Jena - Kassablanca

DZ Deathrays

10.10. Hamburg - Molotow 11.10. Berlin - Comet

Emil Bulls

13.10. Köln - LMH 14.10. Osnabrück - Rosenhof 15.10. Berlin - Lido 17.10. Rostock - Mau Club 18.10. Kiel - Die Pumpe 20.10. Hannover - Musikzentrum 21.10. Erfurt - HsD 22.10. Dresden - Beatpol 24.10. Magdeburg - P7 25.10. Leipzig - Werk 2 - Halle D 28.10. Cham - LA 31.10. Karlsruhe - Substage 02.11. Aschaffenburg - Colos-Saal 03.11. Ulm - Roxy 04.11. Bochum - Matrix 05.11. Hamburg - Knust 10.11. Nürnberg - Hirsch 11.11. Kaiserslautern - Kammgarn 12.11. Schüttorf - Komplex 03.12. München - Backstage Werk

Fat Cat Tour Mit: We Were Promised Jetpacks, The Twilight Sad, Mazes 18.09. Hamburg - Molotow 19.09. Berlin - Lido 20.09. Köln - Gebäude 9    

Feist

22.10.11 Berlin - Tempodrom    

Flogging Molly

16.11. München - Tonhalle 18.11. Saarbrücken - Garage 19.11. Oberhausen - Turbinenhalle 22.11. Berlin - Astra 23.11. Hamburg - Große Freiheit 24.11. Köln - E-Werk 25.11. Stuttgart - LKA Longhorn

Frank Turner & The Sleeping Souls

16.11. Hannover - Bei Chez Heinz 17.11. Münster - Sputnikhalle 29.11. Köln - Gloria 30.11. Stuttgart - Wagenhallen 01.12. München - Backstage Halle 02.12. Berlin - Postbahnhof 04.12. Hamburg - Fabrik Hamburg 05.12. Rostock - Mau Club 20.12. Heidelberg - Karlstorbahnhof    

Handsome Furs

18.09. Münster - Gleis 22 21.09. Köln - Blue Shell 22.09. Hannover - Glocksee 24.09. Berlin - Berlin Independent Night 26.09. München - Kranhalle 27.09. Stuttgart - Schocken    

Herrenmagazin

21.10. Potsdam - Waschhaus 16.11. Osnabrück - Kleine Freiheit 17.11. Ilmenau - BD Club 18.11. Eisenach - Schlachthof 19.11. Annaberg-Buchholz - Alte Brauerei    

Itchy Poopzkid

29.11. Saarbrücken - Garage 30.11. Aschaffenburg - Colos-Saal 02.12. Pforzheim - Kupferdächle 03.12. Freiburg - Waldsee 06.12. Potsdam - Lindenpark 07.12. Bremen - Lagerhaus 08.12. Dortmund - FZW 09.12. Flensburg - Volksbad 10.12. Erfurt - Centrum 23.12. Ulm - Roxy    

Fat Freddy’s Drop Was ist denn so toll an denen? Hier wird’s chillig, kuschelig und wenn ihr wollt auch schwitzig. Lange nicht so entspannt gewesen. Geht da außer mir noch wer hin? Alt und Jung, Groß und Klein, Hund und Katze, Parkbank und Kaffeefilter – Menschen und Gegenstände aller Couleur. So wird’s enden: Mit einer sieben Kilo leichteren Seele. Fat Freddy’s Drop ist Entschlackungskur fürs Gemüt.

Auf Tour 13.9. Hamburg - Grosse Freiheit 36 *** 14.9. Köln - Live Music Hall


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PRÄSENTIERT

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Radio Dead Ones

01.09. Castrop Rauxel - Bahia de Cochinos 02.09. Düsseldorf - AK 47 23.09. München - 59to1 24.09. Karlsruhe - Alte Hackerei 01.10. Duisburg - Djäzz 02.10. Weinheim - Café Central 07.10. Erfurt - AJZ Banane 14.10. Bonn - Bla 15.10. Saarbrücken - Garage Club 21.10. Dülmen - Alte Spinnerei 04.11. Rostock - Mau Club 05.11. Moormerland - Phönix 11.11. Flensburg - Volksbad 12.11. Hannover - Bei Chez Heinz 17.11. Hamburg - Marx 18.11. Köln - Underground 2 19.11. Chemnitz - AJZ Talschock 23.11. Cottbus - Bebel 24.11. Leipzig - Black Label 25.11. Magdeburg - Projekt 7 26.11. Dessau - Beat Club 10.12. Aachen - Hauptquartier 17.12. Kiel - Alte Räucherei

The Blood Arm

16.09. Essen - Zeche Carl 25.09. Leipzig - Werk 2 - Halle D 28.09. München - Atomic Café 29.09. Weinheim - Café Central 22.10. Frankfurt - Yellowstage 23.10. Berlin - Magnet 24.10. Hamburg - Uebel & Gefährlich 25.10. Köln - Underground    

The Death Set

16.11. Bremen - Tower 21.11. München - Atomic Café 26.11. Hannover - Bei Chéz Heinz 01.12. Berlin - Comet 06.12. Hamburg - Hafenklang 08.12. Weinheim - Cafe Zentral    

The Dø

24.11. München - Hansa 39 27.11. Köln - Gebäude 9 28.11. Frankfurt - Brotfabrik 29.11. Hamburg - Uebel & Gefährlich 01.12. Berlin - Postbahnhof    

The Subways

09.10. Offenbach - Capitol 12.10. Dortmund - FZW 13.10. Köln - E-Werk 18.10. Hamburg - Docks 24.10. Berlin - Astra 29.10. Dresden - Alter Schlachthof 04.11. München - Backstage Werk 07.11. Stuttgart - Longhorn    

Friendly Fires Was ist denn so toll an denen? Wer seine Bikinifigur in diesem Regensommer nicht recht vorzeigen konnte, hat heute die Chance, seinen Körper beim Tanz ins Rampenlicht zu rücken. Geht da außer mir noch wer hin? Natürlich die „Indielite“. Zeit, um sich schnell beim schwedischen Klamottendealer mit dem neuesten Glitzerfummel auszustatten, bleibt ja noch. So wird’s enden: Mit der Überzeugung, dass oberflächlicher Spaß so viel mehr kickt als tiefgründiges Blabla. Viel Spaß mit eurem neuen Leben!

Auf Tour

20.09. Köln - Luxor *** 22.09. Berlin - Lido *** 24.09. München - Atomic Café Kakkmaddafakka

03.10. Berlin - Festsaal Kreuzberg 04.10. Dresden - Scheune 05.10. Osnabrück - Kleine Freiheit 06.10. Bremen - Lagerhaus 07.10. Cottbus - Bebel 08.10. Hamburg - Uebel & Gefährlich 09.10. Köln - Stadtgarten 10.10. Wiesbaden - Räucherkammer im Schlachthof 11.10. Konstanz - Kulturladen 14.10. Karlsruhe - Substage 16.10. Freiburg - Waldsee 17.10. Stuttgart - Röhre 18.10. Münster - Gleis 22 19.10. Marburg - KFZ 20.10. Jena - Kassablanca 22.10. München - 59to1    

Kraftklub

04.11. Lübeck - Riders Cafe 05.11. Rostock - Mau Club 08.11. Würzburg - Würzburg 09.11. Hannover - Cairo 10.11. Münster - Skaters Palace 11.11. Gießen - Muk 12.11. Weißwasser - AJZ 16.11. Wiesbaden - Räucherkammer im Schlachthof 17.11. Trier - Exhaus 18.11. Köln - Underground 19.11. Leipzig - Werk 2 - Halle D 23.11. Augsburg - Kantine 24.11. Weinheim - Cafe Central 25.11. Reutlingen - Franz K 26.11. Lindau Club - Vaudeville 30.11. München - 59to1

01.12. Bayreuth - Glashaus 12.12. Stuttgart - Röhre 13.12. Koblenz - Circus Maximus 14.12. Frankfurt - Nachtleben 15.12. Kassel - K 19 16.12. Bischofswerda - Eastclub 17.12. Berlin - Postbahnhof 20.12. Kiel - Pumpe 21.12. Hamburg - Uebel und Gefährlich 22.12. Erfurt - Centrum 23.12. Dresden - Scheune 27.12. Chemnitz - AJZ Talschok    

La BrassBanda

13.09. Hannover - Capitol 14.09. Hamburg - Stadtpark Freilichtbühne 15.09. Bremen - Modernes 16.09. Kiel - MAX 21.09. Münster - Skaters Palace 22.09. Saarbrücken - Garage 24.09. Weingarten - Festplatz Weingarten 01.11. Erfurt - Stadtgarten 02.11. Leipzig - Haus Auensee 03.11. Dresden - Schlachthof 04.11. Berlin - Astra 07.11. Dortmund - Freizeitzentrum West 08.11. Köln - E-Werk 09.11. Frankfurt - Jahrhunderthalle 10.11. Freiburg - Zäpfle Club in der Rothausarena 02.12. Regensburg - Donau-Arena 04.12. München - Olympiahalle    

Rocky Votolato

07.11. Münster - Gleis 22 08.11. Giessen - MuK 09.11. Berlin - Comet 10.11. Köln - Tsunami 11.11. Bochum - Bahnhof Langendreer 12.11. Wiesbaden - Walhalla 13.11. München - Feierwerk 15.11. Erlangen - E-Werk 22.11. Freiburg - White Rabbit 23.11. Trier - Exhaus

Screaming Females 18.09. Köln - Tsunami 19.09. Berlin – West Germany

Sir Simon

19.10. Erlangen- E-Werk 20.10. Dresden - Thalia Kino 21.10. Kassel - Schlachthof 22.10. Köln - Motoki Wohnzimmer

Spaceman Spiff

19.10. Würzburg - Jugendkulturhaus Cairo 21.10. Saarburg - Schwarzer Kopf 22.10. Ludwigshafen - Das Haus 24.10. Dresden - GrooveStation 25.10. Kassel - Kulturhaus Dock 4 26.10. Köln - Subway 27.10. Hamburg - Thalia Theater (Zentrale) 29.10. Berlin - BKA Theater

Swingin’ Utters

09.09.11 Stuttgart - Zwölfzehn 10.09.11 Lindau - Club Vaudeville 15.09.11 Dresden - Groovestation 16.09.11 Berlin - SO36 17.09.11 Hamburg - Logo 18.09.11 Regensburg - Alte Mälzerei 23.09.11 Düsseldorf - Stone im Ratinger Hof 24.09.11 Frankfurt - Au

The Airborne Toxic Event 26.10. Köln - Luxor 27.10. Berlin - Frannz 30.10. Hamburg - Uebel & Gefährlich 01.11. München - Muffathalle

The Blackout Mother Mother

15.10. Berlin - Magnet 16.10. Köln - Underground 17.10. Hamburg - Molotow

09.11. Hamburg - Logo 10.11. Berlin - Crystal Club 15.11. München - 59to1 17.11. Stuttgart - Universum 18.11. Köln - Luxor    

The Vaccines

19.10. Hamburg - Knust 20.10. Berlin - Lido 25.10. Köln - Luxor    

The Wombats

23.11. Berlin - Astra 25.11. Hamburg - Große Freiheit 36 26.11. München - Backstage Werk 30.11. Köln - Palladium 19.10. Köln - Underground 20.10. Berlin - Postbahnhof 21.10. Hamburg - Molotow    

Turbo AC’s

28.10. Saarbrücken - Garage 04.11. Stuttgart - Zwölfzehn 05.11. Essen - Cafe Nova 07.11. Jena - Rosenkeller 10.11. Altenburg - Finnegans 11.11. Waldkirchen - AZ Dorftrottel 12.11. Töging - Silo 1 17.11. Bamberg - Sound n Art’s 18.11. Berlin - SO 36 19.11. Dresden - Groovestation 23.11. Kiel - Schaubude 24.11. Hamburg - Hafenklang 26.11. Münster - Skaterpalace 27.11. Frankfurt - Au    

Turbostaat

20.09. Münster - Gleis 22 21.09. Hameln - Sumpfblume 22.09. Oldenburg - Amadeus 24.09. Berlin - Astra @ BIN 04.10. Düsseldorf - Stone 05.10. Aachen - Musikbunker 06.10. Frankfurt - Das Bett 08.10. Kaiserslautern - Kammgarn 28.10. Magdeburg - Sackfabrik 29.10. Dresden - Groovestation 02.11. Stuttgart - Röhre 03.11. Karlsruhe - Substage 04.11. Lindau - Club Vaudeville


unclesally*s magazine

06.11. Darmstadt - Oettinger Villa 15.12. Osnabrück - Glanz & Gloria 16.12. Essen - Zeche Carl 17.12. Husum - Speicher    

Volbeat

31.10. Frankfurt - Jahrhunderthalle 04.11. Dresden - Messehalle 05.11. München - Zenith 07.11. Stuttgart - Schleyer-Halle 12.11. Oberhausen - König-Pilsener-Arena 16.11. Hamburg - Sporthalle   

Wu Lyf

07.10. Berlin - Festsaal Kreuzberg 08.10. Hamburg - Molotow 09.10. Köln - Gebäude 9 11.10. Frankfurt - Sinkkasten Arts Club 12.10. München - Kranhalle   

Yellowcard & Saves The Day 07.12. München - Backstage Halle 09.12. Schweinfurt - Stattbahnhof 10.12. Hamburg - Knust 11.12. Köln - Underground

Young Galaxy

22.10. Hamburg - Indra 23.10. Berlin - Comet 25.10. Köln - Elektroküche   

PRÄSENTIERT

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Im Tourbus mit:

Zebrahead

FRISKA VILJOR

16.11. Stuttgart - LKA Longhorn 17.11. München - Backstage 18.11. Dresden - Beatpol 19.11. Berlin - C-Club 20.11. Hamburg - Markthalle 22.11. Hannover - Faust 23.11. Köln - Live Music Hall 24.11. Wiesbaden - Schlachthof Club 25.11. Kaiserslautern - Kammgarn

Das Vollplaybacktheater Die Drei ??? Und die schwarze Katze

24.11. Wuppertal - Festsaal Rudolf-Steiner-Schule 02.12. Köln - E-Werk 03.12. Köln - E-Werk 04.12. Lüneburg - Vamos!Kulturhalle 05.12. Hamburg - Grosse Freiheit 36 06.12. Hamburg - Grosse Freiheit 36 07.12. Kiel - Kieler Schloss 08.12. Oldenburg - Weser-Ems-Halle 09.12. Bremen - Pier 2 10.12. Fulda - Kreuz 11.12. Frankfurt - Batschkapp 12.12. Frankfurt - Batschkapp 14.12. Wuppertal - Festsaal Rudolf-Steiner-Schule 15.12. Wuppertal - Festsaal Rudolf-Steiner-Schule 16.12. Wuppertal - Festsaal Rudolf-Steiner-Schule 11.01. Düsseldorf - Stahlwerk 12.01. Paderborn - PaderHalle 13.01. Hamburg - Grosse Freiheit 36 14.01. Lübeck - Kolosseum 15.01. Berlin - Columbiahalle 16.01. Göttingen - Stadthalle 17.01. Hamm - Maximilianpark, Festsaal 18.01. Hannover - Theater am Aegi 25.01. Mainz - Frankfurter Hof 26.01. Würzburg - Posthalle 27.01. Augsburg - Reese - Theater 28.01. Augsburg - Reese - Theater 29.01. München - Muffathalle 30.01. Stuttgart - Theraterhaus T1 wird fortgesetzt

Blöd irgendwie, wenn einen die Leute nur betrunken kennen. Dabei heißt es doch auch bei den Jungs von Friska Viljor manchmal: Kein Bier vor Vier, Acht oder Zehn. Dann schon lieber ein bisschen Absinth, um in den richtigen Partymodus zu kommen. Wie ihr euch korrekt verhaltet, wenn ihr der Band auf ihrer kommenden Tour begegnet, verrät Sänger Daniel Johansson. Auch zwischen den Zeilen. Was war eure bisher seltsamste Begegnung auf Tour? Daniel: Wir hatten so einige seltsame Begegnungen. Da Alkohol bei unserer Bandgründung eine tragende Rolle spielte, kommen noch immer SEHR VIELE betrunkene Leute auf uns zu. Einige davon können recht anstrengend werden, da sie erwarten, dass wir immer die besoffenen Trottel sind und empfinden es als unhöflich, wenn wir nicht mit ihnen trinken wollen. Es gab einige Vorfälle, da waren wir kurz davor, deshalb in ernsthafte Streitereien zu geraten und wir sind KEINE Typen, die sich gern prügeln. Was würdest du als eure spektakulärsten Erlebnisse an der Raststätte bezeichnen? Daniel (lacht): Raststätten sind alles andere als spektakulär. Aus diesem Grund versuchen wir die Sache ein wenig für uns aufzupeppen. So klauen wir manchmal kleine Dinge wie Spielzeugautos oder nutzlosen Krimskrams wie Schlüsselanhänger oder Puppen. Am Ende unserer Touren hatten wir dann schon manches Mal eine ganze Spielzeugsammlung in der Tasche. Tolle Weihnachtsgeschenke...

Der Tante Renate Was ist denn so toll an dem? Ein Konzertbesuch ist so, als würde Alice im Wunderland auch noch Schüttelfrost in den Synapsen bekommen. Geht da außer mir noch wer hin? Aber bitte, wenn das Label Audiolith ruft, dann dürft ihr euch zu den klügsten, den schönsten, den tollsten und auch einigen ganz normalen netten Menschen gesellen. Hurra! So wird’s enden: Das Hirn wird einmal richtig vom Tante Renatchen durchgepustet, so dass ihr danach noch mal die erste Klasse machen müsst, um die bestimmten Artikel neu zu lernen.    

Welche Details des Tourlebens verschweigst du deiner Mutter? Daniel: Wenn ich es schon meiner Mutter nicht sage, dann würde ich es euch wohl erst recht nicht erzählen (lacht). Natürlich passieren Dinge, die zu peinlich sind, als dass wir zu Hause davon berichten würden. Aber man muss diese Sachen im Kontext betrachten: Unsere Mütter ahnen natürlich, dass wir manchmal ein wenig dumm sein können, wenn wir „zu gut drauf“ sind. In diesen Momenten passieren die Dinge, die wir lieber geheim halten. Aber wie heißt es so schön: Was auf Tour passiert, bleibt auch auf Tour. Wo habt ihr euren fiesesten Drink getrunken? Daniel: Das war in Belgien. Wir hatten einen ganz besonderen Absinth-Shot, der aus 80% Alkohol bestand. Kaum hatte ich das Glas geleert, habe ich wie aus dem Nichts zu schwitzen begonnen und alles verschwommen gesehen. Fünf Minuten später habe ich mich wie der König der Welt gefühlt. Das war wirklich abgefahren und hat uns einen Spitzenabend beschert.

AUF TOUR

Text: Christine Stiller

2.9. Hamburg- Hafenklang *** 3.9. Lübeck- Treibsand *** 6.10. Göttingen - Stilbrvch *** 7.10. Leipzig- Ilses Erika *** 8.10. Berlin - About Blank *** 9.10. Magdeburg - Cafe Central *** 10.10. Landau - Fatal *** 11.10. Trier - Casino am Kornmarkt *** 12.10. Offenbach - Hafen 2 *** 13.10. München - Feierwerk *** 15.10. Nürnberg - Desi *** 11.11. Flensburg - Kühlhaus *** 23.11. Mainz - Schon Schön *** 26.11. Stuttgart - Kaputtraven *** 27.11. Freiburg - Slowclub *** 28.11. Heilbronn - PlemPlem *** 29.11. Aachen - Musikbunker *** 30.11. Osnabrück Glanz & Gloria *** 01.12. Marburg - Cafe Trauma *** 02.12. Kassel Schlachthof *** 03.12. Witten - Werkstatt

   

Heimat: friskaviljor.net

AUF TOUR: 14.9. Aachen - Musikbunker *** 15.9. Heidelberg - Karlstorbahnhof *** 16.9. Konstanz - Kulturladen *** 17.9. Freiburg - Jazzhaus *** 19.9. Magdeburg - Projekt 7 *** 20.9. Leipzig - Conne Island *** 21.9. Cottbus - Bebel *** 23.9. Neubrandenburg - Güterbahnhof *** 24.9. Kiel - Pumpe *** 28.10. Potsdam - Lindenpark *** 30.10. Bremen - Schlachthof *** 31.10. Osnabrück - Lagerhalle *** 6.11. Regensburg - Alte Mälzerei *** 8.11. Stuttgart - Röhre *** 12.11. Augsburg - Kantine *** 14.11. Würzburg Posthalle *** 15.11. Marburg - KFZ *** 16.11. Düsseldorf - Zakk


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KINO

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Matthias Schweighöfer Der neue Til Schweiger?

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Frage im Titel ist natürlich eigentlich Unfug, und das nicht nur, weil das ewige „der neue xyz“-Gerede lediglich alberner Medien-Schnack ist. Denn selbst wenn man ernsthaft auf der Suche nach dem neuen Til Schweiger wäre, würde man bei Matthias Schweighöfer nicht fündig. Schon allein, weil der Berliner mit sichtlich guter Laune jedem Journalisten Rede und Antwort steht, wo Schweiger immer erst einmal den Feind wittert. Wenn nun aber mit „What a Man“ (Kinostart: 25. August) Schweighöfers Regiedebüt in die Kinos kommt, ist trotzdem nicht zu übersehen, dass es einige erstaunliche Gemeinsamkeiten zwischen beiden Schauspielern gibt. Die Komödie, in der Schweighöfer selbst als netter Lehrer Axel ziemlich spät erkennt, dass statt seiner Zicken- (Mavie Hörbiger) doch eigentlich eher seine patente Jugendfreundin Nele (Sibel Kekilli) die Richtige ist, hat der 30-Jährige mit der (ungenannten) Hilfe von Schweigers Assistenten inszeniert. Doch das kann nicht die einzige Erklärung sein, warum man bei „What a Man“ in einer Tour an „Keinohrhasen“ (wo Schweighöfer ja auch mit von der Partie war) denken muss. Seitdem Schweigers romantische Komödie vor gut vier Jahren zum Sensationserfolg wurde, eifert man ihm im deutschen Kino nach, optisch wie inhaltlich. Ob „What a Man“ oder „Männerherzen“ von Simon Verhoeven (ebenfalls ein inszenierender Schauspieler), dessen Fortsetzung „Männerherzen und die ganz, ganz große Liebe“ am 15. September anläuft: Das Muster ist immer das gleiche. Die Filme sehen meist nach der weichgezeichneten, heilen Welt der Margarine-Werbung aus, der Humor sucht den harmlosen Mittelweg zwischen niedlich und derb. Im Zentrum stehen stets Män-

ner, die so reißbrettartig nach dem Geschmack von FHM- und Cosmopolitan-Lesern gezeichnet sind, dass Männer darin, wenn schon nicht sich selbst, dann zumindest ihren Traum-Kumpel erkennen, während Frauen entzückt feststellen können, dass Mr. Right vielleicht doch nicht perfekt sein muss, solange er das Herz am rechten Fleck hat. Auf der Leinwand selbst spielen die Frauen derweil übrigens – Liebesgeschichte hin oder her – nur die undankbare zweite Geige. Dabei kann aller Vorhersehbarkeit zum Trotz nette Unterhaltung rauskommen, und Schweighöfers Film ist ohne Frage sympathischer als die kürzlich gestartete Vollkatastrophe „Resturlaub“. Auch dass er einen ganzen Film über das Thema Männlichkeit drehen und dabei ohne einen einzigen dummen Schwulen-Witz auskommen konnte, muss man dem Neu-Regisseur hoch anrechnen. Dass die Gags trotzdem selten zünden, die Dialoge nicht halb so knackig sind wie Schweighöfers prominent in Szene gesetzter Hintern und die Chemie zwischen ihm und Kekilli etwas forciert wirkt, lässt sich leider trotzdem nicht leugnen. Am Ende dürften die Schwächen von „What a Man“ vielleicht auch an der Motivation des Filmemachers liegen. Dass Schweighöfer auf dem Regiestuhl Platz genommen hat, liegt schließlich weniger daran, dass er den dringenden Wunsch verspürte, sich künstlerisch auszudrücken. Nach dem ersten Baby mit Freundin Ani und dem Mo-

delabel ’German Garment’ hatte er auch noch eine Produktionsfirma gegründet und ein Autor brachte die Idee für den Film an. „Es wäre schwieriger gewesen, einen passenden Regisseur dafür zu finden, als es selber zu machen“, sagt er im Interview. „Also habe ich mich entschlossen, die Sache in die Hand zu nehmen.“ Dass Beziehungskomödien nicht den besten Ruf haben, stört Schweighöfer kaum. „Es macht mir vor allem Spaß, die Leute zu unterhalten“, sagt er ganz pragmatisch, und denkt – mit Verweis auf frühere, wesentlich weniger kommerzielle Arbeiten – ähnlich pragmatisch-geschäftsmännisch wie Schweiger: „Wenn man eine eigene Firma hat, sind wirtschaftliche Aspekte absolut existenziell. Man kann nicht fünf kleine Filme wie ’Kammerflimmern’ drehen und hoffen, davon die Mitarbeiter zu bezahlen.“ Ob die Strategie aufgeht, wird sich noch zeigen. Mit der Arbeit am zweiten Film hat Regisseur Schweighöfer, rastlos wie eh und je, trotzdem schon begonnen. Und steht für den Fall der Fälle – genau wie Schweiger – natürlich auch noch für andere Kollegen vor der Kamera: Detlev Bucks „Rubbeldiekatz“ startet im Dezember, die Bestseller-Verfilmung „Russendisko“ im Februar und „Keinohrhasen 3“ ist selbstverständlich auch schon in der Planung. Text: Patrick Heidmann


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KINO

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Zoe Saldana

Es geht auch ohne Avatar Hunderte von Millionen Menschen haben Zoe Saldana im erfolgreichsten Film aller Zeiten gesehen, doch ihr Gesicht dürfte nur ein Bruchteil von ihnen kennen. Alle anderen haben etwas verpasst, denn die Amerikanerin mit den dominikanischen Wurzeln ist auch ohne ihren blauen „Avatar“ einen Blick wert. Überzeugen konnte man sich davon bereits in Filmen wie „Center Stage“, „Fluch der Karibik“ oder „Star Trek“. Und in „Colombiana“ darf die 33-Jährige nun auch endlich mal live und in Farbe eine Hauptrolle spielen. Zoe, Deine Figur in „Colombiana“ ist eine echte Kampfmaschine. Die körperliche Vorbereitung muss enorm anstrengend gewesen sein, oder? Ehrlich gesagt fand ich das Emotionale an dieser Figur fast schwieriger. Auf der Ebene war sie alles andere als leicht zu knacken, denn es geht in der Geschichte ja um einige ziemlich extreme und intensive Gefühle: Wut, Rache, Gewalt, aber natürlich auch Schmerz. Mir erschien sie fast wie eine offene Wunde, die nicht verheilen kann und deswegen auch etwas sehr verletzliches hat. Aber natürlich habe ich auch körperlich trainiert, eine Mischung aus Martial Arts und taktischem Kämpfen. Die Action durfte nicht zu elegant oder formal aussehen, denn ihre Ausbildung hatte Cataleya schließlich mehr oder weniger auf der Straße.

Colombiana Frauen, die vor lauter Kampflust dünn, wütend und sexy sind, sind uns bekannt. In „Colombiana“ von Olivier Megaton gesellt sich zu Uma Thurman und Angelina Jolie nun die bezaubernde Zoe Saldana („Avatar“). Als Cataleya aus Kolumbien lässt sie sich in den USA zur Killerin ausbilden, um den Mord an ihren Eltern zu rächen, den sie als Kind mit ansehen musste. Dafür muss sie einen mächtigen Drogenboss beseitigen, 23 Leichen pflastern ihren Weg – aber für einen netten, ahnungslosen Lover (Michael Vartan) bleibt auch noch Zeit. Die Schnitte sind schnell, die Kamera wechselt im aufregenden Stakkato zwischen Totalen und Naheinstellungen, dazu ein Soundtrack, der nicht zu aufdringlich ist. Fast vergisst man, dass die Geschichte ein wenig zu kurz kommt. Rache plus schöne Frau? Reicht als Plot hier aus. *** Text: Cosima Grohmann Kinostart: 15. September 2011

Action-Erfahrung hattest Du aber auch schon vorher, nicht wahr? Selbstverständlich. Die Arbeit an „Avatar“ hat damals ein kleines Action-Monster in mir entstehen lassen, das ich seitdem immer mit Bewegung füttern muss. Aber ich war auch schon vorher ein sehr physischer Mensch, als Frau wie als Schauspielerin. Deswegen spiele ich auch so gerne solche Rollen: Es macht mir enorm viel Spaß, mich voll und ganz in eine Figur zu verwandeln, also nicht bloß mental. Es gibt immer noch nicht allzu viele Actionfilme mit Frauen in den Hauptrollen. Empfindest Du das nach wie vor als etwas Besonderes? Auf jeden Fall. Und ich finde vor allem, dass es wirklich unsere Pflicht ist, Frauen noch mehr in solchen und anderen körperbetonten Rollen zu zeigen. Alle Menschen, also auch wir Frauen, sind komplexe Identitäten mit mehr als nur einer Seite! Wir sind nicht bloß zerbrechliche Wesen, die nicht wissen, wie man einen Reifen wechselt. Ich bin immer dafür, dass man auch mal mit Konventionen bricht und Geschichten in ein anderes Licht rückt. Eine „Cinderella“-Geschichte mit einem Mann im Zentrum würde ich zum Beispiel auch gerne mal sehen. Aber irgendwie scheint sich unsere Gesellschaft mit schwachen Männern leider immer noch genauso schwer zu tun wie mit starken Frauen. Du hast im erfolgreichsten Filme aller Zeiten mit-

gespielt, doch statt Dir selbst war auf der Leinwand nur Dein digitaler Avatar zu sehen. Ist das nicht seltsam gewesen? Es gab schon mal einen Moment, wo ich mich gefragt habe, ob ich wirklich eine Rolle spielen will, in der mich kein Mensch erkennt und gar nicht weiß, dass ich das alles spiele. Aber dann wurde mir schnell klar, dass ich nicht Schauspielerin geworden bin, damit die Leute mein Gesicht sehen und mich auf der Straße erkennen. Meine Arbeit soll für sich selbst sprechen. Deswegen war die Rolle in „Avatar“ ein Geschenk, denn sie war eine enorme Herausforderung und eine einmalige Gelegenheit, mit echten Genies zusammenzuarbeiten. Hast Du mit James Cameron schon über die von ihm geplanten Fortsetzungen gesprochen? Ich sage jetzt der Einfachheit halber mal: nein. Denn verraten dürfte ich ja ohnehin nichts. Aber ich weiß, dass er daran arbeitet und zu gegebener Zeit den Produzenten und uns die Drehbücher zeigen wird. Keine Ahnung, wann das sein wird, denn er ist Perfektionist und wird wieder unendlich daran feilen. Er hütet diese Geschichte, sein „Avatar“-Universum mit all den Figuren wie einen Schatz – und er würde nie andere Köche in seine Küche lassen, die diesen Brei verderben könnten. Deswegen müssen wir alle warten, bis er wirklich alle Zutaten dieses Rezeptes perfekt abgeschmeckt hat! Interview: Patrick Heidmann


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KINO

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3 Fragen an

Daniel Craig... ... der nach drei Jahren Kino-Abstinenz aktuell in „Cowboys & Aliens“, einer mäßig unterhaltsamen Mischung aus Western und Science Fiction, einen Cowboy spielt und mit uns über seinen Co-Star Harrison Ford genauso sprach wie über das nächste 007-Abenteuer. Daniel, wie war die Arbeit mit einer Legende wie Harrison Ford? Ich war am Anfang wirklich ein bisschen ehrfürchtig, was die Arbeit mit ihm angeht. Ich bin ein riesiger Fan von ihm – und das schon seit vielen, vielen Jahren, denn der Kerl ist schließlich ein alter Knacker! Aber vor allem ist er der einzig Wahre! Er reitet, hat einen Pilotenschein, besitzt eine Ranch – mehr Kerl als er kann man kaum sein. Demnächst beginnen endlich die Dreharbeiten zum neuen James Bond-Film. Hatten Sie zwischenzeitlich die Hoffnung darauf aufgegeben? Ehrlich gesagt habe ich mich mit all den Schwierigkeiten der Produzenten so gut wie gar nicht beschäftigt. Das lag ja kein bisschen in meiner Hand. Und

es ist auch nicht so, dass ich in der Zwischenzeit nichts zu tun gehabt hätte. Aber ich bin froh, dass es nun weitergeht. Vor allem, weil Sam Mendes die Regie übernommen hat und das Drehbuch wirklich hervorragend ist. Vorher wird man Sie noch in David Finchers USVersion von „Verblendung“ sehen.Wird die sich sehr von der schwedischen Verfilmung des Stieg Larsson-Romans unterscheiden? Keine Ahnung, denn die habe ich ganz bewusst nicht gesehen. Ich habe viel Gutes darüber gehört, aber das hätte mich nur abgelenkt von meiner eigenen Rolle. Interview: Patrick Heidmann Cowboys & Aliens, ab 25. August

Brendan Gleeson... ... der in der trockenen irischen Komödie „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“ endlich mal wieder eine seiner seltenen Hauptrollen spielt, während man sein Gesicht sonst eher aus Nebenrollen in Filmen wie „Troja“, „The Village“ und natürlich als Professor Moody in den „Harry Potter“-Hits kennt. Mr. Gleeson, Sie sind längst ein alter Hase im Filmgeschäft, aber angefangen haben Sie mit der Schauspielerei erst mit über 30. Warum so spät? Es ist nicht so, dass ich mich vorher nie damit beschäftigt habe. Im Gegenteil ich kam schon während meiner Schulzeit mit dem Theater in Berührung aber eben als Hobby. Als echte Berufsalternative hatte ich die Sache irgendwie nicht auf dem Schirm. Irgendwann nahm das Hobby aber immer mehr Raum ein, unsere Theatergruppe wurde immer professioneller und erfolgreicher. Aus Zeitgründen musste ich mich dann zwischen der Schauspielerei und dem Lehrerdasein entscheiden. Macht es eigentlich einen Unterschied, ob man einen kleinen Film wie „The Guard“ oder eine Mega-Produktion wie „Harry Potter“ dreht?

Nicht unbedingt was meine Arbeit als Schauspieler angeht. Aber man merkt natürlich, wie viel weniger Geld und Zeit bei den kleinen Filmen vorhanden ist. Das ist nicht immer besonders komfortabel, doch ich liebe es. Inzwischen sind zwei Ihrer Söhne auch Schauspieler, Domhnall spielte bei „Harry Potter“ mit. Haben Sie sie gefördert? Nur sehr zaghaft. Ich wollte nie, dass sie Kinder-Schauspieler werden, denn das Erwachsenwerden ist ohne Rampenlicht schwer genug. Aber später habe ich ihnen natürlich zur Seite gestanden, denn grundsätzlich kann ich diesen Beruf nur empfehlen. The Guard – Ein Ire sieht schwarz, ab 22. 9. Interview: Patrick Heidmann

Chris Colfer... ... der als Kurt Hummel in der Musical-Serie „Glee“ innerhalb kürzester Zeit zu einem der bekanntesten US-Nachwuchs-Stars wurde und diesen Monat in seiner Paraderolle nicht nur im Fernsehen (Super RTL) und auf DVD (siehe DVD-Seiten) zu sehen ist, sondern mit dem Konzertfilm „Glee on Tour – Der 3D-Film“ sogar auf der Leinwand. Chris, Du warst gerade mit der High School fertig, als Du die Rolle in „Glee“ übernommen hast. Warst Du auf Anhieb vom Erfolg der Serie überzeugt? Beim ersten Lesen des Drehbuchs konnte ich es kaum fassen, dass ernsthaft jemand eine Serie über einen Haufen Teenager drehen will, die permanent singen und tanzen. Wie konnte das passieren? Aber ich habe dann schnell realisiert, dass es dabei um Kids wie dich und mich geht. Ich wusste also, dass es ein Publikum dafür geben würde, denn ich selbst gehöre zur Zielgruppe. Hattest Du es an der Schule ähnlich schwer wie Kurt? Man kann das durchaus vergleichen, meine Jugend war furchtbar. Ich war so unbeholfen und ein ziemlicher Außenseiter. Aber die wichtigste Lektion,

die ich damals gelernt habe, gebe ich gerne weiter: Auch diese Zeit geht vorbei, sogar schneller als man denkt. Mir hat es sehr geholfen, dass ich Ziele und Träume hatte. Auf die habe ich mich konzentriert und immer an die Zukunft gedacht. Inzwischen hat Dich das Magazin Time in seine Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt aufgenommen... Verrückt, oder? Als ich das hörte, dachte ich nur: „Hä, was ist denn jetzt los?“ Ziemlich surreal, die ganze Sache. Und es macht mich geradezu demütig zu erleben, dass jemandem wie mir eine solche Ehre zuteil wird. Glee on Tour – Der 3D-Film, ab 22. 9. Interview: Jonathan Fink


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Hell

Apokalypse, ausgeleuchtet Schon bald werden die Deutschen von einem Sommer wie dem diesjährigen träumen. Im Jahr 2016 verortet Regisseur Tim Fehlbaum die Geschichte seines ersten Spielfilms, der den Überlebenskampf in einer vom Sonnenlicht ausgebrannten Welt erzählt. Marie (Hanna Herzsprung) und ihre jüngere Schwester Leonie (Lisa Vicari) sind auf dem Weg in die Berge. Ihr Fahrer ist Philipp (Lars Eidinger), Maries Freund, an den sie eher sein Auto und der Proviant darin bindet als die Liebe. Denn Lebensmittel und Fahrzeuge sind wertvolle Güter geworden. Die Temperatur hat sich dramatisch erhöht, die Landschaft ist verdorrt, vor allem Trinkwasser knapp. Dem Sonnenlicht sollte sich niemand schutzlos aussetzten und die Nächte leuchten fahl. Die Hoffnung der Gruppe ist, oberhalb der Baumgrenze erträglichere Bedingungen vorzufinden. An einer Tankstelle stößt man auf Tom (Stipe Erceq). Dem anfänglichen Argwohn dem Fremden gegenüber weicht die Vermutung, ein Mann mehr könne hilfreich sein. Zu viert geht die Reise weiter. Trotz der lebensfeindlichen Natur erweist sich dabei der Mensch als größte Gefahr. Fehlbaum liefert Genrekino, eine Mischung aus Endzeitszenario und Horror-Heimatfilm. Für einen Debütfilm ist das keine ungewöhnliche Nische, wohl aber für einen deutschsprachigen. Dass sich dieses Projekt dennoch durchsetzen

konnte, liegt wohl an seinem prominenten Fürsprecher: Roland Emmerich fungierte als ausführender Produzent. „Hell“ ist wirklich gut geworden. Der simple Handlungsrahmen wird durch wenige Sätze völlig ausreichend erklärt. Szenerie und Schauspieler machen die Katastrophe jederzeit spürbar und glaubhaft. Zwar gerät Toms Wandlung etwas holprig, aber ansonsten handeln die Figuren nachvollziehbar, was in solchen Filmen selten genug ist. Der einfache, aber packende Aufhänger, starke Bilder und gut gezeichnete Charaktere tragen zum wichtigsten bei – die Geschichte ist bis zur letzten Einstellung spannend. Das liegt wohl auch an den überdeutlichen Anleihen,

die Fehlbaum am Splatterfilm nimmt. Hier könnte man den Autoren vorwerfen, nicht konsequent genug gewesen zu sein. Denn obwohl vieles darauf hindeutet, bleibt eine (sichtbare) Gewaltorgie aus. Vielleicht ist das zu harmlos. Andererseits kann sich der durchschnittliche Kinogänger darauf freuen, kurz die Atmosphäre und Intensität blanken Horrors erleben zu können, ohne sich durch literweise Blut gucken zu müssen. Und gäbe es einen Preis für das „Final Girl National“, Hannah Herzsprung hätte ihn unbedingt verdient. Text: Christian Stein Kinostart: 22. September 2011

Athos (Matthew Macfayden), Portos (Ray Stevenson) und Aramis (Luke Evans) haben ihre besten Tage hinter sich und werden zum Schutz des Königreichs Frankreich kaum noch gebraucht. Stattdessen setzt der intrigante Kardinal Richelieu (Christoph Waltz) – stets darum bemüht, die Macht des jungen Regenten auszuhöhlen – auf seine eigenen Truppen. Als es allerdings den jungen, tollkühnen D’Artagnan (Logan Lerman) nach Paris verschlägt und alte Musketier-Widersacher wie Milady de Winter (Jovovich) oder der Duke of Buckingam (Orlando Bloom) auf der Bildfläche auftauchen, heißt es doch bald wieder: Alle für einen, einer für alle.

Die drei Musketiere

Ein Klassiker erreicht die nächste Dimension Wer bei Abenteuerkino in alter Mantel-Degen-Tradition, das mit rasantem Tempo, jeder Menge Action und vor allem einer großen Portion augenzwinkerndem Humor aufwarten kann, an „Fluch der Karibik“ denken muss, liegt natürlich nicht falsch. Selbst Paul W. S. Anderson macht keinen Hehl daraus, dass der Erfolg von Captain Sparrow für seine Neuverfilmung von „Die drei Musketiere“ als Blaupause diente: „Filme, die in der Vergangenheit spielen, haben immer den Ruf, ein weniger trocken zu sein, aber ’Fluch der Karibik’ hat gezeigt, dass es auch anders geht.“ Der britische Regisseur, der mit seinem Debüt „Shopping“ einst Jude Law fürs Kino entdeckte, hat sich mit

der überraschend beständigen „Resident Evil“-Reihe eigentlich als Spezialist für brutales Genre-Kino etabliert. Doch nicht zuletzt weil er mit seiner Ehefrau und Lieblingsschauspielerin Milla Jovovich mittlerweile zwei Kinder hat, war die Zeit nun reif für eine neue, familienfreundliche Herausforderung: „Jede Generation braucht ihren Musketier-Film, die Themen des Dumas-Klassikers kommen nie aus der Mode.“

Natürlich hat sich Anderson ein bisschen was Neues einfallen lassen, „auch wenn wir uns enger an die Vorlage halten als die meisten anderen Verfilmungen.“ Literatur- und Geschichtspuristen werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: Hier kommen Luftschiffe zum Einsatz. Doch unter Action-Gesichtspunkten funktioniert dieser Kniff eigentlich ziemlich gut, auch die Kostüme, die Kulissen (gedreht wurde ausschließlich in Deutschland) und die 3D-Effekte überzeugen. „Die drei Musketiere“ schwächeln eher anderswo, etwa bei den Figuren und Darstellern. Zu viele bleiben karikaturhaft, speziell den Musketieren mangelt es an Charisma und Waltz sollte dringend aufpassen, sich nicht dauerhaft auf die gleichen Klischees festlegen zu lassen. Ganz abgesehen davon, dass man vor allem hinsichtlich des Humors viel zu oft merkt, wie krampfhaft hier auf das Piraten-Vorbild geschielt wird, so dass es echte Lässigkeit oft schwer hat. Text: Patrick Heidmann Kinostart: 1. September 2011


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KINO

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Le Havre

Ein Finne in Frankreich

Wer an die Filme von Aki Kaurismäki denkt, dem kommen schweigende, vom Leben gezeichnete Melancholiker in den Sinn, die in verrauchten Kneipen sitzen, während draußen vor der Tür die finnische Nacht kaum je zu enden scheint. Insofern ist „Le Havre“, sein erster Film seit fünf Jahren, eine echte Überraschung: Es hat den Finnen nach Frankreich verschlagen, wo es nicht nur hell und sonnig, sondern auch geradezu geschwätzig zugeht. Schuhputzer Marcel Marx (André Wilms), der mit seiner herzensguten, kranken Ehefrau (Kati Outinen) in der Titel gebenden Hafenstadt lebt, entdeckt eines Tages den kleinen afrikanischen Flüchtling Idrissa (Blondin Miguel). Der ist auf einem Containerschiff illegal ins Land gekommen und wird von der Polizei gesucht, doch Marcel bietet ihm Unterschlupf und hilft, wo er kann. Kein leichtes Unterfangen, denn Inspektor Monet wird bald auf ihn aufmerksam.

Bars und rot gestrichenen Gartentoren nach Frankreich funktioniert nicht nur erstaunlich reibungslos, sondern scheint ihn sogar beflügelt zu haben. Nach seinem schwächelnden „Lichter der Vorstadt“ findet er zurück zu ganz großer Form mit einer enorm charmanten Geschichte, die vor kuriosen Gestalten, Kleinod-Momenten und Edward Hopper-würdigen Bildern nur so strotzt. Nebenbei gelingt ihm außerdem das Kunststück, von Hoffnung in der Tristesse zu erzählen und gleichzeitig einen kleinen Beitrag zu aktuellen Flüchtlingsdebatten zu leisten. So märchenhaft, aber eben auch so politisch explizit wie in dieser über die Maßen amüsanten Komödie war Kaurismäki selten.

Die Verlegung von Kaurismäkis schräger, nachdenklicher und liebevoller Retro-Welt mit ihren kargen

Text: Patrick Heidmann Kinostart: 8. September 2011

Freunde mit gewissen Vorzügen Vögeln ohne Verpflichtung

Befreundet sein, aber trotzdem zusammen in die Kiste steigen? Ob das gut gehen kann, beschäftigt die Gemüter seit Ewigkeiten und in Hollywood zuletzt besonders. Nach Ashton Kutcher und Natalie Portman in „Freundschaft Plus“ versuchen sich nun Justin Timberlake und Mila Kunis als „Freunde mit gewissen Vorzügen“(im besseren Originaltitel: „Friends With Benefits“) – und sind zumindest in Sachen Unterhaltungswert dabei sehr viel erfolgreicher. Art Director Dylan und HeadHunterin Jamie lernen sich kennen, als sie ihn nach New York holt. Beide sind seit kurzem Single, man flirtet ein bisschen miteinander, doch weil beide sich für wenig beziehungstauglich halten, belässt man es erst einmal beim harmlosen Miteinander-Abhängen. Doch irgendwann steht die Idee vom zwanglosen Sex im Raum, der bloß die Freundschaft nicht gefährden soll. Anfangs klappt es zwischen den Laken bestens. Aber spätestens beim gemeinsamen Abstecher ins kalifornische Strandhäuschen von Dylans Familie treten dann doch einige Gefühle zutage.

Wie die Sache ausgeht, versteht sich von selbst. Auch wenn sich hier am laufenden Band über die Klischees romantischer Komödien (inkl. Film im Film) amüsiert wird, ist „Freunde mit gewissen Vorzügen“ schließlich selbst eine. Doch dass Regisseur Will Gluck etwas von Selbstironie und frischem Wind für verstaubte GenreKonventionen versteht, bewies er schon mit „Einfach zu haben“. Auch dieses Mal kann ihm in Sachen augenzwinkernder Cleverness kaum jemand das Wasser reichen. Wieder brilliert er mit pointierten Dialogen, wunderbaren Nebenfiguren und popkulturellen Referenzen. All das wäre allerdings nur halb so amüsant, würde die stimmige Chemie zwischen den Hauptdarstellern nicht so ungewöhnlich viele Funken schlagen. Text: Patrick Heidmann Kinostart: 8. September 2011

Roller Girl Princess On Wheels

Drew Barrymores rasantes Regiedebüt heißt im Original „Whip it!“. Eine „Whip“ geht so: Zwei Girls auf Rollerskates nehmen in voller Fahrt eine Teamkollegin in ihre Mitte und schleudern sie gemeinsam nach vorn. Auf einem steilen Rundkurs peitscht sie dann von hinten auf einen gegnerischen Pulk Mädels zu, und attackiert diese, indem unter anderem die Rollschuh-Variante der guten alten Blutgrätsche zum Einsatz kommt – aua, aua, aua! Klingt ausgedacht, gibt’s aber wirklich: Beim „Roller Derby“ dürfen sich hart gesottene Damen richtig austoben. Auch die 17-jährige Bliss (Ellen Page) sehnt sich nach ein bisschen wildem Leben. Ihr texanisches Heimatstädtchen gibt außer prolligen Gleichaltrigen und lokalen Beauty-Contests nicht viel her. Also auf in die nächst größere Stadt, nach Austin. Dort bekommt sie eines Tages einen „Roller Derby“Flyer in die Hand gedrückt: Wilde Furien in punky Outfits mit martialischen Künstlernamen, das ist es! Gleich am nächsten Tag holt sie ihre eingemotteten rosa Rollschuhe vom Dachboden, und beginnt heim-

lich zu trainieren. Hunderte von Schrammen, Schürfwunden und blauen Flecken später ist sie „Babe Ruthless“, der umjubelte Star der Rennbahn. Ellen Page ist eine Wucht als schlaues Mauerblümchen, das sich zur Granate entwickelt. Aber auch die anderen Darsteller glänzen, sei es Marcia Gay Harden als besitzergreifende Mutter, Juliette Lewis als Bliss’ fiese Gegenspielerin „Iron Maven“, oder Barrymore selbst, die es sich nicht nehmen ließ, sich in einigen Szenen zum zu Affen machen – auch auf Rädern, versteht sich. Mit „Roller Girl“ ist ihr ein Coming of AgeFilm der etwas anderen Art gelungen. Text: Calle Claus Kinostart: 1. September 2011


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KINO

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Attack The Block

Easy Money

Mein bester Feind

Es ist schon ein bisschen gruselig, wie verfilmte Fantasiewirklichkeiten manchmal die Realität vorwegnehmen. Nicht, dass London tatsächlich von tiefschwarzen Wuschelmonstern aus dem All heimgesucht worden wäre, wie in Joe Cornishs SciFi-Actioner „Attack The Block“ (ab 22.9.). Doch einige Filmszenen der Verwüstung kommen den Bewegtbildern aus den Nachrichten über die London Riots im letzten Monat bedenklich nahe. Während Letzteres jedoch eine tieftraurige Angelegenheit ist, deren Thematik an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden soll, ist „Attack The Block“ ein Füllhorn der Freude geworden, in der eine Londoner Jugendgang bei ihrem allnächtlichen Streifzug durchs Viertel plötzlich ein Alien entdeckt und zur Strecke bringt. Was die Jungs jedoch noch nicht ahnen: Das Alien ist nicht allein. Lustig, actionreich, spannend – Cornishs neuster Streich nach „Shaun Of The Dead“ ist furios-freudvolles Fantasiekino, ein echter Geheimtipp und (leider) merkwürdig aktuell.

Kälte, Misstrauen und Gerissenheit sind Eigenschaften, die man in der Unterwelt braucht, um zu bestehen. JW (Joel Kinnaman) ist ein gut aussehender und hochbegabter Student der Wirtschaftswissenschaft aus bescheidenen Verhältnissen. Seine Freunde sowie das Mädchen seiner Träume sind allesamt reich, so dass JW sich seiner Herkunft schämt. Er sieht die Chance, illegal an viel Geld zu kommen und begibt sich in Stockholm in schwerkriminelles Milieu. Im Gegensatz zu ihm sind alle, denen er dort begegnet, auf die Gesetzmäßigkeiten dieses Geschäfts vorbereitet. In Schweden war der Film, wie schon dessen Romanvorlage, ein sensationeller Erfolg. „Easy Money“ (ab 15.9.) ist modernes Gangsterkino, ohne verklärendes Pathos, mit realistischer Härte, jedoch auch ohne besondere Tiefe oder Raffinesse. Hätte Filmschurke Mrado (Dragomir Mrisic) etwas mehr Filmzeit bekommen, aus einem soliden Kinofilm wäre bestimmt ein richtig guter geworden.

Die Nazi-Zeit eignet sich bestens, um zu zeigen, wie aus Freunden plötzlich Feinde werden. In diesem Falle: der Wiener Galerist und Jude Victor Kaufmann (Moritz Bleibtreu) und der Sohn der Hausangestellten, Rudi (Georg Friedrich). Nachdem Rudi seine Arbeiterkluft gegen eine SS-Uniform getauscht hat, will er den Kaufmanns eine Zeichnung Michelangelos abknüpfen. Dass die Skizze eine Fälschung ist, merkt Rudi erst, als er die Familie bereits ins Arbeitslager gebracht hat. Das Rennen um die echte Zeichnung beginnt. In „Mein bester Feind“ (ab 1.9.) steuert der österreichische Regisseur Wolfgang Murnberger schnurgerade auf eine komödiantische Wendung zu – um dann seinen Fokus zu verlieren. Wo vorher noch ein lockerer Erzählton herrschte, wird nun die Umkehr des Machtverhältnisses zwischen Rudi und Victor hektischen Hass-Dialogen geopfert. Die Szenen zerfasern in endlosem Tür-auf-Tür-zu. Dass Bleibtreus Wangen auch nach vier Jahren Arbeitslager feist sind, verzeiht man dem Film. Den verschenkten Twist nicht.

Text: Daniel Schieferdecker

Text: Christian Stein

Text: Cosima Grohmann

Mein Stück vom Kuchen Über uns das All

Westwind

Die dreifache Mutter France (Karin Viard) hat soeben ihren Job als Fabrikarbeiterin an der Küste verloren. In Paris findet sie eine Stelle als private Reinigungskraft, sie putzt für den reichen und smarten Börsenspekulanten Steve (Gilles Lellouche). Obwohl grundverschieden, entwickelt sich ein fast freundschaftliches Verhältnis. Nicht lange, denn die sozialen Unterschiede trennen die beiden doch mehr als angenommen. Familienleben und Beziehungsunfähigkeit, Metropole statt Provinz, Arbeit gegen Kapital und auch ein bisschen Mann gegen Frau. Cédric Klapischs sozialkritische Komödie „Mein Stück vom Kuchen“ (ab 15.9.) lässt vieles aufeinanderprallen. Das komische Zusammenspiel der Figuren funktioniert gut, samt kritischer Töne. Die geraten dem Regisseur jedoch mitunter fast zu subtil: sein Film beginnt dramatisch und endet plakativ. Aber Steve allein ist den Eintritt wert. Seit Gordon Gekko gab es kein sympathischeres Spekulantenschwein mehr.

Wir schreiben den Sommer 1988 und befinden uns am Balaton in Ungarn. Dort machen sowohl die ostdeutschen Zwillinge Isabel (Luise Heyer) und Doreen (Friedericke Brecht) in einem Pionierlager, als auch die Hamburger Schulfreunde Arne (Franz Dinda) und Nico (Volker Bruch) in einem Luxushotel Ferien. Zwischen Doreen und Arne entwickeln sich dabei zarte Bande, die sich schließlich zur großen Ost-West-Liebe auswachsen. Leider verpasst Robert Thalheimer die Chance, aus dem tollen Stoff eine leichtfüßige Sommerromanze vor ernsthaftem Hintergrund zu machen, den sich auch eine Teenie-Zielgruppe anschauen und darin en passant etwas über die deutsch-deutsche Teilung erfahren würde. Stattdessen liefert er mit „Westwind“ (ab 25.8.) ein erdenschweres und sauertöpfisches Liebesdrama ab. Dieses inszeniert er zwar packend, mit gewohnter Präzision und hat mit Luise Heyer und Friedericke Brecht auch zwei tolle Hauptdarstellerinnen aufzubieten. Um die verpasste Chance ist es dennoch schade.

Text: Christian Stein

Als Amy Winehouse starb, murmelte es überall: Ach, das war ja zu erwarten. Aber hey: Wir werden alle sterben! Vielleicht etwas älter, aber man vergisst doch gern mal, dass das Leben endlich ist. Auch Martha (Sandra Hüller) muss schmerzhaft erfahren, dass der Tod unverhofft kommen kann. Ihr Mann Paul hat gerade seinen Doktor gemacht und einen Job in Marseille bekommen, da begeht er Selbstmord. Und Martha macht schmerzhafte Entdeckungen... Regisseur Jan Schomburg sinniert in „Über uns das All“ (ab 15.9.) über die Trauer und die Zeit danach. Glücklicherweise ist das kein Betroffenheitskino geworden, sondern vielmehr ein dichter und vielschichtiger Film über den Versuch, im härtesten Schicksal einen Halt zu finden. Anders als in Matthias Luthardts „Der Tag an dem ich meinen toten Mann traf“, verwischen hier nicht Realität und Illusion, sondern Martha versucht dem Schwanken der Realität bewusst entgegenzutreten. Und ist dabei noch immer auf der Suche nach Paul. Text: Cornelis Hähnel

Text: Dirk Lüneberg


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KINO DVD

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DVD DES MONATS The King’s Speech (Senator/ Universum)

Er gehörte zu den großen Überraschungserfolgen des vergangenen Winters und konnte bei der diesjährigen Oscarverleihung im Februar vier der Preise abräumen: die Auszeichnungen für den besten Film, den besten Hauptdarsteller (Colin Firth), das beste Drehbuch sowie die beste Regie. Regisseur Tom Hooper erzählt in seinem bewegenden, auf Tatsachen beruhendem Drama die Geschichte von Prinz Albert (Firth), der nach der Abdankung seines älteren Bruders überraschend König George VI von England wird. Doch sein ganzes Leben lang leidet der

Prinz schon unter seinem Stottern, sodass öffentliche Reden für ihn eine Tortur darstellen. Seine Frau Elizabeth (Helena Bonham Carter) schickt ihn deshalb zu dem Sprachtherapeuten Lionel Logue (Geoffrey Rush), der mit seiner respektlosen Art und seinen unorthodoxen Methoden bei dem Prinzen zunächst nicht so gut ankommt.

Brighton Rock

Die Herrschaft der Schatten

(Kinowelt) 1966. Aufstand der britischen Arbeiterklasse. Zeit des Umschwungs. Als der aufstrebende Kleinganove Pinkie (Sam Riley) während dieser Unruhen ein verfeindetes Gangmitglied ermordet, taucht plötzlich eine unerwartete Zeugin auf: die naive Kellnerin Rose (Andrea Riseborough). Doch anstatt sie verschwinden zu lassen, macht er ihr einen Heiratsantrag und vollführt somit einen tollkühnen Drahtseilakt mit dem Schicksal. Phänomenale Bilder, ein dramatischer Score und die operettenhafte Überzeichnung machen dieses Remake zu einem Sinnbild für eine Gesellschaft im Umbruch und das drohende Verderben der Protagonisten. Text: Daniel Schieferdecker

Das Hausmädchen

(Alamode/Alive) Für Martin Scorsese ist das Original von 1960 ein Meilenstein der Filmgeschichte. Nun hat sich Regisseur Im Sang-soo an ein Remake des koreanischen Klassikers gewagt. Die junge Eunyi beginnt bei einer wohlhabenden Familie als Hausmädchen zu arbeiten. Schnell wird sie vom Hausherren begehrt, doch die Affäre hat schreckliche Konsequenzen. „Das Hausmädchen“ kann man irgendwo zwischen Gesellschaftsdrama und erotischem Psychothriller ansiedeln. Zwar ist der Film visuell virtuos komponiert, und hat durchaus seine spannenden Suspense-Momente, doch leider erreicht er nicht die erzählerische Dichte des Originals. Text: Cornelis Hähnel

Das Schmuckstück

(Concorde) Dass der Regisseur François Ozon in seinen Filmen gerne den berühmten Schauspielerinnen seines Landes huldigt, ist mittlerweile bekannt. Mit „Das Schmuckstück“ übertrifft er sich allerdings selbst: Das Porträt einer unterdrückten Hausfrau in den Siebzigerjahren, die ihren Mann in der gemeinsamen Regenschirmfabrik vertritt und in dieser Zeit zur Femme fatale mutiert, ist eine einzige Liebeserklärung an Catherine Deneuve. Bisweilen gerät die liebevoll ausgestattete Komödie vor lauter Begeisterung für ihre Hauptdarstellerin etwas aus dem Ruder, was den Spaßfaktor aber nicht schmälert. Ebenso detailverliebt fällt das Making-of aus. Text: Cosima Grohmann

Exzellente Darsteller, ein strenger, zum Stoff passender Inszenierungsstil und eine ebenso mitreißende wie menschelnde Geschichte, die zudem ohne übertriebenen Kitsch

(Koch Media) Spät abends kommt es in ganz Detroit zu einem Stromausfall. In völliger Finsternis verschwindet beinahe die gesamte Bevölkerung spurlos. Nur diejenigen, die ein brennendes Licht bei sich tragen, bleiben verschont. Vorerst. Denn drohende Schatten wollen sich auch der letzten Überlebenden bemächtigen. Die Grundidee ist gut, die Kulisse einer menschenleeren Großstadt wie immer wirksam und trotzdem ist das Ganze nur in Teilen spannend. Immerhin darf Hayden Christensen nach dem bösen Skywalker hier mal einen Luke spielen. Die DVD bietet einen Audiokommentar, alternative Enden und Interviews. Text: Christian Stein

auskommt, vereinen sich hier zu einem großartigen Stück Schauspielerkino. Während die DVD mit einem Audiokommentar von Hooper, der Hörfilm-Fassung und dem Kinotrailer nur wenig Bonusmaterial bietet, sieht das bei der Zwei-Disc-Special Edition und der Blu-ray-Fassung schon besser aus. Hier gibt es jede Menge Zusatzmaterial, darunter eine Q&A Session mit den Stars und dem Regisseur, ein Making-of sowie die Nachkriegsrede des echten King George VI. Text: Dirk Lüneberg

Glee – Season 1.2

(20th Century Fox) Die nicht zuletzt für deutsche Sehgewohnheiten ungewöhnliche Kombination aus High School-Drama, absurdem Humor und jeder Menge Musical-Einlagen stößt schon ab der zweiten Staffel (die ab diesem Monat auf Super RTL zu sehen ist) gelegentlich an ihre Grenzen. Im zweiten Teil der ersten Staffel der US-Erfolgsserie ist sie allerdings in vollster, enorm unterhaltsamer Blüte zu erleben. Höhepunkte sind dabei eindeutig die Madonna- und Lady Gaga gewidmeten Episoden, Gaststars wie Neil Patrick Harris, Olivia Newton-John oder Josh Groban und natürlich – wie immer – Jane Lynch als Sue Sylvester und Chris Colfer als Kurt Hummel. Das Bonusmaterial (von Karaoke bis zur Stilberatung) fällt üppig aus. Text: Patrick Heidmann

Good

(Ascot Elite) Eines der wenigen Elemente, die einen in „Good“ bei der Stange halten, ist Viggo Mortensen in der für ihn eher untypischen Rolle des zerzauselten Intellektuellen Johann Halder. Es wird erzählt, wie er persönlich das NaziRegime erlebt und sich dazu positioniert, wobei besonderes Augenmerk auf die Freundschaft zu seinem jüdischen Freund Maurice gelegt wird. Die Dialoge sind so plakativ gehalten, dass das auf dem gleichnamigen Theaterstück basierende Drama insgesamt aber langweilt. Im Bonusmaterial findet man Trailer, B-Roll und massenhaft schlecht aufgearbeitete Interviews, in denen sogar der Sprachtrainer (!) zu Wort kommt. Text: Vanessa Pape

Fast & Furious Five

(Universal) Wozu hat man Freunde? Ganz klar, sie müssen einen zuerst aus dem Gefängnisbus befreien, damit dann alle gemeinsam das nächste große Ding drehen können, bei dem ein brasilianischer Drogenboss um seine beträchtlichen Einnahmen erleichtert wird. Zu erfahren gibt es hier erneut hochkarätige und atemberaubend-rasante Action und so ist dieser fünfte Teil vielleicht sogar der beste der Benzin- und Testosteron-befeuerten Filmreihe geworden. Auf der DVD finden sich noch ein Audiokommentar von Regisseur Justin Lin, entfallene Szenen, Outtakes sowie ein Featurette. Text: Dirk Lüneberg

Faster

(Sony) Zehn Jahre hat er gesessen, jetzt kommt er endlich raus und kennt nur ein Ziel: Rache! Eiskalt arbeitet er sich an der Bande ab, die einst seinen Bruder umgebracht hat. Was nach einem simplen „Ein Mann mordet sich seinen Weg“-Plot klingt, verdichtet sich zu einer zwar konstruiert wirkenden, aber immer komplexer werdenden Story, die von ihren exzentrischen Figuren zum Leben erweckt wird. Kompromisslos hartes und dreckiges Actiondrama mit Western-Referenzen, das zugleich das Beste ist, das Dawyne „The Rock“ Johnson bisher untergekommen ist. Als Extras gibt es ein alternatives Ende, entfallene Szenen, zwei Featurettes und animierte Storyboards. Text: Dirk Lüneberg

BEST OF THE REST

Da sage noch mal jemand, Schauspieler seien nicht fleißig. Shooting Star Andrea Riseborough jedenfalls ist aktuell gleich zweimal neu im Heimkino zu sehen, in „Brighton Rock“ sowie an der Seite von Carey Mulligan, Keira Knightley und Neu-Spider-Man Andrew Garfield in der traurigen, aber auch leicht blutarmen Romanverfilmung „Alles was wir geben mussten“ (20th Century Fox). Und beim Filmfestival von Venedig stellt sie im September außerdem „W.E.“ vor, die neue Regiearbeit von Madonna, in der sie die Hauptrolle spielt. Auch Jon Hamm liegt nicht auf der faulen Haut. Im Kino sieht man ihn noch in „Brautalarm“, auf DVD jetzt in dem souveränen Thriller „Stolen Lives“ (Ascot Elite). So verkürzt man sich das Warten auf die nächste „Mad Men“-Staffel gerne. Nicht selten resultieren solche Mehrfach-Auftritte natürlich aus seltsamem VeröffentlichungsTiming. „Women in Trouble“ (dtp Enterainment) und „Elektra Luxx“ (dtp Entertainment) von Sebastian Gutierrez entstanden zwar mit fast zwei Jahren Abstand, doch auf DVD gibt’s die EnsembleKomödie und ihren Porn-Star-Ableger fast zeitgleich. Die tolle Carla Cugino sowie in Nebenrollen Joseph Gordon-Levitt, Marley Shelton oder Adrienne Palicki sind in beiden Fällen mit von der Partie. Mit noch mehr Verzögerung bekommt das Publikum nur „Giallo“ (Sony) von Horror-Altmeister Dario Argento zu sehen. Der mäßig gelungene Thriller lief schon 2009 auf Festivals, doch weil Hauptdarsteller Adrien Brody mit den Produzenten stritt, ließ eine Veröffentlichung ewig auf sich warten. Da lobt man sich doch all die neu- und wiederaufgelegten Klassiker, die dieser Tage zum immer und immer wieder gucken einladen. Pünktlich zum 30. Jubiläum gibt es „Das Boot“ (EuroVideo) in einer großzügig ausgestatteten Blu-ray-Box, die für jeden Cineasten eine Freude ist. Kein Deut weniger großartig ist Jean Cocteaus „Die Schöne und die Bestie“ (Alamode/ Alive), jetzt im 3-DiscDigiPack erhältlich. Aufwändig restauriert wurden für den Heimgebrauch die beiden FassbinderFilme „Ich will doch nur, dass Ihr mich liebt“ (EuroVideo) und „Despair – Eine Reise ins Licht“ (EuroVideo), wobei letzterer samt sehenswerter Doku erscheint. Ebenfalls gut: Lars von Triers wieder erhältlicher „Manderlay“ (Legend Home Entertainment) und „Moderato Cantabile“ (Alive) mit Jeanne Moreau und Jean-Paul Belmondo.

Text: Patrick Heidmann


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In einer besseren Welt

Rio

(Universum) Bereits mit „Brothers“ und „Nach der Hochzeit“ hat Susanne Bier Geschichten erzählt, in denen Alltag und extreme Erfahrungen in Krisengebieten zusammenprallen. Auch im Oscar-Gewinner „In einer besseren Welt“ kollidieren zwei Welten. Anton arbeitet als Arzt in einem afrikanischen Flüchtlingslager, sein Sohn Elias wird in Dänemark an seiner Schule gemobbt. Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit Bier verschiedene Handlungsstränge verknüpft und so, fast unmerklich, Heimat und Fremde sich annähern lässt. Selten ist intelligentes Kino so emotional packend wie in den Filmen der Dänin. Text: Cornelis Hähnel

(20th Century Fox) Papagei Blu ist ein spezieller Fall: er lebt bei der Buchhändlerin Linda im frostigen Minnesota und kennt die „perfekte Marshmallow-K ak aoMischung“, er kann nicht fliegen und ist das letzte Männchen seiner Art. Im titelgebenden Karnevalsparadies hingegen lebt das passende letzte Weibchen, weswegen man zum Zuckerhut eilt – und natürlich in einem riesigen Abenteuer landet. Der Trickfilm von „Ice Age“-Regisseur Carlos Saldanha ist bisweilen ein wenig geschwätzig und nervt mit überflüssigen Musicaleinlagen, der liebenswerte Protagonist aber reißt’s raus. Eher blass leider die Extras: gerade mal eine entfallene Szene und ein Musikclip. Text: Friedrich Reip

Mütter und Töchter

Satte Farben vor Schwarz

(Universum) Drei Geschichten von Müttern und ihren Töchtern werden von Regisseur Rodrigo García kunstvoll miteinander verwoben. Karen (Annette Bening) pflegt ihre Mutter und ist von Schuldgefühlen geplagt, weil sie ihr eigenes Kind vor 30 Jahren zur Adoption freigab. Elizabeth (Naomi Watts), eine erfolgreiche Anwältin, wird ungewollt schwanger. Und Lucy (Kerry Washington), die sich sehnlichst Nachwuchs wünscht, aber keine eigenen Kinder bekommen kann, adoptiert schließlich ein Baby. Ein anrührender Film, der belegt, wie nah Glück und Leid häufig beieinander liegen. Text: Daniel Schieferdecker

Ohne Limit

(Concorde) Eine Pille macht Eddie (Bradley Cooper) zum Überflieger. Eben hing er noch beruflich und seelisch durch, jetzt fließt seine Kreativität in seinen Roman und in gewagte Börsentätigkeiten. Der „Stoff“, so der Titel der Vorlage von Alan Glynn, macht süchtig, der Vorrat ist begrenzt. Regisseur Neil Burger inszenierte fesselndes Hochgeschwindigkeitskino. Was ein psychologisch interessantes Denkspiel hätte werden können, ist immerhin ein gut gemachter Thriller um Geld und Macht, mit einem Quäntchen Gesellschaftskritik. Neben Making-of, Featurettes und einem Audiokommentar gibt es auch ein alternatives Ende. Text: Elisabeth Nagy

Rango

(Paramount) Da waren sogar die Sequels von „Cars“ und „Kung Fu Panda“ machtlos: auch zum Heimkino-Start ist „Rango“ noch immer der beste Animationsfilm 2011. Die Geschichte des im hörenswerten Original von Johnny Depp gesprochenen Chamäleons im Wüstenkaff, wo der Kampf ums Trinkwasser ein großes Abenteuer mit sich zieht, lebt von originellen Gags, hohem Tempo und cleveren Dialogen, die sich nicht zuletzt an ein erwachsenes Publikum richten. Und die gestochen scharfen Bilder sind technisch und visuell herausragend. Zwei Filmfassungen, entfernte Szenen, ein alternatives Ende, ein Audiokommentar und mehr runden das Vergnügen ab. Text: Patrick Heidmann

(EuroVideo) In dem Erstlingswerk von Regisseurin Julia Heldmann sieht man Senta Berger und Bruno Ganz als eingespieltes Ehepaar, das am Ende eines gemeinsamen Lebens steht. Harmonisch war dieses Leben, aber wie soll jetzt sein Schluss aussehen? Wenn das Lebensende schon angefangen hat - wie stirbt man dann würdevoll miteinander? Der Film diskutiert die Gestaltungsmöglichkeiten, die jeder Mensch dabei hat, melancholisch und doch ganz selbstverständlich. Als Extra gibt es ein ausführliches, aber unspektakuläres Making-of, in dem leider nur oberflächliche Einblicke in die Entstehung des Films gewährt werden. Text: Vanessa Pape

KINO DVD

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Kult Senna

(Universal)

Die Formel1 übt eine besondere Faszination aus. Der Sport ist gefährlich, die Liste der Verunglückten lang. Der Brasilianer Ayrton Senna hatte Charisma auch fern der Rennstrecke. Er, der als einer der Größten im Rennsport galt, starb 1994 in Imola. Die streng chronologische Dokumentation von Asif Kapadia spricht als Film und als Hommage nicht nur Fans des Sports an. „Senna“ ist spannender als mancher Blockbuster. In Archivaufnahmen ist der Zuschauer direkt mit auf der Strecke und zum Beispiel. Sennas Rivalität mit Alain Prost ist ganz großes Drama. Die DVD zeigt die Kino-Fassung und liefert Interviews, Featurettes und einen Audiokommentar als Bonus. Text: Elisabeth Nagy

Win a Lot Auch in diesem Monat könnt Ihr wieder zahlreiche der hier vorgestellten DVDs (und Blu-Rays) gewinnen. Schickt uns einfach eine Postkarte oder E-Mail (verlosung@sallys.net) mit dem Kennwort „DVD-Verlosung“ und Eurem Wunschtitel. Ggf. Altersnachweis nicht vergessen! Zu gewinnen gibt es: The King’s Speech – 1x DVD Special Edition, 1x BD, Senna – 2x DVD, Thor – 3x DVD, T-Shirt & Wii-Spiel, Rango – 3x DVD, Kugelschreiber & Wii-Spiel, Satte Farben vor Schwarz – 5x DVD, The Mechanic – 3x DVD & Schlüsselanhänger, Brighton Rock – 3x DVD & Roman, Rio – 3 DVD & Notizbuch, Herrschaft der Schatten – 3x DVD, The Other Woman– 3x DVD, Good – 3x DVD, Das Schmuckstück – 3x DVD, Von Menschen und Göttern – 3x DVD, Das Hausmädchen– 3x DVD, Mütter und Töchter – 3x DVD, The Tree– 3x DVD, Women in Trouble – 3x DVD, Elektra Luxx – 3x DVD, Stolen Lives – 3x DVD, Despair– 3x DVD, Ich will doch nur, dass Ihr mich liebt – 3x DVD, Das Boot– 3x BD-Box, Ohne Limit – 2x DVD, 2x BD, Faster – 2x DVD, 1x BD, Giallo – 2x DVD, 1x BD, Glee 1.2 – 2x DVD, In einer besseren Welt – 2x DVD und Fast & Furious 5 – 1x BD, 1x DVD. Zum Kinostart von „Roller Girl“ verlosen wir außerdem 2x den Soundtrack, auf dem die Ramones und Dolly Parton ebenso zu hören sind wie Peaches oder The Go!-Team.

The Mechanic

(Kinowelt) Arthur Bishop (Jason Statham) ist Auftragskiller und ein strikter Einzelgänger. Dennoch nimmt er eines Tages den Sohn seines Arbeitgebers unter seine Fittiche und bringt ihm sein tödliches Handwerk bei – logisch, dass das zu Spannungen führt. “The Mechanic” ist ein Remake des Films “Kalter Hauch” von 1972, lässt dessen Originalität jedoch ein wenig vermissen. Das Katzund-Maus-Spiel zwischen Statham und Ben Foster ist daher bloß bedingungslosen Genrefans zu empfehlen. Als Extras winken zwei Featurettes sowie erweiterte und geschnittene Szenen. Text: Daniel Schieferdecker

The Other Woman

(Ascot Elite) Emilia (Natalie Portman) ist die gefürchtete „Andere“. Sie kommt – und der Ehemann geht. Die Anwältin verliebt sich in ihren Chef und wird schwanger. Es folgen seine Scheidung, eine Heirat und die Geburt des Kindes. Doch das Glück ist von kurzer Dauer: Das Baby stirbt. Der Film beschreibt die Beziehungen der Akteure kurz vor und nach dem Schicksalsschlag. Lisa Kudrow als gehörnte Ehefrau, Charlie Tahan als Scheidungskind und natürlich Oscar-Gewinnerin Portman tragen den Film mit sensibler Schauspielkunst. Ein Drama nicht für jeden Geschmack, für Portman-Fans aber ein Muss, auch wenn die DVD recht spärlich ohne Extras angeboten wird. Text: Kristina Deininger

The Tree

(Pandora/ Alive) Dawn (Charlotte Gainsbourg) und ihre vier Kinder können den plötzlichen Tod des Ehemannes und Vaters nicht überwinden. Die Zweitjüngste glaubt sogar, seine Stimme in den Wipfeln des Feigenbaumes zu hören. Das Leben der Familie ist erstarrt, doch der Baum streckt unbarmherzig Wurzeln aus und bedroht damit ihre Existenz. Nach einem Roman von Judy Pascoe zeigt „The Tree“, wie unterschiedlich Menschen mit Trauer umgehen. Dabei stehen die Entscheidungen, die am schwersten fallen, im Vordergrund. Eine leise Inszenierung, die voller guter Absichten, aber auch allzu sentimental ist. Dazu gibt’s ein Making-of. Text: Elisabeth Nagy

Thor

(Paramount) In Asgard, einer Parallelwelt zur Erde, herrscht der weise und mächtige Göttervater Odin (Anthony Hopkins). Sein Sohn Thor (Chris Hemsworth) braucht eine Lektion in Demut und wird deshalb auf die Erde verbannt. Dort verliebt er sich in Natalie Portman (bezie-

hungsweise ihre Figur Jane Foster), macht eine Menge Radau und rettet natürlich das Universum. Obwohl Asgard aussieht wie aus Playmobil, gehört diese Comicverfilmung zu den gelungenen, auch dank des charismatischen und perfekt besetzten Hauptdarstellers. Als Bonus gibt es den Audiokommentar von Regisseur Kenneth Branagh, entfernte Szenen und ein Feature zum baldigen Helden-Stelldichein „The Avengers“. Text: Christian Stein

Von Menschen und Göttern

(NFP/ Warner) Die in den Bergen Algeriens in einem Kloster lebenden christlichen Mönche können glatt als Musterbeispiel für gelungene Integration durchgehen: Sie sind bei der Bevölkerung beliebt und besuchen die muslimischen Feste. Als jedoch islamistische Rebellen Jagd auf Andersgläubige machen, kann die Sicherheit der Mönche nicht mehr garantiert werden. Besinnlich erzähltes, hervorragend gespieltes und zutiefst bewegendes Drama von Xavier Beauvois, basierend auf einem wahren Fall und mit leichtem Hang zum Pathos. Bonusmaterial sucht man vergeblich. Text: Dirk Lüneberg


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HÖR-/BÜCHER

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John Niven Seid lieb!

„Gott bewahre“ (oder schöner im Original: „The Second Coming“) heißt das neue Buch von John Niven. Diesmal allerdings geht es nur am Rande um die Abgründe der Musikindustrie („Kill Your Friends“) und gar nicht um Golf („Coma“) – sondern um Gott. Der gönnt sich zum ersten Mal in seiner Geschichte eine Woche Angelurlaub. Blöderweise entspricht ein Tag im Himmel exakt 57 Erdenjahren. Die gute Urlaubslaune ist also sofort dahin, als er bei seiner Rückkehr sieht, was die Menschheit in den letzten 400 Jahren mit seiner Erde so alles angestellt hat. Womit wir auch beim eigentlichen Thema des Buches wären: Wir - und alles, was es an uns so zu kritisieren gibt. Umweltverschmutzung, Kriege, Kommerzialisierung, Fanatismus, Globalisierung, moralischer Verfall, Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Schwulenhass, Gier, Egoismus... Das alles gewürzt mit dem typischen John Niven-Humor. Die Bedenken auf den ersten Seiten, eine ewig kiffende und feiernde Himmelscrew sei vielleicht doch ein wenig platt – räumt das Buch mit seinen charmant-witzigen Ideen schnell beiseite. So bekam Moses einen Höllenärger, als er eigenmächtig und leicht profilneurotisch seine Zehn Gebote niederschrieb, um dem einen von Gott in Auftrag gegebenen „Seid lieb“ etwas mehr lyrischen Nachdruck zu verleihen. Apropos: es ist und bleibt nicht einfach, eine gute deutsche Entsprechung für das englische „fuck“ zu finden. Ein „verfickter Idiot“ ist eben

noch lange kein „fucking idiot“ - auch deshalb sei an dieser Stelle die Originalausgabe empfohlen. Gott beschließt also, dass etwas getan werden muss und schickt – na klar – Jesus, der es wieder einmal richten soll. Der landet als verkannter Musiker in New York, schart eine illustre Gruppe „Jünger“ oder vermeintlich „Gescheiterte“ um sich und hat im großen und ganzen eine gute Zeit. Nur zuhören will ihm der Rest der Menschheit lieber nicht. Die Mittel der Zielgruppe wählen ist die Devise, aus der eine Bewerbung bei einer Castingshow wird, bei der sich der Leser übrigens auch auf ein Wiedersehen mit Steven Stelfox freuen darf. John Niven ist bester Laune, als er in Berlin bei Kaffee und Keksen über die Zukunft der Menschheit, seine Mama, Monty Python, Kiffen, The Clash und das schreibende Unterbewusste an sich redet: Glaubst du an Gott? Nein, ich bin Atheist. Aber das ist auch gar nicht so wichtig, denn das Buch ist ja keine Kritik an Gott oder Jesus, sondern vielmehr eine an dem, was die Menschen in Gottes Namen und sonst noch so an Mist anstellen.

Hast du dir trotzdem Sorgen gemacht, dass jemand komisch oder gar gefährlich auf das Buch reagieren könnte? Nein, nicht wirklich. Ich denke, hier in Europa haben wir einen entspannten Umgang auch mit Kritik an sensiblen Themen. Ich glaube nicht, dass mich jetzt Christengruppen verfolgen werden. In Amerika könnte das allerdings schon wieder anders aussehen. Es gibt schon einen großen Unterschied zwischen mir und Salman Rushdie. Ich komme aus einem Kulturkreis, in dem Monty Python vor fast 40 Jahren „Das Leben des Brian“ schrieben (lacht). Wie ist denn die Idee überhaupt entstanden? Eigentlich sollte das Ganze ein Drehbuch werden. Ich merkte aber schnell, dass ich nie im Leben ein Studio finde, das so einen teuren Film macht. Also hab ich die Idee zurück in die Schublade gepackt. Als ich dann mal wieder in den Staaten unterwegs war, musste ich feststellen, dass dieses Land - obwohl Obama inzwischen im Weißen Haus eingezogen war - politisch immer weiter nach rechts rutscht. Besonders die religiöse Rechte glaubt, eine Art Besitzanspruch auf Gott und Jesus zu haben und begründet ihre krude Weltanschauung und den vermeintlichen Machtanspruch mit dem Willen


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Gottes. Nebenbei ein Gott, bei dem es vor allem um Bestrafung, Rache und Intoleranz geht. Wenn ich mir einen Gott vorstelle, würde genau das Gegenteil Sinn machen – also beschloss ich, darüber zu schreiben. Wie viele Joints hast du geraucht, während du geschrieben hast? (lacht) Das Lustige ist, dass ich kein Cannabis rauchen kann. Wenn ich nur einmal ziehe, falle ich entweder in Ohnmacht oder bin einfach zu nichts mehr zu gebrauchen. Die Idee habe ich von dem amerikanischen Komiker Bill Hicks, der die Geschichte erzählte, dass Gott die Republikaner erschaffen musste, als er feststellte, dass er das Marihuana auf der Erde vergessen hatte. Dieser so genannte War Of Drugs und das damit verbundene Marihuana-Verbot ist auch eine einzige Farce. Es gibt für mich keinen ersichtlichen Grund, warum Alkohol und Tabak erlaubt sind, Gras aber verboten ist. Ich fand die Idee sehr lustig, dass Gott, der ja auch diese Pflanze erschaffen hat, und die komplette Himmelbelegschaft ganz gerne mal einen kiffen. Auch wenn ich es nicht vertrage, kenne ich einige Menschen, die von früh bis spät kiffen und ganz hervorragend funktionieren.

(lacht) Nicht ganz, denn ich habe eine sehr gute Agentin, die an mich geglaubt hat. Jeder, der ein Buch schreibt, hat diesen Moment, in dem er daran zweifelt, ob seine Buchstaben da draußen irgendjemanden interessieren. Ich hatte fast zwei Jahre jeden Tag geschrieben und ich wusste, dass es keine Garantie und wahrscheinlich nicht mal eine Möglichkeit gibt, das Buch überhaupt zu veröffentlichen. Jedes Jahr gibt es circa zwei Millionen unveröffentlichte Manuskripte, die Wahrscheinlichkeit zu scheitern war also sehr, sehr groß. Und selbst wenn das Wunder passiert, dass sich ein Verlag

Glaubst du, dass dieses Buch etwas verändern kann? Ich habe ein paar Briefe und E-Mails bekommen, die mich sehr gerührt haben. Jemand schrieb, dass das Buch ihn die Dinge hat anders sehen lassen. Die meisten meiner Leser sind relativ jung und wenn ich es schaffe, deren Denkhorizont auch nur ein klitzekleines bisschen zu erweitern, habe ich doch schon viel erreicht. Als ich 15 oder 16 war, waren The Clash meine Religion, sie haben mich gelehrt, die Welt in einem anderen und sicher auch politischeren Licht zu sehen. Ich habe Joe Strummer ein paar Mal getroffen und er sagte immer, dass all diese Leute auf ihn zukommen und ihm erzählen, wie er ihr Leben verändert hat. Ich denke, dass auch Musik und gerade so eine Band durchaus in der Lage ist, etwas zu bewegen. Das ist doch toll. Apropos Musik: Bevor „Kill Your Friends“ die Bestsellerlisten stürmte, wurde es von 18 Verlagen abgelehnt. Hast du dich in dieser Zeit ein bisschen so gefühlt wie Coldplay oder Muse als sie vor deinem Label-Schreibtisch saßen?

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findet, der das Buch herausbringt, so verkaufen um die 90% weniger als 5.000 Exemplare. Es ist also schon sehr vergleichbar mit dem Musikbusiness. Entwickeln deine Figuren eine Art Eigenleben? Ja, irgendwie schon. Steven Stelfox zum Beispiel sollte in dem neuen Buch eigentlich nur einen ganz kurzen Cameo-Auftritt haben. Aber wenn der einmal loslegt, ist er gar nicht so einfach zu stoppen (lacht). Ich bin inzwischen überzeugt, dass man die wichtigen Dinge mit dem Unterbewusstsein schreibt. Die besten Ideen kommen einem nicht am Schreibtisch, sondern unter der Dusche oder beim Autofahren. Das Unterbewusstsein macht eigentlich die grundlegende Schreibarbeit, das Bewusstsein steigt ein, wenn man editiert. Ich habe ein paar Jahre gebraucht, bis ich das akzeptiert habe. Mein erster Entwurf ist oft ganz fürchterlich und ich würde ihn niemandem zeigen, der vierte Entwurf fängt dann langsam an gut zu werden. Es braucht allerdings auch eine höllische Disziplin, nach der 400. Seite einmal tief durchzuatmen und sich wieder mit Seite Eins zu beschäftigen – und das vier-, fünf- oder auch sechsmal hintereinander. Das Buch ist deiner Mutter gewidmet – hat es ihr gefallen? Sie mag es. Sie hat alle meine Bücher bis auf „Kill Your Friends“ gelesen, weil ich ihr gesagt habe, sie soll es besser nicht tun. Sie hat es zwar auch zu Hause, behauptet aber, es tatsächlich nicht gelesen zu haben – ich bin mir allerdings nicht ganz sicher, ob ich ihr das glauben soll (lacht). Es war lange überfällig, ihr ein Buch zu widmen und das nächste dreht sich unter anderem um eine sehr rachsüchtige Mutter - ziemlich unpassend, ihr das zu widmen.

Wie schwer war es, einen Moment in der Zeitgeschichte zu finden, an dem Gott in seinen Urlaub aufbrechen kann? Das war tatsächlich gar nicht so einfach, denn um ehrlich zu sein, war auch die Renaissance eine ziemlich blutige und dunkle Epoche, aber sie war eben auch das Ende des noch viel dunkleren Mittelalters und der Beginn der Neuzeit mit hellen Köpfen wie da Vinci, Shakespeare, Dante, Erasmus von Rotterdam – um nur einige zu nennen. Natürlich war auch damals lange nicht alles gut, aber es ging mir ja vor allem auch darum zu verdeutlichen, in welcher kurzen Zeitspanne wir diesen Planeten vor allem ökologisch immer weiter kaputt machen. Glaubst du persönlich, dass die Menschheit eine Zukunft hat? Ja, ich bin ein sehr optimistischer Mensch. Ich bin kein Zyniker, aber ich liebe schwarzen Humor. Natürlich macht es einen manchmal irre, wenn man sich den ganzen Schwachsinn in der Welt anguckt, aber genau deshalb muss man eben etwas tun. Es mag kindisch sein, aber ich habe das Gefühl, aufstehen zu müssen und zumindest kund zu tun, dass ich nicht einverstanden bin. Ich bin in der glücklichen Position, schreiben zu können und dafür auch noch bezahlt zu werden – sonst wäre ich vermutlich so ein Typ mit einem Schild um den Hals, der die Autos anschreit.

HÖR-/BÜCHER

Du arbeitest also schon am nächsten Buch? Das ist schon fertig.

John Niven - Zur Person John Niven wird 1968 in Ayrshire im Südwesten Schottlands geboren. Er studiert Englische Literatur an der Universität Glasgow und spielt Gitarre in einer Band namens „The Wishing Stones“. Nach der Uni landet er durch einen Freund zunächst bei einem Indie-Label in Glasgow. Kein Geld, viel Spaß und jede Menge Kontakte später bekommt er ein Jobangebot vom Major-Label Polygram. Nach einem Einstieg im Marketing, wird er erst A&R und dann Senior Product Manager. Er nimmt Mogwai und Travis unter Vertrag, Coldplay und Muse lehnt er ab. 2002 wird ihm das alles so viel zu viel, dass er die Musikindustrie verlässt und anfängt, Artikel für diverse Magazine zu schreiben. 2006 erscheint sein erstes Buch, die Novelle „Music from Big Pink“, 2008 wird sein Roman „Kill Your Friends“, eine bitterböse und rabenschwarze Satire auf die Musikindustrie, ein internationaler Bestseller. 2009 gelingt ihm mit „Coma“ - einer kruden Familiengeschichte rund um das Thema Golf - ein weiterer Erfolg. Geschrieben wird in seiner Gartenlaube in Buckinghamshire: zwischen dem Frühstück und dem Mittagessen, also von neun bis eins, arbeitet er an seinem aktuellen Buch, Nachmittags sind dann die Drehbücher oder Artikel an der Reihe - es gibt da einen sehr schönen in der Daily Mail zu den Remastered Alben der Beatles und einen nicht weniger kritischen im The Independent zum Tode Michael Jacksons.

Hörst du jemals auf zu schreiben und machst eine Pause? Nein (grinst). Ich habe ja sehr spät angefangen – mit 34 hab ich meine erste Geschichte geschrieben. Ich hatte zehn Jahre lang sehr viel Spaß in der Musikindustrie, aber manchmal denke ich, ich hätte früher anfangen sollen. Als ich mit „Kill Your Friends“ dann tatsächlich Erfolg hatte, konnte ich es gar nicht glauben, dass ich so ein Glückspilz sein sollte und hatte ein bisschen Angst, dass mir das wieder genommen wird - also habe ich lieber schnell weiter geschrieben. Wenn das so weitergeht, können wir uns also noch auf viele Bücher freuen. „Gott bewahre“ gibt es für die, die sich lieber vorlesen lassen, übrigens auch als Hörbuch. Und allen die auf Vorlesen, „live“ und bestimmt jede Menge Spaß stehen, seien die folgenden Lesungen mit John Niven und Bernd Begemann wärmstens ans Herz gelegt: 21.9. Berlin * 22.9. Kiel * 23.9. Hamburg (Reeperbahn Festival) * 24.9. Hannover * 25.9. Düsseldorf * 27.9. Frankfurt * 28.9. Heidelberg * 29.9. München * 30.9. Augsburg * 1.10. Tübingen * 2.10. Stuttgart * 4.10. Nürnberg * 5.10. Würzburg Text: Caroline Frey Heimat: randomhouse.de


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COMPUTERSPIELE

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kombinieren, um so noch weiterreichende Folgen zu haben, später kommen mächtige Zauber hinzu. Das Volk wird indirekt gesteuert - sind alle Hindernisse aus dem Weg geräumt, wird der nächste Zielpunkt vom Spieler vorgegeben, bevor sich die Meute auf den Weg macht. Der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben steigt steil an - einerseits, weil oft die Zeit drängt, andererseits, weil die Zusammenhänge immer komplexer werden - das Verändern der Welt an der einen Seite kann gravierende Folgen für die Landschaft auf der anderen Seite der Insel haben.

From Dust Gar nicht so einfach, (ein) Gott zu sein - ständig bedrohen unwegsames Terrain oder Naturkatastrophen Leben und Gesundheit des eigenen Volkes. Nur gut, dass sich in „From Dust“ die Welt mit einfachen Klicks komplett ummodellieren lässt. Dem Spieler wird ein kleines Nomaden-Volk anvertraut, das gesund und munter von Mission zu Mission geführt werden soll. Das gestaltet sich jedoch zunehmend schwieriger, weil die kleine Schar recht schutzlos den Widrigkeiten der Natur und ihren Elementen ausgeliefert ist. Dem Spieler stehen in einer Art göttlicher Funktion allerdings zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, Einfluss auf die Gestaltung der eigenen Insellandschaften zu nehmen - und das Volk so immer wieder doch

lebendig von der Dorf-Gründung rund ums Totem bis hin zum jeweiligen Zielpunkt zu bringen. So wird per Klick etwa Sand aufgenommen und angehäuft und fertig ist der Schutzwall oder ein Flusslauf kann stillgelegt und passierbar gemacht werden. Die Fähigkeiten vergrößern sich im Spielverlauf immer weiter - Lava kann aufgeschüttet, Wasser wird zum Gefrieren gebracht, die Gegend mit diversen Pflanzen begrünt werden. Man kann Fähigkeiten miteinander

„From Dust“ gibt es nicht klassisch im Handel, sondern nur als Download via Xbox Live Arcade, Playstation Network oder Stream. Und es beweist, dass das Genre der Sandkasten-Spiele noch längst nicht tot ist - in der Tradition solcher Klassiker wie Populous oder Black&White kann hier Herrscher über die Welt gespielt werden. Trotz des günstigen Preises von etwa 15 Euro ist „From Dust“ ein vollwertiger Titel mit zahlreichen Möglichkeiten, solidem Umfang, einigen spielerischen Überraschungen und knackigem Schwierigkeitsgrad. Verbesserungspotenzial ist zwar noch durchaus vorhanden - angefangen bei einer spannenderen Hintergrundgeschichte bis hin zu MehrspielerOptionen und mehreren Stämmen. Zusätzliche Inhalte sind aber bereits angekündigt; auch auf lange Sicht kann hier also noch einiges erwartet werden. Text: Tito Wiesner

Genre: Strategie Publisher: Ubisoft Plattform: PC, Xbox 360, PS3

ein Shooter - auch wenn statt klassischer Schusswaffen hier Zauberstäbe zum Einsatz kommen und statt zwischen MG oder Pistole zwischen unterschiedlichen Zaubern hin- und hergewechselt wird.

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2 Ein Ende mit Schrecken: Der Abschluss der Harry Potter-Saga ist vor einigen Wochen in den Kinos angelaufen - und passend dazu erschien auch das (vorerst) letzte Spiel zur Reihe für PC und Konsolen. Der erfolgreichste Zauberlehrling aller Zeiten hätte allerdings einen würdigeren Abschied von der Videospiel-Landschaft verdient. Wie schon in vorherigen „Harry Potter“-Spielen orientiert sich auch die Handlung von „Heiligtümer des Todes Teil 2“ lose an den Geschehnissen des Films - eine Kenntnis der Buch- oder Filmvorlage ist auf jeden Fall ratsam, da sonst die Geschichte in ihrer Gesamtheit kaum erfasst wird. Stichpunktartig werden bestimmte düstere Szenerien herausgepickt

- vom Einbruch in den Sicherheitstrakt der Zaubererbank Gringotts bis hin zur Schlacht um Hogwarts und der Auseinandersetzung mit Oberbösewicht Voldemort und seinen Schergen. Spielerisch ist „Heiligtümer des Todes Teil 2“ (ebenso wie der erste Teil) zuletzt allerdings mehr oder weniger

Schon nach den ersten Spielminuten stellt sich allerdings große Monotonie ein - angesichts immer gleicher, sich komplett vorhersehbar verhaltender Kontrahenten, extrem linearem Leveldesign und praktisch kaum vorhandener Abwechslung. Hinzu kommt, dass wenig Spannung entsteht - wenn Harry etwa minutenlang immergleiche Gegner abschießen muss, um so Hermine bei der Ausführung eines Zauberspruches Deckung zu geben, fragt man sich warum die junge Dame so derart lange für einen im Film nur wenige Sekunden benötigenden Befehl braucht. An solchen Stellen wird besonders deutlich, wie wenig sich die Szenerie für einen Shooter eignet - fast alle Missionen wirken, als wären sie in ein Actionspiel-Korsett gezwängt, in das sie eigentlich gar nicht reingehören. Viele der in den letzten Jahren veröffentlichten „Harry Potter“-Spiele blieben hinter den Erwartungen zurück und konnten das theoretisch riesige Potenzial der Vorlage kaum nutzen. „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Teil 2“ ist allerdings ein neuer Tiefpunkt, der selbst die größten Fans enttäuscht zurücklassen dürfte. Text: Tito Wiesner

Genre: Action Publisher: Ubisoft Plattform: PS3, Xbox360, Wii, DS, PC


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MUSIK STORIES

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COMPUTERSPIELE

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Sid Meier’s Pirates Eine Piraten-Legende sticht erneut in See: „Sid Meier’s Pirates“ feiert Premiere auf dem Apple-Tablet und lässt dank schicker Grafik und gut angepasster Bedienung nicht nur Freibeuter-Veteranen begeistert die Segel hissen. Vom Leichtmatrosen zum gefürchteten Piratenkapitän kann es der Spieler in „Sid Meier’s Pirates“ jetzt auch für rund drei Euro auf dem iPad bringen. Basis der Portierung ist nicht das erste „Pirates“ von 1986, sondern das Remake von 2004. Der Spieler verfügt zunächst über ein eigenes Schiff, das er über die Südsee scheucht. Dort kann er an Orten wie Trinidad oder Martinique anlegen, um Handelswaren oder Kanonen zu kaufen, sich vom Gouverneur einen Freibeuterschein oder eine Mission abzuholen, oder um in der Taverne eine Crew anzuheuern. Es gibt gleich mehrere Ziele, etwa Ruhm und Reichtum und die Heirat mit einer Gouverneurstochter. Um das alles zu erreichen, kann man brav mit Gütern handeln, oder aber andere Fregatten überfallen und Städte bombardieren. Die Steuerung erfolgt über gut gemachte Touchscreenbefehle. In Schwertkämpfen greift der eigene Freibeu-

ter per Wischbewegungen an, bei Kanonenangriffen muss er die Geschütze durch Antippen nachladen und die Ziele anvisieren. Das funktioniert insgesamt sehr gut, nur bei sehr schnellen Manövern wird es etwas hakelig. Die Grafik wirkt wie mehr oder weniger direkt von der damals veröffentlichten PC-Version übernommen - auch für iPad-Verhältnisse keine Sensation, aber stimmungsvoll in Szene gesetzt. Technisch sauber, fairer Preis - mit „Sid Meier’s Pirates“ haben die Entwickler so gut wie alles richtig gemacht. Text: Tito Wiesner

Genre: Strategie/Action Publisher: 2K Games Plattform: iPad

Gears Of War 3 Auf der Spiele-Messe Gamescom in Köln gab es kaum einen Titel, der so viel Aufmerksamkeit erregte und für so lange Warteschlangen sorgte wie „Gears Of War 3“. Nicht nur, weil dies der erste Teil der Serie ist, der offiziell in Deutschland erscheint. Die ersten beiden „Gears Of War“-Spiele sorgten weltweit für Begeisterung, Top-Bewertungen und riesige Verkaufserfolge. Deutschland blieb allerdings außen vor - die Bundesprüfstelle verbot den Verkauf. Teil 3 hat die Jugendschützer nun aber überzeugen können: Die USK hat dem Titel die Alterskennzeichnung „Keine Jugendfreigabe“ erteilt, wodurch das Spiel für jeden ab 18 regulär im Handel erhältlich ist. Zum ersten Mal können also auch deutsche Fans ihre Lancer laden und sich gemeinsam mit dem Protagonisten Marcus Fenix und den COG Soldaten der Bedrohung durch die brutalen Locust stellen. Die Entwickler haben im Vergleich zu den ersten beiden Spielen nochmals nachgelegt: Nicht nur, dass die Grafik einmal mehr zum wohl Beeindruckendsten gehört, was je auf einer Spielekonsole zu sehen war. Auch der Umfang kann sich sehen lassen: Neben der längsten Solo-Kampagne

Call of Juarez 3 Drogenfahnder statt Sheriffs, Kokain-Packungen statt Goldschatz: Der dritte Teil von „Call of Juarez“ will vom Wilden Westen nichts mehr wissen und schickt den Spieler stattdessen in den Kugelhagel zwischen erbarmungslosen Kartellen und Ordnungshütern im heutigen Los Angeles. Spieler steuern wahlweise den für die Polizei von Los Angeles antretenden Ben McCall, einen Nachfahren der früheren Hauptfiguren, den zwielichtigen DEA-Agenten Eddie Guerra oder eine gewisse Kimberly Evans vom FBI. Alle haben unterschiedliche Vorlieben bei den Waffen und können wahlweise auch von ein oder zwei Freunden im Koopmodus gesteuert werden. Gemeinsam kämpft das Trio in einer Reihe von Missionen gegen das MendozaKartell - etwa in einer bergigen Waldlandschaft, wo gegen den erbitterten Widerstand von Wachleuten die verbotenen Marihuanaplantagen abzufackeln sind. Zwischendurch gibt es Verfolgungsjagden im

Auto, Ermittlungen im Nachtclub, Schießereien in den Straßen oder ein Duell mit einem Helikopter. Was abwechslungsreich klingt, spielt sich allerdings recht einfallslos: Den größten Teil der Zeit verbringt man damit, auf große Entfernung und mehr mit Glück als mit Können auf namen- und gesichtslose Feinde zu schießen. Auch die Handlung überzeugt nicht, dazu ist sie viel zu kompliziert. Vor allem aber vermisst man den Charme und die Atmosphäre der ersten beiden Spiele im Wilden Westen - so schrecken die Entwickler alte Fans ab, ohne neue zu gewinnen. Text: Tito Wiesner

Genre: Action Publisher: Ubisoft Plattform: PC, PS3, Xbox360

der gesamten „Gears of War“-Reihe wurde auch der Multiplayer-Modus massiv aufgerüstet. Es gibt zusätzliche Inhalte für den altbekannten „Horde“-Modus, einen komplett neuen „Beast“-Modus und obendrauf zahlreiche Waffen, spielbare Charaktere, vielseitige Kommunikationsmöglichkeiten mit den Teamkameraden sowie einen überarbeiteten Karrieremodus. Volljährige Xbox360-Besitzer werden ab dem 20. September kaum einen besseren Grund finden, ihre Zeit vor der Konsole zu verbringen. Text: Tito Wiesner

Genre: Action Publisher: Microsoft Plattform: Xbox360


X-Wort

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QUERGEFRAGT Einfach die Antworten auf die Fragen in die dazugehörigen Kästchen kritzeln, und somit im besten Fall das richtige Lösungswort ermitteln. Das könnt ihr dann per Postkarte oder E-Mail an uns schicken und nehmt damit automatisch teil an der Verlosung des neuen The KooksAlbums „Junk Of The Heart“. Einsendeschluss ist der 15. September 2011. [Sämtliche Umlaute (also ä, ö, ü) werden zu Vokalen (ae, oe, ue) und alle Begriffe werden ohne Leerzeichen geschrieben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.]

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1. Hat gar keine Abwesenheitsnotiz hinterlassen Als Doktor bei der Bravo beschäftigt 5. Sind nicht Luke Pritchards Sache Reimen sich auf ein deutsches Mittelgebirge 7. Englisch für „Schlaffer“. War mal cool, Malkmus war mal einer 8. In der Post-Rütli-Zeit Problemkiez mit neuen Problemen Neuer Wohnort von Cherilyn MacNeil von Dear Reader 9. Hauptfortbewegungsmittel in Drew Barrymores Regiedebüt 11. ... ist süß. Und in Verbindung mit Frauen beliebtes Filmthema 14. Kein dicker Tänzer. Auf dem Speiseplan von Clap Your Hands Say Yeah 16. Für Waters-Kopf Van Pierszalowski Grund eine Platte zu machen 17. Bei Theophilus Nachname. Ansonsten Hauptstadt 20. Man kann ja nicht ... gefallen. Lieblingsregisseur der Drums 22. Geschlechtskrankheit? Nein! Album von den Fruit Bats 24. Das, was Mann und Frau manchmal miteinander machen. Des Herrn Londons und der Frau Roche ihr Lieblingsthema 25. Da möchte nicht nur im Kino fast jeder ein Stück von abhaben, außer vielleicht Diabetiker 26. Kann die Stimmung und auch einiges anderes. Will Zach Condon weglassen 27. Thees Uhlmann derzeitige Nebenbeschäftigung. Frei nach Lindgren 28. Für den einen Nahrung auf Beinen, für Dear Reader Albumthema

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1. So sind Cherilyn MacNeil und Chris Taylor unterwegs. Finden Metal-Gitarristen unerlässlich 2. In Polen verdächtig, sonst einfach nur lästig 3. War mal Joy Division. Jetzt in Polen 4. Verniedlichungsform für Kasabians Titelhelden. Dean Martins Spitzname 6. Mit Disco komisch. Bei Uhlmann gemütlich 10. Wie eine SMS an Gott. Titelteil bei Roche 12. In Kombination mit „Stardust“ Rock-Geschichte. Ansonsten Stammgast im „Club Deuce“ in Miami 13. Ein ... sie alle zu knechten. Neuerdings Bühnenrequisit bei Seeed 15. Hatte früher mal keinen Kajal dabei. Da waren Braid noch cool 17. Internetsprachen-Kneipe? Nö, polnische Comicfigur 18. Kloppen The Rapture schon mal aufs Cover ihrer Alben. Kafkas Erzfeind 19. Brian Fallon ist jetzt auch eine. Komischer Vogel 21. Oft von Musikern wie The Drums als schmückendes Accessoire getragen Eigentlich Arbeit für Psychologen 23. Eigentlich: Gott. In Belgien: Band

Das Lösungswort der letzten Ausgabe war übrigens „GEHIRN“

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SCREENSHOTS/VORSCHAU/IMPRESSUM

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IMPRESSUM

SCREENSHOTs

Versaute Gedanken (IKEA-Trilogie Teil I)

IKEA. Fachbereich Auslegeware. Ein auffallend glückliches Paar um die 30 ist fest entschlossen, seine Beziehung mit Hilfe eines Hochflor-Teppichs auf die nächste Ebene zu hieven. An der Wand hängt ein besonders ausgiebig behaartes Exemplar in Pelzbraun. Er läuft interessiert auf das Modell GÅSER zu, streichelt das Polyester-Kunststück liebevoll mit der glatten Hand und ruft dann: „Guck mal, Schatz. Fühlt sich an wie Deiner!“ Ich habe versaute Gedanken. Ich kann nichts dafür. Ich bin so geboren. Meine Eltern sind schuld. Ich weiß nicht, ob es ein Fluch oder ein besonderes

VORSCHAU INTERVIEWS Portugal. KasabianThe Man

Am 30. September gibt es auf diesen Seiten neue Lach- und Sachgeschichten: Ohne Maus, und mit Chuck Ragan ohne Hot Water Music, Jesse Hughes ohne Eagles Of Death Metal und Noel Gallagher mit ohne - Liam. Außerdem dann mit auf Sendung: Polar Bear Club, Kasabian, Future Islands, Blink 182, Dum Dum Girls und viele andere ...

IM KINO Große Regisseure wie Pedro Almodóvar („Die Haut, in der ich wohne“), Robert Redford („Die LincolnVerschwörung“), Abbas Kiarostami („Die Liebesfälscher“) oder Lars von Trier („Melancholia“, siehe Bild) bringen passend zum Herbstwetter ihre neuen Filme ins Kino. Und auch auf der Leinwand tummeln sich jede Menge prominenter Namen wie Colin Farrell im „Fright Night“-Remake, Ryan Reynolds in „Wie ausgewechselt“ oder in dem Finanz-Drama „Der große Crash – Margin Call“ Kevin Spacey, Demi Moore, Jeremy Irons und Paul Bettany gleichzeitig.

Herausgeberin:

unclesally*s GmbH & Co. KG Waldemarstr. 37, 10999 Berlin Tel.: 030 - 694 09 663, Fax: 030 - 691 31 37 mailto: sallys@sallys.net * online: www.sallys.net

Chefredaktion: Caroline Frey Stellvertr. Chefredaktion: Ina Göritz Redaktionsleitung: Christine Stiller, Timo Richard Anzeigenkoordination & Marketing: Eric Landmann 030 - 694 09 661 Frank Straessner 030 - 694 09 662

Talent ist, aber egal, was die Leute erzählen: Ich denke immer, es geht um Sex. Es ist egal, ob sich jemand entschuldigt, weil er zu spät „gekommen“ ist oder jemand über seinen Pünktlichkeits-Fanatismus referiert und berichtet, dass er immer zu früh „kommt“. Es ist egal, ob jemand nach einem „Ständer“ fragt, wissen will ob irgendwas schon „hart geworden ist“ oder etwas „abgespritzt“ werden muss, ich kann immer nur an Pimmelfotze und Rammelrammel denken. Schlimm? Überhaupt nicht! Der Teil meines Gehirns, wo die Buchstaben und Worte rumliegen, spielt eine endlose 18+ Variante von Scrabble mit mir. Und so wird aus jeder real existierenden Öde eine XXL-Benny Hill-Show mit Sascha Baron Cohen als Stargast. Egal, ob irgendetwas mal wieder so richtig gebürstet wird oder von hinten genommen werden muss, ich lieg’ schon schlappgelacht in der Ecke, auch wenn es dabei in Wirklichkeit um einen zotteligen Hund oder einen Kühlschrank geht, der die Treppe hoch getragen werden soll. Selbst der ereignisloseste LIDL-Einkauf, das blödeste Meeting oder der doofe Besuch beim Schuster wird zu einem Sauspaß mit Tränenfluss, sobald irgendwer um etwas Kleines zum Reinstecken bittet, ankündigt, gleich etwas richtig Dickes rauszuholen oder kurz noch mal drüberwichst, auch wenn es nur um einen Einkaufschip, einen Aktenordner oder ein paar Schuhe geht. Ich freue mich über alles, was vorne nass ist, viele Löcher hat oder in den Mund genommen werden muss – und sei es noch so langweilig – in meinem Hirn feiert es Bunga-Bunga-Partys mit meinen Synapsen. Ich habe mir schon oft überlegt, mich der katholischen Kirche für einen öffentlichen Exorzismus zur Verfügung stellen und diesen dann RTL zu verkaufen. Oder ob ich mich bei ’Deutschland sucht den Supertherapeuten’ als Tagesaufgabe bewerbe. (Eher als Lebensaufgabe). Aber warum das Glück austreiben? Warum ein Leben aufgeben, in dem Lattenrost eine lustige Geschlechtskrankheit und ein Standgebläse die liebevolle Umschreibung einer kleinen Frau mit aufrichtigen Hobbys ist? Warum all das tauschen, gegen eine Welt, in der eine Muschi einfach nur eine Katze und ein Schwanz einfach nur das hintere Drittel derselbigen ist? IKEA. 69 Sekunden später. Fachbereich Sanitär. Sie hält eine Badezimmer-Armatur in der Hand. Mit dem Wasserhahn wedelnd winkt sie sich die Aufmerksamkeit ihres Freundes zu und ruft dann freudig: „Guck mal, Schatz. Fühlt sich an wie Deiner!“ Ach, wie schön. Und ich dachte schon, es läge an mir. Yessica Yeti

Online-Marketing: Netpoint Media

Heimat: sallys.net Legal Affairs:

Josef Limper (www.kanzlei-limper.de) Marc Zibirre, LL.M. (info@merribiz.de)

Ressorts:

Bücher: Timo Richard *** Comics: Andreas Hartung *** Comicstrip: aha *** Computerspiele: Tito Wiesner *** Demodesaster: Roy Fabian, Maik Werther *** Hörspiele: Moritz Honert *** Kino: Patrick Heidmann *** Neuigkeiten: Robby Steuding *** Platten: Ina Göritz *** Sport: Christine Stiller *** Lektorat: Florian Hayler, Torsten Hempelt *** Online: Ina Göritz, Christine Stiller

Abo: 15 Euro/Jahr

Bestellung an: abo@sallys.net

Autoren:

Frank Abel, Jochen Barthel, Elmar Bassen, Volker Bernhard, Kai Butterweck, Ben Foitzik, Jens Fritze, Gordon Gernand, Robert Goldbach, Sebastian Gosmann, Sarah Gulinski, Michael Haacken, Cornelis Hähnel, Florian Hayler, Lasse Holler, Leon Ilsen, Stephanie Johne, Tim Kegler, Aiko Kempen, Philipp Kohl, Eric Landmann, Arne Lieb, Dirk Lüneberg, Peter Meisterhans, Nina Meyer, Boris Mischke, Christopher Mühlig, Johannes Musial, Holger Muster, Elisabeth Nagy, Vanessa Pape, Marc Phillips, Friedrich Reip, Sascha Rettig, Verena Reygers, Timo Richard, Daniel Schieferdecker, Franziska Schuh, Kristin Sperling, Steffen Sydow, Maritta Seitz, Natascha Siegert, Fabian Soethof, Samuel Stein, Frank Straessner, Frédéric Schwilden, Katharina Schulze-Geißler, Frank Thießies, Nina Töllner, Hans-Christian Vortisch, Marek Weber, Silvia Weber, Kati Weilhammer, Marcus Willfroth, Yessica Yeti

Praktikanten:

Zedra Behmanesh, Jan-Niklas Jäger, Laura Müller

Auszubildende: Mandy Scholz

Fotografen:

Titelfoto Kooks: EMI Fotografen: Frank Abel, David Biene, Birte Filmer, Sebastian Gabsch, Ali Ghandtschi, Tim Klöcker, Oliver Schümers, Jan Umpfenbach, Erik Weiss, Jan Windszus, Ben Wolf, Stephan Mühlau

Layout:

Caroline Frey, Mario Krenz Editorial Design & Konzept: Bijan Latif * www.bijanlatif.com

Druck:

Frank Druck GmbH & Co. KG

Vertriebsleitung: Florian Hayler Vertriebsleitung Berlin: Roland Köppel Vertriebspartner:

unclesally*s Distribution: Berlin, Potsdam CartelX GmbH & Co. KG: Hamburg, Bremen, Oldenburg, Osnabrück, Hannover, Braunschweig, Frankfurt/Main, Wiesbaden, Mainz, Stuttgart, Kiel, Flensburg u.a. PMS Köln: Köln, Düsseldorf, Essen, Bochum, Dortmund, Wuppertal, Oberhausen, Bonn, Krefeld, Duisburg u.a. Primeline Dresden: Dresden, Halle, Chemnitz Blanda Promotions: München Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Es wird keine Haftung für unverlangt eingesandte Manuskripte, Tonträger und Fotos übernommen. Diese gehen in den Besitz des unclesally*s über. Nachdruck, auch auszugsweise nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung der unclesally*s GmbH & Co.KG. Für alle Verlosungen ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Es gilt die Anzeigenpreisliste vom 01.01.2011



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