Issuu on Google+

unclesally*s magazine

Juni 2011 / Ausgabe 167

DREDG Arctic Monkeys / Kitty, Daisy & Lewis / Danger Mouse Moby / Art Brut / Decendents / Fucked Up / K.I.Z. Meat Puppets / Wolf Gang / Im Test: Frank Turner

www.sallys.net

„Jeder sollte popeln dürfen!“ (Patrick Wolf)

Festivals

TICKETS ZU GEWINNEN

Kino

INTERVIEW MIT ZOE KRAVITZ

Noch was: KINO / COMIX / COMPUTERSPIELE / DIE BESTEN PLATTEN / HÖRSPIELE / BÜCHER / DVDs


unclesally*s magazine

INHALT

No.167 – Juni 2011

INHALT/EDITORIAL

Seite 3

EDITORIAl

Push the button! Mal was Freundliches: Wir wünschen der kleinen „Like“ Adler einen guten Start ins Leben! Ihre Eltern waren auf der Suche nach einem „modernen und innovativen“ Namen und sind deshalb auf die unglaublich gute Idee gekommen, sie nach einem Facebook-Button zu benennen – ist das nicht cool?!

Musik: Seite 43

Kino Seite 53

ARCTIC MONKEYS

JAKE GYLLENHAAL

Die waren doch mal so niedlich. Aber sie werden ja so schnell erwachsen. Wie sich die Arctic Monkeys so flott von der (angeblichen) Internetentdeckung mit jugendlichem Übermut und vor Esprit berstenden Songs in die Arme von Josh Homme und ihre (offensichtliche) Vorliebe für ernsthaftes Musikmachen gespielt haben und wieso das überhaupt nötig war – das wird in folgendem Text näher beleuchtet.

Obgleich es ihm sicher viele Kinozuschauer auf Grund seines blendenden Aussehens verziehen haben, aber in der jüngsten Vergangenheit hat Jake Gyllenhaal nicht NUR für gute Filme oder gar Kassenschlager gesorgt. Doch mit dem lauwarmen Kinoerfolg ist jetzt Schluss. In seinem neuen Streifen „Source Code“ zeigt der Gute, der Hübsche, was er in Sachen Mystery-Thriller so alles kann.

04 - 07 Starter

36 Im Test: Frank Turner

04 Hot Water Music/ Casper 05 NOFX 06 Adolar/ Das tut gut 07 60 Sekunden mit Patrick Wolf

08 - 11 Musik Stories 1 08 Death Cab For Cutie 09 Bon Iver 10 Danger Mouse & Daniele Luppi 11 Art Brut

12 Auf Achse

Heute mit Geschichten, die nur das Leben schreibt. The Blood Arm haben sich in einem Berliner TattooStudio eingefunden, um mit einer Tätowierung den Arsch ihres Drummers zu retten.

14 - 17 Musik Stories 2

14 Kitty, Daisy & Lewis 16 Destroyer/ Let’s Wrestle/ Scott Matthew 17 Auf der Couch mit City And Colour alias Dallas Green 18 Young Rebel Set/ Wolf Gang

20 Titel

Wer sich mit einer überdimensionalen, toten, aus dem Auge blutenden Maus ablichten lassen kann, der sollte bitteschön etwas zu bieten haben, um nicht zukünftig alle Tierfreunde aus den Fanreihen subtrahieren zu müssen. Selbstverständlich haben sich Dredg für ihr neues Album „Chuckles And Mr. Squeezy“ mehr als nur ein, zwei Gedanken gemacht. Wie viele es genau waren, könnt ihr in der Titelgeschichte zählen.

24 - 30 Platten

Musik für jeden, der gerne liebt, leidet und sich davon auch ganz gern mal wieder erholt.

32 - 35 Musik Stories 3 32 Meat Puppets/ Battles 33 Fucked Up 34 HipHop-Produzenten in Deutschland

Ist es nicht! Demnächst können Like und ihre Geschwister „Dvasch“ (Honig) und „Pie“ gemeinsam mit „Facebook Jamal Ibrahim“ aus Ägypten und so einigen Promi-Moonchilds in einer Selbsthilfegruppe nach dem analogen „Dislike“-Knopf suchen. Wo der noch mal ist? Ist es dieser hier?

Frank Turner kann viel und weiß noch sehr viel mehr. Als ehemaliger Geschichtsstudent an einer Elite-Uni und mit dem Aufruf „England Keep My Bones“ als Titel seiner neuen Platte erschien er uns wie geschaffen für den Test zum Thema „Berühmte tote Engländer“.

38 - 45 Musik Stories 4

38 Friendly Fires/ FM Belfast 39 EMA/ When Saints Go Machine/ Toy Horses/ The Middle East/ Wu Lyf/ Title Fight 40 Jamie Woon/ Fink/ Brooke Fraser 41 Flogging Molly/ Cloud Control 42 Arctic Monkeys

43 Mixtape

Der wunderbare Moby hat zu jedem Thema der Welt nette Lach- und Sachgeschichten zu berichten. Aber am allerliebsten spricht er über die Musik.

38 - 45 Musik Stories 5 44 Descendents 45 Adolescents/ Face To Face 49 Reiseführer: Mit K.I.Z. in Berlin

46 – 48 Auf Tour 50 - 57 Kino

50 X-Men: Erste Entscheidung – Zoe Kravitz im Interview 51 Ryan Phillippe: Der Mandant/ The Bang Bang Club 52 Life in a day/ Wir sind was wir sind 53 Jake Gyllenhaal: Source Code 54 Beginners/ Eine Insel namens Udo/ Mr. Nice 55 Shortcuts 56 Kino DVDs

58 – 66 DAS AUCH

58 Games 61 Quickies 63 Bücher/ Hörbücher 64 Kreuzworträtsel 65 Redaktionscomic 66 Vorschau/ Impressum/ Screenshots

STOP! Vielleicht explodiert die Welt, wenn ihr nicht die Finger davon lasst? Oder noch schlimmer: Aktiviert dieser Knopf vielleicht eine Endlosschleife mit Phil Collins-Hits in Handylautsprecherqualität, die ihr nie wieder abstellen könnt? Heißen wir alle Upload, wenn ihr auf diesen Knopf drückt? DISLIKE! Dann doch lieber nicht drücken und umblättern. „Modern und innovativ“ sind nämlich auch Dredg unterwegs. In der Titelgeschichte erfahrt ihr deshalb einiges über Knöpfe und Buttons und was man damit so anfangen kann. LIKE! Einen spitzenmäßigen Namen hat sich auch Danger Mouse ausgesucht, schön, wenn die Eltern mal nichts mit der Namensfindung zu tun haben. LIKE! Zittern eigentlich schon eure Finger? Wollt ihr unbedingt auf den Knopf drücken? Den roten, glänzenden Knopf? Im Interview wirkten die Kollegen Matt Helders und Alex Turner von den Arctic Monkeys wie die einzigen Menschen, die den Knopf bewachen könnten, ohne ihn zu drücken. Unzittrig wie ein eingefrorener Bildschirm. Was Frank Turner dazu sagt? LIKE! Wahrscheinlich sollte man sich nicht über anderer Leute Namen auslassen, wenn man unclesally*s heißt. Hört ihr eigentlich auch die ganze Zeit „In The Air Tonight“? Dudumdudumdudumdudumdum! Euer unclesally*s


Seite 4

STARTER

unclesally*s magazine

Neuigkeiten Heute auf: Sorbisch

MORTWI A ZRANJENI (Tote und Verletzte)

DIE FANTASTISCHEN VIER

Übermäßiger Stress trägt gesundheitliche Früchte: Thomas D. ereilte ein schwerer Hörsturz. Bleibende Schäden werden nicht erwartet, doch ein vorübergehender Tinnitus, die Reduzierung auf 20% des normalen Hörvermögens auf dem rechten Ohr und ein Konzertausfall sorgen in der Summe dann doch für Unmut.

KAISER CHIEFS

Kurz vor dem Zieleinlauf beim London Marathon kollabierte Frontmann Ricky Wilson und wurde medizinisch versorgt. Wilson trat für die Alzheimer’s Society an.

TV ON THE RADIO

Bassist Gerard Smith ist im Alter von 36 Jahren an Lungenkrebs gestorben. Die Krankheit war erst kürzlich bei ihm diagnostiziert worden.

ALKALINE TRIO

Im Sommer soliert Bassist Dan Andriano. Wie das Debüt seines akustisch entspannten Nebenprojekts The Emergency Room klingen wird, möge unter www.myspace.com/theemergencyroom911 begutachtet werden.

EAGLES OF DEATH METAL

Frontmann Jesse Hughes wirft den Erstling seines Nebenprojekts Boots Electric im Herbst unter die Leute. An einigen Songs war Beastie BoysKeyboarder Money Mark ursächlich beteiligt.

THE GET UP KIDS

Die vor kurzem mit dem Album „There Are Rules“ wieder auferstandenen The Get Up Kids legen nach: Es folgt eine Tour durch unsere Gefilde, zu erleben im September.

KINGS OF LEON

DZELENJA A PRESTAWKI

Matthew Followill entwickelte gemeinsam mit seiner Herzensdame ein neues Projekt, das nun die Veröffentlichung feierte. Knox Cameron Patrick Followill heißt der jüngste Spross der Kings Of Leon-Familie.

THE STILLS

TACELE

(Trennungen und Pausen)

Elf Jahre nach ihrer Gründung wird es nun richtig still um The Stills. Wie es mit den fünf kanadischen Herren nach ihrer Auflösung musikalisch weiter geht, ist unklar.

NOWE PROJEKTY A ZJEDNOCENSTWA (Neue Projekte und Wiedervereinigungen)

(Platten) BEIRUT

Der Sommer winkt mit einem neuen Album von Zach Condons Projekt Beirut. Die Aufnahmen fanden im Winter in New York statt.

BOMBAY BICYCLE CLUB

Hier bringt der Herbst neue Töne. Jack Steadman und Kollegen arbeiten an einem Album.

im hobbykeller mit:

Jason Black (HOT WATER MUSIC)

CASPER Lang ist es nicht mehr hin. Am 8. Juli veröffentlicht Casper sein zweites Album. Auf „XOXO“ wird der 28-Jährige dann einmal mehr zeigen, dass sich Hirn, Herz, Hardcore-Vergangenheit und HipHop nicht nur nicht ausschließen müssen, sondern sich wunderbar vereinen lassen. Das beweist sicher auch die Tatsache, dass die Ankündigung seiner neuen Platte diese bei amazon. de durch zahlreiche Vorbestellungen direkt an die Spitze der Verkaufscharts hievte. Kein üble Leistung. In unserer kommenden Ausgabe wird der junge Mann neben K.I.Z. eine der Hauptrollen in unserer Titelgeschichte übernehmen. Im Oktober geht er dann auf ausgedehnte Deutschlandtour: 1.10. Heidelberg - Halle 02 *** 2.10. Aachen - Musikbunker *** 4.10. Gießen - MUK *** 5.10. Stuttgart - Röhre *** 8.10. Augsburg - Kantine *** 10.10. Freiburg - Jazzhaus *** 11.10. Frankfurt - Batschkapp *** 12.10. Bielefeld - Kamp *** 14.10. Hamburg - Uebel & Gefährlich *** 15.10. Potsdam - Lindenpark *** 18.10. Dortmund - FZW *** 19.10. Erfurt - Centrum *** 20.10. Leipzig - Conne Island *** 21.10. Dresden Scheune *** 23.10. Nürnberg - Hirsch *** 25.10. Lübeck - Rider’s Café *** 26.10. Hannover - Musikzentrum *** 27.10. Kassel - Musiktheater *** 28.10. Bremen - Schlachthof *** 29.10. Köln - Underground *** 30.10. Duisburg - Hundertmeister *** 31.10. Münster - Skaters Palace DEFTONES

Einige Wochen Auszeit geben sich derzeit die Deftones um Chino Moreno, bevor anschließend ein neues Album geschrieben und möglicherweise noch im Laufe des Sommers aufgenommen wird.

Heimat: hotwatermusicdotcom.wordpress.com Auch gut: die anstehende Tour von Hot Water Music:

Auf Tour: 5.8. Hannover – Chez Heinz *** 7.8. Frankfurt – Batschkapp *** 9.8. Saarbrücken – Garage *** 10.8. Lindau – Club Vaudeville *** 11.8. München – Theaterfabrik *** 20.8. Schweinfurt – Alter Stadtbahnhof

Auf dem kommenden Werk von Modest Mouse spielt Rapper Big Boi (Outkast) eine Rolle, wie dieser per Twitter zwitscherte. Welche Rolle das konkret ist, bleibt dabei offen.

PETERLICHT

„If Not Now, When?“ Am 8. Juli. Dann erscheint diese neue Platte von Incubus.

Für den späten Sommer oder frühen Herbst verspricht PeterLicht auf Facebook ein neues Werk aus seinen goldenen Fingerspitzen.

KASABIAN

THE SHINS

MASTODON

SMASHING PUMPKINS

INCUBUS

„Habe ich einen Plan B, falls es mit Hot Water Music nicht mehr klappt? Nun, ich habe einen Uni-Abschluss in Englisch, ich bin theoretisch also Englischlehrer. Ich habe das zwar noch nie wirklich praktiziert, weil ich seit 20 Jahren konstant auf Tour bin, aber ich glaube, ich würde Spaß daran haben. Seit neuestem gebe ich Nachhilfe am Bass, das ist auch sehr lustig. Ich hoffe allerdings, dass das immer ein Hobby bleiben wird und ich weiterhin mit meiner eigenen Musik Erfolg habe.“

MODEST MOUSE

Durch die Oktoberluft kann mit einem neuen Werk von Kasabian spaziert werden. Es soll – die klassische Aussage, die jedwede Band bei jedem neuen Album trifft – alles vorher gewesene übertreffen. Wir werden hören und sehen. Die Metal-Truppe aus Atlanta steht für die Aufnahme eines neuen Albums im Studio – und wer ist auf den Fotos zu sehen? Foo Fighter Dave Grohl an der Gitarre. Ob er letztlich nur Pizza vorbeigebracht oder wirklich Songs eingespielt hat, werden wir berichten.

Neue Platte! Während eines Konzerts in Portland spielte Frontmann James Mercer einen unbekannten Song, der mit dem Kommentar eingeleitet wurde, es handele sich um ein Stück des gerade in Arbeit befindlichen neuen Albums. „Oceania“ heißt das Ziel der Smashing Pumpkins. Im September darf dieses Album erwartet werden, das derzeit im Studio produziert wird.

TAKING BACK SUNDAY

Im Laufe des Sommers bescheren Taking Back Sunday ein neues Werk.


unclesally*s magazine

THRICE

Eine Aufnahmekabine umgibt dieser Tage die Herren von Thrice. Der Nachfolger des „Beggars“ erklingt im Herbst in den einschlägigen Orten.

WILCO

Das Wissen, wie das kommende, auf „Wilco (The Album)“ folgende Werk klingen mag, bleibt derzeit noch Band und Studiotechnikern vorbehalten. Im November wird es bei uns live präsentiert.

FILM A TELEWIZIJA (Film und Fernsehen) THE ALBUM LEAF

Jimmy LaValle komponierte den Soundtrack des 2009er Dokumentarfilms „Torey’s Distraction“. Sämtliche Songs veröffentlicht er nun als Album unter dem gleichen Titel. Ein erster Track findet sich bei soundcloud unter http:// soundcloud.com/the-album-leaf

BLACK SABBATH

Ozzy Osbournes Braten Jack Osbourne plant, gegen Ende des Jahres einen Horrorfilm zu drehen. Betitelt wird der Streifen mit dem Namen von Papas alter Band. „Black Sabbath“ soll sich auch um die Musik der Herren drehen. Vielleicht wird’s also doch eher ein Splattermovie.

GET WELL SOON

Konstantin Groppers neues Projekt ist von pikanterer Art. Er schrieb die Musik zur Arte-Serie „Xanadu“, einer französischen Familiensaga, die im Pornogeschäft angesiedelt ist. Zu erleben jeden Samstagabend auf dem deutsch-französischen Kulturkanal.

MOS DEF

In der Fernsehserie Dexter hält während der

STARTER

Seite 5

derzeit produzierten sechsten Staffel häufiger Mos Def sein Gesicht in die Kamera. Mos Def, der eine Serienrolle übernimmt, war bereits als einer der Hauptdarsteller in der Verfilmung des Douglas Adams-Romans „Per Anhalter Durch Die Galaxis“ zu sehen.

QUEENS OF THE STONE AGE

Frontqueen Josh Homme zog es wieder in eine neue Richtung. Für die US-Zeichentrickserie „Aqua Teen Hunger Force“ entwickelte Homme die Titelmusik. Die Hauptfiguren sind Fast Food-Produkte.

RADIOHEAD

Thom Yorke und Kollegen performen ihr Werk „The King Of Limbs“ in einem einstündigen Set, das am 1. Juli im Rahmen der BBC WorldwideReihe „From The Basement“ ausgestrahlt wird. In diesem Sendungsformat spielen Bands in ihrem Studio und gewähren so Einblicke hinter die Kulissen.

DOŠKRABKI (Der Rest) BLINK 182

Telekom Extreme Playgrounds

JOSH FREESE

Ein Weilchen ist es noch hin, aber die ersten wichtigen Fakten zu den Extreme Playgrounds haben wir schon mal für euch zusammengetragen: Am 28. August treffen sich in der Wasserski-Arena Pinneberg bei Hamburg nun zum fünften Mal die weltbesten Profis im BMX Miniramp, Wakeboard und Wakeskate Cable zum freundschaftlichen Kräftemessen. Natürlich kommt auch die Musik nicht zu kurz. Bislang ist die Skate-Punk-Kapelle NOFX als Headliner für den Abend bestätigt. Weitere Zusagen werden in Kürze folgen... Alle aktuellen Infos findet ihr unter:

Weil die Studioarbeit wider Erwarten länger dauert, sagen Blink 182 alle europäischen Shows ab. Das kommende Album soll nun erst später im Laufe des Jahres erscheinen und die Tour findet zwölf Monate nach den geplanten Terminen im Sommer 2012 statt. Im Jahr 2009 konnte man einen der umtriebigsten Drummer der Musikwelt, den überall aktiven Josh Freese (Nine Inch Nails, Devo, etc.), temporär käuflich erwerben. Beispielsweise als persönlichen Assistenten oder als Mitglied der eigenen Band, beides für jeweils 75.000 US$. In diesem Jahr gibt es für die gleiche Summe

Die Sommersause steigt mit NOFX in Pinneberg

telekom-playgrounds.de


Seite 6

STARTER

unclesally*s magazine

Das TUT GUT

Heute mit: foodwatch.de

ein Drumset der Wahl aus Freeses Sammlung, eine Fünf-Track-EP über den Käufer und seine Lebensgeschichte, ein paar Tage auf Tour mit Freese, einen Monat Mitgliedschaft Freeses in der Band des Käufers oder einen Monat als dessen persönlicher Assistent. Alternative Pakete mit geringerem Kapitalbedarf lassen sich ebenso finden, man schaue unter joshfreese.com.

MORRISSEY

Der frühere Frontmann von The Smiths, Steven Patrick Morrissey, steht vor vollendetem Werk. Nach drei Jahren ist seine Autobiographie vollständig auf Festplatte gebannt. Die Veröffentlichung ist für das kommende Jahr geplant.

The Rapture

Erinnert ihr euch noch an The Rapture? Dunkel? Stimmt, ihr letztes Album „Pieces Of The People We Love“ ist 2006 erschienen und zwischen damals und heute liegt ja eine eine Zeitspanne, die im internationalen Musikbetrieb als halbe Ewig-

keit gewertet werden kann. Das hält die New Yorker Dance Punk-Como aber nicht davon ab, mit allem Enthusiasmus ein neues Album zu veröffentlichen. „The Grace Of Your Love“ erscheint Anfang September bei DFA.Live gibt’s die Band am 9. September beim Berlin Festival zu sehen.

Ólafur Arnalds

Ein Ausnahmekünstler war Ólafur Arnalds schon immer, 24. und 25. Juli lädt er jeweils 150 Zuhörer ins Kino Babylon in Berlin ein, um mit ihnen gemeinsam Stücke zu komponieren. Was er manches Mal am Ende eines Konzertes bereits machte, wird nun einen ganzen Abend füllen.

Thees Uhlmann

Jetzt ist es offiziell: Tomte-Sänger Thees Uhlmann wird am 26. August sein erstes Soloalbum veröffentlichen. Storytelling Rock´n’Roll, Wall of Sound, Bläser, Klaviere und Hymnen - man darf gespannt sein.

DAS GUTE GESCHÄFT IN DIESEM MONAT ist:

Wenn der alte Spruch „Du bist, was du isst“ noch zeitgemäß wäre, bestünden wir alle zu großen Anteilen aus Zucker, Fett, Laborabfallprodukten und Müll – und zugesetzten rechtsdrehenden Joghurtkulturen. Klingt doof, ist es auch, vor allem deshalb, weil es besonders schwer ist, sich über die Herkunft oder die Zusammensetzung von Lebensmitteln zu informieren. Das muss nicht immer so ablaufen: „Ich wunder mich, warum ich immer mehr zunehme, obwohl ich doch nur Salat esse – Fleischsalat!“ Ganz so blöd ist nicht jeder – und doch ist das Grundbedürfnis Nahrungsaufnahme dank lustiger Tricks der Lebensmittelindustrie oft nicht nur ein Gesundheitsrisiko, sondern wird gern auch als das Gegenteil verkauft. Traumfigur durch Knuspermüsli? Besser Verdauen durch Trinkjoghurt? Mehr Vitamine durch buntere Bon Bons? Wir würden gerne glauben, dass das geht. Und Lebensmittelhersteller wollen uns das gerne glauben lassen. Deshalb vergibt die Nichtregierungsorganisation Foodwatch auch in diesem Jahr wieder den „Goldenen Windbeutel“ für die dreisteste Werbelüge des Jahres, um auf die Differenz zwischen angepriesenen Eigenschaften eines Produkts und seiner tatsächlichen Beschaffenheit hinzuweisen. Noch bis zum 16. Juni können Verbraucher unter foodwatch.de aus illustren Kandidaten ihren Liebling küren und damit beweisen, dass das Konsumentenvolk weniger blöd ist, als sich mancher Werbestratege denkt. Die Aufklärung des Konsumenten steht seit 2002 im Fokus der Arbeit von Foodwatch. Der Verein setzt sich für die Kennzeichnung von Lebensmitteln ein, testet Lebensmittel auf potenzielle Belastungen und fährt Kampagnen zu aktuellen Themen. Einen Überblick, Testergebnisse und Artikel zum Thema findet ihr auf foodwatch.de

Deli Wolfgang-Heinze-Str. 12a 04277 Leipzig

Seit wir uns in Leipzig aufhalten, haben wir den Großteil unserer Kohle im „Deli“ verbraten. Das ist ein veganer Imbissladen im Stadtteil Connewitz. Auf der Speisekarte stehen Sojasteak- und Tempehburger, Sandwiches, Suppen, Salate und grandiose Cookies. Hier schlagen wir uns vor Bandproben, nach Konzerten oder an Feiertagen liebend gern den Wanst voll - ganz großes, kulinarisches Tennis für zwischendurch! Eso está claro. Empfohlen von: Tom / Adolar

Hier die Termine für drei Stunden Rock/Punk/Alternative Radio im UNCLESALLY*S NIGHTFLIGHT mit Flo im Juni jeweils ab 0.00 Uhr (natürlich LIVE auf allen Frequenzen von Fritz und auf fritz.de, dort auch im Anschluss 24/7 als Loopstream!): Vom 9.6. auf den 10.6. und 23.6. auf 24.6. - um Mitternacht!

Covern gehört zu den beliebtesten Musiker-Sportarten, die am erfolgreichsten von Elektro-Acts betrieben wird. Adolar machen es andersherum. Die Leipziger haben sich ihre Gitarren und „Die Auswendigen Muster“ von Bratze geschnappt und ihre Version des Songs eingespielt. Das Ergebnis könnt ihr euch kostenlos unter folgendem Link runterlanden: tinyurl.com/6gwz7g7 Heimat: adolarband.de Auch gut: „Mitnehmerrippe“ - die aktuelle EP von Adolar


60 SEKUNDEN mit:

Patrick Wolf

Patrick Wolf mag es gern anders - als geplant: Nachdem 2009 sein letztes Album „The Bachelor“ erschien, wollte er diesem eigentlich einen zweiten Teil namens „The Conqueror“ folgen lassen, doch schnell verwarf der hochtalentierte Songwriter die Idee und eröffnet mit „Lupercalia“ ein neues Kapitel seiner bewegenden Karriere. Grund genug, um der eigenen Persönlichkeit einen kurzen Besuch abzustatten. Wenn ich ältere Bilder von mir sehe, kommt mir als erster Gedanke... ...dass mir die Klamotten manchmal wirklich nicht standen, aber immer ein Abziehbild der Zeit waren. So wie ein Album oder ein einzelner Song und deswegen schäme ich mich kein bisschen dafür. Die verrückteste Geschichte, die je über mich geschrieben wurde... ...war letztes Jahr in einem Boulevard-Magazin abgedruckt. Die behaupteten ernsthaft, ich sei vor wenigen Tagen gestorben. Keine Ahnung, wie die drauf kamen, aber schau mich an: Wirkt Patrick Wolf wie ein Toter unter Lebenden auf dich? Wenn ich eine Figur der Literatur wäre... ...dann würde ich mich für die Autorin Virginia Woolf entscheiden. Ihre Stories haben den gleichen Dualismus zwischen Fiktion und Wahrheit, den ich selbst immer mit meiner Musik anstrebe. Würde sie heute leben, wäre sie ein Popstar. Meine schlechteste Angewohnheit, für die ich mich entschuldigen möchte... ...ist vielleicht das Popeln? Allerdings sehe ich darin nichts Schlimmes, weil man niemanden verletzt. Die ablehnende Haltung stammt zudem aus Zeiten, die völlig überholt sind: Jeder sollte popeln dürfen! Die für mich wichtigste Person der Geschichte ist... ...Queen Elizabeth I. Wenn man sich genauer mit ihr auseinandersetzt, lässt sich schnell herausfinden, welch große Leistungen sie vollbracht hat. Wenn ich an Wiedergeburt glauben würde, dann steckt hoffentlich ein Teil von ihr in mir. Das letzte Mal, dass ich mich schwach und zerbrechlich gefühlt habe... ...war, als ich zu viel Whiskey getrunken hatte und im Anschluss auf die Bühne musste. Ich litt an dem Abend unter einer starken Erkältung und nirgends gab es Antibiotika - also griff ich zum Alkohol, versuchte alles zu betäuben und erkannte, dass es keine gute Idee war. Die für mich größte Bezugsperson in den vergangen Jahren... ...war meine Psychologin. Früher hielt ich es für richtig, Probleme mit mir selbst auszumachen und scheiterte oft daran. Sie gab mir hingegen das Gefühl, nicht an allem schuld zu sein und an mich selbst zu glauben. Am liebsten hätte ich ihr das ganze Album gewidmet. Ein Ratschlag, der in jeder Lebenslage funktioniert... ...klingt genau so abgedroschen, wie er wahr ist: Sei du selbst. Man kann es nicht allen recht machen und sollte lieber auf die Person bauen, die es ehrlich mit einem meint. Was nicht immer leicht herauszufinden ist. Heimat: patrickwolf.com Auch gut: „Lupercalia“ - das aktuelle Album von Patrick Wolf


Seite 8

MUSIK STORIES

unclesally*s magazine

Death Cab For Cutie

Wissen, wie man‘s macht: Death Cab For Cutie.

In geheimer Mission für das Gute

Für nicht wenige Fans von Death Cab For Cutie bilden die Platten der Band Ratgeber und Lebenshilfe in einem. Für Gitarrist Chris Walla ist dies Ansporn genug, stets und ständig das Beste aus sich rauszuholen - mit dem neuen Album ‘Codes And Keys’ lässt er es jedoch entspannter angehen. Ein Interview um acht Uhr morgens ist nicht gerade Rock’n’Roll. Darauf angesprochen grinst Chris Walla verlegen: „Ich weiß, aber die Sache so früh wie möglich anzupacken und nicht bis in die Puppen zu pennen, ist eher mein Ding.“ Streber nennt man das in Fachkreisen und kleine Musterschüler sind die Jungs von Death Cab For Cutie ohne Frage: Nach ihrem kommerziellen Erfolg im Zuge diverser Serien-Soundtracks dachten sie nie daran, es sich gemütlich zu machen und allein von den Tantiemen dekadent ein angenehmes Leben zu führen. „Um ehrlich zu sein, haben wir den Rummel um unsere Personen kaum mitbekommen. Lange Strecken lege ich zum Bespiel immer noch mit dem eigenen Auto zurück und den Kaffee trinken wir weiterhin beim Italiener um die Ecke“, gibt Walla bescheiden zu Protokoll. Und doch rutscht ihm ein Lächeln über die Lippen, wenn man das Gespräch auf die Tatsache lenkt, dass selbst US-Präsident Barack Obama oder

‘Scrubs’-Darsteller Zach Braff ausgewiesene Fans der Band sind. „Natürlich ist das toll, aber was bedeutet das schon: Sie sind Typen wie alle anderen auch und niemand sollte vergessen, wo er herkommt.“ Obwohl der Titel ihres neuen Studioalbums ‘Codes And Keys’ dies nahe legen könnte: Gitarren-Pop mit leichtem Rock-Einschlag und nicht mehr ganz so Indie wie von vielen erhofft, halten die Songs mehr als nur eine Lebensweisheit parat. Das Ergebnis wirkt insgesamt überraschend ausbalanciert - textlich wie musikalisch. „Das freut mich“, bedankt sich Chris Walla aufrichtig, „darum ging es uns mit der Platte: Miese Stimmungen nicht an erster Stelle kommen zu lassen, sondern einen Weg zu finden, den eigenen Gefühlen etwas Positives abzuringen.“ Versuch geglückt, denn selten klangen Death Cab For Cutie so zuversichtlich wie auf ‘Codes And Keys’. Und weil wir gerade beim

Thema sind: Wird es im kommenden Jahr eine erneute Unterstützung für Barack Obama bei dessen zweitem Wahlkampf geben? „Sicher, das steht für uns auch nach der moralisch fragwürdigen Bin Laden-Strategie außer Frage. Er hat verdammt viel auf die Beine gestellt und niemand konnte erwarten, dass er all die Probleme der Bush-Administration in einer Legislaturperiode löst.“ Die Zukunft haben Chris Walla und seine Kollegen fest im Blick. Viele Anhänger haben sie bereits für sich gewinnen können und wahrscheinlich kommen im Zuge des aktuellen Release einige neue hinzu. So sympathisch wie diese Indie-Streber sich präsentieren, wäre es verwunderlich, wenn nicht. Früh aufstehen lohnt sich eben. Text: Marcus Willfroth Foto: Danny Clinch Heimat: deathcabforcutie.com


unclesally*s magazine

MUSIK STORIES

Seite 9

BON IVER

Von Emma und anderen Orten Der Traurigste seiner Art? Von wegen, sagt Justin Vernon - obwohl sein innig erwartetes neues Album als Bon Iver dieses Image abermals bestätigt. Zum Glück. Missverständnisse pflastern Justin Vernons Weg. Ja, die zwei Handvoll nackter Folk-Songs, die vor vier Jahren auf seinem bis heute Gänsehaut und Tränen verursachenden Debüt ‘For Emma, Forever Ago‘ landeten und die erst keiner veröffentlichen wollte, nahm der damals 26-jährige Songwriter wirklich in einer Hütte in Wisconsin, USA, auf, in der er sich drei Monate verschanzte. Aber dann fingen die Leute an zu erzählen, es wäre eine Trennungsplatte. „Das stimmt einfach nicht“, sagt Vernon bis heute. „Es ist ein Album über eine Ära, eine Zeit, einen Ort. Emma ist ein Ort.“ Seitdem hängt Justin Vernon das Image an, ein gestandener Mann von Traurigkeit zu sein. Klar nehmen diese Leute Journalisten - Dinge aus dem Kontext oder blasen sie künstlich auf, das sei eigentlich auch okay. Aber auch das sei so ein Missverständnis. „Das ist offenbar das, was Leute wie ihr immer wieder gerne sagen“, stellt er klar, nur: „Ich bin nicht der traurigste Songwriter der Welt, so schlecht geht es mir nicht.“ Und eine Freundin hat er übrigens auch. Was dafür stimmt: Auch ‘Bon Iver‘, Vernons nach drei Jahren Arbeit endlich erscheinendes zweites Soloalbum und sein erstes nach dem Durchbruch,

C’est bon: Bon Iver kommt gut rum.

handelt von Orten. Von ‘Perth‘, ‘Hinnom, TX‘ oder ‘Calgary‘. Vernon war dort überall, schließlich seien es spirituelle, imaginäre oder retrospektive Orte, also Metaphern. „Oh, und Orte“, sagt er noch und lacht. Der nur mutmaßlich so Gescholtene singt immer noch mit seiner TrademarkFalsett-Stimme, während die zehn neuen Songs voller klingen als ihre rohen Vorgänger, nach einer richtigen Band, obwohl Bon Iver im Grunde immer noch das Projekt von Vernon alleine ist. Die zerbrechliche Intimität weicht Spielereien an Trompete, Glockenspiel, Saxophon, einem bisschen Schlagerfeeling und Computern, und Gastvocals hat Vernon sich offenbar auch an Bord geholt. Die-

sen kollektiven Ansatz dürfte er sich bei Megastar Kanye West, dem Meister dieses Fachs, abgeschaut haben, schließlich sang Vernon auf dessen letztjährigem Album und überhaupt in den vergangenen paar Jahren auf Alben „von bestimmt zehn anderen Leuten“ mit. „Ich habe von Kanye nichts darüber gelernt, ein Popstar oder ein Twitterer zu sein“, korrigiert Vernon auch hier. „Er ist für mich Musiker und Mensch, ich bewundere sein Talent und seinen Glauben, für Ziele hart arbeiten zu müssen. Jeder gute Musiker hat das“. Vernon inklusive. Text: Fabian Soethof Heimat: boniver.org


Seite 10

MUSIK STORIES

unclesally*s magazine

Danger Mouse & Daniele Luppi Zwei glorreiche Halunken

Um sich ihren Traum vom eigenen Spaghettiwestern zu erfüllen, haben sich Meisterproduzent Danger Mouse und sein italienischer Kollege Daniele Luppi einfach mal Ennio Morricones Orchester ausgeliehen. Für fünf Jahre. „Für das Schreiben haben wir nicht lange gebraucht, für das Aufnehmen eigentlich auch nicht“, sagt Brian Burton. „Die Sessions lagen nur halt sehr weit auseinander. Aber das verträgt sich durchaus mit der Natur des Albums. Bei dieser Musik kommt es nicht darauf an, ob sie in fünf Monaten erscheint oder in fünf Jahren.“ Burton, besser bekannt als Danger Mouse, sitzt neben seinem Kollegen auf dem Sofa eines Londoner Hotelzimmers und blinzelt durch seine Sonnenbrille. Beide haben sie ausgefallene Frisuren und eine schicke Garderobe, und schon ihr bloßer Anblick scheint Geräusche zu machen. So wie „Rome“, das Album, dessentwegen sie hier sind, und das eine Leerstelle zwischen Pop-Musik und Filmsoundtrack zu füllen scheint. „Wir werden oft gefragt, wie der Film dazu in unseren Köpfen aussieht“, sagt Daniele Luppi, „aber so läuft das nicht.“ „Es ist kein Soundtrack für einen Phantomfilm, es ist etwas anderes“, findet auch Danger Mouse. „Soundtracks für Filme, die es nicht gibt, habe ich schon gemacht. Das Visuelle gehört wohl mit zu meiner Musik, das traf auch schon auf Broken Bells zu.“

Danger Mouse ist nicht nur ein gefragter Produzent, sondern auch ein ungemein populärer Kooperationspartner, dessen verschiedene Projekte einen der dicksten Terminkalender der Pop-Musik nötig machen. Kollege Luppi lernte er bereits vor sechs Jahren mit Gnarls Barkley in Los Angeles kennen - der Italiener half damals bei den Arrangements und setzte Burton bei der Gelegenheit gleich den nächsten Floh ins Ohr. „Wir haben beide einen ähnlichen Musikgeschmack, gerade was alte Filmsoundtracks angeht“, sagt der. Schwelgend sollen die sein, dynamisch und ein bisschen pompös, ganz so, wie es Score-Papst Ennio Morricone vorgemacht hat, dessen leicht betagtes Orchester kurzerhand für ‘Rome‘ verpflichtet wurde. „Das Altmodische daran war in diesem Fall nur Mittel zum Zweck“, sagt Danger Mouse. „Ich interessiere mich nur für den Sound.“ Diesen Sound beschreibt Daniele Luppi als „dunkel und psychedelisch“, Musik, zu der man über den Friedhof reiten und Kopfgeldjäger erschießen möchte. „Es geht nicht darum, wie groß das Orchester ist, sondern wie dramatisch die Melodien daherkommen. Es geht auch nicht um das Studio und die Instrumente, sondern um die Art wie diese alten Profis sie spielten.“

Burton und Luppi sagen, sie wussten am Ende selbst nicht mehr, wer welche Sachen auf ‘Rome‘ geschrieben hätte, nur, dass das größtenteils instrumentale Album noch zwei prägnante Gastvokalisten bräuchte. Mit Jack White konnte sofort ein enthusiastischer Westernfetischist gewonnen werden, der auch noch selbst seine Texte mitbrachte. „Den weiblichen Part habe ich dann geschrieben“, sagt Danger Mouse, „und als der fertig war, konnten wir uns Norah Jones alle sehr gut vorstellen.“ Und weil Danger Mouse nicht nur einen vollen Terminkalender, sondern auch ein dickes Adressbuch hat, ging auch dieser Wunsch in Erfüllung. Jetzt ist das Album fertig, und es stellt sich eigentlich bloß noch die Frage, ob Ennio Morricone ein Exemplar geschickt bekommen wird. „Ich glaube nicht“, sagt Danger Mouse. „Er ist immer sehr beschäftigt und interessiert sich auch nicht so für moderne Musik. Wenn überhaupt, würden sich seine Großenkel wahrscheinlich mehr über die Platte freuen.“ Text: Michael Haacken Foto: Frank W Ockenfels Heimat: dangermousesite.com


unclesally*s magazine

MUSIK STORIES

Seite 11

Art Brut

Von der rohen Kunst eines sinnerfüllten Daseins Die vom französischen Maler Dubuffet geprägte Bezeichnung für das spontan und unreflektiert Geschaffene wurde von den Indie-Rockern Art Brut umdefiniert und von der Malerei in die Musik übertragen. Was 2003 als Guerilla-Projekt begonnen hat, schlägt mit dem neuen Album ’Brilliant! Tragic!’ nicht nur melodischere Töne an, sondern scheint alles in allem auch konzeptioneller. Warum Album Numero Vier trotzdem nichts an Unmittelbarkeit eingebüßt hat, erklärt Sänger und Wahl-Berliner Eddie Argos bei einer Tasse Kaffee. Trotz globalen Popstartums scheinen die fünf von Art Brut mit beiden Beinen fest in der Realität verankert. „Musik zu machen, ist ein Geschenk. Und dass die Leute uns immer noch hören wollen sowieso“, gesteht Eddie verlegen. Zum zweiten Mal in Folge standen die Engländer mit dem Ex-Sänger der Pixies, Frank Black, im Studio und abermals haben sie sich vor Ehrfurcht „fast in die Hosen gemacht“. Zu Recht, denn Frank hatte diesmal Großes vor. Er eliminierte den markanten Sprechgesang von Eddie und verschaffte der Band so einen Sound, wie man ihn von Art Brut noch nie zuvor gehört hat. „Natürlich habe ich seinen Vorschlag zunächst abgelehnt, aber nach dem ersten Tag im Studio schickte er alle heim und behielt nur mich da. Da war mir klar – ’Nein’ ist nicht“, erklärt Eddie lachend.

Versucht’s diesmal mit singen: Art Brut-Frontmann Eddie Argos (zweiter v. links)

’Brilliant! Tragic!’ ist im Vergleich zu den Vorgängern trotz melodischer Einschläge dennoch mürrisch, doch woher kommt dieser Trotz? „Das ist Besinnung! Ich habe in der letzten Zeit viel über den Tod nachgedacht, war während der Entstehungsphase unter anderem auf einer Beerdigung und irgendwie sind diese düsteren Gedanken mit eingeflossen. Eigentlich wollten wir das Album ’Wam! Bam! Power! Let’s Rock Out!’ nennen. Aber als es fertig war, hat es sich einfach nicht nach danach angehört“, bekräftigt Eddie. „Alle Alben, die wir bisher gemacht haben,

waren klare Rock’n’Roll-Scheiben. Dieses hingegen ist emotionaler - und das ist doch ’brillant’, oder?“ In der Tat, denn trotz erneuernder Maßnahmen bleibt das Album ein unmittelbares Art Brut-Projekt, das wie immer so klingt, als würde sich Eddie mit dem Hörer unterhalten wollen. „Das kommt daher, dass mir die meisten meiner Lyrics unterwegs einfallen und ich sie dann schnell in mein Handy tippe oder spreche.“ Und manchmal hört sich das natürlich auch so an. Text: Stephanie Johne Heimat: artbrut.org.uk


Seite 12

AUF ACHSE

unclesally*s magazine

auf achse...

H OO ODER KIEFERBRUC TT TA : M AR D OO BL E TH

Text: Christine Stiller Fotos: Sebastian Gabsch Heimat: thebloodarm.com Aktuelles Album: „Turn And Face Me“ Dank an das No Pain No Brain Tattoo Studio, Berlin

Wir alle wissen: das Leben schreibt die aussergewöhnlichsten Geschichten. Was allerdings The Blood Arm einmal ihren Enkeln berichten werden, wenn sie von dem blutigen Arm eines Türstehers erzählen, der sich ebendiesen auf ihre Kosten tätowieren lässt, ist eigentlich zu surreal, um wahr zu sein.

Rückblende: Eines Abends im vergangenen Januar hatte Drummer Zach im Berliner White Trash ein wenig zu tief in diverse Weingläser geschaut. Als ihn Türsteher Bam Bam irgendwann wegparken wollte, schlug Zach reflexartig mit einem zerbrochenen Glas um sich, ...

das direkt an dieser Stelle in Bam Bams Vene landete.


Genauere Details der Geschichte sind im wahrsten Sinne des Wortes zu blutig, um sie hier aufzuarbeiten. Sicher war aber schon damals, dass das Wiedersehen der beiden einige Monate später nicht gerade herzlich ausfallen würde.

Zum Glück haben sich die Bandkollegen einen meisterhaften Plan zurechtgelegt, um Bam Bam wieder milde zu stimmen. Während Zach resigniert seine letzten Stunden mit intaktem Kieferknochen zählt, ...

... legen Gitarrist Zebastian, Sänger Nathaniel und Pianistin Dyan ihr letztes Geld zusammen. Sie wollen dem Türsteher als Wiedergutmachung ein Tattoo finanzieren, das er sich direkt vor Ort im No Pain No Brain-Studio des White Trashs stechen lassen kann.

Dieser Versuchung ist Bam Bam willenlos erlegen.

Da er die Prozedur schon das eine oder andere Mal über sich ergehen lassen hat, ist die Tätowiernadel für Bam Bam in etwa so schmerzhaft „wie “Haareföhnen“. Ah ja... Zach und Sänger Nathaniel sind etwas sensibler unterwegs und allein beim Zuschauen schwer bemüht, ihren Kreislauf stabil zu halten.

Bei der Motivwahl setzt Bam bam auf die kathartische Funktion von Tattoos. Nachdem er lange von der Verletzung gepiesackt wurde, liess er sich von Tätowierer Jared den Namen der Band schön in Narbennähe eingravieren.

Und aus Blutfeinden werden Blutsbrüder oder so was in der Art.


Seite 14

MUSIK STORIES

unclesally*s magazine

Foto: Erik Weiss


Kitty, Daisy & Lewis Family Affairs

Dass Geschwister auch als Band funktionieren können, ist nichts Neues. Kitty, Daisy & Lewis gehen in Sachen Familienunternehmen aber noch einen Schritt weiter: Mama und Papa Durham sind nicht nur für ihre musikalische Sozialisation verantwortlich, sie stehen auch bis heute mit auf der Bühne. Mit breitestem britischem Akzent erzählen die drei blutjungen Geschwister von ihrem zweiten Album und dem Tourleben mit den Erziehungsberechtigen. Auch auf eurem zweiten Album „Smoking In Heaven“ sind Anlehnungen an sehr ursprünglichen Rock’n’Roll- und R’n’B-Sound unüberhörbar. Woher kommt eure Vorliebe für Retromusik? Lewis: Ich finde nicht, dass unsere Musik retro klingt, sondern ziemlich modern. Die Songs wurden ja auch im Jetzt geschrieben. Daisy: Es gibt schon Referenzen zu alter Musik. Unser Vater hat immer für uns gesungen und gespielt, viele Drei-Akkorde- und Rhythmus-Sachen, und wir haben oft zusammen gejammt. Obendrein haben wir viele alte Platten von unserer Mutter gehört, das ist sicherlich alles in unsere Musik eingeflossen. Euer Debüt war ein Coveralbum, jetzt habt ihr alle Songs selbst geschrieben. War das ein logischer Reifeprozess? Daisy: Diesmal konnten wir einfach mehr eigenen Input in das Album stecken. Bei „Kitty, Daisy & Lewis“ haben wir uns noch an Songs gehalten, die wir schon als Kinder mit unseren Eltern gespielt haben. Jetzt, beim zweiten Album, hatten wir plötzlich den Druck, selbst Songs zu schreiben. Das hat uns auch geholfen, verschiedene Genres einfließen zu lassen, zum Beispiel Jazz, Ska, Pop, R’n’B. Was glaubt ihr, welche Menschen sprecht ihr mit eurer Musik an? Daisy: Ich denke, dass ganz unterschiedliche Leute unsere Musik hören, was ziemlich gut ist. Das liegt wohl auch daran, dass man uns schwer in eine Kategorie packen kann. Und wir versuchen nicht, etwas zu imitieren, sondern spielen unsere Musik so, wie wir sie fühlen. Wie kam es zu dem Sprung von den heimischen Jam-Sessions auf die Bühne? Kitty: Wir sind früher jeden Samstag in einen Pub in unserer Heimat Camden gegangen. Eines Abends hat der Inhaber Lewis gefragt, ob er nicht Banjo spielen wolle, da war Lewis vielleicht zehn Jahre alt. Ich habe mir das Drumkit geschnappt, und von dem Zeitpunkt an haben wir regelmäßig und auch in anderen Locations gespielt. Eure Kindheit, das gemeinsame Musizieren mit euren Eltern - das klingt alles total kuschelig. Aber begann nicht spätestens mit euren ersten Erfolgen auch der Druck? Daisy: Unsere Eltern haben nie Druck auf uns ausgeübt. Alles, was wir in Sachen Musik gemacht haben, konnten wir selbst entscheiden, und letztendlich haben wir ja auf der Bühne nichts anderes gemacht als zu Hause. Es war irgendwie ganz natürlich. Und es hat euch nie genervt, dass eure Eltern auch Musiker sind und euch immer reinreden konnten? Daisy: Wir würden sie niemals ersetzen wollen. Sie sind bestimmt nicht die besten Musiker der Welt, aber für uns sind sie es. Ohne unsere Eltern wären wir nicht dieselbe Band. Sie kommen auch mit auf Tour und stehen mit uns auf der Bühne. Heißt es dann nach dem Konzert irgendwann: „Kinder, ab ins Bett?“ Daisy: Wir sagen ihnen, dass sie ins Bett gehen sollen! (lacht) Text: Isabel Ehrlich

Foto: Erik Weiss

Heimat: kittydaisyandlewis.com

Gene und Gegensätze Auch wenn Äpfel bekanntlich nicht weit vom Stamm fallen und sich diese Familie ganz offenbar so selten wie möglich mal von der Pelle rückt, geschmacklich wohnen sie doch in einer anderen Straße. Während sich ihre Sprösslinge dem Swing und Blues der Fünfziger verschrieben haben und nicht viel mit neumodischer Technik und elektronischer Musik anzufangen wissen, ist ihr Vater Gründer und Ingenieur des MasteringStudios The Exchange in London, in dem Künstler wie Hot Chip oder Four Tet zu Hause sind. Mutter Ingrid Weiss war Anfang der Achtzigerjahre-Schlagzeugerin bei der Post-Punk-Damencombo The Raincoats.


Seite 16

MUSIK STORIES

unclesally*s magazine

Destroyer

Einmal Bon Jovi und zurück

Die Presse ist sich einig: Destroyer haben die Brillanz für sich gepachtet und doch scheint die breite Masse es nicht hören zu wollen. Für Sänger Dan Bejar eigentlich kein Grund zur Sorge - sein neues Album hat er trotzdem ‘Kaputt’ genannt. Mit wilder Mähne, pragmatisch wirkenden Klamotten und einer gewissen Laissez-faire-Attitüde wirkt Dan Bejar ganz und gar nicht wie der Rockstar von morgen. Im Gegenteil, mit seiner Band Destroyer arbeitet der gebürtige Kanadier seit 15 Jahren getreu dem Motto: Mach, wonach dir der Sinn steht und wenn’s niemandem gefällt, Pech gehabt - bislang. Im Zuge seines neuen Werks ‘Kaputt’ ändert er diese Strategie ein wenig und klingt nah am Pop gebaut. „Es ist nicht so, dass es einen Masterplan gab. Allerdings suche ich mir die Musiker für Destroyer mit jedem Album neu zusammen und greife manchmal auf alte Kollegen zurück oder hole neue Leute an Bord. Dieses Mal standen erstaunlich viele Jazz-Musiker im Studio“, erklärt er mit bedeutungsvoller Geste und wirklich, die aktuellen Tracks könnten kaum eingängiger sein: Die Klang-

flächen präsentieren sich meist in ruhigem Fahrwasser, der Experimentierlust werden bewusst Grenzen gesetzt und selten rast die Stimmung Richtung Rock. Die Sache mit dem Kritikerliebling freue ihn sehr, obschon er scherzhaft zu verstehen gibt: „Vielleicht schreckt das die Leute auch ab und lässt mich verkopft wirken - schließlich sind Bands wie Bon Jovi bei Journalisten nicht sonderlich beliebt, füllen aber Stadien.“ Jetzt nur keine falschen Schlüsse ziehen: ‘Kaputt’ ist zwar Dan Bejars bislang eingängigster Longplayer, aber er wird sich hüten, Jon Bon Jovi nachzueifern. Die wilden Mähnen der beiden in allen Ehren. Text: Marcus Willfroth Foto: Ted Bous Heimat: myspace.com/destroyer

Let’s Wrestle

Schlammcatchen gegen Albini

Manchmal muss man im Leben essentielle Entscheidungen treffen. Let’s Wrestle haben sich damit schwer getan. Monatelang grub sich das Trio durch unterschiedlichste Genres, bis es letztlich beim guten alten IndieRock gelandet ist. Ihr zweites Album ‘Nursing Home‘ flirtet aber auch mit düsteren Klängen. „Ich bin mir nicht ganz sicher, ob wir mit dieser Platte wirklich erwachsen geworden sind“, grübelt Sänger und Mastermind Wesley Gonzales. „Fest steht aber, dass sie musikalisch ein ganzes Stück kantiger geworden ist, als unser erstes Album.“ Nach ihrem 2009er Debüt ‘In The Court Of The Wrestling Let’s’, das noch unter vergleichsweise spartanischen Bedingungen zusammengeschustert wurde, konnte man für die Aufnahmen zu ‘Nursing Home‘ Promi-Soundtüftler Steve Albini für sich gewinnen, der schon Werken wie Nirvanas ‘In Utero‘ oder ‘Surfer Rosa‘ von den Pixies seinen akustischen Stempel aufgedrückt hat. „Am Anfang hatte ich Angst, mit ihm zusammenzuarbeiten, da ich im Vor-

feld ein paar negative Dinge über ihn gehört habe. Das Wort ‘Arschloch’ fiel dabei sehr oft. Das können wir jedoch nicht bestätigen.“ Seit kurzem spielt das Dreiergespann mit Neuzugang Sam Pillay am Bass, der wegen Let’s Wrestle seinen Job am Viersaiter einer Hardcore-Band und sein Englisch-Studium an den Nagel gehängt hatte. Mit dem „Nichtstun“ kennen sich aber auch die anderen beiden bestens aus. „Ich habe es mal als Bauarbeiter und Schallplattenverkäufer versucht, aber das war mir zu anstrengend. Die wichtigste Grundregel im Musikbusiness ist: Du darfst niemand anderen kopieren! Solange du dich daran hältst, klappt’s auch mit dem Erfolg.“ Text: Natscha Siegert Foto: Owen Richards Heimat: letswrestleblog.tumblr.com

Scott Matthew

Der Lieblingssohn des Edelmuts

Analog ist immer noch besser: Herzschmerz-Songwriter Scott Matthew bleibt ein romantischer Traditionalist. Nur traurig ist er nicht. Irgendwas ist anders. Im ersten Moment verfolgt Scott Matthew auf seinem dritten Album ‘Gallantry’s Favorite Son‘ die gleiche melancholische Schwere wie auf seinen angesagten Vorgängern. Scheinbar todtraurig und zur akustischen Gitarre oder einem Piano singt der New Yorker Songwriter auf sanfte Art und Weise davon, niemals fliegen lernen zu wollen. Oder lebendig begraben zu sein. Dazwischen aber blitzt immer wieder eine ausgelassene Zufriedenheit auf, die vielleicht daher kommt, dass Matthew sich seines Talents heute sicherer ist. Weil man ihn ja machen lässt. „Musik ist nichts, was ich kalkuliere“, sagt Matthew, und wie er da so sitzt mit Vollbart, Jackett und offenem Leinenhemd und von analogen Aufnahmen und alten Schallplatten schwärmt, glaubt man ihm jedes Wort. „Wenn ich mir für dieses Album nur einer Sache bewusst

war, dann, dass ich einfachere und weniger fordernde Songs schreiben wollte.“ Der Titel sei übrigens ein Zitat aus einem seiner älteren Lieder, die Zeile habe ihm gut gefallen, darin findet er seinen Anspruch an seine Musik wieder. Neu sind lediglich dezente Drums hier und da und eine elektrische Gitarre; Matthews Lieblingsinstrument bleibt die menschliche Stimme. Als traurig würde der gebürtige Australier seine Musik aber nie beschreiben. „Früher war es ganz normal, Balladen zu schreiben. Heute wollen alle nur zeigen, wie viel Spaß sie angeblich haben. Meine Musik ist – so hoffe ich – ehrlich und rein“, erklärt Matthew. „Ich bin ein Traditionalist, ich will nicht Avantgarde sein“, sagt er. Und ist es vielleicht auch deswegen. Text: Fabian Soethof Foto: Michael Mann Heimat: scottmatthewmusic.com


unclesally*s magazine

MUSIK STORIES

Seite 17

MIT: AUF DER COUCH

?! DALLAS GREEN Böser Junge und Schmusekätzchen: Dallas Green, das wandelnde Tätowiermagazin, trägt zwei Herzen in seiner Brust. Mit Leichtigkeit bearbeitet er bei Alexisonfire die Gitarre, während er zeitgleich als City And Colour die liebenswerteste Heulboje Kanadas gibt. Wir baten ihn, auf unserer Couch Platz zu nehmen, um seine beiden Persönlichkeiten etwas besser kennen zu lernen. Ist City And Colour eine Art Ventil für eine Sensibilität, die du bei Alexisonfire nicht entfalten kannst? Als City And Colour kann ich zumindest persönlichere Texte schreiben, denn bei Alexisonfire versuchen wir, das zu fünft anzugehen und da steckt dann natürlich nur ein Fünftel von mir selbst drin. Woher kommt die Motivation, gleichzeitig Post-Hardcore-Gitarrist und Singer/Songwriter zu sein? Ich mochte schon immer laute und leise Musik gleichermaßen, aber das ruhige Zeug habe ich schon lange vor Alexisonfire gemacht. Außerdem bin ich in der Band auch immer derjenige gewesen, der die melodisch-ruhigeren Parts einbringt. Was macht dir Angst? Ich finde das ganze Leben ist auf seine Art beängstigend. Man weiß nie, was passiert und was die Zukunft bringen wird, doch eben das ist es ja irgendwie auch, was das Leben so interessant macht. Was hat dich das letzte Mal traurig gemacht? Ich habe kürzlich einen Song über die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko geschrieben. Ich hatte viele Fotos gesehen und Artikel darüber gelesen, das hat mich traurig gemacht. Ich kann ruhige Stücke ohnehin nur dann schreiben, wenn ich in dem Moment gerade traurig bin, glücklich funktioniert das nicht.

Würdest du dich selbst als sensiblen Typ beschreiben? Ich denke schon, doch viel eher noch würde ich mich als emotional bezeichnen. Feinfühlig und respektvoll mit seinen Mitmenschen umzugehen, macht einen besseren Menschen aus dir. Klar kann ich auch mal die Nerven verlieren, allerdings bin ich dann trotzdem in der Lage, mich zu entschuldigen, wenn ich Mist gebaut habe. In welcher Situation wärst du gerne tougher? Ich glaube, wenn ich tough sein muss, dann kann ich es auch sein. Ich bin sehr ehrlich und wenn mir etwas nicht passt, sage ich das der jeweiligen Person auch direkt ins Gesicht. Ich kann also sensibel sein, aber dennoch meine Meinung äußern, das schließt sich nicht aus. Warst du als Kind eher Eigenbrötler oder Draufgänger? Ich war immer gern allein mit meiner Gitarre zu Hause, also schon eher ein Eigenbrötler, allerdings hatte ich trotzdem viele Freunde. Mit dem Skateboarden habe ich früh angefangen, aber als Draufgänger würde ich mich nicht bezeichnen. Das bin ich auch jetzt noch nicht. War das Musikmachen für dich in der Jugend wichtig, um dich zu einer Gruppe zugehörig zu fühlen? Nicht wirklich, ich habe mit acht Jahren angefangen, Gitarre zu spielen, da wusste ich noch nicht, was es bedeutet, beliebt zu sein. Meine Eltern haben

mich damals dazu gebracht, Gitarrenunterricht zu nehmen, wohl weil sie selbst auch gern Musiker geworden wären.

Text: Sarah Gulinski Heimat: cityandcolour.ca Auch gut: „Little Hell“ - das neue Album von City And Colour


Seite 18

MUSIK STORIES

unclesally*s magazine

Thees Uhlmann spielt auch gerne Fußball, noch lieber aber nimmt er neue Bands für sein Plattenlabel ‘Grand Hotel van Cleef‘ unter Vertrag. Für Young Rebel Set fuhr er bis nach Newcastle, überzeugte sich persönlich von der vermuteten Qualität und schlug zu. Zuerst glaubte man dem „Deutschen mit der Zahnlücke“ nicht, hielt ihn für ein bisschen verrückt, aber harmlos eben. Chipchase erzählt mit der Pub-Schnoddrigkeit eines Säufers, der es gewohnt ist, Anekdoten zum Besten zu geben. Letztlich wurde man sich einig, jetzt erscheint das erwartete Debüt ‘Curse Our Love‘ auf GHvC. Im englischsprachigen Wikipedia gibt es noch keinen Eintrag mit ihrem Namen, hierzulande steht „ausverkauft“ vor den Konzertsälen. Ihr umtriebiger Folk-Rock kommt gut an. Klingt nach Pogues, nach Mark E. Smith, nach überschwappenden Getränken, Kneipen-Romantik. Echte Kerle sind das.

Young Rebel Set

Ein bisschen weniger scheiße

Yes, they can: Young Rebel Set aus England.

Die Biertische stehen draußen, einer hat den großen iMac rausgestellt. Es wird telefoniert „Mist, Mailbox. Keine Ahnung, wann die kommen.“ Eine Stunde später bollert ein weißer Van über das Kopfsteinpflaster. Verschiedene Biere winken einem fröhlich durch die Scheiben entgegen. Der Anführer der Truppe trinkt Rotwein aus der Flasche. Man kann kaum glauben, dass eine sechsköpfige Band samt Entourage und Equipment in dieses Ding da reinpasst. Young Rebel Set sind bester Laune. „Bisschen verfah-

ren, sorry Mate“, grinst Weinliebhaber und Sänger Matty Chipchase in den Frühling. „Wir sind gleich soweit.“ Dass man gerne Fußball spielt, liegt bei einer derartigen Mannschaftsstärke auf der Hand. Irgendeiner aus der Band sei Fan vom FC Middlesbrough, aber man nehme das nicht so ernst. „Footy is just footy.“

Chipchase bewundert Dylan, Cash und Leonard Cohen - alles sprachgewaltige Männer mit Gitarren, deren Worte etwas gelten, heute noch, genauso wie vor und in 40 Jahren. Der Text, seine Erzählstruktur, das „Ausbalancieren“ von Wörtern und eine starke Verbindung mit dem Zuhörer ist ihm das Wichtigste. „Was sollen denn pinke Elefanten am Himmel?“, will der Sänger wissen. „So toll die Beatles auch waren, einige ihrer Songs gingen mir einfach zu weit. Oder fucking Oasis - grandiose Musik, aber textlich scheiße.“ Ein Fußballspiel zwischen Grand Hotel van Cleef und Young Rebel Set entschieden die Briten übrigens für sich. Wie Thees Uhlmann wohl Fußball spielt? „Shit!“, lacht Chipchase es in seinen roten Bart. Sie selbst seien aber auch nicht gut, nur eben „slightly less shit“. Text: Frédéric Schwilden

Heimat: youngrebelset.co.uk

Wolf Gang

Der mit dem Wolf singt Wolf Gang mag Wolfgang, Wölfe und macht sphärische Indie-Pop-Musik à la MGMT. Wir lösen die Verwirrung um den neuen Act aus London, dessen Debüt ‘Suego Faults‘ in den Startlöchern steht. Ein Musikjournalist befasst sich gerne intensiv mit Bandnamen. Das wirkt oft holprig und an den Haaren herbeigezogen. Nicht aber im Fall Wolf Gang, einem Bandnamen, der viel verrät. Erstens: Wolf Gang ist gar keine Gang. Wolf Gang ist Max McElligott, das Solo-Mastermind hinter dem Indie-Pop-Projekt. „Die Musik klingt für mich wie Bandmusik. Ich fand, das Projekt sollte einen Namen tragen, der so klingt, als könnte es mehr als eine Person sein“, erklärt Max. Er hat alle Instrumente auf ‘Suego Faults‘ selbst eingespielt: Gitarre, Bass, Piano, Drums, Synthesizer und Xylophon. Gesungen hat er natürlich auch. Zweitens: Wolf Gang mag Wolfgang, Wolfgang Amadeus Mozart um genau zu sein. Max‘ Mutter ist Violinistin. Er wuchs mit klassischer Musik auf. Mozart sieht er als frühen Popstar und in seiner eigenen Musik findet er einen starken klassischen Touch. „Es ist immer beeindruckend, ein Orchester spielen zu sehen. 90 Musiker auf der Bühne, die einen riesigen Sound kreieren“, sagt Max. „Meine Musik hat auch diese große Soundkulisse.“

Wolf im Schafspelz: Wolf Gang aka Max McElligott.

Drittens: Wolf Gang mag Wölfe. Das wirkt plakativ, ist aber wahr. „Ich will wirklich irgendwann einmal meinen eigenen Wolf haben“, sagt Max. Er meint es ernst. Über das Ganze hat er sich schon Gedanken gemacht. Etwas entmutigt gibt er aber zu Protokoll: „Man muss viel Papierkram erledigen bis man dann tatsächlich einen Wolf haben kann.“ Nicht nur der Bandname, sondern auch der Albumtitel birgt eine interessante Anekdote. Zuerst einmal: Suego Faults gibt es nicht. Nicht als Ort, nicht als Wort. Da hilft auch kein Google. In Wirklichkeit ist die Wortkonstruktion eine weitere kre-

ative Eingebung von Max McElligott. Sie kam ihm im Traum und raste noch nach dem Aufwachen durch seinen Kopf. Und tatsächlich scheint seine Musik wie eine sphärisch-psychedelische Traumlandschaft. Wände aus Synthesizern und sanften Pop-Melodien bauen sich auf. Nicht immer originell, aber in der Einfachheit entzückend und dabei Radio- und Hit-tauglich. Das hat schon die erste Single ‘Lions In Cages‘ gezeigt. Also Ohren auf: Der Wolf im Pop-Pelz naht! Text: Johannes Musial Heimat: myspace.com/thisiswolfgang


Seite 20

TITEL

unclesally*s magazine

Vorhersehbarkeit existiert im musikalischen Universum von Dredg nicht. Die experimentellen Alternative-Rocker und Plan-Strategen überraschen nur zu gerne mit dem Unerwarteten. Für ihr fünftes Album ‘Chuckles And Mr. Squeezy’ ist das Konzept auch schlichtweg, dass es diesmal gar keines gibt. Dafür aber eine ungewöhnliche externe künstlerische Kollaboration. Dass Dredg stilistisch noch nie leicht zu packen waren, ist kein Geheimnis. Auf ihren ersten Alben flirteten die Jungs aus Los Gatos, Kalifornien, noch mit Art-Rock, loseren Songstrukturen und kamen auch mal mit abgefahrenen Konzepten und Theorien zur Synästhesie um die Ecke. Doch schon mit dem letzten Werk ‘The Pariah, The Parrot, The Delusion’ (2009) zeichnete sich eine schleichende Veränderung in Richtung mehr Eingängigkeit und kompositorische Überschaubarkeit ab. ‘Chuckles And Mr. Squeezy’ geht diesen Weg noch radikaler und konsequenter zu Ende und schaut dabei gleichsam noch weiter nach vorn als zurück. Denn mit Daniel M. Nakamura, besser bekannt als Dan The Automator, haben sich Dredg einen Produzenten und Songwriting-Sozius angelacht, dessen Einfluss auf dem neuen Werk hörbar evident ist. Seines Zeichens eigentlich japanischer HipHop-Beatmaster und Klangregler, der bereits für die Gorillaz, Mike Pattons spleenige Peeping Tom oder bei Kasabian mischpultführend war, hat der gute Dan als nahezu gleichberechtigter kreativer Partner Dredg nun also aufs elektronische Parkett geführt. „Wir wollten zum Ausdruck bringen, dass dieses Album eine Kollaboration ist“, erläutert Gitarrist Mark Engels den herrlich bekloppten Albumtitel, den die Band basierend auf zwei ersponnenen Rodeo Clown-Charakteren ersonnen hat. „Dan ist selbst Musiker und er hat sich hierauf mehr eingebracht, als nur die Platte zu produzieren. Das ist mehr als nur ein Dredg-Album. Es ist ein Dredg-und-Dan-the-Automator-Album. Deshalb wollten wir auch diese zwei Charaktere im Titel haben. Auch wenn ich nicht genau weiß, wer von uns jetzt welchen verkörpert.“ Ist ja auch nicht so wichtig. Was zählt, ist das musikalische Ergebnis. Und das ist so ungewöhnlich wie anfangs – zugegeben – gewöhnungsbedürftig, letzten Endes jedoch nicht wirklich mehr Puff Daddy als Pink Floyd. Allerdings: Wo früher das Schlagzeug rockte, dominieren nun elektronische Grooves, und auch

die Gitarren mussten sich zunehmend flirrenden Synthesizer-Flächen und digitalen Soundscapes unterordnen. Geblieben ist dabei dennoch glücklicherweise Dredgs Händchen für Hooks und schöne, schwerelose Melodien. “Wenn man schon so lange gemeinsam Songs schreibt wie wir, besteht die Gefahr, dass man in alte Muster verfällt. Das muss jetzt nicht unbedingt etwas Schlechtes sein, aber wenn man mit jemand Neuem zusammen schreibt und arbeitet, ändert sich der Ansatz und die Perspektive und es entsteht etwas Frisches“, bekräftigt Mark seine Zufriedenheit über Dan the Man, der gleich bei drei Stücken (‘The Tent’, ‘Sun Goes Down’ und ‘Before It Began’) aktiv am Kompositionsgeschehen beteiligt war. „Als klar war, dass Dan an Bord ist und er mit uns arbeiten möchte, wussten wir, dass der ganze Arbeitsprozess anders ablaufen wird als früher. Wir tendieren sonst gerne dazu, Sachen überzuanalysieren und unter die Lupe zu nehmen. Dieses Album ist ein bisschen flotter und unmittelbarer entstanden als unsere vorherigen.“ Andere alteingesessene Abläufe haben Dredg bei der Gelegenheit gleich mit generalüberholt. „Als wir die Songs geschrieben haben, lebte ich in Seattle“, berichtet Sänger und Gitarrist Gavin Hayes. „Insofern ist vieles aus der Distanz entstanden. Das war auch eine einflussreiche Variable. Alle vier von uns waren als Band nicht wie sonst immer zusammen in einem Raum und haben die Songs geschrieben, sondern wir haben separat an den Sachen gearbeitet und uns Tracks und E-Mails hin- und hergeschickt. Das hat den Sound stilistisch sicherlich auch mit beeinflusst.“ Hat es bestimmt, wenn natürlich wohl nicht so stark wie Dans Bearbeitung des Materials, bei der Dredg dem Mann vertrauensvoll jeden erdenklichen Freiraum gegeben haben. „Wir waren diesmal nicht direkt beim Prozess des Abmischens dabei. Da wollten wir Dan einfach sein Ding machen und ihm seine Klangvision lassen“, verrät Mark. „Das was er mit den Songs gemacht hat, ging dann auch schon alles in die Richtung, wie wir uns diese Kombination aus uns und ihm vorge


unclesally*s magazine

TITEL

Seite 21


Seite 22

TITEL

unclesally*s magazine

Date mit Dan The Automator: Dredg aus Los Gatos, Kalifornien.

stellt haben. Man hört der Platte definitiv an, dass es eine Dan The Automator-Scheibe ist. Allein dieser Drumbeat-Sound ist unverkennbar.“

Vertrauten Dredg-Hörern dürfte beim neuen Album indes ebenso auffallen, dass neben rhythmischer Veränderungen und anderen Modernisierungsarbeiten die Dredg-typische Slide-Gitarre dieses mal wohl wortwörtlich fast komplett zu Hause geblieben ist. „Das liegt daran, dass ich einfach kaum Sachen auf der Slide geschrieben habe, weil ich in Seattle alles ziemlich basisch aufgenommen habe und nicht mal eine Gitarre dabei hatte“, klärt Gavin auf. „Ich habe tatsächlich direkt in das interne Mikro meines Rechners gesungen. Aber auf der nächsten Platte wird es dafür nur Slide-Gitarre geben. Und dann aber kein Schlagzeug“, scherzt der Sänger.

Während ein Stück wie ‘Upon Returning’ elektrisierend eruptiv daherkommt und ‘Somebody Is Laughing’ schon fast Indie-TanzflächenfüllerPotenzial besitzt, finden sich aber auch ruhigere Töne auf ‘Chuckles And Mr. Squeezy’, die dagegen schon fast wieder in Richtung Folk, Country und Americana gehen. „Die klanglich ausgefallenen und experimentellen Sachen wollten wir schon eher an den Anfang des Albums stellen. Die ruhigeren Stücke auf der zweiten Hälfte sind dann etwas gewöhnlicher und konventioneller, wenn man so will. Das passte von der Reihenfolge einfach gut. Aber diese Platte folgt jetzt keinem Konzept von zwei verschiedenen Hälften oder so“, gibt Gavin zu Protokoll. Losgelöst von konzeptuellen Klammern und PlanParadigmen haben sich Dredg also ganz der Logik der freien Form im Ausdruck verschrieben. „Gewisse Songs lassen sich allerdings auf Grund ihrer Entstehungsgeschichte zusammen bündeln. ‘The Thought Of Losing You’ und ‘Upon Returning’ sind ein derartiges Ideenpaket. Insgesamt sehe ich es aber

er so, dass bestimmte Fragmente miteinander harmonieren und in Verbindung stehen, es aber ansonsten kein durchgehendes, bindendes Motiv gibt.“ Ein inhaltliches Oberthema findet Gavin bei genauerem Nachdenken schließlich aber doch noch. „Während der Songwritingphase habe ich erstmals meine leibliche Familie kennen gelernt, und das hatte sicherlich eine Einfluss auf einige der Stücke wie zum Beispiel ‘Before It Began’. Überhaupt sind auf dieser Platte Familie und Freundschaft wichtige Themen. Wenn ich das Album mit unseren anderen vergleiche, ist es für mich sicherlich das persönlichste.“ Trotz hörbarer Emotionalität in zuweilen ätherischer Perfektion haben Dredg ihre sympathisch spleenig analytische Art der Herangehensweise an Musik nicht verloren. Für dieses Album hat Gavin sein deduktives Talent im Hinterfragen von Mustern und Schemata auf einen ganz neuen Forschungsgegenstand angesetzt: Die Spielzeit von Songs und Alben. Klingt zunächst etwas al-


unclesally*s magazine

bern und wie Rocken nach Zahlen, ist es dann aber nicht, wenn Herr Haynes es näher erklärt: „Ich habe tatsächlich etwas Recherche in Sachen Spielzeit betrieben. Dazu habe ich mir die 50 besten Billboard-Songs aller Zeiten vorgenommen und mir gleichzeitig meine zehn Lieblingsplatten der letzten vier, fünf Jahre angeschaut. Platten, die ich mir immer wieder angehört habe und die für mich herausstechend sind, wie ‘The Ugly Organ’ von Cursive. Dabei habe ich als Gemeinsamkeit entdeckt, dass das alles Platten mit kurzer Spielzeit sind. Das Radio-Spiellängenformat für Singles von dreieinhalb Minuten gibt es aus gutem Grund. Ich glaube, es hat etwas damit zu tun, wie viel Informationen man in einer bestimmten Zeit verarbeiten kann, wie lang die Aufmerksamkeitspanne des Menschen ist. Früher gab es eben ja auch zeitliche Beschränkungen auf Grund des Mediums Schallplatte. Die wurden erst durch die CD mit ihrer längeren Spielzeit aufgehoben. Aber meine Lieblingsalben sind alle 40 bis 45 Minuten lang. ‘Dark Side Of The Moon’ hat auch nur 40 Minuten. Das sind die Platten, bei denen man keine Songs wegskippt, sondern am Ende eher noch mal alles von vorne hören möchte.“ Was für das neue Dredg-Album nach erstem Gewöhnungsdurchgang übrigens genauso gilt. Denn hinter all den atmosphärischen Flächen und Beats verbergen sich weiterhin wunderbare Songperlen, die trotz neuem Klanganstrich und gelegentlichem Indie-Popfaktor niemals zu oberflächlich anbiedernd oder gar aufgesetzt erscheinen. Denn dafür ticken Dredg nach wie vor einfach zu eigenständig anders.

War Gavin zu Zeiten von ‘Catch Without Arms’ noch auf Formel-Suche nach dem Geheimnis hinter erfolgreichen Songs, hat der Sänger in diesem

Bereich mittlerweile ein paar brauchbare neue Erkenntnisse gesammelt. „Fast hätten wir ja mal mit Bob Ezrin (Produzentenlegende hinter unter anderem Pink Floyd) zusammengearbeitet. Jedenfalls hat er uns einen sehr wertvollen Rat mit auf den Weg gegeben: ‘Nimm deine zehn Lieblingssongs, lerne sie als Band und perfektioniere sie’. Das funktioniert wirklich und es beeinflusst bewusst oder unbewusst tatsächlich die Art und Weise, wie man an das Songschreiben herangeht“, so Gavin. „Ich habe mir in letzter Zeit auf der akustischen Gitarre viele Country-, Classic-Rock- und frühe Rock’n’Roll-Sachen wie die von Buddy Holly draufgeschafft. Dabei habe ich mir angeschaut, wie sich in diesen Songs die Lyrics zusammensetzen. Das hatte vom Text und der Phrasierung der Gesangslinien sicherlich auch einen Einfluss auf die langsameren, ruhigeren Songs zum Ende der Platte, über die wir schon gesprochen haben. Ich bin jedenfalls der Ansicht, dass - je mehr man als Musiker kennt, je größer also dein Wissen auch außerhalb deines eigenen Genres ist - desto fruchtbarer ist das für dich als Künstler. Jeder sucht doch ständig nach neuen Einflüssen. Das gilt nicht nur für Musiker. Auch als Maler versuchst du doch, dein Bestes zu geben und dich mit alten und neuen Künstlern und ihren Arbeiten weiterzubilden.“ Scheuklappendenken und Stillstand bleiben somit weiterhin Vokabeln, die in Dredgs Wortschatz nicht existent sind. Entsprechend wünscht sich die Band im Gegenzug auch von ihren Fans ein ähnlich offenes Ohr. „Die Leute, die uns mögen, wissen, dass wir eine Band sind, die sich musikalisch stetig wandelt. Unsere ganze Existenz und Karriere beruht auf dem Prinzip der Veränderung und Evolution. Man erkennt uns wieder, aber es klingt alles etwas moderner und hat einen neuen Twist. Und der heißt diesmal Dan The Automator“, so Mark.

So so, Gavin Hayes lernt Buddy Hollys-Songs auf der Gitarre. Das scheint eine beliebte Freizeitbeschäftigung zu sein. Ende Juni wird mit „Rave On Buddy Holly“ ein Tribute-Album veröffentlicht, mit dem Bands und Künstler wie The Black Keys, Florence Welch, Patti Smith, Julian Casablancas oder She & Him dem 1959 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Rock’n’Roll-Pionier ein weiteres kleines Denkmal setzen möchten. Buddy Holly, der mit richtigem Namen Charles Hardin Holley hieß, wurde am 7. September 1936 in Texas geboren. Obgleich seine Musikkarriere nur wenige Jahre umfasste, wird er bis heute als einer der größten Einflüsse des frühen Rock’n’Roll gehandelt. Bands wie die Beatles oder Rolling Stones hätte es ohne ihn vielleicht so nie gegeben. Wer weiß. Hits wie „Peggy Sue“, „I’m Gonna Love You Too“ oder „Rave On!“ wären in jedem Fall nie geschrieben worden. Im Song „American Pie“ bezieht sich Don McLean mit einigen Zeilen auf „The Day The Music Died“. Am 3. Februar kamen neben dem Mann mit der markanten Brille tragischerweise auch die Musiker Ritchie Valens („La Bamba“) und Jiles Perry Richardson, besser bekannt als The Big Bopper, in derselben Maschine ums Leben.

TITEL

Seite 23

„Wir haben keine Angst, unser Publikum zu verlieren. Denn die Leute, die auf Dredg stehen, werden - selbst wenn sie mal ein Album nicht mögen - aus reiner Neugier jede neue Platte auschecken, um zu hören, was wir denn diesmal gemacht haben.“ Gavin ergänzt: „Wenn jemand natürlich eher auf laute Gitarren-Rock-Alben steht, dann wird das neue Album vielleicht nicht unbedingt sein Ding sein. Aber das ist okay für uns. Live werden die neuen Songs sicherlich auch noch mal anders klingen. Sicherlich sogar härter, weil wir dann nur echte Instrumente benutzen und Dino das Schlagzeug spielt.“ Davon kann man sich als Berliner am 15. Juni übrigens gleich selbst ein Bild machen, wenn Dredg in der Wuhlheide im Vorprogramm der wiedervereinigten und genauso querdenkenden System Of A Down aufspielen und sicherlich auch älteres Material zum Besten geben werden. „‘Chuckles and Mr. Squeezy’ ist eben ein etwas anderes Album in unserem Katalog, aber ein Album, das wir unbedingt so machen wollten. Das nächste wird sicher wieder ganz anders klingen“, bekräftigt Gavin die Konstante Veränderung in Dredgs Karriere. „Aber genau das ist ja unser Ding. Wir sind jetzt seit zwölf oder 13 Jahren zusammen und machen Platten. Wenn ich heute noch mal ein Album wie ‘Leitmotif’ schreiben sollte, müsste ich wahrscheinlich brechen“, lacht Gavin. „Wir sind jetzt Anfang 30, ‘Leitmotif’ haben wir geschrieben, als wir 18 Jahre alt waren. Wenn wir also heute noch dieselbe Musik wie mit 18 machen würden, wäre doch ehrlich gesagt etwas nicht ganz in Ordnung mit uns, oder?“ Text. Frank Thiessies Heimat: dredg.com


Seite 24

PLATTEN/10 GEBOTE

unclesally*s magazine

DIE 10 GEBOTE

Bon Iver Bon Iver

(4AD/Beggars/Indigo) Aufgenommen habe er diese Platte in einem umgebauten Veteranen-Krankenhaus in Fall Creek, Wisconsin und natürlich drücke jeder Song auf dem gleichnamigen zweiten Bon IverAlbum eine besondere Stimmung aus, versicherte Frontmann Justin Vernon jüngst in einem Interview. So entlehnen viele Stücke ihre Namen bei Orten der USA, die wiederum sinnbildlich für die inhaltlichen Themen stehen - amerikanische Geschichte, persönliche Erfahrungen und der menschliche Wahnsinn im Allgemeinen bilden Dreh- und Angelpunkt der Tracks. Musikalisch schraubt Vernon das Tempo deutlich runter, lässt JazzSaxophonisten ran und fabriziert mehr Klangflächen als Folk-Pop. Ein fulminantes Ergebnis steht zur Disposition, denn „Bon Iver“ ist mindestens auf Augenhöhe mit dem hoch gelobten Debüt „For Emma, Forever Ago“. In manchen Momenten gar mehr als das - eine Meisterleistung. Text: Marcus Willfroth

My Morning Jacket Circuital

(ATO/Cooperative/Universal) Freilich ist es schwer, My Morning Jacket nach ihren durchweg großartigen letzten Alben nicht einfach einen Persilschein auszustellen und die neue Platte „Circuital“ aus purer Gewohnheit abzufeiern - so, als gebe es keinen Morgen danach. Doch schafft es die Band um Jim James erneut, den Lorbeeren gerecht zu werden und Songs unter Volk zu bringen, die ihresgleichen suchen: Mehr Pop als Folk offenbaren die Beiträge, perfekt ausformuliert ist jedes einzelne Arrangement und so langsam erklimmen sich My Morning Jacket den Status einer unantastbaren Band. Weil sie einfach brillant die eigenen Qualitäten umsetzen, keine Wagnisse eingehen, wo diese nicht funktionieren und sich lyrisch auf einem bestechenden Niveau bewegen. Man möchte sich dafür Ohrfeigen, aber „Circuital“ ist wieder ihr bestes Album geworden. Wie sie das regelmäßig schaffen, darf ihr Geheimnis bleiben. Text: Marcus Willfroth

City and Colour Little Hell

(Dine Alone/Cooking Vinyl/Indigo) Hat Herzblut etwas mit Lautstärke zu tun? Wohl kaum, wenn man Dallas Green als Referenz nimmt. Er wurde berühmt durch die Hardcore- und Punkrock-Hymnen seiner Band Alexisonfire, läuft jedoch der Hauptband mit seinem ruhigen Solo-Projekt City And Colour langsam aber sicher vor allem auch in punkto Intensität den Rang ab. Schon für das letzte Album gab es Platin in der Heimat Kanada, „Little Hell“ schreit nun förmlich nach weltweitem Charterfolg. Green ist nicht der typische Punkrock-Singer/Songwriter, der stümperhafte Experimente mit der AkustikGitarre macht, sondern ein Musiker, der Leidenschaft und Wut, Liebe und Verzweiflung in wunderbar warme, analog aufgenommene Töne taucht - mal düster und nachdenklich, mal Country-lastig mit Pedal-Steel-Gitarren, dann wieder mit brüchiger Stimme oder mit dynamischer Aufbruchsstimmung und Bluesgetränktem Rock. Beeindruckend, wie viel Emotion auf ein Album passt. Text: Tito Wiesner

No Joy Ghost Blonde

(Mexican Summer/Cooperative/Universal) Wer das Debüt von No Joy hört, dem sitzen die Vergleiche zu den üblichverdächtigen Shoegazern wie My Bloody Valentine, Lush oder auch Medicine wirklich locker. Das Schöne daran: Laura Llloyd und Jasmine White-Gluz, die gemeinsam all den erst zaghaft, später zunehmend kühner schillernden Krach über die zehn Songs getuscht haben, sind mit dieser Wegsortierung unter leicht angestaubten Frühneunziger-Helden völlig im Reinen. Kein Wunder, immerhin hören die beiden dies seit mindestens einem Jahr, als „Ghost Blonde“ seinen Release in Nordamerika hatte. Old Europe hinkt dem Hype also diesmal amtlich hinterher, machen wir’s deshalb kurz und lassen nur noch die Info fallen, dass sich Sune Rose Wagner von den Raveonettes für den herrlich unscharfen Mix der Platte verantwortlich zeichnet. Nein, nicht Kevin Shields, wirklich nicht. Text: Friedrich Reip

Danger Mouse & Daniele Luppi Rome

Digitalism I Love You, Dude

Planningtorock M

Touché Amoré Parting The Sea Between Brightness And Me

(EMI) Nach Kooperationen mit den Gorillaz, Sparklehorse, The Black Keys und Cee-Lo Green als Duo Gnarls Barkley hat sich nun der Produzent und DJ Danger Mouse mit Daniele Luppi zusammengetan. Werke dieses italienisch-stämmigen Filmkomponisten waren zum Beispiel bei der PornoDoku „Inside Deep Throat“ und dem Hollywood-Musical „Nine“ zu hören. Gemeinsam haben sie mit „Rome“ eine Art Soundtrack geschaffen, der leider mit nur knapp 35 Minuten gerade mal für einen Kurzfilm reicht. Der muss es aber in sich haben, denn mit Norah Jones und Jack White von den White Stripes wurden einerseits starke Stimmen für die Gesangseinlagen verpflichtet, andererseits mit dem B.I.M. Orchestra und einigen alten Filmmusik-Haudegen in Rom der voluminöse Klangteppich dazu aufgenommen. Die fehlenden Bilder entstehen da von ganz allein im Kopf! Text: Holger Muster

(DFA/Cooperative/Universal) Was Janine Rostron alias Planningtorock an Einfällen und Klängen in den 50 Minuten verpackt hat, die hinter dem garstigen Cover von „M“ auf ihre Entdeckung warten, ist an dieser Stelle im Leben nicht unterzubringen. Allein die verschiedenen Beats, die im obendrein schwer hitverdächtigen „I Am Your Man“ ineinander und übereinander geschachtelt werden, um zum Finale zur Plattform für ein beherztes Soul-Solo zu werden, wie man es wohl seit „Screamadelica“ nicht mehr ähnlich dramatisch schön vorbereitet bekommen hat, nur um die Stimmung vom zarten „We break too easily“ im Refrain des folgenden Songs in die Gegenrichtung gebürstet zu bekommen... Wie dieser Satz kennen auch der Reichtum des hier ausgebreiteten Panoptikums und die Lust, mit der man sich darin verliert, kein Ende. Immer spannend, ein ewiges Knistern, welch irrer Tanz, welch grenzenloser Genuss! Text: Friedrich Reip

(V2/Cooperative/Universal) Aufruhr im Musikkindergarten. Der kleine Digitalism hat es wieder getan. Einfach das Spielzeug vom großen Daft Punk geklaut, mit ein bisschen Indie-Farbe umlackiert und den eigenen Namen draufgeschrieben. Doch statt Ärger steht wieder Lob ins Haus. Es geht in die zweite Runde House meets Dance meets Indie. Elektronische Mainstream-Tunes für alle. Versammelt euch ihr Rocker, Popper und Elektroniker, um zu zelebrieren! Das zweite Album aus der Hamburger Groove-Schmiede schließt nahtlos an den Vorgänger an. Hier und dort etwas gezähmter. Trotzdem: Wer die erste Platte mochte, wird auch „I Love You, Dude“ mögen. Die zehn Songs rasen wieder durch verschiedenste Feierstimmungen - von relaxt bis rastlos. Nichts wirklich Neues. Aber manchmal ist ein Stück kalte Pizza vom Vortag genau das, was es braucht! Text: Johannes Musial

(Deathwish/Indigo) Wenn alles um einen herum einbricht, soll der altbekannte Trick sein, einfach zu atmen. Kaum hat man einmal tief durchgeatmet, ist das zweite Album von Touché Amoré bereits vorbei und wie bei dem Debüt ist man völlig fassungslos, was da gerade an einem vorbei gerast ist. Bei „Parting The Sea Between Brightness And Me“ zaubern sie keine völlig neuen Nuancen aus dem Hut, doch wieso sollte man auch, wenn das Dargebotene ohnehin schon an den Grenzen der Perfektion kratzt? Auf ihre Mischung aus melodischem Hardcore, der mehr anklagt als nur weinerlich zu jammern, können sich beinahe alle einigen. Einzig möglicher Vorwurf den man machen könnte, ist der Hype, doch selbst den erzeugt keine Band selbst, aber hassen ist eben so einfach. Vielleicht sollte man von berechtigter Euphorie sprechen, denn Lieben ist bei dieser Platte noch um einiges leichter. Text: Sarah Gulinski

Frank Turner England Keep My Bones

(Epitaph/Indigo) Frauen wollen ihn heiraten, Männer ihn als besten Kumpel und alle - egal welchen Alters, Geschlechts und SzeneZugehörigkeit - seine Lieder mitsingen. Frank Turner ist einer von diesen ganz wenigen Typen, die einfach jeder gut finden muss. Und mit Album Nummer Vier wird dem Londoner mit Sicherheit noch mehr Liebe und Zustimmung zuteil – egal, ob er Shakespeare zitiert oder seiner Oma Tribut zollt, von durchzechten Nächten, gescheiterten Plänen oder guten Freunden erzählt, mit Piano und guter Laune, komplett a capella oder mit melancholischer Lagerfeuer-Gitarre singt: „England Keep My Bones“ ist eine großartige Sammlung von Songwriter-, Pop- und Folk-Stücken, die noch vielseitiger, eingängiger und mitreißender sind als die ohnehin schon großartigen Songs des Vorgänger-Albums „Poetry Of The Deed“. Und so kann man Turner nur zustimmen und laut mitsingen: „... Rock´n´Roll will save us all.“ Text: Tito Wiesner

Young Rebel Set Curse Our Love

(Grand Hotel van Cleef/Indigo) Auf den ersten Blick riecht es nach Plagiat: Young Rebel Set erinnern nicht nur musikalisch verdächtig an Mumford & Sons, ihre erste Single heißt zudem auch noch „Lion’s Mouth“ kennen wir diesen Löwen nicht schon aus „Little Lion Man“ von eben diesen Mumford & Sons? Ein paar Songs später schämt man sich allerdings fast, diese junge Truppe aus dem nordenglischen Stockton-On-Tees des Abkupferns bezichtigt zu haben - zu bewegend ist der Gesang von Frontmann Matt Chipchase, zu traurigschön sind die Texte von gescheiterten Beziehungen, zu warm und mitreißend die zwölf Songs des Debüts zwischen Folk, Songwriter-Pop und Indie-Rock. Kein Wunder, dass diese Band schon in den letzten Monaten ohne echte Plattenveröffentlichung diverse Clubs ausverkaufte; mit „Curse Our Love“ im Rücken dürfen für die nahe Zukunft jedenfalls schon mal die großen Hallen gebucht werden. Text: Tito Wiesner


unclesally*s magazine

PLATTEN/OFFENBARUNG

Seite 25

DIE OFFENBARUNG Fucked Up

DAVID COMES TO LIFE (Matador/Beggars/Indigo)

Punkrock-Oper mit Unterschichten-Romantik, war da nicht mal was?! Aber bevor hier jemand mit absurden Plagiat-Vorwürfen kommt: Fucked Up haben schon Tierkreiszeichen [sic] in Konzeptalben vertont, da galten gewisse Pop-PunkTrios aus Berkeley noch als Auslaufmodell. Ganz unabhängig von Green Days The Who-Tribute, doktern die sechs Kanadier schon länger mit Legierungen aus Hardcore-Punk und psychedelischen Gitarrenflächen herum. Im Grunde haben Fucked Up auch für ihre dritte LP, ein Konzeptwerk über eine Working-Class Liebesgeschichte im England der Siebzigerjahre, nichts an dieser Formel verändert, lediglich etwas feinjustiert. Geschwindigkeit etwas runter, Eingän-

gigkeit und Schön-Gesang etwas nach oben. Dieser kommt nach wie vor nicht von der liebenswert vollschlanken Frontsau Damian, sondern von Gitarrist Ben und Bassistin Sandy. Damians Beitrag beschränkt sich weiterhin auf klassisch herzliches Black Flag-Geshoute und bildet nach wie vor den Anker im teils recht überwogenden Fucked UpOzean. Trotz der für 78 Minunten Spielzeit amtlichen Hitdichte, kann man sich die Luft für das Sellout-Geschrei also sparen und ins Mitgrölen von „The Other Shoe“, „Truth I Know“ und all der anderen Kleinode investieren. Auf geht’s: “We’re dying on the inside, dying on the inside...!” Text: Thomas Müller

1 hoffnungslos ** 2 üben ** 3 bemüht ** 4 egal ** 5 kann man machen ** 6 vorn dabei ** 7 gut ** 8 wichtig ** 9 grandios ** 10 Klassiker Adolescents The Fastest Kid Alive

(Concrete Jungle/Edel) Legendenstatus und Bekanntheitsgrad haben oft nicht viel miteinander zu tun. Die Adolescents sind da ein wunderbares Beispiel - 1979 gegründet, gehörten sie einst zu den Vorreitern der kalifornischen Punkrock-Szene, waren stilprägend und mit ihren allzeit kritischen Texten auch aussagekräftiger als so viele andere Bands. Dank beständiger Line-Up-Wechsel, Auflösungen oder mitunter mehr als zehn Jahre Pause zwischen den einzelnen Alben wollte sich der große Erfolg nie einstellen. „The Fastest Kid Alive“ setzt einmal mehr auf bekannte Stärken - dieses kalifornische Sommer- und Skate-Feeling, schöne Chöre, satte Gitarren und obendrauf die gewohnt angenehm unbequemen Statements. Einerseits schön, dass die Orange Country-Truppe ihr Handwerk immer noch versteht, wirkt „The Fastest Kid Alive“ andererseits aber auch wie aus der Zeit gefallen - und das dürfte einmal mehr vor allem der überschaubaren Anzahl alter Fans und nur begrenzt wirklich neuen Hörern gefallen. 6 Text: Tito Wiesner

Andreas Dorau Todesmelodien

(Staatsakt/Rough Trade) Erster Eindruck vom neuen Dorau-Album: Der Mann schwelgt in dunkelsten Gedanken. Im großen Pop-Universum ist Andreas Dorau seit über 30 Jahren eine der konstantesten Erscheinungen, die alle paar Jahre mit einem neuen Release am Pop-Firmament auftaucht. Glücklicherweise mutiert Andreas D. auf seiner achten Platte nicht komplett zum dunklen Lord. Die zwölf Songs sind mit dem Dorau-typischen subtilen Humor angereichert, vielleicht sogar etwas tiefgründiger als man es erwarten konnte. Vom Opener „Größenwahn“ über das moralisch anmutende „Inkonsequent“ bis zum Fast-Schlager „Stimmen in der Nacht“ hält der Dorau’sche Liederzyklus Lyrics für alle Lebenslagen bereit. Unterlegt werden die Todesmelodien mit Bombast-Pop vom Planeten des Phil Spector, Elektro, Disco und einer kleinen winzigen Prise Schlager mit Inga Humpe als Backgroundsängerin. Auch wenn die Todesmelodien des Herrn Dorau etwas ernsthafter ausfallen als seine früheren Werke - in tiefes Moll absacken sollen andere. 7 Text: Tim Kegler

Art Brut Brilliant! Tragic!

(Cooking Vinyl/Indigo) Nach ihrem gehypten Debüt und Clubhits auf Heavy Rotation hatten Art Brut ihr Erfolgsrezept noch zweimal durchaus gekonnt wiederholt, verschwanden damit aber allmählich aus dem Rampenlicht. Auf eine dritte Neuauflage hatten sie wohl selbst keinen Bock mehr: Tempo und Schrammelfaktor wurden deutlich heruntergeschraubt und Eddie Argos skandiert die gewohnt unterhaltsamen Texte nicht mehr durchgängig, sondern stellt schon mal - wie in der umwerfenden ersten Single - ganz lakonisch fest: „It was a lost weekend, we took our clothes off and made no sense.“ Art Brut pendeln irgendwo zwischen Pulp, Frank Black (der wieder produziert hat) und Les Savy Fav, doch leider begnügen sich zu viele Songs damit, den neuen Sound zu zelebrieren, ohne wirklich irgendwo anzukommen. Die Idee ist gut, aber ausbaufähig. 6 Text: Marek Weber

Atlas Losing Grip State Of Unrest

(Black Star Foundation/Cargo) 18 Jahre war Rodrigo Alfaro der Mann hinter den Satanic Surfers - klar, dass er dieses Stück Lebensgeschichte auch nach der Surfers-Auflösung 2007 nicht einfach so über Bord werfen kann. Ebenso klar ist, dass jedes folgende Projekt - in dem Falle eben Atlas Losing Grip - auch wieder irgendwie die Handschrift der Vorgängerband tragen wird. Wobei „State Of Unrest“ das nicht gerade einfache Kunststück vollbringt, schwedische Melody-CoreGeschichte mit zeitgemäßem Punkrock-Spirit zu verbinden - sodass manche Songs nach gutem alten Skate-Punk-Moshpit klingen, andere hingegen auch perfekt aufs aktuelle Rise Against-Album gepasst hätten. Das überzeugt vor allem, weil Alfaros charakteristische Stimme mitbrüllbare Hymnen-Refrains ebenso mitreißend rüberbringt wie melancholisch-emotionale, durchaus massentaugliche Hits. Ein Retro-Trip, der gar nicht retro klingt - und die Lücke, die die Satanic Surfers hinterlassen haben, mehr als würdig schließt. 7 Text: Tito Wiesner

Bag Raiders Bag Raiders

(Modular/Universal) Das ist hart. Auch in der elektronischen Musik gibt es Gut und Böse. Machen wir uns nichts vor. Diesem australischen House-Duo bleibt noch die

Chance, den „Ist doch alles nur Spaß“-Joker zu ziehen und ganz solide die neuen Chefs auf allen Bad TastePartys zu werden oder sich direkt an Orte zu trollen, wo Geschmack nicht ganz so viel zählt und die Jeans und Tops ebenso schlecht sitzen. Eines muss man ihnen lassen, mit ihren seifigen, seelenlosen, überpoppten und schrecklich vorhersehbaren Sommerlaune-Dance-Tracks rufen sie immerhin körperliche Reaktionen hervor – wenn auch nicht die besten. Sicher, die Band komponiert tanzbare Hymnen, die auch mit 22% Textsicherheit und 2,0 Promille ekstatisch mitgesungen werden können. Nur nicht von mir. Danke. 3 Text: Christine Stiller

Battles Gloss Drop

(Warp/Rough Trade) Wenn wir ehrlich sind: Von den Battles erwartet man Klangstudien, schräge Sounds und vor allem schwer verständliche Rhythmen. Und nicht weniger gibt es zu entdecken auf dem neuen Battles-Album, das vier Jahre auf sich warten lassen hat. Nach dem Ausstieg Tyondai Braxtons warf die zum Trio geschrumpfte Band alte Demos über den Haufen und begann von neuem. Gesang steuern nun zahlreiche Gaststars wie etwa Matias Aguayo auf der tollen Single „Ice Cream“ oder Gary Numan in „My Machines“ bei. Auffällig ist, dass gerade diese mit Gesang beseelten vier Stücke wesentlich fokussierter wirken. Alle Klangverschiebungen ordnen sich mehr einer großen Idee unter, die acht Instrumentalstücke hingegen stehen recht frei im Raum - wie bestellt und nicht abgeholt. 6 Texte: Volker Bernhard

The Blood Arm Turn And Face Me

(Snowhite/Universal) Seit nunmehr fünf Jahren ist die Zeile „I like all the girls and all the girls like me“ fester Bestandteil jeder Indie-Disco-Nacht. „Suspicious Character“ heißt die dazugehörige Nummer unknackigerweise und findet sich auf dem zweiten Album der kalifornischen Combo The Blood Arm, die nun endlich mit dem Nachfolger aus dem Knick kommt und unverschämt genug ist, im Song „The Creditors“ kurz ihren Hit anklingen zu lassen. Geschenkt, denn der Rest von „Turn And

Face Me“ ist, vielleicht ja gerade wegen des langen Anlaufs, erfreulich frisch und vor allem so unwiderstehlich gut gelaunt, dass einem schnell der Kopf klingelt. Weswegen es auch noch ein Weilchen dauern dürfte, bis man ausgemacht hat, welcher der Tracks der nächste Überflieger wird. Man könnte auch sagen: Was will man mehr, nicht wahr?! 7 Text: Friedrich Reip

Brat Pack Stupidity Returns

(Destiny/Broken Silence) Wer Brat Pack zum ersten Mal hört, wird ihren Sound sogleich zwischen den Stränden und Vorstädten Südkaliforniens einordnen, dabei kommt die Band doch aus den benachbarten Niederlanden. Geboten werden auf dem zweiten Album „Stupidity Returns“ nicht etwa lahme Caravans auf dem Weg in den Urlaub, sondern elf Kracher-Songs im deutlich Achtzigerjahre beeinflussten SkatePunk/Melodic-Hardcore. Die Musik ist eine Kombination aus härteren klassischen SkateCore Bands à la Rich Kids On LSD oder Poison Idea mit melodischen Einflüssen von Bands wie Agent Orange oder Adolescents. Da kann der Sommer kommen! 6 Text: Roland Köppel

Brooke Fraser Flags

(Warner) Während Brooke Fraser in ihrer beschaulichen Heimat Neuseeland bereits zwei Langspieler veröffentlichte, erscheint jetzt ihr europäisches Debüt. Obwohl sich die 27-Jährige mit „Flags“ ganze vier Jahre Zeit ließ und Inspiration bei diversen Autoren quer durch ein gut sortiertes Bücherregal fand, wartet man oft vergebens auf Tiefe und Ernsthaftigkeit der Lieder, die von Tragödien, geheimen Ängsten und Mitgefühl erzählen. Schuld könnten eventuell die zarte Stimme der Sängerin, die seichten Folk-Melodien oder die Pfeifton-Refrains sein, die „Flags“ fast komplett nach Sorglos-Mädchen-Pop klingen lassen. Wer sich von Songzeilen wie „I am bright as the sun. You are high as a kite. We are daughters, sons, brothers and sisters tonight“ angesprochen fühlt oder Bridget Jones sympathisch findet, wird keinen Bogen um Brooke Fraser schlagen können. Andere vielleicht schon. 5 Text: Franziska Schuh


Seite 26

PLATTEN

unclesally*s magazine

Cake Showroom Of Compassion

(Naïve/Indigo) Was soll man zu einer Band sagen, deren größter Hit ein Cover von Gloria Gaynors „I Will Survive“ ist?! Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Aber irgendwas muss an der Kapelle aus Sacramento dran sein, die dieses Jahr ihren 20. Geburtstag begeht. Sich selbst haben sie dabei das schönste Geschenk gemacht. Nach siebenjähriger AlbumAbstinenz rockten sich die Herren mit ihrem, im eigenen solarbetriebene Aufnahmestudio produzierten sechsten Album diesmal sogar in die Spitze der Billboard Charts. Ein Erfolg, der ihnen in all den Jahren bis jetzt verwehrt geblieben war. Die Öko-Scheibe passt auch wie schon seine Vorgänger in die gradlinige Spur der Band, verwundert aber hier und da mit etwas langsameren und schwerfälligen Tracks, die wir von der Rock-Funk-Pop-JazzGemeinschaft eigentlich nicht gewohnt waren. Fragezeichen weichen aber schnell einem wohligen Gefühl zwischen den Ohren. 6 Text: Natascha Siegert

Chad Vangaalen Diaper Island

(Sub Pop/Cargo) Chad Vangaalen ist einer jener eigenbrötlerischen Songwriter, deren Oeuvre sich nicht über Kuschelmelodien oder Szenezugehörigkeit definiert, sondern über eigenwillige Songs, die am Wegesrand des Indie-Rock wuchern wie zugemülltes Gestrüpp. Auch nach drei Alben weigert er sich immer noch beharrlich, nah genug ans Mikro zu treten, um seine verwilderten Gesänge aufzunehmen. Die haben konfrontative Titel wie „Shave My Pussy“ und erklären die Welt anhand schattiger Geschichten aus der Gefahrenzone. Gleichzeitig ist seine Ästhetik inzwischen gefragt genug, um Kritikerlieblingen wie Women als Produzent

zu idiosynkratischem Sound zu verhelfen - die Alberta-Connection im kreativen Kanada. „Diaper Island“ klingt wie das Schattenkabinett der Moderne, formvollendeter Lo-Fi mit eigener Vision und stacheliger Aussage. Wie das Leben halt, nur weniger betäubt. 7 Text: Michael Haacken

Chilly Gonzales The Unspeakable Chilly Gonzales

(Gentle Threat/Edel) Nicht genug, dass Chilly Gonzales neben seiner Musik, auch noch ein fabelhafter Entertainer, Musical-Pianist und Filmemacher ist. Vor zwei Jahre hat der 39-jährige Kanadier in Paris auch noch einen Weltrekord als „Soloartist mit der längsten Performance“ aufgestellt (das Konzert dauerte ganze 27 Stunden). Mit „The Unspeakable Chilly Gonzales“ veröffentlicht er nun das erste Orchester-Rap-Album. Wer sich jetzt fragt, wie das funktionieren soll, kann sich den Gang zum nächsten Plattenladen definitiv nicht sparen. Etwas Vergleichbares gab es nämlich noch nie, bis jetzt! Auf neun Songs verbindet Gonzales die zwei unterschiedlichen Musikstile so gekonnt, dass sowohl Klassik-affine Rentner als auch HipHopper auf ihre Kosten kommen dürften. 6 Text: Natascha Siegert

Cloud Control Bliss Release

(Infectious/PIAS/Rough Trade) Als Cloud Control Ende 2009 ihre erste EP veröffentlichten, wirbelten sie in ihrem Heimatland Australien mächtig Staub auf, doch ihre Mischung aus Folk, Rock und psychedelischem Pop kam nicht nur Down Under gut an und so machen sie mit „Bliss Release“ genau dort weiter, wo sie aufhörten. Mit „Meditation Song #2 (Why, Oh Why)“ legen sie mit Harmonie-Gesang und

Arctic Monkeys Suck It And See (Domino/Good To Go)

PRO

Der Welpenschutz ist weg, die ersten drei Alben sind gemeistert, jetzt beginnt für die Arctic Monkeys die Arbeit. Wie soll es weitergehen, was soll probiert werden? Die vier lassen es langsam angehen. Es sind keine InstantHits, die „Suck It And See“ bereithält, keine großen Überraschungen, keine Effekthaschereien. Aber wenn Alex Turner nölig intoniert und vom Rest der Band dabei dicht umflirrt wird, kann man sich dem lethargisch-verträumten Pseudo-Prom-Sound von „Love Is A Laserquest“ ebenso wenig entziehen wie dem soft rockenden „The Hellcat Spangled Shalalala“, bei dem die Frisur fast von allein beginnt, Euroboys-mäßig im Wind zu wehen. Damit und nicht mit den schweren Brechern wie „Brick By Brick“ oder „Don’t Sit Down ’Cause I’ve Moved Your Chair“ glänzen die Arctic Monkeys und stehen noch ein bisschen auf der Stufe rum, auf der man gern noch einen Moment mit ihnen verweilen möchte. Text: Britta Arent

CONTRA

Nachdem die Arctic Monkeys mit „Humbug“ die ersten unsicheren Schritte in die Welt der Erwachsenen gesetzt haben, schwingen sie sich mit „Suck It And See“ zu volljährigen Statesmen des britischen Rock auf. Und langweilen. „Suck It And See“ ist weniger halbgar als sein Vorgänger und gerade das ist auch das Ärgernis an diesem Album. Alex Turner und Kollegen geben sich musikalisches so gesetzt, vertonen ihren „Reifeprozess“ so konsequent in Midtempo-Soße, dass einem die Füße schon zur Hälfte von „Suck It And See“ einschlafen. Natürlich sind die Arctic Monkeys keine Teenager mehr, nehmen die Herausforderung als Band zu wachsen mutig an und können mit den neuen Songs bedenkenlos im Vorprogramm der Rolling Stones auftreten. Aber „Suck It And See“ klingt so sehr nach Reihenhaus, Golden Retriever und Spieleabend, dass sich der Verdacht aufdrängt, dass hier jemand die Abwesenheit von Oasis und Phil Collins für sich nutzen möchte. Text: Richard Solms

einem mitreißenden Groove los, nur um dann mit „There’s Nothing In The Water We Can’t Fight“ den Hit der Platte nachzuschieben, denn Alister Wrights leicht quäkiger Gesang weiß mitzureißen. Cloud Control wirken mit ihrem Folk-Psychedelic-Rock nie verträumt, orientieren sich dabei mal an den Fleet Foxes, mal blitzt Port O’Brien durch und gemischt wird das Ganze mit verzerrten Klängen. Manche Songs sind mehr anstrengend als Ohrwürmer und trällern einfach vor sich hin, doch zum großen Teil heben sie sich angenehm vom restlichen Folk dieser Tage ab. 7 Text: Christoph Koch

Death Cab For Cutie Codes And Keys

(Atlantic/Warner) Viel falsch machen können Death Cab For Cutie eigentlich nicht. Längst ist die Band um Sänger Ben Gibbard in der ersten Liga des Indie-Rock angekommen und wurde selbst für den letzten, sehr durchwachsenen Longplayer „Narrow Stairs“ über den grünen Klee gelobt. Die Wandlung vom Indie-Rock zu Gitarren-Pop schien abgeschlossen und doch überraschen sie nun auf „Codes And Keys“ mit verschachtelten Tunes. Die Keyboards sind es, die den Songs eine eigene Note verabreichen und in manchen Momenten zwar weich, aber stets anspruchsvoll klingen - eine insgesamt sehr positiv gestimmte Platte: Eine, die eben nicht düster-melancholisch, sondern hoffnungsvoll ihr Glück sucht. Denn vergessen werden darf nicht, dass auch Death Cab For Cutie ein Recht zur Weiterentwicklung haben. Falsch machen sie kaum etwas. 7 Text: Marcus Willfroth

Depeche Mode Remixes 2: 81-11

(Mute/EMI) Am interessantesten von all den Remixen auf der zweiten Mix-Compilation von Depeche Mode ist wohl der von Ex-Mitglied Vince Clarke: Er steuerte eine Neuinterpretation von „Behind The Wheel“ bei und es zeigt sich anhand dessen, dass es nicht der schlechteste Schritt seiner Karriere war, die Band 1981 zu verlassen - derart müde klingt das Ergebnis. Wohingegen Trentemøller, UNKLE, Digitalism und sogar Großraumdisco-DJ Eric Prydz einen tollen Job abliefern und die Originale nicht zu genau nehmen, verfremden und mit eigenem Sound versehen. Auf drei CDs verteilt, gibt es viel zu entdecken und selbst für kritische Zeitgenossen in Bezug auf Depeche Mode wird gute Unterhaltung geboten: „Remixes 2: 81-11“ ist wie ein Fünf-Gänge-Menü mit reichlich Nachschlag. Nicht essentiell, aber jedes Geld wert. 6 Text: Marcus Willfroth

Destroyer Kaputt

(Dead Oceans/Cargo) Destroyer ist keine MetalKapelle, sondern der Bandname von Dan Bejar, dem wirren New Pornographers-Typen mit der Stimme, die nichts ernst nehmen kann. Solo ist er besonders fleißig, und „Kaputt“ hat nicht nur den schönsten Titel, sondern auch den flauschigsten Sound. Als entstiegen die Bee Gees einem Saunaclub, loungt sich das Album durch die tagträumerischen Indie-Vorgärten, während Bejar ausgelassen vor sich hinbrabbelt. Seine ungefilterten Gedanken klingen immer ein bisschen anzüglich, sind dabei wahrscheinlich aber bloß eleganter Nonsens im Post-Ironie-Stadium. Genau wie die Songs selbst, die mit lauter Softcore-Saxophonen und schwülem Schlagzeuggestreichel das musikalische Äquivalent des Wärmeschleiers bei Hertie abgeben. Immerhin: im Moment klingt gar nichts so wie das hier - außer vielleicht James Last. 6 Text: Michael Haacken

Dredg Chuckles And Mr. Squeezy

(Vertigo/Universal) Dass Dredg auf ihrem fünften Album einen Schlenker vom alternativen Art- und Prog-Rock in Richtung elektronisch angehauchter Pop mit untergeordneten Gitarren machen, mag anfangs verstörend sein, ist dann aber letztlich auch wieder konsequent fortschrittlich. Mit Produzenten Dan The Automator als ReglerRegisseur und Schreibpartner haben Dredg die Post-Produktion ihres neuen, in ungewohnt freier Form und jenseits von Konzept-Krakenarmen entstandenen Songs, erstmalig aus der Hand gegeben. So wurde daraus quasi ein Remix-Album auf der Basis von Neumaterial. Mehr klangliche Künstlichkeit heißt aber hier nicht Verlust des künstlerischen Anspruchs. Denn auch wenn Dredg jetzt Homies mit Beats und noch mehr Hooks sind, sind sie von konventioneller Anbiederung immer noch weit entfernt. Sicherlich nicht Dredgs bisherige Sternstunde, aber durchaus eine entdeckenswerte Evolutions-Umleitung. 7 Text: Frank Thiessies

Eddie Vedder Ukulele Song & Water On The Road

(Universal) Gleich doppelt schlägt der Pearl Jam-Sänger auf Solopfaden zu. ’Ukulele Songs’ ist Vedders zweiter Album-Alleingang nach dem Soundtrackbeitrag zum Film ’Into The Wild’ und so programmatisch reduziert wie es der Titel suggeriert. Nur Vedders markant sonore Stimme und seine Ukulele(!) tragen die Songs, die aus Neukompositionen, Pearl Jam-Titeln und Coverversionen bestehen. Das ist bei Vedder weder ulkig-dämlich wie ein Raabigramm noch ein sich schnell abnutzendes nerviges Gimmick-Accessoir, sondern schlicht und ergreifend Songschönheit in unverfälschter Reinkultur und ohne doppelten Boden. Toll. Nicht minder faszinierend ist die Live-DVD ’Water On The Road’, die zwei Solo-Auftritte aus dem Jahr 2008 dokumentiert. Auch hier glänzt der Sänger allein mit seiner Gitarre sowie Band-, Fremd- und Eigenmaterial mit ungeschönt authentischem Brüchigkeits-Charisma gleichsam wie als unterhaltsamer Anekdoten-Erzähler. Nicht nur für einsame Stunden ebenso empfehlenswert wie einzigartig. 8/9 Text: Frank Thiessies

Efrim Manuel Menuck High Gospel

(Constellation/Cargo) Jedes Schiff braucht einen Käpt’n, heißt es. Einen, der sagt, wo es langgeht, damit das Boot auf Kurs bleibt. Nach dem Anhören von „High Gospel“ ist man jedoch geneigt, eher dem Umkehrschluss zuzustimmen: Jeder Kommandant braucht eine Mannschaft, die ihn an seine Aufgaben erinnert. Efrim Manuel Menuck, Mitbegründer der PostRock-Legende Godspeed You! Black Emperor, hat sich auf seinem Soloalbum jedenfalls ein wenig im Meer der scheppernden Schönheit verfahren. Dabei macht er gar nichts anderes als zu Hause. Es gibt die gleichen minutenlangen Stücke voller durchs Echogerät geschickter, gezupfter Gitarren, lärmender Streicher, minimalistischem Piano und windschiefem Gesang. Im Gegensatz zu den Werken, die er mit Kollegen aufnahm, lässt einen dieses gewaltig beliebig geratene Stück musikalische Malerei allerdings etwas ratlos zurück. 5 Text: Moritz Honert


unclesally*s magazine

EMA Past Life Martyred Saints

(Souterrain Transmissions/ Cooperative/Universal) Eigentlich heißt die gerade von Kalifornien ins hippere Portland gezogene EMA Erika M. Anderson. Weil das aber nach dem Mädchen vom Land klingt, das sie im Herzen und auf der Geburtsurkunde (Minnesota) ist, gab die ehemalige Sängerin des früh verpufften Noise-Trios Gowns sich einen Namen, der auch als Kette um den Hals passt und sonst nichts verrät. Entsprechend ist auch ihr angesagtes Solodebüt ein erfrischend anachronistisches, weil es sich in seinen morbiden Texten („Fuck California, you made me boring, (...) I’m just 22, I don’t mind dying“) und seinem düster-destruktiven Feedback-Sound am Grunge orientiert, EMAs Handwerk aber neben der Gitarre das eines zeitgemäßen digitalen Künstlers ist. Vielleicht würden ja The XX so klingen, wenn sie London nie gesehen hätten. 7 Text: Peter Wacker

Face To Face Laugh Now, Laugh Later

(People Like You/EMI) Wer schon immer der Meinung war, dass Bands sich nur einmal auflösen sollten, wird sich nach den ersten Songs von „Laugh Now, Laugh Later“ bestätigt fühlen: Face To Face servieren antiquierte PunkKost, was an sich noch gar nicht mal so schlimm wäre, wenn sie dabei im Vergleich zu ihrem letzten Album „How To Ruin Everything“ von 2002 nicht so gnadenlos abstinken würden. Dass die meisten ihrer Fans keine stilistischen Abweichungen dulden, haben ja schon seinerzeit die Reaktionen auf die famose „Ignorance Is Bliss“ gezeigt. Dennoch: Sobald Trever Keith & Co. das MittneunzigerPunk-Korsett ein bisschen lockern, fängt dieses Comeback an, richtig Spaß zu machen - die Riffs werden interessanter, die Hooks besser und die erneute Reunion immer erfreulicher. 6 Text: Marek Weber

The Felice Brothers Celebration, Florida

(Loose Music/Rough Trade) Die Aussage „Same same, but different“ stammt von Star-DJ John Peel und er meinte damit Bands, die trotz immer gleichen Sounds stets anders klingen. The Felice Brothers sind so eine Band und das neue Album „Celebration, Florida“ ist wie zu erwarten ein konventionell-unkonventionelles Stück Musik geworden. Weiträumig und füllig

klingen die Instrumente, mehr denn je vermischen die Jungs aus New York City Genre um Genre, und wenn sie dann noch die Unverfrorenheit besitzen, im Opener zu Folk-Gitarren zu rappen, dann wissen wir: The Felice Brothers machen alles anders und das gewohnt gut. Hier fügt sich Genie zu Wahnsinn wie durch Geisterhand, wirken die Songs trotz glatt geschliffener Politur unverbracht und lässt sich dank unbändiger Spielfreude behaupten: Same same, but different, diese Brüder. 8 Text: Marcus Willfroth

Fink Perfect Darkness

(Ninja Tune/Rough Trade) Man hatte es nach dem letzten Album geahnt, aber es ist mittlerweile ein Ärgernis, dass man die britischen Fink immer noch als „Geheimtipp“ handelt. Immerhin legen sie mit „Perfect Darkness“ ihr viertes Album in fünf Jahren vor und schwächeln schon wieder nicht. „Perfect Darkness“ ist atmosphärische Liedkunst im besten Sinne, voll reduzierter Arrangements, die sich angenehm vom Gros folkseliger Akustikgitarrenschreddler abheben. Fink sind auch auf ihrem vierten Album hypnotisch, deprimierend, abgründig und gleichzeitig lieblich wie ein Strauß Maiglöckchen. Und sind dabei so verdammt eigenständig, denn wer nach Vergleichen sucht, tut sich schwer. In seinen Songs verwebt das Trio um Frontmann Fin Greenall Indie, Jazz, Dub und Folk – und wahrscheinlich ist gerade das der Grund, warum Fink immer noch als „Geheimtipp“ herhalten müssen. Keine passende Schublade. 7 Text: Richard Solms

Flogging Molly Speed Of Darkness

(Borstal Beat/Cargo) „Speed Of Darkness“ ist der fünfte Langspieler der ir isch-amer ik anischen Folk-Punk-Heroen um Dave King. Die überaus erfolgreiche Vorgängerscheibe „Float“ von 2008 galt es zu übertreffen. Ob ihnen das gelungen ist, liegt im Auge des Betrachters. Das Erfolgsrezept der Band wurde auf jeden Fall nicht geändert. Sozialkritik und Selbstreflexion sind immer noch bestimmende Themen, insbesondere der beklagenswerte Zustand der modernen Industriegesellschaft wird deutlich

durch Lieder wie „Revolution“ und „Don’t Shut ’Em Down“ beschrieben. Musikalisch gibt es die bekannte Mischung aus Folk, Rock und balledesken Elementen, gerne auch alles zusammen in einem Lied, eingespielt mit allem, was der Instrumentenschrank hergab. Stampfende FolkRhythmen und grölende Partylieder sind weniger vertreten, aber „Speed Of Darkness“ ist keineswegs nur Melancholie und Midtempo - mit „A Prayer For Me In Silence“ ist selbst ein feines Duett vorhanden. Gleichbleibend hohes Niveau also, aber was doch fehlt sind die von älteren Platten gewohnten, direkt in Ohren und Beine gehenden Hits, zu denen hier allerhöchstens „Revolution“, „Saints And Sinners“ und das etwas zu pathetische „Rise Up“ gehören. 7 Text: Hans Vortisch

FM Belfast Don’t Want To Sleep

(Morr Music/Indigo) 2010 waren FM Belfast nicht zu unrecht eine der meistgebuchten LiveBands des Kontinents – quietschend euphorisch hüpften die Isländer gemeinsam mit ihrem Publikum in den Sonnenuntergang. Mit „Don’t Want To Sleep“ verlängern sie jetzt die Nerd-Muppet Show. Von wegen drei Tage wach, bei FM Belfast wird einfach gar nicht mehr geschlafen. Stattdessen fährt „Don’t Want To Sleep“ lustig pumpenden C64-Indie auf, der in seinen besten Momenten an die Dynamik von LCD Soundsystem anknüpft. Die Streberbrillen-Isländer schaffen es, in all ihrer frickeligen Elektronik warm und echt zu klingen und haben mit „I Don’t Want To Sleep Either“ einen ebenso einfältigen wie universell einsetzbaren Hüpf-Hit gebastelt, der sie mindestens über die nächste Festival-Saison retten wird.7 Text: Timo Richard

Friendly Fires Pala

(XL/Beggars/Indigo) Im Nachhinein erscheint das Debüt der Friendly Fires schüchtern. Denn die Emo-Boy-Befindlichkeit, die die drei Briten auf ihrem Erstling so kongenial mit Elektro-Indie verwoben haben, ist auf „Pala“, diesem mit schreiend buntem Cover versehenen Neuerfindungsversuch, selbstbewusstem Hedonismus gewichen. Aus den Jungs, die lieber nicht tanzen wollen, die sich nicht trauen, das Mädchen anzusprechen und die lieber früh von der Party nach Hause gehen, sind slicke Typen geworden, die mit jeder Pore Achtzigerinfizierte Coolness versprühen. Und so ist „Pala“

PLATTEN

Seite 27

ein dick aufgetragenes Club-Album voll schmieriger Spandau Ballet-Gedächtnis-Synthies, funkgetränkter Ibiza-Basslinien und grandioser Hooks. Wer die schüchternen Jungs mochte, wird also Probleme haben, wenn die Friendly Fires einen musikalischen Blick auf Stewardessen-Hintern werfen. Für alle anderen sind Gin & Tonics im Flugzeug selten so rührend direkt vertont worden. 7 Text: Timo Richard

Gang Gang Dance Eye Contact

(4AD/Beggars/Indigo) Gewöhnungsbedürftig behaupten die einen, genial die anderen. Was man über Gang Gang Dance auch sagen will, fest steht: Mut haben die Fünf New Yorker in jedem Falle. Wer sein aktuelles Album gleich mit einer elfminütigen Elektro-Jamsession eröffnet, scheißt auf konventionelle SongStrukturen. Seit nunmehr einem Jahrzehnt treibt die Hipster-Combo jetzt schon ihr Unwesen in Clubs und Konzerthallen. Im Gegensatz zu den anderen Platten, die mehr zum Abdriften und Träumen einladen, soll „Eye Contact“ nach Aussage der Band den Zuhörer diesmal direkt ansprechen. Bei solch einzigartigen Ohr-Catchern wie „Adult Goth“ oder MindKilla, die dank des teilweise sphärischen Gesangs von Lizzy Bougatsos noch eine exotische Note aufgedrückt bekommen, ist Einschlafen aber auch definitiv das Letzte, was einem hier in den Sinn kommt. 8 Text: Natascha Siegert

Herman Dune Strange Moosic

(City Slang/Universal) Die Idee hinter „Strange Moosic“ war so einfach wie schwierig umzusetzen: 20 Songs nahmen Herman Dune in den vergangenen zwei Jahren in losen Abständen auf und zwölf von ihnen wählten sie nun für das neue Album aus grundverschieden sind diese allerdings nicht. Vielmehr klingen sie erwartbar und gewohnt homogen, denn wie so oft bedienen sich Herman Dune bei traditionellem Nashville-Folk, Gitarren dominiertem Sixties-Pop und leicht bekömmlichem Indie-Rock. So gesehen nichts Neues und doch funktioniert die Platte auf voller Distanz nur halb so gut, wie es bei den Vorgängern noch der Fall war - zu kurz geraten die meisten Beiträge und begnügen sich mit wenig Freiraum. Schlecht ist das zwar nicht, mehr hätte man nach drei Jahren Pause aber schon erwartet. Die Idee war gut, die Zeit noch nicht bereit. 4 Text: Marcus Willfroth


Seite 28

PLATTEN

unclesally*s magazine

Herpes Symptome und Beschwerden

(Tapete/Indigo) Selbst in England findet man sie mittlerweile interessant, und Vorband von den Fehlfarben muss man auch erst mal werden. Eigentlich haben Herpes schon mit dem ersten Album alles richtig gemacht. Da könnte man sich auf dem bisherigen Erfolg gut ausruhen und auf der zweiten Platte genauso weitermachen wie bisher. Aber so einfach machen es sich die Berliner nicht. Immer noch gibt es Zweifel und allgemeines Unwohlsein, das in Songs umgesetzt werden muss und sich dann in Zeilen wie „Ich bin zu alt, um alt zu werden“ ausdrückt. Dass das dazu musikalische Spektrum für solch bedeutsame Texte erweitert werden musste, versteht sich fast von selbst. Unter die eckigen Sounds von KunsthochschulPunk und NDW mischen Herpes Krautrock der unpeinlichen Art. Fast unvermeidlich drängt sich dabei der Vergleich mit den Goldenen Zitronen auf. Vom bloßen Abklatsch sind Herpes allerdings noch weit entfernt. Glück gehabt. 8 Text: Tim Kegler

Is Tropical Native To

(Kitsuné/Cooperative/ Universal) Penetrante, sägende Gitarren springen den Hörer im eröffnenden „South Pacific“ gleich mutig an. Hat das Londoner Trio wirklich eines dieser phantastischen Debütalben hingelegt, derer man sich nur schwer erwehren kann? Nein, denn viel zu schnell gesellt sich ein standardisierter Drumsound und der derzeit obligatorische Synthesizer dazu. Willkommen Konsens. Und so bleibt das dann leider auch. Überraschungen oder Ausgefallenes sucht man vergebens, und selbst der bekannte Durchschnittssound dieser Tage wird ohne besondere Eingängigkeit runter-geelektrorockt. Da nützt es auch wenig, dass man auf dem viel gerühmten ’Kitsuné’-Label veröffentlicht, vielleicht macht diese Erwartungshaltung alles noch schlimmer. 4 Text: Volker Bernhard

Jamie Woon Mirrorwriting

(Universal) Wer James Blake für einen Verrückten mit Hang zum Sadismus hält, weil er einfach nicht mit den Hooks rausrücken will, dem wird von Jamie Woon zumindest dieser Wunsch erfüllt. Der Burial-Remix von seinem „Wayfaring Stranger“-Cover bescherte dem Londoner nicht nur Aufmerksamkeit und einen Platz auf der 2001-ganz-vorne-Liste der BBC, sondern schürte vor allem die Erwartungen an sein Debüt. Vom sehnlichst erhofften Post-Dubstep ist da nicht viel zu hören. Stattdessen klingen Songs wie „Lady Luck“ und „Night Air“ warm, rund, weich und entziehen sich wie alle anderen der klaren Kategorisierung: Nicht richtig Soul, Elektro oder Pop, sondern die softe Version von alledem, zu gleichen Teilen auf den gemeinsamen Nenner gebracht. Hitpotenzial hat das, es nutzt sich durch fehlende Kanten aber auch schnell ab. 6 Text: Britta Arent

Jeudah While We Sleep

(Black Star Foundation/ Cargo) Entfernungen zwischen zwei Menschen können einschränken, entfremden und frustrieren, doch es gibt ganz offensichtlich auch Situationen, in denen gute 800 Kilometer zwischen zwei Personen etwas hervorrufen, was Nähe womöglich niemals schaffen würde. Zu hören ist das bei dem schwedischen Projekt Jeudah, welches Khoma-Sänger Jan Jämte und pg.lost-Instrumentalist Kristian Karlsson vereint. Seit drei Jahren arbeiten sie an ihrem ersten Album, wobei doch jeder der beiden die meiste Zeit für sich selbst experimentierte und am

Computer bastelte. Am Ende klingt das wundersamer Weise nicht nach einem schlecht verklebten Mosaik, sondern nach einer perfekten Symbiose, die im Gegensatz zu den Hauptprojekten der beiden fast komplett auf Gitarren verzichtet und wohl am passendsten als irgendwas zwischen Alternative und Post-Rock durchgeht. 7 Text: Sarah Gulinski

Kitty, Daisy & Lewis Smoking In Heaven

(PIAS/Rough Trade) Wer frühere musikalische Streiche und den Look der drei Geschwister kennt, wird nicht wirklich überrascht sein: Americana in all seiner Traditionalität wird auch auf „Smoking In Heaven“ vorgelegt. Es ist immer noch schwer zu glauben, dass das multiinstrumentale Trio aus London und nicht aus den Tiefen der amerikanischen Einöde stammt. Sie spielen Rhythm’n’Blues, Country oder Rock’n’Roll, Hauptsache angestaubt im Stile der Vierzigerund Fünfzigerjahre. Stilecht auf altem Equipment früherer Dekaden, der Sound ist wahrlich lobenswert, er verhindert maßgeblich das Abrutschen in die Schublade peinlicher Revivalbands. Und eine Überraschung gibt es doch: Nicht nur „I’m So Sorry“ spielt mit verzückenden SkaElementen, Posaunen und Trompeten jagen um die Wette, das markante Schlagzeug jagt hinterher. Stilprägend ist das alles sicherlich trotzdem nicht, wohl aber eine angenehme Abwechslung zum Elektro-Indie-Einerlei. 7 Text: Volker Bernhard

K.I.Z. Urlaub Fürs Gehirn

(Universal) „Küss Mir Den Schwanz“ heißt gleich der erste Track auf dem neuen Album von K.I.Z. Alles beim Alten also bei den vier Berlinern mit der großen Schnauze? Ganz bestimmt sogar. Was im Falle von „Urlaub Fürs Gehirn“ aber keineswegs im Sinne von Stagnation gemeint ist. K.I.Z. festigen damit vielmehr ihren Ruf als Ausnahmeerscheinung im deutschen Rap: Den dreisten, aber ausnahmslos intelligenten Humor, der einen in Stücken wie „Fremdgehen“, „Doitschland Schafft Sich Ab“ oder „Abteilungsleiter Der Liebe“ anspringt, wird man in der Form nämlich nirgends bei der Konkurrenz finden; geschweige denn in einer so ansprechenden musikalischen Verpackung. Im Großen und Ganzen bleibt hier zwar der Vorwärtsgang eingelegt, aber Abstecher zu R’n’B, Elektro oder auch Rock’n’Roll sorgen für die nötige Abwechslung, damit Härte und Humor die Symbiose eingehen, die K.I.Z. als Markenzeichen etabliert haben. Super Album. 8 Text: Quirin Strauss

Let’s Wrestle Nursing Home

(Full Time Hobby/Rough Trade) Die dritte Single der Londoner, die lustigerweise den gleichen Namen trug wie das Trio selbst, forderte vor drei Jahren zum körperbetonten Kampfsport auf. Ein hämmerndes Klavier in bester Jerry-Lee-Lewis-Manier, schräger Humor wie man ihn von Pavement kennt und das bloße Erwähnen von Hulk Hogan machten sie über Nacht zum Indie-Geheimtipp. „Nursing Home“ heißt nun die zweite Platte. Produziert hat sie Steve Albini, der sich mit „Surfer Rosa“ (Pixies) einen Namen machte und spätestens mit Nirvanas „In Utero“ zum Super-Produzenten mauserte. Die rohe, direkte Aufnahme vermag es, den naiven Charme der Band perfekt zu konservieren, die Alltagsmomente und -sehnsüchte herauszuarbeiten. „I’m so lazy/ I’m so lazy/ I’m so lazy“, wird da festgestellt, die Gitarre schrammelt drüber, die Stimme leicht daneben. SlackerRock vom Feinsten! 7 Text: Frédéric Schwilden

The Malpractice Tectonics

(Crunchy Frog/Indigo) Auch bei The Malpractice handelt es sich um eine Ein-Mann-Band: Johannes Gammelby heißt der umtriebige Kopf hinter dem Projekt, in seiner Heimat Dänemark schon etwas bekannt als Mitglied von Beta Satan. Sein neues Outfit ist aber mehr als ein Egotrip, sondern vor allem der Versuch, einmal der Pop-Seite in ihm mehr Raum zu geben. Versuch geglückt, kann man zu „Tectonics“ nur sagen: so clever wie Gammelby in diesen elf kurzweiligen Songs Pop, (Indie-) Rock und tanzbare funky Elemente miteinander vermählt, hat das seit langem niemand mehr hinbekommen. Wer sich den kleinsten gemeinsamen Nenner von Justin Timberlake, Trent Reznor, Muse und Zoot Woman vorstellen kann, hat erstens eine beneidenswerte Phantasie und zweitens einen Anhaltspunkt, warum man Malpractice eine Chance geben sollte. Denn das hier ist echt gut. 7 Text: Robert Goldbach

The Middle East I Want That You Are Always Happy

(PIAS/Rough Trade) Good news for people that love bad news! Für alle, die only happy when it rains sind, für Leute, die die schnelleren Stücke von Damien Rice immer wegskippen, für Leute, die von Calexico nur die reduziert-akustische Variante mögen. Für Anhänger nachdenklicher Folk-Barden à la Iron And Wine oder Black Heart Procession; für erklärte Melancholiker, die mit Träne im Knopfloch stundenlang in den wolkenverhangenen Himmel starren können. Für Leute, die sich die Regenszene in „Magnolia“ in Dauerschleife ansehen. Für alle die kann das im Titel gegebene Glücksversprechen mit dem Debüt von The Middle East eingelöst werden. Alle anderen sollten den dort geäußerten Wunsch nicht allzu wörtlich nehmen. 6 Text: Robert Goldbach

Moby Destroyed

(Embassy Of Music/Warner) Für sein neues Album macht der gute Moby Dampf in allen Gassen. Multimedial gesprochen. Da gibt es eine kostenlose Online-EP, dazugehörige Videokurzfilme und einen Bildband, dessen kürzlich in einer Kurzzeit-Ausstellung in Berlin präsentierte Aufnahmen von Mobys Touren um den Erdball stammen. Während derer ist auch „Destroyed“ entstanden - in Hotelzimmern, nachts, der kahle Mann und das Meer aus Einsamkeit. So klingen denn auch die 15 Kompositionen, die in ihrer Stimmung so unmissverständliche Titel tragen wie „The Broken Places“, „The Low Hum“ oder „Lie Down In Darkness“: in schwelgerisch ausgebreiteten Harmonien gebadete Kummertunes für den herzschmerzgeplagten „Little Idiot“ in jedem von uns. Hach! 6 Text: Friedrich Reip

The New Recruits The Ten Count EP

(Let It Burn/Soulfood) „It’s who we are, not who we were“, verkündeten The New Recruits bereits kurz nach Bandgründung - um Vergleiche mit früheren Bands der einzelnen Mitglieder möglichst zu vermeiden. Ob das gelingt, darf bezweifelt werden, bietet sich Namedropping bei diesem Line-Up doch auch wirklich an - immerhin sind hier neben Nathan Gray und Robert Ehrenbrand von Boy Sets Fire auch Mitglieder von Flyswatter aktiv. Und natürlich ist Nathans Stimme schon sehr prägnant. Die Songs der Debüt-EP setzen sich aber gekonnt zwischen alle Boy Sets Fire- und Casting Out-Stühle: Die Hardcore- und Punkrock-Wurzeln hört man zwar durch, die Liebe für Pop-Melodien, mitsingbare Refrains und

Midtempo-Rocker aber auch. Das klingt manchmal nach angezogener Handbremse, immer mal zwischendurch aber auch nach mitreißender Hymne - und einer vielversprechenden Zukunft. 6 Text: Tito Wiesner

Nik Freitas Saturday Night Underwater

(Affairs Of The Heart/ Indigo) Nik Freitas nicht zu kennen, ist für ’Saddle Creek’Fans fast unmöglich. Ob mit Conor Oberst Mystic Valley Band, Aure Ray oder Maria Taylor, auf der Bühne oder im Studio, die Verbindung zwischen dem Musiker und den Label-Künstlern sind eng wie mannigfaltig geknüpft. Dass Freitas zudem mit Broken Bells und Grandaddys Jason Lytle tourt, sei da nur am Rande erwähnt, denn er hat es tatsächlich geschafft, bei all dem Trubel in weniger als einem Jahr sein fünftes Album aufzunehmen. Das fällt im Freitas’schen Cosmos nicht unangenehm auf, ist sorgfältig ausgearbeiteter Singer/SongwriterBeatles-Pop mit Casio-Keyboard und Gitarre. Ben Folds-light sozusagen. 5 Text: Britta Arent

O’ Death Outside

(City Slang/Universal) Selten hatte ein Band mehr Grund, ein Album durchgehend in Moll aufzunehmen. Nachdem 2009 bei O’Death-Trommler David ein bösartiger Tumor festgestellt wurde, hätte kaum jemand noch an den Fortbestand der aufstrebenden Alternative-Country-Sextetts geglaubt. Bei anderen Bands wäre der Platz hinterm Drumkit schnellstens mit einem Ersatztrommler besetzt worden, nicht so bei den New Yorkern. Man legte eine knapp zweijährige Pause ein, und spielte im Juli 2010 ein erstes, beeindruckendes Comebackkonzert in der alten Besetzung. Dass sich solch dramatische Ereignisse auch auf das Songwriting auswirken, ist vorhersehbar. Mit „Outside“ legen die New Yorker dementsprechend ein zutiefst melancholisches Album vor, das in seiner intensiven Atmosphäre schnell an Bands wie 16 Horsepower oder Devotchka erinnert. Die Songs sind komplexer geworden, die Produktion wirkt durch die vielfältige Instrumentierung groß, aber gleichzeitig auch zerbrechlich. Und vor allem: sehr persönlich. 7 Text: Tim Kegler

Patrick Wolf Lupercalia

(Universal) Patrick Wolf hatte Großes vor. „The Battle“ sollte ein zwei Alben umspannendes Konzept-Werk werden, dessen erster Teil „The Bachelor“ 2009 erschien. Der zweite heißt nun nicht wie geplant „The Conqueror“, inhaltlich und musikalisch gibt es aber das versprochene Kontrastprogramm zum Vorgänger. „Lupercalia“ hat alles, was man auch auf einem Valentinstag-Album wiederfinden würde: Liebesgeschichten in den schönsten Pastelltönen, feingliedrige Melodien und ein Saxophon-Solo. Noch nie wurde auf einem Patrick Wolf-Album so viel geknutscht, gekuschelt und offengelegt. Hin und wieder mutiert die autobiographische Ode an seinen Verlobten und die Liebe selbst leider zur vertonten Kitsch-Postkarte, denn im Gegensatz zu „The Magic Position“ fehlt die Projektionsfläche für alle Nichtbeteiligten. 5 Text: Ina Göritz

The Pigeon Detectives Up, Guards And At ’Em

(Dance To The Radio/Kartel/Soulfood) Synthies und ein Drumcomputer leiten das dritte Album einer Band ein, die vor vier Jahren ein bisschen Erfolg hatte, es aber über den Geheimtipp unter Pubertierenden nie hinaus geschafft hat - hierzulande. Blöd. Und zu unrecht! Ignoriert man den nervtötenden ersten Track „She


Wants Me“, fühlt man sich wieder wie damals: neu, aufgeregt und ganz schön hibbelig. Die Single „Done In Secret“ lässt einen nur so Hin- und Her-Datzen, die Gitarren-Soli spielen sich auf Luftgitarren auch hervorragend und knutschen kann man zu „Turn Out The Lights“, dass einem Hören und Sehen vergehen. Große Pop-Songs im Garage-Gewand. West Yorkshire liegt jetzt in New York. Die zwei Monate dort haben den Briten gut getan. 8 Text: Frédéric Schwilden

Royal Bangs Flux Outside

(Glassnote/Cooperative/ Universal) Zum letzten Werk „Let It Beep“ hagelte es bereits vielversprechende Reaktionen und nicht viel anderes kann man nun berichten. Fraglos, die US-Band ist talentiert: charmant-hunzige Synthesizer und eine scheppernde Rhythmusgruppe treibt an, eingespielt ist man und die Songs sind nicht allzu vorhersehbar arrangiert. Doch die eine große Melodie, dieser eine einzigartige Sound, eine Stimme, die mehr als nur klassisch-nöliger Indie-Gesang ist - etwas davon fehlt. „Bad News, Strange Luck“ soll mit seinen abrupten Wechseln wohl Kunst sein, aber es ist nur wirr. Das tanzbare, jugendliche Ungestüm des Vorgängers hat sich verflüchtigt. Trotzdem ist alles nett anzuhören. „Nett“. Es klingt betont nach Abwarten. 5 Text: Volker Bernhard

Scott Matthew Gallantry’s Favourite Son

(Glitterhouse/Indigo) Wer solch ein weiches, oft auch zauderndes und dabei immer beeindruckendes Stimmorgan wie Scott Matthew hat, kann von Natur aus schon recht wenig falsch machen. Wenn das dann auch noch von stimmigen Klavier und Streicherarrangements untermalt wird, ist das groß. Und das bereits, ohne die vor Schlichtheit strotzende Gitarre gelobt zu haben, die alle Einzelteile wirkungsvoll zusammenhält. Wem die Schwere zuweilen sehr aufs Gemüt schlägt, den tröstet etwa „Devil’s Only Child“, welches schon durch seinen dezenten Bassklarinetteneinsatz bezirzt oder das von Pfeifen und Shakern durchsetzte, beschwingte

und fast schon südländische „Felicity“, bevor mit „Duet“ eher die Schwere des mitteleuropäischen Winters zurückkehrt. Die Balance zwischen beiden Polen wird gehalten, auch wenn Schwermut überwiegt. Aber so wollen wir das ja auch. 8 Text: Volker Bernhard

Seasick Steve You Can’t Teach An Old Dog New Tricks

(PIAS/Rough Trade) „You Can’t Teach An Old Dog New Tricks“, das ist kein schuldbewusstes Eingeständnis, das Steasick Steve mit seinem fünften Album macht, sondern vielmehr Versprechen an seine Fans, zu denen seit der gefeierten 2006er Veröffentlichung von „Dog House Music“ auch die gehören, die Bart und Karohemd erst seit ein paar Jahren tragen und den Country-Blues des Amerikaners dank des Lobes der Kings Of Leon und Jack White entdeckt haben. Hitzig und leichtfüßig klingt Steve nach wie vor und überrascht nicht mit neuen Tricks, sondern gewohnt guten Songs. Und das ist heutzutage dann doch irgendwie schon fast eine kleine Überraschung. 5 Text: Katja Taft

Snoop Dogg Doggumentary

(Capitol/EMI) Das elfte Album des schlaksigen Mr. Broadus ist – wie schon seine letzten Alben – eine zwiespältige Angelegenheit. Wer sich damals in seinen ’Doggystyle’ verliebt hat, wird dem Snoop Dogg für Tracks wie „Gang Bang Rookie“ oder „Peer Pressure“ dankbar sein, denn so nah ist er seiner eigenen Blaupause lange nicht mehr gekommen. Kollaborationen mit Outlaw Willie Nelson und Gorillaz halten das Überraschungslevel des Albums hoch und lassen den Doggfather im warmen Licht der Innovationsfreude baden. Alles cool soweit, wie immer nicht von außerordentlicher Tiefe, aber das erwartet wohl auch niemand von einem Mann, dessen zweites Standbein Billo-Pop ist. Letzterer hebt auf ’Doggumentary’ mit einiger Vehemenz sein hässliches Haupt und so steht dem guten Teil des Albums durch Kollaborationen mit Ibiza-Vorturner David Guetta, Ekelpaket R. Kelly und dem selbsternannten Übermenschen Kanye West eine wirklich fiese Schattenseite gegenüber. 5 Text: Timo Richard

SPLASH-MAG.COM VS. UNCLESALLY*S „Warum tut er sich das an?“, fragte ich mich, als Elzhi vor gut zwei Jahren ankündigte, Nas’ ’’Illmatic’’ neu zu interpretieren. Hat der Junge aus der Motorstadt doch nicht nötig, kann er nur dabei verlieren, denn was soll er dem Alltime-Classic noch relevantes hinzufügen? Dass Elzhi mit ’’Elmatic’’ dann doch gewinnt, liegt an der hervorragenden Neuinstrumentierung der langlebigen Instrumentale durch die sechsköpfige Kombo Will Sessions. Angetrieben von den aufpolierten Stücken läuft der Ex-Slum-Village Rapper zu Hochtouren auf und manifestiert seinen Status als einer der fähigsten Spucker im Spiel. Auf www.elzhi.com gibt es das Werk dann gratis. Über das kalifornische Indie-Label Tres Records schickt sich Co$$ mit seinem Debütalbum ’’Before I Awoke’’ an, für das Blu, Exile und Shawn Jackson hier gleich mal als Referenzpunkte herhalten müssen. Was kaum verwundert, sind die doch alle irgendwie am Album beteiligt. Auf scheppernden, wonky Beats moderner L.A.-Prägung, schwankt Co$$ inhaltlich zwischen Straßenlifestyle und introspektiven Geschichten und gewinnt damit das inoffizielle Rennen im Vergleich mit Blus doch eher fadem ’’Her Favorite Colo(u)r’’. Und gleich noch einmal westwärts hin zu J-Rocc, der sich auf ’’Some Cold Rock Stuf’’ in den verschiedensten Genres tummelt, aber nie den funky Drummer in sich vernachlässigt. Staubtrockenes Breakfutter für alle B-Boys und Beatheads und so etwas wie eine kleine Überraschung! Ein Download-Geschenk eröffnete die Kolumne und so soll sie in diesem Monat auch von einem weiteren zum Ende gebracht werden: Unser bester Freund Curren$y fand in Alchemist nicht nur den Kifferbruder im Geiste, sondern auch einen kongenialen Ansprechpartner in Sachen Beats. Auf druckvollem ALC-Material flowt Curren$y gewohnt rotzig durch die zehn Track starke EP ’’Covert Coup’’, die in ’’The Type’’, der Zusammenkunft mit Knastheimkehrer Prodigy, ihren definitiven Höhepunkt findet! Text: Benjamin Mächler


Seite 30

PLATTEN

unclesally*s magazine

Susanne Sundfør The Brothel

(Grönland/Rough Trade) Dass Norwegen eine Quelle musikalischen Talents ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Immer mehr Bands und Künstler schwappen wie eine Welle aus dem Norden über das restliche europäische Land. Susanne Sundfør aus dem kleinen Küstenstädtchen Haugesund ist wohl das größte Export-Talent, auf das man sich in diesem Jahr freuen darf. Sie kreiert mit Elementen aus Jazz, Pop, Ambient und Klassik wahrhaftig ein akustisches Kunstwerk nach dem anderen, von dem „It’s All Gone Tomorrow“ den Höhepunkt bildet. Ein Album, wie ein Buch mit zehn Kapiteln, voll Spannung und Drama. Kritiker - ringt nach Worten oder verliert euch im Jubelgeschrei! 7 Text: Kati Weilhammer

Thurston Moore Demolished Thoughts

(Matador/Beggars/ Indigo) Es wirkt wie eine Hochzeit des Neunziger-Independent, wenn Beck Hansen Sonic YouthFrontmann Thurston Moore bei dessen viertem Soloalbum als Produzent unter die Arme greift - und natürlich klingt das Ganze herrlich antizyklisch: „Demolished Thoughts“ mutet wie eine Fingerübung auf hohem Niveau an, ein „Sich-ausprobieren“, stets dominiert von der Spielfreude der beiden Protagonisten selbst. Zu Folkgitarren gesellen sich Samples und karge Songwriter-Momente, verworrene Lyrics und Reflexionen über Mensch und Natur. Freilich eher ein Fall für Liebhaber, aber trotzdem möchte man Moore nicht dafür kritisieren, dass er mit Beck im Schlepptau einfach mal das machte, worauf er Bock hatte - da drückt der Fan anderthalb Augen zu und freut sich über die Kooperation der coolsten Slacker der Neunzigerjahre. Darauf eine abgewetzte Jeans. 6 Text: Marcus Willfroth

Title Fight Shed

(Sideonedummy/Cargo) Wenn es einer Band gelingt, Walter Schreifels als Produzenten für ihr Debütalbum zu gewinnen, dann zeigt das zumindest: Das Material der Band kann selbst einen Profi schwer beeindrucken. Dabei bedient sich das Quartett aus Pennsylvania schon fast dreist bei den bekannten Heiligen, die man mit emotionalem Hardcore verbindet. Um Hot Water Music oder Jawbreaker als Einfluss auf „Shed“ nicht raushören zu können, müsste man schon Bohnen in den Ohren haben. Interessant wird es allerdings, wenn die vier zwischendurch das Tempo so dermaßen anziehen, dass auch die harten Kerls im Moshpit Spaß daran haben könnten. Ob sich mit dieser Mischung, die doch recht nah an den Vorbildern ist, in der ersten Hardcore-Liga mitspielen lässt, wird sich zeigen. Nörgler werden natürlich sagen, dass „Shed“ komplett wie eine Hot Water Music-Kopie klingt. Wer nicht so engstirnig ist, wird Title Fight für eine hübsche Bereicherung in seiner Emo-Core-Sammlung annehmen. 6 Text: Tim Kegler

Toy Horses Toy Horses

(Kanoon/Sony) Der beginnende Sommer verlangt ja stets aufs Neue nach Musik, die die Zeit anzuhalten vermag - auf dass der warme Abend nie vorübergehe! Das Debüt der Toy Horses ist so eine Platte, über die man die Stunden vergessen kann. In den Songs von Stiefpapa Tom Williams und Stiefsohnemann Adam D. Franklin finden brav-schnoddrige Indie-Sensibilität und leicht-

gewichtiger Nashville-Charme (bei dessen Politur Produzent Ken Coomer von Wilco und eine Truppe exquisiter Session-Musiker behilflich waren) in bester Laune zusammen. Perfekt funktioniert das etwa beim flotten „Sordid Little Word“ oder bei der wunderbaren ersten Single „No One’s Ever Gonna Leave You“, die auch Pete Doherty in seinen besten Momenten nicht runder hinbekommen hätte. Im Herbst spielt die Band übrigens in Deutschland - idealerweise dann schon als Erinnerung an einen gelungenen Sommer. 7 Text: Friedrich Reip

Tyler, The Creator Goblin

(XL/Beggars/Indigo) Über eine Stunde Irrsinn, Obszönitäten und Hass! Wer soll das aushalten? Nein, es geht nicht um „Das Frühlingsfest der Volksmusik“, sondern um „Goblin“ das erste nicht umsonst runterladbare Album von Tyler, The Creator. Tyler ist 19 und seine Mama passt nicht gut auf ihn auf, sonst hätte sie ihm verboten, dieses Album aufzunehmen. Wenn der sich mal irgendwo bewerben will und sein zukünftiger Chef seinen Namen internetsucht... „Goblin“ ist ein Konzeptalbum, auf dem sich der Creator zwanghaft aber ziemlich schlau als gestörter Teenager geriert. Die Beats sind originell, kaputt und wahrscheinlich im Januar 2012 genau so in den Charts zu hören. Die Lyrics sind – freundlich formuliert – „kompromisslos“, oft aber leider nur auf Krawall gebürstet. Irgendwann wendet sich das „Fick die Grenzen“-Konzept der Wolf Gang aber gegen sich selbst, denn trotz einiger Hits ziehen Totalausfälle wie „Bitch Suck Dick“ dieses vertonte Tourette-Syndrom in die Länge. 7 Text: Timo Richard

Vetiver The Errant Charm

(Cooperative/Universal) Der verhuschte New-Folk, er scheint Vetiver aus den Händen geglitten. Mit ihrem neuen Studioalbum „The Errant Charm“ verlassen die USAmerikaner altbekannte Pfade und orientieren sich lieber an ausformuliertem Americana-Pop - ausformuliert, weil es erstmals eine professionelle Produktion ist, die nicht nur grobe Störgeräusche wegradiert, sondern eigene Akzente setzt. Dies beginnt schon beim lang gestreckten Opener „It’s Beyond Me“, der in mehr als sechs Minuten flächige Keyboards, einen hallenden Gesang und Raum ergreifende Gitarren im Angebot hat. Nicht die schlechteste Entscheidung, diesen Ansatz auch im Folgenden beizubehalten und so steht mit „The Errant Charm“ am Ende ein Werk des Übergangs. Was darauf folgen mag, lässt sich genau so schwer sagen wie es zugleich neugierig macht. 5 Text: Marcus Willfroth

When Saints Go Machine Konkylie

(!K7/Alive) Da hat sich jemand wirklich Mühe gegeben. Auf ihrem Debütalbum überlassen die vier Dänen nicht einen Ton dem Zufall. So scheint es zumindest. Bässe, die sich fast unmerklich direkt bis in die Blutbahn graben, ein Falsett, mit dem sich Sänger Nikolaj Manuel Vonsild mindestens genauso weit nach vorne wagt – doch dabei alles ganz subtil hält. Kein Sound der Platte ist zu viel, nicht eine Sekunde überladen. Es fiept, es hallt, es summt, es fiedelt und bittet trotz schwermütiger Grundstimmung mit Songs wie „Kelly“ auch mal schüchtern zum Tanz. Mit ihrem vielschichtig arrangierten synthetischen Pop haben die Dänen ein Album vorgelegt, bei dem sich viele Künstler zeitgenössischer Elektro-Musik in Sachen Kreativität wahrlich ein Scheibchen abschneiden könnten. 8 Text: Christine Stiller

Wild Moccasins Skin Collision Past

(New West-Blue/Soulfood) Indianer trugen sie schon damals und heute wird der anschmiegsame Schuh aus Leder auch gerne mal zum Beinkleid für kleine Kinderfüße in Alternativ-Kindergärten verwendet. Die Moccasins kommen wohl nie aus der Mode, genauso wie der Indie-Rock. Und dass dies nicht nur eine dahingesagte Floskel ist, zeigt das Debüt des Quintetts aus Houston mit beeindruckender Standhaftigkeit. Vor eineinhalb Jahren begeisterten Wild Moccasins, bestehend aus dem oft im Duett singenden Pärchen Cody und Zahira und ihren drei männlichen Weggefährten, schon auf ihrer EP „Microscopic Metronomes“. „Skin Collision Past“ liefert hierzu noch neun weitere Songs, die zwar nicht ganz mit den erfrischenden Pop-Perlen ihres Vorgängers mithalten können, aber trotz allem den Geist von Belle And Sebastian und einen Hauch Smiths’sche Melancholie in sich vereinen. Eine bittersüße Kombination, die noch in den Kinderschuhen steckt. 6 Text: Natascha Siegert

Wolf Gang Suego Faults

(Warner) MGMT haben sich zurückgezogen, um ihren Ohrwurm von „Kids“ endlich loszuwerden, die Scissor Sisters erholen sich von ihrem letzten Ausflug ins Berghain und Mika muss derzeit von den Werbeplakaten der Metropolen gut parfümiert gucken. Während die drei also mehr oder weniger beschäftigt sind, hat sich Wolf Gang alias Max McElligott die Trademarks geschnappt, die alle drei verbinden und schmeißt die Indie-Pop-Disco in der Zwischenzeit allein. Das bedeutet: Hooks satt für alle. Siebzigerjahre-Pop, Kopfstimme und Synthie-Beats, auf die jeder klar kommt, helfen dem Londoner dabei, die Tanzfläche voll zu kriegen. Auf Albumlänge fordert das eine hohe Toleranzgrenze, macht mit „Lions In Cages“ aber auch alle glücklich, die MGMT dann doch vermissen. 6 Text: Ina Göritz

Wu Lyf Go Tell Fire To The Mountain

(LYF/PIAS) Wie sich das für einen anständigen Hype gehört, waren Wu Lyf bis vor kurzem kaum mehr als ein Internet-Gespenst, das sich ungern fotografieren und noch weniger gern ausfragen ließ, mit kryptischen Infos um eine weltumspannende Jugendbewegung aber das mediale Interesse schürte. Nur wozu das ganze Theater? Wu Lyf müssen sich nicht interessanter machen als sie sind. Birthday Party, Health und Afro-Beats hat die Band aus Manchester clever fusioniert, klingt dabei gerade so eingängig, dass sie noch als schräg durchgeht und liefert mit „Heavy Pop“ den Song zur eigenen Genre-Etikettierung auch gleich mit. Ihr Debüt „Go Tell Fire To The Mountain“ wird also nicht eben dafür sorgen, dass Wu Lyf alsbald wieder im Internet-Nirwana abtauchen. 8 Text: Britta Arent

Mehr Platten- und DVD-Besprechungen findet ihr auf sallys.net

Wer hören will, muss sehen PRIMAL SCREAM SCREAMADELICA LIVE & SCREAMADELICA

(Eagle Vision/Edel) Es ist vielleicht das wichtigste Album ihrer Karriere. 1990 veröffentlicht und mit dem ‘Mercury Music Price’ ausgezeichnet, haben Primal Scream ihrem dritten Studio-Album „Screamadelica“ zum 20-jährigen Jubiläum ein audiovisuelles Denkmal gesetzt. Vergangenen November brachte die Band das Album an zwei aufeinanderfolgenden Abenden auf die Bühne des Londoner Olympia, unterstützt von einem Gospelchor, Bläsern und raffinierten Visuals. „Screamadelica Live“ enthält neben der kompletten Live-Unsetzung der CD als Zugabe zudem Live-Versionen von anderen Primal Sream-Hits wie „Swastika Eyes“ und „Country Girl“. In der Edition „Classic Album“ (Eagle Vision/Edel) erzählen Primal Scream zudem die Entstehungsgeschichte von „Screamadelica“ mit Anekdoten zu jeden Song. Ein rundum gelungenes Jubiläumsgeschenk. Text: Britta Arent

The Prodigy World’s On Fire

(Universal) Und heute kommt auf den Tisch: Ekstase! Dick und fett aufs Brot geschmiert von The Prodigy. Die liefern mit ihrer ersten Live-CD und Live-DVD die Party im Scheibenformat. Einlegen, aufdrehen, abgehen. Die Altmeister der elektronischen Tanzmusik zeigen, wer die Rave-Hosen anhat. Die „World’s On Fire“ wurde beim größten Auftritt der Band im englischen Milton Keynes vor 65.000 Menschen aufgenommen. Der ausgefallene Konzert-Film ist hektisch mit schnellen Schnitten und unruhiger Kameraführung. Gewöhnungsbedürftig und haarscharf am Augenkrebs vorbei. Doch so nimmt er den Zuschauer mit, direkt auf das Konzert. Plötzlich steht eine pulsierende, Beat-berauschte Masse mitten im Zimmer und die eigenen Arme wippen, nach oben gerissen, im Takt. Neben Audio und Video vom Konzert gibt es auch noch ein paar Extra-Filmchen on top. Klares Urteil: das Vitalbrot für jeden Hobbyraver! Text: Johannes Musial

RAMONES LIVE IM MUSIKLADEN

(Sireena/Broken Silence) Mittlerweile ist der 1978 im Fernsehstudio von Radio Bremen aufgezeichnete Mitschnitt der Ramones auf diversen DVDs und auf YouTube gelandet und von daher eigentlich nichts Neues. Was viele Fans allerdings nicht wussten, ist, dass die vier seinerzeit nicht nur das bisher bekannte 30-Minuten-Set für ein völlig überfordertes TV-Publikum darboten, sondern eine komplette Show, die nach drei veröffentlichten Alben rund 50 Minuten betrug. Ergo: Es gibt auf dieser DVD Songs zu sehen und zu hören, die man der Erstversion einst mühevoll herausoperierte. Genießt sämtliche frühen Hits der Ramones auf dem Zenith ihrer Karriere, plus ein Interview mit dem damaligen Programmchef, der seinen Job auch nach der Ausstrahlung behalten durfte. Text: Flo Hayler


unclesally*s magazine

DEMODESASTER

Seite 31

DEMODESASTER FREMDE FEDERN

Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie. Denn Rhythmen und Töne dringen am tiefsten in die Seele und erschüttern sie am gewaltigsten. Daher ist es uns auch lieber, jemand singt falsch, als dass er überhaupt nicht singt. Denn ohne Musik wäre das Leben nun mal ein Irrtum. Das Copyright auf diese Zeilen haben übrigens Beethoven, Platon, Maffay und Nietzsche. Wir sind da ja nicht so. Im Gegensatz zu diesen Guttenbergs und Koch-Mehrins, deren Dreistigkeit im ohnehin trickreichen Politikbetrieb noch mal neue Maßstäbe gesetzt hat. Daher möchten wir in diesem Monat die eingesandten Demos auf ihr Originalitätslevel durchleuchten. Summa Cum Laude oder Non Probatum? Das ist hier die Frage. AND STILL I CHASE THE SUN/ ENTRY OF A DIARY AURORA SPLIT EP

Bekanntlich schaffen es nur acht Bands ins Demodesaster. Heute sind es mal neun. Zauberwort des Ganzen: Split-EP! Ganz schön geschickt. And Still I Chase The Sun haben sich ihre Kumpels von Entry Of A Diary zur Unterstützung geholt und uns diesen schwergewichtigen Boliden vor die Tür gerollt. Jeder knüppelt drei Songs, dann ist Schluss. Mehr braucht‘s auch nicht, um uns vollends umzuhauen und die Muskulatur unserer baffen Visagen zu strapazieren. Denn was die Jungs jeweils abliefern, ist ruheloser brutalster Death- und Black-Metal, bei dem selbst Odin die Barthaare weich geworden wären. Mit knackigen Blastbeats, tighten Breaks und harmonisierten Gitarrenläufen wird nicht gegeizt. Wer hat, der hat. ASICTS und EOAD haben es eindeutig. Originalitätslevel: 8 (Magna cum Laude) Heimat: myspace.com/asicts, myspace.com/ entryofadiary

CIRQUE ROYAL WE COME IN PEACE

Wahnsinn! Was für einen Infotext haben sich Cirque Royal denn da verfassen lassen? Auf „We Come In Peace“ öffnen die Konstanzer demnach nämlich die „Büchse der Pandora“ und „oszillieren mit Delay, Druck und Dynamik schlafwandlerisch sicher zwischen Fiebertraum und tragikomischer Realität“. Na, und auf der Textebene, da geht’s nicht unter der „Auseinandersetzung mit existenzialistischen Grunderfahrungen in der postglobalisierten Welt“. Alles klar? Tatsächlich spielen Cirque Royal recht ausgebufften Gitarren-Rock mit elektronischem Einschlag sowie reichlich Hall und Bombast, der - gut, da hat das Info Recht - schon was mit David Bowie zu tun hat. Und ja, unseretwegen auch „oszilliert“. Nämlich zwischen Tight- und Freshness. Sehen wir also mal von einer gewissen Aufgeblasenheit ab, ist das hier schon ganz ordentliche Musik. Originalitätslevel: 6 (Cum Laude) Heimat: cirqueroyal.de

FRIEDEMANN WEISE KEINE SONGWRITER EP

„Der geistige Führer der deutschen Satire-PopSzene“ schickt sich an, das musikalische Erdenrund zu erobern. Was wie Größenwahn wirkt, erweist sich umso glaubwürdiger, je länger wir dem Kölner Witzminister und Possenkönig in Personalunion lauschen. Da wird auch schon mal über all die deutschen Songwriter da draußen gemeckert. „Ich

will endlich mal wieder in‘n Laden gehen, ohne dass da so‘n Penner spielt.“ Das ist ironisch und voller Charme, schließlich gehört Friedemann ja selbst zum Pulk der wortreichen Drei-Akkorde-Alltagsvertoner. Trockener Witz, der sich unverhofft anschleicht und mit Irrsinn von hinten durch die Brust ins Zwerchfell zielt. Definitiv was für Leute, die auch auf Anti-Witze stehen und wissen wollen, dass Stefan Raab zum Frühstück drei Libellen isst. Originalitätslevel: 7 (Magna Cum Laude) Heimat: friedemannweise.de

GLOWS ABOUT THE PAINTER AND THE INSANE

Viele Musikredakteure trauern derzeit, da die einstigen Neuerer des vertrackten Post-Rock – Dredg – nun doch glatt ihre musikalische Seele dem Teufel Pop verkauft haben. Pfui Spinne aber auch! Was für ein Glück für Glows, die hier ihre Chance als Tröster wittern. Die junge Band aus Berlin kampiert an der Weggabelung von Indie-Pop und Post-Rock, und hat auch nicht vor, sich für eine Richtung zu entscheiden. Warum auch? Ihr Debüt wirkt dadurch weder zu verkopft, noch zu glatt. Jazzfetzen schwirren um klassische Standards, Funk und Rock-Gegniedel. Nur vereinzelte Ausbrüche suchen wir noch vergeblich. Aber auch so ist „About The Painter And The Insane“ eine fast schon unheimlich dichte Platte einer jungen Band. Wir behalten euch im Auge, Jungs! Originalitätslevel: 7 (Magna Cum Laude) Heimat: glowstheband.com

MINUTES FROM MEMORY FREE, FAR

Minutes From Memory haben uns kalt erwischt. Zuerst sind wir noch am Mäkeln. Ja, ganz nett soweit. Irgendwas alternativ Metallisches. Kennen wir. Die Stimme der Sängerin Marta scheint aber - leicht harmonisiert, irgendwie gepitcht oder gedoppelt – nicht wirklich reinzupassen. Da ist vieles zu glatt und leicht überproduziert. Doch dann kommt plötzlich der Wechsel und Martas böser Zwilling growlt ins Mikro, während dreckige Gitarren alles Polierte wegwischen. Als hätte Angela Gossow (Arch Enemy) höchstpersönlich als dunkle Nemesis die Tür eingetreten und mit dem Finger gedroht. Fett und unerwartet. Und schon verstehen wir das Glatte der Stuttgarter als gekonnten Widerpart, der eine heile Welt aufbaut, die nicht lange verweilt, sondern wütend eingerissen wird. Vertonte Ambivalenz. Hat was. Originalitätslevel: 6 (Cum Laude) Heimat: minutesfrommemory.de

PONTO DEMO

Ponto hören sich so an, als wenn Nirvana heute Indie-Rock machen würden. Nicht so lässig wie die Arctic Monkeys, dafür räudiger. Nicht so

hibbelig wie Bloc Party, dafür düsterer. Und trotzdem ebenso behände. Der Drummer zeigt jedenfalls eine echte Glanzleistung, wie er da so die Variationen aus Becken und Trommeln lockt und immer den richtigen Punch findet. Auch der Rest der Band geht rhythmisch versiert zu Werke, und zwar ohne die Harmonien zu verkleistern. Da scheint dann wohl die Vorgeschichte als experimentelle JamCombo durch. Nicht jeder Song ist ein Hit, das nicht. Die vielen Einfälle sorgen aber dafür, dass wir in jedem von ihnen was zu staunen haben. Originalitätslevel: 8 (Magna Cum Laude) Heimat: myspace.com/pontoponto

TIM SCHMIDT YAYA RIVER

Wie ein Folk-Musiker auszusehen hat, weiß Tim Schmidt schon mal: Holzfällerhemd, wuchernder Bart und ein Hut über den Strubbelhaaren. Glücklicherweise weiß Tim Schmidt aber auch, wie ein Folk-Musiker zu musizieren hat. Er zupft verträumt auf seiner Akustischen, zuweilen unterstützt von Oboe und Waschbrett. Dazu gesellt Schmidt eine Charakter-Stimme, die nuschelnd Geschichten erzählt. Und dieser Mann soll tatsächlich aus Skandinavien stammen? Wir hätten eher auf nordamerikanische Steppe getippt. Denn Tim Schmidt

Sellaband

macht das alles so gut und gefühlsecht, dass wir alsbald diese Heudinger an unserem geistigen Auge vorbeikullern sehen. Allen Freunden von Dylan, Drake und Vedder sei dieses Stück Musik jedenfalls wärmstens empfohlen. Originalitätslevel: 8 (Magna Cum Laude) Heimat: timschmidtmusic.com

VOON THE LAST TIDE

Im vergangenen Jahr als Nachfolger zu Of Quiet Walls gegründet, versuchen sich Voon aus Chemnitz nun gleich am ganz großen Wurf: der apokalyptischen Konzeptplatte. Der Mond ist auf die Erde gestürzt, die Menschheit weitestgehend ausgelöscht, es herrscht ewige Dunkelheit. Passend dazu lassen Voon den Sludge dröhnen, immer wieder durchsetzt von ausgiebigen PostRock-Passagen. Ziemlich fit, ziemlich souverän, durchaus atmosphärisch. Wenn aber zuweilen ein Part etwas langatmig gerät oder ein Riff doch eher beliebig vor sich hin schmachtet, dann fehlt letztlich doch das Quäntchen Brillanz, das „The Last Tide“ an Platten von Genre-Kollegen wie Celeste oder Shai Hulud heranreichen ließe. Trotzdem ein mehr als passabler Einstand. Und krasse Story, Jungs! Originalitätslevel: 7 (Magna Cum Laude) Heimat: myspace.com/voonband Text: Roy Fabian, Maik Werther

Lauter Leben

Du entscheidest

Mit SellaBand, dem Pionier im Bereich Musik-Crowdfunding, wurde im August 2006 ein Konzept entworfen, bei dem Fans ihre Lieblingsmusik finanzieren können. Das Prinzip: Als registrierter „Believer“ kann man sich für den Erwerb von „Parts“ entscheiden und zum Tausch angebotene Gegenleistungen erhalten. Dabei sind die Menge der Anteile und die Anzahl der unterstützen Künstler frei wählbar. Diese bekommen dann die Möglichkeit mit erstklassigen Produzenten zusammen zu arbeiten. Bisher waren unter anderem Tony Platt (AC/DC, Bob Marley) oder Greg Haver (Manic Street Preachers, Super Furry Animals) an über SellaBand produzierten Alben beteiligt. Hiesige Bands, die aktuell auf eure Unterstützung hoffen, sind beispielsweise die Wahlberliner Lauter Leben oder Unbuttonted Heart. Als Believer springen nicht nur LimitedEdition CDs oder andere Vergünstigungen heraus, sondern auch das befriedigende Gefühl der Lieblingsband geholfen zu haben. Weitere Informationen findet ihr unter: sellaband.de


Seite 32

MUSIK STORIES

unclesally*s magazine

Meat Puppets

Faulpelz mit Floh im Ohr Berlin, Mai 2011. Während sich im größten Veranstaltungsraum des Postbahnhofs am Ostbahnhof die Menschen durch eine neue Auflage der „Körperwelten“-Ausstellung drängeln, steht nebenan, vor dem Seiteneingang des kleinsten Saales, Curt Kirkwood, raucht eine Zigarette nach der anderen und erzählt aus seinem Leben. So gruselig der 52-Jährige die unmittelbare Nachbarschaft des Konzertes seiner Band zu Gunther von Hagens’ „Fleischskulpturen“ findet, so passend ist sie doch auch irgendwie. Schließlich sind Kirkwoods eigene Meat Puppets ebenfalls unlängst gewissermaßen von den Toten auferstanden: Vor fünf Jahren feierten sie ihr unwahrscheinliches Comeback und spielen dieser Tage das erste Mal in Deutschland seit Mitte der Neunziger, als sie nicht zuletzt dank ihres Gastauftritts beim MTV-Unplugged-Konzert von Nirvana ihren kommerziellen Höhepunkt erlebten. „In der ersten Zeit danach war es schon seltsam – die Leute dachten, wir würden Nirvana covern oder ihre Songs klauen. Bis dann irgendwann durchsickerte, dass die Stücke eigentlich von uns waren.“ Und auch nur drei von mehreren Dutzend. Denn das Trio aus Arizona hatte schon seit 1981 fleißig Platten veröffentlicht, und an sich auch vor, damit weiter zu machen – doch kurz nach dem Beinahe-Durchbruch kommt der Fall: Cris, der Bass spielende jüngere Kirkwood, verfällt seiner Drogensucht ganz und gar, seine Ehefrau stirbt 1998 und kurz bevor ihn einige Jahre später fast dasselbe Schicksal ereilt, findet er sich auf Grund

Nevermind: Die Meat Puppets um die Kirkwood-Brüder Curt und Cris.

eines tätlichen Angriffes auf einmal im Gefängnis wieder – und damit auf kaltem Entzug. Nach Versuchen, die Meat Puppets mit neuen Musikern weiter zu führen und einer kurzlebigen „tragischen Supergroup“ namens Eyes Adrift, mit den beiden „Hinterbliebenen“ Krist Novoselic (ExNirvana) und Bud Gaugh (Ex-Sublime), schlägt der inzwischen vor all dem Drama nach Austin, Texas, geflohene Curt den stressfreiesten Weg ein – eine Low-Key-Solo-Karriere. Anfang 2006 erfährt er, dass sein bereits abgeschriebener Bruder Cris auf dem Wege der Besserung ist. „Ich wollte ohnehin wieder ein Meat Puppets-Album machen, zur Not auch ganz alleine.“ Ersterem ist der

Weg geebnet, Letzteres kann vermieden werden. Die Kirkwood-Brüder sind wieder vereint – und beinahe so emsig wie in alten Zeiten, ohne genau zu wissen, wie es dazu kommen konnte. „Ich bin eigentlich echt faul. Aber ich wurde von diesem Musik-Floh gebissen und seitdem kann ich nichts dagegen tun. Oft möchte ich nur in Ruhe auf einer Farm sitzen und nie wieder auch nur eine einzige Note hören – aber es geht einfach nicht weg. Ich wollte schon so oft kündigen“, grinst der Lockenkopf. „Manchmal feuere ich mich sogar selbst. Und dann trete ich einen Schritt zurück und lache mich aus, weil ich darum bettele, meinen Job wieder zurückzubekommen – von mir selbst.“ Text: Torsten Hempelt Foto: Jaime Butler Heimat: themeatpuppets.com

Battles

Soup-Rock-Supergroup Battles-Shows bieten seit jeher Spektakel auf mehreren Ebenen. Nicht nur der Kindergeburtstag auf der Bühne ist beeindruckend, auch davor sorgt stets eine beachtliche Artenvielfalt urbaner Hipster-Fauna für Farbe. Bemerkenswert für eine Band, die noch vor wenigen Jahren ganz selbstverständlich in der coolnesstechnisch schlimmstmöglichen Schublade Math-Rock gelandet wäre. Schuld an dieser öffentlichen Fehleinschätzung war wohl vor allem die Single ’Atlas’ vom 2007er Debüt ’Mirrored’, die mit arty Spiegel-Video und verstörendem Schlumpfgesang für Aufsehen sorgte. Ein Glücksfall für die Brooklyner Querdenker um ExHelmet Drummer John Stanier. Äußerst gewagt also, könnte man denken, dass bei der Live-Premiere von ’Gloss Drop’ neben ’Atlas’ auch alle anderen Songs boykottiert werden, die nicht auf dem Zweitwerk zu finden sind. Hauptgrund dafür dürfte aber wohl eher der abrupte Abgang von Quasi-Frontmann Tyondai Braxton gewesen sein. „Ty hatte große Probleme damit, sich vorzustellen, mit dieser Platte wieder ausgiebig zu touren“, sagt Bassist Dave Konopka. „Für mich ist

Klare Gewinner: Battles.

das wie eine Beleidigung unserer Arbeit, ganz abgesehen davon, dass man als Band heutzutage ohne Touren kaum überleben kann.“ Der Zeitpunkt dieser Offenbarung kurz vor Beendigung der Aufnahmen war auch eher suboptimal. Was die meisten anderen Bands zur Kapitulation gezwungen hätte, setzte bei den Battles wahre KreativSchübe frei. So finden sich auf ’Gloss Drop’ neben den typischen Battles-Verspultheiten auch unerwartet lebensfrohe Afro-Beats, No-Wave-Anleihen à la Liquid Liquid und ESG sowie illustre Gäste wie Gary Numan oder Blonde Redheads Kazu Makino. „John meinte neulich, dass ihn Barry White diesmal maßgeblich be-

einflusst hätte. Ich weiß immer noch nicht, ob das ein Scherz war“, beschreibt Dave die neue Freiheit. „Es ist doch so: Ty war einfach ein weiterer Koch, der seine Zutaten in unsere Suppe einbrachte, hauptsächlich Kümmel“, lacht Dave. „Dieser Geschmack fehlt uns nun natürlich, andererseits eröffnen sich uns nun so viele Möglichkeiten, mit abgefahrenen neuen Gewürzen zu experimentieren. Es ist an der Zeit, einen neuen Topf anzusetzen. Magst du eigentlich meine SuppenAnalogien? Ich glaube wir sollten unsere Musik fortan Soup-Rock nennen.“ Bon Appetit! Text: Thomas Müller Foto: Jason Frank Rothenberg Heimat: bttls.com


unclesally*s magazine

Fucked Up

MUSIK STORIES

Seite 33

Mehr vorne als hinten: Fucked Up um Frontmann Damian Abraham (vorne!).

Zum Sterben geboren Das dritte Album ‘David Comes To Life’ der Band Fucked Up ist noch nicht veröffentlicht, da entwickelt die Karriere von Frontmann Damian Abraham eine interessante Eigendynamik. Um die Raten aufs Haus, das tägliche Gramm Gras und die Sucht nach frischem Vinyl zu finanzieren, hat sich der 150-Kilo-Mann ein paar lukrative aber zeitraubende Nebenjobs an Land gezogen. Gut möglich, dass Abrahams berufliche Neujustierung die Band in Kürze den Kopf kostet. Abraham plaudert viel und gerne, was ihn – so sagt er mit einem lustigen Lachen – schon in der Schule das ein oder andere Mal vor die Tür verfrachtete. Auch heute redet sich der 31-Jährige, mit einer niedlichen Vollglatze, dickem Rauschebart und einer frisch genähten Stirnwunde gesegnet, gerne mal in Schwung. Bei der jüngst durch Deutschland gezogenen Konzertschneise gab der Vater eines Sohnes ausführlich Auskunft über das neue Album seiner Band Fucked Up, deren weitere fünf Mitglieder bei den abendlichen Shows auch des Öfteren mal übersehen werden. Grund dafür ist der auch optisch das Schwergewicht darstellende Sänger, der von der ersten bis zur letzten Konzertsekunde seine nimmermüden Kreise durchs Publikum und somit alle Blicke auf sich zieht, ausgestattet mit einem rund 50 Meter langen Mikrokabel und lediglich einer XXL-Short bekleidet. Dabei sollte man Abrahams Hintermannschaft durchaus größere Beachtung schenken. Schließlich sind es die wie frisch aus einer American Apparel- oder wahlweise Ben Sherman-Werbung gefallenen fünf, die für den neuerdings extrem hittigen Hardcore/Punk/

Alternative-Mix von Fucked Up verantwortlich zeichnen. Jonah Falco, Mike Haliechuk, Josh Zucker, Ben Cook und die niedliche Sandy Miranda gießen dem allabendlichen Wanderpfad ihres Sängers ein betoniertes Fundament aus harten Riffs und brachialen Drums, pflanzen aber rechts und links des Weges ein paar bunte Pflänzchen in Form von engelsgleichen Backing-Vocals. In Kombination mit den krächzenden Shouts ihres Ringleaders werden Fucked Up zur unwiderstehlichen Fusion aus Black Flag, AC/ DC und Dinosaur Jr. Dazu kann man ganz prima den Kopf gegen die Wand schleudern. Auch das neue Album ’David Comes To Life’ ist ein 18 Songs starkes Hardcore-Manifest, das durchaus szeneübergreifend zünden könnte. Nach dem wild um sich tretenden Vorgänger ’The Chemistry Of Common Life’ ist das neue Werk eine leicht blutbesudelte, aber ans Herz gehende Rock-Oper geworden, die ihre Protagonisten David und Veronica mit einer amtlichen Dosis Melodie im Rucksack auf Abenteuerreise in die Siebziger schickt. Den Fans dürfte die

Entwicklung ihrer Lieblingsband durchaus gefallen, und auch Abraham kann die Begeisterung in Ansätzen teilen - obwohl er glaubt, dass seine Zeit im Camp der Abgefuckten langsam abläuft: „Meiner Meinung nach sind auf ’David Comes To Life’ nicht unbedingt die besten Fucked Up-Songs enthalten, aber definitiv die interessantesten, was insbesondere an der Band liegen dürfte – die Jungs und das Mädchen haben eine Menge dazugelernt und an Selbstvertrauen gewonnen. Ich dagegen bin mir nicht sicher, ob ich noch mal die Strapazen einer Albumproduktion und der dazugehörigen Touren durchmachen möchte. Außerdem gibt es mittlerweile viele andere interessante Aspekte im Leben: meine TV-Show in Kanada zum Beispiel oder meinen Sohn. Ich wünsche Fucked Up einen erfolgreichen, aber aller Voraussicht nach Abrahamlosen zweiten Akt, und mir ein hoffentlich grandioses Finale.“ Den Weg dorthin nimmt der Mann natürlich wie immer: laut, lustig und in Shorts gekleidet. Text: Fiete Hollerbach Foto: Daniel Boud Heimat: myspace.com/epicsinminutes


Seite 34

MUSIK STORIES

unclesally*s magazine

„Hintergründe“

HipHop-Produzenten in Deutschland HipHop-Musik ist gleich Rap. Das meinen viele selbsternannte Experten zu wissen und werden nicht müde, ein ganzes Genre zu verteufeln. Die eigentliche Musik dahinter, die Instrumentals und die Beats werden als selbstverständlich angesehen, die Köpfe im Hintergrund sind Phantome. Was allerdings in Amerika und England schon seit längerem passiert, nämlich, dass Produzenten und Beatbauer wie Madlib, Flying Lotus oder Hudson Mohawke im Rampenlicht stehen, geschieht seit kurzem auch ähnlich in deutschen Landen. Sie heißen Suff Daddy, V.Raeter, Twit One oder Robot Koch. Ihre Musik bewegt sich zwischen HipHop der alten Schule und futuristisch-elektronischem Gefrickel. Die große Gemeinsamkeit sind die Instrumentals, die sie veröffentlichen. Und manch ein Hörer kratzt sich verwirrt den Kopf - wo sind denn die Rapper? Wo sind die Sänger? Bis der Groschen fällt und man angenehm überrascht feststellt, dass der komplexe und durchdachte Sound auch ohne Sprache funktioniert. Und wie er funktioniert: Anfragen aus Übersee, Erwähnungen auf amerikanischen oder britischen Blogs und, man höre und staune, verkaufte Tonträger dokumentieren die aktuelle Entwicklung. Die Beatalbum-Serie mit dem Namen „Hi-Hat Club“, die über das Label ‘Melting Pot Music’ erscheint, geht nämlich weg wie warme Semmeln. „Wir haben gar nicht mit so einem Interesse gerechnet“, sagt Labelchef Oliver von Felbert, bei dem ein Großteil der erwähnten Künstler gesignt ist. „Für mich gibt es im Moment zum ersten Mal in Deutschland Produzenten, die einen eigenen Sound haben und die man anhört, weil es wirklich Musik ist.“ Bislang kamen noch überwiegend Sample-freudige, eher klassisch klingende Produzenten und DJs zum Zug - der Kölner Hulk Hodn bediente sich ebenso wie der Wiener Brenk zahlreicher Jazz- oder SoulPlatten, um den eigenen Sound zu formen. Doch

auch abseits von diesem meist warmen, kratzigen Klang des Hi-Hat Clubs wird an Aufnahmegeräten und Drummachines gewerkelt. Der Berliner fLako (Label: Project Mooncircle) nennt seine sphärische Musik zum Beispiel „rhythmische Meditation“. Seine Inspiration: „Familie und Freunde, gutes Essen, guter Schlaf und guter Stuhlgang!“ Zusammen mit Labelkollege Robot Koch bildet er sicherlich die deutsche Speerspitze entspannter elektronischer Beatmusik. Untereinander kennt man sich. Die Herangehensweisen und Einflüsse sind stets professionell, aber von Künstler zu Künstler verschieden. „Ich verarbeite, was mir ein gutes Gefühl oder eine Gänsehaut gibt. Dann zerhacke ich das Sample und arbeite so lange, bis der Beat so klingt wie in meinem Kopf“, sagt Brenk, der schon mit US-Rap-Größen wie MC Eiht zusammengearbeitet hat. Sowieso beschränkt sich die Arbeit der Mitglieder dieser „neuen“ deutschen Produzentengeneration nicht nur auf Instrumentals. Kooperationen mit deutschen Untergrundrappern, internationalen Sängern oder Producer-Kollegen sind keine Seltenheit. Die Fans kennen mittlerweile die Namen hinter Rap und Gesang. Und durch Fotograf Robert Winter, der

die Hi-Hat-Club-Serie mit Bildern schmückte, sogar deren Gesichter. So wird man aufmerksamer, wenn man Booklets liest und freut sich, den einen oder anderen Bekannten zu entdecken - zum Beispiel, wenn der Heilbronner Dexter einen Beat zu dem sehnlichst erwarteten Casper-Album „XOXO“ beisteuert. Das Tolle: Diese frische Musik funktioniert auch noch live hervorragend. Der vom Splash!-Mag initiierte „Beatfight“, bei dem zahlreiche deutschsprachige Produzenten gegeneinander antraten, war eine ausverkaufte Veranstaltung, die im Herbst fortgesetzt wird. Auch das Splash!-Festival bietet den Beatbauern eine Bühne - am Freitag gibt es eine Soundclash mit Robot Koch, am Sonntag ein waschechtes Hi-HatClub-Set. Der Erfolg gibt der Entwicklung also Recht. Es ist zwar eine Entwicklung, die überwiegend unter dem Radar der meisten Hörer vonstatten geht und Charts-fremder kaum sein könnte. Ein wirklicher Timbaland oder Swizz Beatz ist nämlich nicht dabei, keiner der genannten ist ein rappender ProducerSuperstar mit Goldstatus. Aber seien wir ganz ehrlich - das ist vielleicht auch ganz gut so. Text: Axel Genz Heimat: mpmsite.com, www.hhv.de, projectmooncircle.com Auf und mit Empfehlung vom:


FESTIVAL-SPEZIAL 2011

TICKETVERLOSUNGEN Wilwarin / Asta / Vainstream Rockfest / Splash! Melt! / Deichbrand / Serengeti / Big Day Out Taubertal / Rocco del Schlacko / Open Flair / Highfield u.v.a.

DIE BESTEN FESTIVALS IN EUROPA ROSKILDE-TICKETS inkl. An- und Abreise


© Chichu @ Southside

Froh zu sein bedarf es wenig! Bei vielen von uns genügt schon ein Festivalticket und wir sehen über Massencamping, Matsch und miese sanitäre Anlagen hinweg. Zumindest ein paar Tage lang. Denn Bierduft und Live-Musik vernebeln unsere Sinne so anständig, dass wir uns alle Jahre wieder in den Wahnsinn aufs Gelände stürzen. Mittlerweile sind die ersten Festivals der Saison schon gelaufen, bei anderen sammeln die Veranstalter weiterhin fleißig Spitzencombos fürs Line-Up zusammen. Die folgende kleine Auflistung ausgewählter Veranstaltungen soll euch bei der Entscheidung helfen, wo es für euch in diesem Jahr hingeht. All denjenigen, die trotz leerem Geldbeutel auf den Festival-Freiluft-Spaß nicht verzichten möchten und deren Blumenkränze schon geflochten oder Gummistiefel bereits imprägniert sind, seien unsere zahlreichen Gewinnspiele wärmstens ans Herz gelegt. Narrensicher durch das Ticketsymbol gekennzeichnet, locken mit ein wenig Glück Sonne, Zelt und Dixi-Klos für die Finanzschwachen oder Geizigen unter euch. Und wen zusätzlich das Fernweh packen sollte, kann mit unserer Hilfe zum Festivalriesen Sziget, nach Dänemark zum wunderbaren Roskilde oder in den ganz hohen Norden zum norwegischen Øya Festival reisen. Wer jetzt immer noch zu Hause bleiben will, dem ist dann auch nicht mehr zu helfen.

Impressum Herausgeberin: unclesally*s GmbH & Co. KG Waldemarstr. 37, 10999 Berlin Tel. 030 - 694 09 663, Fax: 030 - 691 31 37 mailto: sallys@sallys.net, online: www.sallys.net Mitarbeiter dieser Ausgabe: Christine Stiller, Franziska Schuh, Ina Göritz Layout: Mario Krenz Anzeigenkoordination: Frank Straessner Titelfoto: Lutz Wallroth/zettberlin@photocase.de


JUNI

Arrested Development

WILWARIN 3. & 4.6. Ellerdorf Line-Up: The Adicts, Affenmesserkampf, Arrested Development, Bondage Fairies, Bullensack, Eisenpimmel, Featuring Yourself, Flixx'n'Hooch, Frittenbude, The Great Bertholinis, The Grit, Guts Pie Earshot, Herr Bösel, HGich.t, How To Loot Brazil, Kamara To Burn, Kotzreiz, Le Fly, Maxim, Mega!Mega!, The Movement, Nomeansno, No Te Va Gustar, Oferta Especial, Pascow, Pandoras.Box, Rockaway Beachboys, Soulfire Hi-Hi, Stumbling Pins, Talco, U-Cee u.a. Tickets: 44 Euro zzgl. Gebühren Tagestickets (nur auf dem Festivalgelände) 1-Tagesticket Fr 25 Euro 1-Tagesticket Sa 30 Euro Hier bin ich richtig, wenn: Mir der Sinn ausnahmsweise nicht nur nach schnödem Punkrock, sondern auch nach einem unterhaltsamen Nebenprogramm wie beispielsweise Bingo spielen, Fußballturnieren oder Poetry Slam steht. Eine SMS vom Festivalgelände: "Morgens halb Zehn in Deutschland: Bierhelm ist aufgefüllt, die Sonne scheint drauf. Perfekt." wilwarin.de

Culcha Candela

ASTA SOMMERFESTIVAL 9.6. Paderborn - Universität Line-Up: Bosse, Broilers, Culcha Candela, Irie Révoltés, Lissi Dancefloor Disaster, Marie Fisker, Mega! Mega!, Mr. Irish Bastard, Sondaschule, Transmitter u.a. Tickets: 17 Euro zzgl. Gebühren Hier bin ich richtig, wenn: Die Gedanken an die Semesterferien nicht abebben und warme Sonnenstrahlen in die stickigen Hörsäle dringen, so dass niemand mehr auf den Professor hört. Eine SMS vom Festivalgelände: "Besser als streiken und schwänzen zusammen! Kommt auch vorbei!" das-sommerfestival.de

4


JUNI

Motörhead

VAINSTREAM ROCKFEST 11.6. Münster - Festivalgelände am Hawerkamp Line-Up: Adept, All Shall Perish, Alesana, Boysetsfire, Callejón, Casper, Comeback Kid, Deez Nuts, Flogging Molly, The Gaslight Anthem, Kraftklub, Kvelertak, Madball, Motörhead, Parkway Drive, Protest The Hero, The Sounds, Suicide Silence u.a. Tickets: 50 Euro zzgl. Gebühren Hier bin ich richtig, weil: Mir der Festivalspaß nicht von übervollen Dixi-Toiletten, Schnapsleichen-Stolperfallen oder brütender Zelt-Hitze verdorben wird. Eine SMS vom Festivalgelände: "Hey Mama, wir gehen später noch eine Suppe essen - warte also nicht mit dem Abendbrot." vainstream.com

ROCK AM RING

HURRICANE

3. bis 5.6. Nürburgring

17. bis 19.6. Scheeßel

ROCK IM PARK

SOUTHSIDE

3. bis 5.6. Nürnberg – Zeppelinfeld

17. bis 19.6. Neuhausen Ob Eck Line-Up: A-Trak, An Horse, Arcade Fire, Arctic Monkeys, The Asteroids Galaxy Tour, Band Of Horses, British Sea Power, Bright Eyes, The Chemical Brothers, Cloud Control, Clueso, Crookers, Darwin Deez, Digitalism, Eels, Foo Fighters, Friendly Fires, Hercules And Love Affair, I Blame Coco, Incubus, Kaizers Orchestra, Kasabian, The Kills, Letlive., Portishead, Sick Of It All, Suede, Tame Impala, Trentemøller, Two Door Cinema Club, The Vaccines, Warpaint, William Fitzsimmons, The Wombats, Young Rebel Set, You Me At Six u.a. Tickets: 125 Euro zzgl. Gebühren hurricane.de, southside.de

Line-Up: 3 Doors Down, Alesana, All That Remains, Alter Bridge, Architects, Ash, Asking Alexandria, August Burns Red, Beatsteaks, Black Veil Brides, Bonaparte, Bring Me The Horizon, Coldplay, Danzig, Disturbed, Dredg, Escape The Fate, Frank Turner, Funeral For A Friend, The Gaslight Anthem, Hurts, Interpol, In Extremo, In Flames, Jamaica, Kings Of Leon, The Kooks, Korn, Madsen, Mando Diao, Mastodon, The Naked And Famous, Pete Yorn, Peter Doherty, The Pretty Reckless, Royal Republic, Selig, Sevendust, Silverstein, Simple Plan, Social Distortion, Söhne Mannheims, Stereo MCs, System Of A Down, Thees Uhlmann & Band, Tom Beck, Versaemerge, Volbeat, Wayne Static, We Are Scientists, White Lies, Wolfmother u.a. Tickets (jeweils zzgl. Gebühren): RAR 170 Euro RIP 160 Euro / Tagestickets je 75 Euro rock-am-ring.com, rock-im-park.de

C/O POP 22. bis 26.6. Köln Staatenhaus am Rheinpark Line-Up: Andreas Dorau, Brandt Brauer Frick Ensemble, Chuckamuck, Das Hutwerk, Janelle Monae, Kreidler, Owen Pallett, Pantherklub, Paul Kalkbrenner, Philipp Poisel, Rich Aucoin, Sizarr, Tellavision, Touchy Mob, Wir Sind Helden u.a. Tickets (jeweils zzgl. Gebühren): 5-Tagesticket 78 Euro Einzeltickets ab 10 Euro c-o-pop.de

PFINGST-OPENAIR 10. bis 12.6. Hauzenberg Line-Up: 17 Hippies, Boysetsfire, Casper, Crystal Fighters, Dubioza Kolektiv, Egotronic, Flogging Molly, Gisbert zu Knyphausen, Herrenmagazin, Johnossi u.a. Tickets (jeweils zzgl. Gebühren): 3-Tagesticket 54 Euro Tagestickets je 23 Euro pfingstopenair.de

5


© Paul Ripke

JULI

Marteria

SPLASH! 8. bis 10.7. Gräfenhainichen – Ferropolis Line-Up: Atmosphere, Black Milk, Black Star, Casper, The Cool Kids, The Cypher, Cypress Hill, Damion Davis, Dendemann, Die Orsons, Flying Lotus, Janelle Monáe, K.I.Z., Kraftklub, Lupe Fiasco, Marteria, Prinz Pi, Public Enemy, Samy Deluxe & Tsunami Band, Schlachthof Bronx, Wiley, Yelawolf u.a. Tickets (jeweils zzgl. Gebühren): 3-Tagesticket 89 Euro VIP-Ticket 159 Euro Hier bin ich richtig, wenn: Mein Herz nicht nur für Oldschool-HipHop schlägt, sondern auch ein Plätzchen für aktuelle Freaks und Herzensbrecher reserviert ist. Eine SMS vom Festivalgelände: "Maaaaal gaaaaanz gechillt. Ich steeeeh jetzt auf und bin gleich bei euch..." splash-festival.de

RELOAD

Friska Viljor, F.R., Gallows, Haftbefehl, The Inspector Cluzo, Jupiter Jones, Itchy Poopzkid, Kraftklub, Monsters Of Liedermaching, Razorlight, Royal Republic, The Subways, The Twilight Singers, u.a. Tickets: kostenlos rheinkultur.com

1. bis 3.7. Sulingen - Mühlenkampsfeld Line-Up: Agnostic Front, Dampfmaschine, Emil Bulls, Fiddler's Green, Hatebreed, Ill Niño, Limp Bizkit, Luxuslärm, Mr. Irish Bastard, Papa Roach, R.Y.O.T., Skindred, Soilwork, Terror, The Bones, The Ghost Inside, Until I Sleep, Watch Out Stampede, Wirtz, u.a. Tickets (jeweils zzgl. Gebühren): 3-Tageticket 67 Euro Tagesticket Fr & So je 38 Euro Tagesticket Sa 50 Euro reload-festival.de

SONNENROT 15. & 16.7. Eching Line-Up: Balkan Beat Box, Bonaparte, Cypress Hill, FM Belfast, Jennifer Rostock, Kele, Keller Steff Band, Kettcar, Marteria, Mono & Nikitaman, Motorpsycho, Russkaja, Slut, The Ting Tings, Triggerfinger, Turbostaat, The Unwinding Hours, The Young Gods, We Have Band u.a. Tickets: 68 Euro (ohne Camping) zzgl. Gebühren sonnenrot.com

WITH FULL FORCE 1. bis 3.7. Löbnitz - Flugplatz Roitzschjora Line-Up: Agnostic Front, Blood For Blood, Bring Me The Horizon, Bullet For My Valentine, Cancer Bats, Die Apokalyptischen Reiter, Emil Bulls, First Blood, Gallows, Hatebreed, Ill Niño, Knorkator, Madball, Mad Sin, Parkway Drive, Peter Pan Speedrock, Radio Dead Ones, Six Feet Under, Skindred, Suicide Silence, Terror, Title Fight, Volbeat u.a. Tickets: 80 Euro zzgl. Gebühren withfullforce.de

APPLE TREE GARDEN 22. & 23.7. Diepholz - Bürgerpark Line-Up: The Black Atlantic, Bodi Bill, Bye Bye Bicycle, Future Islands, Hundreds, Isbells, Johnossi, Junip, Kat Frankie, Metronomy, Tim Neuhaus, Who Knew u.a. Tickets (jeweils zzgl. Gebühren): 2-Tagesticket 36 Euro Tagesticket Fr 22 Euro Tagesticket Sa 26 Euro appletreegarden.de

RHEINKULTUR 2.7. Bonn - Rheinaue Line-Up: Akua Naru, Blumentopf, Dick Brave & The Backbeats, Fard, Favorite,

6


JULI

AGNOSTIC FRONT

Bodi Bill

MELT! 15. bis 17.7. Gräfenhainichen – Ferropolis Line-Up: Âme, Anstam, Atari Teenage Riot, A.T.O.L., Beady Eye, Ben Klock, Bodi Bill, Boys Noize, Crystal Castles, Crystal Fighters, Cut Copy, Digitalism, DJ Koze, Ellen Allien, Everything Everything, FM Belfast, Jamie Woon, Junip, Marcel Dettmann, Metronomy, Miss Kittin, Nicolas Jaar, Oliver Hafenbauer, Paul Kalkbrenner, Planningtorock, Pulp, Robyn, Sizarr, Swans, The Drums, The Koletzkis, The Naked And Famous, The Streets, Totally Enormous Extinct Dinosaurs, White Lies u.a. Tickets: 109 Euro zzgl. Gebühren Hier bin ich richtig, weil: Tiefsinnigkeit ein Wochenende gegen Oberflächlichkeit ausgetauscht werden kann und Skinny-Jeans, Vintage-Kleidchen oder Glitzerstaub endlich mal mehr Wert sind als eine Unterhaltung über die marode Weltwirtschaft. Eine SMS vom Festivalgelände: "OMG. So viele ungewöhnlich gut aussehende Menschen. So tolle Outfits! Schade, dass du diese unschöne Grippe bekommen hast. xoxo." meltfestival.de

ROCKEN AM BROCKEN

SEAROCK 22. & 23.7. Bad Doberan - Ostseerennbahn

29. & 30.7. Elend bei Sorge

Line-Up: Bonaparte, Bosse, Broilers, Casper, Clueso & Band, De Staat, Die Fantastischen Vier, Dritte Wahl, Editors, Friska Viljor, Go Back To The Zoo, Jennifer Rostock, Jona:s, Jupiter Jones, Kellermensch, Kettcar, Kraftklub, Marteria, Razorlight, Royal Republic, Supershirt, The Capital Beat, This Is The Arrival, Tricky Lobsters, Turbostaat, Wayne Jackson, Wirtz u.a. Tickets: 48 Euro (ohne Camping) zzgl. Gebühren searockfestival.de

Line-Up: Adolar, Art Brut, Beat! Beat! Beat!, The Cads, FM Belfast, Fotos, The Drakes, Good Shoes, Herrenmagazin, Kraftklub, Minni The Moocher, Molotov Jive, Neon Pingu Pussys, Schluck den Druck, u.a. Tickets (aktuelle Frühbucherphase): 32 Euro zzgl. Gebühren rocken-am-brocken.de

FORCE ATTACK 29. bis 31.7. Klingendorf Line-Up: Atemnot, Auweia!, Die Art, Boxhamsters, Brixton Cats, The Casualties, Citizen Fish, Deadline, Daily Terroristen, Eight Balls, Fahnenflucht, Feine Sahne Fischfilet, Frei Schnauze, Gewapend Beton, Gleichlaufschwankung, Goldblade, The Grit, Guitar Gangsters, Gumbles, Klingonz, Kotzreiz, Kumpelbasis, Lost Lyrics, Mad Monks, Missbrauch, Montreal, The Movement, Nonstop Stereo, Normahl, The Offenders, The Pokes, Produzenten der Froide, Rantanplan, The Real McKenzies, Volxsturm, Zaunpfahl u.a. Tickets (jeweils zzgl. Gebühren): 3-Tagesticket 40 Euro 2-Tagesticket (Sa/So) 35 Euro Tagesticket So 25 Euro forceattack.de

OMAS TEICH 28. bis 30.7. Großefehn Line-Up: Adolar, And So I Watch You From Afar, Blackmail, The Blackout Argument, Bratze, Casper, The Cads, Does It Offend You, Yeah?, Editors, Findus, Frank Turner, The Go! Team, Herrenmagazin, Madsen, Molotov Jive, Royal Republic, Station 17, The Skatoons, The Thermals, Three Chord Society, Timid Tiger, Turbostaat, Wir Sind Helden u.a. Tickets: 65 Euro zzgl. Gebühren omas-teich.de

7


JULI

Pennywise

DEICHBRAND 22. bis 24.7. Cuxhaven - Seeflughafen Line-Up: Bad Religion, The BossHoss, Bosse, Boy Hits Car, Broilers, Bullet For My Valentine, Die Fantastischen Vier, Die Happy, Donots, Emil Bulls, Guano Apes, In Extremo, Jennifer Rostock, Juli, Kettcar, Pennywise, Skunk Anansie, Wirtz u.a. Tickets (jeweils zzgl. Gebühren): 3-Tagesticket 79 Euro Tagestickets je 40 Euro Hier bin ich richtig, weil: Ich sowieso kein Geld für einen richtigen Sommerurlaub übrig habe und hier nicht nur meinen Musikdurst stillen, sondern auch meine Strandsandsehnsucht befriedigen kann. Eine SMS vom Festivalgelände: "Immenser Biervorrat und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel was will man mehr?" deichbrand.de

Caliban

SERENGETI 22. & 23.7. Schloss Holte-Stukenbrock - Gelände am Freibad Line-Up: Agnostic Front, Bad Religion, Boy Hits Car, Bullet For My Valentine, Caliban, House Of Pain, In Extremo, K.I.Z., Kraftklub, Letzte Instanz, Mad Sin, Pascow, Pennywise, Rotfront, Skindred, War From A Harlots Mouth, Wizo, Your Demise u.a. Tickets (jeweils zzgl. Gebühren): 2-Tagesticket 60 Euro (ohne Camping) Tagesticket Fr 35 Euro (ohne Camping) Tagesticket Sa 40 Euro (ohne Camping) Hier bin ich richtig, wenn: Mir Bandnamen wie Bad Religion, Boy Hits Car, Mad Sin oder House Of Pain keine Gänsehaut bescheren, sondern freudige Erwartung auslösen. Eine SMS vom Festivalgelände: "48 Stunden wach und im Schlamm vor der Bühne tanzend... Du siehst, ich komme zurecht. Ich fand dich sowieso langweilig!" serengeti-festival.de

8


Frittenbude

Die Fantastischen Vier

© Alexander Gnädinger

JULI/AUG.

UMSONST UND DRAUSSEN

BIG DAY OUT

23.7. Lindau - Toskanapark

5. & 6.8. Anröchte

Line-Up: Burnout Syndrom, Death By Stereo, Fiva Mc, Frittenbude, Jaya The Cat, Johnny Crash, La Boum, Mama's Boys, Monkey Beach, The New Black, Oh My Darling, The Peacocks, Pornophonique, Phrasenmäher, V8 Wankers u.a. Tickets: kostenlos Hier bin ich richtig, wenn: Ich sonst schon mein ganzes Taschengeld in Bandshirts, Platten und/oder Bier investiert habe. Eine SMS vom Festivalgelände: "Ich liege in der Sonne und höre Musik - für lau... Komm auch." ud-lindau.de

Line-Up: Boy Hits Car, Die Fantastischen Vier, Donots, Good Charlotte, HBlockx, Henchman, Itchy Poopzkid, Jupiter Jones, Kraftklub, Montreal, The Subways, The Mighty Stef, Talco, This Is The Arrival, Wirtz, Zebrahead u.a. Tickets: 55 Euro zzgl. Gebühren Hier bin ich richtig, wenn: Ich mich nicht entscheiden kann. Punk? HipHop? Alternative? Es ist für jeden was dabei. Eine SMS vom Festivalgelände: "Hallo Omi. Ich hab mich lange nicht gemeldet, aber ich weiß jetzt, was ich mir zum Geburtstag wünsche: einen Campingkocher... (meiner ist gerade explodiert)." jzi.de


AUGUST

© Kalle Thelander

DOCKVILLE 12. bis 14.8. Hamburg - Reiherstieg-Hauptdeich Line-Up: Alessi’s Ark, Andreas Dorau, Blackmail, The Black Atlantic, The Bloody Beetroots Death Crew 77, Bodi Bill, Casiokids, Chuckamuck, Crystal Castles, Die Goldenen Zitronen, Editors, Fuck Art, Fukkk Offf, Gold Panda, Hundreds, Is Tropical, Isbells, I Heart Sharks, Johnossi, Kakkmaddafakka, Kele, Kollektiv Turmstrasse, Marteria, Mount Kimbie, The Pollywogs, Santigold, Spaceman Spiff, Star Slinger, Supershirt, Those Dancing Days, Toy Horses, ...Trail Of Dead, Vinnie Who, Wild Beasts, Yuck, Zola Jesus u.a. Tickets (aktuelle Frühbucherphase): 64 Euro (ohne Camping) zzgl. Gebühren msdockville.de

Johnossi

AREA 4

TAUBERTAL

19. bis 21.8. Lüdinghausen - Flugplatz Brokenberge

12. bis 14.8. Rothenburg o.d. Tauber Line-Up: Blumentopf, Boy Hits Car, Bullet For My Valentine, Die Fantastischen Vier, Disco Ensemble, Donots, Dropkick Murphys, Eläkeläiset, Eli Paperboy Reed, Frank Turner, Grossstadtgefluester, Iggy & The Stooges, Itchy Poopzkid, Johnossi, Jupiter Jones, K.I.Z., Klimmstein, La Vela Puerca, The Locos, Monsters Of Liedermaching, NOFX, Normahl, Ohrbooten, Pendulum, Reste von Gestern, Rise Against, Schandmaul, The Subways, Talco, Wirtz u.a. Tickets (jeweils zzgl. Gebühren): 3-Tagesticket 88 Euro Tagestickets je 42 Euro Hier bin ich richtig, wenn: Ich mir nichts sehnlicher wünsche, als mit dem Godfather of Punk ein, zwei, drei, vier... Bierchen zu heben. Eine SMS vom Festivalgelände: "Mehr Action als mit PETA beim Rügenwalder Mühlenfest." taubertal-festival.de

© Kerry Brett

Dropkick Murphy's

Line-Up: 30 Seconds To Mars, The Bouncing Souls, Danko Jones, Deftones, Disco Ensemble, Dropkick Murphys, Jimmy Eat World, Jupiter Jones, Madsen, The National, NOFX, No Use For A Name, Skindred, Turbostaat, White Lies, Yellowcard, Zebrahead u.a. Tickets: 99 Euro zzgl. Gebühren area4.de

BOOTBOOHOOK 19. bis 21.8. Hannover Line-Up: Art Brut, Christian Kjellvander, Die Goldenen Zitronen, EF, Frittenbude, Gary, Get Well Soon, The Grand Opening, Junip, New Young Pony Club, Sophie Hunger, Taxi Taxi!, Thees Uhlmann & Band, Timber Timbre, Tusq, Wir sind Helden u.a. Tickets (jeweils zzgl. Gebühren): 3-Tagesticket 44 Euro Tagesticket (Fr/Sa) 29 Euro Tagesticket (So) 19 Euro bootboohook.com

ACKERFESTIVAL 16. & 17.9. Kummerfeld Line-Up: Adolar, Are Those Your Friends, Casper, Eskimo Callboy, Findus, Say Okay, Tempt Your Fate, Wohnraumhelden u.a. Tickets: 16 Euro zzgl. Gebühren ackerfestival.de

REEPERBAHN FESTIVAL

ROCCO DEL SCHLACKO

22. bis 24.9. Hamburg

12. & 13.8. Püttlingen Line-Up: Boy Hits Car, Broilers, Bullet For My Valentine, Die Fantastischen Vier, Dropkick Murphys, Eläkeläiset, El Mago Masin, Frank Turner, Frittenbude, K.I.Z., Monsters Of Liedermaching, NOFX, Pendulum, The Subways, Wirtz u.a. Tickets: 47 Euro (ohne Camping) zzgl. Gebühren Hier bin ich richtig, weil: Frittenbude gefolgt von Frank Turner gefolgt von NOFX gefolgt von The Subways gefolgt von... spielen. Eine SMS vom Festivalgelände: "Wenn du mich suchst: Ich stehe in der ersten Reihe oder am Bierstand oder vor den Dixis. Im regelmäßigen Wechsel." rocco-del-schlacko.de

10

Line-Up: Herrenmagazin, Honningbarna, I Am Oak, Kraftklub, Moss, Pascow, Station 17, Touchy Mob, Turbostaat u.a. Tickets (jeweils zzgl. Gebühren): 3-Tagesticket (Do-So) 60 Euro 2-Tagesticket (Do/Fr oder Fr/Sa) 45 Euro 1-Tagesticket (Do/Fr/Sa) 30 Euro reeperbahnfestival.com


© Jelle Wagenaar

AUGUST

Royal Republic

Interpol

OPEN FLAIR

HIGHFIELD

11. bis 14.8. Eschwege

19. bis 21.8. Großpösna – Störmthaler See

Line-Up: Bonaparte, Boy Hits Car, Breed 77, Bullet For My Valentine,Culcha Candela, Disco Ensemble, Donots, Frank Turner, Good Charlotte, Iggy & The Stooges, Itchy Poopzkid, Jupiter Jones, Kraftklub, Monsters Of Liedermaching, Montreal, Pendulum, Rise Against, Royal Republic, The Sounds, The Subways, Transmitter, We Butter The Bread With Butter, Wirtz u.a. Tickets: 75 Euro (ohne Camping) zzgl. Gebühren Hier bin ich richtig, wenn: Meinem Festivalbädnchen-Arm bis zum Wolle Petry Look-a-Like noch ein letztes schönes Sammlerstück fehlt. Eine SMS vom Festivalgelände: "Nächstes Jahr ist der Babysitter überflüssig, dann kommen die Kleinen auch mit." open-flair.de

Line-Up: 30 Seconds To Mars, Blumentopf, The Bouncing Souls, Boysetsfire, The Bronx, Deftones, Dendemann, Disco Ensemble, Donots, Dropkick Murphys, Face To Face, Flogging Molly, Foo Fighters, Hot Water Music, Interpol, Jimmy Eat World, Katzenjammer, The Kooks, The Mighty Mighty Bosstones, Mona, The National, No Use For A Name, Odd Future Wolf Gang Kill Them All, Panic At The Disco, Pantéon Rococó, Rise Against, Royal Republic, Seeed, Skindred, Skunk Anansie, Turbostaat, Tusq, Veara, White Lies, Yellowcard, Zebrahead u.a. Tickets: 119 Euro zzgl. Gebühren Hier bin ich richtig, weil: Ich den Satz "It's okay, I'm with the band" so lange wie ein Mantra vor mich hin sage, bis es mir der Security-Mann vor dem BackstageBereich auch wirklich abkauft. Eine SMS vom Festivalgelände: "Ist es eigentlich verwerflich, dass ich mir 30 Seconds To Mars nur wegen des Frontmannes ansehe? Zugegeben, vielleicht ein bisschen." highfield.de


SEPTEMBER

Rise Against

CHIEMSEE ROCKS 24.8. Übersee

© Tino Sieland

Line-Up: Foo Fighters, Rise Against, Boysetsfire, The Mighty Mighty Bosstones, Stefan Dettl u.a. Tickets: 48 Euro zzgl. Gebühren Hier bin ich richtig, wenn: Ich die Foo Fighters und Rise Against und Boysetsfire schon immer mal nacheinander sehen wollte. Eine SMS vom Festivalgelände: "Ich liebe Dave Grohl." chiemsee-rocks.de

FRITZ DIE NEUEN DEUTSCH-POETEN 3.9. Berlin - IFA Sommergarten Line-Up: Bosse, Bourani, Clueso, Kraftklub, Marteria, Max Prosa, Philipp Poisel, Wir Sind Helden u.a. Tickets: 34 Euro (inkl. IFA-Tagesticket) zzgl. Gebühren Hier bin ich richtig, weil: Die Schönheit der gesungenen deutschen Sprache zu oft verkannt wird - netterweise belehren mich Clueso, Bosse und Co. eines Besseren. Eine SMS vom Festivalgelände: "Kaum zu glauben, dass der (Festival-)Sommer schon wieder vorbei sein soll. Bald wieder Weihnachten. Der Hass." fourartists.com/fritz-die-neuen-deutschpoeten

Clueso

BERLIN FESTIVAL 9. & 10. 9. Berlin - Flughafen Tempelhof Line-Up: A-Trak, Aloe Blacc, Andy Butler, Beirut, Bodi Bill, Boy George, dEUS, The Drums, Hercules And Love Affair, Kruder & Dorfmeister, Marc Vedo, Mogwai, Mount Kimbie, Pantha Du Prince, Primal Scream, Rainbow Arabia, The Rapture, Santigold, Suede, Wire, Yelle u.a. Tickets: 2-Tagesticket: 82 Euro zzgl. Gebühren 1-Tagesticket (Fr/Sa): 49 Euro zzgl. Gebühren Hier bin ich richtig, weil: Man hier ohne lästige Festivalbegleiterscheinungen (campen) zwei Tage in schickstem Zwirn und High Heels auflaufen kann und trotzdem noch steril und sauber nach Hause kommt. Eine SMS vom Festivalgelände: Wir treffen uns dann einfach an der U-Bahn. berlinfestival.de

Suede

12


ROSKILDE 30.6. bis 3.7. Roskilde, Dänemark Line-Up: Anna Calvi, Arctic Monkeys, Autopsy, Bad Religion, Beatsteaks, Big Boi, Bright Eyes, Deadmau5, Destroyer, Eyehategod, Foals, How To Dress Well, Iceage, Iron Maiden, I Was A King, James Blake, Janelle Monáe, Killing Joke, Kings Of Leon, Kloster, Kurt Vile & The Violators, Kylesa, Little Dragon, Lukestar, Lykke Li, Mastodon, Matthew Dear, M.I.A., OFWGKTA, Parkway Drive, PJ Harvey, Spids Nøgenhat, The Strokes, Tame Impala, Terror, The Tallest Man On Earth, Veto, Weekend, Yemen Blues u.a. Tickets: 1.725 DKK ~ 232 Euro (ohne Camping) zzgl. Gebühren Hier bin ich richtig, wenn: Ich mir gerne Blumenkränze ins Haar flechte und/oder PJ Harvey vergöttere. Eine SMS vom Festivalgelände: "Meine lieben Daheimgebliebenen: Ich glaube, ich komme nicht wieder." roskilde-festival.dk

© Dan Winters

EUROPA

JACK DANIEL'S UND UNCLESALLY*S LADEN ZUM ROSKILDE FESTIVAL Die beste Festivalreise des Sommers gibt’s geschenkt. Mit etwas Glück, versteht sich. Gemeinsam mit Jack Daniel's laden wir ein paar Sonnen-

Kings Of Leon geküsste von euch ein, in unserem Festivalbus zum Roskilde zu fahren. Neben der Anreise ab Berlin sind die Übernachtung in einem Zelt sowie zwei Tickets im

Gewinnpaket enthalten, das ihr euch mit einer E-Mail an roskilde@sallys.net und einer günstigen Sternenkonstellation sichern könntet.


EUROPA

The Hives

EXIT 7. bis 10.7. Novi Sad, Serbien Line-Up: Arcade Fire, Beirut, Carl Craig, Deadmau5, Digitalism, DJ Sneak, Fedde Le Grand, Gramophonedzie, Grinderman, Hadouken, James Zabiela, Joachim Garraud, Joris Voorn, Magnetic Man, Marco Carola, Paul Kalkbrenner, Portishead, Pulp, Steve Aoki, Tiga, Tini, Underworld u.a. Tickets: 105 Euro (ohne Camping) zzgl. Gebühren exitfest.de

OXEGEN 7. bis 10.7. Naas, Irland

PRAG CITY FESTIVAL 23.& 24.6. Prag, Tschechien Line-Up: 30 Seconds To Mars, Flogging Molly, The Gaslight Anthem, Gogol Bordello, Hadouken, The Hives, House Of Pain, Indy-KMBL, Skindred, Superhiks, Support Lesbiens, Tleskac u.a. Tickets: 40 Euro zzgl. Gebühren Hier bin ich richtig, weil: Ich nicht nur The Gaslight Anthem und The Hives als Headliner, sondern auch eine der schönsten Städte Europas mit im Paket geboten kriege. Eine SMS vom Festivalgelände: Hier müssen wir nächstes Jahr zusammen hinfahren. Und das meine ich diesmal ernst, Schatzi. cityfestival.cz

PINK POP 11. bis 13.6. Landgraaf, Niederlande Line-Up: All Time Low, Alter Bridge, Avenged Sevenfold, Ash, Band Of Horses, Beatsteaks, Coldplay, De Staat, Elbow, Foo Fighters, The Gaslight Anthem, Kaiser Chiefs, Kings Of Leon, Lifehouse, Manic Street Preachers, Plain White T`s, Scouting For Girls, Simple Plan, Volbeat, White Lies, Wolfmother u.a. Tickets (jeweils zzgl. Gebühren): 3-Tagestickets ausverkauft Tagesticket (Sa/So) je 75 Euro pinkpop.nl

PEACE & LOVE 28.6. bis 2.7. Borlänge, Schweden Line-Up: 30 Seconds To Mars, All Time Low, Astrolites, Bad Religion, Bob Dylan, Christian Kjellvander, Deadmau5, Det Vackra Livet, Foreigner, Håkan Hellström, Jimmy Eat World, Kings Of Leon, Lo-Fi-Fnk, Lykke Li, Mando Diao, M.I.A., Patrick Wolf, Sage Francis, Social Distortion, The Sounds, The Vaccines, Those Dancing Days, Timbuktu, Underoath, Volbeat, Wilmer X, Ziggy Marley u.a. Tickets: 1645 SEK ~ 184 Euro (ohne Camping) zzgl. Gebühren peaceandlove.nu

OPEN AIR ST. GALLEN 30.6. bis 3.7. St.Gallen, Schweiz

Line-Up: Alvin Zealot, Beatsteaks, Beirut, Blumentopf, Boys Noize, Culcha Candela, Digitalism, Dizzee Rascal, Elbow, FM Belfast, Friendly Fires, Friska Viljor, Jamaica, Janelle Monáe, Johnossi, John Butler Trio, Linkin Park, Mogwai, Mona, The National, Queens Of The Stone Age, Round Table Knights, Solange La Frange, Turbostaat, TV On The Radio, The Vaccines, Warpaint, Wir Sind Helden, The Young Gods u.a. Tickets (jeweils zzgl. Gebühren): Nachtschwärmer (Do-So) 193 CHF ~ 150 Euro 3-Tagesticket (Fr-So) 183 CHF ~ 140 Euro 2-Tagesticket (Sa/So) 143 CHF ~ 110 Euro 1-Tagesticket (nur So) 88 CHF ~ 69 Euro openairsg.ch

Line-Up: All Time Low, Arctic Monkeys, Beady Eye, The Black Eyed Peas, Brandon Flowers, Bright Eyes, Bruno Mars, Calvin Harris, Chase & Status, Coldplay, Crystal Castles, Deadmau5, Eels, Fight Like Apes, Foo Fighters, Friendly Fires, House Of Pain, Imelda May, Jessie J., Jimmy Eat World, My Chemical Romance, Noah And The Whale, The National, Paolo Nutini, Pendulum, Plan B, Primal Scream, Swedisch House Mafia, The Script, The Strokes, Tinie Tempah, Two Door Cinema Club, The Vaccines, Weezer u.a. Tickets (jeweils zzgl. Gebühren): 4-Tagesticket 245 Euro 3-Tagesticket 225 Euro oxegen.ie

BENICÀSSIM 14. bis 17.7. Benicàssim, Spanien Line-Up: And So I Watch You From Afar, Arcade Fire, Arctic Monkeys, Beirut, Dynamite, Bombay Bicycle Club, Brandon Flowers, Crystal Fighters, Deerhoof, Friendly Fires, The Go! Team, Jack Beats, Juana Molina, Layabouts, Mumford & Sons, Noah And The Whale, Paolo Nutini, Pendulum, Portishead, Primal Scream, The Streets, The Strokes, Tame Impala, Tinie Tempah, Zombie Zombie u.a. Tickets (jeweils zzgl. Gebühren): 4-Tagesticket 175 Euro 3-Tagesticket 145 Euro fiberfib.com

MIGHTY SOUNDS FESTIVAL 15.7. bis 17.7. Tabor, Tschechien Line-Up: Anti-Flag, The Beatdown, Benuts, The Casualities, The Creepshow, Demented Are Go, Desorden Publico, The Dreadnoughts, Dub Pistols, Gangnails, Hotknives, Karamelo Santo, Los Fastidios, Madball, The Movement, Pipes And Pints, Random Hand, The Toasters, Total Chaos u.a. Tickets: 33 Euro zzgl. Gebühren mightysounds.cz

The Dreadnoughts

14


EUROPA

Twin Shadow

Marina And The Diamonds

SZIGET

ØYA FESTIVAL

8. bis 15.8. Budapest, Ungarn

9. bis 13.8. Oslo, Norwegen

Line-Up: Amy Winehouse, The Chemical Brothers, Crystal Castles, Deftones, Dizzee Rascal, Flogging Molly, Gogol Bordello, Good Charlotte, Hadouken, Hurts, Interpol, Judas Priest, Kasabian, Lostprophets, The Maccabees, Marina And The Diamonds, Motörhead, The National, Peter Bjorn And John, Pulp, Rise Against, Skunk Anansie, The Bloody Beetroots Death Crew 77, Within Temptation u.a. Tickets: 170 Euro (ohne Camping) zzgl. Gebühren Hier bin ich richtig, wenn: Ich auf strahlenden Sonnenschein, spitzen FreizeitEntertainment, riesen Musikauswahl und Spaß für 50 klarkomme. Eine SMS vom Festivalgelände: Keine (Netz überlastet). szigetfest.de

Line-Up: Aphex Twin, Bring Me The Horizon, Comeback Kid, Crystal Fighters, Explosions In The Sky, Fjorden Baby, Fleet Foxes, Ghost, Håkan Hellström, James Blake, Jamie XX, Janelle Monáe, Kaizers Orchestra, Kanye West, Kvelertak, Kyuss Lives, Lykke Li, Matthew Dear, Pulp, The Avett Brothers, The Pains Of Being Pure At Heart, Twin Shadow, Warpaint, Wiz Khalifa, Wolves Like Us u.a. Tickets: 2.150 NOK ~ 273 Euro zzgl. Gebühren Wie ihr gesehen habt, kann das Øya Festival mit einem tollen Line-Up glänzen. Ein Glücklicher von euch wird 1x2 Tickets für fünf wunderbare Tage im noch viel wunderbareren Oslo gewinnen. Schreibt hierfür eine E-Mail an verlosung@sallys.net, Stichwort: Øya Festival und formuliert einen kleinen Gruß auf Norwegisch an uns (Google hilft euch sicher gerne): oyafestivalen.com

HALTESTELLE WOODSTOCK 4. bis 6.8. Kostrzyn, Polen Line-Up: Airbourne, Dog Eat Dog, Donots, Kontrust, Gentleman, Gogol Bordello, H-Blockx, Heaven Shall Burn, Helloween, Kumka Olik, Riverside u.a. Tickets: kostenlos haltestelle-woodstock.de

OFF 5. bis 7.8. Katowice, Polen Line-Up: Actress, Ariel Pink's Haunted Graffiti, Deerhoof, Destroyer, Gang Of Four, Glasser, Mogwai, The Jon Spencer Blues Explosion, Low, Liars,

Matthew Dear, Meshuggah, Neon Indian, Primal Scream playing "Screamadelica", Warpaint, Xiu Xiu, Twin Shadow u.a. Tickets (aktuelle Frühbucherphase): 40 Euro (ohne Camping) zzgl. Gebühren off-festival.pl

Dear & Band, Off, Pulp, Puro Instinct, Q-Tip, Robyn, Santigold, Thåström, The Avett Brothers, Tiësto, Twin Shadow, Warpaint, Wiz Khalifa, Wu Lyf, Yuck u.a. Tickets: 1395 SEK ~ 156 Euro wayoutwest.se

WAY OUT WEST

FM4 FREQUENCY

11.8 bis 13.8. Göteborg, Schweden

18. bis 20.8. St. Pölten, Österreich

Line-Up: Ariel Pink, Butch, Destroyer, D/R/U/G/S, Edward Sharpe & The Magnetic Zeros, Explosions In The Sky, Fake Blood, Fleet Foxes, James Blake, Jamie Woon, Janelle Monáe, Jayhawks, Kanye West, Low, Matthew

Line-Up: A-Trak, Apocalyptica, Beady Eye, Boys Noize, Carl Barat, Crystal Fighters, Deichkind, Dropkick Murphys, Fertig, Los!, Foo Fighters, Friendly Fires, Friska Viljor, Good Charlotte, Hadouken, The Hundred

In The Hands, Hurts, Interpol, Jamie Woon, Jochen Distelmeyer, Kaiser Chiefs, Kasabian, Kele, The Kooks, Mono & Nikitaman, Moonbootica, Panic! At The Disco, Rise Against, Seeed, Simple Plan, Stereo MCs, Two Door Cinema Club, The Vaccines, Yodelice u.a. Tickets: 120 Euro zzgl. Gebühren frequency.at


Digitalism Zwei Herzen

2007 gehörten die Hamburger Digitalism neben Justice und Simian Mobile Disco zur Speerspitze der Garde der neuen, jungen Elektroniker, der szenigen angesagten Duos, die sowohl Gitarren-Fetischisten, Neon-Raver, das nette Blumenmädchen von nebenan oder den erfolgreichen Mittdreißiger in die Clubs ziehen. Mit ‘I Love You, Dude‘ legen sie nun den Nachfolger zu ihrem gefeierten Debüt vor. Man kann Ismail Tuefekci und Jens Moelle ohne Reue „Stars“ nennen. Das klingt zwar nach Koks und Schampus und ist ihnen peinlich, bringt sie aber zum Lachen. In Amerika, in Japan, überall singt man ihre Songs mit, stampft den Takt, tanzt zu ‘Pogo‘ und schreit ein lautes „Wohooo“ wenn nach einer Pause der Bass wieder einsetzt. Ab ins Flugzeug! Raus in die Welt! Nächster Halt: Fuji-Rock-Festival, ein Bombast-Ereignis in einem japanischem Skigebiet. Angst vor den möglichen Folgen eines auslaufenden, maroden Atommeilers haben sie nicht. Digitalism sind froh, da sein zu dürfen. „Es ist wichtig, die Leute auf andere Gedanken zu bringen. Es geht nicht darum: ’Hey wir haben ein neues Album, also spielen wir da.’“, sagt Ismail bestimmt, in seinem dunklen Sieben-Tage-Bart-Wald sind schon einige weiße Flecken. Man kennt Digitalism in Japan, beim Über-Die-Straße-Gehen werden sie angesprochen. So verwundert es auch nicht, wenn es für Japan ein anderes, ein eigenes Cover gibt. Demnächst wird ein T-Shirt verkauft, die Einnahmen gespendet. U2-Gehabe ist das nicht. Jens ist sich sicher, dass es richtig verstanden wird, dass sie es ernst meinen. „Anstatt Cyber-Beten machen wir was Echtes. Jemand postet: ’Ich bete für die Antarktis’ Du klickst auf ’Like’ und bist aus dem Schneider. Das ist schwach.“ Kraftvoll, mit Mut zur Melodie und geadelt durch eine Brieffreundschaft zu Julian Casablancas kommt nun ihr zweites Album daher. Die poppige Sehnsuchts-Hymne zum diesjährigen Melt!-Festival ‘2 Hearts‘ ist auch dabei. Die wohl zeitgemäßeste Platte der Welt heißt heuer ‘I Love You, Dude‘. Sie ist der größtmögliche Liebesbeweis zweier kongenialer Virtuosen. Text: Frédéric Schwilden

Heimat: thedigitalism.com Digital ist besser: Digitalism aus Hamburg.


Seite 36

TEST

unclesally*s magazine

TEST

FRANK TURNER

Im großen Test der toten Engländer Frank Turner ist in der letzten Zeit viel herumgekommen. Doch nur seiner Heimat fühlt er sich wirklich verbunden. Deshalb darf die Insel laut dem Titel seiner neuen Platte „England Keep My Bones“ später auch gern seine sterblichen Überreste behalten. Da der junge Mann obendrein noch ein Geschichtsstudium an einer Spitzenuni abgeschlossen hat, könnte es keinen besseren Kandidaten geben, der sich in unserem Test der toten Engländer mit nur einem Telefon- und 50/50-Joker zum Jackpot durchkämpft. Oder?

Frage 1 Radio-DJ John Peel veranlasste vor seinem Tod, dass neben seinem Namen lediglich eine Textzeile seines Lieblingssongs „Teenage Kicks“ auf seinem Grabstein stehen sollte. Welche ist es?

A „Get teenage kicks right through the night“ B „Teenage dreams so hard to beat“ C „I need exitement oh I need it bad“ D „It’s the best I’ve ever had“ Frank: Ich erinnere mich, darüber etwas in der Zeitung gelesen zu haben. Ich weiß es nicht zu 100%, aber ich bin ziemlich sicher, dass es „Teenage dreams so hard to beat“ ist.

Korrekte Antwort: B

Frage 2 Wer von diesen SchauspielerInnen wurde in England geboren?

A Farrah Fawcett B Rock Hudson C Elizabeth Taylor D Leslie Nielsen Frank: Ah, fuck. Äh, ich werde raten. Wieder habe ich das Gefühl, es letztens in der Zeitung gelesen zu

haben. Seht mich an, das klingt, als würde ich meinen Tag komplett mit Zeitungslesen verbringen. Ich sage Antwort C, Elizabeth Taylor.

Korrekte Antwort: C

Frage 3 Welcher Hochkaräter schmückte den Verlobungsring von Lady Diana – im Übrigen derselbe Ring, den Prinz William seiner Kate Middleton zur Verlobung schenkte?

A Diamant B Saphir C Smaragd D Rubin

Frage 4 Welche berühmte Geschichte wird gern über den Maler William Turner erzählt?

A Er habe sich an den Mast eines Schiffes

binden lassen, um einen Sturm auf See aus nächster Nähe erleben zu können B Er hatte eine heimliche Affäre und zwei Kinder mit Jane Austen C Er malte einige seiner berühmtesten Werke ausschließlich mit den Füßen D Seine berühmtesten Gemälde wurden in Wirklichkeit von seiner Frau angefertigt Frank: Ich würde jetzt gern den 50/50-Joker einsetzen, wenn ich darf.

A Er habe sich an den Mast eines Schiffes

Frank: Okay, ich weiß die Antwort definitiv nicht! Jedes Mal, wenn ich die Zeitung aufschlage und etwas über die royale Hochzeit sehe, blättere ich sofort weiter. Ich weiß, dass der Ehering aus walisischem Gold gefertigt wird, weil das eine Tradition in der königlichen Familie ist. Aber so langsam gibt es kein Gold mehr in Wales, um das weiter fortzuführen. Zurück zu Frage: Ich sage, der Stein ist ein Diamant. Denn wenn ich Prinzessin Diana wäre und man hätte mir statt eines Diamanten nur einen Rubin geschenkt, wäre ich sicher sauer gewesen.

Korrekte Antwort: B

Laut dem Guinness Buch der Rekorde hat eine

binden lassen, um einen Sturm auf See aus nächster Nähe erleben zu können D Seine berühmtesten Gemälde wurden in Wirklichkeit von seiner Frau angefertigt Frank: Okay, ich bin ziemlich sicher, es ist nicht A, denn das war Odysseus. Ich sage Antwort D.

Korrekte Antwort: A

Frage 5


dieser Personen zwei bis vier Milliarden Bücher verkauft und wurde so zum erfolgreichsten Buchautoren/zur erfolgreichsten Buchautorin aller Zeiten. Lediglich die Bibel ist öfter verkauft worden als die Bücher von...

A Virgina Woolf B Agatha Christie C Charles Dickens D Aldous Huxley Frank: Wirklich? Okay, ich bin sehr sicher, es ist weder Huxley noch Virgina Woolf. Ich denke, es muss Agatha Christie sein, denn obwohl Dickens sehr berühmt und aus literarischer Sicht sehr wichtig ist – sie hat so viel veröffentlicht. Agatha Christie wird in jeder Ecke der Welt gelesen. All die Orte, die mal Teil des Britischen Weltreichs waren, kaufen ja auch TV Shows von der BBC, ich wäre nicht überrascht, wenn sie alle auch „Miss Marple“ lesen würden.

Korrekte Antwort: B

Frage 6 Aus welchem Grund begann Alfred Hitchcock eigentlich mit den berühmten Cameo-Auftritten in seinen Filmen?

A Er hatte nicht genug Statisten B Auf Grund bloßer Eitelkeit C Er glaubte, die Zuschauer würden sich mehr

auf den Film konzentrieren, wenn sie auf einen möglichen Cameo-Auftritt warteten D Er wollte schlichtweg ein eigenes Marken zeichen für Hitchcock-Filme kreieren

Frank. Ich weiß es nicht. Kann ich jemanden anrufen? Aber wen? (Nach drei unbeantworteten Anrufen in die englische Heimat, meldet sich schließlich sein Freund und Gitarrist Ben Lloyd zurück. Er weiß nicht, dass Frank uns gegenüber die Drohung geäußert hat, dass er seinem Kumpel bei einer falschen Antwort unter Umständen einen kräftigen Arschtritt verpassen wird.) Mein Kumpel sagt, es ist entweder C oder D und meinte, ich sollte Antwort D nehmen.

Korrekte Antwort A

(Frank: Ach, und der Typ denkt von sich, ein Filmexperte zu sein? Nun ja... Ich rufe ihn später noch mal an und motze.)

Frage 7 Auf welche literarische Figur bezieht sich die Band Jefferson Airplane mit ihrer Textzeile: „And you’ve just had some kind of mushroom and your mind is moving slow“?

A Mr. Rochester von Charlotte Brontë B Alice von Lewis Carroll C Romeo von Shakespeare D Victor Frankenstein von Mary Shelley Frank: Ich bin sehr sicher, dass es Alice von Lewis Carroll ist. Frankenstein wird’s schon nicht sein. Alle möglichen Bands waren ganz besessen von Lewis Carroll.

Korrekte Antwort B

Frage 8 Welche historische Figur wird von Helena Bonham

Carter im Film „The King’s Speech“ gespielt?

A Princess Margaret B Wallis Simpson C Queen Mary D Die spätere Queen Mum Frank: Ich habe den Film gesehen. Es ist Queen Mum, also sie wurde später im Volksmund so genannt, als ihre Tochter Elizabeth Königin war.

Korrekte Antwort: D

Frage 9 Henry VIII hatte sechs Ehefrauen. Der Geist einer dieser Damen spukt bis heute angeblich im Hampton Court Palace...

A Catherine of Aragon B Catherine Parr C Catherine Howard D Jane Seymour Frank: Ich weiß es nicht, aber ich kann es herausfinden: ’Geschieden, geköpft, gestorben, geschieden, geköpft, überlebt.’ Gestorben sind sie ja alle irgendwann. Aber wenn der Geist noch spukt, dürfte ja etwas Schlimmes mit der Person geschehen sein. Also ist es Catherine Howard. Kennt ihr die Serie „The Tudors“? Das ist kompletter Müll, aber ich bin einer dieser nervigen Typen, die sich solche Fernsehserien ansehen und ständig meckern, was alles historisch inkorrekt wiedergegeben wird.

Korrekte Antwort: C

Frage 10 Ex-Rolling Stones-Gitarrist Brian Jones produzierte einst eine Platte mit traditioneller Musik eines bestimmten Ortes. Wie heißt eine Compilation, die nach seinem Tod veröffentlicht wurde. Brian Jones Presents: A The Tablas At Nagpur B The Balalaikas At Murmansk C The Zithers At Novo Mesto D The Pipes Of Pan At Joujouka Frank: Keine Ahnung. The Pipes Of Pan At Joujouka klingt lächerlich, deshalb denke ich nicht, dass es das ist. Ich tippe, es ist The Balalaikas At Murmansk, denn ich weiß, dass es Balalaikas definitiv in Murmansk gibt... Das ist falsch, nicht?

Korrekte Antwort: D

FAZIT Eines vorweg: Frank war der engagierteste Kandidat, den wir je in unserem Test mitspielen lassen haben. Ehrgeizig grübelte, riet und telefonierte er, ganz so, wie man es sich von einem Eliteschüler auch erhofft. Leider konnte er mit seinem Superhirn trotzdem nichts gegen unseren schlichten Humor ausrichten. Sechs Richtige sind ja ganz nett, aber von einem Allroundgenie hätten wir, um ehrlich zu sein, etwas mehr Glamour erwartet. Text: Christine Stiller, Foto: Erik Weiss Heimat: frank-turner.com Auch gut: „England Keep My Bones“ - das neue Album von Frank Turner


Seite 38

MUSIK STORIES

unclesally*s magazine

Friendly Fires Samba-Pop, die zweite

Das gute Wetter ist endlich da. Fehlt nur noch die passende Musik. Heiße Kandidaten für heiße Grooves in den heißen Monaten sind Friendly Fires, die nun endlich ihr lang ersehntes zweites Album ‘Pala‘ präsentieren. Ein warmer Sommerabend am Strand. Eine leichte Brise geht. Die Sonne hängt als Feuerball kurz über dem Horizont. Der Boden bebt, die Füße stampfen im Sand. Indie-Melodien hängen seicht in der Luft. In diese Kulisse wirft einen die Musik der Pop-Perkussionisten von Friendly Fires. Der Soundtrack lauer Sommertage. Mit ihrem Erstlingswerk ‘Friendly Fires‘ sicherten sich die drei Briten 2008 ein Ticket für das große Indie-Karussell und sahnten Auszeichnungen, Nominierungen und viel Lob ab. Zweieinhalb Jahre später kommt jetzt der Nachfolger ‘Pala‘ in die Läden. „Es fühlt sich an, als sei diese Platte unser Debütalbum“, sagt ein gut gelaunter Edd Gibson, Gitarrist der Band. Draußen scheint die Sonne. „Am Ende des ersten Albums haben wir nicht nur unseren Sound gefunden, sondern auch unsere Weise aufzunehmen und Songs zu schreiben“, erklärt er. „‘Pala’ zeigt die Musik, die wir immer machen wollten.“ Die Musik, die Friendly Fires immer machen wollten, setzt bei Songs wie ‘Jump In The Pool‘ oder ‘Kiss Of Life‘ vom ersten Album an. Epischer Samba-Pop mit pulsierenden Trommel-Rhythmen. Ein bisschen Safri Duo auf Indie-Ecstasy. Es ist ein spezieller Mix. Edd denkt kurz nach: „Also ich glaube, wir sind die einzige Band, die diese Musik macht.“

Irgendwie vernebelt: Friendly Fires.

Schon seit ihrem 13. Lebensjahr musizieren die drei Jungs aus St Albans gemeinsam. Aber erst im Laufe der Produktion des ersten Albums flossen die Samba-Elemente in die Musik von Friendly Fires ein. Die Band hatte sich Videos vom Karneval in Brasilien angeschaut und war von den Grooves beeindruckt. „Da mal zu spielen, wäre sicher toll“, sinniert Edd. Und tatsächlich kamen die Jungs auf der Tour nach dem ersten Album schon einmal in Rio de Janeiro vorbei. Das war 2009. Sie waren aufge-

regt, schließlich ist Samba dort Alltag für die Menschen. „Aber der Mix kam gut an und alle haben von Anfang an wild getanzt“, meint Edd. Mit diesem Ritterschlag im Gepäck konnte die Band nun auf dem zweiten Album weiter an ihrem Samba-Pop schleifen. Einziges Manko: Keiner der drei kann auch nur ansatzweise Samba tanzen. Text: Johannes Musial Foto: Satoshi Minakawa Heimat: wearefriendlyfires.com

FM Belfast

Ringelpietz mit Anfassen Isländische Musiker sind ein Phänomen, und FM Belfast sind dafür fast schon übertypisch. Regelmäßig stehen nicht nur die vier Kernmusiker auf der Bühne, sondern Freunde im Dutzend gleich mit, die alle noch bei anderen Gruppen unter Vertrag sind. Das ist aber durchaus ein Programm. Árni Rúnar Hlöðversson und Lóa Hlín Hjálmtýsdóttir, die FM Belfast 2005 gegründet haben, arbeiten gerne mit möglichst vielen anderen Menschen zusammen und feiern mit ihnen am liebsten eine Live-Party, an der auch die Crowd teilnehmen soll. Und so hört sich dann auch ihre neue Platte ‘Don’t Want To Sleep‘ an. Hier wird zwar keine künstliche Konzertatmosphäre erzeugt, aber die Stücke sind schon recht stark auf die spätere Performance ausgerichtet. Bereits der Opener ‘Stripes‘ gibt die Richtung vor: Synkopierte Klavier-Staccati klopfen rhythmisch an die Synapsen, bevor die typischen elektronischen Sounds einsetzen. „‘Stripes‘ war das einzige Stück auf dem Album, von dem wir wollten, dass es ein Pop-Song wird“, sagt Lóa und Árni ergänzt: „Wir machen damit gleich klar, worum es auf der Platte geht. Das ist der flotte PartyModus, den wir da einlegen.“ Tatsächlich hat das zweite Werk von FM Belfast nach dem sensationel-

Gehen mit ihrer Laterne: FM Belfast.

len Debüt ‘How To Make Friends‘ einen Gutteil an Rohheit verloren, dafür gehen die Produktionen sehr viel mehr in die Tiefe. Das scheint zunächst ein Nachteil zu sein, als wäre da unschuldige Frische verloren gegangen. Doch das ist nicht wahr: FM Belfast können sich von allen musikalischen Vorurteilen freimachen und fabrizieren, was immer ihnen einfällt, aber sie sind nicht naiv. Und sie sind es nie gewesen. Ziemlich clever spielen Lóa

und Árni auf der ganzen popmusikalischen Klaviatur, wechseln langsam und schnell, fröhlich und traurig, Party und Chill miteinander ab. Tatsächlich behaupten die beiden, ihre Songs entstünden immer aus einem Gefühl heraus. So viel Gefühl möchte man gerne selbst haben. Text: Eberhard Spohd Foto: Joi Kjartans Heimat: fmbelfast.com


unclesally*s magazine

MUSIK STORIES

Seite 39

SPEED DATING

EMA

TOY HORSES

Sucht: nach undurchschaubaren, unnahbaren Typen, denen sie hinterherjagen kann, ohne sie je kriegen zu müssen. Der erste Eindruck: Die junge Dame wird schon im Vorfeld dieser Runde als TopKandidatin gehandelt. Natürlich ist sie hübsch (hellblond), wirkt mit ihrem sanften, sperrigen Gitarren-Pop feenhaft zerbrechlich, aber auch obsessiv und verkorkst und sie nimmt kein Blatt vor den Mund. Wahrscheinlich besonders dann nicht, wenn eine Palette Dosenbier im Raum steht. Das werden die Schwiegereltern sagen: Schwiegereltern im klassischen Sinne wird es nicht geben. Denn... Hochzeit oder kurze Affäre: ...ihr müsst ja komplett unnahbar sein, um Erika M. Anderson zu kriegen. Ein Teufelskreis. Vielleicht habt ihr aber auch Glück und könnt sie mit einem Ganzkörpertattoo aus Vanitas-Symbolen rumkriegen.

Suchen: Ein Mutter-Tochter-Duo mit einem Indie-Faktor von 100%. Der erste Eindruck: Ein Datepartner, dem die Sonne aus den Augen strahlt: Ein verschmitztes Grinsen, die Frisur gewollt-ungewollt, ein Knopf zu wenig am (obligatorischen) Indie-Hemd. Und Kinder und Tiere mag der Kerl auch noch. Na also. Darin bin ich eigen: Da hier Stiefvater und Stiefsohn so harmonisch als musikalisches Duo agieren, dürfen alle, die ihr soziales Umfeld bald mit eigenem Genmaterial vergrößern wollen, bei diesem Blinddate die Hoffnung auf echte Familienmenschen hegen. Hochzeit oder kurze Affäre: Von der Anlage her sind diese Waliser definitiv etwas fürs ewige Zusammenleben. Sie wirken einfach so nett. Doch sind diese beiden ausschließlich zu zweit zu vermitteln. Wer macht da mit?

Heimat: cameouttanowhere.com, Aktuelles Album: “Past Life Martyred Saints”

Heimat: myspace.com/toyhorses, Aktuelles Album: „Toy Horses“

The Middle East

Wu Lyf

Suchen: Den schnellsten Seeweg von Australien in eure Herzen. Der erste Eindruck: Obwohl, musikalisch geht es bei der Combo aus Queensland, eher gemächlich zu. Schnell ist hier nur, wer das mit dem SPEED-Date allzu wörtlich nimmt und ihrem gefühlsbetonten Indie-Folk lediglich im DurchzappModus eine Chance gibt. Das werden die Schwiegereltern sagen: Wenn es gut läuft, dürft ihr sie nach ein paar Gläsern Rotwein Wange an Wange zu zarten Streichern und Gitarrenklängen schwofen sehen. (Sie müssen ja das mit der Entfernung nach Australien erst einmal verarbeiten.) Vorsicht: Nicht jedermanns Sache. Hochzeit oder kurze Affäre: In unseren oberflächlichen Zeiten tut ein bisschen Besinnlichkeit in Geist und Klang doch wirklich gut. Mit einem Trauschein sichert ihr euch ein Leben voller Harmonie, Glück und Liebe.

Suchen: Nicht nach dem grellen Rampenlicht. Der erste Eindruck: Oder gerade doch? Sie gelten ja fast als manisch unnahbar. Du liebe Zeit. Rätselraten gerne, aber so? Dieser Kandidat verfügt definitiv über eine gespaltene Persönlichkeit. Ein Kompliment: Wenn man in Betracht zieht, dass diese Band aus Manchester schon jetzt allerorts als genial abgefeiert wird, kommt man um die Genie/ Wahnsinn-These nicht herum. Indie-Rock ohne alberne Röhrenjeans, aber hinter Tüchern vorm Gesicht versteckt. Eingängiger Pop mit jugendlicher Verspieltheit aber rauer Kehle, Bartstoppeln und Holzfällerhänden ohne Ehering. Hochzeit oder kurze Affäre: Ihr wolltet doch immer einen Mann, der anders ist. Das Beziehungsmodell, in das dieser Kandidat passt, muss allerdings erst noch erfunden werden. Den Antrag würde er sowieso nicht selbst machen. Viel zu gewöhnlich so was.

Heimat: myspace.com/visitthemiddleeast Aktuelles Album: „I Want That You Are Always Happy“

Heimat: wulyf.org Aktuelles Album: „Go Tell Fire To The Mountain“

Title Fight Suchen: Den schnellen Kick. Der erste Eindruck: Perfekt! Kaum ein Song länger als zweieinhalb Minuten. Die Jungs aus Pennsylvania fühlen sich hier pudelwohl. Darin bin ich eigen: Ein Traum für alle Post-Hardcore-Mädchen, die eigentlich nur wegen der Jungs zu Konzerten gehen. Die Musik ist melodisch genug, um sie auch mögen zu können, wenn man eigentlich heimlich IndiePlatten unterm Schminktisch hortet. Hochzeit oder kurze Affäre: Sollte es euch nicht gelingen, einen dieser niedlichen Hardcore-Punks für euch zu gewinnen, laufen bei den Konzerten der Band sicher unzählige andere gute Typen in Kapuzenpullis und schicken Turnschuhen herum, die ihr ehelichen könnt. Heimat: titlefight.tumblr.com Aktuelles Album: „Shed“

When Saints Go Machine Suchen: Mädchen und Jungen mit einer Vorliebe für Pop und Elektronik, die gegebenenfalls mit avantgardistischen Ambitionen umzugehen wissen. Der erste Eindruck: Arthur Russell lässt grüßen. Sänger Nikolaj Manuel Vonsild klingt wie eine Kopie des New Yorker Pop-Avantgardisten. Das Quartett brilliert nicht nur optisch, sondern schafft es durch elektronische Spielereien clubtauglich zu sein. Glück gehabt. Das werden die Schwiegereltern sagen: Eine durchaus passable Partie. Hochzeit oder kurze Affäre: Lasst das Quartett auf euch wirken und einem langen glücklichen Leben steht nichts mehr im Wege. Heimat: whensaintsgomachine.com

Aktuelles Album: "Fail Forever"


Seite 40

MUSIK STORIES

unclesally*s magazine

Jamie Woon

Dank Burial auf der Überholspur

Wer nicht hinter dem Mond lebt, weiß längst woher der Hype-Wind weht: Singer/ Songwriter-Dubstep nennt sich die Genrevariation, auf die sich gerade alle einigen wollen. Auftritt: Jamie Woon. Der Londoner macht es sich auf einer Couch bequem, lehnt sich zurück. Er lächelt verhalten, steht scheinbar nicht gern im Mittelpunkt. Pech für ihn, denn mit seinem Debüt ‘Mirrorwriting’ schwimmt Woon auf einer Jubel-Welle irgendwo zwischen James Blake und Katy B, die Dubstep zunehmend mit Soul, R’n’B und House-Einflüssen spicken und so einer breiteren Masse zugänglich machen. „Wenn ich schon mit anderen Künstlern assoziiert werde, dann ist es in Ordnung, wenn es die beiden sind. Unsere Musik basiert ja größtenteils auf denselben Einflüssen, wir kommen aus der gleichen Stadt: Das verbindet den Sound - doch wenn man unsere Platten hört, erkennt man, dass die Ideen unterschiedlich umgesetzt wurden.“ Jamie Woon ist in der Riege der Wunderkinder bestens aufgehoben, bekam er doch bereits den Ritterschlag in Form ei-

nes Burial-Remixes, der sich des titelgebenden Songs seiner ‘Wayfaring Stranger’-EP annahm. Auch auf ‘Mirorrwriting’ hinterließ die Legende seine Spuren: als Co-Produzent der Single ‘Night Air’. Für die restlichen Tracks zeigt sich Woon selbst verantwortlich. „Ich denke, das Benutzen einer Loop Station brachte mich auf die Idee, tiefer in den Produktionsprozess einzudringen. Ich habe mir damit sehr viel Zeit gelassen - doch am Ende bin ich natürlich nicht komplett zufrieden.“ Selbstzweifel sind unnötig, wie die Nominierung für die BBC-Sound-Of-2011-List bewiesen haben dürfte. Verstecken kann er sich sowieso nicht mehr - auch nicht hinter dem Laptop. Text: Franziska Schuh Foto: Phil Sharp Heimat: jamiewoon.com

Fink

Method Music Making

„Ich hasse diese Singer-Songwriter-Klischees!“, rumpelt Finian Greenall. Vielleicht klingt ’Perfect Darkness’, das vierte Fink-Album, deshalb nicht nach Heulsuse. Vielleicht liegt es auch daran, dass Greenall als DJ zum britischen Vorzeige-Elektronik-Label ’Ninja Tune’ kam, als sich die Szene um Bässe und Beats in London gerade etablierte. „Das schöne an Electronic-DanceMusic war, dass sie eben noch keine Klischees hatte. Es war schon revolutionär und modern, dass auf der Bühne keine Band stand“, erinnert sich Greenall grinsend. In die Rolle als einziger ’Ninja Tune’-Künstler, der offiziell eine Wandergitarre bedienen darf, ist er nach vier Alben hineingewachsen. Sein Songwriting ist aber nicht nur deshalb bei Künstlern wie John Legend oder Professor Green gefragt, weil seine Hände einst Turntables bedient haben. Der Frontmann des Fink-Trios ist in aller Stille zu einem echten Virtuosen gewachsen. „Ich habe mittlerweile eine ganz gute Idee davon, was zu tun ist, wenn ich kreativ sein will. Wenn du wirklich gutes Gras anpflanzen willst, kannst

du nicht einfach Samen in die Erde werfen und warten was kommt. Du musst dich kümmern. Wenn ich am Samstag Songs schreiben will, fange ich am Mittwoch damit an, mich vorzubereiten“, grinst er. Wie beim Method-Acting wirft sich Greenall dann mit aller Macht in vergangene Gefühlswelten zurück und stapft dementsprechend verstimmt durch seine Heimat Brighton – denn Euphorisches ist ein seltenes Gut auf Fink-Alben. „Das Ätzende ist, dass ich mich - wenn ich mich in wirklich deprimierende Momente zurückversetzen möchte - auch noch von meinen Liebsten isolieren muss, damit sie mich nicht aufmuntern“, schildert er und bricht in lautes Gelächter aus. Es sind nicht die Hände oder die Elektronik. Es ist der Humor, der Fink vom Klischee entfernt. Text: Timo Richard

Heimat: finkworld.co.uk

Brooke Fraser

Auf den Spuren Jack Kerouacs

Während Brooke Fraser in ihrer Heimat Neuseeland bereits zwei Nummer-Eins-Alben veröffentlicht und in den australischen wie US-Charts die obersten Plätze besetzt hat, visiert die 27-Jährige mit ‘Flags’ nun einen Siegeszug durch Europa an. Angst macht ihr der hiesige Neustart nicht, denn „natürlich kommt mir alles so schön vertraut vor“, erzählt Fraser mit sympathischer Gelassenheit. Insgesamt stehen die Chancen für einen ähnlich großen, europaweiten Erfolg nicht schlecht, erinnern ihre Folk-Songs mit Gospeleinschlag doch an Grande Dame Joni Mitchell. Im zarten Alter von 18 Jahren nahm Brooke ihr Debüt auf, kurze Zeit später den Zweitling. Die neue Platte durfte hingegen ganze vier Jahre reifen. „Mir wurde bewusst, dass ich als Künstler gewachsen war, und passend dazu wollte ich eine neue Herangehensweise an das Album - vor allem auf das Songwriting bezogen. So experimentiere ich mit Geschichten, Charakteren und Erzählweisen. Der neue Ansatz beinhaltet insbesondere das Sprechen durch Charaktere.“ Daher ist es kaum

verwunderlich, dass verschiedenste Literaten als Inspiration dienten. Beispielsweise ist ‘Something In The Water’ vom Schweizer Pop-Philosophen Alain de Botton beeinflusst, der Song ‘Jack Kerouac’ von gleichnamigem Autor und „einer langen Reise durch Nordkalifornien, auf der ich Paul Simons ‘Graceland’ bis zum Anschlag gehört habe“, berichtet sie und lacht. Spätestens da wird allzu offensichtlich, dass Brooke Fraser nichts mit dem Beatnik gemein hat. Sie wirkt weder hektisch noch verbittert noch atemlos. Sie ist irritierend zuvorkommend und charmant. Die gebürtige Neuseeländerin wird schnell Freunde finden, auch hierzulande. Text: Franziska Schuh Foto: Nirrimi Hakanson Heimat: brookefraser.com


unclesally*s magazine

MUSIK STORIES

Seite 41

aus, als wäre eine Naturkatastrophe über sie hereingebrochen. Aber diese Zerstörung ist allein von Menschenhand entstanden.“ Dave schüttelt den Kopf, als wolle er sagen ’Wie können wir uns das nur bieten lassen?’. Mit ihrem Song ‘Revolution‘ rufen sie die ’Working Class’ deswegen auch zu mehr Widerstand gegen solche Missstände auf: „Wir leben zwar in einer mehr oder weniger demokratischen Welt, aber sind wir wirklich so demokratisch? Nein, das ist doch der Witz.“ Bridget seufzt: „Vielleicht sollten wir einfach aufhören, so politisch zu sein?“ Bei einer Band, die seit jeher keinen Hehl aus ihrer Liebe zu sozialkritischen Texten gemacht hat, beinahe undenkbar, erklärt Dave, und fügt hinzu: „Da draußen geht so viel Bubblegum-Crap vor sich, ich kann da nicht einfach zuschauen, ohne dem ganzen ein bisschen die Stirn zu bieten.“

Flogging Molly

„Vielleicht sollten wir aufhören, so politisch zu sein?“ Mit ‘Speed Of Darkness’ veröffentlicht die siebenköpfige Folk/Punk-Band Flogging Molly nicht nur den mit Spannung erwarteten Nachfolger ihres Hit-Albums ’Float’, sondern auch ihr bisher überraschendstes Werk. Bei einer Partie Schach und einem Glas Mineralwasser sprechen die Eheleute Dave und Bridget King über ihre neueste Errungenschaft, die Weltwirtschaftkrise und große Pläne. Entstanden sind die Texte zum bereits fünften Studioalbum hauptsächlich in Detroit - der Stadt, die in Amerika Symbol für die Finanzkrise wurde und auf Grund ihrer Zerstörung nicht nur in den Songs,

sondern auch den Gemütern der Band deutliche Spuren hinterlassen hat. Bridget ist empört: „Für ein Land, das als eines der reichsten der Welt eingestuft wird, ist das nur unglaublich. Die Stadt sieht

Cloud Control

...lassen die Krokodile in Ruhe

Die Geschichte ist zu schön, um unerzählt zu bleiben. Also: Cloud Control gibt es, weil Keyboarderin Heidi Lenffer eines Tages ihre Band zu einem Talentwettbewerb anmeldete - ohne jedoch eine zu haben. Also rekrutierte sie Mitstreiter: ihr Bruder Ulrich an den Drums, sein Kumpel Alister ‘Ali’ Wright und Bassist Jeremy Kelshaw komplettierten die Band. Mit den ersten vier selbst geschriebenen Songs absolvierte das Quartett die erste Runde, in der zweiten war Schluss: Heidis Keyboard versagte seinen Dienst, während Jeremys Verstärker gar in Flammen aufging. Bis dahin hatten die vier Australier aber schon Blut geleckt: „Wir waren musikalisch wirklich keine gute Band“, erzählt Heidi. „Aber es war von Anfang an eine gewisse Energie im Raum, sobald wir vier zusammenkamen. Das mochten die Leute schon damals.“ In der Zwischenzeit ist aus Cloud Control eine ziemlich gute Band geworden, die besagten Contest gleich im nächsten Jahr gewann, mit ‘Death Cloud‘ eine viel beachtete EP veröffentlichte, und schon einmal um die Welt getourt

ist. Und das dürfte, nachdem nun der erste Longplayer ‘Bliss Release‘ in den Startlöchern steht, erst der Anfang gewesen sein. „Wir sind zur Zeit praktisch heimatlos, weil wir nur noch auf Reisen sind“, beschreibt Heidi die Situation. „Wenn diese Tour vorbei ist, werden wir uns wohl in London niederlassen.“ Eine australische Seele werde die Band jedoch immer haben, so Heidi. Auch wenn der Titel ‘There’s Nothing In The Water We Can’t Fight‘ explizit nichts mit dem Krokodil-Wrestling von Crocodile Dundee zu tun hat, wie Ali klarstellt. „Das ist doch Klischee-Dreck für Touristen. Glaub mir, Australien hat - gerade kulturell - viel mehr zu bieten!“ Wer da noch einen Beweis braucht, sollte sich von Cloud Control überzeugen lassen. Text: Robert Goldbach Foto: Eva Vermandel Heimat: cloudcontrolband.com

Im Zuge solcher Ereignisse wie der Finanzkrise ist auch der Titel des Albums ‘Speed Of Darkness‘ entstanden - als philosophisches Pendant zur Lichtgeschwindigkeit und der Frage, wie schnell es nun wirklich über uns hereinbrechen kann, das Ende. Bridget lacht: „Das Ganze ist nicht einmal eine Metapher für solche unvorhersehbaren Dinge. Wir haben ja gesehen, wie schnell sich das Blatt wenden kann und sollten damit bewusster umgehen.“ Ganz so finster ist die neue Platte aber trotzdem nicht: „Im Grunde signalisiert das Album auch jede Menge Hoffnung und Humor. So ist das Leben eben, und irgendwie werden wir es schon meistern“, beteuert Dave versöhnlich. Trotzdem ist auch der Sound wütender und weniger traditionell als zuvor: „Wir waren immer in der glücklichen Lage, das tun zu können, was wir wollen. Das hat sich jetzt einfach richtig angefühlt“, erklärt der Frontsänger. Und weil es genug Bands da draußen gibt, die diese Freiheiten nicht haben, haben Flogging Molly soeben ihre eigene Plattenfirma ’Borstal Beat Records’ gegründet, die laut Dave Newcomer-Bands die Möglichkeit bieten soll, sich auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Welche Projekte gerade in Planung sind, will er nicht verraten. Den Rat, den er den jungen Bands mitgibt, verfolgt er aber seit jeher: „Just do it, the way you wanna do it.“ Text: Stephanie Johne Heimat: floggingmolly.com


Seite 42

SPEED DATING

unclesally*s magazine

Arctic Monkeys Wir, äähm, rocken...

Erwachsen werden schön und gut, aber muss man sich deshalb aufführen als sei man auf Kaffeefahrt? Mit ihrem neuen Album ‘Suck It And See‘ machen die Arctic Monkeys Schluss mit Affenzirkus. Schade eigentlich. Es ist gerade einmal fünf Jahre her, scheint aber Äonen entfernt, dass der Name Arctic Monkeys synonym für „Dynamik“ steht, für den ersten großen Internet-Hype, für diese sehr eigene Energie, die wahrscheinlich nur eine Band ausstrahlen kann, die mit Tourplänen, Promotagen und Studioterminen nichts am Hut hat. So unkonventionell der Start ins Biz für die vier Sheffielder auch lief, so berechenbar geht ihre Karriere seitdem voran und gipfelt nun – nach der obligatorischen Diskographie aus drängendem Debüt, leicht variiertem Zweitwerk und eher konfusem Selbstfindungsalbum – in ‘Suck It And See‘. Nach der internen Logik des Rock ist die Metamorphose zur ernsthaften Band abgeschlossen. Die Arctic Monkeys werden, wenn alles glatt läuft, alle paar Jahre ein Album veröffentlichen, auf dem Josh Homme in irgendeiner Weise mitwirkt, das von Simian Mobile Disco’s John Ford produziert wird

und das sich schwer zwischen „Wir sind jetzt echte Männer“-Rock-Songs und feingliedrigen Pop-Tunes entscheiden kann. Bis irgendwann Rick Rubin ihre Essenz entdecken muss. In Ewigkeit, Amen. 25-jährige Lads, die den Rock-Veteran geben, wirken erst mal irritierend. Frontsympath Alex Turner und Schlagzeuger Matt Helders geben im Interview so lange Neues aus dem Wachkoma zum Besten, bis man ihnen am liebsten eine Rheumadecke verkaufen möchte: „Es ist sicher nicht die große Überschrift für dieses Album, dass wir es auf einer 24-Spur Bandmaschine aufgenommen und live eingespielt haben. Das sollte für eine Band kein großes Ding sein ... aber ... du weißt schon ...“ Alex Turner umkreist mit stockenden Sätzen des Pudels Kern. Denn was genau die große Überschrift für ‘Suck It And See‘ sein soll, das scheinen weder er noch Helders genau zu wissen. Natürlich gibt es Eckpunkte: „songorientierter“ sei man vorgegangen, „aufs We-

sentliche konzentriert“ habe man sich. Und hoffentlich auch den einen oder anderen Halbsatz darüber gewechselt, was die Arctic Monkeys 2011 eigentlich sind? Bezeichnenderweise ist Turner auf der Suche nach Definierendem in die eigene Vergangenheit zurück gereist: „Während der Arbeit an den Gitarrenparts haben Jamie und ich nach langer Zeit wieder unser erstes Album rausgekramt. Nicht um es nachzuspielen, aber um sich zu erinnern, an ... bestimmte Dinge. Ich wollte den Sinn für Humor von diesem Album auch auf das neue übertragen, ein paar Gags einstreuen.“ Wahrscheinlich ist die große Überschrift zu ‘Suck It And See‘, dass es völlig witzlos ist, sich darüber zu beschweren, dass die Arctic Monkeys nicht mehr dieselben sind wie 2005. Aber das wäre nach journalistischen Maßstäben zu lang. Text: Timo Richard Foto: Guy Aroch Heimat: arcticmonkeys.com

Fast nicht wiederzuerkennen: Die Arctic Monkeys aus Sheffield.


WAS HÖRT EIGENTLICH... MOBY

Moby ist ein Punkrocker. Zumindest im Herzen. Der gebürtige New Yorker hat seine Seele nicht komplett an Ambient und Dance-Musik verkauft, sondern kann auf einen abwechslungsreichen Soundtrack seines bisherigen Lebens zurückblicken, in dem schnelle Gitarren und simple Akkorde bis heute nicht zu kurz kommen. Welche Musik erinnert dich an deine Kindheit? Moby: "Déjà Vu" von Crosby, Stills, Nash & Young war eine Lieblingsplatte meiner Mutter. Das ist eines dieser Alben, die so nah dran sind, perfekt zu sein. Ich höre es nach wie vor sehr oft. Kannst du sagen, welche Platte du in deinem Leben am meisten gehört hast? Moby: Mal überlegen… Es klingt seltsam, aber das dürfte „Heaven Up Here“, das zweite Album von Echo & The Bunnymen sein. Eine ganz besondere Platte. Es gibt sicher Alben, die ich mehr mag, aber aus irgendeinem Grund ist das die Platte, auf die ich immer wieder zurückgreife. Welche Kassette hast du ständig mit deinem Walkman gehört? Moby: Ich bin in recht armen Verhältnissen aufgewachsen und konnte es mir nicht leisten, viele Platten zu kaufen. Mein Kumpel Dave ließ mich „Closer“ von Joy Division auf Kassette aufnehmen. Mit 15, 16 habe ich mir dann „Closer“ in Dauerschleife angehört, beim Laufen, Fahrradfahren, Hausaufgaben machen... Ich brauchte einen Soundtrack für mein Leben und das ging mit dem Walkman. Dann ist das wohl auch die Musik, die dich durch die Pubertät gebracht hat... Moby: Ja, Joy Division und The Clash zu gleichen Anteilen.

Erinnerst du dich an die erste CD, die du gekauft hast? Moby: Ich werde jetzt eine ehrliche Antwort geben und bin sicher, viele Menschen finden sie peinlich: Es waren die „Greatest Hits“ von Duran Duran. Da war ich etwa 20. Als das erste Album der Band rauskam, hatte ich mich gerade der New-Romantic-Szene verschrieben: Duran Duran, Japan, Ultravox... Was ist der beste Punkrock-Song aller Zeiten? Moby: Ich würde sagen „Banned In D.C.“ von den Bad Brains. Das ist auf ihrer ersten Kassette „Bad Brains“. Ich stehe immer noch total auf Punkrock. Erst kürzlich habe ich mich wieder mit meiner Highschool-Band Vatican Commandos zusammengeschlossen. Das macht so viel Spaß. Ich habe die Jungs seit 1983 nicht getroffen. Als ich den Sänger das letzte Mal sah, hatte er einen blauen Iro und war auf LSD, jetzt ist er Hirnchirurg. Wir treffen uns aber nur selten, weil alle über das Land verstreut sind. Hast du eine neue LieblingsPunkrock-Band? Moby: Die kanadische Band Fucked Up ist toll. Sie haben mich mal bei einer Show in New York auf die Bühne geholt, um Gitarre mit ihnen zu spielen, unter anderem ein Ramones- und Minor Threat-Cover. Könntest du eine New York-Hymne wählen?

Moby: Es gibt so viele... Ich sage mal meine Top-Drei. Nummer Eins wäre „Rhapsody In Blue“ von George Gershwin. Nummer Zwei: „Walk On The Wild Side“ von Lou Reed. Nummer Drei: "New York Groove" in der Version von Ace Frehley. Gibt es einen Song, den du selbst gern geschrieben hättest? Moby: Etwa eine Million. Aber die Nummer Eins auf meiner Liste ist „Heroes“ von David Bowie – meiner Meinung nach der beste Rock/Pop-Song, der je geschrieben wurde. Ich war mal mit David Bowie auf Tour. In diesem Rahmen kam es dazu, dass David Bowie und ich allein in meinem Wohnzimmer saßen, ich spielte Akustikgitarre und er sang „Heroes“. Das war fantastisch. Text: Christine Stiller Heimat: moby.com Auch gut: "Destroyed" - das aktuelle Album von Moby

Das Mixtape

Neil Young – Helpless Echo & The Bunnymen – Over The Wall Joy Division – Isolation The Clash – Train In Vain Duran Duran – Girls On Film Bad Brains - Banned In D.C. Fucked Up – Queen Of Hearts George Gershwin - Rhapsody In Blue Lou Reed - Walk On The Wild Side Ace Frehley - New York Groove David Bowie - Heroes


Seite 44

MUSIK STORIES

unclesally*s magazine

mehrere Jahre hinweg wuchs und sich deswegen sehr schleichend aber zunehmend bemerkbar machte. Ich dachte lange einfach, ich würde eben langsam alt werden: „So fühlt es sich also an, 47 zu werden – das ist ja scheiße!“ Ich nahm etwa 90 Kilo zu und hatte das Gefühl, nichts mehr richtig gut hinzukriegen. Tja, und sobald sie den Tumor entfernt hatten, nahm ich über 70 Kilo ab und… Ich möchte nicht einmal sagen, ich wurde wieder ganz der Alte, denn eigentlich fühle ich mich wie ein sehr, sehr junger Mann und habe Unmengen an Energie, das Spielen macht wieder irre Spaß! Als der Tumor sich ausbreitete, verschwand meine Fähigkeit, Songs zu schreiben. Und jetzt kommt das alles langsam zurück. Ich möchte mehr Songs wie „Maddie“, „One More Day“ oder „Anchor Grill“ vom letzten Descendents-Album schreiben – atonales Zeug. Aber das sind doch, mit Verlaub, mit die melodischsten Songs auf der Platte! Bill: Ja, aber sie haben keine Tonart! Da gibt es komplette Passagen voller atonaler Halbtonschritte. Was ich damals versuchte, war das zu nehmen, was ich von Ornette Coleman, Thelonious Monk oder Béla Bartók gelernt hatte, und es auf eine Band anzuwenden, die im Grunde von den Ramones inspiriert war. Mich trieb die Frage an: Wie komme ich da ran, was „da drüben“ so cool ist, und warum muss ich „hier unten“ den beschissenen „Blitzkrieg Bop“ zum 1000. Mal neu schreiben? Wie können wir die beiden Dinge zusammenbringen? Ich weiß nicht, wie erfolgreich diese Experimente waren, aber sie bedeuten mir viel, denn ich habe noch nie einen Song mit melodischem Inhalt dieser Art gehört. Jedes Kind kann die Lieder mitsingen, aber wenn man sich hinsetzt und versucht, sie mit der Gitarre nachzuspielen – dann denkt man schnell: „Vergiss es!“ Doch wie gesagt: Ich wurde krank, und als ich wieder fit war, musste ich erst mal Geld verdienen – denn mit der Art von Musik geht das nicht…

Descendents

Zwischen Allem und Nichts ist eine Menge Spielraum Sieben Jahre ist das letzte Descendents-Album „Cool To Be You“ her, doppelt so lang das letzte Mal, dass die Melodischen Vier hierzulande unterwegs waren – und auf einmal stehen sie beim ’Monster Bash’-Festival im April in Berlin auf der Bühne, rocken als sei nichts gewesen und schicken Schlagzeuger Bill Stevenson vor, zu erklären, was vielleicht doch war, was gerade offenbar ist und was möglicherweise noch wird. Immerhin hat der auch als „Drum Ogre“ (und Black Flag-Mitglied) bekannte Stevenson die Band vor 32 Jahren gegründet und als einzige Konstante sämtliche Inkarnationen der legendären Pop-Punker durchlebt. Und derer gab es viele – drei Gitarristen, drei Bassisten, vier Sänger und zwei Bandnamen kamen, gingen und/oder blieben. Genau, zwei Bandnamen. Denn kein wirkliches Geheimnis aber trotzdem anscheinend eine Art Kassengift und Regalblei ist die Tatsache, dass den Descendents infolge von Sänger und Nerd-Ikone Milo Aukermans Vollzeit-Wissenschaftskarriere als Biochemiker 1987 ein zweiter (unverständlicherweise deutlich unpopulärerer) Kopf wuchs, der da ALL hieß. Abgesehen von zwei Ausnahmen, als Aukerman 1996/97 und 2002/4 Pausen vom Labor und eine Dosis Punkrock brauchte, was zu den Descendents-Alben „Everything Sucks“, „Cool To Be You“ und diversen Konzerten führte, war es die ALL-Flagge unter der mit wechselnden Vokalisten unermüdlich der Erdball bespielt wurde. Bis, tja, bis sie dann so um 2003 herum doch ermüdeten. Was war passiert? Bill Stevenson: Es war nicht so, dass wir nicht spielen wollten – wir konnten es uns einfach nicht mehr

leisten, auf Tour zu gehen! Wir verdienten etwa $500 am Abend, und mussten das nicht nur unter der Band aufteilen, sondern auch die Crew und das Benzin bezahlen. Also mussten wir eine Entscheidung treffen und uns „richtige“ Jobs suchen, um unsere Familien zu ernähren – was in meinem Falle das Produzieren von Schallplatten war. Ich musste also nicht plötzlich in einem Büro arbeiten. Aber in letzter Zeit haben wir aus irgendeinem Grund Angebote bekommen, die sich wirklich lohnen – wir könnten 30, 40 ALL-Konzerte pro Jahr spielen, davon tatsächlich unsere Hypotheken abbezahlen und hätten sogar noch Geld für Lebensmittel übrig! Das ist cool – und die Summen, die wir für Descendents-Shows geboten bekommen, sind noch mal eine ganz andere Liga. Das ist schon fast bekloppt, wie viel Geld es dafür gibt… (lacht) Im Ernst: Endlich, endlich nach all den Jahren für etwas angemessen bezahlt zu werden, in das ich eine unglaubliche Menge an Arbeit und Energie gesteckt habe, fühlt sich einfach gut an. Apropos – dir ging es ja vor nicht all zu langer Zeit gar nicht gut, so dass 2010 sogar einige dieser ALL-Shows abgesagt werden mussten. Bill: Ja, ich hatte einen Tumor im Gehirn, der über

Wohl aber mit deinem anderen Job – immerhin hast du ein Album produziert, das neulich den 1. Platz der unter anderem deutschen Album-Charts belegte: „Endgame“ von Rise Against. Bill: Oh ja, das hilft. Aber wir kennen uns schon ewig, arbeiteten zu Zeiten zusammen, als sie 3.000 Platten verkauften. Sie gehören zu unserer Familie, ihre Kinder spielen mit unseren Kindern… Und deine Kinder singen auf ihrem Album… Bill: Yeah! Außerdem hast du ja mit ihrem Gitaristen Zach Blair gemeinsam in der Band Only Crime gespielt… Bill: Yeah! Und wir nehmen im Juli ein neues Only Crime-Album auf, das wird super! Sicherlich in deinem ’Blasting Room’-Studio, oder? Apropos: Dass man nicht auf Tour gehen mag, wenn man dabei Geld verliert, ist ja verständlich. Aber du verfügst doch über die Möglichkeiten – warum nehmt ihr dann nicht „bei dir zu Hause“ einfach mal wieder eine ALL- oder Descendents-Platte auf? Bill: Ich glaube, der Grund ist dieser: Wenn man so viele Platten gemacht hat wie wir, und sich dann entscheidet, eine neue zu machen – dann muss die schon verdammt gut werden. Braucht denn die Welt nach elf ALL-Platten, oder wieviele wir inzwischen auch immer aufgenommen haben mögen, eine weitere? Nicht wirklich, oder? Aber vielleicht eine großartige? Also müssen wir uns fragen – können wir eine GROSSARTIGE Platte machen, oder wäre es einfach nur „noch eine“? Text: Torsten Hempelt Foto: Chapman Baehler Heimat: descendentsonline.com, allcentral.com Dank an Sylvia Hahn von Destiny Tourbooking


unclesally*s magazine

MUSIK STORIES

Seite 45

The Adolescents Date mit dem Chef

Im Gegensatz zu Bill Stevenson und den Descendents bekommen die Adolescents nach ihrer jüngsten Wiedervereinigung keine Traumgagen und spielen keine Mega-Bashs, haben dafür aber a) ein mindestens genauso legendäres Logo und b) sogar ein neues Album in ihrem 30-jährigen Lebenslauf vorzuweisen. „Adolf wer?“ Ein gern gehörter Spruch beim Anblick des legendären Adolescents-Schriftzugs, jenem mittig geteilten und von zwei Balken begrenzten Abdruck des Bandnamens, den Außenstehende nur auf den zweiten Blick mit einer kalifornischen Band in Verbindung bringen. Seit 1980 sind die Adolescents um Frontmann Tony Cadena in wechselnder Besetzung und unterbrochen von einigen mehrjährigen Pausen semi-aktiv, aber auch – in jüngster Zeit – extrem produktiv. Das einst von Ex-Agent Orange-Bassist Steve Soto ins Leben gerufene Punk-Ensemble veröffentlicht in bester Social Distortion-Manier sechs Jahre nach seinem letzten Album das neue Werk namens ’The Fastest Kid Alive’, dessen Titel definitiv nicht auf Sprachrohr Steve Soto zu münzen ist.

fornische Punk-Szene prägende Zusammenhalt unter den Bands. „Heute“, sagt Steve, „sind die Typen von damals meistens Familienväter, verheiratet und haben Jobs. Zu vielen habe ich kaum noch Kontakt, andere trifft man auf Facebook und plaudert über die alten Zeiten. Aber es scheint, als wären Tony und ich zwei der wenigen, die immer noch genauso ticken wie einst.“

Der 48-jährige Bassist versucht seine Pfunde zwar seit einiger Zeit mit morgendlicher Fitness zu reduzieren, wirklich gelingen will ihm das aber nicht. Dabei lebt der Mann relativ gesund, oder sagen wir: weitestgehend abstinent. Die wilden Tage und Nächte, als Steve gemeinsam mit seinen Bandkollegen und den anderen Protagonisten der frühen kalifornischen Punk-Szene aus Germs, Circle Jerks oder T.S.O.L. noch um die Häuser zog, ist genauso vorbei wie der einst die kali-

Und so bohren auch die neuen Songs der Adolescents tief in den Wunden der amerikanischen Gesellschaft. Die derzeitige ökonomische Schieflage spielt auf ’The Fastest Kid Alive’ genauso eine Rolle wie die Hilflosigkeit einer von großen Konzernen gelenkten Regierung oder das Gesundheits- und Bildungssystem der Vereinigten Staaten. Letzteres kennt Adolescents-Frontmann Tony aus seinem Alltag als Grundschullehrer, der nicht nur die Entwicklung der Jugend hautnah mitbekommt,

Face To Face

Nicht jeder hat eine Stimme Und schon wieder müssen die Descendents als Aufmacher herhalten, aber diesmal geht es weniger um Geld oder Lebensläufe, sondern um das stimmliche Wohl zweier Sänger, die ein bisschen aus der Übung gekommen sind. Als da wäre zunächst Descendents-Frontmann Milo Aukerman, dem auf der jüngsten Europatour seiner Band nach genau zweieinfünftel Konzerten in Folge die Stimme versagte. Auch Face To Face-Sänger Trevor Keith muss derzeit sein fragiles Organ schonen,

allerdings hat der Gute nicht zwei, sondern bereits dutzende Shows absolviert und außerdem noch eine komplette Sommersaison vor dem Bug, die ihn und Face To Face natürlich auch in hiesige Gefilde schwemmen wird. Dazu aber später mehr.

sondern auch die Zukunftsängste der Eltern. Für Steve Soto ist der Job seines Frontmanns neben Quell der Inspiration aber vor allem eins: extrem angenehm, denn die Adolescents touren ausschließlich in den Schulferien - im Sommer in Europa, im Winter in Australien und Neuseeland: „Ein echter Glücksfall“, sagt der hauptberuflich als Musiker arbeitende Soto. „So habe ich noch genug Zeit, mit meinen anderen Projekten auf Kurztrips zu gehen. Zurzeit spiele ich noch in drei weiteren Bands. Meistens sind wir am Wochenende unterwegs, hier in Kalifornien oder den angrenzenden Staaten. Heute habe ich mir aber freigenommen, denn es ist Muttertag. Und deshalb gehe ich jetzt meine Mum besuchen. Tschüss.“ Na dann, schöne Ferien. Text: Fiete Hollerbach

Heimat: theadolescents.net

Zunächst wollen wir ein paar Eimer Lorbeeren über Face To Face auskippen, schließlich haben sie uns in den letzten 20 Jahren nicht nur unzählige Hymnen und Hitalben geschenkt, sondern sind trotz kurzfristigen Durchbruchs immer eine Szeneband geblieben, eine angenehm bodenständige Alternative zu ChartBreakern wie Green Day oder Offspring. Ähnlich wie die ebenfalls in dieser Ausgabe abgehandelten Adolescents haben Face To Face mehrere Auflösungen und Wiedervereinigungen hinter sich, wobei die letzte vor rund zwei Jahren nur einige wenige Shows umfassen sollte, schließlich aber in einer neuen Platte endete. Jene trägt den Titel ’Laugh Now, Laugh Later’ und reicht natürlich (noch) nicht an Klassiker wie ’How To Ruin Everything’ oder ’Reactionary’ heran. Auch für Trevor selbst ist das neue Album noch etwas befremdlich, schließlich haben er und seine Kollegen Chad Yaro, Scott Shiflett (der Bruder des Foo FightersGitarristen Chris) und Danny Thompson erstmals seit zehn Jahren wieder gemeinsam an Songs geschraubt. Die Herangehensweise an das Songwriting war dabei so simpel wie genial: „Wir haben uns auf die Essenz von Punkrock konzentriert“, sagt Trevor: „auf drei Akkorde und die Wahrheit. Alles andere war egal. Es geht heute nicht mehr darum, berühmt zu werden, sondern darum, eine gute Zeit zu haben.“ Letztere darf man auch allen Face To Face-Fans prophezeien, die Trevor und seine Jungs im August live erleben und laut mitsingen dürfen. Bis dahin dürfen alle Beteiligten gerne noch die Stimme schonen. Text: Fiete Hollerbach Foto: brandon@brandonophoto.com Heimat: facetofacemusic.com


Seite 46

PRÄSENTIERT

unclesally*s magazine

Präsentiert TOUR DES MONATS.

The Gaslight Anthem

The Gaslight Anthem sind eine Band für die ganze Familie. Wieso ihr trotzdem hingehen solltet? Die vier Jungs sind ja nicht nur zugänglich, nett und sympathisch. Sie haben mittlerweile drei Alben, mit „Señor And The Queen“ eine wunderbare EP und somit einen riesigen Katalog voll feinster Hymnen aus Punkrock, Blues, Folk, Soul und bescheidener NewJersey-Underdog-Attitüde zusammenkomponiert. Während andere Kapellen verbissen an einem Image oder der perfekten Rockstar-Pose feilen, sitzen Sänger Brian Fallon, Gitarrist Alex Rosamilia, Bassist Alex Levine und Schlagzeuger Benny Horowitz sicher daheim in New Brunswick oder nebenan in New York und sehen sich ganz entspannt Verkaufssendungen im Fernsehen an. All das haben sie nämlich nicht nötig. Ihre Songtexte sind aufrichtig, ihre Ausstrahlung ist bodenständig und ihre Musik einfach fantastisch. Was soll man sagen: Wer ein Konzert mit 100% Wohlfühlgarantie erleben möchte, sollte sich, möglichst schnell ein Ticket für eine oder mehrere der folgenden Shows sichern.

Foto: Erik Weiss

AUF TOUR 6.6. Hamburg - Docks *** 7.6. Hamburg - Docks *** 20.6. Rostock - Mau Club *** 22.6. Berlin Astra Kulturhaus *** 28.6. Dresden - Alter Schlachthof *** 29.6. Hannover - Capitol

Mit einer E-Mail an verlosung@sallys.net habt ihr die Möglichkeit, für sämtliche von uns präsentierten Shows den ein oder anderen Gästelistenplatz zu ergattern. Bitte schreibt den Namen eurer Wunschkonzert-Combo in den „Betreff“ und gebt eure Adresse an! BEATSTEAKS

10.06. Berlin – Kindl-Bühne Wuhlheide 11.06. Berlin – Kindl-Bühne Wuhlheide 02.07. Dresden - Elbufer

BRITISH SEA POWER

Auf Tour: 5.8. Hannover – Chez Heinz *** 7.8. Frankfurt – Batschkapp *** 9.8. Saarbrücken – Garage *** 10.8. Lindau – Club Vaudeville *** 11.8. München – Theaterfabrik *** 20.8. Schweinfurt – Alter Stadtbahnhof

18.06. Berlin – Wuhlheide 23.08. Köln – Lanxess Arena

FRANK TURNER

BOMBAY BICYCLE CLUB

14.09. Aachen – Musikbunker 15.09. Heidelberg – Karlstorbahnhof 16.09. Konstanz – Kulturladen 17.09. Freiburg – Jazzhaus 19.09. Magdeburg – Projekt 7 20.09. Leipzig – Conne Island 21.09. Cottbus – Bebel 23.09. Neubrandenburg – Güterbahnhof 24.09. Kiel – Pumpe

CLUESO & BAND

Was ist denn so toll an denen? Na, Chuck Ragan zum Beispiel. Und dass sich euer Holzfällerhemd am Abend der Show selbst aus der hinteren Ecke im Schrank befreit und sich euch zum Drüberziehen anbietet. Ein Wunder! Geht da außer mir noch wer hin? Jung und alt – über die Jahre haben Hot Water Music so viele Jünger zusammengesammelt. Wer Freundschaften in diversen Altersklassen knüpfen möchte, ist hier nicht verkehrt. So wird’s enden: Ihr werdet die Arbeit an eurem halbfertigen HWM-Schrein wieder aufnehmen.

FOO FIGHTERS

09.10. Köln – Luxor 10.10. Berlin – Lido 11.10. München – 59to1

15.06. Frankfurt – Batschkapp 16.06. Berlin – Lido 17.06. Köln – Luxor

Hot Water Music

29.06. Berlin – Columbiahalle

13.10. Freiburg – Rothaus Arena 14.10. Würzburg – Posthalle 15.10. Kempten – Big Box 17.10. Saarbrücken – E-Werk 18.10. Koblenz – Sporthalle Oberwerth 19.10. Hannover – AWD Hall 21.10. Mannheim – Rosengarten 23.10. Magdeburg – Stadthalle 24.10. Kassel – Kongress Palais

DYSE

08.10. Münster – Gleis 22 14.10. Dresden – Scheune 15.10. Erfurt – Museumskeller 21.10. Würzburg – Immerhin 22.10. Karlsruhe – Hackerei 20.11. Stuttgart – Zwölfzehn 09.12. Rostock – Zuckerfabrik 10.12. Flensburg – Volxbad 11.12. Lüneburg – Jeckyll & Hyde 17.12. Jena – Kassablanca

FAT FREDDY’S DROP 27.06. Offenbach – Capitol 28.06.München – Tonhalle

20.06. Lindau – Club Vaudeville

FRISKA VILJOR

GOOD CHARLOTTE

15.08. Erlangen – E-Werk 16.08. Karlsruhe – Substage

MAKE DO AND MEND 12.08. Stuttgart – Juha West 21.08. Köln – MTC

PASCOW

02.06. Berlin – Comet Club

SIR SIMON

03.06. Regensburg – W1 04.06. Frankfurt – Yellowstage 08.06. Oberhausen – Druckluft 09.06. Hamburg – Zentrale 10.06. Berlin – HBC 07.08. München – Theatron

SWINGIN’ UTTERS

09.09. Stuttgart – Zwölfzehn


10.09. Lindau – Club Vaudeville 15.09. Dresden – Groovestation 16.09. Berlin – SO36 17.09. Hamburg – Logo 23.09. Düsseldorf – Stone im Ratinger Hof 24.09. Frankfurt – Au

THE DOMINO STATE

01.06. Hannover – Kulturpalast Linden 02.06. Oberhausen – Druckluft 03.06. Bremen – MS Treue 04.06. Berlin – Comet 05.06. Frankfurt – Elfer Music Club

THE MIGHTY MIGHTY BOSSTONES 25.08. Stuttgart – Longhorn

THE PAINS OF BEING PURE AT HEART

29.06. München – Backstage 04.07. Dresden – Groove Station 05.07. Berlin – Postbahnhof 07.07. Dortmund – FZW 09.07. Köln – Luxor 13.07. Bremen – Lagerhaus

THE SOUNDS

10.06. Rostock – Mau Club 12.06. Würzburg – Posthalle 14.06. Leipzig – Conne Island

THE WOMBATS

23.11. Berlin – Astra 25.11. Hamburg – Große Freiheit 36 26.11. München – Backstage Werk 30.11. Köln – Palladium

THE VIRGINMARYS

18.10. München – 59to1 19.10. Köln – Underground 20.10. Berlin – Postbahnhof 21.10. Hamburg – Molotow

Im Tourbus mit:

TORPEDO

LABRASSBANDA

01.06. Frankfurt – Nachtleben 02.06. Hamburg – Molotow 03.06. Berlin – Levee

TURBO AC’S

28.10. Saarbrücken – Garage 04.11. Stuttgart – Zwölfzehn 05.11. Essen – Cafe Nova 07.11. Jena – Rosenkeller 18.11. Berlin – SO36 19.11. Dresden – Groovestation 24.11. Hamburg – Hafenklang 26.11. Münster – Skaterpalace 27.11. Frankfurt – Au

TURBOSTAAT

29.05. Kassel – Club A.R.M. 13.06. Nürnberg – Roter Salon 01.07. Freiburg – White Rabbit 03.07. Heidelberg – Häll 22.07. Brandenburg – HdO 23.07. Bad Doberan – Searock 06.08. Hannover – Fährmannsfest 11.08. Cottbus - Bebel

DAS VOLLPLAYBACKTHEATER – DIE DREI ??? UND DIE SCHWARZE KATZE 03.12. Köln – E-Werk 04.12. Lüneburg – Vamos! Kulturhalle 05.12. Hamburg – Grosse Freiheit 36 06.12. Hamburg – Grosse Freiheit 36 07.12. Kiel – Kieler Schloss 08.12. Oldenburg – Weser-Ems-Halle 09.12. Bremen – Pier 2 10.12. Fulda – Kreuz 11.12. Frankfurt – Batschkapp 12.12. Frankfurt – Batschkapp

Auch Brass-Bands müssen touren. Die nächste Langstrecke im vollgepackten Renn-Kombi werden sich die fünf Bayern allerdings in Zukunft wohl eher schenken. Schließlich möchte niemand in der Mitte sitzen, außer Tubist Hans – aber der darf das bestimmt nicht... Was war euer bislang abgefahrenstes Raststättenerlebnis? Olli: Bei einem Stopp an der Raststätte wurde mal ausgerechnet unser Tourbegleiter von den Bullen zum Pissen geschickt. Was wäre ein unerreichbarer Catering-Traum im Touralltag? Manu: Ein Traum wäre es, wenn sich alle Veranstalter aus der Umklammerung der Beck’s-Brauerei lösen könnten. Yossarian: Ansonsten bekommen wir immer ein super Catering. Ein Alptraum wäre es, einen eigenen Service zu engagieren und dann keine Überraschungen mehr zu erleben. In welcher Situation habt ihr euch auf Tour mal am meisten geekelt? Manu: Das passiert immer, wenn unser Tubist Hans mit einer Frau redet. Yossarian: Seine Kopf- und Körperbehaarung bietet häufig Anlass zum Ekel. In welcher Situation geht ihr euch auf Tour am meisten auf die Nerven? Yossarian: Die Musikauswahl im Bus entwickelt sich immer mehr zu einem Problem. Sobald wir nicht mehr im Bayern 1-Sendegebiet (das kleinste gemeinsame Vielfache) sind und auf CDs und iPods zurückgreifen müssen, wird es hart. Zumeist bleibt’s dann einfach ganz aus, das Autoradio. Welche schlechte Eigenschaft habt ihr nur auf Tour, welche legt ihr hingegen auf Tour für einen begrenzten Zeitraum mit Rücksicht auf die anderen ab? Yossarian: Alle unsere schlechten Eigenschaften addieren sich auf Tour und werden dann von Fabi, unserem Tourmanager und spirituellen Leiter absorbiert. Wann seid ihr auf Tour mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten? Yossarian: In Bosnien. Wir hatten eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 95km/h. Gut, dass die Polizei einen alten Yugo gefahren ist und uns nicht verfolgen konnte.

Anti-Flag Was ist denn so toll an denen? Hier gibt’s politische Bildung für lesefaule Menschen. Und dazu Musik. Geht da außer mir noch wer hin? Na, aber hallo. Wollen wir uns nicht einen Abend lang mal alle auf der Seite der besonders Guten fühlen... Ach so, das macht ihr schon. Kommt trotzdem rum. So wird’s enden: Mit ein paar mittelgroßen blauen Flecken und einem Dauerkrampf im Arm.

LIVE 16.07. Leipzig – Conne Island

Was habt ihr aus den Erfahrungen eurer aller ersten Tour nachhaltig gelernt? Welchen Fehler würdet ihr heute nicht mehr machen? Yossarian: Wahrscheinlich im Hochsommer zu fünft mit Instrumenten im Kombi ohne Pause nach Bosnien zu fahren, um dort auch noch vor der Polizei flüchten zu müssen. Heimat: labrassbanda.com

AUF TOUR 30.6. Kleinheubach - Schlosspark *** 1.7. Coburg – Rosengarten *** 9.7. Immenstadt – Viehmarktplatz *** 15.7. Straubing – Jaaz an der Donau *** 23.07. Mainz – Zitadelle


Seite 48

PRÄSENTIERT

unclesally*s magazine

so war’s

Foto: Jacob Martini

Odd Future Wolf Gang Kill Them All 6.5. Berlin – Cassiopeia

Ob das jetzt ein „Konzert“ war? Oder ein „Jam“? Rotzegal eigentlich, ein Ereignis war es sicher. Nach weniger als einer Stunde wird das undefinierbare Chaos, das gerade durch das überfüllte Berliner Cassiopeia getobt ist, abgebrochen. Und das, obwohl Karten für den schnell ausverkauften ersten Deutschland-Auftritt des zurzeit größten HipHop-Hypes nach einem Startpreis von 15 Euro für imposante 120 Tacken verscherbelt wurden. Was das Publikum dazu sagt? Es ist glücklich, selig fast, niemand meckert, dass man für das Geld mehr erwarten könne... Alle haben das bekommen, wonach sie bei einem Odd Future-Konzert gesucht haben: Zerstörungswut, Wucht, Energie und jede Menge ungefilterten Hass, der sich in derben, völlig unkorrekten Lyrics Bahn bricht. Alpha-Wolf Tyler, Hodgy Beats, Leftbrain und Syd haben das vom Hype angelockte Publikum ab der ersten Sekunde mit Gebrüll, Stagediving und Pogo bearbeitet – und vielleicht ist es dieser für

Foto: Laura Bussmann

eine HipHop-Live-Performance etwas „ungewöhnliche“ Ansatz, der die Odd Future-Legendenbildung vorantreibt. Die anwesenden Weißbrote brüllen enthusiastisch jedes „Kill People! Burn Shit! Fuck School!“ mit, der Schweiß tropft von der Decke, der

Laptop verabschiedet sich wegen Überhitzung – professionell geht anders. In den Hardcore-getünchten Wänden des Cassiopeia machen Odd Future ordentlich Punk im HipHop los und fahren nachher mit dem Skateboard nach Hause.

KONZERTFOTOS OF DEATH Ihr geht doch alle auf Konzerte. Und macht dabei - Fotos? Die wollen wir sehen. Und prämieren. Denn an dieser Stelle küren wir die „Konzertfotos Of Death“ - egal, ob mit Handy oder der Digitalen geschossen. Schickt uns euer Konzertfoto inklusive Namen der geknipsten Band/Person, Ort, Datum und zwei Sätzen dazu, wie’s so war, auf dem Konzert. Entweder per Mail an sallys@sallys.net oder aber ihr ladet euer Foto ganz einfach auf sallys.net hoch. Da könnt ihr dann auch die Fotos der anderen bestaunen und euren Senf dazugeben. Die besten, schrägsten und lustigsten aus den letzten Wochen zeigen wir euch hier:

MONA 10.5. Berlin - Lido GEKNIPST VON: KUNZLING

Cooles Konzert, wenn auch etwas kurz. Publikum mangels Kenntnis der Songs lange zurückhaltend, aber doch mitwippend bis tanzend und irgendwie auch angetan bis begeistert, wie die vehemente Forderung nach einer Zugabe zeigte.Band war locker drauf. Schade, dass sie am Ende nicht noch mal was wiederholt haben, als ihnen die Songs ausgingen und das Publikum nun seinerseits endlich auch locker und warm war... Alles in allem gelungener Abend. Kann mir die Band gut auf großer Bühne und Festivals vorstellen, wie es momentan ja von vielen prognostiziert wird...

BEATSTEAKS 13.5. Amsterdam – Paradiso GEKNIPST VON: SUPERBEN

Ein wahnsinnig gutes und intensives Konzert spielten die fünf Berliner in dieser ehemaligen Amsterdamer Kirche.

LATERNEN-JOE 18.4. Zwickau – Ballhaus Neue Welt GEKNIPST VON: SUPERBEN Still und heimlich machte sich die beste Band der Welt auf Geheimtour. Wahrlich ein Fest!

FRISKA VILJOR 26.4. Hannover – Musikzentrum GEKNIPST VON: SOPHIENINA Bis der Schweiß von der Decke tropft!

EGOTRONIC 16.4. Dresden – Scheune GEKNIPST VON: RAUFELL

Konzert nach dem Gegengerade-Film. Torsun ist und bleibt einfach der beste.

DEAR LAMENT 23.4. Kiel – TraumGmbH GEKNIPST VON: SGNLKRG

Ganz großes Tennis! Mitreißend, brachial und besser als Dúné! die Kölner gefallen mir immer besser!

MY GLORIOUS 9.4. Stuttgart – Universum GEKNIPST VON: MRS. NEERG

My Glorious vs. Jupiter Jones! Welch famoser Tourabschluss der supportenden Österreicher.


unclesally*s magazine

REISEFÜHRER

Seite 49

FÜHRER E IS E R L L O 'R 'N K C O R

Mit K.I.Z. nach BERLIN Es wird behauptet, Berlin möge keine Touristen. K.I.Z. sind Berliner, haben ein Herz für die Besucher aus aller Welt und vor allem einen gut gemeinten Rat: Reiseführer sind für Langweiler. Wer in der Hauptstadt was erleben will, sollte sich selbst durchschlagen. Damit niemand verloren geht, verrät Maxim dennoch ein paar Anlaufstellen zur Orientierungshilfe. Wo befindet sich dein Lieblingsladen? Am Heinrichplatz, das Café Jenseits (Oranienstraße 15). Bars betrete ich immer erst so besoffen, dass ich morgens nicht mehr weiß, wie sie heißen. Katerfrühstück gibt es anschließend bei Papa. Der serviert dann Aldi-Lachs - übergut! In welchem Kiez fühlst du dich zu Hause? Nirgendwo wirklich. Die Leute, die in meiner Gegend gewohnt haben, sind alle langsam weg, weil sie Besseres oder Schlechteres gefunden haben. Wenn es einen Späti gibt, bin ich schon zufrieden. Wo trifft man die schönsten Frauen der Stadt und wo die coolen? Klare Sache: Die Schönsten trifft man bei mir auf der Couch und die coolsten bei uns im Büro.

Scheißhaufen. Wie wäre es also mit einem schönen Kackhaufen - die gibt’s in der Stadt überall. Gratis. Welches Vorurteil über Berlin stimmt nicht? Berliner würden Hunde essen - so etwas könnten wir niemals tun! Aber die Münchener und Stuttgarter.

Ein guter Ort für ein romantisches Date? Den werde ich jetzt nicht verraten, sonst ist es dort ja nicht mehr romantisch! Aber generell: Solche Orte gibt es in der Stadt. Man muss nur ein bisschen suchen.

Falls die Touristen euren Klauen entkommen, wo schickt ihr sie hin? Am besten lotsen wir sie in den Trinkteufel (Naunynstraße 60). Schwäbisch wird da gerne gehört.

Was empfiehlst du Touristen als Souvenir mitzunehmen? Ein Kumpel von mir, der kürzlich aus Paris zu Besuch kam, meinte, Berlin sei die Hauptstadt der

Welche Touristen-Attraktion habt ihr selbst noch nie besucht? Wir waren noch nie im Reichstag. Aber wenn wir eines schönen Tages an der Macht sind, werden wir

daraus ein Spaßbad bauen. Das wird super, so unter der Glaskuppel! Bis dahin muss man im Landwehrkanal plantschen, um King der Szene zu sein. Zum Wäsche waschen geht man besser ins Prinzenbad (Prinzenstraße 113-119). Ihr habt vor dem U-Bahnhof Schlesisches Tor gespielt, auf einem Boot auf der Spree welchen Ort der Stadt würdet ihr außerdem gern mal zu eurer Bühne machen? Das wäre natürlich der Platz vor dem Brandenburger Tor. Kann man sich Deutschlandfahnen eigentlich subventionieren lassen? Foto: Christoph Voy Heimat: k-i-z.com Auch gut: „Urlaub Fürs Gehirn“ - das neue Album von K.I.Z.


Seite 50

KINO

unclesally*s magazine

großen Chancen aus. „X-Men“ und ich – das schien mir einfach nicht zu passen. Aber ich bin verdammt froh, dass ich doch hingegangen bin. Also bist du generell skeptisch, wenn es um solche großen Blockbuster, Fortsetzungen und ähnliches geht? Was solche Produktionen angeht, bin ich vorsichtig in dem Sinne, dass ich keine Lust habe, in Filmen mitzuspielen, bei denen es nur Spezialeffekte und möglichst hohe Einspielergebnisse geht. In erster Linie sollten dahinter immer eine spannende Geschichte und interessante Charaktere stehen. Das war bei „X-Men: Erste Entscheidung“ eindeutig der Fall, und außerdem war ich natürlich neugierig, weil ich einen Film dieser Art noch nie gedreht hatte. Warst du denn schon im Vorfeld ein Fan der Comics oder der ersten Filme? Ich habe in meinem Leben noch keinen einzigen Comic gekauft und war also definitiv kein „X-Men“-Fangirl. Aber ich hatte einen oder zwei der Filme gesehen und habe mich selbstverständlich vor Drehbeginn auch mit den Comics beschäftigt. Die sind ziemlich cool, das kann ich inzwischen guten Gewissens bestätigen. „X-Men“ erzählt von gesellschaftlichen Außenseitern. Hast du dich jemals annähernd so gefühlt? Es gab schon Zeiten während der High School, wo ich mich ein bisschen zurückgezogen habe und eher eine Außenseiterin war. Nicht dass die anderen mich geschnitten hätten wegen meiner Eltern oder so. Das ging eher von mir aus. Aber letztlich haben vermutlich die meisten Kids in der Pubertät mal solche Phasen. Es dauert eben eine Weile, bis man seine Persönlichkeit, seinen Platz und seinen Freundeskreis gefunden hat. Haben deine Eltern deine Berufswahl eigentlich unterstützt und dich irgendwie darauf vorbereitet, was dich im Rampenlicht erwartet? Ihnen war auf jeden Fall wichtig, dass ich meinen eigenen Weg gehe, und sie hätten mich immer unterstützt, ganz egal, welchen Beruf ich gewählt hätte. Und es war auch nicht so, dass sie sich mit mir hingesetzt und ein Aufklärungsgespräch über das ShowGeschäft geführt haben. Sie haben mich einfach mein Ding machen lassen und darauf vertraut, dass sie in meiner Erziehung alles richtig gemacht haben.

Zoe Kravitz

Mit „X-Men: Erste Entscheidung“ wird Lennys Tochter flügge Bislang wird Zoe Kravitz meist noch über ihre Eltern definiert, schließlich ist sie die Tochter von Rockstar Lenny Kravitz, der ihr auf „Mama Said“ den Song „Flowers For Zoe“ widmete, und Schauspielerin Lisa Bonet, die in den Achtzigern mit der „Bill Cosby Show“ weltberühmt wurde. Doch es dürfte nicht mehr lange dauern, bis die 22-Jährige selbst ein echter Star ist. Nach kleinen Rollen in „Die Fremde in mir“ oder „Twelve“ war sie kürzlich auf der Berlinale in der Hauptrolle des Independent-Dramas „Yelling to the Sky“ zu sehen, nun folgt die Besetzung von Zoe als insektoide Mutantin Angel Salvatore in „X-Men: Erste Entscheidung“. Und Musik macht die Dame natürlich auch! Zoe, ich habe gelesen, dass du anfangs gar nicht zum Casting für den neuen „X-Men“-Film gehen wolltest und dem Projekt zögerlich gegenüber standest. Warum? Ach, das lag vor allem daran, dass ich beim ersten

Casting überhaupt nichts über die Rolle wusste und alles noch sehr geheim und vage war. Actionfilme waren eigentlich nichts, worin ich mich selbst gesehen habe, allein deswegen rechnete ich mir keine

Hat dir auf deinem Weg die Berühmtheit deiner Eltern geholfen oder stand sie dir im Weg? Das war und ist ein zweischneidiges Schwert. Natürlich ist es hilfreich, wenn man einen berühmten Namen trägt, denn das kann Türen öffnen, die sonst vielleicht verschlossen blieben. Aber gleichzeitig macht es die Sache auch schwieriger, weil die Erwartungen oft noch höher sind und es vielen schwer fällt, mich als eigenständige Person losgelöst von meinen Eltern zu sehen. Du trittst ja nicht nur in die Fußstapfen deiner Mutter, sondern auch deines Vaters, nicht wahr? Stimmt, ich habe eine Band namens Elevator Fight, mit meinem besten Freund und ein paar anderen Kumpels in Philadelphia. Ich war zuletzt viel zu beschäftigt mit meinen Filmen, um der Musik genug Aufmerksamkeit zu schenken. Für den Moment ist die Band eindeutig eher ein Nebenprojekt, so sehr ich die Sache auch liebe. Aber immerhin haben wir vor kurzem endlich mal ein Album aufgenommen. Auf eigene Kosten und ohne Plattenfirma, aber wir sind gerade dabei zu schauen, wann und wie wir die Songs veröffentlichen werden. Interview: Patrick Heidmann Foto: 2011 Twentieth Century Fox, Nino Munoz X-Men: Erste Entscheidung, ab 9. Juni 2011 im Kino


Ryan Phillippe Das Bübchen ist zurück!

Wenn im Anwaltskrimi „Der Mandant“ Matthew McConaughey erstmals auf die Titelfigur trifft, fühlt man sich kurz in die Vergangenheit versetzt. Ryan Phillippe nämlich, der den des Mordes verdächtigen Schnösel spielt, sieht noch immer so jung und bubenhaft, so charismatisch-zwielichtig aus wie damals in „Eiskalte Engel“. Man muss schon seinen zweiten neuen Film, das auf wahren Tatsachen basierende Apartheids-Drama „The Bang Bang Club“ sehen – oder ihm zum Interview in einem Berliner Nobelhotel gegenübersitzen – um zu sehen: Doch, dieses glatte Gesicht ist durchaus zu Bartwuchs und Augenfalten fähig. Auch wenn man ihm seine 36 Jahre tatsächlich kaum glauben mag. Gleich zwei neue Filme mit Ryan Phillippe im Kino – das gab es zuletzt in den Neunzigerjahren. Damals wurde der Amerikaner als neuer Superstar und Brad Pitt-Nachfolger gehandelt, spielte Hauptrollen in Filmen wie „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ oder „Studio 54“. Und eben in „Eiskalte Engel“, der besagten Teenie-Variante von „Gefährliche Liebschaften“, die bis heute sein wahrscheinlich bekanntester Film ist. „Ich mache mir keine Illusionen darüber, dass auch zwölf Jahre später die meisten Leute mit meinem Namen immer noch diesen Film verbinden“, sieht Phillippe die Sache realistisch. „Aber ich finde das nicht schlimm, im Gegenteil. Es macht mich stolz, dass ich Bestandteil eines Films war, dessen Wirkung bis heute anhält.“ Die ganz große Karriere ist ihm letztlich allerdings doch nicht gelungen. Die Rollen wurden kleiner, viele seiner Filme schafften es zuletzt gar nicht mehr auf die Leinwand. Und Schlagzeilen machte der Vater zweier Kinder bloß noch durch die Trennung von Ehefrau Reese Witherspoon oder vermeintliche Affären mit Rihanna und Amanda Seyfried. „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mein Potenzial bislang voll ausgeschöpft habe“, gibt er ehrlich zu. „Aber wenn schon keine kommerziellen Erfolge waren die meisten meiner Filme wenigstens solche, auf die ich stolz sein kann. Ich drehe eben lieber Sachen, die ich mir auch selbst angucken würde, statt irgendwelcher romantischen Komödien.“

Als Comeback will er seine beiden neuen Werke trotzdem nicht verstanden wissen. Denn erstens war er nie ganz weg (immerhin spielte er auch im Oscar-Gewinner „L.A. Crash“, „Gosford Park“ oder „Flags of Our Fathers“ mit) – und zweitens haben sich seine Ambitionen längst in eine andere Richtung entwickelt. Gerade hat Phillippe fürs US-Kabelfernsehen eine eigene Serie entwickelt und produziert, im Juni inszeniert er seinen ersten Kurzfilm, auf den dann bald auch ein Spielfilm folgen soll. „Immerhin habe ich mit Regisseuren wie Robert Altman, Clint Eastwood und Ridley Scott gearbeitet und sie wie ein Schüler beobachtet und alles aufgesogen, was ich von ihnen lernen konnte“, sagt er selbstbewusst und zeigt dazu noch mal sein Bübchen-Lächeln. „Jetzt will ich aus diesem Wissen und diesen Erfahrungen auch endlich etwas machen.“ Text: Patrick Heidmann „Der Mandant“, ab 23. Juni im Kino „The Bang Bang Club“, ab 23. Juni im Kino


Seite 52

KINO

unclesally*s magazine

Zwischen der hexenhaften Mutter (Carmen Beato), den beiden rivalisierenden Brüdern Alfredo und Julián und ihrer Schwester Sabina (Paulina Gaitan aus „Sin Nombre“) entbrennt die konfliktreiche Suche nach der richtigen Überlebensstrategie - bis sich die Frage der Nachfolge eindeutig klärt.

Wir sind was wir sind Friss oder stirb

Mexico City gleicht Eingeweiden. Darin nicht verzehrt zu werden, ist nahezu aussichtslos. Diesen Eindruck vermittelt jedenfalls Jorge Michel Graus Spielfilmdebüt. Es ist das zweite düstere Stadtporträt eines mexikanischen Regisseurs, das dieses Jahr in unsere Kinos kommt. In einer runtergekommenen und unheimlichen Wohnung steht eine nicht weniger runtergekommene und unheimliche Familie vor einem existenziellen Problem. Nachdem Gewissheit darüber herrscht, dass der Vater, Oberhaupt und Ernährer, nicht mehr heimkehren wird, muss seine Nachfol-

ge geregelt werden. Wer soll die vierköpfige Familie führen? Wer beschafft Geld und Nahrung? Gerade die letzte Frage drängt, denn es handelt sich hier um einen Klan von Kannibalen. Nach einem strengen Ritual müssen Opfer erwählt, getötet und gegessen werden, sonst droht der Familie der Tod.

Vor einigen Wochen lief mit „Biutiful“ von Alejandro González Iñárritu ein Film mit ähnlichem Thema: Die letzte gewünschte oder mögliche Rückzugsmöglichkeit vor den Zwängen und der Gewalt einer Großstadt bildet die Familie; deren Struktur ist für diese Last aber zu fragil oder grundsätzlich zu gestört. Die Grausamkeiten, die die Beteiligten erfahren und austeilen, sind erschütternd. „Wir sind was wir sind“ treibt diesen Gedanken sehr weit. Jedes Mitglied der psychopathischen Kannibalenfamilie ist widerwärtig. Grau verweigert also seinen Abnormlingen jegliche Sympathien und erzählt die Geschichte dennoch aus ihrer Sicht. Damit schafft er einen faszinierenden Blick auf eine fiebrige, latent inzestuöse und hungrige Gemeinschaft innerhalb einer nicht minder perversen Gesellschaft. Verglichen mit vielem Leinwandübel der letzten Zeit ist das eine irritierende Variation. In Bezug auf die Darstellung von Gewalt und Schicksalsschlägen sogar eine Befreiung, bedenkt man wie geleckt oder glamourös diese oftmals inszeniert sind. Leider verwendet der Film viele, nervig plakative Metaphern und seine Unentschlossenheit zwischen Horror und Drama wird die jeweiligen Freunde des einen Genres stören. Eine gelungene Optik, grandiose Filmmusik und der ungewöhnliche Entwurf der Protagonisten ergeben aber ein durchaus gelungenes Regiedebüt. Text: Christian Stein Kinostart: 2. Juni 2011

Life in a day

Ein Tag dauert 90 Minuten Wer kennt es nicht: Man ist bei Freunden, man trinkt und quatscht und plötzlich erzählt jemand von irgendeinem lustigen YouTube-Video und ehe man sich versieht, steckt man mitten in einer endlosen und thematisch wilden „Das musst du auch sehen!“-Clip-Orgie. Doch was, wenn man ganz viele Filmchen zu einem großen und in sich logischen Film zusammenbasteln würde? Regisseur Kevin Macdonald hat das Experiment gewagt und YouTube-User aufgerufen, am 24. Juli 2010 besondere Momente mit der Kamera festzuhalten und einzusenden. Die Resonanz war überwältigend: über 80.000 Clips aus 190 Ländern mit einer Gesamtlaufzeit von über 4.500 Stunden erschlugen Macdonald und sein Team. Die gesamten Einsendungen wurden zu 95 Minuten verdichtet und sind nun Kaleidoskop und Dokumentation eines einzigen Tages. „Life in a day“ ist spannender als Experiment denn als Dokumentarfilm, auch wenn es durchaus gelungen ist, eine Art Narration zu finden. Schlafen, waschen, essen, arbeiten etc., all das wird zu einem roten Faden zusammengeschnipselt. Das Banale und Alltägliche wird durch den internationalen Vergleich zu etwas Universalem, das beinahe etwas Beruhigendes hat. Die tagesstrukturierenden Themenblöcke werden immer wieder von längeren Passagen einzelner User durchbrochen, die ihre Geschichten

erzählen. Ein Witwer, der mit seinem kleinen Sohn den Tag beginnt, eine kranke Frau, die ihrer Familie Hoffnung geben will und ein Koreaner, der mit seinem Fahrrad die Welt umrundet – hier versammeln sich kleine und große Geschichten, die am 24. Juli 2010 passierten, dem Tag, an dem sich auch das Unglück auf der Loveparade ereignete. „Life in a day“ deckt den gesamten emotionalen Katalog ab, Glück und Trauer, Leben und Tod, all das findet sich im Film wieder, denn die User haben allerlei Persönliches und Privates von sich preisgegeben. So entsteht ein Einblick in den Status Quo der Weltbevölkerung, die ebenso ähnlich wie unterschiedlich daherkommt. Parallelen wer-

den aufgezeigt und Unterschiede hervorgehoben. Hier werden keine universalen Aussagen getroffen, sondern Stimmungen geschaffen. Überhaupt ist die Montageleistung von Joe Walker bewundernswert, hat er es doch geschafft, in der Fülle des Ausgangsmaterials ein in sich stimmiges Konzept zu finden. Verstärkt wird diese Wirkung durch die Musik von Matthew Herbert, der die einzelnen Schnipsel zu einem spürbaren Ganzen verbindet. Und doch scheint der Film letztlich wie eine Zeitkapsel für spätere Generationen, wenn das Internet „voll oldschool“ ist. Text: Cornelis Hähnel Kinostart: 9. Juni 2011


3 Fragen an... Jake Gyllenhaal

Mit anspruchsvollem Independent-Kino wie „Brokeback Mountain“ und Welthits der Marke „The Day After Tomorrow“ entwickelte sich Jake Gyllenhaal in der ersten Hälfte des neuen Jahrtausends zu einem der Shooting Stars schlechthin. Doch zuletzt hatte ihn das Glück ein wenig verlassen: „Brothers“ und „Machtlos“ fanden kaum ihr Publikum, „Prince of Persia“ und „Love & Other Drugs“ (aktuell neu auf DVD) blieben hinter den Erwartungen zurück. Wie schön, dass Duncan Jones’ Mystery-Thriller „Source Code“, für den wir ihn im Interview trafen, nun endlich eine Rückkehr zu alter Form ist. Jake, „Source Code“ ist zwar ein Actionfilm, aber auch eine ziemlich clevere, fast komplizierte Angelegenheit. Ist es schwer, so etwas in Hollywood zu finden? Was auf jeden Fall immer problematischer in Hollywood wird, ist die Finanzierung von kleinen Filmen. Das ist eine Erkenntnis, die mich sehr erstaunt hat, denn ich dachte, klein und günstig müsste im Sinne der Produzenten sein. Aber „Source Code“Regisseur Duncan Jones, der zuvor mit „Moon“ einen wirklich alles andere als großen Film gedreht hatte, hat mir erzählt, wie viele Probleme man mit solchen Produktionen hat. Das finde ich vor allem deswegen schade, weil ich denke, dass die Unterhaltungsbranche die Verpflichtung hat, neben völlig stumpfen Blockbustern Geschichten zu erzählen, die auch mal das Gehirn beanspruchen. Also ist es dir auch als Schauspieler wichtig, eine gewisse Balance zwischen kleineren Filmen wie diesem und Mega-Produktionen wie „Prince of Persia“ zu halten? Nein, eigentlich überhaupt nicht mehr. Solche strategischen Überlegungen beschäftigen mich überhaupt nicht. Ich achte einzig und allein auf die Qualität der Projekte. Ich will gute Filme drehen, egal wie groß die sind. Und dem Publikum geht es genauso, davon bin ich überzeugt. Wenn die Qualität stimmt, setzt sich eine Geschichte durch. Das habe ich – natürlich auf unterschiedlichem Niveau – mit Filmen wie „Brokeback Mountain“ oder „Donnie Darko“ immer wieder erlebt. Du kommst aus einer Künstlerfamilie, deine Eltern sind beide Filmemacher. Wusstest du eigentlich immer, dass deine Zukunft im Showgeschäft liegt? Darüber habe ich als Kind nicht nachgedacht. Aber natürlich hat diese Welt mich geprägt, und weil ich ihr schon von klein auf ausgesetzt war, habe ich

mich seit jeher an Filmsets wohl gefühlt. Ich kenne mich aus bei Dreharbeiten und weiß, wer dort wofür zuständig ist. Mein Vater hat mir damals immer ein Walkie-Talkie in die Hand gedrückt und mich in der Requisite oder beim Catering abgesetzt, um ein bisschen auszuhelfen. Deswegen habe ich bis heute so großen Respekt für die Arbeit eines jeden einzelnen Mitarbeiters beim Dreh. Interview: Patrick Heidmann

Source Code Die Fremde auf dem Sitz gegenüber, die ihn als Sean anspricht; der Blick in den Spiegel, bei dem er sich selbst nicht erkennt; und schließlich die riesige Explosion, die den gesamten Zug in die Luft jagt – Colter Stevens (Jake Gyllenhaal) erlebt diese irritierenden acht Minuten immer und immer wieder. Eine Abteilung des Militärs nämlich versetzt den Soldaten, der eigentlich in einer isolierten, engen Kapsel festsitzt, mittels neuester Technologien stets aufs Neue in den Körper eines Zugreisenden, um die Bombe aufzuspüren und das Unglück zu verhindern. Mit einer Prämisse, die nicht bis ins Letzte aufgeht, aber immerhin einem komplexen Subtext und weit mehr Spannung als etwa „Déjà Vu“ inszeniert Bowie-Sohn Duncan Jones seinen Zweitling als furiose, höchst unterhaltsame Mischung aus Science Fiction, Actionthriller und Romanze, in der endlich auch mal wieder Jake Gyllenhaal überzeugt. Text: Patrick Heidmann Kinostart: 2. Juni


Seite 54

KINO

unclesally*s magazine

Beginners Es ist nie zu spät

Mit stolzen 75 Lenzen bekennt Hal Fields (Christopher Plummer) seinem Sohn Oliver (Ewan McGregor), dass er schwul ist. Oliver erlebt - halb schockiert, halb fasziniert wie sein Erzeuger auf die alten Tage einen auf „gay pride“ macht. Daddys Haus wird zum Schauplatz illustrer Motto-Partys, und schon bald zieht auch ein jugendlicher Hausfreund ein. Doch Hal läuft die Zeit davon: Er hat Lungenkrebs im Endstadium. Oliver, eingefleischter Single und Melancholiker, arbeitet in einer Werbeagentur. In einer schönen Sequenz präsentiert er ein Cover-Artwork für eine Band namens The Sads. Bei der Arbeit hat er sich böse verzettelt. Das Booklet, auf dem in einer schier endlosen Reihe von Zeichnungen die „history of sadness“ festgehalten ist, misst auseinander gefaltet mindestens zehn Meter. Die Musiker schauen betreten: Eigentlich hatten sie doch nur ein CD-Cover in Auftrag gegeben... Oliver hat sich mal wieder überambitioniert in die Nesseln gesetzt. Eigentlich versteht ihn nur Arthur, sein Jack Russell Terrier, dem mittels Untertiteln immer wieder tiefgründige philosophische Sentenzen ins Maul gelegt werden.

Auf einer Kostümparty lernt Oliver dann die französische Schauspielerin Anna (Melanie Laurent) kennen. Zwischen den beiden verwandten Seelen entspinnt sich eine komplizierte On/Off-Beziehung. Nach und nach beginnt Oliver sich seinen eigenen Weg durchs Dickicht des Lebens zu schlagen. Für Regisseur Mike Mills war dieser Film Herzensangelegenheit, schlängelt sich „Beginners“ doch ganz nah an seiner eigenen Autobiographie entlang. Vier tolle Hauptdarsteller – der Terrier mit eingerechnet - tragen diesen wunderschön fotografierten Film, in dem sich Humor und Melancholie auf eleganteste Weise die Waage halten. Text: Calle Claus

Kinostart: 9. Juni

Eine Insel namens Udo Coming Out eines Unscheinbaren

Wenn Udos Leben einer Insel ähnelt, dann am ehesten einer unbewohnten Sandbank, die von der sie umfließenden Umwelt geflissentlich ignoriert wird, weil sie nichts zu bieten hat. Man könnte auch sagen, Udo (Kurt Krömer) ist so unscheinbar und durchschnittlich-normal, dass er für seine Mitmenschen Luft zu sein scheint. Für seinen Job als Kaufhausdetektiv mag dies ideal erscheinen. Um zwischenmenschliche Kontakte jeglicher Art zu knüpfen, ist es eher hinderlich. Dies ändert sich, als Udo plötzlich und auf unerklärte Weise von der Hotelmanagerin Jasmin (Fritzi Haberlandt) gesehen werden kann. Und nicht nur das, die beiden verlieben sich ineinander und schon beginnen die Probleme für Udo, der es sich bis dahin in seinem Einsiedlerdasein recht gemütlich gemacht hatte. Wenn sich TV-Comedians auf die große Leinwand wagen, sollte man diesem Unterfangen mit gesunder Skepsis begegnen, denn was als kurzer Sketch

in der Glotze funktioniert, hat meistens nicht das Zeug, auch über Spielfilmlänge zu begeistern. Ganz so dicke kommt es hier zwar nicht, trotzdem werden Kurt Krömer-Fans nur bedingt bedient, da der so beliebte, staubtrockene und leicht surreale Humor des Berliners aus diesem etwas trüben, in sich nie ganz schlüssigen Komödienallerlei leider viel zu selten aufblitzt. Die Idee, den grauen Mäusen unter uns auf diese Weise ein filmisches Denkmal zu setzen, ist zwar durchaus lobenswert, aber letztlich weder sonderlich aufregend noch über die Maßen originell. So plätschert diese Liebesgeschichte, die auch visuell die dröge Ausstrahlung eines TV-Films hat, selbst ein wenig lustlos dahin. Text: Dirk Lüneberg

Kinostart: 16. Juni

Mr. Nice

Der Haschpapst von nebenan

Howard Marks gilt auf der britischen Insel als Legende. Die „Daily Mail“ bezeichnete ihn einmal als „kultiviertesten Drogenbaron aller Zeiten“. Nachdem er Mitte der Neunziger eine Haftstrafe wegen Marihuana-Handels abgesessen hatte, veröffentlichte er seine Biographie „Mr. Nice“, die sich zum Bestseller mauserte und Marks auf Jahre ein sicheres (und endlich legales) Einkommen, nicht zuletzt durch ausgedehnte Lesereisen um die ganze Welt, bescherte. Da war die Verfilmung quasi vorprogrammiert. In der walisischen Provinz aufgewachsen, rauchte der junge Marks in den wilden Siebzigern als Student in Oxford seinen ersten Joint - für das Landei ein ebenso heiliger wie bedeutungsvoller Moment, den Regisseur Bernard Rose in seinem rasant inszenierten Biopic unterstreicht, indem er im Moment des Inhalierens von bis dahin in schwarz-weiß gehaltenen Jugend-Szenen zu Vollfarbe wechselt. Die Bitte eines vorübergehend inhaftierten Kommilitonen, für ihn ein mit Hasch präpariertes Auto über

die Grenze zu bringen, ist dann der Zündfunke für Marks’ Karriere als Tycoon der weichen Drogen. Die Regeln des Business begreift er schnell, und treibt sie sogar kreativ voran: Er importiert das feinste Hasch direkt aus Pakistan, und verschifft es unter dem seltsamen Pseudonym „Nordel“ auf die britische Insel, wobei er die Waffenschmuggel-Routen der IRA nutzt. Es dauert nicht mehr lange, bis auch die Amerikaner seine Dienste in Anspruch nehmen wollen... ein Deckname muss her! Hauptdarsteller Rhys Ifans erweist sich als Idealbesetzung für den sympathischen Kauz Marks. „Mr. Nice“ punktet mit toller Seventies-Atmo, und ist auch in den Nebenrollen toll besetzt. Der Film pflanzt im Hirn des Betrachters einen unbezwingbaren Wunsch ein: Bald mal wieder ordentlich einen durchziehen! Text: Calle Claus

Kinostart: 23. Juni


unclesally*s magazine

Der Mann der über Autos sprang

KINO

Seite 55

Fremd fischen

Insidious

Text: Fabian Soethof

Nach einem Absturz mit dem attraktiven Dex kommt die brave New Yorker Anwältin Rachel (Ginnifer Goodwin) in moralische Schwierigkeiten: Der One-Night-Stand ist nämlich der Verlobte ihrer besten Freundin und egozentrischen Partynudel Darcy (Kate Hudson in einer gekonnten Mischung aus Zicke und „Mädchen zum gern haben“) – und gleichzeitig der Mann ihrer Studententräume. Trotz arger Gewissensbisse entdecken die beide ihre Liebe zueinander. Einziger Wehmutstropfen: Die Freundschaft der beiden Frauen geht in die Brüche. Der Regisseur Luke Greenfield  hat sich mit dieser klassisch inszenierten Komödie nicht viel vorgenommen. Und gerade darin liegt die Stärke des Films „Fremd fischen“ (ab 16.6.). Denn der Konflikt, in den Rachel gerät, in dem sie sich zwischen der Liebe ihres Lebens und ihrer besten Freundin entscheiden muss, wird glaubhaft und ohne große Umwege erzählt: eine solide Sommer-Liebesgeschichte.

Der kleine Dalton Lambert (Ty Simpkins) ist wie viele Jungen in seinem Alter ein Träumer. Er allerdings hat darin besonderes Talent. Seine Traumreisen führen ihn so weit, dass sich „Etwas“ anschickt, von dort aus mit zurückzukehren. Regisseur James Wan drehte auch den ersten und dritten Teil von „Saw“ und somit ist zumindest klar, dass die Familie des Jungen bald in ernsthaften Schwierigkeiten stecken wird. Das ist im Grunde eine ganz nette Idee. Aber die ewig lange Einführung legt falsche Fährten, die schon im Trailer aufgelöst wurden. Das Trio der final eingreifenden Geisterjäger ist lächerlich, so als hätten die Ghostbusters Bill Murray durch seine Mutter ersetzt. Das Schicksal der Lamberts lässt einen kalt. Kein Tropfen Blut, vorhersehbare Schockeffekte - wer nie zuvor einen Horrorfilm gesehen hat, wird sich ab und an erschrecken. Alle anderen können während „Insidious“ (ab 16.6.) besser dem kleinen Racker Dalton nacheifern und ein wenig träumen.

Text: Cosima Grohmann

Text: Christian Stein

I Phone You

Klitschko

Schlafkrankheit

Die Chinesin Ling (Jiang Yiyan) lernt in ihrer Heimatstadt Chongqing den Geschäftsmann Yu kennen. Der lebt jedoch in Berlin und schenkt Ling zum Abschied ein iPhone, um den Kontakt zu ihr halten. Ling ist verliebt und beschließt, Yu in Berlin zu besuchen. Dieser ist jedoch beschäftigt und schickt Marco (Florian Lukas), seinen Bodyguard. Alles, was Ling von ihrem Liebsten sonst noch hat, ist sein iPhone. Der Ansatz von Regisseurin Dan Tang klingt spannend: Die kulturelle Veränderung im Umgang mit der Liebe in Zeiten von Smartphones – und die damit einhergehende Erkenntnis, dass selbst die beste Technik der Welt nur so viel wert ist wie die Liebe selbst. Leider verliert sie das schnell aus den Augen und kann sich nie so recht entscheiden, was sie mit ihrem Film eigentlich erzählen will. „I Phone You“ (ab 26.5.) wirkt bisweilen eher wie ein in die Länge gezogener Werbespot für Berlin und das iPhone, sodass von der tollen Grundidee schlussendlich leider nicht mehr viel übrig bleibt. Schade.

Endlich wird den beiden Klitschko-Brüdern Wladimir und Vitali ein dokumentarfilmisches Denkmal gesetzt, nachdem sie sich mit Blut, Schweiß und Tränen an die Spitze des Boxsports gekämpft haben. Die Dokumentation von Sebastian Dehnhardt porträtiert die beiden Geschwister, liefert Einblicke in ihre Vergangenheit in der Sowjetunion und natürlich eine Chronik ihrer Profisportkarriere. Wichtig war allen Beteiligten, nicht bloß die beiden Boxer zu zeigen, sondern auch die Menschen dahinter – und einen Eindruck davon liefert der Film tatsächlich. Allerdings sind nicht alle Lebensabschnitte der Klitschkos so spannend wie ihre legendären Boxkämpfe, sodass sich zwischen Sachlichkeit, Nostalgie und Pathos immer auch wieder Ernüchterung breit macht. Insofern ist „Klitschko“ (ab 16.6.) ein ambitioniertes Dokumentarfilmprojekt über zwei Ausnahmesportler, dem es jedoch an der nötigen Luft fehlt, um in sämtlichen Runden nach Punkten vorn zu liegen.

Ebbo lebt mit seiner Frau Vera seit ein paar Jahren in Kamerun. Er ist Arzt und realisiert dort ein Hilfsprogramm gegen die Schlafkrankheit, einst ein großes Problem in den Tropen Afrikas. Aber Vera vermisst Deutschland und vor allem die 14-jährige Tochter Helen, die dort in einem Internat lebt. So beschließen sie, zurück nach Deutschland zu gehen, doch Ebbo fürchtet sich jeden Tag mehr vor der Rückkehr nach Europa. „Schlafkrankheit“ (ab 23.6.) ist kein Film über Afrika, sondern über einen Europäer in Afrika. Im Fokus steht Ebbo, der - innerlich zerrissen - zwischen den beiden Kontinenten hängt. Regisseur Ulrich Köhler hievt das Problem der Zerrissenheit auf die Ebene der Dramaturgie und führt in der zweiten Hälfte des Films einen neuen Protagonisten ein. Damit schafft er eine Distanz, die eine eigenwillige Dynamik entwickelt und weniger eine Identifikation, aber umso mehr eine Reflexion des Geschehens schafft. Ein faszinierender Ausflug der „Berliner Schule“ nach Afrika.

Ausbrechen. Wandern gehen. Dem Alltag entfliehen. Sich ihm stellen. Was Verrücktes tun. Seele und Körper reinigen. Das sind so die Dinge, mit denen Julian (Robert Stadlober) die nächsten Tage verbringen möchte. Dumm nur: Er ist dafür aus der Psychiatrie ausgebüchst, und während er seinen Fußmarsch von Berlin Richtung Tuttlingen antritt, trifft er nicht nur die von seinem Freigeist becircte Ärztin Ju (Jessica Schwarz), sondern wird auch von Polizist Jan (Martin Feifel) gesucht. Nur eine Frage der Kilometer, bis das Schicksal der komischen Wandergruppe seinen Lauf nimmt. Die Low-Budget-Produktion „Der Mann der über Autos sprang“ (ab 9.6.) ist nicht nur das Regiedebüt von Nick Baker-Monteys, in dem Robert Stadlober als Koproduzent fungiert. Die kleine Tragikomödie ist auch ein Märchen. Weil es nicht darum geht, die irrationalen Entscheidungen der Protagonisten zu verstehen, sondern sich auf sie einzulassen.

Text: Daniel Schieferdecker

Text: Daniel Schieferdecker

Text: Cornelis Hähnel


Seite 56

KINO DVD

unclesally*s magazine

DVD DES MONATS Carlos (NFP/Warner)

Es gibt gute Filme, es gibt schlechte Filme und es gibt viel Mittelmaß. Und dann, immer wieder mal, gibt es einen Film, der so großartig ist, dass er einen absolut umhaut. Zu dieser Kategorie gehört „Carlos – Der Schakal“, ein Terroristen-Biopic, das nicht nur durch seine epische Länge etwas ganz Besonderes ist. Ilich Ramirez Sánchez, genannt Carlos, der Schakal, war in den 1970er und 1980er Jahren einer der meistgesuchten internationalen Terroristen, unter anderem war er für die Geiselnahme der OPEC-Ölminister 1975 in Wien verantwortlich. Carlos

wurde zum Mythos, zu einem Gesicht des Kalten Kriegs. Basierend auf Akten, Protokollen und Zeugenaussagen hat Regisseur Olivier Assayas das Portrait eines Mannes und seines „socialist networks“ geschaffen. 330 Minuten, 120 Sprechrollen, 92 Drehtage in zehn Ländern und 20 Jahre Story, das sind die Eckdaten dieses Mammutwerks, das temporeich und fesselnd das Leben von Carlos erzählt, seinen Wandel vom Revoluzzer-Playboy zum behäbigen Söldner, ohne dabei in unangebrachte Terror-Romantik zu verfallen. Ganz vorn brilliert Ed-

gar Ramirez als Carlos, der mit einer schauspielerischen Tour de Force seine Interpretation des Terroristen gibt. Aber auch der restliche Cast, darunter Shooting Star Nora von Waldstätten, Alexander Scheer und eine endlich mal wieder wunderbare Julia Hummer kann überzeugen. Hinzu kommt ein erlesener Soundtrack, der mit New Order, The Wire und The Feelies von Geschmack zeugt. „Carlos“ ist ein Kinoereignis ohne Gleichen, das glücklicherweise auch auf DVD funktioniert.

13

Bis aufs Blut

Devil

(Constantin/Highlight/ Paramount) Im Jahr 2005 machte der Georgier Géla Babluani mit seinem Debütfilm auf sich aufmerksam: „13 Tzameti“ war ein spannender und intensiver Thriller in schwarz-weiß. Dazu drehte er jetzt das HollywoodRemake, ganz in Farbe und mit großen Namen (Rourke, Statham, 50 Cent). Durch Zufall gerät Vince auf ein Russisch-Roulette-Turnier, bei dem zwar eine Menge Geld zu holen ist, es aber entsprechend viel zu verlieren gibt. Das Original übertrifft der Film nicht, was die tolle Grundidee aber nicht schlechter macht. Interviews, ein „Blick hinter die Kulissen“ und ein Making Of bilden das Bonusmaterial. Text: Christian Stein

13 Assassins

(Ascot Elite) Der vielseitig-berüchtigte japanische Regisseur Takashi Miike („Audition“) versucht sich erfolgreich an einem Samurai-FilmRemake. Eine kleine Gruppe mutiger Kämpfer will den grausamen Lord Naritsugu töten, ehe dieser noch mächtiger wird und das Land ins Elend stürzt. Neben Horden von Gegnern macht ihnen dabei vor allem der eigene Ehrenkodex zu schaffen, der sie eigentlich zu bedingungsloser Treue verpflichtet. Miike orientiert sich an Klassikern wie „Die sieben Samurai“ und stellt angesichts des blutigen Sterbens auf beiden Seiten die Prinzipien der Krieger infrage. Außer ein paar Trailern gibt es leider keine Extras. Text: Peter Meisterhans

Accidents Happen

Dank Filmen wie „Die Fliege“, „Beetlejuice“, „Die Reisen des Mr. Leary“ und nicht zuletzt „Thelma & Louise“ wurde Geena Davis zum Hollywoodstar und zur Oscar-Gewinnerin. Lange ist das her, doch die DVD-Premiere „Accidents Happen“ über eine höchst ungewöhnliche Mutter-Sohn-Beziehung in den Achtzigerjahren ist ein erster Schritt in Richtung Comeback. Denn das liebenswürdig schwarzhumorige Familiendrama, in dem Davis ebenso überzeugt wie ihre jungen Kollegen, ist tatsächlich ihr bester Film seit über 15 Jahren. Bonusmaterial sucht man allerdings vergebens. Text: Jonathan Fink

(EuroVideo) Tommy (Jacob Matschenz) und Sule (Burak Yigit) sind beste Freunde. Nachdem Tommy wegen Drogendealerei für sechs Monate in den Knast musste, ist nichts mehr wie es war: Seine Freundin hat einen Neuen und seine Mutter droht ihm mit Rausschmiss. Nur Sule hält noch zu ihm. Doch Tommy muss aufpassen, dass er beim Abhängen mit seinen Kumpels nicht wieder im Gefängnis landet. Lässig und modern inszeniertes Kleingangsterdrama in voll kinotauglichen Bildern und mit unverkrampft aufspielenden Darstellern. Als DVD-Extras gibt es einen Audiokommentar, ein Making Of, Outtakes sowie den Trailer. Text: Dirk Lüneberg

Text: Patrick Heidmann

(Universal) Seinen Ruf hat M. Night Shyamalan zuletzt mit Filmen wie „The Happening“ oder „Die Legende von Aang“ eigenhändig arg ramponiert. Doch das sollte Gruselfans nicht von „Devil“, bei dem der StarRegisseur für Geschichte und Produktion verantwortlich zeichnet, abhalten. Denn der Film, der die alte Angst vorm Eingeschlossensein im Fahrstuhl mit allerlei Horror- und Mystery-Elementen kombiniert, ist zwar nicht fehlerlos, aber ein auf jeden Fall rundum spannendes B-Movie, wie gemacht fürs Heimkino. Entfallene Szenen und Featurettes gibt’s obendrauf! Text: Jonathan Fink

Die Meute

(Sunfilm) Die knallharte Charlotte nimmt einen Anhalter mit, der in einer schäbigen Kneipe plötzlich verschwindet. Die Suche nach ihm wird zum Alptraum. Nach der Asia-Welle gilt nun Europa als die neue Heimat des Horrors. Und ästhetisch ist „Die Meute“ wirklich ein Glanzstück, die Bilder sind düster und von trostloser Schönheit und mit Benjamin Biolay und Yolande Moreau ist die Besetzung ebenfalls top. Doch leider mag die Mischung aus Torture Porn, Zombiefilm und latenter Sozialkritik keine richtige Spannung erzeugen, was letztlich eben jener Mixtur geschuldet ist. Richtig gruselig ist hier nur die deutsche Synchro. Text: Cornelis Hähnel

Black Swan

(20th Century Fox) Nina (Natalie Portmann) ist eine ehrgeizige Ballerina und arbeitet sehr hart, um die begehrte Hauptrolle in „Schwanensee“ zu ergattern. Als es so weit ist, währt ihre Freude jedoch nur kurz: Denn die Boshaftigkeit des schwarzen Schwans nimmt immer mehr Besitz von ihr und lässt nach und nach die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen. Vollkommen zu Recht ist Natalie Portman für ihre Leistung in diesem Meisterwerk von Darren Aronofsky mit dem Oscar ausgezeichnet worden. Schade allerdings, dass es nennenswerte Extras nur mit der Special Edition gibt. Text: Daniel Schieferdecker

Der Auftragslover

(Universum) Alex ist der Typ, der angeheuert wird, um Beziehungen - zumeist unglückliche - unwiderruflich zu entzweien. Jetzt soll er der kühlen Juliette den Kopf verdrehen, damit die nicht einen Engländer heiratet. Doch diesmal verliebt sich Alex... Roman Duris als Alex scheint nach „Barcelona für ein Jahr“ die ideale Besetzung für den verhinderten Liebhaber. Vanessa Paradis macht sich extrem rar und ist darum ein Argument für diese romantische Liebeskomödie. Sympathisch macht die Komödie auch die liebenswerte Besetzung in der zweiten Reihe. Als Bonus gibt es ein Making Of und Interviews mit den Beteiligten. Text: Elisabeth Nagy

BEST OF THE REST Problemlos ließe sich der Platz dieser kleinen Rubrik hier mit erneuten Schwärmereien über die legendäre Muppet Show füllen. Endlich ist schließlich nun auch „Die Muppet Show – Die komplette dritte Staffel“ (Walt Disney) auf DVD erhältlich, inklusive natürlich aller Lieblingsfiguren von Gonzo bis Piggy und Gaststars wie Alice Cooper, Sylvester Stallone, Harry Belafonte oder Loretta Lynn. Doch selbstverständlich sollen auch noch Neuerscheinungen erwähnt werden, die im Kanon der Pop-Kultur vermutlich niemals eine vergleichbare Rolle spielen werden. Dazu gehören gelungene Fernsehproduktionen wie die BBC-Serie „Ashes to Ashes – Zurück in die 80er“ (Polyband), die zwar nie ganz die Qualität von „Life on Mars“ (wovon sie ein Spin-off ist) erreicht, aber als Mystery-Krimi mit famosem Soundtrack trotzdem hervorragend unterhält. Oder auch die Weiterführungen von starken Reihen wie „Unter Verdacht – Vol. 2“ (Ascot Elite) und „Breaking Bad – Die komplette dritte Season“ (Sony), die hier schon mal gewürdigt wurden. Die Dokumentation „Good Food, Bad Food“ (Alamode/Alive) der Französin Colin Serreau ist ebenfalls empfehlenswert, nicht zuletzt weil gesunde Lebensmittel und Öko-Landwirtschaft zu Recht derzeit viel besprochene Themen sind. Ohnehin stets ein Dauerbrenner ist natürlich alles, was mit Sex zu tun hat, daher sei auch noch auf die ebenfalls französische, durchaus vielschichtige Doku „Nina, Diary of a Porn Star“ (Neue Visionen/Goodmovies/Indigo) hingewiesen. Bleiben noch die DVD-Premieren aus dem Bereich Spielfilm. Dank Vincent Gallo schauspielerisch stark und in Venedig preisgekrönt ist das schwierige Freiheitskämpfer-Drama „Essential Killing“ (Ascot Elite) von Jerzy Skolimowski, während „Am Ende des Weges – Get Low“ (Sony) zwar nicht rasend originell und etwas zu sentimental daherkommt, aber mit tollen Leistungen von Robert Duvall, Sissy Spacek und Bill Murray aufwarten kann. Die australische Krimikomödie „Große Tricks und kleine Fische“ (Ascot Elite) mit Sam Worthington ist dagegen einfach nur nett und harmlos. Text: Patrick Heidmann


unclesally*s magazine

Drei

(X-Verleih/Warner) Aller guten Dinge sind drei, heißt es im Volksmund. So auch im Film von Tom Tykwer über die eingeschlafene Beziehung zwischen Hanna (Sophie Rois) und Simon (Devid Striesow). Erst als sich beide unabhängig voneinander in denselben Mann verlieben (Sebastian Schipper), fängt das Feuer ihrer erloschenen Leidenschaft wieder zu lodern an. Vor allem die drei Hauptdarsteller liefern eine hervorragende Performance ab, wenngleich die ungewöhnliche Geschichte sicherlich nicht jedermann in seinen Bann ziehen wird. Extras: Making Of, nicht verwendete Szenen, Trailer und Teaser. Text: Daniel Schieferdecker

Immer Drama um Tamara

(Prokino/EuroVideo) Die Qualitäten von BritKomödien sind landläufig bekannt, machen wir’s also kurz: Wer drauf steht, kommt auch bei dieser Verfilmung der Comicreihe „Tamara Drewe“ von Posy Simmonds auf seine Kosten. Deren Titelheldin kehrt nach geraumer Zeit in die heimatliche Provinz zurück, und da schau her: aus der grauen Maus von einst ist ein echter Knüller (Gemma Arterton) geworden. Klar, dass insbesondere die männliche Bevölkerung schnurstracks aus dem Häuschen ist... Highlight im Bonusprogramm: die Featurette „Vom Comic zum Film“. Alle 110 Original-Strips kann man sich übrigens unter guardian. co.uk/books/series/tamara-drewe ansehen. Text: Friedrich Reip

Miral

(Prokino/EuroVideo) Mit außerordentlich bildstarken und poetischen Biopics wie dem brillanten „Schmetterling und Taucherglocke“ hat sich der neoexpressionistische Maler Julian Schnabel mittlerweile auch als Regisseur einen Namen gemacht. Mit der packenden Geschichte des Waisenmädchens Miral, der Hauptfigur des autobiographisch gefärbten Romans der palästinensischen Journalistin Rula Jebreal, begibt sich Schnabel erstmals auf dezidiert politisches Terrain. Dabei trifft der ansonsten hervorragende Film nicht immer den richtigen Ton und lässt mitunter die gebotene Objektivität missen. Im Bonusmaterial finden sich aufschlussreiche Interviews mit Schnabel und Jebreal. Text: Sebastian Gosmann

Nowhere Boy

ven“ hemmungslos und – bis auf ein recht gelungenes Marx-Brothers-Zitat – ohne nennenswerten Höhepunkt durch die 95 Minuten kalauert, sorgen Rick Kavanian und Max Giermann dann doch für manch anständigen Lacher. Für Kinder sicherlich ein großer Spaß, für Erwachsene schlicht zu altbacken. Das einzige wirkliche Special auf der DVD ist das halbstündige Making Of. Text: Sebastian Gosmann

Paper Man

(Koch Media) Wenn sich der trottelige Autor Richard (Jeff Daniels) in seine Gedankenwelt flüchtet, trifft er auf den coolen Superhelden Captain Excellent. Auch die Außenseiterin Abby (Emma Stone) mag sich nicht von ihrem imaginären Freund trennen, dem depressiven Emo Christopher. Die beiden Nerds freunden sich an und ersetzen damit die Psycho-Anhängsel aus Kindheitstagen. Der Vorspann in Michel Gondry-artiger Collagenmanier ist leider das Kreativste, was diese ansonsten lieblos erzählte Geschichte zu bieten hat. Schade, denn bei dem Plot „gescheiterter Schriftsteller trifft auf verträumten Teenie“ könnte eigentlich alles passieren – oder eben nichts. Text: Cosima Grohmann

To Die Like a Man

(Salzgeber) Drag Queens und Transsexuelle, Junkies und fickende Soldaten im Wald, Klaviermusik und eine niedliche Hündin. Im Falle von Regisseur João Pedro Rodrigues entsteht mit dieser wilden, aber niemals ziellosen Mischung komplexes, hoch poetisches Kino der ganz besonderen Art. Mit der bildstarken, emotional aufgeladenen und voller Wendungen steckenden Geschichte der alternden Drag Queen Tonia zeigt der Portugiese alle Facetten seiner Kunst, von zarten Gefühlstupfern bis hin zu extravaganten, manchmal fast zu dick aufgetragenen Pinselstrichen, von Melodram bis Musical. Ganz und gar erstaunlich. Text: Jonathan Fink

Tron: Legacy

(Senator/Universum) Ein Film über die Jugend von John Lennon (Aaron Johnson), der als Teenager nicht nur die Musik entdeckte und Paul McCartney kennen lernte, sondern auch zerrissen war zwischen seiner psychisch labilen Mutter und seiner strengen Tante. Als Regiedebüt der Künstlerin Sam Taylor-Wood ist „Nowhere Boy“ erstaunlich konventionell geraten, doch deswegen nicht weniger überzeugend. Besonders gelungen: die Ausstattung, die Filmmusik von Goldfrapp und die Schauspielerleistungen von Kristin Scott Thomas und Anne Marie Duff. Schade, dass es dazu kein Bonusmaterial gibt. Text: Patrick Heidmann

(Walt Disney) Kevin Flynn, der erneut von Jeff Bridges gespielte Programmierer und die Hauptfigur aus dem ersten Teil, ist 1989 über Nacht verschwunden. Als sein heute 27 Jahre alter Sohn Sam (ausdruckslos: Newcomer Garrett Hedlund) eine Nachricht von ihm erhält, begibt er sich in dessen altes Büro und wird wie einst dieser in ein Paralleluniversum gezogen. Die Story bleibt anders als die eindrucksvollen Bilder als krude Mischung aus Vater-Sohn-Geschichte, Computerspielverfilmung und SciFi-Actioner mit allerlei buddhistischreligiösen Referenzen belanglos. Text: Dirk Lüneberg

Otto’s Eleven

We Want Sex

(Warner) Nach seinen großen Publikumserfolgen mit den Zwergen-Filmen geht Otto Waalkes wieder auf Nummer Sicher und lässt sich von einer Truppe – mehr oder minder frischer – TV-Comedians Schützenhilfe geben. Während Otto selbst sich in dieser Parodie auf Soderberghs „Ocean’s Ele-

(Universal) Keine kesse Sexklamotte: 1968 ging es den streikenden Näherinnen in den Ford-Werken um „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“. Nigel Cole drehte keinen faden Arbeiterkampf oder pädagogischen Feminismusfilm, Drama und Komödie halten sich die Waage. Besonders die

KINO DVD

Seite 57

Kult Monsters

(Capelight/Alive) Halb Südamerika ist durch außerirdisches Leben verseucht. Samantha und Alex müssen sich in die Heimat zu retten, bevor sich die USA endgültig mit einer Mauer vor „illegalen Fremden“ abschotten wird. Für einen Low-Budget-Film erstaunlich solide, inszenierte der Special Effects-Experte Gareth Edwards einen konzentrierten und intelligenten Thriller. Es bleibt absichtlich offen, wer die Monster sind: Wesen, die man weitgehend nur ahnt und hört, oder doch die Vertreter der Gattung „Zivilisationsmensch“ selbst. Mehr über den Überraschungserfolgsfilm erzählen uns Regie und Darsteller im Audiokommentar, dabei ist die Entstehungsgeschichte fast so spannend wie der Film. Text: Elisabeth Nagy

Win a Lot Auch in diesem Monat könnt Ihr wieder zahlreiche der hier vorgestellten DVDs (und Blu-Rays) gewinnen. Schickt uns einfach eine Postkarte oder E-Mail (verlosung@sallys.net) mit dem Kennwort „DVD-Verlosung“ und Eurem Wunschtitel. Altersnachweis nicht vergessen! Zu gewinnen gibt es: Carlos – 2x DVD-Box, 1x BD-Box, Monsters – 2x DVD, 1x BD, Otto’s Eleven – 4x DVD, 2x BD, Bis aufs Blut – 3x BD, 1x Rucksack von Titus, Immer Drama um Tamara – 3x DVD, Zwischen uns das Paradies – 3x DVD, Drei – 3x DVD, Die Meute – 3x DVD, To Die Like a Man – 3x DVD, 13 Assassins – 3x DVD, Accidents Happen – 3x DVD, Paperman – 3x DVD, Große Tricks und kleine Fische – 3x DVD, Essential Killing – 3x DVD, Good Food, Bad Food – 3x DVD, Am Ende des Weges – 3x DVD, Ashes to Ashes – 3x DVD, Miral – 2x DVD, 1x BD, Woher weißt du, dass es Liebe ist – 2x DVD, 1x BD, 13 – 2x DVD, 1x BD, Der Auftragslover - 2x DVD, 1x BD, Tron: Legacy – 2x BD, Soundtrack & T-Shirt, We Want Sex – 2x DVD & Poster, Nowhere Boy – 2x DVD, Muppet Show – 2x DVD, Black Swan – 2x DVD und Devil – 1x DVD, 1x Teufelskontaktlinsen von www.kultaktor.de

Sprachführerin Rita (Sally Hawkins) begegnet den gesellschaftlichen Zwängen der Zeit mit Witz und Biss. So ist „We Want Sex“ ein unterhaltsamer Working Class-Film, eine Stärke des britischen Kinos, zu dessen Ensemble sich noch Rosamunde Pike, Miranda Richardson und Andrea Riseborough gesellen. Als Bonus gibt es einen Audiokommentar, ein Making Of, Deleted Scenes und Outtakes. Text: Elisabeth Nagy

Woher weiSSt du, dass es Liebe ist?

(Sony) Wer Reese Witherspoon immer schon einmal als alternde Softball-Spielerin sehen wollte, für den schlägt hier und jetzt die große Stunde. Lisa wird dennoch aus dem US-Nationalteam gekegelt, genau der richtige Zeitpunkt also, um ordentlich über den eigenen Lebensplan zu grübeln. Heißt: Welcher Kerl soll’s sein? Der stinkreiche Hallodri Matty (mit links gespielt von Owen Wilson) oder der her-

zensgute Langweiler George (Paul Rudd)? Weil diese Frage auf Dauer dann vielleicht doch nicht spannend genug ist, hat der Film noch ein paar Nebenstränge zu bieten, die aber ebenso wenig der Rede wert sind wie die Extras der DVD. Arg mittelmäßig alles. Text: Friedrich Reip

Zwischen uns das Paradies

(Neue Visionen/Goodmovies/Indigo) Lunar und Amar sind ein glückliches Paar. Doch ihre innige Liebe verändert sich als Amar wegen Trunkenheit seinen Job verliert und er sich der streng muslimischen, wahabitischen Gemeinde anschließt. Jasmila Zbanic („Esmas Geheimnis“) bleibt auch bei ihrem zweiten Spielfilm in ihrer bosnischen Heimat. Was als Beziehungsdrama beginnt, wird eine Reflexion über einen wachsenden religiösen Fundamentalismus in europäischen Gefilden. Ohne Scheu und Vorurteile wagt sich Zbanic an ein schwieriges Thema und schafft es, neben dem persönlichen Drama einen differenzierten Blick auf Religiosität zu werfen. Text: Cornelis Hähnel


Seite 58

COMPUTERSPIELE

unclesally*s magazine

Red Faction: Armageddon Immer Ärger auf dem Mars: Da wähnen sich die Bewohner des roten Planeten endlich mal in Sicherheit - und urplötzlich taucht ein neuer Feind auf und das schöne Leben ist wieder vorbei. Zeit also für den Spieler, zum großen Waffenarsenal zu greifen und die Kolonisten im wohl spektakulärsten „Red Faction“-Spiel aller Zeiten wieder zu befreien. Satte 50 Jahre währte der Frieden auf dem Mars. Die diktatorische Earth Defense Force (EDF) war besiegt, die Kolonisten erstmals in der Lage, ihr Schicksal selbst zu bestimmen. Mitten ins friedliche und blühende Leben platzt allerdings der mysteriöse Bösewicht Adam Hale, zerstört die Technik, die das Leben auf der Mars-Oberfläche erst möglich gemacht hat, und sorgt so dafür, dass die Menschen sich wieder im Untergrund verstecken und in den unterirdischen Tunneln neue Stützpunkte errichten müssen. Glück im Unglück: Darius Mason, der Enkel des aus früheren „Red Faction“-Spielen bekannten Revolutions-Helden Alec Mason, fühlt sich berufen, es seinem Vorfahren im Freiheitskampf gleich zu tun. Somit greift er zu den Waffen - vor allem, da Bösewicht Adam Hale schon lange ein Feind der Mason-Familie ist. Was folgt, ist bestes Shooter-Entertainment in einem ebenso fesselnden wie schaurig-schönen Science-Fiction-Szenario. Mason muss sich einer beeindruckenden Übermacht an Feinden erwehren - böse Sektenanhänger, vor allem aber die zahlreichen Aliens, die im Schlepptau von Hale kämpfen, vermögen es durch ihre unterschiedlichen Formen und Arten, den Adrenalin-Pegel des Spielers nach oben zu treiben. Wer sich einmal einer

massiven Alien-Übermacht gegenüber gesehen und verzweifelt versucht hat, alle verfügbare Munition zur eigenen Rettung einzusetzen, darf hinterher einige Schweißperlen von Stirn und Controller wischen. Gut, dass das eigene Waffen-Arsenal recht groß ist - und neben typischen Schusswaffen auch nette Gimmicks wie etwa eine Magnet Gun oder die Singularity Cannon zur Verfügung stehen. Ebenfalls beeindruckend ist die verwendete Geo Mod 2.5-Engine: War es schon in der Vergangenheit möglich, fast alles in den Szenarien in seine Einzelteile zu zerlegen, geht die Zerstörung diesmal noch einen Schritt weiter - da bleibt kein Stein mehr auf dem anderen, das wüste Geballer endet immer wieder in wilden Zerstörungsorgien. Wem das zu destruktiv ist, dem kann mit der innovativen Nano Forge geholfen werden: Mit dieser Technologie kann tatsächlich praktisch alles wieder repariert und neu hergestellt werden - was viele neue taktische Möglichkeiten eröffnet. „Red Faction: Armageddon“ verlässt sich aber nicht nur auf seine technischen Stärken, sondern nimmt vor allem im späteren Spielverlauf auch atmosphärisch und Story-technisch massiv Fahrt

auf: Das Tempo wird höher, neue steuerbare Fahrzeuge am Boden und in der Luft lockern zudem den ohnehin schon abwechslungsreichen Spielverlauf zusätzlich auf. Die Zwischensequenzen werden spektakulärer, die Geschichte vertrackter - Serien-Veteranen freuen sich über viele Anspielungen auf frühere „Red Faction“-Titel - die übrigens durch zahlreiche weitere Medien wie Filme zum Spiel, Comics und dergleichen mehr noch vertieft werden können. Aber auch Neulinge erleben fasziniert, wie sich der Hintergrund um Bösewicht Adam Hale nach und nach aufklärt. Und der Mars selbst entpuppt sich einmal mehr als grandioses Szenario: auf der Planetenoberfläche und im Inneren warten Eiswüsten, brodelnde Lava-Ströme, unheimliche Gänge und zahlreiche spektakuläre Schauplätze. Dank so viel Variation, überzeugender Technik und der andauernden, herrlich kompromisslosen sowie zerstörungswütigen Action wird die Kampagne so zu einem grandios rabiaten Action-Feldzug - und Armageddon zum besten Teil der renommierten „Red Faction“-Reihe. Text: Tito Wiesner

RED FACTION: ARMAGEDDON Genre: Action Publisher: THQ Plattform: PC, Xbox360, PS3


unclesally*s magazine

COMPUTERSPIELE

L.A. Noire Leben und Sterben in L.A.: Brutale Morde, korrupte Polizisten und selbstsüchtige Kriminelle sind die eine Seite vom Los Angeles der Vierzigerjahre - tolle Jazz-Musik, schicke Nadelstreifen-Anzüge und die stilvolle Damenwelt die andere. Zumindest, wenn es nach den Entwicklern von Rockstar Games geht - die diesen ebenso schillernden wie düsteren Schauplatz in „L.A. Noire“ für einen Mix aus Thriller, Adventure und Action-Spiel nutzen. Im Mittelpunkt steht Detective Cole Phelps. Der glaubt an das Gute - was auch der Hauptgrund dafür ist, dass er zur Polizei gegangen ist. Kriminelle gehören hinter Gitter, Mörder bestraft, unschuldige Menschen geschützt - so weit, so eindeutig. Als er nach den traumatischen Erlebnissen des Zweiten Weltkriegs bei den Cops anheuert und die ersten Missionen erfolgreich löst, merkt er allerdings schnell, dass die Welt nicht ganz so in schwarz und weiß aufgeteilt ist, wie er sich das vorgestellt hat - und dass der Kampf für das Gute manchmal auch seine Schattenseiten hat.

Prügeleien und Verfolgungsjagden zu Fuß oder am Steuer eines schicken Oldtimers gibt es auch - für einen Rockstar Games-Titel sind sie allerdings ungewohnt selten, gerade im Vergleich zu Spielen wie „Read Dead Redemption“, „Mafia“ oder „GTA“. Das authentisch nachgebildete Los Angeles ist zudem zwar frei befahrbar, allerdings ist zwischen den jeweiligen Haupt- und Nebenmissionen nicht viel zu tun - das Spiel lenkt einen linear von Auftrag zu Auftrag.

Der Spieler steuert Phelps durch zahlreiche Missionen in unterschiedlichen Tätigkeiten - im Spielverlauf winkt Beförderung auf Beförderung, Einsätze als Streifenpolizist gibt es ebenso wie Aufträge als Detective, bei der Verkehrsbehörde oder der Sitte. Der Ablauf ähnelt sich trotzdem - meist gibt es eine kurze Zwischensequenz des eigentlichen Verbrechens, eine Einsatzbesprechung und darauf folgend das Absuchen des Tatortes oder das Befragen von Zeugen und Verdächtigen. Phelps kann Leichen untersuchen und nach Hinweisen suchen, Waffen zurückverfolgen und im Laden nach dem registrierten Besitzer fragen, Verwandte aufsuchen oder vermeintliche Komplizen hochnehmen. Neben einer gewissen Spürarbeit ist auch Intuition gefragt: Bei der Vernehmung potenzieller Verdächtiger gilt es, die Mimik des Gegenübers zu erforschen - und herauszufinden ob die Wahrheit gesagt oder doch gelogen wird.

Prunkstück des Ganzen ist dafür die Story - und die Art und Weise, wie sie in Szene gesetzt wird. Echte Schauspieler und ein ungemein realistisches Minenspiel sorgen dafür, dass die Grenzen zwischen Film und Spiel hier immer wieder verschmelzen. Die englische Sprachausgabe ist grandios, der Soundtrack beeindruckend. „L.A. Noire“ definiert so zwar kein neues Genre, ist aber glücklicherweise auch mehr als ein interaktiver Film - Rockstar Games geben dem Spieler deutlich mehr Optionen und Aktionen an die Hand, als es etwa die Entwickler des Spiel-Films „Heavy Rain“ taten. Trotzdem ist das Gameplay die kleine Schwachstelle von „L.A. Noire“ - die Action-Einlagen sind selten und einfach, die Adventure-Elemente für RätselExperten ebenfalls kaum der Rede wert. Wenn das Spiel trotzdem zu fesseln und zu begeistern weiß, liegt das einerseits an der gelungenen Technik, vor allem aber an der tollen Story und Atmosphäre - da darf und sollte über die seichte Spielmechanik gnädig hinweggesehen werden.

Hektische Action-Passagen mit Schießereien oder

Text: Tito Wiesner

L.A.NOIRE Genre: Adventure-Thriller Publisher: Rockstar Games Plattform: Xbox360, PS3

Seite 59


Seite 60

COMPUTERSPIELE

unclesally*s magazine

The Witcher 2 Assasins Of Kings Als grauhaariger Hexer und Frauenverführer Geralt von Riva gilt es in „The Witcher 2 - Assasins of Kings“ erneut, in einer Welt voll Mord, politischer Intrigen, sinnlicher Erotik und zahlreichen Monstren zu bestehen.

Dirt 3 Mehr Strecken, mehr Wettbewerbe, mehr Fahrzeuge - und ein ganz kleines bisschen mehr Realismus: „Dirt 3“ will die erfolgreichen Vorgänger vor allem durch einen größeren Umfang übertreffen, gleichzeitig aber mit mehr Rallye-Elementen auch die zuletzt von zuviel Trendsport und Action abgeschreckten „ColinMcRae“Anhänger zurückgewinnen.

„TW 2“ ist eine Fortsetzung, bei der es für das Verständnis von Story und Charakteren durchaus von Vorteil ist, den Vorgänger zu kennen. Schließlich wird man hier gleich von Beginn an in eine komplexe Story geworfen, die episch, dicht und atmosphärisch fesselnd erzählt wird. Eine große, farbenfrohe Welt, sehr detailreiche Figuren und Objekte legen die grafische Messlatte des Genres sehr hoch. Die gute Inszenierung und der passende Soundtrack machen „TW 2“ zu einem großen Fantasy-Spielerlebnis. Allerdings sollte für den vollen Grafik-Genuss ein leistungsstarker Rechner mit flotter Grafikkarte vorhanden sein. Das Zusammenspiel von abwechslungsreichen Haupt- und Nebenquests, Mini-Spielen (wie Faustkampf und Würfelpoker aus Teil Eins), heftigen Boss-Kämpfen sowie den Witcher-typischen Romanzen bilden eine glaubwürdige Welt, in der es reichlich zu entdecken gibt. Steuerung und Kampfsystem sind gewöhnungsbedürftig, nicht immer präzise und etwas konsolenlastig, Alchemie und Magie wurden geringfügig überarbeitet. Lobenswert sind die weitreichenden Konsequenzen, die die eigenen Entscheidungen im Spiel nach sich ziehen, so dass man teilweise komplett andere Spielwelten betritt, was den Wiederspielwert extrem erhöht. Die Präsentation ist großes Kino und macht „TW 2“ zu einem Pflichtkauf für RPG-Spieler, auch wenn es kein Open-World Spiel ist. Fans des ersten Teils können zudem ihre alten Savegames importieren. Fazit: Ein würdiger Nachfolger mit kleinen Schwächen!

Virtua Tennis 4 Atemberaubende Hechtrolle, nahezu unmögliche Schmetterbälle, unglaublich rasante Ballwechsel:

Zwar überwiegen die Rallye-Events, eine wirkliche Hinwendung zu spürbar mehr Realismus und Simualtion ist „Dirt 3“ trotzdem nicht. Trotz leichter SchwerpunktVerschiebung gilt: Anhänger realistischer Rennsimulationen und ausdauernder Rallye-Etappen werden auch an „Dirt 3“ kaum Gefallen finden. Wer den Mix aus Trend- und Rennsport schon in der Vergangenheit mochte, bekommt hier allerdings ein wirklich überzeugendes, vielseitiges und umfangreiches Spaß-Paket, das sehr gut aussieht und sich noch besser spielt.

Die „Virtua Tennis“-Reihe bestach von Beginn an eher durch einfache Handhabung als durch Realismus. Auch bei Teil Vier ändert sich das nicht; Neuerungen gibt es dafür vor allem beim Karriere-Modus und den Bedienungsmöglichkeiten. Wer besonders viel Wert auf physikalisch korrektes Ballverhalten und der Realität nachempfundene Spielwechsel legt, war bei „Virtua Tennis“ schon immer falsch - hier sind Duelle auf jedem Untergrund deutlich schneller als in der Realität, Ballwechsel immer etwas spektakulärer und auch die unmöglichsten Hechtrollen und Glücksschläge oft noch von Erfolg gekrönt. Die Faszination bezieht das Spiel auch in Teil Vier vor allem durch den Actionlastigen Ablauf, die schnell erlernbare Bedienung und den trotz einfacher Handhabung durchaus vorhandenen Tiefgang. Im Vergleich zum letzten Spiel wurde vor allem der Karriere-Modus deutlich aufgebohrt. Der Umfang ist viel größer, die speziellen Stärken und persönlichen Werte der Spieler sind besser ausgearbeitet und die Matches zeitaufwändiger. Erfolge und Tickets schalten neue Turniere und Trainingsmöglichkeiten frei, mit eingesammelten Preisgeldern kann zudem im Shop eingekauft werden. Obendrauf kommen mehrere Minispiele, die eher unterhaltsam als ernsthaftes Schlagtraining sind. Schweißtreibend ist dafür die Bedienung - wahlweise kann nicht nur auf der Wii, sondern auch mit Playstation Move oder Microsoft Kinect so gespielt werden, als hätte man tatsächlich einen Schläger in der Hand. „Virtua Tennis 4“ ist damit einmal mehr alles andere als das komplexeste und realistischste Tennisspiel für Konsolen - da steht „Top Spin“ etwa deutlich besser da. Wer jedoch weniger Wert auf Simulation und mehr auf kurzweilige, unkomplizierte und rasante Arcade-Unterhaltung legt, ist auch hier wieder bestens bedient.

Text: Tito Wiesner

Text: Tito Wiesner

Genre: Rennspiel

Genre: Sport

Publisher: Codemasters Plattform: PC, Xbox 360, PS3

Publisher: Sega Plattform: PC, Wii, Xbox360, PS3

Kernstück von „Dirt 3“ ist die World Tour - in mehreren Saisons gilt es, vom kleinen Rennfahr-Talent zum Star der Szene aufzusteigen. Die einzelnen Saisons warten mit unterschiedlichen Renn-Events überall auf der Welt auf. Neben klassischen Rallye-Ausfahrten, bei denen es zusammen mit dem Beifahrer auf die Strecke geht, gibt es etwa auch Rallye-Cross-Rennen, in denen die Teilnehmer im Pulk um die besten Plätze konkurrieren, oder auch Kopf-An-Kopf-Duelle. Hinzu kommen ShowEvents - hier muss besonders spektakulär gefahren werden. Großartig ist die Technik: Fahrzeuge und Kurse sind grandios in Szene gesetzt, Wetter-Effekte, hoch spritzender Schlamm oder wildes Schneegestöber sind wunderbar ins Spielgeschehen eingebunden. Interessant auch das eher spektakuläre als realistische Schadensmodell, bei dem durchaus mal ganze Teile abfallen und auf dem Kurs liegen bleiben.

Text: Mario Krenz

Genre: Fantasy Rollenspiel Publisher: Namco Bandai Plattform: PC (Xbox 360, PS3)


unclesally*s magazine

QUICKIES

Seite 61

QUICKIES

Alles nur gekauft Zalando

Schicke Schuhe, schöne Jacke, spitzen Rucksack... Fokus bitte! Auch wenn die Auswahl bei Zalando riesig ist, ihr von Schuhen, über Kleider, Jacken, Hosen, Taschen, Schmuck alles in zahlreichen Farben, Formen und Ausführungen finden könnt, geht es heute mal darum, die passende Festivalausrüstung zusammenzustellen. Gummistiefel sind da entscheidend! Die gibt es in pink, orange, blau, grau, grün oder wie im Falle der pfiffigen Schuhe von Seven Seconds auch in geschnürter Version. Ein Paar für jede Tagesform und Laune. Dann darf natürlich die passende Jacke nicht in eurem Festivalrucksack fehlen – ach ja, den braucht ihr ja auch noch! Machen wir’s doch einfach so. Auf sallys.net verlosen wir gemeinsam mit Zalando zwei tolle Festivalpakete bestehend aus den Seven Seconds Gummistiefeln, der schicken „Atmosphere“-Jacke von The North Face und dem passenden „Forge 45“ Rucksack vom gleichen Label. Deal? Weitere (unzählige) Ideen gibt es unter zalando.de.

Exilim Tryx Der Bügel macht’s

Wie gerne fotografieren wir uns selbst! Doch müssen wir dabei leider immer wieder feststellen, dass unsere Arme spätestens für gute Schnappschüsse in der Gruppe nicht lang genug sind. Wie gut, dass es jetzt die clevere Alternative zu verrenkten Gelenken und abgeschnittenen Bildmotiven gibt. Die Exilim Tryx von Casio verfügt neben einem schicken schlanken Design über einen schwenkbaren Rahmen und ein drehbares Touchdisplay, das tolle Bild- und Filmaufnahmen ganz flexibel und aus den kniffligsten Winkeln ermöglicht. Ob in der Hand, mit Selbstauslöser auf festem Untergrund oder hängend an der Wand – fast kein Motiv, das ihr so nicht in brillanten Farben festhalten könnt. Auch Supermodel Eva Padberg ist von der Exilim Tryx begeistert und wird sie beim Festivalgiganten Rock am Ring backstage zum Einsatz bringen und für euch sich selbst, Bands und Belegschaft in Aktion fotografieren. Die Bilder und alle weiteren Infos zur Kamera findet ihr unter: twistyourtryx.com

Telekom Street Gigs Poolparty mit Milow

Wahrscheinlich hat der belgische Singer-Songwriter sein Seepferdchen-Abzeichen längst in der Tasche. Wenn nicht, ist das auch nicht so schlimm. Denn wenn Milow am 28. Juni im Rahmen der Telekom Street Gigs im historischen Parkbad Süd in Castrop-Rauxel auftritt, wird vorher das Wasser aus dem Pool gelassen. Milow möchte die Gelegenheit im leeren Becken nutzen, euch vor sommerlicher Freibad-Kulisse sein neues Album „North And South“ vorzustellen. Natürlich kommen auch Singles wie „Ayo Technology“, „You Don‘t Know“ und „You And Me (In My Pocket)“ nicht zu kurz. Wer an diesem netten Sommerausflug teilnehmen möchte, der bewerbe sich bitte bis zum 20. Juni unter telekom-streetgigs.de für die Tickets, die es nicht zu kaufen, sondern ausschließlich zu gewinnen gibt. Auf sallys.net verlosen wir 1x2 Tickets für die Show. Ein Mobile Music Pac ist inklusive. Es beinhaltet eine DVD mit den Highlights der vergangenen Gigs und ein Touchscreen Nokia 5230 mit erstklassigem Musikplayer und schnellem Internetzugriff. Tickets unter telekom-streetgigs.de

Beck’s Black Currant

Fred Perry & Stüssy

Die Fusion des Sommers

Biermixgetränke schmecken unter freiem Sommerhimmel doch eindeutig am besten. Beck’s Black Currant ist der neueste Streich aus dem Hause Beck’s und als Limited Edition nur von Mai bis Oktober zu haben. Die fruchtig-herbe Mischung wurde mit einem Schuss Schwarze Johannisbeere verfeinert und besteht ausschließlich aus natürlichen Zutaten. Von nun an gastiert der neue Mix in der Beck’s Familie neben Beck’s Green Lemon, Beck’s Ice, Beck’s Level 7 und Beck’s Chilled Orange, aber wie gesagt nur bis Oktober. Auf becks.de werdet ihr euch auch regelmäßig über andere erfrischende Fusionen freuen können. So gibt es dort momentan das „Jackpot Slots“ zu gewinnen, das aus einem iPhone einen einarmigen Banditen macht. Und wem Beck’s Black Currant schmeckt, der darf es gern allen auf facebook. com/becksmix mitteilen. Ab Juli könnt ihr euch auf die Fusion Parties in Hamburg, München und Berlin freuen. Wir halten euch auf dem Laufenden. Auf sallys.net verlosen wir übrigens diese Tasche. Auch zum Getränketragen geeignet. becks.de

Für Mode Athleten Sport ist nicht immer Mord. Vor allem dann nicht, wenn er gut aussieht – also, das dazugehörige Outfit. Fred Perry und Stüssy Deluxe haben sich zusammengefunden und eine Kollektion unter anderem mit T-Shirts und Taschen im Stil der Siebzigerjahre kreiert. Schlichtes Schwarz, Weiß und Rot sind die Farben der Linie. Die TShirts im Trikot-Style ziert das Label als Rückenaufdruck. Die tollen Sporttaschen im Retro-Look werden aus Leder und Leinen gefertigt und machen selbst die größten Grobmotoriker zu einem attraktiven Spitzenathleten – wenn auch nur auf der Zuschauerbank. fredperry.com


Seite 62

COMIX, HÖR-/BÜCHER

unclesally*s magazine

Französische Sandalencomics Sokrates der Halbhund Band 1 Herakles / Für das Imperium Band 1 Ehre / Plepum

Was Homer in seinen Geschichten verschweigt, ist: Herakles hatte einen Hund. Sokrates hieß er, und wie der Name bereits andeutet, macht dieser sich so seine Gedanken. Über seinen Herren und die Bedeutung der Dinge, die dieser tut. Dummerweise ist das nicht viel, denn Herakles ist geistig und von der Handlungsvielfalt genügsam: Ungeheuer töten, der Damenwelt nachsteigen, am Lagerfeuer essen und schlafen reicht ihm vollkommen aus. So reagiert er auch leicht genervt auf die nachdenklichen Beobachtungen seines tierischen Begleiters.

5 Fragen an Baru

“Sokrates der Halbhund“ ist schlicht gesagt eines der tollsten und unterhaltsamsten Comics der letzten Monate. Es ist beeindruckend, mit welcher Frische und Leichtigkeit das kongeniale Team Joan Sfar (Text) und Christopher Blain (Zeichnungen) die antiken Sagengestalten aufs Korn nehmen und gleichzeitig lakonisch das Verhältnis der Geschlechter kommentieren. Die besten Comickünstler kommen immer noch aus Frankreich. Da kann man nix machen. Ebenfalls aus Frankreich kommt der junge Shootingstar Bastian Vivès, der vor allem mit seinem Album “Der Geschmack von Chlor“ (Reprodukt) Aufsehen erregte. Nun hat er sich mit dem Kollegen Merwan und der Coloristin Desmazières zusammengetan, um eine Art epischen Sandalen-Comic vorzulegen. “Für das Imperium“ ist dabei überraschend herkömmlich geraten. Eine aus lauter Spezialisten bestehende Spezialeinheit rückt mit geheimem Sonderauftrag ins Feindesland vor, wo sie allerhand Schwierigkeiten zu meistern hat. Zwar kann “Für das Imperium“ durchaus mit atmosphärischen Bildern und einer stimmigen Farbgebung aufwarten, aber die unglaublich bescheuerte Idee, alle Bilder noch mit einer Struktur zu überlagern, wirkt effekthascherisch und lässt alsbald das Auge schmerzen. Vielleicht geschieht ja in Band Zwei, welcher den immerhin vielversprechenden Ti-

tel “Frauen“ trägt, etwas Ungewöhnliches. Wesentlich düsterer und härter geht es in dem Album “Pleplum“ vom Avant Verlag zu. Vier Männer finden am Ende der bekannten Welt in einer Höhle eine von einer dicken Eisschicht umhüllte - Frau, schöner als Merkur und Helena. In der Hoffnung auf großen Reichtum, ziehen sie die Schöne mühevoll durch die Fremde. Seltsame Krankheiten raffen die Expeditionsmitglieder dahin. Bei dem aus adliger Familie stammenden Publius Cimber hilft der Jüngste der vier noch etwas mit dem Messer nach. Er will die Statue ganz für sich, trägt fortan den Namen des Gemesserten und schläft nachts in anzüglicher Haltung auf der noch immer gefrorenen riesigen Frauenstatue. Der durch “Der kleine Christian“ bekannte französische Comiczeichner Blutch schuf mit “Peplum“ eine albtraumhafte Odysee, eine grafische Tour de Force. In düsteren, expressiven, dynamischen Zeichnungen lässt er seinen jugendlichen Anti-Helden auf gierige Händler, verkrüppelte nackte Schönheiten, Hexerei und Erektionsstörrungen treffen - bis er am Ende auf einem Schiff dem Bruder des verstorbenen Publius Cimber gegenüber steht. Text: A. Hartung Heimat: reprodukt.com, avant-verlag.de Preis: 12 Euro, 12 Euro, 25 Euro

Gibt es etwas besonderes, was Comic allen anderen Medien voraus hat? Ich glaube nicht, dass Comics gegenüber anderen Medien einen Vorteil haben. Sie können jedoch dasselbe ausdrücken wie Literatur oder Kino, und zwar mit dem gleichen Grad an Exzellenz. Allerdings drücken sie sich auf eine andere, emotionalere, synkretistischere Art aus, weil sie mit Bildern sprechen. Die Wahrnehmung der Bilder, die ja das Lesen nicht ablösen, und deren analytische Entschlüsselung sind eine bereichernde Erfahrung, die in jeder Hinsicht mit den Sinnen spielt, aber auch etwas Mysteriöses hat, das in Verbindung mit dem ganzen Körper und nicht nur dem Gehirn tritt. Welche Musik hören Sie (momentan) am liebsten beim Zeichnen? Ich höre nur Rock’n’Roll. Ausschließlich. Und nicht nur, wenn ich zeichne. Während des Tages durchlaufe ich den Rock’n’Roll von 1955 bis 2011. Wenn ich zeichne, ist es nur noch ein bisschen lauter. Am Ende werde ich noch komplett taub sein. Welcher ist Ihr aktueller Lieblingscomic? Einer, für den ich in der Funktion des Jury-Präsidenten beim Ranking des letzten Festival Angoulême gestimmt habe: “5000 km in der Sekunde“ von Emmanuel Fior, bei Atrabile. Ich war auch sehr begeistert, als ich “Les Noceurs“ (Die Lebemänner“) von Brecht Evens bei Actes Sud entdeckt habe. Was empfehlen Sie jungen Nachwuchskünstlern? Nicht nach einem Stil zu suchen. Nicht dem zu folgen, was gerade angesagt ist. Sie sollten viele Comics aller Art lesen und auf alles neugierig sein. Und natürlich arbeiten wie ein Verrückter. Welche Musik soll bei Ihrer Beerdigung laufen? Keine, weil ich nämlich unsterblich bin. Baru ist unsterblich. Na, das ist doch mal eine gute Nachricht! Heißt das doch nichts anderes, als dass wir gewöhnlichen Sterblichen uns bis an unser Lebensende an neuen Baru-Bänden erfreuen können. Die nächste Gelegenheit dazu gibt es in diesem Frühjahr bei der Edition 52, wo der neue Baru-Band “Hau die Bässe rein, Bruno!“ erscheint. Mehr Infos dazu und eine ausführliche Leseprobe gibt es unter edition52.de


unclesally*s magazine

Frank Cho University Freaks

(Cross Cult) Ah, die goldenen Neunziger: In den USA sind die demokratischen Weicheier an der Macht, Clinton wird in wenigen Monaten seiner Praktikantin eine Zigarre ins große Schwarze schieben und das Gesetz zur Gleichberechtigung von Tieren lässt es zu, dass sich ein Schwein, ein Erpel, eine Art Erdmännchen und, äh, nun ja: eine Bohne an der Uni einschreiben dürfen. Klingt, wie ein schlechter Witz? Ist es auch! Und zwar ein Witz, den Frank Cho vom Herbst 1994 bis zum Herbst 1995 täglich für die Studentenzeitung der Universität of Maryland zeichnete. In seinem Strip “University Freaks“ dreht sich jeder gottverdammte Strip um Weiber, Saufen, Kotzen, Saufen, Herzschmerz, Saufen und um deine fette Mutter! Die Witze sind oft so platt, die Figuren so dreckig und die Frauen so sexy, dass “University Freaks“ das perfekte Geschenk für alle Graphic Novel-Freunde sein dürfte. Denn es verkörpert alles, was sie an Comics hassen. So sehen Comics aus, die man kichernd in der letzten Reihe des Hörsaals zeichnet und man noch Jahre später, immer noch kichernd, auf dem Klo liest. Cross Cult spendiert nun dem deutschen Leser eine schicke Gesamtausgabe dieses Meilensteins amerikanischen Kulturgutes. Text: A. Hartung Heimat: cross-cult.de Preis: 22 Euro

HÖREN ANNE MARIA GADEBUSCH/ FRIEDHELM BREBECK GUTE NACHT, DOKTOR - DIE LETZTEN TONBÄNDER DER MARILYN MONROE

(WDR/Der Audio Verlag) Die Welt ist verkommen. Gelegentlich vergisst man das. Dann freut man sich über Marmeladenbrote oder dass die Sonne scheint, und dann überfährt einen doch wieder die schaurige Wahrheit dessen, was wir Alltag nennen. Diesmal kam sie in Form dieses Radio-Features mit Hans Peter Hallwachs und Anna Thalbach über Marilyn Monroe und die Tonbänder, die sie kurz vor ihrem Selbstmord für ihren Psycholoanalytiker aufnahm. Was für ein Leben muss das gewesen sein? Nach außen hin strahlend, und doch vernachlässigt, missbraucht, ausgenutzt, kleingehalten. Ein Leben, das in seinen letzten Stunden mit Worten wie diesen zusammengefasst wird. „Ich habe niemals so geweint wie nach meinem ersten Orgasmus. Es war wegen all der Jahre, die ich gefickt habe, auf jede erdenkliche Art und Weise, die es gibt, und wo sich Männer und Frauen auf mir gewälzt haben, und ich niemals einen Orgasmus hatte. Was für verschwendete Jahre.“ Es wird viel geweint in dieser Produktion. Zu Recht. (1 CD/53 Minuten) Text: Moritz Honert

FRITZ REHEIS WO MARX RECHT HAT

(Auditorium Maximum) Seit der Krise hat er wieder Konjunktur: der bärtige Übervater der Kapitalismuskritik. Angeblich kam der Dietz-Verlag nach dem Börsenkollaps zeitweise mit dem Drucken der Marx-Engels-Werke nicht mehr hinterher. Wer keine Zeit hat, sich durch die dicken blauen Bücher zu ackern, oder das in der Uni verpasst hat, kann jetzt mit der CD „Wo Marx Recht hat“ nochmal ein bisschen Nachhilfeunterricht in Sachen Historischer Materialismus nehmen. Einfach und verständlich erläutert der Bamberger Privatdozent Fritz Reheis den Zusammenhang zwischen Arbeit und Ausbeutung, zwischen Ordnung und Herrschaft. Nach jedem Kapitel folgen kurze Zusammenfassungen. Nur der Sprecher Martin Falk hätte ein bisschen mehr auf die Pauke hauen dürfen. Seine pedantisch präzise Artikulation hat mehr von akustischer Bourgeoisie als von didaktischem Lumpenproletariat. (1CD/rund 73 Minuten) Text: Moritz Honert

F. SCOTT FITZGERALD DER GROSSE GATSBY

(Hörbuch Hamburg) Welch ein Segen, dass die Welt von F. Scott Fitzgerald noch keine E-Mails kannte. So war sein Brief mit dem Wunsch, den Titel seines heute bekanntesten Werks doch bitte noch flink zu ändern, zu lange unterwegs, um seinem Begehr nachzukommen. Sonst hieße „Der große Gatsby“ heute „Under the Red, White and Blue“, „On the road to West Egg“ oder - noch schlimmer - „The High-bouncing Lover“. Schaurige Vorstellung! Wie auch immer. Jenes oft und zu recht gerühmte Meisterwerk über die verlorene Generation der Roaring Twenties zwischen Jazz und Alkohol, zwischen Front und Frohsinn, wurde jüngst neu übersetzt - nicht sklavisch genau, aber im Ton treffend. Eingelesen wurde es jetzt von Burkhard Klausner, für den dasselbe gilt. Teils lakonisch, teils knurrend findet er für die Verzweifelten, die Naiven und die Hilflosen immer die passende Stimmlage. Bleibt nur die Frage, was Scarlett Johansson auf dem Cover zu suchen hat. (5 CDs/rund 375 Minuten) Text: Moritz Honert

RICHARD HORNE A WIE APOKALYPSE

(Eichborn) Meteor iteneinschläge, Killerviren, Atomwaffen, wahnsinnige Sektenführer: ungezählt sind die Untergangsszenarien, die Bibel und Bekloppte heraufbeschwören. Um wenigstens für ein bisschen Überblick im Chaos der Apokalypse zu sorgen, hat sich der Brite Richard Horne daran gemacht, die skurrilsten und plausibelsten Varianten systematisch abzuklopfen. Was passiert? Was kann ich tun? Wann ist Panik angesagt? Das

HÖR-/BÜCHER

Seite 63

Ergebnis ist lustige Klolektüre, die ein hörbar gut gelaunter Oliver Rohrbeck (aka Justus Jonas) zusammen mit Synchronsprecherin und Stichwortgeberin Franziska Pigulla (aka Dana Scully) vorliest. Aufgepeppt wird das Ganze durch akustische Gimmicks wie Sirenen und computerverfremdete Stimmen. (2CDs/rund 110 Minuten) Text: Moritz Honert

geistiger Versehrtheit großen Humor versprüht und auch die großen Niederlagen des Lebens als Teil desselben versteht. Oder wie es im Titel einer Dokumentation über Crews so programmatisch heißt: „Survival Is Triumph Enough“. Text: Timo Richard

Lars Kepler Der Hypnotiseur

(Kiepenheuer & Witsch) Wenn Fernsehonkel Jörg Thadeusz zu Beginn seines Romans eine Bombe explodieren lässt, die auch noch Todesopfer fordert, wirkt das erstmal so, als stimme irgendwas nicht. Herr Thadeusz, alles in Ordnung? Sie sind doch sonst nicht so böse. Je weiter der Autor aber seinen Protagonisten, den etwas unbedarften Friseur Georg, durch die Erzählung treibt, desto offensichtlicher werden die feine Ironie und der Sprachwitz, die in „Die Sopranistin“ stecken. Thadeusz spielt in dieser Mediensatire peinlich genau die möglichen Folgen eines Terroranschlags in Deutschland durch, in dessen Dunstkreis Georg nur deshalb gerät, weil er sich für die schöne aber geheimnisvolle Sofia interessiert. So unüblich hart „Die Sopranistin“ auch beginnt, stellenweise wird das alles doch sehr „nett“ - was in diesem Fall aber nicht bedeutet, dass man es mit dem kleinen Bruder von „scheiße“ zu tun hat. „Die Sopranistin“ ist spannend, witzig und klug – und wer sonst kann das schon von sich behaupten? Text: Timo Richard

(Lübbe Audio) Der nächste schwedische Krimiautor? Fast. Lars Kepler selbst gibt es allerdings nicht. Hinter dem Pseudonym, über das in Schweden lange gerätselt wurde, steckt das Ehepaar Ahndoril, beide erfolgreiche Schriftsteller. Kommissar Joona Linna spielt in diesem, seinem ersten Fall eher eine Nebenrolle, dreht sich die Geschichte hauptsächlich doch um den Arzt und Hypnotiseur Erik Maria Bark. In einem grausamen Mordfall zu Hilfe gerufen, bricht er sein Versprechen nie mehr zu hypnotisieren und löst damit eine Welle neuer Gewalt aus. Die Idee mag nicht schlecht sein, die Umsetzung ist es. Nicht nur, dass es Geschichte und Personen an Glaubwürdigkeit und Logik im Handeln fehlt, die Rückblende so ausufernd ausfällt, dass man fast die eigentliche Story vergisst - auch der Erzählstil ist so distanziert, dass man immer mal wieder das Gefühl hat, man höre den Blindenkommentar zu einem Fernsehkrimi. Aber vielleicht muss man das gemeinsame Schreiben auch üben - warten wir also auf den zweiten Fall. Text: Caroline Frey

Jörg Thadeusz Die Sopranistin

LESEN

SCHREIBEN

Harry Crews Scar Lover

on3-Lesereihe 2011 Wer schreibt, gewinnt vielleicht

(Mox & Maritz) Wenn Sonic Youths Kim Gordon und Lydia Lunch ihre gemeinsame Band nach dir benennen, bist du wahrscheinlich ein wirklich guter Autor oder stilistisch so weit ab vom Mainstream, dass du niemals kommerziell erfolgreich wirst. Im Falle Harry Crews stimmt beides und es ist dem Mox & Maritz Verlag hoch anzurechnen, seine Romane lange nach ihrer amerikanischen Erstveröffentlichung in Deutschland herauszubringen. Crews ist ein Autor für unangenehme Themen. „Scar Lover“, in dem kaum eine Figur nicht von schwerer Krankheit gezeichnet ist, macht da keine Ausnahme. Als Kind hat Peter durch eine Unachtsamkeit einen schweren Hirnschaden seines Bruders verursacht. Die Familie ist darüber auseinandergebrochen und Peter hat sich aus dem normalen Alltag zurückgezogen. Doch dann begegnet er Sarah und ihrer schwer kranken Familie und steht plötzlich wieder mitten im Leben. „Scar Lover“ ist eine typische Crews-Geschichte, die selbst in einem Szenario allgegenwärtiger körperlicher und

Bayerische Schreibtalente aufgepasst. Die on3-Lesereihe 2011 sucht Nachwuchsautoren, die sich bis zum 1. Juli mit einem Text zum diesjährigen Motto „Stadt, Land, Schluss“ bewerben. Die besten Schreiber reisen vom 24. bis 28. Oktober mit nach Regensburg, Nürnberg, Würzburg und Augsburg und stellen ihre Künste dem Publikum vor. Dieses wird entscheiden, welcher Autor an der Abschlussveranstaltung in München teilnehmen darf. Wer den Wettbewerb gewinnt, der bekommt ein Schreibwochenende mit bekannten deutschen Autorinnen und Autoren wie Juli Zeh, Tilman Rammstedt oder Clemens Meyer geschenkt. Nicht übel. Im August wird außerdem der musikalische Gast bekannt gegeben, der die Tour begleitet. In der sechsjährigen Vergangenheit der Veranstaltung waren unter anderem schon Frank Spilker, Jens Friebe, Virginia Jetzt, Die Türen oder Bratze mit dabei. Alle weiteren wichtigen Infos für eure Bewerbung gibt es unter: on3.de/lesereihe


X-Wort

Seite 64

unclesally*s magazine

QUERGEFRAGT Einfach die Antworten auf die Fragen in die dazugehörigen Kästchen kritzeln, und somit im besten Fall das richtige Lösungswort ermitteln. Das könnt ihr dann per Postkarte oder E-Mail an uns schicken und nehmt damit automatisch teil an der Verlosung des neuen Dredg-Albums „Chuckles And Mr. Squeezy“. Einsendeschluss ist der 15. Juni 2011. [Sämtliche Umlaute (also ä, ö, ü) werden zu Vokalen (ae, oe, ue) und alle Begriffe werden ohne Leerzeichen geschrieben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.]

1

2

Waagerecht

3 4

5

6

6

7

8 11

9

10

12

13

14

15

16

3

2

17

18

19

SENKRECHt 20

4

21

22 23

24

25 26

1

30

27

28

29

31

3. Beim Karate besser als Kyu. Als Automator eher für Knöpfe zuständig 6. Gibt es in dieser Ausgabe einige von. Geht unter die Haut 7. Nicht nur Moby’s alte Liebe. Auch wenn Johnny Thunders tot ist 12. Auch „Extra“. Mangelware bei Hitchcock 13. Ergebnis von Zerstörung. Bei Plattentiteln schwer in, siehe Destroyer und Moby 15. Jahns Erben? Im Test und bei den Arctic Monkeys gar nicht so bewegungsfreudig 17. Singt über Kalifornien. Nur noch im Pay TV zu sehen 18. Seltsamer Schlagzeuger? Kerouacs Subkultur 20. In freundlich jetzt eher Disco als Emo. Heiße Sache 23. Ist gar kein Auto. Eher Dauergast auf Arctic Monkeys Alben 24. Gibt es an der Kasse von der Rolle. Sonst mit Iver oder Jovi 27. Eliteausbildung? Howard Marks hat hier mit ganz anderen Sachen angefangen 29. Wird mit nachher essen noch ekliger. Patrick Wolfs heimliches Laster 30. Da schicken Kitty, Daisy und Lewis ihre Eltern hin. Müsste man mal wieder neu beziehen 31. Ist gar kein französischer Mann. Eher Dauergast auf Arctic Monkeys-Alben

5

1. So kann man laut AC/DC zurück sein, als Pixies-Sänger geht das als Vor- oder Nachname. Eigentlich nur eine englische Nichtfarbe 2. Justin Vernons Lieblingsthema. Hier, da, dort, Brunsbüttel, dein Wohnzimmer 3. ... ist besser. Mit und ohne -Ism in Japan beliebt 4. Hat hin und wieder lustige Effekte, frag mal Alice von Lewis Carroll 5. Blutig, wenn der Schlagzeuger von The Blood ... schlecht drauf ist 8. In Australien in der Mitte? Da geht die Sonne auf 9. Neu bei Eddie Argos. Unbeliebt bei Mafiosi 10. Mathlet, Superhirn, Brillenschlange 11. Aufforderung zum gehen? Früher für Moby ständiger Begleiter. Voll 80er 14. Ist Patrick Wolf angeblich schon seit einem Jahr 16. Da hängen Chuckles und Mr. Squeezy als Pausenfüller rum 18. Als Holly ein maßgeblicher Einfluss auf das neue Dredg-Album, amerikanischer Kumpel! 19. Passiert bei Odd Future Konzerten häufig. Das tut dem Spaß aber keinen ... 21. Ruft wenn es ganz schlimm wird: „Hallo Otto!“. Macht Musik mit Hasenmännern 22. War im letzte Monat DAS Medienereignis. Ist meist gar nicht der schönste Tag im Leben 25. Elfen, Zwerge, Feen, Björk, FM Belfast und Gammelrochen kommen daher 26. Unerlässlich bei Konzerten, in Proll-Karren und für Klitschkos 28. In den 80ern das Gegenteil von Denver. In grün als kanadische Heulboje unterwegs

Das Lösungswort der letzten Ausgabe war übrigens „POMADE“

Hol dir Dein Abo!

Jetzt!

Coupon ausfüllen, ausschneiden und den Abschnitt mit 15 Euro in bar, als Scheck an folgende Adresse schicken: unclesally*s Stichwort: Abo Waldemarstr. 37 10999 Berlin

ich will meine Jahresversorgung durch ein unclesally*s-Abo zum Preis von 15 Euro für 10 Ausgaben sichern. Das Abo erlischt automatisch nach Erhalt der zehnten Ausgabe. Name, Vorname: Straße, Nr.: PLZ, Ort: Datum, Unterschrift:

E-Mail:


Seite 66

SCREENSHOTS/VORSCHAU/IMPRESSUM

unclesally*s magazine

IMPRESSUM

SCREENSHOTs

Google Life

Der Grund, warum das Internet so erfolgreich ist, sind Suchmaschinen. Gäbe es keine Suchmaschinen, gäbe es kein Internet. Ohne Bing, Ecosia und Google sähe das schöne aufgeräumte Online aus wie ein Messie-BarbiePuppenhaus nach einem Tsunami oder einem nächtelangen Ken-Bang. Es sähe aus wie bei uns zu Hause.

Herausgeberin:

Der Mensch ist permanent und überall auf der Suche. Es sucht nach sich, nach Liebe, nach kostenlosem Geld, nach Bunga Bunga, der zweiten Socke, dem zweiten Weihnachten und nach einer insolventen Eisdiele mit Räumungsverkauf. Kugel Eis = 10 Cent! Die Menschen suchen nach Kopfschmerzen, um keinen Sex haben zu müssen, nach etwas GEGEN Kopfschmerzen, wenn der andere dann endlich eingeschlafen ist und anschließend nach etwas im Fernsehen, von dem man nicht schon wieder Kopfschmerzen bekommt.

Netpoint Media

Noch schlimmer sind die Dinge, die man hat und von denen man nicht mehr weiß, wo sie sind. Wo ist mein Handy? Wo ist mein Holzbein? Welches war MEIN Bier? Und warum gibt es im richtigen Leben keine verdammte Suchmaschine? Da steht man vor seinem CD-Regal, vor seinem Spiegelschrank oder seiner Kellertür und sucht verzweifelt die

VORSCHAU INTERVIEWS Portugal. The Man

Am 1. Juli geht es in die Sommerpause, aber wir entlassen euch nicht, ohne genügend Lesestoff zu Portugal. The Man, The Black Lips, Handsome Furs, Incubus, Jennifer Rostock, Junior Boys, Emirsian, Mikroboy, Little Dragon und vielen mehr.

IM KINO Wir nehmen die neuesten Komödien unter die Lupe. Dazu sprachen wir mit Frankreichs Superstar Dany Boon über seinen „Sch’ti“-Nachfolger „Nichts zu verzollen“ und mit der amerikanischen Komikerin Kristen Wiig über ihren Film „Brautalarm“ und weiblichen Humor. Vor allem aber stellen wir euch ein paar kleine Kino-Perlen wie „Herzensbrecher“ (siehe Foto), „Blue Valentine“ oder den Berlinale-Gewinner „Nader und Simin – Eine Trennung“ vor.

unclesally*s GmbH & Co. KG Waldemarstr. 37, 10999 Berlin Tel.: 030 - 694 09 663, Fax: 030 - 691 31 37 mailto: sallys@sallys.net * online: www.sallys.net

Chefredaktion: Caroline Frey Stellvertr. Chefredaktion: Ina Göritz Redaktionsleitung: Christine Stiller, Timo Richard Anzeigenkoordination & Marketing: Eric Landmann 030 - 694 09 661 Frank Straessner 030 - 694 09 662

Online-Marketing: Heimat: sallys.net Legal Affairs:

Josef Limper (www.kanzlei-limper.de) Marc Zibirre, LL.M. (info@merribiz.de)

Ressorts:

Bücher: Timo Richard *** Comics: Andreas Hartung *** Comicstrip: aha *** Computerspiele: Tito Wiesner *** Demodesaster: Roy Fabian, Maik Werther *** Hörspiele: Moritz Honert *** Kino: Patrick Heidmann *** Neuigkeiten: Robby Steuding *** Platten: Ina Göritz *** Sport: Christine Stiller *** Lektorat: Florian Hayler, Torsten Hempelt *** Online: Ina Göritz, Christine Stiller

Tastatur und das Eingabefeld mit dem kleinen blinkenden Cursor, in das man dann SAMANTHA FOX, ZAHNSEIDE oder RACLETE eingeben kann und dann sofort die schlimme CD rausflutscht, die Zahnzwischenräume wieder strahlen oder man gefragt wird: „Meinten sie RACLETTE?“ Ich persönlich suche immer! Ich suche meine Haare (vorne), meine Topfigur von 1997 und nach einer passenden Sportart für mich, bei der man viel schläft und auch sonst alles hauptsächlich im Liegen macht. Ich suche jeden Tag nach der Arbeit mein Auto, dann meinen Autoschlüssel (den ich im Büro vergessen habe), dann vorm Büro meinen Büroschlüssel (den ich auch im Büro vergessen habe) und gehe dann, wenn mich jemand reingelassen hat, zurück um Auto, um dann festzustellen, dass ich WIEDER alles im Büro vergessen habe, dort aber niemand mehr ist und ich zu Fuß nach Hause muss, wo ich dann nicht reinkomme, weil ich keinen Haustürschlüssel dabei habe. Ich suche jeden Abend nach der Uhrzeit, zu der ich am nächsten Tag aufstehen muss. Ich suche den Namen von dem Ding, wo man diese Uhrzeit dann einstellt, um geweckt zu werden. Geweckt? Ah! Wecker! Dann suche ich eben genau diesen Wecker, die Gebrauchsanleitung und dann nach Schlaf, den ich nicht finde, weil ich kurz mal erfolglos versucht habe, Japanisch zu lernen. Frust. Dann denke ich, dass ich morgen verschlafen werde, weil ich das Ding, von dem Ich den Namen SCHON WIEDER vergessen habe, vor lauter Wut gegen die Wand geworfen habe und meine Nachbarin jetzt wach ist und sich von ihrem Mann die Frage gefallen lassen muss, ob sie jetzt eventuell KEINE Kopfschmerzen mehr hätte, wo sie gerade so schön wach wäre. Heute Morgen habe ich wieder gesucht. Meine EC-Karte. Ich fragte meine Freundin, ob sie sie gesehen hätte. Meine Freundin ist klug. Sie wusste sofort, wo sie ist. Jetzt heißt sie nicht mehr Schatz. Ab jetzt heißt sie: Google. GOOGLE LIFE! Yessica Yeti

Abo: 15 Euro/Jahr

Bestellung an: abo@sallys.net

Autoren:

Frank Abel, Jochen Barthel, Elmar Bassen, Volker Bernhard, Kai Butterweck, Ben Foitzik, Jens Fritze, Gordon Gernand, Robert Goldbach, Sebastian Gosmann, Alexander Grigutsch, Sarah Gulinski, Michael Haacken, Cornelis Hähnel, Florian Hayler, Lasse Holler, Leon Ilsen, Stephanie Johne, Tim Kegler, Aiko Kempen, Philipp Kohl, Eric Landmann, Arne Lieb, Dirk Lüneberg, Peter Meisterhans, Nina Meyer, Boris Mischke, Christopher Mühlig, Johannes Musial, Holger Muster, Elisabeth Nagy, Vanessa Pape, Marc Phillips, Friedrich Reip, Sascha Rettig, Verena Reygers, Timo Richard, Daniel Schieferdecker, Franziska Schuh, Natascha Siegert, Kristin Sperling, Steffen Sydow, Maritta Seitz, Natascha Siegert, Fabian Soethof, Samuel Stein, Frank Straessner, Frédéric Schwilden, Katharina Schulze-Geißler, Frank Thießies, Nina Töllner, HansChristian Vortisch, Marek Weber, Silvia Weber, Kati Weilhammer, Marcus Willfroth, Yessica Yeti

Praktikanten:

Zedra Behmanesh

Auszubildende: Mandy Scholz

Fotografen:

Titelfoto Dredg: Universal Fotografen: Frank Abel, David Biene, Birte Filmer, Sebastian Gabsch, Ali Ghandtschi, Tim Klöcker, Oliver Schümers, Jan Umpfenbach, Erik Weiss, Jan Windszus, Ben Wolf, Stephan Mühlau

Layout:

Caroline Frey, Mario Krenz Editorial Design & Konzept: Bijan Latif * www.bijanlatif.com

Druck:

Frank Druck GmbH & Co. KG

Vertriebsleitung: Florian Hayler Vertriebsleitung Berlin: Roland Köppel Vertriebspartner:

unclesally*s Distribution: Berlin, Potsdam CartelX GmbH & Co. KG: Hamburg, Bremen, Oldenburg, Osnabrück, Hannover, Braunschweig, Frankfurt/Main, Wiesbaden, Mainz, Stuttgart, Kiel, Flensburg u.a. PMS Köln: Köln, Düsseldorf, Essen, Bochum, Dortmund, Wuppertal, Oberhausen, Bonn, Krefeld, Duisburg u.a. Primeline Dresden: Dresden, Halle, Chemnitz Blanda Promotions: München Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Es wird keine Haftung für unverlangt eingesandte Manuskripte, Tonträger und Fotos übernommen. Diese gehen in den Besitz des unclesally*s über. Nachdruck, auch auszugsweise nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung der unclesally*s GmbH & Co.KG. Für alle Verlosungen ist der Rechtsweg ausgeschlossen. Es gilt die Anzeigenpreisliste vom 01.01.2011



unclesally*s 167