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Unabh채ngige Studierendenzeitung der Humboldt-Universit채t seit November 1989

November 2014 | Nr. 228

25re Jah

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Freiheit


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rt nAufgeforde U rt e li tu ra g MLP il채um! zum 25. Jub


UnAufgefordert 11 | 2014

In eigener Sache

Liebe Leserinnen, liebe Leser, Impressum Die Studierendenzeitung der Humboldt-Universität zu Berlin. Erstmals erschienen am 17. November 1989. Beste deutschsprachige Studierendenzeitung 2005 und 2008. Herausgeber: Kuratorium des Freundeskreises der UnAufgefordert e.V. Humboldt-Universität zu Berlin Unter den Linden 6 10099 Berlin Die UnAufgefordert wird vom Deutschen Fach­­journalisten-Verband und der BMW-Stiftung gefördert. Diese Ausgabe wurde unterstützt von:

Chefredaktion: Johannes Metternich, Miriam Lenz, Niklas Maamar (V.i.S.d.P.) Schlussredaktion: Christoph Drees, Jasper Riemann, Katharina Wurdack, Rebekka Bohrer, Stephan Detert, Uschi Jonas Redaktion: Birte Spreckelsen, Elisa von Hof, Hannes Schrader, Josephine Schulz, Kyara Klausmann, Maxie Römhild, Nikola Schmidt, Rosa Zylka, Sebastian Beug Kontakt: 030-20932288, redaktion@unauf.de Anzeigen: Sarah Lederer, werbung@unauf.de Gestaltung & Layout: Kadir Kara Art Direction & Icons: Lisa Frühbeis Titelbild: Nemo Nonnenmacher Druck: Gemeindebriefdruckerei, 29393 Groß Oesingen Auflage: 10.000 Die Artikel und Beiträge spiegeln nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Nachdruck und Vervielfältigung nur nach vorheriger Genehmigung. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt zu veröffentlichen. Redaktionsschluss dieser Ausgabe: 06. November 2014 Die UnAufgefordert erscheint seit dem 17. November 1989 an der Humboldt-Universität zu Berlin und ist eine der ältesten Studierendenzeitungen Deutschlands. Seitdem begleitet sie den Weg der HU durch unabhängige und professionelle Berichterstattung über Forschung und Lehre, studentisches Leben und Kultur. Bereits zweimal wurde ihr dafür der Pro-Campus Presse Award als beste deutschsprachige Studierendenzeitung verliehen. UnAufgefordert online: www.unauf.de UnAufgefordert auf Facebook: www.facebook.com/unauf Kostenlos Abonnieren: www.unauf.de/abo Offene Redaktionssitzung jeden Montag, 18.30 Uhr Invalidenstr. 110, Raum 118

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Ausgabe

in diesen Tagen ist überall die Rede von Jubiläen und Jahrestagen. Und auch wir bei der UnAuf haben etwas zu feiern: Vor genau 25 Jahren erschien die erste Ausgabe, damals unter dem Titel „Noch Namenlos“. Seit der zweiten Ausgabe heißen wir UnAufgefordert, doch das ist eine der wenigen Konstanten einer Zeitung, die mit wechselnden Studierendengenerationen dem ständigen Wandel unterliegt. Und so haben auch wir das Jubiläum zum Anlass genommen, das Heft einmal gründlich aufzuräumen, abgenutzte Rubriken rauszuwerfen und neue einzuführen. Zum Geburtstag hat die Zeitung außerdem ein frisches Aussehen spendiert bekommen. Vor allem aber wird es die UnAuf in Zukunft statt acht nur fünf Mal im Jahr geben, drei Ausgaben im Winter- und zwei im Sommersemester. Das bietet uns mehr Freiraum, Themen noch gründlicher als zuvor zu recherchieren und auch komplexere Projekte umzusetzen. Das erste davon habt ihr vor euch: unsere Jubiläumsausgabe zum Thema „Freiheit“. In monatelanger Arbeit – und unter ständigem Süßigkeiten- und Mate-Konsum – reifte die vage Idee zu einem fertigen Heft. Für die Unterstützung dabei möchten wir uns ganz herzlich bei der Stiftung Pressehaus, der Humboldt-Universitätsgesellschaft, den vielen privaten Spendern und allen UnAuflern bedanken. So konnte diese ganz besondere Ausgabe der UnAufgefordert entstehen. Eine Ausgabe, die uns viel bedeutet. Am Ende ist die UnAuf aber für euch, unsere Leserinnen und Leser – deswegen sind wir auf euer Feedback sehr gespannt. Schreibt uns auf Facebook oder Twitter, per Mail oder einen schönen alten Brief, wie euch die neue UnAuf gefällt. Wir sind gespannt und wünschen nun viel Spaß beim Lesen. Auf die nächsten 25 Jahre Johannes, Miriam und Niklas

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Inhalt

Inhalt 3 5

In eigener Sache Kolumne: Der Stadtneurotiker Mein Kaffee

Freiheit 8 12 13 14 16 18 20 21

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Eine kleine Revolution Die UnAufgefordert wird 25 Jahre alt. Schatten über Europa „Freiheit kann auch etwas Negatives haben“ Was Freiheit für Studierende bedeutet. Auf den Spuren des Umbruchs Wie 1989 in Prag die Samtene Revolution begann. „Die Todesangst habe ich immer im Kopf“ Ein Gespräch über die Studentenproteste in Hongkong. Unsichtbare Barrieren Zwischen Freiheit und Moral Nacktheit. Macht. Politik.

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Politik

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Glosse: Danke. Monitor Glossar: Hochschulpakt, der „Erst in vielen Jahren wird Veränderung möglich sein“ Drei junge Ägypterinnen über die Zukunft ihres Landes. Wir heimlichen Revolutionäre Eine Abrechnung mit den Kritikern unserer Generation. Ausnahmsweise unbezahlt „Studiengebühren sind der falsche Weg“ Sechs Fragen an unseren zukünftigen Bürgermeister.

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Campus 28 29 29 30 31

Portrait: Die Hebamme Parlamentsreport Bei Anruf Olbertz „Bis hier und nicht weiter“ Das Café Krähenfuß bietet Freiraum – nicht für alle. Alles auf eine Karte Ab 2015 kommt der elektronische Studierendenausweis.

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Leben 32 33 33 34 36 38

Einmal im Leben: Drag-Workshop Rüschtisch Jut: Lunchkonzerte in der Berliner Philharmonie Post aus… Herat, Afghanistan Das Spiel mit der Liebe Über die Partnersuche bei Tinder. Ein Ohr für eine Nacht Potsdamer Studierende bieten Seelsorge per Telefon an. Endstation: Mit der S3 nach Erkner

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Der Stadtneurotiker Diesmal: Mein Kaffee Unser Kolumnist findet sich oft schwer im Alltag zurecht. Manche Probleme, über die er schreibt, mögen für andere trivial erscheinen. Bei ihm sind sie Anlass für tiefe Identitätskrisen. Text: Hannes Schrader  —  Illustration: Lisa Tegtmeier

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Wer meint, die Vielfalt habe unser Leben besser gemacht, hat sicherlich eine Weile keinen Kaffee mehr getrunken. Als ich klein war, gab es Kaffee nur in einer Form: große Tasse, schwarzer Saft. Er wurde morgens von meiner Mutter und meinem Vater getrunken. Meine Großeltern fügten Kondensmilch hinzu. Der Kaffee meiner Eltern war nicht lecker, er war notwendig. Unterwegs gab es ihn nur in Kännchen. Espressogetränke tranken wir im Urlaub oder beim Italiener, wenn es etwas zu genießen gab. Damals war die Arbeit noch Arbeit und nach Feierabend zu Ende. Die Zeiten, in denen der Satz „Ich hätte gerne einen ­K affee“ ein eindeutiges Ergebnis lieferte, sind vorbei. Die Welt ist kompliziert geworden. Heute ist „Barista“ (also ­K affee für andere brühen) eine erstrebenswerte Tätigkeit. Kaffee wird nicht mehr getrunken, sondern zelebriert. Menschen, die mit wichtigem Gesichtsausdruck Kaffee Attribute wie „blumig“ zuschreiben, wird Aufmerksamkeit geschenkt. Heute gibt es Kaffee für jeden Geschmack. Es gibt sogar Kaffee mit Geschmack. Der ist für Leute wie mich, die selbst keinen haben. Kaffee ist nicht mehr einfach nur ein Getränk, sondern Ausdruck der Persönlichkeit. Gerne würde ich mal einen „Latte Macchiato“ probieren. Ein Getränk mit einer ­samtigen Milchschaumhaube, die den strengen Geschmack des Espresso verdeckt. Aber Männer, echte Männer, das habe ich schnell in der Warteschlange diverser ­Kaffeehäuser gelernt, trinken keinen Latte. Echte Männer sind nicht samtig. Echte Männer trinken bitteren Espresso: kurz gerührt, Blick in die Tasse, Kopf in den Nacken. Angestoßen wird nicht.

In der Schlange stehe ich zwischen diesen Männern und spüre, wie sie mich mustern. Sie tragen teure Anzüge, mein Gesicht spiegelt sich in ihren frisch geputzten Schuhen. Wenn sie mich ansehen, schaue ich schnell zur Seite. Scheu blicke ich dann auf die milchgeschäumten Getränke um mich herum. Aber beim Barista angekommen gibt es nur eine Wahl: Espresso. Die Männer nicken dann anerkennend. Viel zu lang ging das so. Deshalb bestelle ich seit kurzem immer Americano. Das ist ein Espresso, der mit Wasser verdünnt wird. Americano heißt er angeblich, weil er von amerikanischen Soldaten getrunken wurde, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Italien stationiert waren. Der italienische Espresso war ihnen zu stark. Kann ich verstehen. Ich bin kein GI, aber wenn ich Americano trinke, fühle ich mich wie einer. Mit meinem Americano in der Hand schaue ich den Espressotrinkern direkt in die Augen. Dann sind sie diejenigen, die schnell wegschauen. Deshalb trinke ich gerne Americano. Auch wenn er mir überhaupt nicht schmeckt, er ist mir viel zu stark. Um ihn herunterzukriegen, verdünne ich ihn mit viel Milch. Manchmal frage ich den Barista auch, ob er sie mir aufschäumen kann. Heimlich, wenn keiner hinsieht.

Hannes Schrader (23, Geschichte und VWL) trinkt ohnehin viel lieber Mate.


Freiheit

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Ressort

Die Gründung der UnAufgefordert am 17. November 1989 als erstes unabhängiges Presseorgan der DDR war ein Akt der Freiheit. Die Redaktion nahm sich das Recht, das Meinungsmonopol der Regierung zu brechen. Aus diesem Grund wollen wir uns 25 Jahre nach dem Erscheinen der ersten Ausgabe noch einmal mit diesem Thema beschäftigen: Freiheit. Auf den nächsten Seiten wird es darum gehen, Mauern einzureißen, Grenzen zu überwinden und persönliche Freiheit zu erleben.


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Freiheit

Eine kleine Revolution Als am 9. November 1989 die Mauer fällt, beginnt für die Studierenden in der DDR eine neue Zeit. Der revolutionäre Geist brachte damals eine unabhängige Studierendenzeitung hervor: Die UnAufgefordert. Heute wird sie 25 Jahre alt. Text: Wolf-Christian Ulrich, Konstantin Sacher, Niklas Maamar  —  Fotos: UnAuf-Archiv

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Es ist ein ungewöhnlich warmer Novembertag 1989, die Mauer fiel vor ein paar Tagen, Ost-Berlin ist noch Hauptstadt der DDR. Offiziell regiert die SED. Fernsehbilder zeigen Menschen auf der Mauer, doch in den Gefängnissen sitzen immer noch politisch Inhaftierte. Die DDR ist noch kein freies Land. Seit Wochen gehen Bürger auf die Straße. Eine diffuse Angst steckt ihnen dabei in den Knochen, aber auch die beflügelnde Stimmung des Aufbruchs. Die meisten Studierenden lassen sich davon zunächst nicht mitziehen. Erst Mitte Oktober 1989 sorgt die Unfähigkeit der Freien Deutschen Jugend (FDJ), studentischen Unmut ernst zu nehmen, für Ärger. Malte Sieber ist zu der Zeit nicht neu an der Humboldt-Universität (HU), die Mitte zwanzig hat er schon überschritten. Er will dazu beitragen, den alten Strukturen neue, demokratischere entgegenzusetzen. So beteiligt Malte sich an den Vorbereitungen zur Gründung eines unabhängigen Studentenrats, der die FDJ als Interessenvertretung ablösen soll. Doch den Rebellen fehlt die Chance, ihre Ziele öffentlich zu machen. Also hängt Malte einen Zettel aus. „Gründung eines Presseorgans“ steht auf diesem Blatt, das Uwe Tigör, einer der späteren Mitgründer, in diesem Oktober 1989 entdeckt. Beim ersten Treffen kristallisiert sich heraus, dass es eine Zeitung werden soll. Doch schnell treten praktische Probleme auf. Ohne behördliche Genehmigung ist das Kopieren unmöglich. Studierende müssen sich anmelden und in ein Buch eintragen, um ihre Arbeiten im kleinen Computerzentrum der HU auf gelbem Kopierpapier zu vervielfältigen. Schon um richtiges Druckpapier zu bekommen, bedarf es einer staatlichen Lizenz. Und trotzdem gelingt es der Redaktion, den Druck der ersten Ausgabe zu organisieren. Improvisieren gehört zu den Grundvoraussetzungen, um in der DDR zu überleben. Ein Kontakt zum West-Berliner David Pommerenke erweist sich als besonders wertvoll, denn der ist nicht nur häufig im Osten zu Besuch, sondern hat auch beste Verbindungen an die Technische Universität (TU) im Westen. In seinem blauen Opel Kadett Kombi ist ein kleines Fach eingeschweißt, in dem er die Druckvorlagen der Redaktion durch den Checkpoint Charlie schmuggelt. Viel Text, ein paar Zeichnungen – so viele Informationen auf den handschriftlich nummerierten Seiten wie nur möglich. An der Straße des 17. Juni setzt sich

schließlich die Druckmaschine der TU in Gang. Sechs Seiten hat die erste Ausgabe. Ihr Titel: Noch Namenlos. „Unabhängige Zeitung von und für Studenten“ steht darunter. Es ist der 16. November 1989. „Wir hatten ein bisschen Sorge um die Authentizität“, sagt Uwe Tigör. Die Zeitung soll aus der DDR kommen und nicht so aussehen, als sei sie im Westen entstanden. Also verwendet der Drucker der TU für die Zeitung Recyclingpapier. „Damit sie nicht so schnieke aussieht. Wenn man in der DDR aufgewachsen war, wusste man ja, wie DDR-Papier aussieht und das Westberliner Papier sah dafür zu gut aus“, erklärt Tigör.

Mit der Zeitung bricht die Redaktion das Monopol .auf Öffentlichkeit. Mit vier Kurieren gelangt die erste Auflage verteilt auf verschiedene Grenzübergänge am 17. November 1989 zurück in den Osten, Unter den Linden läuft gerade die erste große Studentendemo. Die Erstausgabe wird den Redakteuren dort praktisch aus der Hand gerissen. So erscheint an diesem Tag die erste freie Zeitung der DDR. In jenem Spätherbst 1989 nahm sich die Redaktion das Recht, das Monopol auf Öffentlichkeit zu brechen, das bisher ganz selbstverständlich dem Regime gehörte. Nach außen wirkt die Universität zu der Zeit wie ein Käfig, das Hauptgebäude Unter den Linden ist hinter einem hohen Zaun versteckt. Wo heute Plakate zu Veranstaltungen der Uni einladen, weisen 1989 große Schilder auf die Ausweispflicht hin: „Bitte die Ausweise der Humboldt-Universität unaufgefordert vorzeigen!“ So wird der Name der neuen Zeitung geboren: „UnAufgefordert“ oder, liebevoll abgekürzt, UnAuf. Die besetzte Redaktion Viele Studierende in Ost-Berlin fühlen sich auch privat in den Massenunterkünften der Plattenbauwohnheime wie eingesperrt. Dabei stehen in der Stadt zahlreiche Wohnungen leer. Einige haben Bürgern gehört, die das Land bereits


Die UnAuf bildet in ihren ersten Ausgaben die Konflikte der Nachwendezeit ab.

über Ungarn verlassen hatten und alles zurücklassen mussten, was sich nicht für eine fingierte Urlaubsreise rechtfertigen ließ. So besetzen Studierende die leerstehenden Gebäude und schaffen sich ein Stück persönlicher Freiheit. Auch der UnAuf dient eine besetzte Wohnung als Redaktion. Die Schönhauser Allee 50, heute ein saniertes Haus mit Dachterrasse und Blick auf den U-Bahnhof Eberswalder Straße, wird zur neuen Heimat der Zeitung. Dort steht auch der Computer, in den jeder Redakteur seine Beiträge tippt. An ihm wird gelayoutet und die Druckvorlage erstellt. Wer etwas schreiben will, stellt sich noch nachts an, um dranzukommen. Der Entstehungsort der Zeitung ist den Redakteuren wichtig. Die erste Ausgabe musste zwar – anders ging es nicht – noch im Westen gedruckt werden, doch die zweite Ausgabe soll vollständig in der DDR hergestellt werden, auch wenn eine Lizenz noch nicht vorliegt. Möglich wird das durch eine weitere Hilfe aus dem Westen. Die Studierendenvertretung der TU spendiert der Zeitung einen Nadeldrucker.

der Union-Druckerei der Ost-CDU. Bis heute hängt die Lizenz in den Redak­ tionsräumen. Die Redaktion zieht erst ein Jahr nach der Gründung aus der besetzten Wohnung in der Schönhauser Allee in die Universitätsgebäude. Heinrich Fink, der erste frei gewählte Rektor der HU, weist der UnAufgefordert einen Raum zu. Wenige Quadratmeter groß, im dritten Stock des Hauptgebäudes Unter den Linden. Nummer 3022. Ein traumhafter Blick Richtung Fernsehturm, nach Osten mit herrlichem Sonnenaufgang, wenn die Schlussredaktion wieder einmal die ganze Nacht gedauert hat. Im Raum stehen zerschlissene Ledersessel, zwei wuchtige Schreibtische, Regale bis zur Decke, zwei Computer und ein eigener Drucker. Außerdem ein massiver Stahlschrank, verriegelt mit einem Schloss, zu dem niemand mehr einen Schlüssel hat. Und ein Telefon. Ein Telefon hat damals kein Student zu Hause. An den Wohnungstüren sind kleine Papierrollen befestigt. Statt mit dem Smartphone eine SMS zu schicken, geht man beim Freund vorbei und hinterlässt eine Bleistiftnotiz auf der

Weshalb war nach der Wende plötzlich ein Raum ?im Hauptgebäude frei? Der ist so quälend langsam, dass die übernächtigten Schlussredakteure frühstücken gehen, während die Nadel Zeile für Zeile die einzelnen Buchstabenfragmente durchs Farbband hämmert. Die Vorlage kommt dann zum Druck in die Umweltbibliothek der Zionskirche. Dort dürfen die Redakteure eine Wachsmatrizenmaschine benutzen, auf der sonst Schriften der Bürgerrechtsbewegung vervielfältigt werden. Die Wachsrollen brechen zwar dauernd während des Drucks, dafür kommt die UnAuf jetzt wirklich aus dem Osten. Erst später bekommt sie schließlich auch ihre offizielle Druckgenehmigung, die ab der vierten Ausgabe im Impressum steht: (36a) 5077 B beim Magistrat von Berlin. Sie ist der Schlüssel zu einem eigenen Papierkontingent bei

Mut zur Vokuhila – UnAuf-Gründer Malte Sieber mit der Erstausgabe in der Hand.

Zettelrolle. Deshalb ist der graue Wählscheibenapparat in der Redaktion eine Sensation. Eigentlich dürfte das Telefon nur im Berliner Netz funktionieren. Doch ein seltsamer Trick öffnet das Tor zur Welt: kurz hintereinander eine neun und eine zwei wählen, kurz rucken und klicken lassen, dann ertönt das Freizeichen zur Freiheit. Der internationale Draht wird in der Zeit häufig genutzt und prägt früh die Ausrichtung der UnAuf.

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Freiheit

Redaktionssitzung im Raum 3022, November 1994. Heute finden die wöchentlichen Treffen am Montag um 18.30 Uhr in der Invalidenstraße 110, Raum 118 statt. (Foto: Joachim Fisahn)

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Natürlich fragen sich viele, warum der Rektor im überfüllten Hauptgebäude einen freien Raum anbieten kann, warum dort ein Telefon steht, was für DDR-Verhältnisse äußerst ungewöhnlich ist, und was es mit dem Stahlschrank auf sich hat, der sich nicht öffnen lässt. Als zwei Redakteure schließlich den Schrank gemeinsam aufbrechen, finden sie nichts. Überhaupt gibt es im gesamten Raum nur ein paar belanglose Dokumente aus den 50ern. Doch ein Gerücht hält sich hartnäckig: Raum 3022 soll ein geheimer Treffpunkt der Stasi gewesen sein. Es scheint die einzige logische Erklärung. Weshalb sonst sollte nach der Wende plötzlich ein Raum frei werden? Die Raumplanung war eigentlich Sache der einzelnen Fakultäten, doch für die Einrichtung der Büros der Stasi war der Universitätsleiter persönlich verantwortlich. Es waren also die einzigen Räume, von denen das Präsidium mit Sicherheit sagen konnte, dass sie nie wieder gebraucht würden. So war der Umzug der UnAuf wohl der Einzug in eine gerade verlassene Struktur. Es ist eine Ironie des Schicksals: Öffentlichkeit wurde organisiert, wo vorher Konspiration regierte.

Träumereien im Foyer der Humboldt-Universität im November 1993. (Foto: Joachim Fisahn)

Anfangs finden sich noch viele Artikel über den politischen Wandel in der DDR. Doch die Redaktion merkt schnell, dass sich die Leser mehr für die Umstrukturierung an der Uni selbst interessieren. Bei der UnAufgefordert spielt sich die große Geschichte der Wende im Kleinen ab. Die Studierendenzeitung ist der Ort, an dem die Konflikte der Zeit diskutiert werden. Die Debatten um eine eigene

Studierendenvertretung – den Studentenrat –, über die Bedingungen in den Wohnheimen, den Wegfall der Stipendien oder die Abwicklung von Instituten und Professoren sorgen im zweiwöchentlichen Erscheinungstakt der Zeitung für genug Diskussionsstoff. Öffentlichkeit zu schaffen, ist für die Gründer Ausdruck einer neuen politischen Grundhaltung. Später interessieren sich die Redaktionsmitglieder mehr für Kultur und das studentische Leben in Berlin, einige haben das Berufsziel Journalist vor Augen. „Interessante, nicht stromlinienförmige Menschen haben sich in der UnAuf getroffen“, sagt Juliane Kerber, die ab 1993 die Redaktion leitet. Das ist einerseits Garant für inhaltliche Vielfalt, für Kreativität und Handschrift, andererseits ist es Grundlage für eine Reihe von Auseinandersetzungen. Der offene Bruch Die Abspaltung von der Studierendenvertretung gehört zu den entscheidenden Konflikten, die die Redaktion später ausfechten wird. Jahrelang wird die Zeitung als studentische Initiative aus Geldern der Studierendenschaft ­finanziert. Liegen die Interessen während der Gründung noch nah beieinander, verschiebt sich das Verhältnis in den nächsten Jahren immer mehr. ­ Diskussionen um geschlechtergerechte Sprache, Finanzierungslücken und die Besetzung von Redaktionsposten ­zerstören nach und nach das gegenseitige Vertrauen. Vor allem aber versteht sich die UnAufgefordert nie als Organ des Parlaments, legt stattdessen Wert auf politische Neutralität. Die Redaktion hat die Unabhängigkeit der ­Zeitung, die seit der ersten Ausgabe das Erscheinungsbild prägte, immer wieder eingefordert. Im Herbst 2008 kommt es zum offenen Bruch. Am 19. Geburtstag der Zeitung beschließt das Studierendenparlament, der UnAuf das Geld zu streichen. In diesen Wochen zeigt sich, wie sehr die Arbeit in der UnAuf viele Studierende geprägt hat. Ehemalige und aktive Redakteure versammeln sich in einem gemeinnützigen Verein, der die UnAufgefordert seitdem herausgibt. Mit einer Satzung, die inhaltliche Unabhängigkeit auch in Zukunft garantiert. Das bedeutet allerdings auch einen harten Kampf um die Finanzierung der Zukunft. Die Redaktion geht somit in eine unsichere Zeit. Doch sie schreibt weiter.


Redakteur Sven-Uwe ‚„Schmitti“ Schmidt liest die UnAuf überall.

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Die UnAufgefordert ist längst erwachsen geworden, genau wie das vereinigte Deutschland, das vereinigte Berlin. Studierende, die heute in der UnAuf blättern, wissen nicht mehr, dass „einfach mal was kopieren“ an der Universität streng verboten war, als die Zeitung zum ersten Mal erschien. Sie wissen nicht, was 1989 der Kampf für ein freies Studierendenparlament bedeutete. Sie können sich nicht vorstellen, dass die Gründung einer Studierendenzeitung ein Wendepunkt war. Am Anfang stand die Freiheit des Denkens. Es folgte die Freiheit der Presse, des Drucks und des Verlags, die die Zeitung zu dem macht, was sie bis heute ist. Die Redaktion hat

Folge der UnAufgefordert auf ihrem Weg: www.unauf.de www.facebook.com/unauf www.twitter.com/unauf

diese Freiheit immer wieder aufs Neue verteidigt: Im monatlichen Kampf um die Finanzierung der Ausgaben, gegen die Einflussnahme auf redaktionelle Inhalte von außen und vor allem gegen immer strengere Studienbedingungen, die kaum noch Zeit für ehrenamtliches Engagement lassen. Die Geschichte der UnAuf erzählt von Courage und von Feigheit. Die Feigheit der Mächtigen, andere ­Meinungen­ zuzulassen und der Courage derer, die sich darüber hinwegsetzen. Es ist die Geschichte einer Revolution im Kleinen.

Drei Generationen UnAufgefordert: Wolf-Christian Ulrich, Konstantin Sacher und Niklas Maamar (rechts).


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Freiheit

Schatten über Europa „Über Nacht sind wir Europäer ge­worden“, beginnt ein Kommentar in der ersten Ausgabe der UnAufgefordert. Wir ant­worten 25 Jahre später. Text: Henrik Spieß, Johannes Metternich

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Vor 25 Jahren erhoben sich die Bürger der DDR und streiften in einer friedlichen Revolution die Ketten des Realsozialismus ab. Was folgte, war eine gewaltige Welle der Demokratisierung, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion fast ganz Osteuropa erreichte: Vom Baltischen bis zum Schwarzen Meer wurden liberale Verfassungen eingeführt, Rechtsstaaten etabliert, Regierungen endlich vom Volk legitimiert. Durch die Aufnahme von neun Staaten des ehemaligen Ostblocks in die Europäische Union wurde ein Staatenbund geformt, der die bis dahin als zementiert gegoltenen Grenzen zwischen Ost und West sprengte. Nun wird mit uns langsam die erste Generation erwachsen, die im freien Europa groß geworden ist. Eine Generation, die den Kalten Krieg nur aus Geschichtsbüchern kennt und die Berliner Mauer bloß vom Checkpoint Charlie. Weil die offene Gesellschaft uns seit unserer Geburt wie naturgegeben erscheint, statt von Menschen erkämpft und gestaltet, laufen wir in besondere Gefahr, uns zurückzulehnen und blind darauf zu vertrauen, dass Deutschland und Europa schon irgendwie so bleiben werden, wie wir sie kennengelernt haben. Doch wenngleich diesmal keine Mauer und keine Massendemonstrationen in Deutschland davon zeugen: Die europäische Staatengemeinschaft ist mehr denn je seit dem Ende des kalten Krieges unter Bedrängnis. Die Kriege in der Ukraine, in Syrien und im Irak verursachen vor den Toren Europas unvorstellbares Leid und treiben Millionen Flüchtlinge gen Westen. Gleichzeitig gewinnen in Europas größten Staaten populistische Parteien, die sich reflexartig von der komplizierten Welt abwenden und ihr Heil im Nationalismus suchen, rasend schnell an Zuspruch. Daher gilt auch für uns heute: Wartet nicht darauf, dass andere die Arbeit schon machen werden! Wir müssen kein geeintes Deutschland, kein freies Europa mehr schaffen – all das wurde uns bereits in die Hand gelegt. Wohl aber müssen wir sie erhalten. Denn wenn nicht wir gegen allzu einfache Antworten vom rechten Rand vorgehen und Menschen helfen, die unsere Hilfe dringend brauchen, tut es im Zweifel niemand.

Johannes Metternich (22, Sozialwissenschaften) geht im Januar für ein Erasmus-Semester nach Paris.


„Freiheit kann auch etwas Negatives haben“ Freiheit hat viele Formen und kann völlig unterschiedlich wahrgenommen werden. Welche Bedeutung hat sie für Studierende heute? Wir haben uns auf dem Campus umgehört. Interviews: Niklas Maamar, Josephine Schulz, Nikola Schmidt —  Fotos: Niklas Maamar

Joshua studiert Jura an der HU

„Mit Freiheit verbinde ich Grenzenlosigkeit, Meinungsfreiheit und Unabhängigkeit. Bevor ich an die HU kam, habe ich in London studiert. Gerade im Vergleich fühle ich mich jetzt an der Uni besonders frei. Hier gibt es überhaupt keine Anwesenheitspflicht, man kann das ganze Jahr nicht hingehen und dann einfach die Prüfung schreiben. Die Idee, selbst entscheiden zu können, ob du kommst oder nicht, ob dir das hilft oder nicht, gefällt mir. So ist es jedem selbst überlassen, den Lernerfolg Jonathan studiert Medizin an in die eigene Hand zu nehmen.“ der Charité „Das Medizinstudium an der Charité ist wie Schule: Fast überall besteht Anwesenheitspflicht, es gibt einen festen Stundenplan. Ich würde mir mehr Freiheit wünschen, auch mal selber entscheiden zu können. Natürlich gibt es einen bestimmten Grundstoff, den jeder lernen muss. Danach würde ich aber gerne das vertiefen, was mich interessiert – und nicht das, was vorgeschrieben ist.“

Nicki hat ihren Abschluss in Kunstgeschichte Jan in einer Lernpause von seinem Jurastudium

„Freiheit kann auch etwas Negatives haben. In der Uni haben wir viele Freiheiten, auf der anderen Seite schwebt man auch sehr frei, ist nicht eingebunden. Für mich ist es manchmal angenehmer, einen klar strukturierten Tagesablauf zu haben. Dann habe ich das Gefühl, nicht so in der Masse unterzugehen. Ich genieße es auch, nicht so viel Freiheit zu haben.“

„Ich hatte eben meine letzte Prüfung und bin jetzt mit meinem Bachelor fertig. Das ist auf jeden Fall ein befreiendes Gefühl. Gleichzeitig denke ich daran, dass es viele Barrieren gibt, Schranken, die man überwinden muss, dass Frauen immer noch nicht so viel verdienen wie Männer. Dass ich jetzt gezwungen bin, zu arbeiten. Wir werden von der Gesellschaft eingeschränkt oder lassen uns von ihr einschränken. Wenn man immer den gesellschaftlichen Idealen entsprechen muss, ist

man nicht frei. An der Universität ist mir zum Beispiel wichtig, auch in andere Fächer reinzuschnuppern. Doch seit der Bologna-Reform ist das kaum möglich, ohne die Regelstudienzeit zu überschreiten. Leider trauen sich das viele nicht.“

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Livia wechselt gerade von der Uni Budapest an die HU

„Freiheit an der Universität würde für mich bedeuten, das lernen zu können, was ich will und wofür ich mich interessiere. Zu studieren, ohne auf eine Richtung festgelegt sein zu müssen. Leider ist das an meiner Uni in Budapest nicht der Fall, genau deswegen komme ich jetzt an die HU. Das Bildungssystem in Ungarn ist viel mehr auf feste Bahnen fixiert. Das hat natürlich auch viel mit der politischen Situation zu tun. Wenn wir da über Freiheit reden, ist das ein großes Problem.“


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Freiheit

Auf den Spuren des Umbruchs Auf den Tag genau vor 25 Jahren gingen Studierende in Prag auf die Straße und forderten ihre Freiheit ein. Es war der Anfang der Samtenen Revolution in der Tschechoslowakei, an deren Ende der politische Systemwechsel zur Demokratie stand. Ein historischer Stadtrundgang. Text und Fotos: Sebastian Beug

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Prag, ein Septembernachmittag. Ich treffe Táňa Marková in der Innenstadt, wir sind zu einem Stadtrundgang der besonderen Art verabredet. Marková, heute Anfang 50, war eine der Studierenden, die am 17. November 1989 für die Freiheit demonstrierten. Heute will sie mir die Schauplätze der Proteste zeigen und die damit verbundene Geschichte erzählen. Im Herbst 1989 studierte Táňa Marková Film- und Theaterwissenschaften an der Prager Karls-Universität, nebenbei engagierte sie sich beim Studentenmagazin „Situace“ – zu Deutsch „Situation“ – und im Filmclub. Sie erinnert sich noch gut, wie begeistert ihre Kommilitonen und sie damals die Geschehnisse in den anderen Ostblock-Staaten verfolgten und wie frustriert sie zugleich über die Situation in der eigenen Heimat waren. Ungarn baute demonstrativ seinen Grenzzaun zu Österreich ab, einige DDR-Bürger konnten über die Prager BRD-Botschaft in den Westen ausreisen und in Polen gab es die ersten teilweise freien Wahlen. Doch in der Tschechoslowakei behielt das kommunistische Regime die Oberhand. Oppositionelle und Reformer wurden seit der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 massiv unterdrückt.

merksam machen und meldeten ganz offiziell einen Marsch für den 17. November an. Dabei wählten sie dieses Datum mit Bedacht. Der 17. November war in der Tschechoslowakei ein antifaschistischer Gedenktag mit hoher Symbolkraft, der an die Unterdrückung von Studierenden durch das NS-Regime erinnern sollte. Jan Opletal, ein Prager Medizinstudent, war während einer Demonstration gegen die Nationalsozialisten im Oktober 1939 von deutschen Polizeikräften erschossen worden. Auf dem Weg zur Beisetzung folgten seinem Sarg hunderte Prager Studierende. Hitler reagierte mit der „Sonderaktion Prag“ und ließ am 17. November 1939 die tschechischen Hochschulen schließen, Studierende verhaften und in Konzentrationslager bringen. Bis heute ist der 17. November deswegen der Internationale Tag der Studenten. Der Plan der Studierenden sei es gewesen, 50 Jahre später eine Parallele zur Unterdrückung in der Nazizeit zu ziehen, erklärt Marková. Die Demonstration sollte in der Opletalova, einer nach dem Opfer benannten Straße, enden – doch die Route wurde von den Behörden nicht genehmigt. Stattdessen zogen sie in den Stadtteil Vyšehrad.

Wann – wenn nicht jetzt? Wer – wenn nicht wir?

Táňa Marková mit der Sonderausgabe der „Situace“ aus dem Herbst 1989.

„Als Anfang November sogar die Berliner Mauer gefallen ist und sich bei uns immer noch nichts wirklich veränderte, waren wir deprimiert“, sagt Táňa Marková. Die Prager Studierenden wollten auf die Missstände im eigenen Land auf-

So beginnt unser Spaziergang auf einem kleinen Platz südlich des Zentrums und nördlich von Vyšehrad, die botanische Fakultät der Karls-Universität liegt ganz in der Nähe. An einem Gebäude hängt eine Bronzeplatte mit dem Schriftzug: „Wann – wenn nicht jetzt? Wer – wenn nicht wir? 17.11.1989“. Hier versammelten sich damals die ersten Studierenden, darunter Táňa Marková. Es gab einige Ansprachen, dann zog die Gruppe den Hügel zum Vyšehrader Friedhof hinauf. Die Bedeutung des Ortes kann man noch heute spüren. Auf dem Friedhof liegen nationale Helden der Tschechen begraben. Gräber von Wissenschaftlern, Schriftstellern und Musikern reihen sich aneinander, darunter Namen wie Bedřich Smetana oder Antonín Dvořák. Die Studierenden zündeten Kerzen an, die Gruppe war mittlerweile so groß, dass gar nicht alle auf den kleinen


Offene Hände statt Gewalt – das Denkmal zur Samtenen Revolution zeigt den Sieg der friedlichen Proteste über die Repressionen der Regierung.

Platz passten. Die letzten Teilnehmer der Demonstration standen plötzlich an der Spitze und marschierten los, auf einer nicht mehr genehmigten Route die Moldau hinab. Der Weg zur Nationalstraße dauert als Spaziergang – zu zweit und ohne Transparente – etwa eine halbe Stunde. Am 17. November 1989 sind es Stunden. „Die Stimmung war enthusiastisch“, erinnert sich Marková, „die Menschen in den Trams, die Schauspieler auf dem Balkon des Nationaltheaters winkten uns zu. Die Strecke an der Moldau war der bewegendste Teil. Wir haben gerufen: Kommunisten sind Clowns!“ In diesen Parolen brach sich Bahn, was sich seit Monaten in kleineren Demonstrationen angekündigt hatte. Und auch an den Universitäten regte sich bereits leiser Widerstand gegen die Repressionen des Regimes. Studentische Medien dienten als Plattform für den Protest gegen die politischen Verhältnisse. Táňa Marková hat eine Ausgabe des Studentenmagazins „Situace“ aus dem Herbst 1989 mitgebracht – „S!TUACE ’89 Special Edition“. Das Cover zeigt die Totenmaske von Jan Palach, der sich Anfang 1969 aus Protest gegen die gewaltsame Niederschlagung des Prager Frühlings selbst verbrannt hatte. Doch dass das System dann in nur wenigen Wochen stürzte – und das weitestgehend gewaltfrei – hatte am 17. November niemand vorausgeahnt. Denn als der Protestzug in die Nationalstraße einbog, kesselten Polizeieinheiten die etwa 15.000 Demonstranten ein. Zwischen Theater und der abzweigenden Straße Mikulandská riegelte die Polizei ab und begann, die Studierenden zusammenzupressen. Am Eckhaus hängt heute das Denkmal zur Samtenen Revolution. Winkende Hände und Peace- bzw. Victory-Finger greifen aus einer Metallplatte hervor, auf der das Datum des 17.11.1989 eingraviert ist. „Vor der Polizei hielten die Demonstranten die Hände hoch – unsere Hände sind leer, wir haben keine Waffen“, erklärt Marková. Dennoch löste die Polizei die Demonstration mit Gewalt auf. Am Ende werden 600 Studierende von den Sicherheitskräften verletzt. Táňa Marková war zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Weg zu einem Freund, um „Voice of America“ zu hören und erfuhr erst dort von dem Zusammenstoß. Die Regierung und die Kommunistische Partei unterschätzten die Bedeutung der Demonstration – und eines Gerüchts, das sich danach schnell verbreitete. „Es gab die Falschinformation, ein Student sei am Vortag getötet worden“, erinnert sich Marková. „Das war brutal, aber wir hielten es für möglich. Deshalb beschloss die Studentenschaft zu streiken.“ In der Universität engagierten sich die Studierenden in Streikkomitees. Marková arbeitete an der Vervielfältigung eines Films der Demonstration, da die Medien nicht über die Studentenproteste berichteten.

„Wir waren in der Universität und ich erinnere mich, dass wir keine Angst mehr hatten“, sagt Marková, „wir wollten es riskieren, zu streiken, auch wenn wir vielleicht verhaftet würden.“ Jeder habe mitgemacht, es habe kaum reaktionäre Studierende gegeben. „Die ganze Stadt hat uns unterstützt, wir haben Essensspenden aus der Bevölkerung bekommen.“ Am Wochenende legten auch die Schauspieler der Prager Theater ihre Arbeit nieder, später traten Arbeiter und Angestellte in einen Generalstreik. Die heterogene Opposition aus Bürgerrechtlern, Intellektuellen, Reformkommunisten, Geistlichen und gewöhnlichen Bürgern unter Führung von Václav Havel, später Staatspräsident, löste das kommunistische Regime bis Weihnachten ab. Táňa Marková arbeitet heute in einer Produktionsfirma und hat mit einem eigenen Filmprojekt die Ereignisse der Samtenen Revolution aufgearbeitet. „Jak to říct dětem? – What to tell the kids?” heißt ihr Kurzfilm. Darin erzählen Eltern ihren Kindern von den Erlebnissen der Revolution, platzieren sich als Spielfigur auf einem überdimensionierten Stadtplan. „Wir haben versucht, uns spielerisch an 1989 anzunähern“, sagt Marková. „Ich möchte die Menschen ermutigen, ihre eigenen Geschichten zu erzählen.“ Geschichten, die leider immer seltener gehört werden. Der 17. November ist heute in Tschechien ein Feiertag. Manche Eltern gehen mit ihren Kindern zum Denkmal, zünden Kerzen an. Doch viele bleiben lieber zuhause, schauen fern oder fahren in die Shopping Mall. „Leider gedenkt nur eine Minderheit des Jahrestags“, beklagt Marková. In Schulen sprächen die Lehrer oft nicht über moderne Geschichte, sagt Marková, selbst Mutter zweier Töchter. „Das ist schade. Kinder lernen etwas über das Alte Rom, wissen aber nicht, was hier passiert ist.“ Fast alle, die heute zur Schule oder in die Universität gehen, kennen nur ein grenzenloses Europa. Táňa Marková und ihre Kommilitonen studierten hinter dem Eisernen Vorhang. Für sie war die Reisefreiheit nach der Samtenen Revolution eine Neuheit. „Noch 1989 bin ich mit meinem Freund nach Berlin gefahren“, sagt Marková, „auch, um ein Stück der Mauer mitzunehmen.“ Es ist ein Zeichen für ein Stück Freiheit, für das sie gekämpft hat.

Sebastian Beug (21, VWL) hat während der Recherche für den Artikel friedlich mit einer französischen Bulldogge zusammengelebt.

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UnAufgefordert 11 | 2014

Freiheit

„Die Todesangst habe ich immer im Kopf“ Seit mehr als sechs Wochen gehen Studierende in Hongkong zu Zehntausenden auf die Straße, um für mehr Demokratie und Freiheit zu kämpfen. Journalistikstudentin Amber Chan war von Anfang an dabei. Mit uns sprach sie über die Ziele der Proteste, ihre Motivation und Hoffnungen. Interview: Niklas Maamar —  Foto: Privat

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UnAufgefordert: Viele zentrale Plätze in Hongkong haben sich in Zeltlager von Demonstranten verwandelt, im Oktober wurden Regierungsgebäude besetzt. Für einige Tage waren große Teile der Stadt lahmgelegt. Wie kam es zu den Protesten und was sind eure Forderungen? Amber Chan: Es begann mit der Entscheidung des Nationalen Volkskongresses in Peking Ende August, dass ein vom chinesischen Staat gebildetes Komitee die Kandidaten für die Wahl des Verwaltungschefs von Hongkong vorauswählt. Hongkong ist zwar ein Teil von China, hat als ehemalige britische Kolonie aber einige Sonderrechte. Eigentlich waren uns für 2017 freie Wahlen versprochen, aber wenn China nur zwei oder drei eigene Kandidaten zulässt, ist das natürlich nicht wirklich frei. Das große Ziel ist deswegen die Rücknahme der Entscheidung, um eine echte Wahl zu ermöglichen. Der Grund, warum die Demonstranten immer noch auf der Straße sind, ist vor allem die Reaktion der Regierung auf die Proteste. Die Polizei hat Studierende mit Pfefferspray und Tränengas angegriffen. Ich sage bewusst „angegriffen“, weil die Demonstranten nichts getan haben, um zu provozieren. Alles war friedlich, bis die Polizei mit Waffen eingriff. Das hat so viele Leute schockiert, dass noch am gleichen Tag Hunderttausende auf die Straße gegangen sind.

tät, aber nach dem Einsatz von Tränengas gingen auch andere Bürger auf die Straße. Viele von ihnen sind junge Leute, zwischen 20 und 30 Jahren. Sie wollen die Studierenden unterstützen und kümmern sich um die Versorgung mit Wasser, Essen, Zelten und Regenschirmen. Wegen der Regenschirme wird die Protestbewegung auch „Umbrella Movement“ genannt. Wozu braucht ihr die Regenschirme? Um uns gegen das Tränengas der Polizei zu schützen, so können wir wenigstens einen Teil des Regens aus Reizstoffen abwehren. Es gibt ein bekanntes Foto von einem Mann, der im Nebel von Tränengasgranaten steht und zwei Regenschirme noch oben hält, um zu zeigen, dass er unbewaffnet ist.

Die Polizei hat mittlerweile bestätigt, am 28. September fast 100 Tränengasgranaten eingesetzt zu haben. Am gleichen Tag wurden viele Demonstranten festgenommen, hunderte mussten nach der gewaltsamen Räumung behandelt werden. Auch dich könnte es jeden Tag treffen. Glaubst du, der Kampf für die Freiheit ist dieses Risiko wert? Ja, absolut. Es ist wichtig, dass viele sehen können, wie die Regierung auf die Stimmen der Bürger antwortet. Nur so gehen auch andere Menschen auf die Straße. Gerade der Einsatz von Tränengas war für viele, die sonst nicht auf den In Deutschland war häufig die Rede besetzten Plätzen sind, ein Weckruf. von einem Studentenstreik. Wer ist an Das Tränengas hat das Bild einer stabilen Stadt weggeätzt und ihnen gezeigt, den Protesten beteiligt? Am Anfang waren es tatsächlich Stu- in welcher Gefahr die Freiheit von dierende. In der letzten Septemberwo- Hongkong gerade ist. che gab es einen Streik an der Universi-

Hast du dabei keine Angst? Auf dem Campus dürfen keine Fotos mehr gemacht werden, weil viele Studierende Repressalien fürchten, wenn ihr Gesicht mit dem „Umbrella Movement“ in Verbindung gebracht wird. Ich habe keine Angst, mit den Demonstrationen in Verbindung gebracht zu werden. Nach meinem Abschluss will ich als Journalistin arbeiten. Die Wahrheit auszusprechen, ist deswegen mein wichtigstes Lebensmotto. Anders war das bei manchen Situationen während der Proteste. Am 28. September, dem Tag, an dem auch Tränengas eingesetzt wurde, marschierte eine Einheit der Sicherheitskräfte direkt vor mir und zeigte ein Plakat mit der Warnung „Disperse or we fire“ (Auseinander oder wir schießen, d. Red.). Die Todesangst, die ich in diesem Moment hatte, habe ich seitdem jedes Mal im Kopf, wenn ich auf die Straße gehe. Ich brauche keine Regierung, die ihre Bürger mit dem Tod bedroht, nur weil sie echte Demokratie fordern. Wie ist die Stimmung unter den Demonstranten? Langsam werden wir müde, aber die meisten Studierenden haben gezeigt, dass sie so lange bleiben werden, wie sie können. Wir wussten, wie schwierig es sein würde, die Regierung zu beeinflussen. China ist es gewohnt, die Stimme der Bevölkerung zu ignorieren. Trotzdem wollen wir es versuchen, immerhin kennen nun alle die wirklichen Gedanken der jungen Generation in Hongkong. Wir werden so lange weitermachen, bis die Regierung ernsthaft mit uns verhandelt und sich nicht mehr nur hinter Polizeieinheiten verschanzt.


Amber Chan (21, Mitte) mit zwei Freundinnen am 3. Oktober. Mit ihren Schildern wollen sie die Demonstranten an das Ziel der Proteste erinnern.

nistische Regierung funktioniert und ich will wirklich nicht erleben, dass Hongkong einen solchen Schritt zurück macht. Unsere Regierung will Die Proteste sind ein weiteres Zei- historische Stellung als Teil Chinas, uns hereinlegen. Wenn wir nicht endchen des Misstrauens gegenüber der gehören aber gleichzeitig nicht wirklich lich aufstehen, werden sie weiter tun, chinesischen Zentralregierung, das dazu. Ich liebe meine Stadt und genau was immer sie wollen, um unserer gerade unter jungen Leuten weit ver- deswegen will ich sie besser machen, freien Gesellschaft zu schaden. Es ist wirklich schwer, die Zentralbreitet ist. Nach einer neuen Studie indem ich an den Protesten teilnehme regierung in Peking zu Veränderunwill jeder fünfte Hongkonger auswan- und meine Meinung sage. gen zu bewegen. Trotzdem wird sogar dern. Ist das für dich eine Option? Also geht es bei den Protesten für China irgendwann auf den Weg zur Ich habe schon darüber nachgedacht Demokratie kommen, auch wenn er auszuwandern, zum Beispiel nach dich darum, Hongkong zu gestalten. Europa. Aber das ist für mich ganz Meine Kinder, alle kommenden Gene- noch hunderte Jahre entfernt scheint. sicher nur die letzte Option. Ich bin rationen in dieser Stadt, sollen in einer Für diesen Wechsel, für die Demokrahier geboren und aufgewachsen. Die demokratischen Gesellschaft aufwach- tie werden Kämpfe notwendig sein. Stadt hat eine besondere Kultur und sen. Einer Gesellschaft mit gleichen Ich habe große Angst, dass sich dabei Geschichte, die uns Hongkongern eine Rechten für alle, in der die Regierung blutige Szenen wie auf dem Tianeigene Identität gibt. Wir fühlen uns frei gewählt wird. Wir haben aus der anmen-Platz 1989 wiederholen. nicht als Chinesen. Wir akzeptieren die Geschichte gelernt, wie eine kommu-

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UnAufgefordert 11 | 2014

Freiheit

Unsichtbare Barrieren Seit über fünf Jahren hat sich Deutschland der UN-Behindertenrechts­ konvention verpflichtet. Für Studierende mit Behinderung an der Humboldt-Universität hat sich seitdem einiges bewegt – aber noch nicht genug. Bis zur inklusiven Uni ist es ein weiter Weg. Text: Johannes Metternich  —  Illustration: Maximilian Oehme

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„Dafür habe ich gekämpft“, sagt Johanna und deutet auf den Aufkleber auf der Glastür vor ihr. Er zeigt ein Auge, weiß nachgezeichnet auf schwarzem Grund. Johanna kramt den Schlüssel hervor, den sie soeben vom Pförtner bekommen hat, schließt die Tür auf und betritt ihr eigenes kleines Reich im Jakob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität zu Berlin (HU): den „Arbeitsraum für sehbehinderte und blinde Studierende“. Schon seit ihrer Geburt ist Johannas Sehkraft stark eingeschränkt. In der Schulzeit lag ihr Sehvermögen bei etwa 30 Prozent, bis zum Abitur trug sie eine Brille und konnte ohne Anstrengung Zeitung lesen. Danach jedoch verschlimmerte sich ihr Augenleiden. Heute beträgt Johannas Sehstärke, je nach Tagesform, zwischen zwei und fünf Prozent. Sie sieht die Welt nicht als Gebilde aus scharfen Konturen, Ecken und Kanten, sondern aus Farben, Kontrasten und Gedankenketten. Rote Ampeln leuchten für sie kräftiger als grüne, und wenn sie in einem Café einen Stuhl erkennt, weiß sie, da kann auch der Tisch nicht weit sein. Seit 2005 studiert sie an der HU, im September hat sie ihre Masterarbeit im Fach Sozialwissenschaften eingereicht. Ihr Thema: „Hochschule für alle“ – eine Arbeit über Inklusion an der HU Berlin. Die separate Arbeitskabine im Grimm-Zentrum wird sie daher bald nicht mehr besuchen. Der Raum ist üppig ausgestattet mit technischem Gerät. Auf der Tastatur des Computers sind die Buchstaben stark vergrößert. Daneben steht ein Bildschirmlesegerät, das gedruckte Texte oder Bilder auf einem großen Monitor anzeigt. Außerdem gibt es einen Scanner und einen Drucker, der Dokumente in Blindenschrift ausdruckt. Drinnen ist es angenehm kühl und ruhig, Fenster in der Seitenwand eröffnen den Blick auf dutzende fleißig lernende Studierende auf den Terrassen des Lesesaals. „Hochschule für alle“ – ist dieses Konzept angesichts solch umfassender technischer Hilfe an der HU Wirklichkeit geworden? Kann Johanna genauso frei ihrem Studium nachgehen wie all jene, die nebenan Reihe um Reihe im großen Saal sitzen? „Mit dem Studium an sich hatte ich selten Probleme. Wenn ich mal ein Modul wiederholt habe, dann eigentlich nur, weil es mich besonders interessiert hat.“ Bei Prüfungen bekam sie Arbeitsblätter mit größerer Schrift und mehr Bearbeitungszeit für die Aufgaben, an ihrem Institut wurde ein Bildschirmlesegerät angeschafft. Auch baulich hat die

Universität einiges unternommen. Nachdem Studierende das 2007 eröffnete Grimm-Zentrum wegen fehlender Barrierefreiheit kritisierten, wurde nachgebessert: Blindenleitstreifen wurden in die Böden eingelassen, um den Studierenden die Orientierung zu erleichtern, die Fahrstühle wurden mit Sprachausgaben ausgestattet. Die Maßnahmen scheinen sich gelohnt zu haben, 2013 zeichnete die Europäische Kommission das Grimm-Zentrum für seine Barrierefreiheit aus. Doch das Leben und Studieren an der Uni ist nicht immer so unkompliziert. Besonders zu Beginn ihres Studiums hatte sich Johanna mehr Unterstützung seitens der Universität erhofft. „Zwar gab es für uns sehbehinderte Studierende Beratungs- und Informationsveranstaltungen, aber ich hätte mir einen Mentor gewünscht, jemanden, der mir während meiner ersten Zeit an der Universität beiseite


steht.“ Erst nach einigen Semestern bekam sie einen Studienassistenten vom Berliner Studentenwerk, der zum Beispiel bei der Büchersuche oder beim Mitschreiben in Seminaren half. Dennoch fragt sie sich: „Mentoren gibt es an der Uni zum Beispiel für Studierende mit Migrationshintergrund, warum aber nicht für jemanden wie mich?“ „Jemand wie ich“ – bewusst hat Johanna die Formulierung „Behinderte“ vermieden. Als sie vor dem Arbeitsraum stand und sagte, sie habe „dafür“ gekämpft, meinte sie nicht den Raum selbst, denn der wurde ohne ihr Zutun geschaffen. Sie meinte das aufgeklebte Zeichen an der Tür, das den Raum als explizit für Seheingeschränkte ausweist. Vorher sei dort das Symbol eines Rollstuhlfahrers gewesen, als allgemeines Zeichen für Menschen mit Behinderung. Aus Johannas Sicht: als verallgemeinerndes Zeichen. Denn durch derartige Symbole und Ausdrücke würden Menschen unsichtbar, deren Einschränkungen nicht so offensichtlich sind wie ein Rollstuhl. Johanna verlässt den Arbeitsraum im Grimm-Zentrum und macht sich auf den Weg nach draußen, gibt den Schlüssel beim Pförtner ab, geht an ihr Schließfach. Sie nutzt ein spezielles Fach für Studierende mit Behinderung – hier immer noch gekennzeichnet durch das Symbol des Rollstuhlfahrers. Kaum öffnet sie ihr Fach, blafft ein Student sie von der Seite an: „Du weißt schon, dass das nur für Rollstuhlfahrer ist, oder?“ „Nein, auch für mich“, erwidert Johanna und lässt ihn stehen.

die anderen Studierenden sehr zurückhaltend. „Ich glaube, viele wissen nicht, wie sie mit mir umgehen sollen.“ Oft steht sie vor Bekannten, erkennt sie aber schlicht nicht wieder. Johanna versucht dann, Personen anhand ihrer Stimmen auszumachen, doch auch das klappt nicht immer fehlerfrei. „Klar bin ich auch ab und zu mal ein Bierchen mit ein paar Leuten trinken gegangen, aber ich hätte mir generell mehr Kontakt zu Kommilitonen gewünscht, die selbst keine Sehbehinderung haben.“ Doch Johanna beklagt sich nicht. „Ich habe eine Stimme, mit der ich Fragen stellen und auf mich aufmerksam machen kann.“ Doch erst wenn ihre Stimme dabei auf offene Ohren stößt, nicht nur bei Professoren und Mitarbeitern, sondern vor allem bei Studierenden, dann kann die HU vielleicht wirklich einmal eine „Hochschule für alle“ sein. 19 Johannes Metternich (22, Sozialwissenschaften) ist zu seinem großen Bedauern kein echter Fürst.

„Es stimmt schon, dass ich auch bei vielen Dozenten und Mitarbeitern der Universität mehr Respekt und Bewusstsein gegenüber Studierenden wie mir gut fände. Am meisten wünsche ich mir das aber von meinen Kommilitonen.“ Johanna sitzt auf einer der Steinbänke im Innenhof hinter dem Hauptgebäude und blinzelt in die Sonne. „Gerade an meinem Institut habe ich einen offenen Umgang der Leute mit mir erwartet. Dort ist Diversity ein großes Stichwort – heißt das nicht Vielfalt? Dabei geht es ständig nur um Rassismus und Migration, Behinderung wird fast nie diskutiert.“ Wenn sie über ihre Kommilitonen spricht, liegt kein Groll in ihrer Stimme, eher Unverständnis und leise Enttäuschung. Sie sei oft diejenige, die den Schritt auf die anderen zumachen würde, umgekehrt seien

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UnAufgefordert 11 | 2014

Freiheit

Zwischen Freiheit und Moral Der immer schneller werdende technische Fortschritt stellt uns vor grundlegende ethische Fragen. Dabei sollte sich gerade die HU nicht auf vermeintlich bequeme Antworten beschränken. Text: Stephan Detert, Niklas Maamar  —  Illustration: Lisa Frühbeis

gen genutzt werden. Heißt das, wir müssen aufhören, auf umstrittenen Gebieten zu forschen? Darf man deshalb reglementieren, wer woran und wie forscht? So werden Forscher, Universitäten und letztlich die Gesellschaft immer wieder vor grundlegende Fragen gestellt. Fragen, die auf einen Konflikt von Freiheit und Moral hinauslaufen. Dabei gibt es nie ein klares Richtig oder Falsch. Vielmehr geht es um die Auseinandersetzung mit den Graustufen zwischen Wissensdrang und ethischen Grenzen. Gerade die HU sollte in der Tradition ihres Gründers ein besonderes Bewusstsein für diese Diskussionen haben. In einer Serie werden wir uns ab der kommenden Ausgabe mit umstrittenen Forschungsprojekten von Atomkraft über Gentechnik bis zur Stammzellenforschung an der HU und den anderen Berliner Universitäten beschäftigen.

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Forschen heißt, Fragen auf den Grund zu gehen. Im Idealfall sind das Fragen, die einer intrinsischen Begierde nach Wissen entsprungen sind. In der Realität stecken oft staatliche oder wirtschaftliche Interessen und gesellschaftliche Stimmungen dahinter, manchmal auch ein Geflecht aus allen dreien. Dieses Problem ist nicht neu. Schon Sokrates musste sich für seine Art des Forschens rechtfertigen. Eigennützig, dachten die Bürger; jugendgefährdend, urteilte das Gericht – eine Entscheidung, die Sokrates den Tod einbrachte. Knapp 2000 Jahre später hatte sich an der Lage der Forscher kaum etwas geändert. Wer es mit der Freiheit übertrieb, hatte es nicht leicht: Kopernikus‘ revolutionäres Werk „Über die Umschwünge der himmlischen Kreise“ landete, nachdem man seine Theorie endlich ernst genommen hatte, auf der Liste der verbotenen Schriften – und sollte dort mehr als 200 Jahre bleiben. Im Bewusstsein der Geschichte wollte Wilhelm von Humboldt 1809 einen anderen Weg gehen. Die Universität solle sich von allen Formen im Staate losmachen, also unabhängig, sprich frei sein. So steht es zumindest im Gründungstext der Berliner Universität, die heutige Humboldt-Universität (HU). „Zur Bildung ist Freiheit die erste und unerlässliche Bedingung“, ergänzte er später. Blickt man zurück auf die bewegte Geschichte der Universität etwa während des Nationalsozialismus oder in der DDR, lässt sich die Einhaltung dieser Maxime zweifellos nicht zu jedem Zeitpunkt bestätigen. Heute ist die Forschungsfreiheit in der Verfassung geschützt. Doch auch wenn die Einschränkungen nicht mehr so sichtbar sind, ist das Thema aktuell wie nie zuvor. Der technische Fortschritt hat sich auf eine Geschwindigkeit beschleunigt, die uns in immer kürzeren Abständen vor die Frage stellt, was ethisch noch vertretbar ist. Als Wissenschaftler aus Oregon im vergangenen Jahr verkündeten, sie haben erfolgreich menschliche Embryonen geklont, ging ein Aufschrei durch die Presse. Eigentlich sollte das Projekt Möglichkeiten erforschen, Gewebe oder Organe zu gewinnen, die zur Behandlung Schwerstkranker eingesetzt werden könnten. Doch die Technik könnte auch zur künstlichen Erschaffung menschlichen Lebens geeignet sein. „Dual Use“ heißt dieses Problem, das bei Neuentwicklungen häufig auftritt. Fortschritte in der Satellitentechnik können helfen, unbekannte Wasserreserven in Dürrregebieten aufzuspüren. Die gleiche Technik kann aber auch in Krie-

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Nacktheit. Macht. Politik. An den Stränden ist das unbekleidete Baden zum Tabu geworden. Wie eine persönliche Entscheidung zur politischen Botschaft wird. Text: Birte Spreckelsen  —  Illustration: Lisa Frühbeis

In der Nachmittagssonne stehe ich am Strand. Genauer gesagt am Dockkoog in meinem Geburtsort Husum. Wie viele junge Husumer hat es mich nach dem Abitur von hier weggezogen. Doch für Besuche in angemessenen Abständen weiß ich meine Heimatstadt als Rückzugsort zu schätzen. Lange war ich nicht mehr da, doch auf den ersten Blick hat sich nichts verändert: Das warme Wetter dieses Sommers lockt auch andere an den Badestrand – Familien, die ihren Nordseeurlaub genießen, Kinder, die mit Keschern nach kleinen Wasserwesen und Tang fischen. Nichts hat sich verändert? Fast nichts. Entgegen meiner Erinnerung an frühere Sommertage ist kein einziger Badegast nackt. Es beschleicht mich ein Gefühl der Unsicherheit. Ich beginne, an den Szenen in meinem Kopf zu zweifeln – hatte ich mir die Freikörperkultur doch als festen Bestandteil der familienfreundlichen Nordseestrände vorgestellt. Als Kind hat meine ganze Verwandtschaft befreit vom engen Stoff ihrer Badekleidung in den Fluten geplanscht. Erwachsene lebten ihren Kindern den ungezwungenen Umgang mit Nacktheit vor. Wie unangenehm es pubertierenden Jugendlichen auch war, es führte kein Weg an dieser Tradition vorbei. Wer als Einziger bekleidet blieb, fühlte sich schließlich auch fehl am Platz. Während das Nacktbaden damals manchmal wie eine Schikane der Erwachsenen wirkte, förderte es tatsächlich die Stärkung unseres noch zarten Körperbewusstseins. Wir lernten, uns nicht für unsere Körper zu schämen. Ohne Schwimmbekleidung waren wir kaum anders als Fische. Wir kamen der Natur und so auch uns selbst näher. Ich überwinde mich schließlich dazu, Kleid und Slip auszuziehen, um über die mit Schlick beschmierte Holztreppe in die Flut herabzusteigen. Die bereits niedrig stehende Sonne blendet mich so, dass ich die Reaktionen der Leute nicht wahrnehmen muss. Als ich mich hinterher abtrockne, höre ich ein kleines Grüppchen lästern. Ihre hämischen Blicke prallen an meiner noch winterweißen Haut ab. Andere Leute staunen einfach. Doch meine Unsicherheit hält an. Warum ist das Nacktbaden zur Seltenheit geworden? Ist es hier am Dockkoog überhaupt noch erlaubt? Habe ich mich vielleicht sogar strafbar gemacht? Durch meine spätere Nachfrage beim Husumer Ordnungsamt erfahre ich nach einem kurzen Zögern des Beamten: „Es ist nicht verboten“, es sei denn, meine Nacktheit sei mit provozierenden Handlungen verbunden. Ich bin erleichtert.

21 Vielleicht ist es nicht so, dass weniger Menschen Lust haben, nackt zu schwimmen. Vielleicht hat sich vielmehr die Bedeutung des Nacktbadens im Laufe der letzten zwanzig Jahre verändert. Der Ausdruck FKK wird immer häufiger mit einem vulgären Fetisch in Verbindung gebracht. Wenn man „FKK“ googelt, erhält man mehr als eine Million Ergebnisse. Häufig fällt dabei das Wort „Sex“, zu den ersten Treffern gehören mehrere Bordelle. Nacktheit wird durch die Medien immer mehr sexualisiert. Ende August ging RTL mit einer Dating-Show auf Sendung, in der unbekleidete Singles auf einer einsamen Insel verkuppelt werden sollten. Während früher das familiäre Nacktbaden ein Zeichen dafür war, Nacktheit eben nicht nur mit Scham oder Sex zu verbinden, scheint es heute genau umgekehrt. Womöglich lassen sich Freunde der Freikörperkultur auch vom Nacktbaden abschrecken, weil das heimliche Fotografieren und die Verbreitung dieser Bilder im Internet eine reale Bedrohung für ihre körperliche Integrität darstellen. Diese Gefahr ist so groß, dass viele Eltern selbst kleine Kinder nicht mehr leicht bekleidet oder nackt in der Öffentlichkeit spielen lassen. Die Art und Weise, wie Nacktheit in den Medien eingesetzt wird, hat die gesellschaftliche Einstellung zur Freikörperkultur beeinflusst. Die voyeuristische Haltung unserer Gesellschaft ist eine Einschränkung und eine Entfremdung der Menschen von ihren eigenen Körpern. So persönlich und harmlos der Griff zu Bikini, Badeanzug oder -shorts auch scheinen mag – diese Entscheidung ist höchst politisch. Sie fußt auf einer umfassenden Körperpolitik, die Sexualität und Körpergefühl der Menschen reguliert und so zu einem Instrument macht, um über sie zu herrschen. Doch ich werde mir diese Freiheit nicht nehmen lassen.


UnAufgefordert 11 | 2014

Ressort

Danke.

Politik

Text: Uschi Jonas  —  Illustration: Lisa Frühbeis

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Danke, Johanna. Danke, dass du dich mit Leib und Seele für uns einsetzt. Unsereins, das sind Studierende, deren Eltern ein Studium nicht aus der Portokasse finanzieren können. Denn allein Intelligenz und Fleiß reichen dafür nicht aus, schließlich dreht sich im Leben alles nur um eines: Geld! Ohne Moos nix los. Zum Glück aber gibt es Politiker wie Johanna Wanka, die sich um das Wohl der Generation von Morgen kümmern. Dank der fürsorglichen Bildungsministerin gibt es für Kinder schlechter gestellter Eltern bald mehr Ausbildungsförderung. Um ganze sieben Prozent werden sowohl Fördersätze als auch Elternfreibeträge im Rahmen des BAföG steigen – und das bereits in naher Zukunft: zum Wintersemester 2016. Das sind nur noch 684 Tage! Oder ein Masterstudium. Und das, obwohl Debattieren, Entscheiden und Verabschieden in einem derart riesigen Gebilde wie dem Deutschen Bundestag seine Zeit brauchen. Es sind eben auch ganz schön lange Wege vom Paul-Löbe-Haus über das Jakob-Kaiser-Haus bis in das Reichstagsgebäude. Wir sollten auch Verständnis dafür haben, dass bei diesen weiten Wegen kein Raum dafür bleiben kann, Nebensächlichkeiten wie einen Inflationsausgleich in den Berechnungen zu berücksichtigen. Auf dem Weg zum Ziel sind Verluste eben in Kauf zu nehmen. Niemand sollte sich anmaßen, das der promovierten Mathematikerin Wanka vorzuwerfen. Unsere Obfrau der Bildung kann schließlich selber rechnen. Zum Beispiel hat sie auch berechnet, dass durch die späte Reformumsetzung in den nächsten beiden Jahren 60.000 Studierende aus der Förderung fallen werden. Mengenmäßig sind das etwa alle Einwohner Greifswalds. Greifswald, wo war das gleich nochmal? Unwichtig. Wir sollten endlich aufhören, nur zu meckern und einfach mal Danke sagen. Immerhin werden wir vom Staat beschenkt. Ach Moment, wir müssen das BAföG ja wieder zurückzahlen.


Monitor

Glossar

Die Hochschulpolitik im Blick. Hier erfahrt ihr, was passiert – b ­ evor es passiert ist.

Orientierung im bildungspolitischen Begriffsdschungel.

Text: Niklas Maamar  —  Illustration: Lisa Frühbeis

Text: Johannes Metternich

Fortsetzung der Exzellenzinitiative? Die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern haben gemeinsam über eine mögliche Fortsetzung der Exzellenzinitiative beraten. Die derzeitige Förderlinie läuft im Jahr 2017 aus. In einer neuen Runde sollen nun auch Fachhochschulen berücksichtigt werden, außerdem werde bei den Auszeichnungen neben der Forschung zukünftig auch die Qualität der Lehre und der „Transfer von Wissenschaft in die Wirtschaft“ berücksichtigt. Am 11. Dezember soll dazu ein Grundsatzbeschluss von den Regierungschefs gefasst werden. Im kommenden Jahr beginnt dann eine Evaluation der bisherigen Ergebnisse der Exzellenzinitiative, auf deren Basis die genauen Bedingungen der Fortsetzung ermittelt werden.

Reform der Professorenbesoldung Der Berliner Senat plant eine Reform der W-Besoldung, nach der sich die Professorengehälter richten. Die Änderung ist durch ein Urteil des Bun-

desverfassungsgerichts aus dem Februar 2012 nötig geworden, das die derzeitige Bezahlung als verfassungswidrig niedrig kritisiert hatte. Die Grundgehälter sollen n ­ un um etwa 600 Euro erhöht werden, um eine angemessene Besoldung sicherzustellen. Der jetzige Vorschlag sieht jedoch auch eine vollständige Verrechnung von ergänzenden Leistungszulagen vor, so dass die Bezahlung unterm Strich in vielen Fällen gleich bliebe. Die Vorlage wurde am 13. November im Abgeordnetenhaus in erster Lesung beraten und wird nun in den zuständigen Fachausschüssen bearbeitet.

Diskussion um Studiengebühren Horst Hippler, der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, spricht sich für eine Wiedereinführung von Studiengebühren aus. Angesichts der prekären Finanzlage der Hochschulen sei eine erneute Diskussion notwendig. Er plädierte insbesondere für die Idee eines Solidarmodells, bei dem Gebühren erst nach dem Abschluss und gekoppelt an das Einkommen zu entrichten wären. Politik und Studierendenvertreter wiesen den Vorschlag als „sozial ungerechten Irsinn“ und „von gestern“ zurück.

Hochschulpakt, der Der Hochschulpakt 2020 ist eine Vereinbarung zwischen dem Bund und den Bundesländern zur Finanzierung von zusätzlichen Studienplätzen an deutschen Hochschulen. Er wurde 2007 als Reaktion auf die doppelten Abiturjahrgänge und den starken Anstieg von Studienanfängern beschlossen. Eigentlich wären die Länder für die Bereitstellung der nötig gewordenen zusätzlichen Kapazitäten an den Hochschulen zuständig, durch die angespannte Haushaltslage war dies vielen jedoch nicht möglich. Der Bund unterstützt die Länder daher finanziell, im Gegenzug verpflichten diese sich in gleicher Höhe, Mittel aus ihrem eigenen Haushalt bereitzustellen. So sollten die entstehenden Kosten für den Ausbau der Hochschulen gerecht zwischen Bund und Ländern aufgeteilt werden. Das Förderprogramm gliedert sich in drei Phasen: Zwischen 2007 und 2010 stellte der Bund insgesamt 566 Millionen Euro zu Verfügung, um so mit den ergänzenden Mitteln der Länder rund 185.000 neue Studienplätze gegenüber dem Referenzjahr 2005 zu schaffen. In einer zweiten Phase von 2011 bis 2015 flossen insgesamt sieben Milliarden Euro vom Bund an die Länder. Berlin profitierte davon insbesondere durch die Erhöhung der Hochschulbudgets und Unterstützung bei Baumaßnahmen. Die dritte Programmphase wurde Ende Oktober beschlossen und soll die Zahl der angebotenen Studienplätze auch nach 2016 konstant hoch halten.

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UnAufgefordert 11 | 2014

Politik

„Erst in vielen Jahren wird Veränderung möglich sein“ Die drei jungen ägyptischen Schriftstellerinnen Asmaa El-Sheik, Areej Gamal und Nahla Karam konnten über das Goethe-Institut zur Buchmesse nach Frankfurt kommen. Dort haben wir sie getroffen. Ein Gespräch über den Arabischen Frühling, die Rolle der Frau und Zukunftsängste. Interview: Miriam Lenz —  Foto: Anke Kluß

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UnAufgefordert: Ihr kennt alle drei das Leben an der Universität. Wie sieht das ägyptische Hochschulsystem aus? Asmaa: Wir müssen uns den Professoren gegenüber wie zu einer Gottheit verhalten. Man muss ihnen gehorchen und darf sie nicht hinterfragen oder kritisieren. Es wird so getan, als ob Professoren sich niemals irren würden. Das eigentliche Universitätsleben spielt sich deshalb außerhalb des Vorlesungssaals ab, zwischen den Studierenden, in selbst organisierten Veranstaltungen. Besonders 2011 war es großartig. 2011 hat der Arabische Frühling für Freiräume gesorgt. Asmaa: Es war so, als ob wir tatsächlich zum ersten Mal genug Luft zum Atmen hatten. Wir hatten große Hoffnungen und alles schien möglich. Aber wir haben uns damals getäuscht, wir haben die Gesellschaft falsch eingeschätzt. Nachdem wir die Verfolgungen und Übergriffe auf der Straße erlebt hatten, mussten wir einsehen, dass wir nur ein sehr kleiner Prozentsatz der Bevölkerung sind und nicht die ganze Gesellschaft. Areej: Ich denke, es geht jetzt erst einmal darum, zu überlegen, wie man die Kultur unserer Gesellschaft verändern kann. Erst in vielen Jahren wird politische Veränderung möglich sein. Denn heute kontrolliert die ältere Generation die gesamte Politik.

schen uns Studierenden. Wir werden überwacht. Also könnt ihr nicht das sagen, was ihr wollt? Asmaa: Nein, man kann nicht überall frei seine Meinung äußern. Das Internet bietet noch am ehesten Möglichkeiten, sich auszutauschen, seine Gedanken zu äußern. Areej: Ja, aber selbst im Internet hat man das Gefühl, beobachtet zu werden. Durch dieses Gefühl überlegt man sehr genau, was man überhaupt schreibt. Deshalb ist man auch dort nicht wirklich frei, seine Ideen und Gedanken zu teilen.

Wie fühlt ihr euch als Frauen in der Gesellschaft? Fühlt ihr euch frei? Nahla: Nein. Wie können wir uns frei fühlen, wenn wir in jeder Minute, in der wir uns in der Öffentlichkeit bewegen, belästigt werden? Asmaa: Es ist eine Art persönlicher Kampf, den jede Frau in ihrem Alltag erlebt. Mit jedem Schritt, den ich auf der Straße gehe, muss ich mir Kommentare über meinen Körper, über mich als Frau anhören. Aber trotzdem: Sollte ich deshalb einfach zuhause bleiben? Sollte ich aufhören, mich in meiner Stadt frei zu bewegen und das Leben dort zu genießen? Das ist nicht wirklich eine Option. Ich denke, jede Frau in Ägypten hat ihre eigene Taktik, mit den Belästigungen umzugehen. Ich stöpsele meine Kopfhörer ein, höre Was hat sich an den ägyptischen Musik und fange an, mir die Männer, Universitäten nach dem Arabischen die mir begegnen und mich belästigen, als Geister vorzustellen. Ich denke mir Frühling verändert? Asmaa: Die Situation hat sich auf jeden dann: ‚Ihr könnt so laut sprechen wie Fall verschlechtert. Heute sitzen in ihr wollt, ich höre euch einfach nicht. den Vorlesungen Polizeispitzel zwi- Ich sehe euch nicht, ihr seid nicht da.‘

Areej Gamal, Nahla Karam und Asmaa El-Sheik (v. l.) auf der Frankfurter Buchmesse.

Areej: Als Frau fühlt man sich nicht sicher. Wir kämpfen darum, unseren Weg als Frauen in der Gesellschaft gehen zu können. Wir möchten etwas verändern, wir möchten anders sein können, als es das stereotype Frauenbild in Ägypten fordert. Was für Hoffnungen und Ängste habt ihr, wenn ihr an die Zukunft Ägyptens denkt? Asmaa: Ich hoffe jeden Tag, dass es Elektrizität, genügend Lebensmittel und Wasser gibt. In Ägypten sind das keine Selbstverständlichkeiten, sondern tägliche Herausforderungen. Im Moment habe ich keine größeren Hoffnungen für die Gesellschaft. Im Moment denke ich nur an heute. Nahla: Ich wünsche mir vor allem, dass Frauen in der Öffentlichkeit sicher sind. Aber ich habe die Befürchtung, dass sich die generelle politische und gesellschaftliche Situation verschlechtern wird. Areej: Da bin ich anderer Meinung. Es kann gar nicht schlechter werden, als es jetzt schon ist. Es wird sich etwas verändern, aber das wird dauern, vielleicht 50, 60 Jahre.


Wir heimlichen Revolutionäre Studierenden wird häufig vorgeworfen, sie seien unpolitisch, unengagiert und angepasst. Dabei funktionieren Protest und Veränderung heute schlicht anders als vor drei oder vier Jahrzehnten. Ein Kommentar. Text: Miriam Lenz

Kritik der älteren an der nachfolgenden Generation ist nichts Neues, wahrscheinlich ist sie so alt wie die Menschheit selbst. Schon von Sokrates sind Klagen über die damalige Jugend bekannt. Und auch heute erfreut sich das Jammern über die junge Generation, insbesondere die Studierenden, großer Beliebtheit. Die FAZ widmete ihnen einen siebenteiligen „Weckruf“, um sie endlich aus ihrem komatösen geistigen Dornröschenschlaf wachzurütteln. Und Christiane Florin, Redakteurin bei der ZEIT und Lehrbeauftragte für Politikwissenschaft an der Universität Bonn, veröffentlichte gleich ein 80-seitiges Essay mit dem schönen Titel „Warum unsere Studenten so angepasst sind“. Darin wirft Florin den heutigen Studierenden nicht weniger vor, als gemeinhin rückgratlose, opportunistische, konformistische, desinteressierte „unselbständige Vorschriftenjunkies“ zu sein, die nicht mehr aufbegehren, denen überhaupt alles egal ist, außer natürlich der eigenen Karriere. Verbunden wird diese Kritik nicht nur bei Florin gerne mit langatmigen Heldenepen aus der eigenen Studienzeit, wahlweise schwärmerischen Schilderungen über Sit-Ins und Straßenschlachten in den 60ern und 70ern oder rührseligen Geschichten über die Friedensdemonstrationen und die Anti-Atomkraftbewegung in den 80ern. Damals hatten die Studierenden noch Ideale, für die sie kämpften. Anders als heute, heißt es dann oft. Doch allzu leicht vergessen die selbsternannten Richter über unsere Generation in ihrer Selbstbeweihräucherung, dass es viel zu oft Ideologien und nicht unbedingt Ideale waren, von denen sie sich damals unhinterfragt leiten ließen. Dass sie die Welt häufig unreflektiert in schwarz und weiß, Freund und Feind einteilten. Dass die damalige Gesellschaft nunmal eine andere war als die jetzige. Vergleicht man die geringe Beteiligung bei Bildungsstreiks heute mit den Sogkräften der früheren westdeutschen Studentenproteste, kann man durchaus den Eindruck gewinnen, wir seien tatsächlich eine vollkommen unpolitische Generation, die „Protest“ und „Revolution“ nur vom Hörensagen kennt. Doch dass wir nicht mehr mit selbstbemalten Bettlaken in der Hand durch die Straßen laufen und im Chor systemkritische Parolen brüllen, bedeutet noch lange nicht, dass wir unpolitisch, unkritisch und ignorant sind. Denn in den letzten 30 Jahren haben sich die Kommunikationswege rasant verändert und mit ihnen auch die Protestformen. Um gehört zu werden, müssen wir

heute nicht mehr mit Megafonen durch die Städte ziehen oder öffentliche Gebäude besetzen. In Blogs, auf Facebook und Twitter können wir in Sekundenschnelle eine Öffentlichkeit für unsere Gedanken finden, kommentieren und diskutieren, uns vernetzen. Und nicht nur unsere Protestformen haben sich verändert, auch unser Verhältnis zu unserer Universität. Anders als frühere Studierendengenerationen nehmen wir die Universität mit ihren verschulten Studiengängen nicht mehr als Ort uneingeschränkter geistiger Freiheit wahr. Stattdessen suchen wir unsere Freiräume und Spielwiesen anderswo, in ehrenamtlichen Projekten, Nebenjobs und Praktika. Für uns lässt sich die Welt nicht einfach in schwarz und weiß einteilen, sie besteht vielmehr aus vielen verschiedenen Grauschattierungen. Gerade weil wir es nicht einfach finden, uns in diesem hochkomplexen Gebilde zurechtzufinden, hinterfragen wir permanent uns selbst und unsere Umwelt. Wir handeln neu aus, wie wir leben, arbeiten und wohnen wollen, definieren neu, was für uns Liebe und Familie bedeuten. Vor allem aber nehmen wir uns ganz heimlich, still und leise die Freiheit, einfach so zu leben, wie wir es wollen. Wir leben Gleichberechtigung in unseren Beziehungen, glauben an die Vereinbarkeit von Kind und Karriere, sind umweltbewusst, teilen statt zu besitzen, erobern uns den öffentlichen Raum mit Streetart und Urban Gardening zurück, lernen andere Länder und Kulturen kennen, verdienen lieber weniger und haben dafür mehr Freizeit und Freiheiten. „Heimliche Revolutionäre“ nennen der Soziologe Klaus Hurrelmann und der Journalist Erik Albrecht deshalb die zwischen 1985 und 2000 Geborenen in ihrem Buch über die sogenannte Generation Y. Und vielleicht haben sie damit gar nicht so unrecht. Statt plakativ die Missstände in der Gesellschaft anzuprangern, versuchen wir, das, was uns wichtig ist und was wir uns für die gesamte Gesellschaft wünschen, im Kleinen zu leben. Unser Lebensstil ist unsere Revolution, und um den Wirklichkeit werden zu lassen, brauchen wir keine großen Gesten, keine Megafone, keine Pflastersteine und keine Plakate.

Miriam Lenz (22, Sozialwissenschaften) wird sich jetzt der Diskussion mit ihrem Alt-68er-Vater stellen müssen.

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UnAufgefordert 11 | 2014

Politik

Ausnahmsweise unbezahlt Ab dem kommenden Jahr gilt in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn. Doch durch die zahlreichen Ausnahmen dürften viele Praktikanten weiterhin leer ausgehen. Text: Johannes Metternich  —  Illustration: Lisa Frühbeis 

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„Die Generation Praktikum ist beendet.“ So verkündete es Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, am 11. Juli dieses Jahres. Ab dem 01. Januar 2015 gilt ein gesetzlicher Mindestlohn, zum Teil auch für Praktikanten. Akademisch gebildet, aber von einem unbezahlten Praktikum ins nächste stolpernd – so wird die „Generation Praktikum“ häufig beschrieben. Anfang 2005 erschuf Matthias Stolz den Begriff in einem Kommentar für die ZEIT. Seitdem dient er als oft gebrauchtes Schlagwort in Diskussionen, um die prekäre Beschäftigungssituation von jungen Akademikern aufzuzeigen. Dabei ist der pauschale Ausdruck nicht unumstritten. Für seinen kürzlich veröffentlichten jährlichen Praktikantenspiegel befragte das Onlineportal „Absolventa“ in einer nicht repräsentativen Umfrage 7.500 aktuelle und ehemalige Praktikanten. Hier gaben 94 Prozent der Teilnehmer an, für ihre Arbeit bezahlt worden zu sein. Der Durchschnittslohn lag bei fast 800 Euro monatlich. Ausreißer nach unten sind vor allem im Medien- und Kulturbereich zu finden. Banken, Versicherungen und die IT-Branche zahlen den Ergebnissen zufolge vergleichsweise gut. So könnte die Generation Praktikum ein Problem bestimmter Studiengänge sein, die weniger stark vom so oft zitierten Fachkräftemangel betroffen sind. Auch diese Fächergruppen sollen nun durch den Mindestlohn vor dem Abrutschen ins unter- oder unbezahlte Praktikumsprekariat bewahrt werden. Die gesetzlichen Neuerungen betreffen jedoch vor allem Personen mit bereits abgeschlossenem Studium. Ab dem kommenden Jahr soll es

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nicht mehr möglich sein, Praktikanten mit Hochschulabschluss unbezahlt zu beschäftigen – es sei denn, sie studieren wieder. Viele studentische Praktikanten haben nämlich nach wie vor keinen Anspruch auf den Mindestlohn: Unter drei Monaten ist keine Vergütung fällig, für Praktika zur beruflichen Orientierung ebenfalls nicht. Auch bei Pflichtpraktika, die in den Studien- und Prüfungsordnungen vorgeschrieben sind, gilt der Mindestlohn nicht. Vielen Studierenden wird es daher wohl weiterhin so gehen wie Gesa Johannsen. Die 25-Jährige, die an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) Deutsche Literatur und Betriebswirtschaftslehre studiert, hat bisher drei Praktika bei Verlagen und Literaturagenturen absolviert. Geld bekam sie nie. „Ich war allerdings in der glücklichen Situation, nicht auf die Bezahlung meiner Arbeit angewiesen zu sein. Während der Praktika haben mir meine Eltern finanziell ausgeholfen“, erklärt sie. „Ich musste zwar viel arbeiten, habe aber auch sehr viel gelernt. So haben sich die Praktika für mich schon gelohnt – aber nur, weil ich das Glück hatte, sie mir leisten zu können.“ Ein Glück, das vielen Studierenden nicht vergönnt ist, die den Mindestlohn zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts gut gebrauchen könnten. Allerdings müssten sich auch Unternehmen bezahlte Praktikanten erst einmal leisten können, meint Michael Burda, Inhaber des Lehrstuhls für Makroökonomie an der HU. „Praktika sind vor allem zum Lernen da, das Unternehmen investiert dabei in seinen späteren Nachwuchs. Würde man Praktikanten reguläre Löhne zahlen, wäre das ein Verlustgeschäft für das Unternehmen, da Praktikanten meist nicht so produktiv arbeiten wie normale Arbeitnehmer.“ Vielmehr berge eine verpflichtende Entlohnung von Praktikanten sogar eine große Gefahr: „Die Anzahl der Praktika, die nun mit dem Mindestlohn entlohnt werden müssen, wird in Zukunft deutlich abnehmen.“ Absolventen als Gewinner, Studierende als Verlierer der Reform – diese Sicht auf die Dinge könnte demnach zu einfach sein. Gerade die Pflichtpraktika, die in immer mehr Studienordnungen eingeführt werden, hebeln zwar einerseits die Regelungen zum Mindestlohn aus und geben Unternehmen die Möglichkeit, weiterhin unbezahlte Praktikanten einzustellen. Andererseits bieten sie Studierenden damit womöglich die Gelegenheit, überhaupt noch an Praktika zu kommen - und nicht als zwangsläufig Mindestentlohnte außen vor zu bleiben.


„Studiengebühren sind der falsche Weg“ Am 11. Dezember tritt Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit zurück. Was bedeutet das für uns Studierende? Sechs Fragen an seinen Nachfolger Michael Müller. Interview: Rosa Zylka —  Foto: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin

UnAufgefordert: Herr Müller, welchen Stellenwert haben die Berliner Universitäten für die Stadt? Michael Müller: Ohne seine Universitäten und die gesamte Wissenschaftslandschaft wäre Berlin nicht Berlin. Die Unis sind nicht nur bedeutend als der Ort der Wissenschaften in der Stadt. Sie sind auch ein Faktor für die Attraktivität der Stadt und das Leben hier. Viele junge Leute ziehen wegen des Studiums zu uns und bleiben. Und auch als Wirtschaftsfaktor haben die Ich habe immer erklärt, dass es aus Unis einen nicht zu unterschätzenden meiner Sicht nur diesen Weg geben kann. Stellenwert. Während Ihrer Kandidatur haben Sie „Investitionen in Kitas, Schulen und Hochschulen“ angekündigt. Was stellen Sie sich dabei in Bezug auf die Hochschulen konkret vor? Nirgendwo wurde in Berlin in den vergangenen Jahren so konsequent investiert wie in den gesamten Bildungsbereich. Und trotzdem gilt: Es bleibt weiter viel zu tun. Bei den Hochschulen gibt es nicht nur in Berlin, sondern deutschlandweit einen enormen Sanierungsstau, den wir weiter abbauen wollen. Damit dies Schritt für Schritt gelingen kann, wäre es allerdings wichtig, dass der Bund sich ebenfalls mehr engagiert.

Wie wird sich Berlin in Zukunft zu einer Lockerung des im Grundgesetz verankerten Kooperationsverbots positionieren? Im Zusammenhang mit der BAföG-Reform aus diesem Jahr ist das Kooperationsverbot faktisch ja bereits gelockert worden. Ein guter Schritt, gegen den sich Berlin keinesfalls gesperrt hat. Im Gegenteil, aus Berliner Sicht hätten wir für eine weitergehende Lockerung auch im Schulbereich votiert.

Die Hochschulrektorenkonferenz forderte kürzlich, Studiengebühren wieder einzuführen. In Berlin gab es bisher keine Studiengebühren. Stehen Sie weiterhin dazu? Durch die BAföG-Reform, nach der Ja. Ich halte Studiengebühren für den alle Kosten für die För­derung ab 2015 falschen Weg, deswegen schließen wir vom Bund getragen werden, spart Ber- das aus. Das gilt im Übrigen auch für lin jährlich bis zu 80 Millionen Euro. Studiengebühren für ausländische StuNach dem Willen des Bundes sollten denten, worüber jüngst ja diskutiert diese Mittel in die Universitäten fließen. wurde. Wir wollen doch gerade, dass Können Sie garantieren, dass die Mittel junge, gut ausgebildete Menschen für tatsächlich für Hochschulen genutzt ihr Studium nach Berlin kommen – werden und am Ende nicht doch der all- und im Idealfall hier bleiben und Berlin gemeinen Haushaltssanierung dienen? etwas zurückgeben.

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Ein großes Problem für Studierende in Berlin sind die steigenden Mietpreise. Als ehemaliger Stadtentwicklungssenator ist das Ihr Spezialgebiet. Wie wollen Sie in Ihrer neuen Rolle dafür sorgen, dass Berlin eine Stadt bleibt, in der nicht nur Reiche wohnen können? Bezahlbare Mieten sind nicht nur eine soziale Frage, günstige Mieten sind auch ein Standortfaktor. Das zeigt sich gerade auch bei Studenten, die eben auch hier her kommen, weil die Wohnungssituation noch vergleichsweise gut ist. Damit das so bleibt, haben wir unsere landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften beauftragt, mehr Studentenwohnungen anzubieten. Die Gesellschaften arbeiten auch mit dem Studentenwerk zusammen, bauen auf Grundstücken, die das Land kostenlos zur Verfügung stellt. Und neue Studentenwohnungen entstehen natürlich auch durch Initiativen wie das Studentendorf Adlershof oder auch durch private Anbieter. Das Ziel ist klar: 5000 neue Studentenwohnungen in den nächsten Jahren – das hat Klaus Wowereit angekündigt, dabei bleibt es.


UnAufgefordert 11 | 2014

Ressort

Portrait Die Hebamme Nora Saran, 27 Nora Saran, 27 Europäische Ethno­ logie und Gender Studies Europäische Ethnologie und Gender Studies Text: Maxie Römhild —  Foto: Privat Text: Maxie Römhild— Illustration: Lisa Frühbeis

Campus

Die Arbeit einer Hebamme ist stressig. Das Pensum einer Hebamme, die nebenher noch studiert, ist unvorstellbar. Da kann es schon mal vorkommen, dass man in einer Nacht zwei Geburten begleitet und am nächsten Morgen mit Augen28 ringen in der Vorlesung sitzt. „Dann gehe ich halt erst nachmittags schlafen“, erzählt Nora, die auch diese Nacht wieder Bereitschaft hatte. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet sie schon alsDie Hebamme – dieHebamme drei Jahre ist stressig. Das Pensum einer Hebamme, Arbeit einer Ausbildung nicht mitgerechnet. die Nebenher studiert sie seit ist unvorstellbar. Da kann es schon mal nebenher noch studiert, zwei Semestern Europäische Ethnologie und Gender Studies. vorkommen, dass man in einer Nacht zwei Geburten begleitet und am „Ich hatte schon nach dem Abi begonnen, studieren, aber nächsten zu Morgen mit Augenringen in der Vorlesung sitzt. „Dann gehe irgendwie hat es einfach nicht gepasst. Und wollte ich halt ersteigentlich nachmittags schlafen“, erzählt Nora, die auch diese Nacht ich sowieso schon immer Hebamme Die hatte. Leidenwiederwerden.“ Bereitschaft Seit zweieinhalb Jahren arbeitet sie schon schaft für den Beruf erbte sie von Mutter,– die als Ausbildung nicht mitgerechnet. alsihrer Hebamme die auch drei Jahre Hebamme arbeitet und ihr oft nach einer studiert durchgemachten Nebenher sie seit zwei Semestern Europäische Ethnologie Nacht am Frühstückstisch von den erzählte.„Ich Auch undGeburten Gender Studies. hatte schon nach dem Abi begonnen, zu in die anderen Aufgabenbereiche konnte Nora schon frühhat es einfach nicht gepasst. Und eigentlich studieren, aber irgendwie hineinschnuppern. Ihre Mutter wollte nahm ich sie sowieso mit zumschon Aufkläimmer Hebamme werden.“ Die Leidenschaft rungsunterricht im Kindergarten, zuden Kursen und zu Hausbefür Beruf erbte sie von ihrer Mutter, die auch als Hebamme suchen. arbeitet und ihr oft nach einer durchgemachten Nacht am Nach ihrem Berufsabschluss entschied Nora sich Frühstückstisch vonfür dendie Geburten erzählte. Auch in außerklinische Selbstständigkeit.die „Für mich steht die Selbst- konnte Nora schon früh hineinanderen Aufgabenbereiche bestimmung der Frau im Vordergrund. Am besten läuft eine schnuppern. Ihre Mutter nahm sie mit zum Aufklärungsunterricht Geburt, wenn ich zwar anwesendimbin und helfe, aber eigent- und zu Hausbesuchen. Kindergarten, zu Kursen lich nicht gebraucht werde.“ So natürlich wie möglich soll es Nach ihrem Berufsabschluss entschied Nora sich für die außerkliablaufen. Ohne Medikamente, innische einer Selbstständigkeit. gewohnten, geborge„Für mich steht die Selbstbestimmung der nen Umgebung. Frau im Vordergrund. Am besten läuft eine Geburt, wenn ich zwar Wenn sie Bereitschaft hat, nimmt Nora bin ihren Pieper anwesend und helfe,mit aber eigentlich nicht gebraucht werde.“ So in die Uni. Allzeit bereit, das muss sie in diesem Beruf soll nunes ablaufen. Ohne Medikamente, in einer natürlich wie möglich mal sein. Manchmal beneidet sie Vollzeit-Studierende gewohnten, geborgenenum Umgebung. die vielen freien Wochenenden. Dafür sie überhaupt Wennkann sie Bereitschaft hat, nimmt Nora ihren Pieper mit in die nicht verstehen, wie die meistenUni. Kommilitonen imdas dritten Allzeit bereit, muss sie in diesem Beruf nun mal sein. Semester noch nicht genau wissen können,beneidet was sie sie später Manchmal Vollzeit-Studierende um die vielen freien machen wollen. Verständlich, wenn man seinen Traumjob Wochenenden. Dafür kann sie überhaupt nicht verstehen, wie der dieRecherche Sebastian Beugh hat während schon gefunden hat. meisten Kommilitonen im drittenfür Semester noch nichtmit genau den Artikel friedlich einer wissen französischen können, was sie später machen wollen. Verständlich, wenn man Bulldogge zusammengelebt. seinen Traumjob schon gefunden hat.


Parlamentsreport

Bei Anruf Olbertz

Innenansichten der Student_Innenvertretung

Auf ein Wort mit HU-Präsident Jan-Hendrik Olbertz

Zum eigentlichen Sitzungsbeginn des Studierendenparlaments (StuPa) um 18.30 Uhr sind nur acht Mitglieder anwesend, eine halbe Stunde später kann es endlich losgehen. Das Audimax wirkt leer, insgesamt sind 30 Leute gekommen. Ausschluss wegen unentschuldigten Fehlens Für einige beginnt die Sitzung mit der ersten Enttäuschung. Das Präsidium berichtet, in den Semesterferien sei zwei gewählten Vertretern das Mandat entzogen worden. Sie hatten in drei der bisher abgehaltenen vier Sitzungen unentschuldigt gefehlt. Acht weitere Mitglieder des StuPa wurden wegen zweimaligen Fehlens verwarnt – reichen sie für diese Sitzung keine Entschuldigung ein, werden sie ebenfalls ausgeschlossen. Rohrpost an der HU Nach Wahlen für die Referate Ökologie und Umweltschutz, Hochschulpolitik, Kultur sowie Publikation nimmt die Sitzung langsam Fahrt auf. Diskussionspunkt wird ein Antrag der „Trackliste“, die HU mit dem zukunftsweisenden Medium eines Rohrpostnetzes auszurüsten, „möglichst ab vorgestern“. Langsamer als das Eduroam könne es ohnehin nicht sein. Die Begründung schließt mit den Worten: „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“ Daraufhin kommt es zu einem kurzen Wortgefecht: „Die Ernsthaftigkeit des Parlaments steht zur Debatte!“ – „Realismus reproduziert doch nur die Realität!“ – „ Das sind eh alles bürgerliche Kategorien!“ Der Antrag wird mit 14 Ja- gegen acht Nein-Stimmen angenommen. „Jahr 1 nach Snowden“ Zum Abschluss kommen zwei Studenten auf das Podium und bitten um finanzielle Unterstützung für eine Veranstaltungsreihe zur Überwachungsaffäre. Von den beantragten 3.000 Euro für Reisekosten werden am Ende nur 1.000 Euro für die Entschädigung der Gastredner bewilligt. Das StuPa sei nicht für die Finanzierung von Hotelaufenthalten gutbezahlter Professoren zuständig. Dann wird die Sitzung geschlossen. Draußen gibt es Bier. Die nächsten Sitzungen finden am 17. November und 17. Dezember jeweils um 18.30 Uhr im Audimax statt.

UnAufgefordert: Bei der Semesterauftaktveranstaltung sagte Ihr Kollege Michael Kämper-van den Bogart, die Bologna-Reform widerspreche dem Humboldtschen Ideal der Freiheit des Studiums. Sehen Sie das auch so? Jan-Hendrik Olbertz: Wenn das so wäre, läge es nicht an der Bologna-Reform, sondern an deren Umsetzung. Es steht nirgends geschrieben, dass die Curricula überfrachtet sein und für jede Kleinigkeit Leistungsnachweise erbracht werden müssen. Allerdings habe ich nichts dagegen, in einem Studium eine gewisse Verbindlichkeit walten zu lassen. Das muss noch lange keine Verschulung bedeuten. Aber das Sich-endlos-Verlieren in einem Dauerstudium ist für viele Studierende am Ende auch frustrierend und enttäuschend. In einem Kommentar im Tagesspiegel kritisierten Sie, dass manche Vorschläge zur Weiterentwicklung der Universität „zerredet“ würden. An wen richtet sich diese Kritik? An die allgemeine Gremienöffentlichkeit der Universität und damit uns selbst. Bei allem Respekt vor Kommunikation und Partizipation müssen wir am Ende zu Ergebnissen kommen und können uns nicht immer im Kreise drehen. Manche Diskussionen um wichtige Reformprojekte der Universität führen wir sehr langatmig und verlieren wertvolle Zeit. Neben den perspektivischen Entscheidungen für die Uni steht für Sie auch eine persönliche an, schließlich läuft Ihre Amtszeit als Präsident der HU im Mai ab. Stünden Sie für eine Wiederwahl zur Verfügung? Das hängt davon ab, wie sich bis dahin die weitere Entwicklung der Universität und die Umsetzung des Zukunftskonzepts gestalten. So muss demnächst, wie im Akademischen Senat beschlossen, z. B. mit der Diskussion über die zweite Stufe der Fakultätsreform begonnen werden. Und in der zentralen Universitätsverwaltung stehen Aufgaben an, die sich ohne grundsätzliche Veränderungen in der Leitungsstruktur der Universität nicht mehr lösen lassen. Ich weiß im Moment nicht, wie weit die Bereitschaft unserer Gremien reicht, solche Erneuerungen tatsächlich in Angriff zu nehmen. Als Sachwalter des Status quo bin ich jedenfalls ungeeignet.

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Campus

„Bis hier und nicht weiter“ Die „Krähe“ gegenüber vom Kinosaal ist Männern jeden Dienstag verschlossen. Warum eigentlich? Text: Josephine Schulz  —  Illustration: Lisa Frühbeis

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Billiger Kaffee, gute, manchmal laute Musik und gemütliche Sofas zum Fläzen sind das Rezept des „Krähenfuß“. Eine kleine Oase, dieses selbstverwaltete studentische Begegnungszentrum gegenüber vom Kinosaal. Hier dürfen Füße auf den Tisch gelegt werden, es gibt Getränke auf Spendenbasis und in der Regel darf auch geraucht werden. Ein Freiraum für alle, die dem durchorganisierten Unialltag für eine Weile entkommen wollen. Außer dienstags. Da findet Mann an der Tür ein Plakat mit der Aufschrift „Frauen_ Lesben_Trans*_Inter*-Tag“. Der dicke rote Vorhang ist an diesem Tag eine Linie, die sagt: „Bis hier und nicht weiter.“ Verirrt sich doch mal ein Unwissender oder Neugieriger in das Café, wird er von den Organisatoren freundlich aber bestimmt auf das große Transparent hingewiesen. „Bis hier und nicht weiter“, so lässt sich auch der Grund für den Freiraum beschreiben, der an diesem Tag nicht allen zur Verfügung steht. Denn Sexismus und Diskriminierung sind nach den Schilderungen der Veranstalter des Dienstagstresens an der Uni omnipräsent. Sexuelle Belästigungen, Anfeindungen, Gelächter – damit würden sich Frauen, aber auch Menschen, die klassischen Rollenmustern nicht entsprechen, häufig konfrontiert sehen. Und Räume spielen dabei eine wichtige Rolle, wie sie erklären. Sie seien mehr als bloße vier Wände, ein paar ­Tische und Stühle. Räume determinierten soziale Beziehungen, hätten Funktionen, implizierten bestimmte Verhaltenserwartungen und Regeln. Wer gibt hier den Ton an, wer bestimmt über die Raumnutzung oder den Zugang? Das seien entscheidende Fragen, wenn es darum geht, wie man sich an einem Ort fühlt, wie sehr man sich dort entfalten kann. Räume seien daher immer auch Ausdruck von Machtverhältnissen. Ein anderes großes Problem ist laut den Veranstaltern die „Heteronormativität“ unserer Gesellschaft. Das heißt im Klartext: Überall werde Heterosexualität als normal, andere sexuelle Orientierungen als unnormal dargestellt. Der Dienstagstresen will hier einen Ausgleich schaffen. Er will Menschen einen Freiraum bieten, in dem sie ohne Gelächter oder schräge Blicke anderer ihre Zeit verbringen können. Einen Raum, der die herrschenden Machtverhältnisse aufzeigt und kritisiert, gleichzeitig aber einen Rückzugsort darstellt, in dem sich Menschen nicht permanent mit ihrer Sexualität auseinandersetzen müssen oder daran erinnert werden.

Nicht selten stößt das Konzept auf Unverständnis und Kritik. Ein Freiraum solle nicht ausschließend sein, meinen viele. Die Tresenbeauftragten antworten solchen Leuten, es gehe um ein Sichtbarmachen von herrschenden Diskriminierungsmustern: „Um gegen Ausschlüsse anzugehen, reicht es nicht, Leute zu tolerieren, also zu ertragen. Die herrschende Norm muss radikal angegriffen und dekonstruiert werden.“ Heterosexuelle Männer seien es nicht ­gewohnt, dass Räume für sie nicht zugänglich sind, Frauen und Menschen mit anderer sexueller Orientierung aber schon. Und so ist der Dienstagstresen nicht nur ein Freiraum für diese Menschen, sondern versucht gleichzeitig, die Normalität einmal umzukehren und allen anderen – also vor allem Männern – zu zeigen, wie Diskriminierung sich anfühlen kann. Ganz gefeit ist allerdings auch dieser Ort nicht vor unfairen Differenzierungen und Grenzziehungen. Das wissen auch die Verantwortlichen: „Unser Konzept bildet keinen Idealzustand ab, sondern ist ein strategisches Projekt.“ Denn nicht jeder Heterosexuelle ist ein Alphatier, auch Männer leiden unter Männern und auch Frauen können dominieren und diskriminieren. Dass der Ausschluss manchmal die Falschen trifft, merkt man spätestens, wenn in der Tür jemand steht und schüchtern fragt, ob auch Schwule hier einen Kaffee trinken können. „Nein, heute ­leider nicht“, bekommt er dann als Antwort.

Josephine Schulz (24, Sozialwissenschaften) schreibt eigentlich gerade ihre Bachelorarbeit, viel lieber aber für die UnAuf.


Alles auf eine Karte Ab dem nächsten Semester wird an der HU ein elektronischer Studierendenausweis im Scheckkartenformat eingeführt. Studierendenvertreter warnen vor einer Erleichterung von Überwachung und Kontrolle. Text: Niklas Maamar 

Es ist fast schon Kult. Das grüne Papier, das jedes Semester aufs Neue im Briefkasten liegt und spätestens nach ein paar Wochen im Portemonnaie mit Eselsohren und Knicken übersät ist. Von Studierenden anderer Unis ernten die Papierausweise schon länger skeptische Blicke. Zu alt, zu antiquiert wirkt der großformatige Fetzen, der so gar nicht zum Selbstbild der modernen, technisierten Uni passt. Doch damit könnte bald Schluss sein. An der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) ist die Einführung eines elektronischen Studierendenausweises im Scheckkartenformat geplant. Schon in den nächsten Wochen werden die ersten Testnutzer in einer Pilotphase die „CampusCard“ ­erhalten, ab dem Sommersemester 2015 erfolgt dann die sukzessive Umstellung. Spätestens ab Anfang 2016 soll es keine Papierausweise mehr geben. Den großen Vorteil der Karte sieht Tamás Molnár, der zuständige Projektleiter beim Computer- und Medienservice (CMS) der HU, in der Vereinfachung für die Studierenden. Der Barcode für die Bibliothek kann nicht mehr zerknicken oder unlesbar werden, eine Mensacard ist direkt integriert und optional gibt es auch eine Variante mit Foto, so dass bei einer Fahrkartenkontrolle nicht mehr der Personalausweis vorgezeigt werden muss. Die CampusCard ist auf der Rückseite mit einem wiederbeschreibbaren Bereich ausgestattet, auf dem der Gültigkeitszeitraum und das Semesterticket aufgedruckt sind. Zur Aktualisierung soll es auf dem Campus sechs Automaten geben, die mit konzentrierter Hitze den Gültigkeitsbereich in wenigen Sekunden überschreiben können. Neuimmatrikulierte erhalten per Post einen QR-Code, mit dem sie sich ihren Ausweis an Automaten abholen können. Das Projekt ist eine Kooperation von sechs Berliner Hochschulen, darunter auch die Freie Universität und die Charité. Die CampusCard basiert auf einem einheitlichen System und unterscheidet sich nur durch ein hochschulspezifisches Design. Langfristig erhoffe sich die Verwaltung eine Kostenersparnis, weil nicht jedes Semester zehntausende Briefe mit neuen Studierendenausweisen verschickt werden müssen, wie Molnár erklärt. Er sieht in der CampusCard vor allem einen großen Gewinn für das Image der Universität: „Ein Papierausweis sieht 2014 einfach nicht mehr zeitgemäß aus.“ Weniger begeistert sind Studierendenvertreter. Die ­Referent_Innen für Politisches Mandat und Datenschutz

sehen keine Notwendigkeit für die Chipkarte und stehen dem Projekt kritisch gegenüber. „Die Argumentation, dass eine multifunktionale Plastikkarte schlichtweg praktischer sei als ein unhandlicher Papierausweis, überzeugt uns angesichts der datenschutzrechtlichen Risiken nicht“, erklären sie. „Zwar scheint die Projektleitung für den Datenschutz sensibilisiert zu sein, die Karte bietet jedoch die technische Grundlage für tiefgreifende Kontroll- und Ausschlussmecha­nismen.“ Mit der Karte würde man in der Mensa essen, Bücher in der Bibliothek ausleihen und später auch die U-Bahn benutzen. Auch eine Schlüsselkartenfunktion sei technisch möglich, wenn auch vorerst nicht an der HU g­ eplant. „Die Einführung der CampusCard ist ein politischer Schritt, der Teil des Prozesses der zunehmenden Digitalisierung zur Vereinfachung von Kontrolle und Überwachung ist.“ Auch Ansgar Heitkamp, der Datenschutzbeauftragte an der HU erklärt, Kartensysteme hätten häufig Probleme beim Datenschutz. Doch bei der CampusCard gibt er sich zuversichtlich. Schon früh wurde er an den Planungen ­beteiligt und konnte so sensibilisieren. Die Chipkarte ist ein aktuelles Modell mit einer hohen Verschlüsselungsstufe, trotzdem sind auf dem elektronischen Chip keine persönlichen Daten gespeichert. Ausgelesen werden kann nur eine nochmals verschlüsselte Seriennummer, die in einer gesicherten Datenbank auf Servern der HU mit den Studierendendaten verknüpft ist. Außerdem werden die Daten der integrierten Mensacard von den Universitätsfunktionen technisch getrennt, so dass die Mensanutzung weiterhin anonym bleibt. Auch die sichtbar aufgedruckten Daten sind auf das tatsächlich Notwendige reduziert: Semesterzahl, Studienfach und angestrebter Abschluss werden nicht mehr genannt. Heitkamp steht der Einführung deswegen insgesamt positiv gegenüber. Datenschutz sei auch ganz im Sinne der Universität, erklärt er. Letztlich funktioniere ein elektronisches Kartensystem schließlich nur über die ­A kzeptanz der Nutzer.

Niklas Maamar (19, Jura) weiß jetzt, warum Triple-DES Verschlüsselung auf der Mifare DESfire EV1 4K 70pF wichtig ist.

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UnAufgefordert 11 | 2014

Ressort

Einmal im Leben Ständig reden wir von Dingen, die wir ausprobieren wollen. Viel zu oft bleibt es bei dem Gedankenspiel. In unserer neuen Rubrik „Einmal im Leben“ ändern wir das. Diesmal: Drag-Workshop

Leben

Text: Hannes Schrader  —  Illustration: Kati Szilagyi

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Das letzte Mal, als ich mit Schminke in Kontakt kam, gab es mit bunten Kerzen verzierten Kuchen und ich wurde in einen hartgesottenen Piraten oder wilden Indianer verwandelt. Seitdem kannte ich sie nur noch aus dem Badezimmer meiner Freundin. Bis ich die Möglichkeit bekomme, Rollen zu tauschen. „Wir freuen uns auf Schminki-Schminki und bezaubernde Kingz, Queens und Inbetweens!“, lädt der Referent_Innenrat der HU zu seinem Drag-Workshop ein. Drag ist die Verwandlung in das andere Geschlecht – und alles dazwischen. Nach zwanzig Minuten Auffummeln sehe ich ein bisschen aus wie eine Kreuzung aus Conchita Wurst und meiner Mutter. Meine Bluse ist mit Blumen bedruckt und ich schwitze in dem engen BH, den ich mit einem Negligée und einem Halstuch ausgestopft habe. Mein Gesicht umspielen lange schwarze Locken, die ein bisschen nach Plastik riechen. Inzwischen haben sich zwei junge Frauen in echte „Holzhacker­ buam“ verwandelt, inklusive Lederhose und künstlichem Vollbart. Mir gegenüber steht Luxuania, ihr Kleid ist sehr eng und sehr pink. Luxuania war eben noch Till und trug Tischlerhosen und ein T-Shirt, jetzt hat sich zu ihrem buschigen Vollbart mindestens ebenso buschiges, schulterlanges Haar gesellt. Auf ihrem Kleid steht groß „Love“, im Ausschnitt prangt das Brusthaar. Ein bisschen Puder, ein wenig Wimperntusche – jetzt weiß ich, wie meine Freundin das immer macht. Ich bin froh, dass ich weibliche Hilfe beim Schminken in Anspruch nehmen kann, so sitzt mein Lidstrich später perfekt. Lippenstift und Lidschatten trage ich aber alleine auf. Im Hintergrund läuft „The Time of My Life“ aus Dirty Dancing und ich fühle mich fabulous. Auf dem Heimweg bin ich froh, wieder in meinen eigenen Klamotten zu stecken. Was bleibt, ist der Lidstrich, der meinen Augenaufschlag offenbar ein bisschen aufregender als sonst macht. In der U-Bahn bekomme ich eindeutige Blicke zugeworfen – von Frauen und Männern.


Rüschtisch Jut: Ohrenschmaus Text: Johannes Metternich  —  Foto: Stefanie Loos Der Berliner Winter kann zuweilen recht unschön sein. Schlaftrunken stapft man frühmorgens durch grauen Schneematsch zur Uni, ein leichtes Kratzen im Hals lässt die bevorstehende Erkältung schon erahnen, und in den Seminaren findet man sich plötzlich eingezwängt zwischen Referaten, Essays und anderen Teilnahmeleistungen. Wie gut, dass zumindest Dienstage eine wohltuende Abwechslung im tristen Alltag bereithalten. Woche für Woche lädt dann nämlich die Berliner Philharmonie, mit Fahrrad oder S-Bahn 15 Minuten vom Campus Mitte entfernt, zu ihren kostenlosen Lunchkonzerten – und bietet stressgeplagten Studierenden den perfekten Rückzugsort für zwischendurch. Die Konzerte, die um 13 Uhr beginnen und etwa 45 Minuten dauern, finden im Foyer der Philharmonie statt und werden sowohl von Angehörigen der Berliner Philharmoniker als auch von externen Künstlern und Studierenden der Berliner Musikhochschulen gestaltet. Zum Besten geben sie Stücke für kleine Besetzungen bis zu fünf Musikern, große Symphonien sollte man also nicht erwarten. Aber die braucht es auch gar nicht, um die Lunchkonzerte hörenswert zu machen. Läuft die Nase, schmerzt der Kopf und drängt die Schreibarbeit für den nächsten Tag auch noch so sehr: Wenn das Klavier sanft in Clara Schumanns „Romanzen“ einführt oder das Cello in Johannes Brahms‘ erstem Klaviertrio geschmeidig seine Linie spielt, ist all das sehr weit weg.

So weicht der Lärm im Kopf für eine kurze Weile feinen klassischen Klängen, und nebenbei kommt man in den Genuss von Musik, für die andernorts Dutzende von Euros verlangt würden. Die Glücklichen, die dienstags zwischen 12 und 14 Uhr keine Veranstaltung belegen, sollten diese Gelegenheit nicht missen.

Lunchkonzerte in der Berliner Philharmonie 09. September 2014 – 23. Juni 2015 Immer dienstags, 13 Uhr, Eintritt frei Berliner Philharmonie, Herbert-von-Karajan-Straße 1

Post aus… Herat, Afghanistan Text: Kyara Klausmann Hochzeiten sind das soziale Event in Afghanistan. Eine alte Klassenkameradin meiner Gastmutter heiratet in einem von Herats großen Festsälen. Genau genommen sind es zwei Säle: In einem feiern die Männer, in dem anderen die Frauen. Nachdem wir am Eingang in einem Nebenraum unseren Tschador, ein dunkles Tuch zum Verhüllen des Körpers, abgelegt haben, betreten wir in Hochzeitsgarderobe „unseren“ Saal, den Saal der Frauen. Überall blinkt und blitzt es: Auf einer afghanischen Hochzeit kann man gar nicht overdressed sein. Die Kleider sind extravagant, die Frisuren aufwendig, nur wenige ältere Frauen tragen ein Kopftuch. Auch an Schminke hat niemand gespart. Der Raum ist rund, in der Mitte der mit kleinen bunten Lichtern übersäten Kuppel hängt ein riesiger Kronleuchter. Durch die Lautsprecher dröhnt persischer Pop und auf der Bühne tanzen ein paar Frauen, die sich nach jedem Lied abwechseln. Die Hochzeitsgesellschaft ist für afghanische Verhältnisse nicht besonders groß – ungefähr 400 Frauen sind gekommen. Auf, unter und zwischen den Tischen spielen Kinder.

Nach einem mehrgängigen Festessen wird es plötzlich hektisch: Das Brautpaar kommt. Die Musik geht aus, die Kinder werden zu ihren Stühlen gescheucht. Braut und Bräutigam nehmen auf der Bühne Platz. Es ist der Höhepunkt der Feier und gleichzeitig ihr Ende: Die zwei Tänze, die aufgeführt werden, gehen schon in der Aufbruchsstimmung unter. Man zieht sich wieder an, wickelt sich in den Tschador und verabschiedet sich von der Braut. Als ich am Ausgang bin, steht vor mir eine Frau in einem langen grünen Kleid mit tiefen Ausschnitt, hohen Schuhen und einer aufwendigen Frisur. Ich erschrecke: Will sie etwa so auf die Straße gehen? Doch in dem Moment holt sie eine Burka aus ihrer Tasche, wirft sie über und ist wieder einer der blauen Schatten, die durch die Herater Straßen wandeln. Mehr Geschichten aus Afghanistan gibt es unter: afghanistangeschichten.blogspot.de Kyara Klausmann (24, Global History), hat für zwei Monate an der Universität in Herat Deutsch unterrichtet.

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UnAufgefordert 11 | 2014

Leben

Das Spiel mit der Liebe Auf der Suche nach der großen Liebe oder dem Kick für zwischendurch wischen wir uns auf Tinder von Profil zu Profil. Dabei verstecken wir uns hinter einer virtuellen Fassade und machen unser Glück von undurchsichtigen Algorithmen abhängig. Text: Elisa von Hof  —  Illustration: Lisa Tegtmeier

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„Tinder sagt mir, wir würden wunderschöne Kinder haben“, schreibt Ben. Es ist Freitagnacht, drei Uhr. Mein Handydisplay leuchtet grell auf. Ich kneife die Augen zusammen. „You‘ve got a match“, steht auf dem Display. Ben schreibt seine Nachricht direkt hinterher. Das ist Tinder, eine Dating-App, die einem mittelalterlichen Fleischmarkt ähnelt. Mit Facebook verknüpft, ermittelt die App Menschen in unserer Umgebung, die genau wie wir auf der Suche sind: Nach der großen Liebe, einem ortskundigen Stadtführer für den Wochenendtrip in einer unbekannten Stadt oder eben doch nach dem Kitzel einer kurzen, unverbindlichen Begegnung. Ben ist eher auf der Suche nach Letzterem. Er fragt, ob wir uns auf ein Bier treffen wollen. Aber eigentlich, findet er, könnten wir uns auch gleich für das verabreden, was er nach dem Bier machen möchte. Wir würden sehr gut zueinander passen, schreibt er. Lieber nicht, tippe ich. Daraufhin blockiert er mich. Tinder soll es uns leicht machen, potentielle Partner kennenzulernen. Alter, Geschlecht und der Umkreis der Suche können via Smartphone angepasst werden. Wischt man die angezeigte Person nach links, verzichtet man auf einen Kontakt. Mit einem Wisch nach rechts zeigt man

sein Interesse. Haben das beide getan, heißt es „You‘ve got a match“. Erst dann kann gechattet werden. Und es gibt immer mehr Leute, die ihr Glück in die Hände der App legen. Alleine in Deutschland bewegt sich die Nutzerzahl nach Angaben des Mitgründers Justin Mateen um die Millionenmarke. Weltweit sind 600 Millionen Menschen registriert, im März wurde stolz das eine milliardste Match verkündet. Wie wir uns bei Tinder verhalten, sagt nicht nur viel über uns, sondern auch unseren Gemütszustand aus. Haben wir einen schlechten Tag hinter uns, an dem alles in die Hose ging, wischen wir auf der Suche nach ein bisschen Bestätigung öfter mal nach rechts. Fühlen wir uns unbesiegbar, trauen wir uns mehr zu, dann selektieren wir genauer. Zeig mir, wie du tinderst und ich sag dir, wer du bist und wie du dich fühlst. Als ich einen Freund nach Tinder frage, erklärt er mir, dass er manchmal jede Kandidatin favorisiere – unabhängig von Fotos oder dem kleinen Text, mit dem man seine schillernde Persönlichkeit beschreiben kann. Manchmal hat er einfach Lust zu chatten. Die weniger Hübschen würden meist schneller zurückschreiben. Ein anderer benutzt Tinder als Einschlafhilfe. Es gebe doch nichts Schöneres, als abends im Bett ein paar hübsche Mä-


dels zu liken, sagt er. Kommt ein Kontakt zustande, lässt das selige Gefühl der Bestätigung ihn besser einschlafen. Obwohl wir genau wissen, dass sich der Tinder-Organismus nur von unserer eigenen Oberflächlichkeit ernährt und die Matches bloß Schall und Rauch unserer virtuellen Identität sind, genießen wir es. Wie bei einer Droge hängen wir auf der Suche nach Anerkennung am Handy. Wir tindern vor dem Einschlafen oder um uns besser zu fühlen, wir suchen nach Matches, wenn uns richtig langweilig ist: In einer Vorlesung, die uns nur zum Gähnen bringt, auf einer Party, deren Stimmung klinisch tot ist, wenn die S-Bahn sich mal wieder verspätet. Oder wenn wir uns einfach mal amüsieren wollen.

Die Liebe wird zur Ware, Tinder ist der Marktplatz. Aber steckt hinter der App mehr als ein Zeitvertreib für den oberflächlichen Großstädter? Schließlich ist Tinder nicht nur fürs Chatten konzipiert, sondern vor allem für das, was danach kommt: Hinaus aus dem virtuellen Raum, hinein ins echte Leben. Und dann gibt es da doch ein Match mit jemandem, der Ironie versteht und nicht zu viel von sich erzählt und eigentlich auch gar nicht bei Tinder sein will, so wie wir alle insgeheim. Nach vielen Nachrichten, die wir Fremden uns schicken, möchte er noch ein Foto - ein echtes, das nicht mit vielen Filtern bearbeitet ist, so wie wir sonst unsere zweite Identität online aufhübschen.

Erst beim vierten Versuch ringe ich mich dazu durch, es abzuschicken. Er geht offline. Später schreibt er: „Du bist ja so blond“. Darauf weiß ich nichts zu erwidern. Er schreibt nie wieder, ich auch nicht. Was ist es, das unsere Generation antreibt, den Partner fürs Leben – oder für eine Nacht – über eine App zu suchen, statt im echten Leben? Die traurige Antwort lautet wohl: Selbst in der Partnersuche ist das Streben nach maximaler Effizienz angekommen. Im Vertrauen auf mathematische Formeln machen wir unsere Liebe zu einer Ware. Tinder ist der Marktplatz. Like und Dislike sind von unserer flüchtig gefälschten Hülle abhängig. Das Ganze ist ein Spiel ohne Risiko, genau deswegen macht es so süchtig. Denn wenn wir verlieren, liegt das bloß an unserer digitalen Fassade, aber lange nicht an uns selbst. So ist es wohl wie mit jedem anderen Spiel auch: Solange wir es als solches begreifen, ist es harmlos und durchaus unterhaltsam. Problematisch wird es dann, wenn wir uns nur noch über die Bewertung unserer Hülle definieren. Werden wir gefragt, ob wir Tinder ernsthaft nutzen, um jemanden kennenzulernen, verneinen wir deshalb schnell. „Ich bin nur zum Spaß hier“, bläuen wir den anderen und auch uns selbst ein. Eigentlich wollen wir alle nicht bei Tinder sein – und sind es doch. Samstagnacht, ein Uhr. „You´ve got a match“. Ich bin noch bei Tinder und Tobias schreibt. Er ist witzig und wortgewandt, nutze Tinder aber auch nur zum Spaß, sagt er. Nächste Woche wollen wir uns treffen.

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Elisa von Hof (23, Deutsche Literatur und Geschichte) wäre mit ihrem Namen auf elitepartner.de besser aufgehoben.

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UnAufgefordert 11 | 2014

Leben

Ein Ohr für eine Nacht Prüfungsstress, WG-Krach, Zukunftsangst – das Leben als junger Erwachsener kann viele Probleme mit sich bringen. Nicht immer wird man alleine damit fertig. Wie Potsdamer Studierende durch Zuhören helfen. Text: Stephan Detert  —  Illustration: Maximilian Oehme

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Ihr Büro befindet sich irgendwo in Potsdam, vielleicht auf dem Campus, womöglich auch ganz woanders. 40 Freiwillige sollen hier arbeiten. Nachprüfen lässt sich die Zahl kaum, denn sie wollen anonym bleiben. Wenn es um Verschwiegenheit geht, agieren die Potsdamer Nightliner höchst professionell. Kein Wunder, denn ihre Währung ist das Vertrauen der Anrufer und dies gilt es, stabil zu halten. Ihr Konzept ist dabei denkbar einfach: Die Nightline ist ein Zuhörtelefon von Studierenden für Studierende. Eine Art Campus-Domian – wer sich Probleme von der Seele reden will, stößt dort auf offene Ohren. Tatsächlich gibt es studentische Nightlines in vielen größeren Städten Deutschlands und Europas. Bereits 1970 wurde die erste im britischen Essex gegründet. In Deutschland gibt es Nightlines erst seit ein paar Jahren, wie die in Potsdam, deren Anfänge im Jahr 2010 liegen. Mittlerweile gibt es das Angebot in 16 deutschen Städten, in drei weiteren soll es bald kommen. Unterstützt wird der Aufbau von der Nightline Stiftung, einem Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, bestehenden Nightlines zu helfen und die Gründung neuer zu fördern. Die Nightlines selbst agieren ebenfalls als Vereine. Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten werden von ihnen, unter Einbeziehung von Psychologen, selbstständig organisiert. Die einzelnen Vereine sind gut vernetzt, es gibt einen gemeinsamen Internetauftritt und die Sprechzeiten in den Semesterferien sind so aufeinander abgestimmt, dass möglichst an jedem Tag irgendwo in Deutschland ein Telefondienst erreichbar ist.

Nightliner hören bei den kleinen und großen Problemen des Lebens zu. Dabei sind die Nightliner keine ausgebildeten Psychologen, sondern Studierende aus fast allen Fachbereichen, die sich in der Nacht ehrenamtlich engagieren. Was sie bieten, ist ein offenes Ohr und das Versprechen, dass das Gesagte vertraulich bleibt. Zu diesen Auflagen hat sich auch Toni verpflichtet, der seit über einem Jahr bei der Potsdamer Nightline tätig ist. Wenn er zur Motivation der Nightliner

gefragt wird, bleibt er bescheiden: „Wir prahlen nicht mit unserem Engagement. Bei unserer Arbeit treibt uns nicht die Außenwirkung an, sondern das Selbstbild, anderen helfen zu wollen.“ Als Mitglied des PR-Teams kümmert sich Toni um Interviews und ist bei allen Aktionen dabei, die das Sorgentelefon auf dem Campus bekannt machen sollen. Während er und seine PR-Kollegen der Nightline ein Gesicht geben, erscheinen die Mitarbeiter vom Telefondienst, die anonym bleiben müssen, nur von Zeit zu Zeit in der Öffentlichkeit. Dann verkleiden sie sich, treten in Gestalt von Plüschpandas und -hunden bei Veranstaltungen für Erstsemester auf und versorgen die Studierenden mit free hugs. Ihre Kernaufgabe ist jedoch die Arbeit am Telefonhörer. Die Potsdamer Nightliner hören jedem zu, der bei ihnen anruft. Sie nehmen sich Zeit für kleine und große Probleme und bieten einen unvoreingenommenen Blick auf die Situation. Anders als Freunde und Familienmitglieder haben sie nicht immer sofort einen Ratschlag parat. „Oftmals ordnen sich die Dinge von selbst, wenn man sie laut ausspricht. Wir sind da non-direktiv, geben also keine Anweisungen“, erklärt Toni. Wenn die Nightliner merken, dass sie bei einem Anliegen absolut nicht helfen können, besteht auch die Möglichkeit, den Anrufer an einen professionellen Seelsorger zu vermitteln. Toni, der sich mittlerweile um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert, weiß noch, wie es war, als er das allererste Mal vor dem Telefon saß und auf dessen Klingeln wartete: „Natürlich ist man aufgeregt. Das ist so wie in der ersten Vorlesung deines Lebens“, sagt er. „Alles ist neu und unbekannt.


Denn auch Nightliner haben Gesprächsbedarf, vor allem nach einer anstrengenden Schicht. Jeder Telefondienst dauert drei Stunden – viel Zeit, in der man sich den Problemen anderer Leute widmet. Doch Toni verweist auch an dieser Stelle auf das strenge Vertraulichkeitsgebot: „Natürlich kommt es vor, dass man sich untereinander austauscht und sagt: ‚Heute bin ich ganz schön geschafft!‘ Über konkrete Fälle reden wir dabei aber nie.“ Gerade das macht die Nightline so attraktiv. Die Hemmschwelle, zum Hörer zu greifen, ist niedrig. Man muss sich nicht zu erkennen geben und braucht seinen Wohlfühlbereich zumindest physisch nicht zu verlassen. Vermutlich rufen von Zeit zu Zeit auch Potsdamer an, die gar nicht an der Universität eingeschrieben sind oder Studierende aus Berlin, die bislang noch nicht auf ein solches Angebot in ihrer Stadt zurückgreifen können. „Ich habe gehört, in Berlin ist auch eine Nightline in Planung, aber wie weit die sind, weiß ich nicht.“ Bis es soweit ist, müssen die Berliner noch die 0331 vorwählen.

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Stephan Detert (24, Medizin) hatte vor ein paar Tagen Geburtstag – alles Gute!

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Aber beim zweiten Mal weißt du eigentlich schon, wie es läuft.“ Damit die Aufregung nicht zu groß wird, werden neue Nightliner auf ihre Aufgaben vorbereitet. Zum Anfang eines jeden Semesters findet eine Schulung für die Nightline-Anwärter statt. Bei einem solchen Einführungsseminar lernen die Neuen in Rollenspielen, wie aktives Zuhören funktioniert, was es mit dem Vier-Seiten-Modell einer Nachricht auf sich hat und wie Paraphrasieren dazu beitragen kann, das Verstandene mit dem Gesagten abzugleichen. „Oftmals hören wir etwas, vergleichen es mit Situationen, die wir selbst schon einmal erlebt haben und bauen es in einen vorgefertigten Kontext in unserem Kopf ein: Mein Gegenüber sagt etwas, ich interpretiere das und gebe ihm einen Ratschlag aus meiner Sicht. Dies gilt es zu vermeiden“, meint Toni. Die Anliegen der Anrufer reichen von Unistress über WG-Zoff bis hin zu schweren Schicksalsschlägen. „Eben alles, was Studierende bewegt. Dass ein bisschen was davon auch bei uns hängen bleibt, ist ganz normal“, gibt Toni zu, „aber dafür machen wir regelmäßig Supervisionen und Intervisionen.“


UnAufgefordert 11 | 2014

Leben

Endstation Wir machen uns auf den Weg an das Ende unserer Welt. Zurückbleiben bitte! Heute: Mit der S3 nach Erkner. Text: Jasper Riemann  —  Foto: Niklas Maamar

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Als ich aus der S-Bahn aussteige, bin ich erst einmal überrascht. Statt einer von Menschen verlassenen Endhaltestelle erwartet mich geschäftiges Treiben. Großzügig angelegte Blumenbeete, moderne Architektur und im Minutentakt an- und abfahrende Regionalbahnen sind die Bühne, auf der sich der Alltag eines aufgeräumten Vorzeigebahnhofs abspielt. Dabei bin ich doch nach Erkner gefahren. Mit Erkner verbinde ich bisher nur, als Neu-Berliner am Ostkreuz in die falsche S-Bahn zu steigen. Um einen möglichst unvoreingenommenen Blick zu bekommen, habe ich mir Internetrecherchen über Erkner vor meinem Ausflug verkniffen. Doch insgeheim hatte ich tiefsten Osten erwartet. Marzahn, Hellersdorf oder eben Erkner – was sollte da schon sein außer hohen Platten, Rechtsextremen und Verwahrlosung? Neugierig wage ich den Gang nach draußen. Ein großes gelbes Schild begrüßt die Neuankömmlinge: „Willkommen in Erkner, der Wiege des Kunststoffzeitalters!“ Wiege des Kunststoffzeitalters?! Tatsächlich, so finde ich heraus, wurde in Erkner die erste industrielle Steinkohlenteerdestillation Europas gebaut.

An der Eisenbahnlinie zwischen Frankfurt/Oder und Berlin gelegen, profitierte die Stadt insbesondere Ende des 19. Jahrhunderts von der Industrialisierung. Heute ist Erkner vor allem ein beliebtes Ausflugsziel ins Grüne. Die wasser- und waldreiche Gegend zwischen Flaken- und Dämeritzsee bietet alles, was der stadtgeplagte Naturfreund braucht. Auf einem Parkplatz treffe ich drei Berliner, die das Wochenende für eine Kanutour in der Umgebung nutzen. Auch der Europaradweg R1 und einer der berühmtesten Pilgerwege, der Jakobsweg, führen durch Erkner. Dazu erinnert ein Heimatmuseum an die über 400-Jahre lange Geschichte der brandenburgischen Kleinstadt. Ich lerne, dass Persönlichkeiten wie der Berliner Konzertflügelfabrikant Carl Bechstein oder der Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann ihre Residenzen in Erkner hatten. Etwas sprachlos steige ich in die S-Bahn zurück nach Berlin. Erkner, da fahren die Leute hin, um Urlaub zu machen. Mit der S3. Nach Osten. Vielleicht sind diese OstWest-Klischees doch etwas überholt.


HUMBOLDT

Die Zeitung der Alma Mater Berolinensis Oktober 2014 · Ausgabe 1 – 2014/2015

Jahrgang 58 · 2. Oktober 2014

www.hu-berlin.de/pr/zeitung

Wie erstelle ich einen Stundenplan, was sind Credit points, wo gibt es eine Mensacard? Die ersten Tage und Wochen an einer Universität sind für Studienanfänger aufregend, im Vergleich zur Schule ist vieles neu und ungewohnt. Mit unserem Ersti-Spezial bekommen Sie Tipps über die wichtigsten Stationen und lernen Projekte kennen, die es nur an der Humboldt-Universität gibt. Zeit zum Kennenlernen und zum Besuch von Einführungsveranstaltungen gibt es am Montag, den 13. Oktober 2014 genügend. Es ist dies academicus – es finden keine Vorlesungen statt. Die feierliche Immatrikulation und Eröffnung des Akademischen Studienjahres 2014/15 findet statt von 16.30 bis 18.30 Uhr, Hauptgebäude, Audimax (Übertragung in den Kinosaal, leider sind die Plätze begrenzt). Festredner ist dieses Jahr der Publizist und Autor Roger Willemsen. Der Semesterauftakt auf dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Campus Adlershof findet von 11.30 bis 13 Uhr im Erwin Schrödinger-Zentrum, Großer Hörsaal, statt. Dr. Constanze Kurz, HU-Absolventin und Sprecherin des Chaos Computer Clubs, hält die Festrede.

Willkommen bei Humboldts!

lil | Foto: Andreas Süß

▶ Mehr auf den Seiten 3 – 5. www.hu-berlin.de/imma

Currywurst meets Döner Liebe UnAuf,

HU-Ticker

Studentische Nachhaltigkeitsbüros

HU klettert nach oben

Türkei-Wochen der Hochschulen laden ein

Das Nachhaltigkeitsbüro der HU organisiert vom 16.-19. Oktober das erste europäische Zusammentreffen von studentischen Nachhaltigkeitsbüros, das „First European Green Office Summit“. Am 17. Oktober 2014, 18-20 Uhr, findet eine öffentliche Podiumsdiskussion statt: „The long ride towards sustainability at universities: How to accelerate on a bumpy road?“

Im World University Ranking verbessert sich die Universität erheblich

ich wünsche dir alles Gute zum 25. Geburtstag! Wie ich bezeugen kann: Es war in der Geschichte der Humboldt-Universität nicht immer treibung vom ersten Lehrstuhl für Soziale Gynäkologie an der Friedrich-WilhelmsUniversität zu Berlin ins Exil an die Universität Istanbul“. Er findet um 18 Uhr im Tieranatomischen Theater statt. Ein weiteres Highlight ist die von Ulli Zelle moderierte Podiumsdiskussion „Hochschule und Gesellschaft – Internationalisierung als Motor für Integration“ am 14. Oktober um 18 Uhr (Hörsaal 2097, Hauptgebäude, Unter den Linden 6). Im Anschluss daran wird die Ausstellung „Gesichter der HU“ eröffnet. Im Foyer des Hauptgebäudes können Besucher Foto- und Textportraits von HU-Studierenden sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität mit türkischem Hintergrund oder besonderer Verbindung zur Türkei anschauen. Zu Gast sein wird auch Emrah Serbes, ein erfolgreicher Schriftsteller und Drehbuchautor. Seit den Gezi-Protesten im Sommer 2013 gilt er durch seine aktive Teilnahme am Widerstand und seine öffentliche freie Meinungsäußerung gegen den Premierminister auch als „Schriftsteller und Stimme des Volkes“. (11. Oktober, 19 Uhr, Dorotheenstraße 24, Reuter-Saal) Das Programm richtet sich an Schülerinnen und Schüler, Studierende, Forschende und Lehrende, entsprechende Interessengruppen und die interessierte Öffentlichkeit. Begleitet wird es durch ein kulinarisches Angebot: Vom 13. bis 17. Oktober 2014 werden während der Mittagszeit auf dem Innenhof des Hauptgebäudes mehrere Stände sowohl türkische als auch deutsche Spezialitäten feilbieten. Irina Quander

Im Anfang Oktober veröffentlichten Times Higher Education World University Ranking (WUR) 2014/2015 belegt die Humboldt-Universität Rang 80. Gegenüber den Vorjahren konnte sie sich damit kontinuierlich verbessern. Lag sie vor drei Jahren noch nicht unter den besten 100, verbesserte sie sich in den folgenden Jahren zunächst auf Rang 99 und schließlich auf Platz 94. Im aktuellen Ranking konnte sich die HU noch einmal erheblich um 14 Punkte auf Platz 80 unter den weltweit besten Universitäten verbessern. Unter den

sechs deutschen Universitäten, die es in die Top 100 geschafft haben, erreichte sie Platz 4. Die genaue Rangfolge aller Universitäten war bis Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Mehr dazu finden Sie auf www.hu-berlin.de. Das WUR gilt zusammen mit dem „Academic Ranking of World Universities“ (ARWU) der Jiao Tong Universität Shanghai als das renommierteste Ranking weltweit.

einfach, eine unabhängige Zeitung zu sein. Ich war bis Ende 1989 ein Organ der SED-Kreisleitung und habe von dort den Weg zu einer ideologisch unabhängigen Zeitung gefunden. Den Weg dazu hast HU-Präsident übernimmt sicher auch du geebnet: Mit deinen Gründungsredaktionen zog ein Vorsitz

Hörsaal 2094, Hauptgebäude der HU

Stiftungen im Mittelalter

Im Projekt European Research Council verfassen Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen eine auf drei Bände angelegte „Enzyklopädie des Stiftungswesens in mittelalterlichen Gesellschaften“. Jetzt wird der erste Band präsentiert. Dienstag, 28. Oktober 2014 , 8.00 Uhr s. t. Auditorium des Grimm-Zentrums Geschwister-Scholl-Straße 1/3

Der Autor Emrah Serbes liest an der HU. Foto: binooki Verlag

www.thewur.com

in der Berliner Rektorenkonferenz

frischer Wind der Meinungsfreiheit in die Gänge und Hörsäle der Alma Mater ein, der uns alle immer noch umgibt. Damit setzt du als studentische Redaktion immer auch andere Schwerpunkte auf Themen an der Humboldt-Universität und bereicherst meinen „offiziellen“ Blick

Ausstellung – Mensch macht Pferd

Im Tieranatomischen Theater findet eine studentische Ausstellung statt. Sie thematisiert die Beziehung von Mensch und Pferd. Bis zum 10. Januar 2015, Tieranatomisches Theater Berlin, Philippstraße 12 (Haus 3); Eintritt frei

Verfassungspolitik in der Türkei, türkische Klassiker in deutscher Erstübersetzung: Vom 6. bis 17. Oktober finden an der Humboldt-Universität die von der Hochschulrektorenkonferenz geförderten „Türkei-Wochen an deutschen Hochschulen“ statt. Unter dem Motto „Gemeinsam forschen – statt übereinander forschen!“ werden verschiedene Veranstaltungen gemeinsam mit türkischen Hochschulpartnern durchgeführt.

– und das oft auch kritisch. Dafür vielen

Musik trifft Wissenschaft

Am 10. Oktober um 20 Uhr findet auf Einladung des Katalyse-Exzellenzclusters UniCat ein Klavierkonzert für und mit ChemieNobelpreisträger Gerhard Ertl anlässlich seines Geburtstages statt.

Unter Federführung des Instituts für Sozialwissenschaften und in Zusammenarbeit mit anderen HU-Instituten stehen Vorträge, Gesprächsrunden, Podiumsdiskussionen, Konzerte, Filmvorführungen, Forschungswerkstätten und Workshops, wie zum Beispiel „Bağlama und Mikrotonale Gitarre im Kontext Türkischer und Neuer Musik“, auf dem Programm. Eröffnet wird die Woche mit dem Vortrag „Wilhelm Liepmann (1878-1939) – Ver-

Der Präsident der Humboldt-Universität, Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz, hat Anfang Oktober 2014 den Vorsitz in der Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten (LKRP) der Berliner Hochschulen übernommen. Am 17. September wurde er turnusgemäß gewählt. Die Amtszeit beträgt zwei Jahre. Er löst den bisherigen LKRP-Vorsitzenden, Prof. Dr. Christian Thomsen, Präsident der Technischen

Dank!

Auf die nächsten bewegten 25

Jahre. Mindestens. Deine HUMBOLDT-Zeitung

TU Berlin, Straße des 17. Juni 135 Audimax (H 0105) im Hauptgebäude Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist erforderlich unter: www.unicat.tu-berlin.de/konzert2014

Weitere Informationen zum Programm: www.hu-berlin.de (Veranstaltungskalender)

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Auszeichnung: Historiker Peter Lehrerbildung: Die zentrale AnAuslandserfahrung: StudierenRekonstruktion: Viele haben das Übrigens: Die nächste HUMBOLDT-Zeitung erscheint Anfang Dezember. Jelavich ist mit dem Humboldtlaufstelle für Lehramtsstudierende de, die im Ausland Erfahrungen Forum Romanum mit eigenen AuForschungspreis der Alexander und -interessierte der HU, aber sammeln möchten, aber nicht die gen gesehen. Doch wie sah der www.hu-berlin.de/pr/zeitung von Humboldt-Stiftung ausgeauch Mitarbeiter und außeruniverGelegenheit dazu haben, können historische Platz zu Zeiten von zeichnet worden und wird bis Ende Juni 2015 an der Humboldt-Universität

sitäre Partner, ist die Professional School of Education (PSE). Sie lädt am 8. Okto-

im Q-Kolleg international arbeiten – einer Partnerschaft zwischen einem internatio-

Universität Berlin, ab. Olbertz vertritt im Vorstand die Berliner Universitäten. Als Vertreter der Fachhochschulen wurde Prof. Dr. Klaus Semlinger in den Vorstand gewählt. Er ist Präsident der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin. Prof. Martin Rennert, Präsident der Universität der Künste Berlin, ist als Vertreter der künstlerischen Hochschulen im Amt. Red.

Caesar, August oder Traian aus? Das rekonstruieren Wissenschaftler und Studie-

Jubiläum: Die Mori Ôgai-Gedenkstätte feiert 30-jähriges Bestehen. Mori Ôgai kam zum Studium nach Berlin. Was ihn hier faszinierte und welche Rolle er für die deutsch-japanischen Kulturbeziehungen


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UnAufgefordert Nr. 228  

Das ist Ausgabe Nummer 228 der Studierendenzeitung der Humboldt-Universität zu Berlin vom 17. November 2014.

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