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Magazin fĂźr Mensch und Bildung


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E d i tor i a l # 2 1

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ie Idee. Vielleicht die schwierigste Geburt von allen. Der Anfang, der etwas Besonderes sein soll, am besten noch nie

zuvor erdacht. Das alles in einer Welt von Milliarden Menschen mit abermals Milliarden Ideen, die schon rein mathematisch jeglicher Einzigartigkeit entbehren müssen. Dieses Magazin. Vielleicht auch die schwierigste Geburt von allen. Denn auch dieses soll etwas Besonderes sein, erst recht zum 20. Jubiläum. Es erzählt von uns, den Machern, den Zahnärzten, den Menschen. Und es dreht sich um die Idee der Idee – der Verbesserung von allem. Denn das ist der Grund, warum Ideen in uns entstehen. Sie sind der Ausdruck eines menschlichen Strebens, der Grund jeden Aufbruchs, die Basis jeder Veränderung – die Verbesserung des Lebens, der Welt oder auch einfach nur der ganz persönlichen Situation. Egal, woher der Antrieb kommt, ich möchte mich bei den Ideengebern dieses Magazins bedanken, die in den letzten zwanzig Jahren nicht müde wurden, ihren Gedanken auf unseren Seiten Gestalt zu geben. Jeglicher Bequemlichkeit zum Trotz glauben sie daran, dass es immer eine Entwicklung zum Besseren geben kann. Sie haben den Mut, das Bestehende zu hinterfragen und geben ihren Ideen den Raum, sich gestalten zu können. Ihr seid die Entdecker der Zukunft.

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© 11/2014 · 413519V0

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Forever Young

1

Editorial

8

Contributor

10

Ideen in Zahlen

THEMA 12

Die Linie im Kopf

18

Die idiotische Idee

24

1, 2, 3, 4, 5

34

20 Jahre UN-PLAQUED

52

Kreativität im Unternehmen

60

Scheißidee, eigentlich!

64

Fürchte Dich nicht !

78

Eine Frage bitte

8 | un-plaqued No 21

80

Der Verlierer heißt: Wir Alle

90

Die nexte Generation

94

Farben verstehen lernen

100

Das entscheidende Bisschen mehr

102

Arbeitest Du schon?


Good Bye Dentist 146

Ăœber die Alpen

Theorie & Praxis 104

10 Ideen fĂźr eine bessere Praxis

106

Der digitale Workflow

120

Was ist aus Deiner Idee geworden?

122

Von der Idee zur Erfolgsgeschichte

130

Was kostet 'ne Idee?

134

Praxis und Versicherungen

138

Vom Studium bis in die Praxis

142

Alles aus einer Dose?

Unplaque your life 154

Streaming kills the MP3 Industry

156

Das aufregende Leben der Cassandra-Michelle: Die Heiligkeit der Inspiration

160

Der gesunde Menschenverstand

un-plaqued No 21 | 9


RUBRIK / idee

IMPRESSUM un-plaqued # 21 Idee Auflage Erscheinung Format Bezugspreis

12.000 Winter 14/15 / deutschlandweit 230 x 160 mm 8 Euro

Herausgeber Ingmar Dobberstein Verlag un-plaqued:multimedia Verlagsgesellschaft mbH Oranienburger Str. 91, 10178 Berlin un-plaqued REDAKTION Chefredakteur Ingmar Dobberstein / ingmar@un-plaqued.com Chefin vom Dienst Hanna Buttenberg / hanna@worldoptimizer.com Politik Eric Weigel / eric@un-plaqued.com Wirtschaft Jan-Philipp Schmidt /jp.schmidt@bdza.de Hochschule Karen Dobberstein / kmd@un-plaqued.com International David Rieforth / david@un-plaqued.com Wissenschaft Hans-Christian Lux / h-c-l @ alumni-magazine.com Fortbildung Patrik Halfin / maisterhp@gmx.de Lifestyle Eike Wendland / icke@graphicenvironment.com Musik Julius Brodkorb / mail@juliusbrodkorb.de Redaktionsassistenz Sascha Kötter / sascha@ un-plaqued.com Bildredaktion Anna K. Olthoff / annako @ un-plaqued.com Ion Jonas / i@ quasigrafik.de Illustration Britta Zwarg / b @ quasigrafik.de Ion Jonas / i@ quasigrafik.de Steffi Lindner / post@steffisteffi.de Schlussredaktion Dr. Antje Taffelt Gestaltung quasigrafik / pixel@ quasigrafik.de Kontakt un-plaqued.com facebook.com/UNPLAQUED alumni-magazine.com 10 | un-plaqued No 21

Anzeigen Ingmar Dobberstein/ ingmar@un-plaqued.com / +49.170.559 23 05 Sascha Kötter / sascha@un-plaqued.com / +49.151.1169 09 16 Druck Königsdruck, Alt-Reinickendorf 28, 13407 Berlin Unser Dank gilt allen wachen Geistern, die ihren Alltag mit bewussten Sinnen wahrnehmen, Fragen stellen, wenn Antworten gewünscht sind und Aussagen treffen, wenn Ruhe erbeten wurde. All jenen, die ihre Meinung äußern, auch wenn es gerade nicht der allgemeinen Auffassung entspricht. Und denen, die ihren Ideen und Idealen Platz einräumen, trotz aller Realitäten, Normalitäten und Absurditäten. Ganz besonderer Dank geht an unsere Familien und besten Freunde, weil sie unsere Ideen immer wieder unterstützen und nicht müde werden, an uns zu glauben. Auf unserer Gästeliste stehen Hanna, Philli, Julius, Karen, Britta & Jones & Anouk, Eric, Alexander, Adriane & Robin, Nadja, Barbara & Birgit, Sascha, Basti, Eike & Birgit, Janne, Lenny und die Dobbersteine. Und Sandrine, für alles, aber vor allem unsere gemeinsame Idee. Für die inspirierenden Fotos unter dem Motto »1, 2, 3, 4, 5« danken wir unseren Fotografen: Alexander Klebe / alexanderklebe.de Ingmar Dobberstein / un-plaqued.com Birgit Kaulfuß / birgitkaulfuss.com Szary of Modeselektor / modeselektor.com anna.k.o / miss.annako@googlemail.com Stiller Dank gilt meiner lieben Omi Erna Elsbeth Charlotte Hertha Dobberstein. Für Alles. Gute Reise. 25.11.2014 Die in den Artikeln und Mitteilungen ausgedrückten Meinungen sind die der Autoren und nicht unbedingt die der Redakteure oder des Herausgebers. Redakteure und Herausgeber lehnen jede Verantwortung oder Haftung für den Inhalt ab und geben keinerlei Garantie, Gewährleistung oder Empfehlung für die Produkte, für die in dieser Zeitschrift geworben wird, oder für die Behauptungen, die von den Herstellern derartiger Produkte oder Dienstleistungen gemacht werden. Eine Haftung für Folgen aus unrichtigen oder fehlerhaften Darstellungen wird in jedem Falle ausgeschlossen. Die im Magazin veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung oder Verwertung der Texte und Bilder sind mit Ausnahme der gesetzlich zugelassenen Fälle ohne Einwilligung des Verlages strafbar. © un-plaqued:multimedia 2014 //


CONTRIBUTOR Britta Zwarg und Ion Jonas layouten, illustrieren und fotografieren für die UN-PLAQUED – kurz, sie gestalten alles, was wir uns hier gemeinsam ausdenken und ihr schließlich in euren Händen haltet. Die beiden freischaffenden Grafiker interessieren sich für Kunst, Architektur, Gemeinschaftsprojekte, gesellschaftliche Konzepte und Landwirtschaft bis hin zu Milchsäurebakterien. Sie sind Mitgründer des Kollektivs Worldoptimizer und überhaupt einfach coole Menschen und für UN-PLAQUED so etwas wie die zweite Hirnhälfte. Ihre Ideen und Kreationen seht ihr auf Seite 1–160 und auf quasigrafik.de.

Cassandra Michelle ist überzeugte Pazifistin und neigt eher zu einem hedonistischen Lebensstil, was nach einer Kindheit in Eisenhüttenstadt, der Ausbildung zur Grafik-Designerin in Karlsruhe und vielen Jahren in Köln auch nicht verwunderlich ist. Heute, endlich, lebt und arbeitet sie seit nunmehr sechs Jahren in Berlin als freiberufliche Art-Direktorin mit Herz (dieheartdirectorin.de). Ihre Inspiration nährt sich durch viele Freunde und die langen Nächte im King Size. Sie liebt Bücher und Flughäfen, denn beides verspricht Abenteuer! Seit fünf Jahren schreibt sie als Kolumnistin für UN-PLAQUED Geschichten aus ihrem aufregenden Leben, direkt aus ihrem Herz auf unser Papier … ab Seite 156.

Markus Franz ist eigentlich Jurist, entschied sich dann aber für den Journalismus, der Sprache wegen. Er arbeitete als Reporter, politischer Korrespondent und Redaktionsleiter bei der WAZ, Märkischen Oderzeitung, taz und SZ. Ob als Pressesprecher des DGB, Sozialattaché der deutschen Botschaft in Washington D.C. oder Redenschreiber für Andrea Nahles, Peer Steinbrück und Martin Schulz – Markus liebt es, sich den eigenen Grenzen zu stellen, um daraus gestärkt hervorzugehen. Beruflich trainiert er heute Journalisten, Pressesprecher und Redenschreiber (redenschreibenwirken.de), während er privat gerne Fahrrad in Afrika fährt ... zu lesen ab Seite 64.

un-plaqued No 21 | 11


THEMA / idee

Ideen IN ZAHLEN E=mc2 Durchschnittsgewicht des männlichen Gehirn ·················· 1.375 g

Gewicht von Albert Einsteins Gehirn ···························1.230 g

kg

Anteil des Gehirns am menschlichen Körpergewicht························ 2 %

O2

Anteil des Gehirns am gesamten Sauerstoffverbrauch············· 20

%

kcal

Anteil des Gehirns am gesamten Energieumsatz······················ 25

%

Anzahl der Wahrnehmungs- und Bedeutungsinhalte, die unser Gehirn speichern kann·····10150

Zahl der Patentanmeldungen für erneuerbare Energien im Jahr 2004····················202

Anzahl der weltweiten Patentanmeldungen im Jahr 1975······592.275

Zahl der Patentanmeldungen für erneuerbare Energien im Jahr 2010·····················635

Anzahl der weltweiten Patentanmeldungen im Jahr 2008··1.662.533

Jahr, in dem Christine Hart das erste Patent für ein »Leibchen, das die Brust in Form hält« an­meldete ····························1895 Zahl der in Deutschland pro ­duzierten BHs im Jahr 1961, in Millionen·········41

Quelle  brand eins

Durchschnittsgewicht des weiblichen Gehirn ·················1.245 g

Anteil der Deutschen, die mindestens einmal pro Woche fernsehen ·············98 %

Anteil der Deutschen, die mindestens einmal pro Woche ihren Gedanken nachgehen·················69 %

Geschätzte Zahl an Menschen, die ein Handy besitzen ···················4 Milliarden

12 | un-plaqued No 21

Anzahl der Elementarteilchen im Universum···················1079

Geschätzte Zahl der Worte, die ein Handynutzer in seinem Leben durchschnittlich per SMS verschickt in Millionen·······2

Zahl der Worte in der Bibel in Millionen·······0,7

Geschätzte Zahl an Menschen, die eine Zahnbürste besitzen ················3,5 Milliarden


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THEMA / idee

Die Linie im Kopf

14 | un-plaqued No 21


THEMA / idee

Text Ingmar Dobberstein

Die besten Ideen entstehen aus der Not. Sie sind pragmatisch, zielorientiert, problemlösend und lassen selten Zeit für Emotionales. Die schönsten Ideen entstehen in der Freiheit. Sie sind kreativ, vorausschauend und emotional geladen. Meist dienen sie einer Idee von etwas Größerem, etwas Ganzem, im platonischen Sinne. Sie sind es, die uns hierher gebracht haben, sie machen menschliche Entwicklung aus.

Ideen dienen der Verbesserung.

Großen wie im Kleinen? Das meis-

Von der Psychologie lernt man, dass

te wurde bereits zu Ende gedacht,

menschliches Verhalten grundsätz-

die Menschen wissen, was »richtig«

lich von positiven Beweggründen ge-

wäre und verhalten sich dennoch an-

steuert wird. Im Kleinen kann man

ders. Wir reden das eine und tun das

mit diesem Gedanken das eigene Ver-

andere, und sind uns dabei auch noch

halten untersuchen. Warum folge ich

dessen bewusst. Wir leben im Wider-

der einen Idee, während andere sich

spruch zu unseren Ideen.

eher zu Träumereien entwickeln?

Ideen bedeuten Veränderung. Ideen sind gut, Veränderung ist schlecht.

Gute Ideen gibt es viele. Gesundes

Sie stört den Tagesablauf, bedeutet

Essen, mehr Sport. Die Veränderung

Arbeit und Aufwand, und gefähr-

der Arbeitszeiten und mehr Quali-

det im Zweifel den »sicheren« Ist-Zu-

ty Time mit der Familie. Weniger Al-

stand.

kohol und endlich mit dem Rauchen

Ideen sind in den meisten Fällen pro-

aufzuhören. Auch im gesellschaft-

blemorientiert. Und offensichtlich

lichen Kontext gibt es ein paar sehr

sind die Probleme nicht groß genug,

gute Ideen. Die Energiewende zum

um einen Handlungsdruck hervorzu-

Beispiel, eine moderne Gesellschaft

rufen. Warum anders leben, wenn

auf Basis erneuerbarer Energien.

man die vermeintlich negativen Aus-

Die Reduktion von Treibhausgasen

wirkungen unseres Lebensstils noch

und CO2-Ausstoß als Ansatz gegen die

gar nicht sieht? Warum Ressourcen

Klimaerwärmung. Die Reduktion der

schonen, wenn es doch alles in Fülle

Lebensmittelabfälle in den Industrie-

zu kaufen gibt? Warum mit dem Rau-

nationen und die nachhaltige, Res-

chen aufhören, wenn man noch kei-

sourcen schonende Konsumgesell-

nen Lungenkrebs hat?

schaft. Oder auch der Gedanke einer friedlichen Gesellschaft mit gleichen

Wir haben viele Bedürfnisse, die

Chancen und Rechten für alle, unab-

gute Ideen verhindern. Sicherheit

hängig von ihrer Herkunft und dem

ist eines, Anerkennung wahrschein-

Geldbeutel.

lich das nächststärkste. Wie oft hat

Doch was hält uns davon ab, diese

man sich im Leben von einer guten

Ideen auch wirklich umzusetzen? Im

Idee entfernt, um in einem sozialen

un-plaqued No 21 | 15


THEMA / idee

Umfeld akzeptiert zu werden? Wahr-

Sind wir wirklich so? Benötigen wir

scheinlich täglich.

Schmerz, um uns zu ändern, obwohl

Wenn der Problemlösungsdruck

wir es bereits besser wissen? Sind

nicht ausreicht, den großen Heraus-

wir vorher einfach zu bequem, uns

forderungen mit großen Ideen ent-

für Dinge einzusetzen, deren positive

gegenzutreten, werden kleine Ideen

Auswirkungen wir vielleicht nicht so-

benötigt. Ein bisschen Verbesserung

fort spüren? Ist die Kurzsichtigkeit so

des Lebens muss dann doch sein. Von

fortgeschritten, dass wir nicht für die

diesen Ideen benötigen wir viele,

nachfolgenden Generationen vorbe-

auch sie sollen alle einzigartig und

reitend denken und handeln können?

bahnbrechend sein und unser Leben noch schöner machen. Im Kleinen

Es geht nicht um Entweder-Oder. In

halt, kurzfristig.

den allermeisten Familien wird man

So scheint es, als würde die Welt um

ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit

einen herum Ideen wie am Fließ-

finden, niemand möchte ein schlech-

band produzieren. Die nächste Wer-

teres Leben für seine Kinder. Viel-

bekampagne, das nächste Magazin,

mehr geht es um die Balance der Be-

die Mode des nächsten Sommers, der

dürfnisse. Wahrscheinlich wollen die

neue Pop Up Store, das noch edlere

meisten Menschen dieser Hemisphä-

Restaurant, das bessere Auto und das

re eine gesunde Umwelt und doch

funktionsstärkere Smartphone. Kann

nicht ihr ganzes Tun nur darauf aus-

das funktionieren?

richten. Also bemühen sie sich, den Müll zu trennen und die Flaschen

Aus der Rettung der Welt ist am Ende

zur Pfandstelle zu bringen, aber wie

nur eine neue Handtasche geworden.

sinnvoll am Ende recycelt wird, geht

Aber das Leben hat sich für einen Mo-

an ihrem Interesse vorbei. Betrachtet

ment verbessert, und man kann sie

man das Spendenverhalten der Men-

wenigstens anfassen und spüren.

schen, wird klar, dass fast alle ein

In der Idee leben heiSSt, das Unmögliche behandeln, als wenn es möglich wäre. Johann Wolfgang v. Goethe

16 | un-plaqued No 21


THEMA / idee

un-plaqued No 21 | 17


THEMA / idee

Gewissen haben, und sie die Unge-

Definitiv ist unsere Not noch nicht

rechtigkeiten der Gesellschaft wahr-

groß genug, und die Not der ande-

nehmen. Doch spenden die meisten,

ren zu weit entfernt. Wir denken

ohne zu wissen, wofür ihr Geld wie

zwar schon anders, handeln aber

effektiv verwendet wird. Sie könnten

meist nicht so. Diese Inkongruenz be-

es für lokale Projekte spenden, auch

herbergt ganz andere Probleme, die

für die Obdachlosen nebenan, aber

heute spürbar sind – eine Verdros-

die Spende steht im Vordergrund,

senheit gegenüber so vielen Dingen,

nicht ihr Zweck.

sei es der Politik, den Medien, der Familie und auch einfach dem Nachbar.

Schaut man in die Zahnmedizin, ist es nicht weniger verwunderlich. Während der Beruf praktisch täglich gute Ideen für eine individuelle Orale Sanierung und einiges Improvisationstalent erfordert, sind wir im standespolitischen Bereich eher ideenfrei unterwegs. Wir reagieren vor allem auf die Einflüsse von außen, anstatt unser Arbeitsumfeld, dass weit größer ist als die ei-

Alle groSSen Ideen scheitern an den Leuten. Bertold Brecht

gene Praxis, zu gestalten. Wir wissen selbst nicht mehr, ob unser eigenes Auskommen oder das Wohl unserer Patienten im Vordergrund steht.

Vielleicht ist aber auch die Freiheit

Vielleicht ist mit der Kommerzialisie-

gar nicht mehr vorhanden, sich den

rung des Gesundheitswesens so eine

schönen und großen Ideen mensch-

der letzten Bastionen ideeller Berufe

lichen Strebens zu widmen. Viel-

zu Grunde gegangen. Die Dienstleis-

leicht optimieren die vielen kleinen

tung anstelle der Arbeit für das wich-

Ideen des Alltags unser Leben so

tigste Gut des Menschen.

stark, dass uns der Blick für das große Ganze verloren gegangen ist. Und

Es sind die gleichen Menschen, die

vielleicht ist unser Hier und Jetzt so

im Kleinen Großes, aber im Großen

erquickend und erfüllend, dass lang-

nur Kleines bewirken können. Viel-

fristige Überlegungen zur Verbesse-

leicht ist das eines der Grundprob-

rung der Gesellschaft einfach kein

leme der Ideen. Dass wir uns deren

Bedürfnis mehr darstellen.

Umsetzung umso weniger gewachsen fühlen, je größer das zu bearbeiten-

Ich weiß es nicht.

de System ist?

Es war nur so eine Idee. //

18 | un-plaqued No 21


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THEMA / idee

Die idiotische Idee Text Erik Weigel

W

ie entstehen Ideen? Ideenbeför-

quillen? Und hat der Idiot am Ende doch Erfolg,

dernde Strategien gibt es zuhauf:

oder begegnen wir nur einer Legitmination des

Think Tank, Kongress, Seminar, Sit-

Scheiterns?

zung. Der Wissenschaftssoziologe Max Weber schreibt dazu, Ideen kämen wohl kaum, wenn

Literatur, Kunst, aber auch Weltgeschichte sind

man sie dringend brauche und sie erzwänge,

eigentlich gespickt mit Idiotentypen. In der

sondern dann, wenn man sich treiben ließe,

Kunst heißen wir Idiotie willkommen, denn

wenn man entspanne, sich gehen ließe. Nun,

dort ist sie unterhaltsam. Niemand will »nor-

angesichts des Kreativdrucks unserer Zeit er-

male« Typen sehen. Wir wollen dort sehen,

liegen Ideen dem Problem, ein Bestandstück,

wie Idiotenideen mit der Welt kollidieren. Zum

ein Produkt zu sein, dass am besten auf Knopf-

Beispiel der Urvater der cineastischen Idiotie:

druck geliefert wird. Doch ein archetypischer

Charlie Chaplin in »Modern Times«. Ständig

Ideengeber tritt ikonengleich häufig immer

aneckend und mit den Weltumständen in Kon-

wieder auf den Plan: der Idiot und die Idiotie.

flikt stehend, sehen wir dort einen Idioten, der

Dies scheint ein Typus zu sein, dessen Naturell

zwar – wortwörtlich und bildlich – am Fließband

Gedanken beflügelt, Konventionen umgeht

scheitert, aber es am Ende durch

und die Welt entsäkularisiert. Im Folgenden

Ideenreichtum doch immer

versuche ich eine Ideengeschichte der Idiotie

wieder schafft. Der Idiot

anzureißen. Was ist das für ein Substrat, aus

zeichnet sich aus durch

dem mitunter weltverändernde Ideen hervor-

eine von der Außenwelt

20 | un-plaqued No 21


THEMA / idee

nicht zu erschütternde Hartnäckigkeit. Zwar er-

heit aus, die dort allzu oft der (russischen) Eti-

leidet er immer wieder Tiefschläge, doch unbe-

kette aufstößt und sie damit gleichzeitig als

irrbar an sich selbst glaubend, erhebt sich der

künstlich-formatiert entlarvt. Fürst Myschkin

Idiot aus jeder Niederlage.

glaubt dabei unverdrossen an das Gute in den

Donald Duck ist in seiner Idiotie nahezu unzer-

Mitmenschen, weshalb er von der Außenwelt

störbar, denn das Ideenrepertoire des impro-

ein als dummdreist empfundenes Verhalten an

visierenden Idioten scheint schier unerschöpf-

den Tag legt.

lich. Der Idiot bedient sich dabei so weise selbst

Ein anderes der Literatur entlehntes Idioten-

seiner spärlichen Mittel, dass man meine kön-

beispiel ist die Figur Tonio Kröger von Thomas

ne, er mache aus Scheiße Gold. Eine grundsätz-

Mann. Besonders interessant ist dort, dass der

liche Schamlosigkeit gegenüber bestehenden

Leser eine Genese der Idiotie kennenlernt, in-

Konventionen resultiert aus der unumstößli-

dem er innerlich mitverfolgen kann, wie der Idi-

chen Naivität des Idioten. Naivität ist in diesem

ot sich als Kind, als Heranwachsender, als Mann

Fall keineswegs so negativ konnotiert wie land-

entwickelt und denkt. Tonio ist ein fast nicht le-

läufig leider üblich, sondern eine kindliche Un-

bensfähiger Phantast und Träumer; Merkma-

voreingenommenheit, die den meisten durch

le, die wir jedem Idioten zuschreiben können.

übertriebene Weltzugewandtheit abhanden

Auch begegnet uns in dem Buch »Tonio Kröger«

gekommen ist. Der Idiot bedient sich aber ge-

ein der Titelfigur entgegengesetzter Anti-Idiot

nau dieser vertrauensseligen Naivität und er-

in Gestalt des gesellschaftlich formatierten und

hält sich damit einen infantilen Blick auf die

immer vorzeigbaren Hans Hansen, dessen Gang

Welt, der äußerst belebend und vorantreibend

immer ach so taktvoll und gleichmäßig ist, wäh-

wirkt. Denkgrenzen umgehende Indifferenz be-

rend Tonio dauernd wankt und schwankt.

fördert damit die fantasievollsten Ideen.

Eine cineastisch grandios inszenierte Idioten-

Der Idiot, den Dostojewski in seinem gleichna-

genese sehen wir in »Forrest Gump«. Dort

migen Roman beschreibt, zeichnet sich eben

wird die dummdreiste Naivität eines Idioten

durch jene debile Offenheit und Unbefangen-

in einer Figur deutlich, deren Reiz aber eben

un-plaqued No 21 | 21


THEMA / idee

gerade darin besteht, dass Forrest, obwohl offiziell diagnostiziert zurückgeblieben, durch seine Idioteneigenschaften Höchstleistungen in der anerkannten Konventionswelt der NichtIdioten, der »Normalen«, vollbringt und deren Sinnsysteme so bis zur Groteske karikiert und entlegitimiert. Der Idiot agiert direkt, ungekünstelt, unverstellt. Das Stigmata des Idioten ist es, den Zorn der Masse auf sich zu ziehen; zumindest zunächst. Denn es gibt genügend Beispiele, wie eine vermeintlich idiotische Idee verlacht, verbannt, verboten wurde, sich aber dann als weltbildverändernde Wahrheit herauskristallisierte: Kepler, Galilei, Columbus. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Donald Duck und Galileo Galilei; quasi eine Idiotenordnung. Idiotenordnungen Idioten könnte man in zwei große Idiotenkategorien einteilen: Idiot eins zeichnet sich dadurch aus, dass er beseelt, ja besessen von ein und derselben Idee ist, die er mit eben jenen 22 | un-plaqued No 21


THEMA / idee

aber mit etwas Glück auch lukrative Anerkennung Einzelner einbringt. Dagobert Duck füttert Donald Duck. beschriebenen Idiotenfähigkeiten entgegen allem Widerstand unnachgiebig verfolgt. Kei-

Die Kunstwelt als Herberge des idiotischen

ne Kirche, keine Könige können den Idioten, der

Scheiterns

eigentlich keiner ist, von seiner Idee abbringen.

Warum ist die Kunst voll mit Idiotie? Weil die

Galilei musste sich dem in seiner Zeit klerikal

Kunst eines der letzten Ressorts ist, in dem Idi-

verordneten ptolemäischen Weltbild unter-

otie willkommen ist; sei es als anschaulich-un-

werfen, das, samt Inquisition, in Wirklichkeit

terhaltendes Exempel der Idiotie in Form einer

die eigentliche Idiotie war.

irrsinnigen Person, der wir als mutlose »Nor-

Das Schicksal des zweiten Idiotentyps hinge-

malos« gerne zuschauen, oder aber der Künst-

gen ist stark abhängig von glücklichen Fügun-

ler und sein Produkt sind selbst beseelt von

gen oder einem erfreulichen Zufall. Oft ist er

den oben genannten Idiotenmerkmalen. Wenn

davon abhängig, dass ein Außenstehender sei-

Duchamp eine Kloschüssel ins Museum stellt,

ne Idiotenqualitäten erkennt und sie nutzbar

Pollock nur Farbspritzer auf die Leinwand

macht. Eichendorffs Taugenicht wird nur glück-

klatscht oder Jonathan Meese zu einer Diktatur

lich, weil er eine wohlwollende, ihn akzeptie-

der Kunst aufruft, dann sind dies Beispiele ei-

rende und in Watte packende Umgebung fin-

ner Idiotie, die nur von Kunst beherbergt wer-

det. Chaotisch, lustgeleitet und planlos durch

den können. Kunst ist eines der letzten Gebie-

die Welt schliddernd, ist der Idiotentyp zwei

te, die das Scheitern loben und feiern können.

nur begünstigt von seiner ästhetisierten, anti-

Wenn Charlie Chaplin in der gleichgeschal-

realistischen Weltwahrnehmung, die ihm zwar

teten, vollautomatisierten Industriewelt ver-

allzu oft den Zorn der philisterhaften Massen,

sagt und buchstäblich der Sand im (Zahnrad-) un-plaqued No 21 | 23


THEMA / idee

Getriebe ist, dann ist dies eine große Metapher

Eines ist jedoch allen Idioten gemeinsam: Ihr

gegen eine fehlerlos getaktete universelle Da-

Glück und Erfolg sind stark von Zufällen abhän-

seinsordnung, in der Andersartigkeit zum Aus-

gig. Um sich entfalten zu können, brauchen sie

sterben verdammt zu sein scheint. Die in der

ein passendes Umfeld, ein Gehege, indem sie

säkularisierten Welt gebrandmarkte, lächerli-

sich frei entfalten können; einen Gönner, der

che Idiotie kann sich jedoch in der Kunst positiv

die säkularen Probleme zugunsten des Ideen-

umkehren zu Genialität. Hier fließen, strömen

potenzials des Idioten auch finanziell löst, ja,

und katalysieren in totaler Freiheit alle Ideen

ihn sogar unterstützt. Denn wenn dem begab-

der vermeintlichen Idioten hin zu etwas von den

ten Idioten, dem Welt-Entfernten die Freiheit

Göttern Beflügeltem. Schiller sagte, die Kunst

gegeben wird, sich zu entfalten, dann sprießen

sei eine Tochter der Freiheit. Eben jene Freiheit

damit letztendlich auch sehr weltnahe Pflänz-

trägt der Idiot a priori schon in sich. Frei von Mo-

chen – in Form von Knete, Zaster, Cash, baby!

ralitäten, Konventionen, frei von Zeit und Mode.

Man muss dem Idioten nur ein Sprachrohr ge-

Frei von bestehenden Regeln und Weltgeset-

ben, eine Möglichkeit. Das Internet ist ein sol-

zen. Genau diese Freiheit ist das Substrat, aus

ches Sprachrohr, und es hat sich gezeigt, dass

dem der Idiot seine Ideen bezieht. Viele ideen-

die dortigen Idiotenideen von der Industrie

beflügelnde Strategien bemühen sich ange-

nicht erahnte Erfolge feierten. Fast panisch he-

strengt, verkrustete, unter Gleichschaltung lei-

chelt die Massenindustrie der Internetmas-

dende Konventionalität aufzubrechen, um die

se hinterher, immer auf der Suche nach neu-

Ideen wieder frei fließen zu lassen, um kindli-

en Möglichkeiten, die Kuh zu melken, bevor ein

che Naivität zu wecken, um Grenzen zu spren-

kleiner Idiot es tut. Und oftmals scheitert das

gen und neu zu denken.

Aufkaufen oder Nachahmen der Idiotenidee am Ende aufgrund mangelhafter Authentizität. //

Der Typ Drei Am Ende muss leider noch ein dritter Idiotentyp erwähnt werden. Denn wir dürfen keinesfalls all diejenigen Idioten vergessen, die leider tatsächlich in jeder Welt scheitern. Diejenigen, die es nicht schaffen, denen niemand zuhört, die keinen Gönner und keine Plattform haben. Sie bleiben trotz ihrer Ideen stumm und ungehört, arm und erfolglos.

24 | un-plaqued No 21


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RUBRIK //idee 1,2,3,4,5 idee

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Foto: Alexander Klebe

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Foto: Ingmar Dobberstein

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Fotos: Birgit KaulfuĂ&#x;

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Foto: Sebastian Szary un-plaqued No 21 | 33


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Foto: anna.k.o.

RUBRIK / idee


THEMA / idee

UNPLA QUE YOU RMIND Ein Interview über die Geschichte des UN-PLAQUED-Magazins FOTOS Birgit Kaulfuß · Alexander Klebe

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THEMA / idee

ist das UN-PLAQUED Magazin 20 Jahre alt geworden. Angesichts seiner Entstehung aus einem lokalen studentischen Uniblatt ist das durchaus beachtlich. Wir, die Redaktion, haben das Jubiläum zum Anlass genommen, unseren Chefredakteur und Ideengeber auszufragen. Ingmar Dobberstein ist gebürtiger Berliner, Zahnarzt, Chefredakteur des UN-PLAQUED-Magazins und Verleger des internationalen ALUMNI-Magazins sowie des BERLIN AKTUELL-Magazins des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte (Berlin). Als Gründungsmitglied des BdZA, Präsident von Young Dentists Worldwide und ehemaliges Mitglied des Berliner Kammervorstandes tourt er regelmäßig durch deutsche und internationale Landschaften, stets in der Mission, junge Zahnärzte und Zahnärztinnen zu mehr Eigeninitiative und politischer Mitarbeit zu motivieren. Mit Ingmar zu arbeiten bedeutet mitunter etwas Chaos, aber vor allem die Pflicht, Dinge und Themen zu hinterfragen und konstruktive Alternativen zu suchen.

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THEMA / idee

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THEMA / idee

UN-P: Bei all den Dingen, die dich offensichtlich interessieren, warum bist du überhaupt Zahnarzt geworden? Weil es ein toller Beruf ist. Ich wollte immer als Zahnarzt arbeiten und werde auch in Zukunft in der Praxis tätig sein. Ich empfinde viel Zufriedenheit und Dankbarkeit im Praxisalltag und finde, dass wir einen sehr positiven Einfluss auf Patienten haben können. Zudem bin ich als Kind zweier Zahnärzte sicherlich etwas in der Jugend geprägt worden, aber meine Eltern haben mir bezüglich der Berufswahl immer alle Freiheiten gelassen. UN-P: Hast du mal daran gedacht, Journalismus oder Publizistik zu studieren? Ursprünglich nicht, aber das ist wahrscheinlich eher die Schuld meiner Deutschlehrerin in der Schule. Sie hat es nicht geschafft, die Faszination für Sprache, die ich heute ganz enorm spüre, damals schon in mir auszulösen. Später, nachdem ich ein paar Magazine produziert hatte, war das Bedürfnis nach einem solchen Studium deutlich größer, aber es blieb neben der Arbeit keine Zeit mehr dafür. Heute bin ich diesbezüglich eher zwiegespalten. Manchmal ist es vielleicht ganz gut, nicht alle Regeln zu kennen, um sie so leichter brechen zu können. Dann kommt im Ergebnis auch mal etwas anderes als üblich raus. UN-P: Wie kam es zu deiner Tätigkeit als Verleger? Grundsätzlich gab es dafür nie einen Plan. Als ich 1997 mit dem Studium begann, wurde mir bewusst, dass Studenten nicht selten als notwendiges Übel an der Universität betrachtet werden. Das brachte mich schnell zur Fachschaft. Dort lernte ich Enrico Trilck kennen, der mir in kurzer Zeit das un-plaqued No 21 | 39


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Handwerkszeug für die Arbeit in der Studentenvertretung vermittelte. Er saß oft abends im Fachschaftsbüro und arbeitete an einem Magazin. Ich dachte nur: Den Stress wirst du dir gefälligst nicht antun! Damals entstand die sechste Ausgabe der UN-PLAQUED und nebenbei die erste im Vierfarbdruck. Enrico machte dann Examen, und das Magazin ruhte vor sich hin, bis wir 2001 die Bundesfachschaftstagung (BuFaTa) in Berlin organisierten. Da wir Berliner immer irgendetwas Besonderes machen mussten, gab es zu dieser Tagung erstmals T-Shirts für alle und anstelle einer Loseblattsammlung eben ein Magazin. Ich erinnerte mich an die UN-PLAQUED und beschloss, unsere 70-seitige BuFaTa-Broschüre auch so zu nennen. Wir haben eine Woche lang produziert, und ich hatte Blut geleckt. Da alles unter Zeitdruck entstanden ist, beschloss ich mit meinem Freund und Kommilitonen Hans-Christian Lux, eine weitere Ausgabe zu machen, mit mehr Recherche, in besserer Qualität und mit höherer Reichweite. Wir verbrachten dann die kompletten Wintersemesterferien damit, Anzeigenkunden zu suchen, ein Konzept zu erdenken und Themen zu recherchieren. 2002 erschien endlich unsere neuartige UNPLAQUED. Das war die Nummer acht zum Thema Zeit.

Weil es ein toller Beruf ist

UN-P: Der Ursprung des Magazins geht nicht auf dich zurück. Wie ist das Magazin denn entstanden? 1994 entstanden die ersten beiden Ausgaben. Zum einen war es die Neuauflage eines studentischen Magazins in Berlin, nachdem das vorherige, die 07, nicht mehr weitergeführt wurde. In dieser Zeit änderte sich aufgrund der ersten Fusion der Berliner Fakultäten für Zahnmedizin ohnehin viel in der Hochschullandschaft. Es bestand verstärkt Bedarf, die studentische Meinung öffentlich zu machen, damit sie überhaupt Gehör erhält. Zum anderen war es ein Versuch, wieder mehr Studenten für die Fachschaftsarbeit zu begeistern, da die kleine Truppe Aktiver auf das Examen hinsteuerte und befürchtete, dass ohne Nachwuchs viele Errungenschaften verloren gehen

würden. Was ich persönlich toll finde ist, dass die UNPLAQUED als »Garagenmagazin« entstanden ist und mit viel Herzblut von den Beteiligten gestaltet wurde. 40 | un-plaqued No 21


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THEMA / idee

Seit der ersten Ausgabe ist es ein Magazin, dass Diskussionen fรถrdert

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Foto: Alexander Klebe

THEMA / idee


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Die Texte wurden ausgedruckt, Bilder gesammelt, alles als Kopiervorlage zusammengeklebt und im Anschluss vervielfältigt. Federführend war damals vor allem Lukas Langstädtler, der bereits 1994 den Titel auch zum Konzept machte und sich nicht davor scheute, die Themen konstruktiv, aber eben auch sehr kritisch zu beleuchten. Seit der ersten Ausgabe ist es ein Magazin, dass Diskussionen nicht nur in der Zahnmedizin fördert, sondern auch in anderen Lebensbereichen über den Tellerrand hinausschauen will. UN-P: Unter deiner Leitung ist das Magazin 2005 erstmals in hoher Auflage deutschlandweit erschienen. Wie kam es zu diesem Exodus? In den Anfangsjahren veränderten sich die Gründe für eine Ausgabe mit jedem Jahr. Während meines Examens 2003 beschloss ich, dass unsere Fachschaftsarbeit in Berlin dokumentiert werden müsste. Wir hatten viele Veränderungen durchgesetzt, und auch ich befürchtete, das Erreichte könnte in Vergessenheit geraten, wenn ich es nicht aufschreibe. Jetzt saß ich abends im Fachschaftsbüro zwischen den Lernabenden und Prüfungen und produzierte die Nummer neun, eine Doppelausgabe mit 270 Seiten, erstmals im kleineren A5-Format. Das Hauptmagazin widmete sich dem Thema »Raum«, das Sonderheft erschien ohne Werbung und hatte ausschließlich unsere politische Arbeit zum Thema. Wir nannten es die »Neuordnung in der Zahnmedizin«. Nach dem Examen begann der Arbeitsalltag in der Praxis, und es war erstmal ganz viel anderes wichtig. Ende 2004 vermisste ich die Arbeit am Magazin so sehr, dass ich beschloss, alles noch einmal neu

Es ist uns wichtig, nicht nur zu meckern, sondern da anzusetzen, wo Alternativen existieren

anzugehen, ein deutschlandweit funktionierendes Konzept zu entwickeln, mit professioneller Grafik und der Geburtsstunde unseres UN-PLAQUEDZahnes. So entstand die zehnte Ausgabe zum Thema »Integration«.

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THEMA / idee

Veränderung kann nicht von auĂ&#x;en in ein System hineingetragen werden, sie muss letztlich von innen heraus entstehen 46 | un-plaqued No 21


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UN-P: Woher kamen die ganzen Inhalte? Das Netzwerk um die UN-PLAQUED wuchs, es kamen regelmäßige Autoren und Redakteure und damit auch mehr unterschiedliche Perspektiven dazu. Wir haben einige Jahre als studentisches Magazin weitergemacht. Unsere Themen und Artikel versuchten Probleme in der Ausbildung der Zahnmediziner zu erkennen, zu analysieren und konstruktive Vorschläge zu machen. Wir haben die Missstände sehr konkret benannt, was schon mal zu erhöhtem Blutdruck bei den Professoren führen konnte. Es ist uns allerdings wichtig, nicht nur zu meckern, sondern da anzusetzen, wo auch Alternativen existieren. Wir haben versucht, Fachschaften und Studenten an verschiedenen Standorten dabei zu unterstützen, ihre Ziele durchzusetzen. Da jeder Hochschullehrer ein Exemplar geschickt bekam, ob er / sie wollte oder nicht, konnten die Probleme nicht mehr im lokalen Alltag versickern. Wir haben erfahren, dass die Professoren sich auch darüber ausgetauscht haben, und konnten sicherlich hier und da einen Anstoß zu Verbesserung geben. UN-P: Warum richtet sich die UN-PLAQUED heute primär an Zahnärzte und Zahnärztinnen? Natürlich entfernten wir uns altersmäßig immer mehr von unserer Studentenzeit, unsere eigenen Themen wurden andere und die Fachschaften nicht unbedingt politischer. Irgendwann war ich es leid, bei den Unis nachzufragen, ob sie was stört oder was sie gerne verändern würden. Veränderung kann nicht von außen in ein System hineingetragen werden, sie muss letztlich von innen heraus entstehen. Diese Gedanken gingen mit der Gründung des BdZA einher, sodass wir in unserem Netzwerk junger Zahnärzte und Zahnärztinnen beschlossen, die UNPLAQUED als jungzahnärztliches Magazin weiterzuentwickeln. 2010 gründeten wir den Verlag, die UN-PLAQUED erhielt ein wesentliches Redesign mit neuen Rubriken, und wir begossen das anschließend in großer Runde mit der legendären »1. Alumni Nacht der Zahnmediziner« in der Münze in Berlin.

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THEMA / idee

UN-P: UN-PLAQUED hat immer ein nichtfachliches Thema und den Untertitel »Magazin für Mensch & Bildung«. Welche Gedanken steh­en dahinter? Die Themen und der Untertitel sagen viel über unsere Herangehensweise aus. Wir sprechen primär nicht den Zahnmediziner an, sondern den Menschen im Zahnmediziner. Das ist natürlich nicht trennbar, und doch mache ich hier einen Unterschied. Wir wissen, dass unsere fachlichen Entscheidungen ebenso wie Kaufentscheidungen, Strategien und Praxiskonzepte mit einer gehörigen Portion Emotionalität getätigt werden. In den Artikeln bemühen wir uns, diese menschliche Komponente herauszuarbeiten und lassen daher auch viele andere, berufsferne Leute zu Wort kommen. Da viele der Autoren auch Zahnärzte sind, sind uns die Herausforderungen und Probleme unseres Alltags bewusst. Vor diesem Hintergrund sowie aus dem aktuellen Zeitgeschehen heraus benennen wir die Themen. Dabei ist es wichtig, dass auch die berufsfernen Artikel am Ende auf die Zahnmedizin projizierbar sind. Das überlasse ich allerdings dem Leser. Über die Jahre hat sich herausgestellt, dass wir ein Magazin für die Menschen machen, die gerne lesen und denken. Das ist der Link zur Bildung im Untertitel. Wer keine Lust auf Inspiration oder Veränderung hat, wird kaum Freude an der UNPLAQUED haben. Dafür sind wir zu polarisierend und provokativ. Das ist auch der Grund, warum wir keinen Streuversand an alle Praxen in Deutschland machen. Das hätte uns zwar mehr Bekanntheit gegeben, aber ich weiß, wie mit ungefragt erhaltenen Magazinen in den Praxen umgegangen wird – sie werden

Wer keine Lust auf Inspiration oder Veränderung hat, wird auch keine Freude an der UN-PLAQUED haben 48 | un-plaqued No 21

ungesehen weggeschmissen. Dafür sind mir sowohl die Bäume, aber vor allem unser Herzblut und die Arbeit zu schade. UN-P: Apropos Bäume: Warum hältst du an der Produktion auf Papier fest, obwohl man heute leichter und günstiger Onlinemedien macht? Die hohe Wertigkeit der Produktion auf Papier ist für mich eine Hommage an das klassische Magazin, das meines Erachtens trotz steigender Online-Nutzerzahlen, seine Berechtigung nicht verloren hat. Aber


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ein gedrucktes Produkt sollte heute eben auch etwas Besonderes sein. Dafür sind nicht zuletzt auch unsere tollen Grafiker verantwortlich. Das Ziel ist es, eine Einheit aus Inhalt und Form zu finden, die jede Ausgabe mit einer gewissen Individualität versieht. UN-P: Wollt ihr um jeden Preis anders sein? Der Unterschied zu anderen Magazinen ist für uns ein Nebenthema. Definitiv sind knappe 80 Titel in der Zahnmedizin ausreichend für 60.000 Zahnärzte und Zahnärztinnen in Deutschland, vielleicht ja sogar ein, zwei zuviel. Ich habe mich durch die vorhandenen Medien oft nicht abgeholt gefühlt. Viele Informationen liest man doppelt und dreifach, vieles ist emotionslos geschrieben und versucht, es allen Lesern gerecht werden zu lassen. Ich glaube, da machen wir einen Unterschied, zumindest zeigt das auch das Feedback unserer Leser. Dabei geht es viel weniger darum, einfach nur anders zu sein, als vielmehr ein Magazin zu machen, dass uns selbst gut gefällt. Wir wollen exklusive Inhalte produzieren und können ja nicht alle Themen bespielen. Es bleibt also genug Raum für andere Magazine, spannenden Journalismus anzubieten. UN-P: Ist die Verlagsarbeit Ergänzung oder Abgrenzung von deiner zahnärztlichen Tätigkeit? Irgendwie ist es beides. Ich habe recht früh entschieden, nicht fünf Tage pro Woche am Behandlungsstuhl zu stehen. Die Arbeit an Magazinen unterscheidet sich natürlich sehr von der am Patienten, mein Gehirn wird anders gefordert, und das tut mir gut. Ich habe durch diese Arbeit definitiv mehr interessante Menschen getroffen, mehr Hintergründe erfahren und einen weiteren Blick erhalten, als ich es nur durch die Arbeit in der Praxis allein hätte erreichen können. Andererseits ergänzen all diese Erfahrungen auch meinen Blick in die eigene Praxis und bringen mich auf neue Ideen für die Patientenbehandlung oder das Praxismanagement. Grundsätzlich finde ich, dass es mehr schreibende Zahnmediziner geben sollte, weil wir einfach anders aus unserem Alltag berichten, als es die meisten Medizinjournalisten können. un-plaqued No 21 | 49


THEMA / idee

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Warum ist etwas so und nicht anders?

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THEMA / idee

UN-P: Was inspiriert dich? Woher kommen die Ideen? Zum einen halte ich mich für einen interessierten Menschen, der es auch gut findet, wenn andere tolle Ideen haben. Ich würde also sagen, dass ich inspirierbar bin. Da das Netzwerk über die Jahre ordentlich gewachsen ist, kommen immer wieder neue Einflüsse auf mich zu. Ich versuche mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und so wenig wie möglich für selbstverständlich zu nehmen. Oft frage ich mich: Warum ist etwas genau so und nicht anders? Dann beginnt der Denkprozess. Zum anderen habe ich seit meiner Schulzeit, aber vor allem während der Fachschaftsarbeit gelernt, dass man sein Umfeld verändern kann. Das habe ich dann auch immer wieder versucht, und so begann der Gestaltungsprozess. UN-P: Würdest du anderen Zahnmedizinern empfehlen, ihre Tätigkeit in der Praxis mit Kunst oder Kultur zu verbinden? Auf jeden Fall! Die Zahnmedizin bietet diesbezüglich viele Möglichkeiten, da in allen angrenzenden Bereichen fachliche Expertise gefragt ist und unser Beruf ohnehin viel mit Gestaltung und kreativen Prozessen zu tun hat. Außerdem finde ich, kann man sich in unserem Fach auch verlieren. Der Beruf kann im Verhältnis zum restlichen Leben schnell übermächtig werden – nicht umsonst redet man heute wieder vermehrt von Work-Life-Balance. Wir können unsere Behandlungs- und Praxissituation nicht losgelöst von der politisch-gesellschaftlichen

Wir können unsere Behandlungs- und Praxissituation nicht losgelöst von der politischgesellschaftlichen Entwicklung sehen

Entwicklung sehen, deshalb hilft ein gewisser Einblick in andere Bereiche, die eigene Situation zu reflektieren. Viele Zahnmediziner engagieren sich über den eigentlichen Beruf hinaus, arbeiten in Hilfsprojekten, regional oder international, machen Kunst oder Musik, engagieren sich in Vereinen oder in der Politik. Ich bin davon überzeugt, dass wir auch auf diese Weise und nicht nur durch die reine Patientenbehandlung etwas an die Gesellschaft zurückgeben können. Und ich weiß, dass man davon auch persönlich profitiert, vielleicht nicht in Form von Geld, dafür aber in Erfahrungen und Erlebnissen.

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THEMA / idee

UN-P: Hast du eine Lieblingsausgabe? Im Idealfall ist das immer die Ausgabe, an der ich gerade arbeite. Aber tatsächlich gibt es drei Ausgaben, die ich besonders gelungen finde, wahrscheinlich wegen der speziellen Harmonie zwischen Inhalt und Form. Das sind die Ausgabe Nr. 12 zum Thema Wahrnehmung, die Nr. 18 zum Thema Kommunikation und die letzte Ausgabe Nr. 20 zum Thema Leben. UN-P: Wie sieht die Zukunft der UN-PLAQUED aus? Das ist schwer zu sagen, aber auf jeden Fall hat sie eine Zukunft! Das Magazin wird sich immer weiter entwickeln, da wir glücklicherweise immer wieder neue Ideen haben. Wir ruhen uns da auf nichts aus. Dem Grundkonzept, exklusive und inhaltlich starke Berichte zu präsentieren, werden wir treu bleiben. Unserer direkten und unkonventionellen Sprachweise auch. Darüber hinaus möchte ich auch in Zukunft etwas zur Verbesserung unseres Berufes beitragen, und es würde mich freuen, wenn die UN-PLAQUED noch mehr Menschen dazu motiviert, positiven Einfluss auf den Alltag und ihr Umfeld zu nehmen. Denn auch dafür machen wir dieses Magazin: um wachen, aufmerksamen und mutigen Menschen und ihren Gedanken das entsprechende Forum zu geben. //

Es sollte mehr schreibende Zahnmediziner geben

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RUBRIK / idee

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THEMA / idee

Kreativität im Unternehmen Denkstrukturen durchbrechen und Raum für neue Ideen schaffen Text Karen Dobberstein

Top Down 54 | un-plaqued No 21

Bottom Up


THEMA / idee

Das Gleiche lässt uns in Ruhe, aber der Widerspruch ist es, der uns produktiv macht

Systeme organisieren sich selbst. Dazu gehören selbstverständlich Unternehmen aller Art. Je nachdem, welche Ebene betrachtet wird, ergeben sich verschiedene Wirkfaktoren und -zusammenhänge. Wie kann der Unternehmer diese Prozesse positiv beeinflussen, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen?

D

ie Lösung ist vielfältig und gleichzeitig

umgesetzt werden sollen. In Zeiten von multi-

so einfach und naheliegend. Die Men-

plem Management, Effizienzsteigerung und

schen, die im Unternehmen oder der

Rundumoptimierung verstehen nicht nur die

Praxis Tag für Tag arbeiten, kennen die Pros

Mitarbeiter, sondern auch mancher Kunde die

und Contras ihres Arbeitsbereiches am besten.

Optimierung der Veränderung eigentlich funk-

Sie halten Wissen in ihren Köpfen und Händen,

tionierender Prozesse schon lange nicht mehr.

welches für alle Beteiligten im Unternehmen und für die Kunden und Kooperationspartner

Unternehmensberatungen und Organisations-

zum Gewinn werden könnte, wenn es denn ge-

entwickler bieten viele Ideen und Methoden

nutzt werden würde.

an, um Prozesse im Unternehmen zu optimieren. Das gleiche Ziel verfolgt angeblich auch das

Menschen arbeiten verschieden. Das Gehirn ist

allgegenwärtige Qualitätsmanagement. Was in

ein Energie sparendes Organ, das versucht, mit

der Theorie noch toll klingt, findet in der Pra-

möglichst geringem kognitivem Aufwand das

xis den wahren Lehrmeister, denn ca. 75% der

angenehmste Ergebnis zu erzielen. Leider auch

neuinitiierten Projekte in Unternehmen schei-

auf Kosten anderer Faktoren (Mitarbeiterzu-

tern, während die Mitarbeiter die zeitrauben-

friedenheit, Gesundheit, Qualität). In manchen

den Neuerungen zusätzlich in ihren Arbeitsab-

Firmen wird primär Dienst nach Vorschrift er-

lauf integrieren müssen. Diese Art und Weise

wartet. Ideen sind nicht erwünscht. Das ist

der Ideenumsetzung im Unternehmen nennt

auch verständlich, wenn fast jeden Monat be-

man Top-Down, von oben nach unten. Die an-

reits von ganz oben neue Ideen eingeführt und

dere, oft vergessene Richtung des Ideenaus-

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THEMA / idee

tauschs heißt Bottom-Up und meint den Gedan-

bereitschaft, Offenheit für neue Erfahrungen,

kenfluss von unten nach oben. Denn kreative

sowie Selbstbewusstsein und aktives Problem-

Techniken, kreatives Arbeiten und somit auch

bewusstsein. Die damit einhergehende kogniti-

kreative Mitarbeiter bilden ein Arbeitsumfeld,

ve Flexibilität zeichnet sich durch mehrdimen-

das für Unternehmen, Mitarbeiter und Kunden

sionales Denken aus, gewohnte Denkmuster

ein gemeinsamer Gewinn sein kann, der sich

durchbrechen zu können, nicht gleich zu urtei-

nicht ausschließlich finanziell, sondern auch

len und komplizierte Sachverhalte zu verste-

auf emotionaler und sozialer Ebene auswirkt.

hen. Kreativität ist trainierbar, und mit einfachen Techniken lässt sich hier einiges anstoßen.

Es gibt Möglichkeiten und Wege, diese bewusste Kreativität herzustellen. Für den amerikani-

Zu den einfachsten und sehr effektiven Methoden zählen zum Bei-

Knowledge speaks, but wisdom listens

spiel Mitarbeiter- und Kundenbefragungen. Kundenspezifische Umfragen gehören eher zur Kategorie Beschwerdemanagement, Mitarbeiterbefragungen sind unter anderem Teil des Ideenmanagements. Die Nützlichkeit der Befragung wird hierbei vor allem durch Umfang und Art der Fragestellungen

schen Psychologen Mel Rhodos besteht Kreati-

beeinflusst. Gibt es offene oder geschlossene

vität aus vier Grundelementen: der kreativen

Antwortmöglichkeiten? Geht es um ein Stim-

Person, dem kreativen Prozess, dem kreativen

mungsbild im Unternehmen oder um spezifi-

Produkt und dem kreativen Umfeld (bzw. dem

sche Probleme? Ein positiver Nebeneffekt ist,

Problemlösungsdruck der Umwelt).

dass Menschen es meistens als Zeichen von

Eine Zahnarztpraxis ist demzufolge ein sehr

Wertschätzung sehen, wenn ihre Meinung und

kreatives Umfeld, da ein starker Problemlö-

ihre Einschätzung gefragt sind.

sungsdruck aus der Umwelt besteht. Neben den täglich neuen und vielseitigen, kreativ zu lö-

Im Besonderen ist der allgemeine Arbeits- und

senden Patientenfällen bereiten unzählige Ge-

Führungsstil von zentraler Bedeutung für das

sundheitsreformen und neuen Gesetze Verwir-

Ausschöpfen kreativer Potenziale. Von Mitar-

rung und Mehrarbeit für Arzt und Patient und

beitern, die durch einen cholerischen Chef ge-

natürlich auch für die Mitarbeiter. Hier ist täg-

stresst werden und in Angst versuchen, ihrer

lich kreatives Problemlösen gefragt.

anspruchsvollen Tätigkeit nachzugehen, kann man nicht viel Leistung erwarten. In jedem Be-

Was zeichnet eine kreative Person aus?

ruf ist ein Flow-Zustand möglich, in dem die

Forschungen identifizieren einige Persönlich-

Arbeit Spaß macht und leichter von der Hand

keitseigenschaften, die kreative Menschen aus-

geht und man »fließend« seine Aufgaben be-

zeichnen. Dazu gehört das Interesse an kompli-

wältigen kann. Merkmale des Arbeitsumfel-

zierten Fragestellungen, das Achten kultureller

des kreativer Menschen sind ein freundlicher,

Werte, Neugier, Ausdauer, Flexibilität, Risiko-

ermunternder Arbeitsstil, der selbstständiges

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THEMA / idee

Handeln möglich macht und Freiräume für Kreativität und Erholung lässt. Es geht um einen fördernden und motivierenden Umgang miteinander und mit sich selbst, der neue Ideen unterstützt und dies konstruktiv kommuniziert. Das klingt jetzt sehr theoretisch und ist sehr viel auf einmal. Vielleicht klingt es auch ein bisschen nach Kindererziehung, aber wer selbst Kinder hat, wird den Unterschied zwischen bestrafen, belohnen und ermuntern bzw. ermutigen kennen, und sei es auch nur intuitiv. Der Mensch will lernen und seinen Beitrag leisten, manchmal braucht er nur einen Anstoß in die richtige Richtung. Wie kann man einen kreativen Prozess unterstützen? Csikszentmihalyi (1996), der das Flow-Konzept ausführlicher beschrieb, unterteilt den kreativen Prozess in fünf Phasen: Vorbereitungsphase – Inkubationsbzw. Reifungsphase – Einsicht bzw. Aha-Erlebnis – Bewertung – Ausarbeitung. Ein ähnliches Modell des kreativen Denkens von Graham Wallas (1926) greift vier Phasen auf.

Es kommt nicht darauf an, wie eine Sache ist, es kommt darauf an, wie sie wirkt un-plaqued No 21 | 57


THEMA / idee

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Die Phase der Preparation (Vorbereitung): Das Problem wird als solches erkannt. Das Interesse und die Neugier an der Fragestellung sind wichtig, um überhaupt ein Problem als solches zu erkennen und weiterführend Informationen zu sammeln, die das Problem abgrenzen und definieren. Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, die individuell sehr verschieden sind, eine kreative Arbeitsatmosphäre zu kreieren. Das reicht von Frühsport, kernigem Müsli über autogenes Training oder Körperabklopfen bis hin zum Neu-Sortieren des Schreibtischs oder dem Aufund-Ab-Gehen im Raum. Augenübungen und kinesiologische Techniken helfen darüber hinaus, unsere Gehirnhälften zu synchronisieren, um fokussiert und kreativ arbeiten zu können. Die Phase der Inkubation (Reifung): Man glaubt, nie eine Lösung zu finden, und fühlt sich schlecht. Diese Phase der Ernüchterung, des Verzweifelns ist ein weiterer wichtiger Bestandteil eines kreativen Prozesses, da bestimmte Probleme eine hohe Komplexität mit sich bringen, die nicht schnell und ganzheitlich erkannt werden kann. Betrachtet man ein System auf verschiedenen Ebenen, weist es immer wieder unterschiedliche Merkmale auf, die vielfältig miteinander in Wechselwirkung treten. Die kurzfristige Distanz zu einem Problem eröffnet uns die Möglichkeit aus alten Denkmustern auszusteigen. Dabei werden die zuvor bewusst erworbenen Informationen auf unbewusster Ebene weiterverarbeitet.

Die Phase der Illumination (Geistesblitz): Der Lohn für all die Mühen. Auf der Suche nach einer Lösung nutzen wir alle Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen. Auf gehirnphysiologischer Ebene nutzen wir viele Assoziationen, die zusammen genommen dazu beitragen, solch ein Aha-Erlebnis zu erzeugen und somit wiederum neue Neuronenverbindungen zu schaffen. Oft gibt es ein einzelnes Puzzleteil in Form eines Wortes, eines Details oder im Verhalten einer Person, das solch ein Aha-Erlebnis auslösen kann.

Die Phase der Verifikation (Machbarkeit und Umsetzung): Die letzte Phase dient der Überprüfung der Lösungsansätze auf deren Machbarkeit. Im Projektmanagement wird häufig vor Beginn der Umsetzung der Entwurf der Entscheidungsebene präsentiert. Hierfür ist es wichtig, die Idee detailliert auszugestalten und über Funktion, Nutzen und Wert zu informieren. Je jungfräulicher eine Idee ist, desto empfindlicher ist sie gegenüber Zweifeln und Kritik. Diese Phase unterteilt Csikszentmihalyi in Bewertung und Ausarbeitung.

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THEMA / idee

Dieser kreative Prozess lässt sich mit Hilfe von Techniken anregen, herstellen und optimieren. Denken und Ideenfindung vollzieht sich im Verbinden und neuen Vernetzen vorhandener Informationen. Der Mensch erlebt einen permanenten Gedankenstrom über den ganzen Tag bis hin zum Schlaf. Dazu gehört der unbewusste Teil der Gedanken- und Erlebnisverarbeitung. Äußere Einflüsse, der externe Informationsstrom, Social Media und das Fernsehen erlauben durch seine Vehemenz und Absurdität, das eigene Denken zu unterbrechen, aber eigentlich sitzt da mindestens ein permanenter Kommentator in unserem Kopf. Das nennt man Assoziieren. Ein Gedanke führt zum nächsten und zum nächsten und so weiter. Doch auch diese Assoziationsketten sind steuerbar. Einerseits unbewusst durch bestimmte Denk- und Wahrnehmungsfilter, die wir im Verlauf unseres Lebens gelernt haben, und andererseits bewusst durch bestimmte Methodiken, wie die folgenden Kreativitätswerkzeuge zeigen. ABC-Listen (nach Vera F. Birkenbihl) sind ein sehr einfaches Werkzeug. Man nehme eine A4Seite und beschrifte den linken Rand untereinander von A bis Z. Dann gibt man ein Thema vor, und jeder sammelt in ein bis zwei Minuten so viele Begriffe wie möglich zu diesem Thema, wobei die Lösungen mit den jeweiligen Anfangsbuchstaben beginnen sollen. Die Reihenfolge ist egal, jeder nimmt die Buchstaben, zu denen einem was einfällt, und das, so oft man will. Lücken am Ende der zwei Minuten sind erlaubt. Die Technik kann vielfältige Anwendung finden, z.B. als Auflockerung oder Denkanstoß in einer Teamsitzung oder zum Praxistag. Das Thema kann problembezogen sein, z. B. „Wie können wir unsere Dokumentation optimieren, um besser abzurechnen?“ Oder es kann als Stärkung von Ressourcen genutzt werden, „Was läuft im Moment gut? Was wollen/sollten wir bewahren?“

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THEMA / idee

Brainstorming ist die vielleicht bekannteste

erlangen dadurch Impulse, das Problem zu lö-

Kreativitätstechnik. Der Begriff wird häufig ge-

sen. Die Personen nehmen dabei nacheinan-

nutzt, doch die Umsetzung variiert sehr stark.

der drei bzw. vier verschiedene Rollen ein, die

Mit den oben beschriebenen Merkmalen eines

durch beschriftete Zettel am Boden oder durch

kreativen Arbeitsstils allerdings kann Brain-

Stühle gekennzeichnet werden. Die erste Posi-

storming eine wahre Bereicherung sein.

tion ist der Träumer, der frei assoziierend alle

Optimal ist eine Gruppe aus fünf bis sieben Per-

Ideen ausspricht, die ihm in den Sinn kommen,

sonen, die Experten für das Fachgebiet sind, z.

ungeachtet möglicher Umsetzungsschwierig-

B. die Mitarbeiter. Ein Moderator stellt das Pro-

keiten. Auf der zweiten Position nimmt die Per-

blem dar und zeigt Anschauungsmaterial, das

son einen praktisch denkenden Standpunkt ein

Problem wird dadurch analysiert und konkre-

und wird zum Macher, zum Realisten oder Re-

tisiert. Dann tragen die Teilnehmer alle Ideen

alisierer. Hierbei geht es um die konkrete Um-

für eine Lösung zusammen, jeder darf seine Ein-

setzung der Ideen, Arbeitsschritte, Bedingun-

fälle äußern unter Berücksichtigung der folgen-

gen, etc. Der Kritiker als dritte Position prüft

den vier Grundregeln:

das Vorhaben und spricht Bedenken aus, wobei

1. Das Kombinieren und Aufgreifen von bereits

es um konstruktive Kritik geht, die hilft, mögli-

geäußerten Ideen ist erlaubt und gewünscht. 2.

che Fehler zu bemerken und bestenfalls zu ver-

Kommentare, Korrekturen und Kritik sind ver-

meiden. Günstig wäre auch eine vierte, neutra-

boten. 3. Viele Ideen werden in kürzester Zeit

le Position (Meta-Ebene), die als Beobachter des

gesammelt (Zeitrahmen ca. 5–30 min). 4. Frei-

kreativen Prozesses agiert. Es erfolgt ein Wech-

es Assoziieren und Phantasieren sind erlaubt.

sel dieser Rollen, die sich immer wieder austau-

Ein Protokollant oder der Moderator sammelt

schen bis ein ausreichend guter Entwicklungs-

die Ideen schriftlich. In einem weiteren Schritt

stand erreicht wurde.

werden die gesammelten Ergebnisse sortiert und ausgewertet. Das kann in der ursprüngli-

Der Gewinn eines Unternehmens misst sich

chen Gruppe oder durch andere Experten ge-

nicht nur in Geld. Er misst sich daran, wie zufrie-

schehen.

den die Mitarbeiter mit ihrer Arbeit sind und wie sie dieses Gefühl nach außen transportie-

Die Walt-Disney-Strategie ist eine beliebte

ren. Er misst sich daran, wie häufig Krankmel-

Coaching-Technik, die mit Einzelpersonen und

dungen und Fehltage vorkommen. Der Erfolg

in der Gruppe Anwendung finden kann. Bei die-

eines Unternehmens spiegelt sich in der Au-

ser Kreativitätsmethode erleben ein oder meh-

ßenwirkung bei den Kunden wider. Eine Marke

rere Personen mit Hilfe eines Rollenspiels ein

kann einen noch so tollen Namen haben, wenn

Problem aus verschiedenen Perspektiven und

ich als Kunde an einen schlechten Vertreter

If you can dream it, you can do it 60 | un-plaqued No 21


THEMA / idee

Es gibt nur einen Weg, Fehler zu vermeiden: Keine Ideen mehr zu haben!

Albert Einstein derselben Marke gelange, assoziiere ich das sofort mit dem Unternehmen. Kreative Pause Menschen funktionieren nicht nur, sie wollen sich weiterentwickeln. Selbstverwirklichung, Zugehörigkeit und Verbundenheit sind zentrale menschliche Bedürfnisse, die vernachlässigt werden, wenn existenzielle Ängste, berufliche oder familiäre Sorgen akuten und chronischen Stress auslösen. Eine kreative Pause oder einfach eine erholsame Pause sind für unser Wohlbefinden und unsere Leistungsfähigkeit unerlässlich. Wie neue Kräfte gesammelt werden, verläuft sehr individuell: Für manche ist es ein leckeres Essen, für andere ein Spaziergang an der frischen Luft, eine Kurzmeditation oder ein Power-Nap. Darüber hinaus kann auch Life- und Business-Coaching ein wirksames Mittel sein, mehr Wohlbefinden, Leistungsfähigkeit und Kreativität zu erleben. Wie auch immer Ihr eure Zeit gestaltet, ich wünsche euch frohes, kreatives Schaffen und erholsame Schaffenspausen! //

un-plaqued No 21 | 61


THEMA / idee

ScheiSSidee, eigentlich! Text Ronny Schlömer, Ideengeber und für Hipster zu alt

E

s gibt eine Unmenge an Ideen, die gehen

Der Künstler machte sich nicht mal die Mühe,

leider gar nicht. Tausendfach begegnen

die Stromkabel zu verstecken. Was die Idee da-

sie einem, und keiner sagt mal ehrlich,

hinter war, blieb mir schleierhaft. Mittlerweile

dass es so einfach nicht geht. Alle üben sich in

ist der Schwan in der Tonne und hat den Kampf

Toleranz, jede Idee muss akzeptiert und ange-

gegen die Krankheit verloren.

nommen werden. Nee, muss se eben nicht! Ge-

Im Alltag sieht man auch immer schöne Ideen.

rade in Berlin darf jeder seine Ideen und Ge-

Die sind allerdings optischer Natur und basie-

danken verwirklichen, egal wie scheiße sie

ren auf ... ja, ich weiß es nicht! So mag ich die

auch sein mögen. Diese ganzen selbst ernann-

Verjüngungsideen einiger Männer besonders,

ten Künstler (in Wirklichkeit Hartz4, hört sich

wenn sie mit Mitte 50 gegen den erblich beding-

aber irgendwie unhip an), die denken, sie

ten Haarausfall ankämpfen. Man könnte mei-

müssten dringend z.B. eine Kunstinstallation

nen, eine Glatze wäre die bessere Wahl gewe-

erschaffen.

sen. Da der Haar-überkämmen-Klassiker eher out ist, kann man sich die ersten grauen Haare

Als ich neulich in Kreuzberg unterwegs war, ent-

ja schwarz färben. Passt besonders gut zu rei-

deckte ich in einer Galerie einen Pappmaché-

fen Gesichtern. Gerne auch die Variante »blon-

Schwan, der dank Strom seinen Kopf zitternd

de Strähnen, damit man die Kopfhaut nicht so

hin und her bewegen konnte. Genial, Parkin-

durchschimmern sieht«. Sieht man trotzdem,

son ist nun auch im Tierreich angekommen.

also Scheißidee!

62 | un-plaqued No 21


THEMA / idee

Eine Bekannte von mir hatte die Idee, Postkar-

Austern gegessen? Da kann man auch getrost

ten designen zu müssen. Leider sind die Moti-

in eine kleine Schale spucken und Salz drüber

ve todlangweilig und die Qualität entsprechend

streuen ... Dann hätte man zwar ein Lebewesen

schlecht. Keiner traut sich, es ihr zu sagen. Da

verschont, würde aber als Megaumweltaktivist

muss wohl der Ronny mal wieder ran. Was soll

die noble Party sprengen! Schnecken essen ist

man sonst tun? Sie in dieser Idee unterstützen?

ähnlich. Jeder der Verzehrenden schwärmt an-

Wo soll das hinführen? Wir haben doch genug

schließend, allerdings nicht vom gekrümmten

Altpapier in Deutschland.

Schleim, den man »stylish« aus dem formschönen Schneckenhäuschen zieht, sondern von der

Jeder von uns hatte doch mal die Idee, Sex am

Kräuterbutter. Ja natürlich, die war aber auch

Strand zu haben. Es ist sooo romantisch, man

köstlich. Schleimidee!

liegt im warmen Sand, hört das Wellenrauschen und man dringt ... <piep> schon falsch!

Und ja, ihr Hipster, jetzt seid ihr dran mit euren

Der Sand ist nachts kalt und feucht, das salzig

spitzen Stylingideen. Naja, eigentlich sind es

schwappende Meer macht die Sache nicht bes-

nicht eure Ideen, sondern die von tausend an-

ser, und Sand ist wirklich in jedem Loch. Lecker.

deren Hipstern, die sich absolut identisch an-

Eine romantische Idee, die absolut nichts taugt!

ziehen. Billige bunte Ray-Ban-Kopie im Gesicht,

Die Idee, alles auf dieser Welt verzehren zu

knappe Shorts an dünnen Beinchen, weit aus-

müssen, ist auch diskussionswürdig. Schon mal

geschnittene Tops, aus denen hier und da ein

un-plaqued No 21 | 63


THEMA / idee

Hühnerbrüstchen rauslugt, und natürlich der

besten Familien vor. Garnieren wir doch derzeit

extrem trendige Jutebeutel, der mit verrück-

(wer weiß, was demnächst wieder angesagt ist)

ten Messages gebrandet ist und der dem jewei-

gerne den Satzanfang mit »ganz ehrlich«, um

ligen Besitzer noch mal eine ganz eigene Per-

die nachfolgende Info aufzuwerten und das

sönlichkeit verleiht. Dazu dürfen natürlich auch

Ganze etwas dramatischer zu gestalten. Auch

die obligatorischen alten Peugeot-Rennräder

wenn’s ‘ne Lüge ist, ein »ganz ehrlich« muss

nicht fehlen, gerne ohne Schaltung (Reparatur

den Anfang machen. Wer hat nur angefangen,

zu teuer!), und schon hat man auch ein Single-

das Wort »unfassbar« trendy zu machen? Ich

Speed-Bike. Davon begleitet, dass sie nachts

glaube Sarah Kuttner wars, aber ich liebe sie

ohne Licht unterwegs sind, sich dann aber dar-

trotzdem! Jede noch so langweilige Info wird

über beschweren, wenn sie fast über den Hau-

mit diesem Wort bestückt und somit zu ‘ner

fen gefahren werden. Gepaart wird das Gan-

Topnews gemacht.

ze noch mit überdimensionalen Kopfhörern,

Ich für meine unfassbare Person mache ja jetzt

gerne auch bei Glatzköpfen, damit das fehlen-

auf Künstler in Fotografie. Ganz ehrlich, ob das

de Haupthaar und die Glatze etwas jugendli-

‘ne gute Idee war, wird sich spätestens zeigen,

cher gestaltet werden können. Jeder, der die-

wenn ich auf den Bildern sitzen bleibe. Aber

se Kopfhöreridee selbst ausprobiert hat, weiß,

bis dahin habe ich blonde Strähnchen auf we-

wie sehr man darunter schwitzt. Ach, Hipster

nig Deckhaar und besaufe mich auf meinen ei-

sein, ist auch ‘ne Scheißidee!

gens inszenierten Vernissagen und mache auf unnahbaren Künstler. Tolle Idee, eigentlich! //

Die Idee, sich verbal durch gewisse sprachliche Attitüden interessant zu machen, kommt in den

64 | un-plaqued No 21


www.daisy.de


RUBRIK//idee THEMA idee

66 | un-plaqued No 21


RUBRIK THEMA / idee

Fürchte

Dich

nicht!

TEXT Markus Franz · FOTOS Hanna Buttenberg · Markus Franz

Was für eine Schnapsidee: Als 51-Jähriger mit dem Fahrrad in Ruanda herumzufahren, dem Land der 1.000 Hügel, durchschnittlich auf 1.700 Meter Höhe gelegen, mit großer Distanz zwischen Orten, mit zum Teil schlechten Straßen – eigentlich viel zu anstrengend. Ein Land, in dem 1994 innerhalb von drei Monaten rund 800.000 Menschen ermordet wurden. Einem Land, auf das aus dem benachbarten Kongo immer wieder Granaten geschossen werden. Ins Nachbarland Burundi will ich auch, eines der fünf ärmsten Länder der Welt und ebenso wie Ruanda von Genoziden geplagt. un-plaqued No 21 | 67


THEMA / idee

W

as für eine tolle Idee: mit 51 Jahren

Vor zehn Jahren stand ich schon einmal vor der

noch mal das Abenteuer suchen und

Entscheidung, eine Radtour nach Afrika zu ma-

in Ruanda Fahrrad fahren. Ewig

chen. Ich war arbeitslos, wollte unbedingt mit

kann ich das nicht mehr machen; ich merke

dem Rad nach Kenia und Tansania und den Ki-

schon beim Fußball, dass die Kräfte langsam

limandscharo besteigen. Kurz vor Reisebeginn

nachlassen. Wann also, wenn nicht jetzt? Es ist

bekam ich das Angebot, Politikchef einer über-

zwar arg hügelig dort, aber die Straßenver-

regionalen Tageszeitung zu werden. Ich lehn-

hältnisse sind besser als in den meisten ande-

te ab. Weil ich diese Tour machen wollte. Zum

ren afrikanischen Staaten, und das Land ist so

Glück.

dicht besiedelt, dass es überall Menschen gibt,

Die damalige zweimonatige Radreise wirkt

die einem weiterhelfen können. Kigali ist dem

bis heute positiv nach. Sie hat mein Grundver-

Vernehmen nach die sicherste Hauptstadt

trauen in die Menschen erhöht. Schutzlos fuhr

Wann also, wenn nicht jetzt?

ich durch einsamste Gegenden, und fühlte mich nur zweimal bedroht.

Afrikas und das Herumreisen offenbar unge-

Passiert ist mir nichts. Überglücklich kam ich

fährlich. Dass vor Kurzem noch Granaten auf

nach Hause zurück, stolz und um unvergessli-

die Grenzstadt Gisenyi gefallen sind, hat mich

che Eindrücke bereichert.

beunruhigt, aber inzwischen ist die dafür verantwortliche

Kongo

Reicht das nicht? Zumal ich ja schon mit dem

(»M23«) besiegt. Außerdem muss ich da ja

Rebellentruppe

im

Rad in Südafrika war, in Marokko und vielen

nicht hin, wenn ich vor Ort erfahre, dass es noch

anderen Ländern? Mag sein. Aber ist es wirk-

gefährlich ist. Zudem scheint Ruanda relativ zi-

lich ratsam, sich auf Erreichtem auszuruhen?

vilisiert zu sein. Plastiktüten sind dort verbo-

Sagt nicht Hermann Hesse in seinem Gedicht

ten, Autos müssen regelmäßig zum TÜV, und

»Stufen« zu Recht: »... Kaum sind wir heimisch

Fahrzeuge, die vor 1996 gebaut worden sind,

einem Lebenskreise und traulich eingewohnt,

dürfen nicht mehr gefahren werden. Auch Te-

so droht Erschlaffen. Nur wer bereit zu Auf-

lefonieren am Steuer wird hier streng bestraft.

bruch ist und Reise mag lähmender Gewöhnung

sich entraffen ... «.

Dann ist da natürlich die herrliche Land-

schaft, eine der schönsten Ostafrikas. Und vor

Manchem werden diese Worte nichts bedeu-

allem: Ruanda ist neben Uganda und dem Kon-

ten. Mir schon. Sie passen zwar nicht wirklich

go eins von drei Ländern, in denen die vom Aus-

auf meine aktuelle Situation und haben noch

sterben bedrohten Berggorillas leben.

nie gepasst, da von Gewöhnung und Erschlaf-

Was Burundi angeht, ist es doch super interes-

fen niemals die Rede sein konnte, aber ich neh-

sant, vor Ort zu sehen, wie unterschiedlich sich

me nicht den Wortlaut des Gedichtes ernst, son-

diese beiden kleinen Nachbarländer entwi-

dern dessen Geist. Und der sagt: Du musst was

ckeln. Mich interessiert, wie beide mit der Ver-

tun für dein Glück.

arbeitung von Genoziden umgehen. Natürlich werde ich darauf in knapp drei Wo-

Mir nützt es eben nichts zu sparen, es befrie-

chen keine abschließende Antwort erhalten,

digt mich nicht, so bin ich halt. Ich investiere

aber als Radfahrer erfährt man von Land und

lieber in Erinnerungen, die ich abrufen kann,

Leuten mehr als normale Touristen. Man wird

wenn ich in der Sauna sitze, in der Badewan-

mehr respektiert und freundlicher behandelt.

ne oder in der Sonne. Meine Erinnerungen

68 | un-plaqued No 21


RUBRIK THEMA / idee

kann mir niemand nehmen. Aber ab und zu

tiefer als die ruandische Hauptstadt Kigali und

muss ich mein Konto auffüllen, damit ich mich

ist daher deutlich wärmer. Erklärt das allein

nicht wie ein Kriegsveteran fühle, der von lang

schon manche Unterschiede?

vergangenen Heldentaten schwärmt.

Die Menschen in beiden Ländern sind sich nicht nur ähnlich, sie gehören zum selben Menschen-

Ich fühle mich sehr lebendig. Ich bin aufge-

schlag. Sie sprechen dieselbe Sprache, beten zu

regt, gespannt, freudig erregt. Natürlich habe

den selben Göttern, gleichen sich äußerlich und

ich auch ein bisschen Schiss, aber das ist gut so,

verhalten sich ähnlich. Als Radfahrer kann man

denn es veranlasst mich, entgegen meiner Na-

das vielleicht besonders gut beurteilen, denn

tur, mehr zu planen als sonst. Ich nehme sogar

jeden Tag begegnen einem hunderte Men-

für alle Fälle ein Handy mit – und das wäre unter

schen mit all ihren Emotionen. Der weiße Rad-

Ich zahle auf mein Erinnerungskonto ein

fahrer fällt auf. Also reagiert man auf ihn: herzlich, abweisend, neugierig, erschrocken, aufdringlich, wohlmeinend, fordernd, respektvoll. Ein alter Mann faltet die Hände zum Gebet und macht die Andeutung einer Verbeugung. In ab-

normalen Umständen wirklich das Letzte, was

gelegenen Gegenden fangen kleine Kinder vor

ich tun wollte. Denn auch darin besteht ja der

Schreck an zu weinen. Ein Junge ruft: »I love

Reiz einer solchen Reise: Sich voll einzulassen.

you.« Viele heben ihren Daumen. Die meisten

Mal völlig abzutauchen.

sagen »good morning«. Und die Frauen ma-

Ich bin sicher, meine Idee ist gut. Wenn etwas

chen sich meistens lustig über mich, ihr glo-

schiefgeht – an der Idee liegt es nicht. Am ris-

ckenhelles Lachen schallt mir noch lange nach.

kantesten ist es, überhaupt keine Ideen zu ha-

Die Herzlichkeit nimmt zu, wenn ich mit Gepäck

ben. Ich sage mir: »Fürchte Dich nicht« und ma-

unterwegs bin. Und erst recht, wenn ich zuerst

che mich auf die Reise.

freundlich grüße. Das öffnet selbst versteinerte Gesichter. Ich merke: Viele rechnen nicht damit,

Ruanda und Burundi ähneln sich landschaft-

dass ich, der Weiße, freundlich bin. Wenn ich es

lich sehr. Über beide Länder schwappen Hü-

bin, wenn ich sie anlächele, dann lächeln sie er-

gelketten wie Wellen übers Meer. Die burun-

leichtert und anerkennend zurück. In Südafri-

dische Hauptstadt Bujumbura liegt 600 Meter

ka war es noch extremer. Da traute sich kaum un-plaqued No 21 | 69


THEMA / idee

jemand, mich zu grüßen. Was wir Weißen den

Fahrer mich seinerseits überholt hatte. In Tan-

Afrikanern über Jahrhunderte angetan haben,

sania, einem ehemaligen sozialistischen Land,

man merkt es an solchen alltäglichen Begegnun-

passierte das nur selten. In Südafrika gar nicht.

gen auf dem Rad.

In Ruanda, stelle ich fest, nehmen relativ viele den Wettkampf auf. Allerdings nicht mit die-

Worauf ich besonders gespannt war: Werden

sem glücksstrahlenden Lächeln, sondern eher

die Radfahrer in Ruanda und Burundi versu-

betont gleichgültig. In Burundi ist es ebenso.

chen, mich einzuholen, wenn ich sie überholt habe? Sind sie, so interpretiere ich es, Wettbe-

Die Reaktionen und Emotionen der Menschen

werber? So war es zum Beispiel in Kenia. Kaum

in Ruanda und Burundi unterscheiden sich

Am riskantesten ist es, überhaupt keine Ideen zu haben

für mich nicht. Und auch nicht ihre Strebsamkeit. Schon morgens um fünf ergießt sich in beiden Ländern ein unablässiger Strom von Frauen und Männern entlang der Straßen. Sie tragen Schüsseln mit Essbarem auf den

hatte ich einen Einheimischen überholt, hörte

Köpfen oder Baumaterialien, schnaufen mit

ich kurz danach angestrengtes Schnaufen und

gefährlich schwer beladenen Rädern die Hügel

erntete ein glücksstrahlendes Gesicht, wenn der

hoch und rackern unermüdlich in den Feldern.

70 | un-plaqued No 21


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RUBRIK//idee THEMA idee

72 | un-plaqued No 21


THEMA / idee

Trotzdem führt die Reise von Ruanda nach Bu-

trotz des riesigen Taganjikasees auch so wenig

rundi nicht nur etliche hundert Meter bergab,

Fisch zu kaufen. Denn der muss gekühlt wer-

sondern führt auch den wirtschaftlichen und

den, und zum Kühlen braucht man Strom. In

sozialen Abstieg vor Augen.

Ruanda dagegen sprießen überall neue Strom-

Laut Statistik steht Burundi im Welthungerin-

masten aus dem Boden und auch Lampen ent-

dex an letzter Stelle von 78 Ländern, Ruanda

lang der großen Straßen.

an 48. Stelle. Das passt zu dem, was ich auf der

In Ruanda sind die Hauptverkehrsstraßen

Straße sehe.

durchweg asphaltiert. Gefahrlos kann man mit

Kaum überquere ich die Grenze nach Burun-

dem Rad die steilsten Abhänge hinuntersau-

di, fallen mir viele Menschen mit nackten Fü-

sen. Etwa 30 Kilometer lang reicht der makel-

ßen auf. Auch in Ruanda laufen Menschen bar-

lose Asphalt auch nach Burundi herein, dann

fuß, aber eher selten; es ist verpönt. Wer dort

jedoch verwandelt sich die Strecke zur burun-

mit nackten Füßen aufs Amt geht, wird nicht

dischen Hauptstadt Bujumbura zur Holperstre-

bedient.

cke. »Afrikanische Massage«, sagen die Einhei-

Auf einmal sind die Läden am Straßenrand

mischen dazu.

nicht mehr aus Stein, wie in Ruanda, sondern aus Brettern. Erst recht sind sie nicht rot oder

In Bujumbura stinkt die Luft, drückt das Blei

blau oder gelb angestrichen in den Farben der

auf die Lungen, zwingt einen die Hektik zu

ruandischen Mobilfunkanbieter. Die Wohn-

großer Konzentration, ganz anders als in Ruan-

häuser in Burundi sind häufig aus Lehm, und

das Hauptstadt Kigali, in der es ruhig und ge-

neue feuerfeste, dichte Dächer, wie sie in Ru-

sittet zugeht, wo man als Radfahrer entspannt

Was wir WeiSSen den Afrikanern angetan haBEN, merkt man bei alltäglichen Begegnungen

durch die Straßen fährt, immer einen schönen Blick vor Augen. Auch die Hotels könnten unterschiedlicher nicht sein: In Ruanda gibt es Weltklassehotels: geschmackvoll,

anda neuerdings überall zu sehen sind, haben

stilvoll, ökologisch. Mittelklassehotels sind hier

sie schon gar nicht. In Burundi werden die Häu-

schöner als Spitzenhotels in Deutschland und

ser noch häufig mit Bananenblättern gedeckt,

erst recht den USA. In einem Hotel für 70 Euro

die leicht entflammbar sind und ein ganzes Dorf

pro Nacht, dem Top View Hotel im Regenwald

entzünden können. In Ruanda besteht die Re-

Nyungwe, mit atemberaubender Rundumsicht

gierung auf neue Dächer, und so sehen manche

auf Hügel, Täler, Berge, Seen und Teeplanta-

Orte aus wie in Ostdeutschland nach der Wen-

gen, hat jeder Gast sein eigenes Gästehaus. Fri-

de, als überall neue Dächer in der Sonne fun-

sche, wohlriechende Orchideen stehen im Ba-

kelten. Wer sich kein neues Dach leisten kann,

dezimmer, abends zündet jemand das Feuer im

wird vom Staat unterstützt.

Kamin an und wenn man nachts unter die Decke schlüpft, liegen da zwei Wärmflaschen. Da

Stromleitungen sieht man in Burundi eher sel-

kann das beste Hotel Burundis nicht mithal-

ten. Angeblich sind nur 2 % aller burundischen

ten, ein Viersternehotel, das trotz seines gro-

Haushalte mit Strom versorgt. Deshalb gibt es

ßen Pools und seiner tollen Strandlage eher un-plaqued No 21 | 73


THEMA / idee

schmuddelig wirkt. Und die vorwiegend wei-

Frage, wo ich beruhigter mein Fahrrad unabge-

ßen Gäste benehmen sich entsprechend.

schlossen stehen lassen würde. Selbstverständ-

In Bujumbura fahre ich an sehr viel Stachel-

lich in Ruanda.

draht vorbei, insbesondere auf dem Weg zu dem besagten Viersternehotel, das sehr schön

In beiden Ländern stößt man auf viele Polizis-

am Strand liegt. In Kigali sehe ich kein Fitzelchen

ten. In Ruanda fragt man sie nach dem Weg.

Stacheldraht. Ich soll in Burundi auch nachts

In Burundi verlangen sie den Ausweis von mir.

Ich würde Lieber Nachts in Ruanda ausgesetzt werden als in Berlin

Auf den 90 Kilometern von der Grenze nach Bujumbura gibt es vier Straßensperren. Auch ich werde angehalten, muss meine Papiere zeigen. Schnell bildet sich immer eine Menschenmenge um uns herum, sodass

nicht auf die Straße gehen, warnt mich die deut-

ich nichts befürchte. Ein Polizist bittet mich um

sche Botschaft, und in meinem Hotel werde ich

Wasser aus meiner Trinkflasche.

vom Wachpersonal zurückgepfiffen, als ich bei

In Ruanda kommt niemand auf die Idee, mich

Einbruch der Dunkelheit zum Strand will. Das

um Wasser oder Essen zu bitten. Obwohl auch

kann aber auch an den Hippos liegen, die dort

da Menschen Hunger leiden. In einem Fischerort

herumlaufen. In Ruanda ist es dagegen kein

bei Rubavu (früher Gisenyi) am Lake Kivu sehe

Problem, nachts unterwegs zu sein. Wenn ich

ich, dass die Fischer, die jeden Tag von abends

entscheiden müsste, wo ich gegen Mitternacht

sechs bis morgens um acht auf dem Wasser sind,

ausgesetzt werden wollte, irgendwo in Ruan-

alle zu weite Hosen tragen. Immerzu ziehen sie

da oder irgendwo in Berlin – ich würde mich für

ihre Hosen hoch, unter denen die Unterhosen

Ruanda entscheiden. Das gilt erst recht für die

zu sehen sind. Erst denke ich, das sei die lokale

74 | un-plaqued No 21


RUBRIK THEMA / idee

Mode, aber dann wird mir klar: Die Hosen sind

In Burundi dagegen bitten mich auch Erwachse-

gespendet, und so dünn wie die Fischer hier sind

ne um Geld. Und um Essen und Trinken. Das ist

im Westen nur Menschen mit Bulimie.

bitterernst. Laut Statistik leiden hier 60 % der Menschen an Hunger. Was das bedeutet, erlebe

In Ruanda rufen mir Kinder häufig »money«

ich, wenn ich eine Pause mache. Flehentlich zei-

zu, aber wenn ich sie daraufhin breit anlächele,

gen vor allem Kinder auf meine Trinkflaschen.

um damit zu sagen: »Ey, das glaubst Du doch

Es geht mir durch Mark und Bein. Und wenn ich

nicht im Ernst«, dann lächeln sie einverstan-

ihnen meine Flasche gebe, teilen sie das Wasser

den zurück. Sie sagen es eher wie einen Gruß

in kleine Schlucke auf. Auch ein Croissant vom

als ernst gemeint. Und wenn Erwachsene das

Frühstücksbuffet wird so klein zerteilt, dass

mitkriegen, dann gibt’s sogar mal eins hin-

niemand wirklich etwas davon hat. Aber Tei-

ter die Ohren. In Ruanda weisen viele Erwach-

len ist hier nun mal eine Selbstverständlichkeit.

sene ihre Kinder sogar zurecht, wenn die mir »Mzungo« (Weißer) entgegenrufen. Und wer

Inmitten von so viel aktuellem Elend verges-

auf steilen Auffahrten länger hinter mir her

se ich völlig, dass es Tutsi gibt und Hutu und

rennt oder mich mit dem Fahrrad länger be-

verliere mein Interesse an den Völkermorden.

gleitet, wird häufig verspottet, zum Beispiel

In Ruanda war das noch anders. Da stößt man

als »poacher«, also als Wilderer. Denn es wird

auch ständig auf die Geschichte, ganz anders als

nicht gern gesehen, wenn sich Ruander an Wei-

in Burundi. In Kigali gibt es das Genocide Memo-

ße heranbetteln.

rial, das an den Völkermord von 1994 erinnert. un-plaqued No 21 | 75


THEMA / idee

Am beeindruckendsten finde ich den »Raum

fällt. In Burundi dauerte der Kampf zwischen

der Kinder«. Dort hängen Schwarz-Weiß-Fo-

Tutsi und Hutu noch lange an. Erst seit einigen

tos von Kindern. Darunter stehen Steckbriefe

Jahren herrscht Waffenruhe. Vielleicht gibt es

mit Name, Alter, Lieblingsbeschäftigung, also

auch deshalb in Burundi keine nennenswer-

zum Beispiel »Fußball« oder mit »Freunden

ten Gedenkstätten. Und weil es nicht das eine,

spielen«. Dann kommt die Rubrik »Todesursa-

überwältigende Ereignis wie in Ruanda gab, bei

che«. Da steht dann: »Gegen die Wand gewor-

dem die Weltöffentlichkeit tatenlos zusah und

fen«. Oder: »Mit Machete zerstückelt«.

geschehen ließ, was mit ein paar Tausend Sol-

Kein berühmter Architekt hat sich in dieser Ge-

daten hätte verhindert werden können. Trotz-

denkstätte verwirklicht. Sie wird kaum mehr als

dem kann man dem Völkermord auch in Burun-

ein paar Hunderttausend Euro gekostet haben.

di nicht ausweichen. Entlang der Straßen ziehen

Aber in ihrer Schlichtheit wirkt sie mindestens

sich Massengräber, und einmal sehe ich ein

genau so wie das Teuerste, das man mit Geld

Schild, das den Neubau von 168 Wohnungen an-

kaufen kann. Auch in anderen Städten Ruandas

kündigt. Darauf steht in französisch, diese Woh-

gibt es Gedenkstätten und Museen zum Völker-

nungen würden »zum Erhalt des Friedens für

Alle nehmen jemanden mit

die Betroffenen des Konflikts« gebaut. Gemeint sind diejenigen, die vor den Genoziden in Nachbarländer geflohen und nun zurückgekehrt sind – ein immenses Problem für Burundi.

mord. In allen größeren und vielen kleinen.

Ein großer wirtschaftlicher Vorteil für Ruan-

An dem Völkermord hat die westliche Welt ei-

da sind die Berggorillas. Der Hollywood-Film

nen erheblichen Anteil. Es waren nach den

über Dian Fossey, eine Schützerin der Berggo-

Deutschen vor allem die Belgier, die während

rillas, hat sie ins öffentliche Bewusstsein ge-

ihrer Kolonialzeit die Menschen in Tutsi und

bracht. Rund 900 dieser Gorillas gibt es welt-

Hutu klassifizierten, diese vermeintliche Ras-

weit, in drei Ländern: Kongo, Uganda und eben

senzugehörigkeit in Pässe stempelten und die

Ruanda. Sie locken Touristen ins Land, wie mich,

Tutsi erheblich bevorteilten. Als die Tutsi 1958

mit der Aussicht vor Rührung in Tränen auszu-

nach Unabhängigkeit von Belgien strebten, sta-

brechen, wenn man sie trifft. Geweint habe ich

chelten die Belgier die unterdrückten Hutu ge-

nicht, als ich diese den Menschen tatsächlich

gen die Tutsi auf, der erste Genozid begann.

sehr ähnlich sehenden Bambusfresser erblick-

Es führt hier zu weit, auf die verwickelte Ge-

te, und sie haben auch nicht mein Leben verän-

schichte der Genozide in Ruanda und Burundi

dert, aber vergessen werde ich dennoch nicht,

einzugehen, die auch damit zu tun haben könn-

wie eine 18-köpfige Sippe keine zwei Meter von

te, dass die traditionell Vieh besitzenden Tutsi

mir entfernt spielte, schmuste und rangelte.

mit den bäuerlichen Hutu in Konkurrenz um das wenige Land standen. Seit 1994 jedenfalls

Trotz dieses erheblichen Vorteils Ruandas ge-

herrscht in Ruanda Frieden, und vielleicht ist

genüber Burundi ist meine persönliche Ein-

das einer der wesentlichen Gründe dafür, wa-

schätzung: Die Führung macht den Unter-

rum Ruanda einen Aufschwung erlebt, wäh-

schied. Ob Paul Kagame, President of Rwanda,

rend Burundi wirtschaftlich dermaßen ab-

ein lupenreiner Demokratist, wage ich zu

76 | un-plaqued No 21


RUBRIK THEMA / idee

un-plaqued No 21 | 77


THEMA / idee

bezweifeln. Aber er verpasst seinem Land eine Rosskur, die es nach oben bringt. Dieser hagere, ernste Mann, ein Tutsi, überlässt die Entwicklung des Landes nicht sich selbst, er gestaltet sie, er fordert ein, dass alle mitziehen. Dazu gehört auch, dass er 2008 dafür sorgte, Französisch als erste Fremdsprache durch Englisch zu ersetzen: die Sprache der erfolgreicheren Nachbarländer Uganda und Tansania. Es mag aber auch eine Rolle gespielt haben, dass Französisch die Sprache der verhassten ehemaligen belgischen Kolonialherren ist. Und die der Franzosen, die unter Präsident Mitterand das Hutu-Regime mit Waffen versorgte, das schließlich den Genozid anzettelte … Doch zurück auf die Straße. Ein letztes Mal. In Burundi erlebe ich, was ich auch in Ruanda hätte erleben können und in so vielen anderen afrikanischen Staaten. Ein Einheimischer fährt mit dem Rad neben mir her, wir reden. Auf einmal, bergauf, höre ich einen älteren Mann verärgert hinter uns herrufen, den wir gerade überholt hatten. Der Junge auf dem Rad schaut verlegen. Er verabschiedet sich von mir, fährt zurück und lässt den Mann auf seinen Gepäckträger aufsteigen. Jetzt erst fällt mir auf: Keiner außer mir fährt hier allein. Alle nehmen jemanden mit. //

78 | un-plaqued No 21


RUBRIK / idee Konto & Karten | Studium & Karriere | Absichern | Vorsorge | Immobilie | Vermögen | Private Banking

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viel drin.

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un-plaqued No 21 | 79


THEMA / idee

Die erste Protagonistin ist Frau Dr. Karin Uphoff, die Initiatorin des »ladiesdentaltalk«, der seit 2010 Zahnärztinnen die Möglichkeit gibt, sich bei den Netzwerkabenden fachübergreifend auszutauschen. Sie ist seit 25 Jahren als Expertin für Öffentlichkeitsarbeit, vornehmlich im medizinischen und zahnmedizinischen Bereich, tätig, 2003 gründete sie ihre eigene Presse- und Marketingagentur. Neben ihrer Agenturarbeit, ihrem Lehrauftrag an der Gießener Universität sowie verschiedenen Ehrenämtern bestärkt sie als Unternehmensbotschafterin der EU-Frauen diese in ihrem Unternehmertum. Sie hält Vorträge zu den Themen PR und Unternehmensführung mit besonderer Berücksichtigung von »Unternehmenskultur«, leitet Workshops und entwickelt und realisiert außergewöhnliche Netzwerk-Formate, zuIn unserer neuen Kurzrubrik »Eine Frage

letzt gründete sie 2013 heartleaders – das

bitte« werden wir euch in Zukunft jeweils

Business-Netzwerk für Menschen mit Hal-

eine Kernaussage von wichtigen und vorr-

tung. Und, sie ist sechsfache Mutter und

ausschauenden Menschen aus unserem Be-

weiß, was es bedeutet, Karriere- und Fami-

ruf oder Berufsumfeld vorstellen.

lienwünsche miteinander zu vereinen.

80 | un-plaqued No 21


THEMA / idee

Frau Dr. Uphoff, haben wir demnächst wieder einen Trend zu Männerclubs?

Wieso demnächst? Wenn Sie die Gremien der Standespolitik anschauen, scheint der Trend doch nahezu ungebrochen ... Aber mal im Ernst: Für die männlichen Zahnmedizin-Studierenden kann das in Zukunft durchaus eine Option sein. Die Jungs befinden sich inzwischen deutlich in der Minderzahl – und wer weiß: Vielleicht haben sie in ein paar Jahren das Bedürfnis, sich aufgrund dieser Sonderrolle zusammenzuschließen und einen Männerzirkel in der Zahnmedizin zu gründen. So etwas kann hilfreich sein. Vorausgesetzt, es geht dabei wirklich um ein Miteinander. Und nicht, wie unter Männern häufig üblich, nur ums Imponieren und Austarieren, wer der Platzhirsch ist. Beim ladiesdentaltalk geht es genau darum: ehrlich über »Freud und Leid« im Praxisalltag zu diskutieren. Nach vielen Jahren männlich geprägter Zahnmedizin spricht man heute von der Feminisierung der Branche. Und Frauen stehen vor anderen Herausforderungen. Noch liegt es primär an ihnen, für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu sorgen. Selbst wenn immer mehr Männer in Familienzeit gehen, bleibt das Kinderkriegen bei den Frauen. Wie sich Unternehmertum und Kinder kombinieren lassen, das ist eins der Themen bei den Netzwerkabenden. Wir erleben dort, wie viel Mut es den jungen Frauen macht zu sehen, dass Familie plus Praxis funktionieren kann. Frauen gründen auch anders als Männer. Sie setzen andere Prioritäten, haben andere Motivatoren, einen anderen Patientenstamm, andere Tätigkeitsschwerpunkte, eine etwas andere Art zu kommunizieren. All dies ist natürlich tendenziell gemeint – der Einzelfall kann da abweichen. Junge und erfahrene Zahnärztinnen profitieren von diesem Austausch gleichermaßen. Die Offenheit der Gespräche tut den Teilnehmerinnen gut und wird als sehr wertvoll erachtet, wie die Feedback-Bögen zeigen. In jedem Fall ist es für alle Beteiligten in der Branche wichtig hinzuschauen: Welche intelligenten Lösungen brauchen Zahnärztinnen, die sie in ihrer speziellen Situation unterstützen? Damit beschäftigt sich zum Beispiel der Zukunftsgipfel des ladiesdentaltalk. Denn wenn sich nichts tut, haben wir möglicherweise irgendwann ein Versorgungsproblem. // un-plaqued No 21 | 81


Forever Young / idee

Text Ingmar Dobberstein · Illustration Britta Zwarg

Der Verlierer heiSSt:

Wir alle Über die Ideenlosigkeit im Elfenbeinturm

Als der Bundesverband der zahnmedizinischen Alumni in Deutschland e.V. (BdZA) sich im Januar 2009 gründete, erhielt die kleine Gruppe ambitionierter junger Zahnmediziner noch am gleichen Tag heftigen Gegenwind. Die DGZMK, Deutschlands renommierteste Fachgesellschaft, zitierte den frisch gewählten Vorstand zu ihrer außerordentlichen Vorstandssitzung, um dem BdZA gleich zu Beginn jegliche Existenzberechtigung abzusprechen. Neben dem nachvollziehbaren Argument, dass es Alumni ja nur auf regionaler, hochschulbezogener Ebene geben könne, verwunderte eine Aussage die jungen Zahnärzte im Besonderen: Die DGZMK sah sich selbst als den Verband, der durch seine enge Verbindung zu den Universitäten den Alumni-Gedanken sowie die Nachwuchsförderung zu verantworten hätte. Die Antwort auf die Nachfrage der jungen BDZA-Mitglieder, worin diese Verantwortung sichtbar wäre und welche Aktionen in diesen Bereichen bisher stattgefunden hätten, bleibt die DGZMK allerdings bis heute schuldig.

D

och beginnen wir etwas früher. Mindes-

sich nicht nur kontinuierlich, sondern vor allem

tens seit der Jahrtausendwende ist eine

rasant weiterentwickelnden Zahnmedizin an-

Diskussion in der Standespolitik und

passen? Dabei fließen viele Themen in diese

Hochschullandschaft der Dauerbrenner: Wie

Diskussion ein, angefangen bei demografi-

wird man die Ausbildung junger Zahnärzte und

schen Betrachtungen einer alternden Gesell-

Zahnärztinnen den Herausforderungen einer

schaft, verbunden mit den bevorstehenden

82 | un-plaqued No 21


Forever RUBRIK Young / idee

Versorgungsproblemen in ländlichen Berei-

dieser verstanden haben, hat sich im Bereich

chen, der Veränderung der Geschlechterver-

des Studiums und der Lehrinhalte nur schwer-

teilung in unserem Beruf, zahlreichen techni-

lich etwas verändert.

schen Neuentwicklungen, ein sich auch in

Als in der Zeit nach dem Mauerfall auch die ver-

Deutschland aufdrängendes Studiensystem

schiedenen Studienkonzepte der sich vereini-

nach Bologna-Kriterien (Bachelor/Master) so-

genden deutschen Staaten auf dem Prüfstand

wie nicht zuletzt die seit Jahrzehnten! in Über-

standen und diese an einigen Fakultäten refor-

arbeitung befindliche neue Approbationsord-

miert wurden, bestand Hoffnung auf eine Ent-

nung.

wicklung. Die damals noch junge und umstritte-

Jedes dieser Themen wäre mindestens einen

ne private Hochschule Witten-Herdecke stand

eigenen Artikel wert, dennoch werde ich ver-

allen anderen Universitäten voran für einen

suchen, hier einen Überblick über die komple-

innovativen Ansatz. Im Zahnmedizinstudium

xen Zusammenhänge zwischen diesen Themen

zum einen durch das sogenannte Studium fun-

zu erreichen.

damentale, welches einen Zweitstudiengang fern der Zahnmedizin verpflichtend einführte,

Wie wird man die Ausbildung junger Zahn­ärzte und Zahnärztinnen den Herausforderungen einer sich rasant weiterentwickelnden Zahnmedizin anpassen?

zum anderen durch die Einführung der Integrierten Kurse im klinischen Abschnitt. Während das Studium fundamentale vor allem darauf abzielte, weniger Fachidioten hervorzubringen, sollten die Integrierten Kurse gewährleisten, dass die angehenden Zahnmediziner nicht nur

Betrachtet man die deutsche Hochschulland-

Handwerkszeug erwerben, sondern auch zahn-

schaft in der Zahnmedizin genauer, wird eines

medizinische Konzeption, Orale Sanierung und

bewusst: Auch wenn alle Absolventen ein ver-

den fachübergreifenden Ansatz der Behand-

gleichbares Staatsexamen ablegen – studiert

lung von Patienten erlernen.

haben sie an den 30 Fakultäten des Landes nach sehr unterschiedlichen Prinzipien, mit eben-

Heute, gute zwanzig Jahre später, wird man

so unterschiedlichen qualitativen Ergebnissen

feststellen, dass sich dieser Ansatz zwar an

ihres Könnens.

einigen Universitäten durchgesetzt, bei Wei-

Während die meisten Fakultäten in den vergan-

tem aber keinen Trend erschaffen hat, ge-

genen Jahren unter Erneuerung des Studiums

schweige denn, dass eine gesamtdeutsche Eva-

vor allem die Sanierung maroder Lehrgebäu-

luation dieses Themas stattgefunden hätte.

de sowie die neue technische Ausstattung eben

Zu viele Zahnkliniken, vornehmlich im alten

un-plaqued No 21 | 83


Forever/ Young / idee RUBRIK idee

Bundesgebiet, stehen unbeeindruckt von jeglichem Innovationsdruck

Auch wenn alle Absolventen ein vergleichbares Staatsexamen ablegen, studiert haben sie an den 30 Fakultäten des Landes nach sehr unterschiedlichen Prinzipien

immer noch mit einem

schaften zu sein, wenn man hier eine

Karriere

plant. Die allgemein übliche Verfahrens-

Studi-

weise, vorrangig

ensystem aus den fünfziger Jahren am Start,

frisch approbierte Absolventen des eigenen

bei dem die Fächer Konservierende Zahnheil-

Hauses als Assistenzärzte für die Ausbildung

kunde, Prothetik und Parodontologie getrennt

einzustellen, gewährleistet zudem eine mög-

voneinander unterrichtet und ebenso prak-

lichst konforme Ausbildung ohne Einflüsse An-

tisch ausgebildet werden. In der Folge bear-

dersdenkender. Welche Qualität der Ausbil-

beiten Studenten lediglich einzelne Zähne oder

dung kann man von jungen Zahnärzten und

Gewebestrukturen von Patienten, die je nach

Zahnärztinnen ohne praktische Erfahrung in

Notwendigkeit der Punktekataloge nur aus-

der freien Wirtschaft erwarten?

schnittsweise kennengelernt und behandelt werden. Konzeptionelles Vorgehen, Behand-

Wenn die Kritik an der Hochschulausbildung

lungsverläufe und deren Erfahrungen können

laut wird, zumeist durch die praxisführenden

so höchstens zufällig oder theoretisch erlernt

Kollegen, die sich mit den Wissensdefiziten der

werden.

jungen Absolventen in der »Realität« auseinandersetzen müssen, beginnt das große Ge-

Dieser Zustand gipfelt darin, dass es bis heu-

jammer der Professoren und Verantwortlichen:

te keine Selbstverständlichkeit ist, dass in den

»Wir haben die Kapazitätsverordnung und kön-

Fakultäten Lehrmeinungen fachübergrei-

nen keine weiteren Assistenten einstellen, ohne

fend erarbeitet und dementsprechend an die

mehr eingeklagte Studenten zu erhalten ... wir

Studenten vermittelt werden. Warum ist das

haben kein Geld für eine Verbesserung der Aus-

so? Weil mit der Unabhängigkeit und Freiheit

bildung (aber für neue Behandlungseinheiten)

der Hochschullehrer eben auch eine Bühne für

... wir können keine Innovationen leisten, so-

Narzissmus und subjektive Sichtweisen ein-

lange wir mit einer alten Approbationsordnung

her geht, die zumeist aufgrund menschlicher

arbeiten müssen ...« und so weiter.

Defizite nicht überwunden werden kann. Mustererkennung und Anpassung scheinen in einem derartigen System die erfolgreichsten Eigen-

84 | un-plaqued No 21

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Forever/ Young / idee RUBRIK idee

Bereits 2002 berichteten wir in UN-PLAQUED Nr. 8 über den dänischen Ansatz zur Lösung dieser Probleme: Im Panum Institut in Kopenhagen zum Beispiel wird die theoretische und wissenschaftliche Ausbildung der Studenten von den wissenschaftlichen Mitarbeitern der Universität und die klinische Ausbildung am Patienten von erfahrenen Praktikern auf Rechnungsbasis durchgeführt. Dafür ist es dort selbstverständlich, dass sich alle Beteiligten fachübergreifend und regelmäßig zu einem Abgleich der Lehrmeinung treffen und diese konsentierend weiterentwickeln.

Verlassen zahnmedizinische Absolventen die Hochschulen überhaupt berufsfertig oder wenigstens berufsfähig? Standorte wie Witten-Herdecke, aber auch die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald zeigen, wie innovativ eine Universität thematisch und strukturell sein kann, ohne dabei die geltende Approbationsordnung zu verletzen.

86 | un-plaqued No 21


Forever Young / idee

Im Gegenteil, alles was darin nicht geregelt ist,

schluss, dass offensichtlich an vielen Stand-

wird von diesen Fakultäten als Freiheit verstan-

orten in Deutschland, unter pädagogischem

den, das Studium so zu gestalten, wie man es für

Aspekt gesehen, überforderte oder unbefä-

richtig hält.

higte Dozenten und Professoren sitzen.

Die Zufriedenheitsstudie der Zahnmedizinstu-

Doch wie kann es gelingen, neue Lehrinhalte

denten (ZUZA) des BdZM aus dem Jahr 2005 hat

in ein ohnehin überfrachtetes Studium zu be-

gezeigt, dass eine gute und die Studenten zu-

kommen? Auf welche Themen könnte zuguns-

friedenstellende Ausbildung weniger von neu-

ten neuer verzichtet werden?

en Behandlungseinheiten und der technischen

Die Diskussion der letzten Jahre konzentrierte

Ausstattung abhängig ist, dafür aber umso

sich dabei auch auf die Frage, ob zahnmedizi-

mehr von weichen Faktoren wie dem Umgang

nische Absolventen die Hochschulen überhaupt

zwischen Lehrpersonal und Studenten, Betreu-

berufsfertig oder wenigstens berufsfähig ver-

ungsverhältnissen und der individuellen Be-

lassen?

gleitung im Lernprozess. Spätestens jetzt wird

Bei einem Blick auf die fachlichen Inhalte kön-

jedem zahnärztlichen Leser mindestens eine

nen Zweifel aufkommen. Eventuell hat man als

Geschichte aus seiner Studienzeit einfallen, bei

Student ein paar Implantate im Schweinekiefer

der mehr nach der Nase als nach fachlichen Ge-

platziert und mit ein bisschen Glück drei oder

sichtspunkten bewertet wurde, und das oftmals

vier Zähne am Patienten selbst extrahiert. Dass

auf unterstem psychologischem Niveau.

die Uni Hamburg erst vor ein paar Jahren die

Mit Sicherheit machen hier einige Dozenten,

Ausbildung im Bereich von Composite-Füllun-

an vielen Standorten und in einzelnen Abtei-

gen eingeführt hat, kann man als besondere

lungen die Ausnahme, denn nicht zuletzt wird

Ausnahme der Rückständigkeit betrachten.

Ausbildung immer von Menschen gemacht und

Denkt man an die anderen Notwendigkei-

nicht von Ordnungen, Gesetzen oder den Struk-

ten für ein erfolgreiches zahnärztliches Be-

turen. Umso erschreckender ist der Umkehr-

rufsleben, steht man schnell im weißen Raum.

un-plaqued No 21 | 87


Forever Young / idee

Essenzielle Themen wie Abrechnung, Gesund-

allem Art und Umfang der zahntechnischen

heitssystem, Versorgungspolitik, Kassenrecht

Ausbildung im klinischen Studienabschnitt sehr

und -richtlinien, standespolitische Organisa-

streitbar. An einigen »progressiven« Standor-

tionsstrukturen, aber auch Grundlagen in Be-

ten werden nahezu alle Patientenarbeiten in

triebswirtschaft, Personalführung, Psycholo-

Fremdlaboren angefertigt, während der Rest

gie, Ausbildung von Mitarbeitern, Management

darauf setzt, dass man unglaublich viel lernt,

und vieles andere mehr, das heute Ausschlag

wenn man die Brücke für den Patienten in end-

darüber gibt, ob man als Zahnarzt oder Zahn-

losen Laborstunden selbst anfertigt. Mal ab-

ärztin überleben wird, können sie vergeblich

gesehen davon, dass die Qualität der studen-

in den Lehrplänen der deutschen Hochschulen

tischen Arbeiten nur selten mit denen eines

suchen.

professionellen Labors mithalten kann, ist dieses Verfahren eine Zeitverschwendung vieler

Offensichtlich besteht kein Interesse an diesen Themen

Stunden, in denen Studenten am Patienten arbeiten und üben könnten. Als die Universitäten schließlich Mitte des letzten Jahrzehnts den großen Trend der Master-

Unter Umständen wird die Vermittlung eines

fortbildungen entdeckten, wurde die Situation

Teils dieser Themen diversen privatwirtschaft-

um einiges perfider. Man wollte plötzlich mit

lichen Unternehmen überlassen, die dann mit

der verheißenden Aussicht des Geldes eben die-

Hilfe engagierter Fachschaften in der ohnehin

se, gerade erst ausgebildeten Absolventen der

kaum vorhandenen Freizeit mit teils fragwür-

Hochschule zur Fortbildung am eigenen Hause,

digen Konzepten zu Existenzgründung und Fi-

bei den gleichen Dozenten wieder gewinnen.

nanzierungsthemen dargereicht werden. Von

Man wollte den Fachgesellschaften das Feld

einer unabhängigen Lehre kann man hier zu

nicht allein überlassen und sieht sich auch heute

keinem Zeitpunkt sprechen, von einer Evalua-

gern als Hüter der Weisheit. Der wohlklingen-

tion seitens des Lehrkörpers ebenso wenig. Of-

de, aber bedeutungsarme Titel des Masters of

fensichtlich besteht hier kein Interesse an die-

Science sollte das Lockmittel für alle plötzlich

sen Themen.

doch so wichtigen Inhalte sein, die man eben nicht im Studium vermitteln konnte.

Betrachtet man das Zeitmanagement sowie die

Um es abzukürzen: Die Diskussion, ob Absol-

Inhalte des Zahnmedizinstudiums, würden Au-

venten der Zahnmedizin heute berufsfähig

ßenstehenden mehrere Themen auffallen, die

oder -fertig aus der Uni kommen, ist nicht wei-

optimiert werden könnten. Als ein gutes Bei-

tergeführt worden. Man hat sich auf allen Sei-

spiel dient die Ausbildung im Bereich der Zahn-

ten dazu entschlossen, das Thema nicht weiter

technik. Während die Quälerei in der Vorklinik

hochzukochen, damit alles so bleibt, wie es ist:

zwar diskutabel ist, aber auch aus politischen

die Universitäten, die Fachgesellschaften, die

Gründen beibehalten werden soll, sind vor

Fortbildungsinstitute, Kammern und KZVen

Die Absolventen waren ohnehin gewohnt, nicht aufzumucken

88 | un-plaqued No 21


un-plaqued No 21 | 89


Forever Young / idee

sowie ein bunter Zirkus

»Never change a running System«

privater Anbieter. Da

Unzulänglichkeiten vorherrschen. Sie

die Absolventen es oh-

haben oft nicht den

nehin gewohnt waren, nicht aufzumucken, und

Mut, mehr zu gestalten, und fügen sich einfach

die Defizite der universitären Ausbildung viele

dem, »wie es schon immer war«. Und nicht

Fortbildungen notwendig machen, entwickelte

zu letzt gehört auch eine Gruppe von Studen-

sich schließlich der Fortbildungsmarkt, den wir

ten dazu, die beharrlich alles erträgt, was ihr

heute beobachten können.

vorgesetzt wird. Nicht selten staune ich heute, wie unpolitisch und unkritisch Studenten der

Es war auch diese Entwicklung, die den BdZA

Zahnmedizin ihr Schicksal ertragen, und immer

auf den Plan rief: Defizite in der Ausbildung,

häufiger habe ich das Gefühl, dass sie dieses

Hochschullehrer mit privatwirtschaftlichen

Ertragen überhaupt erst an der Hochschule

Absichten und viele andere Beteiligte, die sich

erlernen.

auf Kosten der frisch approbierten Absolventen ein Stückchen Torte sichern wollen, das alles na-

Aussitzen und Anpassen könnten die Eigen-

türlich im Einklang mit der eingangs erwähnten

schaften sein, die man nach diesem Start in den

DGZMK als Dachorganisation. Nicht selten dach-

Berufsalltag mitnimmt. Die spätere politische

ten die BdZA-Verantwortlichen bei dieser Ana-

Passivität des größten Teils der Zahnärzteschaft

lyse nur eines: Was ist das für ein Berufsstand,

zeigt sich unter anderem in den Wahlbeteiligun-

bei dem sich die Etablierten an den Jüngsten

gen zu Körperschaftswahlen und dem fehlenden

bereichern  ?

Interesse an der freiberuflichen Selbstverwaltung. Veränderungen werden dann nur unter

Natürlich kann sich ein solcher Zustand nicht

Druck erzeugt, sei es aus der EU, durch den Ge-

einfach so entwickeln, sondern viele Faktoren

setzgeber oder auch aus der Gruppe, für die das

führen hierher. Neben Bequemlichkeit und feh-

alles überhaupt veranstaltet wird – der Grup-

lenden Visionen an den Fakultäten hat auch die

pe der Studenten. So lange jedoch dort niemand

nächste Generation, die der Assistenzärzte und

aufbegehrt und sich konstruktiv einbringt, gilt:

zukünftigen wissenschaftlichen Mitarbeiter,

»Never change a running System« – auch wenn

zu oft versagt. Sie haben ihr Studium noch

hier schon lange nichts mehr rennt, sondern

unmittelbar vor Augen und wissen, welche

allenfalls kriecht. //

Nachtrag: Zum Dauerlicht am Ende des Tunnels »Neue Approbationsordnung« hat sich ein zweites gesellt, der Nationale Kompetenzbasierte Lernzielkatalog Zahnme­ dizin (NKLZ). Er soll, ebenso wie die neue APO, 2015 verab­ schiedet werden und beinhaltet gute Ideen und einige Lösungsansätze zu den angesprochenen Problemen, wird jedoch keine Verbindlichkeit für die Fakultäten haben. Wir hoffen das Beste ... und werden darüber berichten.

90 | un-plaqued No 21


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Eine Idee mit tiefen Wurzeln

Am Anfang war ein Gefühl. Dann waren da Zahlen. Dann wuchs auf ihnen eine Idee. Die DGI (Deutsche Gesellschaft für Implantologie) hatte den Eindruck, dass immer

D

ie Anzahl der Studierenden unter den Mitgliedern ist zuletzt jedes Jahr spürbar gestiegen, aktuell sind es rund 60,

die noch in Ausbildung sind. Die Statistik zeigt

mehr jüngere und junge Zahnärztinnen und

auch: In keiner Altersklasse wächst die DGI,

Zahnärzte unter den Mitgliedern waren.

zweitgrößte wissenschaftliche implantologi-

Beim Jahreskongress sah man sie, beim

sche Gesellschaft der Welt nach Japan, so stark

Curriculum und eben auch in der Mitglie-

wie im Bereich U30: Zwischen 25 und 30 Jahre

derstatistik. Die Zahlen sagten: Viele dieser

alt sind die Mitglieder, die den mit Abstand

jungen Kolleginnen und Kollegen sind noch

größten Anteil unter den Neuzugängen in der

gar keine – sie studieren noch.

DGI-Familie stellen. Gleich danach kommt die Altersgruppe 30 – 34 Jahre. Damit war klar: Hier ist eine Entwicklung, der man Angebote machen muss. Der Nachwuchs hat andere Fragen, auch ganz neue. Er hat andere Ziele, auch provokante. Und er hat Fähigkeiten, die die Agenda einer wissenschaftlichen Gesellschaft erweitern können. Das ist wertvoll, aber muss auch gewürdigt, ge-

92 | un-plaqued No 21


Theorie und Praxis / idee

Wurzeln und hohem »e«

Text Birgit Dohlus

pflegt und mit Leben erfüllt werden – befand

gestalten. Anlaufstelle sein – und Schnittstelle

der DGI-Vorstand. Passenderweise ist dieser

werden. Das Angebot des Vorstands: Rücken-

selbst sehr generationenübergreifend aufge-

deckung für die Weiterentwicklung der Im-

stellt: Jüngere und ältere Kollegen, solche aus

plantologie durch neue Themen – von Fachas-

der Wissenschaft und solche aus der Praxis, sit-

pekten bis zur Praxisgründung. Letztlich sollte

zen an einem Tisch. Der Jüngste: Prof. Dr. Frank

es ein Mentoring-Projekt sein, allerdings eines

Schwarz, Universität Düsseldorf, ist Vizepräsi-

der anderen Art: nicht ein Senior und ein Juni-

dent. Einer aus der Generation, die die Vernet-

or, sondern eine Struktur für die andere Struk-

zung lebt und pflegt.

tur. Gemeinsam für Freude am Beruf und Kön-

Die Idee: Wir brauchen eine eigene Struktur

nen im Fach und die familiäre Verbundenheit

für die jungen Kolleginnen und Kollegen. Mo-

einer großen Gemeinschaft, die mehr als nur

dus: Unabhängigkeit – mit Anbindung an den

das Thema eint.

Vorstand. Aufgaben und Chancen: die Arbeit der Fachgesellschaft mitgestalten. Neues ent-

Die Idee bekam einen Namen: Nexte Genera-

wickeln und integrieren. Aufnehmen und auf-

tion. Über das hochgestellte »e« gibt es im-

greifen, was die jungen Kolleginnen und Kol-

mer wieder Verwunderung, aber auch das ist

legen im Bereich der Implantologie und den

ein Signal für generationenübergreifende Ver-

damit in Zusammenhang stehenden Rahmen-

bundenheit – wenn auch mit Augenzwinkern:

bedingungen bewegt. Und dafür Angebote

Einer der DGI-Gründerväter kritisierte beim un-plaqued No 21 | 93


Theorie und Praxis / idee

Namensvorschlag »Komitee Next Generati-

jahrstagung der DGParo führen das DGI-Komi-

on« die englische Bezeichnung – es ginge doch

tee Nexte Generation und das Junior Committee

auch deutsch: nächste Generation. So entstand

der DGParo gemeinsam durch das Programm,

das »nexte«, gesprochen fast wie »nächste«.

verbunden mit weiteren gemeinsamen Events.

Inzwischen ist das hochgestellte »e« zu einem

Nach der Gründung folgte die Phase der Ent-

Markenzeichen geworden – und nebenbei zu

wicklung verschiedener Themenschwerpunk-

einem kleinen Denkmal für den kritischen

te und Angebote – jetzt öffnen sich die Struktu-

Senior der DGI.

ren mehr und mehr für den direkten Austausch mit den jungen Kolleginnen und Kollegen. Über

Die Mitglieder des Komitees Nexte Generation

das DGINET ist das Komitee, nicht zuletzt zum

sind seit fast zwei Jahren im Amt und haben die

Thema »next working«, immer ansprechbar,

Idee längst mit Inhalten, Aktionen und Konzep-

und auch bei Facebook steht das Angebot be-

ten gefüllt. »Wir sind niedergelassene, ange-

reit. An zielgruppengerechten Sessions für

stellte und wissenschaftlich tätige junge Zahn-

die nächsten Kongresse wird bereits gearbei-

ärztinnen und Zahnärzte, die Implantologie

tet, für die Gemeinschaftstagung 2015 in Wien

spannend finden und sich für das Fach begeis-

steht ein eigener Themenblock »Evidenzbasier-

tern«, sagt Dr. Kathrin Becker, Mitglied der ers-

te Implantologie« unter der Schirmherrschaft

ten Stunde im Komitee. »Wir kennen die Zah-

der Nachwuchskomitees. Auch der persönli-

len der jungen Kolleginnen und Kollegen unter

che Austausch und der Spaß dabei sollen nicht

dem Dach der DGI, wir greifen deren Fragen

zu kurz kommen: Dafür wird ein Event im kom-

und Gedanken, auch manche Zukunftssorgen

menden Spätsommer vorbereitet.

auf. Dafür konnten wir ein eigenes, neues inter-

Die nächste Generation für die Nexte Generati-

aktives Format für den DGI-Jahreskongress ent-

on wächst bereits heran. Die Idee ist angegan-

wickeln, das im vergangen Jahr Premiere hatte

gen auf dem DGI-Boden. Jetzt wächst und blüht

und ausgesprochen gut ankam. Für den Kon-

sie und entwickelt sich weiter mit den Gedan-

gress 2014 in Düsseldorf hatten wir das erwei-

ken, Zielen, Möglichkeiten und Bedürfnissen

tert: Wir führten nicht nur das Konzept des For-

der nachrückenden jungen Zahnärztinnen und

mates ›next working‹ weiter, mit aktuellen und

Zahnärzte, die vielleicht in die Wissenschaft

neuen Fragen und Gedanken rund um die Be-

wollen, vielleicht in die Praxis, vielleicht auch

rufsausübung, sondern machten auch fachliche

in die eigene. »Die Idee lebt eben und ist nicht

Angebote: Die Hands-On Session ›My First Im-

nur ein Projekt«, sagt Dr. Becker, »das moti-

plant‹ lud dazu ein, Nützliches für den Einstieg

viert, sich neben der beruflichen Arbeit auch

in die Implantologie mitzubekommen und sich

für die DGI zu engagieren. Es ist auch für uns

im Nachgang darüber auszutauschen.«

sehr spannend zu hören, welche Fragen junge Mitglieder haben. Mit der DGI im Rücken sei das

Auch das Vernetzen ist Teil der Komitee-Arbeit:

Komitee eine Anlaufstelle, die entweder selbst

Inzwischen haben die Nachwuchsorganisatio-

helfen, aber auch weitervermitteln kann.Wir

nen der drei großen implantologisch-wissen-

hatten vor Ort großartige Resonanz auf das

schaftlichen Fachgesellschaften aus Österreich,

›next working‹-Event, das dieses Mal direkt in

der Schweiz und Deutschland mehrfach getagt,

der DGI Lounge stattgefunden hat. Wenn zum

Erfahrungen ausgetauscht und zwei länder-

Applaus auch noch spannende Anregungen und

übergreifende Events für junge Kollegen im

neue Ideen kommen, macht das Ganze sehr viel

Jahr 2015 geplant. Genetzwerkt wird aber auch

Spaß und bringt jeden von uns auch selbst ein

interdisziplinär: Bei der bevorstehenden Früh-

großes Stück weiter. Das ist es wert.« //

94 | un-plaqued No 21


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Theorie und Praxis / idee

Farben verstehen lernen Text Arndt Lommerzheim Fotos Vita

Viele Dentalfirmen sind bereits während des Studiums an der Universität präsent und versuchen die angehenden Zahnmediziner mit praxiserprobten Lösungen der Industrie bekanntzumachen. Wie eine frühzeitige und anwenderorientierte Unterstützung und Zusammenarbeit diesbezüglich aussehen kann, kann man von der VITA-Zahnfabrik lernen, die mit ihrer hohen Kompetenz in Sachen Zahnfarbbestimmung und Materialkunde Forschung, Wissenschaft und Lehre auf verschiedensten Ebenen unterstützt.

96 | un-plaqued No 21


Theorie und Praxis / idee

Der natürliche Zahn hat unendlich viele Farben

A

ufgrund der ästhetischen Ansprüche

den Zahnersatz reicht die Angabe an den Zahn-

unserer Gesellschaft nimmt die Zahn-

techniker: »Farbe A3, bitte etwas rötlicher«,

farbe mehr denn je einen hohen Stellen-

bei Weitem nicht aus.

wert ein. Deren Bestimmung ist eine große He-

Der natürliche Zahn hat unendlich viele Farben.

rausforderung und für viele Zahnmediziner ein

Transparenz, Transluzenz, Fluoreszenz, Opazi-

faszinierendes Thema. Am 12. Juli diesen Jah-

tät – alle diese diffizilen, optischen Wahrneh-

res stand die Poliklinik für Zahnärztliche Pro-

mungen und Charakteristika können mit mo-

thetik der Universität Leipzig ganz im Zeichen

dernen Materialien in der Zahntechnik nahezu

der Zahnfarbbestimmung, denn hier fanden

perfekt reproduziert werden. Doch was nützen

die 11. studentischen Wissenschaftstage der

die besten Produkte, wenn die Zahnfarbe nicht

Universitäten Berlin, Leipzig, Greifswald und

präzise ermittelt wurde? Denn bei der Farbbe-

Olomouc (CZ) statt. Mittelpunkt der Veranstal-

stimmung stößt das menschliche Auge an seine

tung war auch in diesem Jahr das Erlernen der

Grenzen. »Die exakte Bestimmung der Zahn-

Zahnfarbdifferenzierung. Unter Leitung von

farbe ist eine Kunst, die trainiert werden kann.

Prof. Dr. Holger A. Jakstat (Universität Leipzig)

Jegliche Farbdifferenzierung basiert auf einem

widmeten sich 35 Studierende der Welt der

Vergleich«, so Prof. Dr. Jakstat.

Zahnfarben. Er und sein Team haben gemeinsam mit der Welche Bedeutung die Zahnfarbe im Alltag hat,

VITA Zahnfabrik, Bad Säckingen, die sogenann-

wird bereits daran deutlich, dass sie für Pati-

te VITA Toothguide Training Box (TTB) entwi-

enten eines der wichtigsten und unmittelbar

ckelt, die als Basis für das Erlernen der visuellen

zu kontrollierenden Qualitätskriterien einer

Zahnfarbbestimmung dient. Das systematische

Restauration ist. Bedenkt man, wie viele Re-

Vergleichstraining ähnelt einem Computerspiel

klamationen auf Abweichungen der Zahnfar-

und wird in Leipzig bereits in der vorklinischen

be zurückzuführen sind, ist es im Interesse al-

Lehre eingesetzt. Der Studierende ordnet Zahn-

ler Beteiligten, mit standardisierten Methoden

farbmusterstäbchen dem jeweiligen passen-

Sicherheit zu erlangen.

den Gegenüber zu und erhält softwaregestützt

Die Herausforderungen an eine moderne und

Feedback über Ergebnis und etwaige Fehler.

zeitgemäße Zahnfarbbestimmung sind sehr

»Zahnfarben verstehen lernen« ist das Cre-

komplex. Für einen individuell zu schichten-

do der studentischen Wissenschaftstage. un-plaqued No 21 | 97


Theorie & Praxis / idee

Darüber hinaus widmet sich die Veranstaltung

die VITA Zahnfabrik in Rostock zwei Workshops

in jedem Jahr bestimmten Fragestellungen, die

für 32 Studierende aus unterschiedlichen Fakul-

mit Hilfe der Studierenden wissenschaftlich un-

täten anbot. Im ersten Workshop schulten die

tersucht werden. Sie durchlaufen hierbei einen

Experten der VITA Zahnfabrik die Studieren-

Parcours, in dem verschiedene Aufgaben und

den zur visuellen und digitalen Farbmessung –

Testreihen abgearbeitet werden. Die daraus

im zweiten Workshop erhielten die Studieren-

hervorgehenden multizentrischen Studien ha-

den umfassende Einblicke in die Welt der VITA

ben für wissenschaftlich fundierte Aussagen

CAD/CAM-Materialien.

eine bedeutende Relevanz. In diesem Jahr standen Experimente zur digita-

Die vorab visuell bestimmten Zahnfarben konn-

len Farbbestimmung anhand des VITA Easysha-

ten die Studierenden mit Hilfe des digitalen

de Advance 4.0 Farbmessgerätes in Bezug zur

Zahnfarbmessgeräts VITA Easyshade Advance

behandlerindividuellen Handhabung im Fokus.

4.0 am Ende selbst überprüfen. Die Messtech-

Im Besonderen wurde untersucht, inwieweit

nik des Gerätes übertrifft die Leistungsfähig-

verschiedene Abstände zum Patientenzahn,

keit des menschlichen Auges um das Doppelte

verschiedene Messwinkel oder eine Verände-

und kann die Ergebnisse in den beiden inter-

rung der Umgebung Einfluss auf das Ergebnis

nationalen Farbstandards VITA classical A1-D4

der Farbmessung haben.

und VITA SYSTEM 3D-MASTER anzeigen. Darü-

Doch damit nicht genug. In ähnlicher Form war

ber hinaus kann das Gerät eine exakte und re-

die VITA Zahnfabrik bei der diesjährigen Bun-

produzierbare Darstellung von Zahnaufhellun-

desfachschaftstagung (BuFaTa) in Rostock en-

gen nach der weltweit empfohlenen Skalierung

gagiert. Seit jeher wird die BuFaTa von den

der ADA (American Dental Association) wieder-

veranstaltenden Fachschaften auch dafür

geben.

genutzt, außercurriculäres Wissen frühzeitig an die Teilnehmer zu vermitteln. Neben

Nach den Farbmessungsübungen und einem Ex-

CAD/CAM, Implantologie und CMD-Diagnos-

kurs in die Welt der modernen prothetischen

tik stand die digitale Zahnfarbbestimmung auf

Materialien stand auf der BuFaTa das prakti-

dem Wunschzettel der Studierenden, sodass

sche Arbeiten im Mittelpunkt. Die Workshop-

98 | un-plaqued No 21


Theorie & Praxis / idee

Was nützen die besten Produkte, wenn die Zahnfarbe nicht präzise ermittelt wurde? Teilnehmer konnten mit VITA AKZENT Plus Malfarben die farbliche Charakterisierung von VITA SUPRINITY, einer neuen zirkondioxidverstärkten Lithiumsilikatkeramik aus dem CAD/ CAM-Bereich, üben und anschließend mit dem VITA VACUMAT 6000 M-Brennofen glasieren. Dr. Benjamin Just, Leiter des Clinical Affairs Departments bei VITA, beschreibt die Bedeutung der universitären Zusammenarbeit wie folgt: »Seit 1924 bieten VITA-Produkte ein Höchstmaß an Zuverlässigkeit und Praxissicherheit. Deshalb ist die Zusammenarbeit mit Universitäten ebenso wichtig wie innovative klinische Forschung und unabhängige wissenschaftliche Studien. Der Bereich Clinical Affairs ist daher weltweit mit führenden Universitäts- und Lehreinrichtungen in Kontakt und unterstützt engagiert neue Konzepte und Entwicklungen – nicht nur im Rahmen von klinischen Studien, sondern auch in Form von Dissertationen oder Masterarbeiten.« Seit 2010 lobt VITA diesbezüglich zwei international ausgeschriebene Förderpreise aus, die jährlich verliehen werden. Studierende und Graduierte der Zahnmedizin haben die Möglichkeit, Forschungsvorhaben auf dem Gebiet un-plaqued un-plaquedN Noo20 21 | 99


Theorie & Praxis / idee

der Zahnärztlichen Prothetik bei der IADR Prosthodontics Group (IADR-PG) einzureichen. Der vom IADR-Expertengremium ausgewählte Sieger erhält einen Förderpreis in Höhe von 3.000 US$ und einen Reisekostenzuschuss, um die Forschungsergebnisse auf dem IADR-Jahreskongress zu präsentieren. Ein weiteres Programm, das von VITA und der SCAD (Society for Color and Appearance in Dentistry) ins Leben gerufen wurde, fördert Spitzenforschung im Bereich der ästhetischen Zahnmedizin. Doktoranden, Postdoktoranden und Fakultätsmitglieder können sich um ein jährlich ausgeschriebenes Stipendium in Höhe von 1.000 US$ bewerben und erhalten außerdem eine Einladung zur Jahrestagung der SCAD. Die in Bad Säckingen ansässige VITA Zahnfabrik H. Rauter GmbH & Co. KG entwickelt, produziert und vertreibt seit 90 Jahren unter

VITA Zahnfabrik H. Rauter

konsequenter Umsetzung höchster Qualitäts-

GmbH & Co. KG

standards fortschrittliche Lösungen für die

Arndt Lommerzheim

Zahnprothetik. Anwender in über 125 Ländern

Telefon + 49 (0) 7761 562 242

profitieren von den analogen und digitalen VI-

www.vita-zahnfabrik.com

TA-Produktlösungen für die Farbbestimmung und -kommunikation sowie Farbreproduktion und -kontrolle, begleitet von umfassenden Serviceleistungen. Seit 90 Jahren werden so im Wechselspiel aus Tradition und Innovation dentale Visionen in die Wirklichkeit umgesetzt. // 100 | un-plaqued No 21


Ihr sorgt für die Zahnmedizin...

... wir kümmern uns um Eure Sicherheit. Mehr Zeit fürs Wesentliche: Ihr kümmert Euch um die Patienten, wir stellen Eure Liquidität sicher! Das maßgeschneiderte „Startup-Factoring“ des DZR: Einfache Abrechnung, garantierter Zahlungseingang bei minimalem Verwaltungsaufwand. Im ersten Jahr mit einer Einstiegskondition von nur 2,49 %* ! Auch Eure Patienten erhalten Vorteile und Sicherheit: Mit flexiblen Zahlungszielen, bequemen Teilzahlungsmodellen und direkter Unterstützung in der Kommunikation mit Versicherungs- und Beihil* zzgl. gesetzl. MwSt. feträgern.

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FOREVER YOUNG / idee

Das entscheidende

Bisschen mehr Bissige Gewinnspielaktion auf der Facebookseite von Komet:

Mach ein Selfie und zeig Zähne und gewinne eins von sieben iPad Air 2 ! Text Dorothee Holsten · Illustration Anouk Z

Komet weiß, in deiner Welt dreht sich alles um Zähne. Jetzt und später. Du exkavierst sie, konturierst sie, modellierst sie, du liebst sie. Für Praktika opferst du deine Semesterferien, hechelst durch die Vorlesungen, wälzt Bücher- und Onlineseiten und versuchst, zahnheilkundliches Wissen und praktisches Geschick bestmöglich zu koordinieren. Das kostet Zeit und Nerven. Natürlich fällt es da schwer, das Stimmungsbarometer kontinuierlich hoch zu halten und den Stress immer mit einem Lächeln wegzudrücken. Komet hat diese Einblicke in euren heftigen Alltag, denn die Firma ist mit einem persönlichen Fachberater an jeder Uni vor Ort. Komet bietet über seine Hotline auch eine individuelle Studentenbetreuung an, auch sie kennt dein Bedürfnis nach Qualitätsinstrumenten, bitte schnell, bitte gleich. Den Stress, den ein Zahni haben Komet Dental

kann, erahnen also nicht nur Eltern,

Gebr. Brasseler GmbH & Co KG

Kommilitonen und WG-Freunde,

Trophagener Weg 25

sondern auch Komet: Es gibt einfach

32657 Lemgo

Tage, an denen man Vorlesungssaal,

Fon +49 (0) 5261 / 701 - 402

Behandlungsstuhl und Labor mal die

info@kometdental.de

Zähne zeigen möchte. Darum hat Ko-

kometdental.de

met eine witzige Abwechslung auf Facebook ins Leben gerufen.

102 | un-plaqued No 21


FOREVER YOUNG / idee

AKTION! Schieße ein Selfie, auf dem Bleistift, iPad, Lehrbuch mal richtig dran glauben müssen, und lade es auf Facebook hoch. Und warum nicht die ganze Aktion nach dem Kurs gemeinsam mit den Kommilitonen durchführen? Komet belohnt das Shooting und verlost für sieben Teilnehmer ein iPad Air 2.

Wer sind die?

Und nach der Uni?

Du hast Komet-Instrumente fast täglich in der

Frisch nach der Uni oder der Assistenzzeit

Hand. Da ist es schon interessant zu wissen,

überkommt jeden Zahni bei der Fülle an Opti-

wo die eigentlich herkommen. Komet in Lem-

onen schnell die Qual der Wahl. Komet steht Dir

go behauptet sich seit über 90 Jahren. Das Fa-

auch in dieser besonders spannenden Zeit Dei-

milienunternehmen verknüpfte schon immer

nes Lebens zur Seite.

zwei scheinbar gegensätzliche Werte miteinan-

Wie sieht diese Unterstützung konkret aus?

der: Tradition und Innovation. Daraus entstand

Speziell beim Einstieg in die Selbstständigkeit

eine unternehmerische Stärke, die ihresglei-

ist es wichtig, mit Instrumenten zu arbeiten,

chen sucht. Seit 1923 zeigt sich die Firma kompe-

die sicher und logisch aufgebaut sind – und die

tent, qualitätsbewusst und verbindlich mit dem

du aus der Uni-Routine heraus höchstwahr-

Leitspruch: »Was wir machen, das machen wir

scheinlich auch schon kennst. Selbsterklären-

richtig.«

de Nummerierungen bzw. deutliche Markierungen an den Qualitätsinstrumenten leisten

Komet bietet die größte Produktpalette an ro-

dir echte Hilfe, um Arbeitsabläufe darzustel-

tierenden Instrumenten deutschlandweit, alles

len und eine Qualitätssicherung zu gewährleis-

»made in Lemgo«. Zu den rund 1.000 Mitarbei-

ten. Wir würden sogar manches Komet-Instru-

tern zählen u.a. Entwicklungsingenieure, Werk-

ment als schlau bezeichnen. Außerdem sind die

stoff- und Maschinenbau-Experten, CAD/CAM-

meisten Produkte in ein logisches System ein-

Spezialisten, Wissenschaftler etc. All das macht

gebettet, und Einsteiger-Sets gibt es natürlich

das Mutterhaus so stark und gab den entschei-

auch. Du kannst also in vielen Bereichen aus

denden Rückhalt für eine internationale Par-

einem Vollsortiment schöpfen und bekommst

allelentwicklung. Komet besitzt Tochtergesell-

quasi alles aus einer Hand. Direkte Betreuung

schaften in Frankreich, Italien, Österreich, USA

durch den persönlichen Fachberater, Produkt-

und China. Durch ein hochmodernes Logistik-

informationen, Broschüren, Webshop, Webi-

zentrum wird die Ware in über 100 Länder welt-

nare, Poster, Praxiskurse und Hotline runden

weit – bei minimalen Lieferzeiten – von Lemgo

das Angebot ab. Damit unterstützt Dich Komet,

aus verschickt.

wenn Du willst, ein Leben lang! // un-plaqued No 21 | 103


THEORIE UND PRAXIS / idee

 Arbeitest Du schon oder studierst Du noch?

Wer nicht gerade das Glück hatte, finanziell unabhängig zu sein, musste sich der Herausforderung stellen, während des Vollzeit-Zahnmedizinstudiums noch mit Nebenjobs Geld zu verdienen. Meist war es ein Balanceakt, der zu Lasten des Studiums ging, da die Nebenjobs viel Zeit in Anspruch nahmen und in der Regel mit dem zukünftigen Berufsfeld eines Zahnmediziners nicht viel zu tun hatten. Nach dem ich sowohl die Drei-Teller-Haltetechnik beim Bankett verinnerlicht hatte als auch geübt war in Erstellung von Rechnungen nach anstrengenden Promotioneinsätzen, merkte ich, wie ich mir diverse Kenntnisse in verschiedenen Berufsfeldern in kurzer Zeit aneignete. Dabei stellte sich mir immer häufiger die Fra-

Text: Ömür Dündar

ge, warum ich diesen Kenntnis- und Gelderwerb nicht in meinem eigentlichen, zukünftigen Berufsfeld erlangen konnte. Quasi eine bezahlte Hospitation!

Wer erinnert sich nicht an die Zeit im Zahnme-

Wie der Zufall es wollte, erfuhr ich von den

dizinstudium, als die ersten Anschaffungen

personellen Engpässen bei meinem behan-

ein ordentliches Loch ins Portemonnaie fra-

delnden Zahnarzt. Auf Grund von Krankheit

ßen? Es waren Bücher, Materialien und vieles

und Schwangerschaft waren in seiner Zahn-

mehr, was angeschafft werden musste. Dar-

arztpraxis Mitarbeiterinnen kurzfristig und

über hinaus gab es noch weitere Kosten wie

unvorhersehbar ausgefallen. Diesem Umstand

z.B. Miete, Nahrungsmittel, Semestergebüh-

verdankte ich die Chance, stundenweise in der

ren und, und, und.

Praxis aushelfen zu dürfen. Nach einer kurzen Einweisung konnte ich an der Rezeption unterstützen, dem Zahnarzt an der Einheit assistieren und kleinere Arbeiten im Labor übernehmen. Es eröffneten sich mir ganz neue

104 | un-plaqued No 21


THEORIE UND PRAXIS / idee

Einblicke vom Füllen der Zähne über Wurzel-

die den Kontakt zwischen Studenten und Zahn-

spitzenresektionen bis hin zu Sinuslifts.

arztpraxen vermittelt. Mittlerweile ist diese Plattform mit dem Namen

Gerade am Anfang des sehr theoretisch aus-

stuDENT® entwickelt worden und hat die erste

gerichteten Vorklinik-Studiums empfand ich

Testphase erfolgreich durchlaufen. Sie bietet

diese praktischen Erfahrungen als unglaublich

Studenten die Möglichkeit, einen Nebenver-

wertvoll und bereichernd. Besonders der Um-

dienst mit direktem Bezug zum künftigen Be-

gang mit den Patienten und die Chance, fach-

rufsfeld zu finden und praktische Erfahrungen

liche Kenntnisse aus dem Studium in der Praxis

zu sammeln. Den Zahnarztpraxen eröffnet sie

zu vertiefen, trugen dazu bei, meinen »zahn-

die Chance, den jeweiligen Bedürfnissen ent-

medizinischen Horizont« zu erweitern. Zum

sprechend kurzfristig motivierte Unterstützung

Teil wurden meine Vorstellungen von den Auf-

auszuwählen. So erhalten Zahnärzte die Option,

gaben eines Zahnarztes ganz schön zurechtge-

umgehend auf Personalengpässe zu reagieren

rückt, wenn man z.B. betrachtet, welchen ho-

und sich dabei die volle Flexibilität zu erhalten,

hen Anteil der bürokratische Aufwand in einer

da der Einsatz der Studenten ohne Vertragsbin-

Praxis einnimmt. Einige meiner Kommilitonen

dung erfolgt. Darüber hinaus besteht natürlich

hätten vielleicht eher das Studienfach gewech-

auch die Gelegenheit, potentielle zukünftige

selt, wären sie schon frühzeitig mit der Reali-

Assistenz-Zahnärzte kennenzulernen.

tät des zukünftigen Berufsalltags konfrontiert

Unter www.student-praxis.de können sich Stu-

worden.

denten und Zahnarztpraxen registrieren und nach passenden Kontakten in ihrer Umgebung

Auch die Praxis, in der ich tätig war, profitierte

suchen. Parallel dazu können die Praxen ihre

von meinem Einsatz, da ich entsprechend moti-

Unterstützungswünsche in einen Kalender ein-

viert und wissbegierig war und vom aktuellen

tragen und sich von den angehenden Zahn-

Kenntnisstand der Universität berichten konn-

medizinern »finden« lassen. Die Nutzung der

te. Angesichts dieser Win-win-Situation wurde

Plattform ist sowohl für Studenten als auch für

die Idee geboren, eine Plattform zu initiieren,

Zahnarztpraxen kostenlos. //

stuDENT Praxis-Dienstleistungs UG Westfälische Straße 34 10709 Berlin Fon (030) 12 07 67 26 info@ student-praxis.de

student-praxis.de

un-plaqued No 21 | 105


THEorie & Praxis / idee

10 einfache Ideen, die Praxis zu einem besseren Ort zu machen Angesichts der Lebenszeit, die wir mit Arbeit verbringen, sollten wir ein persönliches Interesse daran haben, uns diese Zeit so schön wie möglich zu gestalten. In der Realität wird man jedoch oft vom Arbeitsalltag eingenommen und eignet sich gern eine Betriebsblindheit an. Irgendwann steht man vor der Frage: Wann hat man sich eigentlich von seinen ursprünglichen Ideen entfernt? Wir haben hier ein paar kleine, einfache Ideen zusammengestellt, die das Leben in der Praxis wieder etwas angenehmer, effektiver und nachhaltiger machen können. Und, wir wollen eure Einfälle dazu wissen – und bedanken uns für jede gute Idee mit einem von 20 T-Shirts aus unserer UN-PLAQUED-Kollektion. Schreibt sie uns an: i_dee @ un-plaqued.com

1

Mach es authentisch. Praxisgestaltung

erin-

nert heute teilweise an De­signwettbewerbe auf

höchstem Niveau. Architekten und Depots können sich bei Zahnarzt-

2

Mach einen Tag den Job des anderen. Irgendetwas läuft immer schief und manches wiederholt sich sogar. Wo immer Alltag Einzug hält und die Routine wütet, schleichen sich Fehler, Gewohnheiten und Unflexibilitäten ein, die man an­schließend wieder

optimieren muss. Um diese Situationen analysieren zu können, hilft es, mal in Ruhe durchzuatmen und sich etwas Zeit zu nehmen, die Prozesse wirklich

praxen gestalterisch oft richtig aus-

zu analysieren. Begebt euch immer mal wieder einen Tag oder auch ein paar

lassen, was unfraglich gut aussieht,

Stunden in die Position eurer Mitarbeiter und Kollegen, um deren Anforde-

aber immer häufiger die individuel-

rungen und Lösungsstrategien effektiver beurteilen und somit auch verän-

le Note vermissen lässt. Wir empfeh-

dern zu können.

len hier, auch eure persönlichen Vorlieben einfließen zu lassen, damit es nicht nur schöne, aber sterile Räume werden, sondern eben auch euer persönlicher Wohlfühlort.

4

Schließe den Kreis – und schicke Verpackungsmaterialien zurück an die Hersteller. Laut Verpackungsverordnung sind

die Hersteller seit den Neunzigern verpflich-

3

tet, sinnvolle und recyclingfähige Verpackungen für die Produkte vorzuhalten und sich

Mach die Zahnmedizin ein bisschen grüner. Was zu

ebenso an diesem Recyclingprozess zu be-

Hause mittlerweile selbstverständlich ist, ist es in der Pra-

teiligen. Warum also nicht einfach die Com-

xis deshalb noch lange nicht: Mülltrennung. Klar, wir sor-

posite-Kapseln nach Gebrauch sammeln und

tieren den Müll nach hygienischen und sicherheitstechni-

an die Hersteller zurückschicken? Da man oh-

schen Erfordernissen, aber die simple Trennung des Restmülls nach

nehin meist mit den gleichen Produkten und

Materialen ist Neuland für die meisten Praxen. Dabei ist der Mehrauf-

Herstellern arbeitet, bin ich mir sicher, dass

wand sehr überschaubar, der Effekt allerdings groß.

ihr da noch einige andere Beispiele findet …

106 | un-plaqued No 21


THEorie & Praxis / idee

5 6

Mach es wirklich digital. Die meisten Praxen sind heute voll digitalisiert und sparen damit Zeit, Rohstoffe und Organisationsaufwand. Wie konsequent wir damit umgehen, zeigt der Alltag. Zettel hier, Ausdrucke da, zu häufig fällt man zurück auf analoge Medien. Checkt eure Praxissoftware nach Möglichkeiten, Arbeitsprozesse voll digital durchzuführen, verschickt SMS und Mails anstelle von Postkarten an eure Patienten und

benutzt bereits bedrucktes Papier für Notizen. Unser Planet wird es euch danken.

Mach es wertvoll. Wir alle wollen unseren Patienten ein besonderes Gefühl geben. Dafür

kann man sich gern auch Kleinigkeiten überlegen, die man Patienten als

7

Nimm Glas statt Plastik. Egal wohin man schaut, Einmalartikel

bevöl-

kern die Welt. Mit Weg-

schmeißen und Vergessen wird schnell Platz für Neues gemacht, die

8

Gib den kleinen Dingen Wert. Wenn 10 Millionen Menschen täglich eine Büroklammer

sparen, würden im Jahr 120 Tonnen Stahl eingespart werden kön-

Dankeschön oder Aufmerksamkeit

Konsumgesellschaft macht es mög-

nen. Täglich werden ca. 14 Millionen

mitgeben möchte. Aber denkt dar-

lich. Bei einem Blick in die eigene

Kugelschreiber aus Kunststoff ver-

an, wie viele Gimmicks ihr in eurem

Praxis wird man schnell feststellen,

kauft, jeder von ihnen benötigt un-

Leben erhalten habt und was davon

wo man ein klein wenig Müll sparen

gefähr 50.000 Jahre, um im natürli-

heute noch bei euch ist. Lasst euch

kann, wie zum Beispiel beim Wasser-

chen Kreislauf recycled zu werden.

also etwas einfallen, dass länger

spender für Patienten. Anstelle von

Es lohnt sich also, die Dinge etwas be-

Bestand hat. Es wird seinen Zweck

Plastik- oder Pappbechern kann man

wusster zu verwenden; eben so, als

besser erfüllen und am Ende sogar

hier auch Gläser hinstellen. Das spart

wäre der Stoff, aus dem sie bestehen,

eure Kosten sparen.

nicht nur Geld, sondern macht oben-

viel wertvoller – und das ist wahr-

drein noch einen besseren Eindruck.

scheinlich die richtigere Sichtweise.

9

Denke an Strom – und überlege gut, ob deine Praxis nachts beleuchtet werden

muss, damit jede umherwandernde Nachtgestalt auch wirklich

10

Wissen schlägt Glaube. Besorgt euch eine App zur Berechnung des CO2 -Fußabdrucks und macht euch euren Alltag bewusst. Fangt an zu dokumentieren, wie ihr lebt, nicht um zu kritisieren,

sondern um die Stellschrauben für ein besseres Leben kennenzulernen. Dieser Planet wird überleben – die Menschen darauf vielleicht nicht …//

sieht, wo der nächste Zahnarzt ist. Welche Leuchtmittel benutzen wir, wo wird gleichzeitig geheizt und gelüftet, wo laufen Computer, obwohl sie keiner nutzt, kurz, wo benutzen wir Strom, als gäbe es ihn unendlich? Und dann schafft es ab! Ihr werdet nicht nur weniger Betriebskosten haben, sondern einfach auch ein besseres Gewissen in eurem täglichen Umgang mit endlichen Ressourcen.

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un-plaqued No 21 | 107

20 T-Shirt


THEMA / idee

Der digitale Workflow – Vision oder Wirklichkeit

Text ZTM Andreas Klar

Man wird ja wohl noch mal träumen dürfen – hier ein Klick, da ein Klick, Drag & Drop und die »hochästhetische« Krone fällt aus der Fräsmaschine. Traum oder Realität? Oder eine Idee, die langsam den Kinderschuhen entwächst? Liest man die Fachmedien und glaubt man den diversen Hochglanzprospekten der Industrie, bekommt man schnell den Eindruck, dass fast alle Kollegen spielend einfach im digitalen Workflow arbeiten. Aber ist das wirklich so? Dieser Artikel beschreibt Gedanken, Ideen und Veränderungen.

108 | un-plaqued No 21


THEMA / idee

Es wird nie möglich sein, mit Flugmaschinen zu fliegen, die schwerer sind als Luft 

Lord Kelvin, Präsident der Royal Society, 1885

W

as würde Lord Kelvin zu den heutigen »Flugmaschinen« sagen? Oder denken wir an die Zeit, als die ersten Eisenbahnen durch die Landschaft rollten – heute scheint die Idee dahinter so unglaublich

logisch, dass die damaligen Ängste der Menschen belächelt werden. Die Pfarrer predigten gegen die »teuflische« Erfindung. Fuhrunternehmer sahen ihre Einnahmen bedroht und prophezeiten finstere Visionen: Die Rauchwolken würden das Vieh töten und die Vögel würden tot zu Boden fallen. Die Kühe in der Nähe der Bahn würden keine Milch mehr geben. Zeitungen schrieben, dass es absurd sei, Lokomotiven zu bauen, die doppelt so schnell wie Postkutschen fahren. Die schnelle Bewegung könne bei Reisenden Gehirnkrankheiten erzeugen. Trotz allem waren viele Zeitgenossen überzeugt von der Idee einer Eisenbahn.

Die schnellere Reisegeschwindigkeit und der Komfort veränderte nach und nach das soziale Leben, Menschen konnten an verschiedenen Orten wohnen und arbeiten. Bauern brachten ihre Ware zum Markt, Dorfbewohner fuhren zum Einkauf in die Stadt, Menschen zogen von einem Ort zum anderen. Das neue Verkehrsmittel ließ den Menschen eine nie gekannte Mobilität erfahren. Sie haben die Vorteile für sich erkannt.

un-plaqued No 21 | 109


THEMA / idee

Es gibt unzählige Beispiele – »As we may think«

Spielerei angesehen haben, so ist heute eines

heißt das vorausschauende Werk, in dem Van-

klar: Digitale Abläufe können die Behandlungs-

nevar Bush bereits 1945 eine Welt beschrieb, in

qualität erhöhen und die Zusammenarbeit ver-

der vernetzte Computer neue Formen der Kom-

bessern. Aber: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.

munikation erlauben. Er erkannte, wie frucht-

Der Wandel zum digitalen Workflow in der

bar die Arbeit sein kann, wenn Informationen

Zahnmedizin geht teilweise mit vollmundigen

ausgetauscht würden. Zur damaligen Zeit war

Versprechungen einher. Trotz aller Begeiste-

das undenkbar und löste bei vielen Menschen

rung sollten Anwender den greifbaren Nutzen

Unverständnis aus. Mittlerweile ist seine visio-

für sich suchen und ihren persönlichen Vorteil

näre Idee Wirklichkeit geworden. Kaum einer

definieren.

kann dem Internet entsagen und nur wenige

Mit der Akzeptanz für das Neue wird der Um-

Menschen verzichten freiwillig auf das Smart-

gang mit digitalen Technologien erleichtert,

phone. Wir haben die Vorteile erkannt und

und es wird Spaß machen, von den Vorteilen

nutzen sie für uns. Ein Rückblick in die vergan-

zu partizipieren: zum Beispiel beim intraora-

genen Jahrzehnte lohnt sich, um sich nutzbrin-

len Abformscan und den nachfolgend digita-

gende Veränderungen ins Gedächtnis zu rufen,

len Abläufen zur Fertigung eines Zahnersatzes.

inklusive der anfänglichen Unkenrufe und kritischen Stimmen.

Viele Systeme genehmigen heute den komplet-

Neues wirkt im ersten Augenblick bedrohlich.

ten digitalen Workflow, noch werden allerdings

Visionäre Ideen und daraus resultierende Ver-

in der praktischen Anwendung meistens nur

änderungen verursachen im zunächst oft Skep-

Einzelschritte digital realisiert. So ist die com-

sis und Angst. Sobald der Mensch jedoch seinen

putergestützte Fertigung von Zahnersatz längst

persönlichen Vorteil im Neuen entdeckt, freun-

etabliert. Die meisten der modernen Hochleis-

det er sich mit der Idee an und lässt sich auf die

tungsmaterialien sind nur durch die CAD/CAM-

Veränderung ein.

Fertigung umzusetzen. Ebenso ist die digitale Bildgebung in vielen Praxen zum Standard ge-

Seit den ersten erfolgreichen Flugversuchen bis

worden. Um die Idee des »komplett« digitalen

zum Abheben des Airbus 380 sind etwa 120 Jahre

Workflows zu leben, müssen jetzt die Puzzletei-

vergangen. Eine relativ lange Zeit. Im 21. Jahr-

le (einzelne Prozessschritte) miteinander ver-

hundert sind wir gehalten, uns in immer kür-

netzt werden – DICOM-Daten mit STL-Daten und

zeren Abständen an Veränderungen zu gewöh-

Porträtbildern etc. Behandlungsteams, die ein-

nen. Auch die Zahnmedizin bleibt davon nicht

mal einen solchen Ablauf für sich definiert ha-

unberührt, und mochte man die Digitalisierung

ben, möchten die Datenvernetzung nicht mehr

vieler Arbeitsabläufe in der Praxis und im La-

missen.

bor noch vor ein paar Jahren als technische

110 | un-plaqued No 21


THEMA / idee

Einblick in einen digitalen Workflow: Datenerfassung im Mund, Beurteilung der Präparation, Modellherstellung. un-plaqued No 21 | 111


THEMA / idee

Nach der Etablierung der CAD/CAM-gestützten Fertigung und der digitalen Bildgebung rückt der nächste Baustein in den Fokus: Die intraorale digitale Datenerfassung. Viele Praxisinhaber fragen sich, ob die Implementierung eines solchen Systems in den Praxisalltag Sinn macht und ob sich die Investition lohnt. Noch vor einigen Jahren war die Anwendung der intraoralen digitalen Datenerfassung mit der maschinellen Chairside-Herstellung von Zahnersatz verbunden. Die Tendenz geht jedoch in Richtung offener Systeme, also einer Trennung von digitaler Abformung und Fertigung. Viele Zahnmediziner möchten sich im Arbeitsalltag auf die Behandlung am Patienten und die Führung ihrer Praxis konzentrieren. Sie wollen sich nicht eingehend mit dem Konstruieren von Zahnersatz beschäftigen und setzen auf die Kompetenz und die Zusammenarbeit mit ihrem Zahntechniker. Digital bedeutet nicht, dass die Krone automatisch in der Software konstruiert wird. Das Vorgehen ist komplex, und viele Zahnmediziner sehen in dem (zeit)aufwändigen Konstruieren für sich keinen Vorteil. Warum ein digitaler intraoraler Abformscan? Ob konventionell oder digital, für die Herstellung einer prothetischen Restauration muss die Mundsituation an den Techniker übermittelt werden. Bereits heute wird ein Großteil der prothetischen Restaurationen CAD/ CAM-gestützt gefertigt. Hierfür bedarf es eines virtuellen Modells, welches auf digitalen Daten basiert. Wird in der Praxis konventionell abgeformt, muss das Gipsmodell nach dem Ausgießen digitalisiert werden. Dieser Umkehrprozess (analog zu digital) birgt Fehlerquellen, die mit der intraoralen digitalen Datenerfassung umgangen werden. Die Daten werden direkt aus dem Mund in die Software übermittelt. Ein guter Vergleich findet sich in der Musikbranche. Erst Jahre nachdem die digitale Datenverarbeitung/Datenspeicherung (DVD, CD) etabliert war, wurden digitale Aufnahmegeräte praxistauglich. Jahrelang musste der Kompromiss eines Umkehrprozesses eingegangen werden. Heute erfolgen Aufzeichnung und Konsum digital. Umkehrprozesse mit Datenverlust (vermindertes Klangerlebnis) werden umgangen. An diesem Punkt befindet sich derzeit die digitale Zahnmedizin. Die Fertigung des Zahnersatzes erfolgt zum Großteil digital. Die Daten (Mundsituation) werden jedoch überwiegend noch analog aufgenommen. 112 | un-plaqued No 21


THEMA / idee

Die digitale Verfahrenskette verspricht in vielen Indikationen eine Vereinfachung der Arbeitsabläufe und hochqualitative Ergebnisse. Aber was in Produktfilmen und in Artikeln einfach und spielend aussieht, bedarf der Übung und des Respektierens der Grenzen. Viele Vorteile gegenüber dem konventionellen Vorgehen sind überzeugend, aber nach wie vor sind wir Limitationen ausgesetzt. Also weshalb in diese Technik investieren und digital abformen?

Organical Scan Oral (konfokale Mikroskopie). Laserlinien werden auf das Messobjekt projiziert und die Punktewolke mit Hilfe des Moiré-Effektes berechnet. Die Aufnahmen der CCD (Charge-coupled Device)-Kamera erfolgt mit 14 Bildern pro Sekunde entsprechend einer Video-sequenz.

Als entscheidenden Vorteil für den Zahnmediziner ist nicht die etwaige Chairside-Herstellung der Restauration zu nennen, sondern die direkte Kontrolle der eigenen Arbeit. Unmittelbar nach der Präparation des Zahnes wird die Situation am Bildschirm beurteilt. Unterschnitte, Pfeilerdivergenzen, Präparationsgrenze, geringe Platzverhältnisse etc. können direkt nachgearbeitet werden. Das erhöht die Behandlungsqualität und unterstützt das substanzschonende Präparieren. Auch der Patient profitiert – Würgereiz, unguter Geschmack des Abformmaterials oder eingeschränkte Atmung werden umgangen. Durch die direkte Darstellung der Mundsituation auf dem Bildschirm kann eine patientengerechte Erklärung erfolgen. Bestimmte Sachverhalte können anschaulich dargestellt werden. Innovativ und sinnvoll sind in der Behandlungseinheit integrierte Tablet-PCs, mit welchen eine gezielte Patientenaufklärung erfolgen kann. Um den Sinn der digitalen Abformung zu erfassen, lohnt sich ein Blick auf das konventionelle Vorgehen und dessen Fehleranfälligkeit. Bereits die Wahl des Abformmaterials, un-plaqued No 21 | 113


THEMA / idee

dessen Lagerung, das Mischungsverhältnis sowie die Verweildauer im Mund können die Abformqualität beeinflussen. Der Versand der Abformung birgt weitere Fehlerquellen, ebenso die Handhabung im Labor. Bei der Modellherstellung können die Wahl des Gipses, das GipsWasser-Mischungsverhältnis und das Modellsystem Qualitätsverluste nach sich ziehen. Aber: Auch ein Intraoralscanner – egal von welchem Hersteller – ist kein Garant für Erfolg! Der Teufel liegt bekanntlich im Detail. Genaues und trainiertes Vorgehen ist im digitalen Ablauf ebenso Voraussetzung. Es gibt diverse Ausbildungsangebote, die in mehreren Modulen auf das Scannen sowie die Handhabung beziehungsweise Weiterverarbeitung der Daten eingehen. Die Technologie »Digitaler Workflow« ist keine visionäre Idee, sondern praxisreif. Die digitale intraorale Datenerfassung ist für viele Indikationen sinnvoll einsetzbar. Nach wie vor gilt es, einige Hürden zu überwinden und Limitationen zu beseitigen. Doch es wird geforscht und entwickelt, und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die meisten Indikationen digital im Mund erfasst werden können. Je früher ein Anwender einsteigt, desto leichter fällt es ihm und seinem Team, die neue Technik zu akzeptieren und sich konstruktiv damit zu beschäftigen. Die Investition für einen Mundscanner bewegt sich derzeit zwischen 20.000 und 30.000 Euro. Ein Abschreibungszeitraum von vier Jahren wäre als ideal zu erachten. Es gibt diverse Leasingmodelle, bei welchen eine überschaubare Rate von etwa 350 Euro anfällt. Nach vier Jahren tauscht man das Gerät in ein neues Modell um. So ist der AnwenDigitale Datenerfassung im Mund des Patienten. Quasi in Echtzeit erscheint die Situation am Monitor.

114 | un-plaqued No 21

der immer auf dem aktuellen Stand der Technik, was in dieser relativ frühen Phase der Abform-Scangeräte sehr zu empfehlen ist.


THEMA / idee

Was kommt nach der digitalen Abformung? Was passiert mit den Daten, die mit viel Akribie im Mund erfasst wurden? Wie bereits erwähnt, besteht die Möglichkeit, die Restauration in der Praxis fertigen zu lassen. Die Systeme hierfür sind sehr gut und liefern qualitativ akzeptierbare Ergebnisse. Ein Vorteil gegenüber der laborseitigen Herstellung ist allerdings nicht ersichtlich, außer eine – häufig vermeintliche – Kostenersparnis. Hier lohnt sich eine detaillierte Gegenüberstellung von Erstinvestition, Zeit für die Einarbeitung in die Modelliersoftware, fallbezogenem Zeitaufwand, Modellation, Software-Updates, Nacharbeit der Restauration, Materialeinsatz et cetera. Der Weg über das Labor ist für die meisten Zahnmediziner nach wie vor der komfortablere und letztlich auch der günstigere. Der Versand der Abformdaten in das Labor erfolgt via Server oder E-Mail. Die meisten Systeme haben diese Funktion integriert. Idealerweise agiert das Behandlungsteam nach einem exakt aufeinander abgestimmten Workflow beziehungsweise Leitfaden. Zusätzlich zu den intraoralen Daten kann ein Porträtbild-Status des Patienten an den Techniker übermittelt werden. Für technikaffine Kollegen gibt es die Möglichkeit eines Gesichtsscans via Imaging-Technologie. Der 3D-Gesichtsscanner gestattet die fotorealistische Darstellung des Patienten, die Daten können mit den digitalen Daten der Abformung verknüpft werden. Eventuell vervollständigen radiologische Daten das Gesamtbild. Damit kann die Idee »virtueller Patient« Wirklichkeit werden. Gerade für Labore, die mit Zahnarztpraxen in einer weiteren Distanz zusammenarbeiten, sind derartige Kommunikationstools traumhaft. Alle relevanten Daten des Patienten (STL, Porträt, DICOM ...) können über eine Cloud-Lösung oder eine andere serverbasierte Technik an den Techniker übermittelt werden. Er kann sich vor dem Beginn jedweder Behandlungsmaßnahme gezielt über die prothetische Versorgungsmöglichkeiten Gedanken machen, dies mit dem Zahnmediziner abstimmen und einen Restaurationsvorschlag sowie eine Kostenofferte erstellen. Theoretisch kann dem Patienten ein erster, realistischer Eindruck von dem zu erwartenden Ergebnis vermittelt werden (entsprechend der medizinischen Machbarkeit). Über ein digitales Mock-Up wird das un-plaqued No 21 | 115


THEMA / idee

anzustrebende Therapieergebnis visuell dargestellt. Aufgrund der sich entwickelnden Patientenansprüche wird diese Technik zukünftig an Bedeutung gewinnen. Die Digitalisierung bietet eine große Chance, die Kommunikationen zwischen der Praxis, dem Labor und dem Patienten zu optimieren.

3D-Gesichts-Scan: Nach Erhalt der Abformdaten kann der Zahntechniker direkt mit der virtuellen Modellation und der Fertigung der Restauration beginnen.

Zukunft 3D-Drucken? Nach wie vor ist in vielen Fällen ein physisches Modell unerlässlich. Dieses Modell dient weniger der Passungskontrolle, sondern unterstützt bei der finalen Arbeit (individuelle Verblendung, Okklusionkontrolle). Für die digitale Modellfertigung werden momentan zwei Verfahren angewandt: Fräsen und Drucken. Dabei erhält besonders das Drucken von Modellen in letzter Zeit erhöhte Aufmerksamkeit. Zu Recht? Ein faszinierender Gedanke: Per Knopfdruck lassen wir eine virtuell entworfene Handtasche, Handyhülle oder einen Lampenschirm produzieren. Ein Unikat, das garantiert kein anderer hat. Mit der 3D-Drucktechnologie fertigen wir das, was es nicht zu kaufen gibt – der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. „Handliche“ 3D-Drucker für die eigenen vier Wände lassen diese Technik in den privaten Alltag eindringen; jeder kann sein eigener Produzent werden. Der Drucker setzt virtuell konstruierte Objekte jedweder Fasson um. Auf der Industriemesse Euromold 2012 wurden hier bereits zukunftsweisende Wege gezeigt. 116 | un-plaqued No 21


THEMA / idee

In wenigen Jahren werden wir Lampenschirme, Spielzeug, Geschirr oder sogar Fahrräder konstruieren. Zwar ist nicht absehbar, dass in jedem Haushalt ein 3D-Drucker steht, aber Dienstleister – ähnlich dem »Copyshop« – werden die virtuell entworfenen Konstruktionen drucken. Der 3D-Drucker funktioniert ähnlich wie ein klassischer Tintenstrahldrucker – nur, statt Tinte fließt Kunststoff und statt eines Textes speisen wir den Drucker mit unserer CAD-Konstruktion. Einige Ökonomen sprechen davon, dass durch diese Technologie die »dritte industrielle Revolution« eingeleitet werde, denn schon heute sind 3D-Drucker imstande, mit relativ geringem Aufwand eine hohe Stückzahl an Objekten herzustellen. Gesamtwirtschaftlich betrachtet kann dies die industrielle Wertschöpfungskette (Wirtschaftskreislauf) verändern. Was bisher in Billiglohnländern produziert wurde, könnte nun in der Druckerei nebenan gedruckt werden; teilweise günstiger und ökologisch sinnvoller. Doch wo liegen die Grenzen? Kann auch Zahnersatz gedruckt werden? Noch vor ein paar Jahren war der 3DDruck der Großindustrie vorbehalten (Fertigung von Prototypen). Heute sind 3D-Drucker auch für kleinere Unternehmen erschwinglich; sie werden von Designern, Ingenieuren, Architekten und mittlerweile auch Zahntechnikern verwendet. In der Dentalbranche werden hauptsächlich Modelle, Klammerprothesen (Modellguss) sowie Schablonen gedruckt. Allerdings ist die Anwendung respektive die Fertigung von Zahnersatz beschränkt. »Normale« 3D-Drucker liefern nicht die geforderte Genauigkeit, die Oberflächen sind grob, der Druck dauert lange und die Materialkosten sind hoch. Wir arbeiten in unserem Labor mit speziellen Hochgenauigkeits-Druckern (ProJet MP 3000, ProJet DP 3000), deren Anschaffung für ein herkömmliches Labor in der Regel nicht rentabel ist. Da wir als Fertigungszentrum eine hohe Stückzahl umsetzen, sind die Kosten adäquat und die Stückpreise moderat. Für viele Zahnärzte und Labore sind wir somit Zulieferer und Dienstleister für die Modellherstellung basierend auf ihren digitalen Abformdaten. Stellt sich ein Muster: Auf der Euromold 2012 (Weltmesse für Werkzeug- und Formenbau, Design und Produktentwicklung) wurden zukunftsweisende Wege gezeigt. Durch handliche 3DDrucker dringt die 3D-Drucktechnologie mehr und mehr in den Alltag.

Labor die Frage, ob das Modell gedruckt oder gefräst werden soll, gilt es die wirtschaftlichen Faktoren zu Bedenken. Ein 3D-gedrucktes Modell ist nicht zum Preis der BELListe umsetzbar, da allein die Selbstherstellungskosten zwischen 20 und 30 Euro liegen. un-plaqued No 21 | 117


THEMA / idee

3D-Hochgenauigkeits-Drucker »ProJet MP 3000« Modellation des Stumpfmodells in der Software »ModelBuilder« (3Shape).

Nach der virtuellen Gerüstmodellation (CAD) erfolgt das Fräsen der Käppchen (CAM) aus Zirkoniumdioxid. Im ästhetisch relevanten Bereich erfolgt die individuelle Verblendung manuell. Fräsen oder Drucken – in der Modellherstellung ist beides möglich. Modelle, die auf einem handelsüblichen 3D-Drucker gefertigt werden, befriedigen in der Qualität, der Genauigkeit und der Haptik nicht. Die Herstellung des einzelnen Modells ist teurer. Eine gute Alternative sind somit gefräste Modelle. Diese können in guter Qualität und zu überschaubaren Kosten gefertigt werden. Das ist ein Weg, der in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. In vielen Laboren stehen CAD/CAM-Geräte, die idealerweise mit der Modellfertigung ausgelastet werden könnten. Die Fräszeiten für ein Modell liegen bei kalkulierbaren 1 bis 2 Stunden. Die Modellmaterialien ähneln in der Haptik und der Oberflächentextur dem Gips. Selbst mit den kostengünstigen 4-Achs-Fräsmaschinen ist eine Modellherstellung möglich, allerdings ist der Anwender hier auf einfache Modelle beschränkt. Labortechnisch wird das Fräsen von Modellen einen hohen Stellenwert bekommen, im großindustriellen Maßstab ist das Drucken kostengünstiger. 118 | un-plaqued No 21


THEMA / idee

3D-gedrucktes Modell mit herausnehmbaren Einzelstümpfen. Material: Epoxidharz

Nach der virtuellen Konstruktion wird das Modells gefräst.

5-Achs-Fräsmaschine Organical Multi. un-plaqued No 21 | 119


THEMA / idee

Fazit Fortschritt braucht Visionäre, Ideen und die Bereitschaft zur Veränderung. Aber auch der »gesunde Menschenverstand« ist einzuschalten, im Alltagsleben ebenso wie in der digitalen Zahnmedizin und Zahntechnik. Trotz aller Begeisterung für die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten sollten Sinn und Zweck der jeweiligen Technologie hinterfragt werden. Nicht alles, was als »zukunftsweisende Innovation« verkauft wird, bringt letztlich die versprochenen Vorteile. Zahnmediziner und Zahntechniker sollten nach wie vor die bewährten Fertigungsund Therapiewege lernen. Das ist die Grundlage für ihr Tun, und hier liegt der wahre Wert ihrer hochqualitativen Arbeit. Wird das konventionelle Wissen und Können intelligent mit digitalen Konzepten verknüpft, ist der Mehrwert der dentalen Digitalisierung ersichtlich. Akzeptieren wir die Veränderungen und lassen wir uns Schritt für Schritt darauf ein! Und bei all dem Wandel, manches bleibt: Nur konsequent umgesetzte und valide Behandlungsstrategien ermöglichen eine patientenorientierte Behandlung. Qualität macht sich bezahlt, eine präzise Arbeitsweise und das Streben nach Nachhaltigkeit werden auf Dauer belohnt. // Rübeling + Klar Gefräste Modelle mit herausnehmbaren Einzelstümpfen. Als Blanks stehen verschiedene Materialien zur Verfügung, in der Regel eine Mischung aus Gips und Kunststoff.

120 | un-plaqued No 21

Dental-Labor GmbH Ruwersteig 43 · 12681 Berlin ruebeling-klar.de


Wissen, das in keinem Lehrplan steht: Wo beantrage ich eine Gratis-Mitgliedschaft f체r den MEDI-LEARN Club? Wo bestelle ich kostenlos Famulatur-L채nderinfos und das MEDI-LEARN Biochemie-Poster? Wann macht eine Studienfinanzierung Sinn? Wo gibt es ein geb체hrenfreies Girokonto? Warum brauche ich schon w채hrend des Studiums eine zahnarztspezifische Haftpflichtversicherung?

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RUBRIK /UND THEORIE ideePRAXIS / idee

Was ist aus Deiner Idee geworden? Text Hans Ljusson · Foto Laura Kaiser

N

eulich, Montagmorgen auf dem Weg zur

tet, arbeitet einige Monate oder Jahre und an ir-

Arbeit. Ich rolle durch den Berliner

gendeinem Punkt kommt die Frage: Was will ich

Stadtverkehr und fange an darüber

überhaupt? Wo will ich in meinem Job landen?

nachzudenken, wie es kommt, dass ich ausge-

Wohin soll es privat gehen? Was ist das Ziel?

rechnet in diese Praxis zur Arbeit fahre. Es ist die vierte Station in meinem Berufsleben als

Jeder hat Ideen und Vorstellungen davon, wie

Zahnarzt, und ich frage mich, ob es die letzte

sein Leben idealerweise aussehen soll. Dazu

sein wird.

gehört neben dem Beruf vor allem auch Privates wie Familie, Freunde, soziales Umfeld und

Grundsätzlich ist alles bestens, ich habe im Ge-

Freizeit. Diese Vorstellungen sind variabel und

gensatz zu den ersten drei Stationen das Gefühl,

verändern sich im Laufe der Zeit durch alle Ein-

dass ich ein Arbeitsumfeld gefunden habe, in

flüsse, denen wir in unserer Entwicklung begeg-

dem ich meine Philosophie von Zahnmedizin nahezu vollständig verwirklichen kann. Mein Chef ist schwer in Ordnung, nette Helferinnen, eine gute Ausstattung und angenehme Patienten. Irgendwie stand auch die Idee einer Gemeinschaftspraxis bereits im Raum. Und doch gibt es Mor-

Was treibt uns an, Dinge und Gegebenheiten zu ändern?

gen wie diesen, an denen die

nen. Ständig entstehen neue Möglichkeiten, die uns veranlassen, unsere Vorstellung abzugleichen und ggf. neu zu definieren. Dabei sind die Einflüsse auch durch gesamtgesellschaftliche Prozesse in den letzten Jahrzehnten gewaltig angewachsen. Während man früher eher regional verankert

Vorfreude auf dem Weg zur Arbeit nicht so rich-

studierte und arbeitete, ist es heute möglich, in

tig aufkommen will.

fast jedem Land dieser Erde zu studieren oder den Beruf auszuüben. Dies ist in vielen Bran-

Wer kennt das nicht? Man hat das Studium über-

chen deutlich verbreiteter als in der Medizin

lebt, ist zu 150% motiviert im Job durchgestar-

oder der Zahnmedizin. Die Qual der Wahl also.

122 | un-plaqued No 21


THEORIE UNDRUBRIK PRAXIS/ / idee

Gibt es sie, die eine geniale, zündende Idee?

nung, materielle Werte, soziale Netzwerke und

Braucht es diese vielleicht sogar, um wirklich

Familie. Eine hoch individuelle Mischung der

erfolgreich zu sein? Und wenn ja, wie erken-

persönlichen Motivationen, die den persönli-

ne ich sie? Braucht unser Werdegang einen großen Masterplan oder ist er eher ein Produkt vieler kleiner Entscheidungen und Zufälle? Was treibt uns an, Dinge und Gegebenheiten zu ändern? Es gilt zuweilen als po-

Unzufriedenheit ist Grundlage der Kunst und alles andern Schaffens

chen Entscheidungen zur eigenen Entwicklung zu Grunde liegen. Wer seine Motivationslage ergründen möchte, sollte die Komplexität reduzieren und die Teilbereiche untersuchen. Wo liegen meine Prioritäten? In Beruf, Freizeit oder dem

sitiver Charakterzug eines Menschen, wenn dieser zielstrebig ist und

sozialen Umfeld? Wie endgültig müssen mei-

beharrlich auf ein Ziel zuarbeitet. Hermann

ne Entscheidungen sein? Sind sie erweiterbar?

Löns sagte: »… Zufriedene Maler und Bildhau-

Gibt es Zwischenziele? Welche zeitlichen Hori-

er und Dichter und Musiker, die gibt es wohl,

zonte gebe ich mir, um bestimmte Dinge zu re-

aber dann sind es eben Handwerker. Die Un-

alisieren?

zufriedenheit ist die Grundlage der Kunst und

Man kann Hermann Löns so verstehen, dass

alles andern Schaffens…« Aber wie unzufrie-

eine gewisse Unzufriedenheit der Antrieb da-

den muss man sein, um seine Kreativität zu mo-

für ist, Ideen klarer herauszuarbeiten und sie

bilisieren?

vor allem zu realisieren. Gelegenheiten wollen

Hier wird es individuell. Ein jeder trägt Kreati-

erkannt und ergriffen werden, auch wenn man

vität in sich, aber aus ihr etwas zu machen, dar-

sein Ziel dabei sicherlich nicht ganz aus den Au-

in bestehen die großen Unterschiede. Man kann

gen verlieren sollte. Die Unzufriedenheit wird

durch die verschiedensten Aspekte beflügelt

einen im Zweifel einholen und wieder auf den

werden: Ehrgeiz, Sicherheitsdenken, Anerken-

Weg schicken. // un-plaqued No 21 | 123


Theorie und Praxis / idee

Von der Idee zur Erfolgsgeschichte Text Nadja Alin Jung · Fotos Björn Giesbrecht

124 | un-plaqued No 21


Theorie und Praxis / idee

Urban Reißing hatte eigentlich geplant, in eine erfolgreiche kieferorthopädische Praxis in Baden-Württemberg als Partner einzusteigen. Dass es auch anders geht, hat er mit seiner KFO-Neugründung »urban smile« im beschaulichen Göppingen eindrucksvoll bewiesen. Ich habe ihn auf seinem Weg begleitet und kann begeistert davon berichten, wie aus einer mutigen Entscheidung eine erfolgreiche Existenzgründung wurde, die nach wie vor Platz für visionären Ideenreichtum lässt und Patienten wie Praxis-Team mitreißt.

Reinfälle und Einfälle

ten Ausbildungsjahr war dies schon weit ge-

Nach nüchterner Betrachtung der ursprünglich

dacht. Kritische Stimmen von Kollegen und aus

angedachten Praxispartnerschaft blieb für Ur-

dem privaten Umfeld machten ihm das Vorha-

ban nur noch ein Gedanke: »Ich mache etwas al-

ben nicht schmackhafter. Aber Urban ließ sich

leine.« Anfangs klang die Praxispartnerschaft

nicht beirren, und ehe man sich versah, war er

sehr vielversprechend, doch nach längerem

schon mittendrin.

Hin und Her stellte sie sich aus finanzieller und räumlicher Sicht als Schnapsidee heraus. Die

Und tatsächlich, das Glück war auf seiner Seite:

bestehenden Räumlichkeiten waren für zwei

Urban fand eine stillgelegte Praxis in zentraler

Partner zu klein, ein Ausbau nicht möglich und

Lage, verkehrstechnisch ideal angebunden und

ein Umzug kam aufgrund einer Immobilienbin-

mit drei Schulen im direkten Umfeld. Jackpot!

dung nicht in Frage. Unter diesen Gegebenhei-

Nicht so hitverdächtig war das Innere der Pra-

ten erschien der Preis im Gegensatz zu einer

xis. Die Räumlichkeiten befanden sich in solch

Praxisneugründung unverhältnismäßig hoch.

einem desolaten Zustand, dass eine Kernsani-

Rasches Umdenken war angesagt.

erung unausweichlich war. Es würde also aufwendig und teuer werden.

Die zunächst nur beiläufig verfolgte Idee einer Neugründung wurde nun zu Plan A. Früh

Raum für Ideen

war klar, dass sich Urbans Praxiskonzept nicht

Jetzt ging es richtig los: Ein Steuerberater küm-

nach den Räumlichkeiten richten sollte – seine

merte sich um die Finanzierung, ein Architekt

über die Jahre entwickelte Praxisidee brauch-

um die Planung, und das Depot rieb sich bei die-

te Luft zum Atmen. Es galt also, eine ausrei-

sem Beschaffungsvolumen die Hände. Nach-

chend große Immobilie mit Ausbaupotenzial

dem die Finanzierung gesichert, der zuständige

zu finden. Zudem musste sich Urban gedank-

Bankberater dem Nervenzusammenbruch nahe

lich mit der Sachlage »Praxisneugründung«

und der Mietvertrag unterzeichnet war, starte-

arrangieren. Als Fachzahnarzt für KFO im letz-

te das Abbruchunternehmen. Kein Stein blieb

un-plaqued No 21 | 125


Theorie und Praxis / idee

auf dem anderen, bevor sich der Vorhang nach

wurden alle möglichen Ausbaustufen der Pra-

einer gut viermonatigen Umbauphase am 15.

xis gedanklich durchgespielt und von Beginn

Oktober 2012 hob und »urban smile« geboren

an eingeplant. So wurden beispielsweise nur

war.

zwei Behandlungsräume ausgebaut, jedoch Platz und Anschlüsse für insgesamt sechs vor-

Doch zuvor war viel Denkarbeit notwendig: Ein

gesehen. Nice-to-have-Gimmicks, wie Geräte

Schlüssel zum nachhaltigen Erfolg ist, zu wis-

zur optimetrischen Wirbelsäulenvermessung,

sen, wie Räumlichkeiten sowohl im anlaufen-

digitalen Abformung oder Axiographie wur-

den Praxisbetrieb als auch in Zukunft optimal

den für die nächsten Ausbaustufen räumlich

bespielt werden können. Nach diesem Credo

bereits eingeplant. Doch vor der technischen

126 | un-plaqued No 21


Theorie und Praxis / idee

Weiterentwicklung und der Ausprägung von

tet und sogar ein Headhunter engagiert. Ich

Alleinstellungsmerkmalen musste erst eine

war bei sämtlichen Vorstellungsgesprächen

stabile Basis geschaffen werden. Dazu benö-

dabei und coachte und unterstützte Urban

tigt man nicht nur ideale Räumlichkeiten, son-

Reißing bei der Auswahl, denn das Verhandeln

dern auch gutes Personal.

von Einstellungsverträgen lernt man nicht im Zahnmedizinstudium. Das geplante Personal-

Idee + Planung + Umsetzung

kostenbudget war straff kalkuliert, und so muss-

Auf der Suche nach Personal wurden Anzei-

ten wir gut planen. Wie viele Mitarbeiter kann

gen bei der Kammer, auf einschlägigen Job-

sich die Praxis anfänglich leisten? Welche Posi-

Portalen und in der regionalen Presse geschal-

tionen müssen als Erstes besetzt werden, welche

un-plaqued No 21 | 127


Theorie und Praxis / idee

können warten und wie gestaltet man eine

schrieben, die Geschäftsausstattung gedruckt

optimale Personaleinsatzplanung? Zwei Mona-

und der Kartoffelsalat des Cateringunterneh-

te vor Praxiseröffnung hatten wir ein perfektes

mens für die Eröffnung verkostet werden. Hin-

Praxisteam zusammengestellt, das sich auch im

dernis des gesamten Unterfangens: die Praxis

Nachgang als kompetent erwies und den Her-

selbst, die bis zum 15. Oktober wie eine einzi-

ausforderungen einer Praxisneugründung ge-

ge Baustelle aussah. So mussten wir mit dem

wachsen war.

Praxis-Fotoshooting bis zum Tag der Baustellenauflösung warten, der zugleich der erste

Bereits in der Bauphase wurde ein Marketing-

Arbeitstag war. Wenn auch etwas chaotisch,

Aktionsplan entworfen, um Dead­lines festzu-

haben wir zwischen den letzten Handwerkern,

legen und das klar begrenzte Marketingbud-

der Einrichtung der Praxis-EDV und den ersten

get bestmöglich einzusetzen. Ein Praxis-Claim

Patienten auch diesen Tag erfolgreich gemeis-

musste gefunden, das Logo und eine Website

tert. Nach dem Shooting lief die Marketing-

entwickelt, Werbeflyer entworfen, Texte ge-

Mühle auf Hochtouren. Die regionale Presse

128 | un-plaqued No 21


Theorie und Praxis / idee

wurde kontaktiert sowie eine Postwurfsendung

die Räumlichkeiten, lernten mehr über die

an alle Haushalte in Göppingen und Umkreis

Praxisphilosophie und erfreuten sich an schwä-

organisiert. Zwei lokale Zeitungen berichte-

bischer Hausmannskost. Kollegen, die Urban

ten über die Praxis, jeweils mit einer gesam-

im Vorfeld zur Förderung der interdisziplinä-

ten Seite redaktioneller Berichterstattung,

ren Zusammenarbeit besucht hatte, kamen an

nicht zuletzt durch unser fleißiges Eintreiben

diesem Tag, um die Praxis persönlich zu sehen.

von Sponsoring-Geldern bei den beteiligten

Idee und Umsetzung gefielen!

Praxiszulieferern. Die Patienten schätzen die neuen, hellen RäumDer ideelle Stoff für eine Praxis

lichkeiten, die eingehende individuelle Bera-

Die Eröffnungsveranstaltung am 3. Novem-

tung und den persönlichen Aspekt – denn bei

ber war ein voller Erfolg. 250 Neugierige stie-

»urban smile« ist der Patient kein Patient,

ßen mit dem Praxisteam an, besichtigten

sondern Gast. Urban begleitet alle Patienten

un-plaqued No 21 | 129


Theorie und Praxis / idee

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persönlich zur Tür und verabschiedet jedes

der Patientenbehandlung zu widmen. Gerade

Familienmitglied mit einem Handschlag.

bei einem Team aus vielen Teilzeitkräften sind

Die Zahlen geben dem Konzept recht: Durch-

Themen wie Mitarbeiterführung, oder die Ver-

schnittlich 20 Neupatienten pro Woche sind

gabe von Aufgaben und Verantwortlichkeiten

keine Seltenheit, und die Praxis ist nach nur ei-

eine Herausforderung. Doch mittlerweile sind

nem halben Jahr deutlich auf Expansionskurs.

die ersten Arbeitsanweisungen und Checklis-

Es wurden bereits vier neue Mitarbeiterinnen

ten geschrieben, klare Strukturen im Personal-

eingestellt, die räumliche Behandlungskapazi-

wesen etabliert. Regelmäßig finden Team-Mee-

tät hat sich verdoppelt und die Anstellung ei-

tings statt, und organisatorische Maßnahmen

nes weiteren Kieferorthopäden wird mit Nach-

werden einfallsreich voran­getrieben.

druck verfolgt.

Für Ideenreichtum war Göppingen genau die richtige Wahl. Und das Praxisgebäude hält noch

Urbans Traum hat sich erfüllt, doch der Weg

ein weiteres leeres Stockwerk für neue span-

dorthin war nicht immer ohne Stolperstei-

nende Ideen der Praxis »urban smile« bereit. //

ne. Schnell werden unliebsame Themen wie Finanzbuchhaltung, Praxisorganisation, Strukturaufbau vernachlässigt, um sich voll und ganz

130 | un-plaqued No 21


DRUCKLUFT

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BILDGEBUNG

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THEORIE UND PRAXIS / idee

Was kostet 'ne Idee? Text Kjell Ole Kröger

Jeden Tag entwickelt das menschliche Gehirn 60.000 Gedanken. Pi mal Daumen. Von der Abarbeitung der Einkaufsliste über banale Überlegungen für die richtige Formulierung einer E-Mail, bis hin zu jenen Gedanken, die kurze Zeit später auch ausgesprochen werden. Ideen tragen unsere Wirtschaft, sorgen für Innovationen, Erfindungen und Verbesserungen. In gleicher Weise können sie jedoch auch Leid, Gewalt und Misserfolg hervorrufen.

D

er Wert einer Idee, für den Einzelnen aber auch die Menschheit ist schwer zu bemessen. Zum einen, weil gute Ideen meist ihrer Zeit voraus sind und ihre Effekte zum Zeitpunkt ihres Erdenkens noch gar nicht ab-

lesbar sind, zum anderen, weil heute so gut wie nichts mehr autark entwickelt wird, sondern jede Entwicklung sich aus Netzwerken, vorangegangenen Ideen und den Einflüssen vieler Menschen speist. Wie viel ist einem zum Beispiel die Idee des Internets wert, wenn der geliebte Mensch am anderen Ende der Welt sitzt und man nur zum Handy greifen oder den Computer einschalten muss, um in wenigen Sekunden Kontakt aufzunehmen? Ist diese Idee 34,99 Euro im Monat für einen Internetanschluss wert? Ist sie 30 Cent für die SMS wert? Was unterscheidet einen Gedanken von der Idee? Kann der Wert einer Idee in Zahlen gemessen werden? Eine Idee gilt zumeist der Lösung eines aufkommenden Problems. Mit kreativen Überlegungen suchen wir nach einem Weg, ein Problem in den Griff zu bekommen oder ganz aus der Welt zu schaffen. Hierbei gilt in den meisten Fällen: Für jedes Problem gibt es auch eine Lösung. Also ist die Frage eher: Habe ich die richtige oder passende Idee für meine Problemstellung? Oder im Umkehrschluss: Was kostet mich das Problem, sollte meine Idee zu keiner Lösung führen? Bei der Begleitung von Existenzgründern, egal ob Praxisübernahme oder Neugründung, Sozietät oder Einzelpraxis, ist jeder Mensch individuell zu betrach132 | un-plaqued No 21


THEORIE UND PRAXIS / idee

ten. Eines lässt sich jedoch immer wieder feststellen. Einen Ablauf, der nicht von Problemen oder Schwierigkeiten begleitet wird, gibt es nicht. Ob kommunikative Schwierigkeiten mit dem Vermieter, Fehlkalkulationen von Zulieferern oder Unzuverlässigkeiten von Gewerken in der Umbauphase, abweichende Kaufpreisvorstellungen zwischen Abgeber und Übernehmer oder einfach nur die Selbstzweifel, ob die notwendigen Umsätze erreicht werden, können zu Hürden werden, die scheinbar unlösbar wirken. Über externe Hilfe und Prüfung nachzudenken, ist an dieser Stelle sicherlich eine sehr gute Idee. Den Weg in die eigene Praxis deshalb zu verlassen, eher eine schlechte. Schon ein im Grundriss oder Bauplan falsch eingezeichneter Wasseranschluss kann in einer Umbauphase zu erheblichen zeitlichen Verzögerungen führen. Nicht selten kommt es dadurch zur Verschiebung des geplanten Eröffnungsdatums und damit auch zu erhöhten Startkosten. Denn die Miete, das Personal und Ihre Lebenshaltung wollen weiter finanziert werden. Ob die finanzierende Bank es für positiv erachtet, dass ungeplante Kosten bereits vor dem eigentlichen Start anfallen, sei mal dahin gestellt. Ein scheinbar kleines Problem kann schwere und vor allem teure Konsequenzen nach sich ziehen. Hier kann die richtige Idee schnell unglaublich wertvoll werden. Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Eine Praxis gewinnt sehr viele Neupatienten, doch bleibt es häufig bei einer ersten Behandlung, und die Patienten kommen nicht erneut in die Praxis. Was läuft hier falsch? Welche Idee kann dabei helfen, die Patienten dauerhaft an die Praxis zu binden? Die Kosten der Neugewinnung eines Patienten sind deutlich höher im Vergleich zum zeitlichen und monetären Aufwand, den Patienten in der Praxis zu halten. Dagegen ist der zu erwartende Umsatz mit einem dauerhaft zufriedenen und regelmäßig erscheinenden Patienten deutlich höher als mit stark wechselnden, spontan erscheinenden Patienten. Das legt die Schlussfolgerung nahe, dass der Wert einer Idee zur Patientenbindung ebenfalls höher ist, als die Entwicklung von Marketingideen zur Gewinnung neuer Patienten. Der Wert einer Idee kann demzufolge mit dem Wert des Problems gleichgestellt werden. un-plaqued No 21 | 133


THEORIE UND PRAXIS / idee

Ideen zu haben ist leicht. Leider fällt es uns Menschen nicht immer leicht, diese Ideen ebenso umzusetzen. Dabei ist es der Kern des Lösungsprozesses, eine Idee von ihrem Ursprung aus weiter zu entwickeln, sie reifen zu lassen, zu überdenken, ihre Vor- und Nachteile auszuwerten und dann schlussendlich die Ausführung folgen zu lassen. An diesem Prozess ist auch der Unterschied zwischen guten und schlechten Beratern erkennbar. Sorgen sie wirklich dafür, Ihre Ideen zu stärken und umsetzbar zu machen? Oder handeln sie nur aus eigenem Interesse? Können sie durch ihre Kreativität und Unabhängigkeit unterstützen oder müssen sie im Rahmen eingeschränkter Möglichkeiten handeln? Mit guten Existenzgründungsberatern entwickeln Sie Ihr Konzept gemeinsam, suchen nach dem passenden Standort und einer Strategie, die zu Ihrer Person und Ihren Lebensvorstellungen passt. Sie begleiten Sie während der kompletten Gründungsphase und, wenn Sie wollen, darüber hinaus. Der Erfolg Ihrer Praxis sollte ihr Projekt und Ziel sein. Sie sorgen dafür, das sich Banken darum bewerben ihr Konzept zu finanzieren und nicht anders herum. Zudem berücksichtigen sie Ihre private Situation und helfen, Ideen zu erschaffen, die eine ganzheitliche Lösung darstellen. Aber: Sie als Praxisgründer werden immer Entscheider und Handlungsträger sein. Es wohnt dem Menschen inne, neue Ideen zu entwickeln und das Leben verbessern zu wollen. Für viele Existenzgründer ist dieser Prozess eine unsichtbare Hürde. Stellen Sie sich vor, Steve Jobs hätte seine Idee einer Kombination aus einem mobilen Internetgerät, eines Telefons und eines portablen Musikabspielgeräts nie

hanseatische-

umgesetzt.

praxisberatung.de

In gleicher Weise sind Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen die Ideengeber ihres künftigen Arbeitslebens und -platzes, in gewisser Weise auch eines Teils des Gesundheitswesens. Glauben Sie an ihre Ideen und entwickeln Sie diese weiter! Bauen Sie sich ihr Netzwerk aus Freunden, Kollegen und Beratern, die bereit sind, Sie auf diesem Weg zu begleiten! //

134 | un-plaqued No 21


THEORIE UND PRAXIS / idee

Praxis und Versicherungen Von einem Buch mit sieben Siegeln zu einer seriösen Dienstleistung TEXT Holger Wlasak

Versicherungen sind schon merkwürdige Produkte – man zahlt Geld für ein Stück Papier, das sich Police nennt, aber Hand aufs Herz: Wissen Sie auch nur annähernd, was da alles drinsteht?

136 | un-plaqued No 21


E

THEORIE UND PRAXIS / idee

in echtes Dilemma: Versicherungen wer-

Ausgerechnet Vertrauen. In einer Zeit, in der

den als Produkte empfunden, bei deren

wir aus guten Gründen niemandem vertrau-

Erwerb man oft mehr Fragen als Antwor-

en möchten, ist das ein hoher Anspruch: Poli-

ten erhält. Genau andersherum sollte es je-

tiker, Institutionen, Wirtschaftsunternehmen,

doch sein. Welche Gefahren sind wirklich ab-

Kirchen, Banken ... alle haben mehr oder weni-

gesichert und vor allem: Welche nicht? Woher

ger zu irgendeinem Zeitpunkt in der jüngeren

weiß ich, ob ich bei der richtigen Gesellschaft

Vergangenheit Anlass gegeben, unser Vertrau-

und – noch wichtiger – beim richtigen Vermitt-

en zu erschüttern. Und ausgerechnet dem Ver-

ler gelandet bin? Setzt sich dieser Vermittler

sicherungsvermittler soll ich dieses Vertrauen

auch wirklich für mich ein, wenn ein Schaden-

entgegenbringen? Schwierig.

fall eintritt? Nun ist es so, dass gerade Existenzgründer ohne Versicherungen haben heute sicherlich nicht

Absicherung wirtschaftlich gar nicht überleben

mehr das Image, das ihrer eigentlichen Aufga-

können: Ihre berufliche private Existenz hängt

be gerecht wird: unvorhergesehene Ereignisse

von einem guten Versicherungskonzept ab.

abzusichern und Schadenfälle zu kompensie-

Ob sie gegenüber einem Patienten einen Scha-

ren. Zu viele Geschichten haben das Image der

den verursachen, ob Ihre Praxis abbrennt oder

Versicherer beschädigt, und trotzdem sind sie

überschwemmt wird, ob Sie einen schweren Un-

Sie zahlen eine Prämie für ein Versprechen

fall haben oder krank werden ... das Leben bleibt gefährlich, und wenn schon etwas schiefgeht, sollte wenigstens der finanzi-

aus unserem Alltag in Beruf und Privatleben

elle Verlust daraus abgesichert sein. Ansonsten

nicht wegzudenken. Auch wenn man hofft, eine

geht es schnell an die wirtschaftliche Existenz.

Versicherung nicht in Anspruch nehmen zu müssen, ist gerade die Existenzgründung eine Pha-

Wie immer im Leben gibt es auch hier kein Pa-

se, in der man das Fundament der neuen Praxis

tentrezept. Zahnmediziner sind Unternehmer

richtig gestalten möchte und mögliche Pro-

und müssen daher naturgemäß mit gewissen Ri-

bleme der Zukunft versucht zu antizipieren. Ein

siken umgehen. Dennoch gibt es ein paar Fra-

integraler Bestandteil dieses Prozesses ist die

gen, wie Sie bei der Auswahl des für Sie richti-

Wahl der geeigneten Versicherungen.

gen Versicherungsmaklers beachten sollten:

Eine Versicherung ist, mehr als andere Produkte und Dienstleistungen, eine Sache des

Wie lange gibt es die ins Auge gefasste Versi-

Vertrauens. Sie zahlen eine Prämie für ein Ver-

cherungsagentur/den Makler schon?

sprechen. Dieses heißt finanzieller Ersatz bei

Sie erhalten so einen Eindruck über die Seriösi-

einem eintretenden Schaden. Kein Mensch

tät und Nachhaltigkeit der Arbeit einer Agen-

kann im Vorfeld beurteilen, wie sich Vermitt-

tur, denn auch bei Maklern hat nur Erfolg, wer

ler und Versicherungsunternehmen bei einem

langfristig gut arbeitet und seinen Kunden das

Schaden, der in der Zukunft liegt, verhalten

Vertrauen bestätigt.

werden. Als Kunde muss ich darauf vertrauen, im Fall der Fälle die notwendige Unterstützung

Wie viele Menschen arbeiten dort?

zu bekommen, die mir beim Vertragsabschluss

Kein Mensch ist Spezialist für alle Versiche-

versprochen wurde.

rungssparten und kann sich darüber hinaus un-plaqued No 21 | 137


THEORIE UND PRAXIS / idee

auch noch um eine vernünftige Schadensregu-

und sie im Schadensfall persönlich unterstüt-

lierung kümmern. Mindestens 10 Leute sollten

zen. Lassen Sie sich auf keinen Fall auf eine Be-

schon im Innen-/Außendienst des von Ihnen ge-

treuung à la Callcenter ein, bei dem die linke

wählten Dienstleisters zur Verfügung stehen.

Hand nicht weiß, was die rechte tut.

Welche Gesellschaften werden Ihnen ange-

Gibt es sogar Empfehlungen Ihres Verban-

boten?

des?

Skepsis ist vor allem bei ausländischen Gesell-

Schauen Sie, ob es Empfehlungen seitens Ihrer

schaften angebracht oder Unternehmen, deren

Kammer oder Berufsorganisationen gibt. Ver-

Wie immer im Leben gibt es auch hier kein Patentrezept

bände werden grundsätzlich nur seriösen Anbietern eine Plattform bieten und haben oft einschlägige Erfahrungen mit verschiedenen Versicherern. Spricht Ihr Vermittler Klartext oder verliert er sich in unverständlichem VersicherungsChinesisch? Hier gilt, was sich Ihre Patienten auch von Ihnen wünschen: Man sollte nur kaufen, was man ver-

Name Sie noch nie gehört haben. Auch werden

steht. Lassen Sie sich erklären, was Sie brauchen

freie Versicherungsagenturen mit vielen Anbie-

und warum.

tern am Markt arbeiten und so die für Sie passende Versicherung finden können.

Am Ende verhält es sich mit Versicherern und ihren Maklern wie mit jeder anderen Berufs-

Verfügt Ihr Versicherungsvermittler über

gruppe auch: Es gibt Vertreter, die ihren Beruf

spezielles Know-how für Ihre Branche (Me-

lieben und eben auch andere. Manche verste-

dizin/ Zahnmedizin)?

hen ihr Handwerk und andere machen nur das

Für spezielle Berufsgruppen existieren speziel-

übliche Einerlei. Mit einem Kunden gemeinsam

le Versicherungen und oftmals sogar Gruppen-

ein passendes Versicherungskonzept auszuar-

verträge, die mit Berufsorganisationen getrof-

beiten und zu sehen, wie es sich im Alltag be-

fen wurden. Spezialisierte Makler sind umso

währt, kann genauso inspirierend und interes-

mehr nötig, je spezieller der ausgeübte Beruf

sant sein, wie einem Patienten umfassend mit

oder der zu versichernde Bereich ist. Mittler-

seiner Zahnsituation geholfen zu haben.

weile gibt es nicht nur für Mediziner allgemein,

Ich würde mich über ein Feedback per Mail oder

sondern speziell für selbständige Zahnärztin-

Ihre Fragen und Ideen sehr freuen und verspre-

nen und Zahnärzte Anbieter wie die Karlsru-

che Ihnen eine persönliche Antwort, denn: Ver-

her Firma »Global Makler GmbH« (GMG), die

trauen entsteht durch Verlässlichkeit! //

deutschlandweit das exklusive Branchenmodell DENTALPOLICE vertreibt. Holger Wlasak, Bestehen Sie auf einem Ansprechpartner,

GF der Global Makler GmbH

der für Sie verantwortlich ist!

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In Zeiten der Onlineabwicklung und automati-

76135 Karlsruhe

schen Anrufbeantwortung sollte dieser Betreuer für die weitere Koordination Sorge tragen 138 | un-plaqued No 21

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Theorie und Praxis / idee

Hygiene – vom Studium bis in die Praxis Text Marc Diederich

Jeder Mediziner trägt eine hohe Verantwortung. Für seine Patienten, seine Mitarbeiter und auch für sich selbst. Nicht nur bei dem, was er tut oder unterlässt, sondern auch in Bezug auf das Funktionieren seines Praxisteams und seiner Praxiseinrichtung. In eurem zukünftigen Beruf als Zahnmediziner gilt das in besonderem Maße. Denn alles, was in einer Praxis zur Heilung der Patienten Anwendung findet, kann im schlimmsten Fall das Gegenteil verursachen.

E

s ist daher wichtig, sich so früh wie mög-

Teammitglieds delegiert werden kann. Das

lich mit dem Themenfeld der Hygiene

Thema Hygiene ist schlicht zu wichtig, um es

auseinanderzusetzen, um Strategien zu

zweitrangig zu behandeln.

nutzen, die dabei helfen, Infektionsrisiken im Praxisalltag bestmöglich zu minimieren. Denn

Speziell für die Zahnarztpraxis bedeutet eine

Infektionen, die nachweislich auf mangelnde

lückenlose Praxishygiene die systematische In-

Hygiene in Praxen zurückzuführen sind, kön-

strumentenaufbereitung, eine penible Hände-

nen durchaus rechtliche Konsequenzen für die

und Flächendesinfektion sowie eine umfassende

Verantwortlichen nach sich ziehen. Das Thema

Reinigung und Desinfektion der wasserfüh-

Hygiene ist, wie ihr aus täglicher Erfahrung

renden Systeme. Ein komplexes Anwendungs-

wisst, integraler Bestandteil des zahnmedizini-

feld also, und bekanntlich ist irren menschlich:

schen Studiums. Auch im späteren Beruf sollte

Ein Griff zum falschen Desinfektionsmittel,

der Hygiene ein hoher Stellenwert eingeräumt

unzureichende Einwirkzeit bei der Hände-

werden. Das heißt konkret, dass das Hygiene-

desinfektion oder Biofilm in der Sauganlage –

management vom Praxischef nur in erfahrene

es gibt unzählige Möglichkeiten für Hygiene-

und vertrauensvolle Hände eines kompetenten

fehler.

140 | un-plaqued No 21


Theorie und RUBRIK Praxis / idee

Um Anwendern mehr Sicherheit bei der Erfül-

15 Sek., für die chirurgische Händedesinfektion

lung ihrer verantwortungsvollen Aufgaben zu

benötigt es nur 1,5 Min. anstelle der sonst übli-

geben, hat Dürr Dental seine Präparate daher

chen 5 Minuten.

mit einem einheitlichen Vier-Farbsystem gekennzeichnet. Über 30 Produkte werden darin

Die Desinfektionspräparate für kontaminierte

ihren Einsatzbereichen klar zugeordnet: grün

Oberflächen sind im Farbsystem mit »grün« ge-

für Flächen, blau für Instrumente, gelb für

kennzeichnet. Hierher gehören u.a. die Schnell-

Spezialbereiche und Sauganlagen und rosa für

desinfektion FD 322 mit 15 Sek. Einwirkzeit oder

Haut und Hände.

die voll viruzide Schnelldesinfektion FD 333 (Einwirkzeit 1 Min.). Für die Desinfektion von

Das Konzentrat zur Instrumentendesinfektion

Kunstleder-Einheiten eignen sich Präparate wie

ID 213 oder die Bohrer-Desinfektion ID 220 sind

FD 366 sensitive in Kombination mit dem Kunst-

beispielsweise mit »blau« gekennzeichnet.

lederreiniger FD 360. Für die Fußbodendesin-

Beide Präparate sind bakterizid, tuberkulozid,

fektion und -reinigung kommen FD 300 (voll vi-

fungizid und voll viruzid gegenüber behüllten

ruzid) und FD 312 zur Anwendung.

und unbehüllten Viren und erfüllen alle Anforderungen des Robert Koch-Instituts. Gerade die

Desinfektions- und Reinigungsprodukte

inaktivierende Wirkung gegen alle Viren ist ein

aus dem vierten, »gelb« gekennzeichneten

essenzieller Baustein für die Reduzierung von

Spezialbereich sind für die Beseitigung patho-

Infektionsrisiken.

gener Keime aus der Absauganlage zustän-

Für die »rosa« Händedesinfektion stehen dage-

dig. Ihre Wirkstoffe sind genau für diese An-

gen Produkte wie das Einreibepräparat HD 410

wendung auf ihre Wirksamkeit hin überprüft

zur Verfügung. Es halbiert die Einwirkzeit für

worden. Dürr Dental hat bereits 1965 das ers-

eine hygienische Desinfektion von 30 Sek. auf

te Sauganlagen-Desinfektionsmittel - Orotol -

un-plaqued No 21 | 141


Theorie und Praxis / idee

An erster Stelle aller Hygienemaßnahmen steht der Schutz der beteiligten Personen! entwickelt. Bis heute eignet sich das schaum-

auch, die getätigten Investitionen so effizient

freie Flüssigkonzentrat Orotol® plus bestens

wie möglich zu nutzen. Je länger eine Behand-

für die Desinfektion, Reinigung, Desodorie-

lungseinheit, Absauganlage oder Instrumen-

rung und Pflege von Sauganlagen und Amal-

tenanlage unter Beachtung aller Hygienerichtli-

gamabscheidern. Aufgrund seiner bakterizi-

nien genutzt werden kann, umso eher und mehr

den, fungiziden, tuberkuloziden und begrenzt

lohnt deren finanzieller Aufwand.

viruziden Eigenschaften löst und desinfiziert es den Biofilm und beugt einer Verschlammung

Am falschen Ende zu sparen rächt sich demnach

durch Blut und Proteine vor. Außerdem lässt es

doppelt: zum einen eröffnen sich Infektionsrisi-

sich mit dem MD 555 cleaner kombinieren, ei-

ken mit all ihren möglicherweise verheerenden

nem schaumfreien Reinigungskonzentrat. Der

Konsequenzen. Und zum anderen führen ag-

Deutsche Arbeitskreis für Hygiene in der Zahn-

gressive Reinigungsprodukte zu einer schnel-

medizin (DAHZ) weist in seinem Hygieneleitfa-

leren Abnutzung und damit Beschädigung von

den* auch auf die Bedeutung einer regelmäßi-

Instrumenten, Oberflächen oder Leitungen.

gen Verwendung von Desinfektionsmitteln für

Auch wenn der materielle Schaden an der Pra-

die Keimreduktion hin.

xisausstattung weniger gewichtig als der mögliche personelle Schaden ist: er ist genauso ver-

An erster Stelle aller Hygienemaßnahmen steht

meidbar. Daher ist es sinnvoll, auf einfache und

der Schutz der beteiligten Personen, egal ob

logische Codierungen der Hygieneprodukte zu-

Patienten oder Praxismitarbeiter. Da Letztere

rückzugreifen, denn diese lassen sich am bes-

routinemäßig sehr häufig Kontakt mit Desinfek-

ten in die alltägliche Hygieneroutine einer

tionsmitteln haben, spielt die Hautverträglich-

Zahnarztpraxis integrieren. Deshalb ist es je-

keit insbesondere der »rosa«-codierten Pro-

dem angehenden Zahnmediziner zu raten, sich

dukte eine bedeutende Rolle. Aber auch die

bereits im Vorfeld seiner zahnärztlichen Tätig-

Langlebigkeit der Praxiseinrichtung ist ein be-

keit mit einer sinnvollen und praktikablen Hy-

deutender Faktor. Schließlich gilt es nicht nur,

gienestrategie auseinanderzusetzen – eure zu-

das wertvolle Praxisinventar im hygienischen

künftigen Patienten und auch das Praxisteam

Sinne funktionsgerecht zu warten, sondern

werden euch dankbar sein. // * Hygieneleitfaden 9 – 2014, S. 45 + 46

DÜRR DENTAL AG Höpfigheimer Strasse 17 74321 Bietigheim-Bissingen Fon +49 7142 705-0 duerrdental.com

142 | un-plaqued No 21


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THEORIE UND PRAXIS / idee

Alles aus einer Dose? TEXT Ingmar Dobberstein

Die adhäsive Verbindung, allen voran die Schmelz-Ätz-Technik (SÄT) ist ein Inbegriff der rasanten technischen Entwicklung in der Zahnmedizin. Waren die Composite- und Klebetechniken in den neunziger Jahren noch eine Art Mode in der Entwicklung, sind sie spätestens seit Beginn dieses Jahrtausends auf dem Weg zum neuen Standard in der täglichen Zahnmedizin.

D

ementsprechend viele Compositematerialien als auch Haftvermittler kann man heute auf dem Markt beobachten. Dabei sind mehrere Trends er-

kennbar. Da die Verarbeitung adhäsiver Materialen nicht ohne Tücken ist, arbeitet die Industrie eifrig daran, deren Handhabbarkeit zu verbessern. Hier sei zum einen die Empfindlichkeit adhäsiver Materialen gegenüber Wasser und Feuchtigkeit genannt, weswegen die meisten von ihnen unter absoluter Trockenheit (Kofferdam) gelegt werden sollten. Neue Materialien, wie zum Beispiel selbstkonditionierende Compositezemente werben damit, auch unter relativer Trockenlegung gute Haftwerte zu erzielen. Bezüglich des Schrumpfungsstresses an den Füllungsrändern, die deshalb die richtige Schichttechnik erfordern, wurden die Bulk-Composite entwickelt, die trotz größerer Schichtstärken geringere Schrumpfungswerte erzeugen. Auch kann man den wachsenden Anteil dualhärtender Compositesysteme als einen Trend bezeichnen, wird doch die Aushärtung, die sehr von der korrekten Anwendung der Polymerisationslampe abhängt, durch den chemisch induzierten Polymerisationsprozess ergänzt und von den Fähigkeiten des Behandlers größtenteils unabhängig gemacht. Von entscheidender Bedeutung für eine erfolgreiche adhäsive Befestigung sind die Wahl des richtigen Haftvermittlers, seine korrekte Applikation in Bezug auf Zeit, Reihenfolge sowie die oralen Umweltbedingungen wie Feuchtigkeit und Luftfeuchtigkeit. Hier können die Behandler heutzutage aus einer Vielzahl von Produkten und Systemen wählen, denen verschiedene Philosophien zu Grunde liegen. Vom »Goldstandard« des Dreiflaschensystems, über Zwei- und Einflaschensysteme, mit oder 144 | un-plaqued No 21


THEORIE UND PRAXIS / idee

ohne vorherige Säureätzung, selbstkonditionie-

te durch die Zusammenführung verschiedener

rend oder nicht, Spezialvermittler für Composi-

Einzelkomponenten zu Einflaschensystemen

te, Keramiken, Metalle oder alle drei Materiali-

bis hin zu All-in-One-Systemen aus, die sogar

en, die Auswahl scheint unendlich und ist leider

ohne eigene Säurekonditionierung auskommen

schwer zu beurteilen.

(Self Etch). Vorteile dieser Entwicklung sind unter anderem die Minimierung von Anwender-

Betrachtet man den »Goldstandard«, für den

fehlern und den daraus folgenden Problemen

auch heute gern Syntac Classic von Ivoclar Vi-

als auch eine optimierte Zeitgestaltung in der

vadent herangezogen wird, wird klar, warum

konservierenden Therapie. Als Nachteile wer-

die Einschätzung der Haftvermittler so schwie-

den vor allem die postoperative Sensibilität der

rig ist. Nach der Konditionierung mit Hilfe von

Zähne als auch verringerte Verbundeigenschaf-

35%  iger Phosphorsäure wird mit dem Dreifla-

ten diskutiert.

schensystem eine Verbindung zweier grundsätzlich verschiedener Oberflächen ermöglicht,

Das Cuxhavener Familienunternehmen VOCO

der hydrophilen Zahnoberfläche (Primer) sowie

hat im vergangenen Jahr als erste Firma ein

der hydrophoben Oberfläche des Composite-

neues Universalprodukt auf den Markt ge-

materials (Bonding). Als eigentlicher Verbinder

bracht, welches zukünftig die Speerspitze der

wirkt das Adhäsiv, das durch seine amphiphi-

selbstkonditionierenden Ein-Phasen-Haftver-

le Funktion die Verbindung beider Eigenschaf-

mittler darstellen soll. Futurabond U, wobei

ten ermöglicht.

das U für Universal steht, tritt an, das einzig

Während der letzten 25 Jahre haben sich die

notwendige Haftvermittlungsmaterial in der

Philosophien und Neigungen der Behandler be-

Praxis zu werden.

züglich der adhäsiven Befestigung entwickelt. Neben den verschiedenen Ätzungswegen Total

Das dualhärtende Universaladhäsiv ist daher

Etch (Etch & Rinse), Selective Etch und Self Etch

nicht nur für die Verbindung direkter und indi-

zeichnen sich die zuletzt entwickelten Produk-

rekter Restaurationen mit den Zahnoberflächen un-plaqued No 21 | 145


THEORIE UND PRAXIS / idee

Scherhaftung auf Schmelz und Dentin [MPa], vor und nach Thermocycling (TC) Total-Etch

Self-Etch

40

30

20

10

vor TC

NACH TC

vor TC

NACH TC

vor TC

NACH TC

vor TC

NACH TC

0 Schmelz

Dentin

Quelle: A. Abdalla, Bericht an VOCO, 2013

Schmelz

Dentin

Futurabond U

Scotchbond Universal

Haftung von Futurabond U mit Bifix QM auf verschiedenen Dentalmaterialien [MPa]

20

10

0 Dentin

Schmelz

Rebilda DC

MetallMetalllegierung legierung (Cu/Ni/Zn/Al) (Ag/Sn/Cu)

Zirkoniumdioxid

Torres CRG, Bond strength of zirconia to core materials, Report to VOCO, Universidade Estadual Paulista Júlio de Mesquita Filho, Sao Paulo, 2013

146 | un-plaqued No 21


THEORIE UND PRAXIS / idee

freigegeben, sondern soll ebenfalls ohne weitere Primerbenutzung für Reparaturen an Keramiken und Metallkeramikarbeiten funktionieren. Weitere Einsatzgebiete des Futurabond U-Materials sind die Versiegelung von Zahnoberflächen bei sensiblen Zähnen oder vor Amalgamfüllungen, sowie als Oberflächenversiegelung auf GIZ-Füllungen. Durch die chemisch härtende Komponente eignet sich das Material laut Hersteller besonders für Stiftbefestigungen im Wurzelkanal. Futurabond U ist mit allen licht-, dual- und selbsthärtenden Compositematerialien auf Methacrylatbasis und ohne weitere Aktivatornotwendigkeit für die Dualhärtung verwendbar. Die dabei erreichbaren Haftwerte bewegen sich zwischen 30 und 40 MPa bei Dentin und Schmelz. Da Futurabond U in der von VOCO bereits bekannten SingleDose-Applikation verkauft wird, kann der Bondingvorgang in 35 Sekunden vollständig abgeschlossen sein und benötigt bei optimaler Dosierungsmöglichkeit sowie idealen hygienischen Voraussetzungen keine weiteren Hilfsmittel außer dem Einmalapplikator. Auch wenn es zwischenzeitlich schwer vorstellbar ist, wie selbstkonditionierende Einphasensysteme die Drei-Flaschen-Haftvermittler mit Etch-Technik ersetzen können, moderne Chemie und innovative Unternehmen machen es möglich. Der Einsatz multifunktioneller SiO2-Moleküle, säurehaltiger Monomere sowie einiger geheimer Rezepturen ermöglichen neue Indikationen und eine deutlich sichere Anwendung. Das Beste allerdings ist, dass den Zahnärzten und Zahnärztinnen mit Futurabond U ermöglicht wird, jeglicher Philosophie der Haftvermittlung gerecht zu werden und dabei praktisch systemoffen zu arbeiten. Futurabond U ist erhältlich in einer Testpackung mit 20 SingleDose-Blistern, einer 2 ml-Spritze des Ätzgels Vococid plus Kanülen sowie 20 SingleTim zum Auftragen. Außerdem gibt es das neue Bond in der 50er- und 200er-SingleDose-Packung. //

voco.de

un-plaqued No 21 | 147


Good bye Dentist / idee

Bodensee Bregenz

Oberstdorf

r Alpen

Allgäue

Schrofenpass 1687 en ler Alp Lechta

Warth Rote Wand 2704

Lech

1 Freiburger Hütte

Dalaas

Verwallgruppe Ischgl

Neue Heilbronner 2 Hütte Galtür

Fimberpass 2608 Ramosch

Sesvenna- 3 Hütte

Schlinig

Meran

Glurns

Piz Sesvenna 3205

Stilfser Joch 2757 Bormio

S. Caterine Valfurva 5

4 Trafoi Ortler 3905

Ortlergruppe Cevendale 3769 Pejo

6

Passo di Gavia 2621 Madonna Di campiglio

Dimaro

ta

Fluchthorn 3399

Bren

a

rett

Silv

Cima Tosa 3173

Adamello 3539

Trento

stenico Ballino Riva

7

Lago di Garda BrÉscia

148 | un-plaqued No 21

Verona


Good bye Dentist / idee

Über die Alpen Text · Fotos Cyril Niederquell

TransAlp – das kurze Wort ist heute ein international bekanntes Markenzeichen. Nahezu jeder weiß, dass damit eine Biketour über die Alpen gemeint ist. Der Begriff ist unmittelbar mit starken Emotionen verbunden, man denkt an Freiheit, Abenteuer, sportliche Leistung, Naturverbundenheit, vor allem aber an ein großartiges Erlebnis. Für die vier Freunde und Zahnmediziner aus verschiedenen Regionen Deutschlands steht diese Tour von Oberstdorf zum Gardasee für unvergessliche Eindrücke, großartige Gefühle und eine echte Bereicherung des Lebens.

nfang August begann zusammen mit

A

Sinne öffnen sich wieder für das Wesentliche

drei Studienfreunden der gemeinsame

im Leben und für den Kontakt zur Natur.

Abenteuerurlaub. In den Jahren zuvor

Dazu kommt besonders bei der TransAlp das Er-

waren wir in Norwegen zum Outdoor-Urlaub,

lebnis des eigenen Körpers, der eine große Leis-

Bergwandern in Montenegro, gemeinsam se-

tung vollbringt, der trainiert wird, der Unnö-

geln in Griechenland oder zum Skifahren. Dies-

tiges ausscheidet, der sich wohler fühlt. Man

mal sollte es die Alpenüberquerung mit dem

könnte es als eine »Tour de Farce« bezeichnen –

Mountainbike in neun Tagesetappen werden,

hinauffahren, um »runterzukommen«. Jeden

aus eigener Muskelkraft, mit dem ganzen Ge-

Abend waren wir wunschlos glücklich. Schweiß,

päck auf dem Rücken. Der besonders hohe Erin-

Krämpfe und Unterzucker als unverzichtbare

nerungswert solcher Urlaube besteht in der Er-

Rohstoffe für die Tiefenentspannung. Sich zu

lebnisdichte. In einer einzigen Woche sind die

schinden und zu belohnen – darum geht es.

Eindrücke so vielfältig, so konzentriert, wie man

Die dritte besonders hervorzuhebende Erfah-

es bei anderen Urlaubsformen kaum erlebt.

rung der TransAlp ist die soziale Verbundenheit. Eine Alpenüberquerung fährt man nicht

Drei Dinge sind besonders in Erinnerung ge-

allein. Man fährt mit Freunden, in einer Grup-

blieben. Zuerst das hinreißende Naturerlebnis –

pe, im Team. Man entwickelt Teamgeist, ein Ge-

man radelt im Hochgebirge, über der Baum-

fühl für die Stärken und Schwächen der ande-

grenze, in einer wunderbar kargen und saube-

ren. So entstehen echte Freundschaften.

ren Landschaft, man hat traumhafte Fernblicke über weite, grüne Täler zu einmaligen Felsfor-

160.000 Menschen überqueren jährlich die

mationen und zu glitzernden Gletschern. Alle

Alpen mit dem Mountainbike. Heute ist ein un-plaqued No 21 | 149


Good bye Dentist / idee

In einer einzigen Woche sind die Eindrücke so vielfältig, so konzentriert, wie man es bei anderen Urlaubsformen kaum erlebt regelrechter TransAlp-Boom zu verzeichnen.

Stelvio). Der Schwierigkeitsgrad ist schwer, und

Entlang der zahlreichen Streckenvarianten hat

täglich müssen Schiebe- und Tragepassagen

sich eine Infrastruktur für Biker entwickelt. Ur-

überwunden werden. Urige Berghütten und ge-

sprünglich wurde die TransAlp von Nord nach

mütliche Gasthöfe sorgen im Anschluss für eine

Süd gefahren. Alles begann mit dem TransAlp-

stimmige Abendkulisse. Unsere Tour sollte sich

Pionier aus Oberstdorf namens Anderl Heck-

insgesamt über 594 Kilometer in neun Tagese-

mair, der 1990 zum ersten Mal mit dem Bike zum

tappen mit 14.480 Höhenmetern erstrecken.

Gardasee fuhr. Die nach ihm benannte »Heckmair-Route« ist ein Klassiker. Weitere bekann-

Die erste Tagesetappe dauerte 9,5 Stunden, be-

te Routen sind die Albrecht-Route und die von

gann an den Skisprungschanzen in Oberstdorf

uns gefahrene Joe-Route.

und führte uns zum Schrofen-Pass. Durch die

Sie führt klassisch von Oberstdorf im Allgäu

erste zweistündige Schiebepassage und 30-mi-

nach Riva del Garda. Es ist der direkte Weg,

nütige Tragepassage erkannten wir schnell

ohne Wenn und Aber. Beim Klettern heißt die

den Charakter der ausgesuchten Joe-Route:

gute Route »Direttissima« – ohne Kompromiss.

steil bergauf. Nach 74 Kilometern und 1.580 Hö-

Die Joe-Route wurde 1995 erstmals befahren,

henmetern erreichten wir den ersten Gasthof in

und sie ist sicher eine der schönsten und erleb-

Dalaas in Österreich. Nach einer Gewitternacht

nisreichsten Überquerungen der Ostalpen. We-

führte uns die zweite Etappe weit hoch zur Neu-

gen der Hochgebirgslage ist diese Tour nur im

en Heilbronner Hütte vom Deutschen Alpenver-

Sommer möglich. Auf ihr liegen zahlreiche Al-

ein. Wir fuhren neun Stunden durch die karge

pine Highlights wie der Schrofen-Pass, die Uina-

Hochgebirgslandschaft. Es war die schwers-

Schlucht und das berühmte Stilfser Joch (Passo

te Etappe der Tour: 2.015 Höhenmeter mit drei

150 | un-plaqued No 21


Good bye Dentist / idee

Stunden schieben und tragen. Nach einer unruhigen Nacht im Hochbettzimmer mit anderen Wanderern und Bikern erwarteten uns 1000 Höhenmeter Abfahrt über Galltür bis nach Ischgl. Sechs Monate zuvor waren wir in gleicher Konstellation im Skiurlaub in Ischgl. Deswegen waren ein kurzer Zwischenstopp und eine kleine Änderung der Joe-Route Pflicht. Wir entschlossen uns, die komplette »Talabfahrt«, die sonst per Ski gefahren wird, hochzustrampeln. Das waren 900 Höhenmeter am Stück bis zur Heidelberger Hütte. Die ersten Anzeichen des Höhentrainings machten sich bemerkbar, und eine längere Pause auf der Alpenverein-Hütte war notwendig. Denn es erwartete uns noch eine zweistündige Schiebepassage zum Fimberpass. Auf der anderen Passseite lag eine krasse Abfahrt mit Schnee und vielen Steinen. Unser Material wurde stark belastet, und die ersten Reparaturen waren notwendig. Die technischen Defekte häuften sich: kaputte Speichen, gelockerte Radlager, verbogene Schaltungen, platte Reifen ... un-plaqued No 21 | 151


Good bye Dentist / idee

Wir erreichten die Schweiz und den schönen Ort

und milder, und wir glaubten uns schon fast am

Scuol am Abend der dritten Etappe und schlie-

Ziel. Wir übernachteten in einem kleinen Hotel

fen in einer Jugendherberge. An diesem Tag

direkt am zentralen Platz der mittelalterlichen

waren wir 10,5 Stunden unterwegs und haben

Stadt mit komplett erhaltener Stadtmauer. Die

1450 Höhenmeter bewältigt. Das Highlight der

fünfte Etappe war relativ kurz und eine gute

vierten Etappe war die Uina-Schlucht an der

Vorbereitung für Tag sechs. Mittags gab es eine

Grenze zu Italien. An diesem Tag hatte ich kei-

starke Suppe in der Furkelhütte mit Blick auf

ne »guten Beine«, und die 1.200 Höhenmeter

den Ortler Gletscher. Es entbrannte eine kleine

quälten mich sehr. Nach der Mittagspause und

Diskussion darüber, ob wir die Route ändern

der Grenzüberquerung folgte eine wunder-

und direkt zur übernächsten Unterkunft fahren

schöne Abfahrt nach Glurns in Südtirol. Das Kli-

sollten. Der Kapitän entschied für alle, dass die

ma änderte sich zunehmend, es wurde wärmer

sechste Etappe nicht ausgelassen werden sollte

Alle Sinne öffnen sich wieder für das Wesentliche im Leben

152 | un-plaqued No 21


Good bye Dentist / idee

Es ist der direkte Weg, ohne Wenn und Aber

und so fuhren wir hinunter nach Trafoi, doch

komplett durchnässt und hatten bedingt durch

das Wetter begann sich zu verschlechtern. Am

die frühe Ankunft Zeit, Bormio zu erkunden.

nächsten Morgen erwarteten uns kalter Regen und eisiger Wind und eine reine »Rennrad-

Das Highlight der siebten Etappe ist der Gavi-

Etappe«. Unsere Unterkunft lag in der Serpen-

apass. Gelegen in der Lombardei, verbindet er

tine Nr. 46. Wir wollten diesen gewaltigen Auf-

Bormio im Norden mit Ponte di Legno im Sü-

stieg ganz von unten fahren und sind trotz des

den mit einer 43 Kilometer langen Passstraße.

schlechten Wetters erst ein Stück bergab ge-

Der zu überwindende Höhenunterschied be-

fahren, um alle 48 Serpentinen zu erklimmen.

trägt etwa 1.400 Meter. Der Gaviapass wird ge-

Wir strampelten bei Gegenwind und selten

legentlich in anspruchsvolle Bergetappen des

auch Rückenwind hoch zum berühmten Stilfser

Giro d’Italia eingebunden und markiert dann

Joch (Passo Stelvio). Oben erinnert ein verwit-

oft den höchsten Punkt des Rennens, den Cima

tertes Denkmal an Fausto Coppi, den fünfma-

Coppi, an dem die meisten Bergwertungspunk-

ligen Gewinner des Giro d’Italia. Ambitionier-

te vergeben werden. Wegen der starken Regen-

te Freizeitathleten sprechen vom Stilfser Joch

fälle sind wir erst gegen 10 Uhr und in voller Re-

ähnlich ehrfürchtig wie von der Alpe d’Huez

genmontur losgefahren. Bei diesem Aufstieg

in den französischen Alpen. Dort beträgt die

zog sich unsere Gruppe weit auseinander, je-

durchschnittliche Steigung schlappe 7,5 Pro-

der fuhr sein Tempo.

zent für 1.130 Höhenmeter. Zum Vergleich: Am

Die achte Etappe führte uns wieder bei bes-

Stilfser Joch sind es zehn Prozent Steigung für

tem Wetter von Pezzo nach Dimaro mit einer

1.430 Höhenmeter. Mit den Regenbedingungen

langen Badepause an einem hellblauen Berg-

haben wir 2:40 Stunden für den reinen Auf-

see. Es galt, die Kräfte zu schonen für die mor-

stieg gebraucht und uns oben lange regene-

gige letzte Etappe zum Gardasee. Die neunte

riert und am Kaminfeuer gewärmt. Ursprüng-

und finale Etappe hatte es in sich. 94 Kilome-

lich sollte ein weiterer Aufstieg auf einer alten

ter erwarteten uns und 2.295 Höhenmeter bis

Militärstraße zu einer traumhaften Abfahrt

zum Ziel. Fahrerisch war es die intensivste Etap-

folgen, aber aufgrund der widrigen Wetterbe-

pe, aber gepusht vom Adrenalin und der Trai-

dingungen rollten wir über die Straße hinunter

ningsanpassung durch die vergangene Wo-

nach Bormio. Wir erreichten unsere Unterkunft

che waren wir alle topfit und fieberten der un-plaqued No 21 | 153


Good bye Dentist / idee

Nach neun Tagen Einsamkeit ist der Überschuss an Möglichkeiten in der »Zivilisation« eine einzige Überforderung Ankunft entgegen. Es dauerte 10,5 Stunden, und

bens, ratlos. Nach neun Tagen Einsamkeit ist

die Strecke führte uns vorbei an Madonna die

der Überschuss an Möglichkeiten in der »Zivi-

Campiglio mit der längsten Abfahrt der Tour.

lisation« eine einzige Überforderung. Unsere

20 Kilometer nur bergab und die Scheiben-

Hauptaufgabe war erledigt, nun folgte unsere

bremsen begannen zu glühen. Hinter jeder Er-

wichtigste Trainingseinheit: »Regeneration«.

höhung vermuteten wir den Gardasee, doch der

Drei Tage blieben uns zur Erholung, wir gingen

Namensgeber der Tour hatte noch eine knacki-

segeln und klettern, und alles ohne Fahrrad!

ge Schiebepassage von 400 Höhenmetern ein-

Es scheint paradox: Ein eigentlich höllisch an-

gebaut. Fluchend schoben und trugen wir unse-

strengender Urlaub lädt die Batterien mitunter

re Bikes auf die letzte Anhöhe, und auf einmal

besonders effektiv auf. Wenn man am Ende der

war er da: Der Gardasee leuchtete blau in der

Transalp zum ersten Mal den Gardasee sieht,

Abendsonne. Den See fest im Blick rollten wir

durchströmen den Körper große Emotionen.

traumhaft hinunter ins Tal bis nach Riva. Auch

Die Glücksgefühle sind überwältigend. Wir ha-

die letzten technischen Defekte konnten uns

ben es geschafft. Die Alpen, die hohe Festung

nicht mehr von Sektdusche, Schwimmen mit

im Zentrum Europas, wurden aus eigener Mus-

Fahrradklamotten und Medaillenübergabe ab-

kelkraft überquert. Traumhafte Landschaften

halten.

säumten unseren Weg, wir bewiesen Mut und spürten Harmonie, mit der Natur und mit uns

In Riva angekommen machte uns das plötzliche Nichtstun, inmitten des pulsierenden Le154 | un-plaqued No 21

selbst. //


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MUSIC IN THE

BOX

Streaming kills the MP3 Industry Text Julius Brodkorb

M

an kann das Falsche aus den

Mittlerweile ist es selbstverständ-

richtigen Gründen oder das

lich, dieses 20 Jahre alte Datenfor-

Richtige aus den falschen

mat bei iTunes, Beatport, Amazon

Gründen tun. Die Musikindustrie

und vielen anderen Plattformen zu

vermag allerdings, mit ihrem Gespür

erwerben. Nun droht die nächste Ka-

häufig das Falsche aus den falschen

tastrophe in der Musikbranche: Stre-

Gründen zu tun.

aming. Völlig legal und ohne beson-

Ein Beispiel dafür ist das legendäre

dere Einschränkungen kann man

Treffen der oberen Chefetage füh-

praktisch jeden Song zu jeder Zeit

render Majorlabels mit einer Gruppe

und an jedem Ort mit dem mobilen

von Wissenschaftlern aus dem Fraun-

Endgerät hören. Ohne dafür etwas

hofer Institut für integrierte Schal-

bezahlen zu müssen. Lediglich die

tungen. Die Forscher hatten Anfang

Werbung zwischendurch muss man

der 1990er Jahre ein neuartiges Kom-

ertragen, es sei denn, man zahlt ei-

pressionsverfahren für Musik entwi-

nen gewissen Monatsbeitrag, dann

ckelt, das die Datenrate dramatisch

fällt selbst diese Einschränkung weg.

reduzierte und heute jedem als MP3

Wie kann solch ein System einträglich

bekannt ist. Die Label-Bosse sahen

sein? Und für wen?

darin keinen Nutzen und lehnten das

Tatsächlich sind die Erträge für Mu-

Angebot einer Kooperation ab. Die

siker aus diesen werbefinanzier-

Geschichte nahm den uns heute be-

ten Portalen wie Spotify, Deezer

kannten Lauf.

und ähnlichen Anbietern so gering, dass man sich fragen muss, warum

Als die Verkäufe einbrachen und

jemand freiwillig seine Musik auf sol-

zuerst halb- und später vollillega-

chen Plattformen zur Verfügung stel-

le MP3-Download-Portale wie Pil-

len sollte.

ze aus dem Boden schossen und sich reger Beliebtheit erfreuten, drohte

Derzeit führen etliche Musiker einen

die Musikindustrie kurzzeitig gänz-

offenen Kampf und verbieten das

lich abzuschmieren.

Streamen ihrer Songs bei solchen

156 | un-plaqued No 21


un-plaque your life / idee

Julius

Diensten. Dennoch beteiligen sich

geschützten Werken, sondern die

alle großen Majorlabels an diesen

Verbreitung bisher unbekannter Mu-

Brodkorb

Modellen, da die Rechnung – zumin-

sik und des dadurch entstehenden

ist Chefredakteur

dest im großen Stil – für sie aufgeht.

Kontextes von Werken untereinan-

bei VRU und

Ist ein Musiker oder eine Band groß

der. Denn tatsächlich führte das Ra-

Redakteur der

genug, sind die Einnahmen noch im-

dio auch nicht dazu, dass Menschen

Online-Ausgabe

mer relativ hoch. Das Label kassiert

weniger Musik kauften, sondern ge-

der de:bug

Geld, welches beim illegalem Down-

nau das Gegenteil war der Fall.

load oder Streaming nicht generiert

Es bleibt zu hoffen, dass die Musikin-

worden wäre. Aber was ist eigentlich

dustrie und in Deutschland vor allem

illegales Streaming?

die GEMA erkennt, warum diese Form

Seit einiger Zeit machen sich Men-

der Musikverbreitung weiterhin un-

schen die Mühe, beispielsweise ihre

eingeschränkt stattfinden sollte und

gesamte Musiksammlung in Form

warum Plattformen wie Spotify kei-

von Youtube-Videos hochzuladen.

ne gute Idee für die meisten Musiker

Dies ist in der Tat illegal, denn sie ver-

sind. Andererseits gibt es gerade bei

fügen nicht über die Urheberrechte.

Musikern viele, die gerne das Rich-

Es stellt sich zudem die Frage, war-

tige aus den richtigen Gründen tun.

um sich jemand überhaupt diese Ar-

Musik für andere Menschen. //

beit macht. Denn um Anderen neue Musik nahezubringen und gleichzeitig im Interesse der Künstler zu handeln, gibt es mittlerweile viele ande-

Das siebte Studioalbum von Clark

re Wege. Die Plattform Mixcloud hat

heißt nicht nur wie er selbst, son-

sich auf Mixe bzw. Playlisten spezia-

dern ist auch eines seiner besten.

lisiert, die wie Podcasts funktionie-

In vollkommener Einsamkeit in ei-

ren, aber in gestreamter Form und

ner abgelegenen Scheune in Eng-

ohne auf dem Rechner gespeichert

land aufgenommen, hat er eine

zu werden. Gleichzeitig gibt es ein

Quintessenz

Beteiligungsmodell für die Künst-

Schaffens gestaltet, die extrem

ler, das zwar ähnlich wie bei Spotify

frisch und interessant klingt. Der

etwas nach Alibi riecht, aber zeigt,

Sound dieses Albums verortet sich

dass der Wille zur Kooperation vor-

irgendwo zwischen einem vollge-

handen ist. Entscheidender ist al-

packten Dancefloor und düsterem

lerdings die Idee, die hinter derar-

Wald und klingt dabei dennoch in

tigen »Radio On Demand«-Formen

sich geschlossen. Eine absolute

steckt: Nicht das kostenlose Zugäng-

Empfehlung!

seines

bisherigen

lichmachen von urheberrechtlich un-plaqued No 21 | 157

vru-berlin.de


Das aufregende Leben der

Ca ss an dr a- M ic he ll e

Folge 5: Ideen

158 | un-plaqued No 21


un-plaque your life / idee

Die Heiligkeit der Inspiration

I

ch sitze vor diesem weißen Blatt Papier, welches eine Idee von mir verlangt. Ich kann hören, wie es mich anschreit: »Verdammt, Cassandra-Michelle, jetzt reiß dich zusammen und lass dir was einfallen!« Mir fällt nichts ein ...

und das Beil schnellt herunter und trennt mir den Kopf ab. Zack! Vielleicht sollte ich endlich mal anfangen, Drogen zu nehmen. Ja! Alle großen Künstler unserer Zeit haben Drogen genommen und großartige Meisterwerke geschaffen – die waren doch alle komplett drauf. Ich sollte mehr Alkohol trinken, wie Udo Lindenberg, der seit 1982 nicht mehr nüchtern gewesen und bis heute ein fantastischer Musiker ist. Und Jenny Elvers-Elbertzhagen designed auch erst seit ihrer Alkoholsucht ganz wunderschönen Schmuck. Na also! Ich denke, ich sollte mir auch endlich eine ordentliche Sucht zulegen. Gewisse Begegnungen können inspirierend sein. Die Zeugung eines rothaarigen Mädchens in der Besenkammer kann man als gute Idee bezeichnen, die Mutter und Kind ein sorgenfreies Leben inklusive verschiedenster Farbfotos in Frauenzeitschriften ermöglicht hat. Alles eine Frage der Inspiration, nicht wahr? Die heilige Mutter aller Ideen. Ausstellungen, Shoppingcenter, Konzerte, Bücher oder auch Liebschaften mit schönen Männern dienen mir als Inspiration, als Quelle der Vielfaltigkeit und Freude. Dann trage ich Shoppingtüten oder Knutschflecke durch die Stadt und habe 1.000 neue Ideen im Kopf. TOP 10-Hitliste meiner besten Ideen ever: 1.

nach Berlin ziehen

2.

Job kündigen

3.

Haare blond färben

4.

R. fragen, ob er mit mir schwimmen geht

5.

am 26. Mai, 21:00 Uhr am Rosenthaler Platz sein

6.

im April 2009 ins Theater gehen

7.

Erinnerungen aufschreiben

8.

2003 auf die Frage mit Ja antworten

9.

die schwarzen High Heels kaufen

10.

regelmäßig zum Zahnarzt gehen

un-plaqued No 21 | 159


un-plaque your life / idee

Ich hatte natürlich auch bereits viele schlechte

Sie kocht mir einen herrlichen Eintopf und löst

Ideen, die unter anderem mit Strom, Männern,

jedes Dilemma mit dem Satz: »Es sollte nicht

SMS-Nachrichten, Alkohol, einer Säge oder der

sein.« Die Ruhe und Weisheit der 70-jährigen

Idee, Pommes in einem Topf Öl zuzubereiten,

Damen.

zu tun hatten. Bitte fragen Sie ihren Arzt oder

Aber was passiert, wenn das weiße Blatt Papier

Apotheker!

einfach nur weiß bleibt? Ist das der Anfang vom

Am Anfang sind Ideen immer gut, doch schei-

Ende, keine Ideen mehr zu haben? Rutscht man

tern die kühnen Vorhaben oft an der Umset-

dann in das kreative Ideenloch und wird vom

zung. Ob in der Politik oder in der Mode – wer

generischen Mainstreammonster verspeist?

glaubt noch einem Herrn Steinbrück oder an

Und wer ist man dann? Stammkunde bei Esp-

Hotpants in Größe 48?

rit? Gekleidet in gedeckten Beigetönen? Ein Le-

Jeder von uns hatte mal eine gute Idee, die uns

ben in Heftpflasterfarben? Viel Spaß!

am Ende Kopf und Kragen gekostet hat. Auch Gott hatte mal ‘ne Idee! Er wollte sein Meister-

Sind es nicht die Ideen, die uns ausmachen?

werk erschaffen – na herzlichen Glückwunsch –,

Meine Ideen und ich, wir haben uns Perspek-

es ist der Mensch geworden. Die Idee war ja su-

tiven geschaffen, wir konnten uns entwickeln

per, doch diese schlampige Umsetzung. Mensch

und wachsen, weil wir frei sind und immer wa-

Gott, was haste dir denn dabei gedacht – die

ren. Diese Freiheit ist mein höchstes Gut, die

Krönung sind wir nun wirklich nicht. Da finde

geistige Freiheit, selbstbestimmt zu entschei-

ich manchen Borkenkäfer interessanter.

den. Ich gestalte mein Leben auf kreative Art, lebe meine Ideen. Die guten und die schlechten,

Und was, wenn’s dann in die Hose geht? Mut-

und irgendwo dazwischen lerne ich mich selbst

ti anrufen. Meine Mutti hat die besten Ideen.

besser kennen. //

und bunt h c , a e f tter ind r ein re Mü n Geme lätte u e B e b n t e f i e »L , ru uge weiß ure A nfällt eure t net e hts ei f c f malt i ö treff n , euch ation raus, r n i t , n p h n s e e G w e In ppe Idee? cht di t sho e u h S n t e i . h e g n c a l, .K Na lkoho erzen h die A H c r . t d u i k n d n u nt s rin nzt de, t Erken nd ta n t u n u e n k i i r s F ew Mu und g ten!« gute tand nd un hört s u r e n V e ob iert ker – – verl ch loc u e t h Mac le ichel dra-M n a s s Ca Eure 160 | un-plaqued No 21


RUBRIK Der gesunde / idee menschenverstand / idee

» Geht nicht nach Hörensagen, nicht nach Überlieferungen, nicht nach Tagesmeinungen, nicht nach der Autorität heiliger Schriften, nicht nach bloßen Vernunftgründen und logischen Schlüssen, nicht nach erdachten Theorien und bevorzugten Meinungen, nicht nach dem Eindruck persönlicher Vorzüge, nicht nach der Autorität eines Meisters! Aber wenn ihr selber erkennt, dass etwas heilsam ist und dass es dem Einzelnen und Allen zugute kommt und förderlich ist, dann mögt ihr es annehmen und stets danach leben.« Kālāma Sutta, Anguttara-Nikāya III, 66, a.C.

162 | un-plaqued No 21


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UN-PLAQUED 21 Idee  

Die Idee ist vielleicht die schwierigste Geburt von allen. Der Anfang, der etwas Besonderes sein soll, etwas Neues, nie zuvor Dagewesenes, e...

UN-PLAQUED 21 Idee  

Die Idee ist vielleicht die schwierigste Geburt von allen. Der Anfang, der etwas Besonderes sein soll, etwas Neues, nie zuvor Dagewesenes, e...

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