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un-plaqued Die Zukunft besteht aus Gedanken, Vorstellungen, Visionen und Plänen. Nichts Fassbares, nichts Klares und immer wieder anders als man denkt. Die Zukunft ist jetzt? Jawohl, denn was wir heute als normal empfinden, war vor 50 oder 20 Jahren vielleicht nicht mehr als eine unglaubliche Vision. Doch was hat sich wirklich verändert? Trotz unseres Wissens und der globalen Verständigung toben heute mehr Kriege, als vor 50 Jahren. Gewalt wird gesellschaftlich als Mittel für Konfliktlösungen toleriert. Adé der Vision einer einigen Menschheit? Die Reichen werden noch immer reicher und die Armen weiterhin ärmer. Die Zweiklassengesellschaft formt sich erneut. Der Kapitalismus ist pleite und die Banken erhalten dafür Milliardenspritzen auf Kosten der Steuerzahler. Adé der Vision einer gerechten Gesellschaft? Professoren behaupten, das Studium der Zahnmedizin könne inhaltlich nicht weiter entwickelt werden. Wir bejubeln Universitäten, die technisch hochmodern ausgerüstet sind, aber in veralteten Strukturen ausbilden. Adé der Vision einer modernen Ausbildung in der Zahnmedizin? Soll es das jetzt gewesen sein? Werden unsere Zukunftsvorstellungen auf technischen Fortschritt anstelle politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen reduziert? Die Zukunft bleibt ungewiss und jeder ist seines Glückes eigener Schmied, und seiner Zukunft. Denn was wir heute tun, wird unser morgen gestalten.


ALUMNI IST, WER DIE UNIVERSITÄT ABGESCHLOSSEN HAT, OHNE MIT IHR ABGESCHLOSSEN ZU HABEN. ALUMNI IST, WER ETWAS VON DEM WEITERGIBT, WAS ER GELERNT HAT. ALUMNI IST ZAHNMEDIZIN. ALUMNI IST, WOHER MAN KOMMT UND WOHIN MAN GEHEN WIRD. ALUMNI IST VERGANGENHEIT, GEGENWART UND ZUKUNFT. ALUMNI IST ERFAHRUNG UND NEUGIERDE, MEINUNG UND FRAGE. ALUMNI IST EIN MAGAZIN. OUT NOW!

JEDER IST ALUMNI.


die eigene praxis? W W W . A L U M N I - M A G A Z I N . D E


Editorial...1 / UNI UPDATES...6-9 / Gegenwartsschrumpfung...10-13 / Das neue Zahnmedizinstudium...14-23 / Kann man in Berlin noch Zahnmedizin studieren?...24/34 / Deus Ex Machina...36/37 / Die universitäre Lage in Berlin Interview mit Prof. Dr. K. P. Lange...38-43 / Die normalen Studenten?...44/45 / Plötzlich Zahnarzt?...46-57 / Der Zahnarzt der Zukunft...58-60 / Die Zukunft des Zinkphosphatzements...62-65 / Die Zahncreme der Zukunft...66-69 / Der Start in die Zukunft...70-72 / Wissenschaftspreis für Zukunftsforscher...73 / Zahnärztin P 37872/2...74-76 / Für die Zukunft gerüstet...78-80 / Funktion, Komfort und Sicherheit...82-86 / Die organische Innovation der Technik...88-91 / Kreativ in der Forschung...92-96 / Zurück in die Zukunft...98-102 / Zahnmedizin in der Mitte vom Nirgendwo...104-110 / Der Mensch ist des Menschen beste Medizin...112-118 / Zahnmedizin mit Improvisationstalent...120-126 / Der neue Zahn ist da!...128-132 / Die Farben der Zähne II...134-139 / Buchempfehlungen...140/141 / Mieze´s Music Box...142 / Fragen an die Zukunft...144 / Impressum...145

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UN-P ∕ 15 - Uni-Update

Uni

Donnerstag 12.02.2009

Update

unabhängig / überparteilich / unplaqued

BERLIN-DEUTSCHLAND risiko als die Durchschnittsbevölkerung. Es habe sich eine Zweiklassengesellschaft der Zahnversorgung herausgebildet, schlussfolgerte das Magazin. (Spiegel/zänd)

Deutschlandweit

GROSSE UNTERSCHIEDE IM ZAHNMEDIZINSTUDIUM

Arm und Reich

am Gebiss ablesbar

(Deutschland): Immer mehr Kinder aus sozial schwachen Familien leiden an Karies. Und das, obwohl die Quote von kariösen Zähnen pro Kind immer weiter gesunken sei, berichtet der „Spiegel“. Die Kariesverteilung sei ein Indikator für die Spaltung der Gesellschaft. 60 Prozent aller Schäden konzentrierten sich laut einer Studie der Zahnärztekammer auf nur noch zehn Prozent der Kinder. Fast immer handle es sich dabei um Kinder aus der Unterschicht, berichtete das Magazin weiter. Auch die KZBV meldete eine deutliche Kariespolarisation. Viele Kinder hätten wenig Karies, wenige hingegen viel Karies. Diese Erfahrung machten Zahnärzte überall in der Republik, berichtet das Magazin weiter. Bei dem abgehängten Prekariat der Zahnversorgung handle es sich um ein gesellschaftliches Problem. Auch das Robert Koch Institut komme zu dem Schluss, sozial benachteiligte Schichten trügen ein höheres Karies6

(UN-P): Ob es die Ausstattung der Kursräume und Labore, die Möglichkeiten der Computerund Bibliotheknutzung, die Bereitstellung von Materialien oder die neuen Lehrmethoden betrifft, Deutschland universitäre Zahnkliniken könnten unterschiedlicher nicht sein. Während eine Handvoll Universitäten hervorragend aufgestellt sind und gut ausgebildete und zufriedene Zahnärzte hervorbringen, hat der große Rest mit den unterschiedlichsten Problemen zu kämpfen. Zu hohe Studentenzahlen, Patientenmangel und geringe Finanzbudgets behindern zwar einige Innovationsmöglichkeiten, jedoch sind die Eigeninitiativen der Lehrkörper noch zu selten sichtbar. Verbesserungen scheitern immer wieder an der Kommunikation der Abteilungen untereinander und teilweise auch am Willen Einzelner. Die Selbstgestaltung der Ausbildung wird leider nur in Einzelfällen wahrgenommen. Nach Jahrzehnten der Starre wird es offenbar Zeit, das Studium grundsätzlich neu zu strukturieren, um in Deutschland eine vergleichbare Ausbildung zu gewährleisten. Mehr dazu ab Seite 14


Uni Update

Zahnmedizinstudenten zeigen Eigeninitiative gegen Patientenmangel

(BuFaTa München): An mehreren Standorten in Deutschland begegnen die Studenten dem Patientenmangel in ihren klinischen Kursen mit Eigeninitiative. Durch kleine Zeitschriften und Flyer klären Sie über die Vorteile in der Studentenbehandlung auf und versuchen neue Patienten zu aquirieren. Die Produktion der Flyer wird größtenteils über die Studiengebühren finanziert und an verschiedenen Orten im Klinikum, aber auch in Sparkassen und anderen öffentlichen Plätzen verteilt. Einige Universitäten gehen noch einen Schritt weiter und subventionieren die Patienten bei ihren Behandlungskosten. In Hannover zum Beispiel wurde aus Studiengebühren eine Finanztopf gebildet, aus dem Patienten zum Beispiel für eine Krone 50 € Zuschuss erhalten.

KIELBASSA

BRÜDER

kämpfen sich durch ihre

DSCHUNGEL

(UN-P, Berlin, Sydney): Während Peter Bond, seines Zeichens Bruder des Abteilungsleiters der Zahnerhaltung an der Berliner Universitätszahnklinik Prof. Dr. Andrej Kielbassa, im allabendlichen TV sein Glück im australischen Dschungel sucht, kämpft sich der etwas weniger populäre Bruder durch den selbst fabrizierten Dschungel der Berliner Zahnklinik. In den Konsequenzen der

mittlerweile räumlich abgeschlossenen Fusion angekommen, haben die Mitarbeiter und Studenten neben allen baulichen und organisatorischen Hürden obendrein mit mehreren Semestern verdoppelter Studentenzahlen umzugehen. In den klinischen Kursen führte dies nun zu einer Platzverteilung von 4 Studenten pro Behandlungsstuhl, was im Alltag bedeutet, dass jeder Student nur noch einen Behandlungstag pro Woche hat! Bei zwei klinischen Kursen ist das also alle 2 Wochen ein Tag Kons und in den Wochen dazwischen jeweils ein Tag Prothetik.

Nichtstun und hoffen das es niemand bemerkt!

Obwohl Berlin nicht die einzige Universität mit dieser Problematik ist, ist der Lösungsansatz der Abteilungsleiter aus Kons und Prothetik einmalig: Nichtstun und hoffen das es niemand bemerkt! Mittlerweile hat sich auf Druck der Studenten das Dekanat eingeschaltet, doch selbst deren Anweisungen scheinen in der Zahnklinik aufgrund von Ignoranz zu verhallen. Peter musste seinen Dschungel, trotz vieler Anstrengungen und Mühen bereits vorzeitig verlassen - wir werden berichten, ob die Bequemlichkeits- und Verschleierungstaktik seines Bruders im Dschungel der zahnmedizinischen Lehre in Berlin erfolgreicher ist. Mehr dazu ab Seite 24...

Interdisziplinäre Vorklinik in Köln An der Zahnklinik in Köln scheint sich einiges zu tun. Seit Prof. Kerschbaum die Herrschaft der Vorklinik abgegeben hat, machen sich alle Abteilungen für einen interdisziplinären Vorklinik-Kurs stark. Kons, Prothetik, Chirurgie und KFO gestalten nun sowohl den TPK als auch den Phantom II Kurs als Interdisziplinäre Kurse, die die Zahnmedizin ganzheitlich im kleinen abbilden sollen. Der 7


UN-P ∕ 15 - Uni-Update

Uni Update

Phantom I Kurs bleibt wie gehabt prothetisch. Darüber hinaus bieten die Kölner ihren Studenten fakultative Curricula zu Themen wie Oralchirurgie, Akupunktur und Notfallmedizin. Im vergangenen Jahr kamen Teilnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Leider haben sich die Probleme in der Klinik, speziell Prothetik in den letzten Jahren kaum geändert. Weil beklagt wurde, dass die Studenten die Laborkosten für eine Arbeit im Fremdlabor aus der eigenen Tasche bezahlen, muss jeder Student nun eine Erklärung unterschreiben, dass er den Zahnersatz in der Universität angefertigt hat. Da sich die zur Verfügung stehende Zeit allerdings nicht erhöht wurde, müssen die Studenten weiterhin und inoffiziell in Fremdlaboren arbeiten lassen, da sie die Kursleistungen sonst kaum erfüllen könnten. Während die Zahnklinik sich rechtlich abgesichert wähnt, bleiben die Studenten weiterhin auf Kosten sitzen, für die der Patient und die Krankenkassen bereits Geld an die Zahnklinik zahlen. Die Urheber dieser Idee sollten sich schämen!

Kurstagebuch in

Homburg

Die Homburger Zahnmediziner haben seit einiger Zeit einen Internetblog (blogDent) in Benutzung, auf dem die Studenten ihre Behandlungstage kurz und mit Fotos aus den Kursen dokumentieren. Die Plattform ist dafür gedacht, in der Summe der Einträge Ablaufpläne und Orientierungshilfen für einzelne Arbeiten zu kreieren. Kommilitonen und nachfolgende Semestern sollen auf diese Weise Fehler vermeiden und grundsätzlich besser auf bevorstehende Behandlungen vorbereitet werden. Das System wird sehr gut angenommen und bietet ebenso die Möglichkeit, sich über Fehler, Missgeschicke und Probleme offen auszutauschen. Außerdem richtet Homburg die nächste SommerBuFaTa von 12.-14.6.2009 aus. Unter www.bufata.com gibt es nähere Informationen. 8

PerioSim

ZAHNMEDIZINER-TRAINING IN DER VIRTUELLEN WELT

Forscher in den Staaten haben einen naturgetreuen Dental-Simulator-Trainer entwickelt, der Studenten das Feeling in einem on-screen 3D Mund ermöglicht. Mittels haptischer virtueller Realität simuliert das Gerät die Wahrnehmung vom Berühren, Suchen und Scraping im virtuellen Mund. PerioSim wurde von University of Illinois at Chicago‘s colleges of dentistry and engineering entwickelt. Studenten können mit einem Stift durch verschiedene Parodontaltherapien navigieren, Konkremente an der Zahnwurzel untersuchen, Taschentiefe messen und Zahnstein suchen. Das Interface ermöglicht es dem Anwender, Position, Gesichtswinkel und Transparenzwerte des virtuellen Mundes zu justieren. „Wir können das Lernen und Trainieren mit diesen Gerät verbessern“, sagte Dr Arnold Steinberg, Professor of Periodontics der UIC. Das System erlaube es dem Ausbilder kurze Szenarien von Parodontaltherapien zu entwerfen, die gespeichert und jederzeit wiederholt werden können. Studenten könnten Szenen in mehreren Blickwinkeln wiederholen und so die verschiedenen Platzierungen der Instrumente während der Behandlung beobachten. (zahn-online.de)


Uni Update

können die drei Prämierten Preisgelder (3000 Euro für den ersten Platz, 2000 Euro für den zweiten Platz, 1000 Euro für den dritten Platz) und Publikationszuschüsse (je 2000 Euro) zur Unterstützung ihrer weiteren Arbeit gewinnen. Die Bewerber für VOCO Dental Challenge 2009 können ihre Unterlagen (A4 Seite Abstract, Lebenslauf) noch bis zum 30.April 2009 bei VOCO, Cuxhaven (m.danebrock@voco.de) einreichen. Die Preisverleihung wird Mitte September 2009 stattfinden. Viel Glück.

VOCO DENTAL CHALLENGE 2009

Nachwuchswissenschaftler fordern und fördern Mit der seit 2003 jährlich ausgetragenen VOCO Dental Challenge bietet der Cuxhavener Dentalmaterialhersteller jungen Dentalwissenschaftlern die Möglichkeit, ihre Forschungs- und Studienergebnisse in professionellem Rahmen und vor fachkundigem Publikum zu präsentieren. Gleichzeitig erlaubt die Veranstaltung einen Blick auf den aktuellen Forschungsstand und gibt Gelegenheit zum Gedankenaustausch auf hohem wissenschaftlichen Niveau. Teilnehmen konnten Studenten und Absolventen, die ihr Studium 2004 oder später beendet haben. Eine weitere Teilnahmevoraussetzung ist die Präsentation einer Studie, an der zumindest ein VOCO-Präparat beteiligt ist. Außerdem dürfen die Untersuchungsergebnisse noch nicht öffentlich präsentiert worden sein. Zu den Bewertungskriterien der Jury zählen neben einer wissenschaftlich überzeugenden Untersuchung und ihrem medizinischen Nutzen auch deren Darstellung und Präsentation. Zudem gibt eine kurze Fragerunde nach den einzelnen Vorträgen Aufschluss darüber, wie intensiv sich die Wettbewerbsteilnehmer mit ihrem jeweiligen Thema beschäftigt haben. Neben dem wissenschaftlichen Achtungserfolg

AUFLÖSUNG DES SONICARE QUIZ IN AUSGABE 14:

„Die Lösung unseres Philips Sonicare Gewinnspiels lautete 1. 99,5 % der Bevölkerung haben eine Erkrankung der Gingiva oder des Parodontiums. und 2. die Vorteile der Schalltechnologie sind ein schonender Umgang mit Zähnen und Zahnfleisch, sowie die unterstützende reinigende Wirkung im Approximalbereich. Wir gratulieren den 10 Gewinnern zum Gewinn ihrer neuen Philips Sonicare Schallzahnbürste. Übrigens: Die Erfolgsgeschichte der Schalltechnologie begann vor 16 Jahren. Damals fanden Forscher an der Universität Washington heraus, dass man die Anheftung von Bakterien an Zahnflächen beeinflussen kann. Eine starke dynamische Flüssigkeitsströmung war der Schlüssel zum Erfolg. Dies wiederum veranlasste die Forscher, eine Zahnbürste zu entwickeln, die diese grundlegend neue Technik nutzte.

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UN-P ∕ 15 - Zukunft Text / Eric Weigel

GEGENWARTS G N U F P M U SCHR

, t f n u k u Z r e b ü l e ik Ein Art Zeit und Ziele Der Zivilisationsphilosoph Hermann Lübbe sprach einmal das Urteil aus, unsere Zivilisation leide an Gegenwartsschrumpfung. Was das bedeuten kann möchte ich anhand einer These illustrieren: Die Gegenwart wird zugunsten einer Zukunft vernachlässigt. 10

Man lobt in unserer Zivilisation den Moment. Vodafone befiehlt: Make the most of now! Das Jetzt will genossen werden, es soll uns nicht unangenehm sein. Daher geben wir uns größte Mühe, die Momente in der Zukunft, die einmal das Jetzt sein


werden, möglichst angenehm, bestenfalls optimal auszurichten. Erlebnisse werden geplant, Möglichkeiten abgewogen, Wahrscheinlichkeiten kalkuliert. Wir wollen in der Gegenwart die in der Zukunft kommenden Gegenwärtigkeiten gut geplant wissen.

Das Dilemma an der Zukunft ist, dass nur eine kommen wird, obwohl Millionen möglich sind. Dadurch fühlen wir uns allerdings in jedem Moment der Gegenwart mit der Zukunft konfrontiert; genauer: mit einer möglichen Zukunft. Denn das Dilemma an der Zukunft ist, dass nur eine kommen wird, obwohl Millionen möglich sind. Welche es sein wird, liegt maßgeblich in unseren eigenen Händen. Barfuss oder Lackschuh, Sekt oder Selters. Das weiß jeder, der Zurück in Zukunft I-III gesehen hat.

Heute dagegen eröffnet sich dem Einzelnen ein unüberschaubares Sammelsurium an Zukunftschancen. Früher einmal war das Bewusstsein bestehender Zukunftsmöglichkeiten äußerst überschaubar. Die Zukunft war aufs engste verknüpft mit der Natur, denn das individuelle Wohlergehen war existentiell abhängig von einer angemessenen Synchronisation zwischen Mensch und Natur. Aufforsten, Pflügen, Sähen oder Ernten hatten ein genaues, ökologisches Timing, dem der Mensch unterworfen war. Diese Sphäre haben wir dank Konservierungsstoffen, Supermärkten und der Tiefkühlpizza längst

hinter uns gelassen. Heute dagegen eröffnet sich dem Einzelnen ein unüberschaubares Sammelsurium an Zukunftschancen. Noch nie hatte das Individuum ein so großes Möglichkeitsrepertoire bezüglich eigenverantwortlich gestaltbarer Zukunft wie heute. Sei es bei der Frage nach der Altersvorsorge, wann man die leidigen Einkäufe erledigt oder ob man ruhig noch ein Bier mehr trinken darf. Hier deutet sich schon an: obwohl unsere Kultur das Jetzt lobt, hechten wir beständig nach Zukünftigkeiten. Es gilt nicht zu Unrecht als zivilisatorischer Fortschritt, dass wir unseren Kindern vermitteln wollen, die Zukunft stehe ihnen offen. Das Jetzt ist da. Und schon wieder vorbei. Viel interessanter als das ungreifbare Jetzt ist doch die Zukunft, die noch werden könnte. Die Gegenwart scheint wie ein transparentes Phantom, durch das wir diese Zukunft sehen können. Umso mehr fasziniert es, was in der Zukunft möglich sein könnte. Insofern schrumpft die Gegenwart auf ein Minimum, während sich die Zukunft übermächtig aufbläht. Beständig entwerfen wir Zukunfts-Bilder von uns, damit die Zukunft kein großes schwarzes Loch mehr ist. Nichts ist bedrohlicher als eine vollkommen ungewisse Zukunft. Wir verlangen nach Sicherheit, nach einem Zimmer mit Aussicht. Wir wollen die eigene Zukunft entwerfen. Dies ist der Moment, in dem der innere Druck schleichend ansteigt. Denn die Zukunft setzt uns permanent unter Druck. Die uns zur Verfügung stehenden Optionen, wie wir der Zukunft begegnen könnten sind mit unserem Fortschritt ins Unermessliche gewachsen. Nicht selten sieht man sich bei trivialsten Entscheidungen irritiert, denn ein Ja für jenes bedeutet immer gleichzeitig das Nein für eine andere, auch mögliche Zukunft, die vielleicht doch besser gewesen wäre. Insgeheim wollen wir uns so viel Zukunftsspielraum wie nur möglich erhalten. 11


UN-P ∕ 15 - Zukunft

Die Zukunft ist abhängig von den sich stetig potenzierenden Optionen in der Gegenwart. Die Zukunft ist abhängig von den sich stetig potenzierenden Optionen in der Gegenwart. Der Knackpunkt besteht in den uns zur Verfügung stehenden Mitteln der Zukunftsgestaltung. Wissenschaft und Technik liefern uns (direkt und indirekt) immer mehr Gestaltungsmöglichkeiten, deren Konsequenzen wir für die Zukunft abwägen müssen. Wir leben in einer Sphäre des „Ich könnte“, in der wir die Qual der Wahl haben. Allein die Tatsache, dass wir das Wissen um all die Optionen haben, wie wir unser Leben in der Zukunft gestalten sollen, wirkt nicht nur positiv, sondern verunsichert auch. Werde ich glücklicher in Los Angeles oder in Wuppertal? Setze ich die Pille ab? Soll ich mich scheiden lassen und mit der Sekretärin durchbrennen oder investiere ich die Kraft in die Beziehung? Besorge ich mir Ritalin, um besser bei den anstehenden Prüfungen zu funktionieren? Will ich das teure Zahnimplantat oder riskiere ich den Verfall meines Knochens in wenigen Jahren? Das sind in die Zukunft deutende Fragen, die ich im Jetzt entscheiden muss. Und es werden immer mehr.

Die Ideen von Zukünftigkeit sind so existentiell bedeutend für uns, dass wir den Moment im Jetzt kaum unbedarft erleben können. Die Gefahr dabei ist, dass wir immer mehr in der Zukunft leben ohne sich tatsächlich auf das Jetzt 12

zu konzentrieren. Die Ideen von Zukünftigkeit sind so existentiell bedeutend für uns, dass wir den Moment im Jetzt kaum unbedarft erleben können. Dabei sind doch wiederum alle Zukunftsplanungen auf ein Jetzt gerichtet, ein möglichst genussvolles sogar, dass irgendwann auch erlebt werden soll. Stattdessen wird weitergedacht, weitergeplant, weiterkalkuliert.

Sie setzen alles daran, dass das ausgedehnte, genussvolle Jetzt zusammenschrumpft zugunsten der Illusion einer rosigen Zukunft. Diabolische Großmeister der Kalkulation zukünftiger Zeit finden wir schon markant personifiziert in Michael Endes „Momo“, nämlich als die grauen Herren von der Zeitsparkasse. Sie setzen alles daran, dass das ausgedehnte, genussvolle Jetzt zusammenschrumpft zugunsten der Illusion einer rosigen Zukunft. So ist eine Schlüsselszene eben die, in der Frisör Fusi einen Besuch von einem der grauen Herren bekommt, welcher ihn zum Zeitsparen im Jetzt motivieren soll, damit er in der Zukunft mehr Zeit habe. Mittels einer bestechend plausiblen arithmetischen Rechnung veranschaulicht der graue Herr eindrucksvoll, dass Fusi seine Jetzt-Zeit mit unnützen Dingen verplempert: Gesangsvereine, allabendliches Revue-passierenlassen des verstrichenen Tages, seinem Liebchen Blumen bringen. Überzeugt von der Argumentation des grauen Herren streift Fusi all diese unnützen Tätigkeiten ab, um nur noch für die Zukunft vorzusorgen, in der man irgendwann die angesparte Zeit verzinst nutzen kann. Er gibt sich der Hetze hin, die durch vermeintliches Zeitsparen entsteht. Fließbandarbeit, kalkulierte Zeitoptimierung, keine Zeit für Unnützes.


Was er nicht bemerkt: er hatte bereits Zeit! Er lebte ein genussvolles Leben, das sich weitestgehend im Jetzt abspielte.

Mehr Geld scheffeln für mehr Freizeit, mehr Sicherheit, für eine bessere Zukunft. Es ist ein kleiner Schritt von der Zeit zum Geld. Denn wie sagt man? Zeit ist Geld. Die Strategien der Zeitoptimierung sind daher genauso paradox wie die des Geldes. Das sich-etwas-leisten-können in der Zukunft ist ebenso abhängig von der wohl kalkulierten Planung im Jetzt. Mehr Geld scheffeln für mehr Freizeit, mehr Sicherheit, für eine bessere Zukunft.

Hetze anstelle von Freiheit heraufbefördert. Wir sind umringt von Dingen, die uns mehr Zeit in der Zukunft versprechen. Ein allabendlicher TV-Werbeblock genügt, um dies zu veranschaulichen. Wir vergessen das langweilige, sowieso stattfindende Jetzt mit seinen Problemen und Sorgen, die wir in der Zukunft gerne getilgt haben möchten. Die Gegenwart schrumpft. Die Zukunft wächst. Und damit die Angst. Zum Schluss noch ein erbaulicher Tipp von Beppo dem Straßenkehrer aus Michael Ende´s Momo: Bei einer langen Straße sollte man nicht auf die Länge achten, sondern jeweils auf den Pflasterstein direkt vor uns.

Das Leben vollzieht sich vor allem jetzt. Das Idyll, das bei Ende durch die Zeitsparkasse zerstört wird, ist ein mediterranes, im Jetzt verankertes Leben, welches nicht viel Zeit damit verbringt die Zukunft zu planen. Die Figuren leben einfach, sie lachen, sie genießen, musizieren, gehen ihrer Arbeit ohne große Entwicklungsplanungen nach. Sie sind zufrieden. Nicht, dass man nicht an die Zukunft denken, sie planen und klug abwägen sollte. Aber ein nur auf die Zukunft ausgerichtetes Denken begünstigt auch ein Verstellen dessen, was das Jetzt ist. Und das Leben vollzieht sich vor allem jetzt. In gewisser Weise ist es ein Armutszeugnis unserer Zivilisation, dass es eines Kinderbuches bedarf, um aufzuzeigen, dass eine auf die Zukunft gerichtete Kalkulation von optimal genutzter Jetzt-Zeit 13


UN-P ∕ 15 - Das neue Zahnmedizinstudium Text / Ingmar Dobberstein

DAS NEUE ZAHNMEDIZINSTUDIUM Wir erleben den Wandel der Zahnmedizin. Vom Arzt zum Unternehmer, vom Generalisten zum Spezialisten, von reiner Krankenversorgung zu High Tech Möglichkeiten der Gesunderhaltung und Verschönerung. Doch wird diese Entwicklung von den Universitäten begleitet? Schaut man auf Deutschlands zahnmedizinische Universitätslandschaft, trifft man in der Mehrheit auf Inhomogenität und Konzeptlosigkeit. Die einst die Entwicklung der Zahnmedizin bestimmenden universitären Institutionen sind längst nicht mehr die Stätten wissenschaftlicher Innovation. Vom ehemaligen und bereits damals kritisierten Elfenbeinturmstatus ist lediglich die Distanz zur Erde oder auch zu den Praktikern im Lande übrig geblieben. Die Forschungs- und Innovationsleistung liegt heute vor allem bei privaten Instituten, der Industrie und den praktizierenden Zahnärzten selbst. Universitäre Leistungen dagegen beschränken sich häufig auf industriell initiierte Studien und Nachuntersuchungen, deren Ergebnisse meist erst Jahre später veröffentlicht werden, nachdem sich der Praktiker längst aufgrund seiner Erfolgszahlen für oder gegen neue Methoden und Produkte entschieden hat. Seit Humboldt stehen die deutschen Universitäten unter dem Ideal einer Einheit von Forschung und Lehre. In der Zahnmedizin scheint dieses Ziel vielerorts in Vergessenheit geraten zu sein, denn obwohl den Studenten immer wieder offenbart wird, dass die Unis aufgrund der von ihnen erwarteten Forschungsleistungen nicht mehr Zeit, Geld und Personal in die Lehre investieren können, haben verschiedene DIMDI Studien erwiesen, dass viele zahnmedizinische Dogmen und Lehren keinen ausreichenden wissenschaftlichen 14

Hintergrund haben. Was also ist die Aufgabe der Universitäten in der gegenwärtigen Zeit? Die aktuelle Entwicklung betrachtend, scheinen einige Universitäten die verlorenen Chancen erkannt zu haben und probieren sich irrwitziger Weise in einem anderen Kerngebiet: der Aus- und Fortbildung zahnärztlicher Kollegen im postgradualen Bereich. Irrwitzig vor allem deswegen, weil die Quote der Zahnmedizinstudenten in psychotherapeutischer Betreuung eine der höchs-


ten in Deutschland zu sein scheint (Daten statistisch nicht erfasst, derzeit läuft eine Studie des EDSA zu diesem Thema). Diese Situation ist kaum verwunderlich, da der äußerst verschulte Studiengang nicht nur wenig persönliche Freiheit zulässt, sondern durch schwer evaluierbare, persönliche und subjektive Leistungsbewertung und Abhängigkeiten definiert ist. Zudem ist es eine Tradition in der Zahnmedizin, die eigene Lehre nur selten kritisch zu hinterfragen, was zu einer Anhäufung veralteter Informationen und einer Überladung des Zahnmedizinstudiums an sich geführt hat.

Die Universitäten sind heute nicht mehr in der Lage, eine umfangreiche und moderne zahnmedizinische Ausbildung zu gewährleisten. Zumindest darin sind sich sowohl die Kritiker der universitären Ausbildung als auch die Fürsprecher der postgradualen Spezialisierung einig: Die Universitäten sind heute nicht mehr in der Lage, eine umfangreiche und moderne zahnmedizinische Ausbildung zu gewährleisten. Die Konsequenzen dieser Tatsache sind allerdings grundverschieden. Während die Kritiker, zumeist Studenten und vereinzelt auch Professoren und Assistenten, eine umfassende Erneuerung des Studiums fordern, wollen die Fürsprecher der postgradualen Ausbildung die Wissensdefizite nach dem ohnehin langen Studium in teuren Masterstudiengängen ausgleichen und damit nicht unerheblich viel Geld verdienen. So wird ganz nebenbei eine der grundlegenden Überzeugungen des deutschen Bildungssystems, seinen Bürgern möglichst kostenfrei eine umfassende, berufsbefähigende Bildung zur Verfügung zu stellen, um dadurch gleiche Chancen für jeden Menschen zu schaffen, unterwandert. Dass Zahnmedizin bereits seit langem kein Studium für Jedermann mehr ist, wird spätestens anhand

der Kosten für Materialen und Geräte deutlich, die allein in Deutschland mit 300 bis 10.000 € pro Studium extrem stark variieren. Erkennt man die starke Erneuerungsbedürftigkeit der zahnmedizinischen Grundausbildung, wie es die meisten Universitäten sehr wohl getan haben, eröffnet sich eine Spielwiese ungeahnter Möglichkeiten. Nach fünfzig Jahren Winterschlaf gibt es viele Baustellen die angegangen werden müssen, doch nicht alle können gleichzeitig bearbeitet werden. Dementsprechend groß ist die Konzeptlosigkeit vieler Universitäten bezüglich Priorität und Vorgehensweise bei diesen Veränderungen.

Die einzelnen deutschen Universitäten haben gute Ideen und singuläre Erfolge, aber eben auch nicht mehr. Dies führt unter anderem zu der Behauptung, dass man für ein neues Zahnmedizinstudium gar nicht so weit aus Deutschland heraus schauen muss, wie immer behauptet wird. Die einzelnen deutschen Universitäten haben gute Ideen und singuläre Erfolge, aber eben auch nicht mehr. Nur ganz wenige unter ihnen haben mittlerweile Studiensysteme aufgebaut, die das deutsche Zahnmedizinstudium einem internationalem Vergleich standhalten lässt. Auch deren Ideen werden Bestandteil der Vorschläge und Konzepte dieses Artikels sein. - Die Entwicklung Geschichtlich gesehen wurde das Zahnmedizinstudium alle 50 Jahre um ein Studienjahr erweitert, da die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Behandlungsmethoden erheblich zugenommen hatten. Da die letzte Erweiterung in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts statt gefunden hatte könnte man schlussfolgern, dass es mittlerweile wieder Zeit wäre, ein weiteres Jahr oben drauf zu packen. Und wie einfach, wenn auch 15


UN-P ∕ 15 - Das neue Zahnmedizinstudium

nicht zeitgemäß, könnte dieses Vorgehen sein? Alles würde so bleiben wie es ist und zusätzlich könnten aktuellere und moderne Inhalte vermittelt werden. Dieses Vorgehen findet außerhalb einer erlesenen Professorenrunde allerdings nur wenig Unterstützung, da es hohen finanziellen Aufwand erfordert und jeglichen europäischen Initiativen entgegen steht. Naturgemäß gehört die Zahnmedizin aufgrund des Schwerpunkts in der praktischen Ausbildung zu den teuersten Studiengängen überhaupt und doch zeigen Länder wie Italien, Frankreich und die Schweiz, dass eine Neukonzeption des Zahnmedizinstudiums auf Basis des auf europäischer Ebene geforderten Bachelor-Master-Systems möglich ist und durchaus einige Vorteile bietet. Allein der Gedanke eines Bachelor-Master-Systems bringt allerdings eine Vielzahl neuer Bedenkenträger und Examensnostalgiker auf die Bühne und lässt sie allesamt das Hohelied auf das ach so tolle deutsche Zahnmedizinstudium singen. Zu Unrecht allerdings, wenn man einen genaueren Vergleich der verschiedenen Studiensysteme in Betracht zieht. Denn kaum einer der im Bologna Prozess geforderten Grundsätze eines Universitätsstudiums wird im deutschen Zahnmedizinstudium erfüllt: - eine Vergleichbarkeit der Ausbildung existiert weder im internationalen Sinne, noch, und das ist viel schlimmer, in der innerdeutschen Betrachtung der verschiedenen Standorte. Damit einher geht der nur schwerlich umsetzbare Studienplatzwechsel zu anderen innerdeutschen Standorten, zumindest unter Anerkennung bereits erbrachter Leistungen und dem Rubrum eines möglichst geringen Zeitverlustes. Ursächlich ist hier unter anderem das fehlende Vertrauen eben jener hochdekorierter Abteilungsleiter und Professoren, 16

die zum einen den Zeitgeist der Zahnmedizin bestimmen wollen und sich zum anderen nicht selten innerhalb eines Hauses gegenseitig das Leben erschweren. Das sie sowohl die Gegenwart als auch die Zukunft der Zahnmedizin in Form ihrer Studenten bereits in den Händen halten, ist vielen dieser Kollegen überhaupt nicht bewusst oder kann aufgrund ihrer Egomanie gar nicht erst in ihr Bewusstsein gelangen. - eine praxis- und berufsnahe Gestaltung des Studiums durch die Einführung des Bachelor und Masterabschlusses scheint nur schwer in den Sprachgebrauch des deutschen Hochschulprofessors übersetzbar zu sein, denn was sollte denn ein Bachelor der Zahnmedizin überhaupt sein? Wozu sollte man auch nach drei Jahren Studium bereits einen Berufsabschluss haben, wenn die echten Studienabbrecher in der Zahnmedizin eher selten sind? Liebe Entscheidungsträger, weil es besser ist, das Studium nach drei Jahren mit einem Berufsabschluss verlassen zu können, als sich womöglich noch weitere fünf Jahre durch die klinische Ausbildung zu quälen, um sich am Ende zwar mit einem Abschluss, aber immer noch mit zwei linken Händen in ein erfolgloses Berufsleben zu bewegen! Wir müssen uns hier nichts vormachen: Dass gegenwärtig über 20% der Zahnärzte in Insolvenz oder unter Bankaufsicht arbeiten, ist nicht nur einer kranken Gesundheitspolitik zu verdanken, sondern ebenso dem veralteten Studiensystem und fehlender Lerninhalte in Bezug auf die Berufsfähigkeit und die Anforderungen der freien Praxis geschuldet. Bedenkt man, dass es im Zahnmedizinstudium an psychologischen, wirtschaftlichen und ethischen Lehrinhalten fehlt, sollten sich die Kammern und KZVen bereits heute auf ansteigende Pleitezahlen ihrer zukünftigen Mitglieder vorbereiten.


- die Integration der Studierenden in die Gestaltung ihrer Ausbildung zur Förderung der Identifikation mit ihrer Universität und der Etablierung einer Alumnikultur sowie dem Selbstverständnis eines lebenslangen Lernens auf universitärem Niveau, ist in Deutschland die Sackgasse schlechthin. Zwar versuchen die Verantwortlichen der universitären Lehre auf den Zug der postgradualen Weiterbildung aufzuspringen, stehen gleichzeitig aber einer Vielzahl kritischer und böser Blicke ihrer ehemaligen Absolventen gegenüber. Die haben wenig Lust, als sich an ihrer Alma Mater auch nur eine weitere Stunde Aus-, Fort- oder Weiterbildung anzutun. Wo glauben wir denn, hat der Zahnmediziner sein Einzelkämpfernatur erlernt, wenn nicht in der Universität? Anstelle von Identifikation und Mitarbeit ernten die meisten Universitäten, was sie selbst gesät haben: Desinteresse und mangelnde Initiative! Diese Darstellung wird einige Kritiker auf den Plan rufen, die an dieser Stelle Schwarzmalerei und Pessimismus unterstellen und behaupten, dass es so schlimm ja nun wirklich nicht sei. Aber bitte, liebe Kritiker, gehen Sie an die Universitäten und überzeugen Sie sich selbst. Versuchen Sie Studenten zu treffen, die Ihnen ohne Angst vor Repressalien von den Problemen an ihrer Uni berichten. Und schauen Sie sich bitte die Altersstruktur der universitären Förder- und Alumnivereine, sowie der berufspolitischen Verbände und Körperschaften an!

Die bereits seit 15 Jahren für das jeweils kommende Jahr angekündigte Novellierung der Approbationsordnung (APOZ) könnte eine dieser Chancen sein, neue Strukturen im Zahnmedizinstudium verbindlich und dennoch freiheitlich im Sinne der universitären Selbstgestaltung zu ermöglichen. Das eine neue APOZ allerdings nur zukunftsträchtig sein kann, wenn sie von Visionären und nicht Nostalgikern umgesetzt wird, versteht sich angesichts der bisherigen Dauer ihrer Erneuerung von selbst.

- Die Chance Um dem Vorwurf der Schwarzmalerei entgegen zu wirken, sollen an dieser Stelle Chancen und Möglichkeiten der gegenwärtigen zahnmedizinischen Hochschullandschaft aufzeigt werden. An den meisten Standorten würde ein gezieltes Vorgehen einen Qualitätssprung erzeugen, der die Nacht zum Tage machen würde - zumindest aus studentischer Perspektive, sehr wahrscheinlich aber auch aus Sicht des Lehrkörpers.

Der frühe Patientenkontakt sollte ein Selbstverständnis sein, über das heute nicht mehr diskutiert werden muss. Für alle die mit dem Wort nichts anfangen können: Je früher ein Student mit Patienten konfrontiert wird und eine Sensibilität für diese entwickeln kann, desto besser. In Greifswald zum Beispiel müssen die Studenten ab dem zweiten Semester einige Stunden im klinischen Behandlungskurs assistieren, ha-

- Die Vorklinik Die Zusammenführung der vorklinischen Ausbildung mit den Medizinern ist größtenteils vollzogen, doch leider haben die meisten Unis daraus keine Konsequenzen für den zahnmedizinischen Anteil der Vorklinik gezogen. Anstatt zu entschlacken, wird wie eh und je eine Odyssey zahntechnischer Kurse durchlaufen, die größtenteils fernab einer modernen Zahntechnik ihre Lehren zum Besten geben. Nach zweieinhalb Jahren des Gießens, Pressen, Schnitzen und Aufwachsen kommen die Studenten in die Klinik und fragen sich teilweise das erste Mal, was sie nun mit diesem Menschen vor sich machen sollen.

Je früher ein Student mit Patienten konfrontiert wird und eine Sensibilität für diese entwickeln kann, desto besser.

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UN-P ∕ 15 - Das neue Zahnmedizinstudium

ben darüber hinaus aber die Möglichkeit, dies fakultativ noch zu erweitern. Andere Universitäten nutzen die schulmedizinischen Dienste oder Besuche in Altersheimen dazu, um erste Patientenerfahrungen zu ermöglichen. Psychologische Seminare mit dem Schwerpunkt einer interdisziplinären Betrachtung des Patienten wären hier nur ein kleiner nächster Schritt und sind dennoch kaum zu finden.

Der größte Prozess muss in den Köpfen der Lehrverantwortlichen und der Kommunikation zwischen den Abteilungen von statten gehen. Dabei ist es der ausgesprochene Wunsch der Studenten, frühzeitig mit dem klinischen Bezug ihrer vorklinischen Übung in Kontakt zu kommen. Hierfür bieten Famulaturen in Praxen eine Möglichkeit, klinische Praktika in der vorlesungsfreien Zeit eine andere. Problemorientiertes und praxisnahes Lernen und Lehren ist keinesfalls so einfach wie es klingt und doch ist es der Schlüssel zu einer neuen Ausbildung. Zwar erfordert es einigen organisatorischen Aufwand, doch der größte Prozess muss in den Köpfen der Lehrverantwortlichen und der Kommunikation zwischen den Abteilungen von statten gehen. POL bietet unglaublich viele Freiheiten, wenn man kreative Lehre gestalten möchte. Im Gegensatz zum Frontalunterricht werden die Studenten im POL gefordert, den Lernprozess ebenso kreativ und aktiv zu gestalten. Um neuen Lehrformen und -inhalten Raum zu geben, benötigt es Zeit. Bei zum Teil 50 Pflichtstunden pro Woche bleibt hier kaum Spielraum für Lehre, die mit freiem Kopf und Kreativität durchgeführt werden soll. Die Ein-Jahr-mehr Variante ist auch nicht diskutabel. Es bleiben dann noch die Semesterferien, die man sich als Zahn18

medizinstudent unter derzeitigen Studienbedingungen aber unbedingt verdient hat. Kurzum, das Studium muss entschlackt werden! Die meiste Schlacke der Vorklinik ist in der Prothetik und der damit verbundenen zahntechnischen Ausbildung angesiedelt. Natürlich gibt es viele Gründe, gerade diesen Ausbildungsteil so intensiv zu gestalten - um die Handfertigkeit zu üben, Zähne schnitzen und am Lagerfeuer eine Goldkrone gießen zu können und schließlich ein Praxislabor führen zu dürfen. Doch darf man hinterfragen, ob dieses Praxislabor in der gegenwärtigen Entwicklung der ZahnMedizin das Opfer einer modernen Ausbildung wert ist? Der Schwerpunkt der zahnärztlichen Arbeit hat sich in den letzten Jahren stark zu präventiven, konservierenden, parodontologischen und interdisziplinären Bereichen hin verlagert, während in den ersten zwei Jahren des Studiums größtenteils nur Prothetik abgebildet ist. Eine Änderung dieser Aufteilung, an der immer auch Lehrdeputate, Stellen und damit nicht zuletzt auch Forschungskapazitäten hängen, kann nur über eine kreative Handhabung stattfinden. Beispiele dafür wären die frühzeitige Konzentration auf die orale Statik unter Einbeziehung der Implantologie, die frühzeitige Funktionslehre und gegenseitige Schienenherstellung oder auch die Parodontologie parallel zur biochemischen Ausbildung. Ohne die eigene Unabhängigkeit zu gefährden, kann man wie in München die Industrie schon frühzeitig in Form von Keramik-, Composite- oder CAD CAM-Kursen in die Ausbildung integrieren und damit nicht nur Geld verdienen, sondern ebenso Lehrkapazität schonen und an anderer Stelle einsetzen. Es ist die große Chance der Zahnmedizin, durch die hohe Zahl praktischer Kurse neue Lernstrukturen mit praxisnahen und problemorientierten Inhalten weit einfacher umsetzen zu können, als rein theoretisch ausgerichtete Studiengänge.


Standorte wie Jena und Halle zeigen seit langer Zeit, dass eine zufriedene Studentenschaft bei gleichzeitig hohem Studienniveau kein Mythos, sondern pure Realität sein kann. Würden die Labore grundsätzlich längere Öffnungszeiten für selbständiges Üben zulassen, wie es an einigen Unis der Fall ist, könnte sich trotz geringerer Stundenzahl der neuen Kurse ein gleichwertiger Übungserfolg in Bezug auf die Handfertigkeit der Studenten entwickeln. Denn diese wollen Zahnärzte werden, sie wollen gut sein und sind auch heute schon bereit, dafür längere Studientage zu investieren. An dieser Stelle gilt es zu überlegen, ob die gegenwärtig weit verbreitete Form des Lernens unter Druck und Aufsicht wirklich noch zeitgemäß ist? Ein Grund für die fehlende Identifikation im Zahnmedizinstudium ist der alltägliche Umgang mit den Studenten. Zu wenig wird dem Studenten als Partner auf einer Augenhöhe begegnet, zu häufig werden die selbsterlebten Repressalien durch junge Assistenten ohne jegliche pädagogische Bildung an jüngere Generationen weitergegeben und definitiv zu oft wird Strafe als Mittel in der Ausbildung benutzt. Wahrgenommen wird dies vor allem von den Studenten, die in Ihrem Leben auch schon andere Erfahrungen gesammelt haben, den Spätstudierenden, MKG Anwärtern oder fertigen Zahntechnikern. Würde der Student bereits zu Studienzeiten als Kunde und nicht nur als ein notwendiges Übel begriffen, könnten sich die postgradualen Studiengänge wahrscheinlich über weit mehr zahnärztliche Kunden freuen. Standorte wie Jena und Halle zeigen seit langer Zeit, dass eine zufriedene Studentenschaft bei gleichzeitig hohem Studienniveau kein Mythos, sondern pure Realität sein kann. In Überschneidung mit der klinischen Ausbildung

gibt es einige Themen, die aktuell nur an wenigen Universitäten eine vorklinische Beachtung finden und doch zum Handwerk des modernen Zahnarztes gehören. Würde sich die Prothetik im Zuge dieser Änderungen neu positionieren, könnten Inhalte wie Prävention, Prophylaxe, Funktionsdiagnostik, Psychologie, Schmerzdiagnostik, Wirtschaft, Abrechnung, Alterzahnmedizin und Kinderzahnheilkunde vom ersten Semester an gelehrt werden. Es versteht sich praktisch von selbst, dass die Zahnmedizin sich hierfür Hilfe von außen holen müsste, denn wie sollte ein Prothetikprofessor oder -oberarzt ohne entsprechende Ausbildung oder Spezialisierung über fachfremde Themen referieren können? Und genau diese Hilfe von außen ist eine weitere Chance zur Erneuerung des Zahnmedizinstudiums. Es ist lediglich ein logistisches Problem, die Zahnmedizinstudenten an den Psychologie- und Ethikvorlesungen der Mediziner teilhaben zu lassen. Die Landeszahnärztekammern sollten nicht nur eine oder zwei Berufskundevorlesungen halten, sondern ihre Spezialisten vom ersten Semester an die Ausbildung mit gestalten lassen. Die durch Auslagerung an Honorarkräfte gewonnene Zeit kann am Ende der Lehre in Form von POL Veranstaltungen und Seminaren, aber auch der Forschungsleistung und damit auch Drittmittelgewinnung der Fakultät zu Gute kommen.

Doch trotz des hohen zahntechnischen Anteils kann heutzutage definitiv kein Student behaupten, nach der Vorklinik Zahntechniker/In zu sein. Mit Hilfe dieser Vorschläge kann man wiederholt die Frage stellen, welche Qualifikation und Berufsfähigkeit ein Student nach drei Jahren eines Bachelorstudiums haben könnte? Drei Jahre entsprechen dem Bild eines Ausbildungsberufes, doch trotz des hohen zahntechnischen 19


UN-P ∕ 15 - Das neue Zahnmedizinstudium

Anteils kann heutzutage definitiv kein Student behaupten, nach der Vorklinik Zahntechniker/In zu sein. Mit Hilfe präventiver, parodontologischer und wirtschaftlicher Inhalte könnten die ersten drei Jahre allerdings ausreichen, um als gut ausgebildeter Prophylaxeassistent/In oder sogar Dentalhygieniker/In in das Berufsleben entlassen zu werden. - Die Klinik Über den Sinn Integrierter Kurse muss man an dieser Stelle nicht mehr diskutieren, zumal UNPLAQUED regelmäßig über gute und schlechte Beispiele berichtet. Umso mehr erstaunt es, dass es immer noch die Minderheit der Universitäten in Deutschland ist, die dieses Studiensystem nutzt. Außer in Jena, Witten, Greifswald und Heidelberg existieren keine echten Integrierten Kurse in Deutschland! Bezüglich eines neuen Zahnmedizinstudiums sind diese unvermeidlich, da man nur mit Integrierten Kursen sinnvoll ganzheitliche Zahnmedizin und kontinuierliche Patientenerfahrungen vermitteln kann. Eine Trennung der Kurse in Prothetik und Kons I & II mag alten didaktischen Herangehensweisen entsprechen, aber keinesfalls eine vernetzte und problemorientierte Lehre unterstützen. Seitens des Lehrkörpers ist hier vor allem die mangelnde Bereitschaft zur Zusammenarbeit der Abteilungen immer wieder das Hindernis bei der Umsetzung Integrierter Kurse gewesen.

Die Zahnärzteschaft sollte sich also darüber im Klaren sein, dass eine Auffächerung in mehr Spezialisierungen und Teilgebiete zwar legitim ist, in dieser Bedeutung aber auch in der universitären Ausbildung wieder gefunden werden muss.

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Bezüglich eines neuen klinischen Studiums richtet sich die Aufmerksamkeit dieses Artikels dennoch auf andere Probleme. Wenn einzelnen Fachbereichen postgradual die Bedeutung einer Spezialisierung verliehen wird, sollte sich dies auch in der universitären Ausbildung wiederfinden. Dabei ist klar, dass dies nicht immer in vollem Umfang vermittelt werden kann und somit postgraduale Weiterbildung auch weiterhin einen hohen Stellenwert behalten wird. Aber wenn eine Erkrankung wie die Parodontitis derart an Bedeutung in der Bevölkerung zunimmt, hat das unmittelbaren Einfluss auf die reelle zahnärztliche Arbeit. Dementsprechend stark muss dies in der universitären Ausbildung präsentiert sein. Die Zahnärzteschaft sollte sich also darüber im Klaren sein, dass eine Auffächerung in mehr Spezialisierungen und Teilgebiete zwar legitim ist, in dieser Bedeutung aber auch in der universitären Ausbildung wieder gefunden werden muss. Die Parodontologie hat diesbezüglich seit Jahrzehnten den Status einer eigenen Disziplin verdient, im Falle der Endodontie und Implantologie sollte dieser Status oder aber auch die Zugehörigkeit zu den bestehenden Fächern unter Umständen neu durchdacht werden. Wann immer man die Umsetzung neuer Strukturen in der klinischen Ausbildung auf die Tagesordnung setzt, wird mit der begrenzten Zahl der Mitarbeiter argumentiert. Dabei wurden bereits im vorklinischen Bereich einige Möglichkeiten aufgezeigt, die vorhandenen Kräfte zu bündeln und andere Themen an Spezialisten auszulagern. Ähnliches funktioniert auch in der klinischen Ausbildung, wenn man sich zum Beispiel am dänischen Zahnmedizinstudium orientiert. Bereits vor sieben Jahren berichteten wir in der UNPLAQUED Nr. 8 davon, wie am Panum Institut in Kopenhagen für klinische Kurse erfahrene Zahnärzte aus der freien Praxis für die Kursbetreuung engagiert werden, die ausschließlich zu


diesem Zweck an die Uni kommen. Während die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Panum Institutes die theoretische Ausbildung und Betreuung der Seminare übernehmen, erhalten die Studenten im Kurs wichtige Hinweise von echten Praktikern. Die von den Praktikern zu vermittelnde Lehrmeinung wird in internen abteilungsübergreifenden Fortbildungen gewährleistet, die ohnehin auch in Deutschland im Sinne der Verbesserung der Abteilungskommunikation längst überfällig sind. Die von den zeitaufwendigen klinischen Kursen entlasteten wissenschaftlichen Mitarbeiter können sich vermehrt der Forschung widmen, um die Universitäten bezüglich ihrer Forschungsleistung in neuer Form zu stärken. Nicht nur die Drittmitteleinwerbungen könnten so vervielfacht werden, sondern auch das Arbeitsklima und das damit verbundene Identifikationspotential aller

Beteiligten mit ihrer Alma Mater würden auf diese Weise enorm gesteigert. Wenn durch derartige Maßnahmen eine Entschlackung herbeigeführt, der frühe Patientenkontakt und die frühzeitige zahnmedizinische Ausbildung etabliert würden, könnte erstmals Raum für visionäre Veränderungen des Zahnmedizinstudiums entstehen. Erneut kann man sich fragen, wie das Bachelor-Master-System hier behilflich sein könnte? Der frühe Patientenkontakt, praktisch ab dem zweiten Semester, wird seitens der Studenten zu deutlich mehr Selbstvertrauen und Eigenverantwortlichkeit in der klinischen Ausbildung führen. Die frühzeitige Vermittlung klinischer Inhalte wird darüber hinaus die Stundenzahl theoretischer Fächer in der Klinik entlasten, so dass mehr Zeit für praktisch relevante Arbeiten bleibt. Dabei ist es obsolet und eine Verschwen-

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UN-P ∕ 15 - Das neue Zahnmedizinstudium

Die Forschungskapazität, die sich deutsche Universitäten bisher durch Nichtnutzung ihrer vielen Studenten verschenken, ist kaum zu ermessen. dung von Lebens- und Ausbildungszeit, wenn Studenten während ihrer klinischen Ausbildung weiterhin zahntechnische Arbeiten selbst anfertigen müssen, wie es heute immer noch an vielen Universitäten üblich ist. Stattdessen sollte eine wissenschaftliche Arbeit im Sinne einer Doktorarbeit oder Masterthesis zur Pflicht in der klinischen Ausbildung werden. Ohne große Probleme wäre es möglich, neben der normalen klinischen Behandlungskurse Platz für eine erste Spezialisierung im Studium zu schaffen. So könnte nach einem integrierten 4. Studienjahr in den letzten beiden Semestern ein Tag pro Woche für die Spezialisierung in einer der vielen Teildisziplinen frei gehalten werden, die entweder im Doktortitel oder auch dem Master of Science mündet. Die Forschungskapazität, die sich deutsche Universitäten bisher durch Nichtnutzung ihrer vielen Studenten verschenken, ist kaum zu ermessen. Man stelle sich vor, dass jedes Semester 40 Studenten eine wissenschaftliche Arbeit beginnen und zeitnah abschließen werden - ein Himmel für die Forschungslandschaft Zahnmedizin und ein Segen für die wissenschaftliche Herangehensweise künftiger Praktiker. - Die Zukunft Bachelor und Master sind keineswegs die Schreckgespenste, als die sie in Deutschland gerne dargestellt werden. Da sie aber ebenso kein Allheilmittel sind, würde eine Umstellung auf dieses System ohne kreative Neuausrichtung der Ausbildung nur wenig Vorteile bringen bzw. auch nicht wirklich besser als das gegenwärtige 22

Studium sein. Nur zur Beruhigung sei erwähnt, dass die Schweizer neben ihrem Masterabschluss zusätzlich auch noch ihr Diplom prüfen, so dass ein Bachelor-Master-System auch in Deutschland nicht unbedingt ein Staatsexamen ausschließt. Jede Vorgehensweise und Lehrmethode kann mit Argumenten untermauert und gerechtfertigt werden. Doch das ist nicht wichtig. Wichtig ist, was wir erreichen wollen und wie wir es erreichen können. Da werden sich die meisten unter uns einig sein: Veränderungen können kaum oder gar nicht in Kraft treten, wenn das Fundament auf veralteten Strukturen aufgebaut ist. Die Differenz zwischen diesem Anspruch und der Wirklichkeit kommt vor allem in dem konkreten Verhältnis zwischen der Zahnmedizin und den medizinischen Fächern in den einzelnen Medizinischen Fakultäten zum Ausdruck. Die erklärte Absicht, den zahnmedizinischen Studiengang so eng wie möglich an allgemeinmedizinische Inhalte heranzuführen, findet an den einzelnen Universitäten weder in der curricularen Ausformung noch in den organisatorischen Abstimmungsprozessen die gewünschte Ausrichtung. Aus diesem Grund brauchen wir die Verpflichtung zur Veränderung und Entwicklung, dem lebenslangem Fortbilden der Universitäten, ob durch die neue Approbationsordnung oder mit Hilfe anderer Mittel. Gleichzeitig brauchen die Universitäten die Freiheit, sich in dieser Veränderung trotz gemeinsamer Ziele individuell zu profilieren, um die jeweiligen Stärken unabhängig von zentraler Regulation zu fördern. Wenn die gesellschaftlichen Visionen einer Universität der Zukunft wahr werden sollen, was auch der Zahnmedizin gut bekommen würde, müssen sich die Hochschulen neuen Einflüssen öffnen, ohne diese zu kopieren und Ziele definieren,


mit denen flexibel umgegangen werden kann - denn es geht hier um weit mehr als nur die Zahnmedizin selbst. Die Universität ist der Ort, die Motivation für ein lebenslanges Lernen zu setzen, sie ist in der Lage das humanistische Weltbild eines Menschen zu prägen und ist, ob man will oder nicht, entscheidend dafür verantwortlich, wie sich unsere Gesellschaft in Zukunft gestalten wird.

„MEHR ALS DIE VERGANGENHEIT INTERESSIERT MICH DIE ZUKUNFT, DENN IN IHR GEDENKE ICH ZU LEBEN.“

Mit dem Willen zu dieser Entwicklung benötigt eine Universität keinen Elfenbeinstatus mehr, um Anerkennung zu erhalten, sie wird naturgegeben zum gesellschaftlichen Mittelpunkt einer Lernkultur, die alle Altersgruppen verbindet und gesellschaftliche Nachhaltigkeit hervorbringt.

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Kreativ in der Forschung


UN-P ∕ 15 - Berlin Text / Krysztina („Christel“) Soldan

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Kann man i Zahnmediz n Berlin noch in studieren ? „Berlins Zukunft liegt hinter uns“ - lautete vor zwei Jahren an dieser Stelle die Überschrift meines Textes, in dem ich die damals im vollen Gange befindliche Fusion der beiden Berliner Zahnkliniken beschrieben hatte. In diesem Sommer 2008 nun wurde die Zahnklinik Nord geschlossen, bis auf den Kieferorthopäden sind alle „Nord-Professoren“ in Rente und die übrig gebliebenen Nord-Kollegen in der Zahnklinik Süd angekommen. Ein Großteil der Ausrüstung aus der nun wie ausgeschlachtet wirkenden Nord-Klinik ist inzwischen in den Süden verfrachtet worden. Mit dieser Personalund Materialspritze sollte die letzte der einstmals drei Hauptstädtischen Zahnkliniken eigentlich auf einem guten Weg sein, so dass man nach fast fünfjährigem Fusionsstress das 2009 anstehende 125jährige Gründungsjubiläum der Berliner Universitäts-Zahnmedizin deutlich entspannter und vor allem gemeinsam feiern könnte. Mit „gemeinsam“ meine ich nicht nur die zwangsweise zusammengeführten Kollegen sondern auch die Studenten des Hauses. Doch denen ist überhaupt nicht nach feiern zumute. 25


UN-P ∕ 15 - Berlin

Wer sich momentan ein Studium an der Zahnklinik in der Aßmannshauser Straße antut, muss eine gewisse masochistische Einstellung haben. Stattdessen hört man Horrormeldungen über den Berliner Studienalltag. Die Frage, mit der ich 2006 meinen Text in der un-plaqued Nr.11 schloss, ob man denn heute ernsthaft noch ein Zahnmedizin-Studium in Berlin empfehlen 26

könne, läuft nun nicht mehr unter schwarzem Humor. Um die Antwort vorwegzunehmen: Wer sich momentan ein Studium an der Zahnklinik in der Aßmannshauser Straße antut, muss eine gewisse masochistische Einstellung haben. Denn er muss absurd überfüllte klinische Kurse, verkürzte Praktikumszeiten und schrottiges Inventar ertragen und sich dazu noch die Allüren einiger spezieller, am Hause festangestellter Menschen gefallen lassen, die ganz offensichtlich vergessen, dass sie ihren Arbeitsplatz allein der Anwesenheit der immer noch


durchhaltenden Studenten verdanken. Selbstverständlich aber darf man die Menschen und die Zustände in der alten („neuen“) Zahnklinik Süd nicht pauschal verdammen. Es gibt genügend Kollegen, von der Helferin bis zum Professor und von beiden Standorten stammend, denen vieles genauso unangenehm aufstößt, wie den Studenten. Die sich in der Lehre engagieren und sich für die Modernisierung der Klinik einsetzen. Und natürlich gibt es inzwischen auch einige abgearbeitete Baustellen, bei denen der Sturm der Fusion zu technischer Erneuerung führte. Beispielsweise der aus dem Norden überführte Phantomkurs und die endlich vollzogene Breitband-Verkabelung der Klinik. Um nun die Frage „kann man ernsthaft noch empfehlen...“ möglichst objektiv zu beantworten, will ich die Gliederung meines zwei Jahre alten Beitrags aufnehmen und die seitdem stattgefundene Entwicklung skizzieren.

Die Dimension der finanziellen Verluste hat sich offenbar gesteigert. Unter der Überschrift „Die Skandale reihen sich aneinander“ ging es zunächst um die vermeintlichen Einsparungen dieser Fusion durch die Standortwahl SÜD. Was gibt es hierzu Neues? Die Dimension der finanziellen Verluste hat sich offenbar gesteigert. Den damals so drängelnden Nachnutzern der Zahnklinik Nord zuliebe hatte man 2006 und 2007 noch einige Umbauten vorgenommen: Mehrere Behandlungssäle, das Vorkliniklabor und weitere Räume mussten ad hoc geleert und deren Funktionen in andere Gebäudeflügel verlagert werden. Das Kliniklabor wurde dafür baulich extra geteilt. Bis zum bitteren Ende blieben diese freigemachten Flächen aber OHNE jegliche Nutzung. Die dafür ausgegebene sechsstellige Summe hatte zumindest den Effekt einer Ar-

beitsbeschaffungsmaßnahme für die beauftragten Firmen. Von einem der beiden Nachnutzer, der Transfusionsmedizin, hörte man seitdem gar nichts mehr. Der andere, das Forschungszentrum für Regenerativmedizin, beklagt nun den beinahe Totalverlust der Möblierung seines neuen Hauses. Denn es galt die Regel, dass alles mit in den Süden genommen werden sollte, was dort der Verbesserung der Ausstattung dienen könne. Dieser Regel folgend wurde buchstäblich die gesamte Einrichtung zum Umzugsgut. Vom Laborhocker bis zum Ventilator.

Das insbesondere von den Chefs der Abteilung für Zahnerhaltung geschürte Klima der Angst erstickt jeden Widerspruch. Vor zwei Jahren schrieb ich, dass die Studenten angesichts der Verschlechterung ihrer Studienbedingungen eigentlich auf die Straße gehen müssten. Heute hätten sie mehr Gründe denn je für einen Aufstand. Aber das insbesondere von den Chefs der Abteilung für Zahnerhaltung geschürte Klima der Angst erstickt jeden Widerspruch. -1Die materielle Ausstattung der klinischen Kurse Inzwischen sind eine Handvoll neuere, komplett ausgestattete Behandlungsstühle aus dem Norden installiert worden. Damit sind nun endlich 16% der Studentenplätze auf dem seit etwa 25 Jahren üblichen Niveau ausgestattet: nämlich mit Anschlüssen für Turbine, zwei Motoren für Hand-/ Winkelstück und Ultraschall. Dazu mit 27


UN-P ∕ 15 - Berlin

Schwebetisch und großem Röntgenbildbetrachter. Die restlichen 84% sind mit einem (!) altersschwachen Minimotor und sonst nichts versehen. Meine Mutter hatte bei ihrem Studium Anfang der 80er Jahre in Polen schon bessere Bedingungen! Doch da sind noch die 35 anderen, nicht mehr ganz so neuen, aber doch komplett ausgestatteten Einheiten aus der einstigen Nord-Klinik. Die stünden einem Update der Uralt-Stühle im Süd-Kurs noch zur Verfügung und könnten damit alle Einheiten komplettieren. Doch leider musste hier der Konjunktiv herhalten: Sie könnten! Wenn Sie noch alle da wären! 28

20 gut ausgestattete Einheiten wurden klammheimlich verkauft Ein Oberarzt der Zahnerhaltungs-Abteilung hat im Sommer kurzerhand 20 Stück davon gekauft und in einer Wochenendaktion auch schon abtransportieren lassen. Der unauffällig geplante Transport wurde rein zufällig beobachtet und sorgte daraufhin für einigen Wirbel. Es sickerten inzwischen drei Dinge durch: 1. der Chef des Käufers, der Zahnerhaltungs-Professor Kielbassa, soll diesen Deal ohne jegliche Prokura und an allen


Leitungsgremien von Zahnmedizin und Fakultät vorbei eingefädelt und „erlaubt“ haben. 2. ein für diesen konkreten Fall ebenfalls „unbefugter“ leitender Techniker der Charité, rein zufällig ein Duzfreund eben jenes Prof. Kielbassa, soll sein Einverständnis gegeben haben. 3. Der Kaufpreis für die verschwundenen 20 Einheiten soll dem tatsächlichen Wert nur einer Einheit entsprochen haben. Dass diese drei Punkte im Konjunktiv geschrieben werden, liegt auch an der Geheimniskrämerei um diese Angelegenheit. Immerhin - der Vorstand der Charité tat seitdem sein Möglichstes, diesen Deal (ich verwende dieses Wort ganz bewusst) wieder rückgängig zu machen. Bis heute ohne Erfolg. Der für die Lehre zuständige Prodekan wollte oder konnte bisher dazu keine Stellungnahme geben, womit er seiner Linie, Anfragen der Studenten eisern unbeantwortet zu lassen, weiter treu bleibt. Wer interessiert sich überhaupt für diesen "Verkauf"? Die um einen notwendigen Modernisierungsschub geprellte Zahnklinik? Vom derzeitigen Centrums-Direktor ist jedenfalls nichts zu hören. Beschwert sich die um einige Einnahmen geprellte Charité? Die, so hört man, „prüft“ den Vorfall, aber bitte keine Hektik! Vielleicht findet ja irgendjemand anderes einmal den Mut zu einer Anzeige? -2Die Betreuung in den klinischen Kursen Ein Berliner Gericht hatte aus rein formalen Gründen vor zwei und drei Jahren für mehrere Semester nahezu die doppelte Zahl an Erstsemestlern zugelassen. Was man von Richtern halten soll, die wissentlich ein solches Chaos anrichten, ist ein anderes Kapitel. Dieser dadurch in Deutschland wohl einmalige „Studentenberg“ ist nun im siebten Semester angekommen

und muss klinisch ausgebildet werden. Um diese Überlast zu bewältigen, gab es drei Möglichkeiten: Man hätte erstens in der Zahnklinik Nord noch für zwei Jahre die leer stehenden klinischen Behandlungssäle samt Nebeneinrichtungen nutzen können - dafür müsste man aber auch einige technische Mitarbeiter mehr einstellen.. Man könnte zweitens die klinischen Kurse auf die Abende, Semesterpausen und Wochenenden ausdehnen - dafür müsste man aber viel mehr Patienten gewinnen (anstatt sie von super unfreundlichen Anmeldekräften vergraulen zu lassen) und das Klinikpersonal zu massiven Überstunden bewegen. Und man könnte drittens die vielen zusätzlichen Studenten einfach auf die vorhandenen Ressourcen gleichmäßig verteilen - dafür bedürfte es keiner zusätzlichen Anstrengung.

Dass diese Halbierung der laut Studienordnung festgelegten Ausbildungszeit in den klinischen Kursen massive Einschnitte für die Qualifikation der zukünftigen Zahnärzte nach sich zieht, ist offenbar noch niemandem bewusst. Dass die dritte, sowohl für die Charité als auch für die Zahnklinik einfachste Lösung gewählt wurde, liegt auf der Hand. Also teilen, nein „vierteln“ sich seit dem Oktober 2008 nun vier Studenten einen Behandlungsstuhl, womit die Gruppengrößen pro Assistent auf bis zu 24 Kommilitonen angewachsen sind. Jeder Student darf jetzt nur alle zwei Wochen an einem halben Tag in der Prothetik und an einem 29


UN-P ∕ 15 - Berlin

Der Lehrdekan? Der kämpft zwar erfolgreich für die Absenkung der Einklagungen, zeigt aber darüber hinaus wenig Interesse am zweitgrößten Studiengang der Charité.

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weiteren halben Tag in der Zahnerhaltung an den Patienten. Unterm Strich sind das pro Semester jeweils sechs Behandlungstage in den beiden großen Kursen. Dass diese Halbierung der laut Studienordnung festgelegten Ausbildungszeit in den klinischen Kursen massive Einschnitte für die Qualifikation der zukünftigen Zahnärzte nach sich zieht, ist offenbar noch niemandem bewusst. Rein rechnerisch würden diese Matrikel also nach einem statt zwei klinischen Jahren zum Examen antreten. Könnte das ein Problem ergeben? In den Augen der zuständigen Professoren offenbar nicht. Die halbierten folgerichtig die zu erbringenden Leistungen für die einzelnen Scheine. Damit ist doch alles wieder gut, oder? Wer sollte sich da noch beschweren? Der Lehrdekan? - kein Interesse. Die Berliner


Zahnärztekammer? - kein Interesse. Der Berliner Wissenschaftsminister? - keine Ahnung! In dieses Bild passen zwei weitere Vorgänge perfekt hinein: Weil man die Installation der oben genannten Behandlungsstühle und einige kleinere Umbauten im Umfeld der Kurssäle nicht fertig zu bekommen glaubte, hat man den Semesterbeginn mal eben um zwei Wochen verschoben. Und kaum dass die Nord-Professoren weg waren, berechnete man flugs die Praktikumszeiten neu. Mit vorhersehbarem Ergebnis: Pro Kurswoche (Zahnerhaltung + Prothetik) dreieinhalb Stündchen weniger. Gerade im Wintersemester fällt doch wohl allen das Frühaufstehen schwer, oder? Wer soll sich also beschweren? Der Lehrdekan? Der kämpft zwar erfolgreich für die Absenkung der Einklagungen, zeigt aber darüber hinaus wenig Interesse am zweitgrößten Studiengang der Charité. Sollten sich nicht wenigstens die Studenten beschweren? Oh nein - dies geschieht bestenfalls inoffiziell. Zum Beispiel mit durchgesteckten Informationen an Leute wie mich, die „nichts mehr zu befürchten haben“. Stattdessen gibt es eine neue Mentalität unter den Studenten: Nur durchkommen und die Scheine irgendwie kriegen. Alles andere kann man auch noch hinterher irgendwie lernen. Am besten bei Papa oder Mama in der Praxis. Hat den weniger Glücklichen noch keiner erzählt, dass ihre zukünftigen Arbeitgeber möglichst praktisch geschulte Ausbildungsassistenten einstellen, von denen es aus den umliegenden Universitäten Greifswald, Dresden, Leipzig und Halle genügend Mitbewerber geben wird? Vor zwei Jahren berichtete ich, dass die Charité im Begriff sei, ein absolut er-

folgreich ausgerichtetes Fach der Zahnmedizin mit Schwung an den Baum zu fahren, die Parodontologie. Zwar gab es inzwischen (u.a. auch in der un-plaqued Nr.13) Schwüre des Dekans (der mittlerweile Berlin verlassen hat), man werde die ParodontologieProfessur neu ausschreiben und besetzen. Was geschah seitdem? Immerhin gibt es eine Berufungskommission, die sich auch ziemlich schnell auf einen Ausschreibungstext einigte. Seitdem ruht der See ganz still, der Ausschreibungstext ist noch nicht einmal in der Fakultät angekommen. Der Amtsinhaber ist längst ausgeschieden und die letzten „echten“ Parodontologen, die nach der Schließung der NordKlinik im Süden ankamen, gehören nun zur Zahnerhaltungsabteilung und werden dort möglichst von den Aufgaben ferngehalten, für die sie am besten qualifiziert sind. Die Paro-Vorlesungen hielten dort zuletzt die jungen Assistenten.

Als anerkannt guter Zahnerhalter ist man eben nicht automatisch auch ein guter Parodontologe. Man muss dazu wissen, dass es sich hier um eine reine Machtinteressen handelt. Der Zahnerhaltungs-Professor Kielbassa wurde bei seiner Berufung nach Berlin aus Gründen absoluter Sparsamkeit gleich auch noch für die Parodontologie berufen. Das war nicht nur sparsam sondern auch Tradition am Hause der Südklinik. Damit hat man jetzt ein Problem. Denn als anerkannt guter Zahnerhalter ist man eben nicht automatisch auch ein guter Parodontologe. Und während allenthalben die Bedeutung der Parodontologie immer mehr steigt, wird 31


UN-P ∕ 15 - Berlin

Die Praktikumsordnung ähnelt mit einem PunktAbzugs-Katalog eher der Strafprozessordnung. sie in Berlin von einem einstigen Spitzenplatz derzeit auf „Mach mal Zahnstein weg!“ reduziert. Ich bin gespannt, wie der neue Charité-Vorstand mit diesem mittlerweile in Deutschland peinlich bekannt gewordenen Problem umgehen wird. Um im eben genannten Bild zu bleiben: Die Parodontologie ist inzwischen „am Baum“. Sie atmet aber noch. Wenn nicht sehr bald etwas geschieht, ist sie klinisch tot! 32

Sollten sich die Studenten auch hierüber beschweren? Wer das erwartet, hat keine Ahnung, in welchem Klima man in der Süd-Klinik studiert. Damit meine ich nicht die von November bis April chronisch unterkühlten Hörsäle oder die teilweise feuchten Wände im Keller oder in den Kurssälen. Damit meine ich z. B. die Tatsache, dass die Kommilitonen nun erstmals ihre Evaluationsbögen nach Hause geschickt bekamen, weil in der Pseudo-Anonymität der Klinik niemand seine ehrliche Meinung niederschrieb. Die Ergebnisse dieser Lehr-Evaluation müssen beeindruckend gewesen sein. Jedenfalls gab man sie vorsichtshalber (noch?) nicht bekannt. Besonders die Zahnerhaltung geht recht zackig


mit den Studenten um. Die dortige Praktikumsordnung ähnelt mit einem PunktAbzugs-Katalog eher der Strafprozessordnung. Wer sich als blutiger Klinik-Anfänger hier und da mal ungeschickt benimmt, kann nach einem Semester trotz ausreichenden Endos oder Füllungen durchaus mit Minuspunkten dastehen. Wehe dem, der die Bestimmungen der Hygienebekleidung zweimal verletzt! Dass die Hälfte der Kons-Assistenten genau dies praktisch rund um die Uhr tut, also mit Jeans und Turnschuh neben den brav vermummten Studenten steht, ist natürlich was gaaaanz anderes. In dieser Abteilung kam es kürzlich auch vor, dass ein sondierter vierter Wurzelkanal als Perforation gewertet und mit sofortigem Rausschmiss bestraft wurde. Der später angetretene (und akzeptierte!) Röntgenbeweis half dann auch nicht mehr, denn inzwischen war der Praktikanten so lange vom Kurs suspendiert, dass er, leider leider, nun zu viele Fehlzeiten hatte.

Die Lehre muss laufen! Aber WIE sie läuft ... ist wurscht! Für die Studenten gibt es zwar vertrauenswürdige Ansprechpartner bei Assistenten und Oberärzten, die oft genauso an den hier geschilderten Bedingungen verzweifeln könnten. Aber das sind eben nicht die Entscheidungsträger. Wo Entscheidungen getroffen werden könnten, hört man bestenfalls zu. Mehr nicht. Jedenfalls äußert sich der Lehrdekan nicht zu solchem Kleinkram. Die Lehre muss laufen! Ganz klar. Aber WIE sie läuft ... ist wurscht! Wurst - im doppelten Sinne.

Es wäre schön, wenn all die Vereine und Körperschaften und Zahnarzt-Mamas und -Papas endlich einmal genauer nachfragten, unter welchen Bedingungen ihr Berufsnachwuchs in Berlin heranwächst! Im Ernst, wer jetzt in Berlin Zahnmedizin studieren will, sollte sich das genau überlegen. Ihm droht eine zeitlich und inhaltlich gekürzte Ausbildung, ihm droht eine an seinem Schicksal desinteressierte Fakultät, ihm droht ein in jeder Hinsicht unwirtliches Haus, ihm droht Patientenmangel und viel Nahverkehr, um zum nichtzahnmedizinischen Rest der Ausbildung zu fahren. Aber, um nicht ungerecht zu sein, schrieb ich bereits weiter oben: Es ist nicht alles schlecht, es sind nicht alle schlecht. Selbstverständlich! Und keinesfalls sollen die in Berlin Durchhaltenden hier madig gemacht werden. Es wäre aber schön, wenn die fachlich und politisch Verantwortlichen endlich aufwachten und ihre Pflicht erfüllten! Es wäre schön, wenn all die Vereine und Körperschaften und Zahnarzt-Mamas und -Papas endlich einmal genauer nachfragten, unter welchen Bedingungen ihr Berufsnachwuchs in Berlin heranwächst! 33


UN-P ∕ 15 - Berlin

Allen, die mir bestimmte Informationen gaben und mir erklärten, was von außen nur schwer nachzuvollziehen ist, sei für ihre Zuarbeit gedankt! Nach einigen selbst im „Süden“ absolvierten Semestern weiß ich wohl, wie wichtig Quellenschutz ist. 28. November 2008

Nachsatz der Redaktion Seit Fertigstellung diese Manuskriptes hat sich einiges getan, auf das der Fairness halber hier hingewiesen werden soll: -1Die Studierenden haben endlich Mut gefasst und mit internen Protesten das Lehrdekanat zum „Rennen getragen“. -2Der Lehrdekan hat die Tragweite des Problems inzwischen erkannt und wird aktiv. -3Der neue Charité-Vorstand will den Verlust der 20 Behandlungsstühle jetzt rasch klären und, viel wichtiger, ausgleichen.

PS.: Es hat Tradition und ist ja auch einfacher, den Überbringer der schlechten Nachricht anzugreifen, anstatt der schlechten Nachricht nachzugehen. Nach Erscheinen der UN-PLAQUED Nr.11 vor zwei Jahren war das so, so wird es sicher auch jetzt wieder sein.

Liebe Verantwortliche dieses Desasters sucht nicht nach den Informanten! Sucht nach Lösungen!!

Kann man in Zahnmedizi Berlin noch n studieren?

Kurz vor Weihnachten begann nun endlich in der Zahnklinik die Diskussion mit allen Beteiligten. Das ist zunächst ermutigend. Allerdings: nach vierwöchiger Diskussion ist bisher weder eine einzige Behandlungseinheit aufgerüstet noch eine einzige Stunde des Lehrdefizits ausgeglichen worden. Ob nun endlich Taten folgen und dabei eine für die Studierenden akzeptable Lösung herauskommt, wird un-plaqued berichten. Ebenso, ob es zu offenen oder heimlichen Sanktionen gegenüber den aktiv an Lösungen arbeitenden Studierenden oder Mitarbeitern (!) kommt. Der Ball liegt nun im Feld der Lehrverantwortlichen. Berlin, 16. Januar 2009

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UN-P ∕ 15 - Berlin Text / Hakuna Matata

Deus ex machina oder : Das Berliner Zahnmedizinstudium- eine Tragödie in 11 Akten. DER BEGRIFF DEUS EX MACHINA STAMMT URSPRÜNGLICH AUS DEM GRIECHISCHEN UND DEM LATEINISCHEN UND BESCHREIBT IN DER ANTIKEN TRAGÖDIE *(1) DEN ÜBERRASCHENDEN AUFTRITT EINER GOTTHEIT MIT HILFE EINER HEBEBÜHNE. SEIN UNERWARTETER EINGRIFF IN EINE VERFAHRENE KONFLIKTSITUATION BRINGT AUF WUNDERSAME WEISE DIE LÖSUNG DES PROBLEMS.

Aber zurück in die Gegenwart. Bleiben wir bei den Göttern unseres Olymps *(2). Wenn man sich derzeit das bunte Treiben an der Zahnklinik Süd der Charité genauer betrachtet, wird man feststellen, dass das Studium inzwischen einem antiken Trauerspiel ähnelt. Denn jetzt, nach36

dem die Klagewelle langsam abebbt, wird mit fragwürdigen Mitteln versucht den großen Berg an Studenten, der nach der Berliner KonFUSION (siehe un-plaqued Nr. 13) entstanden ist, wieder aufzulösen. Dazu bedient man sich hier dem Deus ex machina sowie dem Stressfaktor „Platzmangel & Konkurrenz“. Im letzten vorklinischen Kurs haben so auf „wundersame Weise“ alle Studenten


ihren Schein und damit den Anspruch auf einen klinischen Kursplatz erhalten, obwohl mehrere Studenten zuvor offiziell durchgefallen waren. Welche fatalen Folgen dieses „kleine Wunder“ im nächsten Semester mit sich bringen wird, konnten sich nicht mal die Studenten vorstellen: 4 Studenten, 1 Behandlungsplatz, Behandlungszeit alle 14 Tage für 3 Stunden, Stressfaktor 100, Lernerfolg 0. Die Organisation der klinischen Kurse war von Beginn an katastrophal, aber der jetzige „Zustand“ stellt alles in den Schatten. Als Konsequenz dieser Situation steigen Rivalität und Konkurrenzdenken unter den Studenten ins Unermessliche. „Wir sind einfach zu viele, obwohl wir es eigentlich nicht sein dürften“ beklagen sich immer mehr. Und selbst die kleinen Stimmen aus der Vorklinik werden lauter. „Wie kann es sein?“, dass Studenten, die ihre praktischen Arbeiten nicht beenden konnten, offiziell durchfallen, dann aber zur Scheinvergabe trotzdem noch aufgerufen werden? Dass Klausuren solange wiederholt werden können, „bis man bestanden“ hat? Wie kann es sein, dass die Assistenten nachsichtiger und die Anforderungen immer geringer werden und man trotzdem das Gefühl hat, dass alles nur noch schlimmer wird? Man könnte denken, die Scheine wären so doch leicht verdient, aber die Ausbildung leidet über alle Maßen darunter. Wenn man in einem Semester nur Prophylaxe und ein, zwei Füllungen schafft ist dies sicherlich nicht der Anspruch, den man an die Fähigkeiten zukünftiger Zahnärzte stellt.

Die kommende Generation an Zahnmedizinstudenten wird es, auch wenn man glaubt, dass der jetzige Zustand keine Steigerungsform hat, noch härter treffen. Denn: „Wenn die Kurse kleiner werden…“ heißt es von offizieller Seite „…werden die Arbeiten so wie früher angefertigt“. Der Schutz, den die Anonymität der großen Studentenmenge vor gezieltem Psychoterror eines Einzelnen bietet, wird dann nicht mehr vorhanden sein. Und unsere Götter werden wieder in ihre alten Verhaltensmuster zurückfallen, denn an der Zahnklinik Süd der Charité lautet die Devise immer noch: „Was damals gut war, kann heute nicht schlecht sein“ – ein Trauerspiel in 11 Akten eben… und leider kein Ende in Sicht.

(1) Die Tragödie, auch: Trauerspiel ist neben der Komödie die bedeutendste Form des Dramas. (…)„Kennzeichnend für die Tragödie ist der schicksalhafte Konflikt der Hauptfigur. Ihre Situation verschlechtert sich ab dem Punkt, wo die Katastrophe eintritt. In diesem Fall meint das Wort Katastrophe nur die unausweichliche Verschlechterung für den tragischen Helden. Allerdings bedeutet diese Verschlechterung nicht zwangsläufig den Tod des Protagonisten. Das Scheitern des tragischen Helden ist dabei unausweichlich(…)“ Quelle: www.wikipedia.de (2) Olymp wird in der Berliner Zahnklinik Süd das kleine Podest genannt, auf dem die Vorklinikassistenten sitzen, die angefertigten Arbeiten begutachten und Testate verteilen.

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UN-P ∕ 15 - Berlin

Die universitäre Lage in Berlin

I-View / Ingmar Dobberstein

Interview mit Prof. Dr. Lange

BETRACHTET MAN DIE GESCHICHTE DER UNIVERSITÄREN ZAHNMEDIZINISCHEN AUSBILDUNG IN BERLIN WIRD DEUTLICH, DASS BERLIN SEIT ANBEGINN EINE STANDORTPROBLEMATIK HATTE. SO IST DIE BERLINER AUSBILDUNG DER ZAHNMEDIZINER IN SEINER 125 JÄHRIGEN GESCHICHTE AN MITTLERWEILE 7 VERSCHIEDENEN HÄUSERN LOKALISIERT GEWESEN. ALLEIN IN DEN LETZTEN 15 JAHREN HAT DAS INSTITUT 3 STANDORTE UND 2 FUSIONEN ERLEBT, WAS NICHT ZULETZT ZU ORGANISATORISCHEN SCHWIERIGKEITEN UND DISHARMONISCHEN STUDIENBEDINGUNGEN GEFÜHRT HAT. PROF. DR. KLAUS PETER LANGE IST VOR ÜBER 20 JAHREN AUS ROSTOCK AN DIE CHARITÉ GEKOMMEN UND HAT IN SEINER FUNKTION ALS KLINIKDIREKTOR UNTER ANDEREM DIE BEIDEN FUSIONEN DER BERLINER ZAHNKLINIKEN BEGLEITET. 2008 IST ER NACH VIELEN JAHREN BEWEGTER AUSBILDUNG DER ZAHNMEDIZINER IN BERLIN IN PENSION GEGANGEN. FÜR UN-PLAQUED BERICHTET ER ÜBER SEINE ERFAHRUNGEN MIT DEN VERSCHIEDENEN POLITISCHEN SYSTEMEN UND FUSIONEN, SOWIE DEN HERAUSFORDERUNGEN EINER ZAHNMEDIZINISCHEN AUSBILDUNG IN DER HAUPTSTADT.

1. Sie sind Mitte der Achtziger Jahre aus Rostock nach Berlin gekommen. Welche Vorstellungen hatten Sie damals, wohin Ihre zahnärztliche Arbeit an der Charité gehen würde? 38

Wenn man als Zahnmediziner an einer Universität tätig ist, muss man sicher alle drei Facetten abdecken, denn Forschung und vor allem Lehre sind ohne eigene praktische Erfahrungen in unserem Fachgebiet nicht möglich. Hat man sich


für eine Hochschullaufbahn entschieden, ist es sicher das Ziel, einmal Professor zu werden. Bis zur Habilitation hat man den eigenen Weg überwiegend selbst in der Hand, danach ist man von vielen Fremdfaktoren und Zufälligkeiten abhängig. Dass mit der Professur auch eine Tätigkeit

als Klinikdirektor verbunden sein kann, war mir damals noch gar nicht bewusst, vor allem nicht, was dann mit einer Klinikleitung oder gar der Zentrumsleitung an zusätzlicher Verantwortung und organisatorischen Aufgaben auf einen zukommen kann. 39


UN-P ∕ 15 - Berlin

2. Sie haben die Zahnmedizin und die universitäre Ausbildung in zwei verschiedenen politischen Systemen erlebt. Welche Unterschiede gab es diesbezüglich vor und nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten? Zunächst gab es für mich persönlich einen großen Unterschied. Vor der Wende habe ich mich noch in Rostock habilitiert und es dann bis zum Dozenten geschafft, nach der Wende hatte ich zwei Rufe, einen nach Dresden und einen nach Berlin. Den Ruf an die Charité habe ich angenommen und konnte dann die letzten 15 Jahre hier als Professor tätig sein.

Es gab keine politischen Beschränkungen mehr, allerdings bekamen wir recht schnell unsere finanziellen Grenzen aufgezeigt, die bis heute eigentlich immer enger geworden sind. Nun ist die Zahnmedizin ja ein besonders geräteund materialintensives Fach, sodass die Ausbildung nicht nur vom Wissen, Können und dem Engagement des Lehrkörpers abhängt, sondern in hohem Maße auch von der material- und gerätemäßigen Ausstattung der Klinik. Diese war natürlich vor der Wende in der DDR begrenzt. Wir hatten in Berlin jedoch einige Vorteile. Zum einen waren wir die „Hauptstadt“, in der alle Institutionen bevorzugt beliefert wurden. Dadurch bekamen wir von den knappen Ressourcen immer einen großen Teil ab. Zum anderen kamen einflussreiche Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik gerne in die Charité zur Behandlung. Für diese gab es einen „Devisensonderfond“. Hier wurden dann von uns großzügig Materialien und Geräte, für die 40

e Prof. Dr. Lang

„unbedingt notwendige Behandlung“ dieser speziellen Patienten bestellt, die dann auch für alle anderen Patienten und auch in den Studentenkursen genutzt werden konnten. Nach der Wende wurde die Studienordnung den neuen Bedingungen angepasst. Es änderte sich in der speziell zahnmedizinischen Ausbildung in Vorklinik und Klinik wenig, wenn auch im Umfeld jetzt nicht mehr notwendige Fächer wegfielen. Die Studiendauer blieb gleich, ebenso der Jahresrhythmus der Immatrikulation und das jährliche Staatsexamen. Wir mussten jetzt keine Tricks mehr anwenden, um Materialien und


Geräte zu bestellen. Es gab keine politischen Beschränkungen mehr, allerdings bekamen wir recht schnell unsere finanziellen Grenzen aufgezeigt, die bis heute eigentlich immer enger geworden sind.

In dieser Zeit für die Studenten eine gute Ausbildung zu sichern ist außerordentlich schwierig. 3. Sie haben als Direktor des Zentrums für Zahnmedizin zwei Fusionen mit anderen Zahnkliniken durchführen müssen. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht und wie haben diese Fusionen die Ausbildung der Zahnmedizinstudenten beeinflusst? Die Fusionen hatten sowohl negative als auch positive Auswirkungen. Negative Auswirkungen dahingehend, dass die Studentenzahlen in Berlin insgesamt reduziert wurden, von 240 Immatrikulationen im Jahr 1993 auf nur noch 80 seit dem Jahr 2003. Damit ist der Numerus clausus immer härter geworden. Darüber hinaus ist es nicht gelungen, die Zulassungsgerichte davon zu überzeugen, dass für eine Übergangszeit, in welcher nach dem Gesetz bereits weniger Studenten immatrikuliert werden sollen, aber die bereits vorhandenen Studenten ja noch zu Ende studieren müssen, zusätzliche Lehrkapazität benötigt wird. Infolge dessen können sich zunächst noch mehr Studenten einklagen, als im Gesetz vorgesehen. Eine solche Phase hat bei der ersten Fusion 8 Jahre gedauert und sie wird auch bei der zweiten Fusion die gleiche Zeit benötigen. In dieser Zeit für die Studenten eine gute Ausbildung zu sichern ist außerordentlich schwierig. Das Geld ist bereits vom Gesetzgeber gestrichen, die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter muss kontinuierlich reduziert

werden, um die Immatrikulationszahlen zu senken, die Studenten sind in großer Zahl vorhanden und haben ein Recht auf eine ordnungsgemäße Ausbildung. Hier müssen mit viel Kompromissbereitschaft aller Beteiligten Lösungen gefunden werden, um die Studentenzahl, die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter, die Zahl vorhandener Arbeitsplätze und die Zahl möglicher Kurspatienten in Übereinstimmung zu bringen. Die positiven Auswirkungen zumindest der ersten Fusion, Zahnklinik Mitte (Charité Ost) und Zahnklinik Nord (Freie Universität West) sind darin zu sehen, dass nicht ein Partner auf seiner Vergangenheit beharrte, sondern man gemeinsam analysierte, was von in den jeweiligen Häusern Gutes und Bewahrenswertes in Organisation und Struktur sowie Ausstattung vorhanden war. Dadurch kam es zu einer echten Fusion mit Vorteilen für die Lehre und auch für die Forschung. Hochschulrankings auf vordersten Plätzen in diesen Jahren sind hierfür nur ein Beweis.

Die zweite Fusion und somit erneute Klinikschließung ist auch für die zahnmedizinische Versorgung in Berlin und Brandenburg von Nachteil. 4. Berlin hat sich von einer sehr fortschrittlichen Universität für eine zahnmedizinische Ausbildung zu einem Standort entwickelt, der mittlerweile sehr weit unten rangiert, was die Güte der Ausbildungsbedingungen angeht. Was sind die Hauptprobleme der derzeitigen Universitätszahnklinik und wie können diese in der Zukunft gelöst werden? 41


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Die zweite Fusion und somit erneute Klinkschließung ist aus meiner Sicht auch für die zahnmedizinische Versorgung in Berlin und Brandenburg von Nachteil. Mit dem Ausscheiden älterer Kollegen und dem fehlenden Nachwuchs aus der Region, wird es in ländlich weniger attraktiven Gebieten dazu kommen, dass nicht nur Allgemeinmediziner sondern auch Zahnärzte fehlen werden. Darüber hinaus war die damalige Standortentscheidung für die Zahnklinik Süd, ein hochschulpolitisches Bekenntnis zum Charité Campus Benjamin Franklin, ohne Berücksichtigung der Vor- und Nachteile für eine zukünftige universitäre Zahnmedizin. Wir haben jetzt einen Außenstandort mit der Zahnklinik Süd erhalten, obwohl diese ja eigentlich geschlossen werden sollten. Ich hoffe und wünsche mir nur, dass die Charité-Leitung zu den damit verbundenen personellen und infrastrukturellen Kosten in den kommenden Jahren steht, um die Arbeitsbedingungen für Studenten, aber auch für alle anderen Mitarbeiter zumindest wieder so zu gestalten, wie sie vor Fusionsbeginn vorhanden waren.

Der Zahnarzt ist derjenige Mediziner, der in Deutschland nach dem Gynäkologen am häufigsten konsultiert wird. 5. Die interdisziplinären Ansätze zwischen Medizin und Zahnmedizin sind in den letzten Jahren vor allem von der Zahnmedizin ausgegangen. Gerade aus der Berliner Medizinischen Fakultät wurden immer wieder Rufe nach einer Zahnmedizin außerhalb der Universität, zum Beispiel an der Fachhochschule laut. 42

Welche Entscheidungen wird die Zukunft Ihrer Meinung hier bringen? Die Zahnmedizin ist als Teil der Medizin ein universitäres Fach. Dass an jedem Zahn auch noch ein ganzer Mensch hängt, merken viele Entscheidungsträger spätestens dann, wenn sie selbst einmal Zahnschmerzen haben. Aber, Spaß beiseite, man sollte gerade den medizinischen Anteil der Zahnmedizin weiter stärken, was dementsprechend in der neuen Approbationsordnung auch berücksichtigt wird. Der Zahnarzt ist derjenige Mediziner, der in Deutschland nach dem Gynäkologen am häufigsten konsultiert wird. Hier könnte aus meiner Sicht ein bisher ungenutztes Potential für die Verbesserung der Gesundheitsvorsorge unserer Patienten insgesamt liegen.

Es gibt keine Zahnklinik Nord oder Süd mehr, die man glaubt bekämpfen zu müssen. 6. Sie sind 2008 in die Pension gegangen und schauen auf bewegte Jahre mit viel Gremienarbeit zurück. Wie werden Sie Ihre Berliner Zeit in Erinnerung behalten und was wünschen Sie sich für die Berliner Zahnmedizinische Ausbildung? Ich war mehr als 40 Jahre an der Hochschule und davon 23 Jahre an der Berliner Charité tätig. Es war für mich eine Zeit, die von vielen Veränderungen geprägt war. Zunächst der Wechsel von Rostock nach Berlin und der Einstieg in eine neue Klinik, dann kam die Wende, die Berufung, die Klinikleitung und die Leitung des Zentrums für Zahnmedizin. Ich bin froh darüber, dass ich einiges mit gestalten konnte und meinen Mitarbeitern und mir gemeinsam die erste Fusion gut gelungen ist.


Ich habe auch bei der zweiten Fusion immer versucht, scheinbare Gegensätze zu beseitigen und eine schlagkräftige einheitliche Zahnmedizin aufzubauen. Ich weiß, dass mir dies nicht immer gelungen ist. Meinen noch aktiven Kollegen möchte ich noch einmal sagen: Es gibt keine Zahnklinik Nord oder Süd mehr, die man glaubt bekämpfen zu müssen. Es gibt nur noch eine universitäre Berliner Zahnmedizin. Diese muss jetzt über die schwierige Phase der hohen Studentenzahlen hinweggebracht werden. Gleichzeitig muss unverzüglich

die bereits seit langem beschlossene Struktur des Charité Centrums für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde realisiert werden und die anstehenden Berufungen einschließlich der Parodontologie und Kinderzahnmedizin erfolgen. Dann werden wir uns in Zukunft auch an dem jetzigen Standort innerhalb der Charité, sowie national und international wieder an vorderster Stelle behaupten können. Vielen Dank für das Interview

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Die normalen Studenten? Wenn man an die Berliner Studentenschaft der Zahnmediziner im Allgemeinen denkt, erinnert ihre Aktionsfreudigkeit eher an eine Population schlafender Schafe. Bis heute.... Gemächlich, aber unaufhaltsam sickerte eine Information durch die Semester, die das sonst so einstimmig obrigkeitsbejahende Volk der Zahnmedizinstudenten aus ihrem langjährigen Dornröschenschlaf schreckte: „Halbierung der Behandlungszeiten!!“, „Schlechte und gefährdete Ausbildung!!“ Nervosität und Unruhe zeichnet seither die Stimmung an der Charité Zahnklinik Süd aus. Verursacht durch eine Tatsache, die sich schon lange abzeichnete und die der Klinikleitung ebenso lange bekannt war: Verdopplung der Studentenzahlen aufgrund von Fehlkalkulationen im Rahmen der Fusion der Zahnklinik Nord mit der Zahnklinik Süd! Plötzlich steht die Zahnmediziner44

welt Kopf! Anstatt dass die Studenten die Aussagen der Abteilungsleiter, wie sonst üblich, als unausweichliche Tatsachen hinnehmen und sich still und demütig fügen, beginnen sie unerwarteter Weise Fragen zu stellen, wie sie gefährlicher nicht sein könnten: „Was soll das?“ „Wie konnte das passieren?“ „Was kann man dagegen unternehmen?“


Doch damit nicht genug. In der letzten Woche vor Weihnachten wagten es die Studenten sogar, öffentlich selbst formulierte Forderungen im Institutsrat zu stellen. „Ein Unverfrorenheit die ihres gleichen sucht“, empfanden einige der sonst so unantastbaren Abteilungsleiter. Ihre durch jahrelange Erziehungsarbeit wohl erzogene Studentenschaft fordert ihr Recht auf Ausbildung ein? Sogar das Dekanat war überrascht und durch die Masse der sich beschwerenden Studenten zum Handeln gezwungen.

Zum Erstaunen aller sicherte das Prodekanat den Studierenden die volle Unterstützung bei der Problemlösung zu und versicherte nachdrücklich, nicht aufzugeben, ehe eine Lösung gefunden werde. Nachdem die Abteilungsleiter aus ihrer anfänglichen Schockstarre und Sprachlosigkeit erwachten, versuchten sie nur einen Tag später ihre Schäflein mit antrainierten Signalworten wieder auf Kurs zu bringen oder auch in den Gehorsamsschlaf zu singen: „Losverfahren!“ lautete das Lied, doch weder derartige Horrorszenarien noch der Appell an das schlechte Gewissen der eingeklagten Studenten brachten den erhofften Erfolg. Im Gegenteil. Zum Entsetzen der Abteilungsleiter fand einen Tag später ein Treffen der versammelten Studentenschaft mit dem Prodekan für Lehre statt, an dem, wenn auch zähneknirschend, die Abteilungsleiter der Zahnerhaltung und Prothetik ebenfalls teilnehmen mussten. Zum Erstaunen aller sicherte das Prodekanat den Studierenden die volle Unterstützung bei der Problemlösung zu und versicherte nachdrücklich, nicht aufzugeben, ehe eine Lösung gefunden werde. Das war zuviel! Sprachlos vor Entsetzen und entmutigt durch die hohe Beteiligung und Einstimmigkeit der Studie-

renden verließen die Abteilungsleiter überstürzt und vor Ende der Sitzung den Saal. Manche Stimmen behaupten, dass sie ein Aroma der Angst riechen konnten, als die Abteilungsleiter vorzeitig und fluchtartig aufbrachen, um nicht in die Verlegenheit zu kommen, bei einer möglichen Problemlösung mitzuwirken. Trotz der leisen Hoffnungen so mancher Mitglieder des Lehrkörpers änderte sich der Kurs der Studenten auch nach Weihnachten und der besinnlichen Zeit in keiner Weise. Von Seiten der Abteilungsleiter gewinnt man mittlerweile lediglich den Eindruck, dass sie mit aller Macht versuchen, das Problem auszusitzen. Davon unbeeindruckt wird die Stimmung unter den Studenten noch unruhiger, das Bedürfnis nach Taten wächst. Zu Recht, denn die Halbierung der Behandlungszeiten ist ein schwerer Verstoß gegen die Studienordnung, der in keiner Weise als Alternative zum Umgang mit erhöhten Studentenzahlen akzeptiert werden kann. Es gibt verschiedene Lösungen für die derzeitige Situation und die Studenten werden sie mit aller Macht zur Umsetzung bringen, auch wenn dies nicht im Sinne der Abteilungsleiter ist! Nach langer Abstinenz scheinen die Studenten der Zahnklinik Süd erkannt zu haben, dass sie allein aufgrund ihrer Menge und Geschlossenheit ihre Ausbildungssituation eigenverantwortlich mitbestimmen können und somit eine entscheidende Größe im Apparat Zahnklinik sind. Bezüglich möglicher Handlungsalternativen stehen die Studenten Dank der klaren Beschreibung der praktischen Kurszeiten in der Studienordnung hervorragend da. Schließlich war es ein im Sinne aller gut gemeintes Angebot der Studenten, diese akuten Probleme intern mit der Fakultät und nicht über die Gerichte lösen zu wollen. 45


UN-P ∕ 15 - Zukunft Text / Juliane Gnoth

Plötzlich Zahnarzt?

Plötzlich tzlich ZahnarZzPahlötn? arzt? 46


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UN-P ∕ 15 - Zukunft

Mit dem Tag der Immatrikulation ist das Leben eines Zahnmedizinstudenten in gewisser Weise vorgezeichnet. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass man eines Tages sagen kann: ICH BIN ZAHNARZT. Bis dahin plagt man sich allerdings jahrelang, bohrt, lernt und müht sich ab. Und dann steht man plötzlich da und hat die letzte Prüfung hinter sich. Manch einer schaut vielleicht in den Spiegel und überlegt ob er jetzt anders aussehen sollte, eventuell erwachsener oder freier? Und wenn ja, woran kann man das erkennen? Hat man jetzt vielleicht weniger Sorgenfalten?

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Freier fühlt man sich mir Sicherheit - frei von den Zwängen der Universität, frei von den Professoren und Assistenten, unter denen manch einer litt und auch von den Patienten, auf die man so angewiesen war. Und doch stellt sich wahrscheinlich jeder die Frage: WAS KOMMT DANACH? Die Wahlmöglichkeiten sind vielseitig und vielschichtig. Zuerst wäre da die Ortswahl. Wer noch keine Familie gegründet hat oder nicht zu sehr an seinem Heimatort hängt, hat nun entweder die Qual der Wahl oder auch die Möglichkeit zum Neuanfang. Man könnte an seinem Unistandort bleiben, sich im nahen und fernen deutschen Umland umschauen oder sogar im Ausland arbeiten. Kriterien sind Stellenanzahl, Verdienstmöglichkeiten und Lebensqualität am zukünftigen Standort. Je mehr Möglichkeiten man hat, desto schwerer fällt es oft sich zu entscheiden.

Man sollte sich vor dem Auslandsaufenthalt überlegen, ob die Assistenzzeit später in Deutschland angerechnet werden soll. Gerade in der Schweiz, einem Ziel vieler Absolventen, ist es fast unmöglich die Arbeitszeit als Ausbildungsassistentenzeit anrechnen zu lassen, es sei denn man arbeitet an einer Uni- oder Schulzahnklinik. Will man im Ausland arbeiten und sich später in Deutschland niederlassen, empfiehlt es sich vorher bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) und der Zahnärztekammer des betreffenden Bundeslandes nachzufragen. Auch sollte man vorher abklären, ob das deutsche Staatsexamen in den entsprechenden Ländern anerkannt wird. In den Ländern der Europäischen Union gibt es diesbezüglich keine Probleme, will


man aber in „exotischeren“ Ländern arbeiten, kann man sich bei entsprechenden Botschaften oder Zahnärztekammern vor Ort informieren. Eine gute Möglichkeit, um sich einige Zeit im Ausland aufzuhalten, ist das ITI- Stipendium für angehende Implantologen. Da ITI mit Universitäten aus aller Welt zusammenarbeitet, ist es an vielzähligen Orten möglich, sich weiterzubilden. Voraussetzung hierfür ist allerdings eine dreijährige Berufserfahrung. Arbeitet man als Ausbildungsassistent in Deutschland, erhält der Arbeitgeber 25% zu seinem Kassenbudget dazu, nachdem man sich bei der jeweiligen KZV und Kammer angemeldet hat. Im ersten Jahr ist man noch nicht ver-

tretungsberechtigt und darf nur im Beisein eines weiteren Zahnarztes arbeiten. Auch die Größe und Lage der Praxis sollten in die Entscheidung des Ortes der Assistenzzeit mit einfließen, denn nicht selten bestimmen diese Faktoren die Zusammensetzung des Patientenklientel. Von der Kassen- und Massenpraxis bis hin zur durchgestylten High-Tech-Praxis wird man alle Varianten in einer Vielzahl in Deutschland finden.

Wohin will man sich fachlich entwickeln, was will man als Zahnarzt erreichen und will man sich später spezialisieren? 49


UN-P ∕ 15 - Zukunft

Hat man sich örtlich entschieden, bleiben weitere Wählmöglichkeiten offen. Man sollte sich fragen, wohin man sich fachlich entwickeln will, was man als Zahnarzt erreichen möchte und ob man sich spezialisieren will? Will man lieber Patienten betreuen oder in einer Überweisungspraxis arbeiten? Je nach Spezialisierung in die Facharztgebiete KFO und Oralchirurgie oder den Master in Teilgebieten ist es sinnvoll, einige Jahre allgemeinzahnärztliche Kenntnisse zu erwerben. Auch die Wahl des richtigen Praxismodells kann schon in der Assistenzzeit einen spürbaren Einfluss haben. Gemeinschaftspraxen haben da sicherlich den Vorteil, größere Flexibilität in Bezug auf Ansprechpartner, Urlaubsplanung und Bandbreite des Patientenspektrums zu bieten. In Einzelpraxen und kleineren Praxen wird man unter Umständen eine höhere Patientenbindung kennenlernen und schneller mit Arbeiten des gesamten Spektrums der Praxis betraut. Allerdings sind die Patienten oft seit Jahren und Jahrzehnten auf den Chef geeicht. Wem die Einzelpraxis auch als späteres eigenes Modell am besten zusagt, kann mit der richtigen Wahl der Ausbildungspraxis die Praxisbedingungen vor einer möglichen Übernahme lange genug testen. Auch sollte man die Spezialisierung der Praxis im Vorfeld kennen und die Arbeitsweise und den Aufgabenbereich des Assistenzzahnarztes mit dem künftigen Arbeitgeber definieren. Je klarer die Vorstellungen im Vorfeld sind, desto leichter ist es die Wahl zu treffen. Man kann immer Pech haben und eine Stelle wählen, die doch nicht zu einem passt. Oft wird bei der Suche nach Assistenzärzten auch der Wunsch auf eine spätere Übernahme erwähnt. Man sollte sich davon nicht beirren lassen, denn es ist nur normal, nach dem Studium nicht direkt zu wis50

sen, wo man sich später niederlassen möchte. Allerdings wäre es unfair, seinen Chef in dem Glauben zu lassen, man würde die Praxis übernehmen, obwohl man ganz andere Pläne hat. Und so hilft nur eines auf der Suche nach dem Arbeitsplatz der Wahl: vorher und währenddessen eingehend darüber nach zu denken und Ziele und Forderungen für sich selbst festzulegen. Gut ist sicher auch, sich mit Kommilitonen und älteren Semestern zu besprechen, die diesen Weg schon gegangen sind. Man muss nicht jede Erfahrung selbst machen und sich ununterbrochen mit den Hürden der Stellensuche beschäftigen. Wichtig ist, bei allen Entscheidungen nicht nur auf den Verstand, sondern auch das Bauchgefühl zu hören. Man kann sich für die Vorstellungsgespräche eine Checkliste machen, sollte aber dem ersten Eindruck ebenso Bedeutung schenken. Wer mehr zu diesem Thema wissen möchte, kann sich im ALUMNI Magazin weitere Gedankenanregungen und Informationen holen: WWW.ALUMNI-MAGAZIN.DE

Fast alles ist möglich, wenn man nur will! Um Euch das Thema noch näher zu bringen, haben wir ein paar sehr unterschiedliche junge Zahnärzte nach ihren Zukunftsvorstellungen und deren Realisierung befragt. Am Ende scheint eines fest zu stehen - fast alles ist möglich, wenn man nur will!


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UN-P ∕ 15 - Zukunft

Plötzlich Zahnarzt?

Plötzlich tzlich ZahnarzPhlötn? arzt? Za

Conny

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PLÖTZLICH ZAHNARZT ? CONSTANZE EXAMEN 2007

WELCHE ZUKUNFTSVORSTELLUNGEN HATTEST DU WÄHREND DES STUDIUMS? - Während des Studiums hat sich herauskristallisiert, dass mich die Chirurgie am meisten interessiert. Im letzten klinischen Jahr des Studiums erkannte ich, dass mir der OP-Kurs mit den Operationen

besonders viel Spaß gemacht hat. Da ich an einer Universität arbeiten wollte, bewarb ich mich an verschiedenen Universitätskliniken und entschied mich am Ende für das Saarland.

WARUM HAST DU DICH FÜR DIESEN WEG ENTSCHIEDEN UND WIE GEHT ES DIR DABEI? - Ich bin am Universitätsklinikum Homburg sehr gut aufgenommen worden. Durch die konstruktive Zusammenarbeit und das Lernen von und mit den Kollegen entsteht eine angenehme Arbeitsatmosphäre, schließlich ist die Anzahl der Mitarbeiter um einiges größer als in der Praxis. Als vergleichsweise unerfahrene Zahnärztin in der praktischen Arbeit stellen sich mir häufig Fragen und man kommt an seine Grenzen - auf die dann der fachärztliche Kollege eingehen kann bzw. einem bei der Lösung assistiert. So hat man täglich fachliche Diskussionen über die verschiedensten The-

men, was eine schnelle Weiterentwicklung der eigenen Kenntnisse ermöglicht. Deshalb erschien mir die Universität als Ausbildungsstätte am meisten geeignet, da hier das Motto SEE, DO and TEACH vorherrscht. Ich lerne schnell mit komplexen und schwierigen Fällen umzugehen, auch in Bezug auf andere Fachgebiete. Besonders positiv finde ich, dass an der Universität meistens auf dem höchsten wissenschaftlichen Stand gearbeitet wird. Zusätzlich bereitet mir die Arbeit mit Studenten sehr viel Freude.

WIE SEHEN DEINE WEITEREN ZUKUNFTSPLÄNE AUS? - Ich hoffe, meine Dissertation im nächsten Jahr abschließen zu können. Meine Spezialisierung in der Oralchirurgie werde ich im Saarland fortsetzen. Ich hoffe, weiterhin viele interessante Fälle in der Uni

zu behandeln, was übrigens ein weiterer Vorteil ist, da man hier schon eher an die komplizierten Patienten gerät. Eine Praxisgründung gehört derzeit nicht zu meinen Plänen.

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UN-P ∕ 15 - Zukunft

Plötzlich Zahnarzt?

Plötzlich tzlich ZahnarzPhlötn? arzt? Za

Ben

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PLÖTZLICH ZAHNARZT ? BEN EXAMEN 2007

WELCHE ZUKUNFTSVORSTELLUNGEN HATTEST DU WÄHREND DES STUDIUMS? - Die Zukunftsvorstellungen während des Studiums hatte ich eher vage gefasst. Es stand die Überlegung, die Assistenzzeit für die Vertiefung des Wissens und Fachorientierung zu nutzen, um sich

dann zu einem späteren Zeitpunkt niederzulassen. Die Anforderungen des Tages- bzw. Semesterplanes waren jedoch vordergründig, so dass ich konkrete Pläne erst gegen Ende des Studiums gefasst habe.

WARUM HAST DU DICH FÜR DIESEN WEG ENTSCHIEDEN UND WIE GEHT ES DIR DABEI? - Mir war es sehr wichtig, nach dem Studium meine Fachkenntnisse zu vertiefen und zu vervielfältigen. Durch die Arbeit an der Klinik für Alters- und Behindertenzahnmedizin in der Schweiz ist es mir möglich, andere Ansätze in der Zahnmedizin und eine in Deutschland so nicht existierende Klinik kennen zu lernen, die sich speziell mit den Anliegen der Gerostoma-

tologie und Sozialmedizin beschäftigt. Die Arbeit an der Klinik ermöglicht mir zudem, eine Entscheidungsfindung zwischen einer akademischen und praktischen Laufbahn. Zusätzlich lerne ich noch ein anderes Land und eine andere Kultur kennen. So kann ich die durch die Assistenzzeit gegebene Flexibilität optimal nutzen und neue Erfahrungen sammeln.

WIE SEHEN DEINE WEITEREN ZUKUNFTSPLÄNE AUS? - Die in der Schweiz auf drei Jahre angelegte Assistenzzeit werde ich mit Sicherheit hier vollenden und während dieser Zeit Projekte und Anliegen im Bereich der Gerostomatologie vorantreiben.

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Plötzlich Zahnarzt?

Plötzlich tzlich ZahnarzPhlötn? arzt? Za

Claudia

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PLÖTZLICH ZAHNARZT ? CLAUDIA EXAMEN 2007

WELCHE ZUKUNFTSVORSTELLUNGEN HATTEST DU WÄHREND DES STUDIUMS? - Für mich stand schon immer fest, dass ich nach dem Studium und erfolgreich absolvierter Assistenzzeit eine Zahnarztpraxis übernehme und mich selbstständig mache. Warum, kann ich gar nicht sagen.

Da war einfach dieses innere Bedürfnis, nicht mein gesamtes Leben als angestellter Zahnarzt zu verbringen – und wenn ich sowieso vorhabe, mich selbstständig zu machen, dann lieber gleich.

WARUM HAST DU DICH FÜR DIESEN WEG ENTSCHIEDEN UND WIE GEHT ES DIR DABEI? - Nach einer sehr langen, eineinhalbjährigen Phase des Suchens und Verhandelns habe ich dann doch sehr plötzlich am 01.10. in meiner Praxis gestanden. 2 Monate nachdem ich sie überhaupt das erste Mal besichtigt hatte. Innerhalb von zwei Monaten habe ich die Zulassung beantragt, Verträge und Versicherungen unterschrieben und die Praxis umgeräumt. Wenn man das beeinflussen könnte, wäre es natürlich besser, man hätte dafür etwas mehr Zeit. Ob der Schritt richtig war, kann ich im Moment noch nicht sagen. Wie ich es zuvor

auch schon mehrfach von Kollegen gehört hatte, ist die Anfangszeit einfach nur hart. Aus den sich fremden Personen (Helferinnen und Chef) muss ein Team werden, Probleme mit der neuen Software bleiben nicht aus und alle möchten vom ersten Tag an ihr Geld haben (Miete, Versicherungen, Verbrauchsmaterial, Gehälter), sodass man neben dem Kredit auch mit den laufenden Kosten erst einmal ins Minus rutscht. Aber nach und nach kommt alles so langsam ins Rollen und das Licht am Ende des Tunnels wird sichtbar.

WIE SEHEN DEINE WEITEREN ZUKUNFTSPLÄNE AUS? - Für die Zukunft habe ich mir fest vorgenommen, kontinuierlich an Fortbildungen teilzunehmen und möglichst auf dem neuesten Stand der Zahnmedizin zu bleiben. Im Moment nehme ich an den Fortbildungsreihen Implantologie und zahnärzt-

liche Hypnose teil. Außerdem möchte ich das Thema Cranio-Mandibuläre Dysfunktionen in den nächsten Jahren noch weiter ausbauen. Ich hoffe für meine Zukunft, Familienplanung und Praxis erfolgreich unter einen Hut bringen zu können.

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Gesetzliche Neuregelungen wie das Wettbewerbsstärkungsgesetz (WSG) und das Vertragsarztrechtsänderungsgesetz (VÄndG) haben in der jüngsten Vergangenheit die zahnärztliche Versorgung in Deutschland grundlegend verändert und den Weg für weitere Liberalisierungen gebahnt. Allerdings wird es für den einzelnen Zahnarzt dadurch nicht einfacher: Mehr denn je sind seine unternehmerischen Fähigkeiten gefragt, um im wachsenden Wettbewerb sowohl fachlich als auch wirtschaftlich gut aufgestellt zu sein. Hinzu kommt, trotz Lockerung gesetzlicher Rahmenbedingungen, eine steigende Anzahl praxisrelevanter Vorschriften, Verordnungen und Gesetze im nationalen und europäischen Bereich.

Nur die wenigsten Zahnärzte sehen sich zukünftig in einem Netzwerk Neue Netzwerke für die Zukunft Zahnärzte werden sich zukünftig noch mehr in Netzwerken organisieren müssen, um den neuen Anforderungen gemeinsam zu begegnen und mit einzigartigen Konzepten und schlüssigen Auftrit-

ten einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen. Neben einer gemeinsamen materiellen Infrastruktur wird man vor allem auch in Wissen investieren. Doch nur die wenigsten Zahnärzte sehen sich zukünftig in einem solchen Netzwerk. Im Gegenteil: Bereits jetzt stehen die meisten Zahnärzte einer Zusammenarbeit auf einer solchen Ebene äußerst kritisch gegenüber (Umfrage Bayrisches Zahnärzteblatt 2006) und lehnen die „Konzernisierung“ der zahnmedizinischen Versorgung ab. Nach der Abschaffung gesetzlicher Reglementierungen sehen sie in neuen Kooperationen eher eine selbst gemachte Beschränkung und so bleibt die Frage, wie sich der ungebrochene Wunsch nach Selbständigkeit in einem Zahnärztenetzwerk noch verwirklichen lässt. Feminisierung der Zahnmedizin Die Veränderungen am Gesundheitsmarkt betreffen in Zukunft besonders Zahnmedizinerinnen. Mit stetig wachsender Anzahl sind sie bereits heute die größte Gruppe unter den Absolventen und werden folglich mit kreativen Arbeitszeitund Praxismodellen den veränderten Rahmenbedingungen begegnen müssen, um private Erfüllung ohne Abstriche in der beruflichen Karriere und wirtschaftlichen Positionierung erfahren zu können. Fachlich bestens versiert – oftmals mit mehreren postgradualen Zusatzqualifikationen – wird der Wunsch nach eigener Praxis gerade für die Frauen zur Zerreißprobe im Spannungsfeld zwischen dem Streben nach Freiberuflichkeit und einem verschärftem Wettbewerb. Dabei haben die Frauen eigentlich äußerst gute Voraussetzungen im Gesundheitsmarkt der Zukunft: Mit einem starken Fokus auf Service fordert der Kunde „Patient“ vom Dienstleistungsunternehmen „Zahnärztliche Praxis“ zukünftig einen noch höheren Anteil an Einfühlungsvermögen, Zuwendung und sozialer Kompetenz 59


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– was Frauen stärker zugetraut wird als Männern. Häufig in einer Tagesklinik oder größeren Versorgungseinheit als Assistentin tätig, werden Frauen in der Zukunft die daraus resultierenden eingeschränkten Verdienstmöglichkeiten nicht mehr akzeptieren. Die Alternative „Niederlassung“ bietet zwar finanzielle und berufliche Unabhängigkeit, ist aber gleichzeitig mit vielen Unsicherheiten behaftet.

Planung, Umsetzung und Finanzierung der eigenen Praxis ab. Dabei bieten sich auch neue Finanzierungsmöglichkeiten. Leasing beispielsweise ermöglicht die Anschaffung von modernsten Diagnose- und Therapieeinheiten. Außerdem wird das private und betriebswirtschaftliche Risiko minimiert, die Angst vor einer möglichen Insolvenz ist genommen und der weitere berufliche Weg flexibel.

Der Zahnarzt der Zukunft wird sich nicht mehr allein auf seine umfassenden zahnmedizinischen Kompetenzen verlassen können

Veränderungen als Chance Zahnmediziner sind von Veränderungen und Reformen als erste betroffen – aber sie können auch als erste davon profitieren, wenn sie sich den jeweiligen Neuerungen schnell und flexibel anpassen. Dabei greifen sie in Zukunft stärker auf neue Konzepte der Praxisführung und Praxisfinanzierung zurück und nehmen damit eine Vorreiterrolle im Gesundheitswesen ein. Sie werden sich zukünftig entscheiden müssen, ob sie sich selbst neben der zahnmedizinsichen Expertise noch fundierte Fähigkeiten in Marketing und Management aneignen wollen, oder sich dabei auf starke Partner verlassen, die sie sowohl bei alternativen Finanzierungskonzepten als auch in Bezug auf laufende betriebswirtschaftliche Fragen unterstützen. Der Zeitbedarf, der für den Verwaltungsanteil aufzuwenden ist, ist schon jetzt unvergleichlich höher als in den vergangenen 10 bis 15 Jahren und wird zukünftig nicht weniger werden. Gerade für Zahnmedizinerinnen kann hier durch das Einbeziehen externer Berater eine wichtige Zeitressource entstehen, um den ungebrochenen Wunsch nach freier Berufsausübung bei akzeptabler Work-Life-Balance zu verwirklichen.

Neue Konzepte schaffen mehr Flexibilität Der Zahnarzt der Zukunft wird sich nicht mehr allein auf seine umfassenden zahnmedizinischen Kompetenzen verlassen können. Als Gesundheitsökonom, Health Consultant, Marketingfachmann und Kommunikationsspezialist wird er entweder auch in vielen fachfremden Gebieten aktiv sein oder kompetente Beratung in Anspruch nehmen müssen.

Viele junge Zahnmediziner scheuen die Investition in eine eigene Praxis angesichts des verschärften Wettbewerbs Viele junge Zahnmediziner scheuen die Investition in eine eigene Praxis angesichts des verschärften Wettbewerbs. Zukünftig nehmen ihnen jedoch Dienstleister die 60

Alexander Dier Leiter des Competence-Center Med bei der MLP Finanzdienstleistungen AG


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UN-P ∕ 15 - Zukunft Text / Anita Hattenbach, ZT

Die Zukunft des Zinkphosphatzements Bevor man den Zement in Zeiten der zunehmenden adhäsiven Befestigungen zu den Auslaufmodellen der modernen Zahnmedizin zählt, lohnt es sich, einen genauen Blick auf seine Eigenschaften zu werfen. Gerade im Vergleich zu den neueren Kompositmaterialien zeigen sich einige Vorteile dieses traditionellen, ca. 130 Jahre alten Befestigungsmaterials. Denn etliche Studien und die Erfahrung der Praktiker beweisen - eine mit Zinkphosphatzement befestigte Krone kann jahrzehntelang im Mund ihren Dienst tun, in der Vergangenheit genauso wie in den heutigen Zeiten mit vielen alternativen Materialien.

Hier weiß man,was man hat. Ja, Zinkphosphatzement ist ein traditioneller Zement, ja er ist alt – ungefähr 130 Jahre. Diese Zeit diente der klinischen Erfahrung und Forschung um das Material Zement. Heute kann man mit Fug und Recht behaupten, nahezu alles über Zemente zu wissen. Einer Bewährungsprobe dieser Art müssen sich neuere Materialien überhaupt erstmal stellen. 62

Die Eigenschaften und die chemischen Grundlagen des Zinkphosphatzements sind bestens erforscht und über ein Jahrhundert Verwendung spricht sichtlich für seinen Erfolg. Man muss nicht erst die nächste Studie abwarten, ob sich das Material als geeignet erweist. Hier weiß man, was man hat. Und so schwer ist das Anmischen von Hand am Ende nicht.


Die Verträglichkeit, heute auch gern Biokompatibilität genannt, ist bei Zementen bestens erprobt. Eine Unverträglichkeit oder gar Allergie auf Zinkphosphatzement ist extrem selten. Seine Inhaltsstoffe enthalten keine Allergene. Komposite dagegen haben, durch ihre dauerhafte Monomerabgabe, ein weitaus höheres allergenes Potential für die Patienten. Und die Zahl der Allergiepatienten steigt, auch unter Zahnärzten und dem Praxispersonal. Auch wenn keine allergenen Stoffe im Zinkphosphatzement enthalten sind, chemische Stoffe sind es trotzdem. So

soll auch der kurze Säureschmerz durch den anfänglich niedrigen pH-Wert hier nicht ignoriert werden. Beim Einsetzen der Restauration kann es bei empfindlichen Zähnen für einige Minuten nach dem Einsetzen zu Übersensibilitäten kommen. Der sogenannte Säurestoß ist in der Regel aber schon die einzige Unannehmlichkeit. Eine andauernde Pulpairritation ist im Vergleich zu Glasionomer- und Kompositzementen deutlich geringer! Und, nach dem Zementieren bleibt kein ungesehener Überschuss, der auf ewig das Zahnfleisch reizen kann. 63


UN-P ∕ 15 - Zukunft

Gerade die Zementierung auf Implantaten wird am besten konventionell mit Zinkphosphatzementen durchgeführt. Wie sieht es mit der Bakterienaffinität aus? Verfärbungen am Kronenrand sind gerade bei vollkeramischen Versorgungen besonders gut zu erkennen und ein Zeichen dafür, dass Bakterien dieses Milieu lieben. Doch wir lieben keine Bakterien am Kronenrand. Zinkphosphatzement hat von Hause aus eine antibakterielle Wirkung und ist damit für viele Indikationen das Mittel der Wahl. Die Voraussetzungen der geeigneten Präparationswinkel und Pfeilerhöhe, um die nötige Festigkeit der Restauration und einen guten Randschluss zu gewährleisten, verstehen sich von selbst. Wenn die Krone dann doch mal entfernt werden muss, kann ein Zementspalt aus Zinkphosphatzement mit der Corona Flex abgetragen und die Krone mitunter sogar unbeschädigt entfernt wer64

den. Bei Restaurationen aus Zirkondioxid haben Sie nur bei einer Befestigung mit Zinkphosphatzementen eine Chance, die Restauration im Notfall wieder heil runter zu nehmen. Überhaupt stellt sich beim Stichwort Zirkonoxid die Frage: Warum zementieren Sie dieses vielbeworbene biokompatible Material mit einem allergenen Komposit? Für einige Probleme der modernen zahnmedizinischen Versorgungen bietet der Zinkphosphatzement auch heute noch hervorragende Lösungen. So kann man zum Beispiel bei verfärbten Stümpfen oder Implantat-Abutments mit farblich angepassten Zinkphosphatzementen Durchscheineffekte des Zahnstumpfes abdecken und wenn nötig - die Restauration von innen in ihrer Farbe modifizieren. Ganz ohne Labor!


Gerade die Zementierung auf Implantaten wird am besten konventionell mit Zinkphosphatzementen durchgeführt. Ein bakterienarmes Milieu ohne Gingivareizung ist hier besonders wichtig, weswegen Komposite eher als ungünstig einzuschätzen sind. Sogar das Argument eines echten Verbundes zwischen Zirkondioxid-Abutments und Zirkondioxidkronen mit Hilfe von Kompositmaterialien entfällt, da dieser Verbund ohne weiteres nicht erreicht werden kann.

und modernen Werkstoffen. Und last but not least: Die Kosten. Vielleicht ist es Ihnen auch eine Überlegung wert, ob Sie 0,35 Euro (Hoffmann’s Cement) oder 9,40 Euro (Multilink Automix) für die Befestigung einer Krone ausgeben. Aus diesen Perspektiven heraus kann man behaupten, dass sowohl gegenwärtig, als auch in der Zukunft eine Verwendung von Zinkphosphatzementen in der Zahnmedizin sinnvoll und gerechtfertigt ist.

Zinkphosphatzement bildet durch seine Eignung zur Zementierung auf Implantaten und von Restaurationen aus Zirkonoxid eine sinnvolle Verbindung zwischen langjährig bewährtem Material 65


UN-P ∕ 15 - Zukunft

Die Zahncreme der Zukunft - mit Liebe hergestellt

Wer kennt sie nicht, die kleine rote Tube, bei der „eine linsengroße Menge genügt“? Ajona Stomaticum heißt die Zahncreme, die um 1950 als erstes Zahncremekonzentrat in Stuttgart-Möhringen das Licht der Welt erblickte und ganz nach dem Geschmack von Zahnärzten, Apothekern und Patienten war. Das Konzept, die hochwertigen Inhaltsstoffe, die Wirkung, die Aufmachung und die ehrliche, klare Kommunikation mit den Fachleuten, die wiederum viel „Mundpropaganda“ unter den Patienten auslöste, machten Ajona zu einer echten Erfolgsgeschichte. Heute ist Ajona ein deutscher Markenklassiker, der auch bei jungen Menschen Kultstatus genießt und viele treue Kunden hat.

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Zahncreme mit Familientradition Als Familienunternehmen wächst Dr. Liebe stetig und organisch und kann sich so viel Zeit für die Entwicklung und Erprobung neuer medizinischer Zahncremes nehmen. Deswegen setzt Dr. Liebe schon weit vor jedem Bio-Trend möglichst natürliche und hochwertige Wirkstoffe wie beispielsweise Chamomilla recutita und als Geschmacksstoffe natürliche ätherische Öle wie beispielsweise Geraniol und Mentha viridis ein. Wie bei einer Arznei kommen die Zahncremetuben zusammen mit einem Beipackzettel, der die besonders für Endkunden oft unverständlichen Inhaltsstoffe auflistet, deren Wirkungsweise erklärt und so einen Blick in die Qualität der Dr. Liebe Produkte gewährt. Im Unternehmen selbst herrscht eine familiäre konstruktive Arbeitsatmosphäre, die offen und persönlichkeitsfördernd ist.

Gesundes, organisches Wachstum durch Qualität – dafür steht Dr. Adolf Steffen, Geschäftsführer von Dr. Liebe in Leinfelden-Echterdingen

Derartige Prinzipien und Denkweisen fließen dementsprechend auch in die Entwicklung neuer Produkte ein, so dass Dr. Liebe in den letzten Jahrzehnten neben dem Klassiker neue, zukunftsweisende Zahncremes entwickelt hat. Hierbei sollte vor allem den unterschiedlichen Bedürfnissen der Verbraucher Rechnung getragen werden. Ajona: Klasse statt Masse 1950 kommt Ajona Stomaticum auf den Markt – ein revolutionäres Konzept, denn Ajona ist ein Zahncremekonzentrat und eine Tube reicht für 150 Mal Zähneputzen. Der Verbraucher könnte also in Ruhe eine ganz Weltreise mit einer einzigen Tube Zahncreme unternehmen. Durch ihre spezielle, hochwertige Rezeptur wirkt Ajona antibakteriell. Entzündungshemmende Wirkstoffe lindern bereits bestehende Zahnfleischentzündungen und fördern die Regeneration des Zahnfleisches. Wegen der sehr sanften Reinigung (RDA 30) ist Ajona auch bei empfindlichem Zahnfleisch und sensitiven Zahnhälsen besonders gut verwendbar.

Zertifizierte Produktion bester Qualität bei Dr. Liebe

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UN-P ∕ 15 - Zukunft

Die RDA-Werte der Zahncremes von Dr. Liebe im Vergleich

Der RDA WERT (Radioaktive Dentin Abrasion - radioaktiver Dentinabtrieb) gibt den Grad der Scheuerwirkung und somit die Schädigungsgefahr für den Zahn an.

100 nicht täglich verwendbar

sanfte Reinigung

Zahncremes mit Werten unter RDA 60 reinigen sanft

50 45

30

Weißende und Raucher zahncreme

-1-

-2-

-3-

armin -omed

Pearls & Dents

Ajona

-1-

Mit speziellem Doppel-Fluorid-System und natürlichem Wirkstoffpaket und einem „sehr gut“ von Ökotest: amin-o-med

-2-

Kleine Perlen sind hart zur Plaque und zart zum Schmelz: Pearls & Dents – Neuartige medizinische Zahncreme mit Perl-System

-3-

Wegen des einzigartigen Geschmacks und der seit jahrzehnten überzeugenden Wirkung beliebt bei Jung und Alt: Ajona – der Zahncremeklassiker

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amin-o-med: Doppel-Fluorid und viel Natur Nach dem großen Erfolg von Ajona entwickelt Dr. Liebe in den 1990er Jahren eine neue Zahncreme: amin-o-med. Sie enthält ein hochwirksames, kariesprotektives Doppel-Fluorid-System aus Aminfluorid/Natriumfluorid zur optimalen Karies-Prophylaxe und ein natürliches Wirkstoffpaket mit Extrakten aus Kamillenblüten und Panthenol für den Zahnfleischschutz.

Zum ersten Mal beinhaltet eine Zahnpasta kleine Kügelchen und bietet damit eine völlig neue Art der Zahnreinigung

Pearls & Dents: Kügelchen statt Streifen 1997 folgt die mittlerweile zukunftsträchtigste Zahncreme aus dem Hause Dr. Liebe: Pearls & Dents. Sie ist eine Gemeinschaftsentwicklung mit Prof. Dr. Sander vom Universitätsklinikum Ulm, der für seine Patienten aus der Kieferorthopädie eine wirksame Zahnpflege bei festsitzenden Zahnspangen (Brackets) suchte. Zum ersten Mal beinhaltet eine Zahnpasta kleine Kügelchen und bietet damit eine völlig neue Art der Zahnreinigung: Die kleinen in ätherischen Ölen getränkten Putzkügelchen aus weichem Kunststoff entfernen sanft aber effektiv Bakterien-Beläge und Verfärbungen auch aus schwer zugänglichen Stellen, ohne den Zahnschmelz zu schädigen. Das Resultat sind ungewohnt zungenglatte Zähne, an denen neue Beläge nur noch schwer haften bleiben. Die Ergebnisse

waren so überzeugend, dass aus einer ursprünglich rein kieferorthopädischen Zahncreme innerhalb kürzester Zeit eine exklusive Zahnpflege für alle Fälle wurde. Auch die Vermarktung der Zahncremes läuft anders als üblich. Besonderes Augenmerk liegt auf der Kommunikation mit den Spezialisten der Branche wie den Zahnärzten und Apothekern. Nur wenn sie überzeugt sind, empfehlen sie auch die Produkte weiter und fungieren so als Multiplikatoren. Dazu setzt Dr. Liebe auf Dialog und direkte Ansprachen. Kleine Probetübchen, die die Firma auch heute noch regelmäßig kostenlos anbietet, helfen bei der Überzeugungsarbeit. Da Dr. Liebe keinen Außendienst einsetzt, werden über 6.500 Zahnärzte, Dentalfachhändler und die Fachschaften von Universitäten zu Sonderkonditionen direkt beliefert. Was wird man in Zukunft von Zahncremes erwarten können? Im Gegensatz zu anderen Marktteilnehmern arbeitet man bei Dr. Liebe bereits seit Jahrzehnten an der sinnvollen Weiterentwicklung des Produkts Zahncreme. Anstelle von multiplen Geschmacksrichtungen oder neuen Looks der Produkte konzentriert man sich vor allem auf die Weiterentwicklung der Inhaltsstoffe, die Erhöhung der Putzwirkung ohne Erhöhung der RDA-Werte sowie die Nachhaltigkeit der Produkte für den Endverbraucher. Die hohe Zufriedenheit der Kunden bestätigt dieses Vorgehen und sorgt schon mal dafür, dass Zahncremes in Jahresvorratspackungen nach Übersee verschickt werden.

www.drliebe.de 69


UN-P ∕ 15 - Zukunft

Der Start in die Zukunft oder wie man trotz Bürokratie glücklich werden kann Der Weg in die Selbständigkeit ist für angehende Zahnärztinnen und Zahnärzte häufig mit vielen Fragezeichen verbunden. Die Vielzahl der bürokratischen Anforderungen, etwa an die Führung einer Praxis, sind ungewohntes Terrain, das 70

auch im Studium nur selten richtig erschlossen wird. Umso wichtiger ist es für die Berufsanfänger, einen Partner an ihrer Seite zu wissen, der dabei hilft, Fehler zu vermeiden. Die NWD Gruppe


ist mit mehr als 30 Niederlassungen eines der größten dentalmedizinischen Handelsunternehmen in Deutschland. Über die klassischen Produkte eines Dentaldepots hinaus bietet das Unternehmen ein Bündel an Dienstleistungen, etwa im betriebswirtschaftlichen Bereich oder in der Fort- und Weiterbildung. Es offeriert Service, Sicherheit und Beratung, angefangen bei der Praxissuche über die wirtschaftliche Planung bis hin zur Übernahme von Dokumentationspflichten und der Unterstützung bei der Einhaltung der Hygienerichtlinien. Aber auch die E-LearningAkademie, ein eigenes Reisebüro oder eine Fachbuchhandlung gehören mit zum Angebot.

weit entlasten, gleichzeitig aber sicher sein, dass alle nötigen Wartungen und Arbeiten auch fristgerecht und gesetzeskonform durchgeführt werden? Die NWD Gruppe gibt hier mit einem einzigartigen Konzept ihres Technischen Kundendienstes (TKD) auch zu den Bereichen Recall (Terminerinnerung), Wartung sowie zur Abfall-Entsorgung neue Antworten.

Effizienz durch Nutzung moderner Technik hat am Zahnarztstuhl eine besondere Bedeutung. Effizienz durch Nutzung moderner Technik hat am Zahnarztstuhl eine besondere Bedeutung. Im Studium lernen junge Zahnmediziner/-innen diese Errungenschaften von Innovationen kennen und schätzen. Im Praxisalltag stellt sich dann heraus, das Effizienz auch auf ganz anderer Ebene als der des Heilens große Bedeutung hat. Wegen der vielfältigen bürokratischen Anforderungen, die in einer Zahnarztpraxis um die Behandlung der Patienten inzwischen anfallen, kann ein effizientes Management im Hintergrund die tägliche Arbeit spürbar erleichtern. Ganz besonders gilt dies für den Bereich der technischen Wartung, des Kundendienstes mit den entsprechenden Dokumentations- und Abrechnungspflichten sowie die Abfall-Entsorgung. Eine zentrale Frage, etwa bei Praxisgründungen, lautet deshalb: Wie kann ich mich von diesem bürokratischen Ballast möglichst

Qualitätsmangement quasi auf Knopfdruck zu erledigen – das dürfte sich inzwischen so manche Zahnärztin und mancher Zahnarzt wünschen. Besonders, wenn sie oder er in der Anfangsphase der Selbständigkeit steht. Auf bloßes Knöpfchendrücken erledigt sich die Organisation und Kontrolle des eigenen Qualitätsmanagements auch mit dem „praxisprofiler QM“ des NWD-Systemhauses nicht. Der praxisprofiler QM bietet jedoch eine einfache wie vollständige Lösung für das gesamte Dokumentenmanagement der zahnärztlichen Praxis und ist unabhängig von der eingesetzten Abrechnungssoftware verwendbar. Das Besondere ist allerdings, dass es sich bei diesem Produkt nicht um eine leere Hülle handelt, sondern um eine bereits mit allen nötigen Dokumenten in logischer Zuordnung versehene 71


UN-P ∕ 15 - Zukunft

Arbeitsbasis. Das Programm ist in zwei Stunden installiert, erklärt und an die Anwenderstammdaten angepasst. Stellenbeschreibungen, Arbeitsanweisungen, Ablaufdokumentationen oder die Prozesssteuerung sind allgemeingültig gehalten und bedürfen nur einer minimalen Individualisierung auf die Praxisgegebenheiten. Ein Großteil der Arbeitsprozesse ist durch veränderbare Ablaufdiagramme darstellbar. Außerdem lassen sich Bestandsdokumente problemlos in das System integrieren. Zur Sicherheit sind in der Hilfe zum Programm alle Bedienschritte auch als Videofilm hinterlegt.

Ergänzt wird dieses virtuelle Angebot durch regelmäßige Präsenzveranstaltungen in der gesamten Republik. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bis zum Examen! Danach stehen wir für Sie bereit, Ihre Zukunft erfolgreich mit zu gestalten, damit Sie mehr Zeit für Ihre Patienten haben.

Weitere Informationen zum Angebot der NWD Gruppe sowie den richtigen Ansprechpartner finden Sie unter www.nwd-gruppe.de.

Eine Trumpfkarte im NWD-Angebot ist die ELearning-Akademie mit ihren Schulungsmöglichkeiten für Zahnarzt/ärztin und Helfer/in. Hier können bestimmte Lerninhalte – etwa zur Röntgenverordnung des Robert Koch-Instituts – erarbeitet und anschließend überprüft werden.

fit fuer die zukunf t!

Wissen, was kommt. Was das Studium nicht leistet: Die NWD Gruppe hilft und berät bei der zahnärztlichen Praxisgründung– komplett und komplex.


Heraeus Kulzer sponsert den Wissenschaftspreis der Universität Witten/Herdecke für herausragende wissenschaftliche Leistungen

der immunologischen Grundlagenforschung zellulär bedingte Wirtsreaktionen bei chronischen Entzündungen. Die Auswahlkommission lobte vor allem den hohen Anteil an Grundlagenforschung der Dissertationsschrift, mit umfangreichen, experimentellen Untersuchungen. Die Versuche zur Durchflußzytometrie und Zellmigration im dreidimensionalen Kollagen-Modell führten zu völlig neuen Erkenntnissen bei der frühen parodontalen Wundheilung.

Die Idee des Wissenschaftspreises entstand aus der Zusammenarbeit zwischen Industrie und universitärer Forschung. Insbesondere die Bereiche der Grundlagenforschung und der klinisch angewandten Forschung sollen in Zukunft stärker gefördert werden. Ausgezeichnet werden Promotionsarbeiten sowie herausragende wissenschaftliche Publikationen.

„Wir freuen uns, den Wissenschaftspreis für Zahnheilkunde der Universität Witten/Herdecke für herausragende wissenschaftliche Leistungen unterstützen zu können. Heraeus ist ein global aufgestelltes Unternehmen und hat sich im Dentalbereich neben der Unterstützung von Zahnärzten und Zahntechnikern durch geeignete Produkte auch die Zusammenarbeit und Förderung der zahnmedizinischen Wissenschaft zum Ziel gesetzt“, sagt Axel Reimann, Vertriebsleiter Deutschland, Österreich, Schweiz bei Heraeus Kulzer. „Die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Frau Schwenk zur regenerativen Parodontaltherapie sind nicht nur für uns als Dentalhersteller von großer Bedeutung. Sie dienen als Grundlage für mögliche bahnbrechende Innovationen zur Behandlung der Volkskrankheit Parodontitis“, sagte Reimann bei der Preisverleihung am 12.12.2008 im großen Hörsaal der Fakultät für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Witten/Herdecke.

Den nun schon zum zweiten Mal verliehenen und begehrten Preis erhielt Alumna Bettina Schwenk kurz vor Weihnachten für ihre mit summa cum laude ausgezeichnete Doktorarbeit zum Thema „In vitro Einfluss von einem porcinen Schmelzmatrix-Proteinderivat auf T-Helferzellen“. Ihre wissenschaftlichen Untersuchungen greifen ein aktuelles Thema der regenerativen Parodontaltherapie auf und beleuchten ebenso im Bereich

Pressekontakt: Susanne Mücke, Public Relations Heraeus Kulzer GmbH, Grüner Weg 11 D-63450 Hanau Tel.: +49 (0) 6181/35 3182 Fax: +49 (0) 6181/35 4180 susanne.muecke@heraeus.com www.heraeus-kulzer.com

Hanau, 15. Januar 2009 Zum zweiten Mal wurde im Dezember 2008 der Wissenschaftspreis für Zahnheilkunde der Universität Witten/Herdecke vergeben. Gesponsert wurde diese Auszeichnung von der Firma Heraeus in Hanau. Am 12.12.2008 übergab Vertriebsleiter Axel Reimann die Urkunde an die stolze Preisträgerin.

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UN-P ∕ 15 - Zukunft Text / Silvanus Lindemann

Z a h n Ä R Z T IN

- P 3 7 8 7 2 /2 Laura hebt müde den Kopf, es ist 06.00 Uhr am 1.1. 2018. Das dumpfe Pochen im Hinterkopf erinnert Laura an die Silvesterparty zu der sie sich doch hat überreden lassen, obwohl sie heute im Zahnmedizinischen Versorgungszentrum-Mitte von 7.00 Uhr morgens bis in den späten Abend Dienst hat. Laura hat erst vor 2 Jahren Ihr Studium abgeschlossen und ist froh, dass sie als Jahrgangsbeste diese Stelle in Mitte bekommen hat. Hier hat Laura als eine von 200 Kollegen manchmal die Gelegenheit bei den zusatzversicherten Patienten hochwertige Behandlungen durchzuführen, die viele ihrer Kommilitonen nur aus den Anzeigen der Dental-Industrie kennen. 74


Ist der Zahnarzt mit eigener Praxis als Freiberufler ein Auslaufmodell? Ist Laura die Zahnmedizinerin der Zukunft? Eine von vielen Zahnärzten in einer riesigen Versorgungseinheit, die anspruchsvolle Zahnmedizin nur selten praktizieren kann? Ist der Zahnarzt mit eigener Praxis als Freiberufler ein Auslaufmodell? Diese Fragen beschäftigen die Zahnärzteschaft nicht erst seit dem Vertragsarztrechtsänderungsgesetz (VÄndG) aus dem Jahr 2007. Fakt ist, mit dem VändG und den damit verbundenen Änderungen in den Bundesmantelverträgen nimmt die oben beschriebene Zukunftsvision Gestalt an. Die Möglichkeiten der Berufsausübung haben sich deutlich verändert. Die Möglichkeit Berufsausübungsgemeinschaften auch ortsübergreifend zu gründen und entsprechend Zahnärzte auch in Zweigpraxen anzustellen, steht schon jetzt gegen das althergebrachte Berufsbild des freiberuflichen Zahnarztes mit eigener Praxis. Medizinische Versorgungszentren, im humanmedizinischen Bereich deutlich auf dem Vormarsch (lt. KBV: I.Quartal 2008, 1000 MVZ), gibt es auch heute schon mit zahnärztlicher Beteiligung. Die Privatärztlichen VerrechnungsStellen starteten im August 2008 gemeinsam mit der Ärztezeitung eine Umfrage unter niedergelassenen Ärzten mit dem Thema „Vernetzen – Immer ein Gewinn?“ Hieran beteiligten sich fast 3500 Ärzte und 28 % von Ihnen glauben, Vernetzung sei

eine unumgängliche Notwendigkeit ohne Alternativen. Wenn man hier Parallelen ziehen kann, wird Laura mit ihren Kommilitonen eine völlig andere Form der Berufsausübung erfahren als ihre Kollegen, die heute praktizieren. Für den Zahnmedizinstudenten von heute, stellen sich hier folgende Fragen : Wie viel wirtschaftliches Know-How braucht ein Zahnarzt um sich in den Versorgungsformen der Zukunft entwickeln zu können? Passt das Studium von heute noch zur Berufsausübung von morgen?

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UN-P ∕ 15 - Zukunft

Eins ist sicher, das Studium der Zahnmedizin wird attraktiv bleiben, denn der Zahnmedizinstudent der Zukunft ist weiblich. Als sich vor über 80 Jahren die Privatärztlichen VerrechnungsStellen als Ärztliche Gemeinschaftseinrichtungen gründeten, sprach niemand von GOZ oder GOÄ, oder gar von neuen Formen der Berufsausübung.

Das Studium der Zahnmedizin wird attraktiv bleiben, denn der Zahnmedizinstudent der Zukunft ist weiblich.

Damals gründete die Ärzteschaft eine Institution die ihr in wirtschaftlichen Fragen beisteht, damit sich der Arzt auf die Medizin und seine Patienten konzentrieren kann. Bis heute hat die PVS Ärzte und Zahnärzte durch alle Veränderungen im Gesundheitswesen begleitet. Eins ist sicher, wir begleiten auch Sie, damit Sie das sein können, was Sie werden wollen – Zahnarzt.

www.pvs-portal.de

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I LOVE MY TEETH N O I T K E L L O K 2008 .COM UN-PLAQUED

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UN-P ∕ 15 - Zukunft Text / Susanne Schmidinger

Für die Zukunft gerüstet - die moderne Einheit wächst mit der Praxis Angesichts des schnellen technischen Fortschritts ist es schwer, sich ein Bild von der Zahnarztpraxis 2020 zu machen. Doch ganz gleich, wie das Behandlungszimmer von morgen aussieht: Mit der neuen Behandlungseinheit TENEO von Sirona sind 78

Zahnärzte auch für die Zukunft gerüstet. Die Einheit ist mit zukunftsweisenden Technologien ausgestattet und bietet darüber hinaus die Möglichkeit, SoftwareUpdates zu installieren und künftige technologische Entwicklungen nachzurüsten.


Der schnelle technische Fortschritt lässt auch in der Zahnmedizin manche Innovation nach einigen Jahren alt aussehen. Bei der Entwicklung der neuen Behandlungseinheit TENEO hat Sirona deshalb zwei Ziele verfolgt: Erstens sollte die Einheit – wie ihre Vorgänger – über zukunftsweisende Technologien verfügen. Zweitens sollte sie kompatibel sein für künftige Entwicklungen und dem Zahnarzt so die Möglichkeit geben, den zukünftigen technischen Fortschritt mitzugehen.

komplette Vernetzung der Einheit

Über die USB-Schnittstelle können unter anderem Software-Updates installiert werden.

Ein Schlüssel hierfür ist die komplette Vernetzung der Einheit mit anderen Geräten als auch dem Praxisnetzwerk. Die Vernetzung mit Geräten wie Intraoralkameras und intraoralen Röntgensensoren erfolgt über eine USB-Schnittstelle – Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die Geräte die Anbindung per USB zulassen. Die Einbindung in das Praxisnetzwerk ermöglicht die TENEO Ethernet-Schnittstelle.

intuitiv verständliche Bedienoberfläche Zentrale Steuerung über EasyTouch Zu den State-of-the-Art-Technologien von TENEO zählt die intuitiv verständliche Bedienoberfläche EasyTouch. Über sie steuert der Zahnarzt 79


UN-P ∕ 15 - Zukunft

das komplette Behandlungssystem, inklusive angeschlossener Geräte sowie Instrumente, beispielsweise für Implantologie- und EndodontieBehandlungen. Gleichzeitig kann der Behandler über EasyTouch auf den Praxis-PC zugreifen und Anwendungen zur Patientenkommunikation, wie Microsoft PowerPoint und den Windows Media Player starten.

Fehleranalyse per Ferndiagnose EasyTouch ist damit gewissermaßen das Steuerpult des Behandlungssystems. Die Menüs und Symbole auf der Bedienoberfläche sind intuitiv nutzbar und weitgehend selbsterklärend gestaltet. Zudem zeigt EasyTouch immer nur die Funktionen an, die der Behandler gerade benötigt. Über den Touchscreen kann der Zahnarzt beispielsweise den Vergrößerungsgrad der von der Intraoralkamera gelieferten Bilder auf dem Praxis-PC bestimmen, oder die Bildeinstellungen von Röntgenaufnahmen verändern. Ohne den Arbeitsstuhl verlassen zu müssen kann er anschließend die Röntgenbilder auf dem PraxisPC speichern. Mit Hilfe einer weiteren Software kann er die verschiedenen Behandlungsoptionen mit dem Patienten diskutieren. Problemlose Installation von Updates Zukunftssicherheit bietet TENEO zusätzlich dadurch, dass Software-Updates problemlos installiert werden können. Die USB-Schnittstelle bietet dem Zahnarzt darüber hinaus die Möglichkeit, zukünftige USB-basierte Geräte ganz einfach anzuschließen. Ähn80

lich dem heimischen PC kann TENEO also jederzeit auf den aktuellsten Software-Stand gebracht und um HardwareNeuentwicklungen ergänzt werden.

Die Behandlungseinheit TENEO bietet Zahnärzten maximale Zukunftssicherheit.

Die Ethernet-Schnittstelle unterstützt zudem eine weitere praktische Neuerung: die Fehleranalyse per Ferndiagnose. Dabei kann ein Servicetechniker vor der ersten Anfahrt über eine sichere Internet-Verbindung auf den Praxis-PC zugreifen. Über die Ethernet-Schnittstelle und mit Hilfe der von Sirona entwickelten Service-Software Dental Unit Management Console (DUMC), die bei TENEO standardmäßig mitgeliefert wird, interpretiert der PC die Fehler-Codes der Einheit. Der Techniker kann sich diese Informationen dann via Internet anschauen. Voraussetzung dafür ist, dass der Zahnarzt die Freigabe für den Zugriff auf den Praxis-PC erteilt – ein unerlaubter Zugriff ist also ausgeschlossen. Wohin auch immer die zukünftige technische Entwicklung gehen wird, mit TENEO werden Sie up to date bleiben und Neuerungen unkompliziert in die bestehende Hardwarestruktur einarbeiten können.

www.sirona.de


V ERA N S TA LT U NG S ANK Ü NDI GUNG

VOLLKERAMIK IN PERFEKTION INDIKATION - BEHANDLUNGSABLAUF ERGEBNISSE mit Prof. Dr. Edelhoff am 12. Juni 2009 Ort: Alliierten Museum e.V. Clayallee 135 - Outpost 14195 Berlin-Zehlendorf Teilnahmegebühr: 49,00€

BESUCHEN SIE UNS! Halle 10.02, Ga ng V, Stand-Nr.058

Voranmeldung: Ich möchte an der Veranstaltung:

Rübeling+Klar Dentallabor GmbH Ruwersteig 43 D-12681 Berlin Tel. 0049/30/5499340 Fax: 0049/30/54378432 e-mail: info@ruebeling-klar.de www.ruebeling-klar.de

Vollkeramik in Perfektion teilnehmen:

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UN-P ∕ 15 - Zukunft

Bild / Astra Tech GmbhH

Funktion, Komfort und Sicherheit oder der nächste Schritt der Implantologierevolution 82


DIE ENTWICKLUNG DER IMPLANTOLOGIE, VON DEN ERSTEN ANFÄNGEN BIS ZUM VISIONÄREN AUSBLICK IN DIE ZUKUNFT, ZEIGT ERSTAUNLICH VIELE PARALLELEN MIT DER ENTWICKLUNG DES AUTOMOBILS. ZUNÄCHST GING ES PIONIEREN WIE CARL BENZ DARUM, VEREINFACHT GESAGT, DAS PFERD VOR EINER KUTSCHE ZU ERSETZEN. DIE FUNKTION DER ENTSPRECHENDEN KONSTRUKTION WAR AUF DAS WESENTLICHE REDUZIERT: DAS FAHREN UND BREMSEN. ABER DER MODERNE MENSCH WOLLTE NICHT NUR FAHREN, ER WOLLTE BESSER FAHREN. MAN KONSTRUIERTE IMMER GRÖSSERE MOTOREN MIT IMMER MEHR LEISTUNG UND ÜBERLIESS DAS SCHALTEN GERNE EINEM AUTOMATIKGETRIEBE; DAS LENKEN WURDE SERVOUNTERSTÜTZT, DAS ÖFFNEN VON SCHEIBEN, SCHIEBEDACH UND VERDECK DURCH ELEKTROMOTOREN BEWERKSTELLIGT.

In den 60er-Jahren begann, nach der Konzentration auf Funktion und Komfort, der dritte Schritt der „automobilen Evolution“: Die Sicherheit der Autoinsassen und der anderen Verkehrsteilnehmer, aber auch der Umweltschutz, stand zunehmend im Mittelpunkt des Interesses. Zunächst wurde die Sicherheit im Innenraum durch Verwendung von weichen Materialien erhöht, die Karosserien erhielten Seitenaufprallschutz und Knautschzonen. Es folgten weitere passive Elemente wie Sicherheitsgurt, Kopfstützen und Airbag.

Seit Einführung des ABS im Jahr 1980, heute Standard in allen Automobilen, wurden Technologien entwickelt, die aktiv in die Fahrsicherheit eingreifen: elektronische Fahrhilfen, Kamerasysteme, Abstandswarner oder adaptive Fahrwerks- und Kurvenlichteinstellung. Die Idee des Katalysators markierte den Anfang einer Vision vom emissionsfreien Auto. In anderen Worten: Die Zukunft des Individualverkehrs ist wesentlich geprägt vom Begriff der „Sicherheit“ – für den Menschen, aber auch für die Umwelt. 83


UN-P ∕ 15 - Zukunft

Eine vergleichbare Entwicklung hinsichtlich des Anforderungsprofils an Funktion, Komfort und Sicherheit ist bei Zahnimplantaten zu beobachten. Zunächst ging es erst einmal darum, die Idee eines Zahnwurzelersatzes rein technisch zu verwirklichen. In den 60er-Jahren wurden deswegen verschiedene technologische Konzepte zur knöchernen Verankerung von künstlichen Zähnen getestet. Unter vielen Varianten setzte sich das Schraubenimplantat durch.

Was aber bedeutet der Begriff „Sicherheit“ für die Zukunft der Implantologie? Seit Mitte der 80er-Jahre konzentrierte sich die Entwicklung auf die Verbesserung von Funktion und Komfort. Die operativen und prothetischen Arbeitsschritte wurden vereinfacht oder erleichtert, was nicht nur dem Implantologen, sondern auch dem Patienten zugute kam. Heute – und in der Anfangszeit der Zahnimplantate vor rund 40 Jahren undenkbar – ist zum Beispiel die Frühbelastung ein von allen diskutiertes Thema. In diesem Zusammenhang wurden neue Ansätze bei den verwendeten Werkstoffen, verschiedene mechanische, chemische und – seit einigen Jahren – auch biologische Konzepte der Implantatoberflächen zur Beschleunigung der Osseointegration sowie unterschiedliche Gestaltungen des Implantatgewindes erprobt. Astra Tech hat hier mit Innovationen wie der ersten mikrorauhen, Fluorid-modifizierten Titan-Oberfläche oder dem Einsatz eines Mikrogewindes am Implantathals, das stimulierende 84

Belastungsimpulse an das angrenzende Knochengewebe optimal abgibt und Belastungsspitzen im Bereich der Kortikalis wirkungsvoll reduziert, Pionierarbeit geleistet. Was aber bedeutet – in Analogie zur Entwicklung von Funktion, Komfort und Sicherheit bei Automobilen – der Begriff „Sicherheit“ für die Zukunft der Implantologie? Da ist zunächst einmal die Definition des „implantologischen Erfolges“. Während Erfolg bis heute oft noch als rein quantitatives Maß im Sinne einer „survival rate“ angegeben wird, muss es in Zukunft eine qualitative Beurteilung, eine „success rate“ geben. Dazu gehört der Erhalt des marginalen Knochenniveaus, ein wichtiger Faktor für die Integrität der gesamten prothetischen Konstruktion, genauso wie neue Standards hinsichtlich des Behandlungserfolges unter funktionellen und ästhetischen Aspekten. Astra Tech hat mit der klinisch-wissenschaftlichen Dokumentation eines Knochenrückgangs von nur 0,3 mm nach fünf Jahren eine Diskussion angestoßen, die in einigen Jahren vielleicht zu noch anspruchsvolleren Erwartungen bei der Frage des Behandlungserfolges führen wird. Sicherheit in der Implantologie wird in Zukunft auch heißen: sichere Implantatversorgung für Patienten, die heute auf Grund eines ungenügenden Knochenangebotes noch nicht mit dieser Art des künstlichen Zahnersatzes versorgt werden können. Viele Entwicklungen, von der Materialund Oberflächenforschung für eine noch schnellere und bessere Osseointegration über neue knöcherne Augmentationstechniken bis hin zu gentechnologischen Methoden des Gewebeersatzes, werden dazu beitragen, dass sich das Indikationsspektrum für den implantatgetragenen Zahnersatz deutlich erweitern wird.


Die Implantologie muss aber, trotz oder gerade wegen der neuen technologischen Möglichkeiten, die grundlegenden biologischen und biomechanischen Gesetzmäßigkeiten in Zukunft noch stärker berücksichtigen. Keine noch so optimale Stimulation des Knochen-Implantat-Kontaktes kann langfristig erfolgreich sein, wenn sie nicht von weiteren wesentlichen Faktoren unterstützt wird. Hier spielen insbesondere die fast symbiotischen Wechselbeziehungen von alveolärem Knochen und perialveolärem Weichgewebe eine wichtige Rolle. Stabilität an der Implantat-Abutment-Verbindung mit Minimierung von Mikrobewegungen und Mikrospalten und eine Konturierung des Abutments, die dem anliegenden Weichgewebe eine in Höhe und Volumen vergrößerte Kontaktzone bietet, sind wichtige Voraussetzungen für die infektionsfreie – und damit sichere – Einheilung des Implantates.

Bild / Astra Tech GmbhH

Die Implantologie muss aber, trotz oder gerade wegen der neuen technologischen Möglichkeiten, die grundlegenden biologischen und biomechanischen Gesetzmäßigkeiten in Zukunft noch stärker berücksichtigen.

Angesichts der stark wachsenden Zahl an jungen Zahnmedizinern, die sich für dieses Teilgebiet interessieren, werden sich die Lehrinhalte auf universitärer Ebene entsprechend anpassen müssen.

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UN-P ∕ 15 - Zukunft

Bild / Astra Tech GmbhH

Die Vielzahl der zu Grunde liegenden biologischen, biomechanischen und biochemischen Prinzipien in der Implantologie setzt ein profundes Wissen voraus, um sichere Diagnosen und Behandlungen zu gewährleisten. Angesichts der stark wachsenden Zahl an jungen Zahnmedizinern, die sich für dieses Teilgebiet interessieren, werden sich die Lehrinhalte auf universitärer Ebene entsprechend anpassen müssen. Auch systematische Fortbildungsprogramme in der Art eines „Fahrplans“, wie von Astra Tech angeboten, werden an Bedeutung gewinnen. Fazit: Die Weiterentwicklung der dentalen Implantologie wird sich, ähnlich der Zukunft des Automobils, nach dem Erreichen eines hohen Levels an Funktion und Komfort in den nächsten zehn Jahren noch intensiver mit dem Thema „Sicherheit“ auseinander setzen. Dies bedeutet 86

neue technologische Lösungen für eine sichere Osseointegration auch bei nicht optimalen Ausgangsbedingungen, die Weiterentwicklung von Materialien und Oberflächen für eine erhöhte Biokompatibilität und Maßnahmen – auch auf Patientenseite – für eine bessere Infektionsprophylaxe. Zukünftige Sicherheit beinhaltet aber auch die fundierte Aus- und Weiterbildung der Zahnärzte, die Weiterentwicklung methodischer Verfahren wie die computergestützte OP-Planung und -Durchführung oder die Individualisierung von Abutments mittels moderner CAD/CAMTechnologien. Und nicht zu vergessen: Neue, anspruchsvollere Standards bei der Definition von implantologischem Erfolg.


Neuauflage! 2008

20.11.

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Curriculum Funktionelle Anatomie für Zahnmediziner Dieses nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft verfasste Lehrbuch vermittelt den Studierenden der Zahnmedizin ein reichhaltiges, den Erfordernissen ihrer Studien- und Approbationsordnung angepasstes anatomisches Grundlagenwissenn. Die Zusammenstellung und Gewichtung der Themen entspricht dem in den meisten deutschen Universitäten angebotenen Lehrstoff. Im Hinblick auf eine europaweite Angleichung des Studiums wurden bei der Gestaltung des Buches außerdem Besonderheiten in anderen europäischen Ländern berücksichtigt.

Der didaktisch hervorragend gegliederte Text wird durch zahlreiche überwiegend farbige Abbildungen illustriert, die das Verständnis der anatomisch-strukturellen Zusammenhänge erleichtern. Farbig unterlegte Textz abschnitte machen die SchwerJetzt Quintessen bH m hend punkte der Anatomie sowie wichtige Verlags-G durchge Fakten und Definitionen leicht erfassfarbig! bar. Funktionelle und praxisrelevante Aspekte des Fachgebietes haben Priorität, vielfältige Bezugnahmen auf klinische Zusammenhänge 2., überarbeitete und erweiterte Auflage wecken das Interesse an der späteren Fachtätig• 642 Seiten • 342 Abbildungen • Softcover keit und machen das Buch auch für den prakti• Format: 16,5 x 24 cm • Best.-Nr.: 14220 zierenden Stomatologen als zeitgemäßes Nach• ISBN: 3-938947-38-1 • € 48,schlagewerk interessant.

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UN-P ∕ 15 - Zukunft

Die organische Innovation der Technik

DER ENTWICKLUNG DER VERSCHIEDENSTEN CAD CAM SYSTEME FÜR DIE ZAHNMEDIZIN GEHÖRT MIT SICHERHEIT ZU DEN ERFOLGSGESCHICHTEN DES LETZTEN JAHRZEHNTS. MITTLERWEILE GIBT ES ZAHLREICHE ANBIETER FÜR DIE VERSCHIEDENSTEN MATERIALEN, SO DASS CAD CAM HERGESTELLTE GERÜSTE UND VERSORGUNGEN HEUTE ZU DEN STANDARDTECHNIKEN IN DER MODERNEN ZAHNMEDIZIN ZÄHLEN. DENNOCH HAT SICH DAS DENTALLABOR RÜBELING & KLAR AUS BERLIN, WELCHES BEREITS DURCH DIE ENTWICKLUNG DER FUNKENEROSIONSTECHNIK (SAE, BREMERHAFEN) AUF SEIN HOHES INNOVATIONSPOTENTIAL AUFMERKSAM MACHTE, EIN EIGENES UND NEUES CAD CAM BASIERTES FRÄSSYSTEM ENTWICKELT. DABEI KOMMEN DIE WICHTIGSTEN NEUERUNGEN DIESES SYSTEMS WENIGER AUS EINER ZAHNMEDIZINISCHEN RICHTUNG, ALS VIELMEHR EINER MASCHINENBAULICHEN BETRACHTUNG DER NOTWENDIGKEITEN FÜR EINE HOCHQUALITATIVE FRÄSTECHNIK. UN-PLAQUED SPRACH MIT HERRN MARUNDE, DER, URSPRÜNGLICH AUS DEM MASCHINENBAU STAMMEND, MASSGEBLICH AN DER ENTWICKLUNG DES NEUEN ORGANICAL FRÄSSYSTEMS (www.cctechnik.com) BETEILIGT GEWESEN IST. 88


Wir wollten mit unserem eigenen System vor allem ein offenes System schaffen, dass so auf dem Markt bisher nicht existiert.

Herr Marunde, warum haben Sie mit Rübeling & Klar ein eigenes Frässystem entwickelt, nachdem es bereits einige Anbieter auf dem Markt gibt? Aus den Erfahrungen unserer ersten Fräsmaschine und den Anforderungen neuer dentaler Technologien heraus haben wir das neue System entwickelt. Wir wollten mit unserem eigenen System vor allem ein offenes System schaffen, dass so auf dem Markt bisher nicht existiert. So schulen wir die Anwender ebenso intensiv wie unsere eigenen Mitarbeiter, verschlüsseln keinerlei Daten und haben keine Barcodes auf unseren Rohlingen. Und, Sie können mit unseren Maschinen grundsätzlich auch andere Materialien fräsen. Diese Freiheit der Materialwahl war ein zentraler Punkt der Neuentwicklung, da wir als großes Labor den verschiedenen Kundenwünschen Berücksichtigung schenken wollen. Dazu muss ich allerdings sagen, dass wir nur Garantien auf die Materialien geben können, die wir auch selbst ausprobieren. Mit einem echten offenen System können Sie beliebige Daten verwenden, also zum Beispiel auch für einen Goldschmied Ringe oder sonstige Sachen fräsen.

Welche technischen Neuerungen haben die in Ihr Frässystem integriert? Ein wichtiger neuer Aspekt der Organical Maschine ist die Steifigkeit des Käfigs. Es sind vor allem physikalische Überlegungen, dass jede auftretende Kraft ein entsprechendes Gegenlager benötigt. Sind diese zu schwach, äußert sich das in unerwünschten Schwingungen, Klappern und damit auch Ungenauigkeiten. Wir haben der Maschine einen stabilen Stahlrahmen gegeben, der maßgeblich das Gewicht ausmacht und von Spezialisten zusammengeschweißt und spannungsarm geglüht wurde. Eine weitere Neuerung in zahnmedizinischen Schleifmaschinen ist die Trockenbearbeitung der teilgesinterten Zirkoniumdioxidblöcke (Zirkon) mit Sperrlufteinrichtungen der Achsen. Durch den Überdruck (Sperrluft) in den Achsen wird verhindert, dass sich der feine Schleifstaub in die Führungen setzt. Diese Maßnahme ist eigentlich nicht neu, denn sie wird in praktisch jeder Maschine für industrielle Grafitbearbeitung eingesetzt und erhöht die Lebensdauer der Maschinen erheblich. Auch auf dem Geschwindigkeitssektor haben wir mit der Organical Maschine neue Maßstäbe gesetzt. Während die meisten Mitbewerber mit Geschwindigkeiten von 6 Metern die Minute arbeiten, fahren wir mit 15 Metern pro Minute. Hohe Geschwindigkeiten funktionieren aber nur im Zusammenhang mit einem ruhigen Lauf, der durch den schweren und besonders stabilen Käfig ermöglicht wird. Wenn man die Hand an das Gehäuse unserer Maschine legt, bewegt es sich nicht mehr als ein arbeitender Fotokopierer. Dadurch wird am Ende die hohe Qualität der gefrästen Produkte und die lange Lebensdauer der Maschine erreicht. Im Gegensatz zu ihren Mitbewerbern verwenden Sie große industrielle Rohlinge 89


UN-P ∕ 15 - Zukunft

PMMA Kunststoffe, ausbrennbare, transparente oder eingefärbte Kunststoffe bis hin zu einem sehr formstabilen und hervorragend zu fräsenden ausbrennbaren Wachs, mit dem praktisch jede Edelmetalllegierung verarbeitet werden kann, können wir so ziemlich jedem Wunsch und Bedarf nachkommen.

Zirkonbeispiele

Octa-C

aus verschiedenen Materialien. Was gab den Ausschlag für dieses Vorgehen und welche Materialen können Sie auf diese Weise verarbeiten? Ich habe die Einspannvorrichtung an die industriellen Blöcke angepasst, weil es ein Fertigprodukt war, das sich über viele Jahre bewährt hat. Vorteile dieses Systems sind die Repositionierbarkeit der Rohlinge auf 2 µm sowie die hohe Spannkraft, die man damit erreichen kann. Hohe Spannkraft bedeutet eine extrem sichere Befestigung ohne Mikrobewegungen, so dass man eben auch mit hohen Geschwindigkeiten fräsen kann. Bezüglich der zu verarbeitenden Materialien können wir eine sehr breite Palette anbieten. Vom bewährtem NEM, Reintitan, TitanNiob, über transluzentes Zirkon, opakes Zirkon, eingefärbte 90

Die gute Ausnutzung der großen Rohlinge ist durch das industrielle Spannsystem bedingt, so dass wir 90 % des Rohlings verfräsen können. Außerdem bietet uns die Software die Möglichkeit, die Arbeiten so auszurichten, dass sie trotz einer bestimmten Einschubrichtung schräg im Rohling angeordnet werden können, um auch große Arbeiten mit z.B. langen Zwischengliedern schleifen zu können. Wo lagen die größten Herausforderungen bei der Neuentwicklung Ihres Frässystems? Im Unterschied zum Maschinenbau sind die dentalen Daten wesentlich komplexer und komplizierter. Während man im Maschinenbau grundsätzlich mit Geraden und Winkeln arbeitet, hat man in der Zahnmedizin vor allem organische Daten, die wesentlich höhere Rechenleistungen erfordern. Zu 90% sind die Daten organischer und nicht technischer Natur, was auch wesentlich höhere Datenmengen zur Folge hat. Der Name „Organical System“ ist in Anlehnung an die organischen Daten entstanden.

Jeder unserer Kunden kann sich entscheiden, wie er strategisch vorgehen will.


Welche zukünftigen Entwicklungen wird man vom Organical System erwarten können? Hier wäre vor allem die Integration einer 5. Achse zu nennen. Diese ist zwar nicht bei allem Arbeiten notwendig, aber vor allem im implantologischen Bereich wird man nicht um die Integration einer 5. Achse herum kommen. Wir haben deswegen bereits die Möglichkeit in der Organical4x Zirkonmaschine integriert, auf ein 5 Achs Simultanfräsen aufzurüsten. Die Steuerung und die Antriebe sind dafür bereits schnell genug. In unserem Fräszentrum können wir derzeit eine fünfachsige Bearbeitung von CrCoMo mit der Organical5x anbieten.

Wie kann die Arbeit mit dem neuen System für die Kunden grundsätzlich ablaufen? Wir haben mehrere Möglichkeiten, wie man als Kunde auf die neue Technik zugreifen kann. Grundsätzlich stellen wir vom Scanner, über die Software bis hin zur Fräsanlage und den Blöcken alles für unsere Kunden zum Kauf bereit. Jeder unserer Kunden kann sich entscheiden, wie er strategisch vorgehen will. Er kann eine Maschine kaufen und selbst fräsen, er kann uns lediglich Daten schicken, die wir für ihn umsetzen und natürlich kann er Modelle schicken, auf deren Basis wir die entsprechende Arbeit anfertigen. Es ist theoretisch alles möglich, vor allem auch die Integration von Daten, die mit anderer Software erstellt wurden.

Außerdem haben wir Ende 2008 die kompakte Fräsmaschine Organical Desktop auf den Markt gebracht, die zwar nicht mit der gleichen Produktivität, dafür aber mit der gewohnten Qualität arbeiten kann. Und das bei wesentlich geringeren Abmessungen als unsere Zirkon-Fräsmaschine Organical4xT. Außerdem sind wir ab sofort in der Lage, auf unserem Scannersystem der Firma 3shape, in Verbindung mit dem AbutmentDesigner, digital modellierte individuelle Abutments von sieben verschiedenen Implantatherstellern anzubieten. Nach Erstellung des individuellen Abutments können Sie sofort die darauf zu fertigende Krone modellieren. Weiterhin sind vollanatomische, verschraubte Brücken und große Stegverbindungen auf Implantaten möglich. Die Verbindung der individuellen Abutments mit den Implantaten wird durch die Verklebung von Titanbasen für die verschiedenen Systeme gewährleistet. Die Implementierung von weiteren Systemen ist geplant.

Vielen Dank für das Interview

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UN-P ∕ 15 - Zukunft

Kreativ in der Forschung oder wie die zahnmedizinische Zukunft seitens der Industrie gestaltet wird Die VOCO GmbH zählt zu den international führenden Herstellern von Dentalmaterialien. „Kreativ in der Forschung“ - dieses Motto versteht das norddeutsche Unternehmen als Unternehmensphilosophie. Das vielseitige Komplettprogramm für nahezu alle zahnmedizinischen Indikationen umfasst rund 160 Qualitätspräparate, die in über 120 Länder exportiert werden. VOCO bietet ein breites Spektrum hochwertiger Produkte für Prophylaxe, Zahnerhaltung und Prothetik an. Für die Entwicklung innovativer Dentalmaterialien stehen die VOCO-Forscher in regem Austausch mit weltweit über 150 Universitäten und Forschungseinrichtungen.

Forschungskooperation in BMBF-Projekten Im Rahmen dieser intensiven Kooperation war VOCO bereits an drei, vom BMBF geförderten Projekten zu dentalspezifischen Themen federführend beteiligt. Projektpartner waren hierbei 92

u.a. das Fraunhofer Institut für Silicatforschung in Würzburg, das Institut für Biomedizinische Technik der Universität Rostock und die Medizinische Hochschule Hannover. Durch diese Zusammenarbeit wurden in verschiedenen Bereichen neue Maßstäbe für die


Entwicklung innovativer Dentalmaterialien gesetzt. Die Forschung auf dem Gebiet der anorganischorganischen Hybridpolymere (ORMOCER®e) für die Anwendung im Dentalbereich war Thema des ersten, von 1996 bis 1999 laufenden BMBFProjekts „Neue biokompatible Dentalwerkstoffe und die Entwicklung geeigneter praxisnaher InVitro-Verfahren zur biologischen Charakterisierung“. Die wissenschaftlichen Ergebnisse wurden von VOCO in die Konzeption des ersten Füllungssystems auf ORMOCER®-Basis, Admira, umgesetzt. Neben einer hervorragenden Biokompatibilität wurden eine sehr geringe Polymerisationsschrumpfung und eine hohe mechanische Resistenz erzielt. Das von 2000 bis 2003 laufende BMBF-Projekt „Bioverträgliche Werkstoffe auf Basis monome-

Die Materie immer im Blick Dr. Reinhard Maletz, Leiter der Abteilung Forschung & Entwicklung bei VOCO.

renfreier Nanokomposite für Zahnfüllungsmaterialien und Prothetik“ hatte zum Ziel, innovative Komposit-Materialien zu entwickeln, die aus monomerenfreien, reaktiven Matrices sowie monodispersen und röntgen-opaken oberflächenfunktionalisierten Nanopartikeln bestehen. Dabei sollte speziell das im Nanometerbereich liegende Design der neu zu entwickelnden Partikel der Schlüssel für ein bislang nicht erreichtes Eigenschaftsprofil sein. Wegweisende Erkenntnisse dieser Kooperation bildeten die Grundlage für das 2003 präsentierte, weltweit erste Nanohybrid-Komposit Grandio, das schnell zu einem der international erfolgreichsten Universal-Füllungsmaterialien avancierte. 93


UN-P ∕ 15 - Zukunft

Modernste Labor- und Produktionsräume auf 22.000 Quadratmeter Fläche. Der Firmensitz der VOCO GmbH in Cuxhaven.

Das von 2005 bis 2008 laufende BMBF-Projekt „Entwicklung neuer Werkstoffe mit optimierter Strukturkompatibilität für den Aufbau endodontisch behandelter Zähne“ verfolgt das Ziel einer neuen praktikablen und zugleich Kosten senkenden Therapiemöglichkeit. Das endodontische Materialkonzept muss nicht nur bioverträglich sein, sondern auch anwendungsgerechte mechanische Funktionen aufweisen und aus kompatiblen Einzelkomponenten bestehen.

Wir befragten diesbezüglich Herrn Dr. Reinhard Maletz, den Leiter der Abteilung Forschung & Entwicklung bei VOCO: UN-P: Welchen Stellenwert hat der Arbeitsbereich Forschung & Entwicklung bei VOCO? RM: Forschung und Entwicklung sind ein zentraler Bestandteil und quasi Keimzelle unserer Aktivitäten. Gemessen an unserer Unterneh94

mensgröße betreiben wir dafür sehr hohe finanzielle und personelle Aufwendungen. Zudem hat die intensive Kooperation mit zahlreichen Universitäten und Forschungseinrichtungen im Inund Ausland bei VOCO Tradition. Diese gibt uns wichtige Impulse für die Grundlagenforschung und die Entwicklung zahnmedizinischer Präparate auf neuestem Stand der Technik. UN-P: Zwei der von VOCO entwickelten Produkte – Admira und Grandio – entstammen intensiver Forschungsarbeit im Rahmen von BMBF-Projekten. Wie bilanzieren Sie diese Projekte mit Blick auf Ihr Unternehmen? RM: Das BMBF fördert damit die Anstrengungen mittelständischer Unternehmen wie VOCO und gibt ihnen die Möglichkeit, auf grundlegende Erkenntnisse renommierter Forschungseinrichtungen wie dem Fraunhofer Institut für Silicatforschung in Würzburg zurückzugreifen. So lassen sich neue Entwicklungen im Bereich der


Zwei erfolgreiche VOCO-Produkte, die aus den BMBF-Projekten hervorgingen: Admira und Grandio.

Werkstofftechnologie vorantreiben, die wiederum in innovative Produkte einfließen. Ohne eine solche Forschungsförderung wäre dies kaum möglich gewesen oder hätte den Entwicklungsprozess zumindest erheblich verzögert.

den Partikeln immer noch die Nano-Technologie das vielversprechendste Segment für umfassende Verbesserungen von Dentalmaterialien darstellt. Schlagwort neben der reduzierten Aushärteschrumpfung ist hier sicherlich die Bioverträglichkeit von Dentalmaterialien.

Wir arbeiten intensiv an neuen Konzepten der Partikel- und Matrixtechnologie

Die hochwertige Versorgung von Kavitäten mit leistungsstarken Kompositen und Adhäsivsystemen ist nach wie vor ein zentrales Thema. Ich sehe zugleich einen deutlichen Trend hin zu autoadhäsiven Werkstoffen, wobei es hier gerade auch darum geht, die teils diametralen Eigenschaften solcher komplexen Systeme miteinander zu vereinbaren. Eine weitere große Herausforderung für die Forschung ist zweifellos der demografische Wandel und die damit einhergehenden steigenden An-

UN-P: Welche Fragen und Probleme stehen im Mittelpunkt der aktuellen zahnmedizinischen Forschung? RM: Wir arbeiten intensiv an neuen Konzepten der Partikel- und Matrixtechnologie, wobei bei

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UN-P ∕ 15 - Zukunft

sprüche an die restaurative Zahnheilkunde und Prophylaxe-Konzepte für jede Altersklasse. UN-P: Wo sehen Sie deutsche DentalUnternehmen und deren Forschungsleistungen im internationalen Vergleich? RM: In der Forschung zu Dentalmaterialien haben Unternehmen aus Deutschland und der Schweiz innerhalb Europas sicherlich die größten Kompetenzen. Darüber hinaus sind es leistungsstarke Mitbewerber aus Japan und den USA, die große Forschungsaufwendungen betreiben. UN-P: Welche Gründe gibt es Ihrer Meinung nach für die starke Position deutscher Dental-Unternehmen? RM: Die führende Position deutscher Unternehmen resultiert nicht zuletzt aus den Stärken der deutschen Hochschul- und Forschungslandschaft. Gerade auf chemisch-technologischem Gebiet sehe ich den Forschungsstandort Deutschland immer noch mit einem leichten Vorsprung vorn. Setzt man diesen konsequent in der industriellen Forschung um, werden auch weiterhin zukunftsweisende Innovationen im Bereich der Materialforschung und Applikationstechnik möglich sein.

Ich rechne mit einem wachsenden Einfluss von Erkenntnissen aus den Bereichen Life Science und Bionik. UN-P: Geben Sie einmal einen Ausblick auf die zahnmedizinische Forschung im Jahre 2020. RM: Ich rechne mit einem wachsenden Einfluss von Erkenntnissen aus den Bereichen Life Science und Bionik. Hierbei denke ich etwa an gezielt bioaktiv modifizierte Werkstoffe, die einen noch größeren Erfolg und Nutzen bei langfri96

3-Punkt-Biegefestigkeitsprüfung eines Dentalmaterials mittels Materialprüfmaschine (Fa. Zwick, Ulm)

stigen zahnmedizinischen Versorgungen ermöglichen. Grundsätzlich ist das Bauprinzip der Natur neben der Anwendung biomimetischer Ansätze auch für uns Dentalforscher ein spannendes Feld.

Kontakt: VOCO GmbH, Postfach 767, 27457 Cuxhaven www.voco.de


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UN-P ∕ 15 - Zukunft UN-P ∕ 14 - Freiheit l Text//Eric EricWeige Weigel Text

IN DIE

Die Zukunft begegnet uns als Faszinosum in der Vergangenheit. Kindheit und Jugend sind gespeist von medialen Zukunftsvisionen, die uns im Kino, in Büchern und Fernsehen begegnen. Ihre schillernden Namen sind Perry

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Rhodan, Spock oder Luke Skywalker. Aufgewachsen in einer Zeit, in der die Instrumente der Zukünftigkeit rasend schnell Wirklichkeit wurden, sind dies die visionären Wegbegleiter zwischen Traum und Realität.


Traum, das ist die Überwindung von Zeit und Raum oder befriedete Staaten zugunsten eines einheitlichen Menschengeschlechts, das sich nun mehr Klingonen, Robotern oder Riesenamöben stellen muss oder die Entdeckung anderer Dimensionen und Paralleluniversen, das Multiversum. Realität, das sind die kleinen Instrumente, die vormals Commander Data sagten, wo er sich befindet oder die sich in den 80ern ankündigenden Visionen des Bildtelefons oder die virtuelle Verfügbarkeit gigantischer Datenmengen.

Wir haben das Bildtelefon, Standpunktortung und die virtuellen Datenmengen

Heute ist die U-Bahn voller Commander, die ihre kleinen Instrumente in eben der Manier benutzen, wie es ein Commander Data täte. Zwar scannen wir die U-Bahn nicht auf Iridium, Silicium oder Phosphor, aber die Telekommunikationstechnologie stellt Funktionen zur Verfügung, die vor 10 oder 20 Jahren noch nebulös in weiter Ferne als belächelte futuristische Fantasie daherkamen. Wir haben das Bildtelefon, Standpunktortung und die virtuellen Datenmengen. Es ist fast so, als ob die Kinder vergangener Generationen, die sich einstmals an diesem zukunftsträchtigen Medien-Mutterkuchen nährten, nunmehr als erwachsene Wissenschaftler, Ingeneure und Techniker die Instrumente eben frei nach diesen

spielerischen, oft grotesk infantilen Zukunftsvorstellung entwerfen. Kindheitsfantasien werden wahr.

Dieses Spiel sichert unsere Anpassungsfähigkeit an eine von Innovationen überschwemmte Zukunft.

Die Bedeutungsunterschiede zwischen dem Orakel von Delphi und dem Terminator werden kulturphilosophisch verschwindend gering. Unser mythologisches Figurenkabinett wurde erweitert durch Marty McFly, Spock, Frankenstein, E.T. oder John Connor. Spielerisch lernten wir den Umgang mit Zukunftsvokabeln wie Flux-Kompensator, Lichtgeschwindigkeit, Warp-Kernbruch oder dem Beamen. Irrelevant, ob diese Begriffe

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UN-P ∕ 15 - Zukunft

tatsächlich unseren Alltag berühren; wir haben dennoch gelernt, mit waghalsigen futuristischen Fantasien zu spielen, Neues und Fremdes schnell anzunehmen, wenn auch nur fiktiv. Aus diesem Spiel heraus erwuchsen Träume, die sich zumindest als Richtung gebend und Identität stiftend erwiesen. Dieses Spiel sichert unsere Anpassungsfähigkeit an eine von Innovationen überschwemmte Zukunft. Sie gewährleistet unseren Fortbestand. Das Spiel bereitet Kinder auf das Leben vor. Das wissenschaftlich-fiktive Spiel mit Futurismus bereitet uns auf eine mögliche Zukunft vor. Das Vorbereitet-Sein verschafft uns nicht nur Sicherheit im Umgang mit der Zukunft, sondern öffnet auch den Kopf für visionäre Ideen. Obsolete Strukturen ad acta legen zugunsten einer freier denkenden, positiven Naivität ist daher auch zunehmend das Credo und Einstellungskriterium derjenigen Firmen, die bemerkt haben, dass Zukunftsvisionen machbar und rentabel sind. Endlich bemerkt man im großen Stil, dass nicht nur Regeltreue und Realismus zu ökonomischen Erfolgen führt, sondern auch Originalität, Frei-

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Visionen statt Reglementierung

heit und sogar Chaos. Betrachtet man die Produkt-Präsentationen von Steve Job, scheint der Habitus dieser kindlichen Verspieltheit immerdar. Jeans statt Anzug. Visionen statt Reglementierung. Vor 100 Jahren wären viele der heute zur Wirklichkeit gewordenen Technologien als Unsinn belächelt worden. Das birgt die Frage, wie wir uns heutigen Zukunftsutopien gegenüber verhalten sollten? Denn wie geht es wohl weiter? Ich wage einige Prophezeiungen.


In naher Zukunft werden Mensch und Technik eine immer enger werdende Verbindung eingehen

In naher Zukunft werden Mensch und Technik eine immer enger werdende Verbindung eingehen. Die Anfänge sind in den medizinischen Bereichen längst gelegt: sei es der Herzschrittmacher, der Bypass, das Hüftgelenk oder das Zahnimplantat. Die Grenzen zwischen einer groben physischen Bedienung und dem elektronischem Instrument werden zunehmend aufgehoben werden. Das heißt, wir werden weder Mäuse, noch Handys in den Händen halten. Es werden Implantate entwickelt werden (und sind bereits entwickelt!), die eine vollkommen veränderte, nicht mehr von Monitoren abhängige Bedienoberfläche per Touchscreen oder Pupillensensorik steuern.

Unsere Körperbewegungen werden in die Virtualität zugunsten der Spielbarkeit übersetzt

Die Grundsteine sind längst gelegt und in den Wohnzimmern als interaktive Com-

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UN-P ∕ 15 - Zukunft

Das heißt: Unsere Körperbewegungen werden in die Virtualität zugunsten der Spielbarkeit übersetzt. Es kündigt sich an, dass der Körper mehr und mehr technologisch nutzbar gemacht wird. Bald schon werden wir die Menüführungen eines Handys direkt vor unserem subjektiven Auge haben und dort auch bedienen. Wir haben nichts mehr in der Hand, sondern wir haben die Menüführung dank zerebralem Implantat direkt und exklusiv auf unserer Netzhaut vor Augen. Austauschbare Massenspeichereinheiten zur Erweiterung des Gedächtnisses sind längst militärisch konzipierte Wirklichkeit. Ganz zu schweigen von den immer noch unüberschaubaren Möglichkeiten der Genetik….

puterspiele angekommen, bei denen man nicht mehr im Sitzen einen virtuellen Tennisspieler mimt, sondern bei denen man selbst Tennis spielt, indem die tatsächlichen Bewegungsabläufe virtuell transskribiert werden.

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Es wird die übergeordnete Frage sein, ob der Mensch in der Lage ist, seine eigenen Wesenseigenschaften mit diesen neu aufkommenden Technologien versöhnlich zu bewahren oder ob wir in eine ganz neue Form des Existierens rutschen, die wir annehmen wollen, vielleicht sogar müssen - der wir aber möglicherweise nicht gewachsen sind.


Über Jahre habt Ihr zusammen das Studium gemeistert, gemeinsam gelernt, gelitten, gefeiert und immer wieder bestanden. Und danach? Aus den Augen, aus dem Sinn? Examen 2006 19 Januar 2006 5.00 Euro

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UN-P ∕ 15 - Auf Reisen Text / Martina Urban, Cora Schmid

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Zahnmedizin in der Mitte vom Nirgendwo oder was man im Norden von Kanada lernen kann

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UN-P ∕ 15 - Auf Reisen

In den Geisteswissenschaften ist der Austausch mit ausländischen Studierenden oder auch ein Studium im Ausland etwas ganz normales. In der Medizin ist das leider nicht der Fall, besonders nicht in der Zahnmedizin. Zum Glück ist das in Dresden anders… 106


dieses jährlichen Programms haben jeweils 8 Studenten die Möglichkeit, jenseits des Lokalkolorits der Heimatuniversität akademische Eindrücke zu sammeln und ohne Semesterverlust einen kleinen Teil des Studiums im Ausland zu absolvieren. Im Gegenzug besuchen seit 2002 acht bis zehn kanadische Studenten die Zahnmedizinische Fakultät in Dresden. Da die zahnmedizinischen Konzepte und sozialen Systeme in Europa und Nordamerika erheblich differieren, können deutsche wie kanadische Studenten Eindrücke gewinnen, die ihre Heimatuniversitäten nicht bieten. Die Dresdener Studenten sind während ihres fünfwöchigen Aufenthalts in Alberta voll in den klinischen Unterricht integriert. Sie behandeln, natürlich unter Aufsicht, in sogenannten Satellite Dental Clinics. Dies sind Außenstellen der Zahnklinik in Edmonton, welche Patienten in den unterversorgten nördlichen Gebieten Kanadas betreuen. Dort haben die Studenten die einmalige Gelegenheit 5 Tage in der Woche „ungefilterte“ Patientenbehandlung durchzuführen und gleichzeitig die zahnmedizinischen Konzepte, aber auch das kulturelle Umfeld, die sozialen Strukturen, Versicherungssysteme und Mentalitäten kennenzulernen.

Seit 2001 findet am Zentrum für Zahn, Mund - und Kieferheilkunde des Universitätsklinikums Dresden unter der Leitung der Abteilung für Prothetik ein Austausch mit der Faculty of Dentistry der University of Alberta in Edmonton statt. Im Rahmen

Als unsere Gruppe, bestehend aus 4 deutschen Zahnmedizinstudenten, im Mai 2008 nach einer 12-stündigen Reise in Edmonton ankam, wurden wir herzlich vom mittlerweile 80jährigen Dr. Woronuk empfangen, der das deutsch-kanadische Austauschprogramm zusammen mit Prof. Walter und Prof. Böning (Prothetik Dresden) ins Leben gerufen hat. Am darauf folgenden Montag startete unsere Orientierungswoche in der Dental School der Uni107


UN-P ∕ 15 - Auf Reisen

versity of Alberta. Schon vor der Abreise hatten wir ein Hygienehandbuch mit entsprechenden Vorschriften erhalten und mussten nach einer klinischen Einweisung eine schriftliche Hygieneprüfung absolvieren. Es schien, als würden die Hygienerichtlinien in Kanada sehr viel strenger umgesetzt werden, als es in Deutschland der Fall ist. Außerdem wurden wir intensiv in den gängigen Röntgenverfahren geschult, da man in den Satellite Clinics alle notwendigen Aufnahmen selbständig durchführen muss.

Auch wenn die Ziele der zahnärztlichen Arbeit überall auf der Welt ähnlich sind, die Methoden sind es nicht.

Die restliche Woche nutzten wir, den kanadischen Studenten während der Patientenbehandlung zu assistieren und uns an den kanadischen Klinikablauf zu gewöhnen. Auch wenn die Ziele der zahnärztlichen Arbeit überall auf der Welt ähnlich sind, die Methoden sind es nicht. Nach dieser Orientierungswoche machten wir uns in Vierergruppen auf den Weg gen

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Norden zu den Satellitenkliniken – nach McLennan und High Level – je 2 deutsche und kanadische Studenten. Das 450 km nordwestlich von Edmonton liegende McLennan sollte mit seinen rund 1000 Einwohnern für die nächsten vier Wochen unsere neue Heimat sein. Wir waren in einem großzügigen Appartement untergebracht, welches nur eine Minute von der Klinik entfernt lag. Unser erster Arbeitstag begann morgens um 8:00 Uhr mit einer

freundlichen Begrüßung durch die 3 Schwestern und einer Einweisung in den klinischen Ablauf. Eine dreiviertel Stunde später warteten die ersten Patienten und unsere spannende Arbeit begann. Von nun an behandelten wir täglich bis zu 5 Patienten. Unsere zahnärztliche Tätigkeit begann um 8:15 Uhr und endete meist gegen 17:00 Uhr, wobei eine einstündige Mittagspause mit gutem Essen in der Klinikcafeteria eingeplant war. Das Behandlungsspektrum umfasste

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UN-P ∕ 15 - Auf Reisen

Neuaufnahmen, professionellen Zahnreinigungen, die Erstellung von Behandlungsplänen, Füllungstherapien – vor allem Amalgam – bis hin zu Extraktionen, prothetischen Fällen sowie Notaufnahmen mit akuten Beschwerden. Insbesondere für die Arbeit mit Kindern haben wir viele wertvolle Tipps mit nach Hause genommen. Eine ganz neue Erfahrung war das selbständige Arbeiten ohne Assistenz, dass wir aus Deutschland nicht gewohnt waren. Außergewöhnlich gut war die Compliance der Patienten im dünn besiedelten Norden. Die Menschen sind froh, wenn sie einen Termin beim Zahnarzt bekommen, auch wenn sie dafür nicht selten einen Anfahrtsweg von mehreren Stunden zurücklegen müssen. Über den kompletten Zeitraum wurden wir abwechselnd von verschiedenen niedergelassenen Zahnärzten betreut, die meistens schon länger die Rotationen von kanadischen und deutschen Studenten in den Satellite Clinics betreuten. Sie standen uns jederzeit gut gelaunt, mit ihrem langjährigen Wissen, Rat und manchmal auch mit Tat zur Seite. Dabei hat uns besonders die Arbeits- und Lebenseinstellung der Kanadier beeindruckt, die sich durch ausgesprochene Fröhlichkeit und Freundlichkeit von der deutschen sehr unterscheidet. So konnten wir nach 5 unvergesslichen Wochen ein Stück der kanadischen Entspanntheit, einen großen Fundus an Eindrücken, Erfahrungen und nicht zuletzt fachlichem Wissen mit zurück nach Deutschland nehmen. Das herzliche Miteinander und die gute Betreuung haben diesen Auslandsaufenthalt zu einem großartigen Erlebnis gemacht!

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UN-P ∕ 15 - Auf Reisen Text / Marcel Zöllner

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Der Mensch ist des Menschen beste Medizin oder die Zukunft der dentalen Entwicklungshilfe

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UN-P ∕ 15 - Auf Reisen

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ÄRZTE OHNE GRENZEN, DAS ROTE KREUZ ODER ÄRZTE FÜR DIE DRITTE WELT SIND MEDIZINISCHE HILFSORGANISATIONEN, DIE FAST JEDEM BUNDESBÜRGER EIN BEGRIFF SEIN DÜRFTEN. DIESE ORGANISATIONEN ENGAGIEREN SICH WELTWEIT AUF ALLEN KONTINENTEN UND LEISTEN ÄRZTLICHE HILFE, WO ES NUR GEHT. DIE TEILNEHMENDEN ÄRZTE TUN DIES FREIWILLIG UND EHRENAMTLICH, OHNE DAFÜR FINANZIELL ENTSCHÄDIGT ZU WERDEN. DIE ANERKENNUNG FÜR DIESE ALTRUISTISCHE ARBEIT IST DIE DANKBARKEIT DER BEVÖLKERUNG UND DAS WISSEN, GEHOLFEN ZU HABEN. Hingegen ist kaum bekannt, dass auch Zahnmediziner im Rahmen der dentalen Entwicklungshilfe tätig sind Hingegen ist kaum bekannt, dass auch Zahnmediziner im Rahmen der dentalen Entwicklungshilfe tätig sind und ebenso unentgeltlich in Entwicklungsländern während ihrer freien Zeit arbeiten. In den Medien wird dieses Bild des Zahnarztes nur selten erwähnt oder dargestellt. Im Folgenden möchte ich Gedanken für eine zukünftige zahnmedizinische Entwicklungsarbeit erläutern, die das Ziel verfolgen, nachhaltige und strukturierte Projekte aufzubauen. Die Vorschläge und Anregungen setzen sowohl im universitären Bereich, auf wirtschaftspolitischer Ebene als auch bei den einzelnen dentalen Entwicklungsprojekten selbst an.

Wie schon erwähnt, ist der deutschen Bevölkerung wenig bekannt, dass auch Zahnmediziner Entwicklungshilfe betreiben, anstatt nur auf dem Golfplatz zu flanieren. Hier sollten Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und die Hilfsorganisationen ein gemeinsames Konzept erarbeiten, wie die geleistete Arbeit ihrer Projekte in der Öffentlichkeit wirksamer dargestellt werden können. Des Weiteren sollte die BZÄK in Zusammenarbeit mit der deutschen Bundesregierung versuchen, die Handlungsspielräume der Hilfsprojekte in den Entwicklungsländern zu verbessern. Die Vermeidung unnötiger Bürokratie, Zollformalien und Arbeitserlaubnisse sind nur einige Stichworte, die verbessert werden könnten. Die BZÄK sollte außerdem die Koordination zwischen den Hilfsprojekten, der Bundesregierung, der Dentalindustrie und den Entwicklungsländern übernehmen. Ein Diskussionsforum oder eine Arbeitsgruppe könnte allen Parteien die Möglichkeit eines regelmäßigen Austauschs geben. Interessant 115


ZIELE UND GEDANKEN ZUR ZUKÜNFTIGEN DENTALEN ENTWICKLUNGSHILFE -----------------------UNIVERSITÄR ----------- Schaffung von Anreizen für studentische Auslandsfamulaturen - Förderung des sozialen Charakters und der humanistischen Weltanschauung der Studenten - Möglichkeit von Doktorarbeiten im Rahmen der Famulatur UNIVERSITÄR POLITISCH / WIRTSCHAFTLICH -------------------------------------- Außendarstellung der dentalen Entwicklungsarbeit - Koordination der Hilfsprojekte durch BZÄK - Vereinfachung der Entwicklungshilfe durch Koordination mit den Entwicklungsländern - Gespräche mit der Dentalindustrie - Einrichtung eines Dentalen Entwicklungsfonds - Entlastung engagierter Zahnärzte - Einrichtung eines Diskussionsforum der Hilfsprojekte REGIONAL / LOKAL ---------------- Einrichtung von systematischen Strukturen und Konzepten - Aufbau von Prophylaxe – und Fluoridierungsprogrammen - Ausbildung von einheimischen Assistenzen - Integration auch von DH’s und Zahntechnikern in die Projekte - Nachhaltige Entwicklungsarbeit - Betreute Famulatur für deutsche Studenten 116


ist der Gedanke, einen zahnmedizinischen Entwicklungsfond durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und die deutsche Dentalindustrie einzurichten, der den Hilfsprojekten zur Verfügung stünde.

Der Appell muss von der Zahnärzteschaft ausgehen

Der Appell muss von der Zahnärzteschaft ausgehen. Die Dentalindustrie muss stärker bereit sein, Entwicklungsprojekte mit Materialien und Instrumenten zu unterstützen. Der positive Effekt für das soziale Image der Firmen wiegt die Kosten der Spenden deutlich auf. Das soziale Engagement der Zahnärzte sollte durch Vergünstigungen und Entlastungen unterstützt werden. Die BZÄK könnte hier zusammen mit den Landeszahnärztekammern Ideen ausarbeiten, das freiwillige Engagement der Zahnärzte zu fördern. Dentale Entwicklungshilfe ist nicht nur arbeitsaufwendig, sie ist letztendlich von der sozial-humanen Charaktereinstellung eines jeden Zahnmediziners abhängig. Diese gedankliche Einstellung und humanitäre Sichtweise sollte schon in der universitären Ausbildung gelehrt und auch gefördert werden. Die Hochschule muss Möglichkeiten schaffen, mehr Studenten für einen Famulatureinsatz im Ausland zu begeistern. Eine Famulatur schult den sozialen Charakter der jungen Zahnmediziner und ermöglicht ihnen zudem die fachliche Weiterbildung unter fremden Bedingungen.

Eine Kooperation von Universitäten und Hilfsprojekten könnte durch Doktorarbeiten für Famulanten realisiert werden. Eine Kooperation von Universitäten und Hilfsprojekten könnte durch Doktorarbeiten für Famulanten realisiert werden. Die famulierenden Studenten hätten dann die Möglichkeit, während ihres Auslandseinsatz Daten zu erheben, die sie für ihre Doktorarbeit verwenden können. Die Hochschulen erhielten 117


UN-P ∕ 15 - Auf Reisen

Die Hilfsprojekte sollten Strukturen für die Studenten schaffen, bei denen die jungen Zahnmediziner unter Anleitung behandeln können. wertvolle epidemiologische Daten und die Hilfsprojekte könnten mit Hilfe der Informationen wichtige Hinweise für ihr Therapiekonzept gewinnen. Schaut man sich die dentalen Entwicklungsprojekte genauer an, so erkennt man auch hier deutlich voneinander abweichende Herangehensweisen, Philosophien und Therapiekonzepte. In der Mehrheit der Projekte beschränkt man sich aber auf rein chirurgische Maßnahmen (Extraktionen, Osteotomien). Entscheidend ist es allerdings, ein systematisches Prophylaxeprogramm zu installieren, welches den Kreislauf der Zahnzerstörung unterbre118

chen kann. Hierfür könnten zum Beispiel einheimische Frauen zu Prophylaxeassistentinnen ausgebildet werden. Die Hilfsprojekte sollten Strukturen für die Studenten schaffen, bei denen die jungen Zahnmediziner unter Anleitung behandeln können. Zu oft werden Famulanten alleine und ohne Betreuung auf die Patienten losgelassen, wodurch Probleme vorherbestimmt sind. Die Dentale Entwicklungshilfe in Deutschland sollte sich das Ziel setzen, eine professionelle Basis zu schaffen, die eine nachhaltige Arbeit in den Entwicklungsländern ermöglicht.


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UN-P ∕ 15 - Auf Reisen Text / Lena Baensch, Freiburg, 9. Semester Anne Biedermann, Rostock, 9.Semester Julia Gurle, Berlin, 10. Semester Jana Oesterle, Freiburg, Abiturientin bzw. beste Assistenz Perus

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Zahnmedizin mit Improvisationstalent Famulatur Peru Sommer 2008

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UN-P ∕ 15 - Auf Reisen

Am darauf folgenden Abend ging es mit dem Nachtbus weiter nach Huaraz, acht Stunden nördlich von Lima. Wir wurden von dem Zahnarzt Dr. Cesar Vivar empfangen, der die nächsten Wochen für uns zuständig sein sollte. Durch ihn lernten wir alle typischen peruanischen Charakterzüge kennen: die Unpünktlichkeit, das chaotische Organisationstalent, aber auch den Charme und die Liebenswürdigkeit der Menschen. Cesar führte uns in die Arbeit im Centro Médico ein und stand uns mit Rat und Tat zur Seite. Bei Pisco Sour und Ceviche (roher Fisch) lernten wir ihn und seine Familie besser kennen.

„Endlich – wir sitzen im Flieger!“ Nach etlichen Mails mit Bitten um Spendenmaterialien an Dentalfirmen, Impfungen gegen Tropen- und sonstige Krankheiten, sowie nicht enden wollenden Vorbereitungen konnte es losgehen. Auf dem langen Flug wurden noch die letzten essentiellen Spanischvokabeln – wie `sacar muelas` (Zähne ziehen) - in den Kopf gehämmert. Die erste Hürde stellte die „spezielle“ amerikanische Einwanderungspolitik dar, die uns fast den Anschlussflug kostete. Das nächste Mal trat uns der Angstschweiß in Lima an der Zollampel auf die Stirn – aber grün, grün, grün - wir waren durch. Norbert Haase vom Deutschen Roten Kreuz wartete bereits auf uns und überließ uns netterweise ein Zimmer als Übernachtungsmöglichkeit. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank! 122

Untergebracht waren wir bei Elisa, praktisch unserer Pflegemama, die sich stets liebevoll und besorgt um uns kümmerte und für jedes noch so kleine Wehwehchen ein Heilmittel kannte. Sie sorgte reichlich für unser leibliches Wohl und verschaffte uns einen ersten Einblick in die peruanische Küche: Pachamanca (Erdtopf), Cuy (Meerschweinchen), Arroz con Pollo (Reis mit Huhn), Ceviche, Chicharron de Chancho (geröstetes Schweinefleisch mit Schwarte) und vieles mehr. Qué rico!

Unser Arbeitsalltag begann meist mit einer abenteuerlichen Jeepfahrt auf holprigen Wegen Unser Arbeitsalltag begann meist mit einer abenteuerlichen Jeepfahrt auf holprigen Wegen zu den umliegenden Dörfern – die klappernde mobile Einheit stets mit im Gepäck. Bei unserer Ankunft wurde die Wiese vor dem Centro de la Salúd kurzerhand zum Wartezimmer umfunktioniert und war stets überfüllt. Die zum Teil drei bis vier Stunden Wartezeit wurden von den Patienten, vor allem


Frauen und Kinder, mit Stricken, Stillen und Essen überbrückt. Für uns standen Wurzelreste, Fistelgänge, Abszesse und schwarze Ruinen im Milchgebiss an der Tagesordnung. Die Zusammensetzung der letzten Mahlzeit ließ sich nicht selten aus den Essensresten in und zwischen den Zähnen herleiten. Ganze Cocablätter haben wir aus dem Sulkus gezogen und Monoblock Zahnstein und Foetor ex ore machten uns das Arbeiten nicht immer leicht. Die fehlende Bildung und Aufklärung der Landbevölkerung verhindert eine Verbesserung dieser Zustände. Bestes Beispiel hierfür war eine achtköpfige Familie mit einer Gemeinschaftszahnbürste. Die Aufklärungsarbeit wurde auch uns durch Sprachbarrieren erschwert: das Quechua der Campesinos auf der einen Seite und unseren begrenzten Spanischkenntnissen auf der anderen.

Trotz Überstunden konnten wir den Ansturm der Campesinos leider nicht immer bewältigen, so dass wir sie oft auf spätere Famulanten vertrösten mussten. Mit der mobilen Einheit und Jana als Assistenz (Danke Jana!) haben wir auch Füllungen gelegt, allerdings ohne Absaugung, Speibecken und Licht. Während jede Behandlung so zu einer ganz eigenen Herausforderung wurde, schwitzten die anderen beiden parallel dazu beim Zähneziehen. Wenn gelegentlich Strom und Wasserkühlung 123


UN-P ∕ 15 - Auf Reisen

ausfielen, war unser Improvisationstalent gefragt. Unter Anleitung von Dr. Cesar lernten wir, Wurzelreste auch ohne chirurgischen Eingriff zu entfernen. Die Schmerzschwelle der Patienten war erstaunlich hoch, was uns die Arbeit oftmals erleichterte – ein Traum für jeden Zahnarzt! Obwohl es immer kitschig klingt, war die größte Belohnung für unsere Bemühungen die Dankbarkeit der Patienten. Trotz Überstunden konnten wir den Ansturm der Campesinos leider nicht immer bewältigen, so dass wir sie oft auf spätere Famulanten vertrösten mussten. Gegen Mittag haben wir Einheit und Materialien wieder in dem Jeep verstaut und sind zurück ins Centro Médico nach Huaraz gefahren. Im Gegensatz zu den Dörfern warteten hier andere Aufgaben auf uns: die Schwerpunkte lagen bei Füllungen und Prophylaxe. Die Erwartungen der Patienten waren mit Wünschen nach Bleaching, professioneller Zahnreinigung und kieferorthopädischer Behandlung wesentlich höher als auf dem Land. So kam folgende Situation häufig vor: Patient: „Geht´s nicht noch etwas heller?“ Behandler: „Nein, Bleaching gibt’s nicht, aber wir entfernen Ihnen gerne die profunde Karies am Nachbarzahn!“ Mangels Materialien und fehlendem Röntgengerät war es nicht möglich Wurzelkanalbehandlungen durchzuführen, so dass wir diese Patienten an andere Zahnärzte in der Stadt verwiesen. Da sich jedoch die meisten eine solche Behandlung finanziell nicht leisten konnten, baten sie uns oft, die entsprechenden Zähne zu extrahieren. Die Behandlung im Centro Médico kostet die Patienten lediglich einen geringen Beitrag für Strom und Wasser. Zur Abwechslung unseres Arbeitsalltags besuchten wir einen Comedor - eine Art Armenkü124 92

che für Kinder. Wir verteilten die mitgebrachten Zahnbürsten und –pasten, führten Mundhygieneinstruktionen durch und befundeten anschließend alle Kinder. Während der darauf folgenden Tage wurden die Kinder dann von uns behandelt. Nach Arbeitsende, Sterilisation der Instrumente und Reinigung des Behandlungszimmers ließen wir den Abend bei einem Pisco Sour in unserer Lieblingskneipe „Macondos“ ausklingen – stets in Begleitung von Rückenschmerzen und Muskelkater im Arm. An den Wochenenden wanderten wir in der atemberaubenden Natur der Anden, besichtigten Inkaruinen oder stöberten auf den Märkten. Nach unserem Aufenthalt in Huaraz war Cajamarca, eine schöne Kolonialstadt im Norden Perus, das nächste Ziel unserer Reise. Christa Stark, die Leiterin verschiedener Behindertenprojekte und verantwortlich für die Koordination aller Freiwilligen, stellte uns zwei sehr schöne Zimmer in einem Hostel zur Verfügung. Leider hatte sie aufgrund der vielen Verpflichtungen nur wenig Zeit für uns und überließ Sylvia, einer Lehrerin für Gehörlose, die Organisation unserer Arbeit vor Ort.

Drei Tage verbrachten wir hinter Gittern Sie ermöglichte uns unter anderem die Behandlung von Gefängnisinsassen im „INPE“ (Institutio Nacional Penitenciario). Drei Tage verbrachten wir hinter Gittern – eine der spannendsten und eindruckvollsten Erfahrungen unseres Aufenthaltes. Behandelt wurden alle Insassen – Gewalt- und Sexualverbrecher, politische Gefangene etc. – bei denen Infektionskrankheiten auszuschließen waren.


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UN-P ∕ 15 - Auf Reisen

Allein die tägliche Prozedur ins Gefängnis zu gelangen, mit Abgabe von Pass, Schlüssel und anderen persönlichen Gegenständen sowie Taschenkontrolle und Zugangsstempeln, war neu und sehr aufwendig. Das anfängliche Unbehagen aufgrund der Arbeit mit Straftätern hat sich bei uns schnell gelegt und Routine stellte sich ein. Zu unserem Erstaunen hatten die meisten Patienten ein gepflegtes Äußeres und verhältnismäßig gute orale Zustände. Bei einem Rundgang bekamen wir Einblick in das Leben im Gefängnis: kleine, recht wohnliche Zimmer mit jeweils vier Insassen, täglicher Arbeit in der Bäckerei, Wäscherei, Küche und Werkstatt, sowie Freizeitaktivitäten auf dem Sportplatz. Die Stimmung untereinander und das Verhältnis zwischen Wächtern und Insassen waren überraschend friedlich, ja sogar freundschaftlich. Die restliche Zeit in Cajamarca behandelten wir mit der mobilen Einheit in dem Haus eines Bekannten von 126

Sylvia, der uns ein Zimmer zur Verfügung stellte. Hier kamen größtenteils Bedürftige aus der Umgebung zu uns. Zum Abschluss unseres Aufenthaltes bereisten wir das Land und lernten die kulturellen Highlights Perus näher kennen. Außerdem wollten wir vor Semesterbeginn noch etwas relaxen. Allen Perubesuchern sei deswegen empfohlen: die Selva, die Sanddünen bei Ica, Santa Cruz Trek in der Cordillera Blanca, Arequipa und nicht zu vergessen Macchu Pichu. Die Bilanz unserer Arbeit in Peru waren 160 Extraktionen, 240 Füllungen, viele dankbare Gesichter, 20 Moskitostiche/ Bein, 10 Flohbisse/Arm, 1 Felsaufprall, 1 gestohlener Geldbeutel mitsamt Handy, 6 Nachtbusfahrten, 25 Tage ohne warme Dusche und unzählige unvergessliche Erlebnisse...


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UN-P ∕ 15 - Zukunft Text / Anna Grodecki

Der neue Zahn ist da!

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Fortschritt durch Stammzellenforschung. Guten Tag, Sie sind in der Zukunft angekommen. Die Visionen von Cyborgs, Mutanten und Klonen werden Wirklichkeit. Aber nicht so monströs, wie Sie vielleicht denken: der Weg, der zukünftig eingeschlagen wird ist sanft, unprätentiös, und beginnt in einer Petrischale. Die Medizin wagt einen großen Schritt voraus: Fortschritt durch Stammzellenforschung. Wissenschaften wie der Biogenetik und der molekularen Biomedizin ist der Durchbruch gelungen, der uns heute bereits zukunftsweisende Ergebnisse und Erfolge bietet. Bald gibt es neue Zellen für Jedermann und Jederfrau. Stammzellen, die man früher nur mühsam aus Embryonen gewinnen konnte, tragen eine enorme Potenz in sich – nämlich die Möglichkeit, sich zu jeder benötigten Zelle des menschlichen Körpers zu entwickeln. Heute sind sie rund um die Welt in Laboratorien herstellbar. Die Forscher sind optimistisch, dass in der Zukunft Kosten und Dauer der Stammzellproduktion optimiert werden können. Gegenwärtig sind sowohl Aufwand als auch Kosten unverhältnismäßig hoch, um Stammzellen für eine breite Verwendung nutzen zu können. Aus alt wird neu: Die neue Methode benötigt nur eine eigene Zelle, die dank der Genetik in ihren ursprünglichen Status einer Stammzelle „umprogrammiert“ wird. Dazu werden vier genetische Erbfaktoren einer Zelle, die normalerweise inaktiv sind, aktiviert; die Zellen spulen ihr Entwicklungsprogramm rückwärts bis zum Embryonalzustand und werden zu pluripotenten Stammzellen. Aus diesen Zellen lassen sich alle Gewebetypen erschaffen, die im menschlichen Körper vorkommen, je nach Ursprungszelle. Es können Nerven, Organe und Knochen „dupliziert“ werden.

Wenn man krank ist und ein neues Organ benötigt, züchtet man die fehlenden Zellen einfach nach. Geht was kaputt, lassen wir es nachwachsen. Es entsteht eigenes richtiges Gewebe, welches ohne Abstoßungsgefahr transplantiert werden kann. Die neue Zelltherapie könnte den Alterungsprozess verlangsamen und bei Diabetes, Multipler Sklerose, Parkinson, und Zahnersatz helfen. Die Wissenschaft hat grundsätzliche Neuentdeckungen gemacht, seitdem mit Dolly und verschiedenen anderen geklonten Tieren die ersten Schritte in Richtung genetischer Manipulation komplexer Lebewesen gemacht wurden. Mittlerweile forschen weltweit einige Teams an genetisch veränderten Kühen, die menschliche Antikörper produzieren, welche für Medikamente genutzt werden. Oder an Schweinen, denen spezielle Oberflächenproteine fehlen, damit ihre Organe, die den menschlichen so ähnlich sind, keine Abstoßungsreaktionen nach Transplantation hervorrufen. Auch die Zahnmedizin hat sich schon der Stammzellenforschung gewidmet. Ein Projekt von Prof. Paul Sharpe beschäftigt sich mit der Idee, mit Hilfe von Milchzähnen Stammzellen zu erzeugen, um daraus neue Zähne zu züchten. Laut Prof. Sharpes Aussage (www.Telegraph.co.uk, 27.10.2007) wird man innerhalb der nächsten paar Jahre erfolgreich Zähne aus eigenen Stammzellen in Labor züchten können, die den Patienten problemlos eingepflanzt werden könnten. Liegt die Zukunft der Zahnmedizin eher in den Händen der Molekularbiologen und weniger in der Prophylaxe? Die Forscher sind sichtlich erleichtert nun mit ethisch unbedenklichem Material arbeiten zu können und werten die neuen Erfolge umso positiver. Doch darf man deshalb die moralischen Debatten vergessen, die den 129


UN-P ∕ 15 - Zukunft

Moderne Forschung als Dienstleistung? Embryonenschutzgesetzen vorher gingen? Brauchen wir nun neue Gesetze, die den verantwortungsvollen Umgang mit Stammzellen gewährleisten? Können wir die Kenntnisse um Krankheit und Gesundheit ad acta legen, weil heruntergewirtschaftete Organe und ungezügelter Lebenswandel jederzeit repariert werden können? Moderne Forschung als Dienstleistung? Es könnte die Zukunft sein. Stammzellen sind die noch unterschätzte Wunderwaffe gegen alle denkbaren Krankheiten, die dank Zelltherapie geheilt werden können. In Zukunft könnten medizinischen Eingriffe durch Zelltransplantationen abgelöst werden. Vielleicht wird man sogar komplette Strukturen wie Gliedmaßen aus eigenen Zellen herstellen können um sie anschließend mit Hilfe der Mikrochirurgie wieder an den Körper zu nähen. Näheren Einblick gewährt das „International Stem Cell Forum“ in Form seiner „future hopes“: „Stammzellen bieten die Möglichkeit, eine erneuerbare Quelle von ErsatzZellen und Gewebe zu sein. Diese könnten 130

zur Behandlung von Erkrankungen wie der Parkinson- und Alzheimer-Krankheit zum Einsatz kommen, sowie bei Rückenmarksverletzungen, Schlaganfall, Verbrennungen, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Arthritis, Rheuma und bei Seh- und Hörverlust. Da Stammzellen genetisch identisch mit dem Patienten sind, ist das Risiko der Ablehnung erheblich reduziert, welches sonst ein häufiges Problem in der Transplantation ist. Stammzellen bieten die Möglichkeit einer Zelltherapie, die erfolgreich sein kann, da im Prinzip eine große Anzahl von spezialisierten Zellen erzeugt werden können. Um aber dieses Ziel erreichen zu können, müssen die Wissenschaftler zunächst voll und ganz verstehen, wie sie die Zellen kontrollieren können, und wie die Differenzierung von Stammzellen und ihrer Spezifizierung vor sich geht.“ „Stammzellen könnten auch auf anderen Gebieten helfen, beispielsweise der anormalen Zellteilung, die als Ursache von Krebs und Geburtsfehler gesehen wird. Jedoch ist es ein weiter Weg, die grundlegenden Eigenschaften von Stammzellen zu erkennen und dann gewissenhaft mit ihnen zu arbeiten.“ (http://www.stemcellforum.org/about_stem_ cell_research/the_science_of_stem_cells.cfm) Was in der Realität bereits möglich ist, zeigen


Was sind Stammzellen?

Im Gegensatz zu den meisten Zellen im Körper, die besondere Aufgaben und Funktionen erfüllen, sind die Stammzellen multifunktional. Sie sorgen dafür, dass die verbrauchten oder kranken Zellen repariert werden oder dass die benötigten Zellen sich teilen und vermehren. Das sind die so genannten adulten Stammzellen. Sie sind jedoch beschränkt in ihrer Funktionsweise, und können quasi nur den spezialisierten Zellen helfen oder werden zu kurzlebigen Ersatzzellen. Bei der Gewinnung von adulten Stammzellen gibt es kein Risiko der Abstoßung oder ethische Bedenken. Ihren Einsatz findet man z. B. in der Knochenmarktransplantation, wo sie die Aufgabe haben gesunde Blutstammzellen im kranken Körper zu produzieren. Embryonale Stammzellen dagegen sind pluripotent. Sie sind noch auf keinen Zelltyp beschränkt und deshalb umso wertvoller für die Entwicklung neuer Zelltherapien. Doch sie können nur einem Embryo entnommen werden, der sich in einer bestimmten Phase befindet: die befruchtete Eizelle, die aus acht Stammzellen besteht, organisiert sich zu einem Zellhaufen mit einer provisorischen Hülle. Entnimmt man nun eine Stammzelle, sterben die restlichen Zellen ab. Der moralische Einwand dieser Handhabung ist in dem deutschen Embryonenschutzgesetz bestimmt und verbietet die Herstellung embryonaler Zellen für Forschungszwecke. Die dritte Methode, um an Stammzellen zu kommen scheint nun überflüssig geworden zu sein. Jahrelange Arbeit und Hoffnung der Wissenschaftler war das Klonen der Zellen. Die Ei- oder Samenzelle des Menschen wurde entkernt und durch den Zellkern einer anderen Körperzelle, z. B. einer Stammzelle, ersetzt. Dank der neuen, oben erwähnten Rückentwicklung der normalen Zellen in ihre ursprüngliche Form einer Stammzelle, wird das Klonen bald schon passé sein.

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UN-P ∕ 15 - Zukunft

Oder wir werden eben zu bereits angesprochenen Cyborgs, die mit der fortschreitenden Technisierung Implantate und Geräte in sich tragen. Schon heute werden Prothesen mit neuronalen Funktionen, Titangelenke, modernste Herzschrittmacher und Zahnimplantate als normale medizinische Therapien verwendet. Da ist das Handy-, PCoder Mausimplantat nicht allzu weit entfernt. Der Boom der Schönheitsoperationen und Silikonersatzteile zeigt zumindest die Bedürfnisse und Bereitschaft der Menschen, sich derartigen Veränderungen zu unterziehen. die Experimente mit Kühen und Schweinen. Dass hier bereits ganz stark manipulativ in die DNA eingegriffen wird, lässt einige ganz andere Zukunftsperspektiven erscheinen. Wird es in Zukunft möglich sein, das ungeborene Kind von potentiellen genetischen Schwächen zu befreien? Der Film Gattaca beschreibt diese Vision bereits recht realistisch und vorstellbar.

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Wie viel am Ende von den "natürlichen" Lebensprozessen übrig bleibt, wird die Bereitschaft der Menschen zur Natürlichkeit entscheiden. Denn was würde sonst aus unseren kleinen und großen Fehlern? - Es lebe der Zufall! -


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UN-P ∕ 15 - Die Farben der Zähne Text / Juliane Gnoth, Ingmar Dobberstein Fotos / Melissa Hostetler

Die Farben der Zähne oder das große Spektrum der Farbbestimmung Während wir im ersten Teil dieses Beitrages vor allem auf die grundsätzlichen Aspekte, häufigen Fehlerquellen und theoretischen Grundlagen der richtigen Zahnfarbbestimmung eingegangen sind, soll es in diesem Beitrag um die fortgeschrittene Farbmessung, die mögliche Herangehensweisen als auch die Kommunikation zwischen Zahnarzt und Labor gehen. Ausführlich haben wir auf die Schwierigkeiten der manuellen Farbwahl hingewiesen und Relevanzen zur Standardisierung genannt. 134


Wie kann man die Zahnfarbbestimmung nun verbessern und mehr Sicherheit darin erlangen? Um die Objektivität zu erhöhen, sollten gewisse Standards eingehalten werden in Bezug auf künstliche und natürliche Lichtquellen, Umgebungsfarben und das verwendete System. Dadurch wird die Reproduzierbarkeit sowie die Effizienz der Arbeitsabläufe erhöht und dem Patienten mehr Sicherheit vermittelt. Zu bedenken gilt, dass das menschliche Auge seine höchste Farbwahlleistung bei 2000 Lux entfaltet, dass heißt zu starker Sonnenschein ist genauso kontraproduktiv wie Gewitterwolken. Ist das Umgebungslicht beispielsweise geringer, kann es zu Rotverschiebungen kommen. Bei übermäßiger Belichtung, werden die Sehzellen überreizt. Diese, die Reproduzierbarkeit und Objektivität stark beeinflussenden Umweltfaktoren bedürfen oft nur einer grundsätzlichen Analyse in der Praxis und können dann dauerhaft zu besseren Ergebnissen führen.

Doch selbst wenn man diese Systeme gut beherrscht, bleiben individuelle Unsicherheitsfaktoren, wie die oralen Lichtverhältnisse und subjektive Farbwahrnehmung übrig.

Will man ästhetisch anspruchsvolle Arbeiten liefern, bietet es sich an, die Gedanken zur Zahnfarbbestimmung frühzeitig in die Planung einzubeziehen.

tig in die Planung einzubeziehen. So gehört neben der richtigen Grundfarbbestimmung immer auch die visuelle Effektanalyse des natürlichen Restzahnbestands dazu. Vor Arbeitsbeginn ist es immer relevant zu überlegen, für welche Art von Arbeit die Farbauswahl stattfindet. Wenn man beispielsweise eine Teilprothese anfertigen lassen möchte und im Labor Prothesenzähne nach den Vita- Classical- Farben oder anderen Farbskalen benutzt werden, sollte auch in der Praxis die entsprechende Farbskala verwendet werden. Umgedreht sollte mit dem Labor besprochen werden, welche Keramikmassen für Kronen und Brückenarbeiten verwendet werden, da man mit dem 3D Master System wesentlich akkurater und im kompletten Farbspektrum arbeiten kann. Doch selbst wenn man diese Systeme gut beherrscht, bleiben individuelle Unsicherheitsfaktoren, wie die oralen Lichtverhältnisse und subjektive Farbwahrnehmung übrig.

Die erfolgreiche Zahnfarbbestimmung ist nicht nur eine der täglichen Herausforderungen in der Zahnarztpraxis, sondern trotz ihrer hohen Bedeutung für die Patientenzufriedenheit ein vielmals unterschätzter Arbeitsschritt. Will man ästhetisch anspruchsvolle Arbeiten liefern, bietet es sich an, die Gedanken zur Zahnfarbbestimmung frühzei-

Mit ein wenig praktischer Erfahrung wird jedem bewusst sein, wie die Farbbestimmung im Idealfall, aber auch im ungünstigen Fall in der Zahnarztpraxis ablaufen kann. Dabei kann nur selten von Objektivität und erst recht nicht von Reproduzierbarkeit die Rede sein. Persönliche Vorlieben der Mitarbeiter und die Diskussion mit dem Patienten geben meist den Rest, die Farb135


UN-P ∕ 15 - Die Farben der Zähne

bestimmung wirklich „individuell“ zu gestalten. Zur Überprüfung und insbesondere zum trainieren der Farbbestimmung für das ganze Team steht das Computerprogramm ToothguideTrainer zur Verfügung, welches von Prof. Dr. Jakstat (Leipzig) entwickelt wurde und an vielen Universitäten bereits zur Standardausbildung in der Vorklinikstudenten gehört. Denn, was vielleicht nicht jeder weiß: es ist möglich das Farbwahlvermögen zu trainieren.

TTB Mark II: Aufbau der Toothguide Training Box zur Übung an keramischen Beispielzähnen

In schwierigen Fällen werden die Patienten ohnehin selbst im Labor vorstellig, um dem Techniker eine Vorstellung der anzufertigenden Arbeit zu vermitteln. Auch wenn dieser Ablauf grundsätzlich erfolgreich ist, fordert sie nicht selten viel Kommunikation und Zeit. Gleichzeitig ist dieses Vorgehen ein Zeichen dafür, welche Schwierigkeiten mit der Farbkommunikation zwischen Praxis und Labor einhergehen. Bei beiden wird die erfolgreiche Farbbestimmung trotz visueller Effektanalyse und liebevoller Detailarbeit scheitern, wenn die Grundfarbe des Zahnes nicht richtig erkannt wurde. Aus diesen Gründen arbeitet die Industrie seit Jahren an einer fortschreitenden Objektivierung und Automatisierung der Zahnfarbbestimmung, die in der Vergangenheit unter anderem verschiedene elektronische Farbmessgeräte hervorbrachte. Ein weiterer Meilenstein auf diesem Weg ist die Einführung der zweiten Generation des Easyshade Farbmessgerätes der Firma VITA, welches wir als Beispiel für die digitale Farbmessung heranziehen möchten. 136

Kurzinterview mit Prof. Dr. Jakstat, Entwickler des ToothguideTrainers der Universität zu Leipzig

Welchen Stellenwert hat das Erlernen der Farbwahl in der Zahnmedizin? Die Wahl der passenden Zahnfarbe ist eine der Fertigkeiten, die jeder Zahnmediziner haben muss. Auch eine funktionell erstklassige Arbeit wird vom Patienten nicht als solche bewertet, wenn die Zahnfarbe als falsch empfunden wird. Die Zahnfarbe ist funktionell nicht wichtig, sie kann auch nicht zu einer apikalen Ostitis führen. Aber wenn Sie überlegen, was den Laien an einem Besuch beim Zahnarzt besonders interessiert, dann steigt ihre Wichtigkeit: Unser Patient interessiert sich häufig nur dafür: Ging es schnell, hat es weh getan und sieht es hinterher „toll“ aus? In welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt werden die Studenten geschult? Hier in Leipzig wird die Wahl der Zahnfarbe in drei aufeinanderfolgenden Übungen bereits in der vorklinischen Ausbildung gelehrt. In der klinischen Ausbildung muss ja bereits diese Aufgabe am Patienten gelöst werden.


Wir haben hier in Leipzig eine Folge von Hilfsmitteln entwickelt, die aufeinander aufbauen: 1. den Toothguide Trainer, ein Computertrainingsprogramm, das etwa 1,5 Stunden erfordert, 2. die Toothguide Training Box bei der unter realistischen Bedingungen mit keramischen Zahnmustern geübt wird, sowie 3. die Toothguide Check Box, bei der je zwei Studierende im Team versuchen, vor vermessene Zahnmuster, die direkt vor der Zahnreihe eines Partners platziert werden, richtig zu bestimmen.

Die teilweise hohen Anschaffungskosten digitaler Messgeräte stehen großen Vorteilen gegenüber, wie der Objektivierbarkeit und Reproduzierbarkeit der vorgenommenen Farbbestimmungen, aber auch der deutlichen Zeitersparnis. Nicht zu letzt verbessert es durch seine Standardisierung die Farbkommunikation und Qualitätskontrolle zwischen Praxis, Labor und dem Patienten, was sich am Ende in der Zufriedenheit aller Beteiligten zeigen wird. Zwar können digitale Geräte weder die visuelle Effektanalyse noch das Auge an sich ersetzen, gewährleisten jedoch die genaue Bestimmung der Grundfarbe eines Zahnes.

Kann jeder die Farbwahl erlernen und wie groß sind die Unterschiede zwischen den Studenten? Grundsätzlich kann jeder diese Fähigkeit trainieren. Es ist wie mit dem Klavierspielen. Im Durchschnitt werden die Studierenden um etwa 30 % sicherer in der Zahnfarbbestimmung. Wie bei der Musik gibt es auch „Virtuosen“, die eine überdurchschnittliche Begabung in diesem Bereich haben. Wo sehen Sie die Vor- und Nachteile von digitaler Farbmessung? Der große Vorteil der digitalen Farbmessung ist auch der große Nachteil: Die Objektivierbarkeit. Vorteilhaft ist, dass grobe Fehler bei der Bestimmung der Grundfarbe nicht mehr vorkommen können, nachteilig ist, dass die subjektive Farbwahrnehmung der individuellen Zahnmerkmale und Lichteffekte, die für den Patienten und die Umwelt sehr wichtig sind, noch nicht gemessen werden können. - Vielen Dank -

Auswahl der Farbskala (Vitapan Classical oder 3D Master) nach erfolgter Messung

Während man mit manuellen Farbringen lediglich subjektiv vergleichend arbeiten kann und allen einwirkenden Lichteffekten unterliegt (Umgebungslicht, Lippenkontraste, Opazität, Transluzenz und Transparenz des Zahnes), bestimmen digitale Geräte wie das Easyshade Compact mit Hilfe eines echten Fotospektrometers den Helligkeitswert, die Intensität und den Farbwert des Zahnes und verrechnen alle Informationen in den 3D Master Code (81 interpolierte Farbwerte) sowie wahlweise auch die Vitapan Classical Farbskala (16 Farbwerte) und Bleaching Farben. Je nach Farbverlauf des Zahnes kann eine Ein137


Kurzinterview mit ZTM Tina Bennewitz, Berlin zur Farbkommunikation zwischen Labor und Praxis

Das neue kabellose Easyshade Compact Gerät mit Basisstation zur Kalibrierung und Energiezufuhr des Handstücks

Messung der Grundfarbe des Zahnes am Patienten, der Sensor soll senkrecht und eng auf den Zahn aufgesetzt werden und muss immer mit der gesamten Sensorfläche am Zahn anliegen

zelpunktmessung oder 3-Punktmessung (zervikal, zentral, inzisal) vorgenommen werden.Über diese Funktionen hinaus verfügt das Easyshade Compact über ein Programm zur extraoralen Verifizierung der Grundfarbe des Zahnersatzes, welches sowohl im Labor bei der Herstellung, als auch in der Praxis vor der Eingliederung genutzt werden kann. Besonders im Labor kann diese Funktion helfen, Leerläufe und Korrekturgänge 138

Was bestimmt den Erfolg einer zahntechnischen Arbeit und wie viel Einfluss hat die Zahnfarbbestimmung dabei? Der Erfolg einer Arbeit wird heutzutage im entscheidenden Maße von dem Faktor Patientenzufriedenheit bzw. der Umsetzung der Vorstellungen und Wünsche des Patienten beeinflusst. Verlässt er sich bei der qualitätsgerechten Anfertigung des Zahnersatzes auf Zahnarzt und Zahntechniker, spielt seine Mitsprache bei der Auswahl der Zahnfarbe eine große Rolle, da es ohnehin einer der wenigen selbst einschätzbaren Faktoren ist. Beeinflusst durch Medien und das persönliche Umfeld haben die Patienten in den letzten Jahren deutlich gestiegene Ansprüche in Bezug auf die Ästhetik der zahntechnischen Arbeit.


zu vermeiden, da man bereits bei den Käppchen, aber auch den einzelnen Keramikschichten Zwischenmessungen vornehmen kann. Wie sieht die ideale Farbkommunikation zwischen Praxis und Labor aus Ihrer Sicht als Zahntechnikerin aus? Gerade bei der Herstellung von hochwertigem Zahnersatz, wie vollkeramischen Restaurationen, hat es sich bei uns bewährt, dass sich der Patient persönlich in unserem Labor vorstellt. Um die individuellen Wünsche zu berücksichtigen, als auch die speziellen Merkmale der Zahnform und -farbe zu erfassen, ist es für mich wichtig, dass Farbbestimmung und Anfertigung des Zahnersatzes unter gleichen Lichtbedingungen erfolgen. Zur Bestimmung der Zahnfarbe benutze ich sowohl die Vitapan Classical Farbskala als auch den VITA Toothguide 3D Master, wobei letzterer eine wesentlich präzisere Farbaufgliederung hat. Bei kleineren Arbeiten oder der fehlenden Möglichkeit des Patientenbesuchs im Labor hat es sich bewährt, die Farbkommunikation zwischen Praxis und Labor mit Hilfe des 3D Master Systems durchzuführen. Sehr hilfreich ist es in diesem Rahmen zusätzliche Fotos für Lichteffekte und individuelle Merkmale anzufertigen, als auch den Farbverlauf bzw. Besonderheiten auf speziellen Zahnschemata einzuzeichnen. Zum Teil enthalten die Zähne mehrere Farben, die man mit modernen Keramikmassen durchaus nachbilden kann. Betreibt man diesen Aufwand konsequent, kann man aufgrund der Vielzahl an transluzenten und eingefärbten Keramikmassen heute perfekte Nachbildungen mit dem Zahnersatz realisieren.

Maximalen Erfolg wird man gegenwärtig nur mit einer Kombination aus allen Herangehensweisen erzielen. Dazu zählt die Sicherheit in der manuellen Zahnfarbbestimmung und visuellen Effektanalyse durch den Zahnarzt in Absprache mit dem Patienten, unterstützt durch die digitale und objektive Grundfarbbestimmung mit einem Gerät wie dem Easyshade Compact. Wenn es um komplizierte Rekonstruktionen geht, wird man auch in Zukunft auf die intensive Zusammenarbeit mit dem Zahntechniker angewiesen sein. Doch was kann zukünftig noch auf uns zu kommen? Wir können dazu nur Vermutungen anstellen und Wünsche äußern, schön wäre jedoch eine weitere Vereinfachung der Arbeitsgänge bei komplexeren digitalen Messmöglichkeiten. Vorstellbar wäre die Zahnfarbbestimmung über ein Fotosystem, welches durch standardisierte Lichtverhältnisse eine fotospektrometrische Messung auf Basis eines digitalen Bildes möglich machen würde. Dies würde es dem Techniker ermöglichen, auch ohne einen Besuch des Patienten auf alle Merkmale eines Zahnes zuzugreifen. So könnten Informationen wie Transluzenz, Transparenz und Opazität, aber auch Form- und Strukturmerkmale wie Mamellons und Schmelzfrakturen farbecht und digital dargestellt werden. Aber die Zukunft wäre nicht die Zukunft, wenn sie nicht Dinge und Möglichkeiten für uns bereithalten würde, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Wir danken Dr. med. dent. Andres Baltzer für die freundliche Bereitstellung seiner Grafiken in unseren Artikeln „Die Farben der Zähne“, Teil 1 und 2. 139


BUCHREZENSIONEN Energiemedizin - Konzepte und ihre wissenschaftliche Basis James L. Oschman Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, München 2006 Preis : 34.95 € ISBN: 978-3-437-57240-1

Bei seiner Erstauflage in den USA hat dieses Buch (Energy medicine.The scientific basis. 2000) Geschichte geschrieben: es hat nicht nur den Begriff Energiemedizin (energy medicine) weltweit etabliert, sondern gleichzeitig einen geschlossenen wissenschaftlichen Hintergrund dazu geliefert. Der raschen Verbreitung des Buches in der internationalen Komplementärmedizinszene folgt nun die deutsche Ausgabe. Nicht allen ist bekannt, dass Oschman nicht Mediziner, sondern Biologe ist und aus einer der weltweit renommiertesten Forschungsstätten kommt, aus dem Ozeanographischen Institut Woods Hole, Massachusetts (USA) als Schüler des Nobelpreisträgers Albert Szent-Györgyi. Wer mit dem neuen großen Thema Energiemedizin nicht vertraut ist und seine Integrationspotenzen nicht überblickt, wird erstaunt sein über die Bezüge zu anderen Medizin- und Heilsystemen, zu Erkenntnissen der post-EinsteinPhysik, zu mentalen und Körpertechniken, zum Bewusstsein usw. Bei der Fülle von Oschmans Entdeckungen, Verknüpfungen oder Erklärungen ergeben sich ständig Aha-Erlebnisse.

Wer von der Wirkungsweise der Akupunktur, Homöopathie und vieler anderer naturheilkundlichen Verfahren überzeugt, oder zumindest daran interessiert ist, befindet sich bereits mitten in der Energiemedizin. Hinter diesem verhältnismäßig jungen und etwas esoterisch wirkenden Begriff verbirgt sich die interdisziplinäre Erklärung vieler scheinbar ungeklärter therapeutischer und diagnostischer Phänomene.

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Einige der abgehandelten Themen sind Elektrotherapie, das System der Grundregulation, Akupunktur, Biorhythmen und Wundheilung, Traumaenergetik, Schwingungsmedizin, Homöopathie, Osteopathie und andere Körpertechniken, Festkörper-Biochemie, perineurales Kontrollsystem, biologische Kohärenz u.v.m.. Es ist einerseits eine einfache und klar geschriebene Einführung für den Anfänger, deren Literaturhinweise andererseits in beliebige Tiefen führen. Mit den Kenntnissen aus diesem Buch erweitert sich schlagartig das Verständnis für die gesamte Energiemedizin.


Manual of Neural Therapy According to Huneke Peter Dosch, Mathias Dosch Thieme; 2. Auflage 2007 EUR 99,95 ISBN: 978-13-140602-6

Immer mehr Patienten wünschen sich auch beim Zahnarzt eine ganzheitliche Behandlung mit Akupunktur oder Homöopathie. Vielleicht etwas weniger bekannt, aber im Kopfbereich umso einfacher anzuwenden, kommt da sicher auch die Neuraltherapie in Betracht, eine weitere Regulationstechnik, die mit verschiedenen Anästhetika durchgeführt wird. Gerade für Zahnärzte bietet sich diese Behandlung an, da viele Störfelder im Kopfbereich lokalisiert sein können.

Unter Neuraltherapie verstehen heute viele Vieles: Etwa unter Orthopäden oder Allgemeinmedizinern ist die sogenannte „kleine Neuraltherapie“ beliebt, die sich meist auf die Therapie über den „Locus dolendi“ beschränkt. Andere sprechen von „großer Neuraltherapie“, wenn sie die Therapie über die vegetativen Ganglien einschließen. Die „Neuraltherapie nach Huneke“ ist insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass - über „große“ und „kleine“ Neuraltherapie hinaus – die über das vegetative Nervensystem vermittelte Störfeldsuche und Störfeldbehandlung im Vordergrund steht. Wer sich näher mit dem Thema beschäftigen will, kann dies mit den Lehrbüchern von Thieme tun, die es nicht nur in Englisch sondern auch in Deutsch gibt. Das vorliegende Lehrbuch befasst sich eingehend mit der Geschichte der Neuraltherapie und den Grundlagen der Regulationsmedizin, dabei wird auch der Zusammenhang zur Schulmedizin geknüpft. Es wird auf die Grundlagen von Störfeld- und Segmenttherapie hingewiesen und auf konkrete Krankheitsbilder eingegangen. Ein Lexikon von Organen mit deren Erkrankungen und Behandlung bildet einen wesentlichen Teil des Buches. Ergänzt wird das Angebot durch Fälle aus der täglichen Praxis und natürlich dürfen auch die einzelnen Injektionstechniken in ihrer Beschreibung nicht fehlen. Dazu zählen unter anderem Triggerpointbehandlungen, Leitungsanästhesien und auch Ganglientechniken. Wenn man sich durch Fortbildungskurse, wie zum Beispiel bei der DGfAN (www.dgfan.de) mit der Neuraltherapie beschäftigt, ist das Buch eine tolles Nachschlagewerk und Repetitorium. Durch seine übersichtliche Gliederung und eingehende Schreibweise kann man das Buch Interessierten und Einsteigern ebenso empfehlen.

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UN-P ∕ 14 - Buchrezension

★ Miezes

MusicBox

der soundtrack meines lebens

PART ★ ★

Aus Stimmung wird Musik gemacht bis die Musik die Stimmung macht

Die Zukunft hab ich bestimmt nicht im Griff, aber wie ich mich in Zukunft fühle, das kann ich doch ganz gut bestimmen. Und zwar wie folgt:

4★ ★★

Ich benutze einen ‚Upper’ und einen ‚Downer’ in Musikform. Je eine Platte zum aufdrehen und eine zum runterkommen. Wenn es zum Beispiel schnell gehen muss, lege ich Miss Platnum auf. Und eins fix drei habe ich, wie in Trance, meine Tasche gepackt, Mails geschrieben und aufgeräumt. Ich weiß, dass es ist eigentlich total bescheuert ist, sich so in Aufruhr zu versetzten, aber es funktioniert. Jedes Mal. Zum Glück geht es auch anders rum. Bei den ersten Tönen von Gonzales „Solo Piano“ kräuseln sich meine Nackenhaare und meine Gedanken dröseln sich genüsslich auf. Ja, ich bilde mir sogar ein, dass die Zeit langsamer vergeht während diese Platte läuft. Es ist verblüffend.

★★ 142

Ich kann es nur jedem empfehlen, sich einen solchen Upper und einen Downer zuzulegen. Denn es gibt sie nun einmal, diese Tage an denen nichts ist wie es sein sollte. Nicht die Zeit, nicht die eigene Laune und schon gar nicht die Zukunft. Da weiß ich gern, wie ich mir helfen kann.

Mit freundlichem Gruße Miez die Katz


jetzt auf Tour !

rockt.de

www.mia

neues Album

MIA. www.miarockt.de


Fragen an die Zukunft Was bringt das Leben? Was ist Fortschritt? Wie alt werde ich? Wann kommt die neue Approbationsordnung? Wann lassen sich Zähne klonen? Kann ich meine Zukunft bestimmen oder bestimmt sie mich? Bekomme ich gesunde Kinder? Wird es einen dritten Weltkrieg geben? Gibt es irgendwann ein Antibiotikum gegen Karies? Wird es eine Klimakatastrophe geben? Wird die Welt gerechter unter Präsident Obama? Gibt es ein gerechtes Gesundheitswesen? Wann und wie werde ich ein guter Zahnarzt? Wo wohne ich in 10 Jahren? Wann werden Männer Frauen verstehen? Werden meine Kinder noch wissen was eine Videokassette ist und eine Langspielplatte? Werden wir uns bald um die Welt beamen können? Wann werden Frauen und Männer wirklich gleichberechtigt sein? Können wir irgendwann neuen natürlichen Zahnschmelz züchten? Kann ich in der Zukunft einen Zahn am Patienten online präparieren? Wer ist das nächste Supertalent? Warum tue ich mir das Studium an? Wann ist der richtige Zeitpunkt um Kinder zu bekommen? Wird es jemals eine einige Menschheit geben? Kann ich in der DNA erkennen, ob ich mit 90 noch alle Zähne habe? Wann gibt es das biologische Zahn-Implantat, das taktile Reize empfinden kann? Können wir das Knirschen abstellen? Wem habe ich mein Buch geliehen? Wo ist Elvis? Wie wirkt sich die Globalisierung auf unsere Gesellschaft aus? Wie wird sich das Klima in Europa verändern? Wann gibt es Frieden im Israel-PalästinaKonflikt? Gibt es Gerechtigkeit? Wird der Nationalsozialismus in Deutschland wieder gesellschaftsfähig? Wird es unter Obama neue Kriege der USA geben? Wie sieht das Leben nach der Finanzkrise aus? Wird Bürokratie irgendwann abgeschafft? Ist der Kapitalismus das Gesellschaftsmodell der Zukunft? Habe ich eine Aufgabe im Leben zu erfüllen? Hat man eine Zukunft, wenn man in der Vergangenheit lebt? Werden wir in Zukunft noch Fleisch essen? Wann wird Schalke endlich (mal wieder) Deutscher FußballMeister? Kann man bald jede Krebsart heilen? Was macht Britney Spears in 50 Jahren? Gibt es noch Rentenzahlungen, wenn ich alt bin? Wo muss ich hin? Warum habe ich manchmal Angst vor der Zukunft? Wie rede ich es meinen Kindern später aus, wenn sie Zahnärzte werden wollen? Gibt es die perfekte Zahnpflege? Darf man im Jahre 11.111 das ganze Jahr lang Fasching feiern? Wird es jemals Frieden auf Erden geben? Was passiert, wenn die Ressourcen des Planeten erschöpft sind? Wie sehen die Städte der Zukunft aus? Werden wir von unseren Technologien beherrscht werden? Ist die Ehe ein Beziehungsmodell der Zukunft? Wer bin ich? Wer werde ich sein? Was ist die Zukunft? 144


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UN-PLAQUED 15 Zukunft  

Die Zukunftsausgabe der un-plaqued beschäftigt sich unter anderem mit dem Wandel der zahnärztlichen Berufsausübung zu Beginn des 21. Jahrhun...

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