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un-plaqued


Wie wird , , , man eine 3 Sterne-Praxis? Es ist wie beim Kochen: Nehmen Sie nur die besten Produkte. , , , , ( ).

IMPRESSUM un-plaqued #13 glück

3341D

Auflage 12.000 Erscheinung 18.12.2007 / deutschlandweit Format DIN A5 (210 x 148) Bezugspreis 5 Euro (1 Euro für Studenten) Herausgeber Ingmar Dobberstein Verlag un-plaqued:multimedia / Räume für Medizin, Kunst und Kommunikation Oranienburger Str. 91, D - 10178 Berlin

VITA Farbnahme

VITA Farbkommunikation

VITA Farbreproduktion

VITA Farbkontrolle

UN-P Redaktion Chefredakteur Ingmar Dobberstein / i_dee@un-plaqued.com Assistenz der CR Hanna Buttenberg / hanna@worldoptimizer.com Politik Kaj Todt / kaj@un-plaqued .com International Juliane Gnoth / juliane@un-plaqued.com Wissenschaft Hans Christian Lux / h-c-l@alumni-ezine.com Fashion Anna Grodecki / anna@un-plaqued.com Redaktionsass. Max Buttenberg / mbuttenberg@gmx.net Bildredaktion Marc Laubinger / info@themoke.com + Melissa Hostetler / mail@melissahostetler.com Fotografie Melissa Hostetler / www.melissahostetler.com + Anna K.O. / annako@hgb-leipzig.de Schlussredaktion Sandra Kämmerer / Anna Grodecki Gestaltung Marc Laubinger / www.themoke.com / info@themoke.com Druck Königsdruck, Alt Reinickendorf 28, 13407 Berlin Anzeigen Bettina Hoppe / hoppe@un-plaqued.com / 0173 20 03 422 Ingmar Dobberstein / i_dee@un-plaqued.com/ 0170 55 92 305

Das System das Klarheit schafft

Redaktionskonto APO Bank Berlin / BLZ 100 906 03 / KTNR 010 677 5705 Kontakt info@un-plaqued.com un-plaqued virtuell www.un-plaqued.com / www.alumni-magazin.de www.young-dentists.org

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Die in den Artikeln und Mitteilungen ausgedrückten Meinungen sind die der Autoren und nicht unbedingt die der Redakteure oder des Herausgebers. Redakteure und Herausgeber lehnen jede Verantwortung oder Haftung für den Inhalt ab und geben keinerlei Garantie, Gewährleistung oder Empfehlung für die Produkte, für die in dieser Zeitschrift geworben wird, oder für die Behauptungen, die von den Herstellern derartiger Produkte oder Dienstleistungen gemacht werden. Eine Haftung für Folgen aus unrichtigen oder fehlerhaften Darstellungen wird in jedem Falle ausgeschlossen. Die im Magazin veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung oder Verwertung der Texte und Bilder sind mit Ausnahme der gesetzlich zugelassenen Fälle ohne Einwilligung des Verlages strafbar.

Grundfarbbeschreibung das Farbkommunikationsschema.

bestand integriert. Ihre Patienten werden begeistert sein.

Die un-plaqued Nr.12 ist in Kooperation mit der Quintessenz Verlags-GmbH entstanden.

Für die Effekt- oder Detailanalyse ist ein digitales Foto aus

Weitere Informationen unter www.vita-zahnfabrik.com

© un-plaqued:multimedia 2007

Unser Dank gilt allen wachen Geistern, die ihren Alltag mit bewussten Sinnen wahrnehmen, Fragen stellen wenn Antworten gewünscht sind und Antworten geben wenn Ruhe erbeten wurde. Und denen, die Ihr Glück versuchen und die Kraft dafür aufbringen, durch zu halten! Ganz besonderer Dank geht an meine wunderbare Frau, Hanna, Max, die Mieze, Paul Rother, Nicole Willing, Sandra, Rainer, Tobi, Anke, Karen Maria, Anna, die Dobbersteine, die Bürocrew O91 und die Freunde und Familien.


un-plaqued Bist Du GLÜCKLICH? Ist Dein Studium oder Beruf so, wie Du es Dir vorgestellt hast? Hast Du eine Ahnung, wie Deine berufliche Situation in 5 oder 10 Jahren aussehen könnte ? Wirst Du glücklich sein ? Fragen, die jeder für sich selbst beantworten muss. Fragen, die wir Kommilitonen und Kollegen gestellt haben, um herauszufinden, wie glücklich man mit diesem Beruf sein kann. Fragen, die neue Fragen aufgeworfen haben. Seid gespannt und versucht Euer Glück – denn wer danach strebt, wird immer etwas finden – sich selbst !


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WWW.ALUMNI-MAGAZIN.DE


Glück

EDITORIAL1 ---------------------------UNIUPDATES 8/11 ---------------------------WAS IST GLÜCK?13 ---------------------------VOM GLÜCK EIN ZAHNMEDIZINER ZU SEIN14/18 ---------------------------ÜBER DEN MUT, DEN ÄRMSTEN ZU HELFEN20-24 ---------------------------VOM GLÜCK, IN EINER KLEINEN UNI ZU STUDIEREN26-30 ----------------------------

SIND STUDENTEN EINER PRIVATUNIVERSITÄT GLÜCKLICHER 32-37 ---------------------------DES KAISERS NEUE KLEIDER38-46 ---------------------------DER NORMALE STUDENT - INTERVIEW MIT PROF. PAUL ROTHER48-53 ---------------------------VOM STIEFKIND ZUM GOLDESEL DIE AUSBILDUNG DER PARODONTOLOGIE54-56 ---------------------------DIE PARODONTOLOGIE DES 21. JAHRHUNDERTS INTERVIEW MIT PROF. KLEBER58/61 ---------------------------DIE KONFUSION DER BERLINER - INTERVIEW MIT DEKAN PROF. PAUL62/66 ---------------------------DAS GLÜCK DER MEDIZINSTUDENTEN70/74 ---------------------------SIND VORLESUNGEN NOCH ZEITGEMÄSS?76-78 ---------------------------FRAUEN IN DER WISSENSCHAFT80/83 ---------------------------ZAHNÄRZTINNEN FÜR DEUTSCHLAND84/103 ---------------------------BUENA VISTA DENTISTA CLUB104/107 ---------------------------ZIEHT EUCH WARM AN!108/109 ---------------------------WIE WIRD MAN EIN ZAHNMEDIZINSTUDENT?110/114 ---------------------------BIST DU GLÜCKLICH?116-117 ---------------------------LABORATORIUM DIFFICILE - WIE VIEL ZAHNTECHNIK BRAUCHT DER MEDIZINER?118/122 ---------------------------DAS KIND IN DER ZAHNÄRZTLICHEN PRAXIS TEIL 2124/132 un-plaqued

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glück

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- glück ..WAS FÜR EIN SCHÖNER TAG !

---------------------------FINDET ZAHNMEDIZIN NUR IM MUND STATT?134-135 ---------------------------DER PERFEKTE START IN DIE IMPLANTOLOGIE136-137 ----------------------------

IM REICH DES KILIMANDSCHARO REISEBERICHT AUS TANSANIA140/146 ---------------------------ZAHNMEDIZIN IM ÜBERMORGENLAND148/152 ---------------------------YOUNG DENTISTS WORLDWIDE BEIM DEUTSCHEN ZAHNÄRZTETAG 2007154-155 ---------------------------BUCHVORSTELLUNGEN 156/157 ---------------------------MIEZE´S MUSIKEMPFEHLUNGEN FOLGE 2158 ---------------------------IMPRESSUM161

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Uni Mittwoch 19.12.2007

Update

unabhängig / überparteilich / unplaqued

BERLIN-DEUTSCHLAND

WO IST DIE PARO? (un-p) Auch wenn die Erhebungen im Rahmen der „Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Zahnmedizin an den Universitäten in Deutschland“ durch den Wissenschaftsrat nur mit Zahlen von 2001 aufwarten können, bleibt die Frage, warum es in Deutschland Anfang des neuen Jahrtausends „nur“ 8 C3- bzw. C4-Professuren in der Parodontologie gab. „Nur“ deshalb, weil für Zahnerhaltung 52 Professuren erfasst wurden, für Prothetik sogar 53. Selbst unter der Rubrik „Sonstige“ finden sich 9 Professuren. Dieses Missverhältnis findet seinen Ausdruck auch in folgenden Zahlen: Deutschland zählte 2001 62.277 Zahnärzte, von denen nur 39 eine Spezialisierung für Parodontologie vorweisen konnten. Als Vergleich bietet sich Australien an: auf 8.500 Zahnärzte kommen immerhin 90 Fachzahnärzte im Bereich Parodontologie. In der DMS IV wird Australien dann bei den 35- bis 44jährigen mit mittelschweren und schweren Parodontalerkrankungen herangezogen: 37% in Australien stehen 73% der Bevölkerung in Deutschland gegenüber. Wie kommt es, dass der Parodontologie so wenig Bedeutung beigemessen wurde und welche Auswirkung hat dieses Versäumnis auf die zukünftige Entwicklung der Zahnmedizin in Deutschland? un-plaqued Forschungsergebnisse ab Seite 54...

Forschung in Deutschland immer unattraktiver Die zahnmedizinische Forschung in Deutschland gerät langsam in eine ernsthafte Krise, warnte der Präsident der Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), Prof. Georg Meyer, auf dem Zahnärztetag 8

in Düsseldorf. „Alle Zahnkliniken Deutschlands sind überproportional mit der Lehre belastet, die dazu noch intensiver ist als im Grundstudium der Allgemeinmedizin“, erklärte Meyer. Damit werde systematische und langfristig angelegte Forschung nahezu unmöglich gemacht. „Der Hochschulstandort Deutschland wird für den Bereich Zahnmedizin so immer unattraktiver“, warnte der DGZMK-Präsident. In den letzten Jahren hätten sechs Ordinarien ihre C4Stelle aufgegeben, um an anderer Stelle unter besseren Bedingungen arbeiten zu können. „Jüngstes Beispiel ist Professor Ruhl als Leiter des Speichel-Symposiums in Düsseldorf. Er hat eine Professur in Göttingen abgelehnt und ist dem Ruf in die USA gefolgt.“ Dies sei erneut ein trauriges Beispiel für ungewollten Wissenstransfer, den „unser föderales System leichtfertig in Kauf nimmt“, mahnte Meyer. Zwischenzeitlich seien Professorengehälter deutlich heruntergefahren worden, die Möglichkeiten der Privatliquidation würden immer weiter eingeschränkt. Schon in manchen osteuropäischen Ländern, erst recht aber in Asien, herrschen personell wie ausstattungsmäßig bereits bessere Bedingungen. (zaend.de)

Zu viele Studenten in BAYERN? Nachdem in Erlangen, München und Würzburg neuer Putz auf die alten Wände aufgetragen wurde, stellte der Oberste Rechnungshof 2006 fest, dass in Bayern eine Überkapazität an zur Verfügung gestellten Studienplätzen im Fach Zahnmedizin zu finden sei. Auch wenn Bayern kein armes Bundesland ist, sieht man Einsparmöglichkeiten in zweistelliger Millionenhöhe im Bereich Medizin/ Zahnmedizin. Gerade Regensburg


Uni Update

mit einer verhältnismäßig schlechten Patientensituation und einer sanierungsbedürftigen Zahnklinik, weckt Begehrlichkeiten: Mittelfristig empfahl der ORH eine Schließung dieser Fakultät. Ob Maßnahmen, wie Investitionen in Millionenhöhe bei gleichzeitiger Schließung anderer Fakultäten, die erwünschte Verbesserung in der Ausbildung mit sich bringen, wird neben dem ungebrochenen Studentenzulauf in Bayern zu beobachten bleiben. Leider wurde an keiner bayrischen Zahnklinik die Modernisierung als Chance für die Einführung Integrierter Kurse genutzt. Im Großen und Ganzen scheinen die Studenten dennoch glücklich, weswegen wir den Bayern auf die Pelle gerückt sind...mehr dazu auf Seite 38.

GÖTTINGEN – zurück zu den Wurzeln?

Seit eineinhalb Jahren gibt es einen Ruf auf den Lehrstuhl für Zahnerhaltung in Göttingen. Nach vielen Bewerbern schien in Prof. Ruhl aus Regensburg ein geeigneter Nachfolger gefunden – doch leider war das Angebot aus den USA verlockender. So warten die Studenten auf die Dinge, die nun kommen mögen… In der Zwischenzeit erhält die Klinik regelmäßigen Besuch vom Gesundheitsamt. Die Folge sind verschärfte Hygienebestimmungen, die teilweise zu sehr skurrilen Anblicken auf den Behandlungsfluren führen. Nach der BuFaTa: Die im Mai stattgefundene BuFaTa ist mit einer Teilnahmegebühr 30,- € zur wahrscheinlich preiswertesten Veranstaltung ihrer Art aller Zeiten geworden.

DEUTSCHLANDS ZAHNKLINIKEN INVESTIEREN!

(un-p) Vor kurzer Zeit kam die Nachricht aus Greifswald, in diesem Jahr aus München – an Deutschlands Zahnklinken wird aufgerüstet, umgebaut und investiert. Einige sehr moderne Bauprojekte haben dafür gesorgt, dass die neuen Zahnkliniken als Paläste für die Forschung und Lehre thronen, aber definitiv eine räumliche, technische und empfundene Verbesserung für alle Beteiligten darstellen. Oft kranken die Zahnkliniken nicht nur an maroder Bausubstanz, sondern vor allem an einer, teilweise altertümlichen, Ausstattung. Gerade in der Zahnmedizin arbeitet man auf einem stark technisierten Niveau, welches zusätzlich durch die Industrie rapide weiterentwickelt wird. Auf diese Investitionen zu verzichten, bedeutet heute mehr denn je eine schlechtere Patientenversorgung, schlechtere Ausbildung des zahnmedizinischen Nachwuchses und geringeres Forschungsaufkommen. So wird im Moment auch der Hamburger „Campus der Lehre“ in Angriff genommen. Hier sollen für die Studenten der Human- und Zahnmedizin neue Hörsäle und Seminarräume entstehen und damit für eine Verbesserung der Studienbedingungen sorgen. Auch im Kleinen hat sich was bewegt: Die Umgestaltung des Fachschaftsraumes der Hamburger ist geschafft. Dank Art und Jan-Phillip dominiert nun warmes BdZM-Orange nebst neu angeschafften Möbeln - wir 9


Uni Update

hoffen, dass dies die Produktivität der Fachschaft weiter steigert! Bewirkt der äußere Wandel auch eine innere Veränderung? Der neue Leiter des Lehrstuhls für Prothetik, Prof. Heydecke aus Freiburg, hat bereits kurz nach seinem Antritt dafür gesorgt, dass in Hamburg endlich die Implantologie im größeren Umfang in die Lehre integriert wird. Nach fleißigem Forschen wurde in der Hamburger Zahnerhaltung grünes Licht für den Einsatz von Kompositen im Seitenzahnbereich gegeben. Im Sinne von Patienten und Studenten eine längst überfällige Entscheidung, aber besser spät als nie!

Frauen in der ZAHNMEDIZIN Durchschnittlich 70 % der Studienanfänger in der Zahnmedizin sind Frauen. Dies ist das Ergebnis einer Jahrzehntelangen Entwicklung einer neuen Geschlechterverteilung in diesem Beruf. Spötter könnten meinen, dass das zurückgehende Interesse der Männer mit dem Prestigeverlust und finanziellen Einbußen verbunden wäre.

WARUM ENTSCHEIDEN SICH IMMER MEHR FRAUEN FÜR DAS STUDIUM DER ZAHNMEDIZIN?

Preis der Lehre in KÖLN!

Wir haben nachgefragt und Frauen auf den unterschiedlichen Stufen des Berufs interviewt. Zu Lesen ab Seite 80...

Es gibt etwas Positives aus Köln zu berichten! Zusammen mit der Fachschaft Humanmedizin wurde im Rahmen des Sommerfestes der „Preis der Lehre“ für besonders gutes Engagement in der Studentenausbildung verliehen. In der Vorklinik ging die Ehrung an Prof. Koebke aus der Anatomie, in der Klinik an ZÄ Sonja Termaat aus der Abt. Zahnerhaltung und Parodontologie - Herzlichen Glückwunsch! Die Fachschaft Zahnmedizin freut sich ihrerseits über Prof. Lehmann in der Funktion als medizinischem Studiendekan, da er sich offensichtlich für die Anliegen der Studierenden, inklusive der Zahnmediziner, interessiert und regelmäßigen Kontakt zu beiden Fachschaften pflegt. Seine Arbeit wird allerdings durch heftigen Gegenwind aus allen Abteilungen, auch dem eigenen Dekanat, behindert.

Wo ist die KOHLE ?

Im Hinblick auf integrierte Kurse gibt es zwar Patienten, die als, für ein solches Kurssystem geeignet, eingestuft werden - integrierte Kurse gibt es allerdings nicht. Die nächste BuFaTa wird vom 30.5. - 1.6.08 in Köln stattfinden, die Planungen hierfür laufen auf Hochtouren und die Fachschaft freut sich darauf, viele Studenten in der Rheinmetropole begrüßen zu können. 10

Nachdem in der un-plaqued Nr.12 ausführlich über die vielfältigen Ideen zur Verwendung der Studiengebühren berichtet wurde, haben sich mittlerweile verschiedene Varianten heraus kristallisiert. So finden in Erlangen Studiengebühren für eine sinnvolle Ausstattung Verwendung: der Vorklinik wurden Hand- und Winkelstücke finanziert, für Studenten höherer Semester wurden Lupenbrillen angeschafft. Auch die Kölner sind vom Segen der Studiengebühren betroffen und haben bereits eine „Kommission zur Vergabe der Studiengebühren“ eingerichtet. Diese kann aber bislang kaum konkrete Ergebnisse vorweisen. Ulm geht es da noch schlechter, da der Umbau der Zahnklinik jede Möglichkeit nach spürbaren Verbesserungen durch Studiengebühren überlagert. In Göttingen ist die Liste der Verbesserungen für die Studenten durch eine Verteilung der Studiengebühren lang: kostenlose Skripte in allen Semestern, neu angeschaffte zahnmedizinische Bücher in der Bibliothek, geringere Anschaffungskosten für Materialien in der Vorklinik und neue technische Geräte in der Klinik.


Uni Update

Studenten kriegen ab Oktober 2008 mehr

Berlin: (hib/SKE) Geht es nach dem Willen des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, werden die BAföG-Bedarfssätze in dieser Legislaturperiode um zehn und die Freibeträge um acht Prozent angehoben. Einem entsprechenden Gesetzentwurf der Bundesregierung (16/5172) stimmten am Mittwoch Morgen in einer Sitzung des Ausschusses die Koalitionsfraktionen und die FDP nach der Verabschiedung einiger Änderungsanträge zu. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen enthielt sich, Die Linke lehnte den Entwurf ab. In der Aussprache machten zuvor alle Fraktionen deutlich, für wie wichtig sie das BAföG für höhere Studentenzahlen und soziale Gerechtigkeit halten. Neben der Anhebung des Darlehens sei auch der neue Kinderbetreuungszuschlag ein wichtiger Schritt. Darüber hinaus zeigten sich die Liberalen erfreut, dass die Bundesregierung ihre ursprüngliche Absicht, das BAföG gar nicht zu erhöhen, fallen gelassen hat. Diesem Punkt stimmte auch Die Linke zu, kritisierte den Gesetzentwurf aber als „komplett unzureichend“, da die Erhöhung erst zum Oktober 2008 geplant sei. Außerdem sei es falsch, über die nächste Erhöhung erst wieder im Jahr 2010 diskutieren zu wollen. Das sei zu spät. Auch die Grünen bemängelten, dass die Studenten schon zum Sommersemester 2008, also im April, mehr Geld erhalten könnten. Sie plädierten für höhere Freibeträge, lehnten aber den Vorschlag der Linken, Studiengebühren im BAföG zu berücksichtigen, als „undurchführbar“ ab.

FOTO WETTBEWERB

2007

Meriam Schirzay - Den Zahn ziehen -

Anna Knickenberg - Befund -

Alexandra David - Liebe -

NACH EINIGEM ANFÄNGLICHEN ZÖGERN SIND SCHLIESSLICH DOCH NOCH ZAHLREICHE EINSENDUNGEN FÜR DEN UN-PLAQUED FOTOWETTBEWERB BEI UNS EINGEGANGEN. DAS THEMA WAR, DIE WAHRNEHMUNG DER ZAHNMEDIZINISCHEN WELT IN DIE BILDSPRACHE ZU ÜBERSETZEN UND MIT FOTOS FEST ZU HALTEN. ZU GEWINNEN GAB ES JE EINEN I-POD FÜR DIE BESTEN DREI EINSENDUNGEN. HIER NUN DIE GEWINNER MIT IHREN BILDERN! INFO@UN-PLAQUED.COM un-plaqued:multimedia Verlag für junge Medien

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Was bedeutet

Glück?

Glück ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens. Unter seiner hormonellen Hochstimmung sind wir leistungsfähiger und belastbarer, freundlicher im Umgang mit unseren Mitmenschen, kreativer im Denken und aktiv gestaltend. Seine Definition ist eine Spielwiese für philosophische Betrachtungen: von Sokrates und Aristoteles bis zu Kant und Schopenhauer zieht sich die lange Diskussion um wahres Glück. Die Quintessenz dieser Debatte über Generationen von Denkern? Jeder wird dazu etwas anderes sagen können, denn Glück ist immer von Situationen und Lebensumständen, vom Zeitpunkt oder Zeitraum, und von der Person samt den Personen seines sozialen Umfelds abhängig. Auf Grund der Vielschichtigkeit von Gesellschaft und Menschen ist die Zahl der möglichen Laienbeschreibungen unendlich groß und kann variabel große Gruppen vereinen: „WIR SIND DEUTSCHLAND!“ (wie eine kleiner werdende deutsche Tageszeitung im Sommer 2006 titulierte). Bei der Hochzeit von Peter Weingärtner und Katrin Schlegel im gleichen Jahr (danach Fam. Schlegel-Weingärtner) war die Anzahl der Glücklichen auf Grund der Feier im kleinen Kreis schon überschaubarer, das Glück der Jungvermählten aber sicher nicht minder groß - zumindest bis Frau Schlegel-Weingärtner ihren oftmals bis spät Abends arbeitenden Mann im Büro mit Pizza und einer guten Flasche Wein überraschen wollte. Wer hier wen, und vor allem mit wem überraschte, sei an dieser Stelle der Phantasie des Lesers überlassen.

Welchem Umstand ist es zuzuschreiben, dass Familie Schlegel-Weingärtner jetzt wieder Frau Schlegel und Herr Weingärtner heißen und die deutsche Nationalelf Weltmeister der Herzen wurde? Glück oder Unglück? Oder ist es gar unmöglich, mit dem Begriff „Glück“ all das auszudrücken, was wir als Glück wahrnehmen? Interessant ist vielleicht eine andere Herangehensweise: im Englischen gibt es zwei Formen von Glück: luck und happiness. Das eine Glück hat viel mit Zufall zu tun, das Andere ist das empfundene Glück. Ist die Wahrscheinlichkeit, Glück durch intensive Suche auch wirklich zu finden hoch genug, um sein Leben danach auszurichten oder sollte man im Sinne des Sprichwortes für sein Glück hart arbeiten? Nur eines scheint sicher: der fromme Wunsch nach Glück allein führt nicht ans Ziel. Es steht jedem frei, das Beste aus seinem Leben zu machen und dabei das zu erlangen, was er als Glück empfindet. Und je nach Anspruch wird man entweder Glück haben oder glücklich sein. Glück ist die Intelligenz, Chancen zu erkennen und zu nutzen. 13


Gl端ck

Vom Gl端ck, ein Zahnmediziner zu sein 14


Von Ingmar Dobberstein

Die Zahnmedizin ist in der modernen Welt angekommen. Medien und Fachmagazine berichten über die neuen Möglichkeiten und Behandlungs methoden in der Implantologie, Parodontologie und Endodontie. Das Interesse der Patienten für diese Leistungen ist ebenfalls vorhanden, so dass erkennbar wird, dass sich zumindest der Wunsch nach einer qualitativ hochwertigen Behandlung in der Bevölkerung verbreitet. Wenn alle Faktoren positiv und glücklich zusammen kommen, kann man mit der modernen Zahnmedizin kleine Wunder vollbringen. „Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende.“ Demokrit Die Zahnmedizin ist in der modernen Welt angekommen. Medien und Fachmagazine berichten über die neuen Möglichkeiten und Behandlungsmethoden in der Implantologie, Parodontologie und Endodontie. Das Interesse der Patienten für diese Leistungen ist ebenfalls vorhanden, so dass erkennbar wird, dass sich zumindest der Wunsch nach einer qualitativ hochwertigen Behandlung in der Bevölkerung verbreitet. Wenn alle Faktoren positiv und glücklich zusammen kommen, kann man mit der modernen Zahnmedizin kleine Wunder vollbringen. Ärzte und Zahnärzte haben die Verpflichtung zur kontinuierlichen Fortbildung und werden so zur lebenslangen Modernisierung ihres Wissens aufgefordert. Glücklicherweise gibt es auch zahlreiche Anbieter eben dieser, das orale System in die kleinsten und feinsten Winkel unterteilenden Spezialisierungen. Im Gegenzug für investierte Zeit und Geld kann man vielfältige Titel erwerben, die vom Facharzt über Master bis hin zum Spezialisten reichen. Die Vielfalt der Berufsausübung wurde erweitert, Industrie und Universitäten entwickeln mit hoher Geschwindigkeit immer neue Geräte und Behandlungstechniken – die Zahnmedizin geht der Zukunft entgegen. Der Gesetzgeber lässt neue Wirtschaftsformen wie Zweitpraxen und Zahnarzt-Ketten zu und seitens des Staates wird mehr Wettbewerb auf dem Gesundheitsmarkt gefordert. Für weniger Risikofreudige bleibt die neu geschaffene Möglichkeit des Angestelltenverhältnisses nach VändG, die ein sorgenfreieres Leben ermöglichen soll. Zwar zahlen die Krankenkassen immer weniger Zuschüsse, aber moderne Zahnheilkunde kann nur schwer

mit staatlichen Gebührentabellen ermessen werden – und ist daher ohnehin meistens eine Privatleistung, die folglich auch nur bestimmten sozialen Gruppen zuteil werden kann. Die Zahnmedizin verändert sich heute mehr denn je auf allen Ebenen und das tut ihr größtenteils auch gut. Die Praxen werden schöner, die Studien wissenschaftlicher, die Standesvertreter hauptamtlicher und das Lächeln der Menschen immer weißer. Würde man diesen Prozess mit Glück im Sinne seiner Wortherkunft von „gelingen“ betrachten, so kann auf Basis der beschriebenen Entwicklung zukünftig sehr viel gelingen und die Zahnmedizin damit als ein, vom Glück gesegneter, Beruf angesehen werden. Doch wer führt die Regie bei diesem Wandlungsprozess? Wer ist für das Gesamtkonzept der modernen Zahnmedizin verantwortlich? Ab welchem Zeitpunkt in der Entwicklung des Zahnmediziners beginnt diese Modernität? Schaut man auf Deutschlands Fakultäten, derer sich momentan 30 für die Ausbildung des zahnmedizinischen Nachwuchses verantwortlich fühlen, ist von den oben beschriebenen Entwicklungen nur sehr vereinzelt etwas zu spüren. Vielmehr gestaltet sich die zahnmedizinische Universitätslandschaft sehr inhomogen. Grundsätzlich wird zwar überall das gleiche staatlich examinierte Studienfach gelehrt, jedoch leider an fast jeder Hochschule anders. Sowohl die ZuZa Studie 2005 als auch das CHE Ranking haben diese vorhandenen Unterschiede statistisch deutlich gemacht. Erste Konsequenz aus dieser Situation ist, dass man als Zahnmedizinstudent in Deutschland kaum den Univer11 15


Glück

sitätsstandort wechseln kann, ohne bereits abgeschlossene Prüfungen oder Kurse an der neuen Uni wiederholen zu müssen. Ausnahmen sind das Physikum und Vorphysikum. Darüber hinaus ist die Entscheidung für einen Studienort heutzutage auch eine Frage der persönlichen Finanzen. Die Studiennebenkosten für Materialien und Instrumente unterscheiden sich ebenso deutlich von Universität zu Universität, wie die Verteilung der kürzlich eingeführten Studiengebühren.

Doch wo soll dann die so häufig angepriesene Orale Medizin ihren Platz finden, wenn sowohl im Studium, als auch in der Praxis vor allem restaurativ und handwerklich gedacht wird? Bemerkenswert ist außerdem, dass auch die fachliche Sicht auf die moderne Zahnmedizin an den verschiedenen Standorten sehr unterschiedlich ausfällt. So gibt es einige Universitäten, an denen sich mehr bewegt und in die Lehre und Forschung investiert wird. Diese gestalten ihre Studienordnungen so um, dass ein zukunftsorientiertes Konzept in der Lehre umgesetzt werden kann. Die Mehrheit klammert sich jedoch krampfhaft 16

an die 52 Jahre alte Approbationsordnung und scheut jegliche Veränderungen. Das Resultat dieser Politik sind verschulte Ausbildungssysteme und überlastete Lehrpläne, die angesichts des zeitlichen Aufwandes und dem ohnehin hohen Anteil, subjektiv zu bewertender Leistungen, eine unnötige Belastung der Studenten darstellen. Einige dieser Probleme haben grundsätzlich nichts mit der eigentlichen Ausbildung zu tun, sondern eher einen politischen Charakter. Der hohe Zahntechnikanteil im Studium zum Beispiel soll auch in Zukunft die Möglichkeit der Führung eines eigenen Praxislabors offen halten. Doch wo soll dann die so häufig angepriesene Orale Medizin ihren Platz finden, wenn sowohl im Studium, als auch in der Praxis vor allem restaurativ und handwerklich gedacht wird? Die bereits im Jahre 2005 vom Wissenschaftsrat geforderten Integrierten Kurse sind bewiesener Maßen umsetzbar, denn immerhin existieren drei Universitäten (Greifswald, Jena, Witten), die seit vielen Jahren nach diesem System lehren. Von den meisten Universitäten wird man zu diesem Thema aber mit einem Verweis auf die fehlende Novellierung der ApOZ abgefertigt. Einige ganz Pfiffige, wie die Uni Freiburg zum Beispiel, haben sich in Ansätzen mit diesem Kurssystem


auseinandergesetzt, es aber nach kleinen Probephasen ebenso schnell wieder fallen gelassen. Leider haben solche Experimente den bitteren Beigeschmack hinterlassen, dass die zurück gekehrten, neuen alten Kurse

dem Studium Einigkeit darüber zu herrschen scheint, dass vor allem Spezialisten dazu in der Lage seien, diese Fachgebiete wissenschaftlich und adäquat abzudecken, ist es in der Universität offensichtlich normal, dass

weiterhin mit dem Label des Integrierten Kurses betitelt werden, obwohl diese absolut gar nichts mit Integration zu tun haben. Wiederum andere bemühen sich, eine praxisnahe Zahnmedizin mit modernen Lehrinhalten so gut es geht im integrierten Sinne zu vermitteln. Hier wäre Berlin zu erwähnen, wo man sich im Rahmen der Fusion auf das halbintegrierte Kurssystem festgelegt hat. Interessanterweise werden in Berlin derzeit mehrere Studienjahre betreut, die sowohl nach der alten, als auch der neuen Studienordnung unterrichtet werden. Hier zeigen die aktuellsten Evaluationsergebnisse ganz klar, dass seitens der Studenten das integrierte System deutlich besser bewertet wird. Am Ende wird sich keine Universität vor dieser Entwicklung verschließen können, da sowohl die neue ApOZ in absehbarer Zeit verabschiedet wird, als auch die europäischen Vorgaben in der Bologna Erklärung eindeutig formuliert sind. Angesichts der bisherigen Offenheit seitens verschiedener Professoren und Dozenten bleibt die Befürchtung, dass es trotz aller Vorgaben und Empfehlungen nur widerwillige und damit auch wieder verschiedene Umsetzungen an den deutschen Hochschulen geben wird.

mehrere dieser Fachgebiete unter einem Lehrstuhl der Zahnerhaltung oder Prothetik ausreichend behandelt werden. Das eine Abteilung all diese Fachgebiete nur begrenzt gut lehren kann, scheint durch die Übertragung der Erfahrungen aus der Praxis in die Universität sicher zu sein. Gleichzeitig jedoch verstärkt es den Eindruck, dass der Zahnmedizinstudent fachlich kaum ausreichend auf die moderne Zahnmedizin vorbereitet wird.

Auch andere Aspekte der oben angesprochenen modernen Zahnmedizin haben bisher kaum einen Einzug in die Grundausbildung der Zahnmediziner erhalten, auch wenn unter Berücksichtigung der aus Patientensicht notwendigen Therapien, dies längst hätte passieren sollen. So können sich Studenten glücklich schätzen, wenn Sie in der Implantologie unterrichtet werden, gesteigert durch einige, wenige Unis, die mittlerweile Abteilung übergreifende Implantologieveranstaltungen, inklusive praktischer Übungen, ins Curriculum übernommen haben. Die Überlegung, Studenten mit zumindest einem selbst gesetzten Implantat während der Studienzeit in das Berufsleben zu entlassen, sorgt seitens des Lehrkörpers eher für einen Aufschrei als für Verständnis. Ähnliches gilt für Disziplinen wie die Parodontologie, Endodontie oder Funktionstherapie. Während nach

Doch wie ist es um die anderen Bedürfnisse der Zahnmedizin in der freien Wirtschaft und deren Vorbereitung an den Universitäten bestellt? Dass Zahnärzte heutzutage gleichzeitig gute Unternehmer sein müssen, wird seit Jahren durch viele Firmen an den Universitäten proklamiert. Eine entsprechende Ausbildung in diesen Bereichen scheint allerdings nicht zum Verantwortungsbewusstsein der Universitäten zu gehören, da an den wenigsten Hochschulen Grundkenntnisse in der Wirtschaft gelehrt werden. Man erhält den Eindruck, dass hier die Einstellung vorherrscht, Zahnärzte als solche, mit ausschließlich fachlichem Wissen ausgestattet, genügend auf die Zukunft vorbereitet zu haben. Damit wird aber auch das Risiko in Kauf genommen, dass diese Zahnärzte Gefahr laufen, in der freien Wirtschaft eines staatlich regulierten Marktes schnell zu scheitern. Wie lange diese dann glücklich als Zahnärzte arbeiten, wird offensichtlich kaum für wichtig erachtet. Ein damit verbundenes Thema ist die Psychologie des gesamten Berufsbildes, die ebenso wenig Beachtung während des Studiums der Zahnmedizin erfährt. Ob es die Beziehung zu den Patienten, die Funktion als Verantwortlicher und Teamleiter in der Praxis oder einfach der Fakt ist, auch als Zahnarzt Empfänger einer Vielzahl psychischer Problemfelder zu sein – die Bedeutung einer psychologischen Grundausbildung scheint unbestritten und ist bei unserem medizinischen Kollegen seit langem in das Studium integriert. In der Zahnmedizin ist diesbezüglich nicht nur eine Steigerung des Ange17


Glück

botes während des Studiums, sondern vor allem die Vermittlung psychologischer Grundlagen notwendig. Wenn derartige Wissensbereiche für ein erfolgreiches Ausüben der zahnärztlichen Tätigkeit notwendig sind, wird man als Zahnmedizinstudent gegenwärtig kaum adäquat auf das eigentliche Berufsbild vorbereitet. In diesem Sinne könnte man unter Berücksichtigung des Glücksbegriffes als unerhofften, positiven Schicksalsschlag auf jeden Fall davon sprechen, dass nur mit dem Glück des richtigen Studienortes und der entsprechenden Dozenten eine Ausbildung auf dem Niveau einer modernen Zahnmedizin möglich ist.

Inwiefern man mit der jeweilig persönlichen Ausbildung in dem Beruf glücklich werden kann, bleibt am Ende der individuellen postgradualen Fortbildung und damit dem persönlichen Engagement überlassen. Glücklicherweise gibt es einige wenige Universitäten, die sich dieser Probleme bereits bewusst sind und Änderungen an ihrem Curriculum vorgenommen haben. Ebenso schwierig, wie die Mobilität der Zahnmedizinstudenten in Deutschland scheint auch die Mobilität dieser Informationen zwischen den fortschrittlicheren und hinterher trabenden Universitäten zu sein. So sind wir in Deutschland von einer Angleichung der Curricula und den damit verbundenen Standards für die Qualifikation approbierter Zahnärzte weit entfernt. Hochschulinsider werden von dieser Situation allerdings nicht verwundert sein, da ein tieferer Einblick bei vielen Universitäten kommunikative und menschliche Schwierigkeiten zwischen den verschiedenen Abteilungen im gleichen Hause offenbart. Trotz aller Freiheiten der Universitäten sollte es möglich sein, internes Qualitätsmanagement mit einer fachlichen Abgleichung der Lehrmeinungen zu betreiben. Ferner sollte gerade in einer Naturwissenschaft ein nationaler Gedankenaustausch mit Entscheidungen im Sinne angeglichener Curricula gefördert werden. Die konstruktive Kommunikation und die interdisziplinären 18

Fortbildungen zwischen den Abteilungen eines Hauses, sollten in Zeiten der Globalisierung und des internationalen Wissenstransfers, auch in Deutschland möglich sein. Das angesichts eines potentialen Zuwachses an Wissen, der zunehmenden Spezialisierung und weiter voranschreitenden Technisierung des Berufes, in der Universität nie alles gelehrt werden kann, ist unbestritten. Dass man an vielen Standorten allerdings noch nicht einmal die Weichen gestellt hat, um sich überhaupt in diese Richtung zu bewegen, wird daran deutlich, dass vereinzelte Unis erst vor kurzem Komposit-Füllungen in den Leistungskatalog aufgenommen haben oder Parodontologie und Endodontie nur rudimentär gelehrt werden. Um hier eine Veränderung vollziehen zu können, müssen nicht nur alte Strukturen verworfen, sondern ebenfalls neue pädagogische Wege gegangen werden. POL, Seminare, kommunikationsstarke Lernformen, der frühe Patientenkontakt und Praxisfamulaturen sind Mittel, die schon heute an jeder Uni umsetzbar wären. Inwiefern man mit der jeweilig persönlichen Ausbildung in dem Beruf glücklich werden kann, bleibt am Ende der individuellen postgradualen Fortbildung und damit dem persönlichen Engagement überlassen. Das man für das eigene Glück im Sinne des Wohlgefühls ohnehin selbst verantwortlich ist, bleibt außer Frage. Als Student könnte man sich jedoch fragen, ob man weiterhin veraltet oder lieber zukunftsträchtig studieren möchte? Solche Überlegungen, Wünsche und Rechte sollten dann mit den entsprechenden Stellen diskutiert und argumentiert werden und wenn alles nicht hilft, kann man immer noch kämpfen, klein beigeben oder zu den besseren Unis wechseln. „Das Glück in die eigenen Hände zu nehmen“ und eigenverantwortlich für die persönliche Ausbildung ein zu stehen, sollte allerdings jedem Studierenden ein Grundbedürfnis sein, um dem beruflichen Glück und Wohlgefühl näher zu kommen.


Ăœber den Mut

von ingmar dobberstein 20


Armut ist in der Bundesrepublik kaum mehr zu übersehen. Obdachlosigkeit und Krankheit sind Anzeichen und Ausdruck einer sozialen Schieflage in unserem Land. Armut bedeutet auch in unserer Gesellschaft neben einem geringen Einkommen zunehmend soziale Ausgrenzung, medizinische Unterversorgung sowie verwehrte Teilhabe am Leben in der Gesellschaft. Immer dringlicher scheinende Sparzwänge in Bund, Ländern und den Kommunen haben zu defizitären Entwicklungen im Gesundheits- und Sozialbereich geführt. Begleitet werden diese Prozesse von einer deutlich wahrnehmbaren Entsolidarisierung in der Bevölkerung, die zu einer Isolierung armer Bevölkerungsgruppen innerhalb unserer Gesellschaft führt. Besonders betroffen von dieser Entwicklung sind Menschen ohne festen Wohnsitz, Obdachlose und Angehörige sozialer Randgruppen. Diesen Hilfebedürftigen ist darüber hinaus der Zugang zur medizinischen und zahnmedizinischen Regelversorgung vielfach erschwert oder sogar unmöglich.

Die Zahl der bedürftigen Menschen in der Bundesrepublik wächst jährlich; in den alten Bundesländern steigt sie auf hohem Niveau langsamer, in den neuen Ländern nimmt sie seit 1995 überproportional schnell

zu. In Berlin sind derzeit nach offiziellen Schätzungen ca. 10.000 Menschen ohne einen festen Wohnsitz oder obdachlos. Verschiedene Untersuchungen u.a. im Auftrag der BAG Wohnungslosenhilfe Bielefeld ergaben, dass Wohnungslose in einem „erschreckend hohen Maße“ von chronischen physischen und zunehmend psychischen Erkrankungen betroffen sind. In der Regel sind sie von mehreren Krankheiten gleichzeitig betroffen und dringend auf eine adäquate Behandlung dieser angewiesen. Wohnungslose haben eine um 10 Jahre geringere Lebenserwartung als der Durchschnitt der Bevölkerung. 1994 hat die MUT, Gesellschaft für Gesundheit mbH, mit der medizinischen und sozialpflegerischen Betreuung Obdachloser „vor Ort“ an den Sozialisationspunkten Obdachloser und Wohnungsloser in Berlin begonnen. Im April 1994 bewilligte das Arbeitsamt Berlin-Mitte erstmals das Projekt „niederschwellige medizinische und sozialpflegerische Betreuung von Obdachlosen.“ Ein Team von Ärzten und Mitarbeitern nahm damals ihre Arbeit in den Bahnhöfen Ostbahnhof und Lichtenberg auf. Innerhalb kurzer Zeit erstellten die Mitarbeiter der MUT ein inhaltliches und organisatorisches Konzept zur medizinischen Versorgung kranker Obdachloser und schufen die strukturellen Voraussetzungen für die beiden Praxen. Seit 1994 wurden in den Praxen der MUT, in mehr als 70 000 Konsultationen über 12 000 Patienten versorgt, davon ungefähr 14 000 Konsultationen in den zahnmedizinischen Praxen. Die Behandlung erfolgt für die meist nicht einmal sozialversicherten Patienten kostenlos, niederschwellig und auf Wunsch auch anonym. Die von der MUT entwickelten Projekte haben über die Stadtgrenzen Berlins hinaus Modellcharakter und wurden zum Vorbild für gleiche oder ähnlich gelagerte Versorgungseinrichtungen für Obdachlose in anderen Kommunen der Bundesrepublik. 1999 wurde am Bahnhof Lichtenberg die europaweit 21


Ăœber den Mut

Die zu behandelnden Menschen sind meist nicht wartezimmerfähig, aber in der Regel sehr friedlich und dankbar. / 22


erste Zahnarztpraxis für Obdachlose eingerichtet, zwei Jahre später folgte die Praxis am Ostbahnhof. Dabei wurden fast alle, für die Behandlung notwendigen Einrichtungsgegenstände von der Behandlungseinheit, dem

Röntgengerät bis hin zu den Verbrauchsmaterialien wie Amalgam aus Spenden finanziert. „Der laufende Unterhalt der Praxen kann nur durch kontinuierliche Spenden erreicht werden,“ so die ehrenamtlich in den MUT Praxen tätige Zahnärztin Kirsten Falk, die von Beginn an bei der Einrichtung und Betreuung der zahnärztlichen Patientenversorgung dabei war. Für ihr Engagement im Dienste des Gemeinwohls wurde Frau Falk 2002 das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Zahnärztin Kirsten Falk

Das Klientel der MUT Praxen besteht nicht nur aus obdachlosen Menschen, sondern ebenfalls aus Rentnern und Hartz IV Empfängern. Viele der Patienten haben seit mehr als 10 Jahren keinen Zahnarzt aufgesucht und kommen oft mit schlechtesten hygienischen Bedingungen, diversen Suchtproblemen oder unter Alkoholeinfluss in die Praxen. Die zu behandelnden Menschen sind meist nicht wartezimmerfähig, aber in der Regel sehr friedlich und dankbar. Es kommt natürlich auch vor, dass Patienten im Rausch oder mit deutlich aggressiver Grundstimmung behandelt werden müssen. So besteht die Herausforderung der Behandlung nicht nur in der zahnmedizinischen Versorgung, sondern auch im psychologischen Umgang mit den oft verunsicherten, eigenwilligen oder in sich

gekehrten Persönlichkeiten. Darüber hinaus ist der Zahnarzt bei weitem nicht der Erste auf der Prioritätenliste dieser Menschen. Zuvor kommen meist das warme Essen, Anziehsachen, ein Bier und vielleicht der Arztbesuch. Aus diesem Grund sind die zahnärztlichen MUT Praxen im Verbund mit einer Obdachlosenküche, der Kleiderkammer, einer psychologischen Betreuungsstätte, einer Werkstatt und den Arztpraxen in einem Hause organisiert. „Wäre dem nicht so, würden aus verschiedenen Gründen deutlich weniger Hilfebedürftige zu einer medizinischen Untersuchung und Behandlung kommen,“ so die Geschäftsführerin der MUT Dr. Helga Schick. Aufgrund dieser Tatsachen wird in den Praxen kein Bestellbuch geführt. Man sagt den Patienten zwar, dass sie zum Beispiel in 4 Tagen zum Verbandswechsel oder anderen Behandlungen kommen sollen, aber es kann passieren, dass derjenige dann erst 2 Wochen später wieder erscheint. Die zahnmedizinische Behandlung der Patienten kann und darf nur eine Grundversorgung umfassen. Zum einen, weil die Patienten grundsätzlich nicht für ihre Behandlung bezahlen können und selten krankenversichert sind, zum anderen, weil man den freien Praxen keine Konkurrenz machen möchte. So werden vor allem Extraktionen, Osteotomien, Wurzelkanalbehandlungen und Füllungstherapien durchgeführt, Zahnstein entfernt und einfache Prothesen angefertigt. Viele Patienten würden darüber hinaus Kronen, Brücken- und Teleskopversorgungen sowie Aufbissschienen benötigen, welche aber aus den angesprochenen Konkurrenzgründen zu den niedergelassenen Zahnärzten nicht angefertigt werden. Um diese zahnmedizinische Grundversorgung zu erreichen, war die MUT in den letzten 15 Jahren auf die Unterstützung der Ärzte- und Zahnärztekammer Berlins, der Kommune, des Landes, einzelner Dentaldepots, Zahntechniker und vieler ehrenamtlicher Helfer angewiesen. So arbeiten neben Frau Dr. Thomae und Frau Falk vier weitere Zahnärzte an einem oder mehreren Tagen in den beiden täglich geöffneten Praxen der MUT. Unter ihnen sind niedergelassene Zahnärzte, ehemalige Hochschullehrer und der ehemalige Kammerpräsident Dr. Bolstorff zu finden. 23


Über den Mut

Auch für Studenten stehen die MUT Praxen offen, zum Beispiel im Rahmen einer Famulatur oder Hospitation. /

Um den Praxisbetrieb am laufen zu halten, werden neben den aktiv mithelfenden Zahnärzten auch in der Zukunft kontinuierliche Spenden benötigt, da Umbauten, Materialien und Geräte nicht aus den öffentlichen Zuwendungen finanziert werden können und gerade im Dentalbereich sehr schnell hohe Kosten verursachen. Dabei sind Sachspenden genauso willkommen wie Geldspenden. Auch für Studenten stehen die MUT Praxen offen, zum Beispiel im Rahmen einer Famulatur oder Hospitation. Wer Interesse und Mut hat, für einige Tage oder Wochen über die Schulter der Zahnärzte vor Ort zu schauen, aktiv mit zu helfen oder einfach das soziale Engagement zu erweitern, ist in den Praxen herzlich willkommen. Für spezifische Fragen kann man sich an Frau Falk oder Frau Dr. Thomae wenden. Wer den Willen und Mut hat, hilfebedürftigen Menschen uneigennützig zu helfen, muss nicht immer in die Ferne schweifen, um Not und Leid 24

zu sehen. Besonders die medizinischen Berufe bekommen die Kluft zwischen Arm und Reich tagtäglich zu spüren. Wenn man die Augen für diese Problematik öffnet, wird man die Not auch in der unmittelbaren Umgebung wahrnehmen und gleichzeitig auf eine vielseitige Art und Weise zum Besseren verändern können.

Traut Euch!

Kontakt: Frau Dr. Thomae Stralauer Platz 32 10243 Berlin Tel.: 030 29 04 75 41 Mail:arztpraxis.stralauer-platz@mut-gesundheit.de Spendenkonto: MUT Gesellschaft für Gesundheit mbH Berliner Sparkasse, BLZ 100 500 00 Kto: 13333330 Medizinische Versorgung für Obdachlose


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Vom Glück, in einer kleinen Uni in Thüringen zu studieren Von Kaj Todt Die zahnmedizinische Fakultät in Rostock darf feiern, weil nach langem Hin und Her endlich eine Entscheidung für die Zukunft der Zahnmedizin gefallen ist. In Greifswald freut man sich über eine moderne Zahnklinik, der spätestens im Hochsommer die Klimaanlage fehlen wird. Dresden probiert sich am DIPOL-Programm. Leipzig zeigt, wie der Osten feiern kann. Und Halle kann nicht nur mit gemischten Umkleiden glänzen.

Fotos: Nicole Willing Universitätsklinikum Jena, Abteilung Prothetik 26

Doch was ist mit Jena? Ja, auch Jena hat eine Medizinische Fakultät! Am Anfang stand der Versuch, einen Kontakt zur Fachschaft in Jena herzustellen - leider ohne erfolg. Welch Glück, wenn man noch Kontakt zu einem ehemaligen Kommilitonen hat, der, um das Glück noch vollkommener zu machen, im Anschluss an sein Studium der Humanmedizin noch Zahnmedizin studiert.


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Jena

Also kommen wir zu der Frage: Wie glücklich ist der Zahnmedizinstudent in Jena? Erleben Sie Thüringen! Altehrwürdig gibt sich die Universität Jena: Namen wie Friedrich von Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Johann Fichte, Ernst Abbe und Traditionsunternehmen wie Schott und Zeiss prägten die Stadt und prägen sie noch heute. So trägt die Universität den Namen Friedrich Schillers dann auch zu Recht, finden sich doch überall in der Stadt „Fußspuren“ all jener, auf deren Ruf sich Jena gründet. Sei es nun der Anatomieturm, in dem Goethe den Zwischenkieferknochen entdeckte oder sein Inspektorenhaus im Botanischen Garten, Fichtes Domizil und Schillers Gartenhaus: die Geschichte großer Geister ist allgegenwärtig und gleichzeitig in das Leben einer modernen Stadt integriert. Wer Interesse an lebendiger Geschichte hat, sollte es sich nicht entgehen lassen, die drei Thüringer Städte Erfurt, Weimar und Jena zu besuchen - schließlich hatte Thüringen und damit auch Jena einen bedeutenden Anteil an der Fortentwicklung der deutschen Universitätslandschaft.

man das erste Semester hinter sich gebracht hat, ist man mit der Anordnung der Strassen, die sich durch das Saaletal schlängeln, einigermaßen vertraut. Man findet im Winter im Halbschlaf zur Anatomie, kennt die Abkürzungen zur Physik und Chemie, und weiß auch, wo sich die Biologie hinter dem Theater versteckt. Wie an vielen anderen Unis auch, besuchen Studenten der Zahn- und Humanmedizin einen Großteil der vorklinischen Lehrveranstaltungen gemeinsam. Beginnen jeweils zum Wintersemester 60 Studenten ihren Weg zum Examen, sind es nach dem Physikum noch ca. 55. Dies ist nicht nur dass Ergebnis des Physikums an sich, sondern liegt auch in den hohen Anforderungen der vorklinischen Fächer begründet. Angesichts einer modern ausgestatteten Fakultät werden die Studenten jedoch indirekt motiviert, sich intensiv mit den Kursinhalten auseinanderzusetzen. Die zum Selbststudium verfügbaren Bibliotheken sind zahlreich und in verschiedenen Größen verfügbar: Die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek ist zentrumsnah gelegen und bietet stressfreie Lernatmosphäre. Etwas kleiner bis sehr klein sind die campusnah gelegenen Bibliotheken. Wie man sich auch entscheidet: Die Ausstattung ist nicht zu beklagen, denn neben Printmedien sind auch Online-Ausgaben verfügbar.

Doing first steps... Als Studienanfänger erscheint einem Jena mit seinen winkligen Gassen recht unübersichtlich, doch wenn 28

Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, hört man wenig Klagen aus den Reihen der Studenten, denn ohne Studiengebühren und bei nur geringen Selbstbe-


teiligungskosten (ca. 200 Euro) für die vorklinischen technischen Kurse ist der finanzielle Druck nicht ganz so groß wie anderer Orts. Gern sprechen die Studenten über das familiäre und freundlich geprägte Verhältnis zwischen Lehrenden und Studenten in den technischen Kursen. So ist es durchaus möglich, dass Dozenten anderer Fächer ihren Studenten Kleingruppenseminare anbieten oder im Sommer zum Grillen einladen. Dass es ein Leben neben der Universität gibt, vergisst man deshalb ganz sicher nicht und muss sich auch keine Gedanken machen, dass man etwas verpasst. Integration? Integration! Da die klinischen Kurse in einer eigenen Zahnklinik untergebracht sind, steht nach dem Physikum ein Umzug an. Trotzdem bleibt man zentrumsnah untergebracht, was die Wege zwischen Zahnklinik und den anderen medizinischen Einrichtung erträglich gestaltet. In der Zahnklinik bekommt man alle nötigen Instrumente zum Behandeln ausgehändigt, nur Zähne für Phantommodelle sind selbst anzuschaffen. Ist man mit den zur Verfügung gestellten Bohrer-Kits nicht ganz zufrieden, steht es jedem frei, gewünschte Bohrer anzuschaffen. So bleibt einem zumindest mehr Geld für die Anschaffung eines PC´s, den man ja für Breitbandinternet und E-Learning gerade gut gebrauchen kann. E-Learning ist spätestens seit Prof. Schultze-Mosgau in Jena kein Fremdwort

Die integrierten Kurse gleichen periodisch auftretende Schwankungen im Patientenaufkommen aus, so dass Studenten im schlimmsten Fall nur ein Semester mehr für die klinischen Kurse benötigen und dann ins Examen gehen. mehr. Über die Plattform metacoon können alle Thüringer Hochschulen auf online-Lehrinhalte zugreifen. Geordnet nach Fakultät und Studiengang stehen hier elektronische Lehrmittel, Listen zur empfohlenen Literatur und Kurspläne zur Verfügung. Besonders intensiv macht die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie davon Gebrauch, die hier eine virtuelle Vorlesung eingepflegt hat. Für das Selbststudium gibt es außerdem noch EPraktikando 3D in Form von Kurztestaten. Nicht zuletzt wegen solchen vorbildlichen Projekte nwird die Lehre in Jena als überdurchschnittlich gelobt. Jena bietet seinen Studenten einen echten integrierten Kurs: im 7. und 8. Semester sind zwar die Behandlungszeiten für Zahnerhaltung und Prothetik durch unterschiedliche Termine innerhalb der Woche getrennt, grundsätzlich laufen beide aber parallel. Im 5. Studienjahr können sich die Studenten Termine für diese beiden Kurse selbst aussuchen und diskutieren im Rahmen eines Fallseminars problemorientiert mit 29


Jena

je zwei Dozenten ihre Patientenfälle. Die, in den 4 Semestern mit Patientenbehandlung, zu erbringenden Leistungen werden in zwei Katalogen dokumentiert: die Zahnerhaltung rechnet dabei die praktischen Leistungen der Studenten nach Füllungsflächen ab, die Prothetik nutzt dazu ein Punktesystem. Das Verhältnis zu den Assistenten ist freundlich reserviert, sorgt aber für eine angenehme Behandlungsatmosphäre. Von Studenten, Geld, Patienten und Alltag Für Patienten ist die Zahnklinik eine günstige Alternative zu niedergelassenen Kollegen. Erkauft wird dieser Vorteil mit dem Nachteil des bekanntlich erhöhten Zeitaufwands bei den Behandlungen. Direkte Versorgungen mit Komposit sind für die Patienten immer kostenlos, bei indirekten Versorgungen sind nur die Laborkosten und Abdrücke zu bezahlen. Die Kosten für prothetische Arbeiten richten sich nach dem Aufwand und liegen zwischen einem 1,0fachen Satz oder einem 1,9fachen Satz. Besondere klinische Situationen können in Ausnahmefällen als Sonderposten für Lehre und Forschung gänzlich kostenlos angefertigt werden. Ausgeprägten Patientenmangel kennen Jenaer Studenten nicht. Die integrierten Kurse gleichen periodisch auftretende Schwankungen im Pa30

tientenaufkommen aus, so dass Studenten im schlimmsten Fall nur ein Semester mehr für die klinischen Kurse benötigen und dann ins Examen gehen. Laut den Angaben aus dem Prüfungsamt von 2006 benötigen Zahnmediziner in Jena 11,7 Semester bis zur Approbation. Wer höflich aber hartnäckig Patienten akquiriert, füllt die beiden Kataloge problemlos, zumal die Möglichkeit besteht, einige ausgewählte Leistungen auch am Phantom zu erbringen. Einziger Kritikpunkt der Jenaer Studenten sind die Helferinnen, welchen manchmal nicht bewusst zu sein scheint, dass die Ausbildung der Studenten auch ihren Arbeitsplatz finanziert und sichert. Also liebe Damen: es geht auch etwas schneller, schließlich arbeiten wir alle in einer Dienstleistungsbranche und unsere Patienten sind auch unsere Kunden. Wer in Jena studiert, tut dies in der Regel gern. Nah an der Geschichte, nah an der Zukunft - und das sowohl im Studium als auch im Leben. Die Situation der Zahnmediziner ist hier entspannt, denn die Lehre unterliegt einer ständigen Weiterentwicklung. Jena glänzt nach Außen vielleicht nicht mit einer Liste großer Namen wie andere Hochschulen. Doch hier leidet die Lehre nicht unter der viel prestigeträchtigeren Forschung, sondern ist, wie das Beispiel E-Learning zeigt, sogar ein Teil davon.


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Sind Studenten einer Privatuniversität glücklicher? Witten – wer bei uns studiert, kommt zu Potte, nicht nur weil Witten im Zentrum des Ruhrgebietes liegt. Von Eva Carolin Teich und Marc Möller-Morlang

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Witten

Wir wurden von der un-plaqued gefragt, ob es Glück ist, in Witten zu studieren. Das Wort „Glück“ leitet sich vom mittelniederdeutschen „Gelucke“ bzw. dem mittelhochdeutschen „Gelücke“ ab. Beide Formen stammen vom Verb „gelingen“ ab. Glück ist demnach das Gelungene. Wie also gelingt ein Studium an unserer Universität, der einzigen Privatuniversität in der zahnmedizinischen Hochschullandschaft Deutschlands? Was zeichnet unsere Uni aus? Das Casting: Jedes Jahr werden zwischen 200 und 250 Bewerber für das nur im Oktober beginnende Studium zum Auswahlverfahren eingeladen. Da es sich um keine staatliche Institution handelt, läuft das Auswahlverfahren nicht über die ZVS. Zur schriftlichen Bewerbung gehört neben den üblichen Angaben (Zeugnisse, Lebenslauf, etc.) auch eine Selbstdarstellung. Das Auswahlverfahren beginnt mit einem Gespräch, in dem es vor allem darum geht, den Bewerber kennen zulernen und seine Motivation einzuschätzen, wobei die der Bewerbung beizufügende Selbstdarstellung eine zentrale Rolle einnimmt. Um eine faire und ausgewogene Beurteilung zu gewährleisten, besteht die Kommission aus einem Professor, einem Dozenten und einem Studenten des klinischen Studienabschnittes. Der sich an diesen ersten Teil des Auswahlverfahrens anschließende mehrstündige praktische Test hilft, die manuellen Fertigkeiten der Bewerber einzuschätzen. Der praktische Test unterscheidet sich jedes Jahr und ist ein gut gehütetes Geheimnis. Von den Bewerbern werden maximal 30 für einen Jahrgang ausgewählt. Wer einen dieser 30 Studienplätze ergattert, hat ca. 12 Bewerber auf einen Studienplatz hinter sich gelassen. Handelt es sich hierbei schon um Glück? Nein, denn das Gelingen der Aufnahme zum Studium in Witten ist weniger vom Glück, als vielmehr von den schulischen und außerschulischen Leistungen des Bewerbers und seinen Charakterstärken abhängig. 34

Insgesamt arbeitet jeder Student während der Vorklinik 40 Famulaturstunden im zahnärztlichen Nacht- oder Wochenenddienst und 20 Assistenzstunden im „Integrierten Studentenkurs“, um den Schein zu erwerben. Das Geld: Seit 1995 beteiligen sich Studierende mit einem finanziellen Beitrag an der Finanzierung und Sicherung der Universität. Um soziale Zugangsbeschränkungen zum Studium zu vermeiden und weiterhin die freiheitlichen Studienbedingungen in Witten/Herdecke zu gewährleisten, wurden Wege gefunden, das Studium für jeden „bezahlbar“ zu machen. Als Zahlungsvarianten stehen zur Verfügung: / die einkommensabhängige Späterzahlung (10 % auf 10 Jahre) / die hälftige Späterzahlung / die fixbetragsorientierte Sofortzahlung Nähere Informationen: http://www.uni-wh.de oder http:/www.studierendengesellschaft.de finden. Der Anfang : Charakteristisch für die vorklinische Ausbildung ist die Gewichtung zu Gunsten zahnmedizinischer und weniger zahntechnischer Lehrinhalte. Die zahnmedizinischen Lehrinhalte beinhalten das gesamte Spektrum an konservierenden und prothetischen


Präparationsformen, sowie das Legen und Ausarbeiten von Komposit- und Amalgamfüllungen am Phantomkopf. Doch auch zahntechnische Grundlagen, wie z.B. das Herstellen von Brücken, Gussfüllungen und Totalprothesen, werden in den ersten 5 Semestern gelehrt und praktisch umgesetzt. Um noch ausstehende Arbeiten zu beenden und selbstständig zu üben, kann der Raumschlüssel der beiden Phantomräume abends und über das Wochenende ausgeliehen werden. Das gleiche gilt für die Bibliothek, die 24 Stunden am Tag zugänglich ist. Studenten staatlicher Universitäten würden sich glücklich schätzen, diese uneingeschränkten Übungsmöglichkeiten zu haben und es ist mit Sicherheit einer der Gründe, warum man von Glück sprechen kann, in Witten studieren zu können. Hier und jetzt kann sich jeder Student unabhängig vom Studienort die Frage beantworten, welche Studienbedingungen einen Studenten glücklich machen? Das vorklinische Curriculum: Wie an allen anderen Hochschulen muss am Ende des 2. Semesters die naturwissenschaftliche Vorprüfung, das Vorphysikum, abgelegt werden. Danach erwarten einen, wenig überraschend, die Vorlesungen und Praktika in den Fächern Biochemie und Physiologie. Dafür unterstreicht das vorklinische Curriculum unsere Sonderstellung in der Hochschullandschaft mit Kursen wie „Einführung in die Zahnheilkunde“, „Innere Medizin“ und „Orale Strukturbiologie“ wiederum sehr deutlich. Ebenso „andersartig“ wird bei uns im Fach Anatomie verfahren: Der Kurs ist in allen 5 vorklinischen Semestern präsent und bearbeitet Semesterweise einen Themenschwerpunkt in Theorie und Praxis. Ebenso verhält es sich mit dem Kurs Präventive Zahnheilkunde: 5 Semester lang werden hier Grundlagen für die klinischen Semester erarbeitet und in gegenseitigen Übungen bereits angewendet. Kommunikation als Grundlage für den Umgang mit Patienten von der Anamnese bis zur Diagnose ist ebenso Bestandteil dieses Kurses. Am Ende des 4. Semesters erfolgt eine Abschlussprüfung: Jedem Studenten wird ein Patient zugeteilt, bei 35


Witten

dem Gelerntes Anwendung findet und ein Behandlungsplan anzufertigen ist. Zusätzlich müssen mehrere Famulaturstunden geleistet werden: Insgesamt arbeitet jeder Student während der Vorklinik 40 Famulaturstunden im zahnärztlichen Nacht- oder Wochenenddienst und 20 Assistenzstunden im „Integrierten Studentenkurs“ (s.u.), um den Schein zu erwerben. Als Höhepunkt des 4. Semesters findet eine einwöchige Fahrt nach Bremen zu der Firma BEGO statt, bei der eine Modellguss-Prothese hergestellt wird. Durch Veranstaltungen wie diese, die natürlich durch die zahlenmäßig kleinen Semester begünstigt sind, wird das gemeinschaftliche Miteinander gefördert, welches für ein motiviertes Arbeiten und Studieren unbedingt notwenig ist. In allen Abteilungen der Fakultät wird dieses Miteinander und das gegenseitige Engagement durch eine familiäre Atmosphäre gefördert. Diese positive Grundstimmung hat uns von Anfang an beflügelt. Das klinische Curriculum: Die klinische Ausbildung an der Zahnklinik Witten/ Herdecke unterliegt in gleichem Maße wir alle anderen Unis den Bestimmungen der Approbationsordnung für Zahnärzte. Wie aber nur an wenigen anderen Universitäten (Greifswald, Jena) versteht man diese Bestimmungen lediglich als Grundlage und erweiterte das Studium um Elemente einer modernen Zahnmedizin, damit zum Beispiel Integrierte Kurse und eine praxisnahe Ausbildung möglich werden. Dieser Integrierte Behandlungskurs verknüpft die Fachgebiete Konservierende Zahnheilkunde, Prothetik und Parodontologie zeitlich und räumlich zu einer Einheit. Das bedeutet, dass der Student den Patienten von der Anamnese bis zum Recall, durch alle Abteilungen hinweg, betreut. Er begleitet ihn also auf sämtlichen Stationen seiner Behandlung, so dass der Patient nicht nach der Dringlichkeit der durch den Leistungskatalog zu erbringenden Leistungen behandelt wird. Auf diese Art und Weise kann sich eine starke Vertrauensbasis zwischen Student und Patient entwickeln und der systematische Therapieverlauf entspricht im höchst möglichen Maße dem der freien Praxis. Ebenfalls sehr 36

Einmalig für ein Zahnmedizinstudium in Deutschland ist die Integration des „Studium Fundamentale“, welches eine Zusatzausbildung in den geistesund kulturwissenschaftlichen Fächern oder der Kunst darstellt. praxisnah ist die Terminabsprache mit dem Patienten gestaltet, bei der wir Studenten mit Hilfe eines Bestellbuches die Behandlungsräume selbst einteilen. Für die Behandlung stehen neun Zimmer zur Verfügung, in denen wochentags von 8-19 Uhr behandelt werden kann. Alle Behandlungsschritte (z. B. Vorbehandlung, Chirurgie, Kons, Paro, Prothetik, Nachbehandlung) werden vorher in einem Behandlungsplan fixiert und mit einem der Oberärzte oder Professoren besprochen. Anschließend kann mit der Behandlung begonnen werden. Bei speziellen Fragestellungen, z.B. dem Legen einer Goldhämmerfüllung, Schienentherapie etc., kann eine Behandlung nach Absprache mit den jeweiligen Dozenten durchgeführt werden. Bis zum Examen muss ein Leistungskatalog abgearbeitet werden, der einer Zulassungskonferenz als Grundlage dafür dient, die Examenstauglichkeit der Kandidaten festzustellen. Der kurze Weg zum Dentallabor, welches sich im Hause befindet, ermöglicht eine enge und direkte Zusammenarbeit und spart Zeit bei der Lösung von Problemen und Absprachen. Die Herstellung der Situationsmodelle, das Anfertigen individueller Löffel, sowie das Artikulieren wird von den Studenten selbst durchgeführt.


Über das Studium hinaus besteht ein reger Kontakt zwischen Alumni und Studierenden, welcher dieses Gemeinschaftsgefühl zusätzlich stärkt. Einmalig für ein Zahnmedizinstudium in Deutschland ist die Integration des „Studium Fundamentale“, welches eine Zusatzausbildung in den geistes- und kulturwissenschaftlichen Fächern oder der Kunst darstellt. Jeder Student an der Universität Witten/Herdecke, gleichgültig ob er nun Zahnmedizin oder Wirtschaft studiert, hat donnerstags mindestens einen Studium Fundamentale Kurs seiner Wahl zu belegen. Das Spektrum der Kursangebote ist sehr vielseitig und variiert von Semester zu Semester.

Special Care und Praktika: Eine große Akzeptanz bei den Studenten hat der Kurs „Special Care“. Zusätzlich zu einer Vorlesung findet hier unter Anleitung die Behandlung von behinderten Menschen statt und erweitert damit das Spektrum der Studenten um einen wichtigen sozialen Aspekt. Die Praktika der zahnärztlichen Chirurgie und MKG führen einen teilweise nach Dortmund und Bochum, was wir gerne in Kauf nehmen, da wir hier eine Bandbreite oralchirurgischer Eingriffe selbst vornehmen dürfen. Während des Studiums werden internationale Erfahrungen im Rahmen von Austauschprogrammen, Projekten (z.B. in Gambia) und Praktika angeboten, gefördert und anerkannt. Das persönliche Engagement vorausgesetzt, stehen den Studenten dabei zahlreiche internationale Partneruniversitäten sowohl in Europa als auch in Amerika zur Auswahl.

Ist es nun also Glück an der Universität Witten-Herdecke zu studieren? NEIN, denn Glück ist ein Zustand, der durch ein unvorhersehbares Ereignis oder schicksalhaft begünstigt ist. Weder die Aufnahme an die Uni, noch das Studium sind vom Schicksal gesteuert, sondern bedeuten harte Arbeit, die bei Motivation und Tatendrang nicht allzu schwer fällt. Obwohl wir also nicht von Glück sprechen wollen, kann man sich dennoch als sehr glücklich bezeichnen, hier studieren zu dürfen. Die Universität Witten bietet auf der Grundlage der beschriebenen Punkte eine ideale Studien- und Lehrplattform für die Studierenden.

KONTAKT Universität Witten/Herdecke Fachschaft Zahnmedizin Alfred-Herrhausen-Str. 50 58448 Witten fachschaft-zahnmedizin@uni-wh.de

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich in Witten eine positive Atmosphäre einstellt, auch wenn die Anforderungen sehr hoch sind und das zeitliche Engagement vielfach 60 Stunden in der Woche übersteigt. Egal mit welchen Problemen der Student konfrontiert wird oder welche Frage offen steht - auf die Gemeinschaftlichkeit ist nicht nur innerhalb der Studentenschaft Verlass, auch die Dozenten haben immer ein offenes Ohr. 37


M端nchen

oder das Gl端ck der modernsten Zahnklinik der Welt 38


Von Kristof Beltz Nicht nur der Fußball macht uns Münchner erfolgsverwöhnt- auch wenn wir der Champions-League gerade eine blau-weiße Auszeit gönnen. Die Zahnklinik der Ludwig Maximilians Universität München (LMU) hat ebenso kräftig in die Zukunft investiert. Mehr als 20 Millionen Euro kostete die bereits im letzten Jahrhundert angedachte Komplettsanierung und Erneuerung der Klinik. Zum ersten Mal seit viereinhalb Jahren können sich die Verantwortlichen in diesem Herbst einigermaßen entspannt zurücklehnen und das Ergebnis ihrer Bemühungen mit Wohlwollen begutachten. Denn die Umbauarbeiten sind beinahe abgeschlossen und nur noch wenige Zeichen zeugen von den chaotischen Zuständen der letzten Jahre. Langsam aber sicher beginnt für die Klinikleitung, das Personal und auch für die Studenten der neue Alltag in der komplett sanierten und auch technisch rundum erneuerten Zahnklinik. Und jeder, so scheint es zumindest, ist bisher zufrieden mit seinem alten und dennoch neuen Arbeitsplatz. Einige können das Nörgeln allerdings nicht lassen. Seit die LMU offiziell als Eliteuniversität betitelt wird, ist dieser Begriff unter Studenten zu einem Leitwort der Ironie geworden: Wenn der neue Kaffeeautomat keinen Kaffee ausspucken will, ein modernes Gerät im Labor mal wieder nicht so will, wie es soll, oder meinetwegen irgendein kleiner, von den Malern übersehener, Farbklecks an Wand oder Decke entdeckt wird.

Haben die Münchner also mal wieder ein Luxusproblem? Umbaus noch immer kleine bis mittelgroße Probleme, wie eben an jeder anderen Universität auch. Es war einmal… Zuletzt renoviert wurde die Zahnklinik in den 70er Jahren. Seitdem hat sich Vieles verändert, vor allem was den technischen Standard in der Zahnmedizin anbelangt. Natürlich wurden Geräte immer wieder aufgerüstet, doch eine Komplettsanierung war schließlich notwendig geworden. Von dem unattraktiven und teilweise baufälligen Gebäude abgesehen, funktionierten viele der technischen Geräte nicht mehr einwandfrei oder waren schlichtweg veraltet. Und schließlich wolle man den Studenten optimale Voraussetzungen für eine

Haben die Münchner also mal wieder ein Luxusproblem? Zunächst einmal sei gesagt: Nur weil München jetzt zu den deutschen Eliteuniversitäten gezählt wird, fließt in den Toiletten noch lange kein Champagner. Die Fördergelder der ersten Runde der Exzellenzinitiative gehen tatsächlich nur an bestimmte Forschungsgruppen der LMU. Die Zahnklinik im Speziellen hat also nichts davon erhalten. Auch wenn die Wände nun weißer sind, schmeckt der Kaffee deshalb trotzdem nicht besser. Das soll heißen: Auch hier in München gibt es trotz des umfangreichen 39


München

gute Ausbildung bieten, äußerte sich diesbezüglich Klinikdirektor Professor Reinhard Hickel. Der große Umbau! Dort, wo jetzt eine Reihe süßer kleiner Buchsbäumchen das Außenbild einer in hellem Weiß strahlenden Klinik zieren, türmten sich vor nicht allzu langer Zeit aufgeworfene Erdhügel vor einer von Witterung und Zeit gezeichneten Fassade mit blassbraunem Anstrich, der wahrscheinlich bereits in den 70ern nicht mehr modern aussah. Anstelle einer unwirklichen Kraterlandschaft aus tiefen Erdlöchern und Türmen aus Bauschutt gibt es nun einen kleinen gepflasterten Parkplatz mit einem Pfad zum Innenhof. In diesem wurde vor dem Außenbereich einer neu gebauten Cafeteria für Studenten eine sympathische Grünanlage mit einem halb idyllisch und halb nervend plätschernden Brunnen gestaltet, an dessen Stelle ehemals ein kolossaler Bagger den Weg versperrte. Die Klinik war damals alles andere als ansehnlich und einige Erstsemester konnten ihre Kinnladen erst wieder hochklappen, als man ihnen mitteilte, dass es hier nicht immer wie in ihrem Zimmer aussieht.

Die Investition hat sich trotz aller Umbau bedingter Probleme mehr als bezahlt gemacht.

Chaos an der Klinik Die viereinhalb Jahre Umbau waren eine nervliche Belastung für alle Beteiligten. Patienten, Angestellte und Studenten mussten sich immer wieder mit vereinzelten Blöcken unentwegter Lärmbelästigung abfinden, während den Bauarbeitern und Bauherren Probleme mit der Statik einiger Gebäudeteile, sowie Denkmalschutzbestimmungen das Leben erschwerten- schließlich ist das Klinikgebäude schon über 100 Jahre halt. Doch die jahrelange Baustelle war gar nicht mal das Schlimmste. Für die Studenten waren die Auswirkungen auf den Lehrbetrieb am deutlichsten spürbar: Bei der Sanierung der Studenten-Kurssäle etc. mussten Vorlesungen und Praktika über die Vorlesungszeit eines Semester hinaus verschoben werden. Da zusätzliche Kurstermine nicht möglich waren, musste improvisiert werden. So wurden vor allem die Kurse der Vorklinik zeitlich und inhaltlich gekürzt, um mehreren Semestern zur gleichen Zeit das Arbeiten zu ermöglichen. Vormittags arbeitete der Phantomkurs I im Labor, nachmittags

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TPK, wobei sich immer zwei Studierende aus den zwei unterschiedlichen Semestern einen Laborplatz teilen mussten. Der Kursplatzstau konnte allerdings auch dadurch nicht bewältigt werden. Zusätzlich führte eine

Vorklinik einige Highlights, unter anderem die bereits erwähnten Simulationseinheiten!

Erhöhung des Lehrdeputates in Bayern zu einer ca. 25% höheren Zulassung von Studenten in München. Zu viele Studenten, zu wenig Kursplätze. Natürlich haben auch andere Universitäten dieses Problem, aber vor dem Umbau war das zumindest in München nicht der Fall. Mitunter waren es bis zu 19 von 60-70 Studenten, die per Losverfahren von einem Kurs ausgeschlossen werden mussten. Der anfallende Kursplatzstau zog sich leider auch bis in die klinischen Semester, was sich in absehbarer Zeit auch auf die durchschnittliche Studiendauer an unserer Fakultät auswirken wird.

lich realistischen Positionen vom Gestänge des Technikerplatzes, sitzt der Vorklinikstudent heute beim Präparieren an einer echten Behandlungseinheit, bei der an Stelle der Rückenlehne ein Oberteil mit dem Phantomkopf befestigt ist. Dieser simuliert die eingeschränkte Beweglichkeit des Patienten und bewirkt mit der, das Platzangebot im Mund eingrenzenden Gummimaske, schon in der Vorklinik eine realistische Behandlungssituation. Gebohrt wird seit der Sanierung mit bis zu 200.000 Umdrehungen, mit einem roten Winkelstück inklusive Wasserkühlung und Beleuchtung. Schwenkbare Lampen und Speichelsauger sind natürlich auch vorhanden, um dem Phantompatienten die Behandlung zusätzlich zu versüßen.

Und jetzt...? Bislang konnte dieses Problem noch nicht eingedämmt werden. Durch den Umbau kam es zu einer zwangsläufigen Reduzierung der Laborplätze in der Vorklinik, allerdings zu Gunsten der modernen Simulationseinheiten. Ein Teufelskreis. Auf lange Frist wird man also wohl an den gekürzten Labor-Vorklinikzeiten festhalten müssen, um die gewünschte Entlastung für die Patientensimulation herbeizuführen. Das ist eigentlich der einzige Kritikpunkt, der gegenwärtig vorzubringen wäre, wenn dafür auch ein Gewichtiger. Es lässt sich nicht leugnen, dass die radikale Kürzung des Kurses durch Weglassen interessanter Kursinhalte, wie die Herstellung von Verblendkronen, einen Verlust darstellen. Inwiefern sich das auf die Qualität der Ausbildung insgesamt auswirkt, ist jedoch nicht eindeutig zu bestimmen. Man kann allerdings davon ausgehen, dass bei einer zwanghaften Kürzung eines Kurses nicht ausschließlich Unwichtiges weggelassen werden kann. Da stört es fast nicht, dass einige technische Geräte ab und an einfach nicht so wollen wie sie sollen. Es fallen zwar gelegentlich Mikrofone und Bildschirme aus, aber was tut das schon? Dennoch: Die Investition hat sich trotz aller Umbau bedingter Probleme mehr als bezahlt gemacht. Auf den Studienanfänger warten bereits in der

Ragten die Phantomköpfe vor dem Umbau noch in leid-

Der Nachteil daran ist, dass die Präparation im Sinne des „extraoralen Beschleifens“ nicht mehr so einfach ist, wie an den alten Köpfen. So mancher Student hatte außerdem seine Probleme bei der Umstellung von Trockenpräparation zu Wasserkühlung und Gesichtsmaske. Dennoch wurde bei den meisten eine beinahe kindliche Freude, gepaart mit hoher Motivation, an derart modernen Geräten ausgebildet zu werden, geweckt. Von Beginn an kann der Erstsemesterstudent nun etwas von den realen Anforderungen des echten Zahnarztdaseins spüren. Der aktuellste Stand der Technik hat selbstverständlich auch in den Kursen der klinischen Semester Einzug gehalten: Neben den neuen Simulationseinheiten in der Vorklinik gibt es hier vor allem Verbesserungen der Behandlungstechnik. Die Studenten lernen jetzt den Umgang mit einem Operationsmikroskop, Geräten zur maschinellen Wurzelkanalaufbereitung, sowie die Behandlungsplanung am Computer mit Hilfe dreidimensionaler Röntgenaufnahmen. Bis vor Kurzem kannte man diese Dinge nur aus den Bildern der klinischen Vorlesungen. Auch mit der Einteilung und Trennung der Behandlungseinheiten sind die Studenten zufrieden. Gut isoliert und dennoch hell, reihen sich die Behandlungs41


M端nchen

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Angesicht des Patientenmangels, über den viele andere Universitäten berichten, ist es offensichtlich notwendig auch auf diesem Sektor etwas zu tun. plätze aneinander und versprechen ein hohes Maß an Privatsphäre für den Patienten. Überdies wurde jede Behandlungseinheit, ebenso wie die Technikplätze der Vorklinik, mit einem Flachbildschirm ausgestattet. Zu unserer Freude kann man nun, bequem vom eigenen Platz aus, die langen Demonstrationen verfolgen. Die Meinung der Studenten zu diesen Neuerungen ist - wen wundert es - einheitlich positiv. Die realistischen Bedingungen beim Üben sind die Hauptpunkte, welche neben dem Wohlfühlfaktor durch die neue Ästhetik der Klinik und den gemütlichen funktionellen Stühlen an allen Plätzen, am häufigsten gelobt worden. Was übrigens oft vergessen wird: Nicht nur der Studentenbereich wurde modernisiert. Der Umbau betrifft tatsächlich die gesamte Klinik und damit vor allem auch die Erlebnisqualität der Patienten. Eingangsbereich, Wartezimmer, Behandlungsräume, Treppen und Fußboden – einfach alles wurde erneuert, um die Klinik zu einem angenehmeren und freundlichen Ort zu machen. Wahrscheinlich wurden sogar die alten Magazine in den Wartezimmern gegen aktuellere ausgetauscht.

dig auch auf diesem Sektor etwas zu tun. Am Ende ist es wichtig, dass Patienten in der Universität nicht nur qualitativ hochwertige Behandlung erhalten, sondern Ihnen ein ähnlicher Wohlfühlfaktor vermittelt wird, wie in den freien Praxen. Denn für die meisten ist der Zahnarztbesuch an sich schon schlimm genug, so dass die kalte Atmosphäre eines Krankenhauses oft das Übrige tut. Selbst wenn einige der technischen Spielereien gelegentlich Kinderkrankheiten haben: Warum sollte man sich bei so viel Verbesserung noch beklagen? Mit dem Grad der Technisierung erhöht sich bekanntlich auch die Zahl der möglichen Fehler; und bezüglich des überschaubaren Chaos mit den Kursen färbt die bayrische Gelassenheit mittlerweile auf uns Studenten ab. Das Studium der Zahnmedizin Hat sich nebst dem äußeren Wandel die innere Struktur der Ausbildung ebenfalls geändert? Man könnte annehmen, dass derart große bauliche Änderungen und Investitionen auch ein gewisses Maß an Weiterentwicklung des Curriculums nach sich ziehen. Doch gerade die, auch hier bei uns heiß diskutierten, integrierten Kurse fehlen noch immer. Man stehe diesen zwar grundsätzlich offen gegenüber, wolle aber auf die Einführung der neuen ApOZ warten, bevor diese mit der Studienordnung umgesetzt würden, so der Direktor der Zahnklinik Prof. Hickel. Wenn es soweit sei, würde aber auch die räumliche Trennung der Zahnerhaltung und Prothetik auf verschiedenen Etagen des Hauses dem nicht im Wege stehen.

Tatsächlich äußerten sich die Patienten bereits anerkennend über die schöne neue Klinik, wie Studenten aus höheren Semestern berichten. Angesicht des Patientenmangels, über den viele andere Univer-

Nach Abschluss des Umbaus existiert nun eine neue Plattform für die interdisziplinäre Kommunikation: die Cafeteria! Im Gegensatz zu einigen anderen Unis legen die Münchner allerdings viel Wert auf eine gute Kommunikation zwischen den Abteilungen, so dass es dadurch nur noch besser werden kann. Von Seiten der Lehre kann München mit einem fakultativen Implantatkurs, Vorlesungen und praktischen Übungen am Phantom, sowohl in der Prothetik als auch in der MKG punkten. Zur Freude der Studenten wird es ab dem nächsten Semester bereits in der Vorklinik Implantierübungen und Vorlesungen geben. Die

sitäten berichten, ist es offensichtlich notwen-

Überlegung, praktische Übungen der Parodontolo43


München

Fotos © DZW

gie und Implantologie zusammen mit dem Zentrum für Anatomie zu etablieren, ist bis heute leider noch nicht erfolgreich gewesen. Für die parodontologische Ausbildung, die in Form einer eigenen Sektion an der Zahnklinik gelehrt wird, stehen allerdings genügend Patienten zur Verfügung, so dass die Studenten ihren Anforderungskatalog problemlos füllen können. Nach Aussage von Prof. Hickel besteht optional auch die Möglichkeit für Studenten, Patienten mit CEREC Versorgungen zu behandeln, wenn sie die Basics beherrschen. Gute Lehre ist jedoch nicht nur eine Frage der Ausstattung einer Fakultät. Hier sehen wir Studenten mit unserer Fachschaft, aber auch der Lehrkörper, noch weitere Möglichkeiten für positive Entwicklungen. Denn ein innerer Wandel muss immer und kontinuierlich erfolgen, so Prof. Hickel, der sich regel-

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mäßig mit der Fachschaft bezüglich der Studiersituation und möglichen Veränderungen auseinandersetzt. Viel Lob, Anerkennung und... Neid? Die ZMK-Klinik der LMU München ist nach Meinung vieler internationaler Professoren, die zur Besichtigung der umgebauten Klinik nach München kamen, momentan offensichtlich die modernste Zahnklinik weltweit. Ein Titel, der viele zu beeindrucken scheint. Eine Zeit lang wurde wöchentlich internationaler Besuch anderer Klinikdirektoren erwartet, erzählt Professor Hickel. Auch Zahnmedizinstudenten anderer Studienorte in Deutschland sollen schon große Augen


Y

344

254 223 201

191

131

X 2002-03

2003

2003-04

2004

2004-05

2005

Explosionsartig auch ohne Umbau? Bewerberzahlen für München in dem Zeitraum 2002-2005. X

= Jahr /

Y = Bewerberzahlen

-

WINTERSEMESTER / SOMMERSEMESTER

Schon bald wird sicher eine andere Uni der LMU im Hinblick auf moderne Ausstattung und Einrichtung den Rang ablaufen

gemacht haben, wenn ihnen von den Münchner Verhältnissen berichtet wurde. Ein gewisser Neid? Gut möglich, dass auch das zutrifft. Doch der Grund für den Umbau war nach Ansicht der Verantwortlichen weder irgendeine Form von internationalem Konkurrenzkampf, noch wollte man damit mehr Studenten nach München locken. Dennoch könnte genau dies ein Nebeneffekt des Umbaus sein, denn die Statistiken der ZVS scheinen diese Tendenz zu bestätigen: Wie man der Tabelle entnehmen kann, ist der Anstieg der Bewerberzahl für München seit dem Beginn des Umbaus deutlich gestiegen. Waren es im Wintersemester 02/03 191 Bewerber für 52 Plätze, so lag die Bewerberzahl im Wintersemester 04/05 bereits bei 344 Bewerbern für 56 Plätze. Das entspricht einem Anstieg um circa 80%. Zwar gab es in dieser Zeit bei einer Vielzahl 45


München

von Kliniken einen Bewerberanstieg, aber tatsächlich war der prozentuale Anstieg der Bewerberzahlen nur bei einem einzigen Standort höher: Berlin. Diese Entwicklung lässt sich seit dem Sommersemester 05 nicht

Genau deshalb sind die Verbesserungsmaßnahmen auch längst noch nicht abgeschlossen. Die alten Phantomköpfe und Winkelstückmotoren stehen nun der Fachschaft zur Verfügung, welche diese Geräte zum freiwil-

mehr ganz so eindeutig feststellen, da es ab diesem Zeitpunkt eine Unterteilung in Abibesten-, Wartezeit- und Hochschulquote gab. Ein Aufwärtstrend ist allerdings weiterhin erkennbar. Gleichzeitig bestätigte Professor Hickel, dass in letzter Zeit immer weniger Studenten von München weg wollen.

ligen Üben an Studenten verleiht.

Die Zukunft Leider bleibt die Zeit nicht stehen. Schon bald wird sicher eine andere Uni der LMU im Hinblick auf moderne Ausstattung und Einrichtung den Rang ablaufen oder zumindest aufschließen – für die Entwicklung der zahnmedizinischen Ausbildung in Deutschland wäre dies wünschenswert.

Außerdem wurde seit dem Sommersemester 07 aus den Studiengebühren ein „Assistent für Medien und Technik“ finanziert, der sich nun um die Kursplanung via Computer kümmert. Schon jetzt können viele Kursanmeldungen nur noch über das Internet durchgeführt werden, wobei sich dieser Assistent als Hauptaufgabe dem „E-learning-Projekt“ widmen soll. Hierfür ist bereits eine Homepage eingerichtet worden, die wie eine Community funktionieren soll. Wenn alles läuft, kann sich der Student bei der Gruppe seines Kurses anmelden, Lerninhalte nachschlagen und über diese in einem eigenen Chat in einem Forum mit seinen Kommilitonen austauschen. Zudem sind bereits Videomitschnitte von Behandlungen und vorklinischen Demonstrationen online gestellt worden, welche die Nachbearbeitung des Lernstoffes zu Hause wesentlich erleichtern. Für interessierte Studenten soll zudem ein „Arbeitskreis E-learning“ aufgebaut werden, bei welchem auf 400 Euro-Basis, quasi als Nebenjob, das Projekt weiterentwickelt werden soll. Baulich geht es den letzten Farbflecken an Wänden und Decken genauso an den Kragen, wie den Geräten, die eine elitegerechte Mitarbeit verweigern. Der Kaffeeautomat jedenfalls wurde mit größter Wahrscheinlichkeit bereits gewartet. So nehmen die Verbesserungen kein Ende, bis auch der letzte Spottende schweigt. Dass man es einigen Leuten vielleicht immer noch nicht recht machen kann, liegt in der Natur der Menschen. Die Wenigsten wissen eben, wie der Alltag an anderen Universitäten aussieht. Man nimmt sein gewohntes Umfeld nun mal gerne als Maßstab und entdeckt dort auch leichter Fehler. Und dass Münchner vielleicht öfter mal nörgeln als andere, ist, wie ich finde, völlig normal.

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Der Normale Student?

der normale student ?

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Wer oder was ist ein normaler Student? Welche Eigenschaften identifizieren ihn oder woran kann man überhaupt festmachen, was normal ist? Dass man in der Gegenwart in jedem Alter studieren kann, ist mittlerweile allgemein bekannt und akzeptiert. Dass man nach Jahrzehnten an der Hochschule und in der Wissenschaft noch Lust hat, ein neues Studium von Anfang an zu durchlaufen, ist schon schwerer vorstellbar. Dass man allerdings nach einem derartigen Lebenslauf noch weiter strebt und sich dabei neuen Regionen öffnet, ist äußerst selten. Dementsprechend erfreut konnte ich einen dieser seltenen Menschen für das un-plaqued Interview gewinnen und etwas von der ursprünglichen Leidenschaft für das Leben und Lernen erfahren. interview mit

paul rother

M. A. Prof. Dr. med. habil. Paul Rother hat 41 Jahre am Institut für Anatomie der Universität Leipzig gearbeitet. Er wurde 1936 in Mamba, im heutigen Tansania, geboren und sollte im Alter von 14 Jahren eigentlich Braunkohlefacharbeiter werden. Glückliche Umstände ermöglichten ihm den Besuch der Oberschule und später, von 1954 bis 1959, das Studium der Humanmedizin an der damaligen KarlMarx-Universität Leipzig. Nach einjähriger klinischer Pflichtassistenz im heutigen Chemnitz kehrte er 1961 an die

1968 in Anatomie, Histologie und Embryologie. 1984 wurde er zum Professor berufen. Nach seiner Emeritierung im Alter von 65 Jahren war Prof. Rother nicht am Ruhestand interessiert, sondern widmete weiteren Fachgebieten seine Leidenschaft. Er begann das Studium der Geschichte, der Psychologie und der Russistik und schloss 2006 mit einem Examensdurchschnitt von 1,1 als Magister artium (M. A.) die drei Fächer ab. Wir wollten diesem ruhelosen Geist auf den Grund gehen und herausfinden, woher die Begeisterung für das Studium und die verschiedenen Fachge-

Leipziger Universität zurück und habilitierte

biete kommt. 49


Der Normale Student?

Welche Umstände haben in Ihrer Jugend dazu geführt, die Oberschule und später die Universität besuchen zu können?

Warum haben sie sich damals für die Medizin entschieden, wenn ihre Interessen so breit gefächert sind?

Als Pfarrerssohn wurde ich, logischerweise, nicht für die Oberschule zugelassen. Die offizielle Begründung: Mangel an gesellschaftlicher Betätigung. Im erzgebirgischen Flöha lebte aber 1950 ein alter pensionierter Studienrat, den meine Eltern kannten und der in der dortigen Oberschule den Lateinunterricht übernehmen sollte. Er tat das nur unter der Bedingung, dass der Sohn von Pfarrer R. aus L. mit in die 9. Klasse darf. Die Zulassung zum Medizinstudium war dann ganz „legal“: Im März 1953 war Stalin gestorben. Es folgten einige Monate bildungspolitisches Tauwetter, auch gegenüber Pfarrerskindern. Genau zu der Zeit wanderten meine Bewerbungsunterlagen nach Leipzig.

Erstens tat es mein Banknachbar - ein Arztsohn, zweitens riet mir mein Vater zu Theologie oder Medizin. Zu Ersterem war aber unter den DDR-Bedingungen ein großer Heroismus notwendig, den ich wohl nicht hätte aufbringen können.

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Wie haben Sie die Entwicklung der Universität über die Jahre und den politischen Systemwechsel empfunden? Der Herbst 1989 war eines der wenigen ganz großen Wunder, die ich bisher erleben durfte. Ich erinnere mich genau an die Gründung der DDR am 7. Oktober 1949, die ich als 13-jähriger im Klassenzimmer einer Dorfschule erlebte: Der Schuldirektor stellte sein privates Radio aufs Katheder, damit wir alle der


Festansprache von Wilhelm Pieck in Ostberlin lauschen konnten. Und noch genauer an das Ende der DDR am 9. Oktober 1989 im Tumult der Leipziger City: 15.00 Uhr Dienstberatung, dann nach Hause, Kohleofen anheizen, dann ins Kino Casino, nach dem Vorspann auf die Straße, wo allerdings die offizielle Demonstration schon vorbei war und Stasi, Kampftruppen, SEDObere kapituliert hatten. Ein Glücksfall, von dem wir nicht einmal zu träumen gewagt hatten.

Wer den sehr schwierigen Arztberuf meistern will, muss vor allem sein eigenes Leben meistern, und da kann die Poesie sehr helfen. Ihre Abschiedsvorlesung hatte den Titel: “Zur Notwendigkeit der Poesie und zur Sittlichkeit der Sprache“. Wie kommt es, dass ein Professor, der seine Arbeit der Anatomie und Medizin widmete, dieses Thema für seinen Abschied von der Hochschule wählt? Diese Vorlesung war bereits in meinem Repertoire. Ich hatte mir im Laufe der Jahre etwa 20 Vorlesungen zu historischen, literarischen und philosophischen Themen erarbeitet und immer mal eine zwischen die strengen Fachvorlesungen „gemogelt“. Das war eine meiner liebsten. Wer den sehr schwierigen Arztberuf meistern will, muss vor allem sein eigenes Leben meistern, und da kann die Poesie sehr helfen. Die Sprache ist ein sehr wichtiges Werkzeug jedes Arztes, der fragt, rät, tröstet, anweist. Wann erfährt der Medizinstudent schon etwas über den qualifizierten Umgang mit ihr?

Wie haben Sie im Rahmen Ihrer Lehrtätigkeit die Zahnmedizinstudenten, vor allem im Vergleich zum Medizinstudenten, wahrgenommen? Fachlich habe ich keine Niveauunterschiede gesehen. Sie schienen, wohl schon durch ihre geringere Anzahl, besser zusammenzuhalten, im Leben gewandter und politisch weniger verführbar zu sein. Bei einem Testat sagte ich einmal, noch in DDR-Zeiten, zu einer Stomatologiestudentin, welche Zahn hieß: „Sie haben sich zu einem Sklaven Ihres Namens gemacht. Stellen Sie sich vor, was wäre, wenn das alle täten, zum Beispiel ich.“ Keiner der umstehenden Kommilitonen hat mich verraten. Immerhin hatten schon zwei meiner Fakultätskollegen wegen ähnlich unvorsichtiger Äußerungen Vorlesungsverbot erhalten. Außerdem bin ich den Zahnmedizinern dankbar, dass sie mich als Büttenredner für den Mediziner-Fasching „entdeckt“ haben.

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Der Normale Student?

Wie kam der Wunsch zustande, nach einem Leben an der Universität und im wohlverdienten Ruhestand angekommen, neuerlich studieren zu wollen? Das Hochschullehrerdasein zu DDR-Zeiten war strapaziös und bot kaum Möglichkeiten, außerberuflichen Interessen nachzugehen. Andererseits: Als Christ lebt man immer auch ein wenig vor 2000 Jahren, als Lutheraner immer auch ein wenig vor 500 Jahren, als in Afrika geborener Missionarssohn, der dann als Erwachsener fünfmal in die Sowjetunion reisen durfte, bekommt man wohl automatisch einen Hang, über den Tellerrand seines Fachgebietes zu schauen, in ganz verschiedene Richtungen. Eine der Naturwissenschaften, die ja in der Medizinerausbildung nur oberflächlich gestreift werden können, von der Pike auf bis zum akademischen Abschluss zu studieren wäre eine echte Alternative zu den drei gewählten Geisteswissenschaften gewesen.

Wie hat sich das jüngste Studium von Ihrem ersten Studium der Medizin unterschieden? Was haben Sie anders gemacht? Ich habe, im Gegensatz zum ersten Mal, jetzt mit Freude studiert, ohne finanzielle, ohne gesundheitliche, ohne politische und ohne Gewissensnöte. Das Studium war viel freier, man konnte seine Vorlesungen, seine Schwerpunktthemen bei Hausarbeiten und Prüfungen selbst mitbestimmen. Dabei hatte ich, als auf dem Felde der Wissenschaft erfahrener Hase, einen strategischen Vorteil gegenüber den Kommilitonen.

Wie haben die anderen Studenten, aber auch die Dozenten auf Sie reagiert? Die Studenten waren nett, einige charmante Studentinnen boten mir sogar das Du an. Bei den Dozenten gab es nur wenige anfängliche Missverständnisse. Das Ärgste: „Na, Sie wollen wohl was gegen Ihre Arterienverkalkung tun!“ Nach einigen Extravaganzen meiner52

seits – richtige Antworten auf Fragen ins Auditorium, alleiniges wirkliches Durcharbeiten einer für das Seminar aufgegebenen Publikation, fehlerfreies Hersagen eines zu memorierenden russischen Textes – war das schnell vergessen.

Wenn Sie die letzten Jahrzehnte Revue passieren lassen – Wie sollten sich die Universitäten ändern, um besser an die „moderne“ Gesellschaft angepasst zu sein? Das ist ein weites Feld, und zu „modern“ möchte ich schon gar nichts sagen. Aber zwei Dinge sind mir, nachdem ich lange auf beiden Seiten der akademischen Ausbildungsfront gekämpft habe, ein Anliegen:


1. Bei Berufungsfragen und in der universitären Hierarchie sollten Kompetenz, Begeisterungsfähigkeit und Engagement für die Lehre viel mehr Ausschlag gebend sein und weniger die Zahl und das Gewicht der „Paper“. 2. Die Studenten sollten das Studium wirklich zur Hauptsache ihrer Studienzeit machen und Partys, Freunde, Wohnung, Auto, Reisen etc. in diesen entscheidenden 4 bis 5 Jahren als zweit- und drittrangig betrachten und behandeln.

Was wird der nächste Schritt in Ihrer außergewöhnlichen Laufbahn sein? Ich habe zu DDR-Zeiten all meinen Frust in literarischen Texten verarbeitet und damit eine Schublade gefüllt. Jetzt krame ich darin, besuche eine Schreibwerkstatt und versuche, etwas daraus zu machen, wohl wissend, dass jeder einmal an seine Grenzen stößt. Vielleicht beginne ich auch eine Promotion zu einem geisteswissenschaftlichen Thema. Im Übrigen hoffe ich auf schneereiche Winter zum Skifahren und auf moderate Winde im Sommer, um meine Windsurfkünste zu verbessern. von Ingmar Dobberstein Fotos: Anna K.O. 53


Parodontologie

Vom Stiefkind und Goldesel oder die Ausbildung der Parodontologie

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ES IST SCHON EINE MERKWÜRDIGE SITUATION IN DER PARODONTOLOGIE. WENN GEGENWÄRTIG VON INTERDISZIPLINÄRER ZAHNHEILKUNDE UND ZUSAMMENHÄNGEN ZUR ALLGEMEINMEDIZIN GESPROCHEN WIRD, SIND ES IN DEN MEISTEN FÄLLEN PARODONTOLOGISCHE PROBLEMFELDER UND ERKENNTNISSE, DIE ALS BEISPIELE ZITIERT WERDEN. Von H.C.Lux

ES BESTEHEN FORTBILDUNGSANGEBOTE IM ÜBERFLUSS UND DIE PARODONTOLOGIE GILT ALS WACHSTUMSMARKT IN DER DEUTSCHEN ZAHNHEILKUNDE. MASTERSTUDIENGÄNGE, PROPHYLAXESEMINARE UND ROT-WEISS-ÄSTHETIK-DIE BEHANDLUNG DES ZAHNHALTEAPPARATES SCHEINT DAS ZEUG ZU HABEN, DER IMPLANTOLOGIE AUF DEM FORTBILDUNGSMARKT DEN RANG ABZULAUFEN. GLEICHZEITIG WIRD DIE UNIVERSITÄRE AUSBILDUNG IN DER PARODONTOLOGIE KAUM WEITERENTWICKELT. ZWAR STEIGT DER BEDARF AN PARODONTALBEHANDLUNGEN IN DER BEVÖLKERUNG, DENNOCH WIRD DURCH DIE NICHTBESETZUNG VON LEHRSTÜHLEN ODER SOGAR DIE SCHLIESSUNG GANZER ABTEILUNGEN DAS FACH ZUM RANDBEREICH DER KLINISCHEN AUSBILDUNG JUNGER ZAHNMEDIZINER.

Diese Diskrepanz erklärt sich auf den zweiten Blick von selbst. Denn, wie auch auf dem 2. Workshop der ARPA Wissenschaftsstiftung festgestellt wurde, herrscht ein deutliches Missverhältnis zwischen der Prävalenz von parodontalen Erkrankungen (je nach Altersgruppe 2-90%) und der durchschnittlichen Behandlungszeit in deutschen Zahnarztpraxen (ca. 5% der gesamten Behandlungszeit), die für die Behandlung von Erkrankungen des Zahnhalteapparates aufgebracht wird. Gleichzeitig werden nur ca. 3% des gesamten Curriculums für die Ausbildung im Fach Parodontologie aufgewendet. Bei diesen Zahlen verwundert es kaum, dass ein derart hoher Fortbildungsbedarf besteht. Die epidemiologischen Daten sprechen eine eindeutige Sprache, denn laut der Deutschen Mundgesundheitsstudie 2006 (DMS IV) haben in der Altersgruppe der Senioren ca. 90% der Patienten eine Parodontalerkrankung. Bei einem gleichzeitigen Rückgang der zahnlosen Patienten-

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Parodontologie

gruppe und der absehbaren Überalterung der deutschen Bevölkerung dürfte der Behandlungsbedarf in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Deshalb muss an dieser Stelle die Frage gestellt werden, ob die Universitäten nicht in der Pflicht stehen, eine umfassende Ausbildung für das Fach Parodontologie als Teil des Zahnmedizinstudiums anzubieten und diese ebenso kontinuierlich weiter zu entwickeln? Die Lösungen der Probleme bleiben einmal mehr im Sumpf einer veralteten deutschen Hochschulzahnmedizin stecken. Auf der einen Seite existieren ausreichend viele wissenschaftliche Empfehlungen, Absichtserklärungen und Entwürfe, auf der anderen Seite werden diese durch Kompetenzgerangel und das Warten auf eine neue Approbationsordnung ignoriert. Am Beispiel der Fusion der Berliner Zahnkliniken wird deutlich, wie viel von Absichtserklärungen zu halten ist, wenn es um Stellenverteilung, Lehrhaushalt und Zuständigkeitsgebiete geht. Sollte es tatsächlich zu einer Schließung der Abteilung Parodontologie des in den Süden fusionierten Campus Nord kommen, wäre dies ein großer Rückschritt für die parodontologische Lehre und Forschung in Deutschland. Denn diese Abteilung für Parodontologie und synoptische Zahnheilkunde der Charité, unter Prof. Bernimoulins und später Prof. Klebers Leitung, war seit Jahren als eine der Wenigen in Deutschland mit Grundlagenforschung und strukturierter Ausbildung auf internationalem Niveau etabliert. Darüber hinaus steht der Begriff Synoptische Zahnheilkunde für integrierte Ausbildungskonzepte und eine intensive Zusammenarbeit mit den anderen zahnmedizinischen Abteilungen. Nicht umsonst fallen bei den bekannten deutschen Vordenkern in der Parodontologie gerade die unabhängigen PA-Abteilungen in Deutschland, wie zum Beispiel in Münster, auf. An den Universitäten mit selbstständigen Abteilungen wird mehr geforscht und im Schnitt deutlich mehr Zeit für die theoretische und praktische Ausbildung aufgewendet. Leidtragende sind die Studierenden und Absolventen der Universitäten mit veralteten Parodontologie-Ausbildungskonzepten. Denn zu den ersten eigenen Erfahrungen im Berufsleben gehört in der Regel die Erkenntnis, wie häufig parodontale Erkrankungen in all ihren unterschiedlichen Ausprägungsgraden sind. Diese sollten erkannt und entsprechend therapiert werden. Alles, was bis zu diesem Zeitpunkt nicht an der Universität vermittelt wurde, muss dann eben in weiteren Seminaren, Hands-on Kursen, LiveOPs und Vorträgen teuer bezahlt werden. Man könnte meinen, dass eine schlechte universitäre Ausbildung ein Garant für ein hohes Fortbildungsinteresse der Zahnärzteschaft sei. Bedenkt man dann,

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An den Universitäten mit selbstständigen Abteilungen wird mehr geforscht und im Schnitt deutlich mehr Zeit für die theoretische und praktische Ausbildung aufgewendet. Um die Parodontologie vom Stiefkind zum Musterknaben der universitären Ausbildung zu machen, müsste man allerdings eine moderne Lehre am Stand der Wissenschaft durchführen, in praktischer und theoretischer Form.


dass die selben Hochschullehrer, die nicht ausreichend Parodontologie in ihrer Studentenschaft ausbilden, von den hohen Referentengehältern profitieren,... könnte man eine eigennützige Absicht dahinter vermuten. Um die Parodontologie vom Stiefkind zum Musterknaben der universitären Ausbildung zu machen, müsste man allerdings eine moderne Lehre am Stand der Wissenschaft durchführen, in praktischer und theoretischer Form. Das in dieser Art geweckte Interesse und Bewusstsein für die Parodontologie würde das Goldesel-Dasein in der postgradualen Ausbildung ganz automatisch bestehen lassen, da vorgebildete Kollegen sich auch entsprechend weiterentwickeln wollen. Eine interessante Frage ist, was die Fakultäten zu machen gedenken, wenn schließlich eine neue Approbationsordnung in Kraft treten wird, die tatsächlich auch für die Parodontologie Rahmenvorgaben macht. Denn spätestens dann ist Ideenreichtum bei der Etablierung einer modernen Lehre gefordert und unumgänglich. Auch dann wird nicht mehr Geld in den Kassen sein und eine Besitzstandswahrung unter den Lehrstühlen stattfinden. Deshalb sollten möglichst bald Konzepte entwickelt werden, wie die Lehre einer modernen Zahnmedizin an der Universität definiert wird, um nicht noch weiter hinter den innovativen Hochschulen und im internationalen Vergleich hinterher zu hängen. Eine Alternative wäre, im Zuge von Hochschulreformen, Studiengebühren und Exzellenzinitiativen, vermehrt Eigeninitiative, Kreativität für neuen Lehrformen und Interdisziplinarität an deutschen Zahnkliniken zu fördern. Das Fach Parodontologie steht für eine integrative Behandlung. Es gibt kein Teilgebiet der Zahnheilkunde in dem der Zustand des Zahnhalteapparates keine Rolle spielt und zusätzlich werden immer mehr allgemeinmedizinische Erkrankungen und Risikogruppen beschrieben, bei denen die Behandlung der Parodontitis von großer Bedeutung ist. Wie sollten Zahnärzte von morgen eine offensichtlich erforderliche Orale Medizin praktizieren, wenn die Basis dafür nicht in der Grundausbildung vermittelt wird?

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Parodontologie

Wie kaum ein anderes Fach in der Zahnheilkunde hat die Parodontologie in den letzten Jahren neue Forschungsergebnisse hervorgebracht und den Begriff der Zahnerhaltung neu geprägt. Angesichts der Verbesserung der Mundgesundheit in der deutschen Bevölkerung, ist ein großer Teil dieser Entwicklung den Erkenntnissen dieses Teilgebietes der Zahnmedizin zuzuschreiben. Dennoch ist die Parodontologie in vielen Universitäten und Praxen deutlich unterrepräsentiert und wird im Vergleich zu den restaurativen Fächern noch lange nicht gleichwertig behandelt. Berlin war für viele Jahre ein Begriff für eine sehr fortschrittliche und beispielhafte parodontologische Forschung und Ausbildung. Mit der Fusion der beiden Zahnkliniken, den Sparzwängen der Charité und einigen Profilierungsgebärden leitender Professoren, ist die Zukunft der Parodontologie in Berlin nicht nur im Sinne der Ausbildung im Ungewissen. Ich habe Prof. Dr. Bernd M. Kleber, den Kommissarischen Leiter der Abt. für Parodontologie und Synoptische Zahnmedizin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin aufgesucht, um mit ihm über die Bedeutung dieses Faches zu sprechen. Prof. Kleber hat nicht nur die Berliner Situation der letzten Jahre, sondern vielmehr die Entwicklung der Parodontologie über die letzten Jahrzehnte und politischen Systeme hinweg beobachten und mit gestalten können.

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Warum ist die Parodontologie in Berlin etwas Besonderes? Die Parodontologie als Teilgebiet der Zahnmedizin hat in Berlin schon Anfang des letzten Jahrhunderts eine hervorgehobene nationale und internationale Bedeutung gehabt (Berliner Schule). Nach dem 2. Weltkrieg entwickelten sich – durch die politischen Verhältnisse bedingt – jeweils an der HUB und an der FUB getrennte Abteilungen für Parodontologie, die für die fachspezifische Ausbildung der Studenten zuständig waren. Nach der Vereinigung 1990 waren die Bedingungen vorhanden, in der eigenständigen Abteilung Parodontologie der HUB eine fortschrittliche Lehre für die Studierenden anzubieten. Mit der Schaffung einer Lehrveranstaltung „Synoptische Zahnmedizin“ wurde zu dieser Zeit, Beispiel gebend in Deutschland, die Integration aller zahnmedizinischen Fachgebiete und zunehmend auch medizinischer Lehrgebiete in der Art des POL (Problemorientiertes Lernen) unter der Federführung der Parodontologie eingeführt. In jener Zeit gelang es ebenfalls, das bisher einzige zahnmedizinische Graduiertenkolleg in der Abteilung Parodontologie zu etablieren, dass über 9 Jahre (dreimaliger Verlauf) kontinuierlich junge Wissenschaftler in spezifischen Fragen der Grundlagen- sowie der klinischen Forschung und besonderen Therapiemethoden, bis hin zu Implantationen ausbildete. Die Überführung des Graduiertenkollegs in einen universitären Masterstudiengang ist wohl am Unverständnis oder an nicht ausreichender Unterstützung durch die Fakultätsleitung, sowie den veränderten Voraussetzungen einer erneuten Fusion, gescheitert. Hat die Parodontologie eine eigene Abteilung/ Professur an den zahnmedizinischen Fakultäten verdient? Die Parodontologie ist eines der innovativsten Teilgebiete in der Zahnmedizin. Ein Blick in die wissenschaftliche Literatur der letzten Jahrzehnte lässt dies erkennen. So wäre z. B. die heute oft geübte und notwendige Augmentation von Alveolarknochen in der Vorbereitung für eine Implantation ohne die Erkenntnisse und Erfahrungen der gesteuerten Geweberegeneration (GTR) undenkbar. Die Grundlagenforschung, zusammen mit anderen medizinischen Teilgebieten, hat Erkenntnisse der gegenseitigen Assoziation von

- Prof. Dr. B. M. Kleber -

chronischen Entzündungen des Parodontiums u. a. mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD), mit cerebro-vaskulären Schädigungen, mit Frühgeburten aufgezeigt. Andere Zusammenhänge mit Übergewicht oder Fettleibigkeit, Rauchen oder Medikamentennebenwirkungen sind Themen aktueller Forschung. Es ist keine Frage, dass die Parodontologie an den Universitäten durch eine der Bedeutung des Faches angemessene, eigenständige Struktur geführt werden muss. Nur so sind gewünschte und notwendige Forschungsergebnisse zu erwarten. Dies hat übrigens der Wissenschaftsrat in seinen Empfehlungen zur Entwicklung der Zahnmedizin in Deutschland 2005 59


Parodontologie

hervorgehoben, in denen er die Parodontologie bei den Kernfächern der Zahnmedizin ansiedelt. Wofür steht synoptische Zahnmedizin in der Bezeichnung Ihrer Abteilung? Synoptische Zahnmedizin steht für Integration zahnmedizinischer und medizinischer Fragen und deren Lösungen unter gewollter Aufhebung des leider noch weit verbreiteten isolierten Fachwissens und -denkens. Die im 8. und 9./10. Semester angesiedelte Lehrveranstaltung wurde von der Abteilung Parodontologie unter Mitwirkung der anderen zahnmedizinischen Fachgebiete geleitet. Sie speiste sich aus Anteilen der meisten anderen Lehrgebiete und wurde als Ringvorlesung und auch als POL durchgeführt. Diese, von den Studierenden und Lehrenden mit viel Engagement ausgeübte Lehrveranstaltung, ist mit der neuen Studienordnung in Berlin abgeschafft worden. Die Parodontologie ist eines der Fachgebiete, welches die Interdisziplinarität zwischen Medizin und Zahnmedizin vorantreibt. Warum wird diesem Fach nicht die gleiche Bedeutung an den Universitäten geschenkt, wie der Prothetik oder Zahnerhaltung? 60

Das noch vorherrschende Bild des Zahnarztes in Deutschland ist von der restaurativen Tätigkeit (Füllungen, Zahnersatz) und Zahnentfernung geprägt. In der GKV wird dafür immer noch die überwiegende Mehrheit der gesamten zahnärztlichen Leistungen abgerechnet. Für die parodontalen Behandlungen werden dagegen lediglich 3,1% in den alten Bundesländern bzw. 2,9% in den neuen Bundesländern vom Gesamtbudget ausgegeben (KZBV Jahrbuch 2006). In den letzten Jahren erinnert man sich wieder daran, dass der Zahnarzt ein Arzt ist, der sich – wie in der Medizin üblich – mit einem besonderen Teil des menschlichen Körpers beschäftigt. Das Umdenken hat langsam an den Hochschulen begonnen und schlägt sich in der, hoffentlich bald wirksam werdenden, neuen ApOZ (Approbationsordnung Zahnmedizin) nieder. Durch die starre Kopplung von Lehrverpflichtungen mit Personalstärke der Abteilungen (KapVo) setzt dies jedoch von allen Beteiligten Verständnis und guten Willen voraus. 80% der Bevölkerung sind von einer Parodontitis betroffen. Die Zahlen des Behandlungsumfanges in den freien Praxen stehen dazu in keinem Verhältnis. Wie erklären Sie sich


das und was kann dagegen unternommen werden? Bei Patienten der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) sind im Jahre 2005 6,00 €/ Versicherten für eine parodontale Therapie ausgegeben worden (196,96 €/ Mitglied Gesamtausgaben). Die Honorierung für die parodontologische Diagnostik und Therapie ist im Vergleich zu Leistungen für Zahnersatz immer noch deutlich zu niedrig. Auch bei den privat versicherten Patienten wird für die Behandlung der Parodontitis, unter Berücksichtigung der epidemiologischen Situation, viel zu wenig abgerechnet. Es kann vermutet werden, dass durch die Ausrichtung der Ausbildung auf Reparatur und Restauration die spätere zahnärztliche Tätigkeit vorbestimmt wird. Findet Ihrer Meinung nach an den deutschen zahnmedizinischen Fakultäten eine flächendeckende, strukturierte Ausbildung in der Parodontologie statt? Nach meiner Kenntnis ist die parodontologische Ausbildung an den deutschen Hochschulen nicht einheitlich und vom Engagement und dem Wollen der Lehrenden abhängig. Die immer noch gültige alte ApOZ sieht keine eigene praktische oder theoretische parodontologische Ausbildung vor. Auch das parodontologische Staatsexamen ist Bestandteil der Prüfung Zahnerhaltung (§ 49) und geht nur zur Hälfte der Wertigkeit in die Gesamtbeurteilung ein. Ist die Etablierung der Aufstiegsfortbildung zur Dentalhygienikerin (DH) eine Entwicklung, bei der die Parodontologie aus der zahnärztlichen Verantwortung delegiert wird? Moderne Zahnheilkunde ist nur im Team möglich. Die Aufgaben der einzelnen Mitglieder regelt das Zahnheilkundegesetz. Der DH kommt eine sehr große Bedeutung in der Prävention, sowie der Betreuung parodontal Erkrankter zu. In vielen europäischen Ländern, und langsam zunehmend auch in Deutschland, erfüllt die DH mit ihrer Arbeit, unter Anleitung und Aufsicht des Zahnarztes, ganz wesentliche Aufgaben in der zahnärztlichen Betreuung der Bevölkerung.

Wie wird die parodontologische Zukunft in Berlin aussehen? Die Binnenstruktur des Charite Centrums 3 Zahnmedizin ist durch 6 Abteilungen und 2 Funktionsbereiche festgelegt. Diese Struktur wurde von allen zuständigen Gremien bestätigt. Demnach wird es auch in Zukunft eine selbständige Abteilung Parodontologie am CC3 geben. Jedoch sind in den letzten 2 Jahren durch die Fusion mit der ehemaligen Zahnklinik der FUB, in der keine selbständige Abteilung Parodontologie existierte, Entwicklungen geschehen, die die Mitarbeiterzahl der Abteilung Parodontologie um die Hälfte reduzierte, sowie die wesentlichen Lehraufgaben in der Parodontologie an das Personal der „Zahnklinik Süd“ übertrug. Damit ist der Fortbestand, entgegen den Beschlüssen zur Struktur des CC3, in Frage gestellt. Wichtige Forschungsaufgaben (z.B. DFG geförderte Multicenterstudien) können nicht mehr durchgeführt werden. Die Leitung des Universitätsklinikums ist mehrfach auf diese negative Entwicklung hingewiesen worden, trotzdem hat sie selbst zu dieser Entwicklung beigetragen. Ein Hoffnungsschimmer hat sich jetzt gezeigt, als der Dekan einer Ausschreibung für die Nachbesetzung der W2 Professur Parodontologie, verbunden mit der Leitung der Abteilung, zugestimmt hat.

61


Parodontologie

BERLINER

UNI

1 = 1 + 1 N O I S U F n o K e i D der Berliner aritĂŠ Prof. Paul

m Dekan der Ch

Interview mit de

Nach mittlerweile 6 Jahren Fusion der beiden Zahnkliniken in Berlin, kann man den Prozess als nahezu abgeschlossen betrachten. Die Entwicklung hat in dieser Zeit einige Opfer gefordert und besonders das menschliche Zusammenspiel an der fusionierten Zahnklinik gestaltete sich in der Vergangenheit und Gegenwart alles andere als harmonisch.

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Die inhaltlichen und strukturellen Unterschiede beider Kliniken traten deutlich zu Tage und fütterten die grundsätzlichen und fachspezifischen Diskussionen. Das Zahnmedizinstudium an der Zahnklinik Nord war im deutschlandweiten Vergleich, aber vor allem im Vergleich zur Zahnklinik Süd, sehr fortschrittlich organisiert (Stichwort Integrierte Kurse). Durch glückliche Umstände und unendliche Schriftwechsel wurde diese Organisation in Form einer neuen, gemeinsamen Studienordnung nun auch am gemeinsamen Standort Süd, trotz heftiger Gegenwehr des dortigen Lehrpersonals, umgesetzt und erhält nun durchweg bessere Evaluationsergebnisse im Vergleich zum alt eingesessenen System. Verlierer der Berliner Fusion scheint eindeutig die Abteilung Parodontologie zu sein, welche im „Norden“, als eigenständige Abteilung, eine fortschrittliche und strukturierte Ausbildung der Studenten durchgeführt hat. Diese Abteilung soll nun, entgegen aller Erfahrungen, am Standort Süd wieder mit der Abt. für Zahnerhaltung zusammengeführt werden. Darüber hinaus war in der ehemaligen Zahnklinik Nord seit 9 Jahren ein Pilotprojekt für einen Masterstudiengang Parodontologie (Graduierten Kolleg) etabliert, der mit der Fusion bewusst zunichte gemacht wurde. Dabei zeigt die Entwicklung eine andere Tendenz: die Bildungspolitik fordert mehr Drittmitteleinnahmen und an nahezu jeder Universität wird derzeit versucht, sich auf dem Gebiet der Masterstudiengänge zu profilieren. Um diesen teils unverständlichen Entscheidungen auf den Grund zu gehen, befragte ich den Dekan der Charité - Universitätsmedizin Berlin, Prof. Dr. Martin Paul, der die Fusion der Zahnklinken in Berlin von Seiten der Fakultät maßgeblich mitbestimmt hat.

Wie bewerten Sie die Ergebnisse der Fusion in der Zahnmedizin zum jetzigen Zeitpunkt?

Der Ansturm junger Studierwilliger für das Zahnmedizinstudium in Berlin hat in den letzten Jahren eher zuals abgenommen. Auch von Seiten der Regierung wird immer wieder darauf hingewiesen, dass mehr Studenten

benötigt werden. Darüber hinaus ist aus verschiedenen Stellen ableitbar, dass der Zahnmedizin ein ähnlicher Personalmangel bevorsteht, wie er augenblicklich schon in der Medizin erkennbar ist. Die Neuorganisation der beiden, früher getrennten, Bereiche ist erfolgreich abgeschlossen, die Zahnmedizin ist im Rahmen der neuen Centrumsstruktur orga63


Parodontologie

nisiert und die neugewählte Centrumsleitung, der Prof. Lange vorsteht, hat Ihre Arbeit als eine der ersten an der Charite übernommen. Mit der Umsetzung der gesetzlich vorgegebenen Reduktion der Studierendenzahlen in den letzten Semestern gab es erwartungsgemäß Probleme, die aber jetzt weitgehend als gelöst zu betrachten sind. Natürlich müssen wir in den nächsten Jahren beobachten, inwieweit diese Reduktion noch genügend zahnärztlichen Nachwuchs hervorbringt – ein Problem, das wir übrigens

auch in der Humanmedizin sehen. Eine Erhöhung der Studierendenzahl müsste aber auch mit einer Budgeterhöhung des Landeszuschusses einhergehen, um sie finanzieren zu können.

¨

- Prof. Paul -

Nichtsdestotrotz müssen wir von den Beteiligten erwarten, dass Sie lernen, sich auf die neue Situation einzustellen und miteinander umzugehen.

Halten Sie die Entscheidung, eine der beiden Zahnkliniken zu schließen, weiterhin für sinnvoll?

Während der Fusion war es eine der grundsätzlichen Forderungen seitens der Politik, Außenstandorte zu beseitigen. In der Zahnmedizin wurde nun gerade der Außenstandort weiter etabliert, was vor allem für die Zahnmedizinstudenten deutliche Probleme birgt.

Die Fusion und die Aufgabe eines der beiden Standorte 64


war eine Vorgabe der Politik. Natürlich ist es, gerade unter den vorgegebenen Einsparungen, sinnvoll, Standorte zu konzentrieren. Die Aufgabe von Außenstandorten gilt zwar grundsätzlich, Standorte mit einer sehr spezialisierten Aufgabe (dies gilt neben der Zahnmedizin z.B. auch für die Rechtsmedizin) halten wir auch in Zukunft an sogenannten Außenstandorten vor, da wir die Hauptcampi prioritär für eine Konzentration der humanmedizinischen Einrichtungen benötigen.

¨

Welche Gründe gab es für die Standortentscheidung und wie stehen Sie angesichts der geplanten Neuansiedlung der medizinischen Vorklinik der Mediziner am Standort Mitte heute

Als Außenstehender vermag ich die Ursache für die Konflikte nicht wirklich zu bewerten. Ich nehme an, dass eine sehr unterschiedliche „Unternehmenskultur“ in den beiden Bereichen vorlag. Nichtsdestotrotz müssen wir von den Beteiligten erwarten, dass Sie lernen, sich auf die neue Situation einzustellen und miteinander umzugehen. Die Fakultäts-

und Centrumsleitungen arbeiten hier eng zusammen, um einen entsprechenden Moderationsprozeß voranzubringen. Wir hoffen, dass dieses Thema sich auch durch die anstehenden Neuberufungen entspannt. Die Problematik auf die Nichteinführung des Masterstudienganges Paradontologie zu reduzieren, halte ich für zu kurz gegriffen.

¨

dazu?

Wie und warum ist es zur Abschaffung des

Bei jeder Entscheidung ist das Für- und Wider abzuwägen und natürlich wurden Argumente für beide Standorte vorgebracht. Dies geschah übrigens nicht in einer „einsamen“ Entscheidung sondern in allen zuständigen Gremien wie dem Fakultätsrat, dem Vorstand, dem Aufsichtsrat und dem Medizinsenat zugunsten des Standorts in der Assmannshauser Straße. Neben dem oben genannten Mehrbedarf für neue Forschungszentren (wie z.B. dem Zentrum für Regenerative Therapien) am Campus Virchow-Klinikum spielten sicher weitere Gründe, wie die bessere Ausstattung mit Forschungslaboren in der Assmanshauser Straße, eine Rolle. Die angesprochenen zwischenmenschlichen Probleme sind sicher zum Teil fusionsbedingt und in der Zahnmedizin offenbar schwerwiegender als in anderen Bereichen der Charité. Sie wären aber sicherlich auch aufgetreten, wäre die Zahnmedizin insgesamt am Campus VirchowKlinikum angesiedelt worden. Die Konzentrierung der Vorklinik in Mitte hat meiner Meinung nach mit diesem Problem wenig zu tun. Weder die Zahnklinik Süd noch die Zahnklinik Nord ist auf einem Campus angesiedelt, an dem sich vorklinische Institute befinden.

¨

Wo sehen Sie die Ursachen für diese menschlichen Konflikte und was gedenken Sie und Ihre Kollegen in der Fakultätsleitung zu tun, um die Probleme zu überwinden und den Mitarbeitern eine harmonische Zusammenarbeit zu ermöglichen?

Graduierten Kollegs Parodontologie gekommen? Wie gedenken Sie, an dieser Stelle eine zukunftsfähige Zahnmedizin am Standort der Bundeshauptstadt Berlin zu etablieren und zu fördern?

Die Fakultätsleitung hätte es sehr begrüßt, wenn ein solcher Masterstudiengang etabliert worden wäre. Ungeachtet der möglichen Einnahmen sind aber zunächst die Kosten für einen solchen Studiengang zu bewerten, da es für neue Studiengänge kein zusätzliches Budget vom Land gibt. Wir haben die Initiatoren mehrfach gebeten, hierzu einen tragfähigen Businessplan vorzulegen. Leider hat das vorgelegte Konzept die Standards, die wir generell für die Neueinführung von Masterstudiengängen anlegen müssen, nicht erfüllt. Vollkommen ungeachtet dessen steht der besondere Stellenwert der Paradontologie, auch in der Lehre. Un-

abhängig von der Vorgeschichte ist es doch als Erfolg zu werten, dass sich das Konzept der integrierten Kurse durchgesetzt hat. Dies und die bisherigen Forschungsleistungen in diesem Fach haben uns auch veranlasst, die Paradontologie als eigenständige Professur wieder auszuschreiben, so wie es der Strukturplan der Fakultät vorsieht. Die Wiederbesetzung der Professur wird daher in der nächsten Sitzung des Fakultätsrats beantragt. Aber die Zahnmedizin ist natürlich mehr als die Paradontologie – auch die anderen Fachgebiete müssen im Gesamtkonzert der Lehr- und Forschungsaufgaben eine eigenständige, starke Rolle spielen 65


Parodontologie

Die modernen integrierten Lehrkonzepte müssen ausgebaut und um weiterbildende Angebote ergänzt werden.

Wird die Ausbildung der Zahnmedizin in Berlin

noch bessere Promotionsmöglichkeiten zu bieten.

eine inhaltliche und strukturelle Rückentwick-

Beide Zahnkliniken waren, trotz der angesprochenen Aktivitäten in der Paradontologie, in der gemessenen Gesamtforschungsleistung nicht signifikant unterschiedlich und am unteren Ende der Leistungsskala der Charite. Die Fakultätsleitung hat mehrfach bekräftigt, eine zukunftsweisende Gesamtkonzeption für die Forschung auch unterstützen zu wollen. Und diese Signale werden zunehmend aufgenommen. So stehen wir z.B. kurz vor der Unterzeichnung eines großen Drittmittelprojektes zur Implantologie und Prothetik (übrigens auch zur Verbesserung des Lehrangebots) und Hochschullehrer aus der Zahnmedizin – auch außerhalb der Paradontologie – wurden mit renommierten Forschungsund Innovationspreisen ausgezeichnet. Die modernen

lung auf das Niveau der ehemaligen Zahnklinik Süd erleben oder werden die, auf Grund des Alters freiwerdenden Professorenstellen neu ausgeschrieben?

Die Zahnklinik Süd ist für mich lediglich das Gebäude, in dem die neue, fusionierte Zahnmedizin unter Einbeziehung aller Leistungsträger ein Zukunftskonzept entwickeln muss. Trotz aller oben genannten Probleme ist dafür die Entwicklung einer gemeinsamen Struktur unter einem Dach eine wichtige Grundvoraussetzung. Beide Standorte haben ihre Stärken und es wird nun die Aufgabe des Zentrums sein, die Synergien optimal zu nutzen. Selbstverständlich werden die Professuren zeitnah und, entsprechend des verabschiedeten Strukturplans, besetzt. Auch darüber hinaus sind erfreuliche Entwicklungen zu verzeichnen. So wird das vorgelegte Konzept der Einwerbung einer Lichtenberg-Professur der Volkswagenstiftung für Kinderzahnheilkunde auch von der Fakultätsleitung unterstützt.

¨

Welches Konzept haben Sie, die Ausbildung der Zahnmedizinstudenten in Berlin wieder zukunftsfähig und vergleichbar mit anderen deutschen Ausbildungsstandorten zu machen?

Ein attraktiver universitärer Standort hängt immer von einer effektiven Symbiose zwischen Lehre und Forschung ab. Ich glaube, das Grundkonzept muss sein, dass die Forschungsleistung der Zahnmedizin trotz der übergroßen Lehrbelastung nachhaltig gesteigert wird um z.B. auch den Studierenden 66

integrierten Lehrkonzepte müssen ausgebaut und um weiterbildende Angebote ergänzt werden. So

wären wir jederzeit bereit, ein neues, finanziell und inhaltlich tragfähiges Masterprogramm zu unterstützen. Wenn wir in all diesen Punkten ansetzen, brauchen wir uns um unser nationales Ranking in der Zahnmedizin keine Sorgen zu machen.

¨ Interview von Ingmar Dobberstein


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Medizin und Zahnmedizin

Das Glück der Medizinstudenten oder der lange Weg des Reformstudienganges IN BERLIN WEHT DER WIND DES WANDELS. GENAUER GESAGT AN DER CHARITÉ. Im Jahre 2009 soll für die Humanmediziner ein neuer Modellstudiengang entstehen, der Komponenten des Reform- und Regelstudiengangs beinhaltet und große Veränderungen mit sich brächte. Was das mit den Zahnmedizinern zu tun haben soll wird zum Ende des Artikels deutlich werden...

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen bauen Windmühlen. Chinesische Weisheit

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Medizin und Zahnmedizin

Geschichte des Reformstudienganges an der Charité

Der Vergleich

Der Berliner Reformstudiengang entstand aus dem UNi-

Wie wir bereits wissen, sieht der Regelstudiengang

MUT-Streik der Studenten im Wintersemester 1988/89, welche auf die strukturellen und inhaltlichen Mängel und Probleme der stark verschulten universitären Ausbildung aufmerksam machten, und neue Konzepte dafür finden wollten. An den positiven Erfahrungen ausländischer Reformuniversitäten orientiert, entwickelten sie die Idee eines alternativen Studiengangs. Im Mittelpunkt sollte ein Praxis bezogenes Studium stehen, in der sich Theorie und Praxis die Waage hielten und die (Eigen-) Initiative des Studierenden gefördert werden sollte. Mit Unterstützung des Dekans des Universitätsklinikum Rudolf Virchow gelang es schließlich einer Arbeitsgruppe den Reformstudiengang Medizin einzurichten.

der Mediziner zwei Ausbildungsabschnitte vor: einen vorklinischen und einen klinischen, „getrennt“ durch das Physikum. Im RSM existiert diese scharfe Grenze zwischen Vorklinik und Klinik nicht. Vielmehr werden beide Abschnitte von Beginn an gefördert und greifen wie eine Spirale ineinander. Der Studierende wird von Anfang an mit klinischen Fällen konfrontiert, die in POL-Gruppen (ProblemOrientiertesLernen) gemeinsam aufgearbeitet, bearbeitet und gelöst werden. Der Dozent hält sich im Hintergrund, achtet auf den Umgang untereinander und gibt Hilfestellungen zur Vorgehensweise. Alles andere ist Aufgabe der Studierenden, die sich in einer Gruppendynamik die medizinischen Themen „selbstbestimmt beibringen“. Das Augenmerk liegt hierbei weniger auf dem überbordenden und teilweise unnötigen Wissen, das ein Studierender zu haben hat, sondern neben dem notwendigen Grundlagenwissen und der Erarbeitung von fachübergreifenden Prinzipien vor allem auf den sozialen Kompetenzen und praktischen Fertigkeiten, die durch Veranstaltungen zur Interaktion, Blockpraktika, POL und Seminare geschult und gefördert werden.

Das Resultat

1999 - 10 Jahre nach dem Streik, wurde der Reformstudiengang erstmals, mit dem Ziel der kontinuierlichen Weiterentwicklung neuer Lehr-, Lern-, und Prüfungsformate eingeführt. Am 8. Oktober 2004 lud man unter dem Titel „Die ersten Absolventen des „Reformstudiengangs Medizin an der Charité werden im Oktober fertig“ zu einer Pressekonferenz. Heute, 8 Jahre nach der Einführung des RSM (Reformstudiengang der Medizin) und 3 Jahre nach der Pressekonferenz, hat man schließlich genug Erfahrungen gesammelt und stellt sich nun in Berlin die Frage, welche Elemente des Reform- und des Regelstudiengangs sich bewährt haben und in den neuen Modellstudiengang überführt werden können.

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Denn wenn 300 Studenten der Humanmedizin versorgt werden können, dürften 45 Zahnmediziner kein großes Problem mehr darstellen.


Die Pläne / Der Modellstudiengang

Für das Jahr 2009 ist nun vorgesehen, ein neues Lehrpro-

wie wir es vielerorts kennen 1: >40. So könnte dieses

gramm für einen Modellstudiengang Medizin, welcher ausgewählte, bewährte Elemente aus dem Regel- und Reformstudiengang enthalten soll, zu verwirklichen. Die Grundlagenfächer bleiben zum Beispiel erhalten und bilden am Anfang den größten Teil des Studiums, werden aber nach und nach von den klinischen Anteilen ersetzt. So versucht man den Studenten ein Grundwissen zu vermitteln, ohne auf die Klinik verzichten zu müssen. Am Ende des Studiums steht nach wie vor das Praktische Jahr.

Missverhältnis des Verteilungsschlüssels zwischen Assistentenzahlen und Studenten endlich gelöst werden. Was allerdings im schlimmsten Fall auch eintreten könnte ist, dass die Zahnmedizinsiche Fakultät den Modellstudiengang 2009 bzw. die Idee, die dahinter steht, ablehnt. Anlass zur Sorge gibt es, wenn man sich zum Beispiel die Approbationsordnung der Humanmediziner anschaut und sie mit der zahnmedizinischen vergleicht. Im Abschnitt 6 § 41 der Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO 2002; Ausfertigungsdatum 27.06.2002) heißt es im: § 41 - Modellstudiengang

Für den Modellstudiengang ist ebenfalls die Umsetzung und Einbindung des Bologna-Prozesses vorgesehen. Das bedeutet, dass das Staatsexamen durch ein zweistufiges System aus Bachelor und Master ergänzt wird, um das Berliner Medizinstudium mit dem Hochschulwesen in Europa vergleichbarer zu machen, die internationale Wettbewerbsfähigkeit, Mobilität und Beschäftigungsfähigkeit zu fördern. Inzwischen haben 29 europäische Länder die Bologna-Erklärung unterschrieben und sich an dem Prozess beteiligt. Und die Zahnmediziner der Charité? Es bleiben dabei viele Wege offen, was mit dem Zahnmedizinstudium passieren kann. Einige möchte ich hier ausführen. Das Zahnmedizinstudium könnte an das Medizinstudium angepasst und in diesen Prozess integriert werden. Denn wenn 300 Studenten der Humanmedizin versorgt werden können, dürften 45 Zahnmediziner kein großes Problem mehr darstellen. In der Vorklinik wird dies derzeit mehr oder weniger schon praktiziert, seit die Studienordnung der Mediziner novelliert wurde. Selbst der Unterricht mit einer angemessenen Zahl von Fachkräften wäre realisierbar. Man würde in kleinen Gruppen unterrichtet werden, mit einem Dozent - Studenten Verhältnis von 1:8 und nicht,

(1) Die nach Landesrecht zuständige Stelle kann einen Modellstudiengang zulassen, der von den Vorschriften dieser Verordnung dahingehend abweicht, dass: 1. die Ärztliche Prüfung lediglich aus dem Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung besteht, wobei der Zweite Abschnitt frühestens nach einem Medizinstudium von sechs Jahren abzulegen ist, (…) (2) Die Zulassung als Modellstudiengang setzt voraus, dass: 1. das Reformziel beschrieben wird und erkennen lässt, welche qualitativen Verbesserungen für die medizinische Ausbildung vom Modellstudiengang erwartet werden, 2. eine von der Universität zu erlassende besondere Studienordnung besteht, 3. sichergestellt ist, dass die im Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (…) usw. (http://www.approbationsordnung.de) Dieser Paragraph ermöglicht es reformwilligen Universitäten einen Modellstudiengang zu beantragen. Gleichzeitig können Vorschriften der ÄApprO außer Kraft

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Medizin und Zahnmedizin

gesetzt bzw. umgangen werden. Vier Abweichungen zur gängigen Praxis sind genannt, die allerhand gestalterischen Spielraum für ein alternatives Curriculum zulassen. So braucht die Ärztliche Prüfung lediglich aus dem Staatsexamen zum Zweiten Abschnitt zu bestehen, welche aber ebenfalls frühestens nach sechs Jahren abgelegt werden kann. Die Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten, die sonst im Ersten Abschnitt nachzuweisen sind, müssen in gleichwertiger Weise im Modellstudiengang abgeprüft werden. (http://www.approbationsordnung.de/AO/kommentare.html )

Problematisch ist dabei, dass ein vergleichbarer Paragraph oder Gedanke in unserer Approbationsordnung für Zahnärzte nicht existiert, was sich mit einem Blick auf das Ausfertigungsdatum dieser erklärt: 26.01.1955.

Problematisch ist dabei, dass ein vergleichbarer Paragraph oder Gedanke in unserer Approbationsordnung für Zahnärzte nicht existiert, was sich mit einem Blick auf das Ausfertigungsdatum dieser erklärt: 26.01.1955. Das sind 52 Jahre, die dieses Gesetz über die Berufsausübung der Zahnärzte mittlerweile auf dem Buckel hat und in denen seitdem keine nennenswerten neuen Konzepte eingeflossen sind. Um sich das besser vorstellen zu können helfen vielleicht folgende Informationen: Im Jahre 1955 wurden die Alliierten Dienststellen in der BRD aufgelöst, es ist das Ende der Besatzungszeit. Im April startet der erste Flug der Lufthansa nach dem Krieg von Hamburg nach München. Und am 19. März wird Bruce Willis, ein amerikanischer Schauspieler, der in seinen Hollywood Filmen, derzeit actionreich und langsam stirbt, geboren. Im Berlin der Mediziner weht der Wind des Wandels. Dass die Approbationsordnung für Zahnmediziner über alle Maße veraltet ist, ist offensichtlich. Wir befinden uns (seit dem UNiMUT-Streik 1989) gegenüber den Medizinern um fast 20 Jahre im Rückstand, was die Idee eines Reform- oder Modellstudiengangs betrifft. Die Qualität in der Ausbildung der Humanmediziner wird nachhaltig gesichert und fortentwickelt, während sich auf dem zahnmedizinischen Fachgebiet seit 50 Jahren nichts tut. So gesehen kann man sich als Zahnmedizinstudent glücklich schätzen, dass die Bohrer nicht mehr von Hand oder Fuß angetrieben werden müssen… Phoenix

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Dentocase

Sind Vorlesungen noch zeitgemäß? Priv. Doz. Dr. Ingrid Peroz, Andrea Beuche

Mobiltelefon, Notebook, Chats und Videokonferenzen im Internet, Begriffe googeln und bei „Wikipedia“ nachschlagen … damit wächst die heutige Jugend auf. Zur Wissensgesellschaft gehört die Web-Generation ebenso dazu, wie Studenten und Wissenschaftler. Wie sonst könnte man diese schier unendlichen Datenmengen benutzen und verwalten? Mit einem Studium assoziiert man dagegen auch heute noch den Hörsaal, in dem die Studierenden dem Referenten quasi an den Lippen hängen (Wunschvorstellung der Dozenten). Man stellt sich eifrig in Büchern studierende junge Menschen vor, die Bibliotheken bevölkern und der Uni das Leben einhauchen. Aber ist diese Vorstellung überhaupt noch zeitgemäß? Die Realität sieht an vielen Unis anders aus. Wenn nicht durch Strafandrohung als Pflichtvorlesung ausgewiesen, können die Dozenten mit 50% Anwesenheit eines Semesters als Zuhörer schon äußerst glücklich sein. Darüber hinaus hat sich bei vielen Studenten ein sporadisches, vor-der-Klausur-Lernen durchgesetzt, welches unter Umständen die gewünschten Prüfungsergebnisse ermöglicht, aber auf keinen Fall eine langfristige Wissensspeicherung gewährleistet. Wie bereits 2001 und 2002 in der UN-PLAQUED publiziert, wurde an der Charité ein, in der Zahnmedizin ein76

zigartiges, E-learning-Tool entwickelt, welches den Studierenden fallbasiert Wissensmodule anbietet, diese mit interessanten Weblinks verknüpft und Artikel in Pubmed sowie Testmodule zur Selbstüberprüfung bereit stellt. Doch lernen Studenten durch ein Selbststudium per Elearning genau so viel, wie im Rahmen einer Vorlesung? Genau dieser Frage ging eine Studie nach, die mit Hilfe von Studentinnen und Studenten im 1. und 3. Semester der Vorklinik in Berlin durchgeführt wurde. Die Studierenden wurden randomisiert in 2 Gruppen eingeteilt, eine E-learning Gruppe und eine Vorlesungsgruppe. Thema der Wissenseinheit war: Die instrumentelle Funktionsanalyse. Um das Basiswissen zu erfassen, erhielten alle Studierenden vorab einen Test mit 17 Multiple-Choice-Fragen und 3 Lückentexten. Direkt danach fand eine 60-minütige Vorlesung in einem Hörsaal statt, während die E-learning Gruppe in einem PC-Labor in einem völlig anderen Gebäude auf


dem Campus 20 Rechner zur Verfügung hatte, mit denen sie online die Wissenseinheit durcharbeiten konnten (Abb. 1). Falls Hilfestellungen notwendig waren, stand eine Person zur Verfügung, die zudem die Zeit

online Angebote, jedoch nicht zum Ersatz von Vorlesungen, sondern ergänzend dazu. Die Testergebnisse zeigten: Das Wissen der Vorlesung konnte direkt nach der Veranstaltung signifikant besser

dokumentierte, wie lange jeder Einzelne sich mit dem Tool befasste. Direkt nach der Vorlesung und dem Selbststudium des online-Tools wurde der Test erneut geschrieben. Zudem befragte man die Studierenden nach den persönlichen Eindrücken bezüglich der Vorlesung bzw. dem Online-

wiedergegeben werden als nach dem Selbststudium per Online-Tool (Abb. 2). Nach 6 Wochen waren jedoch die Unterschiede nicht mehr signifikant, d.h. die Inhalte der Vorlesung waren schneller vergessen, als das Gelernte aus dem Online-Tool. Die Studierenden benötigten durchschnittlich nur wenige Minuten länger für das

Artikulatorprogrammierung Einsockeln der Modelle Das Oberkiefermodell wurde bereits mit Hilfe des Gesichtsbogenregistrats in den Artikulator übertragen (siehe Kapitel 4 und Abbildung 1).

Abb.1 Montage des Oberkiefers mittels Gesichtsbogen bzw. 3D Gelenksupport und Übertragungsschlitten

Tool. Nach 6 Wochen fand für alle Studierenden eine Wiederholung des Tests statt, um zu erkennen, wie viel des Wissens noch abrufbar war (Die Studie wurde im September mit dem „Best Poster“ Preis der Association of Dental Education in Europe (ADEE) in Dublin ausgezeichnet.). Die Befragung zeigt eindeutig: Die Vorlesung gefiel besser und erhielt bessere Beurteilung hinsichtlich der Struktur, des Inhalts und der Verständlichkeit (Bewertungsskala 0 – 10, Mittelwert 8,5). Das Online Tool erhielt für vergleichbare Fragen im Schnitt 7 Punkte von 10. Dennoch wünschten sich die Studierenden mehr

Selbststudium als die Vorlesung dauerte. Was sagt uns das? Vorlesungen sind zwar altmodisch – aber erwünscht. Sicherlich kommt es auf den Enthusiasmus des Vortragenden an, ob man eine Vorlesung als langweilig empfindet und abschaltet oder von Anfang bis Ende dabei bleibt. Da in der vorliegenden Studie das Online-Tool und die Vorlesung von der selben Person verantwortet waren und sowohl der Ehrgeiz darin bestand, eine gute Vorlesung zu halten als auch interessante Inhalte online zur Verfügung zu stellen, ist von einer hohen Motivation des Dozenten auszugehen. Dennoch ist es erstaunlich, dass Selbststudium auf die 77


Dentocase

längere Sicht gesehen keine schlechteren Resultate produzierte. Dies mag wiederum der Tatsache geschuldet sein, dass man den eigenen Bedürfnissen angepasst lernen konnte, d.h. schwierige Zusammenhänge konnten

Betrachtet man allerdings die Umsetzung der E-Learning-Inhalte an den verschiedenen Universitäten, wird das Hindernis für derartige Möglichkeiten beim Lehrkörper selbst zu finden sein, der sich vielerorts nur zö-

mehrfach durchgearbeitet werden, über einfache Themen, oder solche, die einem bekannt waren, konnte man auch schnell hinweg gehen.

gerlich und selten der interaktiven digitalen Möglichkeiten bedient.

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Wissensinhalte interaktiv online zur Verfügung zu stellen, bietet die Möglichkeit der Vor- und Nachbereitung von Lehrveranstaltungen, und kann adaptiert auf die Bedürfnisse des Nutzers Anwendung finden Dennoch erstaunt es, dass die so genannte Web-Generation sich in diesem Maße Vorlesungen wünscht. Bei den Probanden handelte es sich um Studierende der Vorklinik, also gerade der Schulbank entwöhnte Newcomer. Vielleicht sind sie daher noch daran gewöhnt, den Frontalunterricht eines verschulten Systems (Pisa) zu erhalten als selbst zu studieren. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass interaktive Lernmodelle immer noch in den Kinderschuhen stecken und noch lange nicht flächendeckend zur Verfügung stehen. Natürlich kann ein Vortragender durch Modulierung der Stimme und Körpersprache Wissensinhalte betonen und hervorheben, mit guter Rhetorik auch Motivation erzeugen und direkt auf Fragen der Zuhörer eingehen – Möglichkeiten also, die ein Online-Tool (noch) nicht haben kann – auch wenn es noch so interaktiv ist. Zusammenfassung: Eine gute Vorlesung ist sicherlich allemal besser als ein vorprogrammiertes Online-Tool. Aber Wissensinhalte interaktiv online zur Verfügung zu stellen, bietet die Möglichkeit der Vor- und Nachbereitung von Lehrveranstaltungen, und kann adaptiert auf die Bedürfnisse des Nutzers Anwendung finden. Da von den, an der Studie beteiligten, Studierenden alle angaben einen PC zu besitzen, scheinen Hardware Limitationen oder fehlende PC-Kenntnisse kaum mehr ein Problem darzustellen. 78

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10 O63 5 O55 0

VORLESUNGSGRUPPE

ONLINE-GRUPPE

GRUPPEN Punktezahl Eingangstest Punktezahl 1. Nachtest Punktezahl 2. Nachtest

Dass vor allem ein langfristiger Lernerfolg auf diese Weise gesichert, wenn nicht verbessert werden kann, hat die Studie erwiesen. Dass online gestellte pdfDateien allerdings nicht den Zweck eines individuell benutzbaren, interaktiven E-learning Tools ersetzen, wurde durch die Befragung der Probanden ebenfalls deutlich. In Zeiten knapper Gelder für Universitäten kann es deshalb eine Alternative sein, „Manpower“ auf kommunikationsstarke Bereiche wie Seminare zu konzentrieren und Grundwissen über neue Medien zu vermitteln. Korrespondenzadresse: Priv. Doz. Dr. Ingrid Peroz CharitéCentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Abteilung für Zahnärztliche Prothetik, Alterszahnmedizin und Funktionslehre Augustenburger Platz 1 - 13353 Berlin


© dentaltrade-media

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Frauen in der Wissenschaft

Frauen in der Wissenschaft, gleich Frauen in wissenschaftlichen Spitzenpositionen? von ANNA GRODECKI

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Fragen wir uns, weshalb Frauen heute, obwohl sie seit 1899, also vor mehr als 100 Jahren, erstmals zum Studium zugelassen wurden, und seit mehr als 10 Jahren, genauer gesagt seit 1995 mehr als die Hälfte der Studienanfänger/innen ausmachen, immer noch in Professorenstellen und anderen höheren wissenschaftlichen Berufen unterrepräsentiert sind, erscheint die Antwort klar und traurig zu gleich zu sein: Frauen unterliegen einem „akademischen Frauensterben“, so stellt zumindest Friederike Hassauer polemisch fest; und sie erklärt ihre Ansicht: „Je höher die Qualifikations- bzw. Hierarchiestufe, desto seltener sind Frauen dort vertreten.“¹.

Soziologen suchen nach Gründen. Sie stellen Statistiken auf, befragen die Leidtragenden, forschen direkt vor Ort an den Universitäten, leisten Detektivsarbeit. Nach wie vor sind Frauen unter den Professoren selten, auch in Fächern mit hohen Anteilen von weiblichen Studierenden, wie z.B. in der Humanmedizin. Am mangelnden Interesse liegt es folglich nicht. Der Weg zu einer Professur ist schwer, für beide Geschlechter. Weshalb meistern ihn Männer leichter?²

Eine Erklärung für das starke Auseinanderdriften der Geschlechterverteilung in der Forschung und Wissenschaft könnte die Auffassung der geschlechtsspezifischen Rollenerwartungen liefern. Frauen, die sich für einen wissenschaftlichen Werdegang entscheiden und eine wissenschaftliche Karriere anstreben, werden zumeist suspekt betrachtet. Die Wahrnehmung der

Leistungsfähigkeit dieser Frauen wird eingefärbt von traditionellen Vorstellungen, man könne berufliche und familiäre Ansprüche nicht vereinbaren; ihre Gebärfähigkeit wird zum „Störfaktor“ degradiert, und ihr Status als Frau und Wissenschaftlerin verspricht keine Erfolge.

Eine auf diese Art erreichte soziale Kompetenz wird jedoch nicht in der Wissenschaftskarriere verzeichnet. Die Förderung der Frauen als viel versprechende Nachwuchstalente wird behindert, in dem (meist männliche) Mentoren, bewusst oder unbewusst, männliche Schützlinge bevorzugen, da diese nicht schwanger werden und 81


Frauen in der Wissenschaft

die Annahme herrscht, dass sie sich ihre Zeit flexibler einteilen und besser forschen könnten. Liegt das nun an Vorurteilen der Förderer oder ist ein Körnchen Wahrheit darin zu finden? Tatsächlich haben viele Frauen in ihren wissenschaftlichen Biographien einen Einschnitt, um nicht zu sagen, eine „Lücke“, wenn sie sich für private Bereiche entscheiden und engagieren. Das mag die Entscheidung für ein Schwangerschaft und die Erziehung eines oder mehrerer Kinder sein oder die Pflege von älteren Angehörigen. Eine auf diese Art erreichte soziale Kompetenz wird jedoch nicht in der Wissenschaftskarriere verzeichnet.

Die Gründe werden bei den erschwerten Arbeitsbedingungen im Forschungsbereich oder mangelnder Erfahrung, Kompetenz und Produktivität der Frauen gesucht. Denn diese wird an Hand der Publikationszahlen und der Zitierhäufigkeit gemessen(!). Und die Statistiken sprechen eine „klare“ Sprache: Frauen publizieren weniger und werden seltener zitiert. Wenn Frauen allerdings weniger in den leitenden wissenschaftlichen Positionen zu finden sind, mag es nicht verwundern, dass sie weniger Möglichkeiten auf wissenschaftliche Erfolge haben und mit ihren Publikationen unterrepräsentiert sind. Ein Kreislauf der schwer zu durchbrechen ist. Eine weitere Beobachtung zeigt, dass gerade für Frauen die Schwierigkeiten bei der Qualifikation für eine wissenschaftliche Laufbahn mit jeder Stufe (Studienabschluss, Promotion, Habilitation) steigen. Die Prestige ärmeren Bereiche der Wissenschaft, die nicht mit Ruhm und Geld ausgestattet sind und keine Machtposition verkörpern, bleiben den Frauen zugänglich. Denn in den Sozialwissenschaften, Biologie oder Psychologie, also Fächern (wie auch Erziehungswissenschaften oder Germanistik), die als „weich“ bezeichnet werden, wird man viele weibliche Studierende finden. Sie bleiben sowohl von Männern, als auch von Prestige und Machtinteresse frei , und bieten Frauen Chancen, die drei Hürden der akademischen Laufbahn zu nehmen und eine angestrebte Professur zu erreichen. Sind aber Männer demzufolge in der Forschung nur auf Geld, Macht und Prestige aus?

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Die Naturwissenschaften sind in Deutschland eine männliche Domäne. Deshalb orientieren sich viele Frauen um. Sie nehmen die schlechter bezahlten Stellen an, um überhaupt in der Wissenschaft arbeiten zu können, mit ein wenig Hoffung auf Erfolg. Ihre Erfolgchancen auf eine Professur liegen im internationalen Vergleich deutlich hinter Ländern wie der USA, Frankreich oder Italien. Die Türkei ist ein interessantes Beispiel, weil Frauen dort in den Naturwissenschaften und im Ingenieurwesen stärker als im Rest Europas vertreten sind. Doch in gesellschaftlich brisanten Fachgebieten, die eng mit Macht und Privilegien verbunden sind, wie Recht und Politik sind Frauen kaum zu finden .


Das Fazit wäre: Je mehr die Wissenschaft an Macht und Bedeutsamkeit für die Gesellschaft gewinnt, desto weniger sind Frauen in diese eingebunden. Oder, je unwichtiger und Prestige ärmer eine Wissenschaft ist, desto mehr wird sie von Frauen betrieben. Diese These scheint ebenso auf die Zahnmedizin zuzutreffen, denn kaum ein anderer medizinischer Beruf musste in den letzten Jahren und mit den vergangenen und aktuellen Gesundheitsreformen derart viel Prestige als auch damit verbundene Verdienstmöglichkeiten einbüßen. Sollte dies am Ende der Grund für den Zustrom der Frauen und den Abgang der Männer in diesem Berufsbild darstellen? Noch herrschen in der Zahnmedizin die Männer in der Standespolitik, den wissenschaftlichen Gesellschaften und den meisten Abteilungen der Universitäten. Angesichts des fortgeschrittenen Alters der Mehrheit dieser Herren und der aktuellen Geschlechter spezifischen Verteilung bei den Studenten/innen zugunsten der Frauen (Ø 70%) scheint der Wandel in der Zahnmedizin sehr nah.

Wir befinden uns in einer Zeit der Umbrüche. Familienplanung, Bildungs- und Arbeitsreformen ändern das Bild unserer Gesellschaft. Was bleibt, ist die Hoffung der jungen Wissenschaftlerinnen auf einen Wissenschaftsbetrieb, der die Geschlechtlichkeit berücksichtigt, ohne zu diskriminieren. - ¹ Friederike Hassauer: Homo. Academica: Geschlechterkontrakte, Institutionen und die Verteilung des Wissens, Wien, Passagen-Verlag, 1994 - ² vergl. Beate Krais, (Hg.): Wissenschaftskultur und Geschlechterordnung: über die verborgenen Mechanismen männlicher Dominanz in der akademischen Welt, Frankfurt/M., Campus-Verlag, 2000

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Zahn채rztinnen f체r Deutschland

Sabine Fischer

Zahnmedizinstudentin seit 2002 Aus체bung der Zahnmedizin in: voraussichtlich Gemeinschaftspraxis. Zahnmedizinische Spezialisierung: eventuell Chirurgie und Endodontie 84


Warum hast du dich für den Beruf der Zahnärztin entschieden? Ich bin eines dieser Kinder, welche die Zahnmedizin schon das ganze Leben lang begleitet. Für mich gab es nie etwas Anderes, das ich studieren wollte. Schon in Poesiealben habe ich dies immer als mein Berufswunsch aufgeschrieben. Als Zahnärztin ist es möglich, seinen Patienten unmittelbar zu helfen und im Rahmen der Behandlung sind vielerlei Fähigkeiten gefragt. Angefangen bei der maßgeschneiderten Therapieplanung, einem guten Auge bei der ästhetischen Einordnung des „Geschaffenen“ in Gesicht, Körper und Persönlichkeit des Patienten und nicht zuletzt der Umgang mit den Hoffnungen, Erwartungen und auch Ängsten der Patienten, macht für mich den Reiz der Zahnmedizin aus. So hat man grundsätzlich einen engen Kontakt mit Menschen, die sich einem anvertrauen und es werden letztlich, wie im gesamten medizinischen Bereich, besondere Fähigkeiten verlangt und trainiert. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit aufgrund der von Anfang an spezialisierten Ausbildung, sich relativ früh in der eigenen Praxis zu versuchen. In dieser „Firma“ sind nun besondere Herausforderungen in anderen Gebieten zu erfüllen, wie z.B. motivierende Mitarbeiterführung, betriebswirtschaftlich sinnvolle Entscheidungen und ein

Meines Erachtens wird dadurch zum Beispiel mehr diskutiert und kritisiert, das „Miteinander“ kann bei diesem hohen weiblichen Anteil aber auch schon mal schwieriger sein. Je länger man dabei ist, desto mehr entwickelt man seinen individuellen Plan, wobei viele Zahnmedizinstudenten im Laufe des Studiums zusätzlich eine ausgeprägte Ellenbogen-Mentalität entwickeln. Davon sind die Jungs aber ganz gewiss nicht ausgenommen. Davon abgesehen, ob das „von oben“ forciert wird oder nicht: Der Konkurrenzgedanke unter

erfolgreicher Geschäftsplan. All das ist, aufgrund nahezu fehlender Nacht- und Wochenendschichten, hoffentlich gut mit einem erfüllten Privatleben kombinierbar. Das lässt mich sicher sein, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Studenten macht mitunter das Klima im Semester etwas rau; auf jeden Fall, sobald es um die Belegung freier Stühle, die Patientenverteilung, den Kombi-Zahnersatz fürs Examen oder nur um die profane Organisation von Weihnachtsfeiern geht.

Wie macht sich der hohe weibliche Anteil im Studium bemerkbar? Ich studiere in einem Semester mit 70% Frauenanteil.

Warum findet Deiner Meinung nach überhaupt ein derartiger Wechsel hin zu mehr Frauen in der Zahnmedizin statt? 85


Zahnärztinnen für Deutschland

Ich mag diese Diskussionen über gender studies, Emanzipation und Alice Schwarzer vs. Eva Hermann eigentlich nicht. Dennoch passe ich mit vielen anderen wohl genau in dieses Diskussionsthema. Ich könnte mir nicht vorstellen wie es wäre, wenn an unserer Uni nur Jungs studieren würden, so wie es vor 30 Jahren fast noch gewesen ist. Bis vor 80 Jahren durften Frauen noch nicht einmal wählen, so lange ist das also auch noch nicht her. Deswegen ist das wohl aus heutiger Sicht eine enorme Entwicklung. Ob Beruf und Familie vereinbar sind, entscheidet dann im Endeffekt jede Frau für sich. Aber auch als Frau möchte man finanziell unabhängig sein und deswegen nicht nur die Familie gründen, sondern auch einen Beruf ausüben, der Spaß macht und eine Familie dann auch mit entsprechender Sicherheit ausstattet. Männer haben sicherlich Fähigkeiten auf vielen Gebieten. Aber nach Jahrhunderten der kriegerischen Auseinandersetzung und des Potenzgehabes, ist es sicherlich nicht schädlich, wenn sich Männer und Frauen auf mehr Gebieten zusammen tun und ihre kognitiven Fähigkeiten im Team nutzen. So wird uns Frauen ja zum Beispiel nachgesagt, im Umgang mit den Patienten mehr Einfühlungsvermögen zeigen zu können. Gibt es Unterschiede in einer Lehre, die von Frauen oder Männern durchgeführt wird? Großartige Unterschiede kann ich da auf Anhieb eigentlich nicht feststellen. Es gibt gute weibliche und gute männliche Lehrkräfte und umgekehrt. Es dauert sicherlich noch ein paar Jahre, bis Frauen auch in der universitären Lehre annähernd so präsent sind, wie im Studium. Wie schon gesagt, war man ja als Frau vor 30 Jahren, zumindest im Westen, in einer Zahnklinik eine Rarität. Universitäre Karrieren dauern lange und erfordern viel Rückhalt aus dem privaten Bereich. Ich denke, in 20 Jahren wird man diese Frage besser beurteilen können, wenn auch in der Ebene der Oberärzte und Professoren mehr Frauen „angekommen“ sind. Ich glaube jedoch nicht daran, dass wir irgendwann 70% weibliche Professoren haben.

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Welche Veränderungen wären nötig, um das Studium und Berufsbild für Frauen zu optimieren? Das Studium der Zahnmedizin ist sehr schulisch aufgebaut. Man hat in jedem Semester vorgeschriebene Pflichtkurse, die man als Bedingung für den folgenden Kurs belegen muss. Dadurch gibt es wenig Flexibilität. Es ist eigentlich nicht möglich eine Familiengründung einzuschieben ohne gleich ein oder mehrere Jahre zu verlieren. Gesetzliche Bestimmungen, dass man nicht mehr am Patienten arbeiten darf, sobald man offiziell bekannt gibt, dass man schwanger ist, tun ihr Übriges dazu. Kinder zu bekommen kostet einfach Zeit und soll ja auch bewusst geschehen und nicht zwischen Kons II und PharmaKlausur. Aber diese Entscheidung muss jeder für sich persönlich treffen. Es gibt ja auch einige Zahnärztinnen, die bereits während des Studiums Kinder bekommen haben. Welche Berufsausübungsformen (u.a. nach VändG) kommen für Frauen am ehesten in Frage? Obwohl immer noch mehr Einzelpraxen eröffnet werden, denke ich, dass der Trend allgemein zur Gemeinschaftspraxis geht. Es wird immer mehr nötig, sich auf


Teilgebiete zu spezialisieren, um ein optimales Behandlungskonzept anbieten zu können und der Forschung und Entwicklung gerecht zu werden. Gerade für Frauen bietet natürlich das VÄndG mehr Möglichkeiten im Vergleich zu vorher. Man kann sich über ein Angestelltenverhältnis in einer Praxis etwas mehr Freiheit im privaten Bereich organisieren. Dennoch wird die Organisation von Familie und Beruf, gerade auch in Zusammenhang mit den dazu gehörigen Vätern, nicht davon abhängen, ob man nun angestellt ist oder als Partner selbstständig arbeitet. Aber natürlich hat eine Frau, die ein Kind bekommen möchte, in einer Einzelpraxis mehr organisatorische Fallstricke zu beachten als in einer (großen) Gemeinschaftspraxis. Ich denke allerdings, dass viele Frauen nach dem Studium auch eine Praxis führen wollen. Es entscheidet sich dann daran, ob eine adäquate Organisationsform mit entsprechender Flexibilität gefunden werden kann, in die sich alle voll einbringen können und auch ihre Freiräume im privaten Bereich bekommen. Das gilt natürlich auch für die Männer. Welche Visionen hast du als Frau für eine zukünftige Zahnmedizin? Ich befinde mich noch im Studium und beschäftige mich mit dieser Frage momentan vordergründig. Wenn ich mir das momentane Durcheinander, die Grabenkämpfe zwischen den einzelnen Abteilungen und auch die innerhalb der Abteilungen ansehe, verliere ich den Glauben, dass sich die Zahnmedizin aus dem Studium modernisieren kann. Obwohl es der beste Weg wäre. Es gibt hervorragende Leute an den Universitäten, die ganze Generationen von Zahnärztinnen und Zahnärzten geprägt haben. Natürlich gibt es auch Lehrer an Zahnkliniken, die ganzen Generationen Angst und Schrecken eingejagt haben und sich um die Ausbildung den letzten Dreck geschert haben. Das muss am Ende jeder vor sich selbst verantworten, wenn er in den Spiegel schaut. Ich habe jedoch den Glauben daran verloren, dass sich an

den Universitäten (bis auf die beschrieben Lichtblicke) „das Gute“ durchsetzen wird. Deswegen kommt meine Vision der Zahnmedizin aus der Praxis. Wir Zahnmediziner müssen es schaffen, unseren Patienten die Bedeutung einer guten Mundgesundheit zu verdeutlichen. Vermeidung von entzündlichen Prozessen im Kieferbereich durch leistungsfähige Prävention hat für den Patienten unwahrscheinliche Möglichkeiten. Angefangen bei der Vermeidung von „Zahnkrankheiten“, über die Verbesserung der Ernährung bis hin zu der Chance auf lebenslang festsitzende Zähne und der damit verbundenen Verbesserung des Wohlbefindens und der guten körperlichen Konstitution bis ins hohe Alter. Schäden werden nicht zu vermeiden sein, weswegen diese im Fall der Fälle optimal und nicht nur ausreichend, wirtschaftlich und zweckmäßig versorgt werden müssen. Patienten mit einem Bewusstsein dafür werden bereit sein, die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Wenn es uns gelingt, in unseren Patientenkreisen, aber auch in der Zahnärzteschaft insgesamt, dieses Bewusstsein zu erzeugen und mit den Patienten die Zahngesundheit zu „managen“, kommt das meiner Vision der zukünftigen Zahnmedizin sehr nahe, geschlechterunabhängig.

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Zahn채rztinnen f체r Deutschland

Anne Bohmeyer

Zahn채rztin seit 2003 Aus체bung der Zahnmedizin in Gemeinschaftspraxis seit 2004 Zahnmedizinische Spezialisierung: voraussichtlich Implantologie 10 88


Warum hast du dich für den Beruf der Zahnärztin entschieden? Schon in der Schulzeit war es mein Wunsch, einen handwerklichen Beruf auszuüben. Zunächst führte mich das

Wird eine Zahnmedizin von Frauen anders ausgeübt, als von Männern? Grundsätzlich nein. Es gibt jedoch in meinen Augen kleine Unterschiede, die sich dann doch in der Karri-

jedoch zu einer Ausbildung zur Zahntechnikerin. Dieser Weg war rückblickend sehr hilfreich und barg eine gute Basisausbildung, die mir noch heute zugute kommt. Als reizvoll an meinem Beruf empfinde ich die Arbeit mit Menschen und das Zusammenspiel des gesamten Teams. Im Gegensatz zu anderen medizinischen Berufen sind Schichtdienste selten notwendig, auch das ist ein großer Vorteil. Ausschlag gebend für diese Berufswahl war zudem der Wunsch nach Selbständigkeit.

ere niederschlagen. Frauen haben, und da spreche ich natürlich aus meiner speziellen Situation heraus, in meinem Alter andere Gewichtungen der Prioritäten. Da spielt die Familienplanung zunehmend eine Rolle und verdrängt die Karriere ein wenig. Das soll nicht bedeuten, dass die Arbeit weniger leidenschaftlich ausgeführt wird, aber zumindest wird der Zeitrahmen, der für die Behandlung und Fortbildungen zur Verfügung steht, eingeschränkt. Nach meinen Erfahrungen begeben sich - ob zu Recht oder zu Unrecht - gerade Angstpatienten eher in die Hände einer Zahnärztin, da dort mehr Einfühlungsvermögen vermutet wird. Welche Berufsausübungsformen (u.a. nach VändG) kommen für dich als Frau und werdende Mutter, am ehesten in Frage? Für mich wäre das Günstigste, weiterhin in einer Gemeinschaftspraxis tätig zu sein, denn in dieser Konstellation sind die Arbeitszeiten weitestgehend individuell regelbar. Auch die gemeinsame Organisation und Teilung des Praxismanagements erleichtern den Berufsall-

Wie hat sich der hohe weibliche Anteil im Studium bemerkbar gemacht? Ich habe die Männer-Frauen-Quote eher als ausgewogen mit leicht weiblicher Tendenz in Erinnerung, was ich als sehr angenehm empfand, denn in dieser intensiven Lebensphase entstanden enge Freundschaften. Die Zusammenarbeit während des Studiums war mit Sicherheit auch wegen des erhöhten weiblichen Anteils vorteilhaft; ich besinne mich sehr gern auf gut funktionierende Lerngruppen zur Vorbereitung auf Physikum und Examen zurück.

Warum findet ihrer Meinung nach überhaupt ein derartiger Wechsel hin zu mehr Frauen in der Geschlechterverteilung statt? Der Beruf der Zahnärztin ist in meinen Augen ein idealer Frauenberuf. Er beinhaltet die Arbeit mit Menschen auf einer Vertrauensbasis und verlangt Geschick und Konzentration bei der Arbeit. Besonders auf diesem engen Raum und der psychisch-emotionalen Stresssituation des Patienten unterstützt die weibliche Sensibilität den Behandlungserfolg. Der Beruf birgt viele Wege, um sich darin selbst zu verwirklichen. 89


Zahnärztinnen für Deutschland

tag für alle Seiten. Nicht zuletzt macht die Zusammenarbeit in einer Gemeinschaftspraxis viel Freude, fördert die Weiterentwicklung und ermöglicht es, sich gegenseitig im Bedarfsfall zu entlasten. Welche Veränderungen wären nötig, um das Studium und Berufsbild für Frauen und Mütter zu optimieren? Das Studium könnte nicht nur für Frauen, sondern für beide Geschlechter optimiert werden, in dem Studenten eine psychologische Grundausbildung erhalten, die sie auf die spätere Arbeit besser vorbereitet. Unser Aufgabenfeld ist sehr speziell, nur wenige Menschen kommen gerne zum Zahnarzt, einige davon mit starken Schmerzen und darüber hinaus gibt es die besagten Angstpatienten. Auch die Patientenführung während Planungs- und Aufklärungsgesprächen oder der Umgang mit Mitarbeitern könnten durchaus interessante Themen für psychologische Seminare sein. Andere Punkte, die ebenfalls komplett in der Ausbildung fehlen, sind Abrechnung und wenigstens die Vermittlung eines Grundwissens über Versicherungen. Auch betriebswirtschaftliches Denken wird im Studium gar nicht geschult. Dafür ist in meinen Augen die Zahntechnik überbewertet. Ich denke, während des Studiums die Mutterrolle in einem für das Kind angebrachten Maße zu übernehmen, ist keine einfache Aufgabe, da der Zeitaufwand allein für die Kurse mit Anwesenheitspflicht sehr hoch ist. Dadurch ist es nicht möglich, Kinderbetreuung und Selbststudium zu Hause zu kombinieren. Ich könnte mir vorstellen, dass man dann intensive Unterstützung aus dem Familienkreis benötigt, um das Studium zum Abschluss zu bringen. Das Berufsbild ist in meinen Augen bereits recht müttertauglich, es bleibt nur dieselbe Abhängigkeit von Betreuungsplätzen wie in jedem anderen Beruf auch. In der Hinsicht ist Berlin jedoch durchaus privilegiert. Mich verwunderte jedoch die Aussage der KZV, dass ich für Mutterschutz und Erziehungszeit insgesamt nur 6 Monate eine Vertretergenehmigung erhalte. Das ist im Vergleich zur Situation einer angestellten Zahnärztin, die schon ab bekannt werden der Schwangerschaft einem Berufsverbot unterliegt, doch eher lächerlich.

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Welche Nachteile für die Berufsausübung ergeben sich für dich als Mutter? Die Nachteile, die allen Müttern zuteil werden. Im Krankheitsfall muss ich zu Hause bleiben und den Patienten kurzfristig absagen. Das wird mit Sicherheit häufiger vorkommen und bringt damit Unruhe in den Behandlungsablauf. Auch hier ist die Gemeinschaftspraxis wieder ein Vorteil, da die Praxis nur wegen Ausfall eines Zahnarztes nicht geschlossen bleibt, Schmerzpatienten können weiterhin in Vertretung durch die Kollegen behandelt werden. Durch die Selbständigkeit entsteht in diesen Zeiten ein Verdienstausfall, den ich im Anstellungsverhältnis nicht hätte. Es wird vermutlich schwieriger, die, für die Patientenbetreuung so dringend benötigten, Spätdienste zu realisieren, da die Kitas in der Umgebung spätestens um 17.30 Uhr schließen. Aber ich bin sicher, diese Probleme lassen sich lösen, man muss sich nur darauf einstellen. Welche Visionen hast du als Frau für eine zukünftige Zahnmedizin? Ich denke, die Entwicklung hin zu mehr Spezialisierungen und weg vom „Wald-und-Wiesen-Zahnarzt“ wird sich zukünftig noch verstärken und beinhaltet auch einige Vorteile. Man kann nicht alle Felder der Zahnmedizin perfekt beherrschen und überweisen ist in manchen Fällen das Mittel der Wahl. Für mich ist jedoch eine umfassende Betreuung der Patienten in einer Hand oder zumindest in einer Praxis nach wie vor erstrebenswert, da es erstens meine Tätigkeit nicht eingeschränkt und langweilig werden lässt sowie den Patienten auch nicht zwingt, die vertraute Praxis zu verlassen. Die Tendenz zur einer, immer weniger durch die Kassen abgesicherten Grundversorgung und zu mehr Eigenverantwortung der Patienten besteht schon länger und wird sich vermutlich auch noch verstärken. Das verlangt von den Patienten eine höhere finanzielle Beteiligung und ein Bewusstsein für Körper und Gesundheit. Der Zahnarzt muss sich auf diese Entwicklung mit Prophylaxe und Aufklärung einstellen und dem Patienten helfen, die für ihn beste Lösung in seiner individuellen Situation zu finden.


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Zahnärztinnen für Deutschland

Dr. Annette Wiemann

Zahnärztin seit 1987, Kieferorthopädin seit 1994 Ausübung der Kieferorthopädie in Einzelpraxis, Gemeinschaftspraxis seit 2001 Zahnmedizinische Spezialisierung: Fachärztin für Kieferorthopädie, Funktionstherapie 10 92


Warum haben Sie sich für den Beruf der Zahnärztin/Kieferorthopädin entschieden? Meine Berufswahl war relativ früh entschieden und wurde durch das Vorbild einer starken und bewundernswerten Mutter geprägt. Sie übte den Beruf der Kieferorthopädin leidenschaftlich und sehr erfolgreich aus und ich bin damit groß geworden. Ich habe sie oft in der Klinik besucht und besonders beeindruckt hat mich die Behandlung der LKGS Patienten. Da ich in der DDR aufgewachsen bin, war die Zahnmedizin/ Medizin auch eine unpolitische Nische unter den akademischen Berufen und das war mir wichtig. Sonst hätte ich eventuell meine 2. Leidenschaft, den Journalismus und das Theater zu meinem Beruf gemacht. Wird eine Zahnmedizin von Frauen anders ausgeübt, als von Männern? Diese Frage kann ich nur für mein Fachgebiet, die Kieferorthopädie beantworten. Die KFO war schon im-

den Blick auch auf die ursächliche Funktionsstörung des Mundraumes und den Verzug in der Körperstatik zu richten und diese von den angrenzenden Fachgebieten mitbehandeln zu lassen. Man sollte sich nicht nur auf

mer ein von Frauen dominierter Beruf. Man braucht, neben Wissen, viel Geduld für lange Therapiewege, Einfühlungsvermögen, einen ganzheitlichen Blick und soziale Intelligenz. Möglicherweise sind das alles Eigenschaften, die bei Frauen stärker ausgeprägt sind, aber natürlich gibt es auch geduldige und empathische Kollegen. Als Beispiel wäre in meinem Fachgebiet zu nennen,

die mechanische Wirkung der Multibracketapparatur und/oder die kieferchirurgische Dysgnathieoperation für das Erreichen eines Therapiezieles und dessen Stabilität alleine verlassen. Wie gestaltet sich der Arbeitsalltag in einem von Männern dominierten Beruf? Mein Arbeitsalltag unterscheidet sich dadurch nicht. 93


Zahnärztinnen für Deutschland

Ich habe mich 1994 in einer eigenen Praxis niedergelassen, als bewusste Entscheidung. Ich möchte meinen Arbeitsalltag selbst bestimmen können und bin bereit, dafür auch das Risiko zu tragen. Ich möchte das fachliche und personelle Profil der Praxis prägen und habe mit meiner Praxispartnerin in diesen Zielen große Übereinstimmung. Mein Arbeitsalltag als Weiterbildungsassistentin unter meinem Lehrer/ Chef in einer freien KFO-Praxis gehört zu den wunderbarsten und prägenden Zeiten meiner beruflichen Entwicklung. Ich habe eine große Förderung und Anerkennung für meine Neugierde und mein Engagement erlebt. Eine sehr positive Erfahrung in der Zusammenarbeit zwischen Männern und Frauen. Wie könnte eine Zahnmedizin in 20 bis 30 Jahren aussehen, wenn man davon ausgeht, dass der Trend der Geschlechterverteilung bis zum Jahr 2030 in dieser Entwicklung weiter geht? Aus meiner Sicht werden Trends, auch in der Zahnmedizin, vor allen Dingen von der Industrie und dem gesellschaftlichem Mainstream mitbestimmt. Wir leben in einem Jahrhundert des Produktdesigns und der Medien. In meinem Fachgebiet werden die Entwicklungen in Verbindung mit dem Computer weiter steigen, zum Beispiel in Form von virtuellen Behandlungsplanungen, Computer berechneter Bracketplatzierung, individuelle Computer generierte Biegung der Bögen, 3-D Darstellungen unserer Schädel. Das ist eine wunderbare Sache und ich freue mich darauf. Aber ich möchte den ganzheitlichen Blick (CMD-Syndrom u.ä.), die genaue erlernte Diagnostik und vor allen Dingen die persönliche Anamnese nicht durch die Technik ersetzen. Meiner Beobachtung nach sind Männer immer besonders begeistert von gemessenen, technischen Neuerungen, sie erfinden sie ja auch. Ich hoffe auf eine gute Symbiose... Meine Standespolitik hat uns in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit immer mehr in den Wellnessbereich rücken lassen, aber ich bin Kieferorthopädin und nicht Orthodontistin, die nur auf ein schönes Lächeln hin behandelt. Natürlich ist gerade dort viel Geld zu verdienen und es ist ebenso ein gesellschaftlicher Trend. 94


Aber ist diese Geld orientierte Standespolitik nicht auch etwas Männliches? Ist Geld Macht? Ich bin mir nicht sicher.

aus dem sozialen Umfeld. Außerdem steht in der Regel hinter jedem großen Mann eine starke Frau, die den Alltag organisiert. Für mich ist es zum Beispiel kein Bedürfnis, in der

Warum findet Ihrer Meinung nach überhaupt ein derartiger Wechsel hin zu mehr Frauen in der Geschlechterverteilung statt? Aus meiner Sicht stellen sich für die rückgängige Zahl der männlichen Bewerber drei mögliche Begründungen dar: 1. Mit dem Beruf kann man nicht mehr so viel Geld verdienen. Diese Verdienstmöglichkeiten unterscheiden sich nicht mehr so gravierend von denen anderer Freiberufler.

Standespolitik mit zu arbeiten. Die wenige Zeit, die mir neben meiner Praxis (ca. 18 Mitarbeiter) bleibt, verbringe ich eher mit meiner Familie und besuche Fortbildungen. Mein Lebensglück bestand immer im Erlernen von neuen Dingen, noch mehr zu wissen und den Dingen auf den Grund zu gehen. So kann ich mich am Besten für meine Patienten engagieren.

2. Die gesellschaftliche Anerkennung für unsere Berufe (auch die der Ärzte und Krankenschwestern) ist in den letzten Jahren schlechter geworden. 3. Die Generation der heute 20-jährigen ist nicht zu selbstlosen Helfern erzogen worden, sondern im Mittelpunkt steht die Verwirklichung ihres individuellen Glücks mit möglichst geringem Aufwand. Natürlich gibt es jede Menge Jugendliche, die hier auch anders sind, aber ein Trend ist wohl erkennbar. Warum sollte man auch mit einem exzellenten Abitur, das man für die Bewerbung benötigt, noch Medizin oder Zahnmedizin studieren, wenn doch jeder weiß, dass man für dieses Studium mit Fach(zahn-)arztausbildung 5- 6 Jahre länger studieren und sich noch dazu durch sehr hierarchische Strukturen quälen muss? Das tun sich dann offensichtlich doch mehr Frauen als Männer an. Warum sind Ihrer Meinung nach so wenige Frauen in der Standespolitik und in leitender Professorenstelle vertreten? Ich habe immer wieder beobachtet, dass Frauen oft den Aufwand scheuen, den es benötigt, um in die „erste Reihe „ zu treten. Man entscheidet sich als Frau eher für die Familie mit Kind und ein erfülltes gesellschaftliches Leben. Auch ist der Aufwand einer derartigen Karriere für eine Frau mit Familie in der Regel zeitintensiver und erschwerlicher als für Männer. Diese Doppelbelastung bedarf einer großen Kraft und Rückhalt

Welche Visionen haben sie als Frau für eine zukünftige Zahnmedizin? Eine Vision ist der Wunsch, dass die Kieferorthopädie und die Grundversorgung in der Zahnmedizin immer noch Bestandteil eines Krankenkassensystems bleibt. Mir erscheint der derzeitige Stand des Versorgungsgrades für die Patienten als angemessen. Des weiteren hoffe ich, dass die freien, Qualität orientierten Praxen nicht den so genannten Versorgungszentren weichen müssen. In meinem Fachgebiet, der Kieferorthopädie, müssen wir uns dem Vorwurf der Orthopäden und Zahnärzte stellen, dass wir durch unsere Behandlungen während der Wachstumsphase der Jugendlichen auch negativen Einfluss auf Kiefergelenke und Körperstatik auslösen. Wir müssen besser diagnostizieren und gemeinsam mit den Orthopäden und Physiotherapeuten behandeln. Die Zukunft der technischen Neuerungen liegt sicher in den Möglichkeiten der Computertechnik, unsere Behandlungsziele zu virtualisieren und entsprechend sehr genaue, individuelle Apparaturen herzustellen. In der Diagnostik wird die 3-D-Darstellung der Schädel die Zukunft sein. Ich freue mich auf die Symbiose aus ganzheitlichem Blick und technischen Fortschritt und bin froh einen so wunderbaren Beruf zu haben.

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Zahnärztinnen für Deutschland

Prof. Dr. Andrea M. Schmidt-Westhausen

Zahnärztin seit 1982 Ausübung der Zahnmedizin in: Universität seit 1985, seit 2004 Leiterin der Abt. für Oralmedizin, Röntgenologie und Chirurgie an der Charité Hochschulmedizin Berlin Zahnmedizinische Spezialisierung: Fachärztin für Oralchirurgie, Habilitation 2001 10 96


Warum haben Sie sich für den Beruf der Zahnärztin entschieden? Bei dem von mir gewählten Studiengang wollte ich die Medizin mit dem Handwerklichen verbinden - und zwar schon vom Beginn des Studiums an, nicht erst als Spezialisierung. Damals bin ich noch davon ausgegangen, eines Tages in der Praxis zu arbeiten, wobei ich es als Vorteil ansah, meine Arbeitszeiten dort flexibel gestalten zu können. Erst im Laufe des Studiums erkannte ich, dass man auch als Zahnmediziner die Möglichkeit hat, z. B. durch Forschungsprojekte, sich mehr der Medizin zuzuwenden. Erster Schritt in diese Richtung war meine Dissertation, die im Bereich der Medizinpsychologie angesiedelt war. Wird eine Zahnmedizin von Frauen anders ausgeübt als von Männern? Die Frage lässt sich nicht leicht beantworten, da man Gefahr läuft, Schwarzweiß-Malerei zu betreiben. Sehe ich mich jedoch in meinem beruflichen Umfeld um, so scheint es, dass Frauen sich mehr Zeit nehmen, dem Patienten zuzuhören und sich eher mit Fachdisziplinen beschäftigen, die nicht oder nur schlecht honoriert werden (z. B. psychosomatische Patienten, Patienten mit orofazialem Gesichtsschmerz, Patienten mit Mund-

Durch meinen Werdegang (nur 30% der Studenten in meinem Semester waren Frauen, Oralchirurgie ist ein von Männern dominiertes Fach, danach Habilitation und Leiterin der einer Abteilung, die als einzige mit einer Frau besetzt ist), habe und hatte ich hauptsächlich männliche Mitstreiter, im besten Sinne des Wortes. Die männlichen Kollegen, mit denen ich zusammenarbeite, haben mehr oder weniger „weibliche“ und männliche“ Anteile, so dass diese Frage schwer zu beantworten ist. Sicherlich muss man stets auf dem Quivive sein und

brennen). Die persönliche Zuwendung zum Patienten ist bei Frauen oft größer, kurz: Die Empathie spielt meines Erachtens bei Frauen eine entscheidendere Rolle als bei Männern. Männer sind im Normalfall eher Technik orientiert.

sich behaupten, doch das gilt nicht nur für Frauen.

Wie gestaltet sich der Arbeitsalltag in einem von Männern dominierten Beruf?

Wie könnte eine Zahnmedizin in 20 bis 30 Jahren aussehen, wenn man davon ausgeht, dass der Trend der Geschlechterverteilung bis zum Jahr 2030 in dieser Entwicklung weiter geht? Als Vergleich möchte ich die Veterinärmedizin heranziehen: Fast 90% der Studierenden dort sind weiblich. 97


Zahnärztinnen für Deutschland

In Folge wird auch der Anteil an habilitierten Frauen und Lehrstuhlinhaberinnen steigen. Eine ähnliche Entwicklung wird es sicherlich in der Zahnmedizin geben. Darüber hinaus werden mehr Frauen in der Praxis

Anlehnung an die bestehenden männlichen Rollenbeispiele scheint vielen Frauen nicht erstrebenswert. Auch sind im weiblichen sozialen Umfeld (wissenschaftliche) Karriereplanungen nicht vorgesehen und

tätig sein, und hier sicherlich eher in Form einer Praxisgemeinschaft. Diese Lösung lässt sich gut mit dem Wunsch nach Familie vereinbaren, da so die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt wird.

treffen eher auf Ablehnung als auf Unterstützung. So ist es nicht erstaunlich, dass es vielen Frauen an Zutrauen und Selbstvertrauen, eine leitende Position (in der Universität/ in der Politik) übernehmen zu können, mangelt.

Welche Veränderungen wären nötig, um das Studium und Berufsbild für Frauen zu optimieren? Aus meiner Sicht bedarf es keiner besonderen Frauenförderung. Wie wir sehen, sind ohnehin schon ca. 60% der Zahnmedizin Studierenden weiblich. Doch wäre es wünschenswert (nicht nur für unsere Berufssparte), dass auch nach längeren Pausen, die man z. B. der Erziehung der Kinder gewidmet hat, ein einfacherer Wiedereinstieg in das Berufsleben möglich ist. Die Rahmenbedingungen müssen es möglich machen, Beruf und Familie zu vereinbaren. Unsere Kolleginnen aus Ostdeutschland hatten nicht das Gefühl „Rabenmütter“ zu sein, wenn sie Kinder hatten und gleichzeitig berufstätig waren. Warum sind Ihrer Meinung nach so wenig Frauen in der Standespolitik und in leitender Professorenstelle vertreten? Meiner Meinung nach liegt die niedrige Habilitationsrate bei Frauen und damit verbunden die Möglichkeit in leitender Position tätig zu sein, an der Prioritätensetzung: Die biologische Voraussetzung für die Familiengründung fällt genau in die Zeit, in der man sich habilitieren sollte, um noch eine Chance auf eine leitende Position zu haben. Allerdings ist die Akzeptanz von Männern die z. B. ein „Elternjahr“ nehmen und damit ihrer Partnerin die Freiräume und Unterstützung zu

Welche Visionen haben Sie als Frau für eine zukünftige Zahnmedizin? Frau oder Mann spielt bei Zukunftsvisionen meiner Ansicht nach keine Rolle. Doch: In Zukunft wird es wichtig sein, den Schwerpunkt in der Ausbildung auf die Medizin zu legen, wie es z. B. die Termini „Stomatologie“ oder „Oralmedizin“ am besten wiedergeben. Die Oralmedizin wird in Zukunft auch durch demographische Veränderungen eine immer größere Rolle spielen. Das durchschnittliche Alter der Bevölkerung steigt an, medikamentöse Dauerbehandlungen, häufigere und komplexe Systemerkrankungen müssen bei der Behandlung berücksichtigt werden, kurz, die Zahl von multimorbiden Patienten, die zahnmedizinisch betreut werden müssen, wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Es wäre wünschenswert, wenn die deutsche Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Oralmedizin mehr Aufmerksamkeit widmen würde, da wir sonst Gefahr laufen, dass dieses Gebiet von der Dermatologie, der Inneren Medizin oder der HNOHeilkunde vereinnahmt wird. Was die Praxis betrifft werden die Ansprüche der Patienten steigen und auch die Bereitschaft „in die Zähne zu investieren“. Wegen der heutigen Gesundheitspolitik wird in Zukunft jedoch auch die Schere zwischen arm und reich größer, so dass sich manche Patienten

gewähren, die für ein berufliches Vorankommen nötig sind, in der heutigen Gesellschaft noch nicht groß. Außerdem gibt es noch zu wenig positive weibliche Rollenbeispiele. Eine Identifikation mit oder eine

eine komplette Rehabilitation durch Implantate leisten können und auf der anderen Seite im Straßenbild wieder Menschen zu sehen sein werden, die mit Klammerprothesen oder Lückengebiss leben.

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Dr. Jutta Zuhrt

Zahnärztin seit 1966 Berufsjahre bis Ruhestand: 34 / Ausübung der Zahnmedizin in: Poliklinik, Stadtambulatorium, Einzelpraxis Zahnmedizinische / Spezialisierung: Fachärztin für Allgemeine Stomatologie 10 100


Warum haben Sie sich für den Beruf der Zahnärztin entschieden? Eigentlich wollte ich seit meinem fünften Lebensjahr Ärztin werden. Bei den Besuchen unseres Hausarztes, bei dem mir sowohl die Atmosphäre in seiner medizinischen Praxis als auch seine liebevolle ärztliche Hingabe den Patienten gegenüber gefiel, wurde ich für diesen Beruf inspiriert. Das Zahnmedizinstudium habe ich begonnen, weil der Vater meiner Freundin, selbst Internist, mir diesen Beruf nahelegte. Als Zahnarztsohn meinte er, dass dieser Heilberuf sich für eine Frau besser eigne, da sie doch einmal der Berufsausübung und der Familie gerecht werden müsse. So habe ich mich also ganz pragmatisch für das Studium der Zahnmedizin entschieden. Die Erleichterungen für den privaten Lebensbereich bestanden darin, dass damals noch keine Nacht- und Schmerzdienste außerhalb der Praxiszeiten existierten und es relativ gut geregelte Arbeitszeiten gab. Während meines Berufslebens haben sich diese „Vergünstigungen“ allerdings geändert.

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Zahnärztinnen für Deutschland

frühzeitig nach Anerkennung meines Fachzahnarztes für AllgeForschung in der Praxis angeht. Aber, wenn es sich um meine Stomatologie in die emotionale Betreuung der Patienten handelt, dann einer Einzelpraxis auf sind Unterschiede wahrnehmbar, was übrigens auch von Patienten bestätigt wird. Rügen eigenverantwortSicherlich gibt es auch aufgrund der zunehmenden lich ausüben konnte. Spezialisierung der Zahnmedizin eine unterschiedliche Nach Rücksprache mit Wahrnehmung von Interessengebieten durch Zahnärzte und Zahnärztinnen, deren Durchführung aber nach den einer mit mir befreungleichen Kriterien von Sorgfalt und Verantwortung gedeten Kollegin gleichen schehen sollte. Ich meine, dass Oralchirurgie und ProExamensjahrganges thetik immer etwas zu den Hauptinteressengebieten der männlichen Kollegen gehörte, während die Konservieaus Tübingen kam klar rende Zahnheilkunde, Parodontologie und zunehmend zum Ausdruck, dass die auch Kieferorthopädie mehr von den Zahnärztinnen unterschiedlichen pobevorzugt werden. litischen Systeme auch verschiedene Entwicklungen der BerufsausWie gestaltete sich übung erzeugten. So Ihr Arbeitsalltag in habe ich die längste Zeit einem von Männern meines Berufslebens dominierten Beruf ? Persönlich habe ich nie als angestellte Zahnärzempfunden, dass ich in tin in einem staatlichen Gesundheitswesen geeiner von Männern doarbeitet, während meine minierten Arbeitswelt meinen Beruf ausgeübt Freundin aus Tübingen habe, sondern mich stets 34 Jahre freiberuflich tätig war. Dieser Unals gleich berechtigt empfunden. Ich habe die terschied zwischen kollektiver Berufsausügleichen Forderungen bung und freier Niederund Förderungen wie meine männlichen Kol- lassung hat sicherlich Konsequenzen für die legen erhalten, so dass berufliche Entwicklung. ich meinen Beruf sehr Wird eine Zahnmedizin von Frauen anders ausgeübt, als von Männern? Ich denke nein, was die fachliche und technische Anwendung der Erkenntnisse aus Lehre und

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Warum findet ihrer Meinung nach überhaupt ein derartiger Wechsel hin zu mehr Frauen in der Geschlechterverteilung statt? Ich habe während meiner Studienzeit diese ungleiche Ge-

Warum sind Ihrer Meinung nach so wenige Frauen in der Standespolitik und in leitender Professorenstelle vertreten? Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch mit Fähigkeit,

schlechterverteilung in der Zahnmedizin nicht wahrgenommen und kann daher die Frage nicht beantworten.

Talent und festen Willen sein, von ihm gewünschtes Ziel, erreichen kann. Meines Erachtens erhalten Frauen heute die Gleichberechtigung, welche sie auch erwarten - immerhin haben wir eine Kanzlerin. Man kann aber auch davon ausgehen, dass bei Zahnärztinnen die Karriere auch von Überlegungen zur familiären Situation beeinflusst wird. Ich bin für die Zukunft ganz optimistisch, dass die jüngeren Generationen von Frauen und Männern diese Aufgabe zugunsten der Frauen gemeinsam lösen werden, denn wie im Berufsleben ist diese klassische Rollenverteilung von Mann und Frau deutlich im Rückzug. Wie hat sich das Bild der Frau in der Zahnmedizin während ihres Berufslebens gewandelt? Die größte Veränderung war sicherlich mit dem Mauerfall verbunden. Ich konnte nach 1990 erleben, dass Kolleginnen, welche bisher in einem Angestelltenverhältnis ihren Beruf ausübten, anerkannte, erfolgreiche freiberuflich tätige Zahnärztinnen wurden. In der Praxis gab es nun keine materiellen, technischen oder personellen Engpässe mehr. Man konnte sich zeitnah weiterbilden und bekam zumindest in den ersten Jahren eine gerechte Honorierung der erbrachten Leistungen. Wie könnte eine Zahnmedizin in 20 bis 30 Jahren aussehen, wenn man davon ausgeht, dass der Trend der Geschlechterverteilung bis zum Jahr 2030 in dieser Entwicklung weiter geht? Ich denke, dass aufgrund des weiterführenden Fortschrittes in Diagnostik und Therapie sich eine Zahnmedizin etablieren kann, welche zunehmend ein Spezialistenteam erfordert, welches entsprechend seiner speziellen Fähigkeiten ohne „Geschlechterkampf“ eine kollegiale Zusammenarbeit zeigt.

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Dentista

Buena Vista Dentista Club

Seit Spätsommer dieses Jahres gibt es einen Club für Zahnärztinnen, der aus einer musikalischen Laune heraus (und in Reminiszenz an die Lieblings-CD der Gründerin) in Langform Buena Vista Dentista Club heißt. Kurz: DENTISTA CLUB (www.dentista-club.de). Der Club versteht sich als unabhängiges Forum, denn er wurde von Zahnärztinnen aus der Praxis gegründet und nicht von Unternehmen, Verbänden oder anderen Organisationen. Zu den Zielgruppen des Clubs, der sicher auch eine Art „Interessenverbund“ ist, gehören auch die künftigen Zahnärztinnen, die Zahnmedizinstudentinnen an den deutschen Unis. Sie sind die Zukunft der Zahnmedizin in Deutschland, und diese Zukunft ist voraussichtlich mehrheitlich weiblich. Wir fragten Dr. Cornelia Gins, Präsidentin des Dentista Clubs, welche Rolle die Studentinnen in diesem Club spielen und um was es den Gründerinnen letztlich geht. Frage: Es gibt ja genügend, wenn nicht sogar zu viele Verbände und Gesellschaften in der Zahnheilkunde – was hat denn die Zahnärztinnen bewogen, eine solche Struktur zu schaffen? Dr. Gins: Letztlich kam die Idee von außen – aus der Statistik. Das ist ganz klar zu sehen: Der Anteil der Frauen in der Zahnmedizin nimmt zu, der Anteil der Frauen unter den Studentinnen ist heute schon ein sicheres Signal, wie es morgen in den Praxen – wenn es sie so noch gibt – aussehen wird. Wir sehen doch recht verschiedene Lebens- und Berufsbilder zwischen unseren Kollegen und den Kolleginnen und sind sicher, dass diese Entwicklung die Zahnmedizin verändern wird. Wir finden es wichtig, diese Entwicklung als auch den Veränderungsprozess, der auf die zahnmedizinische Landschaft zukommen wird, kompetent und unabhän-

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Dr. Gins

gig zu begleiten. Hier wird gestaltet werden müssen und dazu muss man diejenigen befragen, die bisher oft in der Wertschätzung ihrer eigenen Vita und der Form ihrer Berufsausübung übergangen wurden – die Zahnärztinnen selbst. Sie werden anders als bisher einen aktiveren Part einnehmen und gemeinsam mit den Kollegen an den Rahmenbedingungen arbeiten müssen, um Beruf und Familie (oder sonstige Verpflichtungen oder einfach Lebensfreude außerhalb der Praxis) zur eigenen Zufriedenheit und zum Wohle, um das mal so zu sagen, des eigenen Berufsstandes zu verbinden. Frage: Sind das heute besonders schwere oder vielleicht sogar besonders gute Zeiten, Zahnärztin zu sein? Dr. Gins: Sicher beides. Aber wenn Sie mich fragen: Mit einem Übergewicht bei besonders guten Zeiten. Vielleicht ist das der einen oder anderen zukünftigen Kollegin auch gar nicht so bewusst. Ich habe meine Praxis schon seit 25 Jahren und in dieser Zeit viele Entwicklungen kommen und manche auch wieder gehen sehen – aber eine solche Bandbreite an Möglichkeiten gab es noch nie. Allein das Fachliche: Wir haben heute eine präventionsorientierte Zahnheilkunde, und ohne die alten Klischees überbetonen zu wollen: Es ist sicher etwas daran, dass Frauen erhaltend, schützend, pflegend, bewahrend ausgerichtet sind. Es passt für viele Frauen wunderbar zu ihrem Bild von Heilkunde.

Außerdem sind wir in der ZHK so ganzheitlich wie nie zuvor – dieses ‚ den Menschen im Ganzen sehen’ ist auch etwas, was Frauen sicher gut liegt. Man kann seinen Neigungen und seiner Freude am Fach folgen und sich in vielen Fachdisziplinen spezialisieren. Wer will, kann ausschließlich chirurgisch tätig sein: alles kein Problem. Und nicht zuletzt: Seit diesem Jahr gibt es eine besonders große Bandbreite an Formen der Berufsausübung, man kann eine Praxis aufmachen, sich mit anderen zusammentun, selbständig arbeiten oder angestellt – wie es zum jeweiligen Lebensplan und der Situation passt. Es gibt viele Chancen, sich – wie man so schön sagt – im Beruf zu verwirklichen, glücklich zu werden mit dem, was man sich ausgesucht hat. Frage: Da fehlt jetzt aber noch das ‚andererseits’ ... Dr. Gins: Ja, und das trägt leider etwas zur Eintrübung dieses Glücks bei. Das Wirtschaftliche. Anders als in früheren Zeiten sind Zahnarztpraxen heute ja zwangsweise regelrechte „Wirtschaftsunternehmen“. Die Budgets sind begrenzt, man kann nicht einfach behandeln wie man es für angemessen hält oder an der Uni als optimal gelernt hat: Da steht ein Zeitwächter neben einem und guckt, ob man für die Füllung 15 Minuten braucht oder länger – und ab ‚länger’ tickt die Wirtschaftlichkeitsuhr. Das ist schon etwas, was jeden, der in einem ‚Heilberuf’ tätig sein ein will, in Stress versetzt. Und auch unzufrieden machen kann – wenn die eigenen Ansprüche etwas höher liegen. Es gibt Wettbewerb, der im Prinzip ‚größer-schneller-weiter’ impliziert – aber passt das zu einem Heilberuf? Nun denn, wir sind ja nicht allein in unserem System und müssen eben für uns die Dinge herauspicken, die wir für uns als brauchbar empfinden und für unsere Patienten auch. Dass ist auch eine der Aufgaben, die wir uns im Dentista Club gestellt haben: Wo gehts lang, was wollen die Zahn105


Dentista

ärztinnen, was ist gut, wo muss sich etwas anpassen, ändern, neu entwickeln?

Frage: Wird es reizvolle Angebote für Zahnmedizinstudentinnen geben?

Frage: Wie sind denn Zahnmedizinstuden-

Dr. Gins: Wir haben ein eigenes Vorstandsressort, eine

tinnen in den Club integriert?

Zahnärztin, die sich ausschließlich den Studentinnen widmet. In Kooperation, unter anderem mit unseren Paten-Unternehmen, bereiten wir einige Projekte vor. Wir haben darunter auch Umfragen zu Themen, die die Entwicklung der zahnmedizinischen Landschaft betreffen und zeigen, wohin der Weg geht. Bei unseren ersten Mini-Interviews zum Start unseres ersten Journals, der DENTISTA, haben wir auch Studentinnen und JungZahnärztinnen befragt. Es zeigt sich, dass zum Beispiel eine Praxis zusammen mit anderen als erste Wahl der künftigen Berufsausübung existiert. Aber ob das eine Ausnahme ist oder generell stimmt, erkunden wir gerne näher. Insofern freuen wir uns auch über viel Input – im Geben wie im Nehmen. Auf die Bedürfnisse von Zahnärztinnen ist man lange nicht so intensiv eingegangen, wie auf die anderer Gruppen – das wird sich ganz sicher ändern. Wir spielen hier gerne eine aktive Rolle und schieben den einen oder anderen Stein mit an...

Dr. Gins: Sie sind bei uns ordentliche Mitglieder – kein Extra oder Anhang. Sie sind die Zukunft der Zahnmedizin, unseres gemeinsamen Fachgebietes. Sie geben Input an die etablierten Kolleginnen und diese wiederum den Starterinnen oder denen, die nach einer Familienpause in den Beruf zurückkommen wollen, Unterstützung und die Erfahrung, die ja manchmal auch teuer war... Für viele Zahnärztinnen hat ihre Rolle in der Familie bzw. in der Gesellschaft einen sehr großen Stellenwert, der sich neben dem Beruf gleichberechtigt behauptet – das ist ein Grundbaustein unserer Club-Arbeit. Wer sich wie viele Frauen aufreibt, weil Leben und Beruf nicht unter einen Hut zu bringen sind, hat natürlich viele Risiken, an keiner der beiden Plätze wirklich glücklich zu werden. Wir wollen jetzt nicht behaupten, der Dentista Club könnte das alles ändern und für alle eine schöne heile Welt basteln, aber wir sind, vor allem, wenn wir viele Mitglieder aus den Praxen, aber auch den Unis repräsentieren, schon eine starke Stimme – im Berufsstand und, wie wir es schon in der Gründungsphase erlebt haben, auch darüber hinaus. Von unseren Kolleginnen, die als Dozentinnen an den Unis arbeiten, wissen wir: Unsere künftigen Kolleginnen sind super engagiert und motiviert, und wir werden sicher über alle Altersklassen hinweg viel voneinander lernen können und uns gegenseitig unterstützen. Networking ist deshalb ein Grundbaustein bei uns, nicht umsonst heißen wir ja auch Dentista ‚Club’ ...

bu e n

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a v i s ta


Blick in die Statistik: Studierende im Fach Zahnmedizin A: DIE ZAHL DER STUDIERENDEN INSGESAMT SINKT B: DIE ZAHL DER ZAHNMEDIZIN-STUDENTINNEN STEIGT INDEX: Zahnmedizin-Studenten insgesamt:

1993

14799 6176

1996

14106 6553

1999

13226 6669

2002

13184 7253

2005

13335 7877

- Zahnmedizinstudentinnen:

Entwicklung 1. Hochschulsemester:

1993

1800 877

1999

1640 981

2002

1759 1092

2003

1794 1127

2004

1759 1107

2005

1873 1193

(Statistisches Bundesamt)

Entwicklung der Zahnärztinnen-Quote im Berufsstand *), Veränderungen des Zahnärztinnen-Anteils / Stat. Bundesamt*), Gesamt Zahnärzte: - Gesamt Zahnärztinnen:

1980**

42118 9075

1985

45258 ?

1990

52560 13421

1995

75998 26074

2000

78689 28617

2005

81792 31792

(liegen nicht vor)

*) Nicht jede Zahl/Quote ist exakt vergleichbar, da teilweise andere Erhebungen zugrunde gelegt wurden – es ging es hier ausschließlich um den Trend. Die Zahlen geben die Gesamtzahl der Zahnärzte im Berufsstand wider – nicht etwa die Anzahl der niedergelassenen Zahnärzte/Zahnärztinnen, **) Stand Januar 1981, Daten/Quellen: BZÄK Statistisches Bundesamt

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ZVS

Wie wird man ein Zahnmedizinstudent? oder das Deutschland der Behรถrden

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von Kaj Todt Gängige und weniger weitschweifige Antworten auf die Frage, wie man ein Zahnmedizinstudent wird, beziehen sich meist auf die Approbationsordnung, die zu besuchenden Lehrveranstaltungen und das vorklinische sowie klinische Curriculum. Die meisten Informationen erhält man ohnehin direkt von den Universitäten, aus den Studentensekretariaten und dem Internet. Am Anfang steht eine grundsätzliche Entscheidung, denn drei Wege führen zu einem Studienplatz an den Universitäten: - 1. Die ZVS (Zentrale Vergabestelle für Studienplätze) vergibt mittlerweile nur noch 40% der Studienplätze in den Fächern Medizin, Zahnmedizin, Biologie, Pharmazie, Psychologie und Tiermedizin. - 2. Die Mehrheit der Studienplätze wird aktuell über die hochschuleigenen Auswahlverfahren vergeben. - 3. Die letzte Chance für ganz Ungeduldige bzw. Abiturienten mit Ablehnungsbescheiden von der ZVS oder einer Hochschule ist, den unkonventionellen Weg zu gehen: die Klage vor dem Verwaltungsgericht auf ungenutzte Kapazitäten in der Lehre. Gerade für diese angehenden Studenten ist das Internet mittlerweile eine wahre Fundgrube, bei der das Einklagen als selbstverständlicher angesehen wird, als gute Abiturnoten oder eine, dem gewählten Studiengang, entsprechende Motivation.

EURO

Deutschland, deine Behörden Als erste Anlaufstelle für eine Bewerbung dient die Zentrale Vergabestelle für Studienplätze. Die Einrichtung der ZVS als Behörde war ein Ausdruck der Uneinigkeit über Hochschulzugangsbestimmungen in der föderalistischen Bundesrepublik sowie der Art und Weise, wie dieses Problem zu beheben sei. Da politisch 111


ZVS

in den 60er und 70er Jahren an eine Liberalisierung des Bildungsmarktes oder gar an eine Autonomie der Universitäten nicht zu denken war, schuf man eben eine Behörde. Am 1.5.1973

Die Verknüpfung von Staatsvertrag, ZVS und Hochschulen geht aber darüber noch hinaus. (Quelle: http://bildung.germanblogs.de/archive/2006/05/31/ 1edo6k8bym75k.htm)

nahm die ZVS ihre Arbeit auf und sorgt seit dem für eine Verteilung der Abiturienten auf die verfügbaren Studienplätze in Deutschland. Das Kontingent der zu vergebenen Studienplätze richtete sich dabei immer an den Staatsverträgen und der Kultusministerkonferenz bzw. am Verhältnis der Bewerberanzahl zu den verfügbaren Studienplätzen aus. (Quelle: http://www.zvs. de/Service/Download/StV_99.pdf)

Aus dem Staatsvertrag ergibt sich ein Wechselspiel zwischen Universitäten und ZVS über die Zahl der zu vergebenden Studienplätze - die so genannte Kapazitätsverordnung. Diese Verordnung regelt die Zahl der Zulassungen für die angebotenen Studiengänge „unter Berücksichtigung der personellen, räumlichen, sächlichen und fachspezifischen Gegebenheiten…“. (Quelle: „Verordnung über die Kapazitätsermittlung, die Curricularnormwerte und die Festsetzung von Zulassungszahlen (Kapazitätsverordnung - KapVO)“)

Seit 2006 gilt ein neuer Staatsvertrag, der das aktuelle Bild der ZVS prägt: aus einer Behörde wird, dem Zeitgeist entsprechend, eine Serviceagentur. Darauf begründet sich die oben schon angedeutete Tatsache, dass die ZVS nur 40% der Studienplätze verteilt, den Hochschulen beim Management der Studienplatzbewerber für die restlichen 60% aber mit Know-how zur Seite steht. Wenn es nach der Serviceagentur selbst geht, wäre sogar der Übergang in eine GmbH denkbar, die ihre Servicedienste an die Universitäten verkauft. 112

Oder anders gesagt: es muss eine maximale Auslastung der Universitäten erreicht werden. Selbstredend soll dies nicht zu Lasten der Qualität in Lehre und Forschung gehen. Dieser ausbalancierte Regelkreis wird durch Hochschulzugangsklagen massiv untergraben. Es finden sich immer wieder Schlupflöcher in den Hochschulgesetzen, die schon auf Grund des Verdachtes auf ungenutzte Kapazitäten dazu führten, dass solche Klagen erfolgreich waren. Obwohl die Kapazitätsverordnung klar definiert, unter welchen Bedingungen Studienplätze berechnet und bereit gestellt werden, unter anderem unter Angabe von verfügbaren Personal, Laborarbeitsplätzen und Behandlungseinheiten, richten sich die Klagen zumeist gegen Paragraphen, die die personelle Situation einschließen und lassen die anderen, oben genannten Gegebenheiten außer acht. Die Lasten tragen die Hochschulen, während die ZVS nicht mehr in Erscheinung tritt. Money rules the world Was kostet ein Studienplatz in der Zahnmedizin? Auch für diese Frage weiß die ZVS eine Antwort: Auf Basis der im Jahr 2000 gewonnen Daten im Zuge der Einführung eines budgetbezogenen Kostennormwertverfahren errechnet sich eine Gesamtsumme von genau 162.968 Euro pro Studienplatz. Dieses Kostennormwertverfahren sollte das alt gediente Curricularnormwertverfahren ablösen, allerdings konnte


Die Kostenkomponenten des KNW für den Studiengang Zahnmedizin PERSONALKOSTEN FÜR DIE LEHRE UND FORSCHUNGSGRUNDAUSSTATTUNG IN DEN INSTITUTEN/KLINIKEN DER FAKULTÄT/ DES UNIVERSITÄTSKLINIKUM (…)

86.105 €

Zusammenstellung der Personalkosten für Lehre und Forschungsgrundausstattung in den Instituten/Kliniken der Fakultät/ des Universitätsklinikums je Studienplatz im Studiengang Zahnmedizin

SACH- UND INVESTITIONSKOSTEN IN DEN INSTITUTEN/KLINIKEN DER FAKULTÄT/ DES UNIVERSITÄTSKLINIKUMS

13.617 €

PERSONALKOSTEN IN ZENTRALEN EINRICHTUNGEN DER FAKULTÄT/ DES UNIVERSITÄTSKLINIKUMS

23.935 €

SACH- UND INVESTITIONSKOSTEN (EINSCHLIESSLICH INSTANDHAL- 22.334 € TUNGSKOSTEN) IN ZENTRALEN EINRICHTUNGEN DER FAKULTÄT/ DES UNIVERSITÄTSKLINIKUMS AUFWAND FÜR DIE EINBEZIEHUNG VON PATIENTEN IN DIE LEHRE Wiederholungsarbeiten: Nach Auffassung der Sachverständigen müssen studentische Arbeiten wegen unzureichender Qualität teilweise durch wissenschaftliche Mitarbeiter wiederholt werden.

GEWÄHRUNG VON PREISNACHLÄSSEN: Preisnachlässe müssen gewährt werden, um Patienten für die Behandlung durch Studenten zu gewinnen und die ihnen hierdurch entstehenden Nachteile - besonders für längere Behandlungsdauer und häufigere Behandlungstermine - auszugleichen. In den Gesprächen mit den Sachverständigen der Zahnmedizin wurde festgestellt, dass die bei Behandlung durch Assistenten vom Patienten zu zahlende Eigenbeteiligung bei Behandlung durch Studenten in der Regel entfällt und daher als Preisnachlass zu berücksichtigen ist.

MEHRBEDARF AN NICHTWISSENSCHAFTLICHEM PERSONAL: Hier ergibt sich Mehrbedarf an nichtwissenschaftlichem Personal - durch zusätzlichen Betreuungsaufwand, der dadurch entsteht, dass eine Zahnarzthelferin zum assistieren und für Vor- und Nachbereitungszeit am Behandlungsstuhl erforderlich ist und - durch den Einsatz von Wartungstechnikern für die notwendige, regelmäßige Wartung der Behandlungsstühle. Im UA „KapVO“ berichteten einige Ländervertreter, dass sich die Studenten während des Unterrichts teilweise gegenseitig assistieren können und daher im Durchschnitt nur die halbe Zeit des Unterrichts am Behandlungsstuhl von einer Zahnarzthelferin begleitet werden muss. Lediglich während des Examens muss während der Prüfungssituation die gesamte Zeit am Behandlungsstuhl von einer Zahnarzthelferin begleitet werden. Darüber hinaus ergeben sich zusätzliche Kosten, die durch die notwendige, regelmäßige Wartung der in der Lehre eingesetzten Behandlungseinheiten entsteht.

VERMINDERUNG DURCH EINNAHMEN AUFGRUND DURCHGEFÜHRTER ZAHNBEHANDLUNGEN VON STUDIERENDEN Für die Ermittlung der studentischen Einnahmen durch Patientenbehandlung werden die abrechenbaren Leistungen berücksichtigt, die ein Student während seines Studiums und Examen in den klinischen Behandlungskursen (prakt. Kurse der konservierenden und der prothetischen Zahnheilkunde) gemäß Vereinbarung der Hochschullehrer für Prothetik und Zahnerhaltung erbringt.

1.362 € an Kosten für Wiederholungsarbeiten je Studienanfänger 653 € je Studienanfänger

Pro Studienanfänger ergibt sich somit ein Aufwand in Höhe von 17.847 €, der durch die Einbeziehung von Patienten in die Lehre und den dadurch bedingten Mehr bedarf an zahnärztl. Helferinnen entsteht. Für einen Wartungstechniker werden 1154,50 € pro Jahr und Student berechnet.

Für die Kostenkomponente „Studentische Einnahmen durch Zahnbehandlung“ müssen 4.039 € in Abzug gebracht werden.

INSGESAMT BETRÄGT DER KNW FÜR DEN STUDIENGANG ZAHNMEDIZIN 162.968 € AUF DER KOSTENBASIS DES JAHRES 2000.

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ZVS

sich die Kultusministerkonferenz nie für die eine oder andere entscheiden - man scheiterte an der Vielfalt des Föderalismus. Interessant sind die erhobenen Daten der Ar-

Studienplätze schwer abzuschätzen, zum anderen befürchten die Länder eine Mehrbelastung des Haushalts. Das Kostennormwertverfahren birgt zudem die Gefahr, dass der politische Einfluss auf die Verwendung der zur

beitsgruppe aber trotz alledem, denn die bisherigen Finanzierungen durch Landeszuschüsse sind für Außenstehende undurchschaubar. Zudem sind sie von vielerlei Regulierungen innerhalb der Universitätsklinika und den zugehörigen Bundesländern abhängig.

Verfügung gestellten Mittel derart groß wird, dass hier den Hochschulen Nachteile entstehen könnten. Eine große Hürde stellt die Umorganisation der zentralen universitären und medizinischen Einrichtungen auf ein neues Modell dar. Nicht zuletzt würde das KNWVerfahren auch den Föderalismus durch eine uniforme Budgetierung untergraben.

Zu den Zahlen: die Personalausstattung für Lehre und Forschungsgrundausstattung wird mit 86.105 Euro und die Personalkosten in zentralen Einrichtungen 23.935 Euro berechnet. Für Sach- und Investitionskosten setzte man 13.617 Euro an und für den gleichen Sachverhalt in zentralen Einrichtungen 22.334 Euro. Der letzte Posten umfasst Kosten bei nichtwissenschaftlichem Personal, wie Helferinnen oder Techniker, und berücksichtigt die Einbeziehung von Patienten in die Lehre. Hierfür sind noch einmal 21.016 Euro zu veranschlagen. Diese Kostenaufstellung birgt, im Falle eines Übergangs vom Curricularnormwert-Verfahren (CNW) auf ein Kostennormwert-Verfahren (KNW) deutliche Risiken für die Universitäten und die Bundesländer. Zum einen ist die gerichtliche Akzeptanz der Auswirkungen auf die Zahl der 114

Dem gegenüber stehen natürlich viele Vorteile des neuen Verfahrens: Man würde eine gewisse Entkoppelung von Stellenplänen und der Zahl der Studienplätze erreichen, da sich das Kostennormwertverfahren nicht nur auf die personelle Situation der Kliniken stützt. Die Universitäten wären freier in der Ausgestaltung der Lehre und Personalbesetzung, da nun ohne kapazitätsrechtliche Konsequenzen virtueller Lehrinhalt erworben werden kann. Aktuell besonders erwähnenswert ist der leistungsbezogene Charakter der Mittelzuweisungen im KNW-Verfahren, welches zum Einen die Transparenz von Geldmitteln und deren Weg innerhalb von Kliniken erhöht und zum Anderen nachdrücklich verdeutlicht, welchen finanziellen Beitrag ein Student für den klinikinternen Haushalt darstellt. (Quelle: Auswirkungen des Kostennormwertverfahrens auf die Budget- und Organisationsstrukturen der Hochschulmedizin; Bericht des Ausschusses für Hochschule und Forschung der Kultusministerkonferenz; 2003) Quelle: ZVS Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen DEZERNAT 32.4 - Tgb.-Nr. 123/03; 03.09.2003


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Auf der Suche nach Antworten auf diese Frage, können die logischen Ebenen nach Robert Dilts eine gute Hilfestellung sein, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen. Da die Fähigkeit Glück zu empfinden, aufgrund der vegetativen Zuordnung und biochemischen Nachweisbarkeit, jedem Menschen innewohnt, ist es wichtig, die Suche nach dem eigenen Glück auch bei sich selbst zu beginnen. So sind es nach kurzer Zeit weniger die Dinge, die uns passieren, als vielmehr die Dinge die wir geschehen lassen, die unser Glück definieren. Die logischen Ebenen sind ein Modell, welches die Interaktion des Menschen auf verschiedenen Stufen des Bewusstseins unterscheidet und auf diese Weise aufschlüsselt, in welchen Bereichen des Lebens die eigenen Ressourcen, aber auch die Hindernisse zum Glücklichsein liegen.

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identität: Wer bin ich? Was macht mich aus? Zu wissen, wer wir sind und sein wollen, ist Voraussetzung für uns selbst ein zustehen. Für wen oder was stehe ich ein, wenn ich nicht weiß, wer ich bin? Kann man glücklich sein ohne ein Selbstwertgefühl? Gibt es Selbstwert ohne Selbstbild? zugehörigkeit: Woher komme ich? Wohin gehöre ich? Kultur, Nationalität, Freunde, Familie, etc. prägen uns, geben uns Halt, lassen uns einander verbunden fühlen und können soziale und emotionale Unterstützung geben. Ein erfülltes Zugehörigkeitsgefühl ist die Basis, das eigene Glück durch die Gemeinschaft zu fördern oder unglückliche Momente aufzufangen. spiritualität: Warum bin ich hier? Was ist der Sinn meines Lebens? Was ist meine Mission? Spirituelle Fragen helfen uns zu wachsen und den eigenen Weg zu finden. Sie geben dem Alltag und damit dem Leben eine höhere Bedeutung. Auf diesem Wege kann Glück auch unabhängig von materiellen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Idealen erfahren werden. werte und glaubenssätze: Dankbarkeit und Achtsamkeit sind wichtige Werte auf dem Weg zum Glück. Für was bist Du dankbar? Was bereitet Dir Freude? Was ist Dir wichtig? Glaubenssätze behindern uns meistens, auch wenn sie grundsätzlich gut gemeint sind. So auch beim glücklich sein. fähigkeiten: Was kannst Du? Was gelingt Dir leichter und besser als anderen? Was machst du besonders gerne? Wie erlebst Du Herausforderungen, Erfolge oder gar Niederlagen? Die Frage nach den Fähigkeiten ist auch Frage nach der Arbeit und der Berufung. Wenn Du Dich zu Deiner Arbeit berufen fühlst, wirst Du Dein Leben als wertvoll einschätzen. Schule, Uni, Beruf fordern uns heraus und können, in dem wir unsere Fähigkeiten unter Beweis stellen, das Selbstwertgefühl stärken. verhalten: Liebe, was ist!

umgebung: Sind die Menschen um Dich herum glücklich? Fühlst Du Dich in Deinem Umfeld wohl? Kannst Du so sein, wie Du wirklich bist? Sich in dem persönlichen Lebensraum wohl zu fühlen, die Grundbedürfnisse wie Arbeit, Essen und Wohnung erfüllt zu haben, ist ebenso eine Grundvoraussetzung für empfundenes Glück. Diese einfachen und grundsätzlichen Dinge bewusst wahrzunehmen, ist dabei manchmal die größte Herausforderung.

Bist Du glücklich?

KMD

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Laboratorium Difficile

Wie viel Zahntechnik braucht der Zahnmediziner? 118


von Kaj Todt und Bernd van der Heyd

Wenn man heute eine Umfrage machen würde, wie viele Studenten es sich zutrauen würden, ihre prothetischen Arbeiten selbst anzufertigen, wie hoch wäre wohl die Zahl derer, die sofort „JA!“ sagen würden? Der Grund für diese durchaus berechtigte Frage findet sich in der Approbationsordnung für Zahnärzte, denn dort findet sich unter §50 folgende Vorgabe für die Examensprüfung im Fach Prothetik:

labo ratorium ile diffic 07-

(...) Die Prüfung in der Zahnersatzkunde (X) wird von einem Prüfer in der Regel an zehn Tagen abgehalten. Der Kandidat hat seine theoretischen Kenntnisse über die Planung und Ausführung von Behandlungsmaßnahmen auf dem Gebiet der Zahnersatzkunde nachzuweisen und sowohl herausnehmbaren als auch festsitzenden Zahnersatz anzufertigen und einzugliedern. (...)

- 20

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Laboratorium Difficile

Kaj: „Eine enge Auslegung dieses Paragraphen würde bedeuten, dass jeder Prüfungskandidat seine Arbeiten für die Examenspatienten selbst anfertigt - nicht die Labore, mit denen die Fakultäten zusammenarbeiten. Über diese Forderung kann man durchaus geteilter Meinung sein. Als Student vertrete ich die Auffassung, dass meine Patienten einen Anspruch auf eine qualitativ hochwertige Arbeit haben. Dieser Anspruch leitet sich daraus ab, dass ich weder mir, noch den meisten anderen Studenten zutraue, im Laufe des vorklinischen und klinischen Curriculums genügend praktische Erfahrung zu sammeln, um einer modernen Zahntechnik und entsprechenden Versorgungen gerecht zu werden. Zu diesem Gedanken passend ist die Frage nach der labortechnischen Ausstattung einer Universität. Man könnte annehmen, dass den Universitäten die Mittel fehlen, ihre Studentenlabore so auszustatten, um eine paragraphengerechte Umsetzung im Sinne einer modernen Zahntechnik überhaupt erst zu ermöglichen. Die Herstellung einer Totalprothese oder einer Versorgung im Sinne einer Vollgussausführung für Kronen und Teilkronen ist vielleicht noch möglich, doch bei Verblendkeramiken sehe ich schon die ersten Probleme, ganz zu schweigen von gefrästen vollkeramischen Versorgungen und funkenerodierten Gussarbeiten - nach digitaler Farbbestimmung und ästhetischer Gestaltung von verblendkeramischen Versorgungen frage ich gar nicht erst.“

Eine enge Auslegung dieses Paragraphen würde bedeuten, dass jeder Prüfungskandidat seine Arbeiten für die Examenspatienten selbst anfertigt - nicht die Labore, mit denen die Fakultäten zusammenarbeiten.

Doch wie sieht das ein Zahntechnikermeister, der zum Einen ein eigenes Labor betreibt und zum Anderen durch sein Zahnmedizinstudium einen Einblick in die studentische Laborarbeit hat?

akzeptabler Qualität vom Studenten angefertigt werden können. Doch eine Frage stellt sich natürlich: was ist mit den anderen Patienten und der praktischen Ausbildung in der gesamten Bandbreite zahntechnischer Rekonstruktionen?

Bernd: „Ich kann nur zustimmen, dass die meisten zahntechnischen Arbeiten sicherlich für viele Studenten eine große, oftmals auch eine zu große Herausforderung darstellen. Sollten die Patientenarbeiten tatsächlich von Studenten angefertigt werden, so würden die Möglichkeiten der zur Auswahl stehenden Arbeiten sehr eingegrenzt sein. Vollgusskronen sind wahrscheinlich prothetische Arbeiten, die in klinisch

Unabhängig von der Approbationsordnung fände ich es durchaus sinnvoll, den Studenten während ihres Studiums einen möglichst großen Einblick in die zahntechnischen Abläufe zu geben. Vielleicht wäre es nicht schlecht, wenn Studenten die Patientenarbeiten als Demoarbeiten erstellen würden und parallel dazu die einzusetzenden Arbeiten im Labor gefertigt würden - man könnte auf diese Weise sicherlich viel Erfahrung für den späteren klinischen Alltag gewinnen. Ich glaube,

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labo ratorium diffic-ile - 2007

dass die wenigsten Studenten mit dem technischen Ablauf einer vermeintlich einfachen Metallkeramikkrone oder einer Steg getragenen Versorgung vertraut sind – doch wer sich tatsächlich mit den dabei möglichen Problemen auseinandergesetzt hat, wird für die späteren

„können-müssen“ und „wissen-müssen“ versucht die neue Approbationsordnung gerecht zu werden. Die Zahntechnik tritt in der Vorklinik zu Gunsten von Kariologie, Endodontologie, Parodontologie, Kinderzahnheilkunde und Prophylaxe

Präparationen und Planungen viel lernen können. Am Ende prägt sich die eigene Erfahrung am besten ein.“

zurück, bleibt aber, zumindest was theoretische Kenntnisse betrifft, immer ein Teil der Prüfungen. Dabei bleibt im Moment noch offen, welche Inhalte die Zahnärztliche Prothetik in der Vorklinik vermitteln soll. Lösungsvorschläge oder gar Ansätze für eine Übergangszeit liegen noch im Dunkeln und so bleibt es der Phantasie und den Orientierungen der Fakultäten überlassen, wie sie dieser Herausforderung begegnen wollen.

So weit zum „Ist-Zustand“. Doch was hält die Zukunft für uns bereit? Kehrt die Zahnmedizin wieder in den Schoß der Humanmedizin zurück, und stellt damit ihren akademischen Anspruch unter Beweis? Diesem Anspruch aus einem realistischen Vergleich zwischen

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Laboratorium Difficile

Wird man die Labore heute schon auf ein nötiges Minimum schrumpfen, mit dem man die Lerninhalte beider Approbationsordnungen lehren kann oder wartet man auf den Start-

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die auch zukünftig steigende präventive Orientierung der Zahnmedizin: Die Zahnerhaltungstherapie mit Prophylaxe, Parodontologie und technisch immer ausgefeilteren Methoden

schuss der Gesetzgeber? Als Student könnte man motivierend zu argumentieren versuchen, das Erstere zukunftsorientierte Lehre anbieten wollen und Letztere in der Gefahr schweben, eben diesen Start zu verpassen. Aus Sicht der Zahntechniker ist die Forderung nach Zahnärzten mit Kenntnissen in zahntechnischen Prozessen mehr als verständlich. Doch ist in einem Curriculum, das die Betonung auf „Orale Medizin“ legt, überhaupt noch Platz für so viel Zahntechnik? Hier hinkt der Vergleich zur Humanmedizin, die es schafft, einen umfassend ausgebildeten Arzt in die Assistenzzeit und Facharztausbildung zu entlassen. Die praxisbezogene Ausbildung der Zahnmediziner wird auch von einer neuen ApoZ nicht gekippt. Im Gegenteil: Die Ausbildung am Patienten wird intensiviert und durch Integration und synoptische Lehre bereichert. Man rückt näher an die Medizin und eine andere Art der Patientenbehandlung heran, wendet sich damit in gewisser Weise aber auch von der Zahntechnik ab und bleibt dennoch in hohem Maße von ihr abhängig.

zur Rekonstruktion zerstörter Zähne, gewinnt weiter an Gewicht und wird dabei sicher einen Einfluss auf die Zahl und Art der prothetischen Arbeiten haben. Eine Voraussetzung dafür ist allerdings der finanzielle Aspekt, denn so lange eine Brücke mehr Verdienst bedeutet, als eine Parodontaltherapie, verschlechtert sich die Erhaltungswürdigkeit eines Zahnes dramatisch.

Fakt ist, dass der wirtschaftliche Druck auf die Kliniken nicht geringer wird. Ob es sich lohnt, eigene Labore für praxisnahe Demonstrationen und Übungen vorzuhalten, hängt auch davon ab, wie viel von diesem finanziellen Druck tatsächlich auf die Zahnkliniken übertragen wird. Aus studentischer Sicht spricht nichts dagegen, kommerzielle Labore in die Ausbildung einzubringen, um den von Bernd angesprochenen Ideen gerecht zu werden. Es spricht auch nichts dagegen, diese Ideen nach dem Studium, im Rahmen zertifizierter Fortbildungen, zu realisieren. Schließlich sind Zahnärzte/ Innen auch nach ihrem Examen dem lebenslangen Lernen verpflichtet. Dies hätte allerdings auch zwangsläufig eine Veränderung des Profils zahntechnischer Labore zur Folge. Praxiseigene Labore werden ohnehin so lange erhalten bleiben, bis der wirtschaftliche Druck oder die fortschreitende Professionalisierung von Zahntechnik und Zahnmedizin beide getrennte Wege gehen lässt. 122

Einzelne Universitäten zeigen, dass man zahntechnische Prozesse auch außerhalb des Curriculums labo hervorragend m vermitteln kann ratoriu ile dif-fi20c 07-

Egal ob zukünftig Parodontologie oder Prothetik im Zentrum des Gesamtbehandlungskonzepts stehen: beide verfehlen das Ziel der Diskussion, wenn nicht der Mensch und Patient das Zentrum des Handelns ist. Dies lässt sich auch auf das Studium der Zahnmedizin und den Patienten mit seiner zentralen Rolle in der Ausbildung übertragen. Am Ende wird der Raum für die praktische Zahntechnik im Studium immer kleiner. Oder doch nicht? Einzelne Universitäten zeigen, dass man zahntechnische Prozesse auch außerhalb des Curriculums hervorragend vermitteln kann. Wenn Firmen wie Sirona CEREC-Kurse an den Universitäten anbieten, oder BEGO zum Hands-on-Kurs Modellgußprothetik in die eigene Firma lädt, können Labore und Universitäten die Chancen von Kooperationen noch wesentlich kreativer nutzen. Man muss es nur wollen.


Kinder in der Zahnmedizin

©Jill Greenberg

Das Kind in der zahnärztlichen Praxis FORTSETZUNG AUS un-plaqued NR.12

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Das Zahnarzt-Kind-Verhältnis Mit dem genannten grundlegenden psychologischen Wissen ist eine erfolgreiche Behandlung des kindlichen Patienten und der Aufbau eines guten Zahnarzt-Patienten-Verhältnisses möglich. Dies hilft vor allem, die Angst vor dem Zahnarzt und seinen Eingriffen positiv zu beeinflussen. Hierbei erlangen außerdem an Bedeutung: Das Erkennen und Akzeptieren von Angstzuständen und Angstneigungen und alle Formen der Angstprävention bzw. Angstreduktion.

3.1 Erkennen und Erfassen von Angstzuständen/Angstneigungen beim kindlichen Patienten Die Erörterung der Problematik „Erfassung von Angstzuständen beim zahnärztlichen Patienten“ erfolgt unter zwei Aspekten. Für die zahnärztliche Allgemeinpraxis werden zunächst die Indikatoren der Angst aufgezeigt, die für den praktisch tätigen Zahnarzt von Bedeutung sind. Dabei geht es zunächst um das Erkennen augenfälliger und auditiv wahrnehmbarer Anzeichen von Angst. Das betrifft erstens die motorische Ebene: Hier imponieren Unruhe, Bewegungsdrang, unkooperatives Verhalten und die Herabsetzung psychomotorischer Leistungsfähigkeit. Weitere Hinweise sind nonverbale und verbale Auffälligkeiten. Schreien, Weinen, Wimmern, atypische Sprachrhythmik, regressive Sprache und überzogenes Informationsbedürfnis sind hier die entsprechenden Kennzeichen. Darüber hinaus sind vegetative Reaktionen an den Auslenkungen physiologischer Parameter des Kreislaufes und Stoffwechsels messbar; erkennbar allerdings bereits an kalten feuchten Händen, Übelkeit, Tachykardie.

Weiterführend seien physiologische und psychometrische Verfahren zur Angstmessung angedeutet, deren Haupteinsatz der Forschung bzw. der Screening-Untersuchung von Problempatienten vorbehalten bleiben sollte. 3.2 Angstprävention und Angstreduktion Für die Angstprävention bzw. Angstreduktion spielen vor allem drei Aspekte eine maßgebliche Rolle; sie sollen in den folgenden Abschnitten einer näheren Betrachtung unterzogen werden. Dabei geht es einmal um die Vermeidung negativer Bewältigungserfahrung für den zahnärztlichen Patienten, des Weiteren um die Bedingungsgestaltung der zahnärztlichen Betreuungssituationen. Darüber hinaus werden Möglichkeiten zur Erhöhung der Selbstkontrolle erörtert.

Die Vermeidung negativer Bewältigungserfahrungen Hier ist an erster Stelle zu nennen, dass die Entwicklung wünschenswerter oralpräventiver Verhaltensweisen so früh wie möglich in der Ontogenese beginnen muss (Zahnpflege ab dem ersten Milchzahn), 125


Kinder in der Zahnmedizin

um physische und psychische Beeinträchtigungen zu vermeiden.

Die Elternvorbereitung beinhaltet dabei: - Bei der Terminvereinbarung muss darauf hingewiesen werden, dass die Eltern ihrem Kind nicht eigene Ängste und Erfahrungen, oft sogar unangemessene

Für die ersten, so bedeutsamen Zahnarztbesuche müssen die begleitenden Eltern entsprechend vorbereitet sein, damit der Erfolg des Erstkontaktes nicht von Beginn an in Frage gestellt wird.

Schilderungen vermitteln.

Der Erstkontakt mit dem Zahnarzt sollte unter schmerzfreien Bedingungen erfolgen. Das bedeutet, das personelle und situative vertraut machen mit der Tätigkeit des Zahnarztes in einen Zeitraum zu verlegen, der mit größter Wahrscheinlichkeit frei ist von der Möglichkeit negativer Erfahrungen. Das ist im Allgemeinen das Kleinkindalter bzw. das Alter des jüngeren Vorschulkindes. Sollte die Möglichkeit bestehen, mit den Kindern in der vertrauten Umgebung einer Kindereinrichtung in Anwesenheit seiner Spielkameraden und seiner Kindergärtnerin präventive Maßnahmen durchzuführen, trägt ein derartiges „Kennen lernen“ des Zahnarztes bzw. seiner Tätigkeit durchaus dazu bei, eine vertrauensvolle Beziehung zu entwickeln, die sich in jedem Falle positiv auswirkt, wenn erste Behandlungsmaßnahmen erforderlich werden. Für die ersten, so bedeutsamen Zahnarztbesuche müssen die begleitenden Eltern entsprechend vorbereitet sein, damit der Erfolg des Erstkontaktes nicht von Beginn an in Frage gestellt wird. 126

/ Die Eltern dürfen dem Kind keine falschen Versprechungen machen, wie z. B. „Das tut nicht weh!“. Besser wäre hier: „Es gibt unangenehme Empfindungen und schmerzhafte. Das wirst du unterscheiden lernen. Der Zahnarzt erklärt dir alles.“ / Der Besuch eines Zahnarztes sollte nicht als Drohung ausgewiesen werden: „Siehst du, weil du dir nicht richtig die Zähne putzt, musst du nun zum Zahnarzt!“ Besser wäre hier: „Der Zahnarzt hilft dir, deine Zähne gesund zu erhalten bzw. gegebenenfalls gesund zu machen.“ / Die Eltern sollten dem Kind keine materiellen Belohnungen in Aussicht stellen. Dagegen ist soziale Verstärkung durchaus erforderlich. Den Kindern soll allmählich vermittelt werden, dass regelmäßige Zahnarztbesuche etwas Normales in ihrem Leben sind. / Die Eltern sollen in ihren Rückmeldungen nach erfolgreichen Zahnarztbesuchen nicht mit Lob und Anerkennung sparen, die zum Aufbau von positiven Selbstwirksamkeitserwartungen führen. Diese Hinweise werden den Eltern entweder mündlich bei der Terminvereinbarung oder schriftlich in Form eines Elternbriefes gegeben. Ziel dieses ersten Zahnarztbesuches sollte, wenn nicht vorher schon erfolgt, das gegenseitige Kennen lernen bzw. das vertraut machen mit der zahnärztlichen Einrichtung (Stuhl, Lampe, Schwebetisch, Wasserbecher etc.) sein. Dem Selbsttätigseinwollen des Kindes folgend, darf es den Wasserbecher selbst füllen, den „Wind“ selbst betätigen, den Stuhl „ausprobieren“. Anschließend wird das Untersuchungsbesteck gezeigt und der Spiegel dem Kind in die Hand gegeben. Günstig ist, wenn sich das Kind den Spiegel selbst in den Mund steckt. Dabei gilt es, die Empfindung „schön


glatt“ zu vermitteln. Mit der Sonde wird bei besonders ängstlichen Kindern am Fingernagel gekratzt, dann erst zur Untersuchung der Zähne (vorsichtig!) eingesetzt. Für Kinder wie auch für Erwachsene gilt, Reizworte – Spritze, Bohrer, Zahn ziehen – zu vermeiden. Vermeidung der negativen Bewältigungserfahrung kann aber auch dadurch erfolgen, dass das Kind die Gelegenheit erhält, ein gut kooperierendes anderes Kind – z. B. Geschwisterchen – bei den zahnärztlichen Maßnahmen zu beobachten (so genanntes Modell-Lernen). Das bedeutet für das Kind, unter schmerzfreien Bedingungen ein positives Erlebnis zu haben.

Bedingungsgestaltung Bei der Gestaltung von günstigen Bedingungen ist die Gewährleistung sozialer und emotionaler Unterstützung während des gesamten Verlaufs der zahnärztlichen Behandlung oberstes Ziel. Unbedingte Bestandteile sind hierbei, dass der Zahnarzt zeigt: / ich höre zu, / ich akzeptiere die Angst, / ich wende mich verbal und nonverbal meinem Patienten zu.

Um die Kinder an Ungewohntes zu gewöhnen, gehört die Möglichkeit des kennen Lernens und Gewöhnens an die neue fremde Umgebung. Bewährt haben sich hier die so genannten Adaptionsecken. Diese befinden sich im Sprechzimmer und bieten dem Kind die Möglichkeit, beim Malen und Bilderbuch ansehen die zahnärztliche Atmosphäre aus „sicherer Entfernung“ zumeist unbewusst kennen zu lernen. Gute Gelegenheiten sind, die Behandlung der Eltern oder eines kooperativen Geschwisterkindes mitzuerleben. Die Anwesenheit der Eltern ist ein oft angesprochener Punkt, die sehr unterschiedlich, den individuellen Besonderheiten der Persönlichkeit und dem Alter des Kindes sowie der Gesamtsituation angepasst sein muss. Zunächst muss immer überlegt werden, wie das oberste Ziel, die Zahnarzt-Kind-Beziehung, aufgebaut werden kann. Dabei kann die Anwesenheit der Eltern durchaus erforderlich sein, um die Behandlung überhaupt zu ermöglichen. Bei Kleinkindern und jüngeren Vorschulkindern geben sie im Allgemeinen das Gefühl des Geborgenseins, gewähren emotionale und soziale Stütze. Günstig ist, wenn die Eltern dies auch körperlich zu vermitteln ver-

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Kinder in der Zahnmedizin

suchen, indem sie das Kind auf den Schoß nehmen oder zumindest seine Hand halten. So können Wärme und Nähe signalisiert werden. Nicht geeignet ist diese Verfahrensweise, wenn die Eltern selbst ängstlich sind. Ähnlich sollte auch bei geistig behinderten Kindern verfahren werden. Neben der körperlichen Nähe sind die Eltern hier meist in der Lage, zwischen Kind und Behandler zu vermitteln, da sie mit den kindlichen Eigenheiten besser vertraut sind. Allmählich kann dieses Dreiecksverhältnis zugunsten einer direkten Zahnarzt-Patient-Beziehung abgebaut werden. Durch häufige Kontaktaufnahmen wird der Zahnarzt dem Kind immer vertrauter und umgekehrt erhält der Zahnarzt immer umfangreichere Informationen von der Begleitperson, die es ihm immer besser ermöglichen, mit dem Patienten umgehen zu können. Beim älteren, gesunden Kind ist die Anwesenheit der Eltern in der Anfangsphase möglich. Dem natürlichen Selbstständigkeitsstreben des Kindes entspricht aber dann, dass es Partner des Zahnarztes wird und die Eltern den Behandlungsraum verlassen. Vernünftige und zur Selbstständigkeit erziehende Eltern tun dies auch im Allgemeinen, zumindest reicht ein kurzer entsprechender Hinweis. Damit wird vermieden, dass z. B. Übertragungsängste wirksam werden bzw. sich das Kind in Gegenwart seiner Eltern „kindisch“ benimmt. Auf jeden Fall sollten die Eltern immer zu einem Erstgespräch und einem Abschlussgespräch anwesend sein, aber auch bei der Information über Maßnahmen, die zu Hause fortgesetzt und kontrolliert werden müssen (z. B. Verhalten nach Extraktion oder anderen chirurgischen Eingriffen, Mundhygieneunterweisungen, Ernährungsberatung). 128


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Kinder in der Zahnmedizin

Ein weiterer wichtiger Aspekt besteht darin, dass keine Geräusche aus dem Sprechzimmer in das Wartezimmer dringen sollten. In Unkenntnis der sich dort tatsächlich abspielenden Handlungen erfahren diese oft eine

im wahrsten Sinne des Wortes verschnupftes Kind zeigt sicherlich keine gute Bereitschaft zur Mitarbeit.

Falsch- oder Überbewertung.

gewiesen ist der Einsatz von Musik zur Entspannung. Es konnte nachgewiesen werden, dass 80 % der 4- bis 7-Jährigen gern Musik beim Zahnarzt hören. 60 % wollten dies auch während der Behandlung. Davon gaben wiederum 50 % Schmerzfreiheit an. Wichtig ist, dass entsprechende Musik, keine analytische und /oder intellektuelle, angeboten wird. Dabei ist es gleichgültig, ob der Patient „seine eigene Musik“ hört oder das Musikangebot vom Praxisteam kommt. Die Frage, ob sich geschlossene oder offene Systeme der Musikübertragung mit Kopfhörer besser eignen, kann nicht eindeutig zugunsten eines Verfahrens beantwortet werden. Bei offenen Systemen kommt es zwar zu keiner Geräuschüberdeckung, aber die Kommunikation zwischen Patient und Zahnarzt bleibt erhalten. Dies ist beim geschlossenen System wiederum nicht der Fall, dafür gelingt die Geräuschüberdeckung weitestgehend. Es muss also sehr individuell entschieden werden, was im Moment die günstigsten Bedingungen bringt. Am besten entscheidet der Patient selbst. Entspannung kann aber auch über ein belangloses lockeres Gespräch mit dem Kind gefunden werden. Je vertrauensvoller sich das Zahnarzt-Patient-Verhältnis gestaltet, desto entspannter wird der Patient in der Betreuungssituation sein. Dies ist eine Erfahrung, die sicher jeder Zahnarzt schon gemacht hat. Entspannungsverfahren wie progressive Muskelrelaxation oder autogenes Training sind für ältere Schulkinder und Jugendliche zusätzlich einsetzbar. Meistens hilft schon ein „tiefes Durchatmen“.

Diese rein kognitive Information ist die erste Stufe der Umweltkontrolle. Damit wird dem Orientierungsbedürfnis – einem Grundbedürfnis des Menschen – entsprochen, und das ist nicht nur für Kinder wichtig. Beachtung der tageszeitlichen und körperlichen Befindlichkeiten Eine wichtige, oft unterschätzte Bedingungsgestaltung ist die Berücksichtigung der Tageszeit, in der die Behandlung vorgenommen werden soll. Dem Wunsch vieler berufstätiger Eltern, mit ihren Kindern erst gegen Abend die Sprechstunde aufsuchen zu wollen, muss konsequent begegnet werden. Die zahnärztliche Behandlungssituation ist eine Belastung, die nicht nur von Kindern am günstigsten in den „physiologischen Hochs“ – also in den Vormittagsstunden (8.00 bis 11.00 Uhr) oder frühen Nachmittagsstunden (14.00 bis 15.00 Uhr) – bewältigt werden kann. Zu berücksichtigen ist außerdem der persönliche Rhythmus des Kindes, z. B. wann und ob es Mittagsschlaf macht. Vielen Unannehmlichkeiten, die aufgrund von Müdigkeit entstehen, kann damit begegnet werden. Aber nicht nur die tageszeitliche Verfassung muss berücksichtigt werden, sondern auch die körperliche. Ein 130

Viel diskutiert worden und auf ihre Wirksamkeit hin-

Belohnung des Kindes Im Allgemeinen wird unter Belohnung die Vergabe von Geschenken – also materielle Verstärkung von erwünschtem Verhalten – verstanden. Das ist aber nur zum Teil richtig. So genannte soziale Verstärker – Lob, Zuwendung – erzielen oft größere Wirkung. Vor allem wenn schon während zahnärztlicher Maßnahmen zum Ausdruck gebracht wird, dass der kleine Patient „heute


ganz besonders toll mitarbeitet und hilft“. Dieser unter Verbalsuggestion verstandene Begriff zeigt einmal mehr, was sprachliche Begleitung erreichen kann. Solcherart sprachlich motiviert, ist das Kind in den meisten Fällen anstrengungsbereiter. Jedem Zahnarzt sollten außerdem ein paar alterstypische Verstärker bekannt sein, damit ihr stimulierender Einsatz die Compliance bei präventiven und therapeutischen Handlungen erhöht.

LEBENSALTER

EXTERNER VERSTÄRKER

Kleinkind/ jüngeres Vorschulkind

soziale Verstärkung durch Lob undZuwendung

Vorschulkind

positive Emotionen durch Selbsttätig sein („alleine” machen; freies oder pädagogisch gelenktes Spiel; Bewegungsfreudigkeit)

jüngeres und mittleres Schulalter

soziale Vergleiche im Wettbewerbsver halten, Lust zum Lernen

älteres Schulkind

Nutzung von Gruppennormen (auch der Peergruppen)

Jugendlicher

ästhetische Wert- und Zielvorstellungen, sexuell-erotische Komponente

Wichtig ist, dass der Zahnarzt die einzelnen Handlungsabfolgen in solche Teilschritte aufgliedert, dass der Patient gerade noch in der Lage ist, den nächsten Schritt zu tolerieren. Die aktive Einbeziehung des Patienten ist besonders wichtig.

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Kinder in der Zahnmedizin

Erhöhung der Selbstkontrolle Große Bedeutung kommt der Erhöhung der Selbstkontrolle zu. Dies beinhaltet, der Patient wird mit einfachen Worten über jeden Arbeitsgang und dabei mögliche Empfindungen informiert, gleichzeitig wird ihm Rückmeldung gegeben. Diese rein kognitive Information ist die erste Stufe der Umweltkontrolle. Damit wird dem Orientierungsbedürfnis – einem Grundbedürfnis des Menschen – entsprochen, und das ist nicht nur für Kinder wichtig.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, den Ablauf einer Behandlung zu lernen. Das senkt ebenfalls das Gefühl des Ausgeliefertseins auf gedanklichem Wege. Der Patient kennt jeden kleinsten Schritt und jede dazugehörige Handbewegung. Er weiß, was auf ihn zukommt. Wichtig ist, dass der Zahnarzt die einzelnen Handlungsabfolgen in solche Teilschritte aufgliedert, dass der Patient gerade noch in der Lage ist, den nächsten Schritt zu tolerieren. Die Bewältigung jedes noch so kleinen Behandlungsschrittes verstärkt die Bereitschaft, es mit dem nächsten zu versuchen. Die aktive Einbeziehung des Patienten ist besonders wichtig. Es gibt weitere Formen, den kleinen, aber auch den größeren Patienten das Gefühl zu vermitteln, die Behandlungssituation zu kontrollieren. Eine ganz einfache Form besteht darin – natürlich in Abhängigkeit von der Behandlungsindikation – sich den zu behandelnden Zahn aussuchen zu lassen. Eventuell kann darüber hinaus jeder Behandlungsschritt mit einem Spiegel kontrollierbar gemacht werden. Sobald das Kind merkt, es geschieht nichts, von dem es nichts weiß, legt es den (oft hinderlichen) Spiegel von allein aus der Hand. Eine weitere Möglichkeit ist die Vereinbarung von Zeichen, um eine besonders schmerzhaft empfundene Behandlung abzubrechen. Das muss dann allerdings auch wirklich geschehen! Dieses Verfahren birgt aber auch die Gefahr in sich, dass der Zahnarzt wichtige Therapieschritte nie lege artis durchführen kann. Besser geeignet ist, eine Zeitstrukturierung vorzunehmen: „Ich zähle bis drei, dann machen wir eine Pause und du kannst dich ausruhen.“ Der Vorteil dieser Verfahrensweise ist darin zu sehen, dass das Tempo des Zählens individuell angepasst variiert werden kann und der Patient trotzdem immer das Gefühl vermittelt bekommt, die Situation kontrolliert und gemeistert zu haben. Die so genannte „Tell-show-do-Methode“ ist ebenfalls ein hilfreiches Verfahren, dient sie doch gleichzeitig durch Information und Demonstration der Verhaltensanregung, Verhaltensformung und Verstärkung von Verhalten.

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von Ingmar Dobberstein

Würde man die Liste der Symptome, die mit der Cranio-Mandibulären-Dysfunktion (CMD) im Zusammenhang stehen, herausgelöst auflisten, würde man in erster Linie nicht an ein zahnmedizinisches Thema denken.

Darüber hinaus sind sie maßgeblich mitbestimmend für das subjektive Wohlbefinden des Patienten mit seinem orofazialen System.

Kopf- und Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Müdigkeitssyndrome, Fehlstellungen der Wirbelsäure oder auch Muskelschmerzen sind allerdings nachgewiesene Beschwerden, die im Zusammenhang mit dem Mund-KieferGesichtsbereich stehen können. Obwohl gerade hier der interdisziplinäre Zusammenhang zu einer Vielzahl medizinischer Fachrichtungen besteht, wird dieses Thema sowohl an den Universitäten als auch in der

Es ist demzufolge nicht verwunderlich, dass die Funktionstherapie nicht nur seit Jahrzehnten erforscht und systematisiert wird, sondern auch von Seiten der DGZMK mit wissenschaftlichen Stellungnahmen abgesichert ist. Darüber hinaus zeigte eine Göttinger Studie an 105 CMD Patienten, dass 73% der Patienten eine Infraokklusion und 27% eine Supraokklusion aufwiesen. Die Denkweise in der Zahnmedizin vollzieht also auch in diesem Fachgebiet seit einigen Jahren einen Paradigmenwechsel, bei

freien Praxis meist stiefmütterlich behandelt. Dieser Umstand ist zum Teil verständlich, weil eben diese Symptome auf den ersten Blick so losgelöst von der eigentlichen Zahnheilkunde erscheinen und darüber hinaus auch nur schwer fassbar sind. Absolut unverständlich ist es aber, wenn man bedenkt, dass die Berücksichtigung funktioneller Zusammenhänge Ausschlag gebend für die Verträglichkeit und Langlebigkeit des eingegliederten Zahnersatzes sein kann.

dem das langjährige Motto des Einschleifens in Richtung eines Aufbauens der Okklusion zu Gunsten der Kiefergelenke verschoben wird. Möchte man sich diesem Thema nun trotz der Versäumnisse in den Hochschulen nähern, kommt man nicht an strukturellen Fort- und Weiterbildungen vorbei, die mittlerweile in einem verstärkten Maße angeboten werden. Die Universität Greifswald bietet diesbezüglich als einzige Hochschule einen Masterstudiengang

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an, der unter der Leitung des ehemaligen Präsidenten der DGZMK, Prof. Dr. Georg Meyer etabliert wurde. Und an eben diesem Namen scheint man beim The-

ge Minuten dauert, folgt eine umfangreiche klinische Funktionsanalyse. Nur wenn diese ebenfalls positiv ausfällt, schließt sich eine entsprechende Therapie mit konsilarischen Untersuchungen der medizinischen

ma der Funktionsdiagnostik und –therapie nicht mehr vorbei zu kommen, so dass ich am 25. Symposium für Funktionsanalyse in Stuttgart teilnahm, um den aktuellen Stand der Wissenschaft und praktischen Umsetzung zu erfahren. Ein Team aus drei Zahnärzten, Prof. Meyer aus Greifswald, Prof. Jakstat aus Leipzig und Dr. Ahlers aus Hamburg führten durch das, von der Firma Amann Girrbach veranstaltete Symposium. Dabei wurden nicht nur theoretische Erkenntnisse und aktuelle Forschungsergebnisse vermittelt, sondern vor allem viel Wert auf die praktische Erläuterung des Vorgehens bei Diagnostik und Therapie gelegt. Es kann keine Funktionstherapie ohne entsprechende Diagnostik erfolgen, lautete die einstimmige Meinung der drei Referenten. Dies beginne bereits bei der Schienentherapie, müsse aber erst recht vor der Anfertigung und Eingliederung des neuen Zahnersatzes geschehen. Auch sind Schmerzen nur eine bedingte Indikation für eine Funktionsproblematik, da diese auch schmerzfrei vorhanden sein kann. Symptome eines komprimierten Kiefergelenks oder des verlagerten Diskus mit und ohne Reposition sind grundsätzlich als krankhaft und das Wohlbefinden des Patienten nachhaltig negativ beeinflussend einzuschätzen. Derartige Erkrankungen können sowohl in Form von oralen Ursachen, wie Entzündungen, Parafunktionen oder iatrogenen Einflüssen (ZA/ KFO) hervorgerufen werden, aber ebenso ursächlich mit körperlichen, orthopädischen oder psychosomatischen Erkrankungen im Zusammenhang stehen. Somit ist das Gebiet der Funktionsdiagnostik ein klassisches interdisziplinäres Fachgebiet, die eine Zusammenarbeit mit der Neurologie,

Fachgebiete, inklusive der instrumentellen Funktionsanalyse und Schienentherapie an. Ab diesem Punkt gelangen neben den ursächlichen Betrachtungen vor allem die therapeutischen Möglichkeiten in den Fokus der zahnärztlichen Aufmerksamkeit. Das Spektrum der möglichen Therapien ist dabei ebenso vielzählig wie das Spektrum der Symptome und lange nicht mehr auf die bloße Schienentherapie begrenzt. Allerdings erfordert die Funktionstherapie ein Umdenken in der zahnmedizinischen Behandlung und eine Betrachtung des Menschen als ein weit über den Mund hinaus gehendes System. Denn Wirbelsäulenverkrümmungen und Beckenschiefstände können ebenso ursächliche mit der oralen Bisssituation zusammenhängen, wie die wesentlich näher liegenden Kopf- und Muskelschmerzen.

Orthopädie und Physiotherapie grundsätzlich erfordert und gleichzeitig die medizinische Bedeutung der Zahnmedizin hervorhebt.

sich seit vielen Jahren auf dem Gebiet der Funktionsanalyse engagiert, zur Verfügung. Dass nächste Symposium Funktion findet im Juni 2008 in Rosbach statt.

Den Referenten des Symposiums folgend, hat sich eine kaskadenartige Diagnostik in diesem Problembereich bewährt. Nach einem positiven Kurzbefund und Screening auf funktionelle Störungen, welches in jeden Praxisablauf integrierbar ist und maximal eini-

Informationen unter: AmannGirrbach GmbH Pforzheim Fr. Martina Weber Fon: 07231 957-221 E-mail: martina.weber@amanngirrbach.com

Öffnet man sich diesen Gedanken bezüglich der eigenen zahnärztlichen Therapie, kann es sein, dass der Zahnarzt zum besseren Orthopäden mutiert und muskulär - skelettale Erkrankungen ursächlich und nicht nur symptomatisch bekämpfen kann. Dies würde am Ende nicht nur glücklichere und gesündere Patienten hervorbringen, sondern auch die Behandlungserfolge in der zahnärztlichen Grundversorgung erhöhen. Die parodontologischen und prothetischen Konsequenzen einer Fehlbelastung der Zähne können verhindert werden und bewirken nicht zuletzt eine deutlich erhöhte Langlebigkeit der zahnmedizinischen Versorgung. Für weitergehende Informationen oder zukünftige Veranstaltungstermine steht die Firma AmannGirrbach, die

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Implantologie

IMPLANTAG 2007 – Ein perfekter Start in die Implantologie 600 Gäste – 18 Referenten – 1 Thema. Die Implantologie ist der dentale Wachstumsbereich Nummer eins. Doch wie startet man in diesen Zukunftsmarkt – als Zahnarzt, Zahntechniker oder zahnmedizinische Fachangestellte? Auf diese Frage konkrete Antwort zu geben, war das Ziel des IMPLANTAGes, der am 2. Juni 2007 in der Universität Köln stattfand. Vera Cordes, Journalistin und Moderatorin des NDRGesundheitsmagazins „Visite“, führte die rund 600 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet durch ein abwechslungsreiches Programm. Neben einem gemeinsamen Vortragsteil im Plenum gab es separate Informationsveranstaltungen für Zahnärzte, Zahntechniker und zahnmedizinische Fachangestellte. Im zahnmedizinischen Teil ging es – neben den historischen Aspekten der Implantologie und den biomechanischen Grundlagen eines modernen Implantat-Systems um die präzise Beantwortung wichtiger klinischer Fragestellungen. Weitere Themen waren die effiziente Patientenakquisition, die Grenzen der werblichen Darstellung medizinischer Praxisleistungen und die Voraussetzungen für eine umfassende Patientenaufklärung. Das Angebot für Zahntechniker beinhaltete die generelle Implantatplanung genauso wie das wichtige Thema der Frontzahnästhetik. Für zahnmedizinische Fachangestellte gab es Einführungen zu den Abläufen am Behandlungsstuhl sowie Übersichten zur richtigen Prophylaxe bei der Implantatpflege. Alle Teilnehmer konnten in Hands-on-Übungen anschließend ihre Kenntnisse und Fähigkeiten vertiefen. Zwischen den einzelnen Vorträgen sowie beim „Get 136

Together“ gab es ausreichend Gelegenheit, kollegiale Kontakte zu knüpfen, sich fachlich auszutauschen – und den IMPLANTAG Revue passieren zu lassen. Auch hier die überwiegende Meinung: Themenauswahl und Referenten wurden als sehr gut bezeichnet. Das Fazit brachte eine Zahnärztin aus dem Rheinland auf den Punkt: „Wenn ich vorher gewusst hätte, was ich seit heute weiß, hätte ich wahrscheinlich viel früher mit der Implantologie begonnen.“ Der IMPLANTAG auf DVD Eine DVD mit den Mitschnitten der Vorträge im Hauptplenum auf dem IMPLANTAG stellen wir Ihnen gerne kostenlos zur Verfügung. Bitte schreiben Sie dazu eine Mail an katja.geis@astratech.com VORSCHAU AUF DEN IMPLANTAG 2008 Der Erfolg des IMPLANTAGes hat uns bei Astra Tech bewogen, diese Art der Einführungsveranstaltung – insbesondere das Konzept der gemeinsamen Fortbildung für das gesamte Praxisteam auch nächstes Jahr zu wiederholen. Der Termin ist der 26. April 2008; der Veranstaltungsort wird die Universität Frankfurt am Main; Campus Westend sein. Natürlich sind die Studenten herzlich zu dieser Veranstaltung eingeladen.


die Praxis bieten wir Ihnen die „Station Fortbildung“. Hier erwartet Sie eine Vielfalt an 150 Kursen mit LiveOperationen und Hands-on-Übungen in rund 25 Städten. Durch unsere Zusammenarbeit mit erfahrenen Implantologen, Zahntechnikern und zahnmedizinische Fachangestellten im gesamten Bundesgebiet stellen wir sicher, dass Sie immer so „zusteigen“ können, wie Sie es wünschen. Nachdem Sie als Zahnarzt nun schon einen großen Teil

Tech begleiten Sie und Ihr gesamtes Team mit unserer jahrzehntelangen Erfahrung auf allen Wegen, die nur ein Ziel haben: Ihre erfolgreiche implantologische Zukunft. Astra Tech GmbH Katja Geis An der kleinen Seite 8, 65604 Elz Tel: 06431 - 98 69 214 Fax:06431 - 98 96 321 137

26.

APRIL 2008

Unser „Routenplaner“ beginnt mit einer individuellen Situations- und Bedarfsanalyse in Ihrer Praxis bzw. Ihrem Labor. Hier erarbeiten wir gemeinsam mit Ihnen alle notwendigen Voraussetzungen für Ihre implantologische Tätigkeit. Wir beraten Sie bei Fragen zu Personal und technischer Ausstattung, aber auch hinsichtlich Dokumentation und Abrechnung. Für Ihren Einstieg in

Ihrer Wegstrecke zurückgelegt haben, steht ein wichtiger „Meilenstein“ an: Ihre erste Implantation. Sie möchten diesen Schritt nicht ohne Unterstützung tun? Kein Problem. Wir vermitteln Ihnen gerne einen erfahrenen Implantologen als Supervisor. Oder besser gesagt: Einen Kollegen – nennen Sie ihn Ihren „Reisebegleiter“, der Sie sicher durch das noch ungewohnte „Terrain“ führt und Ihnen mögliche „Stolpersteine“ aus dem Weg räumt. Was übrigens auch für Zahntechniker oder zahnmedizinische Fachangestellte im Sinne eines Intensivtrainings gilt. Selbst wenn Sie bereits eine Weile implantologisch „unterwegs“ sind, halten wir noch eine Reihe von „Nebenstrecken“ bereit. Dabei ist es egal, ob Sie sich für die wichtige Frage der Patientenaufklärung fit machen wollen, Tipps für Ihr Patientenmarketing brauchen oder weitere wirtschaftliche Potenziale Ihrer Tätigkeit aufdecken möchten. Wir von Astra

SAMSTAG

NACH DEM IMPLANTAG – IHR WEG IN DIE IMPLANTOLOGIE 150 Kurse – 25 Städte – 1 Ziel. Der IMPLANTAG ist mehr als nur ein Startpunkt in die Implantologie: Er ist Teil eines durchdachten Konzeptes, bei dem wir Sie auf Ihrem Weg in die Implantologie begleiten und unterstützen wollen. Dazu gehört ein „Fahrplan“, der für das gesamte Team alle wichtigen „Stationen“ beinhaltet.

IMPLANTAG

UNIVERSITÄT FRANKFURT AM MAIN

Campus Westend


International Relations

Im Reich des Kilimandscharo Von Cornelia Ziegenspeck und Marcel Kaufhold

Ostafrika - das ist Kolonialgeschichte, Bürgerkrieg, Großtierjagden und tiefe soziale und geografische Unterschiede gepaart mit modernem Tourismus. Tansania gehört zu Ostafrika und bietet dem Besucher von allem ein bisschen. Allein die Landkarte des Landes ist beeindruckend: Vulkangebiete am ostafrikanischen Graben, Zugang zu drei der größten afrikanischen Seen, tropische Küstengebiete am Indischen Ozean und dazu das Kilimandscharo-Massiv mit den höchsten Erhebungen Afrikas.

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Hoch über den Wolken...unsere Reise nach Afrika hatte begonnen. Wir sind drei Studenten der Zahnmedizin im 8. Semester, die sich privat für ein Auslandspraktikum

Die kompletten Semesterferien wollten wir im Krankenhaus von Marangu den Zahnärzten zur Seite stehen und unser, bisher im Studium erworbenes Wissen, Ziel

in Tansania erfolgreich beworben hatten. Vor Antritt der Reise mussten erstmal die gesammelten Spenden von diversen Dentalfirmen und Privatunternehmern geordnet und verpackt werden. Es ist kein leichtes Unterfangen 1000 Zahnbürsten, Handinstrumente, Halogenlampen, Medikamente und vieles mehr Platz sparend unterzubringen. Jedes Kilo zählte, da der Transport der Materialien von uns selbst finanziert wurde. Medizinprodukte werden beim Zoll intensiv und Zeit raubend kontrolliert, weshalb die Spenden rechtzeitig voraus geschickt werden mussten, um später auch noch mit den Materialien arbeiten zu können. Nachdem die Güter in der Luft waren, konnten wir uns an das Packen unserer eigenen Koffer machen.

gerichtet anwenden. Nach neun Stunden Flug, aber schon fast 17 Stunden auf den Beinen, kamen wir am „Kilimanjaro Flughafen“ an, wo uns die gesamte Zahnarztcrew des Krankenhauses von Marangu herzlich in Empfang nahm. Nachdem alle Koffer verstaut waren, wir unseren Begrüßungstrunk „Banana Beer“ genossen hatten und die einstündige Fahrt über holpriges Gelände endlich vorbei war, fielen wir fix und fertig in unsere Betten. Diese übertrafen unsere Vorstellungen von einfachen Strohmatten bei Weitem. Wir hatten das Glück, auf verschlissenen, aber für hiesige Verhältnisse, luxuriösen, Matratzen zu schlafen. Angesichts unserer Wohngegend erlebten wir die sozialen Gegensätze hautnah: wir lebten in einem Haus mit gefliesten Bädern und warmen Wasser, einer Küche mit Kühlschrank und Gasherd, einem Esszimmer und mehreren Schlafzimmern, während nebenan Menschen in ärmlichsten Verhältnissen hausen mussten.

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International Relations

Am nächsten Tag holte uns Dr. Mamuya, der Leiter der Zahnklinik, für einen Rundgang durchs Klinikum ab. Natürlich interessierte uns die „dental unit“ am meisten. Als er uns dann endlich in den Behandlungsraum führte,

sehr häufig ausfiel. Dies hatte eine Anhäufung von Füllungspatienten zur Folge, welche sehnlichst auf den Start des klinikumseigenen Stromgenerators warteten. Konnte dieser aus technischen oder finanziellen Grün-

verschlug es uns die Sprache. Auf ärmliche Verhältnisse hatten wir uns eingestellt, aber so weit reichte die Vorstellungskraft nicht. Wir standen in einem Raum, der einer Garage glich, und auf 12 Quadratmetern zwei Behandlungsstühle, einige Materialschränke, eine Spüle und ein Kompressor beherbergte.

den nicht genutzt werden, half nur noch der gute alte Löffelexkavator.

Materialien waren schon seit Jahren abgelaufen, Winkelstücke waren zum größten Teil nicht mehr funktionstüchtig - die Wasserkühlung fehlte beim Bohren Hello, I am your doctor… Mit dieser Besichtung war die Aufwärmphase auch schon beendet und wir waren sofort Teil des Behandlungsteams. Nachdem wir alles in Augenschein genommen hatten, ging es auch gleich mit der Behandlung los. Die Verständigung funktionierte Anfangs mehr über Gesten mit den Händen und Füßen und die einheimischen Kinder fingen schon mal an zu schreien, sobald sie uns „Mosungus“ sahen. Mit der Zeit gewöhnten sich aber alle an unsere Anwesenheit und an unser hartes Englisch. Schwieriger gestaltete sich dagegen für uns die Umstellung auf die ganz anderen Arbeitsbedingungen. Der größte Teil, der in der Dentalabteilung vorrätigen Materialien, war schon seit Jahren abgelaufen, Winkelstücke waren zum größten Teil nicht mehr funktionstüchtig - die Wasserkühlung fehlte beim Bohren, einer der Behandlungsstühle war kaputt und fließend Wasser gab es nur in Verbindung mit Strom, welcher 142

Aber was soll’s. Wir krempelten die Ärmel hoch, denn so ziemlich alles machte die Arbeit in dem Krankenhaus aufregend. Jeder Tag war eine neue Herausforderung. Wir legten Amalgamfüllungen an bleibenden Zähnen und Kompositfüllungen im Frontzahnbereich. Darüber hinaus führten wir endodontische Maßnahmen durch, welche sich, für uns verwöhnte Zahnmedizinstudenten, ohne Röntgengerät etwas schwieriger gestalteten. Da ca. 80% unserer Arbeit von Zahnextraktionen eingenommen wurden, ist man schon fast froh über eine etwas mehr Fingerspitzengefühl erfordernde Wurzelbehandlung. Leider sind solche Zahn erhaltenden Behandlungen hier ein Luxus, denn der Großteil der Bevölkerung hat einfach kein Geld für die zahnärztliche Behandlung. So war es auch nicht verwunderlich, dass das Spalten von Abszessen ein weiterer großer Teil der täglichen Beschäftigung war. Nichtsdestotrotz konnten wir den frühen Zahnverlust bei einigen Kindern und Jugendlichen verhindern, in dem wir eine konservierende Therapie bei den Krankenhausärzten durchboxten. Das Eintreffen unserer Spenden erleichterte die Arbeit enorm und befreite sicher auch die Klinikärzte von der Sorge, dass ihnen die Famulanten alle Vorräte plündern würden. Nun konnten wir auch das, für dortige Verhältnisse „Luxusgut“ Anästhetikum zu Hilfe nehmen, welches in so manches Schmerz verzerrtes Gesicht Entspannung zurückkehren ließ. Ein bemerkenswerter Umstand war die Tatsache, dass Dankbarkeit mit einem Lächeln gezeigt wurde. Es war für uns sehr beeindruckend, in welch ärmlichen Verhältnissen die meisten Einheimischen lebten und trotzdem immer eine wahnsinnige Lebensfreude ausstrahlten. An jeder Ecke wurde gelacht und gesungen. Selbst die Zahnärzte untermalten die Behandlung musikalisch


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International Relations

mit einem Tanz oder einem Ständchen. Die Atmosphäre im Team war einfach überwältigend. Dr. Mamuya, Dany, ein angelernter Zahnarzt und Kosta, der studierte Anwärter auf den Chefposten standen uns tatkräftig zur Seite, sprangen als Dolmetscher ein, wenn unsere Sprachkenntnisse nicht mehr ausreichten und kümmerten sich auch um unser leibliches Wohl. In den fünf Wochen unseres Aufenthalts wurde uns zwar mittags in der Kantine nur Reis mit Bohnen serviert, aber bis zum letzten Tag aßen wir diese einheimische Krankenhauskost mit Genuss. Am letzten Abend dankten wir unseren Ärzten mit einem selbst gekochten Essen- Spaghetti mit Tomatensoße. Auf eine Fleischbeilage verzichteten wir auf Grund des nicht besonders Vertrauen erweckenden Anblicks der Ware beim örtlichen „Butcher“. Das Land Obwohl uns der Abschied von den neu gewonnen Freunden schwer fiel, überwog die Freude auf die kommenden drei Wochen, in denen wir das Land bereisen wollten. Als erstes Ziel unseres kleinen Abenteuers hatten wir uns spontan für die Besteigung des Kilimandscharo entschieden. Leider fehlte uns jegliches Equipment für dieses Unterfangen. Doch durch unsere geschickte Verhandlungsstrategie, die wir uns in Tansania angeeignet hatten, wurde uns die komplette Ausrüstung ohne Preiszuschlag gestellt . Am Fuße des Berges wurden wir unserer Gruppe vorgestellt, die aus einem Chief-Guide, einem Assistent-Guide und mehreren Trägern bestand. Bei der Begrüßung am Morgen fiel uns auf, dass der Chef- Guide etwas angetrunken war und sich nur schwerlich auf den Beinen halten konnte. Zum Glück normalisierte sich sein Zustand nach 2-3 Stunden Fußmarsch durch tiefsten Regenwald. Die Vegetation wechselte schleichend zu einer Moorlandschaft, dann zur Steppe bis schließlich keine Pflanzen mehr vorhanden waren. Die kalten Nächte verbrachten wir in kleinen zeltähnlichen Hütten mit sechs Schlafgelegenheiten. Am dritten Tag ereichten wir die „Kibo Hut“ auf 4700m, die letzte Station vor dem Gipfel. 144

Um 0 Uhr begann der scheinbar nie enden wollende Aufstieg durch eine wunderschöne, eisige, glasklare Nacht. Die Schritte wurden durch die Höhe, den damit verbundenen Sauerstoffmangel, immer langsamer und die Pausen häuften sich. Pünktlich zum Sonnenaufgang erreichten wir hechelnd, total entkräftet und mit einem leichten Schwindel den Gipfel. Wir genossen diesen einzigartigen Moment so gut es uns eben in dieser Verfassung gelang. Nach diesem atemberaubenden Erlebnis, konnten wir uns natürlich andere Abenteuermöglichkeiten nicht entgehen lassen. Direkt vor Ort buchten wir eine Jeep-


von Löwen, Geparden, Giraffen über Nashörner, Paviane, Antilopen bis hin zu Büffeln, Nilpferden und Krokodilen.

safari durch den Lake Manyara Nationalpark, den Gorongoro Nationalpark und die berühmte Serengeti. Als Begleitung wurden uns ein Fahrer und ein Koch zur Seite gestellt. Schon am ersten Tag der fünftägigen Reise konnten wir die einheimische Tierwelt aus nächster Nähe beobachten. Es wurde alles geboten: von Löwen, Geparden, Giraffen über Nashörner, Paviane, Antilopen bis hin zu Büffeln, Nilpferden und Krokodilen. Über die Fauna hinaus hinterließ eine überwältigende Landschaft tiefe Eindrücke. Die unvorstellbaren Weiten der Serengeti wurden am Abend von einem blutroten 145


International Relations

Sonnenuntergang überflutet, welche nur noch durch die kühlen klaren Sonnenaufgänge am Morgen übertroffen wurden. Die Nachteile der von uns ausgewählten Low-BudgetVersion kamen besonders in der nächtlichen Unterbringung zum Vorschein. Auf Zelten waren wir eingestellt. Doch mit einem Zaun oder einem bewaffneten Wächter hatten wir auch gerechnet. Eben hatten wir noch die Löwen beim Fressen bestaunt und plötzlich einen Kilometer weiter ungeschützt unser Zelt aufgeschlagen. Ein wenig mulmig war uns schon, als die Hyänen nachts zu heulen begannen oder unverhofft Zebras neben unseren Zelten grasten; besonders nach der einen oder anderen Horrorgeschichte unserer Guides. Von diesen Eindrücken geprägt, erholten wir uns die letzte Woche am schneeweißen Strand von Unguja. Diese Insel ist die Hauptinsel des autonomen Teils Tansanias: Sansibar. Wir lebten in einer Hütte die etwa 20m vom azurblauen lauwarmen Wasser entfernt stand. Das Frühstück, unter einem Palmendach, mit den Füßen im Sand, hielt jeden Morgen Weißbrot mit Marmelade und reichlich frisches Obst für uns bereit. Hier lernten wir das wahre Einsiedlerleben kennen und lieben. Und, wir hatten den ganzen Strand für uns allein! Nachdem wir uns ausreichend die Sonne auf den Bauch hatten scheinen lassen, erkundeten wir das maritime 146

Leben. In einer Nussschale wurden wir an das nächste Korallenriff gefahren, wo sich uns ein einmaliges Bild bot. Die Vielfältigkeit der Unterwasserwelt war eine ganz neue Erfahrung: Kraken, Quallen, Schildkröten und unzählige Fische und Fischschwärme. Auch das Schwimmen mit wilden Delfinen auf offener See am nächsten Tag, hat tiefen Eindruck hinterlassen. Die Abende verbrachten wir meist an einer der drei Bars, in denen wir das einheimische Bier (besonders erwähnenswert: „Tusker“, zur Not geht auch „Safari“ oder „Kilimanjaro“) zu Studentenpreisen genossen und den Sternenhimmel bewunderten. Ein wenig wehmütig traten wir dann unsere Heimreise an. Die 10 Wochen in Tansania waren eine großartige Erfahrung und haben uns stark geprägt. Die Zeit läuft hier langsamer und das Leben ist nicht ganz so leicht wie es vielleicht scheint. Allein das Leben ohne Strom und fließend Wasser ist für den verwöhnten Mitteleuropäer schwer vorzustellen. Die riesige Armut eines Großteils der Bevölkerung setzt die eigenen Probleme in eine ganz andere Relation. Wer jedoch etwas Interesse an anderen Kulturen hat und nicht davor zurück schreckt seinen Lebensstandard moderat bis stark einzuschränken, für den wird eine Famulatur irgendwo in Afrika zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.


International Relations

Zahnmedizin im Übermorgenland ODER

YOUNG DENTISTS WORLDWIDE AUF DEM FDI-KONGRESS ABENTEUER IN DUBAI

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Nicht jeder FDI Kongress in den letzten Jahren zog die Massen derart an, wie der diesjährige in Dubai: endlich mal ein triftiger Grund, das „Übermorgenland“ zu besuchen. Auch unter den Young Dentists sah man Gesichter, die man schon jahrelang nicht mehr getroffen hatte.

Protokoll und Zeremonien gehören nicht unbedingt zum üblichen Tagesablauf eines Zahnarztes. So löste es eine gewisse Verwunderung aus, mit welchen Ehren die internationalen Zahnärzte im Scheichtum Dubai empfangen wurde. Seine Hoheit General Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum höchstpersönlich ließ es sich nicht nehmen, der Eröffnungsveranstaltung beizuwohnen. Die, immer landestypisch gestaltete, Opening Ceremony, mit der jeder FDI Kongress eröffnet wird, ist allerdings nicht jedermanns Sache: endlose Reden sorgten dafür, dass sich schon mancher frühzeitig für ein Nickerchen verabschiedete. Überaus spannend war dafür der kulturelle Teil der Veranstaltung, der einem gleich zu Beginn des Kongresses das Gastgeberland etwas näher bringt. Allerdings gab es auch wahrlich genug Grund, die Zahnärzte „angemessen“ zu empfangen. In der örtlichen Presse war zu lesen, dass die Zahnärzte aus aller Welt etwa eine Milliarde AED ausgegeben hatten (das entspricht rund 200 Millionen Euro), um nach Dubai zu kommen. Bei Hotelpreisen, die kaum unter 200 Euro pro Zimmer und Nacht liegen, ist das aber auch kein Wunder. Und von dem, was im Koffer heimgeschleppt wurde, wollen wir gar nicht erst reden. Die Stange Zigaretten kostet am Flughafen etwas mehr als 10 Euro, Markenartikel liegen etwa 30 bis 50 Prozent unter dem heimatlichen Preisniveau. Neben dem Kongress bietet die Stadt Einmaliges zu sehen. Es lohnt sich ein Blick auf die stürmische Entwicklung Dubais, welches noch vor 60 Jahren nicht grö-

ßer als ein Fischerdorf war. Der Blick auf die künstlich aufgeschütteten Inseln wie „The Palm“ war genauso ein Muss wie ein Besuch der Baustelle des Burj Dubai, schon jetzt der höchste Turm der Welt, oder das Hotel Burj Al Arab, das beste Hotel der Welt.

Mit über 20 000 Besuchern war der FDI-Kongress auch dieses mal wieder ein absolutes Highlight in der Kongress-Szenerie. Wohl kein zweites Land der Welt ist im Moment in einer solchen Aufbruchstimmung, und kein zweiter Platz auf der Welt, an dem so viel Geld in die Infrastruktur gesteckt wird, wie in Dubai. Gebaut wird sieben Tage die Woche und das 24 Stunden lang. So mancher im Bau befindliche Wolkenkratzer - und das sind nicht wenige - wächst alle drei Tage um ein Stockwerk. Gerade auf einem Kongress, bei dem Zahnärzte aus reichen Ländern auf ihre Kollegen aus weniger begüterten Nationen treffen, sind die Gegensätze eklatant und nicht selten problematisch. So mancher Professor aus einem Entwicklungsland würde über das Durchschnittsgehalt in Deutschland strahlen.

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International Relations

Mittlerweile hat auch die FDI gemerkt, dass es wichtig ist, junge Zahnärzte direkt anzusprechen. Mit über 20 000 Besuchern war der FDI-Kongress auch dieses Mal wieder ein absolutes Highlight in der Kongress-Szenerie. Dabei sind es gerade die Unterschiede, das Zusammentreffen unterschiedlichster Kulturen, die diesen Kongress so einzigartig machen. Bereits der erste Tag der Veranstaltung begann mit einem Feuerwerk an hochkarätigen Vorträgen aus Deutschland: Dr. Ti-Sun Kim aus Heidelberg gab eine fundierte Übersicht zum gegenwärtigen Stand der regenerativen Therapie in der Parodontologie. Anhand einer per Satellit aus Deutschland übertragenen Live-OP aus der Privatklinik Schloss Schellenstein zeigte PD Dr. Fouad Khoury, zusammen mit Dr. Charles Khoury aus dem Libanon aktuelle Konzepte der Sofortimplantation und Bone Grafting in Zusammenarbeit mit der Firma Friadent. Schließlich führte Professor Dr. Joachim Zöller aus Köln mit Unterstützung der Firma Sirona, anhand der 3-D-Technik in den aktuellen Stand der Bild gebenden Verfahren ein. FDI Kongress, das heißt vier Tage lang ein umfangreiches wissenschaftliches Programm neben einem ebenso reichhaltigen kulturellen Programm. Beduinendinner, Kamelritt oder Wüstensafari waren schnell ausgebucht. Zahlreiche, der FDI angegliederte Berufsorganisationen nutzen den jährlichen FDI - Kongress als Plattform für Symposien und Werkveranstaltungen. So auch die Young Dentists Worldwide, die eine ganze Reihe 150


Zahnärzte unter ihren Mitgliedern haben, die selbst auf der arabischen Halbinsel praktizieren. So gab es für viele einen authentischen Einblick aus erster Hand in die Arbeitsbedingungen vor Ort, nebst Praxis- und Laborbesichtigung. Die Young Dentists Worldwide (YDW) nutzten, wie in den vergangenen Jahren auch diesen FDI-Kongress für das jährliche Young Dentists Forum: schließlich kann man sich nicht mal eben spontan treffen, wenn man über den ganzen Globus verstreut ist. Offensichtlich war es für die Young Dentists Worldwide als Organisation ein optimaler Treffpunkt, denn selten sind so viele Mitglieder aus den unterschiedlichen Ecken der Welt zusammen gekommen. Zu besprechen gab und gibt es viel: Seit einigen Jahren bestreitet YDW ein eigenes junges Forum für junge Zahnärzte – junge Referenten sprechen zu einem meist überwiegend jungen zahnärztlichen Publikum. Mittlerweile hat auch die FDI gemerkt, dass es wichtig ist, junge Zahnärzte direkt anzusprechen. In vielen Gremien der offiziellen Weltzahnärztevertretung sind immer noch überwiegend ältere Herrschaften anzutreffen. Gleichzeitig hat man aber erkannt, dass es durchaus wichtig ist, den Weltzahnärztekongress so zu organisieren, dass damit auch jüngere Generationen angesprochen werden. Diese Aufgabe wird mehr und mehr von YDW übernommen, die bekanntlich selten ein Blatt vor den Mund nehmen. So wurden in Dubai bereits die Planungen für die Kongresse in Stockholm 2008, beziehungsweise Malaysia 2009 und Brasilien 2010 aufgenommen und vor allem die weitere Zusammenarbeit mit der FDI besprochen. Arbeiten in Dubai Es ist ein bunter Haufen unterschiedlichster Menschen, der da in Dubai als Zahnarzt tätig ist. Neben Kollegen aus Indien, Bangla Desh und Pakistan sind es eine ganze Reihe Engländer, Schweden, Dänen und Iren, die sich am arabischen Golf niedergelassen haben. Eines hatten alle gemeinsam: beneidet werden wollte keiner: die Bedingungen sind zum Teil heftig. Miet151


International Relations

steigerungen von 38 % sind keine Seltenheit, wer nicht akzeptieren will, kann ja gehen, um sich dann an einer um 200 % gesteigerte Neumiete zu erfreuen: das höhere Gehalt wird von den hohen Lebenshaltungskosten weg gefressen. Es ist praktisch unmöglich, auf eigene Faust eine Praxis zu eröffnen. Bei jedem Geschäft muss mindestens ein Emirati mit beteiligt sein, der damit auch die Konditionen bestimmen kann. Deshalb sind es oftmals Klinikketten, die mit angestellten Ärzten arbeiten und dementsprechend auch die Vorgaben regeln. Es ist eine nette Erfahrung - aber die meisten gehen offensichtlich auch ganz gerne wieder in die Heimat.

Stockholm 2008 Stockholm als Veranstaltungsort des kommenden FDIKongresses im September 2008 wird die zahnärztliche Welt wiederum aus ganz anderer Sicht vorstellen. Aber dies ist ja auch das Spannende am alljährlich statt findenden FDI Kongress. Ein kompletter Tag wird auch dort voll und ganz unter dem Zeichen der Young Dentists Worldwide stehen und mit einem interessanten Programm gestaltet werden. Jeder ist dazu herzlich eingeladen.

(www.fdiworldental.org/microsites/Stockholm/congress1.html)

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Quintessenz

Jetzt übernehmen Sie die Regie Nutzen Sie die neuen Möglichkeiten der individuellen Fortbildung: Internet-Fernsehen für Zahnmediziner

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ALUMNI

YOUNG DENTISTS WORLDWIDE beim Deutschen Zahnärztetag 2007

aus Dresden. Dabei konnten die Belange der jungen Kollegen dargestellt und ausführlich besprochen werden. Gleichzeitig fand eine Gesprächsrunde mit dem Freien Verband Deutscher Zahnärzte (FVDZ) statt, an der sich die Vorstandsmitglieder Dr. Sundmacher, Dr. Rubehn und Dr. Grosse beteiligten. Gegenstand der Gespräche war unter anderem die Verwendung des Namens Young Dentists für eine Fortbildungsreihe des Freien Verbandes und der APW (young dentists2 – yd2), welche an die jungen Zahnärzte adressiert sein soll und in diesem Jahr schon für einige Schlagzeilen (DZW Okt.´07) gesorgt hatte. Die Akademie Praxis und Wissenschaft (APW) ist das Fortbildungsinstitut der DGZMK, welche während der letzten Monate selbst in starke Kritik geraten ist, weil ihre Stellungnahmen zu weit von einer Umsetzbarkeit in der Praxis entfernt seien. Der Freie Verband deutscher Zahnärzte ist die größte berufspolitische Standesvertretung für Zahnärzte in Deutschland.

Der Deutsche Zahnärztetag 2007 in Düsseldorf war für die Young Dentists Worldwide (YDW) in vieler Hinsicht ein großer Erfolg. Zum Einen waren die drei Vertreter der YDW, Stephen Smith, Ingmar Dobberstein und Tobias Bauer in das Programm des Studententages integriert und fanden großen Zuspruch. Zum Anderen gab es zahlreiche Gespräche mit der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund-, und Kieferheilkunde (DGZMK), vertreten durch den amtierenden Präsidenten Professor Meyer aus Greifswald, als auch dem, neu gewählten Präsidenten, Professor Hofmann 154

Sowohl APW als auch der FVDZ wollen durch dieses Fortbildungsprogramm näher an die jungen Zahnmediziner rücken und die junge Generation auf die sich stark verändernde Zahnmedizin vorbereiten. Dass damit auch die sinkenden Mitglieder- und Teilnehmerzahlen aufgefangen werden sollen, scheint zwar zweitrangig, aber angesichts der Altersstruktur beider Organisationen, dennoch offensichtlich zu sein. Die seit mittlerweile 17 Jahren bestehenden und international organisierten Young Dentists Worldwide begrüßen zwar grundsätzlich die Initiative, endlich ein spezielles Programm für die jungen Kollegen anzubieten, kritisieren aber dennoch die Art und Weise, mit der die Namensfindung und Konzeption des Projektes stattgefunden hat.

Denn gerade in Deutschland, aber auch weltweit, werden Entscheidungen über die Zukunft der Zahnmedizin von deutlich älteren Kollegen getroffen.


In Düsseldorf wurden die unterschiedlichen Standpunkte nach vielen misslungenen Anläufen schließlich ausgetauscht. Gemeinsam wurde festgestellt, dass es in der Namensangelegenheit keine Einigung geben wird

Ein Anliegen der Young Dentists Worldwide ist es, sich an den Diskussionen, die vielmals über und gleichzeitig ohne die junge Generation der Zahnmediziner stattfinden, intensiv zu beteiligen. Denn gerade in

und geben kann. Ob die Verwendung von Anglizismen die junge Zielgruppe am Ende besser anspricht oder nicht, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Grundsätzlich waren sich YDW, APW und FVDZ darüber einig, dass die zukünftigen Projekte im Sinne einer Verbesserung der beruflichen Situation für junge Zahnärzte gestaltet werden sollten und gegenseitige Boykotte und Streitigkeiten generell unangebracht seien.

Deutschland, aber auch weltweit, werden Entscheidungen über die Zukunft der Zahnmedizin von deutlich älteren Kollegen getroffen. Diese Zahnärzte sind jedoch, wenn überhaupt, nur noch wenige Jahre im Berufsleben und müssen die Konsequenzen ihrer Entscheidungen wahrscheinlich nicht mehr erleben.

YDW-Vorsitzender Tobias Bauer sei sich sicher, dass die jungen akademischen Kollegen selber entscheiden werden, welche Programminhalte für sie von Vorteil sind und welche nicht. Da bisher keine konkreten inhaltlichen Vorstellungen zu diesem neuen Fortbildungsprogramm vorhanden sind, wurde von Seiten der YDW vorgeschlagen, dass man sich in einem halben Jahr erneut zusammensetzen könne, um eine mögliche Zusammenarbeit zu erörtern. Da sowohl der FVDZ als auch die APW nicht kritiklos aus den letzten Jahren hervor gegangen sind, muss sich erst beweisen, ob das yd2 Programm ein Erfolg wird oder nicht. In den vergangenen 17 Jahren hatten dagegen viele junge Kollegen die Möglichkeit, von der Non-Profit Organisation Young Dentists Worldwide zu profitieren und deren Kontakte, vor allem auf internationaler Ebene, zu nutzen. Darüber hinaus bilden sich weltweit nationale Tochtergruppen, die im Sinne einer Selbsthilfe von und für junge Zahnärzte und im Rahmen der regionalen Bedürfnisse aktiv werden.

Die Konsequenzen dieser Entscheidungen müssen allerdings von den jungen Kollegen getragen werden, die bisher kaum Beachtung in der Standespolitik und Wirtschaft gefunden haben. In diesem Sinne engagiert sich Young Dentists Worldwide seit einigen Jahren auf Veranstaltungen der FDI (Federation Dentaire Internationale) und Bundeszahnärztekammer (BZÄK), um eben auf diese Missstände aufmerksam zu machen und gezielte Hilfestellungen zu bieten. Der Deutsche Zahnärztetag ist zu einer Veranstaltung geworden, welche durch Integration eines Studententages mit jungen Referenten ein deutliches Zeichen gesetzt hat, und viel Potential zur Weiterentwicklung innehält. Wie in der Vergangenheit werden die Young Dentists Deutschland/ Worldwide auch in Zukunft viel Engagement aufbringen, diese Veranstaltung als Treffpunkt der jungen Zahnmediziner zu fördern. Denn gerade diese Initiative zeigt, dass mit jungen Referenten auch ein junges Publikum angesprochen wird, welches den Deutschen Zahnärztetag nicht mehr als dröge Präsentation des standespolitischen und wissenschaftlichen Elfenbeinturms erlebt.

die Redaktion

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Buchrezension

Curriculum Prothetik, Gesamtausgabe - 1 ..................................................... J.R.Strub - J.C.Türp - S.Witkowski - M.B.Hürzeler - M.Kern

3. überarbeitete und erweiterte Auflage Quintessenz Verlag, Berlin 2005 99,00 Euro ISBN: 3-87652-499-7 Seit 1994 ist das Curriculum Prothetik erhältlich und seit 2005 die bereits dreimal aktualisierte Ausgabe auf dem Markt. Es besteht aus 3 Bänden, die zusammen ein synoptisches Behandlungskonzept in der Prothetik darstellen. In Band I geht es um den historischen Hintergrund der Zahnersatzkunde, Behandlungskonzepte und Vorbehandlung. Man erfährt viele Detailinformationen zur ursprünglichen Heilkunde, zur Entwicklung der Zahnmedizin und den Grundlagen der Anatomie, wie z. B. Zahnmorphologie, Odontogenese und Phylogenese. Besonders praxisnah stellt sich das Kapitel zur Anamnese dar, in dem anhand verschiedener Anamnesefragebögen Frage für Frage genau besprochen wird. Selbst Themen, die man in einem Prothetikbuch eher nicht erwarten würde, wie Mundhygiene- Instruktionen mit genauen Beschreibungen der Zahnputztechniken, sind im Curriculum Prothetik enthalten. Auch die immer wichtiger werdenden Aspekte der Cranio- Mandibulären- Dysfunktionen und der damit verbundenen Schmerzanamnese und –behandlung, Pharmakologische Therapie, Physiotherapie und Schienenbehandlung werden ausführlich besprochen. Den Abschluss bilden Kapitel zu kieferorthopädischen sowie kieferchirurgischen Vorbehandlungen. Band II beschäftigt sich mit Werkstoffkunde, festsitzender Prothetik, Ästhetik und Farbbestimmung. Die Prothetik nimmt in all seinem Facettenreichtum den Großteil des Bandes ein und wird detailliert behandelt. Klinisch relevant sind vor allem die Kapitel, die sich mit den praktischen Arbeitsabläufen im Labor und am Behandlungsstuhl beschäftigen, welches anhand von zahlreichen Grafiken verdeutlicht wird. Der dritte Band konzentriert sich vorrangig auf Themen der kombinierten und herausnehmbaren Prothetik, sowie auch der Implantologie und Nachsorge. Besonders positiv sind die ergänzenden Kapitel zur Lebensqualität der Patienten. Jedem Kapitel folgen genaue Quellenangaben und Hin156

weise auf weiterführende Literatur. Das Curriculum Prothetik behandelt Arbeitsabläufe in einer praktisch gut nachvollziehbaren Weise und vermittelt sowohl Basiswissen als auch aktuelle Inhalte der evidence based medicine. Die vorklinischen Studenten können sich über werkstoffkundliche Inhalte, aber auch über klinische bzw. labortechnische Arbeitsabläufe informieren. Später hilft es, die manchmal schwer zu überblickenden Möglichkeiten und Arbeitsflusspläne zu erfassen und umsetzen zu können. Ein wirklich gelungenes Prothetikbuch, in dem man sicher auch im späteren PraxisAlltag noch öfter nachschlagen wird. Klinischer Atlas der Parodontalchirurgie -2..................................................... Naoshi Sato

1. Auflage, Erscheinungsjahr 2001 Quintessenz Verlag, Berlin 178,- Euro (statt 280,-) ISBN: 978-3-87652-693-5 Die moderne Zahnheilkunde beinhaltet heute nicht nur die Behandlung der Karies und Parodontitis, sondern ist ebenso in der Lage, die Funktion und Ästhetik im Kausystem zu verbessern. Speziell in der Parodontologie sind die Möglichkeiten der operativen Behandlungsmethoden für die Regeneration der parodontalen Strukturen und Funktionen, deutlich verbessert worden. Mit Hilfe dieses Atlanten ist es möglich, sowohl ein genaues Verständnis der operativen Vorgehensweise zu erhalten, als auch im Rahmen der Vorbereitung vorhandenes Wissen zu aktualisieren. Der Schwerpunkt dieses Buches liegt auf der bildlichen Darstellung, die nahezu jede, in der Praxis durchführbare parodontalchirurgische Technik Schritt für Schritt erläutert. Dabei sind die einzelnen Behandlungsoptionen über den gesamten Behandlungsablauf (prä- und postoperative Befunde) dokumentiert und mit exzellenten Farbbildern aus der chirurgischen Tätigkeit des erfahrenen Autors dargestellt. Der auf das Wesentliche beschränkte, instruktive Text wird zusätzlich durch Blöcke von Merksätzen und Tabellen ergänzt. Die Ergebnisse des Autors werden mit denen relevanter Studien aus der wissenschaftlichen Literatur ganz im Sinne einer evidence based dentistry vergleichend ausgewertet.


Zahlreiche klinische Fälle werden im Verlauf über einen längeren Beobachtungszeitraum vorgestellt, der Autor fokussiert vor allem die Darstellung einer praxisnahen Parodontalchirurgie, deren Spektrum er vollständig

über gesunde Zähne und den Zahnarztbesuch wissen sollten. Die Kinder sollen mit Hilfe von Doktor Zahntiger und Sprechstundenhilfe Gitti Gazelle spielerisch und gezielt auf ungewohnte Situationen und Themen

aufzeigt: Verbreiterung der befestigten Gingiva um Zähne und Implantate, parodontale Regeneration mit Lappenkürettage, GTR oder GBR sowie Eingriffe der plastischen Parodontalchirurgie. Dabei werden Inzisionstechniken, Gewebemanipulation und Nahttechniken für die verschiedenen Indikationen in Bild und Text ausführlich dargestellt.

vorbereitet werden. Die Autorin will mit ihrem Buch die wichtigsten und häufigsten Untersuchungs- und Behandlungsvorgänge erklären und mögliche Kinderfragen beantworten. Das Buch behandelt die Themen dabei nicht nur allgemein, sondern geht durchaus ins Detail des Spektrums möglicher Behandlungen, so dass zum Beispiel die Kieferorthopädische Behandlung, Fissurenversiegelungen, Füllungstherapie, Ernährung, Zahnwechsel und natürlich auch die Zahnputztechnik kindgerecht erklärt werden. Gleichzeitig werden die jungen Leser nicht überfordert, weil die Geschichten unabhängig voneinander (vor-)gelesen werden können. Bestimmte Begriffe, die Kinder erschrecken könnten, wurden bewusst vermieden. So wird ein kaputter Zahn nicht gezogen, sondern herausgewackelt. Das sehr gut geschriebene und bestens illustrierte Buch ist hervorragend zur Aufklärung aus zahnmedizinischer und kieferorthopädischer Sicht für die kleinsten Patienten geeignet. Ängste werden genommen und ein Verständnis für die Vorgänge im Mund und an den Zähnen erzeugt. Dieses Werk sollte nicht nur in keiner Zahnarztpraxis fehlen, sondern gleichzeitig allen Eltern empfohlen werden.

Dieses Werk ist besonders für alle Zahnärzte geeignet, die an der praktischen Umsetzung einer modernen und wissenschaftlichen Parodontalchirurgie interessiert sind, kann aber in gleichem Maße den Studenten bei der Einarbeitung und dem Verständnis des heute so wichtigen Themas Parodontologie helfen. Geschichten aus Doktor Zahntigers Dschungelpraxis

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..................................................... Dr. Susanne Schorr

Illustrationen von Peter Zubek Trias Verlag, April 2006 9,95 Euro ISBN 3830433425 Die Bedeutung einer adäquaten Kinderzahnheilkunde hat un-plaqued bereits in den diesjährigen Ausgaben ausführlich dargestellt. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen! Sie nehmen Informationen anders wahr und haben weniger Möglichkeiten, sich bei medizinisch notwendigen Behandlungen an die Erfordernisse anzupassen. Gleichzeitig sind die Probleme vieler Erwachsenen mit dem Zahnarzt ebenfalls in deren Kindheit verursacht worden.

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Um künftigen Generationen derartige Erfahrungen und Ängste zu ersparen, ist es wichtig, Kinder auf ihrer Ebene der Kommunikation für das Thema Zähne zu begeistern. Die Zahnärztin und Autorin Susanne Schorr erklärt mit 15 Geschichten aus unterschiedlichen Themenbereichen rund um den Zahn und die Zahnarztpraxis, was Kinder

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-3-

157


für`s Ohr

★ Miezes Es ist mir schon MusicBox mehr als einmal passiert!

wie es ist eine platte nach dem cover zu kaufen

PART ★★

2★ ★★

Es ist mir schon mehr als einmal passiert, dass ich auf dem Flohmarkt, im Plattenladen oder bei Saturn stehe und mich angesichts des Überangebotes an Platten und CD´s eindeutig überfordert fühle. Eben wusste ich doch noch ganz genau was ich hier wollte, war ausgerüstet mit etlichen gut gemeinten und sicherlich ausgezeichneten Empfehlungen und plötzlich stellt sich mir die Frage: Wo fange ich an? Mein Blick fällt auf ein Platten-

Freundin gestöbert und bin auf

cover und ich kann nicht anders

dieses elegante Cover gestoßen.

- ich verliebe mich sofort und

Sechsziger Jahre Style, ein

beschließe, diese mir unbekann-

Twiggy ähnliches Gesicht vorne

te, aber hübsch verpackte Platte

drauf, schlicht in schwarz und

zu erstehen.

weiß gehalten, kurz: gerade

Ich weiß, das ist gefährlich, aber

einfach voll mein Ding.

wenn mich jemand mit der Ge-

Ungehört wird die Platte erst

staltung eines Covers mitten ins

zum Zahnarzt, dann nach Hause

Herz trifft, kann doch der Inhalt

geschleppt und verlässt, Gott

nicht völlig verkehrt sein, oder?

sei Dank, zwei Wochen lang

Und wenn schon; selbst wenn

nicht mehr meinen CD Spieler.

mich die Musik allzu schlimm

Ich kann Euch die sanfte

enttäuscht, kann ich mich immer

Stimme von „El perro del mar“

noch mit dem schönen Cover

nur wärmstens empfehlen und

trösten.

rate Jedem, einfach öfter mal

Ich muss sagen, ich bin mit

das Glück auf diese Weise zu

diesem Kaufverhalten bisher

versuchen.

ziemlich gut gefahren und habe auch schon Freunde damit infiziert. So hab ich neulich kurz vor meinem Zahnarztbesuch noch im Saturn am „Alex“ mit einer

158

M.f.G Die Katz


z Ve r l a ge n : n e s s e t Quin b e s t e ll e n S ie g S o k ö n n T: Quintessenz Verla

NEUERSCHEINUNG! J.T. Lambrecht (Hrsg.)

Zahnärztliche Operationen 512 Seiten, 1.478 Farbabbildungen Best.-Nr. 13690, € 178,- zzgl. Versandkosten

Das Buch behandelt die für die ambulante Chirurgie des Zahnarztes relevanten Eingriffe aus klinischer Sicht. Abläufe repräsentativer Operationen werden Step by Step anhand von Farbfotografien dargestellt. Der Text basiert auf der wissenschaftlichen Literatur der letzten zehn Jahre. Der Anhang bietet neben einem Sachregister eine reichhaltige Sammlung von Internetlinks zum Thema. Im Mittelpunkt der Darstellung stehen die traditionellen zahnärztlichen Operationen im intra-

OS • PER P 2-4, 12107 Berlin 92 6 Ifenpfad 0) 761 80 X: Nr. (03 A .de z F n R e s E s P • @quinte h c u b : IL 1 80 662 • E-MA : (030) 76 N e O F E L tessenz.d • TE www.quin : E IN L N •O

oralen Weichgewebe und den Hartgewebestrukturen. Der enossalen Implantologie ist ein eigenes Kapitel gewidmet, dem als Alternative die zahnerhaltende Chirurgie gegenübergestellt wird. Das Thema Sicherheit zieht sich als roter Faden von den Prinzipen der präoperativen Aufklärung über die intraoperativen Komplikationen und ihre möglichen Konsequenzen bis zum Umgang mit Risikopatienten durch das gesamte Werk. Die Autoren, überwiegend ehemalige Oberärzte der Universitätsklinik für Mund-, Kiefer-, und Gesichtschirurgie Kiel, möchten mit ihrem Werk einen zeitgemäßen Überblick über das Fachgebiet geben, wahren dabei jedoch die Form des Lehrbuchs, sodass hier zugleich ein Leitfaden für Studierende vorgelegt wird.


Wie wird , , , man eine 3 Sterne-Praxis? Es ist wie beim Kochen: Nehmen Sie nur die besten Produkte. , , , , ( ).

IMPRESSUM un-plaqued #13 glück

3341D

Auflage 12.000 Erscheinung 18.12.2007 / deutschlandweit Format DIN A5 (210 x 148) Bezugspreis 5 Euro (1 Euro für Studenten) Herausgeber Ingmar Dobberstein Verlag un-plaqued:multimedia / Räume für Medizin, Kunst und Kommunikation Oranienburger Str. 91, D - 10178 Berlin

VITA Farbnahme

VITA Farbkommunikation

VITA Farbreproduktion

VITA Farbkontrolle

UN-P Redaktion Chefredakteur Ingmar Dobberstein / i_dee@un-plaqued.com Assistenz der CR Hanna Buttenberg / hanna@worldoptimizer.com Politik Kaj Todt / kaj@un-plaqued .com International Juliane Gnoth / juliane@un-plaqued.com Wissenschaft Hans Christian Lux / h-c-l@alumni-ezine.com Fashion Anna Grodecki / anna@un-plaqued.com Redaktionsass. Max Buttenberg / mbuttenberg@gmx.net Bildredaktion Marc Laubinger / info@themoke.com + Melissa Hostetler / mail@melissahostetler.com Fotografie Melissa Hostetler / www.melissahostetler.com + Anna K.O. / annako@hgb-leipzig.de Schlussredaktion Sandra Kämmerer / Anna Grodecki Gestaltung Marc Laubinger / www.themoke.com / info@themoke.com Druck Königsdruck, Alt Reinickendorf 28, 13407 Berlin Anzeigen Bettina Hoppe / hoppe@un-plaqued.com / 0173 20 03 422 Ingmar Dobberstein / i_dee@un-plaqued.com/ 0170 55 92 305

Das System das Klarheit schafft

Redaktionskonto APO Bank Berlin / BLZ 100 906 03 / KTNR 010 677 5705 Kontakt info@un-plaqued.com un-plaqued virtuell www.un-plaqued.com / www.alumni-magazin.de www.young-dentists.org

Für eine perfekte Reproduktion der bestimmten Zahnfarbe

unserer Sicht notwendig. Die Software des VITA Easyshade

ist eine verlustfreie Übermittlung Ihrer Zahnfarbbestimmung

bietet Ihnen eine Vorlage, die es ermöglicht, alle Daten auf

an Ihr Labor vergleichbar bedeutsam wie die Zahnfarbbe-

einem Blatt zu haben – ein Laborfarbrezept. Mit diesen Infor-

stimmung selbst. Jedes Missverständnis führt in der Folge

mationen kann Ihr Zahntechniker sicher und schnell die

zu teurer, unnötiger Nacharbeit. Wir empfehlen für die

Reproduktion anfertigen, die sich perfekt in den Restzahn-

Die in den Artikeln und Mitteilungen ausgedrückten Meinungen sind die der Autoren und nicht unbedingt die der Redakteure oder des Herausgebers. Redakteure und Herausgeber lehnen jede Verantwortung oder Haftung für den Inhalt ab und geben keinerlei Garantie, Gewährleistung oder Empfehlung für die Produkte, für die in dieser Zeitschrift geworben wird, oder für die Behauptungen, die von den Herstellern derartiger Produkte oder Dienstleistungen gemacht werden. Eine Haftung für Folgen aus unrichtigen oder fehlerhaften Darstellungen wird in jedem Falle ausgeschlossen. Die im Magazin veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung oder Verwertung der Texte und Bilder sind mit Ausnahme der gesetzlich zugelassenen Fälle ohne Einwilligung des Verlages strafbar.

Grundfarbbeschreibung das Farbkommunikationsschema.

bestand integriert. Ihre Patienten werden begeistert sein.

Die un-plaqued Nr.12 ist in Kooperation mit der Quintessenz Verlags-GmbH entstanden.

Für die Effekt- oder Detailanalyse ist ein digitales Foto aus

Weitere Informationen unter www.vita-zahnfabrik.com

© un-plaqued:multimedia 2007

Unser Dank gilt allen wachen Geistern, die ihren Alltag mit bewussten Sinnen wahrnehmen, Fragen stellen wenn Antworten gewünscht sind und Antworten geben wenn Ruhe erbeten wurde. Und denen, die Ihr Glück versuchen und die Kraft dafür aufbringen, durch zu halten! Ganz besonderer Dank geht an meine wunderbare Frau, Hanna, Max, die Mieze, Paul Rother, Nicole Willing, Sandra, Rainer, Tobi, Anke, Karen Maria, Anna, die Dobbersteine, die Bürocrew O91 und die Freunde und Familien.


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Maximale Vorteile von Anfang an! Diese einmalige Chance sollten Sie sich auf gar keinen Fall entgehen lassen! Mit dem einzigartigen Sirona-Vorteilspaket „Existenzaufbau“ können Sie bei der Einrichtung Ihrer neuen Praxis von Anfang an richtig durchstarten. Als Existenzgründer profitieren Sie exklusiv von einem modularen und äußerst flexiblen Konzept, das Ihnen in den ersten 2 Jahren maximale Vorteile sichert. Weitere Informationen erhalten Sie direkt bei Ihrem Sirona-Fachhändler oder unter www.sirona.de. Es wird ein guter Tag. Mit Sirona.

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UN-PLAQUED 13 Glück  

Bist Du GLÜCKLICH? Ist Dein Studium oder Beruf so, wie Du es Dir vorgestellt hast? Hast Du eine Ahnung, wie Deine berufliche Situation in 5...

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Bist Du GLÜCKLICH? Ist Dein Studium oder Beruf so, wie Du es Dir vorgestellt hast? Hast Du eine Ahnung, wie Deine berufliche Situation in 5...

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