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un-plaqued

Im Vergleich mit vielen aktuellen Problemen auf der Welt erscheint der Bereich der Zahnmedizin als kleines, fast unbedeutendes Gebiet. Armut, Kindersterben, Massentötungen, Klimawandel, globale Erwärmung und Hunger sind Probleme, die wir zwar täglich wahrnehmen, die unseren Alltag jedoch nur wenig bis gar nicht beeinflussen. Man könnte denken, die Zahnmedizin sei nun mal der Bereich, in dem wir uns engagieren und für den wir bereits viel Kraft aufbringen. Dennoch werden auch uns die globalen Probleme in nicht allzu großer Ferne erreichen und stärker beeinflussen, als uns lieb sein wird. Dem aufmerksamen Leser wird auffallen, dass Identifikation weniger mit äußeren Umständen zusammenhängt, als mit einem Gefühl, welches der Einzelne aus seiner Umwelt extrahieren kann. Gerade in einem Studiengang wie der Zahnmedizin, wo es einen gewissen festgelegten Lehrplan und den standardisierten Ablauf eines examinierten Studienganges gibt, wird deutlich, dass die vielen Situationen zwischen den Kursen und der Umgang miteinander während der Testate und Lehrveranstaltungen den großen Unterschied machen, wie sehr sich ein Student oder Lehrkörper mir seiner Arbeit und seinem Studiengang identifizieren kann. Ist es einmal soweit, stehen beide Seiten ganz anderen Problemen gegenüber, nämlich sich selbst. Die Studenten, die Angst, Vorurteile und Selbstzweifel überwinden müssen, die Assistenten, die ihren eigenen Weg finden sollten und nicht die gleichen Lehrmethoden anwenden dürfen, nach denen sie unterrichtet wurden, als auch die Professoren, die ihre Selbstverliebtheit und Langeweile im Alltag abtun und sich ihrer Funktion als Formgeber und Verantwortliche einer Universität wieder bewusst werden sollten. Ingmar Dobberstein


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1 Editorial 6 Realitätsabgleich 8 lebe lieber un-plaqued! un-plaqued #11 THEMA/ Gedanken aus Deutschland 12 Thema: Identifikation. Man ist, was man tut 20 Once you see it you can´t unsee it! IDENTIFIKATION 28 Zufriedenheit in der Zahnmedizin? 34 Bologna oder Wie hätten Sie es gerne? 48 In Halle ist es schön 54 Berlins Zukunft liegt hinter uns 64 Im Süden nichts Neues 70 Genervter Studiosus 75 Probieren geht über Studieren 76 Prothetik in Kiel oder Wie hält man den Irrsinn durch? 80 Wie es auch anders geht Feedback 86 Über Geld, Glück und Schulden 90 Verbindet Euch! 92 Ein normales Patientenbeispiel 95 In guter Gesellschaft 96 Studentisches Curriculum Implantologie 100 Der normale Student? 108 Deutschland Cup International Relations 110 Arbeitserfahrungen in Entwicklungsländern 118 IADS 2006 – Kongress der Gegensätze 134 Im Land der aufgehenden Sonne 139 Bürsten und Pasten Über den Tellerrand 142 Sein oder Haben 150 Ein Schritt ins Ungewisse oder zum Erfolg 152 Online Bonitätsauskunft und Sicherheitsmanagement 156 laboratorium difficile oder Zähne, die die Welt erobern 162 Ansichten eines Zahntechnikers 166 Über Menschen und Doktoren 172 Die Garagentor - Distraktion 176 Full Mouth Disinfection 178 Heilung oder Salbung, das ist hier die Frage 180 Zahnärztetag Erfurt 2006 184 lebe lieber un-plaqued! 190 Impressum 192 plaque your picture

INHALTS VERZEICH NIS

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Uni Update

des Lehrkörpers wird nun wiederum auf die neue APO gewartet, die solche Probleme ausmerzen soll und ent-

Mittwoch 06.12.2006

sprechende Studienregelungen diktieren muss. Es stellt sich die Frage, wie viel Eigenverantwortung, Selbstbe-

stimmung und Kreativitätsspielraum die Hochschulen überhaupt in Anspruch nehmen wollen?

KEINE INTEGRATION IN GÖTTINGEN

GÖTTINGEN: Die Fachschaft freut sich auf Ausrichtung der nächsten Bun-

desfachschaftstagung (4.-6.5.07) und hat im Vorfeld eine Umfrage an alle

Studentenvertretungen gestartet, die evaluieren soll, wie viel Zuzahlungen Patienten in den Kursen an deutschen Zahnkliniken leisten müssen und ob Patientenarbeiten durch die Uni vergünstigt werden. In Anlehnung

an die Ergebnisse der ZuZa Studie und aufgrund des Patientenmangels haben die Göttinger festgestellt, dass

Unflexibilität der Assistenten FREIBURG: Nach einem Probelauf von einem Jahr wechseln die Freibur-

ger nun wieder in den Studienablauf mit Halbjahreskursen. Vor allem an der Unflexibilität der Assistenten

und der Verteilung der Patienten innerhalb der Ab-

sie wohl eine der teuersten Kliniken im Lande sind.

Die Umfrage ist abrufbar unter www.zm-goettingen. de/kosten/. In Niedersachsen werden zum nächsten Semester außerdem Studiengebühren (in der Regelstudienzeit 500 €, danach gestaffelt) erhoben, wobei Me-

dizin und Zahnmedizin als einzige Studiengänge die kompletten Einnahmen eigenverantwortlich verwalten

dürfen, während die anderen Fakultäten 50% in einen gemeinsamen Topf einzahlen müssen.

Die Integrierten Kurse sind weiterhin ein notleidiges Thema, obwohl Prof. Attin zu seiner Zeit sehr am neuen Kursmodell interessiert war.

versucht das neue Studienmodell umzusetzen, da vor

Im Moment wird jedoch wieder stark durch den Abteilungsleiter der Prothetik dagegen gearbeitet.

keit der Lehrmeinung, Anpassung der Referenzmate-

luation wieder entdeckt und verleihen den „Goldenen

teilungen scheiterte der einjährige Versuch mit Inte-

grierten Kursen. Sie werden zwar weiterhin integriert genannt, sind aber gleichzeitig wieder in Kons und

Prothetik unterteilt. Nach Aussage der Fachschaft hat man sich zwar bemüht, aber vielleicht nur halbherzig allem organisatorische Schwierigkeiten (Einheitlich-

Die Göttinger haben mittlerweile auch die direkte Eva-

rialen) für Reibungsflächen gesorgt haben. Von Seiten

Zahni“ gleich in drei Kategorien. So wird jährlich je-

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weils ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der Klinik und

Prothetik stehen sich eher feindlich gegenüber.

begehrten Auszeichnung versehen.

auch von Hamburger Zahnis genutzt, die im Novem-

Vorklinik, als auch ein sonstiger Mitarbeiter mit der

Keine Compositefüllungen!!! HAMBURG: Wie an vielen anderen Standorten, wird das gesamte UKE

Gelände derzeit umgebaut, leider mit Ausnahme der Zahnklinik. Prof.

Ansonsten wird die campuseigene Villa Garbrecht nun ber 2006 sogar die Fachschaften aus Köln, Gießen und Göttingen auf der Zahniparty begrüßen konnten.

Heidelberg studiert nach Berliner Modell

Jüde steht kurz vor der Pension, so dass in Hamburg

HEIDELBERG: In Heidelberg wird

vorbei ist. Die Kons ist diesbezüglich allerdings auch

dem „Berliner Modell“ studiert, was

hoffentlich bald die Zeit der höckerlosen Prothesen

nicht viel besser, da die Studenten ausschließlich

seit diesem Wintersemester nach

die klinische Ausbildung in den Inte-

Amalgamfüllungen (keine Compositefüllungen!!!)

grierten Kurs I und II teilt. Prothetik und Kons laufen

super Zahnreinigungen und Mundhygieneinstruktionen

genen Patienten zwischen den Kursen ist mittlerweile

im Studentenkurs legen dürfen. Einerseits können sie durchführen, andererseits müssen sie jedoch eine rudimentäre Parodontologieausbildung hinnehmen.

In Hamburg werden ebenfalls Studiengebühren zum

nächsten Semesterstart 2007 eingeführt. Die fließen zwar auch in die Zahnklinik, welche sich aber noch

nicht im Klaren darüber ist, wohin das Geld eigentlich investiert werden soll.

Seit einiger Zeit müssen hier außerdem unheimlich viele einklagte Studenten bewältigt werden, so dass be-

reits Abendkurse mit studentischen Tutoren aufgemacht wurden und nun ein interner NC eingeführt wurde. Ob

dies alles rechtlich einwandfrei abläuft, wird von eini-

gen Studenten allerdings stark bezweifelt. Leider hat die ZuZa Studie bisher wenig Effekte in Hamburg

gezeigt, die hiesige Situation hat allerdings seit der drohenden Schließung einige positive Verände-

rungen bewirkt. Leider ist die Vorklinik weiterhin räumlich von der Klinik getrennt (500m), so dass es

häufiger vorkommt, dass Studenten mit Arti, Testatheft

und Fahrrad auf dem Weg zur Abnahme der klinischen Testate auf dem Campus gesichtet werden.

Intergrierte kurse sind weiterhin ein Fremdwort im

Norden, das Thema wird aber in naher Zukunft verstärkt durch die Fachschaft thematisiert werden. Die Pro-

bleme sind ähnlich wie im Rest des Landes - Kons und

zwar immer noch parallel, aber der Austausch der ei-

sehr gut möglich. Die Parodontologie ist zwar noch in die Kons-Zeit integriert, wurde aber um die Paro Famulatur erweitert, bei der die Studenten in Paro Operationen assistieren. Vor allem die älteren Semester sind

sehr erfreut über diese Änderung, da endlich realitäts-

nah und im Sinne der kompletten Patientenbetreuung behandelt werden kann. Die Studenten des 4. Studienjahres sind teilweise etwas überfordert, da sie in beiden

Abteilungen viele neue Informationen und Abläufe er-

lernen müssen. Sehr positiv sei zu erwähnen, dass sich

die beiden Abteilungen Kons und Prothetik relativ gut zusammenraufen und versuchen, Widersprüche in der

Lehrmeinung auszumerzen. Dennoch sollte weiterhin auf die komplette Integration beider Abteilungen in einem Ausbildungskurs gearbeitet werden.

Seit kurzem wird auch in der Vorklinik integriert gelehrt und damit nicht nur die Zahntechnik gepredigt. Während die ersten vier Semester komplett

mit den Medizinern durchlaufen werden, lernt in

den bereits in den vorklinischen Kursen Füllungen

zu legen und Küretagen durch zu führen. Die Vor-

klinik hat sich so wesentlich zu Gunsten der Studenten

verbessert und wird vom guten Klima zu den Dozenten nur unterstrichen. Allerdings wird vehement verhin-

dert, dass man zum Physikum als Quereinsteiger in die 7


Uni Update

Medizin wechselt. In Heidelberg muss, manchmal auch

Süden eigentlich nicht möglich ist, da nicht genug Pati-

dische Arbeit geleistet werden. In der Vorklinik findet

rité wurden im letzten Semester obendrein anstelle von

zum Leidwesen der Studenten, sehr viel Kieferorthopä-

der erste KFO Kurs statt, in der Klinik sind es dann sogar drei. Für die Studenten ist es teilweise sogar zu

viel, da man nicht nur Diagnostik und Therapieplanung beherrschen muss, sondern praktisch alle Geräte herstellen können muss. Diese werden dann auch bei zu betreuenden Patienten eingesetzt. ein

Als eine wenigen Zahnkliniken in Deutschland unterhält Heidelberg ein Erasmus Austausch Programm mit

der französischen Uni in Montpellier. Pro Jahr nehmen allerdings nur 2 –4 Studenten daran teil, aber immerhin werden die Studienleistungen gegenseitig akzeptiert.

Es ist schön, dass wenigstens einige Unis versuchen, die Umwandlung in ein modernes Ausbildungssystem

zu vollziehen und danken den Heidelbergern für ihren Mut.

AUSBILDUNG ALLER STUDENTEN IM SÜDEN EIGENTLICH NICHT MÖGLICH! BERLIN: In der verarmten Bundeshaupt-

enten vorhanden sind. Aufgrund eines Fehlers der Cha-

45, 105 Studenten immatrikuliert. In einer beratenden Sitzung mit dem Dekan wurde daraufhin von Prof. Jahn

vorgeschlagen, die Studenten sollen freiwillig auf ihren

Studienplatz verzichten. Der Dekan ging noch weiter und bevorzugte die Variante, die Durchfallquote von 5% auf 50% anzuheben. Skandalös ist dabei allerdings der Fakt, dass diese aberwitzigen Ideen keinerlei Einspruch oder Protest der Fachschaft des Südens

erzeugten, sondern offensichtlich als sinnvoll erachtet wurden. Bravo Berlin, du bist ein Vorbild für das ganze Land. Mehr dazu kann man auf Seite 54 lesen...

Fachschaft der Würzburger ist seit einiger Zeit in mehrere Lager gespalten WÜRZBURG: Die Fachschaft der Würzburger ist seit einiger Zeit in mehrere Lager gespalten, weil die Aufgaben ungleich verteilt sind und

stadt ist die Fusion der beiden Zahnkli-

wenig miteinander kommuniziert wird. Daraus re-

Die Nord Klinik wird nun neuer Standort der Blutbank

eine relativ geringe Beteiligung auf den BuFaTa´s.

niken nun auch praktisch voll im Gange.

der Charité, obwohl deren Chef, Prof. Kiesewetter, ebenfalls unglücklich über den Umzug ist, weil er gerade vor 4 Jahren frisch sanierte Räume im Campus

Mitte bezogen hat. Die möchte allerdings der Vorstand für sich beanspruchen, so dass man nun errechnet hat,

dass man mit dem Umzug rund 1 Million Euro/ Jahr einsparen kann. Die Sanierungskosten für den Norden und Süden wurden da natürlich nicht kalkuliert. Die besichtigende Kommission der Blutbank meinte lediglich, dass sie selten ein so gut organisiertes Haus wie

sultiert vor allem eine schlechte Motivation und Hier wird außerdem nach jungem Fachschafts-

nachwuchs gesucht, weil die aktuellen Vertreter langsam ins Examen gehen.

Der Umbau der Zahnklinik, der voraussichtlich

2008 abgeschlossen sein soll, erzeugt wöchentlich

wechselnde, lange Umwege für alle Mitarbeiter und Patienten. Letztgenannte müssen/ dürfen

momentan durch die Studentenumkleiden laufen

und bekommen dabei sicherlich ein paar schöne Einblicke in den Studentenalltag.

doch endgültig Geschichte!

Auch hier sind zu viele Studenten pro Semester immatrikuliert worden,

Süden offen zu, dass die Ausbildung aller Studenten im

geteilt werden müssen. Einige Gruppen arbeiten

die Zahnklinik Nord gesehen hätten – das ist nun jeGleichzeitig gibt der Abteilungsleiter der Prothetik im

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so dass die Behandlungschats von 4 Studenten


während des Semesters, andere dafür in der Feri-

Learning Plattform von der Kons und KFO Abteilung

sie ja trotzdem zu den regulären Vorlesungen gehen

veröffentlicht werden.

enzeit – diese sind allerdings ganz arm dran, weil müssen. Leider pflegt die Fachschaft wenig Kontakt zu den Dozenten, so dass wohl auch hier noch

viel Zeit bis zur Einführung der Integrierten Kurse vergehen wird. Würzburg wird ebenfalls von Studiengebühren ab 2007 betroffen sein, hat allerdings ein neu gegründetes Gremium erhalten, welches die

Verteilung der Gelder bestimmen soll. Die ZuZa Studie wurde im Hause überhaupt nicht kommuni-

genutzt, in welcher Vorlesungen, Links und Termine

Zusätzlich existiert ein Forum für Probleme fachlicher Natur, das regelmäßig von den Assistenten beantwortet wird. Auf diese Weise wird ein einfacher Informationsaustausch und mehr Zeit zum Zuhören in den Vorlesungen ermöglicht. Unkompliziert und papierlos – die Studenten finden es sehr gut!

ziert, aber die Studenten fühlen sich grundsätzlich

gut betreut. Die Studenten des 7. Semesters arbeiten

mit denen des 10. Semesters zusammen und erleben

so sehr gute Lernatmosphäre. Der neue Leiter der Chirurgie, Prof. Kübler, forciert außerdem, dass im

7. Semester bereits verstärkt Extraktionen gemacht und Nähte gelegt werden dürfen.

VIEL DISKUTIERT, ABER WENIG VERÄNDERT! KÖLN: Über die Kölner Zustände ha-

ben wir in der letzten Ausgabe inten-

LEIPZIG: Seit mittlerweile drei Se-

mestern herscht in Leipzig immer noch das große Professorenloch. Die

Berufungsverfahren für die Kons und Kinderzahnmedizin sind gegenwärtig noch nicht entschieden

oder abgeschlossen. Vielleicht ist dies auch einer der Gründe, warum in Leipzig weiterhin keine Ver-

änderungen bezüglich der Integrierten Kurse oder einer neuen Studienordnung stattfinden.

In der Medizinischen Fakultät wurde 2002 ein Modell-

Man kann nur hoffen, dass Prof. Hemprichs junge Mitgliedschaft in der ADEE, der geplante Umbau der Zahnklinik und die Besetzung der Professorenstellen in naher Zukunft eine Entwicklung bewirken werden.

Modells in der Zahnmedizin sein könnte und in An-

Missverständnisse nicht an der ZuZa Studie teilneh-

siver berichtet. Das Prothetikproblem wurde seitdem mehrfach diskutiert,

aber wenig verändert. Mittlerweile versuchen auch die

anderen Abteilungen der Zahnklinik positiv auf die

Prothetik einzuwirken, da die Kerschbaum Herrschaft in absehbarer Zeit ein Ende finden wird.

studiengang eingeführt, der auch die Grundlage eines lehnung an eine neue Approbationsordnung der Zahn-

mediziner die klinische und vorklinische Ausbildung integrieren soll. Bisher scheiterte das integrierte Kurssystem an der klinischen Prothetikleitung und eine andere Entwicklung in naher Zukunft ist nicht absehbar.

Seit einem Anfang 2006 wird die hauseigene Ileas E-

Leider konnte Leipzig aufgrund organisatorischer men. Das Interesse an der nächsten Studie 2008 und

dem Feedback für die Uni ist sehr groß. Auch in der Leipziger Fachschaft wird demnächst ein Generati-

onenwechsel stattfinden, da ein großer Teil der Ak-

tiven demnächst ins Examen geht. Junge, motivierte Studenten sind an dieser Stelle sehr willkommen! 9


un-plaque your life

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r e b e i l e b e l „ “ d e u un-plaq 2007 wird ein besonderes Jahr, denn wir haben erstmals und exklusiv Klamotten für Zahnmediziner gestaltet. Die „lebe lieber un-plaqued“ Kollektion 2007 soll das für viele Menschen grausame Thema Zahnmedizin subtil in den Alltag integrieren und vermitteln, worum es uns geht. UN-PLAQUE YOUR LIFE!

www.un-plaqued.com

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Thema: Identifikation

Man ist, was man tut 12


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Thema: Identifikation

Deutschland im Sommer 2006, Fußballweltmeisterschaft. Die Straßen sind gesäumt von schwarz-rot-goldenen Fahnen, wie man sie in dieser Zahl seit der Wiedervereinigung nicht mehr gesehen hat. An Autos, Balkonen und Fenstern, als Hüte, Hemden, Schals und Kleider – in schier jeder erdenklichen Form wird plötzlich eine Identifikation mit Deutschland herausgeholt, die man eigentlich längst für tot erklärt hatte. Oder war es nur der Fußball, der diese Art der Begeisterung ausgelöst hat? Wenn die Fachschaften des Landes auf ihre Tagungen

etwas, das man das ganze Leben mit sich herum trägt?

plötzlich viele Studenten einer Universität in gleichen

zentrale Thema einer jungen Generation sein, die in

fahren, entdeckt man ähnliche Phänomene, wenn T-Shirts auftauchen und ihre Herkunft und Gemein-

samkeit nach außen tragen. Dennoch scheint es keine allgemeine Modeerscheinung zu sein, sondern viel-

mehr ein gewachsenes Zusammengehörigkeitsgefühl, dem man in diesem Moment begegnet.

Fragt man einen Menschen, womit er sich identifiziert, wird zu oft mit Schweigen geantwortet. Wa-

rum? Wissen die Befragten nicht, was Identifikation bedeutet, oder haben sie Angst, sich zu einer bestimmten Sache zu bekennen? Bedeutet Identifika-

tion Verpflichtungen und Verantwortung oder ist sie 14

„Wer sind wir und wo gehören wir hin?“, könnte das Zeiten der Globalisierung, der verschwindenden Be-

deutung von Ländergrenzen, einer zunehmenden In-

dividualisierung und der propagierten Offenheit für

alles Neue, nach einer Bestimmung und Zugehörigkeit

sucht. Und doch, ob wir es wollen oder nicht, sind wir schon so viel.

Wir sind Menschen, Deutsche, Studenten, Männer, Frauen, Eltern, Kinder, Zahnmediziner, Freunde, Fans,

Liebhaber, Christen, Muslime, Juden, Buddhisten oder Atheisten. Und obwohl Menschsein noch lange nicht humanitäres Verhalten nach sich zieht, Christ sein


nicht den regelmäßigen Gang zur Kirche bedeutet

im Leben vermittelt, sondern den Menschen auch Lei-

deutsche Kultur bedingt, hat jeder dieser Bereiche

Auch diese Beziehung kann Bekenntnisse und damit

und deutsch sein nicht die Vorliebe für Fußball oder

eine Bedeutung für die verschiedenen Menschen. Ich behaupte, jeder dieser Bereiche bedeutet eine eigene

Identifikationsebene eines Menschen. Mehr noch, jede Information, jeder Reiz, der eine Meinung und ein Bewusstsein im Menschen auslöst, bringt ihn seiner Identifikation näher, auch wenn man sich gerade eben nicht damit identifiziert.

Man kann sich nicht, nicht identifizieren, vor

denschaft und ungeahnte Fähigkeiten entlocken kann. auch Identifikationen hervorrufen.

Wie oft ist unser Verständnis überhaupt davon abhängig, in welcher Art und Weise wir mit Dingen in

Kontakt geraten. Manche Menschen haben Zeit ihres

Lebens kein Mitgefühl für arme Menschen in anderen Ländern entwickeln können, bis sie sie mit eigenen Augen gesehen oder sogar genauer kennen gelernt haben.

Ein Phänomen unserer Zeit, das in dieser Art

allem als Mensch, der sich grundsätzlich einer größe-

noch nie zuvor existierte, ist die Möglichkeit,

Gruppe oder Menge angehören möchte und dessen

moderne Welt und angesprochene Globalisierung hat

ren Sache verpflichtet fühlen möchte, eine größeren

über die reinen Sinne hinaus zu erkennen. Die

Schaffen und Tun einer höheren Aufgabe gerecht wer-

nicht nur konsumierende oder wirtschaftliche Konse-

den soll. Und selbst wenn all diese Gedanken verneint würden, ergibt sich daraus ein Raum, und wenn er nur die Einsamkeit enthielte, mit dem man sich dann wiederum doch identifizieren würde.

Auch wenn sich diese Gedanken verlockend anhören mögen, bedeuten sie nur selten die Realität, denn Identifikation hat auch etwas mit Bewusstsein zu tun. Und

das ist zumindest einer der Gründe, warum man häufig nur rudimentäre Antworten auf die Frage nach der eigenen Identifikation erhält.

Natürlich muss man das eigene Identifikationsbewusstsein nicht mit fremden Menschen teilen, wenn man es jedoch empfindet, hat es sehr wohl Auswirkungen auf

die anderen Personen im eigenen Umfeld. Identifikation bedeutet nämlich auch Bekennung zu einer Sache oder Person. Laut Definition, weil es einem Menschen

möglich ist, sich in die Idee, Philosophie oder Realität einer Sache, Gruppe oder einfach eines anderen Men-

schen hinein zu versetzen. Das ist die Basis für Verständnis und Erkenntnis, und die bilden bekanntlich die Grundlage für Meinungsbildung und Bekenntnisse.

So zum Beispiel auch ein Partner in einer Beziehung,

für den man, nach dem die ersten Eindrücke verflogen sind, ein tieferes Verständnis und Mitgefühl ent-

wickelt, dass dann die Grundlage für ein Bekenntnis

der Freundschaft oder Liebe sein kann. Aber auch der Beruf, dessen Verständnis nicht nur stückweise Sinn

quenzen. Die Menschen arbeiten zwar immer noch in kleinen lokalen Bereichen und Gruppen, ihr Wirken erstreckt sich aber aufgrund von internatonalen Kon-

zernen, Beziehungen und Forschungen weit über diese Grenzen hinaus, schon heute für ein großes Ganzes.

Globale Probleme oder ähnliche Herausforderungen an verschiedenen Orten, geraten anstelle von regionalen und nationalen Problemen immer mehr in den Vordergrund.

Die Menschheit zieht bereits an einem Strang und

entwickelt dennoch nur schwer ein gemeinsames Bewusstsein dafür. Vielleicht, weil es nicht derartig kom-

muniziert, oder aber sogar künstlich erschwert wird. So können wir zwar viele Informationen erhalten, Probleme wahrnehmen und uns kritisch äußern, ent-

wickeln gleichzeitig aber viel zu selten eine Aktivität zur Verbesserung einer Situation. Wie sonst wäre es zu erklären, dass politische und wirtschaftliche Entschei-

dungen mittlerweile fast ausschließlich ohne die Basis und große Gruppe der Bevölkerung getroffen werden,

dass manche Menschen ungehindert andere Rechte für sich beanspruchen, als sie ihrer Umgebung zugestehen.

Die Zitierung der real existierenden Demokratie ist an dieser Stelle lediglich eine Krücke, welche die wirklichen Entscheidungsträger schon fast im Gehen behindert. Aber auch hier gilt: von nichts kommt nichts. Da kön15


Thema: Identifikation

nen die Entscheidungsträger noch so lange über Eigen-

Was müsste geschehen, damit wir in unserem persön-

wird sich nichts ändern. Das Verständnis für die eigene

Einfluss ausüben und aufhören, einfach nur zu zu-

verantwortung sprechen, wenn sie keiner übernimmt, Verantwortung ist einer der entscheidenden Faktoren, der jeden Tag auf´s Neue bestimmt, wie sich das Verhältnis zu unserem Nachbarn gestaltet, wohin der Staat

seine Politik lenkt oder wie die Lebensverhältnisse auf

unserem Planeten in der Zukunft sein werden. Die Frage ist nicht, ob wir Verantwortung haben, sondern nur, ob wir sie erkennen, uns damit identifizieren und dementsprechend handeln werden. Vielleicht ist es manchmal eine Ohnmacht gegenüber

diesem großen Ganzen, die den Einzelnen heutzutage, trotz seines Wissens und aller Informationen und Möglichkeiten, in eine gelähmte und passive Haltung drängt.

Dabei wird gerade anhand der globalen Bereiche deutlich, dass immer mehr Konkurrenten zusammen arbei-

ten und immer mehr Nationengemeinschaften gebildet werden müssen, um die großen Herausforderungen zu

bewältigen. Ähnlich diesem Makrokosmos, in dem zukünftige soziale, politische und wirtschaftliche Pro-

bleme nur gemeinsam gelöst werden können, bildet sich auch im Mikrokosmos einer Universität die Erkenntnis

heraus, dass nicht einzelne Abteilungen oder Gruppen die Verantwortung für die Zukunft tragen, sondern alle

zusammen. Und sogar im persönlichen Kosmos wächst verstärkt das Bewusstsein für ein Zusammenspiel der

einzelnen Lebensbereiche. Dass zum Beispiel Arbeit,

die Spaß macht, mehr Lebensfreude und Zufriedenheit erzeugt, ist nicht nur eine wieder entdeckte Erkenntnis,

sondern auch ein Beweis für die Untrennbarkeit von

Beruf, Freizeit und Lebensziel. Das beginnt bereits in der kleinsten Zelle Familie, und setzt sich in Schule, Ausbildung, Studium und Beruf fort.

Nichts desto trotz bedeutet ein derartig verändertes Bewusstsein nicht unweigerlich auch eine veränderte Realität oder eine Verbesserung der Lebens-

qualität. So wird in jeder dieser Ebenen sichtbar, dass obwohl eine Vielzahl von Lösungsansätzen und

Handlungsalternativen zu bestehenden Problemen und Widersprüchen existieren, nur wenige Menschen bereit sind, auch für diese ein zu stehen. 16

lichen Umfeld, vielleicht aber auch darüber hinaus, schauen und zu konsumieren?

Ein Symptom unserer Gesellschaft ist dabei sogar die wachsende Gruppe der Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, sich mit dem eigenen Leben zu identifizieren und dafür die Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht, weil es immer schwer ist, einen sicheren Hafen zu verlassen, um Veränderungen Platz zu machen, oder aber weil sogar das eigene Leben, die Familie, Universitäten oder auch


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Thema: Identifikation

ein Studiengang teilweise schon ein zu großes Ganzes sind, welche die Menschen ohnmächtig und handlungsunfähig werden lassen. Ist es einfacher zu akzeptieren und hinzunehmen, als sich zu identifizieren und mitzugestalten? Die Erwartungen vieler Studenten an ihre Universität sind berechtigterweise sehr hoch, denn schließlich sollen sie hier auf das weitere Leben vorbereitet werden. Doch wie weit dürfen diese Ansprüche gehen? Ist die

Universität dafür verantwortlich, wie der weitere Lebensweg beschritten wird oder kann sie nur eine Basis

vorgeben? Einige Kommilitonen wissen sehr genau,

was sie wollen, andere studieren mit der Vorstellung, dass die eigene Entwicklung automatisch mit der Ab-

folge der Semester einsetzt. Beide Gruppen kritisieren allerdings, wen etwas schief läuft oder die unterschiedlichen Erwartungen nicht erfüllt werden. In diesem Moment sind allerdings die wenigsten dazu bereit, darüber

hinaus Initiative zu ergreifen und ihren Einfluss auf das bestehende System auszuüben. Wenn eine junge Ge-

neration mit neuen Bedürfnissen heranwächst, müssen 18

diese auch in die Ausbildung kommuniziert werden.

Dass es schwierig ist, etwas zu kommunizieren, wenn man schon um einen Gesprächstermin kämpfen muss, versteht sich von selbst, aber wer, wenn nicht die Betroffenen, können das tun?

Ist man einmal Student, entwickelt man ohnehin eine

positive oder negative Identifikation mit seinem Studiengang, den Dozenten, Kommilitonen und der Vorstellung des späteren Berufes. Gerade im Zahnmedi-

zinstudium, das nicht selten einen hohen Einsatz an

Zeit und Lernaufwand fordert, kann man sich entweder durchquälen, aufhören, still halten oder aber mitge-

stalten. Auch wenn die Studenten längst nicht als gleich

berechtigte Gruppe an den Hochschulen gehandelt

werden, sind sie nicht nur zahlenmäßig am stärksten sondern auch im Humboldtschen Sinne Anfangs- und Endpunkt einer Universität. Doch sind sie sich dieser Position bewusst und auch bereit die damit einhergehende Verantwortung zu übernehmen? Interessanterweise beeinflusst gerade die Mitwirkung und Integra-

tion in Prozesse auch die Wahrnehmung eines Systems und damit die davon ausgehende Lebensqualität. Man

könnte schlussfolgern, dass ein Studiengang, der näher an den eigenen Vorstellungen läge, auch mehr Freude bereiten würde. Dass dafür auf der anderen Seite auch eine Gestaltungsmöglichkeit geschaffen werden muss,

ist unbedingte Voraussetzung, da sonst jede Initiative

bereits in ihrem Keim erstickt würde. Denn es wäre wünschenswert, wenn Eigeninitiative und Zusammengehörigkeit nicht nur durch Zahnipartys, Fachschaftstagungen und Fußball generiert würden.

Vielleicht ist es an der Zeit, sich der Identifikationse-

bene Universität wieder mehr bewusst zu werden, sich wirklich mit den Problemen auseinander zu setzen, um

den daraus entwickelten, eigenen Standpunkt auch aktiv vertreten zu können. Dieser kann, offen ausgespro-

chen, etwas bewegen und im Sinne der Notwendigkeit einer gemeinsam zu gestaltenden Zukunft dazu beitragen, dass die Welt auch den eigenen Vorstellungen entspricht.

idee


Dropping Knowledge

Once you see it

20


you can´t unsee it!

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Dropping Knowledge

Namen wie China Keitetsi, Bianca Jagger, William Dafoe, Bill Joy, Wim Wenders, Harry WU, John Gage und Hans Peter Dürr.

Mit einem Durchmesser von 38 m gilt der „Table of

Free Voices“ als größter je gebauter runder Tisch welt-

weit. Jeder Teilnehmer wurde von einer Digitalkamera

gefilmt, so dass alle 11.200 Antworten aufgezeichnet wurden und mehr als 600 Stunden Videomaterial entstanden sind.

Nach zweijähriger Vorbereitungszeit startete die Or-

ganisation „dropping knowledge“ im September 2005 Für einen Sachverhalt gibt es meist mehrere, manchmal auch gegensätzliche Antworten, Meinungen und Sichtweisen, die ihrerseits alle einen Anspruch auf Wahrheit und ihre dem entsprechende Existenzberechtigung haben.

Derartige Antworten und Aussagen stehen vorerst nur

im Raum und können dann diskutiert und abgewogen, beachtet oder abgelehnt werden. Dennoch sind es je-

des Mal von außen zugeführte Themen und Gedanken, mit denen ein Betrachter sich identifizieren kann oder nicht.

Eine Frage hingegen fordert ihren Zuhörer sofort, und initiiert gleichzeitig ein unmittelbares Nachdenken und

Engagement bei der angesprochen Person. Sie lässt Menschen an dem Lösungsprozess eines Problems teilhaben und bewirkt gleichzeitig einen Bewusstseinsprozess im Menschen selbst.

Am 9.September 2006 fand auf dem historischen Bebelplatz, open air in Berlin die bisher einzigartige Veranstaltung „Table of Free Voices“ statt, auf der 112 Vertreter und Vordenker aus aller Welt 100 der drängenden

Fragen unserer Gesellschaft beantworteten. Die international nominierten Personen setzten sich aus Wissen-

schaftlern, Unternehmern, Philosophen, Schriftstellern, Künstlern und Aktivisten zusammen und wurden aufgrund ihres dauerhaften kreativen und sozialen Engagements ausgewählt. Die Liste der Teilnehmer enthält 22

ihre weltweite Kampagne „Ask Yourself“ , mit der sie bis heute über 50.000 Fragen zu aktuellen globalen Problemen politischer, wissenschaftlicher und soziolo-

gischer Natur sammelte. Die Antworten der Teilnehmer des „Table of Free Voices“ und die der Öffentlichkeit

bilden die inhaltliche Grundlage für das eigentliche Projekt - die digitale dropping knowledge Dialogplattform.

Die Plattform selbst soll zukünftig den Austausch von

Wissen und Erkenntnissen zwischen Menschen mit unterschiedlichsten Ansichten und Meinungen und verschiedener ideologischer, politischer und religiöser

Herkunft fördern. Durch diesen Ansatz sollen neue Lö-

sungen für die Probleme unserer Zeit entstehen, sowie Partnerschaften und Initiativen zwischen Einzelper-

sonen, nichtstaatlichen Organisationen und Unternehmen gefördert werden.

Die vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz entwickelte neuartige Internetplattform soll zugleich globales Forum als auch lebendige Biblio-

thek darstellen. Neben der Volltextsuche werden eine intuitive, optische Navigation und eine semantische Suchfunktion zu den mehr als 25.000 Themen globa-

len Interesses zur Verfügung stehen. Dargestellt als

dreidimensionale Landkarte kann jeder Eintrag durch neue Fragen, Antworten, Kommentare, Dialoge und

Hyperlinks ergänzt werden. Die semantische Webtechnologie organisiert die Inhalte permanent neu: Durch

die immer neuen Bewertungen und Aufrufe durch die

Nutzer „lernt“ das System, die Relevanz der Inhalte einzuschätzen.


„Was wäre, wenn wir die Antworten auf die großen Probleme unserer Zeit nicht den führenden Organisationen überlassen, sondern die Kreativität und das Wissen aller Menschen nutzen?“ fragt Ceasar McDowell, U.S. Director von dropping knowledge und Professor am Massachusetts

und Einzelpersonen schaffen. Durch den grundsätzlich

interdisziplinären Ansatz erhält man ein vielschichtiges Verständnis der Probleme, kann neue Synergien und Gemeinschaften bilden und wirklich innovative Lösungen erarbeiten. „Gemeinschaft ist kein Status, sondern ein Prozess.“

Institute of Technology.

Nach Ansicht von dropping knowledge ist ein solcher

uns selbst stellten.“ sagt Cindy Gantz, eine der Grün-

hinweg dringend notwendig: Als Anstoß für eine wahre

„dropping knowledge entstand durch Fragen, die wir derinnen des Projektes. „Jeder ist eingeladen mit seiner Frage andere zu inspirieren und die Welt nicht als gegeben, sondern als gestaltbar zu

globaler Diskurs über Grenzen, Lager und Kulturen

Demokratie, als Maßnahme gegen den aufkommenden „Kampf der Kulturen“ und als Antwort auf die ungelösten Fragen unserer Zeit.

sehen.“ Die 100 an die Teilnehmer gestellten Fragen sind in

Die Berliner Veranstaltung sei nur ein Anfang, verkün-

Gewalt“, „Neue globale Grenzen“ und andere geglie-

Tisches. Wünschenswert wäre eine internationale Fort-

Bereiche wie „Wirtschaft mit Weitsicht“, „Politik der dert. Einige dieser Fragen, die auf kurz oder lang jeden

von uns beeinflussen werden, haben wir im Folgenden abgedruckt.

Die Wissenschaft hat einige Schlüsselfaktoren für die Bildung von starken Gemeinschaften ermittelt: Die

Nutzung neuer Technologien, eine kreative Kommuni-

kation, transnationale Strukturen und frei zugängliche Informationen.

Wer Wissen teilt, fördert unbekannte und bessere Lösungen zu Tage. Das klassische Urheberrecht beschränkt jedoch die Möglichkeiten der kreativen Zusammenarbeit und den freien Austausch von Ideen.

dete dropping knowledge zur Eröffnung des runden setzung derartiger Aktionen unbedingt, denn während der Veranstaltung war eine ungewöhnlich klare und

konzentrierte und trotz der zahlreichen Prominenten

wenig glamouröse Atmosphäre zu spüren. Weil die

echten Probleme dieser Gesellschaft nachhaltig gelöst werden müssen. Jetzt!

Die Moderatorin des „Table of Free Voices“ und nige-

rianische Menschenrechtsaktivistin Hafsat Abiola über

die Gründe ihrer Teilnahme: „Ich glaube unsere Geisteshaltung erschafft unsere Welt. Wenn wir über das Bekannte hinaus in das Unbekannte vordringen, öffnen wir uns für neue Ideen, neue Ansichten und eine neue Welt.“

Das Copyleft – eine Lizenz, die den Austausch von Me-

dien fördert und festlegt – fördert im Gegensatz zum Copyright den gemeinsamen Dialog, Inspiration und

Lösungen. Die Idee der „teilnehmenden Demokratie“,

mit deren Hilfe das Material von dropping knowledge weltweit verbreitet werden kann.

„Eine Interessengemeinschaft von frei denken-

dropping knowledge ist eine gemeinnützige nicht-

staatliche Organisation: Eine Internetplattform für den weltweiten Austausch von Perspektiven, Ideen und nachhaltigen, innovativen Lösungen. Geführt als öf-

fentliches Eigentum, bleibt das Projekt und seine Informationen für alle Zeit frei zugänglich.

den Menschen kämpft gegen Traditionen die www.droppingknowledge.org

sie binden und gegen Interessen die sie voneinander trennen – für eine gemeinsame, bessere

Zukunft.“ So Community Forscher Carl Moore. Dieses

Motto unterstützend soll die Plattform neue Möglich-

keiten und Räume für die Arbeit von Organisationen 23


Dropping Knowledge

WAS IST EIN LEBEN WERT? WAS PASSIERT, WENN DAS ÖL AUSGEHT? WELCHE ROLLE SPIELT RELIGION IN EINER TECHNISIERTEN WELT? SIND MARKEN UND FIRMEN MÄCHTIGER ALS REGIERUNGEN? WENN WIR GENUG NAHRUNG PRODUZIEREN, UM ALLE MENSCHEN ZU ERNÄHREN, WARUM TUN WIR ES DANN NICHT? SIND FRAUEN IMMER NOCH BENACHTEILIGT? BASIERT UNSER REICHTUM AUF DER ARMUT DER DRITTEN WELT? WAS IST FREIHEIT? WANN IST ES NÖTIG, DAS GESETZ ZU BRECHEN? IST EGOISMUS EIN GRUND FÜR DAS MENSCHLICHE VERSAGEN? HILFT UNSER SYSTEM DER BILDUNG KINDERN WIRKLICH AUFZUBLÜHEN? HABEN WIR DAS RECHT, MENSCHLICHES LEBEN ÜBER DAS ANDERER LEBENSFORMEN ZU STELLEN? IST EINE IRANISCHE ATOMBOMBE GEFÄHRLICHER ALS EINE AMERIKANISCHE, FRANZÖSISCHE ODER ISREALISCHE? WIE HÄLT MAN REGIERUNGEN DAVON AB, IN DEN KRIEG ZU ZIEHEN? WER PROFITIERT VOM TERRORISMUS? GIBT ES EINE MODERNE ART DER KOLONIALISIERUNG? GIBT ES ETWAS BESSERES ALS DIE DEMOKRATIE? WAS KOMMT NACH DEM KAPITALISMUS? WIE VIEL FREIHEIT SIND WIR BEREIT FÜR UNSERE ANGEBLICHE SICHERHEIT ZU OPFERN? GIBT ES EINE ÖKOLOGISCHE GRENZE FÜR ÖKONOMISCHES WACHSTUM? KANN EIN MENSCH WEITSICHTIG GENUG SEIN, BEIM BETRACHTEN DER WELT ZU BEGREIFEN, DASS AUCH ER EIN TEIL DER NATUR IST? WER IST FÜR DIE VERWALTUNG DER ÖKOLOGISCHEN RESSOURCEN VERANTWORTLICH? WARUM HAT UNSER ESSEN EINE SO SCHLECHTE QUALITÄT? WIE IST DIE ZUKUNFT DER STÄDTE? WARUM GLAUBEN WIR IMMER NOCH MEHR AN DIE NATIONALITÄT ALS AN HUMANITÄT? WAS IST DIE BALANCE ZWISCHEN REGIONALEN KULTUREN UND EINER GLOBALEN GEMEINSCHAFT? WIE OBJEKTIV IST WISSENSCHAFT? WELCHE TECHNOLOGIEN HÄTTEN IN DEN LETZTEN 50 JAHREN ENTWICKELT WERDEN KÖNNEN, WENN SIE NICHT MILITÄRISCHEN UND ÖKONOMISCHEN BEDÜRFNISSEN ZU GRUNDE LIEGEN WÜRDEN? WIE SOLL DIE ZUKUNFT AUSSEHEN? WER SIND DEINE HELDEN? WELCHE IST GOTTES RELIGION? WARUM SIND WIR SO VIELE MENSCHEN UND FÜHLEN UNS DENNOCH ALLEIN? WENN DIESE FRAGEN BEANTWORTET WERDEN, WIE ERLANGT MAN DIE AUFMERKSAMKEIT DER WELT, ZU ZUHÖREN? 24


Dropping Knowledge

Meine Frage lautet: Wenn ein Experte eine Aussage macht - glaubt er wirklich an das, was er sagt oder möchte er nur eine bestimmte Sichtweise darstellen, um gewisse Antworten zu erreichen? Wenn jemandem die Grenzen seines Wissens bewusst sind - sollte dieser nicht besser mit Vorsicht und Offenheit für andere Meinungen sprechen?

Die Fragen sind immer wieder: `Bist du

ehrlich im Umgang mit deinem begrenzten Wissen und bist du interessiert an den Meinungen anderer?´

reicht wird. Ich bin überzeugt, das die Sprache gerade mal einen Kommunikationsversuch signalisieren kann und das ein wirkliches Verständnis für andere Men-

Ich denke, dass dies eine der größten Herausforde-

schen nur auf Basis von Vertrauen und dem Glauben in

trauen in unsere Mitmenschen verloren und gleichzeitig

Es ist die Frage des Wissens um die Grenzen unserer

rungen unserer heutigen Zeit ist. Wir haben das Ver-

selbst genügend Schwierigkeiten im Leben. Mit jeder Antwort, die wir erhalten, fragen wir uns: `Versucht diese Person gerade mich zu manipulieren? Wollen die

mich gerade in eine bestimmte Richtung leiten? Versuchen sie gerade die Wahrheit zu verschleiern oder ist

das Gesagte wirklich auf Basis von Fakten und Wissen begründet?`

Würden wir mit dieser Art von Fragen fortfahren, wür-

den wir niemals einer Sache sicher sein können und

dennoch unsere Gedanken und Gefühle für die eine

oder andere Seite festlegen. Würden wir allerdings einen neuen Dialog beginnen und echtes Interesse für

die Meinung des Anderen aufbringen, könnten wir unser Gefühl für Sicherheit hinter uns lassen und an-

fangen, aus einer anderen Perspektive zu sehen und zu verstehen.

Sobald eine „absolute Wahrheit“ in ein Gespräch ge-

die Worte des Anderen funktioniert.

eigenen Vorstellung. Alle Menschen glauben, dass die Außenwelt existiert – das ist nur eine Frage ihrer prä-

zisen Definition. Eines jeden Menschens Beschreibung der Außenwelt ist allerdings davon abhängig, auf wel-

che Art und Weise er sie betrachtet. Um diesem Rech-

nung zu tragen, müssen wir genau herausfinden, auf welchen Hintergrund und welche kulturellen Einflüsse sich dieser Mensch mit seiner Aufmerksamkeit und Betrachtungsweise bezieht.

Als Physiker ist man gewohnt, Fragen zu beantworten. In diesem Beruf lernt man, dass es auf eine Frage auch zwei verschiedene Antworten zutreffen können. Obwohl diese Antworten sehr gegensätzlich sein können,

sind sie dennoch beide korrekt. Das ist eine seltsame, aber gleichzeitig auch eine der wichtigsten Erfahrungen.

worfen wird, wird mir klar, dass da jemand einfach nicht versteht, worum es wirklich geht. Absolute Si-

cherheit tritt immer dann in einem Gespräch auf, wenn eine Person hochgradig ignorant ist. Je größer dagegen das Vorstellungsvermögen eines Menschen ist, desto mehr hinterfragt er, ob das Erzählte alle Aspekte eines Sachverhaltes abdeckt.

Dr. Hans-Peter Dürr, 77, ist Direktor des Münchner Max Planck Institutes für Physik. Als Querdenker verknüpft er seine Spezialgebiete Nuklearphysik, Elementarteilchen und Gravitation, Erkenntnistheorie und Philosophie mit dem Eintreten für eine verantwortungsvolle Wissenschafts- und Energiepolitik.

Kommunikationsprobleme dieser Art bereiten mir im-

mer wieder Sorgen, weil wir immer noch dazu neigen, zu glauben, dass Kommunikation durch Sprache er-

26

1987 erhielt Dürr den Right Livelihood Award, der üblicherweise als alternativer Nobel Preis angesehen wird.


Hans-Peter D端rr

27


ZuZa Studie 2006

Zufriedenheit in der Zahnmedizin?

ODER DIE WAHRHEIT IST HART UND WIRD AUCH DURCH IGNORANZ NICHT BESSER Wenn man vor 40 Jahren nach der Zufriedenheit im

eher den einzelnen Abteilungen zuordnet.

sicherlich viele positive Antworten gegeben worden.

tivität der Lehre offensichtlich der Forschung und

Berufsleben oder dem Studium gefragt hätte, wären

Darüber hinaus ist in der Vergangenheit die Attrak-

Kurz nach dem 2. Weltkrieg war es für viele eine

anderer Vorteile des Universitätslebens gewichen.

Chance, an einem höheren Bildungsweg teilzunehmen und einen Beruf zu erlernen, der nicht nur die eigene

Familie ernähren, sondern auch das Ansehen in der Gesellschaft sichern würde. Sowohl das Medizinstudium als auch die Berufsausübung waren dafür bekannt,

viel Abwechslung und Freude an der Arbeit mit den

Patienten zu bieten und auch die Forschung hielt noch einige offene Fragen für Wissenshungrige bereit.

Im Verlauf der Jahrzehnte hat sich daran einiges geändert: die Ausbildung der Zahnmediziner ist zum schwer überschaubaren Schwamm für alte und neue, wesentliche und unwichtige Informationen geworden, was nicht zuletzt anhand der stark differierenden Curricula der deutschen zahnmedizinischen Fakultäten deutlich wird.

Sogar innerhalb der Kliniken variieren die Lehrmeinungen so stark, dass man sein Wissen nicht der Zahnmedizin im Allgemeinen sondern 28

Angenehmere Arbeitszeiten und -belastungen, ein gesichertes Einkommen und fehlendes unternehmerisches Risiko sind in Zeiten der Ärzteproteste gegen die deutsche Staats- und Billigmedizin durchaus zu

das Lebensgefühl beeinflussenden Faktoren geworden.

So sind besonders die Versorgung der eigenen Familie oder auch das gesellschaftliche Ansehen Bedürfnisse,

deren Befriedigung das Erlernen des Arztberufes nicht mehr garantieren kann.

Im Zuge dieser Entwicklung sind die Universitäten Deutschlands scheinbar nicht mehr direkt verantwortlich für den Bildungsgrad seiner Bürger, sondern vielmehr auf dem Weg zu einem Dienstleister mit dem Status der Elitehochschule, geschaffen für Leute, die das Studium überhaupt finanzieren können.

Da ist es nicht verwunderlich, dass die letzten Jahre von zahlreichen Evaluationen, Uni-Rankings und Ex-

zellenzinitiativen an deutschen Hochschulen geprägt


sind und nach und nach alle in den Wettstreit „Wer ist

Arbeitstreffen des BdZM in Berlin alle Ergebnisse aus-

plaqued Nr.10 angesprochen, werden dabei vor allem

abgeglichen. Es konnten Zusammenhänge und Gründe

die beste Uni?“ einsteigen. Wie bereits in der un-

die materielle Ausstattung, Forschungsverdienste, Betreuungsverhältnisse und andere „harte“ Fakten be-

rücksichtigt und im Gegensatz dazu, die für die Lehre und Ausbildung so elementare Ausstattung an klugen

und lehrwilligen Dozenten und die damit verbundene Atmosphäre der Ausbildung nicht erwähnt.

Weil die Zahnmedizin in derartigen Evaluationen übli-

führlich besprochen und mit nahezu allen Fachschaften für die positiven als auch negativen Ergebnisse einiger Universitäten gefunden werden und als Hilfestellung für Verbesserungen an der eigenen Uni genauer erläutert werden.

Da als Konsequenz der Umstrukturierung in der deutschen Hochschullandschaft nicht nur kleinere Stand-

orte geschlossen werden, sondern auch die größeren Fakultäten um die Verteilung der finanziellen Mittel buhlen müs-

11. und höhere Fachsemester :

sen, wird auf kurz oder lang die Attraktivität einer Hochschule in

10. Fachsemester :

Bezug auf die geleistete Ausbil-

9. Fachsemester :

dung über die Wahl des Standortes

8. Fachsemester :

bei den Studenten entscheiden.

7. Fachsemester :

Neben den Kosten werden auch

6. Fachsemester :

enzeit und die Lernatmosphäre,

die Studierbarkeit in Regelstudi-

also die potentielle Zufriedenheit

5. Fachsemester :

der Studenten mit ihrer Ausbil-

4. Fachsemester :

dung verstärkt in das Gewicht

3. Fachsemester :

fallen. Diese „weichen“ Faktoren sind auch schon in der Gegenwart

2. Fachsemester : Anzahl der Befragten :

50

100 150 200 250

diejenigen Einflüsse, welche ein Studium angenehm gestalten oder

auch nicht. Berücksichtigt man die im Folgenden näher erläu-

cherweise als Anhängsel der Medizin gehandelt wird,

terten Ergebnisse der Studie über die Zufriedenheit der

(BdZM) in Zusammenarbeit mit der MLP AG und

wie viel Verbesserungsbedarf an deutschen Fakultäten

hat der Bundesverband der Zahnmedizinstudenten einem Marktforschungsinstitut im Winter 05/06 eine eigene Studie zur Zufriedenheit der Zahnmedizinstudenten an den deutschen Fakultäten durchgeführt. So

Zahnmedizinstudenten in Deutschland wird deutlich,

nötig ist, wenn man dem „Kunde“ Student zukünftig gerecht werden möchte.

wurden per Zufallsbefragung mit Korrektiv nach Quote

Die Art und Gewichtung der Fragen unterteilen sich in

Klinik 1580 Studenten in 20-30 minütigen Interviews

der Loyalität und Bildung von Leistungsfaktoren. Die

in Bezug auf Geschlecht und den Segmenten Vorklinik/ nach aktuellen Erkenntnissen der Kundenzufriedenheitsforschung befragt. Die Ergebnisse wurden mit

veröffentlichten Daten über die Struktur der Studierenden verglichen und zeigen eindeutig die Repräsentativität der Studie. Im Frühjahr 2006 wurden auf einem

verschiedene Themen der Ausbildung nach Treibern Repräsentativität der Ergebnisse wird dadurch unterstrichen, dass inmitten der Vielzahl geringer Zufriedenheitsgrade (∆ 20-50%) immer wieder einzelne Uni-

versitäten (Halle, Marburg, Dresden) als auch einzelne Befragungspunkte (Erstsemestereinführung, praktische 29


ZuZa Studie 2006

Betrachtet man die Vorlesungen in der Zahnmedizin, so ist die durchschnittliche Zufriedenheit der Studenten eher im mangelhaften Bereich anzusiedeln. Lehrveranstaltungen in der Vorklinik) deutlich positiv herausstechen.

Beruf ist, kann man nur hoffen, dass die angehenden Zahnärzte auch außerhalb und nach

Betrachtet man die Vorlesungen in der Zahnmedizin,

der universitären Ausbildung ihre Fähigkeiten

mit 33,95% eher im mangelhaften Bereich anzusiedeln.

dass die räumliche Ausstattung weit weniger von den

so ist die durchschnittliche Zufriedenheit der Studenten Dabei gibt es dennoch Fakultäten, wie Halle (47,88%),

weiter entwickeln. Auf Nachfragen wird deutlich, Studenten gewichtet wird, als zum Beispiel die Ver-

wo die Vorlesungen so gut besucht sind, dass die Stu-

wendung von Computer gestützten Demonstrationen

noch einen der begehrten Sitzplätze zu bekommen.

die Assistenten scheint einen erheblichen Einfluss auf

denten versuchen extra früh anwesend zu sein, um

Nach Angaben der Hallenser ist es das stetige Mitei-

nander zwischen Dozenten und Studenten, das die Vorlesungen zu Veranstaltungen macht, die man nicht

mehr vergisst. Das Erfolgsrezept scheint hier die Kombination von neuen Medien mit alten Professoren zu sein, da diese Dozenten der „alten Schule“ vor allem auch die Leidenschaft für den Beruf vermitteln können. In Köln (25, 29%)

dagegen lesen zwar alte Koryphäen, aber aufgrund der schlechten allgemeinen Studienorganisation und der großen Uneinigkeit der Lehrmeinungen zwischen den

Abteilungen und sogar der Vorklinik und Klinik wird den Studenten das Leben unnötig erschwert. Entspre-

chend unterdurchschnittlich fallen die Beurteilungen der Studenten in Köln aus.

Mit einem Durchschnittswert von 32,78% werden die praktischen Lehrveranstaltungen sogar schlechter be-

wertet als die Vorlesungen, auch wenn die besten Universitäten immerhin mit Werten um die 58% (Marburg,

Rostock) glänzen können. Bedenkt man, wie viel Zeit für die praktische Ausbildung aufgebracht wird und

wie entscheidend dieser Teil für die spätere Arbeit im 30

und Lehrmitteln. Auch die persönliche Anleitung durch die Zufriedenheit zu haben, da wiederholt die Fach-

schaften Halle und Marburg von einer guten Betreuung berichten und dies ebenfalls durch die unabhängige Befragung der ZuZa - Studie unterstrichen wurde.

Die Befragungen zur Administration des Studiums als auch zur Qualität der Dozenten reihen sich mit 41,98%

und 37,56% durchschnittlicher Zufriedenheit in die Er-

gebnisse der Studie ein. Dabei wird die Aktualität der vorgetragenen Inhalte positiv bewertet (52,97%), die Erreichbarkeit der Dozenten außerhalb der Veranstaltungen in Sprechstunden oder Chats dagegen als sehr

mangelhaft (19,86%) angesehen. Erstaunlich ist, dass an nahezu allen Universitäten ein Missstand in der

Menge der angebotenen aktuellen Informationen zum

Studium als auch zum späteren Berufsalltag gesehen wird (∆ 19,71%). Ursache dafür ist einerseits die jähr-

lich steigende Menge an Fachwissen, andererseits aber

auch die in der Hochschule nur flüchtig behandelten Themen wie Wirtschaftlichkeit, BWL, Psychologie, Patientenkommunikation und funktionstherapeutischer

Zahnmedizin. Darüber hinaus könnte man vermuten, dass die Dozenten nur ungern über Themen berichten,


Kosten für anzuschaffende Materialien/Universität 13500 10310 10118 9190 8653 8644 8309 8212 8172 7949 7945 7562 7508 6771 6332 6233 5987 5848 5740 5613 5163 4951 4778 4635 4303 3964 3804 1217 1018 975 EURO

Hannover-MedH Ulm Köln Würzburg* Berlin-Charité Süd-Fu* Heidelberg Saarbrücken** München Münster Tübingen Erlangen-Nürnberg Bonn Regensburg Mainz* Düsseldorf Aachen Gießen Frankfurt/Main Kiel Freiburg** Göttingen Rostock Hamburg* Greifswald Marburg Halle-Wittenberg** Berlin-Charité Nord-TU*,*** Jena Leipzig*** Dresden 1400

ZuZa 2005

Bei der Frage 10a bezüglich Ausgaben für das gesamte Studium für Arbeitsgeräte und -material zeigen sich extreme Unterschiede. Im Durchschnitt geben die Zahnmedizinstudenten 6.593 Euro hierfür aus. Die Schwankungsbreite zwischen den Standorten liegt bei über 10.000 Euro. Die "billigsten" sind die mitteldeutschen Universitäten, bei denen laut BdZM ein Großteil der Arbeitsmaterialien von der Hochschule gestellt wird. Andere Universitäten wie z.B. Hamburg haben momentan unterschiedliche Regelungen. Teilweise konnten hier die Spätsemester noch von alten Regelungen bzw. Zuschüssen profitieren, während die jüngeren Semester teilweise mehr Anschaffungen tätigen müssen. Ein Angleichen dieser Kosten ist angesichts der Lage der hochschulfinanzierung zu erwarten.

2800

4200

5600

7000

8400

9800

11200

12600

14000

* = nicht ausreichende Fallzahl Vorklinik, ** = nicht ausreichende Fallzahl Klinik, *** = nicht ausreichende Fallzahl für Gesamtauswertung

von denen sie vielleicht selbst nicht viel verstehen. Bemitleidenswert ist der Fakt, dass solche Zustände dann als Lehrmeinung angepriesen werden, anstatt externe Dozenten und Experten zur Ausbildung der Studenten hinzu zu ziehen. Der genauere Blick in die Vorklinik eröffnet noch erschreckendere Erkenntnisse als im klinischen Bereich.

Auffallend ist vor allem die Differenz von mehr als 60

Prozentpunkten bei praktischen Lehrveranstaltungen zwischen den Spitzenreitern wie Halle (72,92%) und

Dresden (67,22%) und den Schlusslichtern Münster, Hannover und Köln (7 – 9%). Für die Studenten ist

dieses Ergebnis sicher keine große Überraschung, da

auf den Bundesfachschaftstagungen der letzten Jahre wiederholt über die schlechten Zustände dieser Vorkliniken berichtet wurde. Im Detail der Befragung wurde

ebenfalls deutlich, dass die negative Bewertung weniger

durch Laborausstattung und die Arbeit der Assistenten als vielmehr durch die langen Wartezeiten auf Testate,

die knappen Zeitvorgaben für die Kursarbeiten und die

geringe Menge zahnärztlicher Inhalte in der Vorklinik 31


ZuZa Studie 2006

Insgesamt haben 90% der befragten Studenten den Wunsch nach mehr Zahnmedizin in ihrer Ausbildung geäußert.

derem auch das Engagement der Studenten für einander

hervorgerufen wird. Insgesamt haben 90% der

um möglichst angenehm zu gestalten.

abgefragt. Während die Fachschaften mit 34,82% weit

besser bewertet wurden als Professoren (17,9%) und Studienberatung (10,78%), zeigen die stark differie-

renden Bewertungen der Erstsemesterveranstaltungen, dass an einigen Standorten auch bei den Fachschaften erhöhter Bedarf für Verbesserungen ist. Während die

Fachschaft Marburg mit 82,35% der absolute Vorreiter in diesem Segment ist, bilden Mainz, Hannover, Köln und Saarbrücken mit weniger als 10 Prozentpunkten die Schlusslichter in diesem Ranking. Wie im späteren Arbeitstreffen des

BdZM deutlich wurde, ist dieser Punkt stark von der Kreativität der Fachschaften abhängig. In München

wird beispielsweise direkt zu Semesterbeginn eine

Messe mit allen Depots und Buchläden veranstaltet, aus deren Erlösen gleichzeitig Erstsemesterskripte finanziert werden. An anderen Standorten werden die

OE mit Stadtrallyes, Grillabenden, Bücherbasaren und Studentenfeiern verknüpft, um den Einstieg ins Studi-

befragten Studenten den Wunsch nach mehr Zahnmedizin in ihrer Ausbildung geäußert. Angesichts des Unvermögens vieler Vorkliniker, Zahnputztechniken zu erklären, lässt sich mit Hilfe solcher Ergebnisse nur eine sehr geringe Praxisnähe der zahnmedizinischen Ausbildung in Deutschland ableiten. Bezüglich der Prüfungen im Zahnmedizinstudium lässt die ZuZa Studie

vor allem erkennen, dass die höchste Unzufriedenheit in Klinik und Vorklinik bei der Erörterung der Prüfungsergebnisse herrscht (Klinik – 12,98%/ Vorklinik

– 13,49%). Eine Erklärung, warum gerade die Rechtfertigung ihrer Bewertung für die Prüfer derart pro-

blematisch ist, konnte uns keine der verantwortlichen Stellen mitteilen. Dieses Ergebnis geht allerdings

Hand in Hand mit der an anderer Stelle vielfach berichteten Subjektivität in Kursen und Testaten. Unter dem Aspekt der Betreuung durch die verschie-

denen Instanzen der Universität (Professoren, Studien-

beratung, Fachschaft) sowie der Orientierungseinheiten (OE) und Einführungsveranstaltungen wurde unter an32

Gravierende Unterschiede zwischen den Hochschu-

len herrschen im Bereich der Kosten für das Studium.

Während zum Zeitpunkt der Umfrage bislang an keiner Universität allgemeine Studiengebühren erhoben wurden, zahlt der durchschnittliche Student der Zahnmedizin in Deutschland 6593 € für Materialien, Bücher und

Geräte. Diese verkappten Studiengebühren bewirken jedes Jahr, dass immatrikulierte Studenten das Studium abbrechen müssen, weil sie es nicht finanzieren kön-

nen. Eine Evaluation dieser Studenten war leider nicht mehr möglich. Noch verständlicher wird dieser Fakt mit Blick auf die Spitzenreiter Köln (10118€), Ulm

(10310€) und Hannover (13500€!), die annähernd das

Doppelte des Durchschnittswertes von ihren Studenten verlangen. Bedenklich ist die Tatsache, dass die „gün-

stigsten“ Universitäten, die nahezu vollständig in den ärmeren, neuen Bundesländern angesiedelt sind (Dresden, Leipzig, Jena), gerade mal um die 1000 € für Materialen etc. einfordern und dabei gleichzeitig im Ge-

samtranking der Zufriedenheit der Studenten weit vor den „teureren“ Hochschulen liegen. Vielleicht sollte


DURCHSCHNITTLICH g**.Kiel. Berlin-Süd*.Freibur ßen.Mainz*. Tübingen.Bonn.Gie orf.GreifsWürzburg*.Düsseld angen.Götwald.München.Erl kfurt/Main. ran tingen.Münster.F sburg Heidelberg.Regen

Dresden Halle-Wittenberg Jena Marburg Rostock

VORBILDLICH

Aachen Hamburg Hannover Köln.Ulm

PFLEGEBEDÜRFTIG

*=nicht ausreichende Fallzahl Vorklinik/ **=nicht ausreichende Fallzahl Klinik/ ***=nicht ausreichende Fallzahl für Gesamtauswertung

man als Konsequenz aus dieser Fehlverteilung

Was kann man schon mit der Zufriedenheit der

die teureren Standorte schließen, da sie sich

Studenten anfangen, geschweige denn, was

ein Zahnmedizinstudium in ihrer Fakultät of-

könnte man sich davon kaufen?

fensichtlich nicht leisten können. Vielleicht spiegelt sich diese Einstellung in den In Hinsicht auf die Zufriedenheit der Kunden (Stu-

denten) einer neuen Hochschullandschaft müssen fast

250.000 deutschen Auswanderern (2005) pro Jahr wieder, die sich vornehmlich aus jungen,

alle Universitäten noch einen weiten Weg zurücklegen.

hoch qualifizierten Menschen zusammen-

zu schauen oder mit Hilfe von Exzellenzinitiativen, die

Nobelpreisträger der letzten Jahre an amerikanischen

Leider reicht es nicht, neidisch über den großen Teich

setzen. Oder in dem Fakt, dass fast alle deutschen

ohnehin reicheren Hochschulen mit noch mehr finanzi-

Universitäten tätig sind und mittlerweile bereits 12.000

ellen Mitteln auszustatten. Auch der Ansatz, das Geld von den Studierenden zu holen, wird die Haushalte der

Hochschulen nicht sanieren können, geschweige denn

die Ausbildung verbessern. Mit Sicherheit sind an dieser Stelle auch der Staat und die Regierung gefragt, die

zwar mit viel Engagement über die Bedeutung der Bildung reden, aber nur wenig dafür tun. Anstelle ordent-

licher Finanzspritzen für Hochschulen und Lehrmittel werden lieber die Konsequenzen dieser Versäumnisse

mit Hartz IV Zuschüssen für arbeitslose Studienabgänger getragen. Nachsorge statt Vorsorge.

Dementsprechend stark war nach Aussage des BdZM

die Ablehnung der einzelnen Universitäten gegenüber den veröffentlichten ZuZa Daten. Obwohl etwas ver-

deutsche Ärzte im Ausland eine Anstellung gefunden

haben, während deutsche Krankenhäuser versuchen, freie Stellen mit Medizinern aus Osteuropa zu füllen.

2008 will der BdZM die nächste ZuZa – Studie durchführen und diesmal noch detaillierter darstellen. Vielleicht werden in der nächsten Runde auch andere ver-

antwortliche Instanzen wie die Zahnärztekammern an der Verbreitung und Verbesserung dieser Ergebnisse

mitwirken, wie sie es ursprünglich auch in diesem Jahr schon zugesagt hatten. Man kann nur hoffen, dass Zu-

friedenheit wieder als Maßstab der Qualität Einzug in die deutschen Universitäten hält. idee

spätet an dem einen oder anderen Standort Einsicht gezeigt wurde, sind Veränderungen bisher kaum sichtbar.

33


Bologna oder wie hätten Sie es gern?

A N G O BOL ODER TEN SIE WIE HÄT RNE? ES GE

34


35


Bologna oder wie hätten Sie es gern?

„Der wahre Zweck des Menschen – nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welche die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt –ist die höchste und proportionierlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen. Zu dieser Bildung ist Freiheit die erste und unerläßliche Bedingung.“ Alexander von Humboldt, 1792.

36


...hat schon mal jemand vom BOLOGNA-PROZESS gehört? ZUMINDEST STUDENTEN DÜRFTEN SICH MITTLERWEILE ETWAS UNTER DIESEM BLUMIGEN BEGRIFF VORSTELLEN KÖNNEN, DENN DER BOLOGNA-PROZESS IST AN JEDER UNIVERSITÄT ALLGEGENWÄRTIG.

Aber kennt jemand den ERT? Ehrlicher-

sieht die Wurzeln dieser, als Bologna-Prozess bekannt

weise muss ich sagen, ich kannte ihn bis vor kurzem

gewordenen Reform der Universitätslandschaft Euro-

auch nicht, aber Dank des Internets stieß ich vor einem

pas noch weiter zurückliegend. Er beschreibt in seiner

halben Jahr auf den „European Round Table of Indus-

Expertise „Von Bologna nach Berlin“, die im Auftrag

trialists“ (ERT).

des Europäischen Parlaments angefertigt wurde, eine

Doch wie kommt der Zusammenhang zwischen Bolo-

stete Entwicklung seit den fünfziger Jahren des ver-

gna-Prozess und ERT zustande? Dazu musste ich etwas

gangenen Jahrhunderts hin zu einer Vereinbarung über

länger auf der Webseite des ERT suchen, bis ich ein

Anerkennung und Äquivalenz von Studienleistungen.

Paper namens „Education for Europeans – Towards the

So führte der Weg über die „Magna Charta Universi-

learning Society“ gefunden hatte. Diese Schrift stammt

tatum“(1988), die „Lissabon-Konvention“(1997) und

von 1995 und kann als Meilenstein angesehen werden,

der „Sorbonne-Erklärung“(1998) hin zum „Bologna-

und wie immer, sowohl im positiven als auch negativen

Prozess“(1999).

Sinne. Positiv deshalb, weil sich die Industrie erstmals einig darüber war, was sie von Absolventen einer

Bekannte sich die „Magna Charta Universi-

Hochschule erwartet, und negativ deshalb, weil man

tatum“ noch zu einer politisch, wirtschaftlich

darin nicht vorschlägt, sondern fordert. So verwundert

und ideologischen unabhängigen Universi-

die Tatsache dann wenig, dass sich die Inhalte dieses

tät als Einheit von Forschung und Lehre bei

Papers nur wenig verändert in den Ansichten von Po-

gleichzeitiger Freiheit von Forschung, Lehre

litikern wieder spiegeln und somit seit dem Einzug in

und Studium, sprachen die vier Unterzeichner

die europäische Hochschulreform finden. Fast schon

der „Sorbonne-Erklärung“ nur noch von einem

deprimierend ist die Erkenntnis, dass in die-

„open European area for higher learning“.

sem Prozess weder die Universitäten noch die Studenten befragt wurden oder werden.

1999 unterzeichneten in Bologna 25 weitere Ministerinnen und Minister diese Erklärung. Und erneut

Gestern, Heute, Morgen.

schließt sich der Kreis mit den Zielen des ERT, denn

Dr. Andreas Keller, Diplom- Politologe aus Berlin

hier wurde erstmals öffentlich davon gesprochen, dass 37


Bologna oder wie hätten Sie es gern?

man das europäische Hochschulsystem international wettbewerbsfähiger und global attraktiver machen müsse: „Der europäische Hochschulraum sei Schlüssel nicht nur zur Förderung der Mobilität, sondern auch zur Arbeitsmarkt bezogenen Qualifikation der Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen.“. Die Minister einigten sich auf sechs Ziele (von insgesamt neun), die bis zum Ende 2010 umgesetzt sein sollten.

Die Bologna Zutaten

1.///

2.///

3.///

4.///

5.///

6.///

7.///

8.///

9.///

Europaweite Einführung eines Studiensystems leicht verständlicher und vergleichbarer Abschlüsse, auch durch die Einführung des Diplomzusatzes. Das Studium gliedert sich in zwei Hauptzyklen: „undergraduate“ mit min. 3 Jahren Studiumsdauer mit einer angemessenen Qualifikation für den Arbeitsmarkt, und „graduate“ zur Erreichung des Master-Abschlusses bzw. zur Erlangung einer Promotion. Einführung eines Credit-Systems zum Sammeln von Punkten auch ausserhalb einer Hochschuleinrichtung. Die Förderung der Mobilität von Studenten, Forschungs-, Lehr- und Verwaltungspersonal innerhalb Europas. Die Förderung der europäischen Zusammenarbeit zur Qualitätssicherung, insbesondere die Erarbeitung vergleichbarer Kriterien und Methoden. Die Förderung der europäischen Dimension im Hochschulbereich im Bezug auf Zusammenarbeit von Hochschulen, Mobilitätsprojekte und integrierte Studien-, Ausbildungs- und Forschungsprogramme. Das lebenslange Lernen wird als grundlegendes Element des Europäischen Hochschulraums anerkannt. Die Hochschulen und Studenten werden bei der Einrichtung und Ausgestaltung des Europäischen Hochschulraums als kompetente, aktive und konstruktive Partner einbezogen. Die Förderung der Attraktivität des Europäischen Hochschulraums für Studenten aus Europa und der ganzen Welt.

Dabei soll die Autonomie der Universität unangetastet bleiben, obwohl offen bleibt, inwieweit bisherige Unterhöhlungen dieser so gepriesenen Autonomie von Universitäten dennoch erhalten bleiben. Zu vage sind die postulierten Punkte, zu weit die gesteckten Grenzen. Denn seit diesem Tag schießen Vorschläge von Politik und Wissenschaft geradezu wie Pilze aus dem Boden: 3-5-8 Modelle werden diskutiert, 3+2-Normen kritisiert bzw. je nach Landessitte Studiengänge mehr, weniger oder überhaupt nicht reformiert. Jeder interpretiert diese Er38


Bologna oder wie hätten Sie es gern?

klärung nach eigenen Gesichtspunkten, Schwerpunkte

eindrucksvoll bewiesen, daß wir Meister der Büro-

werden gelegt und wieder verworfen, Trend-Analysen

kratie sind.

werden in Auftrag gegeben, hoch gelobt und doch nie

Beispiele dafür: Der Master-Grad soll an Studenten

umgesetzt.

verliehen werden können, die ihren Bachelor an einer

Im Jahr 2001 trafen sich die Minister in Prag um vier

anderen europäischen Universität erhalten haben, der

weitere Unterzeichnerstaaten in ihren Reihen zu begrü-

europäische Doktorgrad muss zukünftig von zwei eu-

ßen. Den sechs grundlegenden Punkten des Bologna-

ropäischen Universitäten verliehen werden, und das

Prozesses gab man einen Feinschliff und formulierte

anvisierte Bologna-Studiendokument soll aus einem

weitere drei Forderungen, die seit damals unkonkret

europäischen Studentenausweis, verschiedenen Di-

geblieben sind.

plom-Zusätzen und einem Studienbuch bestehen. Außerdem kann man dem Kommunikee Vorschläge

Eine Arbeitsgruppe wurde eingerichtet und Vertreter

zum System der Qualitätssicherung entnehmen: Min-

von EUA (European University Association), ESIB

destqualifikationsstandards sollen festgelegt werden,

(The National Unions of Students in Europe) und EU-

eine unabhängige Qualitätsagentur bzw. -körperschaft

RASHI wurden als beratende Stimmen hinzugezogen.

soll ins Leben gerufen werden, die Akkreditierung und Evaluierung von Studiengängen und Universitäten soll

Europe vs. Germany.

intern unter Beteiligung der Studenten und extern durch

Natürlich machte man sich auch in der Bundesrepublik

Expertengutachten gesichert sein.

Deutschland Gedanken über den zukünftigen europä-

Arbeitsbeschaffungsmassnahmen im großen Stil…lei-

ischen Hochschulraum, wobei der Wissenschaftsmi-

der mit bitterem Beigeschmack!

nister Niedersachsens Lutz Stratmann (den Wissenschaftsrat an seiner Seite), Hochschulrektoren und

Quo vadis.

das Bundesministerium für Bildung und Forschung

So homogen das europäische Hochschulsystem am

40


Ende sein soll, so heterogen ist die Wahl des Weges zum

mittelfristig angelegten Reformprozess zur Konstitu-

Ziel Ende 2010. Der deutschsprachige Raum Europas

ierung eines europäischen Hochschulraums und Adap-

favorisiert den allmählichen Übergang der bestehenden

tion der nationalen Hochschulsysteme an europaweit

einzyklischen Studiengänge hin zum zweigliedrigen

vereinbarte Grundstrukturen mit dem Anspruch auf

System. In Italien z.B. wurde das Hochschulsystem

Neuordnung der Hochschulpolitik (Keller: „Von Bo-

sofort und ohne Übergangsphase umgesetzt und zwar

logna nach Berlin“). Problematisch ist die Tatsache,

schon 1999. Frankreich und die Niederlande haben den

dass bei der politischen Betrachtung der Reform die

Umstrukturierungsprozess mittlerweile ebenso been-

Verträge nie auf parlamentarischer Ebene geschlossen

det.

wurden, sondern „nur“ durch die entsprechenden Mi-

In Deutschland liest man als angehender Zahnme-

nister. Daraus ergibt sich ein so genanntes Legimitati-

diziner meistens nur in der Presse darüber, denn die

onsdefizit, welches zum einen selbst lähmend auf die

medizinischen Studiengänge bleiben von der Reform

Umsetzung des Bologna-Prozesses in Ländern mit de-

vorerst verschont.

zentralisierten politischen Strukturen wirken kann und

Doch der Druck seitens der Wirtschaft und der Politik

zum anderen bei einer Änderung zu einem Vertrag auf

auf die deutschen Hochschulen ist groß: man verlangt

parlamentarischer Ebene zu einer Verlangsamung des

mehr Praxisbezug in den Studiengängen und Studenten,

Procedere in allen anderen Ländern führen würde.

die nach ihrem Studium einen Beruf ausüben können. Traurig aber wahr: Die Abkehr vom klassischen Bild

Auch wenn die EU nie direkt am Bologna-Prozess be-

einer Universität wie sie HUMBOLDT dereinst sah,

teiligt war, so geht das Credit - System (in Anlehnung

scheint beschlossene Sache. Nach Ansicht der zu-

an das ECTS) aus den von der EU geförderten und

ständigen Politiker ist ein Hochschulstudium

induzierten SOCRATES- und ERASMUS-Program-

nichts anderes als eine Berufsausbildung.

men hervor. Ideen zum Qualitätssicherungssystem, die Förderung von Master- und Promotionsstudiengängen

Ironischerweise kritisiert gerade ein ehemaliger Ham-

sowie der „Mobility Action Plan“ sind ebenfalls auf

burger, der als Präsident die Universität Stanford unter

die Europäische Kommission für Bildung und Kultur

die Top 3 der USA führte, das deutsche Hochschulsy-

zurückzuführen.

stem am treffsichersten: „Man muss den Universitäten

So muss ein Student zum Erreichen des Bachelors min-

maximale Autorität geben. Das heisst, ich würde alle

destens 180 Credits auf seinem Konto haben. Wie er

Hochschulabteilungen in den deutschen Bundesländern

sich dabei die Kurse über die Semester einteilt, um die

schliessen.“(Gerhard Casper, 2004)

erforderliche Punktzahl zu erreichen, bleibt ihm dabei

Empfehlenswert zu diesem Thema ist Michael Wal-

größtenteils selbst überlassen.

ter, der 2005 im Rahmen der Reihe „Quo vadis universitas?“ einen Artikel mit dem Titel „Ein Studium

Jeder gegen Jeden.

ist keine Ausbildung“ beisteuerte. Die drei Artikel der

In Deutschland wurde die Hochschulreform anfangs

Schriftenreihe sind auf der Homepage der Universität

einerseits wohlwollend, anderseits kritisch betrachtet.

Zürich zu finden.

Während Institutionen wie der Wissenschaftsrat (WR) und die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) von An-

Stolpersteine und Credits

fang an aktiv an der Umsetzung mitarbeiteten, gab es

Beim Bologna-Prozess handelt es sich um einen Vor-

von Seiten der Studenten und Hochschullehrer immer

gang, der zwar vornehmlich politisch induziert war,

wieder kritische Anmerkungen. Daran hat sich bis

jedoch nie auf die Ebene der EU beschränkt war. Man

heute nichts geändert, außer dass man Studenten und

sollte den Bologna-Prozess nicht nur als einzelne po-

Professoren ein, wenn auch geringes, Mitspracherecht

litische Maßnahme verstehen, sondern eher als einen

einräumt. 41


Bologna oder wie hätten Sie es gern?

Die Diskussionen um integrierte Kurse innerhalb des klinischen Studienabschnitts sind trotz des eingereichten Gesetzesvorschlags immer noch voll im Gange, und so bleibt abzuwarten, was uns die Politik serviert. Vielleicht wird die Hochschulpolitik zu den nächsten Wahlen wieder thematisiert. Das politische Mehrebenensystem bescherte z.B. der

Berlin und Köln Reform-Studiengänge, die den Me-

Universität Göttingen innerhalb der letzten zehn Jahre

dizinstudenten mehr Praxisnähe vermitteln sollten.

zwei verschiedene niedersächsische Hochschulgesetze

Obwohl die Idee bei den Studenten auf Interesse stieß,

in 16 verschiedenen Fassungen. Damit einhergehend

brachte die novellierte Approbationsordnung nur noch

kamen im Rahmen des „Hochschulstrukturkon-

mehr Module theoretischer Natur hervor. Die Aussicht

zepts“ 1995, der „Innovationsoffensive I“ 1999,

auf die neue zahnärztliche Approbationsordnung lässt

des „Innovationspakts II“ 2001 und des „Hoch-

zumindest für die Vorklinik ähnliches Erwarten. Die

schuloptimierungskonzepts“ 2004 finanzielle

Diskussionen um integrierte Kurse innerhalb

Einschränkungen, die die Umstrukturierung hemmend

des klinischen Studienabschnitts sind trotz

beeinflussten.

des eingereichten Gesetzesvorschlags immer

Ebenso unpassend kam in Mitten der Umstrukturie-

noch voll im Gange, und so bleibt abzuwarten,

rungen der Streit um die Eliteuniversitäten auf, der den

was uns die Politik serviert. Vielleicht wird die

beachtlichen politischen Druck auf die Universität wei-

Hochschulpolitik zu den nächsten Wahlen wie-

ter steigerte. (Kern: „Über die Kunst, eine Universität

der thematisiert.

zu steuern“) Ein Ausblick auf Übermorgen. Die Aussichten für Medizin und Zahnmedizin sind so

In Keller´s Ausführungen „Von Bologna nach Berlin“

verschieden wie die Universitäten Deutschlands und

findet sich ein Abschnitt mit der Überschrift: Chancen

Europas unterschiedlich entwickelt in der Umsetzung

und Risiken – Kritische Bewertung des Bologna-Pro-

des Bologna-Prozesses sind. Obwohl von Seiten der

zesses.

Kultusminister Europas der monozyklische Weg bei

Während die Politiker sich in Visionen zur neu-

beiden Studiengängen fürs erste beibehalten werden

en Europäischen Hochschullandschaft son-

soll, gibt es an verschiedenen Hochschulen Ideen zur

nen, scheinen nur Wenigen die Schattenseiten

Umstrukturierung dieser Studiengänge hin zu einem

dieser Reform aufzufallen.

zweizyklischen Studiensystem.

Die Befürworter sehen eine kontinentweite akade-

Ende des 20. Jahrhunderts gab es zum Beispiel in

mische Freizügigkeit mit emanzipatorischem Moment

42


43


Bologna oder wie hätten Sie es gern?

Während die Politiker sich in Visionen zur neuen Europäischen Hochschullandschaft sonnen, scheinen nur Wenigen die Schattenseiten dieser Reform aufzufallen.

formiert (und durch das Geld anderer finanziert), dik-

zum lebenslangen Lernen. Dem Studenten stehen aus

und wird wieder spürbar sein, wenn man als Student

ihrer Sicht mehr Möglichkeiten bei der gestalterischen

vom ersten Bildungszyklus in den zweiten wechseln

Freiheit ihres Studiums zur Verfügung, abhängig vom

möchte. Zugrunde liegen hier konservative geprägte

Ziel des Studiums bzw. der Einteilung des Studienin-

Überlegungen die aus der Finanznot der Hochschulen

haltes. Und natürlich darf der Neoliberalismus nicht zu

geboren sind. Das an dieser Stelle die Wirtschaft

kurz kommen. Früher oder später wird er die Univer-

gefordert sein könnte, liegt eigentlich auf der

sitäten einholen, denn das Ziel ist die Hochschule

Hand, nur Politiker und die Wirtschaft denken nicht

als Dienstleistungsunternehmen – in Konkurrenz

einmal daran, diesen Gedanken zu vertiefen oder gar

zu einem Bildungs- und Wissenschaftsmarkt mit ande-

praktisch umzusetzen.

ren Universitäten.

Nicht vergessen sollte man die Globalisierung, der

tiert eben diese Wirtschaft einen Arbeitsmarkt, in dem der Student zu bestehen gedenkt und die Wirtschaft ihn akzeptiert, so lang er aktuellen Anforderungen genügt. Aus dem Recht auf Bildung wird über den politischen Umweg Bologna-Prozess eine Qualifizierungspflicht für jeden Studenten – und wenn es nach dem ERT ginge – lebenslang. So liegt auch die Vermutung nicht fern, dass das Recht auf Bildung einer Beschränkung des Hochschulzugangs weichen muss. Dieser Prozess ist schon während der Umgestaltung spürbar

sich auch der neu zu schaffende Europäische HochKunde ist nicht nur die Industrie, die ihr Wissen von den

schulraum letztendlich beugen wird. Und was heute als

Universitäten in Form eines ausgebildeten Bachelors

Europäisierung beginnt, wird in einer Internationalisie-

oder Master gratis geliefert bekommen, Kunde ist auch

rung seinen Fortgang finden.

der angehende Student, der sich die Serviceleistung der Bildung über Studiengebühren erkaufen muss.

Ein Blick über den großen Teich –

Die Kritiker des Bologna-Prozesses fahren gegen sol-

wirkliche Eliteuniversitäten?

che Zukunftsvisionen schwere Geschütze auf. Ihrer

Eine häufige Argumentation einiger Politiker ist, das

Meinung nach ist der Geltungsbereich des Bologna-

das Hochschulsystem in den USA als Vorbild zu ver-

Prozesses zu unkonkret und eingeschränkt.Wie soll eine

stehen sei, wenn es um die Umstrukturierung der euro-

Hochschulförderung im Europäischen Raum aussehen,

päischen Hochschulen geht. Doch was unterschei-

wie fördert man Forschung und den wissenschaftlichen

det amerikanische Universitäten von denen in

Nachwuchs, wie finanziert man eine solche Hochschul-

Deutschland wirklich?

landschaft bzw. wie organisiert man sie?

Die USA besitzt eine real existierende Hochschulland-

Einerseits besteht also die Gefahr einer zu engen Sicht-

schaft, in der sich mehrere tausend Hochschulen in

weise, und andererseits läuft man mit dem Bologna-

einem Wettbewerb um Studenten, Drittmittel, Forscher

Prozess auch Gefahr, durch Vereinheitlichung jegliche

und Forschungsprojekte befinden. Diese Hochschul-

kulturelle Eigenständigkeit einer Universität zu verwi-

landschaft wurde nie reformiert, noch wurden in ihr

schen.

Exzellenzinitiativen zur Bildung von Eliteuniversitäten

Erschwerend kommt das Primat der Ökonomie hinzu.

lanciert. Und diese Universitäten sind wirklich auto-

Von der Wirtschaft mitinduziert, für die Wirtschaft re-

nom: kein Bürokrat oder Politiker hat hier Mitsprache-

44


Bologna oder wie hätten Sie es gern?

Verschwindet der bürokratische Filz an deutschen Universitäten und die Bevormundung durch allwissende Politiker, gelingt vielleicht der Schritt in die Freiheit des Marktes.

der Studenten Begünstigte dieser Programme sind, und dennoch häuft sich bis zum Ende des Studiums meist ein beträchtlicher Schuldenberg an. Wo liegt der qualitative Unterschied für die Studenten, wenn sie derart hohe Summen pro Studienjahr investieren müssen? Der Student ist ein zahlender Kunde an einer amerikanischen Universität, und dementsprechend wird er behandelt. Was auch kein Wunder ist, wenn auf einen Professor nur 5-15 Studenten kommen. Ebenso wirkt sich die Einheit von Lehre und Forschung positiv auf die Qualität des Studiums aus. Während in Europa, und natürlich erst recht in Deutschland, Spitzenforschung in Instituten außerhalb des Uni-Campus stattfindet, kommen amerikanische Studenten schon früh mit hochmodernen Forschungseinrichtungen in

rechte, es sei denn, er wäre Mitglied des Verwaltungs-

Kontakt. (Christoph Wolff für DIE ZEIT, 2004, Freiheit

rates, was sich natürlich auch in der Selbstverwaltung

für die Universität)

niederschlägt. Wo man in Europa versucht aneinander anzugleichen, herrscht in Übersee an jeder Universität

Das sich dieses Modell nicht ohne weiteres auf deut-

die Freiheit, Lehrpläne und Studienordnungen selbst zu

sche Hochschulen anwenden lässt, liegt auf der Hand.

erarbeiten.

Doch in dem Dilemma liegt auch die Chance, dass

Und wie finanzieren sich diese Universitäten? Hier

die Reform doch gelingen könnte. Allerdings sollte

zahlt die Wirtschaft für die ihnen gelieferte Arbeitskraft

dem neu entstehenden System grundsätzlich die Frei-

des ausgebildeten Studenten, genauso wie von Seiten

heit eingeräumt werden, die ihm bisher versagt blieb.

des Staates Förderungen eingehen. Die Verantwortung

Verschwindet der bürokratische Filz an deut-

hierfür liegt natürlich bei den entsprechenden Gremien

schen Universitäten und die Bevormundung

der Universitäten selbst.

durch allwissende Politiker, gelingt vielleicht

Und natürlich zahlen die Studenten Gebühren, die

der Schritt in die Freiheit des Marktes. Trotz

einem Studenten in Deutschland die Tränen in die Au-

der Tatsache, dass kreative Forschung niemals Zweck

gen treiben könnten. Wer hat schon 20000$ für ein Jahr

gebunden verwirklicht werden wird, sollte nicht in Ver-

Hochschulstudium parat. Die Kosten des Studenten

gessenheit geraten, dass das Modell einer erfolgreichen

werden jedoch durch ein ausgedehntes Netz an Sti-

Universität sich noch längst nicht von den Ideen

pendienprogrammen aufgefangen, so dass bis zu 70%

HUMBOLDT´s verabschiedet hat. kato

46


Bon Appetito.

47


In Halle ist es schรถn

In Halle ist es schรถn

48


49


In Halle ist es schön

Schon während der Evaluation im ver-

guten Tipps für das Hallenser Nachtleben, Stadtplan,

gangenen Jahr, wurde von den teilnehmenden Pro-

Professoren - und Assistentenvorstellung, Buchtipps

fessoren anderer Universitäten festgestellt, dass die

und vielen klugen Ratschlägen. Außerdem wird man

Hallenser Zahnis sich sehr gut mit ihrer Hochschule

persönlich von einigen Studenten aus den höheren Se-

identifizieren würden. Das konnten die meisten nur be-

mestern empfangen, durch die Stadt und ihre Kneipen

stätigen. Aber warum ist das so?

geführt und mit etlichen Tipps versorgt. Man merkt einfach, dass man bei den ca. 45 Erstsemestlern nicht

Für viele Erstsemester war es bestimmt erst einmal eine

untergeht. Der erste Kurs, TPK, bietet 42 Plätze für

Enttäuschung, als im ZVS-Brief Halle als Studienort

die Studenten. Die wenigen, die eventuell keinen Platz

festgelegt wurde. „Ein kleines Städtchen in der ost-

finden und rausgelost werden, können den Kurs im

deutschen Provinz“, wird so mancher gedacht haben.

nächsten Jahr nachholen, ohne dadurch ihre offizielle

Dabei hat Halle in den letzten Jahren seinen Ruf merk-

Studienzeit zu verlängern.

bar verbessert. Wenn man dann herreist, um sich eine Wohnung (zu erstaunlich günstigen Preisen) zu suchen, sieht man auf den ersten Blick Plattenbauten und viele graue Fassaden. Schließlich passiert das ja auch im Ok-

Die Assistenten und vor allem die Studenten untereinander sind immer bemüht zu helfen.

tober, da Halle nur im Wintersemester Zahnmedizinstudenten immatrikuliert.

Der TPK Raum ist in einem Topzustand und wird von den Assistenten gehegt und gepflegt wie ihr eigenes

Bereits beim Bummeln durch die Innenstadt und an

Wohnzimmer, weshalb sie immer hinterher sind, dass

der Saale entlang, findet der ein oder andere die ersten

alles ordentlich ist. Das tut jedoch dem guten Verhält-

schönen Plätze. Wenn wenig später die Einschreibung

nis der Studenten mit den Assistenten der Vorklinik

stattfindet, fühlt man sich spontan freundlich aufge-

keinen Abbruch. Im Sommer wird im Hof gegrillt, und

nommen. Denn die Erstsemestler erhalten von ihrer

im Winter gemeinsam Kuchen gegessen. Immer dabei

Interessenvertretung Zahnmedizin, das ist so etwas,

ist Prof. Dr. Dette, der die Studenten mit Ruhe, Ver-

wie die Fachschaft, ein Heft mit allem Wissenswerten,

ständnis und vor allem Ehrlichkeit durch alle Kurse der

50


Mit dem richtigen Engagement ist hier alles zu schaffen.

Vorklinik geleitet. Sicherlich gibt es Zeitdruck, es geht

Das Bergfest ist selbstverständlich nicht die einzige

etwas schief, und auch in Halle fallen einige durch die

Feierlichkeit. Zu Weihnachten veranstaltet die Inte-

Kurse, aber die Assistenten und vor allem die Studenten

ressenvertretung der Studenten eine Weihnachtsfeier,

untereinander sind immer bemüht zu helfen.

Professoren werden feierlich verabschiedet und vieles

Neben den praktischen Kursen gibt es auch noch die

mehr. Sowohl Halle selbst als auch das Studentenleben

medizinischen Fächer, die einem so manchen Stolper-

in anderen Fakultäten bieten viele Möglichkeiten zu

stein in den Weg legen. Nicht alle schaffen die Prü-

feiern.

fungen und Kurse beim ersten Mal, so dass nach dem Physikum ungefähr die Hälfte derer, die angefangen

Selbst nach dem Physikum hat man noch Zeit Halles

haben, noch mit von der Partie sind. Im Vergleich zu

Partys zu besuchen, obwohl der Stundenplan hier etwas

anderen Unis liegt Halle mit der Durchfallquote den-

vollgestopfter ist. Die Studenten aus der Klinik lassen

noch an guter Stelle und man kann den neuen Stu-

es sich nicht nehmen jedes Semester am Anfang und am

denten getrost mitteilen, dass es meistens mit rechten

Ende eine kleine Feier, oder im Sommer ein gemein-

Dingen zugeht und man nicht irgendwo völlig zu Un-

schaftliches Grillen zu veranstalten. Dazu sind alle Stu-

recht durchfliegt. Glück und Zufall spielen natürlich

denten, Assistenten, ehemalige Studenten, Oberärzte

immer eine Rolle.

und Professoren aus Klinik und Vorklinik eingeladen,

Im Sommer nach dem Physikum, veranstaltet das 6.

die meist zahlreich erscheinen. So hat man nicht

Semester jedes Jahr das Bergfest, im wunderschönem

nur im Alltag die Möglichkeit einander kennen

alten Garten der Zahnklinik, zu dem alle eingeladen

zu lernen, sondern auch bei Wein und Bier.

sind. Es gibt ein Programm und lustige Spiele mit den

Das schöne an der Feierei sind auch die vielen neuen

Professoren und Assistenten. Die meisten machen auch

Leute, die man kennen lernt und denen man später

gerne mit, weil man eben so ein gutes Verhältnis hat.

einen Befund oder auch eine kleine Füllung machen 51


In Halle ist es schön

kann. Obwohl man von der Klinik Patienten gestellt

So sehen das auch die Professoren - sie wol-

bekommt, sollte man sich selbst auf die Suche bege-

len uns zu guten Zahnärzten machen und uns

ben, aber mit dem richtigen Engagement ist hier alles

nicht die Studienzeit unnötig erschweren. Wer

zu schaffen.

sich bemüht und weiß, was er will, dem werden keine Steine in den Weg gelegt. Und sollte man manchmal

Die Zahnklinik in Halle ist ein altes Bankhaus, welches

das Gefühl haben, hoffnungslos überfordert zu sein,

1936 zur Zahnklinik umgebaut wurde. Im Keller befin-

kann man jeden fragen, ob Kommilitone aus dem ei-

det sich der uralte Umkleideraum, der für Männlein und

genem oder höherem Semester, Assistent, Oberarzt

Weiblein gemeinsam zu nutzen ist. Als Außenstehender

oder Professor, es wird zugehört, nachgefragt und

findet man die Situation sicherlich fürchterlich, aber

wenn möglich geholfen. Das schönste daran, in Halle

man gewöhnt sich an alles und am Ende ist es schön

zu studieren, ist der Zusammenhalt, die gegenseitige

zu wissen, welcher Kommilitone was für Unterwäsche

Hilfsbereitschaft, welche auch Semester übergreifend

trägt. Das stärkt den Zusammenhalt noch viel mehr,

funktioniert. Es ist in Halle eine Tatsache, dass

obwohl dieser hier sowieso schon stark ausgeprägt ist.

man bei Problemen mit jedem vernünftig re-

Gerade weil es Spaß macht hier zu studieren und es

den kann und ernst genommen wird. Es herrscht

den meisten so geht, entsteht ein Gemeinschaftsgefühl.

einfach eine angenehme Umgangsweise, die es einem

Außerdem haben ja alle dasselbe Ziel, nämlich

leicht macht, sich als Student in Halle rund um wohl

irgendwann mal Zahnarzt zu werden, und wa-

zu fühlen.

rum sollte man sich da gegenseitig behindern. 52

Juliane Selle


Berlins Zukunft?

Berlins Zukunft liegt hinter uns

Es gibt Städte, die stolz auf ihre Univer-

Es ist klar, dass die hierfür nötigen Entscheidungen gut

sitäten sind. Es gibt Bundesländer, die ihre Universi-

bedacht sein wollen. Am Ende sollen ja zwei gänzlich

täten fördern und ihnen sogar Neubauten bescheren.

verschiedene Probleme in optimaler Symbiose gelöst

Und es gibt Berlin. Da ist vieles anders. Berlin hat

werden: Das Sparen von Haushaltsmitteln und die

teilungsbedingt einige Dubletten oder sogar Tripletten:

Sicherung bestmöglicher Studienbedingungen.

Opernhäuser, Zoologische Gärten, Universitäten und

Berlin hat es nun geschafft, das genaue Gegenteil zu

Universitäts-Zahnkliniken. Berlin hat aber teilungsbe-

erreichen. Selbstverständlich sehen das die Ver-

dingt auch einen enormen Schuldenberg und will/muss

antwortlichen anders, aber die Tatsachen stra-

sich deshalb von einigen Mehrfachangeboten trennen.

fen sie Lügen. In Berlin hat man sich von den zwei

Das betrifft auch die zuletzt genannten Zahnkliniken.

zuletzt noch bestehenden Zahnkliniken mit tödlicher

54


Sicherheit diejenige ausgewählt, die dringend sanie-

erfolg: Zwar blieb SÜD erhalten, jedoch mussten die

rungsbedürftig ist, deren Unterhalt teuer ist, und die die

dafür nötigen Mittel ab sofort aus dem Haushalt des

schlechteren Studienbedingungen bietet.

Klinikums Steglitz entnommen werden, zu dem SÜD seit 1994 gehörte.

Die Verfasserin, inzwischen selbst Zahnärztin, hatte

Die Folgen waren schwer erträglich: Zwangsweise

Gelegenheit, einen Teil dieses Berliner Zahnkliniken-

wurde das Haus de facto vom Fortschritt abgekoppelt,

Fusionsprozesses hautnah mitzuerleben, beide Stand-

sämtliche Wartungsarbeiten an der Betriebs- und Den-

orte als Studentin kennenzulernen. Sie hatte Einblick in

taltechnik wurden auf ein Minimum heruntergefahren,

die vielen Positionspapiere und nahm an vielen Diskus-

die Zahl der wissenschaftlichen Mitarbeiter (WiMi)

sionen mit den Protagonisten dieser Fusion von „ganz

abgesenkt, freie Professuren nicht neu besetzt sondern

oben“ bis hin zur „Basis“ als Hinterbänklerin teil. Da

mit bestehenden zusammengelegt.

sich die eigentlichen Insider allesamt nicht mehr öffent-

NORD hatte es da besser: Die Klinik war seit 1994 mit

lich äußern wollen oder dürfen, bietet es sich an, diesen

C4-Professuren für alle sechs zahnmedizinischen Fä-

Prozeß und seine deprimierenden Auswirkungen aus

cher ausgestattet, also auch für Parodontologie, Oral-

Sicht einer durch Wort und Schrift und eigenes Erleben

chirurgie und Kinderzahnmedizin (die Letztgenannte

informierten nunmehrigen Outsiderin zu schildern.

wurde allerdings nie besetzt). Und sie konnte am technischen Fortschritt teilhaben:

Die Ausgangslage

- Das Haus wurde komplett verkabelt, jedem WiMi

Die Zahnklinik Nord wurde 1983 auf dem Campus des

stand ein eigener Computer mit Standleitung zum

Virchow-Klinikums im Bezirk Wedding u.a. auch des-

Internet zur Verfügung. Auch Abrechnung, Stu-

halb errichtet, um den Mangel an geeigneten Patienten

dierzimmer, Verwaltung, Behandlungssäle, Rönt-

für die Lehre am Standort des einstigen Mutterhauses

gen- und Foto-Abteilung, Pforte und Fachschaft

zu beheben. Dieses, heute allgemein Zahnklinik Süd

sind rechentechnisch auf dem neuesten Stand.

genannt, liegt in der Aßmannshauser Straße in Wil-

- NORD erhielt noch 2002 für über eine Milli-

mersdorf. Es wurde in den 50er Jahren errichtet und

on Euro einen hochmodernen Phantomkurs mit

später um einen Flügel erweitert. Beide Häuser sollen

komplett für die klinische Nutzung ausgestatteten

im Folgenden der Einfachheit halber nur noch SÜD

Behandlungsstühlen, allesamt vernetzt.

und NORD genannt werden.

- In NORD stehen modernste Groß-Röntgenge-

Bald nach der Wiedervereinigung begann die heute

räte, viele davon unbezahlbar und deswegen von

noch andauernde Berliner Finanzmisere. 1993 kam

der Industrie als Dauerleihgabe installiert. In SÜD

man quasi über Nacht auf die Idee, die damals gerade

gibt es dafür keinen Platz und auch keine Steck-

asbestsanierte SÜD-Klinik schließen zu wollen. Der

dose, über die man die digitalen Bilder weiterlei-

sofort einsetzende Protest erzielte am Ende einen Teil-

ten könnte. 55


Berlins Zukunft?

- Die Betriebstechnik wurde ständig auf dem neu-

lanter Versorgung“. Die Summen, die von den Kran-

esten Stand gehalten.

kenkassen in den Jahren 2001/02 und 2005 überwiesen

- Die Behandlungseinheiten der Studentenkurse

wurden, sind veröffentlicht und liegen zitierfähig vor.

sind mit Turbine, zwei Minimotoren, Ultraschall und Schwebetisch komplett ausgerüstet, in einem

Die Entscheidung

der vier Säle standardmäßig sogar mit Polymeri-

Die Charité hat sich für den Außenstandort Aßmanns-

sationslampe und Röntgenbildbetrachter.

hauser Straße entschieden. Dessen Leitung hatte zuvor schriftlich gemeldet, es gäbe bis zum Jahr 2015 keinen

SÜD hatte in den beiden Jahren vor der strit-

Investitionsbedarf. Die Charité verkündete in ihrem

tigen Fusionsentscheidung nur 56 % der Pati-

Beschluß dann freudig, durch diese Standortwahl spare

entenzahl des Nordens.

man 3,7 Mio € Investitionskosten. Dies Zahl stimmt

Auch die unterschiedliche geographische Lage der bei-

sogar in etwa, nicht jedoch die Rubrik: Inzwischen

den Häuser machte sich bemerkbar: SÜD hatte, so weist

steht nämlich fest, dass man diese Summe in

es ein gemeinsamer Bericht beider Häuser aus, in den

SÜD nicht einsparen kann, sondern ausgeben

beiden Jahren vor der strittigen Fusionsentscheidung

müsste, um den in NORD bestehenden Stan-

nur 56 % der Patientenzahl des Nordens. Bei höherer

dard dort herzustellen. Natürlich ist der Charité-

Bevölkerungsdichte und geringerer Zahnarztdichte war

Vorstand nicht so dumm, dies nicht zu bemerken. Der

der Wedding gegenüber Wilmersdorf immer im Vorteil.

Dekan versprach ja auch eine erste Tranche von einer

Zum Thema „Geographie“ gehören auch die Wege, die

Million Euro für den Beginn der Sanierung in SÜD. Al-

von den Studenten zurückzulegen sind, wenn sie bei-

lerdings floss davon bis zum heutigen Tage kein Cent.

spielsweise zu den Fächern der Vorklinik, der „großen“

Jedenfalls nicht nach SÜD. In NORD dagegen gibt

Medizin oder auch nur zur Kieferklinik müssen. Da

man das Geld locker aus, wenn auch für ganz spezielle

ist der Campus NORD gegenüber dem Außenstandort

Zwecke. Mehr dazu im Kapitel „Die Skandale“.

SÜD zwangsläufig günstiger. Warum hat man so entschieden? Für Studenten eher weniger interessant, wohl aber für

Erstens: Die Fakultät ist von den Wortführern

den Besitzer der Charité, das Land Berlin: Aus dem

des Standortes SÜD eiskalt belogen worden

Unterschied der Patientenzahl ergibt sich auch ein

(„Keine Investitionen...“) und hat sich gerne

deutlicher Unterschied bei den „Einnahmen aus ambu-

belügen lassen.

Erlöse aus Ambulanz

Nord

Süd

2001/2002

5.150.000,- €

4.070.000,- €

2005

3.000.000,- €

1.900.000,- €

(gerundet)

56


Zweitens: Die Fakultätsleitung fürchtet, dass das Klinikum Steglitz (Benjamin Franklin) eines Tages doch noch zum städtischen Krankenhaus zurückgestuft werden könnte, wie es der Berliner Senat ja schon 2003 vorhatte. Deshalb kämpft man nun um jeden der im Südwesten Berlins gelegenen Außenstandorte in Dahlem, Steglitz und Wilmersdorf, also auch um die Zahnklinik SÜD. Sollte die Berliner Politik eines Tages doch wieder Hand an das Steglitzer Klinikum legen wollen, könnte man, so das Kalkül, auf die dann vollends absurd werdende geographische Situation dieser Außenstandorte verweisen. Dafür müssen natürlich jetzt die potentiellen Ausweichmöglichkeiten dieser Institute auf dem Campus Mitte oder Nord möglichst rasch geschlossen werden. Da liegt der Hase im Pfeffer. Dafür nimmt man auch massive Verschlechterungen der Arbeits- und Studienbedingungen an diesen Instituten in Kauf.

Dafür belügt man die Politiker der Fachaufsicht, dafür maßregelt man kritische Kollegen, dafür nimmt man den Weggang guter Wissenschaftler und Lehrer in Kauf. Die Skandale reihen sich aneinander 1) Eigentlich müßten die Berliner Finanzpolitiker mit der Faust auf den Tisch knallen: Die Charité trifft Entscheidungen, die mehr Geld kosten, obwohl sie doch sparen soll. Immerhin prüft der Landesrechnungshof inzwischen den Fall der Zahnmedizin, wie Berliner Zeitungen im August 2006 meldeten. Aber diese LandesSchnarchonkel werden auch dann noch fleißig prüfen, wenn NORD längst für ein anderes Institut leergeräumt ist. Denn das ist der Trick des Vorstandes: Man hat endlich einen Nachnutzer, der vielleicht (!) ganz viel Geld erwirtschaften könnte: Die Transfusionsmedizin. Die soll sich in der Zahnklinik Nord konzentrieren und dadurch viel mehr Blutspender anlocken als dies vorher an mehreren Standorten gelang. Man darf sich fragen, woraus sich diese Hoffnung nährt. Jeder halbwegs vernünftige Betriebswirtschaftler weiß, dass eines der 57


Berlins Zukunft?

wichtigsten Kriterien für freiwillige (!) Spender ist, wie schnell und bequem der Ort der Spende erreichbar ist. Noch kann Blut nicht via Internet gespendet werden. Also bräuchte man viele, sowohl zentral als auch dezentral gelegene „Zapfsäulen“. Aber man hört auch, dass die am Standort Mitte von der Transfusionsmedizin genutzten Räume vom Vorstand gerne selbst belegt würden. Mit solcher Zweckentfremdung hat er Übung. Ein Beispiel: Man hat den Personalrat in das Bettenhochhaus Mitte verfrachtet. Dort könnte man mit Kassen- und Privatpatienten zwar ziemlich viel Geld verdienen, aber welcher Personalrat in Deutschland hat schon Sauerstoff und Druckluft aus der Wand und pro Schreibtischarbeitsplatz eine eigene Dusche? Fassen wir zusammen -

Es ist ein Skandal, dass man eine bestens funktionierende und modern ausgestatte Zahnklinik schließt, auf ihre sicheren Mehreinnahmen verzichtet und sich als Begründung dafür eine angeblich sonst nirgendwo zu verwirklichende Nachnutzung ausdenkt, während auf jedem Campus der Charité fusionsbedingt ausreichend Flächen frei werden. 2) Eigentlich müßten die Berliner Zahnmedi-

lange man diese Technik in irgendeinem Speicher ein-

zinstudenten auf die Straße gehen: Denn die

mottet, sogar noch mehr.

Charité versteckt gerade die modernste Ausstattung vor

Das gleiche geschah mit dem klinischen Kurs in

ihren Benutzern: den Phantomkurs, der von immerhin

NORD: Gerade noch rechtzeitig zum Wintersemester-

drei Praktika in Vorklinik und Klinik genutzt wird. Da-

beginn 2006 wurde ein ganzer Praktikumssaal leerge-

mit nun keiner auf die Idee kommt, man könne diese

räumt. Das kostete auch Geld, aber man konnte damit

Vorzeigetechnik für die Lehre benutzen, baut man jetzt

verhindern, dass die in SÜD vollkommen überfüllten

diese Behandlungseinheiten ab, die besser ausgestattet

klinischen Kurse durch den Wechsel einer Studenten-

sind als alle klinischen Einheiten in SÜD. Das kostet

gruppe nach NORD entlastet wurden. Die Studenten

natürlich ein bißchen. Und es kostet, je nachdem, wie

dürfen sich jetzt um die zu wenigen und noch dazu

58


grottenschlecht ausgerüsteten Stühle in SÜD prügeln.

Denn in SÜD kannte man keine parodontologische Ab-

Denen wäre statt dieser „Reise nach Jerusadahlem“

teilung, dort war die Lehre dieses Faches jahrelang eine

eine Reise nach NORD sicherlich lieber gewesen.

„One man show“. Es gab zwar mit dem Professor der

Das Problem des akuten Patientenmangels wurde zwar

Kons offiziell einen Ordinarius für dieses Fach, aller-

oben schon genannt, gehört aber auch hierher. Allen

dings mußte der sich für die Lehre in der Paro, der Hil-

Entscheidungsträgern ist oft genug unter die Nase ge-

fe eines externen Privatdozenten bedienen. Das wäre

rieben worden, daß es im Umkreis der Aßmannshau-

nicht weiter schlimm, schließlich existierte in NORD

ser Straße schon seit Jahren an Patienten für die Lehre

eine funktionierende Parodontologie, die ihre Tätigkeit

fehlt. Für die Staatsexamina boten verzweifelte Kom-

durch die Fusion auch in SÜD weiterführen könnte.

militonen per Zeitungsannonce schon die Kostenüber-

Da aber witterte der Professor einen Konkurrenten um

nahme für neue Totalprothesen an.

Stellen und Macht und erklärte mit Vehemenz, die Tren-

Fassen wir zusammen - Es ist ein Skandal, dass die

nung von Parodontologie und Zahnerhaltungskunde

Charité ganz bewusst Geld dafür ausgibt, die Studien-

habe sich in Deutschland nirgendwo bewährt und müs-

bedingungen gezielt zu verschlechtern.

se dringend wieder aufgegeben werden. Natürlich zu seinen Gunsten. Das nahezu einheitliche Votum eines

3) Eigentlich müßten die zahnmedizinischen

externen Sachverständigen und der zahnmedizinischen

Gesellschaften, Zahnärztekammern und Wis-

Professoren überzeugte die Charité zunächst, für die

senschaftspolitiker aufschreien: Die Charité

künftige Struktur der Zahnklinik eine eigenständige

fährt ein absolut erfolgreich gewesenes Fach der Zahn-

Parodontologie zu bewahren. Zumindest auf dem Pa-

medizin mit Schwung an den Baum - die Parodontolo-

pier. In praxi aber kam es anders: Zunächst bügelte man

gie. In NORD hatte man es Mitte der 90er geschafft,

in geradezu beleidigender Art den Antrag zur Errichtung

unter Prof. Bernimoulin das bisher einzige zahnmedizi-

des prestigeträchtigen Masterstudienganges ab. Nach

nische Graduiertenkolleg Deutschlands zu installieren.

deutlichem Protest machte der Dekan zwar aus seinem

Es wurde nach den Regeln der Deutschen Forschungs-

„Nein“ ein „Ja, später“, allerdings ohne Zeitangabe

gemeinschaft evaluiert und jedesmal verlängert. Sein

für „später“. Denn die Zeit ist der wichtigste Trumpf

wissenschaftlicher „Output“ überstieg denjenigen der

des Kons-Professors: Der momentane Abteilungsleiter

größeren Abteilungen bei weitem. Für den Zeitpunkt

Parodontologie scheidet in zwei Jahren aus. Danach

des Auslaufens dieser Förderung war die Einrichtung

wird man schon erläutern können, wieviel Geld durch

eines Masterstudienganges Parodontologie geplant.

die Nichtbesetzung dieser Professur einzusparen wäre.

Die Universitätsleitung stimmte dem schon 2001 zu.

Für diese zwei Jahre wird man die offizielle Verkün-

Berlin hätte sich damit national brüsten und internati-

dung der von allen Instanzen bestätigen neuen Struktur

onal gleichziehen können. Hätte. Nicht nur, daß die

schon irgendwie aufhalten. Das deichselt der Dekan für

Charité diese Chance ausließ, jetzt droht so-

seinen lieben Kollegen schon irgendwie. Den Master-

gar das Gegenteil einzutreten, der Verlust der

studiengang kann man dann allerdings vergessen, denn

eigenständigen Parodontologie.

der mit Macht ins Amt drängende Professor ist zwar

59


Berlins Zukunft?

auf seinem speziellen Wissenschaftsgebiet unbestritten

verpflichtete er die Zahnkliniken auf dieses Modell.

aktiv, aber in der Parodontologie noch ohne jede eige-

Daraufhin verlegten sich die Verhinderer auf eine an-

ne Wortmeldung. Jedenfalls ergab eine Suche in den

dere, schon bewährte Taktik: Zeitspiel. Vermutlich war

einschlägigen Datenbanken keinen Treffer. Auch in der

seit Bestehen der Klinik Aßmannshauser Straße noch

Lehre gibt es in SÜD Probleme. Das konnten die Kom-

nie ein neuer Kurs so schlecht vorbereitet wie dieser er-

militonen des 6. Semesters im Sommer 2006 erleben.

ste nach neuer Studienordnung. Nur die Wand ist schon

Die Vorlesungen der Parodontologie fielen überwie-

ausgesucht, gegen die man dieses Praktikum zu fahren

gend aus. Leere statt Lehre.

gedenkt.

Fassen wir zusammen - Es ist ein Skandal, dass die

Pikanterweise begann dieses 7. Semester nun aber als

Charité diesen Fusionsprozess ganz bewusst nutzt, um

eine Art Feldversuch, denn die Charité musste den

eine eben noch national führende parodontologische

mit fast doppelter Studentenzahl belegten integrierten

Abteilung zu einem Oberarztbereich zurückzustufen.

klinischen Kurs auf beide Standorte NORD und SÜD

Die Befriedigung der Machtund Geltungsbedürfnisse eines Professors ist wichtiger als wissenschaftliche Exzellenz und gute Lehre. Kann man empfehlen, auch nach der Fusion in Berlin Zahnmedizin zu studieren? Die im Oktober 2006 die klinischen Kurse belegenden Studenten absolvieren ihr Studium als erste nach der neu verfaßten, gemeinsamen Studienordnung. Die setzt auf der Basis der immer noch geltenden 1955er Approbationsordnung die vom Wissenschaftsrat und den vereinigten Hochschullehrern geforderten Innovationen der Lehre um von denen zuallererst die integrierten klinische Kurse zu nennen sind. Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, eine solche Fusion auch als Chance für Zukunftsweisendes zu nutzen. Aber weit gefehlt: Die beiden SÜD-Lehrstuhlinhaber der Prothetik und der Kons unternahmen wirklich alles, um dies zu verhindern. Dabei schreckten Sie nicht vor den Lieblingsargumenten aller Verhinderer zurück: 1. „Das

aufteilen. Wissenschaftlich betrachtet quasi eine „split mouth“-Studie mit Aussagen auf höchstem Evidenzniveau.

Aber der CharitéVorstand will nicht erst das Ergebnis dieser Studie abwarten, er will gleiche Bedingungen für beide Kohorten erreichen. Und das bedeutet leider nicht „gleich gute“, sondern „gleich schlechte“.

machen wir schon immer so!“ und 2. „Das geht gar nicht!“

Zum Redaktionsschluss der un-plaqued stand noch

Nach einem Jahr fruchtloser Diskussion fiel sogar dem

nicht fest, welcher Mittel man sich dazu bedienen wür-

Lehr-Dekan der Charité auf, dass man dieses „undurch-

de. Möglich wären:

führbare Studienmodell“ in NORD seit 10 Jahren in

- Zwangsumsetzung einiger NORD-WiMi, bis die

sehr ähnlicher Form erfolgreich praktizierte. Sein Wut-

gleich schlechte Betreuungsrelation erreicht ist,

ausbruch soll eindrucksvoll gewesen sein. Jedenfalls

- Abrüsten der NORD-Einheiten, bis auch dort nur

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noch ein Minimotor zur Verfügung steht, - Abwimmeln jedes zweiten Patienten in NORD, damit die Patientenzahl gleich niedrig wird, - zwangsweises Absenken der Pflicht-Kursleistungen in NORD, damit die Kollegen gleich schlecht auf ihren Beruf vorbereitet werden. Womit man es schaffen will, in NORD ein ähnliche unkooperatives Verhältnis zwischen den Abteilungen einerseits und zwischen Studenten und Lehrkörper andererseits zu erzielen, wurde noch nicht bekannt gegeben. Da der Redaktionsschluss vor dem Beginn des ersten integrierten Kurses im Süden lag, werden wir in der nächsten Ausgabe berichten müssen, ob diesmal die Chance für eine Veränderung wahrgenommen wird. Je nachdem, wie weit man bei der Angleichung der Studienbedingungen geht, wird es für die Beantwortung der oben gestellten Frage weiterhin nur zwei Möglichkeiten geben. Entweder „Ja, wenn es Euch nichts ausmacht, dass die technische

BUMM

Ausrüstung SÜD auf dem Niveau von 1993 verharrt, viel zu wenige Patienten zur Verfügung stehen, die Wege zu den Campi der Charité ätzend weit sind, die Hörsäle im Sommer glühen und im Winter einfrieren, die Umkleideräume feuchte Wände haben“. Oder „Nein, denn neben grottenschlechter Technik und ewigem Patientenmangel müßt Ihr auf zwei Professoren

Kann man empfehlen, auch nach der Fusion in Berlin Zahnmedizin zu studieren?

gefasst sein, die an Euch vorexerzieren wollen, daß der Fortschritt „nicht geht“ und müsst Ihr auf eine Fakultät gefasst sein, der die Zahnmedizin am Rectum vorbei geht. Dann macht Euch beispielsweise nach Greifswald, Dresden oder Heidelberg auf, wo man Lehre noch als

JA

NEIN

DU HAST DIE WAHL!

eine vornehme Aufgabe der Universität betrachtet!“

Aber wenn man Euch fragt, wer für den Niedergang der Berliner Universitäts-Zahnmedizin verantwortlich sei, dürft Ihr an erster Stelle den Namen des Dekans der großen Charité nennen: Prof. Dr. Paul. Denn er weiß, was er tut. Und er tut es gerne! „Christel“ Soldan 61


Berlins Zukunft?

IM SÜDEN NICHTS NEUES

oder der ganz normale Wahnsinn im Phantomkurs der Vorklinik im Süden Berlins

Hat man die Vorklinik in Berlins Zahnklinik

ein ähnlicher Zustand, er hat bereits die 20. Studenten-

Süd hinter sich gebracht, will man die Erinnerung da-

generation erlebt.

ran garantiert löschen und schaut nur noch nach vorne.

de zu konzentrieren. Man ist abgehärtet und es kann

Moderne, multimediale Lehrmittel, PREPassistant oder andere innovative Lehrkonzepte existieren in der Zahnklinik Süd nicht.

nur besser werden.

Da die schlechte Ausstattung an deutschen Hoch-

An dieser Stelle soll einmal der ganz normale Alltags

schulen jedoch kein Einzelfall ist, soll hier auch auf

- Wahnsinn dieser vorklinischen Semester aus erster

die vielen anderen Widrigkeiten aufmerksam gemacht

Hand dokumentiert werden.

werden.

Ausstattung?

Moral?

Die Praktika finden in einem antiquarischen Labor

Die Seele einer Klinik sind deren Mitarbeiter, so auch

statt, in dessen Mitte der so genannte „Olymp“ steht,

in der Zahnklinik Süd. Die Leitung der Vorklinik be-

welcher, etwas erhöht, als Locus der Assistenten dient.

tont am Anfang des Semesters, dass Probleme immer

Betreten für Studenten verboten!

angesprochen werden können. Kann man auch ma-

In diesem „Labor“ müssen sich 80 Studenten einen

chen, aber nur, wenn man nicht deren Lösung erwarten

Dampfstrahler teilen, sich um die drei vorhandenen

und auf der Abschussliste stehen will.

Gussschleudern, von denen regelmäßig eine ausfällt

Die Kursleitung selbst sieht man sehr selten, gelegent-

(immer dann, wenn es gerade darauf ankommt, Nach-

lich bekommt man dann im Vorbeigehen einen Hinweis

arbeitszeit bekommt man deswegen natürlich nicht)

zur Sitzhaltung. Da kommt es schon mal vor, dass ein

prügeln und auch die Sandstrahler sind schon lange

Testat mit der Kursleiterin wegen „Terminschwierig-

nicht mehr zu gebrauchen. Im Phantomsaal herrscht

keiten“ um Wochen! verschoben wird.

Man könnte sagen, da musste schließlich jeder mal durch, nur leider hilft das nicht weiter. Plötzlich hält man das für normal, was andere nur als Hölle bezeichnen und versucht, sich auf das Kommen-

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Die allgemeine Umgangsform der Assistenten reicht von herablassend bis entwürdigend, so dass das studentische Motto „verhalte dich still, fall nicht auf und hoffe dass dir so nichts geschieht“ weit verbreitet ist. Man hat nicht selten den Eindruck, dass Objektivität in

Leistung!

der Beurteilung der studentischen Arbeiten überhaupt

Grundsätzlich wird von einem Studenten im Süden er-

nicht gefordert ist. Persönliche Sympathien werden ge-

wartet, dass jede Arbeit von Anfang an perfekt angefer-

nauso nach außen getragen, wie ein geringer Beliebt-

tigt wird. Den Lernprozess an sich scheint es im Süden

heitsgrad zu kalkulierbaren längeren Wartezeiten für

nicht zu geben, dafür aber das Motto:

Testate führt. Als wenn es nicht schon genug Stress und

stenten regelmäßig zu spät kommen, gerne auch mal 10

„Mal sehen, wie viele mit dem Minimum an Anleitung und Motivation durchhalten“.

Minuten. Beendet wird der Kurs trotzdem mindestens

Von Erfüllung eines AUSBILDUNGsauftrages kann

15 Minuten vor Kursende, wenn man Putzdienst hat, in

nicht, oder nur selten die Rede sein. Ersatzweise

der Regel sogar 30 Minuten vor Kursende.

scheint das Hauptziel die Selektion der Studenten zu

(Zeit)Druck wäre. Gekrönt wird dieses Verhalten dadurch, dass die Assi-

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Berlins Zukunft?

sein. Wenn man für seine Arbeit nicht gerade ausgelacht wird, kommen von Seiten der Assistenten Kommentare wie „ ihre Arbeit sieht ja noch schlimmer aus als die von XY“,

„das sieht ja schlimmer aus als die Kuh beim Scheißen“ oder „möchten sie nicht ihren Berufswunsch ändern?“.

Wie an anderen Fakultäten ähnlich, variieren die Lehrmeinungen mit der Zahl der Assistenten und die Studenten stehen wie dumm dazwischen. Wie an anderen Fakultäten ähnlich, variieren die Lehr-

lut negatives Beispiel. Amüsant sind die Schaukästen,

meinungen mit der Zahl der Assistenten und die Stu-

die eine große Hilfe hätten sein können, wenn nicht

denten stehen wie dumm dazwischen. Bis auf wenige

die meisten, der dort ausgestellten Arbeiten, Model-

Ausnahmen sind die Assistenten durchweg inkompe-

le durchgefallener Studenten wären. Die entsprechen

tent und wissen oft keinen Rat. Da werden fachliche

nicht mal den Anforderungen, und sollen wahrschein-

Hinweise wie „machen sie das noch ein biss-

lich zeigen, wie man es nicht machen darf.

chen hübscher“ gegeben und am Ende konsultiert

Vielleicht liegen derartige Missstände unter anderem

man dann doch den Zahntechniker, der als einziger

daran, dass die Inhalte der Kurse Phantom I und II mit

weiß, was er tut.

Ausnahme von 3 Wochen am Präpsaal und 2 Stunden

Ein sehr anschauliches Beispiel für diesen Wahnsinn

Präventivmedizin ausschließlich zahntechnische Ar-

ist Folgendes: ein Assistent verwechselt zufällig das

beiten beinhaltet.

Schaumodell mit dem Modell eines Studenten und erklärt diesem dann groß und breit an SEINEM eige-

Pädagogik?

nen Modell, wie präpariert werden soll und benutzt

Die Abgabefristen der zahntechnischen Arbeiten sind

gleichzeitig das Schaumodell der Kursleitung als abso-

von Anfang an so knapp kalkuliert, dass nur sehr we-

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nige Studenten zum Abgabetermin fertig werden. So

durch die Kursleitung verboten. Es werden willkürlich

baut sich ein kaum zu beschreibender psychologischer

Vorlesungen verschoben, die Wiederholungsveranstal-

Druck auf. Man hat wahrlich Angst vor jedem Kurs.

tungen finden dann teilweise noch am Tag der Bekannt-

Tränen sind an der Tagesordnung. Am Ende wird der

gabe statt.

Abgabetermin meistens mehrfach nach hinten verschoben, aber die Ungewissheit über das Bestehen des

Endlich vorbei ?

Kurses verfolgt die Studenten wochenlang.

Zum Semesterschluss putzen alle Studenten das Labor,

Es kann nicht die Methode der Wahl in der Lehre sein, die Herausforderungen des Studiums durch psychischen und emotionalen Stress künstlich zu erschweren. Die Materialliste ist chronisch unvollständig, so dass

das Wachsmesser dient dazu jede einzelne Rolle der

man regelmäßig im hausinternen Dentaldepot für teil-

Stühle abzuschaben und auch noch so kleine Wachs-

weise horrende Preise die, für diesen Kurstag benöti-

reste vom Boden zu kratzen. Es kommt wohl nicht nur

gten, Materialien kaufen muss. Ein Preisvergleich bei

auf die Sauberkeit des Labors an, sondern vor allem

anderen Anbietern oder die Organisationen von Sam-

soll den Studenten nochmals gezeigt werden, dass sie

melbestellungen werden gar nicht erst möglich. Von

am Ende der Hackordnung stehen. Für Hobbypsycho-

der Beschaffung sinnloser Materialien,

wie einem

logen ist das Verhalten einiger Assistenten an diesem

Tiefziehset, einer Ausbettzange für jeden Studenten

Putztag ein gefundenes Fressen, um auf eine „schwere

und Pariser Rot in Unmengen, ganz zu schweigen.

Kindheit“, „Aufmerksamkeitsdefizit“ oder „frühkind-

So werden bewusst Mehrkosten für die Stu-

lichen Liebesentzug“ zu tippen.

denten durch mangelndes Engagement und schlechte Vorbereitung seitens der Kurslei-

Fazit

tung und Assistenten verursacht.

Am Ende bleibt einem die Gewissheit, dass man diesen Ausbildungshorror überstanden hat (oder eben nicht),

Organisation?

für alle Katastrophen, die dieses Leben zu bieten haben

Einen Stundenplan gibt es im eigentlichen Sinne nicht.

könnte, gewappnet ist und nicht mal seinem ärgsten

Zu Beginn des Semesters wird ein Plan mit irgendei-

Feind empfehlen würde, die Vorklinik an der Zahnkli-

ner Stundenverteilung für nur wenige Tage ausgehängt.

nik Süd zu absolvieren.

Kopien davon existieren nicht, das Abfotografieren und eine weitere Verbreitung via Email ist ausdrücklich

rin

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Berlins Zukunft?

GENERVTER STUDIOSUS Damit nicht der Eindruck entsteht, wir hätten einen dieser „Alles ist schlecht“ Artikel abgedruckt, sind im Folgenden weitere studentische Meinungsäußerungen dargestellt. Die Beiträge über die Zustände in der Vorklinik der Zahnklinik Süd sind im Zusammenhang dem Forum der fakultätseigenen Fachschaftsseite www.svzm.de entnommen. Leider mussten wir feststellen, dass derartige Zustände und Missbräuche der Lehrtätigkeit nicht nur in Berlin anzutreffen sind, sondern immer dort auftauchen, wo keine Qualitätskriterien bei der Auswahl des Lehrpersonals zugrunde liegen. Es darf nicht sein, dass auch nur ein einziger Student eine abwertende, beleidigende oder diskriminierende Behandlung erfährt, auch wenn eine solche Lehrkraft damit ausschließlich sich selbst eingesteht, weder fachlich noch menschlich Hilfe leisten zu können. Zum Leidwesen folgender Generationen werden derartige Verhaltensweisen allzu oft im Sinne des „Es war schon immer so.“ von Assistent zu Assistent übertragen und können sich im schlimmsten Falle bis auf die Ebene späterer Oberärzte und Professoren forttragen. Wenn die Kritik der schlechten Lehre in Deutschland laut wird, sollte man vor allem diese, die Ausbildung gestaltenden Menschen und Dozenten genau unter die Lupe nehmen, damit am Ende nicht nur die Zahnärzte an der Uni bleiben, die es aus vielleicht berechtigten Gründen „ in der freien Wirtschaft und eigenen Praxis nicht schaffen würden“ . Die Studenten werden es nicht zuletzt mit guten Leistungen danken, wenn Wissen und dessen Vermittlung wieder als hohes Gut des Menschen verstanden und mit Enthusiasmus, Motivation und Innovation vermittelt würden.

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genervter Studiosus: 2006-08-19 23:13:07

Betreff \“Phantom I-Kurs\“: muß jetzt hier mal meinen frust und meine verärgerung loswerden. alle angelegenheiten diesen phantom I kurs betreffend sind einfach nur ätzend und vermiesen einem richtig die lust auf den kurs. als ich im letzten monat zum einschreiben da war, hätt ich die ganze zeit nur abkotzen können. leider darf man kritik bei den damen und herren, welche diesen kurs betreuen, ja nicht allzu laut äußern, weil dann gleich eintrag auf der abschußliste folgt - alle die diesen kurs bereits schon mal absolviert haben, wissen wovon ich rede. soviel erstmal zum grundrecht der meinungsäußerung. dies an sich ist schon ein ding der unmöglichkeit, hier aber anscheinend bestandteil der satzung. um nochmal auf den tag der einschreibung zu kommen: 1./// kamen die dozenten + assistenten eine halbe stunde zu spät bzw. dauerte es solang, bis alle anwesend waren > so etwas kann nicht sein; sollte ich mir das während des kurses erlauben, gäbe es einen fehltag. echt ´ne frechheit und dann wird sich auch nicht mal entschuldigt > die lehrenden herrschaften müssen sich mal bitte vor augen halten, dass da nicht irgendwelche kleinen dummchen vor ihnen sitzen, hier sind auch leute dabei, die bereits eine ausbildung haben und mehrere jahre gearbeitet haben u. somit wissen, wo der hase läuft. naja und die vorbildfunktion ist dementsprechend auch nicht erfüllt worden!!! 2./// bevor die studenten u. studentinnen den hörsaal zur einschreibung betraten, waren bereits schon eine handvoll assistenten (ich betone: männlichen geschlechts) wie im spalier auf der treppe neben dem eingang aufgereiht > es war echt widerlich und für die assistenten ein absolutes armutszeugnis mit anzusehen, wie die studentinnen von ihnen regelrecht beglotzt wurden. kam mir vor wie auf ´ner fleischbeschau. dann wurde getuschelt, gekichert etc. wie kindergarten große gruppe. also echt eine klasse leistung von euch assistenten, da bekommt man echt respekt vor euch und ihr seid wirkliche beispiele dafür, dass wir unter euch eine ganz besondere ausbildung erhalten! RICHTIG BILLIGES AUFTRETEN!! DA SAG ICH NUR: \“DAUMEN HOCH UND MACHT WEITER SO\“ MÄNNER WIE EUCH BRAUCHT DAS LAND UND INSBESONDERE DIESE UNI! 3./// dann wurde uns studenten versucht klar zu machen, dass die wiederholer an letzter stelle stehen würden, dies würde bedeuten, da es ja zu viele bewerber sind, das die wiederholer ggf. keinen platz bekommen. wo ist denn da die logik? natürlich

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Berlins Zukunft?

haben wiederholer vorrangig einen anspruch! ansonsten würden die dann in EINEM JAHR wieder ankommen, und hätten wieder die arschkarte. so kommen die ja nie dazu. den kurs zu wiederholen. auf nachfrage bei den dozenten, wo diese regelung denn niedergeschrieben sei, wurde flappsig geanwortet: \“dies sei schon immer so und würde in der satzung stehen:\“ das ist der nächste punkt, über den ich mich maßlos aufregen könnte, denn so steht es nicht in der satzung. das gegenteil ist der fall. und wenn ich etwas nicht genau weiß, gerade bei so wichtigen angelegenheiten, dann halte ich gefälligst mit meinem halbwissen die klappe. echt unmöglich. 4./// die betreuung während des kurses: absolut indiskutabel. man wartet beim präparieren ewig darauf bis jemand kommt. sicherlich ist ein grund der mangel an assistenten, aber wenn man dann sieht, dass sich die assistenten in aller seelenruhe bei einem pott kaffee unterhalten, die supermarktangebote studieren, oder die besonders üppigen rundungen einer kursteilnehmerin beäugeln und ausdiskutieren, da frag ich mich doch ernsthaft, wo bin ich hier gelandet??? die sollen die studenten betreuen und ihre hintern bewegen, das ist ihre aufgabe, dafür werden sie vom steuerzahler bezahlt. aber das vergessen die anscheinend immer, wir sind deren arbeitsplatz und nichts anderes. naja und allgemein der umgangston von (den meisten) assistenten gegenüber den studenten. klar sollen sie uns wissen vermitteln, dazu gehört es natürlich auch, arbeiten zu kritisieren und mängel aufzuzeigen. nur so kann man fehler ausbügeln. aber was ich da teilweise erlebt bzw. gehört habe, dass war oftmals schon richtig verletzend und einfach unter der gürtellinie. als student steht man dabei eh schon unter so starkem druck. und wenn man dann in übelster weise gesagt bekommt, dass die arbeiten eigentlich alle schrott sind, und man sich doch lieber überlegen solle, ob dies der richtige studiengang für einen sei, da kann mir keiner erzählen, dass dies ein studium auf pädagogisch hohem niveau sein soll. (...) diese ganzen fakten zusammen sind eigentlich ein unhaltbarer zustand. da glaubt man kaum noch dran, dass es sich hierbei um akademiker handelt. hier muß sich was ändern. auch diese arroganz, mit der die assistenten hinter ihrem selbstbenannten \“OLYMP\“ (wie bescheuert eigentlich diese bezeichnung) sitzen und dann zur \“AUDIENZ\“ nach vorne bitten. echt abartig, zumal viele och nicht gerade wesentlich älter als die kursteilnehmer sind, hier aber den dicken maxen machen wollen. (...) mein vorschlag: die sollten nach leistung bezahlt werden, je mehr den kurs bestehen, aufgrund pädagogisch anspruchsvoller vermittlung von wissen, ordentlicher anleitungen und betreuungen, desto öfter kann deren arbeitsvertrag verlängert werden. schließlich sind die studenten mit dem vermittelten und erworbenen wissen ein spiegelbild der lehrkräfte. (...) ich fand dies mußte einfach mal zur sprache gebracht werden, weil es eben unhalt-

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bare zustände sind und keinesfalls von einer qualitativ hochwertigen ausbildung inkl. ausbildern zeugt. denkt mal drüber nach!!!!

gelangweilt: 2006-08-21 09:15:35

Moin Studiosus, ich kann deinen Frust gut nachvollziehen, da ich den ganzen Mist auch live miterleben dürfte und kann dir nur sagen, dass es nicht besser wird. Dieses bekloppte Verhalten der Assistenten zieht sich, wie ein roter Faden, durch alle Semester. Du musst nun mal einsehen, dass sie die „Götter in Weiss“ sind und wir nur deren Lakaien. Deswegen tragen sie auch weiss und wir laufen in blauen Sachen rum. Allerdings muss ich sagen, dass man nicht alle über einen Kamm scheren kann, da es auch Ausnahmen gibt, die wirklich bemüht sind und einem ne ganze Menge Wissen mit auf den Weg geben. Kopf hoch und beiss dich da durch! -greetz

genervt: 2006-09-04 20:59:15

Hallo zusammen! Als aller erstes möchte ich den genervten studiosus begrüßen und ich stimme dir voll zu. Es ist so abartig!!! Ich möchte hier etwas lernen aber das einzige was ich aus diesem Kurs mitnehme sind Wut und Hass. Ansonsten wurden konsequent alle Klarheiten beseitigt. Ist es denn hier wirklich normal, sich wie der letzte Dreck behandeln lassen zu müssen. Fällt denn keinem der Oberprofs auf, was hier abläuft, oder ist es gar beabsichtigt? DIE WÜRDE DES MENSCHEN IST UNANTASTBAR!!!! Ja, liebe Assis das gilt auch für euch. Ihr größenwahnsinnigen Menschen. Habt Ihr schon mal darüber nachgedacht, dass wir hier was lernen sollen, denn wenn wir es schon könnten wären wir vermutlich nicht hier. Und was soll das überhaupt mit den Testaten, wenn sich die Assistenten selbst nicht einig darüber sind, wie es denn aussehen soll. Das treibt einen in den Wahnsinn. Ich meine ist es denn so schwierig eine einheitliche Lehrmeinung zu vertreten ( für Assistenten: es geht nicht um die von euch propagierte Leermeinung!!!) So wie ich das sehe könnte man sich ja als halbwegs gut proportioniertes Mädchen ja noch ausziehen (soll bekanntlich ja funktionieren) aber was macht man denn als durchschnittlicher Junge??? Das ist diskriminierend und demütigend!!! Und ja genau, ihr von der Fachschaft, liege ich falsch oder solltet ihr euch nicht wenigstens ein bisschen für die Belange der Studenten einsetzten. Wenn sich unsereins mal zu weit aus dem Fenster lehnt ist er halt weg vom selbigen, aber ihr habt doch

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Berlins Zukunft?

Kontakt zu Simonis, und Untertanen. Wie soll das denn weitergehen wenn sich niemand wehrt. Ich bin jedenfalls mehr als schockiert über die Vorgehensweisen hier. Und ich weiß genau, dass es nicht nur mir so geht. Damit muss endlich Schluss sein und ich bin mir sicher die Wut wächst nicht nur bei mir. Es gäbe so viele Möglichkeiten die Willkür zumindest ein wenig einzudämmen, aber nichts passiert. Leute Steht auf und WEHRT EUCH!!!!!

madmaxxxx: 2006-09-06 21:02:03

\“genervt\“ und \“Studiosus\“..... wie kann man nur so beschränkt sein und jede Kritik so aufnehmen. zu den anderen und mir sind die Assis alles andere als abartig. vielleicht würde es euch ja mal helfen nicht alles so auf sich selbst zu beziehen. (...) eigentlich sind ja die Sprüche der Assis schon wieder zum lachen. Selbst als Mann habe ich es weder schwerer noch leichter als eine Frau mit netter Oberweite. Mach dir nicht so eine Rübe was die da oben zu quatschen haben, sondern mach dein Ding, hol dir dein Testat und gut ist, gell?! Denn dieses ewige Rumheulen geht nicht nur denen auf den Sack, sondern auch deinen Mitmenschen.

Kassi: 2006-09-10 12:03:29

Hallo genervt und genervter studiosus und hallo madmaxx. Ich bin froh zu lesen dass es anderen auch so geht wie mir. Ich bin mir sicher, madmaxx, dass es auch Leute gibt die mit der Situation besser klar kommen oder vielleicht auch nicht so sehr gequält werden und deshalb vielleicht Schwierigkeiten haben das nachzuvollziehen. Aber mir ging und geht es auch so wie den genervten. Ich habe jetzt ein Urlaubssemester eingelegt und versuche vielleicht an eine andere Uni zu kommen, denn trotz Physikum wird die Situation nicht besser. Ich kenne einige, die aus diesen Gründen mit dem Gedanken spielen entweder zu wechseln oder Humanmedizin zu studieren. Was klar ist, man braucht viel Kraft und eine sehr hohe Schmerzgrenze aber das hat eben nicht jeder. Und wenn man ehrlich ist, wird manchen Studenten schon deutlich fieser mitgespielt als anderen. Es gibt wirklich ein paar superfaire Assistenten, aber auch viele die es nicht sind. Ich von meiner Seite kann nur sagen, ich die beiden genervten gut verstehen und dir madmaxx wünsche ich von ganzem Herzen das du diese Erfahrungen nie machen musst. Viel Glück und Kraft Wünsche ich euch allen und macht das Beste daraus, es geht um eure Zukunft.....

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Schreib’s Dir von der Seele! Man sollte etwas verändern? Kommuniziere Deine Gedanken, Meinungen, Sichtweisen, Wirklichkeiten und Vorschläge an info@un-plaqued.com „Abgedruckte Artikel werden honoriert!

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Probieren geht über Studieren BERLINER GRUPPE

Ist

die Universität einmal überstanden, beginnt

für jeden Zahnmediziner die schöne aber auch

en Marktes anders weht als in der Universität, aber andererseits nicht auf den universitären

harte Realität. Was während des Studiums noch mit

Qualitätsanspruch verzichten wollen.

sistenten erarbeitet werden konnte, muss sowohl in der

stadt Berlin ein Gruppe junger und weltoffener Zahn-

viel Zeit und der Absprache mit Kommilitonen und As-

Im Herbst 2006 hat sich nun auch in der Bundeshaupt-

Anstellung als auch in der eigenen Praxis unter ganz

ärzte zusammen getan, um einige dieser Gedanken in

anderen Bedingungen geleistet werden. Allein der wirtschaftliche Druck aber auch die kleinen Probleme des

Alltags mit Helferinnen und Praxisorganisation setzen einem gelegentlich die Pistole auf die Brust. Schlaflose Nächte und Nervositätssyndrome sind da sicherlich die kleineren Übel.

Trotz einer qualifizierten Ausbildung existieren in der Zahnmedizin heute kaum noch sichere Wege zum Erfolg, was nicht zuletzt an der steigenden Zahl der Insolvenzen und Ärztewanderung ins

Ausland erkennbar ist. Mit hohen Erwartungen werden Medizinische Versorgungszentren, Polikliniken und

Praxisnetzwerke gegründet, obwohl momentan kaum absehbar ist, dass diese Konzepte am Ende erfolgreicher als Einzel- und Gemeinschaftspraxen sind.

die Tat umzusetzen. Als unabhängige „Berliner Gruppe“ ist unter dem Motto „Praktiker für Praktiker“ nicht

nur eine Art Qualitätszirkel entstanden, sondern auch eine Möglichkeit für praxisnahe Studien und Untersuchungen geschaffen worden.

Eine Besonderheit dieser Gruppe ist, dass annähernd alle Teilnehmer einschlägige Erfahrungen an der Hoch-

schule im Laufe ihres zahnmedizinischen Werdeganges gesammelt haben. Mit diesem Hintergrund soll es nicht

nur um die eigenen Probleme und Errungenschaften im kleinen Kreis gehen, sondern auch eine Öffnung

für andere Interessierte geben. Allen voran werden ab Januar 2007 die Studenten der deutschen Universitäten angesprochen, in Form von Praxishospitationen bei den teilnehmenden

Im Zuge der Veränderungen unseres Berufsbildes haben

Zahnärzten einen Einblick in die praxisnahe

So werden im gesamten Bundesgebiet Qualitätszirkel

denen Spezialisierungen der einzelnen Mitglieder der

Art und Weise Patientenfälle und Behandlungsmetho-

dener Berufsausübungen und deren Umsetzung in eine

sich aber auch positive Nebenwirkungen ausgebildet.

einiger Praktiker gegründet, die auf interdisziplinäre den diskutieren. Mit Hilfe dieses eigentlich sehr ein-

fachen Mittels werden sukzessive einige der ältesten Eigenarten der Zahnmediziner, nämlich die Verschlossenheit gegenüber Kollegen und Eigenbrödlerei angegangen. Diese Entwicklung ist natürlich unter anderem dem Fortbildungszwang und der Forderung nach

Qualitätssicherung geschuldet, scheint aber auch durch den Generationenwechsel positiv beeinflusst zu sein.

Zahnmedizin zu erhalten. Aufgrund der verschie-

„Berliner Gruppe“ kann ein weites Spektrum verschiewirtschaftliche Praxis angeschaut werden. Diese Möglichkeiten sollen wertvolle Hilfestellungen für den ei-

genen Werdegang als Zahnarzt und vielleicht auch für den ersten Berufseinstieg leisten.

Wir sehen hier die einmalige Chance, einen ehrlichen und direkten Einblick in die Praxisrealität zu erhalten, um am Ende nicht jeden Fehler selbst erfahren zu müssen.

So wachsen junge Zahnmediziner heran, die

Infos unter www.berlinergruppe.org

einerseits verstehen, dass der Wind des frei-

Ingmar Dobberstein 75


Prothetik in Kiel

Prothetik

oder wie hält man den Irrsinn durch

Wie ein ganz normaler Prothetik I Kurs zu einem klinischen Semester voller Irrungen und Wirrungen werden kann, soll hier am Beispiel der Kieler Zahnmedizinischen Fakultät geschildert werden.

Muss man vermuten, dass zu Semesterbeginn die Kursgröße passend geprüft wird? Als Ouvertüre begann das 8. Semester mit einer Eingangswoche, in der man zwei Tage Zeit hatte, um verschiedene Zähne am Phantomkopf zu präparieren. Am dritten Tag fand ein Geschwindigkeit - Schnellpräp – Testat und die dazu gehörende, obligatorische Klausur statt. Die 50% Durchfaller dieses Blitzkrieges mussten die Tortur dann am nächsten Tag noch einmal absolvieren, bis am Ende zufälligerweise gerade so viele Studenten durchgefallen waren, dass die Kursplatzzahl für den eigentlichen Kurs bis auf den letzten Platz erfüllt wurde. Was 76


in Kiel

wesen. Auf dem UK Modell erstellte man einen indivi-

Apropos Duplieren: In der Kieler Prothetik dupliert man im Kurs einfach alles. Die Situ-Modelle werden dupliert, nachdem auf den Situ-Modellen eine Probepräp angefertigt wurde, werden diese auch noch mal dupliert. Auf die Probepräparation kommt dann ein Waxup und dieses wird natürlich ein weiteres Mal dupliert

duellen Löffel um damit ein weiteres Mal den UK des

… aber zurück zum Patienten.

Kommilitonen, diesmal jedoch mit Polyethermasse,

Wie gesagt ist das Curriculum die Bibel. Das heißt, dass

abzuformen. Diese Abformung wird nochmals ausge-

man erst mit der Prothetischen Behandlung beginnen

gossen, gesockelt und gesägt und dann gegen das OK

darf, wenn die Konservierenden Leistungen erledigt

Alginatmodell mit den Registraten artikuliert.

sind. Für manchen Studenten bedeutete dies bis zu vier

haben die Kieler doch für ein Glück, dass das mit den Durchfallern immer genau aufgeht. Oder muss man vermuten, dass zu Semesterbeginn die Kursgröße passend geprüft wird? 30 Studenten hatten es schließlich doch geschafft und durften ab jetzt mitspielen. Nun folgte die Abformwoche: Man sollte den eigenen prothetischen und parodontologischen Befund aufnehmen, OK und UK Alginatabformungen für entsprechenden Modelle anfertigen und als i – Tüpfelchen diese dann nochmals duplieren. Anhand der Modelle sind drei Registrate herzustellen und der OK mittels Gesichtsbogen zu artikulieren ge-

Endo-Revisionen und einige Füllungen, bevor man das Hatte man diesen Phantomkurs - Wiederholungsmara-

Kursziel vier Pfeilerzähen in Angriff nehmen konnte.

thon geschafft, waren die ersten 10 Tage bereits vergangen. Man durfte nun an den lebenden Patienten.

Zu all dem Stress im Kurs (Abformung, Endo, Füllung,

Die Kursrichtlinien schienen ganz moderat, schließlich

etc.) kommt noch hinzu, dass die Assistenten nicht

war lediglich ein Minimum von vier zu präparierenden

immer hilfreich waren. Obwohl auf 30 Studenten

Pfeilerzähnen gefordert. Schade war dabei allerdings,

drei Assistenten kommen, war leider nur einer

dass man schon für diese Information mehrmals nach-

von ihnen in der Lage das nötige Wissen mit-

fragen und nachbohren musste.

zuteilen. Die anderen beiden waren so unerfahren im

Jeder Student bekam ein bis zwei Patienten zugeteilt.

Kurs, dass man doch lieber den Nachbar fragte. Ver-

Da in Kiel jedoch streng nach dem Curriculum der Pro-

schlimmert wurde dieser Umstand allerdings dadurch,

thetik ausgebildet wird, musste man von jedem Pati-

dass diese Assistenten ihr Nichtwissen oder auch ihre

enten vorab 2 Situ – Abformungen in Alginat machen,

Fehler nicht eingestehen konnten oder wollten und es

die dann mittels Gesichtsbogen zu artikulieren und zu

obendrein öfters zu unakademischen Äußerungen kam.

duplieren waren.

Schade! 77


Prothetik in Kiel

Da auch die Kursleiterin neu war und es nicht für nö-

den Kons-Arbeiten das Genick gebrochen hat. Sie wur-

tig hielt, sich die Erfahrungen des alten Kursleiters zu

de mit den Worten vertröstet, dass sie beim nächsten

Nutze zu machen, führte dies zu abnormen organisa-

Durchlauf keine Eingangswoche absolvieren müsse,

torischen Missständen. Oberarztabnahmen fanden zu

einen Patienten ohne Vorarbeit zugesichert bekäme und

unmöglichen Terminen statt, Abformungen mussten

sich den Assistenten aussuchen dürfte.

Sonntags genommen werden und vielen Studenten gab man Kursarbeiten auf, die mengenmäßig überhaupt nicht zu erfüllen waren.

„Weiß ich auch nicht. Lass dir was einfallen“

Man könnte meinen hier hat jemand ein schlechtes Gewissen. Wenn man der Gerüchteküche glauben schenkt, wurde das Kursziel der neuen Semester bereits auf zwei Pfeil-

Nun kommt auch dort wieder der ach so hilfreiche As-

erzähne gesenkt. Woran das wohl liegt?

sistent ins Spiel. Der sagte nämlich gar nichts zu den überproportionierten Arbeitsanforderungen. War die Oberärztin erst einmal weg, konnte er auf die Anfragen der Studenten, wie man die Arbeitswust am besten anginge, leider oft nur: „Weiß ich auch nicht. Lass dir was einfallen“ antworten. Wir ließen uns etwas einfallen, mit dem Resultat, dass die Mehrheit der Studenten das Kursziel nicht erfüllte. Gegen Ende der Woche hieß es dann plötzlich, dass es ausreichend wäre, wenn auf den vier zu versorgenden

Fassen wir mal zusammen:

Ich habe im Kieler Prothetikkurs I gelernt, vier Pfeilerzähne provisorisch zu versorgen, Modelle zu duplieren und dass wenn ich ein Problem dabei habe, ich meine Assistenten nicht danach fragen sollte.

Zähnen Provisorien sitzen würden. Plötzlich war für

Vergleicht man das mit anderen Universitäten, so stelle

viele Studenten wieder Licht am Ende des Tunnels

ich fest, dass ich nicht viel Prothetik gelernt habe. Mir

sichtbar.

ist allerdings bewusst, dass das nicht an mir, sondern sicherlich am Aufbau unserer Kieler Ausbildung liegt.

Zum Ende des Kurses herrschte nun wieder die große

Ich hätte unter diesen Umständen aber auch nicht mehr

Ungewissheit: Wer darf weiter und wer muss die Tortur

schaffen können, da die Nebenarbeiten so massiv Zeit

noch einmal wiederholen?

kosten. Hier muss sich etwas ändern, da die Kieler Pro-

Durchgefallen sind am Ende nur drei Studenten, darun-

thetik ansonsten nur noch Schlusslicht in Deutschland

ter eine Kommilitonin, der die Masse an vorbehandeln-

ist.

78


Auch sollte sich ein Assistent mal daran erinnern, dass Studenten kein Pack sind, sondern seinen Arbeitsplatz möglich machen. Wer keine Lust auf Studenten hat, gehört nicht in die Ausbildung an einer Universität sondern eher in die freie Wirtschaft. Es wäre wünschenswert, dass der Assistent auch etwas Zeit nach dem Kurs aufbringen würde. Man muss jeden kleinen Schritt vorzeigen (Artikuliert, Aufgewachst, Reduziert, Dupliert, etc.), wird dann aber dadurch behindert, dass der Assistent während des Kurses oft keine Zeit hat, dies zu kontrollieren, weil er zum Beispiel Patienten behandelt. Gleichzeitig werden aber die Studenten zur Rechenschaft zu gezogen, wenn die Arbeit nicht rechtzeitig fertig wird. So geht es nicht.

Das ist keine Ausbildung! Wir wollen nicht strafen, sondern mahnen. Die Studenten wollen eine gute und sinnvolle Ausbildung. Bitte gebt sie uns.

79


Hannover bessert sich

Wie es auch anders geht oder die Ära nach der BuFaTa in Hannover

Die zahnmedizinische Ausbildung an der Universität

studie der Zahnmedizinstudenten (ZuZa) hat die MedH

hohen Kosten für das Studium bekannt. So musste man

Schlusslicht im nationalen Vergleich der Hochschul-

Hannover war bisher vor allem auf Grund der enorm

hier nahezu das komplette Instrumentarium selbst er-

stehen und so als Student das stolze Extra Sümmchen von ungefähr 13.500 Euro für das Studium aufbringen. Auch die im Winter 2005/06 erstellte Zufriedenheits-

80

Hannover nicht nur im Mittelfeld sondern vielmals als landschaft aufgezeigt.

Seit Mai diesen Jahres hat sich nun in Hannover so ei-

niges getan. Sowohl die ZEvA - (Zentrale Evaluations-


und Akkreditierungsagentur Hannover), als auch die

schaffung des roten, grünen und blauen Winkelstücks

Auf diese Weise verändert sich das Klima zwischen Lehrenden und Studenten und das hat schließlich auch positiven Einfluss auf die Lehre.

rungen im Klinikerlabor diskutiert.

kurzem neue Tische und Stühle, die zum gemütlichen

ZuZa - Studie haben, obwohl sie beide eher empfeh-

lenden Charakter besitzen, ein Klima für Veränderungen in Hannover geschaffen. Zu Gunsten der Studenten.

Bezüglich der Kosten sollen zum Beispiel die Behand-

lungseinheiten in Zukunft inklusive (!) Winkelstücke ausgerüstet werden, so dass zumindest die teure An-

entfällt. Ebenso werden umfangreiche Modernisie-

Beisammensein einladen.

Ein großer Schritt für die Studenten ist die Einführung

der neuen Studienordnung für Zahnmediziner (StuOZ), die seit Oktober 2006 viele „Schwebezustände“ nun

verbindlich für alle Seiten regelt. So wird zukünftig die Gesamtanzahl der Stunden für die einzelnen Kurse

und Praktika, sowie deren Auf- und Einteilung in Semi-

nar bzw. Vorlesungszeiten klar geregelt werden. Auch Nach- und Wiederholungsprüfungen sind in ihrer Anzahl und Art genau festgelegt. Dies mag zwar strenger

oder schwieriger wirken, doch geht es grundsätzlich darum, Klarheit für die Studenten und ihre Prüfungen Auch soll das Umfeld der Studenten verbessert werden

und ästhetische Korrekturen im Studentenfoyer sollen

in naher Zukunft für einen freundlicheren Empfang und eine angenehmere Arbeitsatmosphäre sorgen. So wird

zu schaffen. Allerdings hoffen wir, dass wir uns nicht

oft auf diese neue StuOZ berufen müssen, wenn Pro-

bleme durch klärende Gespräche mit den Lehrenden im Voraus gelöst werden können.

unter anderem geplant, die über 30 Jahre alte Decke zu

Besondere Aufmerksamkeit verdient ein Phänomen

offener wirkt. Als konstruktiven Anfang gibt es hier seit

zeichnet. Seit einiger Zeit findet eine Neuauf-

erneuern, so dass der studentische Bereich heller und

das sich parallel in diesem „Klima des Wandels“ ab-

81


Hannover bessert sich

nd eines WM-Spiels im Innenhof

Studenten und Assistenten währe

der Zahnklinik

Auf diese Weise verändert sich das Klima zwischen Lehrenden und Studenten und das hat schließlich auch positiven Einfluss auf die Lehre. lage studentischer Aktivitäten statt, die mittlerweile in Vergessenheit geraten waren. So

sistenten antreten werden. Auf diese Weise verändert sich das Klima zwischen Lehrenden und

war ein diesjähriges Highlight die „Public Viewing“

Studenten und das hat schließlich auch posi-

mannschaft im großen Hörsaal der Zahnklinik. Bei

kennen und es bringt Abwechslung ins sonst sehr an-

Übertragung der WM-Spiele der deutschen National-

tiven Einfluss auf die Lehre. Man lernt sich besser

Speis, Trank und WM-Fieber waren hier nicht nur

spruchsvolle Zahnmedizinstudium. So trifft man sich

die Studenten zahlreich vertreten, sondern auch die Lehrenden wurden von der Atmosphäre mitgerissen.

Aufgrund dieser Fußball-Euphorie wurden zwei große Profi-Tischkicker angeschafft, die sich seitdem im

Foyer größter Beliebtheit erfreuen und nur selten un-

genutzt sind. Ende November wird das erste Turnier stattfinden, bei dem unter anderem einige mutige As-

82

neuerdings schon mal mit Assistenten auf ein Bier und „trainiert“ die Kickerfähigkeiten.

Eine absolute Neuheit ist das Midsommer Café, welches den Anfang der Sommersemesterferien gebührend würdigt. Eigentlich war es nur als gemütlicher

Treffpunkt für alle gedacht, als einige Biertisch-Gar-

nituren zwischen der Zahnklinik und der Kinderklinik


auf der Park- und Rasenfläche aufgebaut wurden. Nachdem noch Kühlschränke und Musik nach draußen gebracht und kostenlose Erdbeerlimes ausgeschenkt wurden, war die Stimmung recht schnell auf dem Höhepunkt. Das wurde zu späterer Stunde auch einige Male von der Kinderklinik (verständlicher -

83


Hannover bessert sich

weise) bemängelt, so dass wir uns nicht nur offiziell

durften, wurde unter anderem auch die bundesweite

Ausgleich einen Kickertisch voller Zahnbürsten und

sprochen. Hier haben wir erstaunt festgestellt,

entschuldigten, sondern den kleinen Patienten zum Zahnpasten spendeten!

Streiksituation der Ärzte- und Zahnärzteschaft ange-

dass wir die Einzigen waren, bei denen die

In den nächsten Wochen wird ein neu eingerichteter

Lehre zugunsten der Proteste fast komplett

für die Studenten öffnen. Hier hat jeder Student die

spräche mit den Professoren und Assistenten während

Raum, der so genannte E-learning-Room seine Türen

ausgesetzt wurde. Vielleicht waren gerade die Ge-

Möglichkeit, an 12 Arbeitsplätzen mit internetfähigen

dieser kritischen Phase wegweisend für die Gesamtent-

Rechnern Vorlesungsinhalte nachzuarbeiten, Kranken-

geschichten oder Doktorarbeitsrecherche zu betreiben und auf spezielle Lernplattformen zuzugreifen. Durch

wicklung und Entspannung an der MedH. Jedenfalls ist unbestritten, dass uns diese Ereignisse näher zueinander gebracht haben.

den Einsatz der Fachschaft und einiger Abtei-

Derartige Aktivitäten, Neuerungen und Ver-

lungen der Zahnklinik hat sich das Angebot an

besserungen wären ohne das Engagement der

freiwilligen Fort- und Weiterbildungen deutlich

Studenten kaum denkbar. Gleichzeitig benötigen

gesteigert. Von Implantologie Kursen über Hypnose in der zahnärztlichen Behandlung und alternative Be-

handlungsmethoden bis hin zu praktischen Hilfen beim

Schritt ins spätere Berufsleben haben die Studenten

sie unbedingt dieses gute Verhältnis zwischen Profes-

soren und Studis, denn nur so lassen sich diese Projekte kurzfristig und unbürokratisch umsetzen.

plötzlich Möglichkeiten, über den Unialltag hinaus zu

In diesem Sinne: wir freuen uns auf eine tolle BuFaTa

Auf der Sommer BuFaTa, die wir 2006 ausrichten

Jan-Thomas Krause

schauen.

84

in Leipzig diesen Winter!


Studiengebühren in Deutschland

Über Geld, Glück und Schulden!

Liebe Freunde, Ich habe mich vor kurzem mit Kay aus Göttingen unterhalten und wir sind auf das Thema Studiengebühren gestoßen. Natürlich wissen die Studenten nicht erst seit der ZuZa, dass Studiengebühren in der Zahnmedizin existieren und durchaus sehr unterschiedlich hoch sein können. Was nun mittlerweile von Bundesland zu Bundesland verschieden weit entwickelt ist, ist die Einführung echter Studiengebühren, die unabhängig von den Studentenwerks- und Umweltticketbeiträgen und Materialkosten wie in der Zahnmedizin erhoben werden. Um in der diesjährigen Ausgabe der un-plaqued - Identifikation dieses Thema mal anders aufzuziehen sind wir auf die Idee gekommen ein Online Gespräch zu

86


Angesichts dieser Situation war es nur eine Frage der Zeit, bis man als Politiker Geschmack an der Idee von Studiengebühren finden musste. diesem Thema durchzuführen. Ich habe Euch in diese

Richtig, Studiengebühren machen ein Studium auf den

Diskussion genommen, weil ich denke, dass ihr Euch

ersten Blick unattraktiv. Gerade die Studenten ohne

gerne Meinungen bildet und so wahrscheinlich zu die-

finanzielle Absicherung durch ihre Eltern wer-

sem Thema längst schon eine habt. Ich hoffe ihr habt

den nicht mehr leichten Herzens ein Studium

Lust, man kann wie immer un-plaqued (was immer

ins Auge fassen können, auch wenn die per-

man denkt) schreiben und sich gerne auf die anderen

sönlichen Fähigkeiten eine akademische Lauf-

Beiträge beziehen.

bahn empfehlen würden.

Frage: Wie siehst Du die Entwicklung der Stu-

Studiengebühren einfach zu verteufeln, ist mittlerwei-

diengebühren an Universitäten in Deutsch-

le leider wenig konstruktiv, da sie trotz der lautstarken

land?

Proteste, gegen den Willen der Studenten, durchgesetzt

Wenn ich heute in der Situation wäre, in der ich vor

wurden. Und die haben weiterhin und auch zu Recht

Jahren war, als ich mich entscheiden musste ob Studi-

Angst um den universitären Ausbildungsstandort

um oder nicht Studium, würde ich mich sicher als er-

Deutschland. In den Kassen der Länder und des Bundes

stes fragen: Wie soll ich das nur alles bezahlen?

herrscht dank katastrophaler politischer Fehlleistungen

In Niedersachsen wird z. B. ab dem Wintersemester

über Jahre hinweg gähnende Leere. Hat man gerade

06/07 jeder Studienanfänger mit 500 € extra zur Kasse

mühsam ein Loch im Haushalt stopfen können, tut sich

gebeten, Studenten über der Regelstudienzeit oder in

an anderer Stelle ein viel Größeres wieder auf.

ihrem Zweitstudium zahlen 600 €, natürlich mit jährlicher Dynamisierung - das Maximum liegt zurzeit bei

Angesichts dieser Situation war es nur eine

800 €.

Frage der Zeit, bis man als Politiker Ge-

Dazu kommen in der Zahnmedizin noch die für deut-

schmack an der Idee von Studiengebühren fin-

sche Verhältnisse moderaten 3500-4500 € versteckten

den musste. Verschiedene Hochschulrahmengesetze

Studienkosten. Die Zahlen gelten allerdings nur für die

hatten ohnehin seit Jahren dazu geführt, das finanzielle

Georg-August-Universität in Göttingen.

Engagement der Länder an den Universitäten zu verrin-

Summiert man die 11 Semester Regelstudienzeit,

gern. Mit Hilfe der Studiengebühren will man da noch

durchbricht man hier beinahe die Schallgrenze von 10

ein bisschen mehr sparen, wahrscheinlich mit dem Ziel

000 € für die, wenn alles glatt läuft, fünfeinhalb Jahre

vor Augen, die Finanzierung in mittelfristiger Zukunft

Studium. Wer da keine finanzielle Rückendeckung aus

auf ein Minimum zu reduzieren. Was dann am Ende

der Heimat hat, dem wird angesichts solcher Aussichten

durch selbst eingenommene Studiengebühren

mulmig in der Magengegend. Sollte man da nicht lieber

für die Universitäten und die eigentliche Aus-

„nur“ seinen Bachelor in BWL machen? Oder warum

bildung übrig bleibt, muss sich erst noch zei-

nicht gleich eine Ausbildung, zum Beispiel als Rechts-

gen.

anwaltsgehilfe…

Hoffnung ist für einige Studenten dennoch vorhanden, 87


Studiengebühren in Deutschland

Bildung braucht Zuwendung, in jeglicher Hinsicht. denn immerhin gibt es immer noch das BaföG, auch

Vielleicht sind die aufkommenden Studiengebühren

wenn die seit Jahren nicht mehr angepassten Sätze

aber dennoch eine Chance, etwas mehr Gerechtigkeit

und ein Förderungshöchstsatz von ca. 550 € für einen

nach Deutschland zu bringen. Wenn nämlich die auf-

Zahnmediziner nicht gerade viel sind. Zusätzlich exi-

kommende Diskussion übers Geld als Chance ergrif-

stieren mittlerweile Finanzierungsmöglichkeiten über

fen wird, auch die versteckten Kosten ans Tageslicht

Banken wie die KfW und APO. Das nimmt zumindest

zu bringen. Vielleicht werden die Unis dann im Ver-

einen gewissen finanziellen Druck vom Studenten, an-

gleich nochmals gründlich überdenken, was sie ihren

dererseits erwarten die Banken natürlich auch gewisse

Studenten an Kosten zumuten wollen. Man denke nur

Leistungen. Kann man mit BaföG die Regelstudienzeit

an fragwürdige Materialkosten, wie die Verbrauchs-

noch um 4 Semester überschreiten, sind es bei der KfW

materialien in der Vorklinik. Denn wenn alles so bleibt

zum Beispiel nur noch 2 Semester. Außerdem muss

und die Studiengebühren noch obendrauf kommen,

man schlussendlich natürlich die volle Kreditsumme

wird es wohl ein sehr einsamer Studiengang von

zurückzahlen, inklusive der angefallenen Zinsen.

„Glücklichen“ (mit finanzstarken Eltern) und

Alles in allem ist ein Studium in Deutschland momen-

Verschuldeten.

tan noch für jeden finanzierbar. Allerdings hat sich die

KRI

Leistungsgesellschaft dazu entschlossen, den Druck auf die Universitäten und Studenten zu erhöhen. Jetzt heißt

Gebühren für‘s Studieren, nun, wird da nicht der Weg

es für diese zu zeigen, wie sie damit umgehen können.

in die Bildungsgesellschaft blockiert? Bildung ist ein

Das ist zwar an keiner Stelle sozial, aber der Sozialstaat

entscheidendes Gut für die Zukunft Deutschlands,

wird sowieso gerade zu Grabe getragen...

wird aber nicht wirklich attraktiv gestaltet. Wie soll ein

KAY

zukünftiger Student, der BaföG in Anspruch nehmen muss, die zusätzlichen Abgaben in Form dieser Gebüh-

Besonders kritisch sehe ich die immer größer wer-

ren leisten? Nach meiner Auffassung sollten Staatsgel-

denden Unterschiede zwischen den Bundesländern,

der umgeschichtet und in den Bildungstopf investiert

die wohl auch die Entscheidung um die Studienortwahl

werden. Die fehlenden Gelder vom relativ mittellosen

beeinflussen werden. Gerade als Studienanfänger ist es

Studenten einzufordern sehe ich als Rückschritt und

schwer zwischen Entfernung vom Heimatort, Lebens-

wenig effektiv. Der Staat steht immer weniger für

haltungskosten, Studiengebühren und und und abzuwä-

junge Menschen ein, dabei sind sie seine Zu-

gen. Wo bleiben da die harten Fakten wie die Qualität

kunft. Sicher, viele Studenten werden diese Mehrko-

der Lehre? Werden die Studenten künftig ihre

sten auf Biegen und Brechen aufbringen können, aber

Universität nach dem Preis auswählen (McU-

was ändert das langfristig an der Stellung des „Hoch-

ni)? Man sollte Zahnmedizin nicht studieren, weil man

schulstandortes“ Deutschland? Der Student als Bürger

es sich leisten kann, sondern weil man Menschen helfen

wird einmal mehr zu Abgaben genötigt, welche wohl

möchte. Und obwohl Studiengebühren eingenommen

kaum einen echten Mehrwert haben, das Bildungswe-

werden wird es wohl noch eine Weile dauern, bis diese

sen zu sanieren. Bildung braucht Zuwendung, in

auch wirklich eingesetzt werden, um den Studenten ein

jeglicher Hinsicht. Die dafür notwendigen finanzi-

besseres Studium zu ermöglichen.

ellen Mittel sollten aus anderen Töpfen kommen.

JUL 88

MNJ


Verbindet Euch

solidarische Gesundheitsversorgung zu gefährden.

Doch hat es leider alles nichts genutzt! Die Ausgaben für die Gesundheit der Deutschen sind weiter gestiegen und die Kosten werden proportional an die Bürger wei-

tergegeben. Wen würde es da wundern, dass bereits seit einem Jahr nach einem neuen intelligenten Schachzug zum Thema Gesundheit gesucht wird. Obwohl dieser

ideologisch gefärbte Denkprozess der Regierung und seiner „Fachberater“ ebenso lange von den größten

Ärzteprotesten seit Jahren begleitet wurde, hat sich wenig an den neuen bürokratischen Geschwüren geändert.

Dabei sind weniger die Ärzte und Zahnärzte die Leid Tragenden dieser Entwicklung, als vielmehr die Patienten, die nicht nur steigende Krankenkassenbeiträge zu erwarten haben, sondern in den letzten Jahren ebenfalls einen Qualitätsverlust der Gesundheitsversorgung in Kauf nehmen mussten und dafür sogar kontinuierlich steigende private Zuzahlungen gezahlt haben. Dabei ist die Zahnmedizin im Un-

Verbindet Euch

terschied zur Medizin gerade für Krankenkassen und

Gibt es noch Studenten in der Zahnmedizin, die auf-

dass ein sanierter Patient grundsätzlich nur alle paar

grund des Geldes diesen Studiengang gewählt haben? Dass die allgemeinen Vorteile, die dem Zahnarztberuf nachgesagt werden, in der Gegenwart nahezu voll-

ständig überholt sind, wird mittlerweile auch bei den meisten Studenten angekommen sein. Sowohl groß-

artiger wissenschaftlicher Ruhm als auch der Porsche in der Garage oder prall gefüllte Bankkonten sind Illu-

sionen, die maximal eine verschwindende Minderheit verwirklichen wird. An dessen Stelle sind vielerorts

Insolvenzen und vor allem das Verlangen nach unter-

nehmerischen Qualitäten und Innovationen getreten.

Das ist nicht zuletzt auf die sechs Gesundheitsreformen und zahlreichen Gesetzesänderungen in den letzten 15 Jahren zurück zu führen, die ihrerseits alle versprachen,

die Staatsausgaben senken zu wollen, ohne dabei die 90

Staat eine der dankbarsten Fachrichtungen überhaupt, da die durchschnittlichen Patienten mit fortschreiten-

dem Alter immer weniger Kosten erzeugen. Dies hat seine Ursache zum einen in der guten Verbreitung

prophylaktischer Maßnahmen, als auch in dem Fakt,

Jahrzehnte neuen Zahnersatz benötigt, der noch dazu

mit zunehmenden Zahnverlust immer günstiger wird. Darüber hinaus sind zumindest die Krankheitsbilder Karies und Parodontitis stark von der eigenverantwortlichen Pflege der Patienten abhängig, obwohl die Re-

gierung dies schon während der letzten Gesundheits-

reform, aber auch in der aktuellen Version nur wenig

berücksichtigt hat. Denn Geld, das man sich einmal vom Bürger geholt hat, gibt man in Deutschland nicht so schnell wieder her, wie auch in der aktuellen Ent-

wicklung zur Mehrwertsteuererhöhung sichtbar wird.

Ohnehin könnte man meinen, dass die Lebensqualität und Gesundheit der Bürger längst nicht mehr die Prioritäten politischer Entscheidungen sind. Stattdessen sind Globalisierung und Terrorismus die neuen internationa-


len Spielwiesen, an denen nicht nur die Konzerne son-

in der Medizin Einzug halten. Das dies nach Ulla

sein wollen. Schon sehr früh gab mir meine Großmutter

keit geschehen soll, ist nicht nur gegen den Willen der

dern auch die politischen Entscheidungsträger beteiligt

den Rat, dass es nicht ausreiche immer nach oben zu

schauen, um sein Glück zu finden. Vielmehr solle man

auch mal nach unten blicken, um festzustellen, wie gut es einem ginge. So etwas Ähnliches könnten einige Po-

litiker gedacht haben, als sie z.B. sagten, die Deutschen würden zuviel Urlaub machen. Dabei mag die Frage erlaubt sein, nach welchen Kriterien wir in Deutsch-

land den Erfolg unserer Gesellschaft bewerten – dem Bruttoinlandsprodukt und Wirtschaftswachstum oder

einem Lebens- und Freizeitgewinn? Die Anhebung des Rentenalters und die Wiedereinführung der 40

Stunden Woche sind nur zwei weitere Signale, welche die Einstellung zur Bevölkerung als graue Masse von

Arbeitern verdeutlichen. Bitter werden diese Initiativen erst recht, wenn die Aufwandsentschädigungen für

Politiker gleichzeitig um 14% angehoben werden und Steuererleichterungen ausschließlich für Großfirmen

eingeführt werden. Dabei sollten gerade hier andere Signale gesetzt werden, da es diese Konzerne mit mehreren zehntausend Entlassungen drohen, während neue Arbeitsplätze vor allem in den mittelständischen Unternehmen geschaffen werden. Was vor 20 Jahren noch

als soziale Utopie in Deutschland galt, ist mittlerweile aufgrund internationaler Fusionen und Aufkäufe von Familienunternehmen traurige Realität geworden. Sollen die Konzerne doch abwandern, wenn sie daraufhin

auch auf das „Made in Germany“ verzichten müssen. Man stelle sich bitte vor, einen Volkswagen, Made in China, zu fahren.

Auch im Gesundheitssystem, mit 4,2 Millionen Be-

schäftigten der größte deutsche Arbeitgeber, müssen

aufgrund von Konzeptlosigkeit fortlaufend Stellen eingespart und Investitionen zurückgestellt werden.

Dabei sollte man gerade hier sehr sorgsam walten, da die ersten regionalen Gebiete mit akutem Ärzteman-

gel bereits Realität sind und die geplante Schließung

medizinischer Fakultäten dem nicht gerade entgegen

wirkt. Nun soll durch neue Wirtschaftlichkeit, mehr Wettbewerb und stärkere staatliche Kontrolle das Prinzip der Profitmaximierung auch

Schmidt´s Vorstellungen auf Kosten der Freiberuflich-

Ärzte- und Zahnärzteschaft, sondern auch entgegen aller Umfragen bei Patienten. Dabei wäre es interessant,

ob in der Geschichte jemals eine Wettbewerbssteigerung unter dem Beamten Regime stattgefunden hat.

Wie geht es weiter, wie kann man sich wehren? Nach den vielen bundesweiten Großdemonstrationen, zahllosen Aufklärungsveranstaltungen,

Presseberichten

und Fernsehshows ist es ohnehin nur mit den stärksten Nerven möglich, das tot diskutierte Thema Gesund-

heitsreform auszuhalten. Weil keine dieser Aktionen die Verantwortlichen zum Nachdenken bewegt, könnte man anfangen, Steine zu werfen und die Paläste in

Brand zustecken, auch wenn das den falschen Ein-

druck vermitteln würde. NEIN, man muss die Politik

mit ihren eigenen Waffen schlagen: Beharrlichkeit! Man muss den längeren Atem haben und durchhalten,

die friedlichen Aktionen verstärken und die Patienten darüber aufklären, dass sie die ganze Misere ausbaden sollen. Mittlerweile protestieren nicht nur die Ärzte,

Zahnärzte, Schwestern und Apotheker, sondern oben-

drein sogar die Krankenkassen. Da fehlen nur noch die Patienten, die allen voran die meisten Gründe für Proteste hätten.

Auch die Studenten, alt bekannte Demonstranten, sollten gut überlegen, vor der Approbation ihre Stimme zu erheben, denn es ist ihr zukünftiger Berufsalltag, der hier entschieden wird. Und sie würden damit eine Weitsicht beweisen, die den meisten Politikern heutzutage leider nicht zu teil ist. S.M. 91


Patientenbeispiel

Ein normales Patientenbeispiel diesem Grund die beantragten Kosten nicht übernehmen. Ich war mir vorher nicht darüber bewusst, dass meine Krankenkasse mir den Erfolg einer Behandlung im staatlichen Krankenhaus garantieren konnte, und glaube das auch bis heute nicht. Da ich selbst Krankenschwester bin und in Deutschland das Recht auf freie Arztwahl habe, entschied ich mich für den Arzt meines Vertrauens und bezahlte die

Meise, wa!

295,-€ aus eigener Tasche ohne meine Krankenkasse, Im Jahr 2003 bekam ich von meinem Hausarzt die Mit-

der ich seit Jahren als treue Patientin Beiträge zahle,

teilung, dass bei mir drei Varizen-Operationen durch-

damit zu belasten. Obwohl die Krankenkasse bei dieser

geführt werden müssen. Jede davon muss einzeln statt-

Behandlung nur ca. 200 € hätte bezahlen müssen und

finden. Mein behandelnder Facharzt hat seine Praxis in

ich ihnen so die Übernahme von 1900,-€ erspart habe,

Berlin Hellersdorf, in der Nähe meines Wohnortes und

fühlte ich mich nicht als Samariter. Abgesehen davon

führt dort auch ambulante Operationen durch. Leider

hätte die Behandlung im Krankenhaus einen Arbeits-

hat die Geschichte einen Haken – es ist eine Privatkli-

ausfall von einer Woche bedeutet, was in der mittel-

nik. Nach Abklärung der Kosten war der Haken eigent-

ständigen Praxis, in der ich arbeite, durchaus zu spüren

lich gar nicht mehr so schlimm, denn sowohl die OP

gewesen wäre.

als auch die eine Übernachtung in seiner Klinik sollten

Heute, drei Jahre danach, ist die Operation ist gut ver-

295,-€ kosten. Dagegen stand ein 4 bis 5 tägiger Auf-

laufen und ich hatte seitdem keine Probleme mehr, auf-

enthalt in einem staatlichen Krankenhaus für ungefähr

grund von Geldmangel stehen immer noch die beiden

1900,-€. Da war meine Entscheidung einfach und ich

anderen Operationen aus. Da die Richtlinien meiner

musste „nur“ noch eine Kostenübernahmeerklärung

Krankenkasse unverändert sind, werde ich auch diese

von meiner Krankenkasse (TKK) einholen und es hätte

OP´s selbst bezahlen müssen, wenn mir meine Ge-

losgehen können.

sundheit am Herzen liegt. Was für ein Sozialsystem

Was sich für mich, aus Sicht eines Versicher-

soll das sein, wenn mit den Geldern der Versicherten

ten aber auch in Hinblick auf die Kostenstruk-

derart schlampig umgegangen wird? Zum einen wird

tur, als einfach und unkompliziert darstellte,

offensichtlich lieber Geld zum Fenster raus geschmis-

war für meine Krankenkasse ein größeres

sen, weil es dann aber an allen Ecken und Enden fehlt,

Problem.

müssen gleichzeitig die Beiträge erhöht werden. Das in

Die haben mit besagter Privatklinik nämlich keinen

diesem System etwas schief läuft und auch von Wett-

Vertrag, so dass ich nach wiederholten Nachfragen nur

bewerb keine Spur ist, wenn derartige Kostenverglei-

noch die Wahl hatte, in das staatliche Krankenhaus mit

che einfach ignoriert werden, ist nicht verwunderlich.

4 bis 5 tägigem Aufenthalt, aber einer Kostenübernah-

Ebenso sollte es niemanden wundern, dass die Pati-

me zu gehen oder die 295,-€ in der Privatklinik aus

enten und Bürger frustriert sind, wenn ihr Geld und

der eigenen Tasche zu bezahlen. Die Begründung der

Vertrauen auf diese Art und Weise missbraucht wird.

Krankenkasse war sehr herzlich: Sie wüssten ja nicht,

Armes Deutschland!

ob die Behandlung erfolgreich wäre und könnten aus 92

K.B.


71


In guter Gesellschaft

Wenn es in der Zahnmedizin heutzutage etwas in schier

und ehemaligen Absolventen besucht werden.

unüberschaubarer Menge gibt, dann sind das Verbände,

Abgesehen von der Qualität der Vorträge und den Mög-

Vereine und Fachgesellschaften. Es erscheint fast so, als

lichkeiten, ehemalige Kommilitonen und junge Absol-

ob für jede Meinung eine eigene Interessenvertretung

venten generationenübergreifend zu verbinden, sind die

existiert, was zum Beispiel bei den gegenwärtigen Kam-

Veranstaltungen für Nichtmitglieder gegen ein minima-

merwahlen in Berlin aber auch den zahllos angebotenen

les Entgelt offen, welches zumindest die persönliche

Fortbildungsveranstaltungen deutlich wird. Da fällt es

Bereicherung völlig ausschließt.

schon mal schwer, Wesentliches und Unwichtiges von-

Damit noch nicht zufrieden, hat die als eingetragener

einander zu trennen, bzw. sich für die am besten pas-

Verein geführte Gesellschaft dieses Jahr ein einzigar-

senden Gruppen zu entscheiden. Fragwürdig ist dabei

tiges Konzept zur Förderung der jungen Kollegen ent-

nicht nur die Qualität der angebotenen Informationen,

wickelt: Überschüssige Finanzen können in Zukunft zur

als vielmehr auch die Hintergründe des Engagements

Förderung der Wissenschaft und Forschung verwendet

einzelner Personen und Gruppen. Denn nicht zuletzt

werden. Zuwendungsberechtigt sind dabei ausschließ-

sind alle Beteiligten nur Menschen, von denen nicht we-

lich in Berlin immatrikulierte Studenten, ausländische

nige aus persönlichem Ehrgeiz und Interesse handeln.

Gastzahnärzte und Zahnärzte in der Ausbildung (Ausbildungsassistenten, Fachzahnarztkandidaten). Diese

Aus diesen Gründen ist es sehr erfreulich, daß es neben

können in Zukunft per Antragstellung befristete Förder-

den großen Fachgesellschaften auch vereinzelt regio-

stipendien oder Zuschüsse für Publikationskosten und

nale Organisationen gibt, die sich durch Nachhaltigkeit

Teilnahmegebühren wissenschaftlicher Veranstaltungen

und Wissenschaftlichkeit auszeichnen. So wurde bereits

erhalten. Die endgültige Zustimmung und Höhe der

1874 die Berliner Zahnärztliche Gesellschaft gegrün-

Förderung wird durch die Einstimmigkeit einer hierzu

det, welche sich bis heute, wenn auch mit einigen ge-

gewählten vierköpfigen Kommission aus Mitgliedern

schichtlich bedingten Unterbrechungen, dem fachlich

der GfZMK festgelegt.

- kollegialen Austausch als auch der Traditionspflege

Wer also in Berlin studiert oder wissenschaftlich tätig ist

im Sinne einer Alumni - Gemeinschaft für Absolventen

und die Kriterien erfüllt, kann auf diesem Weg z.B. für

der Berliner Universitätszahnmedizin verpflichtet fühlt.

eine bestimmte Zeit das abendliche „jobben“ zugunsten

Unter der seit 1952 bestehenden Bezeichnung „Gesell-

seiner fachlichen Arbeit einschränken. Wünschenswert

schaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der

wäre, daß solche Initiativen auch in anderen Bundes-

Humboldt-Universität zu Berlin“ (GfZMK) werden seit

ländern durch eine der vielen Organisationen und Ver-

Jahrzehnten regelmäßig Fortbildungen veranstaltet, die

bände ins Leben gerufen würde, da hier im Sinne eines

aufgrund des ausdrücklich gewünschten Praxisbezuges

Generationenvertrages endlich eine bedürftige Gruppe

nicht nur von Hochschulmitarbeitern und Studenten,

sinnvoll unterstützt wird. www.geszmk.de

sondern vor allem vielen niedergelassenen Zahnärzten

idee 95


Studentisches Curriculum Chiemsee

Studentisches Curriculum der Implantologie

Die Zahnmedizin wurde innerhalb der letzten Jahr-

der Zahnmedizinstudenten integriert. So ist der kom-

zehnte mehrfach revolutioniert. Die moderne Zahn-

binierte Zahnersatz immer noch der Hauptlehrinhalt an

heilkunde macht es möglich, die meisten oralen Er-

den deutschen Universitäten, obwohl die Gegenwart

krankungen erfolgreich zu behandeln und Menschen

und erst recht die Zukunft von festsitzenden Versor-

mit sanierungsbedürftigen Gebissen das Gefühl eigener

gungen der Patienten bestimmt sein wird. Die Hoch-

Zähne zurück zu geben. Mit Adhäsivtechniken, Voll-

schullehrer sind nach langer Skepsis und trotz langjäh-

keramiksystemen, Bonemanagement und Implantaten

riger Forschungsergebnisse erst relativ spät auf den Zug

kann man zu Recht behaupten, die moderne Zahnme-

der Implantologie aufgesprungen. Dass Studenten

dizin könne ein klein wenig zaubern.

während ihres Studiums erste Operationser-

Auf der anderen Seite sind diese modernen Therapie-

fahrungen und Implantatinsertionen durch-

methoden bei weitem noch nicht in die Ausbildung

führen, scheint angesichts dieser Entwicklung

96


noch lange eine Vision zu bleiben. Zwar werden

den sind. So wurde die erste Vorlesung von Prof. Schilli

neuere theoretische Inhalte etwas verzögert in Vorle-

gehalten, der seines Zeichens Mitglied der Schweizer

sungen gelesen, die praktische Lehre neuer Behand-

Arbeitsgruppe Osteosynthese (AO) war, die Ende der

lungsmethoden ist jedoch an vielen Hochschulen wenn

fünfziger Jahre die ersten Osteosyntheseschrauben ent-

überhaupt, nur ansatzweise durch externe Firmen und

wickelte und damit auch die Entwicklung der heutigen

Dozenten möglich.

dentalen Implantate einleitete. Der Überblick, aber auch

Gerade in der Implantologie und Osteosynthese hat in

die Feinheiten des Faches können von nur wenigen

den letzten Jahrzehnten eine kleine Revolution statt-

Dozenten mit derartiger Faszination vermittelt werden

gefunden, die nun langsam aber sicher auch in die

und waren für alle Studenten sehr beeindruckend. Auch

Alltagszahnmedizin Einzug hält. Die Möglichkeiten

der Anatom Prof. Benner ging einen speziellen Weg,

der Implantologie in der schonenden Behandlung der

um die 45 Teilnehmer an die anatomischen Grundla-

Weichgewebe, des Knochenerhalts sowie der absoluten

gen der Implantatregionen heranzuführen. Mit Problem

Stabilität von ästhetisch anspruchsvollem Zahnersatz

orientiertem Ansatz der Lehre erklärte er anhand der

unter Verwendung biokompatibler Materialien haben

Leitungsanästhesie und deren Komplikationsmöglich-

schon heute die Probleme der „alt bewährten“ Metho-

keiten die komplette Anatomie des Unterkiefers. Be-

den gelöst (Inaktivitätsatrophie, Vestibulumplastiken,

trachtete man die gespannte Aufmerksamkeit der Zu-

Nervlateralisation, Verbrauch von 60 Tonnen Haftmit-

hörer musste sich nahezu jeder fragen, warum derartig

tel/ Jahr in Deutschland).

realitätsnahe Vorlesungen nicht auch von den eigenen

Die neuen Behandlungsmethoden werden nun anstelle

Professoren unternommen werden, die sich scheinbar

von den Universitäten von einer Vielzahl, aus dem Bo-

mehr über die sinkenden Studentenzahlen in den Hör-

den sprießenden Fortbildungsinstituten, in Wochenend-

sälen beschweren, anstatt moderne Lehrkonzepte ein-

kursen (Curricula und Postgraduiertenausbildungen)

zuführen. An den Studenten und deren Wissensdurst

oder Online-Colleges angeboten und mit den Titeln

scheint es nicht zu liegen.

Master (Msc), PhD oder Fachzahnarzt zertifiziert. Auch

Auch die anderen Tage konnten mit einigen Spezia-

wenn dieser Ansatz viele Vorteile für Zahnärzte bietet,

listen aufwarten. Prof. Kniha zum Beispiel arbeitet

sind vor allem die Preise und Zeitvorgaben dieser Ver-

seit langem mit dem in Berlin entwickelten Robodent

anstaltungen selten studentenfreundlich.

System, Dr. Schubert vertrat die allgemeine Zahn-

Aus diesen und anderen Gründen hat sich die Maxil-

arztpraxis mit implantologischen Schwerpunkt und

lo-Faziale Forschungsgesellschaft (MFF) um Professor

dennoch einer sehr bodenständigen Philosophie. Dr.

Benner und Dr. Florian Bauer dazu entschlossen, im

Ernst Fuchs aus der Schweiz bot sicherlich einen der

Frühjahr 2006 erstmals ein Studentisches Curriculum

spannendsten Vorträge zum Meisinger Bonemanage-

zum Thema Implantologie zu veranstalten. Die viertä-

ment System und erstaunte alle mit den Möglichkeiten

gige Fortbildung, die in dieser ersten Runde vornehm-

einer minimalinvasiven Implantatchirurgie. Auch wenn

lich für Fachschaftsvertreter durchgeführt wurde, fand

seine Ausführungen manchmal zu viele Informationen

am wunderschönen Chiemsee statt. Das Curriculum,

pro Zeit enthielten, war er ständig dabei, die Zuhörer

unter der Schirmherrschaft der DGZI, erstreckte sich

in den Vortrag zu integrieren und für eigene praktische

über 4 Tage und obwohl alle teilnehmenden Studenten

Erfahrungen zu motivieren. So war es besonders ange-

direkt aus dem Unialltag nach Seebrück gefahren sind,

nehm, nicht ausschließlich mit der Lehrmeinung einer

wurde täglich ein straffes 9 Stunden Programm durch-

Person konfrontiert zu werden, sondern Aspekte aus

gezogen.

den verschiedenen Bereichen der theoretischen und

Eine Besonderheit dieser Veranstaltung waren die

praktischen Implantologie zu erhalten.

unterschiedlichen Referenten, die, wenn überhaupt,

Höhepunkt dieser Tage war sicherlich die Möglich-

höchst selten auf der gleichen Veranstaltung anzufin-

keit, an den Humanpräparaten üben zu können, so viel 97


Studentisches Curriculum Chiemsee

man wollte. Abgesehen vom großen Unterschied zum

und das Thema Implantologie weiter zu fördern wurde

Kunststoffkiefer, befand man sich im Gegensatz zum

im September 2006 dann der zweite Teil des Curricu-

Schweinekiefer maximal nah an den chirurgischen Ge-

lums mit dem Schwerpunkt der prothetischen Aspekte

gebenheiten und konnte außerdem die eben gelernten

Implantatgetragener Versorgungen durchgeführt.

anatomischen Hintergründe ideal wiederholen. Das

Einmal mehr wurden viele praktische Übungsstationen

Ziel der Veranstaltung war es außerdem, mit beiden dort

aufgebaut, an denen chirurgische Knotentechniken,

vertretenen Implantatsystemen (Straumann, Schütz Im-

Abformübungen der Implantate, Bonemanagement und

plants) Implantate gesetzt zu haben, so dass immer wie-

Implantatinsertionen am Schweinekiefer geübt werden

der die Kleingruppen und deren Betreuer gewechselt

konnten. Mit konstanter Leidenschaft wurden die Inhalte

wurden. Auch wurde zum Ende des Curriculums das

an die Studenten vermittelt, obwohl man in Zukunft da-

von Dr. Heuckmann, Prof.Benner und der Firma Mei-

rauf achten sollte, die Menge der angebotenen Informati-

singer entwickelte Sinuslift System „Balloon Lift Con-

onen auf ein studentisches Optimum zu bringen, da man

trol“ vorgestellt, was nicht nur ein direktes Gespräch

ansonsten riskiert, die Aufnahmefähigkeit zu überlasten.

mit den Entwicklern ermöglichte, sondern aufgrund

Das Studentische Curriculum ist eine hervorragende und

seiner Einfachheit dem ein oder anderen Studenten ein

bisher einzigartige Initiative von Praktikern, dieses, an

wenig die Angst vor dem chirurgischen Aufwand des

den Hochschulen vernachlässigte Thema, fachgerecht an

Sinuslifts nahm.

die junge Generation der Zahnmediziner zu vermitteln,

Als die Studenten, Dozenten und Professoren abends

um die Implantologie in der Zukunft zum zahnärzt-

beim bayrischen Bier und Essen zusammenkamen,

lichen Alltag werden zu lassen. Das Curriculum soll

war auch das letzte Eis geschmolzen. Sich mit diesen

2007 erneut stattfinden und zusätzlich durch die Kon-

Koryphäen auf einer menschlichen Ebene zu begegnen

gresse und Fortbildungen der DGZI ergänzt werden.

war eine tolle Erfahrung und hat noch mal ganz andere Aspekte dieser Menschen aufgezeigt. Überhaupt hatte man öfter den Eindruck, hier einer kleinen Gruppe von Idealisten auf der Suche nach einer Basis begegnet zu sein. Um auf dieser guten Kommunikationsbasis aufzubauen 98

Ingmar Dobberstein


Der normale Student?

Der normale Student? Wer oder was ist ein normaler Student? Gibt es besondere Eigenschaften, die ihn identifizieren oder ist es gerade die Identitätslosigkeit, die den „Normalen“ ausmacht? Man könnte jetzt Statistiken entwerfen, Umfragen machen oder Leistungstests durchführen, aber was ist am Ende „normal“? 100


101


Der normale Student?

Wir haben uns entschieden, in dieser Rubrik jene Studenten vorzustellen, die leider nur selten zur Normalität an den deutschen Fakultäten gehören. Wir wünschen uns, dass es mehr dieser Menschen in unserem Umfeld geben würde, da sie den Alltag an der Hochschule vielfältiger und „studentophiler“ machen. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihr Studium als Chance, als Gestaltungsraum und als Teil ihres Lebens begreifen und in diesem Sinne in unterschiedlichster Form Einfluss auf das System ausüben. Und obwohl viele dieser Vertreter in den Fachschaften heimisch sind, hat diese Rubrik nichts mit Konterrevolution, sondern vielmehr mit konstruktiven Ideen und Optimismus zu tun. Der 27 jährige Rainer Janssen ist Student im 4.Studienjahr am Göttinger Zentrum für ZMK. Eine lange Zeit wäre es wahrscheinlich unvorstellbar für ihn gewesen, dass es ihn hierher und in diesen Studiengang verschlagen würde. Der in Aurich (Ostfriesland) aufgewachsene Sonnenjunge hatte in seiner Kindheit sehr schnell die Surfleidenschaft für sich entdeckt, und später nach eigener Aussage das Surfen, Feiern und die Frauen zum Mittelpunkt seines Lebens gemacht, was die all-

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gemeine Berufssuche nicht gerade erleichterte. So war die erste Pflichtübung nach der Schule die Bundeswehr, die ihn vor allem veranlasste, eine antiautoritäre Lebenseinstellung zu entwickeln. Es folgte eine Ausbildung zum Bankkaufmann in Hamburg und die Arbeit in der Firma seines Vaters, bevor sich Rainer auf ein Studium festlegte. Nach Studienvorbereitungskursen in seinen damaligen Wunschfächern Psychologie und Medizin entschied er sich ziemlich schnell, 2003 in Göttingen das Zahnmedizinstudium zu beginnen. Bereits im ersten Semester fand die Kontaktaufnahme zur Fachschaft statt und nach anfänglicher Neugierde folgte die Erkenntnis, dass sie eine Möglichkeit für Veränderungen an der Universität ist. Seit einem Jahr ist er Vorsitzender der Fachschaft und gleichzeitig studentischer Vertreter in fast allen Gremien der Fakultät. Sein größtes Projekt in diesem Rahmen ist die Mitarbeit am „Göttinger Symposium“, einer Fortbildungsveranstaltung für Zahnmedizinstudenten und Zahnärzte, welche er mittlerweile als einer der Hauptorganisatoren betreut. Nicht nur das Studieren macht ihm viel Spaß – auch Sport und das Freizeit sind ihm wichtig. So kaufte er sich im ersten Semester einen alten, babyblauen Bulli und verbrachte seither so manche Sommermonate in Frankreich, nicht zuletzt als Ausgleich zum Stress des Zahnmedizinstudiums. Ich traf Rainer während der Orientierungseinheit der Göttinger Erstsemester und bemerkte einen aufgeschlossenen Menschen, der mit viel Leidenschaft und Spaß die Betreuung der Studenten durchführte.

1. Du wolltest ursprünglich Psychologie oder

spannend, aber gleichzeitig wenig fassbar und am Ende

Medizin studieren. Wie bist du in der Zahnme-

meist eine brotlose Kunst. Außerdem hätte mir die

dizin gelandet?

Statistik in den ersten Semestern wahrscheinlich das

Beide Studiengänge finde ich super interessant, jedoch

Genick gebrochen. Die Medizin ist ein weitreichendes

passten sie nicht hundertprozentig zu mir. Je tiefgrün-

Fach, erschien mir dadurch allerdings auch ein wenig

diger ich mich mit diesen Fächern beschäftigte, desto

konfus und, was die spätere, konkrete Berufsausübung

mehr Punkte störten mich daran. Psychologie ist sehr

angeht, ebenfalls wenig fassbar. Als ich parallel zu 103


Der normale Student?

Leider sind diese Gremien so träge und bürokratisch...

dieser Suche den Zahnarzt wechseln musste, war ich von den ersten Aufklärungsgesprächen so begeistert, dass ich mich danach intensiver mit der Zahnmedizin beschäftigt hatte. Da mir der handwerkliche Anteil ohnehin gut gefiel, habe ich mich schließlich in Göttingen beworben und den Studiengang dort lieb gewonnen und diese Wahl bis heute nicht bereut. 2. Warum engagierst Du Dich außerhalb des normalen Studienablaufs für Deine Kommilitonen? Was bedeutet Fachschaftsarbeit für dich? Ich würde nicht sagen, dass man sich als Fachschaft nur für seine Kommilitonen engagiert; darüber hinaus hat diese Arbeit den Vorteil, dass man Parties, Veranstaltungen, Ausstellungen und Tagungen mit Freunden zusammen organisieren kann und selbstverständlich stets mit dabei ist. So wachsen nicht nur die Erfahrungen rund um die Zahnmedizin, sondern auch das soziale Umfeld, welches gerade im Zahnmedizinstudium sehr hilfreich und Nerven schonend sein kann. In den Gremien vertrete ich nicht nur meine Kommilitonen sondern uns, die Göttinger Zahnmedizinstudenten, also auch mich selbst. Wenn wir z.B. zu wenig Patienten haben, kämpfe ich für mich und die Kommilitonen. Deshalb sollte es auch in jedem Semester mindestens einen Studenten geben, der die Interessen seines Semesters vertritt. Grundsätzlich bedeutet Fachschaftsarbeit, störende und festgefahrene Faktoren verändern zu können, damit sich das Studium den Studenten nähert. Fachschaftsarbeit bedeutet für mich außerdem das Zusammenleben und das Gemeinschaftsgefühl der Studenten zu stärken. Dazu gehören sowohl die Parties und der Zahnicup, als auch der Austausch von Informationen beim Symposium oder im Forum/Internet. 3. Wie hat Deine Zeit vor der Zahnmedizin Dich und Deine Umgehensweise mit dem gegenwärtigen Studium beeinflusst? Prägend war natürlich meine zweijährige Ausbildung zum Bankkaufmann, aber auch die Bundeswehr-Zeit, in der sehr viel Druck und Autorität herrschte und viele,

104


absolut sinnlose Dinge von einem verlangt wurden

mit einem großen Zeitaufwand verbunden sind. Ein

- einfach weil es ein Befehl war. Im Nachhinein hin-

Gremium schiebt die Verantwortung zum anderen,

terfragt man Autoritäten viel mehr, auch in der Zahn-

dann zu einer Arbeitsgruppe, und wenn man Glück

klinik. Diese Entwicklung hat sicherlich auch die Ent-

hat gibt es dann eine Entscheidung. Wenn nicht folgt

scheidung für die Fachschaft beeinflusst, ist aber auch

Vertagung, Bearbeitung von Formfehlern....

im Alltag nützlich. Vor dem Studium andere Dinge er-

Die Fachschaft in Göttingen versucht, diesen „nor-

lebt zu haben, fördert meiner Meinung nach die Selbst-

malen“ und offiziellen Weg zu gehen. Da ich nicht

ständigkeit und die Möglichkeit zu hinterfragen.

gerade der Geduldigste bin und diese Prozesse mich manchmal wahnsinnig machen, frage ich auch gerne

4. Ist es in den Fakultätsgremien möglich, die

mal vorab bei den Verantwortlichen nach. Da der neue

Probleme des Zahnmedizinstudiums zu be-

Dekan Prof. Frömmel, ehemals Forschungsdekan

handeln oder wählt Eure Fachschaft eher den

der Berliner Charité, für alle Themen und Probleme

„kurzen Dienstweg“ im Haus?

der Lehre ein offenes Ohr hat und man als Student

Zahnmedizinische Themen sind in den Gremien der

immer willkommen ist, ist dieser direkte Weg meist

Fakultät sehr willkommen und werden gerne disku-

offen. Fachschaftsintern werden die Problemthemen

tiert, da die „Zahnis“ dort schon fast vermisst wer-

meist im Forum diskutiert, was zwar schon mal zu

den, weil sie sich kaum bis gar nicht einbringen.

Missverständnissen führen kann, aber gleichzeitig

Leider sind diese Gremien so träge und bürokra-

die Diskussion für alle Studenten zugänglich macht,

tisch, dass Beschlüsse und Veränderungen immer

da man sich nicht jeden Tag treffen kann. 105


Der normale Student?

plötzlich war ich im Orga-Team. Manchmal geht so etwas schneller, als man denkt ;-). Abgesehen davon, dass es Spaß macht, im Symposiums-Team zu arbeiten, finde ich es super, dass die Studis vor Ort die Gelegenheit haben, andere Lehrmeinungen als nur die der Göttinger Zahnklinik zu hören, ihren eigenen Wissensstand testen können und dabei ihren Horizont erweitern. 6. Die Göttinger Fachschaft wird die BuFaTa im Sommer 2007 ausrichten. Habt ihr etwas Besonderes geplant? Was könnte man an BundesFachschaftsTagungen verbessern? Vorab sollte man sagen, dass Freddy die Fachschaft so lange bequatscht hat, bis sich eine Mehrheit fand, die einer Ausrichtung der BuFaTa zustimmte. Ich persönlich wurde durch das Thema: „Back to the Roots“ überzeugt, davon abgesehen bin ich sowieso für jeden „Scheiß“ zu haben. Das aktuelle Programm verrät, dass es in Göttingen kein wissenschaftliches Programm (dazu dient das Symposium) geben wird,

„Back to the Roots“

sondern die BuFaTa ausschließlich dem Austausch

5. Wie bist Du mit der Organisation des „Göt-

Darüber hinaus soll die Aussprache der Fach-

tinger Symposiums“ in Kontakt gekommen?

schaften wieder vor den Foren stattfinden, damit in

Warum organisiert Ihr im Studium eine wei-

diesen die angesprochenen Probleme erarbeitet und

tere Lehrveranstaltung und wie ist die Reso-

vielleicht auch gelöst werden können.

nanz der teilnehmenden Studenten?

Verbessern ist immer eine sehr subjektive Sache.

Der damalige Fachschaftssprecher ist Mitbegründer

Am meisten störte mich bisher, dass man zwar viele

des Symposiums gewesen und die Fachschaft wur-

Leute getroffen, aber nicht sehr viel Neues mit nach

de von Anfang an eingebunden, da sich die Veran-

Hause genommen hat. Vieles von dem, was man

staltung vornehmlich an Studenten richtet. Da ich

sich vornahm und diskutierte, ging im Uni-Alltag

zu diesem Zeitpunkt als Promoter für Olympus ar-

wieder unter, weil der nationale Austausch nach der

beitete, habe ich die fotografische Begleitung und

BuFaTa nicht weiter stattfand. Da jede BuFaTa ihre

Dokumentation des Symposiums übernommen. Ich

Schwerpunkte hat, die größtenteils von den Organi-

brachte mich in der darauf folgenden Zeit immer

satoren abhängig sind, wird auf der Göttinger Bu-

mehr in das Projekt ein, indem ich die Internetseite

FaTa geändert, was uns in den letzten Jahren miss-

aufbaute, die Anmeldung für das Symposium über

fiel. Mal abwarten, wie die anderen das aufnehmen

das Internet aufbaute, Sponsoren warb etc. und

werden.

106

der Fachschaftler untereinander dienen soll. Die letzten Veranstaltungen dieser Art haben sich mehr zu Fortbildungsveranstaltungen für Studenten entwickelt, bei denen der eigentliche studentische Diskurs stark in den Hintergrund getreten ist.


7. Was macht Deine Surfleidenschaft? Ist es neben dem Zahnmedizinstudium und der Fachschaftsarbeit möglich, etwas Ähnliches wie Freizeit zu haben? Uihh, da haste einen momentan sehr wunden Punkt getroffen. Wie bekommt man Studium und Freizeit unter einen Hut? Dabei teilt sich die Freizeit ja auch noch in Freundin, Fachschaft, Gremienarbeit, Doktorarbeit, Erholung, Surfen, Freunde und Lernen auf. Ich wollte heute mal wieder Surfen gehen, aber 10° Lufttemperatur haben mich dann doch davon abgehalten. Der Sport und die Surferei kommen also viel zu kurz! Ich plane gegenwärtig schon den Saisonstart im März, denn es muss unbedingt wieder ein Surfurlaub her! Ich vermisse meinen alten Bulli, den Atlantik und die Sonne!!! 8. Was hast du nach dem Examen vor? Gibt es ein Leben nach der Uni? Ist noch mehr da draußen? Ehrlich gesagt, habe ich mir noch nicht allzu viele Gedanken gemacht, aber Sonne und Surfen werden auf jeden Fall eine Rolle dabei spielen. Danach? Ich kann noch nicht einmal sagen, ob ich in Deutschland bleiben werde! Außerdem hat die Freundin ja bekanntlich auch noch ein Wörtchen mitzureden.

107


Deutschland Cup

2. ASTRA TECH DEUTSCHLAND CUP

Sport und Spass für eine gute Sache

Am Samstag, den 24. Juni 2006, fanden

sich 14 Teams auf dem Vereinsgelände des Stadions am

Bruchweg zur Austragung des 2. Astra Tech Deutsch-

samte Erlös aus dem Turnier kam der Abteilung der Universitätsklinik Mainz für die Behandlung von Kindern mit Mund-, Kiefer- und

land Cup ein. Dort, wo sonst der FSV Mainz 05 der

Gaumenspalte zugute.

machten Mannschaften aus dem ganzen Bundesgebiet

losem Himmel bei weit über 30 Grad boten die Teams

der. Neben sportlichem Ehrgeiz und dem Turniersieg

– ganz im Stile der Klinsmann Elf. Alle Teilnehmer

Konkurrenz aus der Bundesliga das Fürchten lehrt, sowie ein Team aus Österreich Jagd auf das runde Leging es dabei vor allem um eine gute Sache: der ge108

Trotz nahezu subtropischen Bedingungen mit wolken-

den mehr als 300 Zuschauern guten Offensivfußball (Zahnärzte, Zahntechniker und Studenten der Zahnme-


die größere Nervenstärke der „Freiburger Studenten“ durch: „Mainz United“ unterlag mit 1:3 und die Breis-

gauer ließen sich als alles in allem beste Mannschaft des Turniers und als Sieger feiern.

Im kleinen Finale um den dritten Platz konnte Team

„Heidelberg 2“ die „Stadtsparkasse Mainz“ mit einem 3:2 besiegen. Diesen dritten Platz hatten die Heidelberger dabei vor allem dem herausragenden Spieler des

Turniers, Alex Mikhail, zu verdanken: er allein steuerte für sein Team neun Treffer im Verlauf des Turniers bei und wurde damit Torschützenkönig.

Der Titelverteidiger, die „Stadtsparkasse Mainz“ wurde zu Beginn des Turniers seiner Favoritenrolle gerecht,

scheiterte aber im Halbfinale am Finalisten „Mainz United“.

Für die Mannschaft des Ausrichters war im Viertelfinale Schluss. Die „Astra-Techer“ unterlagen hier dem sehr stark aufspielenden Team der „Freiburger Studenten“.

Obgleich Sieger und Besiegte in der Platzierungsliste abzulesen waren, die kleinen Patienten der Universi-

tätsklinik Mainz standen von Beginn an als Gewinner der Veranstaltung fest. Im Anschluss an die sportliche Auseinandersetzung konnte Uwe Jerathe, Geschäftsführer der Astra Tech GmbH, PD Dr. Ralf Schulze

(Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie) einen Scheck in Höhe von 5.000,- Euro zur Behandlung von Kindern mit Mund-, Kiefer- und Gaumenspalten bei der Universitätsklinik Mainz überreichen.

Nach dem Ende des Turniers galt es sich doppelt zu freuen: auf das anstehende Achtelfinale der deutschen

Fußballnationalmannschaft und auf den nächsten Astra

Tech Deutschland Cup im Jahre 2007 – denn hier galt dizin) vereinte das Ziel, den favorisierten Titelverteidigern der „Stadtsparkasse Mainz“ den Deutschland Cup streitig zu machen.

Das Finale zwischen „Mainz United“ und den „Frei-

burger Studenten“ war an Spannung kaum zu überbieten. Nach einem torlosen Remis in der regulären Spiel-

zeit mit hochkarätigen Chancen auf beiden Seiten, fiel die Entscheidung erst im 9m-Schießen. Hier setzte sich

gleich zweimal: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“.

Presseanfragen

Katja Geis

Astra Tech GmbH

An der kleinen Seite 8

65604 Elz

Tel. // 06431 / 986 92 14

Fax. // 06431 / 986 930 214

katja.geis@astratech.com

109


Arbeit in Entwicklungsl채ndern

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Arbeitserfahrungen in Entwicklungsländern – Erinnerungen & Aussichten

von Dr. Taskin Tuna

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Arbeit in Entwicklungsländern

„Nichts kann erfüllender sein, als mit der Aus-

tige Erfahrungen mit sich bringt.

übung des erlernten Berufes essentiell helfen

Für viele steht vor allem die praktische Tätigkeit als

zu können.“

Zahnarzt im Vordergrund. So kann das Erlernte endlich auch eigenverantwortlich angewendet werden. Es

Noch oft und gerne erinnere ich mich an die dankbaren

ist kein Geheimnis, dass die chirurgische Ausbildung

Gesichtsausdrücke meiner peruanischen Patienten,

an deutschen Universitäten im Vergleich zu anderen

obwohl ich Ihnen, wie in den meisten Fällen, gerade erst einen Zahn entfernt hatte. Fange ich einmal an, in den Erinnerungen zu kramen, kommen mir die vielen verschiedenen Eindrücke vor Augen. Die Warteschlangen am frühen Morgen, die langen Arbeitstage bis zur Abenddämmerung und das Gefühl, als wäre die Masse von Menschen vor meiner „Praxis-Hütte“ nicht weniger geworden. „Die Schüler, die Lehrer und der Rest des Projektpersonals mein

sollten

Hauptklientel

in

der nächsten Zeit werden. Hinzu kamen noch die Bewohner des

europäischen Ländern viel zu kurz kommt. So gehört

Dorfes Huancabamba und der Nachbardörfer,

es nicht zur Ausnahme, wenn ein frisch approbierter

die bald schon Schlange standen und mir ein

Zahnarzt in seinem gesamten Studium gerade einmal

schlechtes Gewissen machten, wenn ich ih-

zwei wackelige Milchzähne bei einem voll narkotisier-

nen spät abends nach einem langen Arbeits-

ten Kind entfernen durfte.

tag mitteilen musste, dass sie am nächsten

Dagegen sind Extraktionen, Abszessbehandlungen und

Tag wieder kommen müssten.“

kleinere Osteotomien, aber auch die konservierende Behandlung von Erwachsenen und vielen Kindern die

Die beeindruckende Reaktion der Patienten ist aber nur

Hauptarbeit in derartigen Famulaturen und bereichern

einer von vielen Gründen, warum sich in Deutschland

den Erfahrungsschatz jedes Behandlers. Man spürt

so viele Studenten und Jungzahnärzte für einen Ar-

schnell die plötzliche Verantwortungsposition und

beitsaufenthalt in Entwicklungsländern interessieren.

ist von Anfang an gezwungen, seine Fähigkeiten und

Nach dem langen, straff durchorganisierten Studium

Grenzen einschätzen zu lernen.

der Zahnheilkunde und einem harten Examen kann die zahnärztliche Famulatur eine der schönsten und unver-

„ Man nannte mich immer „Doctor“ und zeigte

gesslichsten Belohnungen sein, weil kaum eine andere

mir in meinen Augen viel zu viel Respekt. Das

Tätigkeit in einem vergleichbaren Zeitraum so vielsei-

war mir eher unangenehm und stellte mich

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bloß noch mehr unter Druck.

in den armen Ländern selbst im hohen Alter in den mei-

Einen retinierten und verlagerten Weißheits-

sten Fällen nicht unter (Wohlstands-) Krankheiten wie

zahn extrahierte ich im Krankenhaus in der

KHK, Diabetes, Übergewicht und Asthma leiden und

mehrere Stunden entfernten Stadt zusammen

somit einige „westliche“ Probleme seltener auftreten.

mit Hilfe eines dort tätigen Kollegen. Röntgen war nur im selben Raum und ohne jegliche

„Vor allem in zahnmedizinischer Hinsicht habe ich in diesen 2 Wochen viel lernen können. Mit den einfachsten Instrumenten (Hebel und Zange) habe ich es doch geschafft, jeden Zahn, den ich mir vornahm, zu extrahieren. Oft war ich kurz vorm Aufgeben, weil ich dachte, dass mein Material nicht ausreiche. Aber wie hätten diese Menschen sonst von ihren Leiden befreit werden sollen? Allein für die Fahrt nach Puerto Bermudez, die mit dem Floß noch dazu mehrere Tage dauern kann, haben viele kein Geld. Immer wenn

Schutzvorkehrungen, wie wir sie bei uns sonst

ich dachte, nichts würde mehr klappen, legte

kennen, möglich. Aber immerhin hatten sie

ich die Instrumente weg und schaltete kurz ab

überhaupt ein solches Gerät.“

um dann mit ganz frischen Gedanken die Situation erneut anzugehen.“

All diese Erfahrungen machten sich auch nach der Rückkehr im nächsten Kurs bemerkbar, denn oftmals

Nicht selten erinnern die Arbeitsbedingungen in diesen

arbeitet man als Famulant dann selbständiger, be-

Ländern an Abenteuerliches. Plötzlich findet man sich

wusster und schneller als die Kommilitonen.

in einer völlig anderen Welt mit einer fremden Sprache

Doch wie erkennt man als Famulant die Grenzen wäh-

wieder und wird eventuell auch noch alleine in tiefere

rend seines Arbeitseinsatzes? Wie jeder andere Be-

Gebiete eines Landes geschickt. Ist es vielleicht das

handler auch sollten die jungen Zahnärzte in spe ihre

geordnete Leben in unserer Heimat, was uns veran-

Fähigkeiten kritisch hinterfragen und mögliche Kom-

lasst, solche Strapazen auf uns zu nehmen? Trotz der

plikationen abwägen. Die Komplikationen sind nicht

Schlangen und Skorpione, der Amöbenruhr, Diarrhoe,

unterschiedlich zu denen, die auch in einer deutschen

Hepatitis, AIDS und anderen potentiellen Gefahren ist

Praxis auftreten können, jedoch ist in einigen Ländern

eine Famulatur sehr verlockend: man kann sich oftmals

in den seltensten Fällen ein Krankenwagen zur Stelle.

gar nicht satt sehen an der wunderschönen, beinahe

Glücklicherweise kann man sagen, dass die Menschen

unberührten, lebendigen Natur. Egal, ob unterwegs auf 113


Arbeit in Entwicklungsländern

einem Fluss oder in den Steppen Afrikas, diese Rei-

säule! Nur eine Frau, die aus einer Hütte mit einem

sen sind ununterbrochen Begegnungen mit den unter-

schweren Eimer zum Auto kam. Der Fahrer hielt ei-

schiedlichsten Kulturen.

nen großen Trichter, der in den Tank mündete. Auf die Trichteröffnung war ein Damenstrumpf gespannt, der

„…mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca.

dann den eingegossenen Sprit aus dem Eimer filtrieren

25 km/h war der Fahrer ständig damit beschäftigt, den

sollte. Andere Welt!“

großen Löchern auf der Strecke auszuweichen, der Bus hätte den deutschen TÜV schon vor 10 Jahren nicht

Wenn man sich im Internet umschaut, wird man sehr

mehr bestanden. Ich wusste nicht genau, ob ich lachen

viele Hilfsprojekte anfinden. Als Sicherheit bei den

oder weinen sollte. Plötzlich hieß:„Wir brauchen Ga-

Informationen über die Seriosität der Projekte ist für

solina.“…Weit und breit keine Tankstelle, keine Zapf-

Famulatur interessierte Studenten der Zahnärztliche

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Austauschdienst e.V. die wichtigste Anlaufstelle. Der

das Klima, die politische Situation und damit in Zu-

Verein wurde 1981 von Zahnmedizinstudenten gegrün-

sammenhang stehende Risiken (Naturkatastrophen,

det und unterstützt mittlerweile mit der Hilfe des FVDZ

Regenzeit, Unruhen, Erkrankungen, etc) können nütz-

die Organisation der Famulaturen. Die Webseite (www.

liche Informationen sein. Hinzu kommt sicherlich auch

zad-online.com) gibt anhand von Erfahrungsberichten

die Frage, ob einem die Kultur in dem Zielland zusagt,

früherer Famulanten wichtige Hilfestellungen bei der

denn ein Einsatz in Afghanistan bedeutet sicherlich

Vorbereitung. Der ZAD ist seit langer Zeit über die

eine andere Vorbereitung als in Brasilien. Wer in ein

LEO’s (Local Exchange Officer) an den meisten deut-

armes Land gehen will, sollte einkalkulieren, dass auch

schen Universitäten vertreten.

die eigene medizinische Versorgung vielleicht nicht mit Sicherheit gewährleistet werden kann.

Die Planung der Famulatur beginnt mit dem Lesen der Erfahrungsberichte und der anschließenden Entschei-

„Ich wusste zwar, dass die Fahrt ca. 9 Stunden dau-

dung für den bevorzugten Kontinent oder ein bestimmtes

ern würde, aber dass sie auch mal 16 oder 20 Stunden

Land. Man sollte sich im Klaren darüber werden, ob

dauern kann, wurde mir klar, als wir uns mitten in der

man gewillt ist, für die Famulatur eine neue Sprache

Selva (Tropenwald), auf einem anstrengendem Weg

zu erlernen oder vielleicht doch im englischsprachigen

aus weicher, matschiger, roter Erde befanden. Die Piste

Raum bleiben möchte. Auch die geographische Lage,

war dermaßen uneben, dass wir immer wieder stecken 115


Arbeit in Entwicklungsländern

blieben aussteigen mussten. Was wäre eigentlich, wenn

„Hilfe zur Selbsthilfe“ ist auch das Anliegen des Freun-

ich hier krank würde? Wer würde mich retten?“

deskreises Indianerhilfe Göttingen (FKI), welcher vor

Adressen und Briefvorlagen für die Bewerbung gibt

ca. 30 Jahren gegründet wurde. Regelmäßig im Jahr

es zum Beispiel beim ZAD oder auf der Webseite des

reist ein Arzt des Projektes, den die Ashaninka-India-

ausgewählten Projektes. Über den ZAD kann man un-

ner schon kennen, dort hin, um Auserwählte des Dorfes

ter Umständen sogar einen Reisekostenzuschuss vom

in einfacher Medizin zu unterrichten, damit sie die am

DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst)

häufigsten vorkommenden Krankheiten erkennen und

beantragen.

Hilfe leisten können, indem sie entweder Medikamente

In der Regel sollte dafür die Organisation der Famu-

verabreichen oder die Schwerkranken nach Puerto Ber-

latur ca. 1 Jahr im Voraus beginnen. Zum einen kann

mudez ins Hospital bringen. Es fehlt ihnen noch ein

das Rückschreiben der Projektgeber verspätet ankom-

Zahnarzt, der diese Auserwählten im einfachen Extra-

men (manchmal auch gar nicht, daher sollte man sich

hieren unterrichtet.

in verschiedenen Projekten bewerben), zum anderen sollte man auch Dentalfirmen anschreiben, um Spendenmaterialien zu sammeln. Manche Projekte können genau sagen, an was es ihnen mangelt und schicken bereits eine Materialliste mit. Ansonsten lohnt es sich eigentlich immer, Extraktionswerkzeuge, Composite, Amalgam und Instrumente mitzunehmen. Auch ist der ZAD eine große Hilfe. Nicht zuletzt sollte man auch die notwendigen Impfungen rechtzeitig vornehmen. Die bekannten Zahnärztlichen Hilfsprojekte, die Studenten akzeptieren und sie auch selbständig arbeiten lassen, werden auf der ZAD Webseite vorgestellt. Hierzu zählt auch das Zahnärztliche Hilfsprojekt Bra-

Nicht zu vergessen ist das Peru Projekt des Deutschen

silien e.V., welches seit vielen Jahren in verschiedenen

Roten Kreuzes in Norddeutschland, über deren Websei-

Zahnstationen sehr vielen Studenten eine besondere

te (www.mkg-aerzte-peru.de/) man sich für eine Famu-

Lebenserfahrung ermöglicht hat. Ein anderes Projekt

latur bewerben kann.

ist der seit 2001 bestehende Förderkreis Clinica San-

Andere gern besuchte Orte sind die Cook Islands in

ta Maria im Süden Ecuadors am Ostabhang der Anden

der Südsee, Tanzania und das tropische Guatemala.

(www.fcsm.org). Die Gründer dieses Projektes haben

Dort wird auf einem kleinen Boot mit einer dentalen

eine Klinik aufgebaut, in der nach definierten Richt-

Einheit behandelt (www.aktenamit.org) während man

linien behandelt wird. Eine Besonderheit ist hierbei

in Südafrika mit einem Zug voller Behandlungsräume

die „betreute Famulatur“, bei der die Studenten nicht

von Dorf zu Dorf fährt (www.mhc.org.za).

ganz alleine behandeln, da zur gleichen Zeit immer ein Zahnarzt vor Ort ist-, der nicht wie in der klinischen

In der Regel haben die Famulanten während der Ar-

Behandlung ständig kontrolliert, aber dafür in schwie-

beit in einem Projekt keine Kosten für die Unterkunft

rigen Situationen helfen kann. Auch sendet der Förder-

und Verpflegung, allerdings muss man auch bereit sein,

kreis mittlerweile einige Dental Hygienikerinnen nach

sich mit einfachen Verhältnissen zufrieden zu geben. In

Ecuador um verstärkt Prophylaxearbeit und –aufklä-

Peru gab es morgens zwei Brote und ein kakaoartiges

rung zu leisten, was neben der Behandlung als eine der

Getränk, wenn man Glück hatte noch etwas Butter. In

wichtigsten Maßnahmen angesehen werden kann.

Brasilien bestand das Frühstück dafür jeden Morgen

116


aus Papaya, Mango und anderen Früchten.

die Geräusche der Insekten und Fledermäuse

Wenn man schon in ein interessantes Land auf der an-

so nah waren, zum anderen, weil ich erst dann

deren Seite der Erde fliegt, sollte man die Zeit so auf-

die Ruhe fand, um alle Eindrücke des Tages zu

teilen, dass man auch herumreisen kann. Es lohnt sich

verarbeiten. Wir gingen mit dem Sonnenunter-

definitiv, mindestens 3-4 Wochen im Anschluss an die

gang schlafen und ich wachte häufig noch vor

Arbeit das Land zu besichtigen. Zu diesem Zeitpunkt

Sonnenaufgang auf, was mir die Gelegenheit

hat man eine sicherere Verständigung und die Menta-

gab, dieses wunderbare Lichtspiel von Anfang

lität der Menschen und ihre Kultur bereits kennen ge-

an zu verfolgen.

lernt. Auf geht’s! So einfach, so urtümlich war alles. Morgens „Sowohl die Menschen als auch die Natur ha-

badete ich noch im Fluss, der in vielerlei Hin-

ben ihre Spuren hinterlassen. In diesem Mo-

sicht so wichtig für das Leben dort war. Zum

nat füllte sich mein Tagebuch bis zur letzten

Frühstück gab es dann Nescafé mit Flusswas-

Seite. Nachts konnte ich erst einmal nicht

ser…das war aber das einzig Süße, das man

einschlafen. Zum einen, weil wir im freien in

bekam und daher ein großer Genuss.

offenen Hütten auf Holzböden schliefen und

Ich nahm alles so hin, wie es war.“ 117


IADS 2006

118


IADS 2006 Kongress der Gegensätze Am 3. August traf sich eine Gruppe Zahnmedizinstudenten am Frankfurter Flughafen, um eine ungewöhnliche Reise in eine andere Kultur anzutreten. Unser Ziel war der Sudan, ein Land, welches in Deutschland wohl kaum als „normales“ Urlaubsland gilt. Allein die Beantragung der Visa war ein Abenteuer für sich und die vielen Impfungen benötigten Vorbereitungszeit und kosteten viel Geld. Von Frankfurt flogen wir nach Kairo und nach einer Nacht ohne Pässe ging es weiter in die Hauptstadt des Sudan, Khartoum. Schon vor Beginn der Reise wussten wir, dass uns eine völlig andere Welt erwarten würde, und so kam es auch. Männer in weißen, langen Gewändern, Turbanen und Spazierstöcken gehörten nun zum Alltagsbild, genauso wie die Frauen in bunten Gewändern mit ihren vielen Kindern. Nach der Ankunft und einem ersten Kennenlernen der sudanischen Zahnis wurden wir auf einen Tee bei Organisator Ahmed Salah eingeladen und unsere Hoffnung auf eine Mütze Schlaf wurde schnell begraben, da es unverzüglich 119


IADS 2006

mit dem Land Rover auf eine Tour in die Wüste ging. Zu derartigen, drei bis vier Tage dauernden Vorkongressen der International Association of Dental Students (IADS) kommen meist nur einige der Teilnehmer, was vor allem die zwischenmenschliche Kommunikation intensiviert und die Möglichkeit eröffnet, Land und Leute etwas näher kennen zu lernen. Unsere erste Station waren die Pyramiden und Tempel aus der Zeit der Pharaonen. Besonders beeindruckend war die alte Königsstadt Meroe, wo wir obendrein von einem Sandsturm überrascht wurden. Die alten Bauten sind relativ schlecht erhalten, weswegen sich im Winter unter anderem deutsche Archäologen dort aufhalten, um die Denkmäler auszugraben und vor dem Verfall zu bewahren. Touristisch ist der Sudan sehr wenig erschlossen und nur von einigen speziellen Reiseanbietern werden vornehmlich teure Touren angeboten. An den Sandsturm in der Wüste schloss sich ein grandioses Ereignis an,

Zimmer unseres 5- Sterne- Hotels und begrüßten die

ein Wüstengewitter mit unheimlich starkem Regen

Freunde aus dem Rest der Welt. Die Opening Cere-

und Blitzen aber ohne jeglichen Donner. Zum Glück

mony des eigentlichen Kongresses fand im Parlament

hatte unsere Unterkunft in der Mitte der Wüste eine

statt und als in großen Buchstaben über dem Eingang

primitive Dusche, wo wir uns von dem Sand auf der

„53rd Congress – International Association of Dental

Kopfhaut, den Ohren und allen anderen Körperteilen

Students“ stand, fühlten wir uns fast so, als stünde eine

befreien konnten, bevor wir in einen unruhigen Schlaf

Filmpremiere bevor.

fielen, der von ungewohnten Wüsten- Geräuschen und

Am Tag darauf machten wir selbstverständlich einen

der Furcht vor allerlei Ungetier geprägt war.

Abstecher in den Hotel- Pool und wurden dort mit dem Problem konfrontiert, dass Frauen nicht schwimmen

Der zweite Teil unserer Tour wurde von der sudane-

gehen durften, zumindest nicht gemeinsam mit den

sischen Regierung gesponsert und hatte als Ziel Me-

Männern. Da es keinen zweiten Pool im Hotel

rowe, das größte Bauprojekt Afrikas. Der Merowe

gab, saßen die muslimischen Frauen in voller

- Staudamm am Nil wird für Millionen von Menschen

Montur neben dem Pool während Männer und

Elektrizität erzeugen und man konnte deutlich erken-

Kinder planschten. Als Europäerinnen stießen wir

nen, wie viel Geld hier investiert wird. Alles war ein

erst auf etwas Widerstand, konnten uns zum Glück aber

klein wenig sauberer und bunter als in Khartoum. Nach

damit durchsetzen, dass wir mit männlicher Begleitung

zwei weiteren Übernachtungen in nach Geschlechtern

ins Wasser gingen.

getrennten Häusern, Sightseeing, Interviews für das Fernsehen und vielen Fotos mit den sudanesischen

Sein oder Nicht Sein

Studenten fuhren wir wieder zurück in die Hauptstadt.

Es war jedem von uns von vorn herein klar, dass der

Inzwischen hatten die ersten von uns Durchfall so dass

IADS- Kongress 2006 etwas Besonderes werden wür-

Kohle- und Reisetabletten das meist begehrteste Gut

de, da er nicht wie in den Jahren zuvor in den euro-

auf unserer siebenstündigen Rückfahrt waren.

päischen Hauptstädten Berlin und Prag sondern im

Nach unserer Rückkehr in Khartoum bezogen wir die

Sudan stattfinden sollte. Die Sudanesen waren in den

120


121


vergangenen Jahren bereits zahlreich auf den Kongressen vertreten und sind durch ihre zurückhaltende, streng muslimische aber auch sehr freundliche Art aufgefallen. So war von Anfang an klar, dass körperliche Ausuferungen jedweder Art ausbleiben müssten, alkoholische Entgleisungen wie wir sie von vorherigen Treffen und Partys gewohnt waren, inklusive. Andere Länder – andere Sitten ist eines der Kernthemen des IADS, welches gerade die Teilnahme an den Kongressen so reizvoll macht und so hatten sich die Sudanesen in den letzten Jahren sehr um die Ausrichtung des Kongresses bemüht.

Die Israelis, derzeit keine Mitglieder des IADS und schon seit Jahren auf keinem Treffen präsent gewesen, beklagten den diesjährigen Ausschluss und forderten eine Absage des Kongresses, wobei in Frage gestellt sei, ob sie überhaupt die Absicht hatten am Kongress teilzunehmen. Das EXCO war in dem Zwiespalt, den Kongress zwei Wochen vor Beginn abzusagen oder die Verfassung wissentlich zu missachten! Ihre Verfassung, die besagt, dass ein Kongress nur in dem Land stattfinden darf, in dem kein Teilnehmer auf Grund seines Geschlechts, der Nationalität oder Religion von der Teilnahme ausgeschlossen wird. Dem Executive Committee (EXCO) war es im Vorfeld entgangen und das sudanesische Congress Committee (COCO) hatte es wohl nicht als erachtenswert empfunden, dass sowohl israelischen Staatsbürgern als auch den Ausländern, die einen israelischem Stempel im Pass haben, schon laut Auch unseren Familienmitgliedern war es teilweise

Aussage der Internetseite des Sudan die Ausstellung

schwer begreiflich zu machen, warum wir ausgerech-

eines Visums verweigert wird.

net in ein Land fahren wollten, was aus den Medien vor

Als die Diskussion dieses Missgeschickes schließlich

allem als Bürgerkriegs- und UN- Einsatzland bekannt

doch im Internet in Gange kam, führten die Sudanesen

ist. Wir waren aber von der Sache überzeugt, ohne uns

daraufhin das Gegenbeispiel an, dass ihre Teilnahme in

große Vorstellungen von dem zu machen, was auf uns

Prag auch eingeschränkt gewesen wäre, da nur ein Teil

zukommen sollte.

der Visa - Antragsteller ein Visum erhielt. Rein recht-

Kleine und größere Konflikte hatte der Kon-

lich gesehen gilt dies jedoch nicht als Nationalitäts-

gress bereits im Vorfeld aufgebracht, da er,

einschränkung, schließlich waren auf allen Kongressen

wie uns zwei Monate vorher bewusst wurde,

sudanesische Delegationen vertreten.

eigentlich gar nicht hätte stattfinden dürfen.

Die Israelis, derzeit keine Mitglieder des IADS und

Dazu kurz ein Ausflug in die Bürokratie der in den

schon seit Jahren auf keinem Treffen präsent gewesen,

fünfziger Jahren auf israelischem Recht gegründeten

beklagten den diesjährigen Ausschluss und forderten

Vereinigung. Die International Association of Dental

eine Absage des Kongresses, wobei in Frage gestellt

Students (IADS) legt seit jeher besonderen Wert auf

sei, ob sie überhaupt die Absicht hatten am Kongress 123


IADS 2006

teilzunehmen. Das EXCO war in dem Zwiespalt, den

Am Ende kam es zu einer eher unkonventionellen Lö-

Kongress zwei Wochen vor Beginn abzusagen oder die

sung- es wurde inoffiziell abgestimmt ob das GA er-

Verfassung wissentlich zu missachten! Beide Varian-

öffnet werden sollte und man sprach sich mehrheitlich

ten waren schwierige Alternativen und stellten gerade

dafür aus. Die Präsidentin Andrea Veitova eröffnete das

eine unpolitische Organisation wie den IADS auf eine

GA offiziell und alle Punkte wurden abgehandelt wie

schwere Probe.

immer. Am dritten Tag fanden Neuwahlen statt und An-

Der Kongress wurde nicht abgesagt, allerdings erschie-

drea wurde in Ihrem Amt bestätigt, u.a. in der weisen

nen zum Teil auch aus Protest nur einige Mitglieder des

Voraussicht, dass das GA im Nachhinein für ungültig

EXCO sowie insgesamt eine vergleichsweise kleine

erklärt werden könnte. Außenstehenden mag zum Trost

Zahl von Teilnehmern, was sicher auch den Reiseko-

angemerkt sein, dass selbst wir arge Probleme hatten,

sten geschuldet war.

dies alles nachzuvollziehen. Ein neuer Präsident wäre

Die erste Sitzung des General Assembly (offizielle

ja quasi nicht wirklich im Amt und das Bestehen des

Sitzung des IADS und der NEO´s, kurz GA) begann,

IADS generell in Frage gestellt. Man wird sehen, ob

obwohl sie gar nicht hätte offiziell eröffnet werden

es noch zu Beanstandungen kommen wird. Wir haben

dürfen, da der Kongress nicht verfassungskonform

jedenfalls versucht, das Beste daraus zu machen.

zustande gekommen war. Das sudanesische Organisati-

Dennoch wurde jedem bewusst, wie sensibel sogar ein

onskomitee wurde extrem wütend und drohte mit dem

studentischer Fachkongress in der aktuellen politischen

Rauswurf aus dem Hotel falls das GA nicht offiziell

Lage behandelt werden muss.

stattfinden würde. Entsprechend ihrer Mentalität ging es dabei teilweise leider wenig sachlich und sehr laut

Der Kongress war wie immer einzigartig und unsere

zu.

sudanesischen Freunde von einer Herzlichkeit und

Der sudanesische Standpunkt war natürlich auch nach-

Gastfreundlichkeit bestimmt, dass es zum Herzerwei-

vollziehbar, schließlich hatten sie sich extrem viel

chen war. Teilweise war es sehr gewöhnungsbedürftig,

Mühe gegeben, so dass wir in unserem voll klimatisier-

da zum Beispiel die Frauen prinzipiell um elf ins Bett

ten Hotel saßen und uns die Köpfe qualmten.

geschickt wurden und nur ein paar besonders eman-

124


SICHER HABEN WIR UNS FAST IMMER GEFÜHLT SO SICHER WIE MAN SICH EBEN FÜHLEN KANN, WENN AN JEDER BRÜCKE UND STRASSENECKE EIN MILITÄRFAHRZEUG MIT AUFGEPFLANZTEM MASCHINENGEWEHR STEHT UND MAN BEI DEN TOUREN DURCHS LAND VON FAHRZEUGEN DIESER ART BEGLEITET WIRD.

zipierte (und von den Männern zwangsläufig weniger

war für uns sehr ungewöhnlich, vor allem die vielen

respektierte) Mädels sich über die Kleider- und Zeitre-

Regeln im Alltag, den kompletten Alkoholverzicht als

gelung hinweg setzten. Eine Frau durfte am anschlie-

auch das Verlesen von Koran- Suren während der of-

ßenden Medical Field Trip, für den sie sogar bezahlt

fiziellen Reden und Ansprachen, meist ausschließlich

hatte, nicht mitfahren, weil sie an einem Abend auf

auf Arabisch, betreffend. Was wäre wohl die Reaktion

einer Farm weit außerhalb Khartoums kurzärmelig

gewesen, wenn in Berlin 2004 plötzlich christliche Ge-

gesehen worden war. Und so bestanden die Partys

bete während der Eröffnung im Roten Rathaus verlesen

dann meist aus uns Europäern und den sudanesischen

worden wären?

Männern, die dafür aber gebreakdanced haben und viel Spaß dabei hatten im Tagungsraum des Hotels zu Tech-

Sicher haben wir uns fast immer gefühlt - so

noklängen abzuhotten.

sicher, wie man sich eben fühlen kann, wenn an

Kleine und größere Mentalitätsunterschiede waren nun

jeder Brücke und Straßenecke ein Militärfahr-

mal nicht zu verhehlen und traten gerade beim Umgang

zeug mit aufgepflanztem Maschinengewehr

zwischen Männern und Frauen zu Tage. Die sudane-

steht und man bei den Touren durchs Land von

sischen Frauen wussten manchmal gar nicht

Fahrzeugen dieser Art begleitet wird.

wie ihnen geschah, wenn ein europäischer

Etwas mulmig wurde uns, als wir während des Medi-

Mann ihnen die Tür aufhielt oder ähnliches.

cal Field Trip den vielen Kindern begegneten und beim

Auch die Interaktion von Religion und Gesellschaft

Verteilen von Zahnbürsten und aufgeblasenen Hand125


IADS 2006

schuhen fast erdrückt worden wären. Unsere Gastgeber

Kinder als Sklaven verschleppen. Dabei werden

waren, wenn auch manchmal auf ihre etwas spezielle

nicht nur Annimisten und Christen getötet und

Art immer sehr bemüht, dass es uns gut ging. Dennoch

verschleppt, auch muslimische Schwarzafri-

hat man sich als blonde Europäerin eher selten allein

kaner werden nicht verschont. Frauen werden sy-

auf die Strasse getraut, denn zu eindringlich waren die

stematisch vergewaltigt, denn sollte der Ehemann über-

Blicke auf uns unverschleierte, Hosen tragende Blon-

lebt haben, verstößt er seine Frau daraufhin mit größter

dinen. Für die Organisation, Möglichkeiten und Er-

Wahrscheinlichkeit. Die Männer werden jedoch in

fahrungen bin ich sehr dankbar und obendrein haben

den meisten Fällen ermordet, weil sie sich als Sklaven

wir 3000 Patienten innerhalb der letzten dreieinhalb

schwerer verkaufen lassen als Frauen und Kinder.

Tage des Medical Field Trip behandelt. Ich werde diese

Besonders brutal und unverständlich ist die phara-

freundlichen Menschen in ihren tollen Kleidern ewig in

onische Beschneidung der Mädchen, die im Sudan

Erinnerung behalten.

immer noch bei 90 % liegt. Dabei werden Klitoris und teilweise auch die Schamlippen entfernt und im

Ein Land der Widersprüche

schlimmsten Fall wieder so vernäht dass nur ein Loch

Im größten afrikanischen Land leben ca. 41 Millionen

mit der Größe eines Strohhalms zurückbleibt.

Menschen auf 2,5 Millionen Quadratkilometern, das

Obwohl wir im Sudan 5 Sterne genießen konnten,

geltende Recht ist die Scharia (islamisches Recht), die

unsere Gastgeber keinerlei Kriegstrauma zu haben

1985 eingeführt wurde. Die Staatsreligion ist der Is-

schienen und allesamt aus gutem bürgerlichen Hause

lam, 70 % der Sudanesen sind sunnitische Moslems,

stammten, herrschen in einem anderen Teil des Landes

25 % sind Annimisten und folgen damit Naturreligionen,

Willkür, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen.

7 % sind Christen. In den Medien ist der Sudan

Diese Gegensätze haben wir sicherlich nur an

meist mit neuen Schreckensmeldungen über

der Oberfläche betrachten können und doch

Bürgerkrieg, Vertreibungen und Massakern

wurden die Ungleichheiten in der Gesellschaft

präsent, wobei die Krisenregionen hauptsächlich Dar-

immer wieder deutlich.

fur und der Südsudan sind. Mehr als 20 Jahre herrschte hier Bürgerkrieg bevor im Jahr 2005 dem Südsudan

Während unseres Hilfsprojektes wurden wir gut aufge-

Autonomie gewährt wurde. 2011 soll in einem Refe-

nommen, allerdings wurde uns oft ein Mikrofon unter

rendum über die Unabhängigkeit entschieden werden.

die Nase gehalten, um etwas Positives zu sagen. Ob

In Darfur sind Hunderttausende Menschen getötet wor-

unsere Arbeit nur ein Tropfen auf den heißen Stein war

den und auch heute noch unzählige Menschen auf der

oder wirklich etwas bewirkt hat, werden vielleicht un-

Flucht.

sere Nachfolger herausfinden, denn im nächsten Jahr

Die arabische Regierung unterstützt die Dschandscha-

wird es wieder ein Sudan - Projekt geben. Wir konnten

wid, die Reitermilizen, die mordend und vergewalti-

mit Sicherheit Eindrücke gewinnen, die wir nie wieder

gend durch die Dörfer ziehen, Häuser anzünden und

vergessen werden. Juliane

126


IADS 2006

„Here in Sudan...“ GGGGG

GG

Der Treffpunkt für alle Helfer ist die „Faculty of Dentistry“ mitten in Khartoum, die Abfahrt für zwölf

Uhr geplant. Fünf große Busse und Massen an su-

danesischen Studenten und Ärzten begrüßen unsere

23-Mann-starke Gruppe, als wir vor der Zahnklinik ankommen. Das Gepäck von uns und ungefähr 160 Sudanesen wird verstaut und wir müssen uns von einigen

der neu gewonnenen Freunde schon wieder verabschieden. Gegen drei Uhr starten wir dann endlich in die ungewisse Zukunft und erreichen nach einigen kleinen Unterbrechungen gegen sieben Wad Mahadi.

Dort angekommen werden wir vom Bürgermeister

herzlich empfangen, essen zu Abend und beziehen dann unsere Unterkunft für die nächste Woche.

Ein bisschen mulmig ist uns schon zumute, schließlich

Zahnarztstühlen in der Kons ganz einfache Plastikgar-

warten wird. Wen werden wir behandeln und wie und

die Patienten, weiß gekleidete Männer und verschlei-

haben wir keine Ahnung was uns die nächsten Tage ervor allem wo?

Nach einer unruhigen Nacht und nur wenigen Stunden Schlaf quälen wir uns am nächsten Morgen um halb

sieben aus unseren Betten in den Essenssaal, um noch eine Tasse Tee zu trinken, bevor es um halb acht losgehen soll. Gegen acht werden wir langsam unruhig, wir wollen endlich anfangen zu arbeiten und begeben uns nach draußen in den Garten und warten. Und „here

in Sudan“ lernt man ziemlich schnell zu warten, die sudanesischen Uhren ticken einfach langsamer. Heute

werden unsere Nerven besonders strapaziert, wir war-

ten und warten, frühstücken und warten und dann die

tenstühle in allen Farben. Vor der Schule warten schon erte Frauen in bunten Kostümen in jedem Alter sitzen auf Bänken unter einer kleinen Ansammlung von Bäu-

men und Kinder spielen auf dem Platz vor der Schule. Ein Anblick, den niemand von uns wohl je vergessen

wird. Ein Schauspiel vor lehmfarbenen Häusern, auf

lehmfarbenen staubigen Sand. Charakterstarke, müde Gesichter und Augen voller Erwartung und Hoffnung auf Hilfe sind auf uns gerichtet und wir Europäer und vor allem die blonden hellhäutigen unter uns spüren unzählige dankbare, aber auch verachtende Blicke. Der erste Tag beginnt.

erlösende Mitteilung: Der Bus ist da und es geht los.

Wir werden in Gruppen eingeteilt für die Kons, die

Wasseranschlüsse und ohne wirkliche Beleuchtung,

unsere Arbeitsplätze ein. Nach einer kurzen Einwei-

Unsere Behandlungszimmer sind Klassenräume ohne die Temperatur klettert auf 48 °C, die einzige Abkühlung bringt ein uralter Ventilator mitten im Raum und

die Behandlungsstühle sind mit Ausnahme von zwei 128

Paro und die Chirurgie und richten dem entsprechend

sung geht es los und die ersten Patienten kommen zur

Behandlung, es wird gescalt, Füllungen werden gelegt

und Zähne gezogen. Jede Hand wird gebraucht und


Pics/SUDAN

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IADS 2006

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Pics/SUDAN

unser Team arbeitet langsam, aber gut zusammen und so können wir in den ersten fünf Stunden fast 200 Patienten behandeln. Vollkommen erschöpft, hungrig und vor allem durstig erreichen wir spät abends unsere Bleibe und fallen nach dem Abendessen hundemüde ins Bett.

Am nächsten Tag fahren wir noch einmal in dasselbe Dorf, in welches dieses Mal auch Patienten aus den umliegenden Dörfern gepilgert kommen, um behandelt zu werden. Die nächsten Tage werden wir in drei Gruppen eingeteilt und fahren in kleineren Teams in unterschiedliche Dörfer. Jeder dieser Tage beginnt wirklich früh morgens gegen

halb acht nach einer Tasse Tee oder Kaffee und einer meist abenteuerlichen halb- bis zweistündigen Tour mit zum Teil nicht wirklich vertrauenswürdigen Fähren über den Nil. Vorbei an kleinen Dörfern, die Straßen gesäumt von Dreck, Plastikmüll und Kadavern von Kühen, Eseln und Ziegen führt unser Weg in die abgelegenen Ortschaften. Armut,

wie man sie sich in Deutschland nicht vorstellen kann, dreckig und weit entfernt vom Leben in den Städten. In den

Dörfern angekommen frühstücken wir zuerst, bevor wir mit der Arbeit anfangen. Jedes Team arbeitet den ganzen Tag in allen drei Abteilungen. Die Patienten kommen als erstes zu einem Zahnarzt, der einen groben Behandlungsplan schreibt und werden dann in die jeweilige Abteilung geschickt.

131


IADS 2006

In der Kons gab es meist zwei Einheiten, von denen eine

In einer kurzen Pause am Nachmittag oder abends kurz

den konnte. Auf der anderen wurden dann Füllungen

alleine oder zu zweit einmal hinter die Kulissen zu se-

zumindest zeitweise funktionierte und gebraucht wer-

gelegt, um die Zeit effektiver zu nutzen. Hauptsächlich wurden GIZ-Füllungen und kleinere Composite - Füllungen gelegt und vorher meistens manuell exkaviert.

Supra- und auch subgingivaler Zahnstein und Konkre-

mente wurden in der Parodontologie mit Scalern und Küretten entfernt, was zum Teil in echte körperliche

Arbeit ausuferte, da viele Patienten überhaupt keine Mundhygiene betreiben und die Ernährung und der

Kautabak sein übriges tun. Deshalb haben wir zusammen mit den sudanesischen Studenten versucht, die Pa-

tienten von einer regelmäßigen Mundhygiene zu überzeugen und ihnen einfache Putztechniken gezeigt.

Die meiste Arbeit gab es in der Chirurgie, hier hatten

wir meist 12 bis 14 Plastikstühle in einem Raum und die Patienten, welche mit zu extrahierenden, meist schmerzenden Zähnen und Wurzelresten kamen, schienen kein

Ende zu nehmen. So konnte jeder täglich einige Zähne ziehen, am Anfang des Tages noch mit den richtigen In-

strumenten, Je mehr Patienten behandelt wurden, desto weniger Zangen und Hebel waren verfügbar, so dass es durchaus vorkam, dass Wurzelreste zum Ende des Tages mit scharfen Löffeln entfernt werden mussten. Hier zeigt es sich wieder: „Here in Sudan“ muss man improvisieren und das nicht nur beim Zähne ziehen.

Wir haben in dieser Arbeitswoche fast 5000 Sudanesen behandeln können. Jedes einzelne Lächeln, ob von ex-

trem ängstlichen Patienten, kleinen und großen Kindern oder doch anfangs sehr tapferen jungen Männern, lässt einen alle Strapazen vergessen. Hier ist man noch Arzt

und hilft, wo man kann ohne die zusätzlich störende

Bürokratie im Rücken zu spüren. Ein dankbarer Blick, eine kleine Geste oder ein herzlicher Händedruck bestätigen uns in unserem Handeln und darin, die richtige Berufswahl getroffen zu haben.

132

vorm Sonnenuntergang haben wir die Zeit genutzt, um hen. Raus aus der Schule oder der Klinik, runter vom Hauptversammlungsplatz und mitten ins Leben der Dorfbewohner. Schon nach ein paar Metern bekommt

man einen kleinen Einblick in den Alltag, ein Blick

durch offen stehende Metalltüren in den Lehmwänden,

mit alten Fahrrad- und Autoreifen spielende Kinder, eine Gruppe alter Männer vor einem alten zerfallenen Haus. Oder, einfach der Blick auf den Nil, Eseln auf kleinen Schiffen und Gruppen von Sudanesen, die am

Nilufer hocken. Für die Afrikaner war unser Anblick genauso besonders wie deren Anblick für uns, aber

auch wenn uns viele Augenpaare verfolgten, hatten wir keine Furcht. Die Dorfbewohner waren allesamt

sehr höflich, zurückhaltend und hießen uns herzlich willkommen. Nur die Kinder kannten diese Zurückhal-

tung nicht, in Horden verfolgten sie uns quer durchs Dorf, lachten, alberten und zeigten uns, womit sie spie-

len. Die Bilder waren einerseits sehr herz ergreifend und gleichzeitig so realitätsfern für uns und dennoch

spielten sie sich genau in dem Moment vor unseren Augen ab. Allein durch unser Lächeln, die Berührung heller Haut oder blonder Haare oder ein Bild mit der

Digitalkamera, was wir den Kindern dann zeigten, ge-

rieten die Kleinen in ein derartiges Durcheinander voll ausgelassener Begeisterung.

Für alle, die das Bedürfnis haben, etwas Gutes zu tun und in armen Ländern ehrenamtlich als Zahnarzt zu

arbeiten, sei erwähnt, dass diese Art des Helfens ein extrem gutes Gefühl erzeugt. Alles was man hier gibt, erhält man tausendfach zurück.

GGGGGGG julia


Japans Sonne

Im Land der aufgehenden Sonne

„Arigato gozaimas“ ...hört man von überall - den vorbeigehenden Pendlern und High School Schülerinnen in kurzen Röcken, jungen Frauen in Kostümchen und Hut, die Fahrstühle in den großen Kaufhäusern bedienen und natürlich bei jedem Besuch in einem Geschäft. Eigentlich heißt es Vielen Dank, kann aber zu jeder möglichen Gelegenheit verwendet werden, die Höflichkeit voraussetzt und das wäre in Japan so ziemlich jede. Auch Verbeugungen sind wichtig - der Student verbeugt sich manchmal gleich mehrmals und die Snackverkäuferin im Schnellzug dreht 134


sich extra um, wenn sie einen Wagen betritt, um sich

dafür zusammen und so ging es Ende Februar los.

zu verbeugen.

Nach einem langen Flug auf dem Narita Flughafen in

Regeln sind wichtig, besonders in Japan.

Tokyo angekommen, wurden wir von mehreren Pro-

Die meisten davon erleichtern den Alltag, da es garan-

ren beeindruckt von der Vielfalt der Häuserfronten und

tiert immer eine Schlange gibt, in der man sich anstel-

fühlten uns sofort wie in eine andere Welt versetzt. Wir

len muss. Ob für Bus-, Bahn- oder Eintrittskarten, es

wurden im Gästehaus der Universität untergebracht,

würde sich hier niemand einfach vordrängeln. Das ist

wo wir riesige Appartements für drei Wochen lang

doch mal echte Gleichbehandlung. Beinahe nervig sind

unser zu Hause nennen durften. Da in der Uni noch

da eher andere Höflichkeitsregeln wie: „Du sollst dir

Prüfungszeit war, konnten wir die erste Woche zum

die Nase nicht in der Öffentlichkeit putzen!“ - aber es

ausgiebigen Sightseeing nutzen, weswegen wir uns

ist höflich, sie hoch zu ziehen. Oder, dass es an jeder

schon in Deutschland einen Japan Rail-Pass bestellt

Ecke Snacks zu kaufen gibt, aber es unhöflich ist, in der

hatten, der speziell für Touristen angeboten wird. Mit

Öffentlichkeit zu essen.“

diesem Ticket kann man fast alle Züge und vor allem

Derartige Sozialstudien hatten uns ursprünglich nicht

auch die Shinkansen (wohl mit die berühmtesten Züge

veranlasst, nach Japan zu reisen, dafür aber der Besuch

der Welt) benutzen und so das Land auf sehr bequeme

einer Universität und unserer neu gewonnenen japa-

Weise entdecken.

fessoren und unserer Lieblingsjapanerin Risa erwartet. Eine Autofahrt und endlose Brücken später, gelangten wir nach Yokohama, in den Stadtteil Tsurumi. Wir wa-

nischen Freunde. Angefangen hatte diese Geschichte auf dem IADS - Kongress 2004 in Berlin, an dem unter

Für uns ging es von Tokyo aus zum Weltkulturerbe

anderem vier Japanerinnen teilgenommen haben. Mit

nach Nikko, wo man im Nationalpark dutzende von

den sich entwickelnden Freundschaften entstand die

Tempeln und Schreinen anschauen und dabei fast un-

Idee, eine Famulatur in Japan zu machen und die dor-

bemerkt den Berg erklimmen kann. Dort sind auch die

tige Universität kennen zu lernen. Zwei weitere Kom-

heiligen buddhistischen Affen, von denen einer blind,

militoninnen und drei polnische Studenten fanden sich

ein anderer taub und der dritte stumm ist, zu sehen. Die 135


Japans Sonne

Reise im Winter hat den Vorteil, dass kaum Touristen

zu dieser Freizeitbeschäftigung hinreißen lassen. Im

vor Ort waren und man im Einklang mit der Umgebung

Gegensatz zu Deutschland, wo man vor wildfremden

die Tempelanlagen genießen konnte.

Leuten in einer Bar sein Liedchen trällern muss, geht

Einen Tag später fuhren wir nach Westen, in die be-

man in Japan in ein Karaoke-Haus und mietet sich dort

rühmte Kaiser- und Geisha- Stadt Kyoto, wo man wie an

ein Zimmer mit seinen Freunden. Jungen japanischen

keinem anderen Ort den Zweiklang des hochmodernen

Pärchen wird auch nachgesagt, dort auf Grund der hei-

Japans mit dem alten, traditionsreichen Land spüren

misch beengten Zustände ihren Spaß zu haben. Wir

kann. Echte Geishas mit Ihren Holzschuhen, Kimonos

haben den letzten Abend sogar gemeinsam mit den Pro-

und Papierschirmen beim Einkaufen zu beobachten

fessoren Karaoke gemacht und dabei viel vom durch-

oder die zahllosen Tempeln zu besuchen, fand unsere

aus geschmackvollen japanischen Bier getrunken.

volle Begeisterung. Mit dem beginnenden Abend, kann man in den traditionellen Vierteln wie Gion spazieren

Unsere Reise führte uns weiter in den Westen Japans,

gehen und sich zurück versetzt fühlen in die Ära der

nach Hiroshima, das seit dem Abwurf der Atombombe

großen Geishas, wie im gleichnamigen Buch nachzu-

am Ende des zweiten Weltkrieges ein Symbol für den

lesen ist. Allerdings wird man schnell in die Realität

Kampf für den Frieden ist. Die ewige Flamme Hiro-

zurückgeholt, wenn man aus diesen Vierteln in andere

shimas wird so lange brennen, bis die letzte Atomwaf-

übergeht und dort, wie so oft vor einer Pachinko - Hal-

fe auf Erden verschwunden ist. Das Museum, in dem

le steht. Die Japaner scheinen in ihren Vorlieben oft

man Zeitzeugnisse von alten Schuluniformen bis zum

recht kindlich, ohne dabei von ihren „erwachsenen“

bekannten Stein mit menschlichen Schatten sieht, erin-

Tugenden wie Pflichtbewusstsein und Pünktlichkeit

nert sehr eindrucksvoll an die Ereignisse, die die Welt

abzuweichen. Und so lieben sie diese Pachinko - Hal-

erschütterten. In der Nähe von Hiroshima besuchten

len, in denen man flippern, Videospiele aller Art spielen

wir einen Ort der gänzlich anders ist als da vorher Ge-

oder auch in einer der vielen Fotostickerboxen kreativ

sehene, die Insel Miajima.

sein kann. Genauso beliebt bei den Japanern ist Karao-

Schon bei der Ankunft mit der Fähre sieht man die be-

ke und auch wir haben uns trotz anfänglichen Zögerns

rühmten roten Tori, den traditionellen Eingang eines

136


Reis und Fisch sind ja immer genießbar, aber Seetang!

shintoistischen Schreines. Shinto ist eine japanische

sikum getrennt. Die Gebühren sind vor allem an den

Naturreligion, in der über 4000 Götter existieren.

Privatuniversitäten sehr hoch, allerdings fiel uns auch

Teilweise gibt es Mischungen mit dem Buddhismus,

der besonders freundliche Umgang zwischen Profes-

doch für uns war es relativ schwer, auf Basis äußerer

soren und Studenten auf. Der Dekan behandelt seine

Merkmale einen buddhistischen TEMPEL von einem

Patienten im gleichen Raum wie die 60 Studenten und

shintoistischen SCHREIN zu unterscheiden. Besonders

Residents seiner Fakultät. Die Studenten haben zwar

interessant ist dabei die Tatsache, dass Japaner generell

verhältnismäßig wenig mit Patienten, dafür aber von

anders als zum Beispiel Europäer mit ihrer Religion

Anfang an viel mit Forschung zu tun, kümmern sich

umgehen. Es gibt nicht nur viele verschiedene Orte des

um die Versuchstiere der Zahnklinik oder experimen-

Gebetes sondern auch verschiedene Arten zu beten, so

tieren viel. Patienten werden von den Studenten erst im

zum Beispiel kleine Papiergebetszettel, die man in die

letzten Studienjahr behandelt, weshalb viele Studenten

Bäume hängt, Holzgebetstäfelchen zum Beschreiben

nach dem Studium noch eine ein- oder mehrjährige

und Klanginstrumente. Vor allem aber ist es in Japan

Postgraduiertenausbildung anschließen. Dabei sind sie

kein Widerspruch, mehreren Religionen gleichzeitig

oft noch eine Zeit in der Abteilung für General Den-

anzugehören. So heiraten Japaner oft shintoistisch,

tistry um ihre Fertigkeiten zu verbessern oder schlie-

lassen sich dann aber buddhistisch beerdigen. Die Stu-

ßen ein PhD- Studium an. Viele Professoren sprachen

denten schienen meist weniger religions- und traditi-

ein verständliches Englisch, da sie zum großen Teil für

onsbewusst, in den letzten beiden Wochen konnten wir

Studien im Ausland gewesen sind und einige sprachen

uns dann über all diese Dinge genauer erkundigen.

sogar Deutsch wie zum Beispiel Prof. Seto von ITI. Er begrüßte uns besonders herzlich und wollte uns unbe-

Unsere Famulatur war so exakt durchorganisiert wie

dingt bei der Frühbesprechung der MKG den anderen

es noch nicht einmal wir Deutschen getan hätten, und

vorstellen. Die Studenten sprachen eher schlechtes Eng-

doch kommt es unserer Mentalität sehr nahe. Nobby

lisch und so hatten die PhD- Studenten einige Probleme

(oder offiziell Professor Maeda) kümmerte sich aufop-

sich auszudrücken, als wir uns einen Vortrag nach dem

ferungsvoll um uns und die voll geplanten Tage wa-

Nächsten über Bondingsysteme und Co. anhören muss-

ren immer sehr abwechslungsreich. Das System des

ten. Wir kamen auch in den Genuss eines maschinellen

Studiums ist ein wenig anders als bei uns. In den er-

Endo- Kurses und haben viele interessante Abteilungen

sten Jahren lernt man fast ausschließlich theoretische

der Zahnklinik kennen lernen können, wie den Zoo

Inhalte ,Vorklinik und Klinik sind durch eine Multi-

der Versuchstiere, die Physiologie und andere Labore.

ple Choice - Prüfung, ähnlich dem Mediziner - Phy-

Da es an der Tsurumi- Universität keinen Medizinstu137


Japans Sonne

Eine besondere Delikatesse für 11000 Euro. denten gibt, sondern nur Zahnis, existiert natürlich eine eigene Biochemie für Zahnis und überhaupt ist alles auf Zahnmediziner ausgerichtet. Der Standard war mit Deutschland vergleichbar und immer wieder trafen wir auch auf uns wohl bekannte, deutsche Geräte. Eindrucksvoll war auch ein Besuch in der Meisterschule für Zahntechniker, denn für diese gibt es an der Universität auch eine Art Postgraduiertenkurs. Wir Europäer waren jedenfalls immer wieder die Attraktion für die Japaner, ohne dem ganzen einen negativen Beigeschmack beizumischen. Es war immer süß, wie die Studenten um die Ecken schauten, da Japaner normalerweise recht zurückhaltend sind. Nach der Universität feierten wir Abend für Abend mit Sake, japanischem Bier und Unmengen zu Essen. Da Essen in Japan grundsätzlich eine große Rolle spielt, kochte jedes Mal ein Anderer und wir aßen uns quer durch die japanische und koreanische Küche. Gewöhnungsbedürftig war das „normale“ Essen für uns schon, Reis und Fisch sind ja immer genießbar, aber Seetang, der in fast in jeglicher Mahlzeit verwendet wird ist nicht Jedermanns Sache. Am letzten Abend wurden wir sogar auf ein besonderes Essen eingeladen, denn wir waren in einem Restaurant, dass Kobe - Kuh servierte. Kobe- Kühe werden drei Jahre lang mit Bier getränkt und zusätzlich massiert, weshalb sie eine besondere Delikatesse in Japan sind und auf dem freien Markt 11000 Euro kosten. Zur Krönung bekamen wir an diesem Abend eine Art Ehrenmedaille der Universität geschenkt und so ging für uns eine wunderschöne Zeit zu Ende. Die Famulatur in Japan war eine Reise in eine völlig neue Kultur und trotzdem fühlten uns immer zu Hause, bis zum nächsten Besuch. SAYONARA.

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BÜRSTEN & PASTEN Was man entdecken kann, wenn man mit zahnmedizinischen Augen durch die Welt geht, wollen wir auf diesen Seiten zeigen. Sollten Euch derartige Exemplare, Kuriositäten und Neuheiten begegnen, schickt uns ein Bild davon und gewinnt einen i-pod Nano 2Gb. Die hier gezeigten Tuben gehören in die Feinschmeckerklasse der internationalen Zahnpasten. Erdbeergeschmack aus Japan, Aloe Vera von den Kanaren und natürlich „100% Natural“ Fenchel und Lavendel aus der USA führen unsere Hitliste der exotischen Zahnpasten an. Wir lieben diese Vielfalt und sind uns sicher, dass diese Vertreter absoluten Kultstatus verdient hätten.

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Mitbringsel

WOW, what's that? Besonders hitverdächtig sind die beiden neuen Vertreter der Gattung Zahnbürste. ORAL B und COLGATE haben Handzahnbürsten normaler Größe entwickelt, die mit Hilfe einer AAA Batterie zusätzliche Putzbewegungen ausführen und im Ausland für 3-6 € im Handel erhältlich sind. Bleibt nur die Frage, warum diese beiden Goldstücke im deutschen Handel noch fehlen?

9"

8"

6"

4"

Die Oral B PULSAR, gefunden in London, sieht nicht nur gut aus sondern fühlt sich auch so an. Sie liegt griffig in der Hand und sowohl Micro Pulse Borsten als auch das Vibrationsgefühl erinnern an die bekannten Vertreter der Oral B Familie. Leider hat die PULSAR im Gegensatz zu ihren großen Brüdern einen sehr großen Bürstenkopf, dessen Borsten sehr hart zur Gingiva sein können. Die Batterie soll drei Monate halten, was auch dem empfohlenen Wechselrhythmus einer Zahnbürste entspricht.

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2"


9"

8"

6"

4"

Unser Favorit ist die Colgate MICROSONIC. Etwas leichter und rutschiger in der Hand vermittelt sie ein ausgesprochen angenehmes

2"

Putzgefühl. Die Borsten sind weicher,

die

Vibrationen

sanfter und leiser als bei der PULSAR. Sollte der Strom dann doch mal vor dem Bürstenkopf schlapp machen, kann man einfach die AAA Batterie austauschen. Angesichts des Preises von 3 € ( PULSAR 6 € ) und dem Gefühl der Wellness für die Zähne ist unser Votum einstimmig.

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Haben oder Sein

Womit identifizierst Du Dich? HABEN ODER SEIN, ZIEL ODER WEG, ERGEBNIS ODER PROZESS,ERFOLG ODER BEMÜHEN,BEFUND ODER THERAPIE,THERAPIEZIEL ODER DIAGNOSE,ICH ODER WIR,ENTWEDERODER ODER 142


SOWOHLALSAUCH,STATUS UND TITEL ODER ZAHNÄRZTLICHE TÄTIGKEIT JESUS sagt: „Wer sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es retten. Denn was nützt es dem Menschen, wenn er die Ganze Welt gewinnt, sich selbst aber verliert und Schaden erleidet?“ (Lk 9,24f.) 143


Haben oder Sein

… und Marx ergänzt: „ …das es unser Ziel als Mensch sein müsse, viel zu sein, nicht viel zu haben.“ Viele spüren, dass ein Leben, das dem Erfolg und der Konkurrenz dient, also systemkonform verläuft, in Wirklichkeit ein Leben ist, das die Menschen unglücklich macht. Unser Leben ist ein „Leben zwischen HABEN und SEIN“, formuliert Erich Fromm in diesem Zusammenhang. Für den, der sich mit dem SEIN identifiziert, ist

die Freude am Leben typisch. Für den am HABEN Ori-

entierten ist eine spezifische Verlustangst und Depres-

sivität kennzeichnend, die bevorzugt durch materiellen Konsum kompensiert wird (Konsumgesellschaft).Wer sich mit dem SEIN identifiziert, lebt aus einer inneren Aktivität heraus, im HIER und JETZT, während der

vom HABEN infizierte von einer eigenartigen Passivität bestimmt ist; denn in Wirklichkeit wird er gelebt,

durch VERGANGENHEIT und ZUKUNFT. Gegen di-

ese Passivität kämpft der mit dem HABEN identifizierte mit einem „geschäftigen Aktivismus“ an. Die Ursache dafür ist eine unbewusste ANGST. Wie Erich Fromm in

seinen vielen Werken aufzeigt, führt dieses ankämpfen zur „Entfremdung des Menschen und zur Ausbildung 144


eines, wie Fromm ihn nennt, „Marketing-Charakters“.

lich hat er auch eine schwache Seite, die er aber lieber

orientierte Mensch mehr und mehr sein SELBST und

dieser Zeit führten die Zahnärzte noch die Einkom-

Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass der am HABEN

Eigensein, seine Individualität verlieren muss, wenn er

am Markt erfolgreich sein will. Er erlebt sich zuneh-

mend als „entleertes Subjekt“, das dann notgedrungen seine ganz persönliche Identität durch den Besitz von

Objekten ersetzen muss und sich mit diesen unbewusst identifiziert. „Ich BIN, was ich HABE.“ Und wer kennt ihn nicht, den erfolgreichsten Werbeslogan der Sparkasse: „…mein Haus, mein Boot, mein Pferd, mein Auto,

meine Frau …“. Diese Identifikation mit Statussymbolen, Macht, Menschen, Ämtern, Titeln, Dingen usw.

verdrängt. Sie passt nicht zu seinem SELBSTBILD. Zu mensskala der Freiberufler an. Frei sein im Beruf ist toll

und Max wollte frei sein, unabhängig. Er will Zahnarzt werden. Die Ärzte (Guten Tag Herr Doktor) als Berufs-

stand haben seit je her in Deutschland das höchste Prestige. Da ist es für ihn selbstverständlich auch den Titel

Dr. med. dent. haben zu wollen. Voller Ehrgeiz durchs Studium und „Schnellpromotion“ mit sehr gutem Ab-

schluss, soll es nun die eigene Praxis sein, die seine Ziele verwirklichen helfen soll - Erfolg, Geld, Status

und, um es nicht zu vergessen, tolle Frauen. Da er eine

„Wer nicht weiß, in welchen Hafen er segeln will, für den ist kein Wind günstig!“ (geflügeltes Sprichwort aus der Managementliteratur)

erleben wir täglich. Sie ist ein wesentliches Merkmal

moderne Praxis mit allem drum und dran haben will, ist

somit auch in „unserem Gesundheitswesen“ dominant.

gesehener „potentieller“ Kunde. Nach nur 7 Jahren

des marktwirtschaftlichen Gesellschaftssystems und

Nun will ich nicht über die „große Gesundheitspolitik“ schreiben, mein Interesse gilt mehr dem Alltag, den täglichen Erfahrungen in der Praxis.

„Wenn ich bin, der ich bin und nicht, was ich habe,

kann mich auch niemand berauben, mir was wegneh-

men oder meine Sicherheit und mein Identitätsgefühl bedrohen.“

Nehmen wir ein Beispiel aus meiner Praxis: Nennen wir ihn Max.

Max kommt aus einfachen, aber strengen Familienverhältnissen. Schon früh war ihm klar, dass er Erfolg haben will im Leben. Er sieht sich als ehrgeizigen Typ

und identifiziert sich mit seiner „starken“ Seite. Natür-

er bei Depots, Banken und anderen Beratern ein gern in seiner Praxis scheint er schon fast alles erreicht zu haben. Seine umsatzstarke Praxis mit eigenem Labor, sein Porsche, seine teure Eigentumswohnung und an-

dere Steuernsparende Geldanlagen. Max hatte Erfolg. Er war sogar süchtig nach Erfolg – höher, schneller,

weiter. Ein paar tolle Frauen hatte er ebenfalls erobert, wenngleich er auch keine davon geheiratet hat. Man muss ja schließlich nicht alles haben und Liebe war eh

nie das Wichtigste in seinem Leben. Dafür hatte er auch keine Zeit – Max wollte noch viel erreichen. Natürlich war er auch Chef und hatte seine Helferinnen, wenn-

gleich die auch nicht lange bei ihm blieben. Schließlich

verlangte er viel von ihnen und bot wenig. Irgendwie gab es da eine Kluft zwischen Max und seinen Hel145


Haben oder Sein

ferinnen. Sie waren nie ein Team. Max hatte schon so

rikanischen Traum – The Way of Life“ und verhalf

blieb der Frust, einfach keine guten Helferinnen zu fin-

– Wachstum, Fortschritt, höher, weiter, schneller - er

einige Berater mit dem Problem beauftragt, letztlich

den. Und, na klar, er hatte seine Patienten und die hat-

ten ihre gesundheitlichen oder ästhetischen Probleme.

Zum Glück - denn irgend jemand musste ja schließlich das Geld bringen, um die hohen Kosten für die Praxis

und den Lebensstil von Max zu bezahlen. Sicher wun-

derten sich einige über die hohen Preise von Max und

somit dem marktwirtschaftlichen System zum Erfolg identifizierte sich voll und funktionierte reibungslos.

Sein wahres SELBST blieb zurück, da er aber nie zurücksah, bemerkte er es nicht.

Ich bin was ich HABE. - Es HAT mich. „Die Dinge sitzen im Sattel und reiten die Menschen.“ (Emerson)

viele kamen nicht wieder. Aber das juckte Max nicht,

Max hatte Glück. Das kam überraschend und war eine

Problemen in seine Praxis kamen und der Umsatz stieg.

patientin (sie kam dann irgendwann nicht mehr als Pa-

solange genug zahlungskräftige Patienten mit Ihren Und zum Glück hatte Max einen „guten“ Steuerberater,

Frau – vom Finanzamt – und eine ehemalige Schmerztientin).

„Wer weiß, in welchen Hafen er segeln will, der überlegt sich, wie er am schnellsten dort hingelangt, um DA zu sein. – Vielleicht entscheidet er sich dann für ein Motorboot, oder für EasyJet.“ (das ist Fortschritt)

einen „guten“ Anwalt und einen „guten“ Finanzberater,

Sie wollte von Max Steuern. Und da Sie als Patientin

bies, wie Golf und Tennis. So brauchte er keine Steu-

unnachgiebig. Max musste zahlen und hergeben, was

Max hatte halt viele Freunde und gemeinsame Hobern zahlen und weil er auch einen Banker zum Freund

hatte, gab der ihm auch immer bereitwillig Kredit. Max

war maximal erfolgreich, und Max identifiziert sich mit seinem Erfolg - so kennt man ihn.

Wenn das HABEN die Basis Deines Identitätsgefühls ist, weil „Du bist, was Du hast“, dann muss der Wunsch zu HABEN zum Verlangen führen – viel – mehr - am

meisten zu HABEN. Wenn jeder mehr haben möchte, muss jeder die aggressiven Absichten seines Nächsten

fürchten, ihm wegzunehmen, was er hat. Um solchen

Angriffen vorzubeugen, musst Du selbst stärker und

präventiv aggressiver werden. HABGIER und NEID sind die Folge. Max identifizierte sich mit dem „ame146

seine Praxis damals sehr unzufrieden verließ, war Sie er hatte.

Plötzlich stand seine schwache Seite vor Max, welche er immer verdrängte und womit er sich nie identifi-

zierte – in Form von enormen Schulden, die Max eben auch hatte.

Max verlor alles, auch seine „guten Freunde“! Auf

einmal hatte Max nicht einmal mehr ein ICH. Das wesentliche ist nicht der Inhalt, aus dem das eigene ICH

besteht, sondern die Tatsache, das wir unser ICH als

Ding empfinden, das wir haben, und dass dieses Ding die Basis unserer Identitätserfahrung ist. Fromm fragt

in seinem Buch „Haben oder Sein“: „Wer bin ich, wenn ich bin, was ich habe, und dann verliere, was ich habe?“

Was bleibt, wenn ich mich mit „Etwas“ identifiziere,


meine Identität darauf begründe, und dieses dann aus meinem Leben schwindet?

Max verlor was er hatte. Alles Kämpfen war erfolglos. Letztlich gab er auf und ließ es sein. Max konnte nur

noch SEIN. So hat Max zu seinem wahren SELBST gefunden und auch seine schwache Seite (re)integriert.

Und er hat seine diffusen Ängste überwunden. „Wenn Du bist, der Du bist und nicht was Du hast, kann Dich

niemand berauben oder Deine Sicherheit und Dein Identitätsgefühl bedrohen. Diese Angstfreiheit gestattete Max etwas zu erreichen, was er bis dahin nicht erreicht hatte. Er konnte glücklich SEIN und LIEBEN, was er nicht konnte, als die Angst im Wege stand. Max

hat geheiratet. Er liebt diese Frau und zwei Kinder, die sie sich Beide gewünscht haben. Und sie lieben Max,

da er sie nicht HABEN und BESITZEN will. Er lässt sie SEIN.

Heute ist Max auch beruflich glücklich und nicht we-

niger erfolgreich. Er hat den Spaß an seiner Tätigkeit als Zahnarzt entdeckt und die Freude am Umgang mit

den Menschen. Er sieht sich als TEIL der Beziehung zwischen Arzt und Patient. Auch die Helferinnen (ein festes Team), sind gern mit Max in der Praxis. Jeder hat seine Funktion und ist integraler Bestandteil eines

größeren GANZEN. Max hat erkannt, dass auch er nur ein TEIL im GANZEN ist, ein Mitarbeiter der Praxis

mit verschiedenen Rollen (Identitäten) – Behandler, Arbeitgeber, Kreditnehmer, Unternehmer. Er steht ih-

nen heute nicht mehr gegenüber – seinen Patienten, seinen Helferinnen. Max ist mittendrin – mitten im Leben, mitten in der WIRKLICHKEIT, mitten im HIER und JETZT.

Auch die „Berater“ und „Freunde“ von damals sieht er heute mit anderen Augen. Sie waren ebenfalls vom HA-

BEN infiziert und wollten letztlich eben nur das Geld

von Max haben. Sie wollten nicht bei ihm sein, als es ihm schlecht ging und das waren sie auch nicht. Heute setzt er auf Berater, die seinen nachhaltigen Erfolg als

Basis für ihren eigenen Erfolg sehen. Und nachhaltigen Erfolg und glückliches SEIN gibt es eben nur, wenn 147


Haben oder Sein

Du Dir Deiner inneren Ziele voll bewusst und im Einklang mit Deinem SELBST bist, frei von Angst. Dann

aber kannst Du Dir jedes äußere Ziel bewusst setzen.

Und Du wirst es erreichen. Max empfiehlt heute jungen Zahnärzten, die sich niederlassen wollen, sich interessenunabhängige Ratgeber, Lehrer und Trainer zu suchen, die Dir dabei helfen, Dein Ziel zu erreichen und

dies können, weil sie selbst bereits bei sich SELBST angekommen sind. Und er weiß, nur weil eine Bank

bereit ist, etwas zu finanzieren, heißt das nicht gleich,

Zum Autor: Oliver Friedrichs, Berlin, Jhg. 1971, berät seit mehreren Jahren Zahnärzte und hat 2004 die Firma ABIS-Z AERZTEBERATUNGS-ZENTRUM gegründet. Er hilft seinen Mandanten als Projektmanager bei der Erreichung Ihrer Ziele; von A –Z, vom Anfang bis zum Ziel. Er ist unabhängig und arbeitet ausschließlich auf Honorarbasis in Berlin und Umland.

das es auch funktioniert.

„Der WEG zum Tun ist das SEIN.“ (Lao-tse)

„Wer segeln will, für den ist jeder Wind günstig! Und wenn er dann im Hafen ankommt, freut er sich.“ (das ist glückliches SEIN)

im Wesentlichen unbewußte Identifikation: psychologisch, der „Etwas“; tiefenpsychologisch an ung Bind chen Vorgang der seelis us ein Abwehrmechanism

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Die Existenzgründung steht plötzlich vor der Tür! Ein Schritt ins Ungewisse oder zum Erfolg!

Wenn Sie sich zurzeit in Ausbildung oder in der Assistenzzeit befinden, dann spielen Sie sicher hin und wieder mit dem Gedanken, sich irgendwann selbst in eigener Praxis niederzulassen, eine Praxis zu übernehmen oder in

machen können, können Sie auch steuerlich geltend

machen. Wobei auch die Aufwendungen im Zeitraum vor der tatsächlichen Praxisniederlassung als so ge-

nannte „vorweggenommene Praxisausgaben“ Steuern mindernd wirken können.

eine Praxiskooperation einzutreten. Es liegt auf der Hand, dass bereits weit vor der

Möglichkeiten nutzen

tatsächlichen Niederlassung einiges zu orga-

Schon jetzt sollten Sie wissen wie das mit der „Anspa-

nisieren und zu regeln ist. Und dazu gehört vor allem das Wirtschaftliche und das Steuerliche. Denn wer will schon mit der Bank oder dem Finanzamt Probleme bekommen? Oder gar mit

rabschreibung“ funktioniert. Sie können Ihre Steuer-

belastung etwa mit einer so genannten „Ansparrück-

lage“ deutlich senken. Eine bestimmte Vorschrift im Einkommensteuerrecht erlaubt es, Ihr zu versteuerndes Einkommen durch geplante Investitionen erheblich zu

beiden gleichzeitig? Ein Zitat von Abraham Lincoln bringt es auf den Punkt:

vermindern.

„Wenn ich 10 Stunden Zeit hätte, einen Baum zu fällen,

Und das lohnt sich! Es handelt sich dabei um eine Grö-

schärfen“. Also: Eine gute Vorbereitung ist durch nichts

doch maximal € 307.000,- bei einem Existenzgründer.

würde ich 9 Stunden damit verbringen, meine Axt zu zu ersetzen.

Unverzichtbar ist es dabei, sich eine Sammelleiden-

schaft zuzulegen: Im Rahmen der Praxisvorbereitung sollten Sie für die Steuererklärung sämtliche Belege und Aufzeichnungen akribisch sammeln, die Ihnen in

die Hände fallen. Und das betrifft sämtliche Aufwendungen, die in dieser Phase anfallen, insbesondere

Fahrtkosten, Übernachtungskosten, Arbeitsmittel, eine PC-Anlage, ggf. auch Bewirtungs- und Umzugskosten.

Bedenken Sie: Nur die Ausgaben, die Sie mittels Belege

nachweisen bzw. mittels Aufzeichnungen glaubhaft 150

ßenordnung von 40% der zukünftigen Investitionen, Unbedingt zu beachten: In dem Jahr, in dem die Praxis noch nicht gegründet worden ist, ist diese Ansparrück-

lage nur möglich, wenn die geplanten Investitionen mit einer verbindlichen Bestellung glaubhaft gemacht werden können.

Die gebildete Ansparrücklage bewirkt allerdings keine endgültige Steuerbefreiung dieser Beträge, sondern

wird mit der Durchführung der Investition (spätestens aber nach Ablauf von 5 Jahren bei Existenzgründern)

wieder dem Gewinn zugerechnet. Die Ansparrücklage gilt dann als aufgelöst. Wenn eine Investition also zwar geplant war, aber letztlich doch nicht vorgenommen

wird, erhöht sich in späteren Jahren der Gewinn. Und


das wirkt sich natürlich wiederum in der Steuerbelastung aus.

Die tatsächliche Ernsthaftigkeit der Investition spielt also eine große Rolle. Und zwar genau so, wie auch der

Zeitpunkt der Niederlassung oder der Praxisübernah-

me. In der Regel nämlich werden im ersten oder auch noch im zweiten Jahr der Praxistätigkeit negative oder

nur geringe Praxiseinkünfte erzielt, was allein schon an dem Zahlungsrhythmus der KZVen, etc. liegen kann.

Um hier einen Verlust aus dem ersten Jahr der Exi-

stenzgründung mit positiven Einkünften aus Vorjahren verrechnen zu können (Rücktrag des Verlustes), ist eine

genaue Planung des Zeitpunktes der Niederlassung sinnvoll und kann bares Geld sparen. Unternehmen Sie etwas! Haben Sie sich gründlich auf die neue Praxis und Ihre

neue Tätigkeit in eigener Praxis vorbereitet, wird Ihnen

schnell klar werden, dass Sie nicht nur Zahnarzt sondern zunehmend auch Unternehmer sein müssen.

Einen Unternehmer zeichnet es aus, dass er sein Unternehmen plant, Ziele definiert, Einnahmen kalkuliert und

Steuern zu leisten sein. Hier ist besonders darauf zu achten, dass man nicht in das „Timelag“ der Steuerzahlung hineinrutscht.

Im Existenzgründungsjahr wird kein Gewinn erwirtschaftet, so dass auch keine Steuerzahlung fällig wird.

Im zweiten und dritten Jahr wird steuerpflichtiger Gewinn erwirtschaftet. Es wird im 4. Jahr die Steuererklärung zum zweiten Jahr abgegeben. Die Steuer wird für das 2. Jahr festgesetzt sowie eine nachträgliche Vo-

rauszahlung für das 3. Jahr in gleicher Höhe, da das 3.

Jahr inzwischen auch abgelaufen ist. Für das 4. Jahr werden dann in der gleichen Höhe wie für die Jahre

2 und 3 Einkommensteuervorauszahlungen festgesetzt, da das 4. Jahr ebenfalls (fast) abgelaufen ist. So fallen am Ende des 4. Jahres oft nicht unerhebliche Einkom-

mensteuernachzahlungen für die letzten 3 Jahre an, die leicht die 100.000 Euro überschreiten können. Hier ist es notwendig, sich im Rahmen Ihrer betriebswirtschaftlichen Planungen auch mittels einer Steuerrücklagen-

berechnung, die Sie von einem versierten Steuerberater oft ohne besondere Anforderung bekommen, zu informieren.

die notwendigen Rahmenbedingungen dazu schafft.

Auf Grund der Komplexität der einzelnen Themenbe-

zahlen und insbesondere seine Praxisliquidität kennen.

Zahnärzte spezialisierten Steuerberater zu wenden, der

Um aber all dies tun zu können, muss man seine PraxisNur wer seine Liquidität nach Abzug aller Praxisaus-

gaben und der fixen Privatausgaben kennt, kann seine persönlichen privaten und wirtschaftlichen Ziele realisieren. Daher ist eine betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA), wie sie durch versierte und

auf Zahnmediziner spezialisierte Steuerberater erstellt

reiche ist es von größter Wichtigkeit, sich an einen auf

immer auf dem neuesten Stand der Rechtsprechung ist und mit Ihnen eine vorausschauende Planung der Pra-

xiszahlen (Einnahmen, Ausgaben, Gewinn, Liquidität) und der daraus folgenden Steuer vornimmt und laufend nach neuesten Erkenntnissen anpasst.

wird, vorteilhaft. Diese BWA enthält eine Steuerrück-

Unsere auf Existenzgründung spezialisierten Steuer-

fitcenter - Analyse und einen Betriebsvergleich. Diese

Hotline-Nummer 01803 – 0 66 66 0 zur Verfügung.

lagenberechnung, eine Liquiditätsrechnung, eine ProBestandteile ermöglichen ein umfassendes Praxis Controling.

berater betreuen Sie gerne und stehen Ihnen unter der

(Artikel gekürzt. Vollständiger Artikel kann unter 01803 - 0 66 66 0 angefordert werden.)

Das „Timelag“ der Steuerzahlung Mit der positiven Entwicklung der Praxis werden auch 151


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„online Bonitätsauskunft“ der PVS unterstützt Ihr Sicherheitsmanagement In dem gleichen Maße, wie der Schulden-Trend deutscher Konsumenten ungebrochen anhält, nimmt auch der Anteil offener Zahnarzt-Rechnungen und somit auch das Honorarausfallrisiko für die Zahnärzteschaft ständig zu. Doch schlecht zahlende Privatpatienten sind eine Gefahr für jede Zahnarztpraxis. Patienten müssen immer mehr Leistungen aus eigener Tasche finanzieren. Dies gilt vor allem für die Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL), d.h. ärztliche Leistungen außerhalb der Zuständigkeit der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Diese Leistungen sind ein Mehrwert an Gesundheit und Wohlbefinden, den Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen privat bezahlen müssen. Ähnliches gilt für den Zahnersatz. Wenn es um Brücken, Prothesen und Kronen geht, müssen Kassenpatienten seit dem 1. Juli 2005 bis zu 75 % mehr bezahlen als bisher. Dies gilt vor allem dann, wenn sie hochwertiges Material oder Zahnersatz nach neuestem Stand der Technik wünschen, denn jetzt gibt es nur noch Festzuschüsse. Insgesamt wird die Behandlung nicht nur für den Pati152


enten teurer, sondern birgt auch für den Zahnarzt emp-

um sich vor dieser Entwicklung zu schützen?

findliche Risiken in Bezug auf die Kostenerstattung.

Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit so genannten

Zwar schließen Zahnarzt und Patient vor der Behand-

„harten Negativmerkmalen“ geboten, die bereits eine

lung eine sogenannte Mehrkostenvereinbarung ab, mit

eidesstattliche Versicherung abgegeben oder Kon-

der sich der Patient bereit erklärt, die Kosten zu über-

kurs angemeldet haben. Aber auch bei Patienten mit

nehmen, die nicht von der Kasse erstattet werden. Aber

„weichen Negativmerkmalen“, die durch mehrfache

nicht jeder Patient, der diesen Vertrag unterschreibt, ist

unverhältnismäßige Zahlungsüberschreitungen oder

in der Lage, die anfallenden Kosten privat zu finanzie-

Inkassoverfahren bereits aufgefallen sind, ist erfah-

ren.

rungsgemäß das Ausfallrisiko sehr hoch. Oft kommt

Die PVS verfügt nicht nur über ein hervorragendes Forderungsmanagement, sondern ist auch der richtige Ansprechpartner für die Auskunft über die Bonität von Privatpersonen. Auch wenn man es kaum glauben kann, aber selbst eine

es bei solchen Patienten zu erheblichen Zahlungszielü-

so unangenehme Maßnahme wie eine zahnärztliche

berschreitungen, die zeit- und kostenintensive Beitrei-

Komplettsanierung lassen manche Menschen über sich

bungsmaßnahmen nach sich ziehen.

ergehen, obwohl sie schon zahlungsunfähig sind und das auch wissen. Nicht selten müssen Ärzte feststellen,

Anstatt einem Patienten, der noch relativ neu in der

dass ihr Privatpatient die an ihn geleistete Erstattung

Praxis ist, „blindes Vertrauen“ entgegen zu bringen,

für andere Zwecke nutzt, weil er in finanzielle Engpäs-

kann man die Risiken von Forderungsausfällen mit den

se geraten ist. Es kommt auch vor, dass die Bank die

Spezialisten der Privatärztlichen VerrechnungsStelle

Überweisung der privaten Krankenkasse zur Schulden-

(PVS) Rhein-Ruhr/Berlin-Brandenburg durchaus mi-

reduzierung ihres Kunden direkt einbehält.

nimieren. Die PVS verfügt nicht nur über ein hervor-

Was können die Zahnärzte in Ihrer Praxis tun,

ragendes Forderungsmanagement, sondern ist auch der 153


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Wer den Kopf von solchen Sorgen lieber frei behält und trotzdem wirksam gegen die schlechte Zahlungsmoral einzelner Patienten vorgehen will, kann Spezialisten wie die PVS mit diesen Aufgaben betrauen. richtige Ansprechpartner für die Auskunft über die Bo-

dann, wenn er sich auf Grund einer geringen Eigen-

nität von Privatpersonen. Sie empfiehlt ihren Mitglie-

kapitalquote die erforderliche Zwischenfinanzierung

dern die Prüfung der Zahlungsfähigkeit des Patienten,

nicht leisten kann und dadurch in existenzbedrohende

noch bevor der Praxis oder dem Labor weitere Kosten

Liquiditätsengpässe gerät.

entstehen.

Wer den Kopf von solchen Sorgen lieber frei behält und trotzdem wirksam gegen die schlechte Zahlungsmoral

Mit ihrem Angebot der online Bonitätsauskunft bietet

einzelner Patienten vorgehen will, kann Spezialisten

die PVS Hilfe aus dem Internet. Ein Online-Check

wie die PVS mit diesen Aufgaben betrauen. Als erfah-

macht die Informationsübermittlung zur Eilpost. Unter

rener Dienstleister im Bereich der Privatliquidation

Einhaltung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen

sind der PVS die Anforderungen aus der Praxis be-

erhält der Zahnarzt, der sein berechtigtes Interesse an

kannt und sie ist in der Lage, mit ihrem professionellen

der Zahlungsfähigkeit seines Patienten nachweisen

Abrechnungs- und Forderungsmanagement darauf zu

kann, innerhalb von Sekunden aus über 80 Millionen

reagieren.

Datensätzen eine zuverlässige Auskunft über Bonität und Adresse des Patienten. Als echtes Frühwarninstrument für mögliche Liquiditätsprobleme des zukünftigen Patienten erhöht die Bonitätsauskunft der PVS

Kontaktadresse:

Jürgen Möller

Geschäftsführer der Privatärztlichen

Gerade vor dem Hintergrund des stark negativ verän-

Verrechnungstelle für

derten Zahlungsverhaltens der Haushalte insgesamt ist

Berlin/Brandenburg

Vorsorge besser als Nachsorge. Denn selbst staatliche

Hardenbergstr. 15, 10623 Berlin

Bemühungen, wie das „Gesetz zur Beschleunigung

Telefon: 030 / 319008-10

fälliger Zahlungen“ oder das „Schuldrechtsmodernisie-

rungsgesetz“, ändern weder etwas an der Problematik

die Honorarsicherheit – und das zu einem sehr geringen Preis pro Klick.

der Zahlungsmoral noch des Forderungsausgleichs. Für einen Freiberufler kann das bitter ausgehen, vor allem 154

www.pvs-portal.de


Laboratorium Difficile

LABORATORIUM DIFFICILE

IN 80 STUNDEN UM DIE WELT ODER ZÄHNE, DIE DIE WELT EROBERN

156


Vor einigen Jahren haben niedersächsische Zahnärzte

Damals gab es allerdings ein Problem mit der He-

macht. Nach Offenlegung durch die Krankenkassen

Gegensatz zu den Konzernen nicht wirklich in einem

Schlagzeilen mit einem Betrug in Millionenhöhe gesind damals mehr als 2000 Zahnärzte sowie die Firma

Globudent in den Skandal verwickelt gewesen. Was war passiert?

Den sinkenden Umsatzzahlen entgegen wirken wollend haben diese „innovativen“ Zahnärzte damals angefangen, ihre zahntechnischen Arbeiten im Ausland

fertigen zu lassen. Länder wie die Türkei, Malaysia, Manila, China aber auch Polen bieten derartige Laborleistungen an. Natürlich ist die Herstellung aufgrund

geringerer Lohn- und Produktionskosten wesentlich günstiger und hat einen deutlich niedrigeren Endpreis zur Folge. Das sollte, gerade in Zeiten des nachdrücklich geforderten Wettbewerbs und dem Vorbild interna-

rangehensweise dieser Zahnärzte. Da die Medizin im echtem Wettbewerb agiert, müssen derartige Einsparungen in der Produktion auf die Gruppe der Patienten

ausgeschüttet werden und dürfen nicht der Steigerung des Praxisgewinnes zugeführt werden. So mussten die

Patienten dieser Zahnärzte trotz des günstigeren Zahnersatzes den normalen Preis zahlen, während der An-

bieter dieser Leistungen gleichzeitig die Höchstbeträge für Zahnersatz von den Krankenkassen einforderte.

Globudent übersandte entsprechende Ersparnisse per Barzahlung an die Zahnärzte, die diese selbst einbehielten.

tionaler Konzerne in ihrem Umgang mit der Globalisie-

Obwohl einige seriöse Firmen seit über 20 Jahren er-

Praxis überlebensfähig zu machen.

rigen Anbieter ausländischen Zahnersatzes und ent-

rung, eigentlich das Mittel der Wahl sein, um die eigene

So mussten die Patienten den normalen Preis zahlen, während der Anbieter dieser Leistungen gleichzeitig die Höchstbeträge für Zahnersatz von den Krankenkassen einforderte.

folgreich im Geschäft sind, haben sich auch die übsprechende Labore auf legale Art und Weise etabliert und die Qualität der Produkte gesichert und zertifizie-

ren lassen. Für einige Zahnärzte sind diese Anbieter, nicht zu letzt seit der letzten Gesundheitsreform, die

mit starken Umsatzeinbußen für die gesamte Branche

einherging, zu einer echten Alternative geworden. Die Patienten, welche seit Anfang 2005 mit enorm gestie-

genen Eigenanteilen für zahnärztliche und –technische Leistungen belastet werden geraten so immer mehr in

den wirtschaftlichen Focus des Unternehmens Praxis. So sind Patientenbindung und –neugewinnung mitt-

lerweile die obersten Prioritäten einer Praxis um ihre Existenz zu sichern. Von den Umsatzeinbußen sind in

erster Linie natürlich auch die Labore betroffen, die in direkter Abhängigkeit zu der Menge an Zahner-

satzaufträgen der ihnen zuliefernden Praxen stehen.

Diese Entwicklung hat in den letzten zwei Jahren den 157


Laboratorium Difficile

In dieser Gesamtsituation ist es nur ein logischer Schluss nach einer kostengünstigen Alternative für die Herstellung des Zahnersatzes zu suchen, was schließlich sogar durch die Krankenkassen selbst gefördert wird. So wird durch einige Versicherer nicht nur der Zahnarztbesuch im Ausland nahe gelegt, sondern wie im Fall der Brandenburgischen AOK auch vehementer auf die Zusammenarbeit mit polnischen Laboren verwiesen. Großteil der Insolvenzen verschuldet.

Die aus ökonomischer Sicht sicherlich verständliche

Gesundheitsreform für 2007 weniger die Qualität der

kungen für die innerdeutsche Wirtschaft sein, da nur

Leider scheinen auch die Pläne der aktuell diskutierten Patientenbehandlung, als die durch sie verursachten

Kosten für den Sozialstaat in den Mittelpunkt zu stellen. So wird sich die Staatsdoktrin der Preise der zahnärztlichen Therapie und der damit nicht vorhandene

Wettbewerb trotz gegensätzlich propagierter Anliegen offensichtlich nur weiter verschärfen.

In dieser Gesamtsituation ist es nur ein logischer Schluss nach einer kostengünstigen Alternative für die Herstellung des Zahnersatzes zu suchen, was schließ-

lich sogar durch die Krankenkassen selbst gefördert wird. So wird durch einige Versicherer nicht nur der

Zahnarztbesuch im Ausland nahe gelegt, sondern wie im Fall der Brandenburgischen AOK auch vehementer

auf die Zusammenarbeit mit polnischen Laboren verwiesen.

Handlungsweise wird allerdings nicht ohne Auswirdurch Förderung regionaler Netzwerke auch eine Stärkung der Volkswirtschaft einhergeht. Und das, so wird

es zumindest propagiert, sei Aufgabe der Regierung

eines Landes. Die Initiative „Made in Germany“ hat sich diesbezüglich in der Vergangenheit stark gemacht,

die Vorteile des deutschen Zahntechnikerhandwerkes

deutlicher in das Bewusstsein der Patienten zu rufen. So sei die deutsche Zahntechnik im globalen Vergleich auf

höchstem Niveau und der ausländische Zahnersatz in

der Vergangenheit durch Verwendung minderwertiger Dentallegierungen und falsch verarbeiteten Keramiken aufgefallen. Nicht zu vergessen, dass günstigere Pro-

duktionen immer mit dem sozialem Gefälle zwischen erster und dritter Welt zusammen hängen und die Frage

offen gelassen wird, ob internationale Konzerne und ihre Lohnkostenpolitik hier das richtige Vorbild sind?

Dass es auch anders geht zeigen einige seriöse Anbieter auf dem internationalen Markt. Abgesehen von 158


??

Zertifizierung und Verwendung geprüfter Materialien

stiger in der Produktion als inländische La-

ist es mittlerweile üblich, dass deutsche Zahntechni-

bore und geben teilweise deutlich verlängerte

eingesetzt werden. So hat sich die Kombination von

man international tätige Labore von Dental-Handelsge-

kermeister auch im Ausland für die Qualitätssicherung

Garantiezeiten an die Patienten. Im Detail muss

ausländischer Fertigung und inländischer Endkontrolle

sellschaften unterscheiden, die wiederum ausländische

für einige Anbieter als der goldene Mittelweg bewie-

sen, mit dem nicht zuletzt sicher gestellt werden kann, dass im Falle von Reparaturen und Änderungen der Zahnersatz nicht mehrfach um die Welt reisen muss.

Die Kombination mit leicht erreichbaren Servicelabors in Deutschland ermöglicht auch die üblichen Dienstleistungen wie Farbbestimmungen und individuelle Anpassungen im Labor.

Dabei sind nahezu alle Anbieter kostengün-

Fremdlaboratorien beauftragen. Das lässt zwar keine Rückschlüsse auf die Qualität zu, bedeutet dennoch eine ungewohnte Kommunikation mit dem Zahntech-

niker als auch eine gehörige Portion Vertrauen. Wer an

dieser Stelle Sicherheit haben möchte, sollte sich vor Ort bei den Anbietern informieren, die Endkontrolle begutachten und vielleicht auch einfach einen Pro-

belauf durchführen. Auch gibt es mittlerweile einige Krankenkassen, die mit entsprechenden Anbietern zu159


Laboratorium Difficile

sammenarbeiten und so zumindest ein kriminelles Ver-

Sicher ist dennoch, dass gerade im sich entwickelnden

kann.

Preis einer Arbeit seinen Einfluss auf die Patientenbin-

halten wie im Falle Globudent ausgeschlossen werden

Am Ende muss vor allem jeder Zahnarzt selbst entscheiden, was seiner Philosophie am meisten entspricht.

Wettbewerb nicht nur die Qualität sondern auch der

dung haben wird. Man kann nur hoffen, dass am Ende vor lauter ökonomischen Gesichtpunkten und dem heimlichen Wunsch der Profitmaximierung in der Medizin, die Patienten mit ihrem Leiden nicht all zu sehr

in den Hintergrund geraten. Denn jede medizinische Erfolgsgeschichte wird immer mit einem Patienten beginnen und enden.

Ingmar Dobberstein

Entscheidend ist, dass die Vertrauensbasis stimmt und die Kommunikation funktioniert, da ansonsten jede Arbeit mehr Aufwand bedeutet als

eigentlich nötig. Wer bereits über

ein gutes Netzwerk verfügt, sollte

sich überlegen, ob die Ersparnis eine gute Zusammenarbeit ersetzen

kann. Aus eben diesen Gründen muss auch weiterhin die

Entscheidung den Zahnärzten überlassen sein, mit welchem

Labor sie zusammen arbeiten.

Da vor allem die Zahnärzte für die Qualität der Arbeit verantwortlich gemacht werden, sind es im Falle

von Problemen auch ihre Patienten,

die abwandern. Diese Zusammenarbeit

darf nicht der Doktrin des Staates und erst

recht nicht dem Einfluss Krankenkassen unterliegen.

160

MADE IN Y GERMAN TZ A S R E N H ZA ZUM IF NULLTAR


Ansichten eines Zahntechnikers

IM LABOR ZUHAUSE,

ANSICHTEN EINES ZAHNTECHNIKERS

Es gibt da eine Spezies unter den Zahnme-

verkürzen, ein anderer hat sich eben erst während der

dizinstudenten, die sich von außen kaum merkbar aber

Ausbildung überlegt, sein Abitur nachzumachen um

im innern sehr deutlich von anderen Zeitgenossen un-

nachfolgend doch Zahnmedizin zu studieren. Die we-

terscheiden. Ihre Zahl ist größer als man denkt, da viele

nigsten unter ihnen wussten wahrscheinlich von An-

von ihnen sich so gut wie möglich zu tarnen versuchen.

fang an, dass dies im gegenwärtigen Hochschulsystem

Oft wissen nach kurzer Zeit dennoch alle um ihre

einer der besten Starts in das Studium ist.

„dunkle“ Vergangenheit, denn sie können derbe Witze

An einigen Universitäten muss man ja kaum noch

machen, sind meist ein paar Jährchen älter und haben

selbst an Prothesen schleifen, aber an den meisten Unis

offensichtlich eine tiefe dentale Trickkiste im Gepäck.

verbringen die Studenten immer noch etliche Stunden

Während der normale Student im TPK- Kurs schwitzt,

im meist verhassten Labor. In den Umgang mit Wachs

haben sie selten Probleme und machen sich nicht zu-

oder dem oft unverstandenen Artikulator muss der nor-

letzt aufgrund ihrer Lockerheit und Hilfsbereitschaft

male Studienanfänger sich erst einmal reinarbeiten,

oft sehr beliebt.

während diese und viele andere Dinge dem Zahntech-

Doch auch diese ausgebildeten Zahntechniker müssen

niker doch sehr vertraut sind. Die schauen in einigen

jeden Tag aufs Neue beweisen, dass sie mehr sind als

Fällen schon mal verständnislos über den Tisch, wenn

Handwerker ohne Hirn und Wissenschaft. Natürlich

Kommilitonen mit Wachsklumpen namens Kronen zu

kann man nicht alle über einen Kamm scheren, denn

Ihnen kommen, eindeutig zuzuordnende Zähne vertau-

der eine hat die Lehre gemacht um die Wartezeit zu

schen und mit vielen anderen, meist einfachen Fragen

162


angeschlichen kommen. „Kannst du mir mal helfen, bitte?“ Immerhin hat man als Zahntechniker jahrelang aufgewachst, gegipst und geschliffen, und das Handwerk von der Pike auf gelernt. Nicht ohne Grund haben die Techniker oft die Ruhe weg, denn in vielen Labors muss der „Stift“, also der Lehrling, die ersten Monate ausschließlich Modelle machen, für alle einkaufen und am Ende des Tages auch noch putzen. Da ist man mit der Rolle des Ranguntersten sehr vertraut und hat im Studium durchaus weniger Probleme sich unterzuordnen. Der Zahntechniker beißt oft im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne zusammen, wenn besonders in den vorklinischen Kursen die Arbeiten eher praxisfern hergestellt werden müssen, er die eigentliche Ausbildungsarbeit bei seinen Kommilitonen macht und er

Prof. Dr. Bunsen

sich am Tagesende noch mit altklugen Hinweisen der Jungassistenten auseinandersetzen muss. Dabei war dies in der Ausbildung meist nicht anders - im Labor war die Praxis und in der Berufsschule die Theorie. In den vorklinischen Kursen ist das mehr vermischt und gerade dann umso trauriger, wenn das praktische Wissen der Techniker mit dem TPK-Wissen der Jungassistenten aufeinander prallt.

Nicht ohne Grund haben die Techniker oft die Ruhe weg, denn in vielen Labors muss der „Stift“, also der Lehrling, die ersten Monate ausschließlich Modelle machen, für alle einkaufen und am Ende des Tages auch noch putzen. 163


Ansichten eines Zahntechnikers

Assistent Beaker

Leider ist hier auch ein Knackpunkt, der den Techni-

tiv ist und in dem man sich spezialisieren kann. Aber

kern ein wenig nachhängt.Der Berufsschulunterricht

das wohl größte Problem an diesem Beruf ist

ist grundsätzlich auch auf Hauptschüler ausgerichtet,

und bleibt das Abhängigkeitsverhältnis zum

obwohl unter den Zahntechniklehrlingen auch viele

Zahnarzt. Der Techniker kann noch so gut ar-

Abiturienten sind.

beiten, wenn der Zahnarzt keine guten Vorar-

In der bis zu dreieinhalbjährigen Ausbildung kommt es zwangsläufig bei dem ein oder anderen zu einer leichten mentalen Verkümmerung.

beiten macht oder nichts von Statik versteht, kann der Zahntechniker auch nicht mehr viel rausholen. Spätestens hier merkt man, dass das reale Berufsleben viel weniger mit Biochemie und Physiologie bestritten wird als mit Handfertigkeit, Kommunikationsvermögen, Teamwork und einer ordentlichen Portion Improvisationstalent. Wenn man es als Zahntechniker durch das Studium geschafft hat, hat man in jedem Fall weit weniger Probleme mit anderen Zahntechnikern zu kommunizieren und sich auch mal etwas sagen zu lassen, denn auch hier ist eher eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe als alt hergebrachte Hierarchie gefragt. Denn der Techniker sieht auf dem Modell ohne störende Wangen, Zun-

Das Lernen an sich sowie die theoretische Herange-

ge oder ähnliche anatomische Strukturen oft mehr, als

hensweise müssen viele in den ersten Studiensemestern

der Zahnarzt im Mund. Ohne den anderen geht

wieder neuerlich lernen. Das hat leider auch zur Folge,

es grundsätzlich nicht, auch wenn Zahnarzt

dass einige Studenten, die tolle Zahnärzte hätten wer-

und Zahntechniker oft völlig unterschiedliche

den können, in der Biochemie kapitulieren müssen und

Auffassungen haben. Die doppelt ausgebildeten

im schlimmsten Fall wieder an den Labortisch zurück-

werden in dieser Hinsicht vielleicht immer zwei Seelen

kehren müssen. Selbstverständlich ist die Zahntechnik

in sich haben, profitiert wird davon am Ende aber vor

auch ein schöner Beruf, der viel Freude macht, krea-

allem der Patient. jule

164


Menschen und Doktoren

Ăœber Menschen und Doktoren

166


„Herr Doktor, Herr Doktor – Ich brauche Hilfe“... ...könnten die ersten Worte eines Patienten sein, der ge-

komplexe Themen bearbeiten kann und mit der Dok-

Krankenhaus aufsucht.

Publikationen beigetragen hat. Das wird möglich, weil

rade in Sorge um seine Symptome die Praxis oder ein

Das erste Mal erfuhr ich selbst eine solche Behandlung als Zivildienstleistender in einer Rettungsstelle, als eine wahrscheinlich Mittfünfziger Patientin an die Re-

zeption trat und ich, in meinen weißen Kasak gekleidet, ihre Daten aufnahm. Ein erhebendes Gefühl, ein Herr Doktor zu sein und damals genau die richtige Motivation für mein bevorstehendes Zahnmedizinstudium.

Ich sagte der Patientin damals, dass ich noch kein

Doktor sei, aber es schien sie kaum zu interessieren. Schließlich gehörte ich ja irgendwie zu der Gruppe von Menschen, von der sie sich Hilfe versprach.

torarbeit seinen Teil zur langen Liste internationaler er zuvor einen Doktorvater (-mutter) gefunden hat, der

seines Zeichens an einem noch größeren wissenschaft-

lichen Projekt arbeitet, sei es, um seiner Habilitations Willen, die Liste der Veröffentlichungen zu erweitern

oder manchmal auch, um einfach zu forschen und mit unbeirrter Neugier die aktuellen Fragen eines Fachgebietes zu lösen.

In anderen Ländern verhält es sich nicht ganz so. Außer Dänemark und Deutschland wird in nahezu jeder Universität ein Doktortitel vergeben,

Ein Phänomen, welches mir seitdem häufiger begeg-

wenn der Absolvent sein Examen abgeschlos-

wieder Patienten, die mich oder meine Kommilitonen

Vorarbeit während des Studiums leisten, er ermöglicht

nete, denn auch während des Studiums gab es immer

sen hat. Zwar musste der Student dafür entsprechende

dementsprechend ansprachen. Nun existieren derartige

letztendlich aber eine entsprechend umfangreiche Pu-

Vorurteile auf beiden Seiten, da nicht nur die Patienten-

blikationsliste der Universität, die Einwerbung von

Chefarzt behandelt zu werden. Auch unter Ärzten gibt

angelegter Studien.

gruppe gerne davon ausgeht, von einem Doktor oder es die Erfahrung, dass im Gegensatz zur oft geforderten

Drittmitteln und die kontinuierliche Durchführung lang

Eigenverantwortlichkeit, die Patienten ihr „Hirn“ am

Es existieren aber auch andere Doktoren, weit über den

ßend voll und ganz in die Hände der „Halbgötter in

Leidwesen werden sie nicht nur häufig der Ärzteschaft

Eingang des Krankenhauses ablegen, um sich anschlieweiß“ zu legen.

Was ist ein Doktor überhaupt? Seit dem Mittelalter galt der Titel grundsätzlich für

Absolventen von Universitäten und wurde mit abge-

schlossenem Staatsexamen verliehen. Nach gegenwärtiger deutscher Auffassung ist er/ sie ein Akademiker,

welcher mit der Durchführung und Auswertung einer wissenschaftlichen Arbeit (Promotion) beweist, dass er

Bereich der Medizinischen Fächer hinaus. Zu deren zugeordnet, sondern müssen durchschnittlich für den

Erwerb des Titels weit intensiver und länger arbeiten. Vier bis fünf Jahre harte Arbeit und einige private und berufliche Entbehrungen sind da keine Seltenheit und

stehen in großem Gegensatz zu durchschnittlichen me-

dizinischen Doktorarbeiten. Auch in der Medizin ist es möglich, sein ganzes Leben der Forschung zu verschreiben, nur hat das nichts mit der Doktorarbeit zu tun, denn die kann maximal 167


Menschen und Doktoren

den Einstieg in diese Berufskarriere bedeuten. So wird der Dienst an der Menschheit, vielmehr

aber an einem oder wenigen Menschen mit der hohen

Verfügbarkeit kostengünstiger Arbeitskräfte verbunden. Das einzelne Thema ist nur ein Bruchteil des Forschungsprojektes und singulär betrachtet oft so ab-

strakt, dass man besonders in der gegenwärtigen Ge-

samtsituation die Frage stellen kann, ob sich die Mühe neben dem arbeits- und zeitintensiven Beruf des Arztes lohnt?

Universität kam. Ich hatte die Vorstellung, in meinen

Professoren und Assistenten Menschen zu finden, die sich mit der Ausbildung ihrer Zöglinge identifizieren

würden. Nicht, dass ich nicht auch solche getroffen hätte, aber ihre Zahl war verschwindend gering. Stattdessen lehren einige Dozenten trotz großer Titel mit nur

sehr geringer Leidenschaft an ihrem Lehrauftrag. Der

eine hat sich die Karriereleiter hoch „gesessen“, immer darauf wartend dass ein Vorgesetzter in Rente geht, andere sind zu sehr mit sich und ihrem Privatleben oder

Auch in der Medizin ist es möglich, sein ganzes Leben der Forschung zu verschreiben, nur hat das nichts mit der Doktorarbeit zu tun, denn die kann maximal den Einstieg in diese Berufskarriere bedeuten. Für den Titel, werden die meisten antworten, denn nur

beruflichen Vorankommen beschäftigt, als dass sie die

dies als Einstieg in eine wissenschaftliche Karriere an

ressieren würden. Die Vorstellung, mit diesen „Vorbil-

ein Bruchteil der frisch gebackenen Doktoren nutzt

der Hochschule oder in der Forschung. Man macht es eben, weil es irgendwie von einem erwartet wird oder

weil angeblich die Patienten in höheren Zahlen zu einem strömen sollen, wenn der Titel das Praxisschild schmückt.

Vielleicht werden aber auch die Patienten für sich entscheiden, ob sie ihren persönlichen Halbgott Doktor

nennen oder nicht, je nachdem ob sie ihm schmeicheln wollen oder sich auf diese Art besser aufgehoben füh-

len. Auch wird es weiterhin Doktoren geben, die sich

zur Zeit ihrer Berufsausbildung nur ein Minimum

Belange der Ausbildung über ihre Pflichten hinaus inte-

dern“ die nächsten fünf Jahre zu verbringen, ließ sehr schnell alle Vorurteile über Titel und Publikationen, und schließlich auch die Motivation zu diesen, fallen.

Diese Erfahrung hatte auch etwas Gutes, da ich mich frei von Erwartungen wieder auf das Wesentliche konzentrieren konnte: den Arztberuf und die Patien-

tenbehandlung. Ernüchternd ist die Feststellung, dass

die Ausbildung dennoch eine andere Wirkung bei den Studenten hinterlassen sollte und statt Verzweifelung, Motivation verbreiten sollte.

fortbilden werden, obwohl sie einmal bewiesen haben,

Was könnte man an diesem Zustand verbessern? The-

wollten. Und, es wird immer Ärzte geben, die ihren

ganzen Studienzeit von den Studenten gefordert. Die

dass sie wissenschaftlich arbeiten könnten, wenn sie

Beruf gewählt haben, um mit Leidenschaft Patienten zu behandeln oder aus Neugierde zu forschen, ohne dabei nach Titeln und Ehrungen zu streben.

Ein anderes, bereits angedeutetes Thema ist das der

Betreuung eines Doktoranden. Meine persönliche Ge-

schichte setzte sich zu Beginn des Studiums fort, als ich mit Erwartungen, ähnlich denen der Patienten, an die 168

men wissenschaftlich zu erörtern, wird während der

Modernität des Alltags an der Universität hat gleich-

zeitig den Zugang zu internationalen Publikationen, Online Datenbanken und digitalen Lernmedien ermöglicht. Sei es, dass der Dozent die Lektüre der englisch-

sprachigen Literatur verlangt, oder die Seminararbeit aus Bequemlichkeit im Internet zusammenkopiert wird, zum Staatsexamen kennt der Student meist unzählige

Wege der Recherche. Da liegt der logische Schluss


!

169


Menschen und Doktoren

Man kann heute bereits die ersten Praxisschilder sehen, auf denen anstelle eines Dr. der international anerkannte Titel Msc. zu lesen ist. nahe, dass man auch schon während des Studiums ein

deren Herangehensweise zu fördern. Diese Kenntnisse

auswerten und veröffentlichen könnte. Wie gut das

mittelt, weil an der Hochschule lieber starres Wissen

wissenschaftliches Projekt selbstständig durchführen, funktioniert zeigen jährlich einige, wenige Studenten, die meist nach nicht bestandenem Physikum, in einem

Urlaubssemester und manchmal auch während des

werden im normalen Studium nicht automatisch ver-

anstelle von wissenschaftlicher Neugier und Begeisterung gelehrt wird.

normalen Unibetriebes mit ihrer Promotion beginnen

In den letzten Jahren sind noch andere Tendenzen auf-

nennen dürfen. Der Nachteil dabei ist, dass die deut-

Anpassung an den europäischen Lebensraum und nicht

und sich unmittelbar nach dem Staatsexamen Doktor sche Zahnmedizinausbildung größtenteils nicht dafür

ausgelegt ist, derart arbeitsintensiven Beschäftigungen während des Studiums nachzugehen. Wer in der ohne-

hin spärlichen Freizeit Geld verdienen oder Kinder auf-

ziehen muss, wird kaum dazu kommen, stundenlange Laboruntersuchungen oder Patientenevaluationen zu

unternehmen, geschweige denn 60 bis 100 Seiten Text sinnvoll zu verfassen.

gekommen. Mit zunehmender Internationalisierung, der

zuletzt der Bildung deutscher Masterstudiengänge ist es der Titel des „Master of Science“ (Msc), der in Bezug auf Attraktivität und Prestige an Bedeutung gewon-

nen hat. Die Ausbildung ist zwar mit Kosten zwischen 25.000 und 50.000 € verbunden, bedeutet aber auch einen echten Wissenszuwachs und eine Spezialisie-

rung, welche die berufliche Laufbahn signifikant beeinflussen kann. Diese privat organisierten Studiengänge

werden von motivierten Dozenten begleitet, beinhalten

Gerade dieser Zustand könnte in der Zeit von Forderungen nach Eliteuniversitäten und des

die Anleitung und Betreuung in den praktischen Kursen

und stellen den Lernprozess der Anwärter in den Mit-

Neides auf amerikanische Forschungsbud-

telpunkt. Man kann heute bereits die ersten

gets, eine große Chance für die deutschen

Praxisschilder sehen, auf denen anstelle eines

Universitäten sein. Mit dem Potential dieser Stu-

Dr. der international anerkannte Titel Msc. zu

briken in Deutschland entwickeln, die es vielleicht

die Bevölkerung erkennt, dass hinter dem Titel Master

dentenmengen könnten sich wahre Wissenschaftsfa-

lesen ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass auch

schaffen können, international aufzuholen. Man müsste

eine medizinisch relevante Qualifikation steht, die sich

dafür definitiv veraltete Inhalte des Studiums und die ein oder andere, an langen Abenden im Studentenlabor hergestellte, Brücke und Prothese opfern, würde aber

dem Arzt und Wissenschaftler im Zahnarzt wieder

deutlich näher kommen. Man könnte die Zeit der Ausbildung und des kontinuierlichen Lernens dazu nutzen, die Motivation für wissenschaftliche Betätigungen und

170

nicht nur in den Preisen sondern auch der Behandlung wieder spiegelt.

Persönlich werde ich sehen, ob zuerst die Doktorarbeit oder der Masterstudiengang angegangen wird. Ich hoffe

allerdings, dass der ärztliche und menschliche Faktor auch in Zukunft stärker als die Macht der Titel wirkt. idee


Garagentordistraktion

Die Garagentordistraktion -eine Möglichkeit der Augmentation im distalen Unterkiefer In vielen Studien (insbesondere von Andersson, Widmark und Esposito, 2001) wird beschrieben, dass die Auflagerungsosteoplastic mit fast vollständiger Resorption unter kaufunktioneller Belastung innerhalb zweier Jahre einhergeht. Das knöcherne Lager des distalen Unterkiefers ist jedoch ein wesentlicher Bestandteil für einen kaustabilen, implantatgetragenen Zahnersatz. Dr. Med. Ernst Fuchs, Zug / Küssaberg

172


Die Kallusdistraktion erweist sich als eine sehr wirk-

hautlappen gebildet, der etwas nach krestal erweitert

chen vertikal aufzubauen. Es kommt hierbei jedoch

borgefertigte Operationsschablone diente der Planung

same Methode, um einen neuen ortsständigen Knowesentlich auf das minimalinvasive Vorgehen und die

Miniaturisierung des Distraktors an. Auch die Miniaturisierung des angewandten chirurgischen Werkzeuges und die neue Methode der Piezosurgery erhöht den Erfolg. Die Art und Weise der Aufklappung des kortikalen Deckels über den Alveolarkamm hinaus bis unterhalb der Linea mylohyoidea an der lingualen Seite des Restknochens ist in vielen Fällen eine stabilere Lösung. Das Benutzen der lingualen Lamelle im Sinne eines Scharniers als Sollbruchstelle verhindert die Unterbrechung der physiologischen Strukturen und damit der Vaskulari-

wurde. Das Periost wurde am Ort belassen. Eine lader Operation. Der erste Osteotomieschnitt wurde mit

dieser Schablone genau festgelegt, um eine exakte Füh-

rung der Knochenfräse zu gewährleisten. Diese erste Osteotomie gab den Vektor der durchzuführenden Distraktion vor. In diesen Osteotomieschnitt wurde später

das Füßchen des Distraktors als Pressfit eingeschlagen. Der Distraktor ist wie ein Messerchen angespitzt, um

eine gute Platzierung im Knochenbett zu gewährlei-

sten. Auch die vertikale Führung konnte mit dieser festgelegt werden, da diese Osteotomiefräse sowohl horizontal wie auch vertikal diamantiert ist. Die Ope-

rationsschablone gewährleistete auch die Sicherheit für die Führung dieser Osteotomiefräse. Zur Kontrolle

der Tiefe und Richtung des Schnittes diente die zweite

sierung.

Garagedoor Distraction

bukkal

lingual Nerv

Abb. 1: //

Abb. 2 und 3: //

Schematische Darstellung.

Einschlagen des Distraktors.

Abb. 4: //

Abb. 5: //

Abb. 6: //

Konsolidierungsphase zwei Monate post OP.

Compress-Implantate L: 12,0 ; D: 4,0.

Volumengewinn prä und post OP.

Die Methode am Einzelfall: Bei der 30-jährigen Patientin kam es infolge frühzei-

tigen Verlustes der Zähne 46 und 47 zu einer erheb-

lichen Zerstörung des distalen Knochenlagers. Es wurde eine Distraktion durchgeführt. Die Diagnostik

wurde anhand eines Orthopantomogramms, eines Ce-

phalogramms und eines Gipsmodelles durchgeführt. Nach Aufklappung der Gingiva in der Umschlagfalte mit einem bogenförmigen Schnitt wurde ein Schleim-

Operationsschablone aus Titan mit einer Millimeterkalibrierung. Diese wurde bereits vorgebogen, um da-

durch eine präzise Führungslinie für die Osteotomien zu gewährleisten. Die jeweiligen vertikalen Osteoto-

mien mesial und distal wurden über den Alveolarkamm hinaus bis unterhalb der Linea mylohyoidea durchgeführt. Sehr oft ist hier die Knochenstruktur etwas

schwächer. Dies wurde im Tunnel durchgeführt ohne

Aufklappung. Danach wurde nur die kortikale Lamelle 173


Garagentordistraktion

A POSSIBILITY OF AUGMENTATION IN THE DISTAL MANDIBLE

In many studies (in particular from Andersson, Widmark and Esposito, in

2001) it is described that the onlay-graft with nearly a complete resorption of functional- chewing pressure within two years. Nevertheless, the bone sight of the distal mandible is an essential component for a set of stable-chewing implant dentures. The alveolar osteogenesis proves to be based on a very effective method for vertically building a new permanent bone sight. Nevertheless it depends on this occasion, substantially on the minimum-invasive action and the miniaturization of the distractors. Also the miniaturization of the applied surgical instruments and the new method of the Piezo Surgery enhances the success. The type of “folding open” of the cortical lid above the alveolar ridge up to the linea mylohyoidea on the lingual side of residual bone is in many cases, a more stable solution. Using the lingual lamella for the purposes of a hinge as a breaking point prevents the interruption of the physiological structures and with it the vascularisation.

langsam von der darunterliegenden Spongiosa abgelöst. So konnte dieser kortikale lingual gestielte Kno-

chendeckel im Sinne eines Garagentores angehoben werden. Das Operationsprotokoll der Kallusdistraktion

wurde von Prof. Dr. Dr. ZÖLLER, Universität Köln, übernommen, d.h. Aktivierung des Distraktors um 1mm pro Tag nach einer siebentägigen postoperativen Ruhephase. Zwei Monate post operationem wurde der

Distraktor entfernt und nach einer weiteren zweim-

onatigen Konsolidierungsphase wurde mittels SplitControl nach Dr. Dr. STRECKBEIN und Horizontal

Control Anwendung zwei Compress-Implantate 12 mm, 4,0 Durchmesser inkorporiert. Vier Monate später wurden diese mit einer Krone versorgt.

Angewandte Systeme Vertical Control, Split Control und Horizontal Control der Firma Meisinger, Neuss. Compress Implantate der IGZ,Diez.

Literatur: Andersson, Widmark, Esposito 2001, Alveolar distraction osteogenesis , Ouintessence Publishing Co. Hidding J, Lazar F, Zöller JE. The vertical distraction of the alveolar bone. J Craniomaxillofac Surg 1998 ; 26 : 72–73. Ilizarov GA. Basic principle of transosseous compression and distraction osteosynthesis. Ortop Travmatol Protez 1971 ; 32(11) : 7–15. Ilizarov GA. The principles of the Ilizarov method. Bull Hosp Joint Dis Orthop Inst 1988 ; 48 (1) : 1–11. Ilizarov GA. Clinical application of the tension-stress effect for limb lengthening. Clin Orthop 1990 ; 250 : 8–26. Jensen , Ole T. , Alveolar distraction osteogenesis , 2002 , Quintessence Publishing Co. Samchukov ML, Cope JB, Harper RP, Ross JD. Biomechanical considerations for mandibular

Korrespondenzadresse:

lengthening and widening by gradual distraction

Dr. med. Ernst Fuchs

using a computer model. J Oral Maxillofac

Bahnhofstr. 28, CH-6300 Zug/Küssaberg

Surg 1998 ; 56 : 51–59.

efuchs@bonemanagement.com

Streckbein, S. Non-ablative Implantatbettformung

www.bonemanagement.com

und Minimaldurchmesserimplantate. Medizinische Fakultät der RWTH Aachen, Inauguraldissertation 2005 : 13–19.

174


Full-Mouth-Disinfection

Durch FULL-MOUTH-DISINFECTION (FMD) eine frühe bakterielle Rekolonisation therapierter Bereiche verhindern und die Wundheilung unterstützen Dr. Volker Scholz, Lindau Kontakt: vscholz@sanfte-zahnheilkunde.de

Paropathogene Keime besiedeln nur die Zahnfleischtaschen? Weit gefehlt! Der gesamte Mund- und Rachenraum bietet den Parodontitiskeimen zahlreiche – insbesondere supragingivale – Retentionsnischen wie z.B. die Mundschleimhaut, die Zunge, den Speichel, die Tonsillen und natürlich die Zähne selbst, zwischen denen ein dynamischer Austausch der pathogenen Keime stattfindet (Quirynen et al. 2001). So ist z.B. nach einem supragingivalen Debridement die Anzahl pathogener Keime wie z.B. Tanerella forsythensis (Tf), Prevotella intermedia (Pi) oder Treponema denticola (Td) in verschiedenen supragingivalen Bereichen wie der Zunge, dem Speichel sowie der Mucosa deutlich erhöht (Beikler et al. 2004). Dieser dynamische Austausch zwischen den oralen Nischen ist mit dafür verantwortlich, dass es zu einer frühen Rückbesiedelung der gereinigten therapierten Wundbereiche kommt, so dass bereits etwa eine Woche nach einem sorgfältigen Scaling und Rootplaning die ursprüngliche Keimzahl in den parodontalen Taschen wieder vorhanden ist. Auch bei Mandelentzündungen können typische Paro-Markerkeime wie Prevotella intermedia und Fusobacterium nucleatum involviert sein (Brook et al. 1997). Das Konzept einer mechanischen und antimikrobiellen Keimzahlreduktion aller betroffenen Quadranten und des gesamten Mundraumes innerhalb von 24 h verhindert diese vorzeitige Rekolonisation der zuvor therapierten und gereinigten Zahnfleischtaschen, damit die therapierten Wundbereich in Ruhe abheilen können. Diese Full-Mouth-Disinfection (FMD) mit der adjuvanten Behandlung durch Chlorhexidin (CHX) zur Keimzahlreduktion in möglichst allen oralen Nischen (z.B. Chlorhexamed Forte 0,2% für die Mundschleimhaut, Chlorhexamed 1% Gel für die

176


Zunge und Chlorhexamed Forte 0,2% Spray für den tiefen hinteren und nur schwer zu erreichenden Mundraum) führt nicht nur zu einer signifikanten Verbesserung der klinischen und mikrobiellen Parameter gegenüber der herkömmlichen quadrantenweise Therapie nach einem 6-Wochen-Schema, sondern ist zudem eine sinnvolle Maßnahme, durch die der Zahnarzt eine schnellere Heilung auch bei Patienten mit einer geringeren Compliance oder einer hohen Plaquebelastung unterstützen kann (Bollen et al. 1998, Quirynen et al. 2006).

Literatur: Bollen CM, Mongardini C, Papaioannou W et al.

J Antimicrob Chemother. 1997 Jun; 39 (6) : 763-9.

The effect of a one-stage full-mouth disinfection on

Quirynen M, De Soete M, Dierickx K et al.

different intra-oral niches. Clinical and microbiological

The intra-oral translocation of periodontopathogens

observations.

jeopardises the outcome of periodontal therapy. A re-

J Clin Periodontol. 1998 Jan; 25 (1) : 56-66.

view of the literature.

Brook I, Foote PA, Slots J.

J Clin Periodontol. 2001 Jun; 28 (6) : 499-507.

Immune response to Fusobacterium nucleatum, Pre-

Quirynen M, De Soete M, Boschmans G et al.

votella intermedia and other anaerobes in children with

Benefit of „one-stage full-mouth disinfection“ is ex-

acute tonsillitis.

plained by disinfection and root planing within 24 hours: a randomized controlled trial. J Clin Periodontol. 2006 Jul 20

177


Heilung oder Salbung

naueren Blick auf die beiden vermeintlichen Gegensätze zu werfen.

Historisch gesehen waren Schulmedizin und Erfah-

rungsheilkunde nämlich kaum voneinander getrennt. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts bildete sich aufgrund der schnellen Entwicklung neuer Erkenntnisse in der Medizin die Naturwissenschaft als Evidenz basierte Fachrich-

tung heraus. Bis dahin war sie praktisch seit der Antike untrennbar mit der Naturphilosophie verknüpft und wur-

de gleichermaßen bei der Therapie von Erkrankungen eingesetzt. Eine ähnliche Entwicklung fand auf dem asi-

atischen Kontinent statt, mit dem Unterschied, dass dort

auch weiterhin naturphilosophische Erkenntnisse in die Wissenschaften einflossen.

Mittlerweile war man in Europa so begeistert und über-

zeugt von der neuen Wissenschaft, dass man glaubte,

alle Zustände müssten auf experimentelle Art und Weise beweisbar sein und wenn dies nicht der Fall wäre, existiere nur noch nicht das entsprechende Mittel des Nach-

weises. Den Höhepunkt dieser Weltanschauung könnte

man in das letzte Jahrhundert datieren, in dem sowohl die pharmazeutische als auch die so genannte Geräteme-

dizin zu ihrer Höchstform aufgelaufen sind. Dass trotz

der Evidenz basierten Herangehensweise alle paar Jahre vermeintliche wissenschaftliche Gesetze und Therapien über den Haufen geworfen wurden und mit neuen starren Regeln ersetzt wurden, wird dabei gerne verschwiegen.

Innerhalb der letzten 30 Jahre hat sich diesbezüglich viel getan und es waren vor allem Praktiker im Patien-

tenalltag, die sich schließlich im Namen ihrer Patienten und deren Genesung für alternative Therapien interes-

sierten. So verstärkte sich seit den siebziger Jahren die

Anwendung von Homöopathika in der Kindermedizin und in einer deutsch – französischen Forschungskooperation wurde den akupunkturmedizinischen Grund-

F

lagen nachgegangen und unter anderem die moderne ällt das Wort Naturheilkunde während einer Dis-

kussion, scheiden sich auch im beginnenden 21.

Jahrhundert die Geister. Das auch als Erfahrungs- oder

Komplementärmedizin bekannte Fachgebiet hat bis heute nur ansatzweise Einzug in die medizinischen Denkstrukturen gefunden. Dabei lohnt es sich, einen ge178

Ohrakupunktur nach Nogier entwickelt. Mittlerweile

wird die Akupunktur nach jahrelangen Pilotprojekten und Studien zumindest in der Schmerztherapie sogar von einigen Krankenkassen akzeptiert. Dass diese Aner-

kennung dennoch sehr begrenzt ist, hat ebenfalls einen philosophischen Hintergrund. Während die fortschreiten-

den Erkenntnisse in der Medizin vor allem zugunsten von


bakteriellen und viralen Erregern statt fand, bildete sich

Darüber hinaus ist es die Physik, speziell die Quantenphy-

die Anwesenheit entsprechender Mikroorganismen oder

Wirksamkeit der Komplementärmedizin hervor bringt.

der Gedanke heraus, dass Krankheiten vor allem durch aber durch genetische Vorbelastungen entstünden. Dass

die Erreger aber auch in großen Mengen bei gesunden Menschen anwesend waren, ohne Symptome hervorzu-

rufen, wurde lange Zeit ignoriert. Wahrscheinlich, weil es nicht in das Wunschdenken eines Schubladensystems

für Krankheiten und deren Therapien passte, vielleicht aber auch, weil man mit alternativen Ansätzen nicht an-

nähernd so viel Geld in der pharmazeutischen Industrie

verdienen kann. Die erste ehrliche und Evidenz basierte Meinung eines Naturwissenschaftlers wurde mir diesbe-

züglich während einer Immunologievorlesung in meinem Zahnmedizinstudium gegeben. Auf die Frage, warum

niemals eine Vitaminapplikation als Begleittherapie bei Infektionserkrankungen empfohlen würde, dafür aber

immer alle Energie auf Tötung der Erreger zielte, sagte er wörtlich: „Über die Mikroorganismen wissen wir viel, über den Menschen nur sehr wenig.“ Die Erfahrungsheilkunde verfolgt an dieser Stelle einen anderen Ansatz. Da viele Mikroorganismen auch im gesunden Menschen vorkommen, postulieren sie, dass der

menschliche Organismus seine Regulationsfähigkeit ver-

loren hat, bevor es zur Krankheit kommt. Dass es gerade in unserer Zivilisation durchaus leicht ist, aus der Balance

zu geraten, ist angesichts minderwertiger, gentechnisch

veränderter Nährstoffe, Mangel an Bewegung und dem Übermaß an körperlichem und seelischem Stress eigentlich kaum verwunderlich. Laut dieser Herangehenswei-

se muss man allerdings bezüglich des Menschen selbst therapieren, und das kann bei bestimmten Krankheitsbildern wesentlich schwieriger sein.

Wer glaubt, dass derartige Gedanken auch heute noch rein philosophischer Natur sind, unterliegt leider einem Irrtum, denn mittlerweile kommen die besten Bewei-

se aus der Schulmedizin selbst. Die gleichen Erreger

erzeugen verschiedene Symptome bei verschiedenen Menschen, Medikamente entfalten unterschiedliche Wirkungen, obwohl sie die gleiche Biochemie anspre-

chen sollten und andere gut wirksame pharmazeutische Entwicklungen können nicht auf den Markt gehen, weil ihr Placebo den gleichen Therapieeffekt erzeugt.

sik, die an dieser Stelle wissenschaftliche Beweise für die Die daraus resultierende Energiemedizin ist eine der Kon-

sequenzen, die hoffentlich in naher Zukunft die starren

Geister einiger Naturwissenschaftler erreicht, um dann vielleicht mit mehr finanziellen Möglichkeiten noch besser untersucht werden zu können. So existiert seit einigen

Jahren eine Lichtmikroskopie auf Basis kohärenter Laser-

strahlung, auch Vitalmikroskopie genannt, die mittlerweile sogar von pharmazeutischen Konzernen benutzt wird, um

die Wirksamkeit neuer Medikamente nachzuweisen. Oder die Möglichkeit, Akupunkturmeridiane während ihrer Sti-

mulation reproduzierbar zu fotografieren. Oder einfach die

langjährige Forschung auf dem Gebiet der Pflanzenkunde, mit deren Hilfe schulmedizinisch ungeklärte Autoimmu-

nerkrankungen angegangen werden. Oder aber auch das Wissen um die Wirkung von Farben, psychischen Zuständen und emotionalen Prozessen auf unser Allgemeinbefinden und die eigene Regulationsfähigkeit.

Wer bei diesen Themen neugierig wird, sollte unbedingt Europas größten Kongress für Erfahrungsheilkunde oder Komplementärmedizin in Baden Baden besuchen. Die

jährlich im Oktober stattfindende „Medizinische Woche“ ist ein Sammelsurium aller denkbaren alternativen Heilmethoden, einige mehr und andere weniger wissenschaftlich belegt. Ein zentrales Anliegen der Komplementärme-

dizin ist es, gesundheitlichen Problemen vorzubeugen. Aus diesem Grund war das diesjährige Leitthema „Vorsorge

statt Nachsorge - Prävention mit Komplementärmedizin“.

Der Kongress, an dem in diesem Jahr rund 4.700 Ärzte und Wissenschaftler in Seminaren, Vorträgen und Work-

shops mit nahezu 400 Referenten teilnahmen, bietet die

Möglichkeit, die verschiedenen Therapiemöglichkeiten zu diskutieren und sich auf Gebieten wie Atemtherapie, Akupunktur, Homöopathie, komplementärer Onkologie und biologischer Zahnmedizin weiterzubilden.

Vor allem aber kann man hier für einen wesentlichen Punkt

der Medizin sensibilisiert werden: Nicht der Arzt, sondern nur der Mensch selbst kann eine Heilung bewirken. idee 179


Zahnärztetag Erfurt 2006

Unter dem Motto „Entscheidungsfindung in der

tet, der sich erneut einer sehr hohen Beteiligung von

– 25.11.2006 der Deutsche Zahnärztetag in Erfurt statt.

konnte.

Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde“ fand vom 23.

Der seit einigen Jahren in der Kooperation von DGZ-

MK, BZÄK und KZBV stattfindende Kongress widmet

Studenten aus dem gesamten Bundesgebiet erfreuen

Der Auftakt des Zahnärztetages wurde durch das stu-

sich nicht nur aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnis-

dentische Programm am Donnerstag gebildet, an dem

in Deutschland. Die diesjährige Thematik hätte nicht

hätten, da nur einige Universitäten Beurlaubungen

sen, sondern ebenfalls der standespolitischen Situation besser gewählt werden können, da sowohl die bevor-

stehende Gesundheitsreform im politischen Bereich, als auch die Ergebnisse der aktuellen Mundgesundheitsstudie IV (DMS IV) zeigen, dass ein Umdenken

in der Entscheidungsfindung der Zahnärzte notwendig ist. Um auch die jungen Zahnmediziner und Studenten mit diesen und anderen Problematiken vertraut zu machen, wurde in Zusammenarbeit mit den Young Dentists Worldwide (YDW) bereits zum zweiten Mal ein

Studententag im Rahmen des Zahnärztetages veranstal180

wahrscheinlich weit mehr Studenten teilgenommen ausgeschrieben hatten. Aus diesem Grund wurde be-

reits beschlossen, den Studententag im nächsten Jahr

am Samstag stattfinden zu lassen. Im Gegensatz zum Zahnmedizinstudententag des BdZM bestand das Pro-

gramm nicht vorrangig aus wissenschaftlichen The-

men und Kursen, sondern echten Aspekten rund um das Zahnmedizinstudium. Neben den Workshops für

Studenten am Vormittag wurde in Vorträgen über die aktuelle Situation und Probleme der integrierten Kurse am Berliner Zentrum für ZMK der Charité berich-


tet und Erfahrungen aus dem Erasmus Programm für

zwischen Oraler Pathologie und dem Gesamtorganis-

5-10 Studenten jährlich wahr genommen wird, ausge-

ziner erkennbar wird. Besonders scharf kritisierte er

Zahnmediziner, welches gegenwärtig leider nur von tauscht. Auch wurde die diesjährige ZuZa Studie noch-

mals kritisch erörtert und eine Lösung und nationale Angleichung der Ausbildungssituation und Curricula

gefordert. Unter der Leitung von Tobias Bauer berichteten die Young Dentists Worldwide in ihrem Programmblock über Arbeitserfahrungen im Ausland wäh-

rend und nach dem Studium und es wurden Einblicke

mus, die Bedeutung des Zahnarztes als Humanmedidiesbezüglich, dass die neue Approbationsordnung der Mediziner keinerlei Inhalte zahnmedizinischer Natur enthielt. Aufgrund aktueller Erkenntnisse zur Kopf-

schmerzproblematik, aber auch den Zusammenhängen der oralen Funktionslehre mit dem Skelettsystem, wären dies Schritte in die falsche Richtung.

in die Postgraduierten Ausbildung in Canada sowie

Ein weiterer Kernpunkt des Kongresses war die wach-

junger Zahnärzte gegeben. Durch die Vertreter der

kungen in der Bevölkerung, die laut Mundgesundheits-

die Zusammenarbeit der internationalen Gemeinschaft Verbände und Zahnärztlichen Fachgesellschaften wur-

de unter Leitung des Präsidenten der DGZMK, Prof. Meyer aus Greifswald verstärkt auf den Wandel des Zahnmedizinischen Berufsbildes hingewiesen. Sowohl

die wirtschaftlichen Veränderungen und politischen Forderungen der Regierung, als auch die Verlagerung

der Krankheitsbilder (Karies, Parodontologie) und die Erweiterung des zahnmedizinischen Verständnisses einer interdisziplinären Zusammenarbeit mit der Medizin wurden verstärkt hervorgehoben. Aufgrund der

Kombination standespolitischer und wissenschaftlicher Aspekte aber auch der echten Integration des jungen Nachwuchses in diese Tagung wird deutlich, dass die

Bedeutung einer gemeinsamen Arbeit der Fachgesell-

sende Bedeutung der parodontologischen Erkranstudie die Karies als Hauptkrankheitsbild verdrängt haben. Gleichzeitig wurde deutlich, dass die parodon-

tologischen Behandlungen, nicht zuletzt auf Grund der Abwertung mit der letzten Gesundheitsreform, lediglich 7-10% in den Curricula der Hochschulen und so-

gar nur durchschnittlich 5% im Behandlungsspektrum der Praxen ausmachten. An dieser Stelle ist nicht nur

ein Umdenken der Hochschullehrer und Zahnärzte gefordert, sondern auch eine Weichenstellung durch die Politik unbedingt notwendig, um zukünftigen Anfor-

derungen der Patienten gerecht zu werden. Erschreckend ist die Tatsache, dass die deutsche Hochschullandschaft in dieser Hinsicht sehr inhomogen ist und nur wenige Hochschulen

schaften und Generationen endlich bei den Entschei-

eigene Abteilungen für dieses Fach gebildet

Gekrönt wurde dieser Tag durch eine gelungene Stu-

ren Universitäten lediglich ein Minimalprogramm der

dungsträgern in der Zahnmedizin angekommen ist.

haben. Aufgrund der veralteten APOZ wird an ande-

dentenfeier in den Gewölben der Engelsburg, auf der

Parodontologie gelehrt oder wie in Berlin, im Zuge

nach der feierlichen Eröffnung des Zahnärztetages im Erfurter Kaisersaal, auch der ein oder andere Professor anzutreffen war und sichtlich begeistert, die Erinnerungen an die eigene Studentenzeit, genoss.

Die 130. Jahrestagung der DGZMK im Rahmen des Deutschen Zahnärztetages wurde in diesem Jahr von

über 3000 Teilnehmern besucht und konnte 160 neue wissenschaftliche

Publikationen

vorstellen.

Prof.

Meyer wies mehrfach darauf hin, dass im Gegensatz zu einigen Stimmen, gerade jetzt, mit Verstärkung der Er-

kenntnisse über die interdisziplinären Zusammenhänge

der Hochschulreform und Fusion der beiden Zahnkliniken, sogar eine bestehende separate Abteilung wieder

geschlossen. Prof. Hoffmann, Präsident der DGP und Verantwortlicher des diesjährigen Zahnärztetages kritisierte diesbezüglich, dass die Etablierung der Parodon-

tologie an den Universitäten bisher wenig spürbar sei, die dafür benötigten Mittel und Stellen aber auch zusätzlich durch die Politik zur Verfügung gestellt werden

müssten und nicht von anderen Abteilungen abgezogen werden dürften.

Prof. Meyer forderte, die benötigten interdisziplinären

Aspekte durch Bildung von Schwerpunktfeldern mit 181


Zahnärztetag Erfurt 2006

den Medizinern umzusetzen, dies aber auch durch die

ner Prof. Biedenkopf, ehemaliger Ministerpräsident

viel Eigeninitiative der Universitäten aber auch die

Gesundheitsökonomik (München) konnten darlegen,

Krankenkassen liquidierbar zu machen. Hierzu wird

Weichenstellung durch Politik und die neue APOZ nötig sein, da moderne Hochschulkonzepte wie in Greifswald sonst noch lange eine Ausnahme in Deutschland bleiben werden.

Sachsens und Prof. Neubauer, Direktor des Instituts für dass die bevorstehende Gesundheitsreform zum Schei-

tern verurteilt sei. Die Entgrenzung des Sozialstaates bewirke eine Gefährdung der Individualität und setzten

den Kurs, Entscheidungen

Einstimmigkeit herrschte

ohne Einfluss der eigent-

bei allen führenden Ver-

lichen Leistungsempfän-

tretern darüber, dass die Aufteilung

der

ger zu machen, fort. Prof.

Gelder

Biedenkopf

der Krankenkassen heute

kritisierte,

dass gerade dadurch die

nicht mehr zeitgemäß sei.

so oft geforderte Eigen-

Dr. Dr. Weitkamp, Präsi-

verantwortlichkeit

dent der BZÄK bezeich-

Patienten

nete das GKV System

würde.

als „Ethikfalle“, da eine

werde

wissenschaftliche und mo-

der

untermauert

Einmal die

mehr

Chance

zur Umstrukturierung

derne Zahnmedizin unter

Deutschlands

aktuellen, aber auch den in

nicht

wahrgenommen

der nächsten Gesundheits-

notwendige

reform festgesetzten GKV

und

Anpas-

sungen des Systems

– Bedingungen nicht mehr

würden wieder auf-

wirtschaftliche Risiko der

lierte mathematisch, was

möglich sei. Das hohe

geschoben. Er postu-

Praxen sei in Zukunft nur

seit Jahren anhand des

mit Freiheit in der Thera-

pie tragbar und würde bei weiterer staatlicher Regu-

Gesundheitssystems prakProf. Dr. Dr. h.c. Georg Meyer

lation nur im Systemaus-

tisch bewiesen wird: Die Verschiebung notwendiger

stieg enden. Dass die verstärkte Kontrolle durch den

Staat ihrer Grundlage entbehre, sei daraus ablesbar, dass nach aktuellen Umfragen 90% aller Bürger das

Anpassungen

des Systems erhöht die Kosten der Anpassung im Quadrat zur verlorenen Zeit und reduziert gleichermaßen die Halbwertszeit ent-

Vertrauen in ihre Zahnärzte haben und dies durch den

sprechender Regelungen.

Darüber, dass nicht zuletzt aufgrund der demogra-

Veränderungen benötigen Mut und Entscheidungskraft

Gesundheitssystem bestehe, waren sich alle Vertreter

sonen vor – auf dem Deutschen Zahnärztetag in Erfurt

konstanten Besuch der gleichen Praxen beweisen.

phischen Veränderungen ein Handlungsbedarf im

einig. Dass dies nur über Freiberuflichkeit und Selbstverwaltung auf Basis einer patientengerechten und wissenschaftlich

gestützten

Leistungsbeschreibung

funktionieren kann sind die Kernforderungen des Deutschen Zahnärztetages in Erfurt. Auch die Festred182

und gehen immer gegen etablierte Strukturen und Perwurde deutlich, dass diese Einstellung endlich in der

Zahnärzteschaft und ihren Standesvertretungen angekommen ist.

Ingmar Dobberstein


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Impressum

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identifikation

Auflage. Erscheinung. Format. Bezugspreis.

12.000 deutschlandweit DIN A5 (210 x 148) 5 Euro (1 Euro für Studenten)

Herausgeber. Verlag.

Ingmar Dobberstein un-plaqued:multimedia, Tucholsky Str.47, 10117 Berlin

Redaktion. Chefredakteur. Assistenz der CR. Politik. International. Wissenschaft. Fashion. Bildredaktion. Fotografie. Schlussredaktion.

Ingmar Dobberstein / i_dee@un-plaqued.com Hanna Buttenberg Kaj Todt Juliane Gnoth Hans Christian Lux Jenz Fanslau / jenz@un-plaqued.com Melissa Hostetler / mail@melissahostetler.com, Marc Laubinger Melissa Hostetler / Fotoshoot: Max Schmid-Burgk (mail@maxschmid-burgk.com) Manja Kölpin / Sabine Fischer

Gestaltung.

Marc Laubinger / moke / the-moke@web.de

Druck. Anzeigen. Redaktionskonto. Kontakt. un-plaqued virtuell.

Königsdruck, Alt Reinickendorf 28, 13407 Berlin Gudrun Matthes / QV/ matthes@quintessenz.de / 030 761 80-629 Ingmar Dobberstein / i_dee@un-plaqued.com / 0170 55 92 305 APO Bank Berlin / BLZ 100 906 03/ KTNR. 000 677 5705 info@un-plaqued.com www.un-plaqued.com / www.alumni-magazin.de Unser Dank gilt allen wachen Geistern, die ihren Alltag mit bewussten Sinnen wahrnehmen, Fragen stellen wenn Antworten gewünscht sind und Antworten geben wenn Ruhe erbeten wurde. Ganz besonderer Dank geht an Katharina F., Isabell L., Paul & Paul, Max, Cisel, Alexander, Viva Models Agentur (www.vivamodels.com), Oliver Friedrichs, Kerstin Bartels, Familie Dobberstein Die in den Artikeln und Mitteilungen ausgedrückten Meinungen sind die der Autoren und nicht unbedingt die der Redakteure oder des Herausgebers. Redakteure und Herausgeber lehnen jede Verantwortung oder Haftung für den Inhalt ab und geben keinerlei Garantie, Gewährleistung oder Empfehlung für die Produkte, für die in dieser Zeitschrift geworben wird, oder für die Behauptungen, die von den Herstellern derartiger Produkte oder Dienstleistungen gemacht werden. Eine Haftung für Folgen aus unrichtigen oder fehlerhaften Darstellungen wird in jedem Falle ausgeschlossen. Die im Magazin veröffentlichten Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung oder Verwertung der Texte und Bilder sind mit Ausnahme der gesetzlich zugelassenen Fälle ohne Einwilligung des Verlages strafbar. Die un-plaqued Nr.11 ist in Kooperation mit der Quintessenz Verlags-GmbH entstanden.

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ABO. Wer das Magazin un-plaqued – Identifikation oder eine der älteren Ausgaben bestellen möchte, schreibe bitte mit Adresse an info@un-plaqued.com.

Wer sich mit der un-plaqued Lebensart identifizieren kann, ist herzlich dazu eingeladen, seinen Gedanken und Meinungen in diesem Magazin Freiraum zu verschaffen.

FOTO WETTBEWERB Wie wir unseren Alltag und die Zahnmedizin

wahrnehmen, wird Thema der nächsten Ausgabe sein. Der un-plaqued Fotowettbewerb 2007

2007

soll Eure Sichtweise zeigen und wird die besten Fotos mit drei i-Pod´s belohnen. Lasst Eure

Augen sprechen und schickt Fotos aus Eurem Blickwinkel an info@un-plaqued.com.


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UN-PLAQUED 11 Identifikation  

Identifikation hängt weniger mit äußeren Umständen zusammen, als welches der Einzelne aus seiner Umwelt extrahieren kann. Gerade in einem S...

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