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un-plaqued Wie frei bist DU? Wie viel Freiheit hat der Einzelne? Was bedeutet die Freiheit des Einzelnen in einem freiheitlichen Staat? Auf wie viel Gesellschaft und Notwendigkeiten muss die Freiheit des Individuums Rücksicht nehmen? Freiheit hat viele Facetten. Sie beginnt im Kopf und entwickelt sich dennoch nie unabhängig von der Gesellschaft. Sie ist ein Teil der Entwicklung einer Gesellschaft. Haben wir uns fertig entwickelt? Ein Professor sagte mir kürzlich, dass er mit dem Alter den Optimismus für eine bessere Menschheit ein wenig eingebüßt hat. Weil wir uns zwar technisch entwickelten, aber nicht moralisch. Doch wie entwickelt eine Gesellschaft ihre moralische Freiheit? Und wie viel muss dafür vom Einzelnen geleistet werden? Dem Autor Ruediger Dahlke zufolge haben die Haare geschichtlich eine lange Bedeutung als Freiheitssymbol. Sie sind Ausdruck eines Freiheitsanspruchs oder auch militärischer Unterordnung und widerspiegeln somit die verschiedenen Geisteshaltungen ihrer Träger. Ich habe angefangen, meiner Freiheit Ausdruck zu verleihen und ihr ein Symbol gegeben. Bist DU bereit für Freiheit?


ALUMNI IST, WER DIE UNIVERSITÄT ABGESCHLOSSEN HAT, OHNE MIT IHR ABGESCHLOSSEN ZU HABEN. ALUMNI IST, WER ETWAS VON DEM WEITERGIBT, WAS ER GELERNT HAT. ALUMNI IST ZAHNMEDIZIN. ALUMNI IST, WOHER MAN KOMMT UND WOHIN MAN GEHEN WIRD. ALUMNI IST VERGANGENHEIT, GEGENWART UND ZUKUNFT. ALUMNI IST ERFAHRUNG UND NEUGIERDE, MEINUNG UND FRAGE. ALUMNI IST EIN MAGAZIN. OUT NOW!

JEDER IST ALUMNI.


die eigene praxis? W W W . A L U M N I - M A G A Z I N . D E


frei heit — u n - p l a q u e d n r. 1 4 un-plaqued

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freiheit


Editorial...1 / UNI UPDATES...6-11 / Free Dentistry...12-16 / Wie frei bist Du?...18-26 / The Paradox of our Age...28/29 / Die Freiheit des Zahnmedizinstudenten...30-35 / Kurz vor Polen-Greifswald...36-41 / Perspektiven der Freiheit...42/43 / Der normale Student?...44-57 / Mein Leben könnt Ihr haben...58/59 / Was weiß schon Wilhelm von Humboldt?...60-67 / POL für Zahnmediziner...68-72 / POL – Notfälle...74-77 / Die Zähne der Deutschen...78-80 / Sonicare Gewinnspiel...81 / StuDent...82/83 / I LOVE MY TEETH Kollektion 2008...84-87 / Andere Länder, andere Sitten...88-90 / Laboratorium difficile – All in One in Ecuador...92-97 / Von der Großstadt in den Regenwald...98-105 / Faszination IADS – als Student die Welt entdecken...106-110 / Zahnmediziner kicken für die Kinderhilfe...112/113 / Die Farben der Zähne...114-121 / Die ersten Schritte...122/123 / Bücherempfehlungen...124/125 / Mieze´s Music Box...126/127 / Impressum...129

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UN-P ∕ 14 - Uni-Update

Uni

Mittwoch 23.07.2008

Update

unabhängig / überparteilich / unplaqued

BERLIN-DEUTSCHLAND

LOSVERFAHREN AN FAST JEDER ZAHNKLINIK der Ansturm auf Studienplätze in der Zahnmedizin ist ungebrochen, während die Lehre massiv leidet

Die Einklagewelle für zahnmedizinische Studienplätze an Deutschlands Fakultäten ist weiterhin ungebrochen, so dass die meisten Standorte mit mehr Studenten zu kämpfen haben, als Kursplätze vorhanden sind. Eine Ursache dieser Situation ist die Kapazitätsverordnung, die weiterhin ungeachtet besserer Betreuungsverhältnisse einen Curricularnormwert von 7,8 vorgibt, obwohl im Gegensatz zur Medizin (CNW 8,2) ein deutlich höherer Anteil an praktischer Kursbetreuung zu leisten ist. Ein anderer Grund ist die fortschreitende Verringerung der Studienplätze in Deutschland, obwohl aufgrund der demographischen Entwicklung auch in der Zahnmedizin ein Mangel an Ärzten in der Zukunft absehbar ist. Trotz zahlreicher Warnungen wird diese Entwicklung, seitens der Regierung und Länder, fortgesetzt. Die Problematik wird dadurch verschärft, dass eine zusätzliche Einstellung von Assistenten ebenso weitere erfolgreiche Klagen bewirkt, so dass weder eine Anpassung der Assistentenzahl noch eine Verbesserung der Lehre durch eine optimale Kursbetreuung stattfinden kann. Etwas makaber wirkt es dann, wenn entsprechende Anwälte ihre Klageerfolge sogar in den Kammereigenen Publikationen bewerben. 6

Mit der Einführung der Studiengebühren ist ein Ausschluss von Losverfahren verbunden, was diese Standorte vor weitere Probleme stellt. Die Lösungsansätze sind vielzählig und gehen von höheren Durchfallquoten oder geringeren Kursanforderungen über Abendkurse bis hin zu Veranstaltungen in der vorlesungsfreien Zeit, bedeuten aber immer eine zusätzliche Belastung der Lehrkräfte und Studenten. Die Forderung nach mehr Forschung in der Zahnmedizin ist zwar grundsätzlich richtig, in dieser Lage jedoch nahezu unmöglich, da die wissenschaftlichen Mitarbeiter notgedrungen verstärkt in der Lehre und praktischen Ausbildung eingesetzt werden müssen. Da seitens des Hochschulrahmengesetzes nur die Studenten losen müssen, die sich in der Regelstudienzeit befinden, werden mit den Losverfahren vor allem die benachteiligt, die sich durch gute Leistungen und dem Wunsch eines schnellen Studiums auszeichnen. Die Studienplatzsituation hat sich im letzten Jahrzehnt entgegen aller offiziellen Äußerungen nicht verbessert, sondern eher verschlechtert. Die technische Ausstattung ist an der einen oder anderen Universität erneuert worden, die Betreuung der Studenten kann unter den gegebenen Umständen nicht verbessert werden. Hoffnung gibt an dieser Stelle die Kapazitätsverordnung selbst, wenn es sowohl in §1 als auch §14 heißt, das eine Verringerung der Aufnahmekapazität möglich ist, wenn ein Nachweis über die Beeinträchtigung der Lehre statt findet und eine ordnungsgemäße Ausbildung nicht gewährleistet ist.


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Neubesetzung des Lehrstuhls für Parodontologie an der Charité? Berlin: (UN-P) In der letzten Ausgabe der UNPLAQUED hatten wir in einem ausführlichen Interview mit dem Dekan der Charité, Professor Paul, eine eindeutige Zusage zur Neuausschreibung des Lehrstuhls für Parodontologie an der Berliner Hochschulzahnmedizin erhalten. Die im Dezember 2007 konstituierte Berufungskommission unter dem Vorsitz des Dekans Professor Paul hat bisher zweimal getagt. Es erfolgte bis zur Drucklegung dieser Ausgabe zwar eine Ausschreibung der Lehrstühle für Prothetik, Kieferorthopädie und Kinderzahnmedizin, aber trotz aller Versprechen bisher keine Ausschreibung der W2 Professur für die Parodontologie. Obwohl Ende November 2007 die Neuberufung der Parodontologie beschlossen wurde, scheint die Frage der Ausschreibung und der Neubesetzung wegen des Ausscheidens des Dekans Professor Paul auf unbestimmte Zeit verschoben. Es ist zu hoffen, dass es der Berufungskommission in der Zeit vor dem endgültigen Wechsel des Vorsitzenden gelingen wird, die Stellenausschreibung auf den Weg zu bringen. Eine Neuberufung zum WS 2008/2009 ist ohnehin aus Zeitgründen nicht zu erwarten.

WAS TUN MIT DER in KOHLE? Studiengebühren der Zahnmedizin Bundesfachschaftentagung Köln: (UN-P) Die seit 3 Semestern existierenden Studiengebühren sind mittlerweile zu einer festen finanziellen Größe für die Universitäten geworden. Immerhin steuern 100 Zahnmedizinstudenten mit 500 Euro Studiengebühren eine halbe Million Euro pro Semester dem Budget der Universität bei. Was mit dem Geld unternommen wird, ist an jeder Universität auf verschiedenen Wegen geregelt. Die häufigste Variante ist die Etablierung einer Studienkommission, die mehr oder weniger paritätisch aus Professoren und Studenten zusammengesetzt sind. Da manchen Fakultäten komplett über den zahnmedizinischen Etat verfügen können, während andere diesen mit den Medizinern oder anderen Studiengängen teilen müssen, gibt es in einigen Kommissionen eine Medizinermehrheit, die ebenso Einfluss auf die Verteilung hat. In Bonn zum Beispiel wird die Verwaltung der Gelder ausschließlich vom Dekanat geleitet. > 7


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Die Höhe der verfügbaren Beträge variiert von Uni zu Uni ebenso, wie die eigentlichen Dinge, die mit dem Geld angeschafft werden. Zuschüsse für Materialkosten, neue Artikulatoren und Winkelstücke oder Instrumente und Bücher gehören an fast allen Fakultäten zu den Neuanschaffungen. Aber auch Tutorenstellen und Lupenbrillen wie in Würzburg, oder Cerecgeräte für die Vorklinik und Klinik wie in München gehören zu den Investitionen. In Göttingen werden unter anderem längere Öffnungszeiten des Phantomsaales zum Üben über Studiengebühren möglich gemacht, während Köln und Magdeburg Aufenthaltsräume für die Studenten und Göttingen einen neuen Phantomsaal einrichten. An den meisten Standorten können die Studenten ebenfalls Wünsche äußern, Skripte finanzieren, neue Computer in den Bibliotheken nutzen oder Abonnements von Fachzeitschriften bestellen. Im Gegensatz dazu wird das Geld in Ulm seit einiger Zeit angespart, das nach dem Umbau in Materialien und Geräte investiert werden soll. Zum Leidwesen der aktuellen Semester, die zwar fleißig Studiengebühren zahlen, aber dadurch nur wenige Verbesserungen haben. Auch in Würzburg hat man eine besondere Verwendung für einen Teil der Gelder vorgesehen, da neuerdings Patienten für die prothetische Behandlung im Studentenkurs „entschädigt“ werden. Ein Patient erhält im Falle einer Teleskoparbeit ungefähr 150 Euro, die indirekt durch den behandelnden Studenten bezahlt wurden. Es bleibt die Frage, ob die Finanzierung der technischen Ausstattung einer Zahnklinik oder die Vergütung behandelter Patienten zu den Investitionen in die Lehre gehören, welche mit der Einführung der Studiengebühren beabsichtigt wurden? 8

E X P E R T E N

fordern MEHR GELD für Hochschulreform Berlin: (hib/SKE) Mehr Investitionen in die Hochschulen sind notwendig, um den Bologna-Prozess erfolgreich abzuschließen. Darin waren sich die Experten beim Fachgespräch im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung einig. Prof. Dieter Lenzen, Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz, Prof. Martin Leitner, Geschäftsführer der HIS Hochschul-Informations-System GmbH und Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerkes, waren sich darüber einig, dass die Reform der Studiengänge notwendig gewesen und weitgehend geglückt sei. Es hätte allerdings von vorneherein mehr Geld zur Verfügung stehen müssen, um die Betreuung der Studenten zu verbessern. „Bologna war alternativlos“, sagte Leitner. Die Berufsaussichten seien für Bachelor-Absolventen genauso gut wie für Absolventen mit Diplom, behaupteten die Experten. Allerdings durchliefen 80 Prozent der jungen Menschen einen BachelorStudiengang mit der festen Absicht, gleich im Anschluss den Master zu machen. Das widerspreche der Intention, den Master als einen Abschluss zu etablieren, der erst nach mehreren Jahren Berufstätigkeit und nur nach Bedarf angegangen werde. „Das könnte ein Ausdruck des Misstrauens der Studenten gegenüber dem Wert des Bachelors sein“, so Leitner. „Wir beobachten mit Bestürzung, dass die Mobilität nach der Einführung von Bachelor und Master gesunken ist“, nannte Lenzen einen weiteren Kritikpunkt. Das liege auch an der Vielzahl von Veranstaltungen, die jetzt in sechs statt wie vorher acht Semestern absolviert werden müssten. Auch Praktika im Ausland seien nicht einfacher geworden.


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Meyer auf der Heyde betonte, dass das Betreuungsverhältnis von Dozenten und Studierenden im internationalen Vergleich noch nicht ausreichend sei. „Das zeigt, dass wir noch stark investieren müssen.“ Ein Hindernis für die Mobilität von Studenten sei weiterhin die Schwierigkeit, sich Leistungen aus dem Ausland anerkennen zu lassen. Mehr dazu ab Seite - 60 -

Reform des Medizinstudiums? (pr/dpa) Angesichts des drohenden Ärztemangels hat Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe eine grundlegende Reform des Medizinstudiums gefordert. Hoppe sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, die Ausbildung an den Universitäten müsse viel stärker patientenorientiert sein. „Es müssen vorrangig jene ausgesucht werden, die ihre Berufung in der Krankenversorgung sehen.“ Finanzielle Anreize reichten gegen den Mangel an Ärzten nicht aus. Zudem sei fraglich, ob die Auswahl der Studierenden nach dem Abiturnotendurchschnitt noch richtig sei. Von den Absolventen der Medizin gingen etwa ein Viertel dem klassischen Arztberuf verloren, sagte Hoppe. Medizin werde als Grundstudium verwendet. Aufbau- oder Parallelstudiengänge ermöglichten dann andere Tätigkeiten, etwa in Beratungsunternehmen. Junge Ärzte wanderten nach ihrer Anerkennung als Facharzt ab - beispielsweise zum Medizinischen Dienst der gesetzlichen Krankenkassen, zur privaten Krankenversicherung, in die Pharma-Industrie oder in die Informationstechnologie. „Sie alle fehlen in der Patientenversorgung“, sagte der Präsident der Bundesärztekammer. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung rechnet

früheren Angaben zufolge damit, dass bis 2012 rund 34 000 niedergelassene Ärzte altersbedingt ihre Praxistätigkeit aufgeben werden. Fast jeder fünfte niedergelassene Arzt in Deutschland befinde sich derzeit kurz vor dem Ruhestand.

2008 zum dritten Mal auf der BERLINDENTALE (CCC) Mit seinem attraktiven Angebot „Forschungslandschaft Zahnmedizin“ möchte der Dentalfachhandel auch in diesem Jahr viele repräsentative Vertreter der universitären Forschung für die Berlindentale 2008 gewinnen. Eingeladen sind in diesem Jahr wieder alle zahnmedizinische Universitätskliniken und Gesellschaften im Einzugsgebiet der BerlinDentale. Der junge Verlag un-plaqued:multimedia hat bereits zugesagt und nimmt damit zum zweiten Mal teil. Ziel für die Teilnehmer ist der Austausch mit den Praktikern, um unmittelbar und ungefiltert verwendbare Anregungen zu erhalten, neue Angebote zu testen und wertvolle Kontakte zu knüpfen. Zum klaren Vorteil für die für die Fachbesucher: Denn sie sind häufig die Ersten, denen die entwickelten Produktideen und neuen Angeboten präsentiert werden. So können sie frühzeitig Einblicke in die neuesten Trendthemen gewinnen. Die Teilnahme an der Forschungslandschaft Zahnmedizin wird den Universitäten auch 2008 wieder äußert schmackhaft gemacht: Den Aufwand für die Flächenmiete, die Messestände und die Möblierung übernimmt der Dentalfachhan9


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del. Auch bei der Planung und Bekanntmachung werden die Teilnehmer professionell von der Dentalveranstaltungsorganisation unterstützt. So setzt sich diese für Universitäten oft noch unübliche Form des Knowhow-Transfers nicht zuletzt dank der BerlinDentale zunehmend als zukunftsweisende Präsentationsform durch. BerlinDentale, 1.Nov. ̇08, ICC Halle 21/22

NEU E FO R T B I L DUNG S RI C H T L I NI E D ER BZ Ä K

soll die schlechte Ausbildung der Zahnmediziner postgradual für viel Geld verbessern Berlin: (UN-P) Im Oktober 2008 soll auf dem Deutschen Zahnärztetag in Stuttgart über die neuen Fortbildungsrichtlinien in Deutschland abgestimmt werden. Ziel der Novellierung ist es, dem Wildwuchs der Fortbildungsangebote und Titelveräußerung eine nachvollziehbare Struktur auf Basis der Bologna Vorgaben zu geben. Gleichzeitig sollen in diesem Zuge Masterstudiengänge an den Hochschulen etabliert werden, die für teures Geld (ab 25.000 €) von jungen und älteren Zahnärzten absolviert werden können.

Seit einigen Monaten wird diese Entwicklung seitens der deutschen Zahnärzteschaft heftig diskutiert, da gleichzeitig eine bessere Honorierung der Masterabsolventen über Selektivverträge mit den Krankenkassen im Gespräch sind. Fast am Rande veröffentlichten verschiedene Universitäten und die VHZMK Stellungnah10

men, in denen die unzureichende Ausbildung der Zahnmedizinstudenten offen zugegeben wird. Fraglich ist nun vor allem, warum trotz der seit Jahren ausstehenden neuen Approbationsordnung die postgraduale Ausbildung vor der eigentlichen universitären Studentenausbildung neu gestaltet wird? Ein Interesse ist sicherlich das Geld, das mit postgradualen Angeboten verdient werden kann, mit dem bitteren Beigeschmack, dass diese von den gleichen Professoren durchgeführt werden, die auch die unzureichende Studentenausbildung gestalten. Mehr dazu ab Seite - 12 -

Gewinnspiel - 2008 -

Auch in diesem Jahr haben wir ein tolles Gewinnspiel für unsere Leser vorbereitet. Zum Thema Mundgesundheit in Deutschland verlosen wir 10 nagelneue - Philips Sonicare HealthyWhite Ultraschallzahnbürsten an die ersten 10 richtigen Einsendungen. Die Redaktion wünscht viel Glück bei der Beantwortung der Fragen auf Seite 81.


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Patientenmangel an deutschen Zahnkliniken

Studenten zahlen die Behandlung aus eigener Tasche BuFaTa Köln: (UN-P) Die deutschen Universitätszahnkliniken haben grundsätzliche Probleme, genügend Patienten für die klinische Ausbildung der Studenten zur Verfügung zu stellen. Davon sind sowohl die prothetischen Kurse, aber auch die Studentenkurse der Zahnerhaltung betroffen, wie die meisten Fachschaften auf der halbjährlich stattfindenden Bundesfachschaftentagung (BuFaTa) in Köln berichteten. An einigen Universitäten ist die Situation so gravierend, dass mehrere Studenten pro Semester wegen Patientenmangels und daraus folgend nicht erbrachten Leistungen Kurse nicht bestanden haben. An anderen Fakultäten ist es üblich, dass Studenten die Kosten der Behandlung ihrer Patienten aus der eigenen Tasche zahlen. In Düsseldorf seien die meisten Examenspatienten durch die Studenten privat finanziert, so berichten die Fachschaftsvertreter. Für nahezu alle ist es normal, Freunde und Verwandte behandeln zu müssen, auch wenn die Indikation für den Austausch einer Füllung oder Krone in manchen Fällen kaum besteht. Grundproblem ist, dass die meisten Universitäten ihre Verantwortung für die Patientenorganisation zurückweisen und die Studenten auf der Suche nach geeigneten Patienten allein lassen. Dabei ist in den Studienordnungen verankert, dass die Fakultät eine Ausbildung vermitteln muss, die es ermöglicht, als künftige Zahnärzte angemessene Kenntnisse und Fertigkeiten zu erwerben. Dazu gehören neben den theoretischen Fächern die praktischen Kurse und damit auch die Bereitstellung entsprechender Patienten. Dennoch zeigen einige wenige Universitäten eine erstaunliche Kreativität oder wenigstens die Initiative, diese Situation lösen zu wollen.

In Freiburg wurde eigens ein Flyer entworfen, der über die studentische Behandlung informiert. Dieser wird in Absprache mit den entsprechenden Betreibern in Apotheken, Praxen, Seniorenheimen und allen Unieinrichtungen ausgelegt und hat das Problem größtenteils beseitigt. In Göttingen wurde ein Interview mit Anzeige in einer Tageszeitung geschaltet und in Hannover mit einem Tag der offenen Tür auf die Studentenbehandlung aufmerksam gemacht. Kiel und Köln versuchen die Attraktivität durch kostenfreie Kompositfüllungen, PZR´s und günstige Preise zu erhöhen, in Würzburg wird neuerdings in der Prothetik eine „Entschädigung“ an die Patienten gezahlt. Einige dieser Maßnahmen werden über Studiengebühren finanziert, als Investition in die Lehre. Auf die Spitze wird die Situation in Münster getrieben, wo die Patientenvergabe an die Leistungen der Eingangsklausur gebunden wird. Abgesehen von der fehlenden Rechtsgrundlage für ein solches Vorgehen, haben selbst die Kandidaten mit voller Punktzahl im letzten Durchgang keine Patienten erhalten, da alle für den Prothetik II Kurs benötigt wurden. Wie auf diesem Wege gute Zahnärzte ausgebildet werden sollen, bleibt unbeantwortet. Fakt ist, dass die meisten Fakultäten ihrer naturgegebenen Verpflichtung, funktionierende Lehreinheiten zu organisieren, nicht nachkommen und die Probleme auf dem Rücken der Studenten austragen. Ob diese nun aufgrund des Patientenmangels durchfallen, weniger Übung am Patienten haben oder für die Patientenbehandlung aus der eigenen Tasche zuzahlen – die Situation an den Hochschulen ist weder rechtmäßig oder akzeptabel. WEHRT EUCH! 11


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Free Dentistryry oder wie Zahnmediziner ihre Freiheit verloren haben „Die Weltgeschichte ist der Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit.“ Hegel

Von einer neuen Freiheit der Universitäten ist die Rede, wenn die aktuelle Hochschulreform diskutiert wird. Die Ausgliederung medizinischer Fakultäten und anderer Teilbereiche soll eine neue Unabhängigkeit schaffen, mit der eine bessere finanzielle Ausstattung, Forschungsund Lehrprofile und eine Internationalisierung der deutschen Fakultäten erreicht werden soll. Doch wie viel hat diese Unabhängigkeit mit der 12

eigentlichen Freiheit bzw. Autonomie einer Universität zu tun? Wilhelm von Humboldt formulierte zu Zeiten der Gründung der Berliner Universität verschiedene Werte einer Bildungseinrichtung. So war die Einheit von Lehre und Forschung unter Abwesenheit staatlicher und politischer Einflüsse sein Garant für eine unabhängige und freie Entwicklung des Menschen


und der Gesellschaft. Die Beteiligung des Studenten an der Forschung bewirke die Persönlichkeitsentwicklung durch den Erwerb von Wissen und die Mitwirkung an dessen Entstehung. Die gegenwärtige Entwicklung der Hochschulen ist vom Gegenteil geprägt. Ideen wie Exzellenzinitiativen, Elite Unis, Juniorprofessuren und anderes sind keinesfalls durch eigene Kreativität als vielmehr den schielenden Blick über den großen Teich entstanden und über Politik und Wirtschaft von außen an die Hochschulen getragen worden. In der Folge ist die staatliche Einflussnahme in Form von Aufnahmekapazitäten und Studiengebühren auf ein Maximum gewachsen. Mittlerweile wurden an vielen Hochschulen nach amerikanischen Vorbild Aufsichtsgremien zur Sicherung der universitären Qualität installiert, mit dem Unterschied, das diese in Deutschland mit Leuten aus der Wirtschaft und Politik besetzt sind, während in den USA größtenteils ehemalige Studierende in diesen Gremien sitzen.

Fehlende Integration in die Lehre und Forschung, veraltete Studienkonzepte und Lehrinhalte kombiniert mit unflexiblen Abteilungsleitern haben die Freiheit des Zahnmedizinstudenten nahezu verschwinden lassen

Dennoch wird die in der Verfassung festgelegte Freiheit der Lehre und Forschung an deutschen und insbesondere den zahnmedizinischen Fakultäten nur selten in Anspruch genommen. Vielleicht 10% dieser Fakultäten haben in den letzten Jahrzehnten eine Entwicklung ihres Studiums unabhängig der aus dem Jahr 1955 stammenden Approbationsordnung genommen. Und was diesen gestattet war, wäre auch an allen anderen Standorten möglich gewesen. Warum haben sich die Universitäten in den letzten Jahrzehnten so wenig aus sich selbst heraus entwickelt? Und warum wird die Freiheit nicht genutzt, die sie schon immer inne hielten?

verschulten Ausbildung die Bedien mich- Mentalität beim Wissenserwerb kultiviert hat. Von einem an der Entwicklung des Wissens teilnehmenden Studenten im Humboldtschen Sinne ist hier nicht viel zu finden. Fehlende Integration in die Lehre und Forschung, veraltete Studienkonzepte und Lehrinhalte kombiniert mit unflexiblen Abteilungsleitern haben die Freiheit des Zahnmedizinstudenten nahezu verschwinden lassen. Weder kann man innerhalb der deutschen Universitäten oder erst recht der internationalen Hochschullandschaft reisen, ohne seine Studienleistungen wiederholen zu müssen, noch hat man irgendeine individuelle Gestaltungsmöglichkeit des Stundenplans. Das inhaltliche Mitspracherecht der Studenten ist bisher nur mäßig, wenn überhaupt etabliert, weil der Lehrkörper den Veränderungen größtenteils ablehnend gegenüber steht.

Als Spiegel dieser Entwicklung ist ein ebenso freiheitsunbewusster (Zahnmedizin)Student erwachsen, der vor allem die Akzeptanz bestehender Verhältnisse, als auch in Konsequenz der stark

Mit dieser „Erziehung“ im Berufsleben angekommen, setzt sich die Geschichte in Form eines unfreien Freiberufs in ähnlicher Weise fort. Die staatliche Einflussnahme ist allgegenwärtig und 13


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Neue Studienkonzepte finden maximal in den vorklinischen medizinischen Fächern statt, nicht jedoch in der Zahnmedizin lässt echten Wettbewerb trotz anderer Propaganda auf keiner Ebene zu. Der standespolitischen Organisationen gibt es viele, aber der politische Einfluss ist seitens des Staates nicht erwünscht und die Lobby dementsprechend klein. Die zahnärztliche Selbstverwaltung wird gerade so geduldet und ist allzu häufig damit beschäftigt, die staatlichen Reglementierungen umzusetzen. Zu oft befindet sich die Zahnärzteschaft als Spielball zwischen Staat und Wirtschaft, was nicht zu letzt auch Produkt einer langjährigen Ausbildung in Akzeptanz und Einzelgängermentalität ist. Nur so konnte es passieren, dass der Zahnärzteschaft pro Jahr 1,5 Milliarden Euro für die Versorgung der Patienten verloren gehen oder sie mit dem neuen BEMA zur Körperverletzung aufgefordert wird, weil er vorschreibt, erhaltungswürdige Zähne zu entfernen oder ihren Erhalt privat zu berechnen, von der neuen GOZ ganz zu schweigen. Betrachtet man den Fakt, dass ein Tierarzt für einen Hausbesuch bei einem Mastschwein 43 Euro erhält, während der Hausarzt für den gleichen Besuch bei einem Patienten 14 Euro erhält, kann man sich ein ungefähres Bild machen, wo das deutsche Gesundheitssystem derzeit steht. Auf der anderen Seite kommen die Absolventen der Hochschulen mit geringer praktischer Übung 14

und ohne umfassende Ausbildung in allen Teilgebieten der Zahnheilkunde (Implantologie?, Parodontologie?, Oralmedizin?, Psychologie?, Betriebswirtschaft?) in die Praxen und die Patientenversorgung. Fast am Rande veröffentlichte die Uni Greifswald im Zusammenhang mit der Bewerbung ihres Masterstudienganges vor kurzem eine Stellungnahme, in der die unzureichende Ausbildung der Zahnmedizinstudenten offen zugegeben wird. So heißt es: „Unter den Hochschullehrern besteht Konsens, dass im Studium der Zahnmedizin nur die Grundlagen des Faches vermittelt werden können. Der Absolvent ist ohne weitere akademische Anleitung nicht in der Lage, zahnärztliche Prothetik in der ganzen Breite der Möglichkeiten zu überblicken und zu betreiben.“ Seitdem der Wissenschaftsrat in seinem Gutachten zur Zahnmedizin 2005 auf die Missstände des Studiums aufmerksam machte, hat in den Köpfen vieler Verantwortlicher das große Rattern begonnen. Dabei waren es so viele Punkte, die einer Veränderung bedürften, dass man schnell den Überblick verloren hatte. Das Studium sollte sich deutlich der Medizin annähern, eine synoptische, fachgebietsübergreifende Lehre und Forschung im Sinne einer Oralmedizin und neue Studienkonzepte anbieten und somit eine deutliche Fokussierung auf die Ganzheitlichkeit im medizinischen Sinne betreiben. Damit fordert der Wissenschaftsrat etwas, das in der zahnmedizinischen Forschung und Lehre derzeit kaum vorkommt. Erneut wurde den Hochschulen eine Perspektive der Zahnheilkunde aufgezeigt, die sie bisher selbst nicht hatte. Doch was hat sich in den letzten 3 Jahren seit dem Gutachten des Wissenschaftsrates an den Hochschulen getan? Durch Studiengebühren wurde die technische Ausstattung der meisten Standorte ein wenig aufgepäppelt, abgesehen davon, dass die Studenten diese Entwicklung


neuerdings selbst finanzieren müssen. Dennoch leidet die Lehre an den meisten Standorten unter einer Überzahl an Studenten und einer Unterzahl an Patienten. Strukturell hat sich überwiegend nichts bewegt oder verändert. Einige Universitäten haben Jahreskurse eingeführt, allerdings ohne gleichzeitig eine synoptische, fachgebietsübergreifende und integrierte Lehre zu gestalten. Neue Studienkonzepte finden maximal in den vorklinischen medizinischen Fächern statt, nicht jedoch in der Zahnmedizin. Die Hochschullehrer argumentieren mit dem Begriff einer Wissensexplosion in der Zahnheilkunde und entschuldigen damit ihre eigenen Versäumnisse bei der Gestaltung des Studiums. Anstatt dringende Maßnahmen schnellstmöglich in die Wege zu leiten, sehen sie tatenlos zu, wie sich rein gar nichts verändert. Nicht ganz. Mit einer Kooperation aus BZÄK, DGZMK und VHZMK will man den Missständen der Aus- und Weiterbildung deutscher Zahnärzte entgegentreten - allerdings vorrangig postgradual, in dem man die Fort- und Weiterbildungsordnung novelliert. Zwar sehen sich die

Hochschullehrer nicht mehr in der Lage, den Studenten in fünf Jahren eines des teuersten aller Studiengänge das notwendige Wissen und die erforderlichen praktischen Fähigkeiten einer Oralmedizin zu vermitteln, benutzen aber das gleiche Argument der Wissensexplosion zu dem Zweck, die Forderung nach weiteren Fachzahnarzt- und Masterstudiengängen zu begründen, die hauptberuflich an der Universität oder berufsbegleitend gegen stattliche Summen absolviert werden sollen. Dieselben Hochschullehrer, welche die Studenten im regulären Studium nicht oralmedizinisch auszubilden vermögen, wollen das postgraduiert und gegen Geld plötzlich doch können? Begründet wird diese Welle der Masterstudiengänge mit dem Bologna Prozess, was mittlerweile allerdings selbst durch die Bundeszahnärztekammer als falsch dargestellt wurde. Zwar wird in den Bologna-Kriterien auch über die strukturierte postgraduale Ausbildung gesprochen, das Bachelor-Master System bezieht sich jedoch in erster Linie auf die klassischen Hochschulstudiengänge. Bisher verweigern sich die Verant15


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wortlichen der Bundeszahnärztekammer und der Hochschulen, das Bachelor-Master System in der Zahnmedizin einzuführen. Als Hauptargument wird hier der höhere Wert des Staatsexamens genannt, den man zu opfern nicht bereit sei. Missverstanden wurde bisher allerdings der Ansatz, dass die Absolventen eines 5 jährigen Studiums keine Bachelor sein sollen, sondern durch Reformierung des Studiums und Integration in die Forschung nach fünf Jahren als echte Master eine Hochschule verlassen. Dies würde allerdings bedeuten, dass alle bisherigen, postgradual ausgebildeten Master nicht mehr oder weniger wären, als zukünftige Absolventen eines Grundstudiums, was den Betreibern der Fortbildungsinstitute, die den Titel heutzutage für viel Geld anbieten, natürlich einen Strich durch die Rechnung machen würde. Die Verwirrung der deutschen Zahnärzteschaft ist groß. Ein kleiner Teil fortbildungsgieriger Funktionäre versucht Regelungen aufzustellen, die alle Kollegen betreffen, die Riege der Hochschulprofessoren bereist das Land und propagiert die schlechte Ausbildung der Absolventen und Zahnärzte in der freien Praxis. Heimlich verhandeln die dazu gehörigen Fachgesellschaften bereits mit den Krankenkassen bezüglich einer möglichen Mehrhonorierung und schüren gleichzeitig die Diskussion um Spezialisten und ordinäre Hauszahnärzte. Wen wundert es da, das sowohl die Berufsverbände als auch die Kollegenschaft aufschreien? Wie kann ein System aber von Grund auf erneuert werden, wenn man nur die oberen Etagen saniert, während man das Fundament weiter verrotten lässt? In der Zahnmedizin existiert keine Freiheit mehr. Weder im Studium, noch im Beruf kann man reell von freiheitlichen Bedingungen sprechen und selbst für die Patienten sind Begriffe wie freie Arztwahl oder Therapiefreiheit in größter Gefahr. Vielleicht verdienen zahnmedizinische Fa16

Die Freiheit der Zahnmediziner kann wieder gewonnen werden kultäten ihre Freiheit und Autonomie gar nicht mehr, weil sie ohnehin nicht genutzt wird. Die Profilierung mit Mastern und anderen Spezialisten hat weniger mit Freiheit, als vielmehr mit Macht und finanziellen Interessen zu tun. Für die gegenwärtigen Studenten birgt diese Entwicklung die meisten Hürden, denn nicht nur bezahlen sie seit Jahren unverhältnismäßig viel Geld für ihr schlechtes Studium, sondern werden nun auch direkt nach dem Studium zur Kasse gebeten, um das versäumte Wissen zu erwerben. Die Freiheit der Zahnmediziner kann wieder gewonnen werden. Sofern sich die einzelnen Verantwortlichen, aber auch die betroffenen Studenten ein Bewusstsein ihrer Freiheit erarbeiten. Wer nichts will, wird auch nichts kriegen, könnte eines der Leitmotive dieser Entwicklung sein, bei der man aufhören sollte, neue Ansätze und Veränderungen von vorn herein zu verdrängen. Wer nicht bereit ist Träume zu verwirklichen, Visionen zu erschaffen und Ideen umzusetzen, hat seine Freiheit vielleicht schon längst abgegeben und sollte unter Umständen auch nicht an der Reform eines Zahnmedizinstudiums beteiligt sein. Das freie Denken zu fördern und die Freude daran zu kultivieren sind Aufgaben einer Universität, die Wissenschaft, neue Erkenntnisse und somit auch Bildung ermöglichen. Diese Bildung bedeutet am Ende nicht nur die Freiheit des Einzelnen, sondern ebenso der ganzen Gesellschaft. - von Ingmar Dobberstein -


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Seit jeher ist die Freiheit ein Grundthema der Philosophie. Das mag daran liegen, dass die Philosophie jene Wissenschaft ist, welche alle Facetten dieses weiten Feldes abzustecken vermag: die politische Freiheit, die moralische Freiheit, die ethische Freiheit und allen voraus, die Willensfreiheit. Ich möchte in diesem Artikel zwei zeitgenössische philosophische Auffassungen zur Freiheit vorstellen. Wie frei fühlst Du Dich? 20

In der Oberstufe des Gymnasiums lernen Schüler die Philosophie häufig durch das vielleicht populärste freiheitliche Bild der Philosophie kennen: Das Höhlengleichnis Platons. Nur zur Erinnerung: In diesem philosophischen Ur-Bild befreit sich ein zunächst gefesselter Mensch von den Ketten, die ihn dazu zwingen, auf eine Wand projizierte Schatten als das einzig wahrhaftige Bild der Welt erkennen zu lassen. Begierig danach, zu erkennen, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, sprengt nun der mutig denken wollende Mensch seine Fesseln, um nicht mehr nur Abbilder der Dinge in der Welt zu sehen, sondern die Dinge selbst. Er dreht sich um, sieht das lodernde Feuer, begreift was ihm vorgegaukelt wurde und begibt sich auf den beschwerlichen Weg aus der Höhle heraus an die Oberfläche. Zunächst noch geblendet vom Tagesslicht, sieht er oben angekommen dann allmählich anstatt bloßer Schatten die Dinge selbst.


Was könnte ein angenehmerer Einstieg in die Philosophie sein, als das Bild eines sich von seinen Ketten der starren Erkenntnis befreienden, frei denken wollenden Menschen? Das Höhlengleichnis ist insofern ein Ur-Bild für die Freiheit des Menschen, als das es uns ermutigen soll, durch Denken den Schein zugunsten von Wahrheit abzulegen. Es ist ein großes Lob an den sich seiner selbst bewussten, freiheitsliebenden Menschen. Fast wie maßgeschneidert für einen gymnasialen Lehrplan, der die Idee der Freiheit im heranreifenden Schüler keimen lassen will.

Freiheitliche Entscheidungen beruhen nun mehr auf einer überaus dynamischen Verquickung aus chemischen Botenstoffen, elektrischen Impulsen und Verkettungen von Aktion und Reaktion. Nun, seit Platon sind einige Jahre vergangen. Fragt man heute die Philosophie wie es um die Freiheit bestellt ist, fällt die Antwort nicht ganz so idealisiert aus. Zu dem großen Themenkomplex „Freiheit“ entwickelten sich insbesondere am Beginn des 20. Jahrhunderts herum vor allem zwei tragende Strömungen innerhalb philoso-

phischer Debatten: Zum einen gibt es diejenigen Philosophen, die anhand naturwissenschaftlicher Erkenntnisse den Ursprungsort unserer Entscheidungsfreiheit im Gehirn verorten. Der Glaube an die Wissenschaft kombiniert mit den steten technischen Weiterentwicklungen ihres experimentellen Instrumentariums eröffneten uns ungeahnte Möglichkeiten, Einblicke in das Funktionieren des Gehirns zu gewinnen. Freiheitliche Entscheidungen beruhen nun mehr auf einer überaus dynamischen Verquickung aus chemischen Botenstoffen, elektrischen Impulsen und Verkettungen von Aktion und Reaktion. Die Hirnforschung behauptet, das Gehirn habe die Entscheidung schon getroffen, bevor sie uns überhaupt bewusst wird. Das, was wir als Freiheit kennen, entstehe eigentlich auf subkortikaler Basis im limbischen System. Sie kennen das vielleicht aus dem Fernsehen oder der Illustrierten: Ein Wissenschaftler zeigt Ihnen ein Bild von farblich hervorgehobenen Gehirnarealen und sagt vielleicht so etwas wie: „Sehen Sie? Jetzt entscheidet sich der Proband für den Lebkuchen anstatt für den Apfel. Dieses besonders aktive Areal ist für Entscheidungen zuständig.“ Doch unter der Annahme, das Gehirn sei der materielle Ort unserer freiheitlichen Entscheidungen, schwinden die alten Konzepte einer selbstbestimmten individuellen Freiheit. Es gibt in diesem Sinne keine Freiheit mehr. Unser Gehirn reagiert nur auf die Reize und Impulse, die sich ihm bieten. Nicht von einer Freiheit seien unsere Entscheidungen, Wünsche und Empfindungen abhängig, sondern von neuronal organisierten Überlebensstrategien. Tradierte Entscheidungsinstanzen freiheitlicher Konzepte wie Seele oder Geist scheinen zugunsten von untersuchbaren mechanischen Reaktionen des Gehirns entzaubert worden zu sein. Sie haben 21


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sich noch bevor Sie es wussten, in Ihren Ehemann verliebt, weil ihr Gehirn aufgrund seines AlphaMännchen-Unterkiefers die entsprechenden Impulse abgefeuert hat. Wissenschaft ist nicht sehr romantisch…

Du hast die Wahl. Du bist frei. Mach das Beste draus.

Der radikale Konstruktivismus treibt diese Überlegungen auf die Spitze, indem er behauptet, die Welt wie wir sie erleben, sei in Wirklichkeit vollkommen vom Gehirn konstruiert. Das Gehirn sei beständig dabei, empfangene Sinnesdaten so zu ordnen, dass sich für uns eine Welt ergibt, in der wir (über)leben können. Das bedeutet, ein Datenchaos aus Sinneseindrücken wird vom Gehirn so strukturiert, dass wir die Welt als in ihr lebbar erfahren. Der Konstruktivist nennt diese Struktur dann autopoietisches System, also ein System, dass sich und seine Umwelt selbst erschafft und erhält. Die durch das System hergestellte „lebbare“ Ordnung nennt er Viabilität, also eine Weltordnung, die für uns wegbar oder begehbar ist. Der maschinelle Charakter dieser empirischen Weltinterpretation legt die Idee von Freiheit ad acta. Von Zeit zu Zeit begegnen uns die erstaunlichen Erkenntnisse der Hirnforschung in den Feuille22

tons oder Wissenschaftsteilen großer Zeitungen. Mit Interesse und Neugier lesen wir dort, welches mechanische Menschenbild die Hirnforschung entwirft. Aber müsste uns die vermeintlich empirisch bewiesene Tatsache, dass unsere Freiheit nicht mehr ist als eine reaktionäre Verkettung aus neuronalen Impulsen nicht entrüsten oder beleidigen? Denn schließlich ist doch unser anerzogenes Bild der eigenen Freiheit immer noch verwurzelt in dem tradierten Glauben an autonome Selbstbestimmtheit. Denken wir nur an zwei tragende Fundamente westlicher Vorstellung von Freiheit: Zum einen der Sündenfall der christlichen Genesis und zum anderen der große Imperativ der Aufklärung „Wage Dich zu denken!“. Beide Konzepte sagen uns: Du hast die Wahl. Du bist frei. Mach das Beste draus. Nun hat uns das wissenschaftliche Denken zu Erkenntnissen geführt, die die Freiheit, wie wir sie seit Jahrtausenden verstehen, relativieren. Aber obwohl unsere westliche Zivilisation von einem tiefen Wissenschaftsglauben beseelt zu sein scheint, bleibt ein längerfristiges Nachdenken über die empirisch bewiesene Abwesenheit unserer Freiheit aus. Nach Neuaufklärung über unsere Hirnstrukturen denkt niemand: Ich will diese Pralinen eigentlich gar nicht essen; meine neuronalen Impulse wollen das nur von mir. Woran liegt das? Das liegt daran, dass wir bei unseren alltäglichen Entscheidungen in keinster Weise an Hirnforschung oder Konstruktivismus denken. Freiheit präsentiert sich uns doch offenkundig ganz anders. Schauen wir uns in unserer Welt um, scheint es doch vielmehr so, als seien wir von Freiheiten nahezu überschüttet. Werfen wir einen Blick in die Werbung, bemerken wir, dass sie immer wieder an unsere freiheitlichen Entscheidungen


appelliert, um uns ihre Produkte nahe zu legen. Die Produkte wiederum locken uns mit dem großen Versprechen, durch ihre Benutzung noch mehr Freiheit in unser Leben einkehren zu lassen. Wenn wir uns für diesen Handyvertrag entscheiden, gönnen wir uns die Freiheit, mehr zu kommunizieren. Wenn wir dieses Auto leasen, erleben wir mehr Freiheit im Fahrgefühl auf den Straßen. Wenn wir uns für diesen Joghurt mit linksdrehenden Kulturen entscheiden,

fühlen wir uns freier und unbeschwerter in unseren Körpern. „Diese Freiheit nehm´ ich mir“. „Du darfst!“. „Libertée toujours“. Achten Sie doch einmal darauf, wie oft mit Freiheit geworben wird. Wir sind ständig umgeben von Angeboten und Artefakten, die uns versichern, unser Leben zu bereichern, es zu verbessern, uns unabhängiger und damit freier zu machen. Die freiheitliche Entscheidungswahl 23


UN-P ∕ 14 - Freiheit

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Freiheit?

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UN-P ∕ 14 - Freiheit

In einer Welt des MöglichkeitenReichtums kann Freiheit allerdings plötzlich erschreckend einengend sein. obliegt dabei immer dem Konsumenten. Aber wird diese Entscheidungsfreiheit wirklich als eine individuelle Freiheit empfunden? Wir sind aufgrund versprochener Freiheitsvermehrung ständig vor die Wahl gestellt, welche Freiheit wir noch für uns beanspruchen. Jedes Ja bedingt dabei notwendigerweise ein Nein für etwas anderes. Dahinter steht immer die große existenzphilosophische Frage, für welches Leben wir uns überhaupt entscheiden wollen, wenn so viele verschiedene Leben möglich sind. Denn wir identifizieren uns mit den Freiheiten, die wir uns erwählen. Es scheint fast so, als ob wir Identitätsschablonen imitieren und einkaufen. Man fühlt sich aufgefordert, sich selbst sein Leben zu finden. Erinnern Sie sich an „Trainspotting“? Choose life! Diese eigentlich luxuriöse westliche Freiheitsvorstellung nimmt bisweilen allerdings groteske Züge an. Sei es der kriegerische Versuch eines Imports westlicher Freiheitskonzeptionen in arabische Länder, oder die Entscheidung einer 14 Jährigen, sich in einem anorektischen Körper freier zu fühlen. Freiheit kann daherkommen als Einschränkung und wahrgenommen werden als Verzweiflung. Der dänische Chefdenker und Verzweiflungsspezi26

alist Søren Kierkegaard prägte so zum Beispiel die überaus aktuellen Formeln: „verzweifelt man selbst sein wollen oder verzweifelt man nicht selbst sein wollen“. Um politischer Korrektheit genüge zu tun, sei natürlich an die faktische Freiheit der meisten erinnert: Wir können uns frei bewegen. Wir können frei reisen. Wir dürfen frei unsere Meinungen verkünden. Einem großen Teil der Weltbevölkerung ist diese Art der Freiheit verwehrt. Allerdings drängt sich angesichts der Verwirrungen innerhalb der uns gegebenen Freiheiten die Frage auf, wie unsere Freiheit überhaupt beschaffen ist. Freiheit soll Glück möglich machen. In einer Welt des Möglichkeiten-Reichtums kann Freiheit allerdings plötzlich erschreckend einengend sein. Hat die Philosophie mit diesen recht zermalmenden Aussichten auf die Freiheit uns die Ketten der Erkenntnis wieder angelegt? Es scheint doch fast so, als säßen wir trotz unseres Wissens immer noch in der Höhle. Am Ende bleibt es jedoch bei der erstaunlichen Paradoxie, dass Philosophie, Wissenschaft und Politik in ihrem steten Bemühen, den freiheitlichen Menschen zu entwerfen, von den Realitäten, die sie entdeckten, eingeholt worden zu sein scheinen. Vielleicht müssen wir uns gar nicht entwerfen, sondern sind schon längst in eine Welt geworfen, die von uns fordert, dass wir uns in ihr weder verwerfen noch neu entwerfen, sondern ihr stattdessen mit einer Offenheit begegnen, die es vielleicht ermöglicht, die Höhle zu einem Palast werden zu lassen.

Text/Eric Weigel Illustration/Steffen Seeger


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UN-P ∕ 14 - Freiheit?

The Paradox of Our Age „We have bigger houses, but smaller families; more convenience, but less time. We have more degrees, but less sense; more knowledge, but less judgement; more experts, but more problems; more medicines, but less healthiness. We have been all the way to the moon and back, but have more trouble crossing the street to meet the new neighbour. We built more computers to hold more information to produce more copies than ever, but have less communication. We have become long on quantity, but short on quality. These are times of fast foods, but slow digestion; tall man but short character: steep profits but shallow relationships. It´s a time when there is much in the window, but nothing in the room.“

- H i s H o l i n e s s t h e X I V t h Da l ai Lama -

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UN-P ∕ 14 - Studium

„Määh“ „Määh“

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Die Freiheit des Zahn medizin studenten? Der Zahni ist wie ein Schaf, ein Herdentier, das während seines Studiums immer nach vorne schaut und springt, wenn ein Hindernis in Sicht ist; andernfalls nicht. Es bewegt sich in seinem kleinen Gehege und grast seine Wiese brav ab. Nur ab und an ist, wenn es sich ungerecht behandelt fühlt, ein „Määh“ zu hören. Wenn dann am Ende des Studiums das große Tor aufgeht, und das ZahniSchaf im Freien steht, hat es keine Ahnung in welche Richtung es laufen soll, weil es sich vorher nie die Frage gestellt hat ob es frei ist, oder was es machen wird, wenn es seine Freiheit wieder erhält. 31


UN-P ∕ 14 - Studium

?

Man könnte meinen, jeder weiß, was Freiheit ist. Freiheit ist... es ist eigentlich ganz einfach, denn wir sind der Frage, was Freiheit ausmacht, in jedem Fach in der Schule nachgegangen. Deutsch, Englisch, Politik, Philosophie, immer und immer wieder, manchmal fast bis zum Erbrechen.

„Freiheit bedeutet, das tun zu können, was man will“

Trotzdem sollte man kurz innehalten und nachdenken, was diese Freiheit eigentlich für einen selbst bedeutet? Wie sie definiert wird - ich bin verblüfft, dass ich das nicht mehr weiß. Ich brauche ungefähr zehn Minuten, bis ich ‚aus dem Stand heraus’ erklären kann, was Freiheit ist, ohne dabei abzuschweifen und verzweifelt nach ihrem histologischen Schnitt oder der Strukturformel in meinem Kopf zu suchen. „Freiheit bedeutet, das tun zu können, was man will“, suche ich mir zusammen, aber um ganz sicher zu gehen, schlage ich noch mal nach. Schließlich leben wir im Zeitalter der Suchmaschinen. „Freiheit wird in der Regel verstanden als die individuelle Möglichkeit, ohne Zwang zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten auswählen und entscheiden zu können. Der Begriff benennt allgemein einen Zustand der Autonomie eines handelnden Subjekts.“ (Wikipedia.de) Das gleiche habe ich auch gesagt, nur nicht so schön. Aber woran liegt das eigentlich? Warum weiß ich nicht mehr was ‚das’ ist, wofür so viele Menschen kämpften und sterben mussten und auch heute noch sterben? Das Erste, was mir als Erklärung einfällt ist, dass ich keine Zeit habe. Ich habe keine Zeit, mir Gedanken über Dinge zu machen, die nicht direkt mit meinem Studium in Verbindung stehen. Dinge, die für mich zum All-

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tag gehören und gleichzeitig eine Selbstverständlichkeit sind. Ich bin ein freier Mensch, ein freier Student, denke ich…?! Beim Ersterem bin ich mir noch sicher, bei Zweiterem nicht mehr so ganz. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mir noch nie die Frage gestellt habe, ob ich auch ein freier Student bin. Oder welche Freiheiten ich als solcher besitze. Was macht die Freiheit eines Studenten aus und wie könnte man das überprüfen?

Die Freiheit eines Zahnmedizinstudenten beginnt und endet gleichzeitig mit dem Zeitpunkt, in dem er beschließt Zahnmedizin zu studieren. Ich denke, dass der Freiheitsbegriff ein weites Feld ist und jeder etwas anderes darunter verstehen könnte. Das erste Mal, dass ich mit dem Begriff der Freiheit im Studium konfrontiert wurde, war im ersten Semester. Der Direktor der Zahnklinik sagte bei der Einführungsveranstaltung: „Sie sind freiwillig hier und diese Universität zu verlassen steht Ihnen ebenso frei. Schauen Sie sich jetzt schon mal nach einer anderen Universität um, denn Sie sind zu viele!“. Nett – und vielen Dank für die motivierenden Worte. Auch in den darauf folgenden Semestern hallte der Satz in meinem Kopf wider, überwiegend in den schwierigsten und ausweglosesten Situationen,

wie z.B. dem TPK und den Phantom Kursen. Die Freiheit eines X- beliebigen Studenten fängt mit der Wahl seines Studiums an. Gefolgt von dem, dass keiner kontrolliert was er macht, wie viel er lernt, wann er lernt, wann er aufsteht, ob er zu den Vorlesungen geht, welche Kurse er belegt und zum Schluss: welche Richtung er nach dem Studium letztlich einschlägt. Die Freiheit eines Zahnmedizinstudenten beginnt und endet gleichzeitig mit dem Zeitpunkt, in dem er beschließt Zahnmedizin zu studieren. Es kontrolliert zwar keiner wann, wo, was und wie viel man lernt, aber es gibt gerade in der Zahnmedizin einen Stundenplan, der sämtliche Kurse aufführt, die man in diesem Semester belegen und erfolgreich absolvieren ‚sollte’, um bis zum ersten Staatsexamen die notwendigen Fächer besucht zu haben. Der Stundenplan ist eine Art ‚Empfehlung’ und Hilfe, wie man das Zahnmedizinstudium überstehen kann, ohne dass sich Kurse überschneiden und man neue Rekorde in Sachen ‚Recall-Runden’ aufstellt. Während man in vielen Studienfächern seinen Stundenplan individuell zusammenstellen kann, um ihn etwas besser an die Lebenssituation anzupassen, ist der zahnmedizinische Plan von oben bis unten vollgepackt, ohne jegliche weitere Gestaltungsmöglichkeit. Der gemeine Zahnmedizinstudent hat also lediglich die Freiheit, wie und in welchem Umfang er an dem empfohlenen Programm teilnehmen kann. Für all diejenigen, die neben dem Zahnmedizinstudium noch etwas anderes studieren wollen, arbeiten müssen, oder einen Töpferkurs besuchen wollen, weil sie glauben, das sie so was wie ‚Zeit’ hätten - platzt hier der Traum und auch die Freiheit. 33


UN-P ∕ 14 - Studium

Welche Art von Ärzten dieses System erschafft, kann man zum einen schon heute in der zersplitterten Zahnärzteschaft ablesen und ist zum anderen davon abhängig, wie dick das eigene Fell während des Studiums gewachsen ist. Allerdings birgt auch die Anwesenheits - Autonomie einige Gefahren. Aufgrund der Überfrachtung des Stundenplans ist die Versuchung „einfach mal nichts zu tun“ sehr groß. Macht man „mal“ nichts, gewöhnen sich Körper und Geist schnell daran und man entwickelt die ausgefallensten Strategien, wie man das Lernen vermeiden kann. Eine Anatomie Professorin hat es einmal sehr treffend formuliert: „Es ist unglaublich, wie lernresistent Sie sind“. So gesehen sichern die Klausuren, Testate und Prüfungen, dass man „gezwungenermaßen“ etwas schafft und immer auf Trab bleibt. Nur leider ist auch das manchmal zuviel des Guten. Das was anfänglich als Motivation diente, wandelt sich in der Zahnmedizin in eine Art Lawine des Grauens. Die Autonomie, die man sich anfänglich noch nehmen konnte, verliert man nach und nach, weil die Anforderungen schneller wachsen, als man selbst. So kommt es vor, dass Studenten das 34

Interesse am Leben außerhalb des Studiums verlieren. Zahnis treffen sich, saufen sich die letzten Klausuren aus dem Gedächtnis und schaffen neuen Platz für anstehende Prüfungen. Alles was nichts mit dem Studium zu tun hat, wird in den Hintergrund gedrängt. In den Pausen spricht man über Altklausuren, am Telefon über Assistenten, wenn man einen Tintenklecks sieht, denkt man an Zähne und alles was einen umgibt, assoziiert man mit dem Fach, das man zuletzt gelernt hat. Gestresst und unter akutem Schlafmangel glaubt man zwischendurch sogar, zwei Chinesen, die sich in der S-Bahn angeregt auf Mandarin unterhalten, zu verstehen. Fragt man einen Zahnmediziner aus dem fünften Semester: Was bedeutet Freiheit für Dich? bekommt man entweder die Antwort: „Mehr Freizeit, etwas mehr schlafen und mit Freunden etwas unternehmen zu können“ oder die Gegenfrage: „Wie weit bist du? Hast du dein Testat schon?“ Studenten aus anderen Studienfächern antworten auf die Frage nach der Freiheit unter anderem: Freie Wahl der Kurse, freie Zeiteinteilung des Studienablaufs und die Freiheit, den Prüfungszeitpunkt selbst festzulegen. Viele Zahnmedizinstudenten dagegen interessiert es gar nicht mehr, was um sie herum passiert, nur wenige haben noch ein Leben außerhalb des Zahnmedizinstudiums. Der Begriff der Freiheit wird im Laufe des Studiums mit den spärlichen Stunden der „Freizeit“ synonymisiert. Welche Art von Ärzten dieses System erschafft, kann man zum einen schon heute in der zersplitterten Zahnärzteschaft ablesen und ist zum anderen davon abhängig, wie dick das eigene Fell während des Studiums gewachsen ist. Dass lediglich in den Geistes- und Sozialwissen-


schaften die Basis für ein organisatorisch und inhaltlich freieres Studium vorhanden sei, wird bereits heute durch die Neuerungen im Medizinstudium widerlegt, die seit Einführung der neuen Approbationsordnung stattgefunden haben. Was geschehen muss, damit zahnmedizinische Fakultäten ihre universitäre Freiheit wahrnehmen, das Studium auch für die Studenten freier und studierfreundlicher zu gestalten, entzieht sich meiner Kenntnis. Denn obwohl es ein-

zelne Universitäten in Deutschland gibt, die dieses bereits heute umgesetzt haben und andere schon lange für eine Verbesserung der Situation argumentieren, zeigt sich der große Rest der Hochschullandschaft ebenso lernresistent, wie seine Studenten.

Text/Phoenix

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UN-P ∕ 14 - Studium in Greifswald

Kurz vor Polen beginnt die Freiheit oder warum man in Greifswald freier studiert

Denkt man an die Stadt Greifswald, wird, wenn man den Namen überhaupt geografisch einordnen kann, der eine an ein Städtchen in der nordostdeutschen Pampa und ein anderer vielleicht an eine Stippvisite während eines Ostseeurlaubes denken.

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Die Hansestadt würde allerdings mit dieser Betrachtung sowohl in ihrer Bedeutung in der Vergangenheit als auch für die Gegenwart deutlich unterschätzt, denn immerhin kann sie auf eine ebenso lange Geschichte zurückschauen wie zum Beispiel die Hauptstadt Berlin. Bereits im Jahre 1456 wurde die Greifswalder Universität gegründet und ist damit nach Ro-


stock die zweitälteste Universität Nordeuropas. Die zentrale Rolle der Universität für die Stadt wird auch anhand der 11.000 Studenten deutlich, die gegenwärtig ein Fünftel der Gesamtbevölkerung ausmachen. In vielen Beiträgen über die deutsche Studiensituation haben wir Greifswald als positives Beispiel erwähnt, wenn es um Studienbedingungen,

moderne Lehre oder neue Ausbildungskonzepte ging und doch nie einen eigenen Bericht über die zahnmedizinische Ausbildung an einer der am weitesten abgeschiedenen und dennoch einer der besten Universitäten Deutschlands verfasst. Doch was kann an Greifswald schon groß anders sein? Hat man dort etwa mehr Frei37


UN-P ∕ 14 - Studium in Greifswald

heiten im Studium oder liegt es nur am nahe gelegenen Meer, dass es sich dort gut studieren lässt? Schließlich sollte die Approbationsordnung ja einen gewissen Standard in der Ausbildung und das Staatsexamen einen gewissen Gleichstand der Kenntnisse der Absolventen sichern. Oder hat sich Greifswald etwa einer Freiheit besonnen, der Autonomie einer Universität, die Ausbildung über Standards hinaus zu etwas Besserem zu entwickeln?

Im Ergebnis wird in Greifswald seit den neunziger Jahren auf einem Level studiert, für das andere Universitäten noch 10 bis 20 Jahre benötigen werden. Mit der neugewonnenen Freiheit der ehemaligen DDR Bevölkerung begann für Städte wie Greifswald und Regionen wie Mecklenburg Vorpommern nach der Wiedervereinigung eine Zeit der Veränderungen, da immer mehr Menschen in Ballungsräume oder die alten Bundesländer abwanderten und die Bevölkerung deutlich schrumpfte. Die Universität war in einem vergleichsweise schlechten baulichen Zustand und die Attraktivität des Standortes für Studenten hielt sich in Grenzen. Aus dieser Lage heraus begann man relativ schnell zu überlegen, wie diese Attraktivität erhöht werden könne und beschloss, sich dafür auf die Modernität und Qualität des Studiums zu konzentrieren. Im Ergebnis wird in Greifswald seit den neunziger Jahren auf einem Level studiert, für das andere Universitäten noch 10 bis 20 Jahre benötigen werden. 38

Viele der Errungenschaften des Greifswalder Zahnmedizinstudiums sind dabei gar nicht neuer Art gewesen, sondern aus Erfahrungen des DDR Studiensystems, der internationalen Partneruniversitäten und dem Medizinstudium entstanden. Diese umzusetzen und in die geltenden Studienordnungen einzuarbeiten ist Teil der Freiheit einer jeden Universität, wenn sie denn genutzt wird. Mittlerweile gibt es in Greifswald einen ähnlich großen Ansturm der Studenten wie in den Universitäten der Ballungsräume und hippen Städte. Greifswald hat einen zweiten Campus gebaut, an dem auch die Zahnmedizin mit einem dieser modernsten Gebäude europäischer Zahnkliniken vertreten ist. Doch die wirklichen Vorteile liegen hinter den Fassaden schöner Architektur in der inneren Struktur und Vielfalt verwurzelt.


In Greifswald wird nur jährlich immatrikuliert, was sich aus dem Aufbau der späteren klinischen Ausbildung ergibt. Das birgt natürlich grundsätzlich die Gefahr, ganze Jahre zu verlieren, wenn man einen Kurs nicht besteht. Nimmt man dieses Risiko auf sich und wurde angenommen, wird man schnell merken, dass sich einige Lehrinhalte deutlich von denen anderer Universitäten unterscheiden. Im ersten Semester beginnt neben den Zahntechnischen Kursen und anderen curricularen Veranstaltungen das Community Medicine Projekt, ein epidemiologisches Forschungsprojekt, welches die Krankheitsentwicklungen in Mecklenburg Vorpommern untersucht. In der „Study of Health in Pommerania“ werden allgemeinmedizinische und zahnmedizinische Inhalte untersucht und die daraus resultierenden Ergebnisse können z.B. in Doktorarbeiten umgesetzt werden. Mit dem zweiten Semester beginnt die Lehrveranstaltung „Früher Patientenkontakt“, in der die Studenten in Zweiergruppen Alters- oder Behindertenheime besuchen, um Mundhygieneinstruktionen und erste Untersuchungen durchzuführen. So wird den Bewohnern vermittelt, sich die Zähne richtig zu putzen, während die Studenten die Anamnese und Zahnstatus erstellen, sowie mögliche Therapievorschläge vorbereiten. Nach einem Jahr wird der Patientenfall durch die Zweiergruppe in einer der begleitenden Vorlesungen vorgestellt. Zusätzlich finden ab dem zweiten Semester Seminare mit Tutoren aus den klinischen Semestern statt, bei denen zweimal im Monat klinische Patientenfälle problemorientiert (POL) erarbeitet und besprochen werden. Im Gegensatz zu vielen Zahnkliniken wird so ab dem 1. Studienjahr zielstrebig auf den ärztlichen und nicht nur zahntechnischen Aspekt des Berufes vorbereitet. Der frühe Patientenkontakt wird im vierten Semester in Kindergärten und Grundschulen fortgesetzt. In der begleitenden Vorlesung, welche die

Studenten teilweise selbst halten, werden kinderzahnmedizinische, präventivmedizinische und mikrobiologische Themen unterrichtet, während anschließend vor Ort im Rahmen des Unterrichts Gruppenprophylaxe geübt wird. In den 1 bis 2 Schulstunden, die den Studenten zur Verfügung stehen wird das volle Programm von Instruktion und Anfärben, über Putzen bis Fluoridierung mit den Kindern durchgeführt. Durch die Kontinuität dieser Maßnahmen seit mehr als 10 Jahren konnte der DMFS Index in Greifswald verglichen mit dem übrigen Bundesland signifikant gesenkt werden. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Studenten bereits zu Beginn des zweiten Semesters betriebsärztlich untersucht und geimpft werden, damit sie ab diesem Zeitpunkt auf freiwilliger Basis bei der Behandlung der klinischen Semester assistieren können. Die Fachschaft hat darüber hinaus durchgesetzt, dass während des Phantom II Kurses 3 Stunden Behandlungsassistenz pro Semester zur Pflicht werden, denn alle Seiten profitieren von diesem Angebot. Die vorklinischen Studenten können frühzeitig Zusammenhänge herstellen und den Umgang mit dem Patienten üben, während die Kliniker mehr Zeit für die Examensvorbereitung und andere Aufgaben haben. Im Rahmen des Phantom II Kurses finden zusätzlich eine 2 tägige Praxisfamulatur in der Umgebung und die Assistenz bei einem Arzt der Klinik statt. Nach dem Physikum beweist Greifswald, dass gute Studienbedingungen nicht nur inhaltlichen, sondern auch organisatorischen Ursprungs sein können. Im Phantom III Kurs teilen sich 36 Studenten 18 Phantomeinheiten. Die Kurse sind zeitlich getrennt und finden jeweils vor- und nachmittags statt. Die umliegende Zeit, in welcher der Phantomsaal nicht genutzt wird, steht den Studenten unter Aufsicht eines Tutors als „Kompensationszeit“ zum Üben zur Verfügung. Selbst an Samstagen ist der Saal geöffnet, um die Arbeiten für einen der Unterkurse fertig zu stellen oder die 39


UN-P ∕ 14 - Studium in Greifswald

In Greifswald wird seit Jahren in Form von Integrierten Kursen behandelt, wie in einer richtigen Praxis eben. Fingerfertigkeit zu üben. Auch in Greifswald soll sich das sechste Semester bestmöglich auf die kommende Patientenbehandlung vorbereiten, so dass alle Themen der modernen Zahnmedizin hinter einander geschaltet geübt werden. Im Kompositkurs werden natürlich Füllungen, aber auch Keramikinlays auf EmpressBasis selbst angefertigt. Neben dem Amalgam-, Endo- und Goldkurs werden im Prothetikkurs Provisorien hergestellt und Glasfaserstifte geklebt, während im Kinderkurs Fissurenversiegelungen, Compomerfüllungen und Kinderkronen geschult werden. Die Parodontologie wird in einem zusätzlichen Kurs am Modell und gegenseitigen Prophylaxemaßnahmen gelehrt. In der Klinik angekommen wird die Bedeutung der jährlichen Immatrikulation erst richtig deutlich, denn in Greifswald gibt es keinen Kons oder Prothetik I & II Kurs. In Greifswald wird seit Jahren in Form von Integrierten Kursen behandelt, wie in einer richtigen Praxis eben. Die Patienten werden Studenten zugeteilt, welche diese über zwei Jahre hinweg von A bis Z behandeln. Die Klinik ist dafür räumlich in zwei Lehrpraxen aufgeteilt, in denen jeweils prothetische als auch konservierende Behandlungsräume und Assistenten zur Verfügung stehen. Auf Wunsch steht auch ein Parodontologe, Oralchirurg oder Kieferorthopäde in Rufbereitschaft. Die 14 Stunden Behandlungszeit, die den zwei 40

Behandlungspartnern wöchentlich zur Verfügung stehen, können fachübergreifend, problemorientiert und auf die Behandlung und den Patienten ausgerichtet erfolgen. Diese Organisation erfordert eine enge Abstimmung der Abteilungen, schafft aber auch Flexibilität, mit dem auch hier vorhandenen Patientenmangel umzugehen. Greifswald glaubt an die Integrierten Kurse, und auch wenn die Mehrheit der Professoren des übrigen Bundesgebietes behauptet, sie wären an deren Uni nicht umsetzbar, funktionieren sie in Greifswald, Jena und Witten bereits seit weit über 10 Jahren. Natürlich ist auch hier nicht alles nur gut und auch in Greifswald kann man noch etwas verbessern. So wünschten sich die Studenten, dass die Laborarbeit im fünften Studienjahr deutlich reduziert würde, damit man sich voll und ganz auf die Zahnmedizin und das Examen konzentrieren könnte. Ähnlich wie an anderen Unis wird auch hier immer wieder die Forderung nach mehr chirurgischer Praxis und einer strukturierten, fächerübergreifenden, praktischen implantologischen Ausbildung laut. Die Funktionsanalyse und -therapie, ein Steckenpferd der Greifswalder Uni, ist erst ab dem 5. Studienjahr richtig in die Studentenausbildung integriert und könnte aus studentischer Sicht einen größeren Teil der Ausbildung umfassen. Nicht zuletzt ist der Patientenmangel in der Prothetik ein wiederkehrendes Problem, dass nach zukunftsfähigen Lösungen verlangt. Der Unterschied zu anderen deutschen Universitäten wird ebenso bei diesen negativen Punkten deutlich, denn in Greifswald kann man als Student die Probleme auch gegenüber dem Lehrkörper kommunizieren. Angefangen bei regelmäßigen Gesprächen zwischen Assistenten und den einzelnen Behandlungsteams, sind die Studenten in den zahnklinikinternen und fakultätsübergreifenden Studien- und Lehrkommissionen gut vertreten. Die


Fachschaft nimmt an der professoralen Leitungssitzung teil und kann Probleme direkt und unmittelbar kommunizieren. Die Mitarbeit der Studenten an ihrer Ausbildung ist erwünscht, wenn nicht sogar gefordert und etabliert auf diese Weise eine angenehme Studienatmosphäre und gute Kommunikation zwischen Lehrkörper und Studenten. Ein großer Fortschritt der Greifswalder Zahnmedizin ist die von der Universität geschaffene Möglichkeit, während der klinischen Ausbildung ein oder mehrere Auslandssemester an internationalen Partneruniversitäten durchzuführen. Sowohl der Austausch als auch die Anerkennung aller zahnmedizinischen Leistungen finden über das Erasmus Programm statt und auch wenn diese Möglichkeit für jede deutsche Fakultät bestünde, gehört Greifswald seitens der Zahnmedizin zu einem der wenigen Standorte, die dies auch für ihre Studenten ermöglicht haben. So können die Greifswalder Zahnis nach England, Frankreich, Schweden, Griechenland oder sogar in die USA gehen, um dort nicht nur internationalen Flair und andere Studiensituationen zu erleben, sondern ebenso den Anforderungskatalog ihrer Alma Mater zu füllen. Was ist also anders in Greifswald? Die hiesige Universität hat begriffen, dass die Zufriedenheit und Leistungen der Studenten besser sind, wenn

sie selbst ins Studium integriert und aktiv tätig sein können. Sowohl der Lehrkörper als auch die Fachschaft engagieren sich intensiv um die Belange der Lehre, auch wenn die Intensität der Forschung ein wenig dahinter zurück bleibt. So könnten sich die Studenten sehr wohl auch ein größeres Angebot an Doktorarbeiten mit zahnmedizinischem Hintergrund vorstellen, wissen aber gleichzeitig, dass viele Ressourcen für eine gute Lehre benötigt werden. Greifswald hat sich die Freiheit genommen, das Studium auf Basis einer veralteten Approbationsordnung so zu gestalten, das möglichst viele Inhalte einer modernen Zahnmedizin darin Platz finden. Im Gegensatz zu vielen Universitäten wird sich hier nicht nur auf das Notwendige beschränkt, sondern die gesetzliche Vorgabe als Rahmen für ein selbst gestaltbares Studium gesehen. Die Resultate dieser Philosophie sind fast durchgängig positiv – zufriedene Studenten und Lehrende, eine Ausbildung auf hohem Niveau und ein Rang in der Hochschullandschaft, welchen die meisten Universitäten nur aus der Ferne betrachten können. Fragt man bei den Verantwortlichen nach, warum das Studium in Greifswald anders ist, als an vielen Standorten in Deutschland, erhält man erstaunlich motivierte Antworten: „Wir hatten hier die Möglichkeit neu anzufangen und etwas von Grund auf neu zu gestalten“ oder „Es ist in jeder Hinsicht sinnvoll, Zahnärzte praxisnah auszubilden.“ „Wir mussten innovativ sein, um zu überleben. Den Integrierten Kurs haben wir seit über 15 Jahren, wir dürfen da nicht stehenbleiben – das Studium muss sich weiter entwickeln.“ Begeistert von dieser Einstellung wünsche ich den Greifswaldern viel Erfolg bei der weiteren Gestaltung des wahrscheinlich freiheitlichsten Zahnmedizinstudiums in Deutschland.

Text/Ingmar Dobberstein

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UN-P ∕ 14 - Der normale Student

Perspektiven freiheitlichen Denkens Jeglicher Freiheitsgedanke fängt natürlich schon weit vor dem Studium an, ist nicht zuletzt die Entscheidung für einen bestimmten Studiengang in Deutschland glücklicherweise ein freiheitlicher Prozess und eines Jeden persönliche Entscheidung. Dennoch kann es passieren, dass man in einem Studiengang wie der Zahnmedizin, der eher als verschult und konkret vorgegeben bezeichnet werden kann, das Gefühl von Freiheit etwas einbüßt, seien es die Abstriche in der normalen Lebensgestaltung, die man aufgrund der hohen zeitlichen Anforderungen in Kauf nehmen muss oder auch die scheinbar unumstößlichen Lehrmeinungen und Lehrinhalte, die an den meisten Universitäten vermittelt werden. Dabei konnten Glückliche unter uns immer wieder einzelne Lehrer treffen, die vor allem anderen Wert auf den kreativen Umgang mit Wissen legen und denen ein differenzierter Blick auf Krankheiten, Diagnosen und Studien wichtiger ist, als ein auswendig gelernter. Schließlich leben wir in einer Zeit, in der vorhandenes Wissen schneller überholt ist denn je und der generelle Wissenszuwachs Größen erreicht hat, die ein einzelner Mensch nicht erfassen, geschweige denn auf Wahrheitsgehalt und Gültigkeit überprüfen kann. So oder so ähnlich könnte man analog die Herangehensweise einiger Hochschullehrer und Assistenten an die Struktur des Studiums oder auch den Ablauf der Lehre bezeichnen. Während an den meisten Universitäten an alten, überlieferten und starren Strukturen festgehalten wird, ist es anderen Universitäten bzw. deren Verantwortlichen wichtig, dass sich das Studium mit der 42


Zahnmedizin entwickelt und die dafür notwendigen flexiblen Strukturen geschaffen werden. Gerade letztere sind in jedem Fall daran interessiert, was die eigentlichen Empfänger der Lehre, die Studenten, mit dem angebotenen Lehrprogramm anfangen können bzw. wie sie dieses bewerten und wo sie selbst Verbesserungsbedarf sehen. Wenn solche positiven Umstände zusammen kommen, kann man sicherlich trotz zeitaufwendiger Stundenpläne von einem freiheitlichen Studium sprechen und allen Beteiligten dazu gratulieren. Im Normalfall allerdings wird man diese Situation nicht an den deutschen Fakultäten der Zahnmedizin finden, so dass jede Neuerung durch studentische Initiativen hart erkämpft werden muss. Wir haben bei den Studenten nachgefragt, die aufgrund ihrer Fachschaftstätigkeit Erfahrung mit dieser Situation haben. Wir mussten erfahren, dass auch wenn die Freiheit der Hochschulen grundsätzlich existiert, man selten dazu eingeladen wird, diese auch zu nutzen. So scheint es einigen Verantwortlichen angenehmer zu sein, die Ausbildung so zu belassen, wie sie schon immer war, anstelle durch Veränderungen Verbesserungen herbei zu schaffen. Die Frage sei erlaubt, was denn nun Studenten dazu beitragen können? Als Empfänger entsprechender Lehre und gleichzeitig Bürger eines freiheitlichen Staates ist es an Ihnen, die Antwort auf gute oder schlechte Lehre und Ausbildungsbedingungen zu geben. Auch wenn es so erscheint, als wären gewisse Rahmenbedingungen schon immer so gewesen oder andere Prozesse von „oben“ geregelt und damit nicht änderbar, ist die Realität eine andere. Denn wer hartnäckig Anträge, Petitionen und Beschwerden schreibt, wird damit erreichen, dass totgeschwiegene Themen, die als unabänderbar galten, plötzlich neu diskutiert und vielmals neu entschieden werden. Die Freiheit zur Veränderung existiert wirklich, auch wenn man höchst selten aufgefordert wird diese wahrzunehmen. Und wie so oft erfordert sie kämpferischen Willen, Hartnäckigkeit und viel gesunden Menschenverstand, mit dessen Hilfe Lösungen gefunden werden können, die vielleicht schon lange vor (verschlossenen) Türen lagen. 43


UN-P ∕ 14 - Der normale Student

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1. Michael, Hannover Wenn Du eine Sache an Deinem Studium ändern könntest, was wäre das? Also irgendwas? Also dann hätte ich ganz gerne die Kosten bei Null. Warum engagierst Du Dich in der Fachschaft? Ich glaube, dass es die einzige Möglichkeit ist, den Rahmenplan des Studiums irgendwie zu beeinflussen. Man ist ja den ganzen Tag in der Uni, das ist das Lebenszentrum. Wenn man da irgendwas verändern möchte, dann muss man das über die Fachschaft machen. Hast Du das Gefühl, damit bisher etwas bewegen zu können? Ja, auf jeden Fall. Das geht schon damit los, das wir es als Fachgruppe geschafft haben, in Zusammenarbeit mit den Professoren und den Abteilungsleitern die Kosten zu senken, was zusätzlich auch die Kommunikation zwischen den Studierenden und den Professoren verbessert hat. Das finde ich super im Gegensatz zu anderen Universitäten, was aber nur durch die Arbeit der Fachgruppe möglich wird.

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UN-P ∕ 14 - Der normale Student

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2. Michael, Hamburg Wenn Du eine Sache an Deinem Studium ändern könntest, was wäre das? Was ich ändern würde? Ab dem ersten Semester die Klinik mehr mit der Vorklinik verzahnen, dass heißt, das man im ersten Semester gleich mit der Arbeit am Patienten anfängt und einfache Sachen wie Prophylaxe und Mundhygienemaßnahmen durchführt. Und, dass man im ersten Semester schon lernt, wie man eine Zahnbürste überhaupt anfasst. Warum engagierst Du Dich in der Fachschaft? Zum einen finde ich es gut, dass man im Gedankenaustausch mit verschiedenen anderen Fachschaften steht, so dass man mitkriegt, was in anderen Unis läuft und was dort so besser und was schlechter ist. Das kann man dann auch in seine eigene Uni mitnehmen und für die Verbesserungen der eigenen Studienbedingungen benutzen. Zum anderen ist es so ziemlich der einzige Weg, überhaupt einen Einfluss auf das eigene Studium und dessen Bedingungen auszuüben. Hast Du das Gefühl, damit bisher etwas bewegen zu können? Wir sind dabei, in vielen Kommissionen und Räten etwas zu ändern und auch zu verbessern und ich denke, wir können für zukünftige Generationen, gerade auch aktuell mit der Umsetzung der Studiengebühren, viel entscheiden und darüber hinaus die Studienbedingungen leichter machen. Wie wir es allerdings gerade in Hamburg feststellen müssen, ist es schwierig, gerade das Geld der Studiengebühren irgendwie gut einsetzen zu können, da man nur sehr eingeschränkt handlungsfähig ist. Zum Beispiel kann man damit keine neuen Assistentenstellen schaffen, obwohl gerade die dringend benötigt würden. In dieser Hinsicht sehe ich das Thema auch ein bisschen zynisch.

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UN-P ∕ 14 - Der normale Student

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3. Christoph, Mainz Wenn Du eine Sache an Deinem Studium ändern könntest, was wäre das? Meine Wunschänderung wäre, dass das Studium weniger verkurst ist. Vor allem, weil wir einen derart straffen Stundenplan haben, dass für andere Aktivitäten kaum Zeit bleibt. Ich würde ein freieres Studium vorschlagen und sehr begrüßen. Warum engagierst Du Dich in der Fachschaft? Bei uns ist die Vorklinikfachschaft und die Klinikfachschaft ziemlich streng getrennt. In der Vorklinik war es so, dass die Fachschaft nicht wirklich viel auf die Reihe bekommen hat und die einzige logische Konsequenz daraus ist dann: hingehen und besser machen! Welche Vorstellung hast Du von Deiner zukünftigen Arbeit als Zahnarzt? Ich habe die Vorstellung, dass ich nicht als Einzelgänger, sondern im Team arbeiten möchte. Allerdings konkret, ob in der Praxis oder in der Klinik weiß ich noch nicht. Ideen habe ich schon, aber keine konkreten Vorstellungen.

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4. Hendrik, Köln Wenn Du eine Sache an Deinem Studium ändern könntest, was wäre das? Die Vorklinik, weil sie nicht genug Praxis orientiert ausgerichtet ist und so viel ausschließlich auf der Zahntechnik beruht. Ich finde, man müsste von vornherein mehr auf den Patienten bezogen ausgebildet werden, weil das ja auch der Hauptfokus ist, den man später hat. Warum engagierst Du Dich in der Fachschaft? Weil ich nicht nur etwas für mich machen will, sondern auch für andere. Es ist mir halt aufgefallen, dass man in diesem Studium immer mehr auf sich selbst bezogen lebt und lernt. Und da habe ich mir gedacht, jetzt mache ich mal was für andere und nicht nur für mich. Wie stehst du zu den neu eingeführten Studiengebühren? Ich finde die Studiengebühren persönlich nicht gut, gerade in der Zahnmedizin nicht, da wir ohnehin so viele Kosten haben, die wir selber aufbringen müssen. Bei uns sind das schon ohne die Studiengebühren ca. 14.000 € in der gesamten Studienzeit. Das größte Problem ist allerdings, dass dann von den Einnahmen aus den Studiengebühren nur 6 % in die Zahnmedizin zurückkommen, so dass in der Summe alles ein bisschen viel ist.

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5. Cathérine, Hamburg Wenn Du eine Sache an Deinem Studium ändern könntest, was wäre das? Mehr Praxis, noch mehr Praxis, um einfach auch ein bisschen - wie soll ich sagen - mehr Erfahrung zu haben, wenn man als Zahnarzt draußen die Eigenverantwortung trägt, gerade in Sachen Chirurgie zum Beispiel. Was ich außerdem sehr schade finde ist, dass BWL, sprich die Ausbildung als Unternehmer, wesentlich zu kurz kommt. Denn letztendlich sind wir nachher alle Unternehmer, Arbeitgeber und so weiter. Es ist nicht so schön wenn wir Fachidioten sind, die zwar toll arbeiten, aber keine Ahnung vom Rest haben. Warum engagierst Du Dich in der Fachschaft? Um was zu bewegen. Ich habe in der Vorklinik ein absolutes Trauma entwickelt, weil wirklich alles chaotisch und schlecht organisiert war. Das hat mich so genervt, dass ich gesagt habe, das muss irgendwie anders werden. Man sieht, man bewirkt wirklich was. Welche Vorstellung hast Du von Deiner zukünftigen Arbeit als Zahnärztin? Wenn ich dann weiß, in welchem Bereich ich landen werde, kann ich mir gut vorstellen, dass ich das auch mit jemandem zusammen mache. Vielleicht kann ich da auch ganz neue Impulse rein bringen, also wirklich nicht in dem Rahmen, in dem es jetzt praktiziert wird, sondern eben, dass sich der Patient auch wohl fühlt.

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UN-P ∕ 14 - Der normale Student

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7. Loc, Mainz Wenn Du eine Sache an Deinem Studium ändern könntest, was wäre das? Dass das Studium flexibler wäre und damit nicht so stressig ist. Jeder sollte die Möglichkeit haben sich darin entfalten zu können. Da ist man als Zahnmediziner sehr gebunden. Jeder studiert anders und diese Möglichkeit muss einem Studenten auch gegeben werden. Sowohl die Assistenten als auch einige Prüfer sollten toleranter und offener für neue Vorschläge sein. Warum engagierst Du Dich in der Fachschaft? Ich will etwas verändern. Ich bin der Meinung, so wie es läuft ist es gut, aber es kann noch besser werden. Deswegen bin ich in der Fachschaft. Hast Du das Gefühl, damit bisher etwas bewegen zu können? Auf jeden Fall. Es bewegt sich die ganze Zeit etwas, nicht nur in der Fachschaft, sondern auch allgemeiner. Ich denke, wir sind die Generation, die hier was bewegt. Wir müssen mit den Mitteln, die wir bekommen haben das Beste machen. Das ist unsere Aufgabe.

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9. Christoph, Greifswald Warum studierst Du Zahnmedizin? Weil ich ein feinmotorisches Handwerk mit intellektuellem Anspruch erlernen wollte. Da ich auch gerne mit Menschen umgehe, dachte ich, dass die menschliche Komponente, Psychologie und so, sich ganz gut in der Zahnmedizin vereinen. Warum engagierst Du Dich in der Fachschaft? Weil ich mich schon immer gern engagiert habe, in der Schülervertretung und dann in der Fachschaft. Macht mir Spaß. Wie stehst du zu den neu eingeführten Studiengebühren? In Greifswald gibt es glücklicherweise noch keine Studiengebühren. Wenn diese wirklich unumgänglich wären und sie dann auch für eine Verbesserung der Lehre eingesetzt würden, wäre ich auch bereit, etwas zu zahlen. Wenn es mir für das Studium etwas bringt, die Ausbildung dadurch besser wird und das Niveau dadurch gehoben wird. Aber ansonsten, wenn sie nur eingeführt werden, um jetzt irgendwelche Finanzlöcher zu stopfen, ....

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UN-P ∕ 14 - Freiheit

Mein Leben könnt Ihr haben

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Es ist schon ein Los, ein Ministeramt für innere Sicherheit zu bekleiden; insbesondere in einer Zeit, in der die vermeintliche Zahnpastatube dann doch die Bombe sein könnte, die das Flugzeug zerfetzt. Wer viel sitzt, hat viel Zeit zum Nachdenken. Die Innenminister sind seit jeher die Prügelknaben der Datenschützer. Letztere fühlen sich berufen, unsere Freiheit vehement bewahren zu wollen. Die Freiheit des Systems, in dem wir dauernd neue Zahnpasta kaufen müssen und aufgrund der Deodorant-Entsorgung beim Check-in müffeln. In den Medien ist die Rede von Dateien. TerrorDatei, Telekommunikations-Datei, Sexualstraftäter-Datei, Internet-Datei. Klingt abstrakt. Aber irgendwo gibt es eine Abteilung mit Gummibäumen, Kakteen und Kaffeetassen, wo gut geschulte Menschen beflissentlich mit unseren Dateien auf ihren Computern spielen. Und schon wieder kommt ein neuer Datensatz rein. Diesmal die archivierten Telefonverbindungen 80 Millionen Deutscher, für die man sich bis nach Karlsruhe bemühen musste. Ob das Durchforsten dieser Daten wohl jemandem Spaß macht? Als Müllmann ist man wenigstens an der frischen Luft. Alle schreien auf! Die sollen nicht wissen können, mit wem ich telefoniere. Die sollen nicht sehen, was ich mir im Internet ansehe. Es geht sie nichts an. Ich will kein gläserner Mensch sein. Meine Privatsphäre macht mich doch zum Menschen, oder? Ich will frei sein und nicht unter Beobachtung stehen. Der Hund verteidigt knurrend auch seinen abgekauten Knochen bis aufs Letzte. Haben Sie eine Kundenkarte? Ja, hier bitte! Wie viele Treuepunkte muss ich denn noch sammeln bis ich den Solingen-Messerblock oder die mundgeblasenen Weingläser bekomme? Manchmal scheint es so, als ob es immer weniger Momente des tätigen Lebens gibt, in denen wir nicht irgendwelche Daten von uns preisgeben.


Karikiert wird das vortrefflich durch eine aktuelle Kunstinstallation im öffentlichen Raum, wo man sein Bluetooth - Signal und das der anderen auf einer großen Leinwand sehen kann. Wir tragen Unmengen Daten in der Jeans mit uns herum. Aber wenn es um die mundgeblasenen Weingläser geht, dann drücken wir ein Auge zu. Auch bei exaltierter Selbstdarstellung im Internet.

Wäre das nicht ein schönes dadaistisches Gedicht? Pins, Puks, Tans, Lans, Blz, Hex, Ascii, Perso Wep, Wap, Retina, Gen !

Ohne Ihnen etwas aufdrängen zu wollen: Ich habe mich entschieden. Ihr könnt mein Leben haben. Ihr könnt euch den Quatsch anhören, den ich an meinem schon längst verwanzten Telefon verzapfe. Ich bringe euch auch einen Kaffee, wenn ihr nachts meinen Müll durchforstet. Ihr werdet eh nur mahnende Liebesbriefe der Gasgesellschaft finden. Jeden Morgen lächle ich freundlich in den Badezimmerspiegel, hinter dem ihr die Kamera installiert habt. Mein zerrüttetes morgendliches Auftreten versüßt euch bestimmt jeden Tag. Wenn ihr mein Handy anzapft während es daheim auf meinem Tisch liegt, dann hoffe ich, dass euch meine ungestüme Musik nicht irritiert. Und die Seiten, die ich letztens im Internet besucht habe, naja… vielleicht helfen sie euch auch einmal in einsamen Stunden….

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Wissen, was kommt. Was das Studium nicht leistet: Die NWD Gruppe hilft und berät bei der zahnärztlichen Praxisgründung– komplett und komplex.

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UN-P ∕ 14 - Master & Bachelor

Was weiĂ&#x; schon Wilhelm von Humboldt?

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“Was weiß schon Wilhelm von Humboldt - und was hat er mit meinem Studium zu tun?”, diese Frage könnte sich heute so mancher Bachelor-Student stellen, wenn er rasch durch die kühlen Gänge der Humboldt-Universität zu Berlin eilt. Nun, Wilhelm von Humboldt war ein wichtiger Mann der - so würde man heute sagen – die „Bildungsreform“ Anfang des 19. Jahrhunderts wesentlich mitprägte und mit seinen Bildungsidealen eine neue Ära der Hochschulen einläutete, in dem er die Einheit von Forschung und Lehre propagierte. Heute, knapp 200 Jahre später, scheinen diese Ideale einer Freien Akademie nichts mehr mit dem realen Alltag der Studenten gemein zu haben.

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UN-P ∕ 14 - Master & Bachelor

Humboldts Ideal einer Universität beruhte auf einer Freiheit der Akademien, die unabhängig von staatlicher und wirtschaftlicher Kontrolle Wissenschaft ausüben, und in der auch im Inneren die Freiheit der Studenten bei der Studienwahl und der Studienorganisation nicht eingeschränkt wäre. Der Austausch der Erkenntnisse der Wissenschaften untereinander als auch mit der Öffentlichkeit sollte fester Bestandteil der Universitätsausbildung sein.

In diesem System gibt es keinen Raum mehr für Selbstverwirklichung – halbherzig ist das Studium zum Pflichtprogramm und zur Stufenleiter auf dem Weg nach „oben“ geworden.

Den neuen Generationen der Bachelor-Studenten ist all das jedoch fremd. Unter Leistungsdruck und Planungschaos, mit „klaren“ Zielen und auf Effizienz getrimmt, eilt der Bachelor-Student in nur noch 6 Seme-

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stern durch sein kompaktes Studium, um danach jung und frisch auf dem Arbeitsmarkt zu landen. Das Studium, das einst Zeit und Raum für Reifung von Geist und Persönlichkeit ermöglichte, ist nun eine Turbo-Maschinerie. Das gemütliche Bummelstudium von gestern hat ausgedient, nun heißt es die festgelegten Module besuchen, Punkte sammeln, Klausuren schreiben. In diesem System gibt es keinen Raum mehr für Selbstverwirklichung – halbherzig ist das Studium zum Pflichtprogramm und zur Stufenleiter auf dem Weg nach „oben“ geworden. Ein pragmatischer Studententyp ist entstanden, der fleißig und hartnäckig voranschreitet. Man möchte meinen, er ähnelt dem Absolventen, den sich die Industrie und vor allem deren Personalvorstände wünschten, als sie sich für die Bologna-Reform aussprachen. Denn ihnen waren die Absolventen zu alt und das Studium zu lang und nicht praxisnah genug. Die Forderung nach Teamfähigkeit, Selbstständigkeit, Innovationsbereitschaft, Flexibilität, Effizienz, allseitiger Öffnung, sowie Selbstmanagement, Einsatzbereitschaft und Kommunikationsfähigkeit sind jedoch ohne Zeit für die Selbstfindung junger Menschen nur schwer zu realisieren. Und die Zeit und Muße für ein Auslandsemester oder ein Praktikum findet sich bei diesen Erwartungen genauso schwer. Dem jungen Bachelor-Studenten mangelt es an Fachwissen und Lebenserfahrung. Vom Scheuklappen-Studium ist mancherorts die Rede. Zu


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UN-P ∕ 14 - Master & Bachelor

Recht ruft fehlende Erfahrung Skepsis und Klagen der Chefs hervor, die ebenso Lücken in der Breite des Fachwissens kritisieren. Kein Wunder jedoch, wenn ein 22 jähriger Blitz-Bachelor nichts außer der Hochschule gesehen hat!

Eine Philosophie, die den gemeinsamen, europäischen Geist wiedergibt, ist den Reformern und Politikern jedoch fremd. Die humboldtschen Ideale sind dabei schon längst in Vergessenheit geraten.

Ziel der 1999 in Bologna begonnenen Reform war das System der Hochschulen anzugleichen, damit ein einheitlicher europäischer Hochschulraum entsteht. Theoretisch sollte dies bis 2010 vollzogen sein. Es galt sich zu einigen und eine internationale Vergleichbarkeit, Mobilität und Transparenz zu schaffen, um das Studieren in Europa einfach und übersichtlich zu gestalten. Aber die strukturellen Neugestaltungen konzentrieren sich oberflächlich und praktisch auf das Gerüst der Hochschulen. Eine Philosophie, die den gemeinsamen, europäischen Geist wiedergibt, ist den Reformern und Politikern jedoch fremd. Die humboldtschen Ideale sind dabei schon längst in Vergessenheit geraten.

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Der Bologna-Prozess umfasst die Umstellung der Hochschulabschlüsse auf ein vergleichbares, internationales Niveau. Das Bachelor-System, das Grundlagen vermittelt, ist ein kürzerer Studiengang als der frühere Magister, aber kompakter und deshalb oft schwer verdaulich. Die StrukturReform sieht vor, dass zur Vertiefung ein MasterStudium folgen kann. Das Master-Studium ist laut “DUZspecial“ - eine Beilage des „DUZ – das unabhängige Hochschulmagazins“ vom Juli 2003 - eine „berufs- oder forschungsorientierte“ Ergänzung, die eine „Voraussetzung einer Promotion werden“ kann, und so heißt es werbend weiter: „Der angestrebte Abschluss ist international gebräuchlich und erleichtert die Mobilität.“ Als Vorbild wird England genannt, wo traditioneller Weise die Bachelors ein paar Jahre Arbeitserfahrung sammeln, bevor sie zurück an die Hochschulen kommen, um den Master zu machen. Aber in Deutschland ist es nach einer (Arbeits-)Pause nicht einfach, an die Universität zurück zu kehren, denn weder ist ein „Zweit-Studium“ positiv konnotiert, noch ist dies vielen Menschen finanziell möglich. Wer nach dem Bachelor ein Master-Abschluss anstrebt, muss sich sehr genau umsehen: Die finanziellen als auch die personellen Ressourcen sind für die Weiterführung an vielen Universitäten Deutschland nicht gesichert. Die gewünschte internationale Vergleichbarkeit der Abschlüsse gestaltet sich nur mühsam: der deutsche 6. semestrige Bachelor wird international nicht überall anerkannt und berechtigt nicht automatisch zu einem Master-Studium an ausländischen Hochschulen; der Wechsel ins Ausland gestaltet sich nicht einfacher, da Inhalte und Unterschiede in der Länge variieren. In Deutschland sind 3 Jahre, in den Nachbarländern


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UN-P ∕ 14 - Master & Bachelor

4 Jahre für den Bachelorabschluss die Regel. Das Bachelor-Studium, das nach Aussagen der „DUZspecial“ „sämtliche Optionen offen hält“ und „nach drei bis vier Jahren zu einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss“ führt, kann einen raschen Einstieg ins Berufsleben ermöglichen. Jedoch ist es fachabhängig, ob der Bachelor-Abschluss in den gewünschten Beruf führt, oder ob er, verglichen mit dem früheren Diplom-Abschluss, den neuen Absolventen nur blass aussehen lässt.

Denn vor allem die Zahnmedizin muss sich vorwerfen lassen, dass in den letzten fünfeinhalb Jahrzehnten kaum innovative Lehrkonzepte im Rahmen der gültigen APOZ kreiert wurden. Die Humboldtsche Bildungsideale sind passé und die meisten Professoren haben den Umsturz der traditionellen deutschen Universität in Kauf genommen. Sie haben die neuen Bedingungen erkannt und passen sich den Blitz-Studenten an: es wird nicht mehr an „humboldtschen Freiheiten“ festhalten, weil diese nicht erwünscht sind. Stattdessen bestimmen Effizienz und Karrieredenken die neuen Generationen.

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Zu befürchten ist, dass der geheiligte akademische Schutzraum in Gefahr gerät und ein wirtschaftsliberaler Effektivitätswahn Einzug erhält. Wo ist das freie Denken, welches sich weder von Nützlichkeit noch Politik beeinflussen lässt, wenn Begriffe aus der Welt der Wirtschaft das neue Studiensystem beschreiben? Auch die Staatsexamenfächer Medizin und Jura werden ein gestuftes Studienprogramm erhalten, es ist nur eine Frage der Zeit. Denn andere Länder haben die Umstellung auch hier bereits vollzogen. Nur was kann der Medizinstudent nach drei Jahren Medizinstudium für die Arbeitwelt beitragen? Ist man nach Absolvierung der Grundlagenfächer schon Krankenpfleger, auch wenn man kaum Patienten gesehen hat? In der Zahnmedizin erscheint diese Aussicht unter Betrachtung der aktuellen Studienstruktur ebenso bedenklich. Mit Abschluss des sechsten Semesters ist man heutzutage weder in der Lage als Zahntechniker oder Zahnmedizinischer Fachangestellter auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen. Vielleicht sind diese Schwierigkeiten ein Grund, warum sich die medizinischen Fakultäten noch gegen eine derartige Umstellung sträuben, man kann eben nicht einfach einen BA-MSC Stempel auf ein staatsexaminiertes Studium drücken. Und doch wird Europa, wie in vielen anderen Ebenen seinen Einfluss ausdehnen und auch Bologna flächendeckend umsetzen. Viele der Erwartungen und Ansprüche des Bologna- Prozesses sind wünschenswerte Verbesserungen, wenn sie denn erstens auch wirklich funktionieren und zweitens ein Hochschulstudium nicht mit einer Berufsausbildung gleichsetzen.


Im Fall der Medizin/ Zahnmedizin wird sich der Umstellungsprozess auf BA/ MSC deutlich schwerer gestalten als in den Geistes- oder Sozialwissenschaften. Man könnte allerdings frühzeitig aus den Erfahrungen dieser lernen und darüber hinaus die Chance eines Umstellungsprozesses erkennen. Denn vor allem die Zahnmedizin muss sich vorwerfen lassen, dass in den letzten fünfeinhalb Jahrzehnten kaum innovative Lehrkonzepte im Rahmen der gültigen APOZ kreiert wurden. Das Studium zu entschlacken, neue Lehrinhalte zu integrieren und summa summarum das Studium im Ergebnis an den Anforderungen des

Berufsbildes zu orientieren sind wünschenswerte und notwendige Ziele. Und dennoch bietet ein Studium im Idealfall weit mehr als eine Berufsbefähigung. Es lehrt wissenschaftlich zu arbeiten, multiple Probleme zu lösen, menschlich und fachlich mit seinen Herausforderungen zu wachsen und Situationen differenziert zu betrachten – Fähigkeiten eines freien Denkens, das ebenso freiheitlich erlernt werden muss. Aber, was weiß schon Wilhelm von Humboldt....?

Text/Anna Grodecki

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UN-P ∕ 14 - Studium-POL

POL – Problem orientiertes Lernen in der Zahn medizin Während der letzten 30 Jahre wurde in verschiedenen Bereichen des akademischen Unterrichts und auch für die medizinische Ausbildung in steigendem Maß das Problemorientierte Lernen (POL, in der englischsprachigen Literatur PBL für problem based learning) als Unterrichtsform eingesetzt. Auch in der seit dem Sommersemester 2006 gültigen Studienordnung der Zahnheilkunde der Charité in Berlin hat das POL im Unterricht seinen Platz gefunden: es ist für die beiden Wissenschaftsblöcke vorgesehen.

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Für POL gibt es keine international festgelegte und allgemein akzeptierte Definition. Kennzeichnend für POL ist das Bearbeiten eines Problems in kleinen Gruppen, wobei ein erheblicher Teil des Wissenserwerbs und der Verständniserarbeitung im Selbststudium geleistet wird. Die Arbeit in der Kleingruppe wird von einem Tutor angeleitet, der im günstigen Fall 7 bis 8 Teilnehmer einer POL-Gruppe betreut (Abb. 3). Der klassische POL Ablauf besteht aus zwei Veranstaltungen: In einer ersten Sitzung wird der Impuls zur studentischen Arbeit durch einen POL-Patientenfall gesetzt, in dem ein klinisches Szenario oder eine Alltagssituation geschildert wird, die Ansätze zum Nachdenken bietet. Dieses Szenario kann durch ein kurzes Video dargestellt werden, in den meisten Fällen handelt es sich aber um einen kurzen Text (paper case), der von den Verantwortlichen der Fakultät erarbeitet wurde und zu Beginn der Sitzung von einem Mitglied der POL-Gruppe vorgelesen wird. Der darauf folgende POL-Prozess besteht aus 8 Schritten. Zunächst werden Verständnisfragen geklärt, die sich direkt auf den Fall beziehen: gab es unverstandene Begriffe oder Passagen? Eine Klärung dieser Fragen kann in allen Fällen durch den Tutor erfolgen, der den Fall kennt und auch über Hintergrundinformationen verfügt, oder sie wird durch Diskussion in der Gruppe herbeigeführt. Darauf folgend einigt sich die Gruppe auf Probleme, die aus dem Fall abgeleitet werden können und die sie bearbeiten wollen. Im nächsten Schritt findet ein Brainstorming statt, bei dem jedes Gruppenmitglied Ideen zu den abgesteckten Problemfeldern beiträgt und Hypothesen formuliert. Jeder Student fixiert seine Beiträge und Fragen schriftlich auf Karteikarten, damit vermieden wird, dass einzelne und dominantere Gruppenmitglieder das Denken


Abb.1

Abb. 1: Im Gruppenprozess erarbeitete Präsentation zu einer Fragestellung bei der zweiten POL-Sitzung

von vornherein in verschiedene Richtungen einschränken. Nach einer ausreichenden Zeitspanne werden die Karteikarten für alle sichtbar an einer Pinnwand befestigt, wobei die einzelnen Studenten ihre Ideen und Hypothesen ausführen und kommentieren. In dieser Phase wird von jedem Mitglied der POL-Gruppe vorhandenes Wissen, so fragmentarisch, falsch und/oder fundiert es sein mag, zur Lösung der Probleme aktiviert, offengelegt, beigesteuert und relativiert. Im folgenden Abschnitt wird das ausgetauschte und vorhandene Wissen geordnet (Abb. 1) und erste Lösungsansätze formuliert. Dabei machen sich die Studierenden in der Gruppe klar, bei welchen Aspekten der Lösung sie sich sicher sind, wo ihnen wichtige (Zwischen)Schritte für die Argumentation fehlen und was sie überhaupt noch nicht wissen, um die Probleme sinnvoll

bearbeiten zu können. In dieser Phase können auch Informationen vom Tutor eingeholt werden, die den Hintergrund des POL-Falles betreffen und für die Lösungsansätze bedeutsam sein könnten. Auf der Basis dieser Überlegungen werden entsprechende Lernziele formuliert, die so ausgewählt werden, dass Nichtwissen durch Selbststudium beseitigt und die vorhandenen Informationslücken bis zur nächsten Sitzung von allen bearbeitet werden können. Die Einigung auf die Lernziele und ein Feedback zum Verlauf der Veranstaltung schließen die erste Sitzung ab. Bis zum darauf folgenden Termin erarbeiten alle Gruppenmitglieder im Selbststudium was zur Lösung oder Besprechung der erarbeiteten Probleme benötigt wird. Die Tiefe der Bearbeitung hängt davon ab, was die einzelnen Studierenden an Vorbildung und Interesse mitbringen; eine weitere Limitierung ergibt sich aus der zur

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UN-P ∕ 14 - Studium-POL

Verfügung stehenden Zeit. Für das Selbststudium nutzen die Studierenden alle klassischen Methoden des Informationserwerbs, angefangen bei Lehrbüchern über die Recherche im Internet, bis hin zur Lektüre von Originalarbeiten. Unterstützt wird die Erarbeitung des POL-Falles durch Seminare, Übungen und Praktika, die von der Fakultät veranstaltet werden und sich im theoretischen Umfeld des POL-Falles bewegen. In der zweiten POL-Sitzung werden die erarbeiteten Lerninhalte von allen zusammengetragen und diskutiert. Es werden verschiedenste Präsentationstechniken eingesetzt, Skizzen angefertigt, Tabellen erstellt, Modelle angefertigt (Abb. 2). Dabei verhält sich die Gruppe kritisch gegenüber den eigenen Ergebnissen und versucht noch verbliebene Unklarheiten zu identifizieren – diese können dann weiter bearbeitet und einer Lösung zugeführt werden. Den Abschluss bildet die Reflexion über die erarbeiteten Inhalte, das strategische Vorgehen und den Gruppenprozess. Jedes Gruppenmitglied und die Tutoren äußern sich nacheinander, ohne die Reflexionen der anderen zu kommentieren, zu diskutieren oder darauf Bezug zu nehmen. Für alle ergibt sich so ein Eindruck darüber, wie zufrieden jeder Einzelne mit dem Vorgehen der Gruppe und dem erarbeiteten Wissen war. Warum wird der POL Unterricht trotz seines aufwendigen und personalintensiven Vorgehens durchgeführt? Die schnelle Akkumulation von Informationen, während der letzten Jahrzehnte hat zu einer Reihe von Fragen bezüglich der traditionellen Lehr- und Lernstrategien geführt: Werden die traditionellen Unterrichtsformate den Bedürfnissen der Studierenden gerecht?

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Abb.2: POL-Gruppe beim Ordnen der Fragen und Hypothesen

Die Wissenszunahme in Fächern wie Biochemie und Physiologie spiegelt sich im Umfang der entsprechenden Lehrbücher wieder, der sich in den letzten 40 Jahren verdreifacht hat – bei etwa gleich gebliebener Unterrichtszeit.


Werden die Fertigkeiten und Kompetenzen vermittelt, die am jeweiligen späteren Arbeitsplatz benötigt werden? Werden die Studierenden auf den Umgang mit den schnellen Änderungen der Technologie und der rasant steigenden Informationsflut richtig vorbereitet? Man muss sich ins Gedächtnis rufen, dass der traditionelle Unterricht in der Medizin und auch der Zahnheilkunde während der letzten 100 Jahre seitens der Unterrichtsformate nicht verändert wurde. Während der ersten beiden Jahre des Studiums liegt der stärkste Fokus auf den Grundlagenwissenschaften, die weitgehend getrennt von den fachlichen und klinischen Inhalten sensu stricto abgehandelt werden. Nicht zuletzt auf Grund der Prüfungsformate, die von der Fakultät eingesetzt werden als auch bei den staatlichen Prüfungen Verwendung finden, zielt dieser Fokus auf eine Ansammlung von Faktenwissen. Den Studierenden ist jedoch häufig nicht klar, wie und wofür dieses Wissen im klinischen Zusammenhang benötigt wird. Die Wissenszunahme in Fächern wie Biochemie und Physiologie spiegelt sich im Umfang der entsprechenden Lehrbücher wieder, der sich in den letzten 40 Jahren verdreifacht hat – bei etwa gleich gebliebener Unterrichtszeit. Parallel dazu beobachtet man eine Vernachlässigung der Vermittlung von Interaktionsfertigkeiten, wie sie im Umgang mit Patienten benötigt werden, um bei Beratung und Betreuung einen optimalen Erfolg zu erreichen. Auch die Behandlung von psychosozialen und ethischen Fragestellungen, die bei der Betreuung von Patienten eine Rolle spielen, findet, wenn überhaupt, getrennt vom Unterricht der Grundlagenfächer statt.

- Der POL-Unterricht steuert diesen Entwicklungen entgegen: / Die Studierenden wenden Wissen in (fingierten) Situationen, die der Berufswelt entstammen, an und fokussieren nicht allein auf Faktenwissen. / Es werden eigenständig Fragen entwickelt und Antworten in eigenen Informationsquellen gesucht. Diese werden bezüglich ihrer Bedeutung und ihres Gehaltes kritisch hinterfragt. Im traditionellen Unterricht werden die Antworten vom Fragesteller, dem Dozenten mitgeliefert und gelernt. Eine Auseinandersetzung mit der Information findet nicht statt, ist meistens unerwünscht und unterbleibt auf Grund der Faktenfülle und des Zeitmangels. / Während im traditionellen Curriculum die Information häufig passiv verarbeitet/hingenommen wird, findet beim POL ein selbständiger Wissenserwerb statt, wobei gleichzeitig die Interaktion mit Kommilitonen geübt wird. / Die Relevanz des Grundlagenwissens wird unmittelbar erkannt und die Wahrscheinlichkeit, bei der Lösung von Problemen angewendet zu werden ist, im Gegensatz zum traditionellen Unterricht, deutlich erhöht. Denn häufig ist das Grundlagenwissen nicht mehr präsent, wenn es für die Behandlung im klinischen Alltag hilfreich oder gar essentiell sein könnte. - Mit einem Unterricht im POL-Format sind allerdings auch Nachteile verbunden: / Die Studierenden haben Schwierigkeiten bei der Eingrenzung des selbstbestimmten Lernens, weil sie zunächst die Relevanz und den Nutzen verschiedener Informationen nicht einschätzen können. / Werden keine begleitenden Vorlesungen angeboten, haben sie weniger Gelegenheit mit charismatischen Hochschullehrern und Koriphäen in Kontakt zu kommen. / Für die Betreuung der Kleingruppen werden erhebliche personelle Ressourcen der Fakultät gebraucht.

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UN-P ∕ 14 - Studium-POL

Für das POL-Format sprechen die immanenten Möglichkeiten zum Erwerb von kognitiven und nicht-kognitiven Fertigkeiten, die im Berufsleben und insbesondere auch beim wissenschaftlichen Arbeiten von Bedeutung sind: Zu den kognitiven Aspekten zählen die Entwicklung von Hypothesen, der Entwurf eines Plans zur ihrer Bearbeitung, die Suche nach Informationen und deren Bewertung, die Beurteilung von Evidenzen die für oder gegen eine Hypothese sprechen, der eigenständige Gebrauch von Informationstechnologie, die Einübung des Umgang mit unsicherem Wissen und fragmentarischen Informationen, das Praktizieren von ärztlicher Entscheidungsfindung. Die nicht-kognitiven Fertigkeiten ergeben sich aus dem Gruppenprozess und dem Umgang mit Kommilitonen: die Einübung von Kommunikation und Interaktion, kulturelle Kompetenzen, Toleranz gegenüber dem Denken anderer, Integrität im Verhalten, Empathie und das durch den Gruppenprozess geförderte Streben nach ständiger Verbesserung des eigenen Wissens, der persönlichen Haltung und der individuellen Fertigkeiten. Beim ersten Durchlauf des Wissenschaftsblocks 1 in der Zahnheilkunde der Charité wurden zwei POL-Gruppen etabliert, mit denen gezeigt werden konnte, dass die Studierenden das Unterrichtsformat innerhalb von drei bis vier Wochen nutzbringend erlernen und anwenden können, wobei sie die Freiheiten und Möglichkeiten dieses Unterrichts zu schätzen lernten. Die POLFälle waren so gestaltet, dass während der ersten drei Wochen eine Auseinandersetzung mit der Wissenschaft und ihren Methoden angeregt wurde, während in den Folgeveranstaltungen direkte zahnheilkundliche Fragestellungen behandelt

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POL-Gruppe am Beginn der Sitzung

wurden. Beide Gruppen entwarfen eine kleine Studie, die sie mit ihren Kommilitonen bzw. mit Studierenden der Humanmedizin durchführten, wobei sie Erfahrungen über Planung, Realisierung und Auswertung sammeln konnten. Eine Durchführung beider Wissenschaftsblöcke im POL-Format, wie es auch in der Studienordnung vorgeschrieben wird, wäre für alle Beteiligten sehr zweckdienlich und wünschenswert.

Text/Jörg Pelz - Fotos/Peter Kube


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UN-P ∕ 14 - Studium-POL

POL - Notfälle? 2003 hat an der Leipziger Medizinischen Fakultät mit Problem Orientiertem Lernen (POL) eine neue Lernform Einzug gehalten. Was verbirgt sich hinter POL und wie wurde es umgesetzt? Stellen Sie sich vor, Sie haben gerade den lang ersehnten Studienplatz im Fach Humanmedizin ergattert und gehen nun zu Ihrem ersten Seminar. Im Raum sitzen bereits acht Studenten um einen Konferenztisch versammelt. Sogleich geht es los. Ihr heutiger Patient: ein 52-Jähriger Mann mit plötzlichem Brustschmerz. Sie sind der Notarzt und werden dazu gerufen… So oder ähnlich erleben jährlich einige Studenten ihren Studienanfang, denn in vielen Modellstudiengängen im Fach Humanmedizin wird ausschließlich nach der Methode des „Problem orientierten Lernens“, kurz POL, unterrichtet. POL ist eine Lernform, an deren Anfang ein Problem gestellt wird durch dessen 74

Lösung in kleinen Gruppen aktiv Wissen akquiriert werden soll. Entwickelt wurde POL in Kanada, wo es bereits 1969 zum ersten Mal Einsatz fand. Wenige Jahre später, nämlich 1976, wurde die Medizinische Fakultät in Maastricht speziell auf POL ausgerichtet, womit man dort sozusagen die Vorreiterrolle für die heutigen Modellstudiengänge in Deutschland übernahm. Es dauerte allerdings noch fast 20 Jahre bis POL 1992 durch die Etablierung in Witten/Herdecke auch in Deutschland Einzug hielt. Seitdem beschäftigen sich zahlreiche Medizinische Fakultäten mit „Problem Orientiertem Lernen“ und haben es mit in Kraft treten der neuen Approbationsordnung 2003 in ihren Curricula integriert. Dank des Einsatzes einiger Medizinstudenten bei der Umsetzung der neuen APPO, sind auch in Leipzig seit diesem Zeitpunkt drei POL-Kurse fester Bestandteil der klinischen Ausbildung. Die jeweils vier Wochen umfassenden Unterrichtsblöcke finden zu den Themenbereichen Infektiologie/ Immunologie, Notfallmedizin und Geriatrie im sechsten, siebten und zehnten Semester statt. In diesen vier Wochen haben die Studenten neben den obligatorischen Vorlesungen und diversen Praktika so genannte Tutorien, in denen in Gruppen von sieben bis zehn Studenten Fälle bearbeitet werden. Jeweils ein Tutor leitet den Kleingruppenunterricht. „Allerdings sollte er weniger referieren und direkt Wissen vermitteln als vielmehr der Gruppe Richtung und Anstöße geben, wenn die Diskussion ins Stocken gerät“, sagt Dr. Jutta-Gabriele Müller, die 2004 eigens für die Organisation der POL-Kurse im Referat Leh-


re eingestellt wurde. Für sie gilt es, Tutoren zu finden, Stundenpläne zu erstellen, Gruppen einzuteilen, Praktika zu planen, Bücherkisten zu packen, Klausuren zu erstellen und natürlich immer wieder Fälle schreiben zu lassen. „Ein Fall muss aktuell und spannend sein und natürlich ins Stoffgebiet passen“ so Dr. Müller „Das Grundgerüst eines Falles ist schnell erstellt, dennoch

dauert es häufig ungleich länger bis der Fall für POL einsatzfähig ist.“ Besonders beliebt bei den Studenten ist der Notfall-Kurs, dessen Leiter Prof. Horst Adam aus der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin mit seinem Engagement sicher viel dazu beigetragen hat, dass gerade dieser Kurs so erfolgreich 75


UN-P ∕ 14 - Studium-POL

wurde. Nachdem er POL vorerst skeptisch gegenüberstand hat er sich beim ersten Hochschullehrertraining im Frühjahr 2004 von den Vorzügen der neuen Lernform überzeugen lassen. Am darauf folgenden Kurs war er bereits als Teammitglied beteiligt und hat die Position als Kursleiter des NotfallPOL übernommen.

„Denkbar wäre es aber, einen POL-Kurs auch für Zahnmediziner einzuführen“ In einem halben Jahr hat er den ersten Kurs auf die Beine gestellt und schon damals waren die Studenten begeistert. Hatte er es doch geschafft, das Deutsche Rote Kreuz, die Feuerwehr, den ASB und die Johanniter für das Projekt zu begeistern, welche bis heute beim Praktikum Technische Menschenrettung dabei sind. Ein Praktikum, dass den Studenten zum Beispiel die Möglichkeit bietet, zu erfahren, wie genau man eigentlich eine unterkühlte Person von einem Dach rettet und wie hoch sich zehn Meter in einer Drehleiter anfühlen. Soviel Aktion und Praxis begeistern natürlich die Studenten, sind aber auch mit einem erheblichen organisatorischen, personellen und nicht zuletzt finanziellen Aufwand verbunden. So waren allein am letzten Notfall-Kurs 110 Personen aktiv beteiligt. Prof. Adam meint zum zeitlichen Aufwand pragmatisch: „Man muss unendlich viel Zeit investieren, sonst hat der Kurs keine Zukunft.“ Erklärtes Ziel des Kurses ist es, das Verständnis für die Zusammenarbeit zwischen Rettungsdienst 76

und Arzt zu verbessern, viel Praxis zu bieten und natürlich etwas Freude beim Lernen zu bringen. Wenn sich dann im Anschluss jemand bei Prof. Adam meldet und verkündet, er möchte jetzt Notfallmediziner werden, ist das ein umso schönerer Nebeneffekt. Bei aller Begeisterung auf Seiten der Studenten stört sich Prof. Adam dennoch an der zum Teil mangelnden Eigeninitiative. „Ein bisschen was muss man eben auch noch zu Hause tun“, sagt er und spricht damit das Selbststudium an, welches im Idealfall drei Stunden täglich betragen sollte. „Denn natürlich sollen die Studenten auch etwas Lernen und nicht nur Spaß haben.“ Ob und wie viel gelernt wurde, wird am Ende der vier Wochen in einer so genannten Triple Jump Prüfung abgefragt. Triple Jump bedeutet „Dreisprung“ und genau dieser verbirgt sich auch hinter dem ausgeklügelten Prüfungssystem. Die Leistungsüberprüfung besteht aus drei Teilen. Zu Beginn findet eine zweistündige Klausur statt, die zum einen allgemeine MC-Fragen beinhaltet und zum anderen einen Prüfungsfall, an Hand dessen die Studenten freie Fragen, zum Beispiel zu Diagnostik, Therapie und den Pathomechanismen des im Fall besprochenen Krankheitsbildes, beantworten müssen. Im Anschluss an diese Prüfung wird der Fall aufgeklärt. Die angehenden Mediziner arbeiten den Fall als sozusagen zweiten Sprung zu Hause fertig aus und müssen ihn am nächsten Tag als Teil einer mündlichen Prüfung vorstellen, welche den dritten Teil des Dreisprungs darstellt. So schön „Problem Orientiertes Lernen“ durch den aktiven Wissenserwerb, die Abwechslung und die interdisziplinäre Herangehensweise an das Problem sein mag, so bietet es dennoch auch Nachteile. Ist es doch eine sehr aufwändige und teure Lernform, denn es müssen unter anderem neue Bücher und Übungsmaterialien angeschafft werden.


Die hohen Kosten mögen ein Grund sein, warum einige der erst vor wenigen Jahren eingeführten Modellstudiengänge mittlerweile Auslaufmodelle sind. Auch Prof. Adam sieht im „Problem Orientierten Lernen“ nicht die Zukunft des Medizinstudiums. „Besonders in der Vorklinik ist POL weniger sinnvoll. Grundlagenfächer sollten weiterhin konventionell vermittelt werden. Es ist eher für klinische Fächer geeignet, insbesondere wenn man diese zusammenfasst.“ Deshalb bleibt POL auch in Zukunft Bestandteil der klinischen Ausbildung in Leipzig. Man ist zufrieden mit dem Status Quo und plant nicht, das Konzept noch weiter auszubauen. „Denkbar wäre es aber, einen POL-Kurs auch für Zahnmediziner einzuführen“, sagt Frau Dr. Müller „allerdings ist dabei noch unklar in welchem Themengebiet man diesen ansiedeln

würde. Außerdem wird sich die Idee wohl nicht ohne das Engagement aller Beteiligten umsetzen lassen, dem Lehrkörper und den Studenten, wie zum Beispiel dem Fachschaftsrat.“ Mehr Informationen gibt’s unter: http://www. uniklinikum-leipzig.de/lehre/human_pol.html

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D de ie D r Zä eu hn ts e ch en

UN-P ∕ 14 - Mundhygiene

Interview mit Professor Michael Noack über PlaqueBiofilm-Management und die häusliche Mundhygiene

1. Herr Professor Noack, wie steht es denn um die Zähne der Deutschen?

3. Was benötigt man, um den Plaque-Biofilm zu beherrschen?

Professor Noack: Erwachsene haben im Schnitt 14,5 kaputte Zähne, das heißt praktisch jeder Seitenzahn ist betroffen. Nur 0,5 % der Bevölkerung haben kein entzündetes Zahnfleisch - sie sind frei von Gingivitis oder schlimmeren Schäden. / 2. Herr Professor Noack, Sie forschen an der Zahnklinik in Köln intensiv an Maßnahmen der Kariesvermeidung.

Professor Noack: Es gibt Bedarf, die unangenehme und nervige Aufgabe des Zähneputzens an irgendetwas zu delegieren, zum Beispiel an eine kleine Maschine. Die Schalltechnologie hat sich hier als besonders wirksam erwiesen. Der Vorteil von Schallzahnbürsten ist, dass sie im Vergleich zu anderen elektrischen Zahnbürsten schonender zu Zähnen und Zahnfleisch sind. Die Aufgabe einer elektrischen Zahnbürste ist es, den Plaque-Biofilm, diesen „Rasen“, der sich in der Mundhöhle bildet, immer schön knapp zu halten. Es gibt Studien die zeigen, dass in Deutschland 39% aller Menschen einen klinisch erkennbaren Plaque-Biofilm haben, 24% sogar große Mengen davon. Nur wenn dieser „Rasen“ schön kurz ist, richtet er keinen Schaden an. Darüber hinaus hat der Plaque-Biofilm ja auch nützliche Funktionen.

Professor Noack: Ja. Auch wenn sich schon vieles durch Maßnahmen und Programme zur Kariesvermeidung getan hat – mit den bisher im Alltag praktizierten Strategien werden wir die Karies jedenfalls nicht in den Griff bekommen. Es ist unbefriedigend, einerseits unsere Patienten zu ermahnen, sich die Zähne richtig zu putzen und andererseits die Löcher in den Zähnen stopfen zu müssen. 78


4. Und das Kurzhalten des Plaque-Biofilms funktioniert mit der Handzahnbürste nicht? Professor Noack: Das versuchen wir seit Jahrzehnten – mit begrenztem Erfolg. Die Daten zeigen, dass wir mit Instruktionen wie „von rot nach weiß“, „mit 45 Grad ausrollen lassen“ usw. nicht weitergekommen sind. Das sieht mit elektrischen Zahnbürsten ganz anders aus. / 5. Gibt es Studien, die den Vorteil von elektrischen Zahnbürsten gegenüber Handzahnbürsten beweisen?

Die Patienten waren mit der Schalltechnologie intuitiv in der Lage, eine bessere Plaque-Biofilm-Kontrolle zu erreichen. Professor Noack: Ja, wir haben in der Zahnklinik in Köln Recall-Patienten mit schlechter Mundhygiene getestet. Die eine Hälfte der Patienten 79


UN-P ∕ 14 - Mundhygiene

wurde im richtigen Umgang mit der Handzahnbürste geschult, die andere putzte mit der elektrischen Zahnbürste (Philips Sonicare). Nach einigen Wochen wurde gewechselt. Ergebnis: Die Sonicare-Gruppe hatte deutlich und signifikant weniger Plaque-Biofilm auf den Zähnen. Die Patienten waren mit der Schalltechnologie intuitiv in der Lage, eine bessere PlaqueBiofilm-Kontrolle zu erreichen. Diese Ergebnisse zeigen, dass Patienten, die keine Lust zum Zähneputzen haben - und das ist ein großer Anteil - in der Lage sind, die Arbeit erfolgreich an eine Maschine abzugeben. / 6. War die elektrische Zahnbürste an allen Zahnflächen besser? Auch im Bereich der Backenzähne? Professor Noack: Eindeutig ja. Der Grund ist die Technologie des getesteten Geräts. Die Sonicare ist eine Schallzahnbürste. Die Schalltechnologie kann mehr als nur den Plaque-Biofilm entfernen. Mit Hilfe der Schalltechnologie wird Flüssigkeit in Bewegung gesetzt, die eine unterstützende reinigende Wirkung im Approximalbereich hervorruft. Diese Wirkung ist ein großer Vorteil, schließlich verwenden die wenigsten Menschen tatsächlich Zahnseide oder Bürsten für die Zahnzwischenräume.

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7. Wie wichtig ist die Form des Bürstenkopfs einer elektrischen Zahnbürste? Professor Noack: Sehr wichtig! Das Bürstenkopf-Design ist auch der Grund, warum ich persönlich die Sonicare favorisiere, weil es wichtig ist, dass der Bürstenkopf an mehreren Zähnen abgestützt wird. Bei anderen auch wirksamen Mitbewerbermodellen, besteht teilweise die Gefahr, durch kleinere oder runde Bürstenköpfe Schäden zu verursachen. Wenn die Patienten zu viel Druck ausüben, verletzen sie dabei Zahnfleisch oder Zähne, so dass als Folge die Zahnhälse frei liegen. / 8. Abschließend noch eine Frage: Glauben Sie, dass Handzahnbürsten noch eine Zukunft haben? Professor Noack: Sicherlich wird es immer einen Restmarkt an Handzahnbürsten geben. Aber all diejenigen, denen die Gesundheit ihrer Zähne, der Mundhöhle und im Grunde auch ihre Gesamtgesundheit wichtig ist, werden in Zukunft auf die Hilfe einer wirksamen elektrischen Zahnbürste nicht verzichten können. Vielen Dank für das Gespräch!


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1. / Wie hoch ist der Anteil der Menschen in der Bevölkerung, die eine Entzündung der Gingiva oder des Parodontiums haben? 2. / Nennen Sie zwei Vorteile einer Zahnbürste mit Schalltechnologie? Die ersten 10 richtigen Einsendungen gewinnen jeweils eine Sonicare HealthyWhite! Schickt Eure Antwort am besten gleich mit vollständigem Namen und Studienort an info@un-plaqued.com. Viel Glück! Die Gesunderhaltung der Zähne wird besonders durch die häusliche Mundhygiene beeinflusst. Für die Patienten ist jedoch oft noch ein anderer Aspekt entscheidend: Sie wünschen sich weißere Zähne. Die neue Sonicare HealthyWhite verbindet beide Ansprüche und wirkt dabei eindeutig compliancefördernd. Sonicare HealthyWhite reduziert nachweislich den Plaque-Biofilm als auch Verfärbungen der Zähne. In nur zwei Wochen kann so eine Aufhellung der Zähne um zwei Stufen erreicht werden. Bei konsequenter Anwendung stellen sich Erfolgserlebnisse schnell ein. Für das Praxisteam vereinfacht sich die Aktivierung der Patienten für ein regelmäßiges Plaque-Biofilm-Management. Probiert es selbst, beantwortet die Fragen und gewinnt Eure eigene Sonicare HealthyWhite Zahnbürste!

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UN-P ∕ 14 - Mundhygiene

StuDent Das neue Lernprogramm für Zahnmedizinstudenten über Speichel und Mundgesundheit

Zum Beginn des vergangenen Wintersemesters startete Wrigley Oral Healthcare Programs die Initiative StuDent – ein Lehrund Lernprogramm rund um das Thema „Speichel & Mundgesundheit“. Ziel dieser Initiative ist es, die Präventionsorientierung in der zahnmedizinischen Berufsausbildung zu fördern. Ende Oktober 2007 erhielten alle Dozenten für Zahnerhaltungskunde in Deutschland die Vorlesung „Speichel & Mundgesundheit“ sowie ein examensvorbereitendes Skript für Studenten zum selben Thema. Das Skript wurde darüber hinaus an alle zahnmedizinischen Fachschaften zur Veröffentlichung geschickt. Die Vorlesung, für die Prof. Dr. Dr. Lutz Stößer aus Jena verantwortlich ist, lässt sich kapitelweise in andere Lehrveranstaltungen integrieren. Autor des Skripts ist Prof. Dr. Joachim Klimek aus Gießen, der von einem großen Beirat anderer deutscher Hochschulprofessoren und Studenten bei der Gestaltung eines lehrplangerechten und lernfreundlichen Lehrmaterials unterstützt wurde. Schon heute hat jede zweite Fakultät das StuDent-Programm in den eigenen Lehrplan integriert. Zum Start der StuDent-Initiative unterstrich Prof. Klimek die wachsende Bedeutung der Kariesprävention: „Im Zuge des demografischen Wandels unserer Gesellschaft, in der sich immer mehr gesundheitsbewusste Menschen gesunde Zähne bis ins hohe Alter erhalten wollen, rückt die Präventionsorientierung in der Berufsausübung des Zahnarztes und damit auch die Bedeutung des Speichels als natürlicher Prophylaxefaktor in der Mundgesundheit immer mehr in den Fokus. Diesen Stellenwert gerade in einer ganzheitlich orientierten, dentalmedizinischen Ausbildung zu stärken, ist das Hauptanliegen der Initiative StuDent.“

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Durchschnittlich 20.000 Liter Speichel produziert ein Mensch in seinem Leben, wenn man davon ausgeht, dass der Mensch in Deutschland durchschnittlich 80 Jahre alt wird und 0,7 Liter Speichel pro Tag produziert. Nicht nur für die Zahngesundheit ist eine ausreichende Menge und Zusammensetzung der oft unterschätzten Körperflüssigkeit wichtig, sondern ebenso für die Allgemeingesundheit. In den vergangenen Jahren haben sich Wissenschaftler intensiv mit dem Potenzial des Speichels als prophylaktische und diagnostische Flüssigkeit auseinander gesetzt und dieses Wissen in die StuDent-Initiative einfließen lassen. In den Speicheldrüsen sezernierte Speichelinhaltsstoffe adsorbieren an die Zahnoberfläche und überziehen diese in Form der dentalen Pellicula mit einem protektiven Film. Hier sind unter anderem die Speichelmuzine zu nennen, die den Zahn vor Erosion durch Säuren bewahren. Speichel enthält darüber hinaus Puffersysteme, welche Säuren neutralisieren, die entweder aus der Nahrung stammen, von acidogenen Bakterien der Mundflora produziert werden oder über den sauren Magensaft bei Reflux und Erbrechen in die Mundhöhle gelangen. Speichel ist zudem eine mit Kalzium- und Phosphationen übersättigte Lösung, die durch spezielle Carrier-Proteine im Speichelsekret in Lösung gehalten werden und an den Schmelzoberflächen für eine konstante Remineraliserung der Zahnhartsubstanz sorgen. Schließlich finden sich im Speichel antibakteriell wirksame Bestandteile, welche pathogene Mikroorganismen in Schach halten und wieder andere Bestandteile, die eine benigne Mikroflora in der Mundhöhle begünstigen. „Unsere profane Spucke ist einfach eine faszinierende biologische Flüssigkeit. Für den Zahnarzt sollte sie einen Stellenwert einnehmen, wie etwa das Blut für den Arzt“ fordert Prof. Ruhl aus

Buffalo, USA, der sich seit seinem Studium mit dem Thema Speichel beschäftigt. Jutta Reitmeier, Leiterin von Wrigley Oral Healthcare Programs Germany zur Zukunft der Initiative: „Wir werden auf der Basis der Rückmeldungen von Lehrenden und Studierenden die Initiative StuDent stetig weiter entwickeln und so unseren Beitrag zur Förderung einer prophylaxeorientierten Ausbildung der Zahnmediziner in Deutschland leisten.“ Das StuDent-Skript liegt zum Download unter www.wrigley-dental.de bereit. Ebenfalls erhältlich ist es über die Agentur kommed (info@ kommed-bethcke.de) und die UN-PLAQUED Redaktion.

Wrigley Oral Healthcare Programs wurde 1989 von der Wrigley GmbH zur Förderung der zahnärztlichen Präventivmedizin in Deutschland gegründet. Ziel ist es, die Kariesprophylaxe in Forschung und Praxis, sowie die Gruppenprophylaxe zu fördern. Weltweit ist das Programm in 47 Ländern vertreten. Die zahnmedizinische Prophylaxe unterstützen besonders Wrigley’s Extra® Zahnpflegekaugummi, Wrigley’s Extra® DropsTM und Wrigley’s Extra® Professional MintsTM. Regelmäßiges Kauen von Zahnpflegekaugummi reduziert das Kariesrisiko nachweislich um bis zu 40 Prozent.

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UN-P ∕ 14 - Auf Reisen

„Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“ Aurelius Augustinus

Andere Länder - andere Sitten oder von den Möglichkeiten, Zahnmedizin im Ausland zu erleben 88


Deutschland gehört im Bereich der Zahnmedizin zu den hoch entwickelten Ländern der Welt. Der Blick über den deutschen Tellerrand ermöglicht jedoch Einblicke in das Fachgebiet, die man während des Studiums und teilweise sogar im Berufsleben in Deutschland kaum erfahren kann. Die Bandbreite der Möglichkeiten eines zahnmedizinischen Auslandaufenthaltes reicht hier von Hospitationen über Famulaturen und humanitäre Einsätze bis hin zu ganzen Auslandssemestern an fernen Universitäten. Das wohl bekannteste europäische Austauschprogramm ist Erasmus, welches Studenten seit 1987 ermöglicht, zeitweise im Ausland zu studieren und die dort erbrachten Studienleistungen über das ECTS (European Credit Transfer System) an der eigenen Uni anerkennen zu lassen. Im Gegensatz zu vielen Ländern sind Erasmus Austauschsemester an deutschen Zahnkliniken leider die absolute Ausnahme. Dabei würde diese Möglichkeit nicht nur den dentalen, sondern auch den allgemeinen Horizont der Studenten erweitern. Die Unterschiede der Curricula, die verschiedene Gewichtung von Praxis und Theorie und eine fehlende Kommunikation zwischen den Universitäten verhindert zumeist den Austausch über Erasmus. Dass es dennoch möglich ist, beweisen unter anderen Universitäten wie Dresden und Witten, an denen der internationale Austausch gefördert wird. Allerdings ist es auch hier mit einer Menge Eigeninitiative und der Akzeptanz einer Verlängerung der Studiendauer verbunden. Um die Idee des Erasmus Programms, eine Anerkennung der Auslandszeit, umzusetzen, bedarf es viel Abstimmung, Kommunikation und Kompro-

missbereitschaft der beteiligten Fakultäten, an der es von deutscher Seite häufig mangelt. Doch die Zahnmediziner sind nicht gänzlich verloren, denn es existieren alternative Programme, die zumindest den Auslandsaufenthalt im zahnmedizinischen Bereich ermöglichen. Generell ist es wichtig, derartige Reisen langfristig zu planen - das gilt auch für solche Famulaturen, über die wir in un-plaqued immer gerne berichten. Die Vorteile liegen auf der Hand: man behandelt Patienten - viele Patienten - mit Krankheitsbildern, die man von der heimischen Uni eher selten kennt. Man behandelt größtenteils selbstständig, ohne jeden kleinen Schritt testieren lassen zu müssen. Meistens sind deutsche oder einheimische Zahnärzte zur Unterstützung vor Ort, so dass man nicht unbeaufsichtigt arbeitet und die Sicherheit möglicher Hilfestellungen durch erfahrene Kollegen hat. Auch ist das Behandlungsspektrum anders verteilt, denn vor allem in Entwicklungsländern sind Extraktionen, Amalgamfüllungen und kleine Interimsprothesen die Standardbehandlung. Informationen für die Organisation solcher Famulaturen erhält man am schnellsten beim Zahnmedizinischen Austauschdienst (ZAD, www.zadonline.com), der an den meisten Universitäten mit LEO´s (Local Exchange Officer) vertreten ist. Diese Kommilitonen wissen über die besten Famulaturprojekte bescheid, helfen bei der Beantragung von Fördergeldern des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), koordinieren die eingehenden Studenten (Incomings) und machen an den ZAD-Abenden mit Vorträgen und Erfahrungsberichten aus erster Hand Appetit auf einen Auslandsaufenthalt. Da eine Anerkennung erbrachter Leistungen wie im Erasmus Programm, in der Zahnmedizin nicht 89


UN-P ∕ 14 - Auf Reisen

möglich ist, müssen die Zahnis für Famulaturen auf die Semesterferien oder die Postexamenszeit zurück greifen. Wenn man noch nicht als Zahnarzt gearbeitet hat und eine gewisse Aufenthaltszeit erfüllt, erhält man eine finanzielle Unterstützung durch den DAAD, deren Höhe vom Reiseziel abhängig ist. Besonders beliebte Famulaturziele unter Zahnmedizinern sind Ecuador, die Cook Islands oder Tonga. Prinzipiell sind alle Ziele möglich, denn in Zeiten des Internets kann man fast jede Klinik erreichen und um einen Aufenthalt als Famulant bitten. Gerade kleine Kliniken brauchen oft jede helfende Hand und materielle Unterstützung (Firmenspenden) und schätzen das „deutsche Know- How“ der Studenten sehr. Grundvoraussetzung für eine positive Famulatur Zusage sind ein abgeschlossener Kons 1- und Spritzen-Kurs, als auch der Nachweis von Fremdsprachenkenntnissen. Hat man nach einigem Briefwechsel die Zusage einer Klinik, müssen Unterbringung, Flug und Spendenmaterialien organisiert werden. Meist hilft die Klinik vor Ort mit der Unterbringung, was die Integration in die dortige Gemeinschaft erheblich erleichtert. Sachspenden deutscher Dentalfirmen werden an den meisten Kliniken dringend benötigt und sind für Studenten relativ einfach 90

zu organisieren. Oft geben Dentaldepots Proben oder Ladenhüter ab und einige bekannte Dentalfirmen spenden auf ein freundliches Schreiben gerne ein paar Materialien für derartige Projekte. Der Transport der organisierten Spenden, die oft erheblich Gewicht haben, erfordert meist etwas extra Organisation (Zoll, Fluggesellschaft). Da beliebte Projekte langfristig ausgebucht sind und auch die Kommunikation in manchen Ländern länger dauert, ist man mit einem Jahr Vorlauf für die Organisation einer Famulatur sehr gut beraten. Eine andere Möglichkeit, Zahnmedizin im Ausland zu erleben, ist das Austauschprogramm der International Association of Dental Students (IADS), über die wir ein paar Seiten weiter noch berichten werden. Der IADS macht es möglich, für einige Wochen an den Universitäten der Mitgliedsländer zu famulieren. Auch wenn man in den meisten Fällen nur zuschauen darf, ist man direkt an der Uni und hat einen intensiven Kontakt zu den dortigen Studenten. Neben neuen Freundschaften kann man auf diese Weise vor allem die Ausbildung und Behandlungsweisen anderer hoch entwickelter Länder erfahren und schließlich auch mit denen in Deutschland vergleichen. Am Ende gilt es die Zeit zu nutzen, die einem als Student zur Verfügung steht, da Urlaub und Freizeit im Berufsleben deutlich spärlicher gesät sind. Egal ob als Erasmus-Student, Famulant oder IADS- Outgoing – in jedem Fall bleibt genügend Zeit, die Länder zu erkunden und neue Menschen kennenzulernen.

- UN-P Redaktion -


UN-P ∕ 14 - Auf Reisen

All in One in Ecuador oder die feinen Unterschiede der Zahntechnik in Entwicklungsländern 92


Ecuador Placas wollen sie alle- das ist in Ecuador der umgangssprachliche Ausdruck für Prothesen, und die sind hier schon fast ein Luxusgut. In der Clinica Missional de Guadalupe bekommen sie diese zu erschwinglichen Preisen und aus deutscher Hand. Wer hier als Prothetikpatient in die Klinik kommt, tut das aus unterschiedlichen Gründen. Einige sind der Ankündigung am Klinikeingang gefolgt, welche die Anwesenheit der deutschen „Teilprothesen - Spezialisten“ bereits angekündigt hat. Denn obwohl fast immer Zahnärzte vor Ort sind, ist das Labor nicht selten verwaist.

Besonders Frontzahnprothesen werden von vielen Patienten benötigt, oftmals in einem erschreckend jungen Alter

Manche Patienten warten deswegen schon länger auf ihre Prothese und müssen sich vorerst mit dem Hinweis begnügen, wann das Dentallabor in der ecuadorianischen Missionsklinik das nächste Mal besetzt sein wird. Termine gibt es hier nicht, die Patienten kommen einfach vorbei, wenn sie es einrichten können, oder die Schmerzen unerträglich sind und warten - manchmal den ganzen Tag auf ihre Behandlung. Dazu fahren sie oft Stunden mit dem Bus über unebene, nicht asphaltierte Strassen mit der Hoffnung auf neue Zähne und ein neues Lächeln. Nicht alle Patienten haben Glück, denn schließlich ist eine Prothese nicht so schnell angefertigt, wie ein Zahn gezogen werden kann. Besonders Frontzahnprothesen werden von vielen Patienten benötigt, oftmals in einem erschreckend jungen Alter. So kommt es nicht selten vor, dass die Patienten erst dreizehn Jahre alt sind. Wenn die Seitenzähne verrotten, stört es die meisten Patienten weniger, aber auch im ecuadorianischen Hinterland bedeutet ein schönes Lächeln einen Teil der persönlichen Freiheit. In dieser Hinsicht sind scheinbar alle Menschen gleich.

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UN-P ∕ 14 - Auf Reisen

labo ratorium ile dif-fi20c 08Das Besondere unserer Gruppe ist die Doppelqualifikation als Zahntechniker und Zahnärzte, denn beides haben wir von der Pike auf gelernt. Und natürlich geht es diesmal nicht um Teleskop-

So muss in vielen Situationen improvisiert oder einfach ausprobiert werden, auf jeden Fall aber oft eine unkonventionelle Lösung gefunden werden. 94

prothesen, Keramikinlays oder Implantataufbauten, denn hier in Ecuador ist Basiszahnmedizin angesagt. Im Gegensatz zum Behandlungsraum der Missionsklinik, welcher relativ gut mit deutschen Standards mithalten kann, muss man im Labor mit teilweise primitiven Mitteln zu Recht kommen. Nach einer kleinen Eingewöhnungszeit scheint es völlig normal, das Wasser zum Wachsausbrühen auf einer Herdplatte zum Kochen zu bringen oder für benötigte Bissnahmen hin und wieder auch Schellackplatten zum Einsatz kommen zu lassen. So muss in vielen Situationen improvisiert oder einfach ausprobiert werden, auf jeden Fall aber oft eine unkonventionelle Lösung gefunden werden. Während unseres Aufenthaltes erreichte eine


Hilfslieferung die Klinik und der ersehnte Gipstrimmer, als auch die Absauganlagen für die zahntechnischen Arbeitsplätze waren mit dabei. Leider dauert die Installation der Geräte oft etwas länger, da hier immer das gleiche Improvisationstalent gefragt ist und der Klinikgründer und Pater der Gemeinde, Georg Nigsch, das meiste selbst in die Hand nehmen muss. Wir kamen auch ohne diesen „Luxus“ zurecht und formten ab, stellten auf und setzten ein, was wir zeitlich schaffen konnten. Zwischenzeitlich mussten wir immer wieder abwägen, wie viel Arbeit während unseres Aufenthaltes überhaupt noch zu schaffen ist. Prothesenzähne unterschiedlichster Fabrikate sind glücklicherweise reichlich vorhanden, aber die Auswahl gestaltete sich dennoch oft schwierig. Es ist meist nicht einfach, die passenden Farben und Größen zu finden und zusätzlich waren die Aufstellungen öfters ungewöhnlich. Nicht selten haben die Patienten noch nie eine Prothese besessen, so dass der Restzahnbestand elongiert, gekippt oder gewandert war. Oft ist die Okklusionsebene abgesunken, welches die Herstellung von stabilen Frontzahnprothesen zusätzlich erschwert. So stellte sich öfters die Frage, ob man eher die Mittellinie beachtet und einzelne Frontzähne weg lässt oder dafür an anderer Stelle Abstriche macht. Die Patienten sind glücklicherweise recht pflegeleicht und dankbar, obwohl sie deswegen auch nicht anspruchslos sind. Bei Ecuadorianern sind goldene Schmuckornamente auf eigenen oder künstlichen Frontzähnen sehr beliebt, wie sie uns auf den alten Zähnen der Patienten oft begegnen, die wir allerdings nicht reproduzieren konnten. Wir hören auch von reisenden „Zahnärzten“, die von Haus zu Haus gehen, den Menschen meist alle Zähne ziehen und dann nach zwei Wochen mit fertigen Totalprothe95


UN-P ∕ 14 - Auf Reisen

sen wieder vor der Tür stehen. Für uns ist das schwer vorstellbar, aber nach einigen gesichteten Patienten sehr glaubwürdig. Häufig sehen wir Interimsprothesen bei Patienten, die ohne jegliche Klammer zwischen den verbliebenen natürlichen Zähnen klemmen. Die Patienten scheinen auch öfters angebrachte Klammern selbst zu entfernen, weil sie diese als störend empfinden. Wir dehnen die Frontzahnprothesen deshalb weiter aus um die Klammern etwas mehr zu verstecken, in der Hoffnung, dass sich die Patienten schnell an den Fremdkörper im Mund gewöhnen.

1.

2.

1. - vorher / 2. - nachher

Häufig sehen wir Interimsprothesen bei Patienten, die ohne jegliche Klammer zwischen den verbliebenen natürlichen Zähnen klemmen

Zum Ende unseres Aufenthaltes mussten wir Patienten auch ablehnen, da wir an die Grenzen unserer Kapazität gelangt waren. Diese sind dann nicht selten enttäuscht und hin und wieder ließen wir uns dann doch noch überreden, Überstunden zu machen. Besonders in den Morgenstunden gibt es um die Klinik herum viel Publikumsverkehr, da nebenan gebrauchte Brillen verkauft werden. So wurden wir auch oft nach Prothesen gefragt, während wir im Labor saßen und bei offenem Fenster arbeiteten. In vielerlei Hinsicht unterscheidet sich der Arbeitsalltag in Ecuador von dem, was wir aus Deutschland kennen. Jeder neue Prothesenträger zum Beispiel wird von uns gebeten, sich nach zwei Wochen wieder vorzustellen, um die Arbeit zu kontrollieren. Das wir viele von ihnen dennoch nicht wieder sehen, deuten wir als gutes Zeichen. Die wirklichen Erfolgsmomente sind jedoch andere. Eines Tages betrat eine kleine Frau um die vierzig unser Behandlungszimmer, zwei ihrer zehn Kinder hatte sie mitgebracht und im Vorfeld bereits einige Stunden auf die Behandlung gewartet. Sie wirkte verschüchtert und traute sich kaum zu lächeln. Der Grund dafür wurde uns schnell klar, denn wie so vielen anderen Patienten fehl-

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Clinica

ten ihr die oberen vier Frontzähne. Eigentlich hatten wir im Labor schon jetzt zu viel zu tun, doch manchmal kann man einfach nicht nein sagen. So bezahlte sie ihre vierzehn Dollar und wurde eine Woche später wieder einbestellt. Die neue (Interims-)Prothese war natürlich ungewohnt, schließlich war es ihre erste; und anstatt sie wie in Deutschland nur eine kurze Zeit zu tragen, wird sie lange damit lächeln können. So richtig herzhaft zu lachen wird sie erst wieder lernen müssen, aber das ist sicherlich die leichteste Übung. Das Glück in ihren Augen, endlich eine Prothese tragen zu können, konnten wir sofort sehen und so hatte sich unsere Arbeit mehr als gelohnt. Erlebnisse dieser Art sind es, die eine Arbeit hier von der in Deutschland unterscheiden und ob als Zahntechniker oder Zahnarzt - in einem Entwicklungsland kann man eines mit Sicherheit lernen- wie viel Freude eine einfache Interimsprothese machen kann.

Die Missionsklinik „Nuestra senora de Guadalupe“ in Ecuador (www.guadalupe-ec.org) ist dabei nur ein Beispiel, aber sicher doch ein besonders gutes. Wir wohnten gemeinsam mit den Ärzten, Studenten und Zahnarzthelferinnen in einem Haus, erkundeten die umliegende Region und kamen trotz all der vielen Arbeit, zu einer sehr angenehmen inneren Ruhe. Für Zahntechniker ist ein derartiger Auslandsaufenthalt sehr empfehlenswert, auch wenn man hier eher die Hohlkehlzange anstelle des Keramikpinsels frequentiert. Und selbst als Student kann man die Laborarbeit hier zu schätzen lernen, weil man ohne Zeitstress arbeiten kann und dabei die Sonne durchs offene Fenster strahlt.

Text ⁄Juliane Gnoth

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UN-P ∕ 14 - Auf Reisen

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Von der GroĂ&#x;stadt in den Regenwald oder Kontraste auf dem Weg durch Ecuador

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UN-P ∕ 14 - Auf Reisen

Nachdem unsere Entscheidung auf Ecuador als Famulaturland gefallen war, hatten wir nach ausgedehnten Mails mit der Organisation Healthcarevolunteer das große Glück, zwei Kontakte zu erhalten, die es uns möglich machen sollten, an zwei verschiedenen Orten innerhalb des Landes zu famulieren: der Hauptstadt Quito und dem Regenwaldgebiet Misahualli. Der Kontrast Großstadt vs. Regenwald war perfekt!

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Die Großstadt Quito Wir flogen von Frankfurt über Miami nach Quito, der Hauptstadt von Ecuador, die auf 2800 m hoch in den Anden liegt. Am Flughafen wurden wir von der Klinikdirektorin Dra. Esmeralda Garcia und deren Tochter Maria herzlich in Empfang genommen und zu einem guten und günstigen Hotel für die ersten Nächte gebracht. Am folgenden Tag ging es für uns bereits um 7 Uhr morgens los: Esmeralda holte uns im Hotel ab und führte uns zur „Fundacion Maria José“, einer Hilfsorganisation für Mädchen, die in jungem Alter schwanger geworden waren. Ein Projekt, das für Allgemeinmediziner, Sozialpädagogen und Lehrer besonders interessant wäre, uns als Zahnmediziner allerdings etwas deplatziert wirken ließ. Anschließend ging es weiter in die Klinik, wo uns ein Frühstück erwartete. Neben medizinischen Einrichtungen besitzt die Klinik eine zahnärztliche Einheit, die von Dr. Roberto Osario betreut wird. Dieser hielt sich meist im Hintergrund, war aber bei Problemen immer sehr hilfreich und beantwortete alle Fragen, so dass ein selbstständiges Arbeiten in einer sehr angenehmen Arbeitsatmosphäre möglich war. Unsere tägliche Arbeit in der Klinik bestand hauptsächlich aus Füllungstherapie und Prophylaxemaßnahmen, wobei einer der Höhepunkte eine komplette Compositemodellation von 11 war, die allerdings auf einen Stiftaufbau beruhte, der aus einer abgetrennten Endonadel bestand. Extraktionen standen hier in Quito nur selten an der Tagesordnung. Trotz etwas widriger Arbeitsbedingungen durch eine unzuverlässige Absauganlage oder das Fehlen einer Polymerisationslampe (wir hatten ersatzweise eine LED-Lampe mitgebracht), hat uns die Arbeit in der Stadt, nicht zu letzt aufgrund der netten Mitarbeiter, riesigen


Ecuador Spaß gemacht. Außerdem konnten wir nach den anfänglichen Nächten im Hotel in die Klinik umziehen, wo uns täglich ein kleines Frühstück und ein Mittagessen erwartete. Auch nach Feierabend wurden wir überaus herzlich betreut: Roberto hatte eine Stadtführung und Kneipentour mit uns unternommen und Esmeralda organisierte eine Fahrt nach Midad del Mundo, eine Stadt, die direkt am Äquator liegt. Ihr Enkel Fausto nahm sich Zeit, um mit uns auf den nahen Indianermarkt nach Otavalo zu fahren, so dass wir mehr Eindrücke vom eigentlichen Land gewinnen konnten. Da die Klinik mit einem Plakat auf unsere kostenlose Tätigkeit aufmerksam gemacht hatte,

konnten wir nie über Patientenmangel klagen, im Gegenteil! Weil die Klinik im sozial schwächeren Südteil von Quito gelegen ist, konnten wir täglich etwa 10 Patienten behandeln, deren Gebisszustand im Allgemeinen relativ gut war. Natürlich gab es auch Patienten mit katastrophalen oralen Situationen, welche wir aber als willkommene Abwechslung und Herausforderung betrachteten. Der Dschungel - Misahualli Nach einer sechsstündigen Busfahrt von Quito konnten wir erstmal unsere warmen Kleidungsstücke beiseite legen, denn ab jetzt herrschten Temperaturen für T-Shirt und Shorts. Wir bezogen sogleich unser durch die Zahnärztin reserviertes 101


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Hotel (bei Pepe, sehr empfehlenswert, 10 USD incl. Frühstück, Mittag- und Abendessen) und verschafften uns einen ersten, sehr angenehmen Eindruck von dem 800-Seelen-Dorf mit einigen Bars, Restaurants und Cafés, sowie einem Strand, an dem 2 Flüsse ineinander münden. Dieser Eindruck setzte sich fort, als wir im Subcentro de Salud von Dra. Monica Vergas, einer äußerst sympathischen Zahnärztin, in Empfang genommen wurden. Interessant und ungewöhnlich war für uns, dass Monica normalerweise ohne Assistenz arbeitet. Überraschenderweise stand uns hier mitten im Regenwald eine neue, gut funktionierende KAVO-Einheit und eine Polymerisationslampe zur Verfügung, was das Arbeiten sehr erleichterte und angenehm gestaltete. Die Arbeit gestaltete sich hier allerdings anders als in Quito, da das Durchschnittsgebiss deutlich schlechter war und Lückengebisse auf der Tagesordnung standen. In den Vordergrund unserer Arbeit rückten nun Extraktionen, gefolgt von wenigen Füllungen. Darüber hinaus organisierte Monica an 2 Tagen die Behandlung mit einer mobilen Einheit an dem örtlichen Collegio und der Grundschule, wo wir auf 2 zahnärztlichen Stühlen (einer für Füllungen, der andere für Extraktionen) getrennt behandelten und somit mehr arbeiten konnten. Eine Erfahrung fürs Leben war es, als wir in den Schulen die von deutschen Dentalfirmen (Nenedent und M+C Schiffer) gespendeten 35 kg Zahnpasta und Zahnbürsten austeilten und auf die strahlenden Gesichter der Kinder blicken durften. Während der Behandlung war es allerdings sehr ernüchternd, den zum Teil desolaten Hygiene- und Kariesstatus der Kids zu inspizieren, so dass wir oft - aufgrund des Fehlens eines Röntgengeräts für Endos – den schmerzenden Zahn entfernen mussten. Misahualli war, was den zahnmedizinischen Anspruch angeht, definitiv die größere Herausforderung. Die zahlreichen Extraktionen waren 102

Wir können Ecuador als Famulaturziel absolut weiterempfehlen und würden diese Reise jederzeit wieder machen sehr lehrreich und wir kamen sogar in den „Genuss“, eine Hemisektion durchführen zu dürfen. Die Freizeit kann man sich in Misahualli sehr angenehm gestalten: Relaxen am Strand nach Feierabend, ein Ausflug nach Tena, zum nah gelegenen Wasserfall oder man lässt sich einfach mit alten Autoreifen den Fluss hinab treiben, während man dabei von der Dorfjugend begleitet wird, die daran größtes Vergnügen hatte. Land und Leute Ecuador bietet seitens der Natur so ziemlich alles, was das Herz begehrt: Berge bis 4000m Höhe, Vulkane, Tiefland, Regenwald, Küste und die Galapagos-Inseln. Das alles befindet sich auf einer Fläche so groß wie das ehemalige West-Deutschland. Das offizielle Zahlungsmittel ist der US-Dollar, was sich Dank des aktuellen Umtauschkurses für uns als sehr günstig erwies. Geld erhält man in jeder größeren Stadt, im Falle von Misahualli mussten wir nach Tena fahren. TIPP: Mit der VISA-Karte von der DKB kann man weltweit gebührenfrei Geld abheben! Die Menschen sind äußerst aufgeschlossen und freundlich, und von sich aus stets für ein Gespräch zu haben. Allein in Quito sollte man, vor allem im Südteil, wo sich die Klinik befindet,


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vorsichtig sein und die Augen vor Taschendieben offen halten. Wir können Ecuador als Famulaturziel absolut weiterempfehlen und würden diese Reise jederzeit wieder machen. Wir hatten die Möglichkeit, uns die Zeit in Quito und Misahualli nach unseren Wünschen aufzusplitten, was uns Freiheit und Abwechslung in der Reiseplanung garantierte. In einem Land an zwei verschiedenen Orten behandeln zu können, war für uns äußerst eindrucksvoll und erfahrungsreich. Bei der Gelegenheit möchten wir betonen, dass in beiden Kliniken, sowohl Zahnärzte als auch die Mitarbeiter täglich eine Herzlichkeit und Wärme an den Tag gelegt haben, von der wir in Deutschland in der Regel nur träumen können. Das hat zu einem ganz großen Teil zu den positiven Erfahrungen und unserer erfolgereichen Famulatur am Äquator beigetragen. Vielen Dank.

Bei Fragen oder mehr Infos wendet Euch einfach an uns: Daniel Zech (Uni Regensburg) danielz@ gmx.net und Andi Michels (Uni Regensburg) andi.michels@web.de Kontaktadressen: www.healthcarevolunteer.com neil.patel@healthcarevolunteer.com (Englisch) Dra. Monica Vergas, Misahualli: monicavd9@hotmail.com (Spanisch) Dra. Esmeralda Garcia, Quito: esmegarcia22@hotmail.com (Spanisch, Englisch) „Fundacion Maria José“: ceciliadebuitron@hotmail.com (Spanisch, Englisch)

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Unser Dank gilt ebenfalls folgenden, uns materiell unterstützenden Firmen. Nebenbei erwähnt: Es war traurig, dass der Riese GABA sich nicht mal ansatzweise interessiert zeigte, uns bzw. unsere Arbeit in Ecuador durch Sachspenden zu unterstützen. Henry Schein Dental Depot (Uniklinik Regensburg), Sigma Dental Systems, Harvard Dental, Dr. Rudolf Liebe, Bausch Dental, Dental Kosmetik , Dentinox, M+C Schiffer GmbH sten), EM Euro Medical, Transcoject, Henke Sass Wolf, Sanofia Aventis, Lege Artis, VOCO, Komet, Hahnenkratt, Polyrapid, Kentler Kaschner Dental, Martin, coltène Whaledent. Gerne können wir euch eine Liste schicken, wenn Ihr für Eure Famulatur Kontakte zu den Firmen benötigt. Text/Andi Michels + Daniel Zech


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Faszination IADS O D E R A L S S T U D E N T D I E W E LT E N T D E C K E N

Zweimal jährlich kommen sie zusammen, die Delegierten der Mitgliedsländer, die Interessierten, IADS- Touristen und Ehemalige. Für viele dehnt sich die Zeit sehr stark, zwischen dem sogenannten Mid Year - Meeting im Winter und dem Hauptkongress im Sommer. Doch auch wenn man sich in der Zwischenzeit kaum trifft, wird es selten ruhig um die International Association of Dental Students (IADS). Die internationale Vertretung der Zahnmedizinstudenten hat sich der Aufgabe verschrieben, die Studenten der verschiedensten Länder miteinan106

der zu verbinden und ihnen die Möglichkeit zu geben, andere Länder, deren Zahnmedizin und Menschen kennen zu lernen. Gegründet wurde die IADS Organisation, die seit vielen Jahren eine Tochterorganisation der World Dental Federation (FDI) ist, in den 50er Jahren. Sie blickt mittlerweile auf eine lange Geschichte zurück und hat viele Ehrenmitglieder, die schon lange etablierte Zahnärzte, Professoren und Forscher sind und dennoch im regelmäßigen Kontakt mit dem IADS stehen und zu den Treffen erscheinen. Auch sind andere Organisationen wie


die Young Dentists Worldwide (YDW) aus der IADS Familie heraus gegründet worden, um den Kontakt auch nach dem Examen fort zu führen. Seit seiner Gründung eint der IADS die Zahnmedizinstudenten der Welt und gibt ihnen die Möglichkeit zum internationalen Austausch. Da die Vorstandsmitglieder jährlich neu gewählt werden und auf der ganzen Welt verstreut leben, hat der IADS seine Hauptzentrale beim FDI in Ferney- Voltaire bei Genf. Dort treffen sich jährlich die Vertreter beider Organisationen zum Gedankenaustausch, meist anlässlich der Sitzung des Ausbildungskomitees des FDI, in dem Mitglieder des IADS sitzen. Und natürlich wird man auch zu den jährlichen Kongressen des FDI, der in diesem Jahr in Stockholm stattfindet und zu dem sich um die 40.000 Zahnärzte aus aller Welt einfinden, die Vertreter des IADS antreffen. Die Young Dentists Worldwide sind, über viele Jahre gemeinsamer Aktivitäten, ein wichtiger Kooperationspartner des IADS geworden, da hier viele ehemalige IADS- Mitglieder erneut zusammen finden. So gibt der YDW den jungen Kollegen und Studenten die Möglichkeit, in den

Praxen oder Kliniken seiner Mitglieder auf der ganzen Welt zu hospitieren. Ebenso ist es zur Tradition geworden, die IADSund YDW- Kongresse gemeinsam zu veranstalten, so dass alle Beteiligten voneinander profitieren können und ein echter Austausch der verschiedenen Generationen von Zahnmedizinern stattfindet. So können zum Beispiel die aktuellen IADS– Vorstandsmitglieder, aber auch alle anderen Teilnehmer auf die Erfahrung der „alten Hasen“ zurück greifen und sich Rat bei denen holen, die teilweise schon seit Jahrzehnten dabei sind. Das ist besonders wichtig, um eine Organisation mit Regeln und Struktur auf Dauer auf einem solch hohen Niveau zu halten. Vielleicht ist das noch nicht bekannt, aber als deutscher Zahnmedizinstudent ist man übrigens auch Mitglied im IADS und kann von den entsprechenden Vorteilen Gebrauch machen. Prinzipiell gibt es Universitäts- und Ländermitgliedschaften im IADS, sowie eine korrespondierende Mitgliedschaft. Bei der letzteren ist die teilnehmende Organisation dem IADS zwar zugehörig, aber nicht mit allen Rechten einer vollen Mitgliedschaft ausgestattet. Organisatorische Dinge werden von einer Verfassung geregelt, die sich aus langjährigen Erfahrungen entwickelt hat. Der Vorstand des IADS ist natürlich stets bemüht, neue Mitglieder zu gewinnen, stößt dabei aber nicht selten auf Probleme. Trotz der hervorragenden Möglichkeiten einer modernen Kommunikation durch Internet und Usergroups, ist es oft nicht einfach, mit den Vertretern anderer Landesverbände oder Universitäten in Kontakt zu kommen. So gibt es nicht in allen Ländern eigenständige Organisationen der Zahnmedizinstudenten und die Finanzierung von Mitgliedsbeiträgen und 107


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Fahrtkosten zu den Kongressen übersteigen nicht selten die Möglichkeiten ambitionierter Studenten und Universitäten. Für Deutschland ist der Zahnmedizinische Austauschdienst (ZAD, www.zad-online.com) als Landesmitglied im IADS eingetragen und da alle Zahnmedizinstudenten Deutschlands automatisch Mitglieder im ZAD e.V. sind, gehört auch jeder deutsche Zahni zum IADS. Auf diesem Weg ist es also gut möglich, einen Austausch oder eine Famulatur über die International Association of Dental Students durchzuführen. Man kann prinzipiell in jedes der Mitgliedsländer gehen um dort an der Universität zu

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famulieren oder in Klinken zu hospitieren, das selbstständige Arbeiten ist allerdings nur in einigen Fällen möglich. Gerade bei solch einem Austausch ist die Organisationsstruktur des IADS sehr nützlich. So gibt es im Vorstand einen International Exchange Officer, welcher die Arbeit der National Exchange Officer der einzelnen Mitgliedsländer koordiniert, die ihrerseits wiederum die Arbeit der regional verantwortlichen Local Exchange Officer leiten, die Ihr vielleicht von Eurer eigenen Universität bereits kennt. Dieser LEO ist für die Belange der Austauschstudenten in beiden Richtungen, die sogenannten Incomings und Outgoings, zuständig. Sie kümmern sich im besten Fall persönlich um die Studenten, deren Unterbringung, Stundenplan und eine gewisse Freizeitgestaltung. Sicherlich kennen viele von Euch Länder wie Ungarn, Polen oder die Türkei, aber wie wäre es denn mit einer entspannten Famulatur im sonnigen Malta, der russischen Metropole Moskau oder in Palästina? Möglichkeiten gibt es unzählige, denn immerhin umfasst die IADS Gemeinschaft bereits 24 Länder und auch wenn man nicht immer selbst behandeln darf, ist es doch eine Bereicherung, andere Arbeitsweisen und Kulturen kennenzulernen. Ein besonderes Highlight sind die jährlichen IADS-Kongresse, die regelmäßig die vorher gestellten Erwartungen um ein Vielfaches übertreffen. Im Gegensatz zu den Mid Year Meetings versammeln sich im Sommer zum Hauptkongress nicht nur eine Hand voll offizieller Abgesandter, sondern an die zweihundert Studenten und junge Zahnärzte. Dort wird gemeinsam an der Zukunft des IADS gearbeitet, Partys gefeiert und die perfekte Möglichkeit geboten, praktisch alle Mitgliedsländer und ihre Teilnehmer auf einmal kennen zu lernen.

Besondere Eindrücke erhält man natürlich auch immer wieder von den Gastländern, die den IADS Kongress ausrichten, da man diese nicht nur gemeinsam mit den Einheimischen, sondern eben auch mit Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen der IADS Familie kennen lernt. Das eröffnet nicht nur neue Perspektiven und touristenferne Einblicke in andere Länder, sondern lässt meist langjährige Freundschaften entstehen. Der letzte IADS- Kongress fand 2007 in Ungarn, genauer gesagt am Balaton statt und war ein tolles Erlebnis. Es waren mehr als einhundert Teilnehmer aus den Mitgliedsländern dabei, aber auch Interessierte aus Korea, Japan und anderen Ländern dabei, die sich hoffentlich in Zukunft ebenfalls der IADS Familie anschließen werden. Auf dem im Winter 2008 im polnischen Lublin abgehaltenen Mid Year Meeting konnten Rumänien und eine Universität aus Indonesien als korrespondierendes Mitglied im IADS begrüßt werden. Der nun kommende Hauptkongress in Ägypten wird vom 11. – 17. August 2008 im wunderschönen Sharm- El- Sheik am Roten Meer stattfinden und verspricht ein herausragender Kongress zu werden. Wie bei den meisten Kongressen wird es für besonders Wissbegierige auch in Ägypten einen Pre- und Postkongress geben, bei dem man die Eindrücke unabhängig vom eigentlichen Kongressgeschehen nochmals intensivieren kann. Jeder Zahnmedizinstudent und junge Zahnarzt ist bei diesen Kongressen ein willkommener Gast und da man wie gesagt als deutscher bereits Mitglied im IADS ist, kann man außerdem auf die günstigste Preiskategorie zurück greifen. Zum Abschluss und vielleicht auch Einstieg in die IADS Welt hier einige Argumente der Organisatoren für den diesjährigen Kongress in Ägypten:

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Dear Students, for more than 50 years, August has been a very special month for dentists and dental students from all over the globe. It is the time of year when we all take a vacation and travel to new places where we reunite with old friends and make new ones from different cultures and countries. It is time for the International Association of Dental Students’ (IADS) annual meeting.

International Association of Dental Students & Young Dentists Worldwide

This year it will be held where the simplicity of the sun, sea and sand along with the luxury of hotels, water sports, shopping and entertainment gather in one place, Sharm El Sheikh Egypt, one of the most accessible and developed tourist resorts in the Middle East, where we expect around 300 dentists and dental students from all over the world. Alongside the general assembly meetings of the association, we have planned a week with as much diverse activities as possible. For entertainment, we have a Bedouin party, traditional folkloric dancing, desert safari with beach buggies (4x4 quad-runners), snorkeling and diving the amazing protectorate of Ras Mohamed, parasailing as well as parties at world-famous clubs like PACHA and HARD ROCK CAFÉ .

YOUNG

DENTISTS WORLDWIDE

International Association of Dental Students www.iads-web.org 55th IADS annual meeting –Egypt ‚08 www.dssa-egypt.org/iads2008 Zeyad Salem, COCO zeyadmounir@yahoo.com

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For the scientific program we tried to make it as interesting and beneficial as possible with professors, young dentists a from all over the world giving lectures and workshops in order to exchange dental experiences on a world wide level. Also there will be a lecture contest between dental students representing their countries. Nothing is too little to learn or too big to attempt! - is one of the ideas of the IADS Organisation, which welcomes everyone to our annual meeting in Sharm El Sheikh, Egypt 2008!


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UN-P ∕ 14 - Plaque & Play

Deutschlands Zahnmediziner kicken für die Kinderhilfe Organtransplantation

1.FC Dent *08ch Astra Te Cup

Bereits zum vierten Mal in Folge fand am 21. Juni 2008 in Niedernhausen/Taunus der „Astra Tech Deutschland Cup“ statt - ein Fußballturnier, bei dem fußballbegeisterte Zahnmediziner für einen guten Zweck kicken. Unter der Schirmherrschaft von Olympiasieger Hartwig Gauder ging der diesjährige Erlös in Höhe von 5.000 Euro an die Kinderhilfe Organtransplantation.

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Die Firma Astra Tech hatte wiederholt zu diesem Turnier geladen und Zahnärzte und Studenten der Zahnmedizin waren aus ganz Deutschland angereist. 17 Herrenteams waren zum Auftakt gemeldet, bei deren Namensgebung der Fantasie keine Grenzen gesetzt waren: die „Okklusionsneurotiker“, der „FC Pfälzer Blutgrätsche“, die „Blombelescher“ und die „Kassenpatienten“ kämpften mit dem „1. FC Dent 08“ und „Hinter Mailand“ um den Cup-Sieg. Gespielt wurde in vier Gruppen, von denen jeweils die zwei Bestplatzierten ins Vier-


telfinale einzogen. Dort nahte dann die Stunde für „Hinter Mailand“, die sich aber dem „1. FC Dent 08“ geschlagen geben mussten. Die anderen Halbfinalteilnehmer waren „Dynamo Tresen 05“, die „Hülsenhengste“ und das „Gomphosis Team“. Das Team des Veranstalters, die „Astra Techer“, schied leider glücklos als Gruppenvierter nach der Vorrunde aus. Rund 400 Zuschauer waren gekommen und erlebten neben kurzweiligem und fairem Fußball (niemand spielte nach dem Prinzip „Zahn um Zahn“) auch ein buntes Rahmenprogramm zum Thema „Fußball“. Getränke und leckere Speisen machten das Vergnügen komplett. Der Erlös aus den Eintrittsgeldern wurde von Astra Tech aufgestockt, so dass am Ende 5.000 Euro für einen guten Zweck zusammenkamen. Der Geschäftsführer der Astra Tech GmbH, Dr. Jörg Nosek, übergab den Scheck an Horst P. Borghs, den Generalsekretär der Kinderhilfe Organtransplantation. Die Kinderhilfe Organtransplantation (KiO) ist eine Initiative des „Vereins Sportler für Organspende e.V.“, in dem sich zahlreiche prominente deutsche Sportler engagieren. Die KiO hilft Kindern und Familien, die vor und nach einer Transplantation fachliche Betreuung und materielle Hilfe brauchen. Das Fußballspielen für einen guten Zweck hat bei Astra Tech Tradition. Auch in den vergangenen Jahren wurde beim Deutschland Cup für karitative Zwecke gesammelt. Daher hatte Hartwig Gauder, der Olympiasieger von 1980 im Gehen, gerne die Schirmherrschaft übernommen. Beim ersten Astra Tech Deutschland Cup war Jürgen Klopp, bekannt als Trainer und Fachmann im ZDF-Fernsehstudio, als prominenter Gast dabei. Kurz nach halb sechs war es dann soweit, die Spannung näherte sich dem Höhepunkt. Der „1. FC Dent 08“ traf im Finale auf das „Gomphosis

Team“. Dem „Gomphosis Team“ gelang es, sich in die gegnerische Verteidigung zu bohren, am Ende ging das Team mit 1:0 als verdienter Sieger vom Platz. Ein kleines, aber feines Mini-Turnier spielten die Zahnärztinnen und Zahnmedizin-Studentinnen. Zwei Mannschaften waren angetreten, der Siegerkelch ging an die Damen des “TUS Niederjosbach“, die den Vorjahreszweiten, die „OsseoSpeedies“, wiederum auf den zweiten Platz verwiesen.

Die sportliche Bilanz des Turniers: In knapp fünf Stunden fielen 82 Tore, das hieß im Schnitt alle 3,6 Minuten ein Tor. Was will das Fußballherz mehr? Damit lässt sich dann auch die Durststrecke bis zum Sommer 2009 überstehen, denn dann heißt es wieder „Gut Schuss“ beim 5. Astra Tech Deutschland Cup, der erneut in Niedernhausen stattfindet.

Presseanfragen und Anmeldung: Astra Tech GmbH Frau Katja Geis Produktmanagerin Dental – PR/Kommunikation An der kleinen Seite 8 65604 Elz Telefon: 06431 – 98 69 214 Fax: 06431- 98 69 321 Email: Katja.Geis@astratech.com 113


UN-P ∕ 14 - Die Farben der Zähne

Die Farben der Zähne oder von der Qual der (Farb)wahl Wer kennt diese Situation aus dem Unialltag nicht? Die Kurszeit ist schon so gut wie abgelaufen, die Helferin verkündet lautstark, dass der Laborbote bereits auf die letzten Arbeiten wartet, der Student packt die hart erkämpften Abformungen einer hoffentlich geglückten Präparation in die Labortüte, als der Kursassistent fragt: „Und sonst habt Ihr an alles gedacht? Gesichtsbogen, Bissregistrierung, Zahnfarbe?“ Man hört es im eigenen Kopf kräftig rattern und plötzlich kommt die Erkenntnis, dass die Zahnfarbe noch nicht bestimmt wurde. Jetzt heißt es: Konzentration zurückgewinnen und schnell noch die richtige Farbe aussuchen. 114


Was so einfach klingt, stellt sich oft als anspruchsvollerer Arbeitsgang heraus, als man im Vorfeld gedacht hatte. Ist nicht zuletzt die passende Zahnfarbe für den Erfolg der prothetischen Arbeit und die Zufriedenheit des Patienten ein ausschlaggebender Faktor, denn sie ist eine der wenigen, durch den Patienten selbst beurteilbaren Eigenschaften einer zahnmedizinischen Rekonstruktion. Bei der Vielzahl von Arbeitsschritten in der oralen Rehabilitation scheint die Farbbestimmung allerdings oft nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Dabei gilt es viele Einzelfaktoren zu bedenken, um eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Zahnfarbe zu finden. Angefangen beim richtigen Licht, der Auswahl der Farbskala bis hin zum richtigen Zeitpunkt der Farbnahme. Wer hat schon kurz vor Ende des Semesters Zeit, die Keramik noch einmal umbrennen zu lassen oder neue Zähne aufzustellen? Ein unzufriedener Patient, der seinen Gefühlen bei der Oberarzt Vorstellung Luft macht, ist sicherlich ebenso wenig erwünscht. Glück hat derjenige, der rechtzeitig und oft die Farbauswahl geübt hat und weiß, was es zu bedenken gilt. Bereits die Umgebung sollte einige Bedingungen erfüllen, um der richtige Ort für eine Farbnahme zu sein. So sollte in diesem Raum unbedingt Tageslicht herrschen oder eine Tageslichtlampe vorhanden sein, die eine uneingeschränkte und realistische Beleuchtung des Mundes ermöglichen. Der Punktstrahler sollte auf keinen Fall in die Nähe des Kopfes gerichtet sein, wenn die Zahnfarbe bestimmt wird. Das Behandlungszimmer, als auch die Praxisbekleidung sollten im Idealfall neutral gehalten sein und keine grell reflektierenden Farben enthalten. Können derartige neutrale Lichtverhältnisse nicht gewährleistet werden, ist es am besten, mit dem Patienten ans Fenster oder ins Freie zu gehen. Auch sollte der Patient keinen auffälligen

Das L*a*b -System beruht auf der konsequenten Übernahme der modernen Farbenlehre. Ein Einblick in die Entwicklung eines Farbenraums, in welchem die Farbunterschiede numerisch bestimmt werden, erleichtert das Verständnis für den Farbenraum, in welchem sich alle in der Natur vorkommenden Zahnfarben finden. Im Falle des VITA SYSTEM 3DMASTER® wird dieser Zahnfarbenraum in fünf Helligkeitsgruppen aufgeteilt. Bei der Farbbestimmung wird vorerst die zutreffende Helligkeitsgruppe bestimmt, innerhalb der anschließend die übrigen Farbcharakteristika zugeordnet werden.

jede Farbwahrnehmung ist subjektiv und individuell

Farbwegweiser: An einem nach oben heller werdenden Pfosten weisen vier farbiger werdende Pfeile in den Farben Blau, Rot, Gelb und Grün in die vier Himmelsrichtungen. Die Banane liegt zwischen Rot und Gelb im hellen Bereich des senkrechten Stabs und symbolisiert den Farbraum, der alle natürlich vorkommenden Zahnfarben einschließt.

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UN-P ∕ 14 - Die Farben der Zähne

Farbraum alt: In den herkömmlichen Farbringen sind die einzelnen Farbmuster meist ungleichmäßig im Zahnfarbenraum verteilt. Folge sind Ballungen mit geringen Farbdistanzen und Zonen ohne brauchbare Muster. Einzelne Muster liegen sogar außerhalb des Farbenraums natürlich vorkommender Zähne.

Im Idealfall bestimmt man die Farbe also an gereinigten Zähnen vor Beginn der eigentlichen Behandlung Lippenstift tragen, um das natürliche Kontrastverhältnis zwischen Lippen und Zähnen nicht zu beeinflussen. Der richtige Zeitpunkt beeinflusst die Farbbestimmung in gleichem Maße, weil Zähne grundsätzlich ihre Farbe ändern und heller werden, wenn sie im Zuge der Behandlung oder unter Kofferdam austrocknen. Im Idealfall bestimmt man die Farbe also an gereinigten Zähnen vor Beginn der eigentlichen Behandlung. 116

Farbraum neu: Das Hexagon um den Mittelwert M2: Im Vergleich zum Mittelwert M2 sind die drei oben liegenden Muster blasser als die drei unten liegenden. Die rechts vom farbneutralen Mittelwert M2 liegenden Muster gehen ins Rötliche, die links vom farbneutralen Mittelwert M2 liegenden Muster gehen ins Gelbliche.

Nicht zu letzt hat auch der Farbbestimmende selbst einen Einfluss auf das Ergebnis, denn jede Farbwahrnehmung ist subjektiv und individuell. Das Auge ermüdet schnell und kann die Wahrnehmung zusätzlich verfälschen. Aus diesem Grund ist die Farbnahme eine Teamaufgabe, denn schließlich geht es um die Zufriedenheit des Patienten. Begünstigend ist hier die Zusammenarbeit beider Geschlechter, da Männer prozentual häufiger zu Falschwahrnehmungen von Farben neigen. Im Falle grenzwertiger Situationen, oder der Möglichkeit einer Neugestaltung der Zahnfarbe aufgrund des Umfangs der prothetischen Arbeit, sollte auch die Meinung des Patienten zu Rate gezogen werden. In jedem Fall sollte er das Ergebnis der Farbbestimmung gezeigt bekommen und diesem zustimmen, wenn nicht sogar in der Akte per Unterschrift bestätigen. Es ist darüber hinaus für den Patienten ein sehr gutes Gefühl, an einem Teil seiner Behandlung beteiligt zu sein, wenn er in die Entscheidung miteinbezogen wird.


Feststellung

Wahl

1. Bestimmung der Helligkeit (Value): Der Referenzzahn ist weder heller noch dunkler als das zentrale Muster (3M2) in der Helligkeitsgruppe 3

Helligkeitsgruppe 3

2. Bestimmung der Intensität (Chroma): Der Referenzzahn ist etwas blasser als das zentrale Muster (3M2) in der Helligkeitsgruppe 3

Intensität 1 oder 1,5

3. Bestimmung des Farbtons (Hue) Der Referenzzahn ist etwas rötlicher als das zentrale Muster (3M2) in der Helligkeitsgruppe 3

Farbton R

Farbbestimmung: Das Hexagon um den Mittelwert M2: Im Vergleich zum Mittelwert M2 sind die drei oben liegenden Muster blasser als die drei unten liegenden. Die rechts vom farbneutralen Mittelwert M2 liegenden Muster gehen ins Rötliche, die links vom farbneutralen Mittelwert M2 liegenden Muster gehen ins Gelbliche.

Wenn man dennoch Probleme mit der Farbauswahl haben sollte, oder die individuellen Merkmale der Zähne so zahlreich sind, dass die Farbbestimmung schwieriger wird, kann die Farbnahme auch im Labor selbst durchgeführt werden, da die Zahntechniker nicht nur etwas geübter im Umgang mit den Zahnfarben sind, sondern die Arbeit schlussendlich auch anfertigen müssen. Gerade bei Situationen mit einem individuellen Restzahnbestand liegt der Teufel im Detail und die auf den ersten Blick einfach erscheinenden Arbeiten sind nicht selten die komplizierten – wie zum Beispiel einzelne Frontzahnkronen bei Jugendlichen nach Frakturen. So kommen zu den genannten Faktoren zum Beispiel auch die Ausprägung und Farbe der Schneidekante, in der bläuliche Anteile häufig sind. Auch können Verfärbungen und Risse im Zahnschmelz an den Nachbarzähnen in die neue

Keramikkrone eingearbeitet werden, müssen allerdings vom Behandler oder Zahntechniker auch dementsprechend dokumentiert werden. Die Gestaltung und Ausprägung der Mamellons an den natürlichen Zähnen, die unterschiedlichen Verfärbungen der Fissuren im Seitenzahngebiet oder auch der unterschiedliche Farbverlauf von der Schneidekante zum Cervix eines Zahnes sind individuelle Eigenheiten, die auf speziellen Farbwahlbögen explizit eingetragen werden können. Auf diesem Level der ästhetischen Rehabilitation sollten schließlich auch Eigenschaften wie Opazität, Transparenz und Transluzenz berücksichtigt werden, welche die richtige Farbwahl zu einem komplexen Schritt in der eigentlichen Behandlung werden lassen. Will man die Farbbestimmung selbst und in der Praxis durchführen, wird man sich neben den richtigen Rahmenbedingungen als erstes für ein Farbsystem entscheiden müssen, anhand dessen der Vergleich zwischen natürlichen Zähnen und Zahnersatz stattfinden soll. Glücklicherweise hat 117


UN-P ∕ 14 - Die Farben der Zähne

man meist nicht die komplette Palette aller Farbbestimmungssysteme zur Auswahl, denn fast jeder Hersteller von Keramikmassen oder Kompositsystemen hat einen dazu passenden Farbring entwickelt. Im Verlaufe der Jahre hat sich ungeachtet dessen ein gewisser Standard durchgesetzt, über den wir im folgenden berichten.

VITA SYSTEM 3D-MASTER®: Der Farbschlüssel ist in fünf Helligkeitsgruppen aufgeteilt. In jeder Helligkeitsgruppe steht ein zentraler Zahn M2 mit sechs rundum liegenden Zähnen für die Bestimmung der Intensitäts- und Farbabweichungen zur Verfügung.

Das 3D- MasterSystem wurde auf Grund physikalischer Erkenntnisse entwickelt, die besagten, dass 80% der Farbwahl durch den richtigen Helligkeitswert bestimmt werden

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Ein Farbsystem, welches jedem Zahnarzt und Zahntechniker ein Begriff sein sollte, ist die Vitapan Classical Farbscala, welche 1956 von der Firma VITA entwickelt wurde und seit dem zum Standard geworden ist. Das System unterscheidet in A-, B-, C-, und D- Farben, wobei A1 bis A4 für eine rötlich- bräunliche Grundtönung, B1 bis B4 für rötlich- gelbliche, C1 bis C4 für gräuliche Zähne sowie D2 bis D4 für rötliche- graue Farbtöne stehen. Die jeweiligen Zahlenwerte innerhalb des A-D Farbsystems entsprechen dem Helligkeitswert des Zahnes. Vor allem auf dem Gebiet der Komposite hat sich diese Farbskala weitestgehend durchgesetzt, aber auch vier von fünf gefertigten prothetischen Arbeiten werden heutzutage mit VITA - Farben hergestellt. Große Bedeutung hat über das Farbringsystem hinaus die Vergleichbarkeit mit den verschiedenen Materialfarben, vor allem wenn es zu einer Verbindung unterschiedlicher Komponenten kommt, wie beispielsweise in der Kombitechnik. In diesem Fall müssen Kunststoff- und Keramikverblendmaterial sowie Kunststoff- oder Keramikzähne möglichst harmonisch miteinander kommunizieren. Gerade aus diesem Grund ist ein standardisiertes Farbsystem wünschenswert, welches gleichzeitig möglichst alle individuellen Zahnfarben darstellen kann. So paradox dieser Wunsch klingen mag, hat die Firma VITA vor 10 Jahren ein neues und gleichzeitig bahnbrechendes Farbwahlsystem auf den Markt gebracht.


Das 3D- Master- System wurde auf Grund physikalischer Erkenntnisse entwickelt, die besagten, dass 80% der Farbwahl durch den richtigen Helligkeitswert bestimmt werden. Darüber hinaus war man sich bereits bewusst, dass die Zahnfarben des Vitapan- Systems nicht gleichmäßig im Farbraum der

vom menschlichen Auge wahrnehmbaren Farben verteilt sind. Geht man allerdings von einem dreidimensionalen Farbraum aus, muss sich bewusst machen, dass Helligkeit, Farbton und Farbintensität (-sättigung) unter119


UN-P ∕ 14 - Die Farben der Zähne

diese Problematik auszugleichen und die Farbnahme systematischer und einfacher zu gestalten wurde das 3D- Master- System entwickelt. Auf den ersten Blick macht der Farbring zwar einen etwas komplizierten Eindruck, was sich allerdings bei genauerem Hinsehen und einer strukturierten Vorgehensweise ändern sollte.

3D Linearguide. Die Neuentwicklung des 3D Farbschlüssels funktioniert nach dem bekannten Prinzip in zwei anstelle von drei Schritten. Während mit dem Valueguide als erstes der Helligkeitswert bestimmt wird, vereint der Hue/Chromaguide Farbintensität und –ton in einem Arbeitsschritt.

schiedliche Werte sind, die getrennt voneinander bestimmt werden sollten. Dieser 3D-Farbraum, den man auch L*a*b- System nennt, unterscheidet die Achse der Helligkeitswerte von einer Achse der Grundtöne Gelb, Rot, Blau und Grün und der Farbintensität. Der Bereich des dreidimensionalen Farbraumes, in dem die reellen Zahnfarben liegen, könnte mit einer Bananenform beschrieben werden. Nimmt man sich Farbskalen vor, die wie auch das Vitapan System schon länger auf dem Markt sind, erkennt man, dass die unterschiedlichen Zahnfarben nicht gleichmäßig über diesem Farbraum verteilt sind. Das führt dazu, dass sich einige Zahnfarben stärker ähneln, während zwischen anderen Zahnfarben große Lücken klaffen, für die es keine bestimmbare Auswahlfarbe gibt. Um 120

Der 3D- Master- Farbring besteht aus fünf Gruppen mit insgesamt 26 Farbmustern. Die fünf Gruppen stehen grundsätzlich für unterschiedliche Helligkeitswerte, wobei die Farben der Gruppen zwei bis vier am häufigsten vorkommen. Nachdem man sich bei der Farbnahme für eine Helligkeitsstärke entschieden hat, wird die Farbintensität bestimmt. Bei diesem Schritt kann man in der zentralen Reihe der Gruppe von niedriger Intensität (oben) nach hoher Intensität (unten) auswählen. Hat man die ideale Zahnfarbe noch nicht gefunden, kann man sich anhand des Farbtones in gelblichen oder rötlichen Variationen auf den seitlichen Reitern der gewünschten Zahnfarbe nähern. Eine strukturierte Farbbestimmung sollte demnach wie folgt ablaufen: Als erstes wählt man einen Helligkeitswert anhand des zentralen Farbmusters M2 aus den Helligkeitsgruppen 1 bis 5 aus. Danach verbleiben noch bis zu 7 mögliche Zahnfarben. Als zweites entscheidet man sich für die Intensität welche mit Zahlenwerten beschrieben wird. In einem dritten Schritt wird der Farbton ausgewählt, der vom mittleren Farbmuster ebenfalls abweichen kann. Schlussendlich erhält man eine Zahnfarbe wie zum Beispiel 3R1,5 – welche dann bedeutet, dass die Zahnfarbe in der Helligkeitsgruppe 3 steht, der Grundton rötlich ist und der Wert der Farbintensität bei 1,5 liegt. In den letzten Jahren haben sowohl die Ästhetische Zahnheilkunde als auch Bleaching einen


deutlichen Auftrieb erhalten und wurden in die täglichen Arbeitssituationen integriert. Mit dieser Entwicklung wurde auch der Ruf nach passenden Bleaching- Zahnfarben immer lauter, so dass es seit kurzem auch Zusatzfarben für das 3D- Mastersystem gibt. Diese werden besonders wichtig, wenn Patienten ihren natürlichen Restzahnbestand aufhellen wollen und gleichzeitig Zahnersatz geplant wird. Da die Arbeit mit dem 3D Mastersystem nur in der strukturierten Vorgehensweise wirklich gut funktioniert und ansonsten schnell unübersichtlich und auch zeitaufwendiger wird, hat die Firma VITA zum 10 jährigen Jubiläum des 3D Master-Systems die Handhabung des Systems grundsätzlich erneuert und verbessert. Das Ergebnis dieser Bemühungen ist der 3D Master Linearguide, der die vorher beschriebene 3 stufige Farbnahme auf 2 Arbeitsschritte, in der vom Vitapan gewohnten linearen Bestimmungsweise, reduziert. Im Gegensatz zum klassischen 3D Master sind die Zahnfarben nun deutlich übersichtlicher angeordnet und missverständliche bis falsche Vorgehensweisen nahezu ausgeschlossen. Begonnen wird die Farbbestimmung mit dem Linearguide ebenso bei der Auswahl der Helligkeitswerte, für die eine eigene kleine Farbpalette existiert. Wurde die Helligkeit bestimmt, nimmt man die dem Helligkeitswert entsprechende zweite Farbpalette aus dem Tray, die nun sowohl die unterschiedlichen Intensitäten, als auch Farbtöne gemeinsam und linear aufgereiht enthält. In alt bekannter Handhabung von anderen linear aufgebauten Farbringen kann nun per Vergleich die Zahnfarbe bestimmt werden, ohne dass bewusst in Farbton oder Intensität unterschieden werden muss. Diese Neukonzeption sollte auch die letzten Hemmungen vor einer Anwendung des 3D Mastersystem verstreuen und nunmehr allen Praxen die

Vorteile der vollständigeren Farbdarstellung des 3D Farbraumes zu teil werden lassen. An der Universität Leipzig wird die Farbbestimmung anhand des 3D- Mastersystems bereits konsequent durchgeführt und auch in der Studentenausbildung gelehrt und trainiert. Hierfür hat Prof. Dr. Jakstat, Leiter der Vorklinischen Propädeutik und Werkstoffkunde, vor einigen Jahren den Toothguidetrainer entwickelt, ein Computerprogramm, mit Hilfe dessen man die Auswahl der Zahnfarben im Sinne des 3DMastersystems standardisiert üben kann. Die Übungen sind in die vorklinischen Phantomkurse integriert und werden durch Projekttage ergänzt, bei denen man die Farbnahme an entsprechenden Probanden praktisch trainiert. Interessierte können sich das Trainingsprogramm im Internet (www. toothguidetrainer.com) anschauen und unter Umständen auch eine Anwendung dessen an ihrer Universität erwirken. Die Farbbestimmung ist ein oft unterschätztes Aufgabenfeld im zahnärztlichen Alltag, obwohl sie einen enormen Einfluss auf die Zufriedenheit des Patienten und die unsichtbare Integration des Zahnersatzes in den Restzahnbestand hat. Industrie und Forschung haben das Thema größtenteils entschlüsselt und Möglichkeiten für ein perfektes Ergebnis geschaffen. Was bleibt ist der Einflussfaktor Mensch, der durch konsequente Umsetzung und gegenseitige Kontrolle im Team das Ergebnis der Farbbestimmung maßgeblich beeinflusst. ... wird fortgesetzt.

Text/Juliane Gnoth Fotos/Melissa Hostetler

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UN-P ∕ 14 - Existenzgründung

Die ersten Schritte sind die Schwersten

NWD Consult gibt dem Berufsanfänger „Zahnarzt“ bei der Existenzgründung die nötige Hilfestellung Die Existenzgründung von Zahnärzten wurde von Gesundheitsreform zu Gesundheitsreform immer schwieriger. Hohe Investitionskosten, sinkende Einnahmen aus den gesetzlichen Krankenkassen und steigende Kosten bringen dem Existenzgründer und der finanzierenden Bank ein höheres Risiko. Zahnarztpleiten sind keine Seltenheit mehr, so dass Zahnärzte auch 122

im Bankenrating nicht mehr an den vorderen Plätzen rangieren. Um so wichtiger ist es, eine Existenzgründung sowohl fachlich-zahnmedizinisch als auch betriebswirtschaftlich gut vorzubereiten. „Der junge Zahnarzt muss zu seiner Existenzgründung und durch die ersten Monate seiner selbständigen Tätigkeit geführt werden“, glaubt Werner Hartwig, betriebswirtschaftlicher


Berater der NWD Consult. „Die ersten Schritte sind auch hier die schwersten.“ Gemeinsam müssen NWD-Berater und Existenzgründer zunächst die individuellen Erfolgsfaktoren für den zukünftigen Start in die Selbständigkeit sowohl zahnmedizinisch als auch betriebswirtschaftlich entwickeln. Anschaulich und mit wirklichem Nutzen kann das nur in ein schriftliches Praxiskonzept münden. Alles, was schriftlich niedergelegt wird, wird besser zu Ende gedacht und das „Für und Wider“ besser überprüft. Der Vorgang „Existenzgründung“ wird so vorausgedacht und kann der finanzierenden Bank als „Businessplan“ vorgestellt werden. Das Existenzgründungskonzept gliedert sich in drei Bereiche: es stellt die Rahmenbedingungen am Ort der Niederlassung inklusive möglicher Konkurrenzsituationen dar, es beinhaltet ein zahnärztliches Konzept zu Behandlungsschwerpunkten und erwünschter Patientenstruktur und liefert außerdem das betriebswirtschaftliche Konzept dazu. Die Planungsberechnungen werden über mindestens drei Jahre dargestellt und dienen nach der Existenzgründung als Grundlage für das Praxiscontrolling (Soll-IstVergleich). Diese Wirtschaftlichkeits- und Rentabilitätsberechnung mit Liquiditätsrechnung stellt die Sollvorgabe für den Existenzgründer dar. An ihr lernt er, den unternehmerischen Anspruch an sich selbst zu erkennen und in sein tägliches Behandlungssystem zu integrieren. Der Soll-Ist-Vergleich wird zu Beginn monatlich, später vierteljährlich durchgeführt. Er ist nicht nur eine notwendige Erfolgskontrolle, sondern stellt für die Existenzgründung einen Schulungsprozess zur Entwicklung seines unternehmerischen Denkens dar. Die Möglichkeit, gerade am Anfang große und teure Fehler zu begehen, reduziert sich dadurch enorm.

Das Konzept ist vor dem Finanzierungsgespräch mit der Bank fertig zu stellen. Durch die Vorbereitung des Konzeptes erlangt der Existenzgründer die Fähigkeit, sich der Bank als Unternehmer zu präsentieren. Die Finanzierungsbewilligung ist abhängig von dem Vertrauen der Bank in die Fähigkeiten und die Persönlichkeit des Unternehmers „Zahnarzt“. Die Bank beurteilt den Existenzgründer nach der Wahrscheinlichkeit, dass nicht nur die Kredite zurückgezahlt, sondern auch Vermögensanlagen möglich werden.

- Werner Hartwig -

Ein solches Praxisgründungskonzept wird vom Existenzgründer in Zusammenarbeit mit dem Berater der NWD Consult individuell erstellt. Ergänzend und vorbereitend wird NWD Consult im zweiten Halbjahr 2008 verschiedene Workshops für Existenzgründer anbieten. Die jeweiligen Termine werden rechtzeitig im Internet (www.nwd-gruppe.de) bekannt gegeben. Weitere Informationen und Anmeldung unter: 0251/7607-372

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UN-P ∕ 14 - Buchrezension

Curriculum Endodontie ..................................................... Prof. Dr. Cengiz Koçkapan

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Quintessenz Verlag Berlin 1.Auflage, 2003; 589 Seiten, 160 Abb. EUR 48,ISBN: 3-87652-248-X Der Erfolg einer Wurzelkanalbehandlung hängt nicht nur von der Compliance des Patienten ab, sondern natürlich auch von einer exakten Durchführung. Bei korrekter Behandlung werden die Prognosen für den Erhalt des Zahnes deutlich verbessert. So ist die genaue Kenntnis der endodontischen Grundlagen Voraussetzung, um Misserfolge und den daraus entstehenden Frust zu vermeiden. Nicht zuletzt ist für die Studenten die erfolgreiche Wurzelkanalbehandlung immens wichtig, um das Bestehen des Kurses zu sichern. Das Curriculum Endodontie stellt die aktuelle Lehrmeinung der Hochschulen dar. Es ist sowohl für Studenten als auch für interessierte Kollegen gut verständlich, da Autor und Co-Autoren langjährige Erfahrungen in der universitären Lehre aufweisen können und so ein didaktisches Konzept mit einbringen. Das geballte Wissen ist auf den 580 Seiten in 23 Kapitel gegliedert. Das Buch beginnt klassisch mit den anatomischen Grundlagen und den Ursachen der pulpitischen Erkrankung, führt dann über die CP- Behandlung zur eigentlichen WKB. In den folgenden Kapiteln wird detailliert auf die praktischen Aspekte der Wurzelkanalbehandlung, Kanaldesinfektion und Wurzelfüllung eingegangen. Abschließend wird dann auf die chirurgische Zahnerhaltung, das Vorgehen bei Traumata, die endodontische Notfallbehandlung und das Bleichen Wurzelkanal behandelter Zähne eingegangen. Für Leser, die ihr Wissen über das Gebotene erweitern wollen ist nach jedem Kapitel eine Literaturangabe gegeben, die helfen kann, die offenen Fragen zu beantworten. Durch das Buch können natürlich nicht die Kom-

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plikationen vermieden werden, die das praktische Arbeiten mit sich bringen, aber es werden Lösungsvorschläge geboten und durch sinnvolle Tipps Sicherheit und Voraussicht bei dem Behandler geschaffen. Alles in allem ist der Endodontie Band aus der Curriculum Reihe des Quintessenz Verlages eine ideale Stütze bei der Therapie endodontischer Erkrankungen für jeden künftigen und approbierten Zahnarzt.

Farbatlanten der Zahnmedizin Band 1: Parodontologie ..................................................... Herbert F. Wolf, Klaus H. Rateitschak, Edith M. Rateitschak

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3. Aufl. 2004; 544 S., 1870 Abb. EUR 279,00 ISBN: 9783136556030 Die Farbatlanten der Zahnmedizin aus dem Georg Thieme Verlag gehören sicher nicht zu den Büchern, die sich durch Handlichkeit oder dem Charakter eines Kurzlehrbuchs auszeichnen. Rein äußerlich fallen sie durch ihr Gewicht und das nicht DIN-konforme Format auf, inhaltlich glänzen sie dafür durch umfangreiche und sehr gut strukturierte Informationen, sowohl in Text als auch Bild. Band I zum Thema Parodontologie erscheint mittlerweile in der 3. Auflage. Deutlich überarbeitet und erweitert demonstriert das Werk die ganze Breite der Parodontologie von den Grundlagen der Pathogenese und Mikrobiologie, über Erkrankungsformen und Diagnostik, oralmedizinische Betrachtungen der Parodontalerkrankungen bis hin zu zeitgemäßen perioprothetischen Behandlungskonzepten und Parodontalchirurgie. Die Therapieansätze und –möglichkeiten nehmen dabei den größten Platz ein, um den Leser von der Medikamententherapie bis zur Parodontalchirurgie umfassend auf den aktuellen Stand


der Wissenschaft und Praxis zu bringen. Von Anfang an werden die Farbatlanten ihrer Bezeichnung gerecht: zahlreiche einprägsame Grafiken und schematische Darstellungen ergänzen das hervorragende Bildmaterial aus klinischen Fällen. Jeder Textabschnitt einer Seite ist dem Bildmaterial der Seite angeglichen und verhindert so unnötiges Vor- und Zurückblättern. Im Anhang vermittelt dieser Band kurze Einblicke in die geriatrische Parodontologie und aktuelle Klassifikation der Parodontalerkrankungen. Diese Fülle und hohe Qualität an Informationen hat seinen Preis. Sicherlich wird sich deshalb ein Student die Anschaffung dieser Bücher mehrmals überlegen müssen. Als junger approbierter Zahnarzt mit Ambitionen in Richtung Prophylaxe und der Spezialisierung auf die Parodontologie führt kein Weg an diesem Farbatlas vorbei.

Radiologieatlas der Zahn-, Mund-, und Kiefererkrankungen ..................................................... - 3 -

Natürlich darf die Darstellung vom gesundem im Vergleich zum kranken Zahn am Beginn des Buches nicht fehlen. Einführend in die Kapitel gibt es Übersichten über die dargestellten Krankheiten, um diese in einen Zusammenhang zu setzen. So kann das Buch ein ständiger Begleiter durch das Studium, von Kieferorthopädie über Kinderzahnheilkunde und natürlich in allen chirurgischen Fächern sein. Auch fachübergreifende, aber für den Zusammenhang unerlässliche Inhalte sind im Radiologieatlas aufgegriffen. So werden beispielsweise im Bereich der Kephalometrie die Röntgenbilder jeweils mit der Harmonie- Box gemeinsam dargestellt, sowie wie auch in den anderen Kapiteln der Fall umrissen. Dies ergänzt auf gute Weise die Lehrbücher für Kieferorthopädie. Besonders in der Examensvorbereitung kann man dieses Buch sicher für einige Prüfungen konsultieren, aber auch nach dem Studium kann dieser Radiologieatlas besonders bei seltenen Erkrankungen sicher bei der Diagnosefindung helfen.

Ferdinand Sitzmann

Urban & Fischer bei Elsevier; 2. Auflage, Juli 2003; 701 Seiten EUR 62,95 ISBN: 978-3437050466 Wenn man an einen Atlas denkt hat man ja meist ein unhandliches, großes Buch im Sinn, was auf den vorliegenden Radiologieatlas definitiv nicht zutrifft. Im handlichen Format stellt der Atlas auf 700 Seiten jeweils relevante Röntgen- und 3DBilder den wichtigsten Diagnosen gegenüber. Dazu werden die Inhalte kurz umrissen sowie passende Patientenfälle dazu dargestellt und beschrieben, was auf den Aufnahmen zu erkennen sein sollte. Gegliedert ist das Buch in 16 Kapitel angefangen von Zahnentwicklungsstörungen, über unterschiedliche Gruppen von Erkrankungen in der Mund- Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie der heutzutage unerlässlichen Implantologie.

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UN-P ∕ 14 - Buchrezension

★ Miezes Der Soundtrack MusicBox meines Lebens

Jeder hat das Recht auf seinen ganz persönlichen Soundtrack des Lebens und jeder hat einen. Dieser Soundtrack überrascht andere immer wieder gern und lässt selbst gute und alte Freunde ungeahnte Seiten und Abgründe an uns entdecken. Manchmal ist ein Lied untrennbar mit einer bestimmten Situation in unserem Leben verbunden. Und egal zu welcher Gelegenheit wir es dann wieder hören, es wird uns immer in eben diese Situation zurückversetzen. Es beginnt mit einem Bild, einem Gefühl - aus dem ein Datum wird, ein Gesicht, eine Stadt oder sogar ein ganzer Lebensabschnitt.

der soundtrack meines lebens

PART ★ ★

3★ ★★

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Bei „Kiss from a rose“ von Seal denke ich zum Beispiel an Paris, Anna auch, Max nicht, der denkt an Hong Kong. Oder wie kommt es, dass mich das komplette „Buena Vista Social Club“ Album an Irland erinnert? An Klippenwanderungen, enges Sitzen im Auto, Licht, Hitze, Urlaub mit Freunden. Ich kann nichts dafür. Es gibt diese Lieder, ob ich es nun will oder nicht. Und sie werden zu Symbolen für den Moment. Dadurch entsteht eine sehr private, zum Teil absurde, unbewusste, aber immer abrufbare, stets emotionsgeladene, Hitlist. Ich kann es selbst nicht fassen, das ich anscheinend jede Textzeile von Alanis Morisette`s „Ironic“ auswendig kann. Jedes mal wenn es im Radio läuft und sei es auch noch so leise, stelle ich erschrocken meine Textsicherheit fest. Warum nur? Für viele wäre eben dieses Lied Grund genug, ihre GEZ-Zahlungen einzustellen. Für mich ist es ein Flashback in die Abiturzeit. Allerdings


zwinge ich nur selten jemanden sich diesbezüglich mit mir mit zu freuen. Wenn aber „Mr.Vain“ von Culture Beat gespielt wird, erinnert mich das an Ferienlagerdisco. Mir schießen Bilder von einer spontanen Pantomine - Tanzperformance durch den Kopf, die wir damals als extrem fortschrittlich empfanden. Läuft irgendwo „Der goldene Reiter“ addiere ich in meiner Erinnerung zu den weißen Handschuhen eine Trillerpfeife hinzu und augenblicklich riecht es nach der ersten durchtanzten Nacht, die für uns, um 23 Uhr, nach den üblichen Ausweiskontrollen, zu Ende war. Dass nicht nur ich ein musikalisches Gedächtnis in mir trage weiß ich, weil ein geschätzter Freund, jedes Mal hemmungslos bei den ersten Tönen von Natalie Imbruglia`s „Torn“ jede Tanzfläche stürmt und alle Anwesenden mit einem über die Jahre ausgeklügelten Luftgitarrensolo verwöhnt. Weil es ihn an eine geile Zeit erinnert. Es ist herrlich. Glücklicherweise habe ich im Laufe der Zeit durch mein musikalisches Umfeld eine intensive Musikerziehung erfahren. Björk, Arcade Fire oder Modeselektor landeten dank liebevoller Handarbeit erst auf Tapes, später auf CD´s und schließlich in meinem Ohr. Dort hinterließen sie einen Abdruck und wurden zum Sound der Zeit. Trotzdem erwischt es mich manchmal eiskalt. Dann läuft in einer Telefonwarteschleife „Ich möchte ein Eisbär sein“ und plötzlich möchte ich wieder ein Eisbär sein.

Willkommen im Club Tour 2008/09 21.11.2008 Kiel . Sparkassen-Arena 22.11.2008 Lübeck . Musik- und Kongreßhallen 23.11.2008 Münster . Münsterland Halle 27.11.2008 Magdeburg . AMO 12.12.2008 Osnabrück . Halle Gartlage 18.12.2008 Saarbrücken . Garage 19.12.2008 Dresden . Alter Schlachthof 20.12.2008 Mannheim . Maimarkt Klub 09.01.2009 A Hohenems . Event Center 10.01.2009 CH Basel Volkshaus 11.01.2009 CH Zürich . X-Tra 15.01.2009 A Graz . Helmut-List-Halle 16.01.2009 A Wien . Gasometer 23.01.2009 Karlsruhe . Festhalle 24.01.2009 Bremen . Pier 2 30.01.2009 Offenbach . Stadthalle 31.01.2009 Hamburg . Alsterdorfer Sporthalle 05.02.2009 Dortmund . Westfalenhalle 2 06.02.2009 Erfurt . Thüringenhalle 07.02.2009 München . Zenith 13.02.2009 Stuttgart . Liederhalle 14.02.2009 Köln . Palladium 15.02.2009 Leipzig . Haus Auensee 20.02.2009 Hannover . Capitol 21.02.2009 Berlin . Arena more to come! Limitierte Hard-Tickets gibts auf www.miarockt.de! Ticket-Hotline: 01805-716 716 (Mo-Fr 10-16 Uhr, 14ct/min)

Die Katz/ empfiehlt: „Estelle“ mit „American Boy“ M.f.G Die Katz

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