Issuu on Google+

UMLAUF Das Magazin des Goethe-Gymnasiums Kassel

„N

IM

ac h

Nr.74 Sommer 2009 30. Jahrgang 1,00 Euro www.umlauf.de

Aus Schrott Geld machen BR

be ste

m

Von Omas Kochtopf zum chinesischen Hochhaus

EN

iss N P en un U N dG K ew T iss en “

W

:


Liebe UMLAUF-Leserinnen, liebe UMLAUF-Leser und liebe UMLAUF-Online-Freunde!

STEFFEN E

UMLAU

NGELBR

Neben diesen Schülern, die unsere Schulgemeinde mit prägten, verlässt uns leider auch Waldemar Gries, der als Schulleiter sechs Jahre lang das Schulgeschehen am Goethe-Gymnasium mit sicherer Hand führte. Er hat sich entschieden die Schulleitung an der Deutschen Schule in Washington zu übernehmen. Herr Gries hat während seiner Amtszeit einiges bewegen können und hat sicherlich auch dazu beigetragen, dass das Goethe-Gymnasium bei der vergangen Schulinspektion so hervorragend abgeschnitten hat. Doch er hinterlässt auch Baustellen, womit man im wahrsten Sinne des Wortes auf den Schulhof des Nebengebäudes Schützenstraße verweisen kann, der nach langwierigen Bauarbeiten in neuem Glanz erstrahlen soll. Im Namen der UMLAUF-Redaktion bedanke ich mich vielmals für die langjährige Unterstützung bei der Erstellung unserer Zeitung, für Ihre Arbeit als Schulleiter und wünsche Ihnen und Ihrer Familie viel Erfolg und Kraft bei diesem neuen Lebensabschnitt. Es steht zwar noch keine Nachfolge für den Posten als Schulleiter fest, es ist aber sicher, dass auch dieses Schuljahr wieder fünf neue Klassen 5 am Goethe-Gymnasium entstehen werden. Dies zeigt, dass unsere Schule sehr gut unter den anderen Kasseler Schulen dasteht. Auch den neuen Schülerinnen und Schülern wünsche ich viel Erfolg bei ihrer Karriere am Goethe-Gymnasium. Auch im vergangen Schuljahr hat sich einiges getan. Der UMLAUF ist wie gewohnt zur besten Schülerzeitung Hessens gekürt worden, woraufhin fünf UMLAUF-Redakteure zu einem Kurztrip nach Brüssel eingeladen wurden. Darüber hinaus hat Mara Liebehenz für ihren drittbesten Artikel hessenweit eine Reise gewonnen, die sie gemeinsam mit Alisa Schmitz angetreten hat. Dazu wurden sie vom hessischen Minister für Bundesangelegenheiten nach Berlin eingeladen. Auch dieses Schuljahr wird der UMLAUF wieder ins Rennen um die beste Schülerzeitung gehen. Zunächst hoffen wir, dass wir unsere alten und neuen Leser mit unserer Zeitung begeistern können. Voll mit neuen und lesenswerten Themen und allem rund um die Schule präsentiert sich die 74. Ausgabe des UMLAUF. Noch mehr Informationen und auch das Abschiedsinterview mit Herrn Gries auf www.umlauf.de. Ich wünsche der Schulgemeinde ein erfolgreiches Schuljahr 2009/10.

In diesem Sinne

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

ECHT

F-CHEFRE

DAKTEU

R

Vorneweg

E

in neues Schuljahr steht in den Startlöchern und der UMLAUF steht mit seiner 74. Ausgabe kurz vor einem großen Jubiläum. Mit Beginn des neuen Schuljahres verabschieden wir aber auch unsere Abiturientinnen und Abiturienten in die Berufswelt oder ins Studium. 98 von 101 haben ihr Abi mit Bravour bestanden. Wir wünschen ihnen viel Erfolg auf ihrem weiteren Lebensweg.

UMLAUF

3


In unserer GOETHES FAUST

8 Lesen, für viele Schüler und Schülerinnen eine Betätigung, die sie nur allzu gern umgehen würden. Oft wird in vielen Schulfächern das Lesen eines Buches gefordert. Für kleine wie große Schüler ist dies oft ein Grauen. Etlichen Jugendlichen fehlt einfach die Lust oder Zeit zum Lesen und genau diese Lücke versucht die neue Bibliothek in der Schützenstraße zu schließen. „Modisch voll daneben!“, „Konservativ und alt!“ oder „Langweilig und zu akkurat“ sind Eigenschaften, die Schüler mit dem Begriff „Lehrer“ am häufigsten assoziieren. Detlef Eichner, Sport- und Englischlehrer an unserer Schule, scheint jedoch all diese Klischees zu brechen. So hört man von unseren Schülern Aussagen wie 16 „Jung und dynamisch!“, „Modisch auf dem besten Stand“ und „Cool und aufgeschlossen“ um den gerade mal 32-jährigen Lehrer zu beschreiben.

4

UMLAUF

8

Leselust: Bibliothek in der Schützenstraße

12

Unsere Talente: Daniel Kolosin, der Tänzer aus der Klasse 8b

14

Große Pause: Impressionen

16

Richtig erkannt: Nicht nur Kleider machen Leute, Herr Eichner

18

Kurz notiert

20

Lehrerhaare: Welcher Lehrer verbirgt sich hinter diesem Schopf?

22

Unsere neuen Klassen 5

28

Der Förderverein des Goethe-Gymnasiums informiert

IM BRENNPUNKT 30

„Nach bestem Wissen und Gewissen!“

LUST & LEBEN 74

Briefbuch: Party

69

Kreuzworträtsel: Bist du ein informierter Goetheschüler?


r Ausgabe ZEITPUNKTE Titel: Schrott war noch nie ein Abfallprodukt. Er wird recyclet und neuer Baustoff in Ländern, die Unmengen Stahl und Metall für ihre Entwicklung brau34 chen. Davon profitierten auch Schrottsammler in Deutschland. Doch der Profit ist drastisch gesunken. Grund dafür ist die Umweltprämie, die Deutschlands Straßen von Schrott „säubern“ soll. Aber leistet sie wirklich Gutes und wie leiden die Schrotties unter ihr? Einbürgerungstest: 113.030 Einbürgerungen in Deutschland allein im Jahr 2007. Diese Zahlen zeigen, dass viele der in Deutschland 38 lebenden Ausländer sich sehr danach sehnen, den deutschen Pass zu erhalten. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen sie allerdings nicht nur ein Zertifikat über ausreichende Sprachkenntnisse vorlegen, sondern auch den vom Bundesministerium des Inneren herausgegeben Einbürgerungstest erfolgreich absolvieren. 13 Fragen an Horst Seidenfaden, Chefredakteur der HNA Guten Tag, Herr Seidenfaden, vielen Dank, dass Sie sich heute Zeit genommen haben, mit mir über Ihre Arbeit und Ihre Zeitung zu sprechen, Dennoch sollten Sie sich kurz fassen!

46

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

34

TITEL: Aus Schrott Geld machen

38

Einbürgerungstest: Der scheinbar perfekte Deutsche wird geboren

42

Internetkauf: Surfst du noch oder kaufst du schon?

52

Wenn das Gewicht die Seele belastet

56

„Ich stottere“

60

Kampfsport : „Auf`s Maul“, oder „Cool down, man!“

64

Sinnsuche

Von Omas Kochtopf zum chinesischen Hochhaus

SPECIALS 7

Gerüchte: Goethe-Gymnasium intim

46

13 Fragen an den Chefredakteur der HNA, Horst Seidenfaden

73

Aufgeschnappt: Zitate

73

In & Out von Marco Ruppert

74

Impressum

UMLAUF

5


Gerüchte

S

P EE CC I I A AL LS

Goethe-Gymnasium intim E

iner der beliebtesten Lehrer der Schule zu sein gelingt nur mit besonderer Ausgeglichenheit mit sich und seiner Umwelt und einer inneren Ruhe. So soll der Englisch- und Geschichtslehrer Alexander Beuchel längst erkannt haben, dass er diese besonderen Kräfte und Eigenschaften inzwischen durch die asiatische Kunst des Tai-Chi erfahren kann. Jeden Morgen nach dem Aufstehen greift er daher nicht zum Kaffeebecher, sondern bewegt sich gekonnt zu asiatischen Klängen um seinen Schreibtisch. Eine seiner Grundregeln ist der lockere Fluss der Bewegungen, und den soll er inzwischen so perfektioniert haben, dass sich bei ihm so viele positive Energien entwickeln, die zu einem entspannten, aber dennoch interessanten und lehrreichen Unterricht führen. Die Theatererfolge der stets gut gelaunten und energiegeladenen Lehrerin für Kunst und Darstellendes Spiel Christina Coers-Dittmar sollen aus noch unbestätigten Quellen bis in die Hollywood Hills gedrungen sein. So soll sie in den Sommerferien von Steven Spielberg höchstpersönlich nach Hollywood eingeladen worden sein, weil ihre Form der Regiearbeit in der heutigen Zeit besonders gefragt zu sein scheint, um hoch bezahlten Schauspielern wieder das Gefühl für die charakteristische Rolle zu vermitteln. Noch fraglich bleibt, wie die Klatsch-Zeitungen mit ihr umgehen werden.

Christian Dockhorn, Lehrer für Mathematik und Physik und stolzer Vater einer Tochter, soll am wöchentlichen Balletttraining seiner Tochter großen Gefallen gefunden haben. Nachdem auch er angeblich dort für ein Jahr fleißig übte, hatten die Kinder auf die Solovorstellungen des Vaters keine Lust mehr. Kurzer Hand soll sich daraufhin Herr Dockhorn entschlossen haben eine Männerballettgruppe zu gründen, um seinem Hobby weiter nachgehen zu können. Gemeinsam mit Frau HorchBaumbach, Frau Hunold, Frau Müller, Frau Vollmer und

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

Herrn Koch, Herrn Kilian und Herrn Becklas üben sie unter dem Namen „Die schwingenden Materien“ jetzt regelmäßig für eine „Schwanensee“-Vorstellung des Komponisten Tschaikowsky. Alexander Schön, Sport- und Deutschlehrer, aber auch bekannt für seinen nicht immer verständlichen Humor, soll angeblich bei seinem letzten Zahnarztbesuch - panisch vor Angst - seinem behandelnden Arzt erneut die Fingerkuppe verletzt haben. Inzwischen ist bekannt, dass der eigentlich so tapfere Pädagoge eine höllische Phobie vor Zahnärzten haben soll und deshalb seinen Mitbewohner und guten Freund Ralf Meist gebeten haben ihn bei jeder Prophylaxe zu begleiten. Dennoch sollen beim Geräusch des Bohrers bei Herrn Schön erneut die Sicherungen durchgebrannt sein und selbst das verständnisvolle Lächeln von Freund Ralf konnte ihn in keiner Weise beruhigen. Dennoch, sein behandelnder Arzt ist jedoch wieder wohl auf! Kaum zu glauben, aber wahr: Thomas Wiemeyer, Lehrer für Deutsch, Geschichte sowie Politik und Wirtschaft, ist auch ausgebildeter Polizist und hat Erfahrung und Geschick im Umgang mit Pistolen. Aus unbestätigten Quellen soll er während seiner Ausbildung als jahrgangsbester Scharfschütze bekannt gewesen sein. So soll er nicht nur vom Deutschen Sicherheitsdienst für einen Einsatz bei Staatsbesuchen kontaktiert worden sein, sondern diverse Security-Firmen sollen ihm lukrative Angebote gemacht haben. Nachdem Andreas Knöpfel mit der exotischen Fächerkombination Mathematik und Musik sein Abitur mit einem herausragenden Ergebnis abgelegt hatte, sollen seine Eltern besonderen Wert darauf gelegt haben, dass er seine Karriere als Student für Elektro- und Untertagebergbau in Claustal-Zellerfeld

fortsetzt, sicherlich auch mit dem Hintergedanken, dass diese Universität immer noch den geringsten Frauenanteil nachweisen kann und somit ihr Sohn nicht unnötig abgelenkt wird. Sehr schnell bemerkte Herr Knöpfel, dass alle in der Stadt lebenden Mädchen schon von anderen Studenten vergriffen waren, und so soll er sich schließlich sehr schnell wieder zur Musik zurück besonnen und entschlossen haben zur Kunsthochschule nach Berlin zu wechseln, denn ihm war bekannt, dass er hier bessere Chancen hatte, endlich eine Frau für sein Leben zu finden. „Ironman“ und Pfarrer? Das eine scheint das andere nicht auszuschließen, denn der stets gut gelaunte und immer ansprechbare Religions- und Sportlehrer Michael Kräbs beabsichtigt jetzt beim Kampf um den „Ironman auf Hawaii“ teilzunehmen. So soll er während seines Sportunterrichts seinen Schülern beim Schwimmen, Radfahren und Laufen nicht nur zugeschaut , sondern sich selbst dabei so sehr gequält haben, dass er inzwischen so fit ist, um jeglichem Härtetest standzuhalten: 3,9 km Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und anschließend ein lockerer Marathon quer über die Blumeninsel in der Aue. Möge Gott ihm bei dieser Prüfung auf Hawaii beistehen. Frau Sonja Lange und Frau Rahel Wolf , noch junge Pädagoginnen an unserer Schule, sollen dennoch inzwischen mit der Tätigkeit als Fahrbegleiterin (früher Stewardess) bei der Deutschen Bahn, bei der Lufthansa oder bei „Air Berlin“ geliebäugelt haben, denn sie tragen seit einiger Zeit beim Wechsel der Gebäude Wimmel- und Ysenburgstraße keine Aktentaschen mehr, sondern bewegen sich völlig vertraut mit ihren „Trolleys“. Macht das etwa unU ter Lehrern Mode?

UMLAUF

77


LeseLust

Bibliothek in der Sch端tz VON UNSERER REDAKTEURIN MARCIA WEBER

8

UMLAUF


G OE THES FAUST

zenstraße Lesen, für viele Schüler und Schülerinnen eine Betätigung, die sie nur allzu gern umgehen würden. Doch oft wird in vielen Schulfächern das Lesen eines Buches gefordert. Für kleine wie große Schüler ist dies oft ein Grauen: „Ich habe noch nie freiwillig ein Buch gelesen!“, so Max P., Schüler eines Kasseler Oberstufengymnasiums. Etlichen Jugend-

lichen fehlt einfach die Lust oder Zeit zum Lesen und genau diese Lücke versucht die neue Bibliothek in der Schützenstraße zu schließen.

Die Schüler haben auf Grund des G8-Zweiges teilweise bis nachmittags Unterricht. Als umkonzipierte Ganztagsschule ist es unsere Aufgabe, so viele Aufenthaltsräume wie möglich bieten zu können.“, so Lothar Kratzke, Leiter der Bibliothek. Die Bücherei besteht aus drei aneinanderhängenden Klassenräumen, die sich im Erdgeschoss des Wimmelgebäudes befinden. Sie ist kaum zu übersehen und während der Schulzeit stets geöffnet. Herr Burghart, eine Hilfskraft, ist stets da und Herr Kratzke meistens in den Pausen und dann, wenn er nicht unterrichten muss. Das Konzept der Bibliothek wurde von Herrn Henniges (Englisch, Geschichts- und Erdkundelehrer unserer Schule) während seiner Referendariatszeit als Examensarbeit entwickelt. “Ich wurde damals angestoßen von Herrn Gries, somit war es

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

auch relativ sicher, dass meine Ausarbeitung umgesetzt wurde. Ich habe mich einfach mal schlau gemacht und letztendlich als Vorbild die Schulbibliotheken Bayerns gewählt.”, so Herr Henniges. Doch so eine Bibliothek hat viele Forderungen und ist nicht einfach zu organisieren. Eine Schulbibliothek müsse ein breites Sortiment haben, das Mädchen und Jungen gleichermaßen locke, ebenfalls müsse die Raumgestaltung modern und attraktiv sein, so Waltraud Fuchs, Mitglied des Deutschen Lehrerverbandes (DL) in einer Presseerklärung. Genau dies sind auch die Punkte, mit denen die Bibliothek versucht, die Schüler zu locken. „Wir haben eine breite Palette an Büchern. Hier ist für jeden Geschmack etwas dabei: Thriller, Jugendbücher, Bereiche der Wissenschaft, Fachbücher und seit kurzem gibt es sogar eine Audiothek,

die wir allein durch die zahlreichen Spenden anschaffen konnten. Die Bibliothek ist ein echter Erfolg, ich denke, sie hat die Leselust bei einigen um vieles gesteigert“, berichtet Herr Kratzke stolz. Es ist kaum zu glauben, dass die Bücherei allein anhand der Großzügigkeit etlicher Personen aufgebaut wurde. „Es wurde von Anfang an von allen Seiten gespendet, ob vom Förderverein, von den Eltern oder den Schülern. Wir haben sogar Buchspenden einer Mitarbeiterin von der AOK bekommen“, so Bernd Burghart, der neben Herrn Kratzke eine Menge für den Aufbau der Bücherei geleistet hat. Er ist von morgens 9.00 Uhr bis nachmittags 15.00 Uhr in der Bücherei zu finden, weist Schüler auf Bücher hin, die sie suchen, sorgt für Vielfältigkeit, neue Ideen und schließlich noch für eine gute Atmosphäre. „Es

UMLAUF

99


ist uns wichtig, dass die Schüler sich hier wohlfühlen. Mit hin und wieder neuer, zu den Jahreszeiten passender Dekoration wollen wir aus den einfachen weißen Wänden kindergerechte Räume gestalten.“, erklärt er ganz stolz. Das scheint gut zu gelingen: Betritt man die Bücherei, sticht einem sofort ein vielseitiges Angebot ins

ausstrahlen, sodass sich die Schüler wohlfühlen können. Würden sie von grimmigen Lehrern begrüßt, würde die Leselust schnell vergehen.“ Kaum hatte Herr Kratzke dies gesagt, begann die große Pause. Wenige Sekunden nach dem Klingeln strömten von allen Richtungen Schüler der Bücherei entgegen. Einige kamen, um ihre gelesenen Bücher abzuge-

Die Leiter der Bibliothek Bernd Burhart und Lothar Kratzke umringt von wissbegierigen Schülerinnen.

Auge. Neben vielen bunten Postern verweisen selbst kreierte Bilder der 5. Klassen auf die jeweiligen Sachgebiete. Gardinen in modischem Orange, Kerzen und Blumen heben die optische Atmosphäre auf der einen Seite, während der Geruch von frisch gekochtem Kaffee auf der anderen Seite die Geschmackssinne anregt. Begrüßt von gut gelaunten Aufsichtspersonen, wird auf die Wünsche jedes Einzelnen eingegangen. „Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, dass die Lehrer ein positives Klima

10

UMLAUF

ben, wiederum andere um sich ein Buch auszuleihen und es während der Pause in der Bibliothek zu lesen. Die Räume mit den gemütlichen Sitzgelegenheiten waren schnell gefüllt. Es bildeten sich kleine Grüppchen, die sich zum Teil auch lustige oder spannende Ausschnitte ihres Buches gegenseitig vorlasen. Die begehrtesten Bücher, wie zum Beispiel „Tintenherz“, geschrieben von Cornelia Funke, waren natürlich schnell vergriffen. „Am meisten werden Phantasie-Bücher gelesen, Fear-

street, alle Bücher der „Biss-Reihe“ und generell Cornelia Funke sind der Renner.“, so Herr Burghart. Herr Kratzke, bekannt für sein ständiges Lächeln, versucht auch die Jungen zum Lesen anzuregen, die deutlich in der Unterzahl vertreten waren. Er geht auf sie zu und fragt ob er ihnen in irgendeiner Weise behilflich sein kann. In dieser Zeit übernimmt Herr Burghart das „Formelle“, so scannt er die ausgeliehenen oder zurückgegebenen Bücher im Rechner ein, sodass er immer den Überblick bewahren kann. Da dies eine Menge Arbeit für nur zwei Aufsichtspersonen wäre, wurde zur Unterstützung der beiden eine AG für Schüler organisiert, in der sie das Angebot bekommen, in der Bücherei ein wenig freiwillige Hilfe zu leisten. Die AG ist mit ihren ca. 40 Schülerinnen und Schülern gut besetzt. „Werben für die AG brauchen wir überhaupt nicht mehr, teilweise sind es sogar zu viele Helfer!“, erklärt Herr Kratzke stolz. „Die AG-Mitglieder bekommen einen Ausweis zum Anheften, sodass jeder weiß, wen er bei Fragen ansprechen muss“, fügt Herr Burghart hinzu. Zwei dieser Helferinnen sind Paulina Gorol und Katharina Pyschko, beide Schülerinnen der Klasse 6a. Ihnen macht es großen Spaß freiwillig helfen zu können: „Unsere Aufgaben sind es zum Beispiel Bücher zu katalogisieren oder auf die Lautstärke zu achten.“, berichten die beiden freudig. Svenja Dengler (7a), ebenfalls eine Helferin beschreibt ihren Aufgabenbereich ähnlich. Sie fügt nur noch hinzu, dass sie darauf achte, dass niemand Bücher klaut. Der Dienst eines AG-Helfers ist ungefähr ein- oder zweimal, also eine oder zwei große Pausen pro Woche, „Durch


G OE THES FAUST die AG sind wir ein umfangreiches Unternehmen“, weist Herr Kratzke hin. „Für mich persönlich bedeutet

Schülerin mit einer großen Tüte in die Bibliothek. In der Tüte befinden sich acht Bücher, die sie gerne spen-

Stephanie Ho und Elina Murtic´suchen sich ihr neues Buch aus.

die Leitung der Bibliothek zwar eine Menge zusätzlicher Arbeit, doch es ist das Schönste was ich bis jetzt während meiner Lehrerzeit hier gemacht habe. Unser Team ist einfach spitze und arbeitet super zusammen!“ Gleichzeitig gibt er ein großes Lob an unsere Schüler weiter: „Der Schwund von Büchern ist denkbar gering und die Bücher werden so gut wie immer zum abgesprochenen Termin wieder abgegeben“, und lachend fügt er hinzu: „Nur manche Kollegen schaffen es nicht, die Bücher pünktlich zuückzugeben.“ Damit die Abgabetermine ernst genommen werden, gibt es, wie in einer richtigen Bibliothek auch, im Falle einer Überziehung eine kleine Gebühr. Diese kommt jedoch den Schülern zugunste, da von den Geldern neue Bücher angeschafft werden. Gegen Ende der Pause kommt eine

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

dass bald schon das 4000. Buch ausgeliehen werde. Außerdem gibt es Bewertungsmappen, in denen die Schüler gelesene Bücher kommentieren und somit an andere Schüler weiterempfehlen können. Da die Bücherei noch nicht sehr lange existiert, könnte die Buchauswahl noch um einiges erweitert werden. Um besser auf die Wünsche der Schüler eingehen zu können, gibt es einen „Wunschkasten“. Die Schüler müssen einfach nur auf einen Zettel ihren Namen, die Klasse und den Buchwunsch schreiben und ihn in den Kasten einwerfen. Durch die vielen Spenden seien schon viele neue Bücher angeschafft worden, berichtet Herr Kratzke. Doch die Bibliothek ist bei weitem noch nicht fertig. Es sollen noch ein oder zwei Computer angeschafft werden, damit die Schüler im Internet recherchieren können und damit sie die Möglichkeit haben über ein Programm die Bücher der Bibliothek schneller zu finden. Der Bücherzu-

den möchte. „Ich brauche sie nicht mehr, ich habe sie ja schon gelesen. Bei mir zu Hause liegen sie eh nur rum.“, so Morsal Yaqubi (6a). Eine solche Spende wird natürlich gern entgegengenommen. Als kleinen Dank bekommt sie eine Tüte Gummibärchen geschenkt. An Ideen mangelt es in der Bibliothek generell nicht. Seit neustem gibt es eine Hörspielzeit in der Einige Schüler stöbern in älteren UMLAUF-Magazinen. Bibliothek. Diese findet jeden Mittwoch in der großen wachs soll natürlich auch weitergePause statt. „Die Idee werde super hen. Spenden werden gern entgegenvon den Schülern angenommen“, so genommen, egal in welcher Form. der begeisterte Herr Burghart. Als Wer also ein altes Buch zu Hause lieAnregung für die Buchausleihe gibt gen hat, das er nicht mehr braucht, es kleine „Buchpreischen“ zu gewin- kann es jederzeit der Bibliothek nen. Freudig berichtet Herr Kratzke, spenden! U

UMLAUF

11 11


Unsere Talente

Daniel Kolosin Der Tänzer aus der Klasse 9b

VON UNSERER REDAKTEURIN ATLANTA ECKHARDT

2007 war er deutscher Meister, zweimal VizeMeister, er gewann Bronze, war mehrere Male im Finale der deutschen Meisterschaft und belegte den 28. Platz bei der Weltmeisterschaft in Salou (Spanien). Es geht um Daniel Kolosin, einen Schüler der Klasse 9b des Goethe-Gymnasiums in Kassel. Sein großes Hobby ist der Standard- und Lateintanz, mit dem er sehr erfolgreich ist.

12

UMLAUF


G OE THES FAUST

B

ereits mit zweieinhalb Jahren fing Daniel mit dem Tanzen an. In so frühen Jahren schon ein Hobby zu haben ist sehr ungewöhnlich für einen Zweijährigen. Jedoch nicht bei Familie Kolosin. Seine Eltern führten, als Daniel noch klein war, einen eigenen Tanzclub, in den er immer mitgenommen wurde, den „TC Blau-Gold Gießen“. Früher wurde Daniel mehr oder weniger zum Standard- und Lateintanz gezwungen, aber nach und nach, je mehr er getanzt hat und auch je älter er wurde, entdeckte er, wie viel Spaß es ihm machte, und fand immer mehr Gefallen an dem Tanzen und fing somit auch an seinen Stil zu verbessern. Auch nachdem seine Eltern den Tanzclub schließen mussten, hörte er nicht mit dem Tanzen auf. „In meiner Familie tanzt einfach jeder, das ist ganz normal!“, antwortete Daniel auf die Frage, ob er nun der Einzige in seiner Familie sei, der tanzen würde. Um ein besseres Gefühl für die Tänze zu bekommen und somit auch seinen Stil zu verbessern, belegte er Hip-Hop-, Ballett-, und Gymnastikkurse. Die Extra-Kurse, außerhalb seiner normalen Tanzstunden, wie er sagte, habe er zum Glück schon hinter sich gebracht, denn besonders der Gymnastikkurs hat ihm gar nicht gefallen. Der Standardtanz, auch Gesellschaftstanz genannt, beinhaltet mehrere verschiedene Tänze. Darunter den Langsamen Walzer, den Tango, den Wiener Walzer, den Slowfox, den Foxtrott und den Quickstep. Zu den lateinamerikanischen Tänzen gehören der Samba, der Cha-ChaCha, der Rumba, der Paso Doble und der Jive. Die Standardtänze zuAusgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

sammen mit den lateinamerikanischen Tänzen bilden einen Großteil der bekanntesten Tänze. Diese Art von Tanz ist ein sehr anstrengendes Hobby, denn um alle Tänze perfekt tanzen zu können, ohne Fehler und um mit einer gewissen Eleganz und Sicherheit auf den Turnieren zu glänzen, bedarf es doch jede Menge Zeit und Übung. Mit seiner Tanzpartnerin Alexandra Elert, mit der er nun 6 Jahre im Rot-Weiß-Klub Kassel tanzt, kann er sich wegen seines vielen Trainings über große Erfolge freuen. Auffällig bei den Tanzturnieren sind die bunten, glitzernden Kostüme sowie die auffällig geschminkten Mädchen. Mal etwas schneller, dann wieder ein bisschen langsamer gleiten die Tänzer zu zweit, synchron und in antrainierter Perfektion über die Tanzfläche und warten danach gespannt auf ihre Bewertung. Dadurch dass Daniel sehr viel tanzt, hat er nicht so viel freie Zeit wie andere Kinder in seinem Alter, denn seinem Hobby muss er sehr viel Freizeit widmen. Er selbst sagt ein wenig enttäuscht: „Ich habe wenig Zeit für mich und auch für meine Freunde habe ich nicht besonders viel Zeit. An den Wochenenden bin ich meistens in anderen Städten oder in anderen Ländern und trainiere dort oder nehme an Turnieren teil. Die wenige Zeit, die ich habe, verbringe ich damit, mich mit meinen Freunden zu treffen.“ In der letzten Zeit hat er auch an seinen Noten gemerkt, wie sehr ihn das Tanzen beansprucht. Er ist sich aber sicher, dass er es schaffen wird seine Noten wieder zu verbessern und ein Gleichgewicht zwischen Hobby und Schule zu finden, denn die Kombination mit seinem gro-

ßen Hobby, dem Standard- und Lateintanz und der Schule, ist ihm bis jetzt ja auch sehr gut gelungen. Der Gedanke nicht mehr tanzen zu dürfen, ist ihm trotz allem Stress und aller Anstrengung noch nie gekommen, denn auf die Frage, ob es nicht leichter werden würde, wenn er sein

Daniel mit seiner Tanzpartnerin Alexandra Elert in Aktion.

Hobby aufgäbe, antwortet er: „Ich habe noch nie daran gedacht aufzuhören! Dann würde mir einfach die Action im Leben fehlen!“ Die Frage, ob er denn schon wisse, was er später mal machen möchte beantwortet er gelassen:„Ich habe schon oft darüber nachgedacht das Tanzen später zu meinem Beruf zu machen, aber wirklich sicher bin ich mir da nicht! Aber ich habe ja auch noch Zeit darüber nachzudenken, was ich später einmal machen möchte.“ Auch wenn er später mal keine Karriere als Tänzer vorhat, freut er sich trotzdem über große Erfolge und trainiert weiter, um noch besser zu werden und hoffentlich noch viele U Preise zu bekommen.

UMLAUF

13 13


Impressionen VON UNSEREM FOTOGRAFEN TOBIAS ASCHENBRENNER

14

UMLAUF


G OE THES FAUST

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

UMLAUF

15 15


RICHTIG ERKANNT

Nicht nur Kleider mache VON UNSEREM REDAKTEUR SCHAHIN SAKET

„Modisch voll daneben!“, „Konservativ und alt!“ oder „Langweilig und zu akkurat“ sind Eigenschaften, die Schüler mit dem Begriff „Lehrer“ am häufigsten assoziieren. Detlef Eichner, Sport- und Englischlehrer an unserer Schule, scheint jedoch all diese Klischees zu widerlegen. So hört man von unseren Schülern Aussagen wie „Jung und dynamisch!“, „Modisch auf dem besten Stand“ und „Cool und aufgeschlossen“ um den gerade mal 32jährigen Lehrer zu beschreiben.

H

ände locker in den Taschen, die Beine überkreuzt, den Körper lässig an den Schrank gelehnt und mit einem natürlichen Lächeln, so präsentiert sich Herr Eichner völlig ungeniert vor der Kamera. Bekannt für seine Lässigkeit und für sein Modebewusstsein hat er sich schon so manch einen Namen bei den Schülern gemacht. Für die weiblichen ein Mädchenschwarm und für die männlichen das Vorbild für den Adoniskörper gehört er zu den TopLieblingslehrern an unserer Schule. In dem Internetportal „Spickmich“ bekommt Herr Eichner sage und schreibe die Bestnote 1,7 und lässt sogar Schülerlieblinge wie Herrn Beuchel hinter sich. In kurzer Zeit eroberte Herr Eichner die Sympathie unserer Schülerschaft und vor allem die Sympathie der weiblichen Mitschülerinnen.

16

UMLAUF


G OE THES FAUST

en Leute, Herr Eichner! Denn schon so manch ein Herz von unseren Schülerinnen schlug höher, wenn früh am Morgen Herr Eichner den Englischunterricht in seiner Klasse antrat. Zum Bedauern all derer, deren Herzen beim Gedanken an Herrn Eichner höher schlugen, hat unser Adonis leider seine Venus gefunden und ist seit zwei Jahren glücklich verheiratet. Apropos Adonis. Natürlich fragen sich unter uns die meisten, was Herrn Eichners Erfolgsrezept ist und wie man dieses nachahmen kann. Laut seinen eigenen Angaben sind 12 Jahre Leistungsschwimmen der Grund für seinen definierten Körper. Nebenbei betreibe er ein-

Stolz präsentiert er gern seinen hart antrainierten Bizeps.

bis zwei Mal die Woche Fitness mit seinem Kollegen und Freund Herrn Beuchel. So also entstand dann wohl der bekannte 37,5 cm-Bizeps. Aber nicht nur wegen seines beneidenswerten Adoniskörpers, sondern vielmehr wegen seiner Stilsicherheit ist Herr Eichner in Schülerkreisen Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

bekannt. Braune moderne Sneakers, passend zum gestreiften Poloshirt der Marke Titus und einem schlichten, aber modisch top-aktuellen Paar Jeans, dazu noch eine breite braune Lederarmbanduhr und die berüchtigte Surferkette als Accessoires und schon haben wir den neumodischen Surfer/Skater-Look zusammen. Modisch also auf dem besten Stand. Wie das möglich ist? Herr Eichner kauft gerne bei Geschäften wie „Fingerz“ oder „Titus“ ein und verfehlt somit den Schülergeschmack in keiner Weise. Er weiß also, was gerade „in“ ist und bekommt daher 10 von 10 Punkten in Thema Styling. In seinem Alltag kombiniert er gerne schlichte Hosen mit auffälligen, grellen T-Shirts und steht sowieso mehr auf Farbiges und Buntes. Denn Herrn Eichners weises Motto ist: „Der Alltag ist grau genug“. Etwas jedoch fehlt fast nie bei seinen selbstausgesuchten Outfits: die Kette, ein Geschenk seiner Frau. Diese trägt er nun seit neun Jahren, und sie dient außer als modisches Accessoire auch als Glücksbringer. So versteht es sich von selbst, dass die Kette für ihn neben einem materiellen auch einen sentimentalen Wert hat. Herr Eichner hat eben auch eine gefühlvolle Seite. Aber wie heißt es so schön: Aller guten Dinge sind drei! Denn es gibt noch etwas, für das der Lehrer sehr

bekannt ist – und das nicht nur bei den Schülern: die Frisur. Die Shaolin-Mönch-Frisur ist mit 32 Jahren zwar sehr ungewohnt und auch eigentlich nicht gewollt, aber dennoch voll „up-to-date“. Denn selbst der stilsichere Mädchenschwarm und Juror von „Germany’s

Die Kette um den Hals, ein Geschenk seiner Frau, hat für ihn einen besonderen sentimentalen Wert.

next Top Model“ Peyman Amin hat keine Haare auf dem Kopf und liegt dennoch voll im Trend. Herr Eichner macht also nichts falsch. Und die Haare sind eigentlich so gesehen nur das i-Tüpfelchen für den vollkommenen Surfer-Skater-Look unseres Lieblingslehrers. Von so viel Stilsicherheit und Dynamik könnten sich so einige „graue“ Lehrer ein Scheibchen abschneiden. Denn Herrn Eichners sportliches, dynamisches, modisch bewusstes und selbstverständlich dennoch sehr kompetentes Auftreten ist eher eine Seltenheit bei uns auf dem Lehrerflur. Also Hut ab und weiter so! U UMLAUF

17 17


Kurz notiert ZUSAMMENGESTELLT VON UNSEREM REDAKTEUR SCHAHIN SAKET 100 Jahre Ruderverein Der Ruderverein feierte letztes Jahr sein 100-jähriges Jubiläum. Ruderer, Familie und Freunde werden diese unvergessliche Feier in Erinnerung behalten. Neben ehemaligen Ruderern und Medaillenträgern waren Schüler und Schülerinnen, Oberbürgermeister Bertram Hilgen, Vertreter des Hessischen Ruderverbandes und Schulleiter Waldemar Gries anwesend. Tag der Technik Unsere Schule nahm neben einigen weiteren Kasseler Schulen an dem Tag der Technik 2008 teil. An diesem Tag war es hunderten von Schüler/innen ermöglicht worden, einen kurzen, aber guten Einblick in die Welt der Technik und vor allem in die eines Ingenieurs zu erhaschen. Der Tag wurde von den führenden Kasseler Firmen wie SMA oder VW unterstützt.

on Ansehen und Respekt. Neben Jongleuren, Akrobaten, Pianisten und Sängern stachen vor allem die drei Erstplatzierten heraus: In der Unterstufe gewann Janick Orf aus der 6e, der mit seiner Hip-Hop Tanz-Einlage nicht nur der Jury bewies, dass gutes Tanzen nichts mit Alter zu tun hat. Die Siegerin der Mittelstufe wurde Jana Mendel aus der 7e, die mit ihren akrobatischen Turnkünsten den Zuschauern den Atem raubte. Sie konnte ihren zierlichen Körper weiter dehnen, als manch einer für möglich hielt. Xavier Moussa war nicht nur der Gewinner der Oberstufe, sondern auch der allgemeine Sieger des Wettbewerbs. Mit seiner Tanzeinlage faszinierte er alle dermaßen, dass nichts anderes mehr übrig blieb, als eine Zugabe zu verlangen. Oberstufen-Fußballturnier 2009 Am Dienstag, den 10. Februar, war es wieder soweit: Das alljährliche Oberstufenfußballturnier fand zum 32. Mal in der Emil-Junghenn-Halle statt. In einem packendspannenden Spiel gewann die Mannschaft des GoetheGymnasiums endlich einmal wieder das selbstorganisierte Turnier, in dem die Schiedsrichter wie immer eine Menge zu tun hatten.

Bildungsstreik „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut“, schrieen hunderte von unseren Schüler/innen während des Bildungsstreiks am 12.11.08. An diesem Tag blieben die Klassenräume fast leer. Dafür traf man die meisten Schüler, laut pfeifend oder schreiend, um zehn Uhr vor dem Rathaus an. Die Lehrer blieben ratlos oder verärgert zurück. Demonstriert wurde unter anderem für die Abschaffung von G8 (dem „Turbo Abitur“) und dem dreigliedrigen Schulsystem, sowie für kleinere Klassen mit höchstens 20 Schülern.

Faschingsfeier Unsere ehemaligen 13er organisierten eine diesjährige Faschingsfeier. Neben supertollen Kostümen und tollem Büffet waren vor allem die Programmpunkte sehr unterhaltsam. Modenschauen, Tombola -Lose oder der Auftritt der Band „Bunfight“ (gegründet von Schülern unserer Schule) sorgten für einen erfolgreichen und sehr guten Abend!

Goethes Talentewettbewerb „Wir suchen DICH! Goethes Talent 2009“ war das Motto unserer engagierten SV. Nach einem langwierigen Casting und vielem Hin und Her gab es zum ersten Mal in der Geschichte des GoetheGymnasiums einen Talentwettbewerb. Zu gewinnen gab es zwar nichts Materielles, aber sicherlich eine Riesenporti-

Frühlingskonzert Bei unserem diesjährigen Frühlingskonzert konnten sich wieder alle von ihrer musikalischen und kreativen Seite präsentieren. Eins hatten alle gemeinsam: Sie glänzen mit dem, was sie machten! Ob Poetry Slam oder der Schulchor, alle sorgten für einen wunderschönen Abend, der Lehrer, Familien, Schüler und Freunde begeisterte

18 18

UMLAUF

UMLAUF


GGOEOETHES THESFFAUST AUST Schweden-Austausch Auch dieses Jahr nahm unsere Schule an einem Schweden-Austausch teil. Unsere Schüler/innen bekamen einen neuen Einblick in die schwedische Kultur. Schleunigst wurden sämtliche Klischees wie Knäckebrot und Pippi Langstrumpf von neuen, tollen Erfahrungen übertönt. Beide Seiten erfuhren positive Resonanz und freuten sich über die neuen Erlebnisse, die ihren Horizont ein wenig mehr erweitert haben. Solarcup Wie in den letzen Jahren, stellten sich unsere Schüler des WPU Physik Kurses der Herausforderung des Solarcups. Unter Herrn Pflügers Leitung konnten unsere Physiker auf dem diesjährigen Solarcup mehrere Preise absahnen. Der Solarcup ist eine jährliche Veranstaltung, an der unsere Schule durch die Mithilfe Herr Pflügers nun schon seit drei Jahren erfolgreich teilnimmt. Verabschiedung der Abiturienten Eine melancholische Stimmung prägte den Abiball 2009. Eine unvergessliche Nacht wird allen Abiturienten im Ge-

dächtnis bleiben. Neben vielen witzigen Einlagen, die den Ausfall des Abistreiches kompensieren sollten, sorgte auch das leckere Buffet und schöne Musik für eine Stimmung der besonderen Art. Abschied von unserem Schulleiter Waldemar Gries Nach sieben Jahren verlässt Waldemar Karl Wilhelm Gries das Goethe-Gymnasium für eine Stelle als Direktor an der Deutschen Schule Washington. Wehmütig und mit zahlreichen Auftritten und Reden verabschiedeten sich unsere Lehrer, Schüler und Freunde am 10. Juli von unserem Direktor. In seiner sieben jährigenTätigkeit als Direktor an unserer Schule gelang es ihm, das Goethe-Gymnasium wieder zu der Topp-Schule Kassels zu machen. Unsere neuen Klassen 5 Zum Schuljahresbeginn begrüßte das Goethe-Gymnasium 148 Schülerinnen und Schüler der neuen Klassen 5 in einer Feierstunde. Anschließend wurden sie mit ihren Klassenlehrerinnen und -lehrern vom Förderverein des GoetheGymnasiums mit Speisen und Getränken verwöhnt. U

Anzeige

Ausgabe Nr. 71 - 2008/ 28. Jahrgang Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

UMLAUF

1919 19


Lehrerhaare Welche Lehrerin oder welcher Lehrer verbirgt sich dahinter? VON UNSEREM FOTOGRAFEN TOBIAS ASCHENBRENNER

20

1.

2.

3.

4.

5.

6.

UMLAUF


14..

UMLAUF

21 21

1. Frau Coers-Dittmar 2. Herr Kräbs 3. Herr Dockhorn 4. Herr Becklas 5. Frau Schäfer 6. Herr Fohrmann 7. Herr Krück 8. Frau Loran-Pergantis 9. Herr Meist 10. Herr Peter 11. Herr Ruppert 12. Herr Clemens 13. Frau Üstün 14. Herr Eichler

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

13.

AUFLÖSUNG

7.

8.

9.

10.

11.

12.

G OE THES FAUST


Klassen 5 Unsere Neuen

KLASSENLEHRER: HERR KRATZKE ABDURAHMANI, Albina AL DAAS, Salem ARSLAN, Beyza BAS, Eren BASAK, Baris BRIMA, Leonard BRÜCKMANN, Josefine CHRISTOPHI, Manuel DITTMAR, Lukas DREWES, Hannah HAIDARI, Ruja HOTHO, Neria IFFERT, Tina KRAUSE, Jan-Niklas KUHN, Alexander

M‘BARKY, Yasemine MUJKANOVIC, Emir NEISY, Mohammed NEZIRI, Elmir NOORZAIE, Nilhab RASULI, Hekmat RAVIOR, Christopher SAKIR, Hasim SARIOGLU, Enise SUBASI, Erdalcan VERTGEWALL, Mohamed WEBER, Timo WEINREICH, Luca Susann ZACHOW, Annika

a 5

22

UMLAUF


G OE THES FAUST

KLASSENLEHRERIN: FRAU TRÄNKER ALTINTAS, Betül Kevser AYDIN, Asli CENGIZ, Okan CEYLAN, Melisa CHAHROUR, Betul CINAR, Zeynep DARWISH, Kara DUDEK, Maximilian DURDUOGLU, Kaan GIRMAY ARAIA, Meron GÖKSU, Yasemin HOLZMANN, Jana HÜBENTHAL, Louisa KALLWEIDT, Jonas KARA, Naci

KLANKERS, Sarah MARHAN, Marco MÜHLENBEIN, Fabian PONAMPALAM, NishanI SCHNELL, Sidney Jaqueline SCHULT, Paula SCHWARZKOPF, Erik SEFERINOGLU, Meltem SEITZ, Julia-Theresa SHUBBAK, Abdulrahman WEGENER, Henry ZERFU, Jakob ZIONSKI, David ZIONSKI, Veronika

b 5

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

UMLAUF

23 23


KLASSENLEHRERIN: FRAU DR. HEINEMANN BARON, Ve BAUMANNS, Merlin BECKER , Julia BULUT, Sinem CANBERI, Sevim ENGEL, Alexandra ENGEL, Anastasia FELS, Rebekka HAUSMANN, Justin KRAMER, Dennis KREKEL, Enrico LECH, Denis MENTEL, Kai MESSERSCHMIDT, Lukas NGUYEN, Diem-Quynh Lina

OSMANAJ, Laura ÖZ, Burhan POLIKOWSKI, Jonas POPKOV, Vidana PROBST, Sophie RAHIMI, Redon SACHARENKOW, Daniel SCHWARZ, Gina Maria STROBL, Leonie SULIMAN-BAKHEIT, Karim TASDEMIR, Atahan TEITGE, Felix Fabian TEMEL, Simal ZOU, Yijian ZWOLINSKI, Daniel

c 5

24

UMLAUF


G OE THES FAUST

KLASSENLEHRERIN: FRAU PAULI ALTINKAYMAK, Muhammed BEUERMANN, Dörte Viola DIETER, Erik EDEER, Omer EGGERS, Mirco FISON, Aleyna GÜN, Dilara GUNDLACH, Marcel ISCANLI, Büsra KARAAHMET, Ulas KIZILKAYA, Salih KOCH, Tobias KÖNIG, Pia KUNTZE, Stefanie LEGRA, Lisandro

LUBNER, Carolina MEIL, Roman NENDZIG, Niklas POLLACK, Lea RETZSCHLAG, Lisa RODBAN, Sofiya SANORI, Muniera SCHEIDEMANN, Marie-Chantal TIHOVSKOJ, David TSCHERNJAVSKIJ, Paulina TUTULMAZ, Fatih UHDE, Maximilian WENGEL, Patrick WILLER, Sergej ZIBERT, Laura

d 5

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

UMLAUF

25 25


KLASSENLEHRERIN: FRAU DIETRICH BABERUXKI, Mascha BAUER, Jan BAYKAN, Semih BOCKELMANN, Adrian BRUNNMAYER, Tamara EGELI, Mehmet FERRARI, Fabian FRANK, Leonie FRANK, Louis GEHRHARDT, Aaron GERKE, Felix GUNDLACH, Kimberly IFFERT, Lukas JOSWIG, Dean-Etienne L‘HOEST, Violeta

POHL, Madlen PONTIUS, Leon RUTH, Lars SAHITAJ, Mergim SCHAELING, Jonas SCHMID, Isabelle SCHUBACH, Erik SEIDEL, Selina STACKEBRANDT, Tobias STÜSSEL, Maik VON STOCKHAUSEN, Jakob VOSS, Michael WENZEL, Kevin WIENS, Heinrich YALCIN, Yade

e 5

26

UMLAUF

U


G OE THES FAUST

Neun Fragen zum Abschied an Schulleiter W. Gries VON UNSERER REDAKTEURIN MARA LIEBEHENZ

1. Herr Gries, nun ist es nicht mehr lange bis zu Ihrer Abreise. In wieweit tut es Ihnen weh das Goethe-Gymnasium zu verlassen? Es tut schon weh nach sechseinhalb Jahren diese Schule zu verlassen. Ich hatte wirklich eine schöne Zeit mit netten Kollegen und vor allen Dingen freundlichen Schülern. Diese habe ich immer als sehr engagiert und respektvoll empfunden. Mit Engagement haben wir gemeinsam etwas bewegt, das Goethe-Gymnasium positionert und die Profile geschärft. 2. Was haben Sie rückblickend nach fast sieben Jahren in Ihrer Zeit am Goethe-Gymnasium erreicht und wo sind Baustellen geblieben? Ich bin generell ein Teamplayer. Wie schon erwähnt, haben wir eine Menge erreicht. Unsere Schule hat eine gute Position in der Schullandschaft, nicht zuletzt weil wir uns auf die Stärken konzentriert haben. Beispielsweise wurde das Profil der Sportklassen verändert, was aber auf Grund der hohen Anmeldezahlen positiv aufgenommen wurde. Außerdem ist mit dem naturwissenschaftlichen Schwerpunkt ein weiterer Schritt zur Schärfung der Profile getan worden. Natürlich darf man nicht unseren bilingualen Zweig vergessen. Allein dieses Jahr haben 34 Schüler ein bilinguales Abitur gemacht, davon haben 25 Schüler das international anerkannte Cambridge Certificate of Advanced English absolviert. Baustellen sehe ich generell noch in der Umsetzung von G8. Es müssten kleinere Klassen und Lerngruppen geschaffen werden und Klassenräume - gerade in der Physik und Chemie - saniert werden.

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

Es wird einfach viel mehr Unterstützung vom Schulträger benötigt, um diese Pläne zu verwirklichen.

Natürlich, meine Frau ist auch begeistert und unsere dreijährige Tochter trägt ständig ihr „Obama T-Shirt“.

3. Trotz der vielen Erfolge verlassen Sie unsere Schule. Was waren Ihre schönsten Momente, an die Sie sich immer wieder gern erinnern? Ich erinnere mich an einen toll organisierten Sporttag im Auebad. Ich erinnere mich an die große Zahl der diesjährigen Cambridge Certificate Absolventen. Ich erinnere mich an die Erfolge in der Mathematik, an eine wirklich hervorragende Vergleichsarbeit der Klassen 8. Ich erinnere mich an gelungene Kollegiumsausflüge und -feste. Und ich erinnere mich an so einige Faschingsabende.

6. Kommt in der Aufbruchsstimmung nicht ein wenig Wehmut bei Ihnen auf? Ja, Wehmut kommt auch auf, schließlich müssen wir ja den Großteil unserer Freunde und Verwandten verlassen und ich muss sagen, dass ich immer gerne in Kassel gewohnt habe. Doch am meisten werden mir wohl die Menschen fehlen.

4. Was hat Sie denn nun eigentlich dazu geführt nach Washington DC zu gehen? Das ist eigentlich meine persönliche Geschichte. Ich erinnere mich da immer wieder an meine eigene Schulzeit zurück und an einen Lehrer, der oft von seinen Erfahrungen als Lehrer im Ausland schwärmte. Auch nach meinem Studium hatte ich schon immer davon geträumt ins Ausland zu gehen und bin dann auf den Kanaren an einer Schule gewesen bevor ich ans Goethe-Gymnasium kam. Da ich im Verband deutscher Lehrer im Ausland bin, habe ich mich dann für eine Stelle in Washington beworben und konnte mich gegen 80 andere Bewerber in mehrstufigen Auswahlverfahren durchsetzen.

8. Das heißt, Sie blicken auch optimistisch in die Zukunft oder wie stellen Sie sich diese vor? Ja, ich freue mich schon auf Amerika, es gefällt mir dort. Gerade Obama vertritt eine gute Position und ich denke, es wird mir leichter fallen als unter der Bush-Regierung.

5. Und welche Bedeutnug hat Ihre Familie bei der Sache? Hält Sie Ihnen den Rücken frei?

7. Schwingt da auch etwas Skepsis mit? Haben Sie Ängste oder Befürchtungen? Nein, das überhaupt nicht. Ich bin generell eher ein Optimist.

9. Was ist Ihr letzter Wunsch für das Goethe-Gymnasium? Alles Gute. Ich wünsche dem Goethe-Gymnasium interessierte und kluge Schüler und engagierte Lehrer, die gern mit Schülern arbeiten und eine glückliche Hand bei den konzeptionellen Entscheidungen. Herr Gries, vielen Dank für dieses Gespräch und alles Gute für Sie und Ihre Familie.

U

UMLAUF

27 27


i v s n i r a e e r n d e Föördr erve- Gym F oeth G

Im Jahr 2008 wurden dank der Mitgliedsbeiträge und Spenden folgende Veranstaltungen vom Förderverein unterstützt und Anschaffungen für das Goethe-Gymnasium im Gesamtwert von ca. 23.000.– EUR getätigt:

Aktuelles Guten Tag liebe Umlauf-Leser, ich möchte mich an dieser Stelle ganz persönlich bei allen Helfern, Spendern und Unterstützern bedanken, die es überhaupt erst möglich gemacht haben, dass wir nunmehr seit über 5 Jahren die Schule mit nicht unerheblichen Spendenbeträgen unterstützen konnten. Die Grundidee des „neuen“ Fördervereins, aktiv und gemeinsam mit Schülern und Eltern etwas zu bewegen ist somit mit Leben (und viel Geld) gefüllt worden. Geld, das ausschließlich und direkt der Schule und damit unseren Kindern zur Verfügung gestellt werden konnte. Manchmal erscheint es fast schon selbstverständlich, dass wir Jahr für Jahr Beträge um die 20.000,- Euro zusammenbekommen. Das ist es beim besten Willen nicht. Es ist immer wieder aufs Neue eine enorme Anstrengung und auch aus diesem Grund können wir alle stolz sein. Bitte lassen Sie uns so weiter machen. An dieser Stelle möchte ich auch nicht versäumen, mich im Namen des gesamten Vorstandes bei den Lehrern und bei dem scheidenden Schulleiter Waldemar Gries für deren konstruktive und sehr teamorientierte Zusammenarbeit zu bedanken. Herrn Gries wünsche ich, dass er in seiner neuen Position in Washington ein ähnlich positives Eltern-Schule-Umfeld vorfindet. Alles Gute von dieser Stelle. Ihr Ulf R. Meckbach 1. Vorsitzender

28

UMLAUF

Unterstützung Oberstufenfußballturnier Unterstützung Solarcup Unterstützung Mathe-Olympiade Unterstützung Chemie AG Projektarbeit Unterstützung Vorlesewettbewerb Fördervereinsaktionen : Einschulungsfeier und Abifeier Software für Schulprogramme Sporttrikots für Ruderer Bücher Bilingualer Unterricht 30 Duden / Fremdwörter / Rechtschreibbücher Bücher Französischunterricht Bücher für die Bibliothek Schützenstraße Vokabelkartei Videorecorder Naturwissenschaftlicher Bereich Beamer / Notebooks 2 Monitore Rudertraining Videoprojektor mit Deckenhalterung Ausstattung Schulgebäude mit Blumenkübeln Magnetrahmen für den Kunstbereich Bühnenscheinwerfer Ausstattung Physikbereich: Zubehör für Schülerversuche CAS Rechner für den Mathematikbereich der Oberstufe zum Ausleihen Ausstattung Chemiebereich: Laborbedarf Abos für die Präsenzbücherei (Ecoute / Die Zeit / Times) Ausstattung Schulsanitätsdienst Soundcheckanlage / Bassverstärker / Mikrofone für den Musikbereich Ausstattung Sportbereich mit Stabhochsprungstäben / Volleybällen / Mannschaftsbändern / Football-Flags / Springseilen Für das Schulsportzentrum: Futsal Bälle / Korbständer / Frisbees / Magnesiumblöcke / Gymnastikbälle und -bänder / Bohnensäckchen / Indiaca Play / Zipp Play / Balancierteller / Mannschaftsbänder Unterstützung Klassenfahrten aus dem Sozialfond div. Kleinstartikel (Weihnachtsdeko/ Farben für Klassenraumrenovierung) Preise für diverse Wettbewerbe (u.v.m.) Darüber hinaus wurden mit den vom Kultusministerium für das Ganztagsprogramm zur Verfügung gestellten Geldern Personalkosten (Nachmittag AG‘s, Hausaufgabenhilfe) in Höhe von ca. 25.380,– EUR und Sachkosten (Ausstattung Präsenzbücherei Schützenstr. / Aufenthaltsräume) in Höhe von ca. 7.250,– EUR finanziert.

Im Rahmen des vom Förderverein bewirtschafteten Mittagstisches konnten mit dem von der Stadt Kassel zur Verfügung gestellten Geld auch erforderliche Ausstattungen (z.B. Kannen, Getränkespender, Teezubereiter, Picknickbänke, Sonnenschirme usw.) im Gesamtwert von ca. 5.000,– EUR angeschafft werden.


G OE THES FAUST

Gans ganz lecker! Weihnachtsessen in der Mensa Schützenstraße, 12.Dezember 2008 Lange Schlangen bildeten sich an der Essensausgabe. Eltern und Schüler(innen) reihten sich ein, um an dem gemeinsamen Weihnachtsessen, zu dem der Förderverein eingeladen hatte, teilnehmen zu können. So gut war die Mensa in der Schützenstraße an einem Freitag noch nie besucht, stellte auch Frau Joedecke und ihr Team bei der Essensausgabe fest. Die meisten Besucher hatten – wen wundert es so kurz vor Weihnachten – das Menü „Gänsekeule mit Rotkraut und Klößen“ gewählt. Und alle machten zufriedene Gesichter, da es nicht nur toll schmeckte und eine weihnachtliche Atmosphäre herrschte, sondern auch sehr günstig war. Alle waren sich einig – das müssen wir in 2009 wiederholen!

Info und Kontakt

Eltern, Schüler, Lehrer, Ehemalige und Förderer sind als Vereinsmitglieder herzlich willkommen. Anträge stehen im Internet zum Download bereit. Dort berichten wir auch regelmäßig über unsere Aktivitäten. Förderverein Goethe-Gymnasium Kassel e.V. Ysenburgstr. 41, 34125 Kassel Tel./Fax. (0561) 87 10 – 49 / –40 Kasseler Sparkasse KtNr. 34335, BLZ 520 503 53

Gewinner ernähren sich gesund! Wechselnde Gewinne wie z.B.

• BODYBAG • DFB-SCHAL • KARTEN-und GESELLSCHAFTSSPIEL • THERMO-TASSE usw. Wie geht’s? 1. MENÜ am Automat bestellen. 2. Menübon (Zettel aus Menübestellautomat) entnehmen. 3. Vorname, Nachname und Klasse auf die Rückseite des Menübons schreiben. 4. Zum Mittagessen den Menübon an der Essensausgabe abgeben. Jeden Montag wird der Gewinner aus allen Menübons der vorangegangenen Woche gezogen und bei der Essensausgabe bekannt gegeben. Nach Vorzeigen des Schülerausweises kann der Wochengewinn (Beispiele siehe oben) bei Frau Joedecke an der Essensausgabe abgeholt werden. Es besteht kein Anspruch auf einen bestimmten Gewinngegenstand.

www.foerderverein-goethegymnasium-Kassel.de Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

UMLAUF

29 29


NN

IM

BRE

KT

N PU

Nach bestem Wissen und Gewissen

VON UNSERER REDAKTEURIN LEA TECHEM

J

eder kennt das Gefühl, das nach einer kleinen Lüge oder einem nicht eingehaltenem Versprechen aufkommt: das schlechte Gewissen. Einer Frau mit Kinderwagen in die Bahn zu helfen oder sich für einen Fehler zu entschuldigen verschafft uns zum Beispiel ein gutes Gewissen. Gläubige erklären das Gewissen mit der Stimme Gottes, die zu uns spricht. Doch unabhängig vom Glauben kann man von einer inneren Stimme sprechen, die uns sagt ob eine Handlung falsch oder richtig ist. Unser Gewissen entstand aus den Werten, der Gesellschaft in der wir leben. Daher ist das Gewissen auch von der Herkunft und Erziehung eines Menschen abhängig. Diese Moralvorstellung spiegelt sich in den Gesetzen wider. Diese zeigen auf wie wir uns mitmenschlich verhalten sollen. Heutzutage kommt es immer öfter vor, dass Politiker, wichtige Personen der Öffentlichkeit, die Bevölkerung anlügen. „Gewissenlosigkeit ist nicht Mangel des Gewissens, sondern der Hang, sich an dessen Urteil nicht zu kehren“, sagte schon Immanuel Kant. Je nach Schwere der Tat hält das ungute Gefühl in uns länger oder kürzer an. Ein Gegenmittel gibt es nicht, die Gewissensbisse können zur alltäglichen Plage werden. Oder aber man ist so abgebrüht um es verdrängen zu können.

30

UMLAUF

Michael Kräbs, Religionslehrer und Schulseelsorger am Goethe-Gymnasium Kassel , Katholischer Diakon Das Gewissen ist der Ort, an dem mir meine Individualität am meisten bewusst wird. Auch wenn mir sehr wohl die Zusammenhänge der Gewissensentstehung bekannt sind, bleibt das Gewissen für mich ein höchst intimer Ort. Im Gewissen spiegele ich und reflektiere ich mich auf einer authentischen, emotionalen und auch verletzlichen Art und Weise. Mir hat immer sehr folgender dogmatischer Satz der katholischen Kirche gefallen, der seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) offizielle aussage über das Gewissen ist. Er lautet sinngemäß: Das Gewissen ist der Ort, an dem Vater und Mutter und sogar die heilige Kirche zurücktreten müssen. Denn was das Gewissen sagt ist authentisch. Dem Gewissen muss man folgen. Und selbst, wenn andere einem ein fehlerhaftes oder „irriges“ Gewissen bescheinigen wollen: Letztlich kann man nur ehrlich und aufrecht leben, wenn man seinem Gewissen als Kompass folgt. Dem Kompass eines anderen zu folgen, ohne auch seinem eigenen Gewissen zu folgen, hielte ich für ein Verbrechen gegen sich selbst. Martin Hein, Bischof der evangelischen Kirche von Kurhessen und Waldeck Ein Gewissen ist grundsätzlich in jedem Menschen angelegt. Es kommt allerdings darauf an, es zu bilden und zu entwickeln. Das ist ein lebenslanger Prozess. Das Gewissen gehört zum unverfügbaren Kern jedes Menschen. Das heißt: Kein Mensch darf gegen seinen Gewissen gezwungen werden, etwas zu tun. Kein Mensch einem anderen seine Gewissensentscheidungen absprechen. Er kann aber anderer Meinung sein und ihn durch Argumente versu-


I M B RENNPUNKT Aus - jetzt bleiben sie wieder weitere fünf Jahre. Ein schlechtes Gewissen habe ich beispielsweise dann, wenn wir Leserbriefe von Menschen bekommen, die sich unendlich viel Mühe gemacht haben, die wir dann aber nicht veröffentlichen können, weil beispielsweise irgendwelche strafrechtlich relevanten Behauptungen drin vorkommen. Wir sind dann formal im Recht - aber ich denke immer an die Autoren und die viele Zeit, die sie für diesen Brief

gebraucht haben. Ich schreibe denen dann immer persönlich einen Brief. Das beruhigt auch das Gewissen. Ein gutes Gewissen kann man gerade im Lokaljournalismus nicht haben. Manchmal gibt es Storys, die hart mit Menschen umgehen müssen, mit denen man gut bekannt oder befreundet ist. Da spielt dann die persönliche Beziehung keine Rolle mehr - manchmal verstehen das die Betroffenen nicht. Schlecht fürs Gewissen.

Anzeige

Geldmeister!

Horst Seidenfaden, Chefredakteur der HNA Gewissen: Das ist für mich der Teil meines Hirns, der mir sagt, ob das, was ich getan habe oder vorhabe zu tun ethisch oder moralisch in Ordnung ist. Ein schlechtes Gewissen bedrückt, ein gutes befreit. Ein gutes Gewissen habe ich immer dann, wenn wir als Zeitung durch unsere Berichterstattung Menschen, denen beispielsweise durch Behörden schlecht mitgespielt wird, helfen können. Beispiel: Die Debatte um das Schlosscafe in Wilhelmshöhe im vergangenen Jahr. Das Pächter-Ehepaar El Ahl stand unverschuldet vor dem Ausgabe Nr. 74 Herbst2009 2009//30. 30.Jahrgang Jahrgang 74-•Herbst

* für Mitglieder

Roland Koch, Hessischer Ministerpräsident Er habe im Moment keine Zeit um zu diesem Thema ein Statement abzugeben.

Info-Hotline 0 18 02 / 500 905

chen zu überzeugen. Zudem gilt: Wer sich auf seine Gewissensentscheidung beruft, muss unter Umständen mit Sanktionen rechnen. Gewissensentscheidungen können einsam machen. Auch dafür ist Martin Luther das besten Beispiel: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir.“ Mit diesen Worten hat er sich 1521 auf dem Reichstag zu Worms verteidigt. Das Gewissen gehört untrennbar zu jedem einzelnen Menschen. Es ist deshalb individuell, es ist aber nicht beliebig. Gewissen braucht ethische Maßstäbe; sonst ist es keines. Für einen Christen ist das Gewissen an die Gebote Gottes gebunden: Gott und den Mitmenschen zu lieben. Konkrete Situationen in denen ich ein schlechtes Gewissen hatte, sind schwer zu nennen. Ich fühle mich dann gut, wenn ich den Eindruck habe, dass ich Gottes Geboten gefolgt bin und mich selber im Spiegel ansehen kann.

Jetzt zupacken! Holen Sie sich das gebührenfreie Girokonto. Clever-Banking mit der Sparda-Bank. Unverwechselbar. Jetzt wechseln! www.sparda-hessen.de

Sparda-Bank Hessen eG � Filiale Kassel-Stadt · Friedrich-Ebert-Straße 4 · 34117 Kassel � Weitere Filialen in Ihrer Nähe erfahren Sie im Internet und unter Fon 0 18 02 / 500 905 (6 Cent/Anruf aus d. dt. Festnetz, abweichender Mobilfunktarif).

UMLAUF

31 31


Oda Scheibelhuber, ehemalige Regierungspräsidentin Gewissen ist für mich die innere Stimme, die einem sagt, was richtig ist und was falsch. Man soll sein Gewissen trainieren, denn nicht immer gibt einem die herrschende Meinung oder Moral die richtige Entscheidung vor. Manchmal muss man sich gegen den Mainstream stellen und z.B. jemandem den Rücken stärken, auf den alle mit Fingern zeigen. Solche Entscheidungen fallen schwer und erfordern Mut. Ich selbst habe diesen Mut manchmal, aber auch nicht in jedem Fall aufgebracht. Mein Gewissen wußte jedes Mal, dass das falsch war. Ein gutes Gewissen habe ich, wenn ich nicht kleinlich meine eigenen Interessen im Blick habe, sondern großherzig etwas für andere tue. Es kommt fast immer zu mir zurück, nicht direkt in Form von Wohltaten der Begünstigten mir gegenüber, aber indirekt in Form von guter Laune, Schwung und Überzeugungskraft, die einem zuwachsen und persönlich und beruflich weiterbringen. Dagmar Jochheim, Vertrauenslehrerin, Fachberaterin für Schule und Gesundheit Gewissen: ein Gefühl, das mir anzeigt, ob ich etwas gut gemacht, etwas vergessen oder etwas falsch gemacht habe. Die Frage, die sich anschließt, ist, was ist gut oder falsch? Da kommt es zum Teil auch auf meine subjektive Wahrnehmung an. Ich denke, dass der Begriff „Gewissen“ für verschiedene Leute etwas sehr Unterschiedliches sein kann. Manche scheinen gar keins zu besitzen. Das hängt mit der Selbstwahrnehmung und der Persönlichkeit des einzelnen zusammen.

32

UMLAUF

Handeln nach „gutem“ Gewissen: Das ist zumindest eine Richtlinie. Dahinter verbergen sich m. E. gesellschaftliche Normen und Erziehung. Was bei uns „gut“ ist oder nicht, wird uns schon sehr früh anerzogen. Ich bin ein Mensch, der „gutes Gewissen“ mit gutem Handeln gleichsetzt. Anne Janz, Stadträtin für Schule, Jugend, Frauen und Gesundheit Für mich persönlich ist mein „Gewissen“ eine wichtige Richtschnur für mein Handeln und das gilt nicht nur für mich, sondern diese Ausrichtung an gemeinsamen verinnerlichten Werten und Normen, die in unserer Kultur verankert sind, ist die wohl wichtigste Grundlage für den Zusammenhalt und das Funktionieren von Gesellschaft. Das drückt sich darin aus, dass wir diese Werte und Normen z.B. als Gesellschaft in gemeinsam getragene Grundrechte gegossen haben und sich unsere Rechtsordnung daran orientiert. „Gewissen“ ist moralische Urteilsfähigkeit und dient als innere Instanz und Orientierung für das persönliche Handeln. Zwei relativ banale Beispiele für ein schlechtes Gewissen: Ich habe ich einen Kaffeevollautomaten, der mit Kapseln gefüttert wird. Jede Tasse Kaffee produziert Plastikmüll. Da meldet sich schon mein „ökologisches Gewissen“, wenn ich mir meinen Kaffee zubereite. Heute morgen bin ich bei noch rotem Ampelsignal mit dem Fahrrad über die Straße gefahren. Hinter mir stand eine Familie mit Kindern. Auch da hat sich mein Gewissen eingeschaltet. In dem Fall leider etwas zu spät, aber immerhin, ich habe gemerkt, dass ich etwas falsch gemacht habe. Ein gutes Gewissen habe ich immer dann, wenn ich mich bis an

meine Grenzen für ein Projekt, das ich wichtig finde, eingesetzt habe. In der Politik kommt man nicht darum herum, Kompromisse einzugehen und das bereitet hin und wieder auch Gewissenskonflikte. Vieles ist dann eine Abwägungsfrage, z.B. was kann ich an anderer Stelle erreichen, wenn ich jetzt hier einen Kompromiss eingehe? Gegen ganz grundsätzliche persönliche Überzeugungen würde ich auch politisch nicht handeln. Merle Müller, Schülerin der Klasse 11 am Goethe-Gymnasium Meiner Meinung nach, ist das Gewissen eines der wichtigsten Eigenschaften eines Menschen. Es hält einen oft davon ab große Fehler zu begehen und macht die Überwindung zu einer Entschuldigung gegenüber jemandem leichter. Ein schlechtes Gewissen kann allerdings auch sehr nervig sein und einem den Tag vermiesen. Menschen ohne Gewissen sind meistens anstrengende Personen, da man selbst immer den ersten Schritt in Richtung einer Versöhnung gehen muss. Wie rein oder gut ein Gewissen ist, hängt häufig mit der Gesellschaft und dem sozialen Umfeld zusammen. Bernd Wondrak, evangelischer Religionslehrer, Pfarrer im Schuldienst Gewissen ist für mich die Freiheit, die Gott dem Menschen in Form eines inneren Kompasses gegeben hat. Ob der Mensch aber auf diesen Kompass hört, bleibt ihm und seiner Sensibilität überlassen, ebenso kann er ihn überhören. Meine persönlichen Erfahrungen haben gezeigt, dass ich zum Beispiel ein gutes Gewissen habe, nachdem ich einem anderen Mitmenschen in welcher Art auch immer helfen konnte.


I M B RENNPUNKT Bertram Hilgen, Oberbürgermeister der Stadt Kassel Ein eher schlechtes Gewissen habe ich, wenn ich solche Anfragen einer Schülerzeitung in meiner Stadt nicht selbst beantworten kann. Ein Oberbürgermeister hat für solche Fragen Mitarbeiter, die ihm guten Gewissens die Antworten vorbereiten. Besonders Politiker müssten ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie Versprechungen nicht einhalten. Ich bemühe mich deshalb guten Gewissens, nur Dinge zu versprechen, die sich auch einhalten lassen, selbst wenn die Verwirklichung manchmal länger dauert. So bei der Abschaffung der Gebühren für Kindergärten. Bei der Stadt Kassel geht es dabei oft ums Geld. Schulen wünschen

neue Räume, einen neuen Schulhof und ich muss für die Stadt Kassel darauf hinweisen, dass wir nur soviel bauen können, wie wir auch bezahlen können. Zur Zeit gibt es eine kleine Ausnahme, denn zur Belebung der Bauwirtschaft in der jetzigen Wirtschaftskrise investieren wir guten Gewissens viel in unsere Schulen. So am Goethe-Gymnasium rund 1,5 Mio. Euro. Nur die gewünschten Physikräume sind erst ab 2010 bezahlbar. Schließlich wird das Geld auf alle Kasseler Schulen verteilt. Muss ich deshalb ein schlechtes Gewissen haben? Ein bisschen habe ich eher ein schlechtes Gewissens, wenn ich daran denke, dass die Kinder und Enkel diese zusätzlichen Schulden wieder zurückzahlen müssen.

Michelle Kirchling,Schülerin der Klasse 11 am Goethe-Gymnasium „Gewissen stammt vom lateinischen Wort „conscienta“ ab, was so viel wie Mitwissen oder Bewusstsein bedeutet. Das Gewissen ist die Stimme in dir, die wie ein Richter „Ja“ oder „Nein“ sagt, wenn du dich in einer Art Selbstkonflikt befindest. Außerdem ist es immer abhängig von einer Person, wie diese innere Stimme im Kopf sich verhält. Ein schlechtes Gewissen kann im Alltag belastend sein, da es einen immer begleitet. Mit einem reinen Gewisssen lebt es sich also definitiv leichter!“ U

Anzeige

Zukunft kann man lernen. Metall- und Elektroberufe in eurer Region Auf unserer Internetseite unter dem Menü „Ausbildung“ findet ihr:

Eure Chance in Nordhessen: • alle Ausbildungsberufe • umfassende Informationen • Aufstiegs- und Weiterbildungs möglichkeiten • wichtige Ansprechpartner

Auch für mich!

www.arbeitgeber-nordhessen.de Verband der Metall- und Elektro-Unternehmen Hessen, Bezirksgruppe Nordhessen e. V.

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

UMLAUF

33 33


Aus Schrott Geld mac

Von Omas Kochtopf zum chinesischen Hochh

34

UMLAUF


ZEITPUNKTE

chen

haus

Schrott war noch nie ein Abfallprodukt. Er wird recyclet und neuer Baustoff in Ländern, die Unmengen Stahl und Metall für ihre Entwicklung brauchen. Davon profitierten auch Schrottsammler in Deutschland. Doch der Profit ist drastisch gesunken. Grund dafür ist die Umweltprämie, die Deutschlands Straßen von Schrott „säubern“ soll. Aber leistet sie wirklich Gutes und wie leiden die Schrotties unter ihr?

VON UNSEREM REDAKTEUR STEFFEN ENGELBRECHT

E

s ist laut, hektisch und wirkt chaotisch. Die alten Transporter, die sich wie Arbeitsameisen in die kleine Yorkstraße am Hallenbad Ost quälen, bringen diesen wirren Ort zum Pulsieren. Doch was auf den ersten Blink unorganisiert wirkt, bringt den Betrachter nach einiger Zeit zu einer ganz anderen Erkenntnis: Hier wird aufgeräumt. Man findet hier auch noch mehr als nur Schrott. Da türmen sich Kabel, Autos und eckig gepresste Papierballen nebeneinander. Omas alter Kochtopf landet gleich neben dem ausgeschlachteten, verrosteten Golf II. Zwischen all diesem Schrott und Müll dreht sich eine Art blauer Bagger, der mit seinem riesigen Greifarm mühelos Heizkörper, Fahrräder oder alte Campingstühle umherschleudert und mit lautem Krachen auf dem Berg mit dem anderen Metall deponiert. Beim ersten Gedanken an Schrott bleibt selten ein Bild von Schönheit oder Eleganz zurück. Doch blendet

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

man den Lärm und das Kreischen von sich biegendem Metall aus, bekommen die Bewegungen des monströsen Greifarms und die Berge aus rostigem Altmetall durchaus eine gewisse Anmut. Jetzt ist zu verstehen, warum der Künstler John Salt besonders Autowracks ästhetisierte. Verantwortlich für diese künstlichen Berge sind Unternehmen, die ihre Abfallstoffe hierher zum Recycling bringen. Aber vor allem die zahlreichen Schrottsammler tragen ihren Teil dazu bei, dass die Metallberge weiter wachsen. Das einst lukrative Geschäft mit dem Schrott trieben sie in Scharen auf Kasseler Straßen und neben Fahrrädern, die dankend entgegengenommen wurden, wurden sogar Eisenbahnschienen der Deutschen Bahn abgebaut und schwarz verkauft. Schaut man heute in die Gesichter der Schrottsammler, merkt man schnell, dass sich der Metallboom ausgeboomt hat. Der Fahrer eines weißen durchgerosteten VW LT35 klagt sein Leid: „Die Abwrackprämie

UMLAUF

35 35


Die fünf Greifzähne können mühelos jeden Schrott durch die Luft heben.

hat einiges kaputt gemacht. Damals gab es noch viele Schrottsammler. Heute tun sich das nicht mehr viele an.“ Kein Wunder: Der Oktopus

auch Verschrottungsprämie und besagt, wer sein neun Jahre altes Auto in die Schrottpresse entlässt, kassiert 2500 Euro vom Staat für einen Neu-

Deutscher Schrott hilft den asiatischen Stahlbedarf zu decken.

Weltwirtschaftskrise schlingt seine Tentakel auch um diese Branche und zieht sie in die Tiefe. Das Automobilland Deutschland lahmt und braucht die Unterstützung der Politik. Die Antwort heißt Umweltprämie, Abwrackprämie oder

36

UMLAUF

wagen. Das bedeutet für die Schrottsammler: So viel Schrott, wie durch die abgewrackten Autos anfällt, können sie gar nicht liefern. Auch der Preis sinkt gewaltig. Bekam man in Spitzenzeiten noch weit über 200 Euro pro Tonne Schrott,

sind es heute meist nicht mehr als 50 Euro. Was dank Umweltprämie in der Presse landet, ist aber nicht immer gleich Schrott. Häufig werden Autos zerschreddert, die weit über 2500 Euro wert sind. Auf der Website der DAT (Deutsche Automobil Treuhand GmbH) kann man sich den aktuellen Händlereinkaufswert für seinen Gebrauchten ausrechnen lassen. So würde man für einen neun Jahre alten 5er BMW mit 136 PS und dreihunderttausend Zählern auf dem Kilometerstand noch knapp 3.900 Euro bekommen. Doch Gier macht bekanntlich blind und so wurde neben diesem praktischen Service auch der Verstand mancher Autokäufer nicht genutzt. Den Titel als Umweltprämie hat die Abwrackprämie ebenfalls nicht verdient. Das neue Auto müsste durchschnittlich 15 bis 20 Prozent weniger Sprit verbrauchen als der Vorgänger. Denn die Herstellung eines neuen PKW verursacht nahezu 20 Prozent der CO2-Menge, die ein Auto in seinem Leben ausstößt. Meist wird diese Regel vom Autokäufer aber nicht beachtet und die Rechnung zur Rettung unserer Umwelt geht nicht auf. Die Umweltprämie ist somit eher eine kurzfristige Rettung zahlreicher Arbeitsplätze, die auf das Loch nach der Beendigung der Umweltprämie zurutschen. Wem ist also geholfen? Hauptsächlich wird wohl das Gewissen der Regierung beruhigt. Die Autoindustrie blüht nur kurzfrisitg wieder auf und die stolzen Neuwagenbesitzer ärgern sich vielleicht, wenn ihr altes Auto doch mehr wert war, als sie dachten. Wer heute Ersatzteile auf dem Schrottplatz sucht, mag sich vielleicht freuen, aber Umweltschützer und auch Schrotties leiden unter der Abwrackprämie.


ZEITPUNKTE

Samstags ist der beste Tag für Schrottsammler. Samstags sind die Leute zu Hause.

ihren mit der Umweltprämie erstandenen Neuwagen polieren, bimmelt der Schrotthändler an ihnen vorbei und holt die überflüssig gewordenen Fahrräder ab. Neben dem Entsorgungsziel tun Schrottsammler aber auch mehr oder weniger freiwillig etwas für die Umwelt. Das Metall kann recyclet werden und geht auf eine neue Reise. Das weniger lukrative Geschäft wird also wahrscheinlich trotz Umweltprämie, die nichts als Augenwischerei ist, immer bestehen bleiben und es ist schwer sich vorzustellen, dass die „Schrotties“ einmal ganz von den Straßen verschwinden werden. Somit sorgen sie weiter dafür, dass vielleicht einmal aus Omas altem Kochtopf ein chinesisches Hochhaus U wachsen kann.

Realisation: www.schaab-pr.de, Siegburg | Photo: www.imagesource.de

Dem Schrottsammler mit dem weißen LT35 ist anzusehen, dass die Ausbeute heute nicht gut war. „Mein Wagen schluckt locker zehn Liter auf hundert Kilometern. Man kann sich ja ausmalen, wie viel dabei SZ_AZ_0505 05.05.2003 14:04 Uhr Seite 1 Anzeige rumkommt, bis ich mit einer Tonne Schrott hier wieder stehe, um 50 Euro abzuholen “, erzählt er. Er will sich weder fotografieren lassen noch seinen Namen nennen. „Besser nicht“, meint er, „ich mache das mehr nebenbei, um mein Hartz IV aufzubessern.“ Schon sitzt er wieder hinter dem Lenkrad des verrosteten Kleinlasters, der wohl selbst bald ein Fall für die Schrottpresse sein wird. Doch es schieben sich weitere Lastwagen in die kleine Straße. Für ihren Schrott zahlt die Heinrich Räder GmbH. Das über hundert Jahre alte Unternehmen hat einen moderneren Recyclinghof, auf dem neben Metall auch Papier und Pappen, Kunststoffe, Styropor, Holz, Bauschutt und Elektronikschrott deponiert werden. Aber vor allem Metall ist gerade in den so genannten Schwellenländern so gefragt wie noch nie. Gerade in den asiatischen Ländern ist die Nachfrage riesig. Aufgeblasene Informationen? Auch wenn die Nachfrage es noch nicht wirklich schafft, Mach dein eigenes Ding und bewirb dich mit deiner unter www.schule-und-zeitung.de für die den Preis in die Höhe zu treiben, fahren regelmäßig SchrottNicht mit Uns! Klasse Jugendprojekte der SZ! sammler die Umgebung ab. An ihren Transportern prangen Schilder – „kostenlose Schrottabholung“ und eine Handynummer sind die wichtigsten Informationen für ihre Kunden. Die wiederum sind einfach nur froh ihren Schrott loszuwerden. Samstags ist der beste Tag für Schrottsammler. Samstags sind die Leute zu Hause. Und während sie in der Garage Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

UMLAUF

37 37


Einb端rgerungstest

Der scheinbar perfekte Deutsche wird g

38

UMLAUF


ZEITPUNKTE 113030 Einbürgerungen in Deutschland allein im Jahr 2007. Diese Zahlen zeigen, dass viele der in Deutschland lebenden Ausländer sich sehr danach sehnen, den deutschen Pass zu erhalten, um ihre Integration in

geboren

die deutsche Gesellschaft endgültig zu vollenden. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen sie allerdings seit dem 1. September 2008- rückwirkend für alle nach dem 30. März 2007 gestellten Anträge- nicht nur ein Zertifikat über ausreichende Sprachkenntnisse vorlegen, sondern auch den vom Bundesministerium des Inneren herausgegeben Einbürgerungstest erfolgreich absolvieren. VON UNSERER REDAKTEURIN JANINA SCHMIDT

D

er Einbürgerungstest ist verpflichtend für alle Menschen über 16 Jahren. Lediglich Kinder unter 16 Jahren, ältere Menschen über 65 Jahren, Behinderte und Kranke sind vom Test befreit. Dennoch reicht ein deutscher Hauptschulabschluss genauso gut aus, um ausreichende Kenntnisse der Rechts- und Gesellschaftsordnung Deutschlands nachzuweisen. Erst wenn dieser Abschluss nicht vorhanden ist, müssen die erforderlichen Kenntnisse durch einen bestandenen Einbürgerungstest aufgezeigt werden. Der Erfolg der Einbürgerungstests spricht für sich: Laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge haben 97% aller Teilnehmer den Test erfolgreich bestanden. Erfolgreich, das bedeutet, sie haben mindestens

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

17 der 33 Fragen eines individuell für sie zusammengestellten Testbogens richtig beantwortet. Dadurch bestätigen sich die Zweifel gegenüber dem Test nicht. Auch Graziella Rode, Programmleiterin DAF (Deutsch als Fremdsprache) an der „VHS“ (VolksHochSchule) der Region Kassel hatte den Test anfangs als eine Erschwernis für die Einbürgerung vieler Migranten gesehen, „doch durch die guten Testergebnisse“, erklärt sie, „war ich positiv überrascht.“ Auch in Kassel zeigt sich seitdem ein positiver Trend bei den Einbürgerungen. Seitdem der Test ab Oktober 2008 in Kassel einmal monatlich durchgeführt würde, sei die Anfrage stets gestiegen, so dass die „VHS“ Kassel heute mehr als 300 Tests in Kassel verbuchen könne, versichert Frau Rode.

UMLAUF

39 39


Wann wurde die Bundeswehr gegründet? Formularbeginn 12. November 1955 03. Oktober 1990 12. November 1949 Wie viele Bundesländer hat die Bundesrepublik Deutschland? 14 15 16 17 Welches Tier ist das Wappentier der Bundesrepublik Deutschland? Löwe Adler Bär Pferd In Deutschland dürfen Menschen offen etwas gegen die Regierung sagen , weil ... hier Religionsfreiheit gilt. die Menschen Steuern zahlen. die Menschen das Wahlrecht haben. hier Meinungsfreiheit gilt. Wie heißt die deutsche Verfassung? Volksgesetz Bundesgesetz Deutsches Gesetz Grundgesetz Was bezahlt man in Deutschland automatisch, wenn man fest angestellt ist? Sozialversicherung Sozialhilfe Kindergeld Wohngeld Welche Parteien wurden in Deutschland 2007 zur Partei „Die Linke“? CDU und SSW PDS und WASG CSU und FDP Bündnis 90/Die Grünen

Um die Einbürgerungswilligen mit den Vorbereitungen nicht ganz allein zu lassen, bietet die „VHS“ zusätzlich Einbürgerungskurse an, die jedoch kostenpflichtig sind und daher von den wenigsten besucht werden. „Die Meisten informieren sich meist im Internet und bereiten sich mit den leicht zugänglichen Testfragen auf ihren eigenen Test vor“, verdeutlicht Frau Rode. Doch genau an diesem Punkt findet sich schon die eigentliche Kritik am Einbürgerungstest. Während nur wenige Einbürgerungswillige die Chance ergreifen, sich wirklich mit den in Deutschland vorherrschenden Sitten, dem politischen System und der Demokratie, die für einige der Bewerber nicht ganz geläufig ist, auseinandersetzen, lernen die Meisten einfach alles, was im Test abgefragt wird, auswendig und haben wahr-

40

UMLAUF

Was ist mit dem deutschen Grundgesetz vereinbar? die Prügelstrafe die Folter die Todesstrafe die Geldstrafe Wer wählt den deutschen Bundeskanzler / die deutsche Bundeskanzlerin? das Volk die Bundesversammlung der Bundestag die Bundesregierung Welche Pflicht gilt in Deutschland nur für männliche und nicht für weibliche Staatsangehörige? Wehrpflicht Schulpflicht Wahlpflicht Steuerpflicht Warum gibt es die 5%-Hürde im Wahlgesetz der Bundesrepublik Deutschland? Es gibt sie, weil ... ... die Programme von vielen kleinen Parteien viele Gemeinsamkeiten haben. ... die Bürger und Bürgerinnen bei vielen kleinen Parteien die Orientierung verlieren können. ... viele kleine Parteien die Regierungsbildung erschweren. ... die kleinen Parteien nicht so viel Geld haben, um die Politiker und Politikerinnen zu bezahlen. Wen vertreten die Gewerkschaften in Deutschland? große Unternehme kleine Unternehmen Selbstständige Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen Was macht ein Schöffe / eine Schöffin in Deutschland? Er / Sie ...

scheinlich nach einigen Tagen wieder alles Wichtige vergessen. Kurz gesagt ist es das gleiche Prinzip wie mit einem ungeliebten Fach in der Schule, das man ohnehin bald abgeben wird. Man lernt zwar ein wenig oder, um genau zu sein, höchstens ein paar Stunden für die letzte Arbeit und hat spätestens am Abend nach der Klausur wieder alles vergessen. Genau das scheint beim Einbürgerungstest aber ziemlich sinnlos zu sein, da die frisch Eingebürgerten schließlich nicht gleich wieder das Land verlassen werden, sondern in dem Land leben werden, in dem sie mit den eigentlich so wichtigen Kenntnissen der Gesellschaftsordnung oder Ähnlichem tagtäglich konfrontiert werden. Ob also ein Ankreuztest Menschen perfekt auf ein neues Land vorbereiten kann, steht in den Sternen.

... setzt mit einem Richter / einer Richterin das Strafmaß fest. ... gibt Bürgern / Bürgerinnen rechtlichen Rat. ... stellt Urkunden aus. ... verteidigt den Angeklagten/die Angeklagte. Was kennzeichnete den NS-Staat? Eine Politik ... des staatlichen Rassismus ... der Meinungsfreiheit ... der allgemeinen Religionsfreiheit ... der Entwicklung der Demokratie In welcher Besatzungszone wurde die DDR gegründet? In der ... ... amerikanischen Besatzungszone. ... französischen Besatzungszone. ... britischen Besatzungszone. ... sowjetischen Besatzungszone. In welchem Militärbündnis war die DDR Mitglied? in der NATO im Rheinbund im Warschauer Pakt im Europabündnis Wie heißt Deutschland mit vollem Namen? Bundesstaat Deutschland Bundesländer Deutschland Bundesrepublik Deutschland Bundesbezirk Deutschland Weitere Informationen: www.focus.de/politik/ deutschland/einbuergerungstest/einbuergerungstestschaeubles-bunter-fragenkatalog_aid_316760.html

Elke Hankel, Mitarbeiterin der Stadt Kassel und zuständig bei Staatsangehörigkeitsfragen, macht zudem darauf aufmerksam, dass ein schwierigerer Test die Teilnehmer zwar zwinge, sich mehr vorzubereiten, doch dass fraglich bleibe, was dies bringen würde. „Sie müssen für den Unterricht zum Beispiel eine bestimmte Lektüre bearbeiten. Führt das automatisch dazu, dass Sie weitere Werke des Verfassers lesen?“, stellt sie als Frage in den Raum. Es würde also wohl eher wenig bringen, die Fragen schwieriger zu gestalten, weil die meisten Einbürgerungstestteilnehmer ohnehin stur alles auswendig lernen. Sie müssten zwar unter Umständen mehr lernen, als sie es momentan müssen, aber im Endeffekt würden sie nach dem Test auch nicht besser auf ein Leben in Deutschland vorbereitet sein.


ZEITPUNKTE Allerdings muss man hierzu klar feststellen, dass manche Fragen aus dem jetzigen Einbürgerungstest völlig irrelevant für das weitere Leben eines dann deutschen Staatsbürgers sind. Mal ganz ehrlich, überließe man einem Deutschen die Fragen des Einbürgerungstests, hätte dieser wohl schon seine Schwierigkeiten beim Beantworten der Fragen, und das, obwohl er sein ganzes Leben lang in Deutschland wohnt. Wer weiß schließlich schon auf Anhieb, dass man seinen Hund bei der Stadt bzw. Gemeinde anmelden muss oder dass Willy Brandt mit seinem Kniefall in einem ehemaligen jüdischen Ghetto in Warschau eine Geste der Versöhnungsbereitschaft ausdrücken wollte.

Wohl oder übel bleibt das aber nicht aus. Trotzdem bleibt der Einbürgerungstest eine gute Möglichkeit, sich mit den Gegebenheiten in Deutschland zu befassen und bleibt dem Motto „Wer eingebürgert werden will, soll sich in Deutschland auskennen“, wie Frau Hankel klarstellt, treu. Außerdem müssen die Einbürgerungswilligen ja gar nicht ihr Leben lang wissen, was jetzt nun die Aufgabe eines Schöffen ist oder wo sie einen Hund anmelden müssen. Danach wird sie im späteren Leben ohnehin keiner mehr fragen. Und auffallen werden sie dann in der deutschen Gesellschaft wohl auch nicht, oder wissen Sie zum Beispiel aus dem Stegreif, wessen man am 27. Januar gedenkt? U

Weitere Informationen über den Einbürgerungstest gibt es bei: Graziella Rode Programmbereichsleiterin DaF (Deutsch als Fremdsprache) vhs Region Kassel Holländische Str. 72-74 34127 Kassel Tel.: 0561-9892122 Fax: 0561-9892124 Oder bei: Elke Hankel Stadt Kassel - Haupt- und Bürgeramt Staatsangehörigkeitsfragen und Namensänderungen 34112 Kassel Tel. 0561 787-3151 Fax: 0561 787-4097 E-Mail: elke.hankel@stadt-kassel.de

Anzeige

Abitur. Und dann: Studiengang zum/zur staatlich geprüften Kommunikationswirt/-in

Planen Sie jetzt Ihren Berufs-Start in Werbung und Marketing Kombinieren Sie Können (Praktikum) und Wissen (begleitendes Wochenendstudium), um nach nur 4 Semestern fit für eine Vielzahl von Tätigkeiten in Werbung und Marketing zu werden. Der Abschluss an der AfAK öffnet Ihnen den Zugang zu einer Karriere z. B. als Kontakter, Konzeptioner, Texter, Mediaplaner oder Werbeleiter. Gleichzeitig sammeln Sie Credit Points für ein MBA-Studium an der Steinbeis-Hochschule in Berlin – falls Sie später vielleicht noch einen Hochschulabschluss anstreben.

Studienstart jeweils im September Beratung jeden Freitag 15-17 Uhr (nach Voranmeldung). Auf Wunsch senden wir Ihnen gern Infomaterial – oder besuchen Sie uns im Internet. AfAK Akademie für Absatzwirtschaft Kassel e. V. Werner-Heisenberg-Straße 4, 34123 Kassel Telefon (0561) 99 89 60, Fax (0561) 9 98 96 43 e-Mail info@afak.de

www.AfAK.de

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

spannend Unterricht : und aktuell urghagen, Dr. Harald B t für AfAK-Dozen ng, les Marketi na io at intern lesung zum bei einer Vor tinationale Thema "Mul gnen". Werbekampa

UMLAUF

41 41


INTERNETKAUF

Surfst du noch oder kaufst du schon?

42

UMLAUF


ZEITPUNKTE Wenn mein Opa damals etwas kaufen wollte, ging er in das Fachgeschäft für den entsprechenden Artikel. Brauchte er einen Fernseher, ging er in einen SAT-Fachhandel, für eine neue Nähmaschine in einen Laden nur mit Nähmaschinen und für einen Fotoapparat, wie das altmodische Ding damals noch hieß, ging man in ein Fotofachgeschäft. Heute gehe ich mal eben in Internet.

VON UNSEREM REDAKTEUR STEFFEN ENGELBRECHT

I

ch habe mich vorher im Freundeskreis schon mal umgehört und suche nun nach der Digitalkamera meiner Wahl: Die neue Canon ixus 95 IS soll ganz gut sein. Erstmal mache ich es mir bequem vor dem PC. Doch als Google mir über eine Millionen Suchergebnisse zu meiner Wunschkamera liefert, muss ich mich erstmal gerade hinsetzen. Pixel, Zoom und aller Pipapo scheinen in Ordnung zu sein. Doch was kann ich mit den Angaben anfangen? Ich brauche sie doch für den Urlaub, und hier ist mehr von Bild-, als von Meeresrauschen die Rede. Preislich liegt die Kamera in meinem Budget. Doch günstig reicht nicht. Ich will es günstiger.de. Für schlappe 152 Euro ist die Kamera bei einem dubiosen Online-Handel zu haben. Keine Angaben von Versand und keine Kundenmeinungen. Sollte ich da zuschlagen? So verunsichert werden viele Onlinekunden. Gunter Mielimonka ist Verkaufsberater bei Cityphoto in der Wilhelmsstraße in Kassel: „Viele

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

Kunden kommen in unseren Laden sich dubiose Onlineshops über Wasund fragen nach einem Produkt, das ser halten. Darüber hinaus haben die sie im Internet für teilweise 50 Eu- Betreiber von Onlinegeschäften entro billiger gesehen haben. Der Preis schiedene Vorteile: Sie können die verunsichert sie“, erzählt er, während Geräte im fernen Ausland (Asien) sich hinter ihm Fotozubehör und die billiger beziehen, brauchen keinen neusten Kameras an der Wand sta- großen Lagerraum, da die Ware erst peln. Ich bin schließlich doch in dem Fachhandel gelandet. Meinem Vater war das Onlinegeschäft zu heikel. Hier kostet die Kamera 199 Euro. Im Internet könnte ich 47 Euro sparen. Doch spare ich wirklich? Man hört immer wieder, dass OnliDie böse Überraschung folgt meist nach dem entscheidenden Klick. negeschäfte gut, aber auch sehr schlecht gelaufen sind. Mielimonka bei Bestellung des Kunden in Auftrag erzählt von Kunden, die teilweise Ge- gegeben wird, haben kaum Personalräte ohne Akkus oder mit fehlendem kosten und in der Regel auch keine Zubehör erhalten haben. So können Mietkosten für Verkaufsfläche.

UMLAUF

43 43


ZEITPUNKTE Im Gegenteil dazu das kleine Geschäft in der Wilhelmsstraße. Trotz der grauen Banner sticht es mit seinem grünweißen Ladennamen über den Türen heraus. Bereits im Schaufenster steht Kamera neben Kame-

Gunter Mielimonka ist Verkaufsberater bei Cityphoto und weiß einiges über Kameras.

ra. Auch im Inneren schlägt das Herz des Fotoprofis, aber auch das Herz des Hobbyfotografen höher. Handliche Digicams reihen sich neben professionellen Objektiven ein. Mielimonka, eine Kollegin und ein Schülerpraktikant stehen freundlich hinter den Verkaufstresen. Im Internet wirbt der Laden mit kompetenter und individueller Beratung und großer Auswahl. Das merke ich. Mein Computer konnte mir nur wenig über meine Wunschkamera einfach erklären und auch bei Nachfragen blieb er sprachlos. Hier werde ich beraten und stelle schnell fest, dass ich eigentlich gerne mehr als nur einen dreifachen optischen Zoom haben möchte. Trotz meiner Unwissenheit gehöre ich nicht zur klassischen Kundschaft. „Die klassische Kundschaft kauft eher im Fachhandel“, meint Mielimonka und deutet auf ein älteres Ehepaar, das gerade glücklich das Lädchen verlässt. Damit hat er Recht. Meine Generation wächst mit dem Internet auf und hat auch keinen Hemmungen Schuhe, einen Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

Rucksack oder eben eine Digitalka- Mielemonka. Auch er würde seine mera im Internet zu bestellen. Kin- Kamera vor Ort kaufen. „Man sollderleicht klickt man sein Wunschob- te als Kunde einen Ansprechpartner jekt an, bekommt Sekunden später haben“, empfiehlt er. eine E-Mail, dass die Bestellung auf Ich bin mit der Beratung zufrieden dem Weg ist, und bezahlt einige Ta- und habe mein Wissen über Kamege später an der Haustür per Nach- ras um ein Vielfaches erweitert. Nun nahme. Doch auf diesem Weg lauern muss ich mir erstmal überlegen, welzahlreiche Gefahren. che Ansprüche ich an meine neue Häufig sind Versandkosten nur Kamera stelle und was ich für mehr recht klein neben dem Produkt ab- „Zoom“ ausgeben möchte. gebildet. Ob die Ware überhaupt lieFachgeschäfte wie Cityphoto müsferbar ist, ist ebenfalls nicht immer sen überleben. Sie haben meist das klar ersichtlich. Darüber hinaus ist gleiche Angebot wie große Warendie Zahlung nicht immer per Nach- häuser, die gleichen Preise und eine nahme möglich. Häufig verlangen weitaus bessere Beratung. Das Interdie Händler die Zahlung per Vorkas- net ist sicherlich die größte Konkurse und häufig ist zu hören, dass be- renz, wird aber mit seiner Flut von schädigte, falsche oder gar keine Ware beim Kunden angekommen ist. Auch Plagiate stellen, vor allem im Textilbereich, eine Kundenfalle dar. Geld zurück? Garantie? Pustekuchen! Bei Cityphoto wird mir die Kamera gezeigt und erklärt. Außerdem habe ich einen Garantieanspruch und einen kompletten Rundumservice. Aber was Mein Computer konnte mir nur wenig über ist mit den 47 Euro Preismeine Wunschkamera einfach erklären und differenz zum Internet? auch bei Nachfragen blieb er sprachlos. Zu den 152 Euro Grundpreis kommen noch 12 Euro Versand Informationen, besonders für älteund eine Lieferzeit von vier Tagen. re Nutzer, schnell unübersichtlich. Bei Cityfoto bekomme ich die Ka- Leider wird vor allem in Zeiten wie mera sofort mit dem entsprechen- diesen, in denen der Dämon Wirtden Zubehör auf den Tresen gelegt; schaft über den Köpfen der Käufer wenn nicht, wird die Kamera mindes- schwebt, zu häufig nur auf den Preis tens so schnell bestellt. Selbst die gro- geachtet, was manchmal auch schnell ßen Elektronikläden wie Saturn oder ins Auge gehen kann. So sind kleine Mediamarkt machen keine besseren Fachgeschäfte längst nicht mehr nur Preise. „Wir kaufen direkt beim Her- Anlaufstellen für meinen Opa, sonsteller oder bei einem Verbund von dern moderne Läden in einer schwieFotohändlern ein. So können wir die rigen Zeit. U gleichen Preise machen“, erzählt UMLAUF

45 45


Che 13 Fragen an denNieders

Horst Seidfenfaden EIN INTERVIEW VON UNSERER REDAKTEURIN LISA FINIS

46

UMLAUF


S

P E C I A L S

efredakteur der Hessischrsächsischen Allgemeinen (HNA) Guten Tag, Herr Seidenfaden, vielen Dank, dass Sie sich heute Zeit genommen haben, mit mir über Ihre Arbeit und Ihre Zeitung zu sprechen, Dennoch sollten Sie sich kurz fassen! 1. Herr Seidenfaden, sind Sie heute freudig an die Arbeit gegangen mit dem Gedanken: “Ich muss wieder die gesamte Leserschaft der HNA über Tagesereignisse aus der Welt, aber auch oder speziell über Kassel informieren“! – War das immer Ihr Traumjob?

Wir informieren in erster Line über das, was lokal und regional passiert,weil wir hier die besten Informationen haben. Darüber hinaus bin ich heute wie immer gerne in die Redaktion gekommen. Das mache ich jeden Tag mit Freude, weil es ein total spannender Beruf ist, bei dem das Wenigste im voraus planbar ist. Also viele Ereignisse passieren überraschend und darauf muss ich reagieren. Übrigens, mein Traumjob Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

ist es nie gewesen, denn ich wollte ursprünglich Förster werden, dann Sportlehrer und ganz zuletzt während meines Zivildienstes kam die Idee: „Ach, könntest ja eigentlich Journalist werden!“ 2. Sie hatten heute bestimmt schon - wie immer - innerhalb der Redaktion „Blattkritik“. Gab es etwas Besonderes in der Redaktion, das moniert wurde?

Die meisten Themenschwerpunkte werden im Laufe des Tages sortiert und schließlich in der Redaktionskonferenz festgelegt. Unsere Redaktionskonferenz ist mittags um zwölf Uhr, und da findet auch stets eine Blattkritik - auch von mir - statt. Heute ging es im Wesentlichen darum, wie wir den Obama-Besuch, also die Ankündigung, dass er heute in Deutschland ist, dass er in Dresden und in Buchenwald seine Tour hat, unseren Leserinnen und Lesern dokumentieren können. Wir haben das Ereignis in den Mittelpunkt gestellt und weitere wichtige politische Nachrichten, die gestern zusätzlich passiert sind, in den Politikteil auf die Seite zwei gestellt. Inwieweit diese Entscheidung richtig war, darüber haben wir in der Redaktion diskutiert. Aber ich finde, dass diese Entscheidung im Sinne unseres Leserstammes richtig war. 3. Sie haben Kinder? Wie finden die Ihre Zeitung?

Die Kinder sind 24, 23 und 16 Jahre alt. Die beiden Älteren lesen die Zeitung und mein 23- jähriger Sohn macht im Augenblick eine Ausbildung zum Redakteur. Meine 16- jährige Tochter liest so gut wie nie Zeitung, was ich aber auch nicht schlimm finde, denn das ist gerade typisch für ihre Generation. Was ich schlimm finde, ist, wenn eine Zeitung sich nicht darauf einstellt, dass eine Generation heran wächst, die sich zwar informiert, aber nicht über eine gedruckte Tageszeitung. 4. Inwieweit fühlen sich Ihre Kinder durch Ihre Zeitung „HNA“vertreten und informiert?

Ich glaube , dass deutsche Tageszeitungen insgesamt auch für eine junge Generation gemacht werden. Es gibt bestimmt Bestandteile, wie z.B. in unserer „Sonntagszeit“die Comicseite, die generationsübergreifend ist und von jungen Leuten genauso gelesen wird wie von mir. Dann veröffentlichen wir alle zwei Tage Schulthemen im Lokalteil. Das lesen Jugendliche, wenn sie selbst davon betroffen sind. Oder ich lese im Sportteil, wenn mein Verein im Vordergrund steht oder wenn ein Spielbericht von meiner Mannschaft veröffentlicht wird. Ob es Sinn macht, eine Rubrik einzurichten, die sich nur an Jugendliche richtet, weiß ich nicht, denn dann müsste ich auch einen Teil für über

UMLAUF

47 47


S 80 -Jährige usw. machen, und das ist, glaube ich, falsch. 5. Ich komme zurück auf eine meiner ersten Fragen hinsichtlich der Blattkritik: Können Sie sich noch daran erinnern, inwieweit die Generation zwischen 14-24 Jahren in den Ausgaben der letzten Woche berücksichtigt wurde?

Ereignisorientiert müssen die Themen sein, die Jugendliche interessieren. In den letzten Monaten gab es heftige Diskussionen wegen Saufgelagen auf einem Spielplatz von einer bestimmten Gruppe Jugendlicher in Harleshausen. Andere Jugendliche wollen sich jetzt dafür einsetzen, dass die nicht mehr auf dem Spielplatz trinken. Ich glaube schon, dass dieses Thema Jugendliche lokalbezogen interessiert, aber Jugendliche beispielsweise in Fuldatal interessiert das reichlich wenig. Es geht nicht alleine darum, dass man ein Thema hat, wo wir sagen, das kann eigentlich nur Sechzehnbis Achtzehnjährige interessieren, sondern wenn ich auf unserer “Menschenseite“ Geschichten habe über Stars, interessiert das jeden automatisch. Angenommen, ich will einen Artikel über „Germany’s next Topmodel“ machen, die Topshow für Mädchen von 14-16 Jahren. Wenn wir dann daraus was machen, ist das ein Angebot für eine bestimmte Altersklasse, ganz zielgerichtet, aber doch nicht so, dass wir ein spezielles Programm haben. Eigentlich geht es doch darum, dass wir jeden Tag für alle etwas in der Zeitung haben. Wenn man dann beim Blättern etwas findet, was interessant ist, da ist das doch gut. Häufig haben wir in unserem Kulturteil, den Jugendliche wahrscheinlich höchst

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

selten in die Hand nehmen, Besprechungen von CDs von Rappern. Ich kenne keinen Kulturteil einer deut-

P E C I A L S

Leser der HNA als regionaler Zeitung und ihr überregional begrenztes Gebiet abzuklopfen.

UMLAUF-Redakteurin Lisa Finis bei der Blattkritik mit HNA-Chefredakteur Horst Seidenfaden.

schen Zeitung, der sich mit der Besprechung von Rappern beschäftigt. Und genau aus diesem Grund, weil wir möchten, dass Jugendliche diesen Teil lesen, haben wir solche Themen aufgenommden. Zum Leidwesen derer, die gerne in die Oper gehen. 6. Welches konzeptionelle Interesse verfolgen Sie als Chefredakteur einer überregionalen Zeitung mit einem fast monopolistischen Herausgeber, um nicht nur im Boulevard-Stil über Ereignisse in Kassel und Umgebung zu berichten?

Schauen wir auf die Themenauswahl. Hier ist es für mich wichtig die Betroffenheit der Leserinnen und

Für mich wichtig ist, dass wir nicht oberflächlich über Tagesaktualitäten berichten, sondern Themen vom Hintergrund her aufarbeiten, und somit mehr Wissen verbreiten. 7. Zurück zu meiner Schülergeneration. Die Süddeutsche Zeitung hatte damals ihre Beilage „Jetzt“, die von Jugendlichen einerseits gern gelesen wurde und andererseits ihnen die Möglichkeit bot sich selbst mit ihrem “Mainstream“ zu dokumentieren. Inwieweit würden Sie als Chefredakteur eine Präsenz dieser jugendlichen Altersgruppe in den nächsten Ausgaben verstärken?

Die Süddeutsche Zeitung hat damit

UMLAUF

49 49


S jahrelang Verluste gemacht. Das ist für die HNA uninteressant. Ende der 90er Jahre lag der Anteil der Jugendlichen, die unsere Tageszeitung gelesen haben, bei 30% . Da war das Internet noch nicht so aktuell und man konnte davon ausgehen, dass sich diese Zahl erhöhte. Im Jahr 2008 zeigt eine Untersuchung, dass von den Jugendlichen nur noch ca. 15% die Tageszeitung lesen, und man geht man davon aus, dass es bei ca. 23% endet. Ich glaube das nicht so ganz, denn 10% der Jugendlichen gehen jeden Tag auf die Internetseite einer Tageszeitung. Der Grund, warum meine 16-jährige Tochter die Zeitung nicht liest, ist allein der, dass sie alle ihre Informationen über ihren Computer einholt. Ich glaube, die gedruckte Zeitung ist für eure Generation inzwischen ein Dinosaurier. Wir von der Zeitung wollen nun erreichen, dass ihr , wenn ihr euch ganz aktuell über eure Region informieren wollt, auf unsere Homepage gehen müsst. 8. Mal ganz ehrlich, Herr Seidenfaden, Chefredakteur einer so großen Zeitung zu sein, ist das nicht zugleich auch ein „Schleudersitz“ wie bei Fußballtrainern?

Nein. Es ist ein Tagesgeschäft, und man möchte natürlich möglichst viel richtig machen. Da passieren schon mal ab und an Fehler. Wenn z.B. ein Redakteur abends einen Bericht über die Huskys macht und der Artikel dann nicht durch ein Korrekturprogramm läuft, sind da natürlich Fehler im Text. Ich kann da keinem den Kopf abreißen. Er weiß, dass das nicht gut war, weil das bei den Lesern nicht gut ankommt. Das passiert ihm nicht noch mal.

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

Übrigens,die HNA ist mit dem, was sie jorunalistisch erarbeitet, in einem Ranking in Deutschland unter den Top fünf der Regionalzeitungen. Das wissen leider nur die wenigsten Leser. 9. Jetzt die volle Härte: Wie alt ist die durchschnittliche Leserschaft?

Keine Ahnung. Wir haben keine Geburtsdatenerhebung. Aber ich glaube, dass der Anteil der älteren Leser höher ist. 10. Szenenwechsel: Könnten Sie sich vorstellen, dass die Kommentare vom Herausgeber, Herrn Ippen, ersetzt werden von Jugendlichen oder Redakteuren von Schülerzeitungen?

Ich fände es schön, wenn sich Schüler bei uns melden und uns sagen würden, was sie bewegt. Den Kommentar von Herrn Ippen würde ich gerne erhalten. Aber wenn sich Schüler und Jugendliche mitteilen wollen, können sie Leserbriefe schreiben, und die werden fast alle im Internet veröffentlicht. 11. Wir haben nur noch Zeit für drei Fragen: Herr Seidenfaden: Wie - glauben Sie - bleiben Sie am Puls der Zeit?

Bei einer Regionalzeitung muss man alle bedienen können: Seien es die Reichen, die Armen, die Sportinteressierten, die Kulturinteressierten, die mit Migrationhintergrund, die Jungen, die Alten und so weiter. Aber ich glaube, dass wir im Laufe der Jahre näher an den Puls der Zeit gerückt sind. Früher bestand die Arbeit der Journalisten darin, dass sie möglichst weit weg von den Lesern waren und denen aber die Welt erklären wollten, das ist jetzt ganz anders.

P E C I A L S

12. Welche Person bewundern Sie am meisten?

Ich bewundere Personen wie Martin Luther und Barack Obama. Martin Luther, weil er die Bibel, auch mit einem leichten journalistischen Hintergrund, für alle erreichbar machen wollte und sich seiner Sache so sicher war. Trotz erheblichen Anfeindungen, denen er ausgesetzt war, hat er das getan, was er für richtig gehalten hat. Ich finde solche Menschen einfach stark, die sich sicher sind und ihren Weg gehen. An Barack Obama finde ich so faszinierend, wie sich jemand einfach so in die Rolle einer neuen Lichtgestalt der Welt begeben kann und daran nicht zerbricht. Allerdings sind für mich ohnehin die Helden des Alltags alleinerziehende Mütter. Ja, in die Liste mit Martin Luther und Barack Obama müssen noch alleinerziehende Mütter. 13. Ihr Lieblingsort in Kassel?

Also, es gibt da für mich etwas Besonderes. (er lehnt sich zurück und schaut an die Decke seines Büros) Man muss vom Herkules oben erst einmal in Richtung Elfbuchen und dann oberhalb der Jungviehweide den Asphaltweg entlangfahren. Dieser Asphaltweg gabelt sich dann, auf der einen Seite geht es rechts weiter nach Elfbuchen und links führt so ein kleiner Feldweg weiter zum Gasthaus Silbersee. Da ist nach 20 Metern eine kleine Bank. Wenn man dann auf dieser Bank sitzt, mit dem Herkules im Rücken, der jeden mit der Keule bewacht, und mit diesem wunderbaren Blick über das Tal Richtung Dörnberg, dann ist das der schönste Ort von ganz Nordhessen. U

UMLAUF

51 51


Wenn das Gewicht die Seele belastet VON UNSERER REDAKTEURIN MARA LIEBEHENZ

52

UMLAUF


ZEITPUNKTE

Längst ist bekannt, dass die Deutschen nicht gerade zu den Schlanksten dieser Welt gehören.Einige höchst alarmierende EUStudien belegen das, was der ein oder andere schon vor langer Zeit glaubte vorauszusehen: Jeder dritte Junge und jedes fünfte Mädchen in Deutschland sind zu dick. Tendenz steigend.

D

och wann gilt man überhaupt als dick und wann als fettleibig? Beginnt dies etwa schon bei dem berühmt berüchtigten Hüftgold, das sich ablagert, nachdem Weihnachten und Co. passé sind? „Nein, bei ein paar Speckrollen am Bauch und an den Beinen spricht man natürlich noch nicht von Fettleibigkeit“, erklärt der 38-jährige Allgemeinmediziner Dr. Michael Müller-Trudrung. „Ausschlaggebend für solch eine Diagnose ist der Body-Mass-Index. Erst wenn der so genannte dritte Grad erreicht und überschritten ist, spricht man von einer Adipositas, denn durch falsche Ernährung und Bewegungsmangel bleibt dem Körper praktisch nichts anderes mehr übrig, als das überschüssige Fett an verschiedenen Stellen des Körpers abzulagern“. Viel Bewegung, sportlich aktiv sein und gesunde Ernährung heißt da die Devise. Doch es scheint, als passe dieses simple Modell eine schlanke Linie zu halten, nicht mehr in unsere Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

Zeit. Die in vielen Bundesländern eingeführte verkürzte Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre lässt Sport und Spiel neben der Schule für viele Gymnasiasten eben kaum noch zu. Neben auf die Dauer dick machenden und ungesunden „5Minuten-Terrinen“ Der beliebte Hamburger, ohne besondere Nährwertstoffe, gibt es nur wenig wirkaber dafür eine Kalorienbombe. lich gesundes Essen für die Schüler in der Mitviel früher. „Es ist durchaus auch ein tagszeit, zumindest nicht im Haupt- häusliches Problem. Sind die Eltern gebäude. und die Familie nur mangelhaft über Dem schließt sich auch Frau Schä- Adipositas aufgeklärt, sind sie auch fer, Sport- und Biologielehrerin am nicht in der Lage, ihren Kindern eiGoethe-Gymnasium, an: „Es gibt ge- ne gesunde Lebensweise zu vermitnerell ein viel zu großes Angebot an teln“, räumt Dr. Müller-Trudrung ungesunden Lebensmitteln, die Adi- ein. „Doch nicht nur weniger gut aufpositas fördern.“ Selbst „Nintendo geklärte Eltern haben ihre Probleme Wii“ sei da keine Lösung, das Fett zu die ‚schlimmsten Kalorienbomben‘ bekämpfen. in den Supermärkten zu entlarven. Doch oftmals ist Fettleibigkeit Die meisten Durchschnittsbürger nicht erst ein Problem das in der sind immer noch zu blauäugig und Schulzeit entsteht, sondern schon vertrauen auf die offensichtlich ‚geUMLAUF

53 53


sündere‘ Chipspackung mit ‚20 % weniger Fett‘. Ganz anders versuchen Politiker da den Verbrauchern beispielsweise in Großbritannien die Augen zu öffnen. Schon vor längerer Zeit führte man dort ein Ampelsystem ein, das Lebensmittel mit einem entweder hohen oder niedrigen Fett- und Zuckergehalt mit „High, Medium oder Low“ kennzeichnet. „Ein solches Ampelsystem ist durchaus sinnvoll“, stimmt Dr. Müller-Trudrung zu. „Es

noch nicht übergesprungen. Ganz zur Belastung fettleibiger Menschen. „Den Dicken wird’s halt nicht leicht gemacht.“ Schon im Kindergarten und in der Schule gehen die Hänselein und die Schikane los. Das alltägliche Leben wird zu einem Spießrutenlauf. Es bahnt sich ein Kampf um Akzeptanz von Mitschülern und der gesamten Gesellschaft an. Und die Konsequenz? „Es entstehen häufig Depressionen, die den Körper belasten. Die-

„Fettleibige können immer stärker in Isolation verfallen und stopfen aus Frust noch mehr Ungesundes in sich hinein.“ Ein Teufelskreis.

setzt kein medizinisches Fachwissen voraus und ist leicht verständlich.“ Doch damit nicht genug: Kampagnen wie die von Starkoch Jamie Oliver für mehr gesunde Ernährung in britischen Schulen, „Feed me better“, tragen zur Gesundheits- und Vorsorgepolitik maßgeblich bei. Den Schülern wird gezeigt, nahrhafte und gesunde Menüs einfach zuzubereiten. Bei den deutschen Politikern hingegen ist dieser Funke anscheinend-

54

UMLAUF

ser somatisiert, also überträgt die äußeren Reize, nämlich. Das kann den betroffenen Personen dann buchstäblich regelmäßig Bauchschmerzen bereiten“, erklärt Dr. MüllerTrudrung. „Des Weiteren verfallen Fettleibige zusätzlich in die Isolation und stopfen aus Frust noch mehr Ungesundes in sich hinein. Folglich provoziert das immer Dickerwerden noch mehr Reaktionen der Umwelt. Es entsteht ein Teufelskreis.“

Doch wer hält schon den Kopf hin, wenn ein Schuldiger für diese fortwährende Entwicklung gesucht wird? Politiker mit ihrer mangelhaften Vorsorge- und Gesundheitspolitik? Eltern, die oftmals selbst keine Ahnung von gesunder Ernährung haben? Oder vielleicht doch gleich die ganze Gesellschaft, mit deren Hetzerei sich Fettleibige immer wieder auseinandersetzen müssen? Wohl kaum. „Ist man etwas dicker, wird das alltägliche Leben zu einem Hürdenlauf“, erklärt Christiane B. (Name der Redaktion bekannt), selbst dickleibig. „Man fühlt sich nicht wohl, wenn man immer nur Kleidung in Übergröße tragen und in Restaurants darauf achten muss, sich einen Stuhl auszusuchen, der dem eigenen Gewicht standhält.“ Sie sei auch schon, wie viele Kinder und Jugendliche, in jungen Jahren etwas pummeliger gewesen, was sich in der Jugend allmählich gesteigert hat. „Mein damaliger Lebenspartner erklärte mir sogar, er würde mich nicht mehr lieben, wenn ich nicht abnähme. Solche einschneidenden Erlebnisse sind dann auch der Grund dafür, dass man irgendwann das Problem nicht mehr selbst in den Griff bekommt.“ So war das Alleinsein auch ausschlaggebend für sie, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. Neben Erfahrungsaustauschen machen die Beteiligten sich einmal die Woche selbst Mut und bauen sich gegenseitig auf. Seit Anfang des Jahres ist sie nun dabei. „Der Selbsthilfegruppe beizutreten war ein Entschluss, der mein Leben sehr bereichert hat “, erklärt Christiane B. lächelnd. U


„Ich stottere.“

56

UMLAUF


ZEITPUNKTE „Heute machen wir weiter mit deinen Froschwörtern, ja Levin?“ Mit einem freundlichen Lächeln eröffnet Frau Schupmann die Therapiestunde, die eher an eine Spielstunde erinnert. Gezielt läuft sie auf einen großen, weißen Schrank zu, der über und über mit Brett-, Karten- und sonstigen Spielen gefüllt ist. Eine kleine rote Box bringt sie mit und legt sie in die Mitte des Tisches. „ Hast du in den Fe-Fe-Ferien auch schön geübt?“

VON UNSERER REDAKTEURIN ALISIA SCHMITZ

R

und einProzent der Gesamtbevölkerung unserer Erde stottert, dass sind ca. 800.000 Menschen in Deutschland. „Ein Logopäde arbeitet mit Kindern und Erwachsenen. Er kümmert sich um die Artikulation und bietet Stimm-, Sprach-, Sprech- und Schlucktherapien an.“ Enthusiastisch erklärt die junge Frau Antje Schupmann ihr Fachgebiet. Sie arbeitet im „Therapiezentrum am Goethestern“, welches sich mit Ergotherapie, Physiotherapie, Osteopathie und Logopädie beschäftigt. Ein Mensch stottert, wenn er 3% aller Silben eines Satzes nicht flüssig ausspricht. Die sogenannten „Froschwörter“ erfüllen einen bestimmten Zweck. Diese lustige Bezeichnung steht dafür, dass man Wörter, auch die, die man normal aussprechen kann, stottert. So kann Levin lernen, sein Stottern zu kontrollieren, da er selbst bestimmt, wann er das Stottern anwendet. Es ist wichtig, dass die Mutter bei der Therapie dabei ist, damit das Kind sich wohl fühlt und auch die Mutter weiß, worauf es ankommt.

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

Das Spiel läuft gut, Levin ist konzentriert und macht gut mit. Auch wenn er einen Begriff mal nicht weiß, flüstert ihm Frau Schupmann dieses Wort ins Ohr, damit er es ausspricht. „Es ist wichtig, dass die Kinder merken, dass sie etwas richtig machen. Deswegen lobe ich ihn, wenn er die Froschwörter benutzt“, erwähnt sie zusätzlich. „Levin hat ungefähr mit vier Jahren angefangen zu stottern“, erzählt Ines Butte, Mutter des sechsjährigen Levin und einer jüngeren Tochter. „Meine Kleine spricht super und sonst gibt es auch keinen in unserer Familie, der stottert. Aber Levin hat generell erst mit eineinhalb Jahren angefangen zu sprechen und es war schwer verständlich“, erklärt die junge Mutter. Was zuerst wie eine fremde Sprache klang, hat sich dann als Sprechbehinderung herausgestellt. Mittlerweile geht er in die erste Klasse und hat sich gefreut in die Schule zu gehen. „Er hat Freunde, aber natürlich hat man als Mutter immer Angst um sein Kind wegen Hänseleien und desgleichen“, besorgt blickt sie in Richtung ihres aufgeweckten Sohnes. „Es gibt einen

Jungen, der mich immer hänselt, manche lachen auch, aber eigentlich ist es ganz okay“, erwähnt er beiläufig. Kein Anzeichen von Angst, kein Anzeichen von Minderwertigkeitskomplexen. Der kleine Mann redet offen und ehrlich, hat keine Scheu das zu sagen, was er denkt. „Ich hatte immer die Befürchtung, dass ihn die Menschen nicht ernst nehmen. Wir in der Familie haben das Thema aber sofort angesprochen und uns um ärztliche Hilfe bemüht“, spricht die Mutter weiter, während sie mit einem Auge auf Levin aufpasst. Nach dem Spiel wird nun zusammen besprochen, wen er anrufen wird. „Es ist wichtig, dass er solche Aufgaben wie Telefonieren oder Einkaufen bekommt und ich dabei bin“, betont die Logopädin mit einem leichten Grinsen. Ob er nun beim Gemüsehändler nebenan vorbeischaut und nach Gurken fragt oder die Oma anruft, ist unwichtig. Hauptsache, er wendet die Methoden auch außerhalb der Therapiestunde an. Zuerst macht sie den Anruf vor, indem sie auch „Froschwörter“ benutzt. Danach muss Levin das Gespräch üben. Kurz erinnert ihn seine Mutter daran,

UMLAUF

57 57


dass er sich konzentrieren muss, dann packt er auch schon das Telefon und wartet auf das Freizeichen. „Hallo, hier ist der Levin. Ha-ha-haben sie das Spiel „Janga“ da? Nein. Okay, Da-da-danke“, spricht er noch kurz, bevor er auflegt. Mit einem Lob stärken die Mutter und Frau Schupmann nochmals sein Selbstbewusstsein und die 45-minütige Therapiestunde ist um.

das Stottern bleibt und bei welchem es nur vorübergehend ist“, fährt sie fort. Aus neurologischer Sicht ist die Sprechbehinderung in keiner Weise erforscht genug, um den Grund für die Wiederholung, die Dehnung oder die Blockierung der Buchstaben nennen zu können. Der letzte Stand der Dinge ist, dass es genetisch bedingt sein muss, da Kinder anfälliger für die Sprechbehinderung sind, wenn

Antje Schupmann und ihr Mitarbeiter am 6. Kasseler Gesundheitstag im Kongress Palais Kassel

Er ist auf dem Weg der Besserung, hat sich schon gesteigert und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit das Stottern „verlernen“. Generell hat er gute Chancen, da er noch ein Kind ist. „Auf keinen Fall sind die Ursachen für das Stottern ein erlebtes Trauma oder psychische Schwierigkeiten“, erklärt die Ärztin. 80% aller Kinder erfahren im frühen Alter Probleme mit der Sprechflüssigkeit, nur bei fünf Prozent bleibt dieses Stottern als chronische Krankheit zurück. „Man weiß nie, bei welchem Kind

58

UMLAUF

nahe Verwandte auch Probleme mit dem Sprechen hatten. Die Minderwertigkeitskomplexe oder die Ängste, die ein stotternder Mensch durchlebt, kommen erst nach der Krankheit und sind nicht der Kern des Ganzen. „Man kann das Stottern nicht ‚wegtherapieren‘, zumindest bei Erwachsenen nicht. Bei Kindern sieht das da schon wieder ganz anders aus“, spricht die Ärztin weiter und erklärt das Problem. Kinder können durch die Therapien erlernen, richtig zu sprechen. Durch die

verschiedenen Methoden lernen sie mit dem Stottern umzugehen und haben irgendwann einen normalen Redefluss. Eine dieser Methoden lautet „non-avoidance“, z. dt. „Nicht-vermeiden“-Methode. Sie arbeitet damit, dass die Kinder schon, bevor das eigentlich Stottern beginnt, merken, dass das nächste Wort schwierig werden könnte. Durch dieses Training wird die Fähigkeit dieser frühzeitigen Erkennung geübt und das Kind lernt mit dem Stottern normal umzugehen, um dann auch einst gefürchtete Wörter auszusprechen. „Die Kinder müssen wissen, dass sie stottern dürfen. Es ist ganz wichtig ihnen das Gefühl zu geben, dass sie Zeit haben und zum Beispiel die Eltern auch die Geduld mit sich bringen“, betont Frau Schupmann. Durch die Ängste, die Kinder entwickeln, wenn sie auf Ablehnung durch ihre Sprachstörung stoßen, gestalten sie ihre eigenen Strategien, die ihnen vielleicht kurzzeitig helfen, aber langfristig das Problem nicht bewältigen. „Sie müssen sich das so vorstellen. Die Krankheit ist wie eine Zwiebel. Das Stottern ist ihr Kern und wenn Kinder nun versuchen durch festes Augen zukneifen oder auf den Boden stampfen das Wort richtig auszusprechen, legen sich diese Begleitsymptome wie die Schale um den Kern.“ Somit wird die Krankheit immer schwerwiegender, wie auch die Zwiebel immer dicker wird, aber der Kern, also die Sprachstörung, bleibt, wie er war. Wenn man als Erwachsener keine Erfolgsaussichten auf ein stotterfreies Leben hat, wie läuft es dann mit der Jobsuche? „Ich arbeite jetzt schon seit 14 Jahren als Monteur und hatte bis jetzt noch keine Probleme“, erzählt Volker Weber. Er ist 40 Jahre alt und Mitglied der „Stotterer


ZEITPUNKTE Selbsthilfegruppe Kassel“. „Kennen sie einen Stotterer? Wir haben rund 2.000 Stotterer in Kassel“, beginnt Berthold Buechs ruhig, aber etwas nervös seine Rede. Er hält einen Vortrag bei den 6.Kasseler Gesundheitstagen und dient als Sprecher seiner Selbsthilfegruppe. Er spricht von Akzeptanz und Ruhe, die das Gegenüber mitbringen sollte. Der Mensch muss ernst genommen werden, am besten hilft dabei Augenkontakt. An die Eltern appelliert er: Redet darüber! „Keiner hat Schuld, weder die Eltern noch das Kind“, erklärt er weiter. Er spricht gut, auch wenn ein, zwei Wörter stocken und er sie wiederholen muss. „Wo die Angst ist, da ist der Weg“, beendet Herr Buechs seine Rede. Man klatscht, aber nicht laut. Wenige Menschen sind gekommen, einer von der eigenen Selbsthilfegruppe. Es scheint, wen es nicht betrifft, der interessiert sich nicht dafür. Dabei kann jeder Mensch mal mit dieser Situation konfrontiert werden: Entweder ist er selbst betroffen oder hat jemanden im Freundes- oder Bekanntenkreis. Vielleicht wird es sogar mal das eigene Kind sein? Die Quote der stotternden Jungs und Mädchen liegt bei fünf zu eins. „Ich bin sozusagen mit der Gruppe alt geworden“, erklärt der 50-jährige Gruppenleiter. Einmal monatlich trifft sich die 1988 gegründete Selbsthilfegruppe. „Wir machen zum Beispiel Übungen für Vorstellungsgespräche und reden über unsere Erlebnisse und Ängste“, er weist auf einen gelben Flyer hin, den die Gruppe selbst kreiert hat. Zur Zeit treffen sich nur 4-8 Mitglieder regelmäßig, die Altersspanne liegt zwischen 4060 Jahren. Zwei Wochen hat er an seiner Rede gearbeitet. Diese zehn Minuten Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

haben ihn ständiges Training und Auswendiglernen gekostet. Er wollte die Rede nicht stotternd, sondern in einem normalen Redefluss vortragen. Es ist ihm wichtig, dass die Gesellschaft die Krankheit akzeptiert. „Ich wünsche mir eine bessere Aufklärung in der Gesellschaft, dass die Menschen wissen, wie sie mit Stotterern umzugehen haben.“ Viele Menschen wissen nicht, wie sie auf einen stotternden Menschen reagieren sollen. Im Gegenzug wissen auch viele

Angst, sich zu blamieren, dass andere lachen könnten oder einen nicht ernst nehmen kann, ein ständiger Begleiter sein. Nicht wenige verkriechen sich unter dieser Last immer mehr und werden so zum Außenseiter und Opfer von diversen Hänseleien. Dabei ist ein Mensch mit Sprachbehinderung seiner Situation nicht hilflos ausgeliefert. Man muss rechtzeitig mit einer Therapie beginnen und darf, besonders als Eltern, nicht die Augen vor

Levin Butte lernt spielerisch mit seiner Sprechbehinderung umzugehen.

Sprechbehinderte nicht, was sie für Möglichkeiten haben. „Ich gebe viele Informationsstunden für Schulen um sie aufzuklären. Die meisten wissen gar nicht, dass Stotterer zum Beispiel die Erlaubnis haben, die mündlichen Abiturprüfungen schriftlich abzulegen“, erklärt Herr Buechs. In seinem Vortrag wurde deutlich, mit was er und viele andere tagtäglich zu kämpfen haben. Das Leben eines Stotterers ist nicht leicht. Die

der Tatsache verschließen, dass das Kind Hilfe braucht und trotzdem ein liebenswerter Mensch ist. Die Mitmenschen müssen sich einfach bewusster mit dem Thema befassen und die Krankheit annehmen und sich nicht wegdrehen, wenn es mal zu anstrengend wird. Auch wenn man selbst nicht betroffen ist, kann man etwas für die Menschen tun, die Stotterer sind. Zuhören ist Balsam U für die Seele. UMLAUF

59 59


K AMPFSPORT

„Auf´s Maul „oder: „Cool down, man!“ 60

UMLAUF


ZEITPUNKTE Immer wieder erreichen uns Meldungen über Attentate an Schulen und es wird diskutiert, ob gewaltverherrlichende Filme oder Computerspiele wie CS (Counterstrike) die Hemmschwelle der Täter senken. In diesem Zusammenhang könnten auch Kampfsportarten eine Rolle spielen. Sie helfen sicherlich Aggressionen abzubauen. VON UNSERER REDAKTEURIN LUISA JUNG

A

uf die Frage, welchen Einfluss sportliche Aktivitäten auf die seelische Verfassung eines Menschen haben und welche hormonelle Veränderung im Körper durch sportliche Betätigung erfolgt, antwortet Dr. med. Kietzmann aus Fuldabrück (Facharzt für Allgemeinmedizin, Sportmedizin, Homöopathie): „In Studien wurde nachgewiesen, dass Sport eine ausgleichende, stabilisierende und euphorisierende Wirkung auf den Menschen hat. Aus diesem Grund können sogar Sporttherapien ärztlich verordnet werden. Bei Ausdauersportarten werden z.B. nach einem Training von mindestens 40 Minuten in bestimmten Gehirnregionen Endorphine (= Peptide) ausgeschüttet, die nicht nur stimmungsaufhellend, sondern auch schmerzlindernd wirken. Man nennt das auch ‚runners high‘.“ Wir kennen viele Menschen, die regelmäßig Sport treiben, aber nur wenige, die sich an Kampfsport heran trauen. Die Ausübung von Kampfsportarten kann mit den meisten Einzel- oder Mannschaftssportarten nur schwer verglichen werden. Auch hier geht es um eine gute Leis-

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

tung oder einen Sieg, es ist aber eine zusätzliche große Herausforderung, den ganzen Wettkampf über seinem Gegner „Auge in Auge“ gegenüberzustehen und gleichzeitig zu wissen, dass er über viele zulässige Kampftechniken verfügt, die für einen selbst sehr schmerzhaft sein können. Trotzdem gibt es viele Gründe, warum sie beliebt sind: Es geht nicht nur um ein vielseitiges und körperlich anstrengendes Training, sondern auch um die Schulung von Koordination für technisch anspruchsvolle Figuren und Abläufe und natürlich eine hohe Reaktionsgeschwindigkeit. Jeder Kämpfer trägt einen Gürtel in einer bestimmten Farbe, der Auskunft über seinen Ausbildungsstand gibt. Dies muss aber nicht zwingend den Kampf entscheiden, denn durch eine gute Kondition und Kampfgeist kann trotzdem mancher „technische KO“ abgewendet werden. Torsten Kortmann (Sportlehrer am Goethe-Gymnasium) erklärt: „Kampfsport ist Bestandteil des Lehrplans, zwar ein schwerpunktmäßig fakultativer, d.h. er muss nicht unterrichtet werden, aber kann. Im Lehrplan heißt es aber „Mit/gegen Partner kämpfen.“ Ziele sind hier

die Fairness und das verantwortliche Handeln gegenüber anderen, die Selbstdisziplin und Aggressionskontrolle und die sensible Wahrnehmungsfähigkeit im Umgang mit sich und anderen“, weist Kortmann hin, „allerdings muss man sich dabei nicht vorstellen, dass ausschließlich normierte Kampfkünste, wie z.B. Judo oder Karate, unterrichtet werden, es geht auch noch um die Vermittlung von Regeln, Strategien und einzelnen Griffen. Die Möglichkeit der Selbstverteidigung steht dabei eher im Hintergrund und die sozialen Lernziele im Vordergrund. Dies ist auch schon in der Jahrgangsstufe 5 mit Spielen wie Linienkämpfen oder Kampf um einen Ball möglich.“ Bei allen Wettkämpfen in Zweikampfsportarten lernt man, seine Kraft und Aggression dadurch zu kontrollieren, dass der Körperkontakt in Art und Dauer genauen Regeln unterliegt- bei dem Verstoß gegen eine Regel hat man den Kampf sofort verloren. Auch die Beendigung eines Kampfes durch den Kampfrichter muss jederzeit sofort akzeptiert werden. Es soll immer nur eine sportliche, keine persönliche Herausfor-

UMLAUF

61 61


derung bleiben, weshalb sich ( z. B. beim Judo ) am Ende des Kampfes beide Gegner voreinander verbeugen und durch Händeschütteln für den Kampf „bedanken“. Damit soll die Distanz zwischen Sieger und Verlierer aufgehoben und das gemeinsame Interesse – am Sport – betont werden. Das ist eine schöne Geste, um von dem Kampf in den Frieden überzugehen.

gar Dritter bei der deutschen Meisterschaft. Sein Interesse am Kickboxen wurde geweckt, als er bei der deutschen Meisterschaft seines jetzigen Trainers zuschaute. Er hat seine kampfsportlichen Fähigkeiten auch schon außerhalb der Sporthalle eingesetzt, „aber nur zur Selbstverteidigung“. Er konnte sich durch seine Kampfsportkenntnisse schon aus brenzligen Situationen be-

Kevin kämpft um den Sieg der Bezirksmeisterschaften beim Kickboxen.

„Dabei habe die Aktivität in einem Kampfsportwettkampf selbst jedoch keinen Einfluss auf die Aggressionsschwelle eines Menschen“, erklärt Dr. Kietzmann, „ beim Kampf werden zwar Befriedigungsstoffe ( Opiate, Endocanabinoide ) ausgeschüttet, sie wirken sich aber nicht auf die Gewaltbereitschaft eines Menschen aus.“ Kevin T. ( 18 Jahre, Goethe-Gymnasium ) betreibt seit siebeneinhalb Jahren Kickboxen. Er trainiert zweimal pro Woche zwei bzw. drei Stunden und nimmt auch regelmäßig an Wettkämpfen teil. Seine größten sportlichen Erfolge waren: Bezirksmeister, Vize-Hessenmeister und so-

62

UMLAUF

freien. „Es war in der Pausenhalle. Ein Klassenkamerad kam von hinten und würgte mich mit dem Unterarm am Hals. Ich wusste erst nicht, ob es ein Spaß war oder Ernst. Deshalb habe ich mich befreit, indem ich ihn seitlich über meine Schulter geworfen habe und er somit auf dem Boden landete. Ein anderes Mal musste ich Selbstverteidigung einsetzen, als ich von einem jüngeren Mitschüler „angemacht“ wurde, wegen irgendwas Unwichtigem. Dies habe ich mir nicht gefallen lassen und habe ihn gefragt, was das soll, woraufhin er aggressiv wurde und auf mich zu kam. Ich habe ihn mehrmals gewarnt: „Lass mich in

Ruhe! Reg dich ab. Du tust dir nur weh!“ Anscheinend glaubte er mir nicht - würde ich auch nicht, wenn mir das ein zwar älterer, aber kleinerer Pimpf sagen würde - und kam weiter sehr aggressiv auf mich zu. Ich ging derweil schon rückwärts. Als er jedoch kurz vor mir stand und ich das Gefühl hatte, er würde mich gleich schlagen, habe ich stattdessen einen relativ schwachen Schlag in Richtung seines Mundes angesetzt, woraufhin er sehr schnell von mir abließ.“ Fairness ist für Kevin eine sehr wichtige sportliche Grundeinstellung. Auf die Frage, ob es bei ihm im Training auch „aggressive“ Sportkameraden gibt, antwortet er: „Im Training haben wir keine „aggressiven“ Leute. Als einmal Jugendliche erschienen, die sich „mal abreagieren wollten“ und „mal richtig harte Tritte lernen wollten“, wurden sie nach Hause geschickt, weil es nichts mit Sport zu tun hat, wenn man sich nur schlagen will. Aus medizinischer Sicht wird das Aggressionspotential eines Menschen von folgenden Faktoren beeinflusst: „ Dazu gehören die hormonelle Ausstattung des jeweiligen Körpers, das soziale Umfeld und auch das Berufsfeld eines Menschen“, so Dr. Kietzmann. „ Es gibt sogar Exzentriker, die ihre Aggressionen auf die abenteuerlichste Art und Weise ausleben, ohne aber jemals einen anderen Menschen zu schlagen.“ Er findet:“ Kampfsportarten sind eigentlich für jeden Menschen gut geeignet, da man ein gutes Körpergefühl bekommt und den eigenen Willen zu kontrollieren lernt.“ Sportlehrer Thorsten Kortmann könnte sich ein Kampfsporttraining unter qualifizierter Anleitung für viele Schüler und Schülerinnen gut


ZEITPUNKTE vorstellen. Dabei ist der Kampfsportlehrer eine wichtige Größe. Erkennt er die Motivation der Schüler, vermittelt er die Werte, die in Zusammenhang mit der Kampfkunst stehen, oder vermittelt er nur die notwendigen Techniken? Damit kennt sich IngaLill Schäfer (32 Jahre) aus, die am Goethe-Gymnasium Biologie und Sport unterrichtet. „Ich mache Judo seit 22 Jahren. Zu meiner Wettkampfzeit habe ich zwei- bis dreimal die Woche bei dem PSV GW Fairness dominiert das Turnier. Kassel (Polizeisportverein Kassel) trainiert. Seit fünfzehn leite zur Zeit fünf TrainingsgrupJahren bin ich selbst Trainerin und pen.“ Gründe, warum Kinder zum

Kampfsport finden, entstehen im besonderen Interesse der Eltern. „Die Eltern wollen, dass ihre Kinder lernen sich zu verteidigen, sich bewegen, Selbstvertrauen aufbauen, Aggressionen abbauen und Disziplin lernen“, erklärt Inga-Lill Schäfer, „das ist auch begründet, denn trainieren Kinder regelmäßig, lernen sie sehr bald einen gewaltfreien Umgang miteinander und erkennen die Einhaltung von Regeln, was sich immer positiv auf ihr Gewalt- und Aggressionspotential auswirkt.“ Inga-Lill Schäfer verdeutlicht, dass sich die Jugendlichen im Training und auch im Wettkampf körperlich mit anderen auseinandersetzen und sich innerhalb derRegeln vielleicht mal ‚prügeln‘. „Dennoch, die Regeln gelten!“, betont Inga-Lill Schäfer. U

Anzeige

Infos unter:

www.bib.de

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

UMLAUF

63 63


Sinnsuche Topp-Figur, Ausdauer, kĂśrperliche Fitness, bessere Gesundheit, innere Ruhe - und das alles durch irgendwelche Verrenkungen der GliedmaĂ&#x;en und kitschige Meditation?

64

UMLAUF


ZEITPUNKTE Yoga boomt. Mittlerweile praktizieren geschätzte fünf Millionen Menschen in Deutschland Yoga. Sharon Stone macht es. Und Sting scheint auch damit Erfolg zu haben. Kostenlose Kurse werden von Krankenkassen angeboten. Oliver Bierhoff, der Nationalmannschaftsmanager, besorgte seiner Mannschaft für die Vorbereitung auf die Fußball-WM 2006 einen Personal-Yoga-Trainer. Und auch Jürgen Klinsmann versuchte seine Jungs mit Yoga auf Spiele vorzubereiten. Doch die Klischees von Räucherstäbchen, kitschigen Meditationen und esoterischen Egomanen-Sekten bleiben. Yoga gibt zunächst viele Versprechen, aber wie viele können tatsächlich erfüllt werden?

VON UNSERER REDAKTEURIN MARIE THIEDE

V

or einigen Jahren schwappte die Yogawelle von Amerika nach Deutschland. Und mit ihr Hoffnungen, vielleicht sogar Traumvorstellungen von besserer Gesundheit, innerer Ruhe, persönlicher Zufriedenheit und geistiger Klarheit. Immerhin ist es das, was Yoga verspricht. Beim Aufschlagen eines Yoga-Buches springen immer wieder Sätze wie „Herzlichen Glückwunsch, Sie sind auf dem besten Weg Ihr Leben zu bereichern, zu verschönern, glücklicher zu gestalten!“ oder „abgesehen von einer Stärkung des Immunsystems, Kraft- und Ausdauertraining oder Heilung von Krankheiten, gibt es beim Yoga unzählige Beispiele von Wunderheilungen, die schon mancher Leben verändert haben“ ins Auge. Zunächst ein verlockendes Angebot, doch je höher die Erwartungen, desto größer kann auch die Enttäuschung sein.

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

Yoga & Ayurvedazentrum in Kassel. Meine erste Yoga-Stunde. Ein merkwürdiger, aber sehr angenehmer Geruch steigt in meine Nase, als ich das Zentrum betrete. Ich kann den Geruch nicht zuordnen, ein biss-chen süßlich wie Schokolade, aber gleichzeitig auch würzig und benebelnd. Wahrscheinlich die berüchtigten Räucherstäbchen. Es wirkt irgendwie beruhigend, was durch die leise Gesangs- und Trommelmusik, die aus einem Lautsprecher in der Ecke kommt, unterstützt wird. Eine im Kreis sitzende Runde von Frauen, die alle an einem Yogi-Tee schlürfen und an Schokokeksen, getrockneten Feigen oder Kokosstückchen knabbern, begrüßt mich. Ziemlich gemütlich hier. Ich habe in einem Yoga-Buch gelesen, dass überwiegend Frauen Begeisterung an diesem Sport oder dieser japanischen Wissenschaft finden. Dieses Vorurteil hat sich soeben bestätigt, weit und breit kein Mann in Sicht. Als nächstes schaue ich mal auf

die Schuhe der Damen, denn diese sagen ja bekanntlich viel über Persönlichkeiten aus. Von Turnschuhen über High-Heels bis hin zu JesusLatschen ist alles dabei. Die typische Yoga-Frau scheint es also nicht zu geben. So ganz in meinen Gedanken versunken erblicke ich plötzlich das erste männliche Wesen im Raum, zu dem auch noch den Chef höchstpersönlich. Georg Meister, ein langhaariger, sportlicher junger Mann und Diplom-Yoga-Lehrer. Er fragt, ob es meine erste YogaStunde ist, an der ich teilnehme, und erklärt mir zunächst ein paar grundlegende Dinge über Yoga. Apropos Selbstdisziplin. Mein Körper befindet sich gerade am Ende seiner Kräfte, nach gerade mal einer halben Stunde Yoga. Seit mitlerweile fünf Minuten zittern sämtliche meiner Gliedmaßen in einer Variation der sogenannten Hundhaltung. „Hinknien, Füße und Knie etwa 30 Zentimeter auseinander.

UMLAUF

65 65


Den Rumpf vorbeugen, Stirn zum Boden, die Arme parallel zueinander lang ausstrecken. Aufrichten, in den „Vierfüßlerstand“ kommen. Die Arme sind senkrecht unter den Schultern. Und nun die Beine strecken. Das rechte Bein zeigt gestreckt Richtung Himmel“.

Bauch, Beine, alles zittert und zittert. Würde ich nicht auf meine Atmung achten und mich wie beim normalen Sport verhalten, hätte ich schon längst aufgegeben bzw. eine Pause eingelegt. Bei diesen Verrenkungen könnte man meinen, man müsse zuerst einige Jahre Ballett gemacht oder geturnt haben, um beim Yoga mithalten zu können. Aber Georg Meister beruhigt mich: „Der Zugang zu Yoga bedarf keiner besonderen Vorausetzungen, nötig ist nur etwas Zeit und der Wille, es wirklich zu versuchen. Egal, in welcher körperlichen Verfassung sich der Yoga-Anfänger befindet, er wird kurzerhand merken, dass hinter diesen Übungen noch viel mehr steckt: ein Mittel zur besseren Beweglichkeit und Fitness, egal, in welcher Form er im Stande ist, die Übungen zu praktizieren. Auch die einfacheren Übungen können genauso starke Effekte erzielen wie die der schwierigeren Sorte.“ Vielleicht ist genau das der

Es ist ziemlich schwierig sich auf den Lehrer und seine Aufträge und gleichzeitig seinen eigenen Körper und die richtigen Ausführungen der Übungen zu kümmern.

Es ist ziemlich schwierig sich auf den Lehrer und seine Aufträge und gleichzeitig seinen eigenen Körper und die richtige Ausführung der Übungen zu kümmern. Arme,

66

UMLAUF

Grund, der Yoga inzwischen so populär macht. Jeder, der will, kann anfangen, ohne irgendwelche Kategorien erfüllen zu müssen. Wären mir nicht anfangs schon die vielen verschiede-

nen Menschentypen durch ihre verschiedenen Schuhe aufgefallen, wäre es spätestens jetzt geschehen: Junge, Alte, Dicke, Dünne, Menschen, die Bänder aus Gummi zu haben scheinen , aber auch steife Körper. Alle versuchen die gleiche Übung auszuüben. Doch stelle ich mir die Frage, ob diese Verrenkungen wirklich gesund

Joga, was ist das? Yoga ist eine jahrtausend alte Wissenschaft die Wege aufzeigt, wie der Mensch seine Gesundheit und seine körperliche, geistige und seelische Verfassung gezielt verbessern kann. Seinen Ursprung hat Yoga in Indien. Diese philosophische Lehre stellt körperliche und geistige Übungen in Verbindung. Yoga besteht aus verschiedenen Arten, die auf unterschiedlichen Voraussetzungen, Schwerpunkten und Zielen beruhen. In Deutschland und auch Europa beispielsweise hat sich ein Schwerpunkt auf den körperlichen Aspekt gelegt. Die am häufigsten praktizierte Yoga-Form ist HathaYoga, bzw. das „Yoga der Energie“. Die zwei Silben „Ha“ und „Tha“ stehen für die Bedeutung der zwei Pole der menschlichen Existenz. Zum einen bedeutet „Ha“ Sonne und symbolisiert die aktive Kraft bzw. das rationale Bewusstsein, während „Tha“ Mond bedeutet und für das Unterbewusste steht oder auch den Bereich der Träume und Emotionen symbolisiert. Bei dieser Art von Yoga werden Kraft und Konzentration kombiniert und müssen im Ausgleich sein. Hierfür werden Körperübungen mit gleichzeitiger Atemregulation ausgeübt. Alle Arten von Yoga stammen von den sogenannten Sutren des Patanjali, eine Sammlung von ca. 190 Aphorismen, die vor ungefähr 2000 Jahren geschrieben worden sind. Die Hauptmerkmale, auf die sich konzentriert wird, sind unter anderem Meditation, Atemtechnik, Konzentration, Körperübungen und Selbstdisziplin.


ZEITPUNKTE sein können. Yoga gibt einerseits das Versprechen, geistige Schmerzen wie z.B. Depressionen oder Angstzustände zu bekämpfen, andererseits verspricht es auch physische Schmerzen, wie z.B. Kopf-, Rücken oder andere Leiden zu verringern. Vor langer Zeit bewegten sich die menschlichen Vorfahren noch auf allen Vieren. Die Veränderung des vertikalen Gangs ist für einige unserer Körperteile zwar von Vorteil, dafür für andere von erheblichem Nachteil: Die Wirbelsäule wird beispielsweise weitaus mehr belastet als damals. Langes Sitzen, Übergewicht, das Schleppen von schweren Taschen oder anderem Gepäck können zu unangenehmen Schmerzen im Rücken führen. Außerdem muss der Kreislauf gegen die Schwerkraft arbeiten. Das kostet Energie. „Man kann Yoga-Übungen auch falsch ausführen, gerade, wenn es um Übungen geht, die man im Alltag nicht allzu oft ausübt. Daher ist die korrekte Anleitung und Ausführung der YogaÜbungen sehr wichtig. Es lässt sich also empfehlen, einen Yoga-Kurs zu besuchen, der von einem erfahrenen Lehrer geleitet wird. Wer versucht, sich Yoga mit einem bloßen Yoga-Buch beizubringen, sollte wirklich nur einfache Übungen versuchen. Es kommt schließlich auch auf die Abfolge der Übungen an, wenn man beispielsweise zuerst den Körper stark nach hinten dehnt, muss anschließend eine ausgleichende Übung nach vorne ausgeübt werden“, erklärt der Joga-Trainer Georg Meister. Mittlerweile sitzen sogar zwei Männer in der Runde. Aber trotzdem sind diese eindeutig in der Minderheit. Einer der beiden verrät mir, dass Männer oft ein falsches Bild von Yoga Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

haben und Yoga generell als Frauensport bezeichnet wird. „Wenn Männer Yoga machen, dann bevorzugen sie meistens diese Art von Yoga-Übungen, die am ehesten einem klassischen Fitnesstraining ähneln. Das heißt also, der Schwerpunkt liegt auf Kraft, Ausdauer und Muskelaufbau und weniger auf geistiger Klarheit oder innerer Ruhe.“ In diesem Kurs ist das meiner Meinung nach nicht der Fall. Auch wenn mein Körper zwischenzeitlich an seine Grenzen gestoßen ist, ist das Gefühl nach den 90 Minuten Yoga ein befreiendes, erholendes und entspannendes. Der Kurs begann mit einer ausgiebigen Atemübung im Schneidersitz mit anschließenden Entspannungsübungen für Hals, Wirbelsäule und Nacken. Die anstrengende Phase, in der wirkliches Durchhaltevermögen gefragt ist, habe ich gerade überstanden. Nun befinde ich mich in der Tiefenentspannung, dem angenehmsten Teil der Yoga-Stunde. Hierbei legt sich jeder Kursteilnehmer auf seine Wollmatte und deckt sich zusätzlich mit einer warmen Decke zu. Das Licht wird gedämmt. Alle sind still und lauschen den Worten des YogaLehrers. Dieser beschreibt nacheinander, welche Körperteile wann und wie entspannt werden sollen. Selbst das kleine Kribbeln in der Handinnenfläche ist zu spüren, wenn Georg Meister darauf hinweist. Sobald er der Meinung ist, der ganze Körper sei entspannt, lässt er die ruhige, sanfte Trommel-, und Gesangsmusik vom Anfang langsam ertönen. Und mit ihr ist der ein oder andere Schnarcher vom Nachbarmann zu hören, der vor lauter Erschöpfung und Entspannung in den Schlaf gesunken sein scheint. U

Anzeige

Unsere wöchentlich wechselnden Mittagsgerichte sind preiswert, abwechselungsreich und schnell serviert

Pizza, Pasta und vieles mehr MITTAGSTISCH für 5,10 Euro

Obere Königsstraße 4 34117 Kassel Telefon 0561- 71 33 00 Öffnungszeiten: Täglich von 11.00 bis 24 Uhr durchgehend geöffnet Freitag und Samstag bis 1.00 Uhr Alle Speisen auch außer Haus

UMLAUF

67 67


Der Mensch ist, was er isst!

68

UMLAUF


ZEITPUNKTE In zunehmendem Maße wird in der heutigen Zeit hinterfragt, inwieweit es noch moralisch vertretbar ist Fleisch zu essen, obwohl man sich auch gesund ernähren kann, ohne für das qualvolle Leben oder den Tod anderer Lebewesen verantwortlich zu sein. Darüber hinaus stellt sich auch die Frage, ob beispielsweise ein Leistungssportler als Vegetarier trotzdem zu seinen Erfolgen kommen kann.

VON UNSERER REDAKTEURIN ISABELL JUNG

D

er Dokumentarfilm „We feed the world” zeigt anschaulich, dass der Fleischverzehr für viele Menschen nicht mehr vertretbar ist, nachdem sie kritischen Einblick in die Massentierhaltung bekommen haben. So wird unter Anderem gezeigt, wie in der industriellen Geflügelproduktion massenhaft produzierte Eier in Maschinen bebrütet oder aber die Tiere seriell, d.h. durch eine automatisierte Schlachtmaschine getötet werden. Das Ziel der Profitsteigerung verdrängt jeden Skrupel und Funken von Menschlichkeit. Solche Bilder oder auch andere Erfahrungen können dazu führen, dass manchen Menschen das Fleisch „im Hals stecken bleibt“. Fabian Schomburg (18 Jahre) spielt seit 11 Jahren Handball, - seit diesem Jahr in der 1. Bundesliga bei der HSG Wetzlar - und trainiert ca. 15 Stunden pro Woche. Für ihn scheint es kein moralisches Problem zu geben, wenn er Fleisch isst: „Nein, ich esse sehr gern Fleisch und für mich wäre es unnatürlich, kein Fleisch zu essen.“ Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

Diese Ansicht bestätigt auch Thorsten Kortmann (Sportlehrer am Goethe-Gymnasium) und meinte, er kenne keine Vegetarier, die Leistungssport erfolgreich betreiben. „Dennoch gibt aber immer wieder Meldungen, dass es leistungssporttreibende Vegetarier gibt. Sie ‚substituieren‘ (ersetzten, austauschen) aber oftmals ihre Ernährung sowieso und werden auch entsprechend gut beraten und überwacht. Sie führen also die notwendigen Stoffe nur auf einem anderen Weg zu“, weist Kortmann hin.

Fabian Schomburg trainiert ca. 15 Stunden pro Woche und isst zwar gerne Fleisch, aber könnte sich auch eine vegetarische Ernärung vorstellen.

Vegetarismus: Ernährungsweise, die nur rein pflanzliche Kost gelten lässt und alle tierischen Produkte ablehnt (= strenger Vegetarier ); eine gemäßigtere Form ist der Lakto-Vegetarier, der neben pflanzlicher Kost auch tierische Produkte wie Milch und Milcherzeugnisse erlaubt. Auch Fabian Schomburg könnte sich vorstellen, bei einer rein vegetarischen Ernährung trotzdem Leistungssport zu betreiben: „Ich würde dann die im Fleisch enthaltenen Mineralien wie Eisen und Magnesium zusätzlich zu meiner normalen Ernährung in Form von Tabletten oder anderen Präparaten zu mir nehmen. Alle vier Wochen muss ich zum Blutabnehmen, damit der Arzt feststellen kann, welche Mängel bestehen. Diese fehlenden Vitamine oder Mineralien muss ich dann in Form von Getränkemischungen oder Tabletten einnehmen.“ Es gibt jedoch auch Vorteile einer vegetarischen Ernährung erläuert Dr. Kietzmann (Facharzt für Allge-

UMLAUF

69 69


ZEITPUNKTE meinmedizin, Sportmedizin und Homöopathie) : „Sie ist sicher die gesündere Ernährungsform, sofern Milchprodukte und Eier ergänzt werden. Die Aminosäuren des Fleisches sind identisch mit denen der Milchprodukte, für die Aufnahme im Darm und die Verwertung im Körper gibt es keinen Unterschied. Damit werden alle notwendigen Nährstoffe aufgenommen. Eine ausschließlich vegane Ernährung ist dagegen schädlich, weil acht essentielle Aminosäuren (=Eiweiße) fehlen.“ Herr Kortmann könnte sich dagegen vorstellen, dass eine rein vegetarische Lebensweise die Leistungsfähigkeit eines Sportlers beeinträchtigen kann: „Ja, das glaube ich durch-

sich vegetarisch ernähren, vor allen Dingen auf eine auseichende Aufnahme von Eiweiß achten müssen. „Das bedeutet, dass pro Kilogramm Körpergewicht 0,8 Gramm Eiweiß pro Tag aufgenommen werden sollten (Bsp.: 70 kg Körpergewicht des Sportlers benötigt 60g Eiweiß täglich). Das Eiweiß kann jedoch aus pflanzlichen Quellen wie z.B. Hülsenfrüchten, Soja-Produkten und Milchprodukten stammen. Zwei Scheiben Käse und ein viertel Liter Milch oder 250g Joghurt reichen aus, um den Tagesbedarf zu decken.“ Weiterhin weist sie darauf hin, dass Vollkornprodukte, drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst pro Tag zu empfehlen sind. Uner-

Helfen diese Produkte , um bei vegetarischer Ernährung einen notwendigen Ausgleich ztu schaffen?

aus. Vor allem im Wachstum werden die jungen Leistungssportler besonders belastet und brauchen eine gute und ausgewogene Ernährung.“ Darüber kann Angela Jordan, Diplom-Ökotrophologin Auskunft geben, die als Ernährungsberaterin im Roten Kreuz Krankenhaus in Kassel arbeitet. Sie erklärt, dass Sportler, die Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

lässlich sei auch die Aufnahme einer großen Menge Flüssigkeit während und nach den Wettkämpfen. „Wenn diese Ernährungsweise nicht eingehalten wird, können mangels Eiweißzufuhr keine Muskeln aufgebaut werden und es fehlt an Kraft. Wird nicht genug getrunken, trocknet der Körper aus, weil zu viel

Flüssigkeit über den Schweiß verloren geht. Gleichzeitig sollten auch Elektrolyte zugeführt werden, damit der Salzhaushalt nicht außer Balance gerät,“ beschreibt sie als mögliche Folgen einer unausgewogenen Ernährung. Dr. Kortmann begründet differenziert die Entstehung möglicher Probleme und Nebenwirkungen, die durch den Verzicht auf Fleischverzehr entstehen könnten: „Fleisch ist einer der wichtigsten Eisenlieferanten. Eisen ist vor allem bei Ausdauersportlern sehr wichtig, da es zur Bildung des Hämoglobins benötigt wird (dieser Stoff transportiert den Suerstoff im Blut zu den Muskeln). Weiterhin ist Fleisch eine gute Zinkund Vitamin B 12-Quelle. Zink ist Kofaktor zahlreicher Enzymsysteme, und spielt eine Rolle im Vitamin A-, im Kohlenhydrat- und im Lipidstoffwechsel. Ferner ist Zink essentiell für die Funktion verschiedener Hormone, wie z.B. Insulin, den Schilddrüsenhormonen, Sexualhormonen und den Wachstumshormonen. Zink ist am Zellwachstum und an der Zelldifferenzierung beteiligt. Für eine funktionierende Immunabwehr wird ebenfalls Zink benötigt. Vitamin B12 wird zwar nur in geringen Mengen vom Körper benötigt, erfüllt aber dennoch wichtige Funktionen bei der Bildung roter Blutzellen, beim Eiweißstoffwechsel und beim Nervensystem. Außerdem unterstützt Vitamin B12 das Zellwachstum und die Zellteilung und trägt zur Regenerierung der Schleimhäute bei.“

Das erscheint schlüssig, aber dennoch gilt der Verzehr „natürlicher“ Lebensmittel – gegebenenfalls auch in Form von Fleisch-, weil die Nahrung in ihrer ursprünglichen Form den Körper ebenfalls mit einer Vielzahl lebensnotwendiger Stoffe versorgt und damit leistungsfähig erhält. U

UMLAUF

71 71


Jede Woche alle I n f o r m a t i o n e n auf einen Blick bei

UMLAUF Online. www.umlauf.de Auflösung des Kreuzworträtsels

72

UMLAUF


L UST & L EBEN

Kreuzworträtsel

Bist Du ein informierter Goetheschüler? VON UNSEREN REDAKTEUREN POLINA SCHNEIDER UND BERIT WENZEL

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13.

Wer wird uns im Sommer verlassen und Amerika genießen? (Vorname) Wie nennt man das Aufnahmeritual der 5. Klassen? Worauf warten Schüler seit Beginn des Unterrichts? Wohin fahren die 7. Klassen auf Klassenfahrt? Wodurch werden Schüler am Nachmittag gerne gequält? Worauf freuen sich die Schüler am meisten? Welches Emblem trägt das Goethe-Gymnasium? Was ist der wahrscheinlich meistbesuchte Platz von den Schülern des Hauptgebäudes? An welchem Tag dürfen jedes Jahr die Abiturienten die Lehrer veralbern? Wo befindet sich das Gebäude der „Kleinen“? Was schützt unser grünes Gebäude vor Veränderungen? Wo schwitzen Schüler beim Sport im Sommer? Die „e“-Klassen sind die ...

Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

U

UMLAUF

73 73


MEIN BRIEFBUCH

Party

VON UNSERER REDAKTEURIN ALISA SCHMITZ

N

och ganze drei Stunden. So langsam muss sich Frau überlegen, was sie heute Abend für den überfüllten Flirtschuppen anzieht. Wie sie sich fühlt, ist nun die Frage. Während manche Männer einfach nur eine Jeans plus T-Shirt brauchen, um sich gut zu fühlen, müssen Frauen hingegen einiges beachten: Ob der Ausschnitt nicht zu tief sitzt, ob der Hintern nicht doch zu groß darin aussieht? Dem Mann ist so etwas egal. Nicht selten verlässt er das Haus, anscheinend ohne in den Spiegel geguckt zu haben. Das schicke Hemd, das Oma zum letzten Weihnachten verschenkt hat, unterstützt nicht unbedingt die doch so tapfer einstudierte Meinung „Ich bin der Geilste“. Wenn diese Aussage nicht immer ersichtlich ist, kann es schon mal vorkommen, dass er dies lautstark und in aller Öffentlichkeit verkündet. Mindestens eine Stunde geht allein für das Outfit der Frau drauf. Wie die prüde Hausfrau von nebenan will man nicht vor die Tür gehen, aber wie die letzte Bordsteinschwalbe möchte man auch nicht auftreten. Top gestylt schlendert sie nun ins Bad. Was passt besser: Locken oder glatt? Mittlerweile hat man nur noch eine halbe Stunde. Ist die Frisur dann geglückt, liegen schon Wimperntusche, Lidschatten und alles andere bereit. Doch nicht nur die moderne Frau hat gelernt, mit dem Pinsel umzugehen, auch der Mann fährt immer

74

UMLAUF

mehr Geschütze auf. Ist der Teint zu hell, wird schnell mal Selbstbräuner aufgelegt, der doch gerade noch in Muttis Schminkköfferchen zu finden war. Zusätzlich ergießen sie dann noch das neuste Eau de Toilette über ihren immer gut gestählten Körper, um auch ja jedem in der Diskothek durch seinen Geruch aufzufallen. Aber natürlich tun sie das alles nur dem weiblichen Geschlecht zuliebe. Wenn nun „Ich bin der Geilste“ auf „Ich bin viel geiler“ trifft, ist das Geheule groß. Erst die bösen Blicke, dann das vermeintliche Anrempeln führen nach ungefähr fünf Minuten zu einer immer hitzigeren Diskussion, wer denn jetzt nun „eins auf die Fresse“ verdient hat und wer nicht. Meist jedoch laufen sich die Kampfhähne nur noch ein- bis zweimal im Laden über den Weg, wo sie sich wieder für ein paar Minuten angrölen können. Nach ein bisschen Wimpernklimpern und Kussmundmachen betrachtet sich die Frau nun im großen Spiegel im Schlafzimmer. Hoffentlich wird nun der Abend ein voller Erfolg. An ihrem Outfit kann es nicht liegen, wenn wieder nur so volltrunkene Möchtegern-Casanovas vor sie treten um mit leicht lallendem Unterton Sachen zu verkünden wie „Schnecke, ich bin der Beste“ oder „Geil, deine Augenfarbe passt zu meiner Bettwäsche“. Es ist ein Phänomen, dass Mann den Alkohol nutzt, um sich Mut anzutrinken, dies

aber nach den ersten drei Bier sofort vergisst und sich in einen Saufmarathon der Superlative stürzt. Meistens bemerkt er dann zu spät, warum er eigentlich hier ist, rennt nun grölend auf die Tanzfläche und versucht mit vermeintlich passenden Bewegungen zum Beat zu wackeln. Warum sich die Frau so viele Gedanken macht, versteht nun keiner mehr. Auch wenn sie ein, zwei Sektchen trinkt, versucht sie unter 1,0 Promille zu bleiben, damit, falls doch noch ein netter Typ vorbeikommt, sie noch klare Sätze rausbringen kann. Außerdem will sie sich nicht jedem X-beliebigen an den Hals schmeißen, als wäre sie in Hamburg auf der Reeperbahn. Wie schön es doch wäre, wenn nicht der Mann so denken würde. Wie oft musste Frau schon beobachten, dass ein attraktiver Mann wild mit einer nicht so attraktiven Frau tanzt, während sie ihm ihren leicht bekleideten Hintern entgegenstreckt und ihr obenrum fast die Brüste herausfallen. Leider verwechselt das männliche Geschlecht die Diskothek allzu oft mit einem Stripclub. Sollte der Abend doch ein Reinfall werden und die gewünschte Bekanntschaft mit einem netten, jungen Mann bleibt aus, kann Frau guten Gewissens von sich behaupten, sie habe heute wenigstens mehr graue Zellen behalten als der Männertrupp, der schon seit zwei Stunden halbtot in der Ecke liegt.


L UST & L EBEN VON UNSEREM REDAKTEUR STEFFEN ENGELBRECHT

S

ind männliche Primaten gut gelaunt, trommeln sie sich auf der Brust herum, springen durch die Gegend und brüllen, dass die Bananen zu Boden fallen. Betrachtet man nun das ausgelassene Feiern einer Gruppe Männer, entdeckt man ein ähnliches Verhalten. Ausgelassen, laut und lustig. Aber was ist daran affig? Sollte man nicht lieber die nette Unbekümmertheit sehen, die lediglich ein wenig Bier und die Gesellschaft Gleichgesinnter braucht? Was hingegen die Damenwelt zum Ausgelassensein braucht, wird im Volksmund durchaus affig genannt. Drei Stunden vorm Spiegel stehen, den Kleiderschrank misshandeln und anschließend ein Make-up auflegen, mit dem kein Erzfeind von Batman mithalten könnte, sind doch wohl kein Vergnügen. 77 Prozent der Männer hingegenstreifen sich vor dem Weggehen lediglich Jeans und T-Shirt über und sind dann bereit für eine lange Nacht im Anmachschuppen der Stadt. Fällt eine vorsichtige Geruchsprobe positiv aus, kommen auch schon die Jungs vorbei, jeder mit etwas Flüssignahrung für die Nacht. Viel zu häufig wird Mann dabei zum hemmungslosen Trinker verurteilt, der Bier als essentielles Grundnahrungsmittel in seinen täglichen Nahrungsmittelbestand aufgenommen hat und den Weg zum Absturz wie einen großen Triumphzug darstellt. Wer sich nach den ersten Abstürzen immer noch so betrinkt, dass er nicht mehr weiß wie, wo und wer er Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

ist, dem ist der Alkohol eindeutig zu Kopf gestiegen. Solche Typen werden von dem erfahrenen männlichen Alkoholkonsumenten, der seine Grenzen kennt und nur etwas heiter sein möchte, in der Regel gemieden. Singend und ausgelassen fahren alle Mann mit der Bahn zur Disko. Wenn hier die Kronkorken knallen, klickt bei den Damen das Handtäschchen und das Make-up wird gezückt. Angeheitert von Prosecco wird der Lidstrich nun versehentlich diagonal über das komplette Auge gezogen und, als der Lippenstift in einer Kurve der Bahn bis fast zum Ohr schmiert, sind allgemeine Mitleidsbekundungen in den weiblichen Reihen zu hören. Mann kümmern die Oberflächlichkeiten nicht. An der Disco angekommen, können die Party und das Flirten losgehen. Von wegen! Das weibliche Geschlecht stürmt zunächst in Massen auf die Toilette, wo die Folgen der Bahnfahrt beseitigt werden müssen; und diejenigen, die die Fahrt unbeschadet überstanden haben, helfen ihren Freundinnen. So wird die Toilette zu einer Mischung aus Douglas und Massensauna, in der jede versucht einen Quadratzentimeter des verschmierten Spiegels zu erhaschen. Währenddessen genehmigen sich die Herren noch ein Bierchen. Anschließend wird getanzt. Erneut zeigt sich, wie unbekümmert die Herren der Schöpfung an diese Kunst herangehen. Sie bewegen sich einfach, wie es ihnen passt, haben Spaß dabei und, wenn keiner wirklich tanzen kann, springen sie eben im Kreis. Frauen

hingegen stolpern an einem Partyabend auch beim Tanzen über ein erneutes Problem. Halsbrecherisch stelzen sie auf ihren viel zu dünnen Absätzen umher und versuchen dabei gekonnt sexy auszusehen. Leider geht bei diesem Tanzstil viel zu häufig die Lust und die Kunst, die weiblichen Reize geschickt auf die Männerwelt wirken zu lassen, verloren. Dabei können Frauen doch sehr anziehend sein. Immer wieder verschwinden beide Geschlechter auf die Toilette. Während Jungs nur pinkeln und sich danach vielleicht die Hände waschen, sieht der Prozess bei den Damen ähnlich wie am Anfang aus: Pinkeln, Haare richten, Make-up aufpolieren, Deo nachlegen, über die größte Discoschlampe lästern und sich nach fünfzehn Minuten wieder in die Menge stürzen. In Kontakt kommen beide Geschlechter eher selten, außer man ist sich vertraut und nicht zu schade bei der lauten Musik etwas zu brüllen oder, wie am Anfang bereits erwähnt, in primatenähnlicher Fortpflanzungsstellung. Dieser Tanzstil weckt beim Mann tierähnliche Triebe und wird vor allem von den Damen praktiziert, die sich nicht zu schade sind ihren Tanzpartner die ersten Minuten kaum zu sehen. So kann es zu bösen Überraschungen kommen. Am neuen Anfang des Tages hat weder Mann noch Frau neue ernsthafte Bekanntschaften gemacht und beide müssen sich eingestehen, dass es zum Kennenlernen bessere Umstände als Alkohol und Discolärm gibt. U UMLAUF

75 75


Aufgeschnappt Herr Gleim: „FDP und Linke. Das ist ja so als wären du und ich Freunde!“

Frau Coers-Dittmar: Wir haben jetzt auch einen Farbdrucker. Der kann sogar schwarzweiß drucken.

Herr Fohrmann zu seinen Schülern: „I want my subject! An English teacher has the right to get his subjectverb-order!“

letzte Unterrichtsstunde WPU Kunst Kl. 10 . Schülerin Juliane Friedrichs: Herr Eichler, Können wir denn jetzt nicht mal heute endlich„chillen“? 76

UMLAUF

Schülerin: „Da steckt die Grundform drin!“ Frau Horchler: „Und, und, wie heißt die Grundform auf schlau?“

Schüler: „Soweit ich weiß hat Fahrenheit gedacht, bei 30° wäre der Gefrierpunkt, hat den dann dementsprechend festgesetzt. Herr Clemens: Echt? Schüler: Ja! Herr Clemens: Glaube ich nicht!

Schüler: Haben Sie einen Rouladen-Schlüssel? Herr Imhof: Einen was? Schüler: Einen RouladenSchlüssel! Herr Imhof: Versteh ich nicht! Schüler: Verstehen Sie doch bitte, einen ROULADENSCHLÜSSEl! Herr Imhof: Ach! Einen Schlüssel für die Rollläden!

Herr Knöpfel: Schenkt ihr doch eine Tafel Zigaretten.

Eine Schülerin zeigt Frau Klaus ihr Entschuldigungheft. Sie blättert es durch und erklärt ihr schließlich: „So viele Fehlstunden! Damit kriegen Sie später garantiert keinen Job!“

Herr Meist: „Ihr seid so schrecklich dumm! Seid ihr etwa Schafe?“ U


L UST & L EBEN

In & Out

von Marco Ruppert Lehrer des Goethe-Gymnasiums mit den Fächern Chemie und Sport Den Lehrer mal loben. Schutzbrille im Chemieunterricht tragen– und zwar nicht als Haarreif! Wanderurlaub in Schottland. Ins Kino gehen und dabei vom Schulalltag entspannen. Liebevolle Verbalduelle unter Kollegen. Lange schlafen. Wild Campen, Lagerfeuer und Rollbraten mit Knoblauch gespickt in der Glut garen. Die Welt mit meiner Tochter neu entdecken. Eigene Marmelade herstellen. Ratten – als Haustier, nicht am frühen Morgen als Begrüßung aus der Kloschüssel. Mit dem Fahrrad zur Schule kommen – ohne Fahrradkörbchen ;-) Einen Kräutergarten auf dem Balkon züchten. Ahle Worscht.

Komasaufen – ist dumm und macht dumm. Casting- Shows. Unruhe während des Unterrichts. Zecken – wozu sollen die gut sein? Schlechter Wein – dafür ist das Leben zu kurz. Unsummen für Fußballspieler ausgeben, das grenzt an modernen Sklavenhandel. Zu volle „To-Do“- Listen. Schule schwänzen. Fahrradkörbchen an Herrenrädern. Zu glauben, zu Fuß zur Schule zu gehen, sei Sport. Übertriebenes Sonnenbaden. Absprachen nicht einhalten. Ständig diskutieren wollen. Verbalentgleisungen. U Ausschließlich Markenklamotten tragen. Ausgabe Nr. 74 • Herbst 2009 / 30. Jahrgang

UMLAUF

77 77


Impressum Ysenburgstraße 41 • 34125 Kassel Tel.: 0561-87 10 49 • Fax: 0561-87 10 40 Email: redaktion@umlauf.de Im Internet: www.umlauf.de Mitglied der Jugendpresse Hessen (JPH) e.V.

UMLAUF

Schulmagazin des Goethe-Gymnasiums Kassel 30. Jahrgang • Ausgabe Nr. 74 •Herbst 2009

Redaktion

78

Tobias Aschenbrenner (Kl. 12) Kristina Batzel (Kl. 12) Atlanta Eckhardt (Kl.11) Steffen Engelbrecht (Kl. 12) Lisa Finis (Kl. 11) Jessy Franke (Kl. 11) Mabelle Franke (Kl. 11) Tiana-Cornelia Haas (Kl. 10) Jessica Jaworski (Kl. 10) Isabell Jung (Kl. 13) Luisa Jung (Kl. 13) Lisa-Katharina Klein (Kl. 11) Kim Kraft (Kl. 13) Mara Liebehenz (Kl. 12) Christine Phieler (Kl. 13) Schahin Saket (Kl. 13) Janina Schmidt (Kl. 13)

Alisa Schmitz (Kl. 13) Polina Schneider (Kl.10) Florian Sedlatschek (Kl. 11) Lea Techen (Kl.11) Marie Thiede (Kl. 13) Marcia Weber (Kl.11) Berit Wenzel (Kl. 10)

Herausgeber

Schulleitung des Goethe-Gym.

Joachim Ahrberg

Anzeigen

Ulrich Eichler

UMLAUF Online Timm Reitinger www.umlauf.de

Vertrieb

Auflage Preis

• über die Redaktion • in den Sekretariaten • Kiosk am Rathaus • Buchhandlung Vaternahm 1.400 1,00 Euro

Gültige Anzeigenpreisliste vom April 2002 Geschäftsführung Ulrich Eichler Bankverbindung: Kasseler Sparkasse BLZ 520 503 53 • Konto-Nr.: 100 535 22 99

+ Ulrich Eichler

Chefredakteur Stellv. Chefredakteurin

Steffen Engelbrecht Mara Liebehenz

Redaktionsleiter

Ulrich Eichler

Ressortleitung Online

Timm Reitinger

Satz & Layout

„Kolibri“

UMLAUF

Korrektur

Das Urheberrecht für veröffentlichte Manuskripte liegt ausschließlich bei der Redaktion. Nachdruck sowie Vervielfältigung oder sonstige Verwertung von Texten darf nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion erfolgen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos übernimmt die Redaktion keine Haftung. Die Zustimmung zum Abdruck wird vorausgesetzt. Leserbriefe werden bevorzugt entgegengenommen, können aus redaktionellen Gründen jedoch gekürzt werden. Gültige Anzeigenpreisliste vom April 2002.


Umlauf Nr. 74 - Aus Schrott Geld machen