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Frühjahr 2016

ULRIKE HELMER VERLAG Bücher sind Klamotten fürs Hirn.

LESESTOFF MIT AUTORINNEN-INTERVIEWS:

CRiMiNA

DIE FRAUEN HINTER DEN BÜCHERN

22 Daniela Schenk 22Carolin Schairer 22 Maren Elbrechtz 22 Friederike Habermann 22


BELLETRISTIK

Existenzielle Schieflagen mit viel Lebenswitz zu schildern, darin liegt Maren Elbrechtz’ besondere Stärke.

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Woher nehmen Sie Ihren Humor, Frau Elbrechtz? 2 Ihr Stil ist unverwechselbar. Amüsant, lakonisch, mit

trockenemWitz … und untrüglichemTiefblick fürs Allzumenschliche.Woher nehmen Sie das? Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen. Dort lernt man, dass alle Menschen gleich sind. Kölner wie Düsseldorfer. Direkt nach dem Studium bin ich in die Kölner Film-, nicht in die Düsseldorfer Werbebranche geworfen worden und fing bald an zusammenzuzucken, wenn jemand »Helau!« schrie. Zum Glück nehmen die Kölner sich nicht zu ernst. Die Düsseldorfer aber eben auch nicht. Levve un levve losse! Wann haben Sie Ihr Talent zum Schreiben entdeckt? In der 5. Klasse sollten wir einen Aufsatz schreiben zum Thema »Unser Weihnachtsfest«. Ich tat, wie mir geheißen. Als unser strenger Lehrer mir meine Arbeit zurückgab, sagte er, er habe bei der Korrektur einer Arbeit selten so viel gelacht. Wenn ich mich recht erinnere, hat er sich sogar bei mir bedankt. Es war trotzdem nur eine Drei, aber mir war von da ab klar, dass es mir mehr bedeutet, Menschen Spaß zu bereiten, als eine gute Note zu bekommen.

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HELMER I / 2016

© Foto: J. Zykla

Was benötigen Sie,um schreiben zu können? Traurigkeit bis hin zur Depression, Wut bis zum Amoklauf und Rotwein in Fässern! Nein, das mit dem Alkohol ist Quatsch. Da schreibt man abends einen Geniestreich und morgens ist es nur Schrott. Aber Wut und Traurigkeit – da könnte was dran sein. Allerdings, bei aller Liebe, ich kann nicht immer warten, bis ich traurig und wütend bin, dann würde ich ja nie fertig mit einem Buch!

Lassen sich Parallelen zu Ihrem Leben finden? Ich war mal wie meine Protagonistin Suza in »Motten tragen keinen Helm« betrunken vom Melissengeist. Um halb neun morgens. In der Uni. Ich war erkältet und wollte die Vorlesung auf keinen Fall verpassen, weil ich es verstehen wollte, dieses VWL. Hat so geht so geklappt. Ich bin von dem Geist-Doping eingeschlafen und habe VWL bis heute nicht verstanden. – So etwas kann man sich natürlich nicht ausdenken. Alles andere schon. Wie stehen Sie zum Erfolg Ihres Romanerstlings? … fühlt sich gut an! Meine Bücher müssen aber nicht gefallen. Man kann nicht allen gefallen. Auch nicht als Buch. Ich habe aber nichts dagegen, dass sie von unfassbar vielen Menschen gelesen und mit mir in Talkshows besprochen werden! Wie gehen Sie mit Kritik über Ihre Bücher um? Genz entspannt professionell, denke ich. Ich bin ja auch Dramaturgin. Kritik ist mein Beruf, mein Werkzeug. Das gilt fürs Austeilen wie fürs Einstecken. – Wieso? Hat jemand etwas Schlechtes gesagt? Wer? Wo? …?! Welches Genre würden Sie nie schreiben? Einen pornesken Polit-Thriller mit hymnenartigen Schwank-Elementen im Sachbuchstil. Wobei …!

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Maren Elbrechtz Die gebürtige Mülheimerin studierte Film- und Medienwissenschaften und arbeitet seit 2000 in der Filmbranche als Producer, Script Editor und im Development. Seit 2009 ist sie selbständig und lebt als Script Consultant, Hochschuldozentin und Autorin in Köln. Ihr Erstling »Motten tragen keinen Helm.Roman übersVerlassenwerden« erschien 2015 bei HELMER.


9 783897 413733

ISBN 978-3-89741-373-3

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BELLETRISTIK

M a r e n E l b re c ht z

AL L E S

WAS IC H MUS S

G E W T IS R e is er o ma n

m it B 280/115 u 115 / 71hoch r n o ut

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Maren Elbrechtz Alles was ich muss ist weg Reiseroman mit Burnout ISBN 978-3-89741-381-8 Paperback, ca. 256 Seiten 14,95 € (D), 15,40 € (A), 21,90 SFr Erscheint: April 2016 WG: 1110 Auch als eBook erhältlich.

Zentralthemen: Lebenskrisen, Berufsprobleme, Depression, Selbstfindung, Offenheit für Neues, Mut, Humor, Reisen Zielgruppe: (nicht nur lesbische) Leserinnen und Leser Alter: Alle Altersstufen (18+)

Und dann ist Schluss. Suza funktioniert nicht mehr. Ihr Hirn kann nicht länger verarbeiten, was die Augen sehen und was die Ohren hören. Diagnose: Burnout! Doch Suza wäre nicht Suza, wenn sie nicht einen ganz eigenen Weg fände, sich selbst aus der Misere zu ziehen. Zwangstöpfern in einer Klinik ist keine Alternative, denn das Problem ist das Müssen. Suza will einfach eine Auszeit vom Müssen haben. Kurzerhand setzt sie sich ins Auto und begibt sich auf eine Reise, um »über den Berg« zu kommen: ins geheimnisvolle Süddeutschland. Versprechen Orte wie Heidelberg, Rothenburg oder zumindest Neuschwanstein nicht Heilung?! Unterwegs begegnet Suza nicht nur Massen von Japanern und Amerikanern, einem kranken Eichhörnchen und zwei Siebenschläfern, sondern auch ihrer inneren Stimme. Sie gibt ihr den Namen Walburg und philosophiert mit ihr über das Leben, die Liebe und die unbewiesenen Vorzüge des hohen Nordens.

HELMER I / 2016

»Ich wandere noch einmal durch den Park, es ist ein herrlicher Tag, die Sonne scheint fröhlich vom Himmel und keine Wolke lässt sich sehen. Die Temperaturen sind sommerlich warm. Ich betrachte die Menschen, die mir entgegenkommen, und habe das Gefühl, dass alle mich anstarren. Mir kommt es vor, als hätten sie alle beobachtet, wie ich an ebendieser Stelle, die ich gerade passiere, gestern dem kranken Eichhörnchen die Hilfe verwehrte. Oder habe ich vergessen, mir etwas anzuziehen? Ich sehe an mir herunter und finde nichts Fehlendes. Es ist immer noch ziemlich wenig los in Speyer. Vermutlich arbeiten die meisten und haben kein Burnout und demnach auch keine Zeit, durch den Park zu schlendern. Aber warum sehen die hier mich an? Oder sehen sie mich an, weil ich sie ansehe? Oder bin ich so klar als Touristin erkennbar? Als Burnout-Patientin? Selbst wenn, das ist kein Grund, mich anzustarren! »Wenn du nicht hinguckst, gucken sie dich dann auch an?«, fragt mich Walburg teilnahmsvoll. »Wie soll ich das wissen, ich sehe es so ja nicht!« »Okay, dann gucke ich hin und sage es dir.« Sehr witzig, denke ich noch, als mich ein junges Paar anspricht: »Entschuldigung, wo geht es hier zum Rhein?« Ich kriege einen Schrecken und zucke leicht zusammen. Darauf war ich nicht vorbereitet; zum Glück funktioniere ich reflexartig und zeige in die richtige Richtung. Das Paar bedankt sich und zieht munter seines Weges. Erstaunlich, von Touristen werde ich offenbar für eine Einheimische gehalten! Immerhin habe ich alles richtig gemacht. Wie oft habe ich schon besten Wissens und Gewissens in Köln in die falsche Richtung gezeigt, wenn ich nach dem Weg gefragt wurde …

9 783897 413818

Leseprobe

ISBN 978-3-89741-381-8

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U.HELMER

Volkskrankheit Burnout. — Die Rechnung ist eine einfache: Es ließen sich Unmengen an Kosten sparen, wenn sich die, die noch gerade so dazu in der Lage sind, einfach dieses Buch kaufen und lesen. Denn: Nachahmung ist möglich, Heilung wahrscheinlich. Außerdem hat niemand gesagt, dass man im Burnout nicht auch einmal herzlich lachen darf. Über Maren Elbrechtz’ traurige Heldin Suza zum Beispiel und vielleicht sogar ein bisschen über sich selbst ...

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BELLETRISTIK

Die Wienerin zieht zuverlässig mit Krimis und anspruchsvollen Unterhaltungsromanen in Bann.

........................... Schlafen Sie eigentlich nie, Frau Schairer? © Foto: Doris Klinda

Wann haben Sie das Schreiben für sich entdeckt? Das verdanke ich meiner Großmutter. Sie schrieb selbst Geschichten, über Hexen und Fabelwesen, und hat mir früh Lesen und Schreiben beigebracht. Bis zum Abitur hatte ich auf der Schreibmaschine meines Vaters um die dreißig Kurzromane verfasst! Alle unlesbar. Nur die Geschichte um Rachel, das Waisenmädchen – der Versuch eines historischen Romans! – ist ganz nett. Allerdings endete er nach 300 Seiten damit, dass Rachel von ihrem geliebten Grafen schwanger wurde … aber der war noch immer mit Beth verheiratet. Schluchz!

2 Im März erscheint Ihr elfter Roman,weitere sind abge-

schlossen. Das Lektorat gibt sich Mühe, Schritt zu halten … Dabei wirken Sie wie eine Frau,die lieber unterwegs ist und Leute trifft,als am Computer zu sitzen. Ich fahre tagtäglich durch Wien und Niederösterreich, um Menschen zu treffen! Allerdings sind es Ärzte, denen ich ein paar Minuten Auszeit von ihren Patienten ermögliche … Wenn ich heimkomme, schreibe ich, am liebsten am Esstisch. Ich kann das aber auch an einem belebten Flughafen! Große Teile meines Romans »Ellen« sind so entstanden. Am Wochenende mache ich mir früh einen Kaffee und nutze die Stille in der Wohnung … Sie sind frisch verheiratet.Wie lebt es sich wohl an der Seite einer stets produktivenAutorin wie Ihnen? Meine Partnerin Doris ist kreative Menschen gewohnt, sie kommt aus einer Musikerfamilie. Ab und zu fahren wir auch raus an den Neusiedler See, nach Salzburg und in die Berge. Ich verreise gerne, aber es muss nicht zu abenteuerlich sein. Schreiben, Wandern, Baden, Sonnen, Wein trinken, kochen, dazu Doris und ich bin zufrieden! Das Schlimmste für mich sind Clubs oder Großkonzerte. Lustigerweise glauben mir die Leute das nie …

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HELMER I / 2016

Inzwischen schreiben Sie über Karrierefrauen und alleinstehende Mütter, Heldinnen mit seelischen oder körperlichen Handikaps, düstere Schauspielerinnen, lakonische Landärztinnen und überraschende Mörderinnen.Was inspiriert Sie? Schlicht und einfach: das Leben. Mich interessieren Geschichten, die real passieren könnten, und Menschen, die auf den ersten Blick undurchschaubar sind; Charaktere, die sich erst mit der Zeit öffnen; Frauen oder Männer, die Geheimnisse mit sich herumtragen bzw. die von ihrer Vergangenheit geprägt wurden. Sie thematisieren auch lesbische Beziehungen – setzt das Ihrem Publikum Grenzen? Mit meinen Romanen will ich schöne Lesestunden bieten, ob meine Leserin nun Frauen liebt oder nicht. Die Themen meiner Bücher sind so wenig auf sexuelle Vorlieben reduzierbar wie das Leben. Was lesbische Liebe angeht, ist mir wichtig zu zeigen, dass es sie auch außerhalb der Szene gibt. Und dass es wenig Sinn macht, heterosexuelle Normen abzuschütteln, um dann wieder in ein Korsett lesbischer »Do’s and Don'ts« zu schlüpfen.

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Carolin Schairer Die Diplom-Journalistin arbeitete u.a. in der Medienbeobachtung, Markt- und Meinungsforschung und in der PR eines Großunternehmens. Sie lebt in Wien. Seit 2008 erschienen kontinuierlich zehn Romane und Krimis im Helmer Verlag, darunter »Ellen«, »Die Spitzenkandidatin« und zuletzt »Vesna«.Im Herbst 2015 folgte der Kriminalroman »In jener Nacht«.


9 783897 413689

ISBN 978-3-89741-368-9

9 783897 413764

ISBN 978-3-89741-376-4

........................ Paulina ringt mit sich und dem Leben. Sie ist Mitte zwanzig und noch immer in der Ausbildung. Da verliert sie obendrein ihren Brotjob im Call-Center und bei der geliebten Oma geht auch noch die Gastherme kaputt. In Omas Wohnung wohnt leider auch Paulina selbst - ein Grund mehr, dringend Geld zu verdienen! In ihrer Not nimmt die junge Frau einen Job als Escort-Girl an. Sex zu verkaufen ist für sie allerdings tabu. Aber warum nicht jemanden gegen Bezahlung zum Essen begleiten?

Carolin SCHAIRER Die

Sterne vom

280/115 115 / 71hoch

Himmel holen

Leseprobe

Carolin Schairer Die Sterne vom Himmel holen Roman ISBN 978-3-89741-385-6 Paperback, ca. 204 Seiten 13,95 € (D), 14,40 € (A), 20,50 SFr Erscheint: März 2016 WG: 1110 Auch als eBook erhältlich.

Zentralthemen: Lebenskrisen, Liebesprobleme, Unfalltrauma, Berufsprobleme, Selbstfindung, Offenheit für Begegnungen Zielgruppe: (nicht nur lesbische) Leserinnen und Leser Alter: Alle Altersstufen (18+)

Überraschend ist es eine Frau, die Paulinas EscortService in Anspruch nimmt. Paulina sagt den Auftrag mit Erleichterung zu – mit Männern kann sie ohnehin wenig anfangen. Der Mensch, der ihr eines Tages die Sterne vom Himmel holen wird (wie ihre Großmutter immer sagt), wäre jedenfalls kein Mann. Im Moment aber hat sie mit ihrer ewigen Schwermut und bedrückenden Geldproblemen ohnehin andere Sorgen. Die Kundin erwartet sie im Wiener Grand Hotel: Johanna Engel ist gebildet, attraktiv – und körperlich behindert. Aus dem reinen Geschäftstreff wird trotz Paulinas klaren Prinzipien rasch mehr. Doch diese Johanna gibt ihr immer neue Rätsel auf. Warum will die Frau unbedingt weiterhin bezahlen, wo doch ihre Zuneigung offensichtlich ist? Weshalb verhält sie sich bei Intimitäten so merkwürdig? Und was weiß sie über einen tragischen Unfall, dessen dunkler Schatten seit Jahren auf Paulinas Seele liegt?

HELMER I / 2016

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Roman | U.HELMER

9 783897 413856

»Kann ich Ihnen helfen?«, fragt der junge Kellner, der wie aus dem Nichts auftaucht. »Es wurde auf den Namen Engel reserviert«, wiederhole ich Nataschas Worte. Mit klopfendem Herzen folge ich ihm durch das Restaurant auf die Dachterrasse. Unter einem schattenspendenden Dach inmitten von Blumendekor reihen sich blau eingedeckte Tische nebeneinander. Noch ehe ich mir einen genaueren Überblick verschaffen kann, stehen wir auch schon an einem der Tische. »Hallo, Paulina.« Die Frau, die meine Kundin ist, erhebt sich und streckt mir die Hand entgegen. Ihre Finger sind ganz kalt. »Johanna Engel. - Schön, dass du gekommen bist.« Ihre Stimme klingt angenehm und warm. Ich lasse mich ihr gegenüber nieder. Schon halte ich eine Speisekarte in der Hand. Die Speisen haben französische Bezeichnungen, darunter steht die deutsche Erklärung. Ich bin so aufgeregt, dass für mich alles wie chinesisch wirkt, die Buchstaben tanzen vor meinen Augen. Über den Rand der Speisekarte hinweg werfe ich einen raschen Blick auf mein Gegenüber. Johanna Engel hat blondes, langes Haar, das ihr offen über die Schultern fällt. Sie ist nicht viel größer als ich, dabei sehr schlank. Die Falten um ihre Augen verraten mir, dass sie deutlich älter ist als ich selbst. Nicht, dass ich nicht damit gerechnet hätte. Ganz im Gegenteil: Ich hatte erwartet, eine Frau um die fünfzig zu treffen. Johanna Engel ist jedoch maximal vierzig, wenn überhaupt. Sie hat ebenmäßige Gesichtszüge, nur ihr Mund ist etwas zu groß für das schmale Gesicht. Am auffälligsten sind ihre Augen. Sie haben ein derart intensives Blau, wie ich es noch nie zuvor an einem Menschen gesehen habe. Alles in allem wirkt diese Frau keineswegs so, als müsste sie einen Menschen dafür zahlen, dass er mit ihr ausgeht. ›Die Typen sehen in der Regel gut aus und haben echt viel Geld‹, erinnere ich mich an Jacquelines Worte in der Agentur. – Warum sollte es bei den Frauen anders sein …?

ISBN 978-3-89741-385-6

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BELLETRISTIK

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BELLETRISTIK

Sie schreibt liebenswert ironisch, süffig, leidenschaftlich und mit Schweizer Charme: Daniela Schenk.

Wie kamen Sie zum Krimi, Frau Schenk? ist Ihr erster Spannungsroman. Da2 »Knarrenfrauen« mit haben Sie sich sicherlich einenTraum erfüllt? Ha! Meine Verlegerin ist schuld, sie hatte mir die Pistole auf die Brust gesetzt und hätte gnadenlos abgedrückt, wenn ich nicht gelobt hätte, einen Krimi abzuliefern. Wenn Sie mich vor einem Jahr gefragt hätten, was ich nie schreiben würde, wäre meine Antwort glasklar gewesen: einen Krimi! Aber ich muss gestehen: Es hat Spaß gemacht! Ich finde es wundervoll, etwas zu tun, das man nie vorhatte, und dann eine tolle Zeit damit verbringt. Was hat Sie überhaupt bewegt,Autorin zu werden? Irgendwie konnte ich gut schreiben, allerdings schwebten mir eher Sachliteratur und Artikel vor. Romane waren für mich nie eine Option. Als Buchhändlerin betreute ich bei Stauffacher die schwul-lesbischen Bücher und fand die Qualität der Neuerscheinungen vielfach so schlecht, dass ich dachte: Das könnte ich auch … nur besser! Mittlerweile habe ich eine größenwahnsinnige Seite, die mir vorgaukelt, dass jedes neue Buch sich mindestens so gut verkaufen wird wie mein erster Erfolg, »Julia und Satine«. Wenn nicht, bin ich etwas beleidigt, aber dann packt mich ein neues Projekt.

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HELMER I / 2016

© Foto: Christoph Imgrüt

........................... Was machen Sie eigentlich neben dem Schreiben? Das ist eine delikate Frage … Es könnte ja sein, dass ich im Keller eine Hanfplantage betreibe, die Berner Häuserwände mit Graffitis vollschmiere oder Stammkundin eines Swingerclubs wäre. Was nicht der Fall ist – ich schwöre es! Schon weil Swingerclub für mich nach Turnverein klingt. Zugegeben: Ich bin ein Sportmuffel. Wenigstens radle ich öfters und gehe wandern, wenn die Strecke nicht zu lang ist und ein Restaurant in Aussicht. Ich sammle Strandgut an der Aare und bastle daraus Skurriles. An dreieinhalb Tagen verdiene ich meinen Lebensunterhalt in einer sozialpädagogischen Institution als Mädchen für vieles und unterrichte an der Buchhandelsschule. An den anderen Tagen schreibe ich. Dabei bewege ich mich so viel wie ein Faultier, einzig die Finger tanzen über die Tastatur. Schreiben ist für die Gesundheit etwa so förderlich wie Rauchen. Ich führe nicht das aufregende Leben eines Filmstars, aber mir gefällt es – etwas zu kreieren ist sehr erfüllend. Die Liebe spielt in allen Ihren Romanen eine Rolle, auch im Krimi. Delikate Frage Nr. 2: Lässt Ihr eigener vollerTerminplan denn noch Luft fürs Herz? Ich bin seit über vier Jahren mit einer Schwedin zusammen, die in der Nähe von Stockholm lebt. Wir haben den gleichen schrägen Sinn für Humor und eine große Liebe zur Sprache. Sie hat eine Tochter, die jetzt sieben Jahre alt ist, und ich bin dieser Kleinen völlig verfallen! Fernbeziehungen haben große Nachteile, aber auch Vorteile. Ich könnte nie so viel schreiben, wenn die zwei Damen ständig um mich herum wären. Auch wenn ich sie schon vermisse, sobald sie den Flieger besteigen.

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Daniela Schenk Die Berner Autorin und Buchhändlerin wünschte sich als Kind eine Knarre, aber die Eltern waren Pazifisten. Mit ihrem Krimi gibt sie dem Traum von der Revolverheldin nun Leine: Eine der Hauptfiguren darf schießen – und erweist sich am Abzug als herzlich unbegabt. Die »Knarrenfrauen« sind Daniela Schenks sechstes Buch: Ihrem Romanerfolg »Julia und Satine« folgten u.a. »Diejenige welche« und der All-Age-Roman »Brennnesseljahre« (alle HELMER).


CRiMiNA

9 783897 411531

280/115 115 / 71hoch

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Kriminalroman

Daniela Schenk Knarrenfrauen Ein Fall für die unwiderstehliche April Pallas ISBN 978-3-89741-380-1 Paperback, ca. 336 Seiten 17,95 € (D), 18,50 € (A), 25,90 SFr Erscheint: April 2016 WG: 1121 Auch als eBook erhältlich.

Zentralthemen: Privatdetektivin und Diebin, humorvoller Krimi, Schweizer Reichenmilieu, Bern, Freimaurer, Schmuckdiebstahl Zielgruppe: (nicht nur lesbische) Leserinnen und Leser Alter: Alle Altersstufen (18+)

Die unwiderstehliche April Pallas hat einen neuen Fall: Sie sucht einen Dieb, der Mitglieder eines Reichenklubs bestohlen hat. Der Gesuchte ist Lou, Meisterdiebin der Extraklasse. Als Aprils und Lous Wege sich mehrmals kreuzen, verursachen sie einander weiche Knie - dabei wissen sie gar nicht, dass sie Jägerin beziehungsweise Gejagte sind. Sie verstehen auch noch nicht, warum es in diesem Fall immer mehr Tote gibt und keine von beiden ahnt, dass gewisse geheime Papiere Entsetzliches enthalten … Was hat das alles mit einem verschwundenen Kelch zu tun? Geht es um Drogen? Sind gar die Freimaurer im Spiel? Mit ihrer Buell (die rasante Schwester der Harley) fahrenden, liebenswert schrulligen Heldin April und deren blaumaskierter Gegenspielerin, Kletterkünstlerin Lou, präsentiert Daniela Schenk zwei markige Krimiheldinnen, die keine große Schießkunst, aber hohen Funfaktor und gefährliches Suchtpotenzial besitzen.

HELMER I / 2016

»Ganz allein?« Der Mann schnalzte mit der Zunge, als wäre sie ein dummes Pferd. »Kommst du von der Arbeit oder gehst du hin?« Schlüsselgeklimper. »Wie auch immer, für eine kleine Gratisnummer reicht die Zeit allemal.« Er trat näher, eine Dunstwolke von Bier, Zigarettenrauch, Schweiß, Aftershave und Mundgeruch schwappte ihr entgegen. Dann sagte er doch tatsächlich: »Gib's mir, Baby.« April wusste nicht, wie ihr geschah, ihr der akkuraten, schlagfertigen und wenn's sein muss knallharten Detektivin! Der Mann glotzte auf ihre Brüste und befeuchtete sich ständig die Lippen, offenbar verwechselte er ihre Schmuckstücke mit zwei saftigen Braten. Das war zu viel des Guten. Sie rammte dem Kerl ihr Knie in die Weichteile. Ratsch, die Naht des Minirocks war Geschichte und ihr Knieschlag milde verpufft. Immerhin hatte sie so viel Abstand gewonnen, dass sie einen ihrer gefürchteten Handkantenschläge platzieren konnte! Wieder ratsch, und ihre rechte Brust lehnte sich noch weiter aus dem Ausschnitt. Kurz, man konnte ihre beiden Aktionen als Feuer-ins-Öl-werfen bezeichnen: Jetzt lockte noch mehr nackte Haut. April holte Luft. Dann stieß sie den Mann mit aller Macht zur Seite, haute ihm ihr rosa Täschchen auf den Kopf, das Täschchen öffnete sich und ergoss seinen Inhalt auf den Boden. Sie preschte los, doch ihr Verfolger war schneller. Schon packte er sie am Arm und drückte sie wieder an die Mauer. »Hiergeblieben, Mädel, wir sind noch nicht fertig!« Er fummelte an seinem Riemen, als ein leises Fluchen, ein feines Zurren und Rascheln zu vernehmen war. Etwas Dunkles, Schweres fiel herab, erfreulicherweise auf den Mann, der sogleich wie eine Tanksäule im Hurrikan umfiel und liegen blieb. Das, was runtergefallen war, rollte vom Mann weg und sprang in einer fließenden, tänzerischen Bewegung auf die Beine. Das Geschenk des Himmels war in einen engen, dunkelblauen Overall gekleidet und trug eine Maske, die nur Augen und Mund freiließ. »Alles ok?«, stotterte die Erscheinung mit weiblicher Stimme.

9 783897 413801

Leseprobe

DANIELA SCHENK Knarrenfrauen

ISBN 978-3-89741-380-1

ISBN 978-3-89741-153-1

9 783897 413603

ISBN 978-3-89741-360-3

Detektivin April jagt Verbrecher und sie legt Frauen flach. In dieser Reihenfolge oder auch umgekehrt oder gleichzeitig. Langjährig in Kung Fu erprobt, fühlt sie sich als eine Brucie Lee, bis sie eines Nachts – ausgerechnet als Nutte verkleidet – in einen ziemlichen Schlamassel gerät. Was hat es mit dem Überfall und mit der seltsamen Gestalt auf sich, die ihr da vor die High Heels fällt? Schon bald erwägt April ernsthaft, sich eine Schusswaffe zuzulegen …

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CRiMiNA

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GESCHICHTE

Marita Metz-Becker

Nicht nur Goethes »Faust« behandelt den Fall einer Frau, die ihr Kind tötete … .

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71,191 hoch: 115

Gretchen tragödien Stand: 15x280

9 783897 413832

ISBN 978-3-89741-383-2

Marita Metz-Becker Gretchentragödien Kindsmörderinnen im 19. Jahrhundert ISBN 978-3-89741-383-2 Paperback, 252 Seiten 19,95 € (D), 20,60 € (A), 28,50 SFr Erscheint: April 2016 WG: 1555

U.HELMER

Kindsmörderinnen im 19. Jahrhundert (1770-1870)

Zentralthemen: Frauen in der Geschichte, Recht, Medizin, Hessen, Kirche, soziale Situation im 19. Jahrhundert Zielgruppe: Historisch und juristisch Interessierte, Studierende

Eine Kultur- und Mentalitätsgeschichte des Kindsmordes im 19. Jahrhundert destillierte Marita MetzBecker aus historischen hessischen Prozessakten. Ihre Analyse dieser Zeitdokumente vermittelt tiefe Einsichten in den Alltag und die Lebenswelten unterer Bevölkerungsschichten, insbesondere lediger Dienstmägde, die, ungewollt schwanger, offenbar keinen anderen Ausweg sahen, als das Neugeborene nach der Geburt zu töten und wegzuschaffen. Nicht selten starb die überführte Kindsmörderin – obgleich nicht zum Tode verurteilt – einsam in der Haft. Die Akten lassen deutlich werden, dass sie im Vorfeld der Tat nicht allein stand: Sie zeigen, wie das Umfeld – Partner, Nachbarn, Dienstherrschaft, Personal, Gesinde – die ungewollte Schwangerschaft miterlebte und deutete und wie Macht und Ohnmacht in den alltäglichen Interaktionen zur Verleugnung, Verdrängung und schließlich zur Tat selbst führten. Die Rolle der Medizin und der Justiz wird dabei ebenso erkennbar wie die der Kirche und der örtlichen Obrigkeiten.

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HELMER I / 2016

Frau Prof. Metz-Becker, was hat Sie an Kindsmörderinnen so fasziniert? Als ich im Staatsarchiv Marburg historische Prozessakten zu Kindstötung sichtete, war ich nicht nur über die Anzahl erstaunt – immerhin rund hundert Fälle aus der Zeit von 1770 bis 1870 –, sondern auch über die Detailliertheit der Dokumente. Viele haben den erstaunlichen Umfang von über 300 Seiten, in denen die alltäglichen Lebenswelten der Täterinnen sich wie in einem Brennglas widerspiegeln: Ihre familiäre und soziale Situation, ihre psychische und physische Verfassung, ihre schulische Bildung, das Verhältnis zur Dienstherrschaft, zu den anderen Dienstboten, der Nachbarschaft und weiteren Personen im unmittelbaren Lebensumfeld, wie Lehrer, Pfarrer, Geschäftsleute, Händler, Handwerker, Hebammen und Ärzte, deren Aussagen protokolliert sind. Auch der Stand der Medizin geht aus den Quellen hervor: akribisch geführte Sektionsprotokolle des Kinderleichnams finden sich in fast jeder Akte, außerdem die Ergebnisse der ärztlichen Untersuchung der Täterin nach der stattgefundenen Geburt. Die Rechtslage wird demonstriert, fast immer sind die anwaltlichen Plädoyers enthalten, sind die Paragraphen erläutert, auf die sich das Gericht bezieht. Die Urteilsbegründung, Begnadigungsgesuche, Revisionen und höchstrichterliche Entscheidungen sind Aktenbestandteile, die eine ebenso beredte Sprache sprechen wie die Denunziation. Die Akten erlauben damit vielfältige und auch erschütternde Einblicke in den Alltag der damaligen Gesellschaft.

Marita Metz-Becker Die Professorin der Philipps-Universität Marburg, forscht zu Orts- und Regionalgeschichte, Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts, betreibt außerdem Biografien-, Medikalkultur-, Frauen- und Geschlechterforschung. Sie ist Mitglied im ›Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung‹ der Philipps-Universität Marburg, wissenschaftliches Mitglied der Historischen Kommission Hessen, Trägerin des Otto-Ubbelohde-Preises, des »Marburger Stadtsiegels« und des Frauenförderpreises der Philipps-Universität Marburg. Bei HELMER publizierte sie bisher:»Luise Berthold.Erlebtes und Erkämpftes«.


AUTOBIOGRAFIE

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Ein Leben in anderen Kulturen und eine Reise zu sich selbst …

Béatrice Hecht-El Minshawi

Luftsprünge und Lebenswurzeln Meine interkulturellen Wege

Béatrice Hecht-El Minshawi Luftsprünge und Lebenswurzeln Meine interkulturellen Wege ISBN 978-3-89741-384-9 Paperback, ca. 320 Seiten 24,95 € (D), 25,70 € (A), 35,90 SFr Erscheint: Mai 2016 WG: 1921

9 783897 413849

U.HELMER

ISBN 978-3-89741-384-9

Die globalisierte Welt – Kaleidoskop oder nicht doch eher Einheitsbrei,Frau Dr.Hecht-El Minshawi? Ich hatte mir die asiatische, arabische, afrikanische, amerikanische Kultur ebenso wie die ozeanische auf der anderen Seite der Welt immer als je Eigenes vorgestellt. Doch sobald ich unterwegs war, merkte ich, wie europäische Kolonialmächte, Missionare, Entwicklungsexperten, Kriegstreiber über Jahrhunderte hinweg ihr Netz über den Globus und über andere Kulturen gespannt haben. Europäische Werte und Normen, Denken und Verhalten waren schon immer global … Umgekehrt bin ich

überhaupt erst durch die mein eigenes Leben begleitende zunehmende Internationalisierung der Welt darauf neugierig geworden, woher ich selbst stamme, wie ich lebe, was mir wichtig ist und was mir Heimat bedeutet und bietet. Um diesen Fragen nachzugehen, bin ich wiederum sehr viel gereist – und habe eine überaus faszinierende interkulturelle Unterschiedlichkeit erfahren.

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Béatrice Hecht-El Minshawi Die Expertin für internationale und interkulturelle Beziehungen hat seit mehr als vierzig Jahren als interkulturelle Trainerin die Anforderungen eines internationalen Miteinanders im Blick. Sie ist Autorin diverser Publikationen zu Ländern und Kulturräumen und über verschiedene Themen der Interkulturellen und Diversity-Kompetenz.

Diese Autobiografie schöpft aus einem lebenslangen Engagement für kulturelle Vielfalt und interkulturelle Beziehungen, internationale Lebensräume und Welterfahrung. Doch blickt die Autorin auch zurück auf die eigenen Wurzeln: Nach durchstandener familiärer Not nahm sie als Vierzehnjährige ihr Leben in die Hand, wurde Krankenschwester, arbeitete in Vietnam, Kambodscha und Thailand. Nach dem Studium führten Béatrice Hecht-El Minshawis Lebenswege sie nach Indien und Afghanistan, Arabien und Ägypten, später – als Trainerin, Fachund Führungskraft internationaler Projekte – in die USA, nach Kanada und Australien. Auch privat blieb sie eine passionierte Reisende, besuchte Neuseeland, Südafrika und die Südsee und unternahm Streifzüge durch Europa … Über berufliche und private Erfahrungen hinaus reflektiert dieses Buch das Reisen an sich, bietet eine Art »Gebrauchsanweisung der Weltkulturen« und zahlreiche Anregungen zum Leben und Arbeiten in internationalen Zusammenhängen.

HELMER I / 2016

Zentralthemen: Reisen, Kulturen, Globalisierung, Internationale Arbeitszusammenhänge, interkulturelle Beziehungen und Ehen Zielgruppe: LeserInnen aller Altersstufen (18+)

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SOZIALWISSENSCHAFTEN

Carolina Dreit / Nina Schumacher / Anke Abraham, Susanne Maurer (Hg.)

SIGRUN PREISSING

Ambivalenzen der Normativität

BEITRAGEN UND ÄQUIVALENTES

in kritisch-feministischer Wissenschaft

TAUSCHEN

ULRIKE HELMER VERLAG

Sigrun Preissing Beitragen und äquivalentes Tauschen Alternatives Wirtschaften (Reihe »Konzepte/Materialien«, Bd. 8) ISBN 978-3-89741-385-6 Paperback, ca. 440 Seiten 34,95 € (D), 36,00 € (A), 46,90 SFr Erscheint: März 2016 WG: 1736

9 783897 413856

9 783897 413825

Karolina Dreit / Nina Schumacher / Anke Abraham / Susanne Maurer (Hg.) Ambivalenzen der Normativität in kritisch-feministischer Wissenschaft (Reihe »Geschlecht zwischen Vergangenheit und Zukunft«, Bd. 7) IBN 978-3-89741-382-5 Paperback, ca. 280 Seiten 19,95 € (D), 20,60 € (A), 28,50 SFr Erscheint: April 2016 WG: 1722

ISBN 978-3-89741-382-5

ULRIKE HELMER VERLAG

ISBN 978-3-89741-385-6

Konzepte / Materialien

Alternatives Wirtschaften

Zentralthemen: Normativität, Ambivalenzen, Wissenschaftstheorie und kritische Praxis, feministische Wissenschaft, Gutes Leben, Emanzipation Zielgruppe: Sozial-, Kultur-, Geisteswissenschaften (Lehre / Forschung), Soziale Bewegungen, Gleichstellungs- und Anti-Diskriminierungsarbeit

Zentralthemen: Commons, alternatives Wirtschaften, Ethnologie, Wert, Tauschtheorie, Identität Zielgruppe: Praktiker_innen alternativen Wirtschaftens, Werttheoretiker_innen, Sozialwissenschaftler_innen, Ethnolog_innen

Feministisch-kritischer Wissenschaft geht es um eine engagierte wissenschaftliche Praxis, die sich von der Kritik an Ungleichheitsverhältnissen, Ausschlüssen und Diskriminierungen qua Geschlecht absetzt und an Vorstellungen von Solidarität und Gerechtigkeit orientiert. Damit ist unhintergehbar eine normative Dimension verbunden. Zugleich hat feministisch-kritische Wissenschaft eine normativitätsskeptische Perspektive entwickelt, mit der sie auf die machtvollen Wirkungen von Normen und Normalitätsvorstellungen aufmerksam macht und unhinterfragte Denkvoraussetzungen und Handlungsorientierungen radikal dekonstruiert. Die interdisziplinären Beiträge des Bandes diskutieren die Frage der Normativität und die damit verbundenen Ambivalenzen nicht nur im Kontext der Geschlechterverhältnisse.

Zwei Jahre lang begleitete Sigrun Preissing zwei alternative Projekte, in denen Menschen gemeinsam wirtschaften, ohne miteinander äquivalent zu tauschen, also abzurechnen. Geben und Nehmen zu trennen, so zeigt ihre Ethnographie anschaulich, verändert die Vorstellung von Wert wie auch die Wahrnehmung von sich selbst und den Beziehungen zur verdinglichten Mitwelt.

Karolina Dreit ist Erziehungswissenschaftlerin/Soziologin und Lehrbeauftragte für Gender Studies an der Philipps-Universität Marburg, die Kulturwissenschaftlerin/Ethnologin Nina Schumacher Referentin der dortigen Frauenbeauftragten. Anke Abraham, Soziologin und Sportwissenschaftlerin, hat an derselben Universität eine Professur für »Psychologie der Bewegung«, Susanne Maurer ist ebendort Professorin für Erziehungswissenschaft und Sozialpädagogik. Alle Herausgeberinnen engagieren sich am ›Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung‹ der Philipps-Universität Marburg.

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HELMER I / 2016

Sigrun Preissung studierte Geographie und Ethnologie. 2014 erfolgte ihre Promotion in Wirtschaftsethnologie. Seit 2015 ist sie Dozentin am Bildungszentrum Bodelshausen, Bundesministerium für Familie und zivilgesellschaftliche Angelegenheiten. Die Autorin praktiziert selbst alternatives Wirtschaften.


9 783897 412842

ISBN 978-3-89741-284-2

Konzepte / Materialien

Friederike Habermann

Halbinseln gegen den Strom

Anders leben

........................ und wirtschaften im Alltag

ULRIKE HELMER VERLAG

SOZIALWISSENSCHAFTEN

FRIEDERIKE HABERMANN

ECOMMONY UmCARE zum Miteinander

Friederike Habermann Ecommony UmCARE zum Miteinander (Reihe »Konzepte/Materialien«, Bd. 9) ISBN 978-3-89741-386-3 Paperback, ca. 200 Seiten 19,95 € (D), 20,60 € (A), 28,50 SFr Erscheint: März 2016 WG: 1736

9 783897 413863

ULRIKE HELMER VERLAG

ISBN 978-3-89741-386-3

Frau Dr. Habermann, das Foto zeigt Sie bei einer eher untypischen wissenschaftlichenTätigkeit … Manche meinen, wirkliche Veränderungen fänden nur statt, wenn die Welthandelsorganisation blockiert wird. Nun, wichtiger als Bücher schreiben finde ich das zwar nicht, aber solche Aktionen gehören durchaus zu meinen Lieblingsaktivitäten! Das Foto entstand während des G7-Gipfels in Elmau. Um genau zu sein: vor Elmau. Natürlich war dort für viele Millionen Euro alles abgesperrt aus Angst vor dem, was wir bösen Aktivist_innen mit den Staatsoberhäuptern alles anstellen könnten!

Konzepte / Materialien

Das neue Rosa: Aktion als andere Seite der Theorie …

Und tja, ich gebe zu: Die ganze Blockade hat sich dann im Regen aufgelöst. Selbst unser Versuch, in einer der vielen Scheunen im Stroh unterzukriechen, wurde polizeilich vereitelt – wahrscheinlich hatten sie überall Wärmebildkameras versteckt! »Hörst du mich, Misthaufen?« stand hinterher treffend in einer Karikatur.

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Friederike Habermann Autorin u.a. von »Halbinseln im Strom. Anders leben und wirtschaften im Alltag« (HELMER), ist Aktivistin und freie Akademikerin, zudem Volkswirtin, Historikerin und Dr. phil. in Politischer Wissenschaft. Politisiert durch Umwelt- und Frauenbewegung, später aktiv im globalen Widerstand, arbeitet sie seit Jahrzehnten zu einer feministisch, ökologisch und solidarisch ausgerichteten Ökonomie.

Wie könnte ein neues Wirtschaftssystem aussehen und (in den Worten des Zukunftsforschers Jeremy Rifkin) die ökonomische Weltbühne betreten? Prinzipien für ein neues Wirtschaftssystem zu (er-) finden ist keine reine Frage der Theorie, denn solche Prinzipien zeichnen sich bereits in den praktischen Ansätzen anderen Wirtschaftens, bei sozialen Bewegungen, in technischen Entwicklungen und nicht zuletzt im Alltag von immer mehr Menschen ab. Wesentlich in all dem ist der Begriff ›Commons‹. Damit wird Eigentum, das auf Ausschluss beruht, durch Besitz ersetzt: Es zählt, wer etwas tatsächlich braucht und gebraucht. Zudem befreit eine »Ecommony« (im Wortspiel mit Economy) unsere Lust und unser Bedürfnis, uns in dieser Welt vielfältig zu betätigen. Statt in strukturellem Hass zueinander agieren zu müssen, könnten wir unser Leben an gemeinschaftlicher Fürsorge (›Care‹) orientieren und als Miteinander gestalten. Friederike Habermanns Buch zeigt Ansätze auf und lädt dazu ein, Kontexte zu begreifen.

HELMER I / 2016

© Foto: Bernd Sahler

Zentralthemen: Alternatives Wirtschaftssystem, neue Formen des Erzeugens und Besitzens, Theorie und politische Umsetzung Zielgruppe: Politisch und ökonomisch Interessierte

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Programm-Rückblick: Herbst 2015

ULRIKE HELMER VERLAG Neugartenstraße 36c D-65843 Sulzbach / Taunus Mail: info@ulrike-helmer-verlag.de Tel: 06196 / 202 99 77 Fax: 06196 / 202 99 76

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Frauen sind erfolgreich. Von ihren speziellen Erfolgswegen und Konzepten profitieren nicht nur sie selbst, sondern auch die Unternehmen.

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