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AtelierGalerie Conny Wischhusen Am Dobben 117 28203 Bremen 0177 68 68 294 info@connywischhusen.de www.connywischhusen.de

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Ernst Matzke Einführung zur Ausstellung „Stangenware“ – Amtshaus Bad Bederkesa

2016

Einige Informationen zur Künstlerin Conny Wischhusen, in Bremerhaven geboren, machte zunächst eine Ausbildung zur Erzieherin. Sie lebte und arbeitete von 1984 bis 2000 in Berlin, ging wieder nach Bremerhaven und begann 1992 ihre eigentliche künstlerische Arbeit nach diversen Fortbildungen im Bereich Kunst und Theater. Nach einer Tätigkeit im Kulturladen Wulsdorf leitete sie dort die Kulturwerkstatt und Kulturwohnung und ist seit 2005 freischaffende Künstlerin. Auf ihre bisherigen Arbeiten kann ich hier auf Grund ihres langen, engagierten und fleißigen Schaffens leider nur verkürzt eingehen. Schon die Bandbreite ihrer kreativen Tätigkeiten, wie zum Beispiel Aktionskunst, Objektkunst, Projekt­arbeiten – das alles auch immer wieder in Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen, ist schon sehr beeindruckend. Ich erwähne zwei Beispiele aus ihren Beteiligungen an Projektarbeiten der „­L angen Nacht der Kultur“ in Bremerhaven. Darunter 2007 die Installations-Arbeit mit dem doppelsinnigen Titel: „Kreativ-Lösung“: Aus einer medizinischen Infusions-Flasche, die an einem Infusions-Stativ montiert war, tropfte eine mit blauer Farbe vermischte Natriumchlorid-Lösung innerhalb ­eines Abends auf eine am Boden platzierte Leinwand ein sich langsam entwickelndes transparent-aquarellartig verlaufendes Bild. Bei weiteren Beteiligungen in den Jahren 2008 und 2009 entstanden weitere interessante Objekt-Installationen, in denen sie gesammelte Fundstücke verarbeitete. Zum Thema „Kunst im Quader“ baute Conny Wischhusen daraus ein hochformatig offenes, kistengerüstartiges Gebilde aus Leisten- und Brettteilen, Stoff-, Pappeund Folienfetzen, montierte daran gebrauchte, entsorgte Arbeitshandschuhe. Der beziehungsvolle Titel der Arbeit lautete damals: „Wiederentdeckte Handgreiflichkeiten“. Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch erwähnen, dass die Künstlerin Conny Wischhusen sich inzwischen auch als Kuratorin verschiedener Kunstprojekte im Lande Bremen betätigt. Dass sie eine kleine, aber feine AtelierGalerie namens ­„eins eins 7 “ im Zentrum Bremens seit genau einem Jahr betreibt, in der sie ihr wichtige Künstlerkolleginnen und Kollegen zur Präsentation ihrer Arbeiten zu Aus­ stellungen einlädt. Zum Thema „Stangenware“ „Stangenware“ – so benennt Conny Wischhusen ihre neuesten, malerischen ­Werke. Mir waren von ihr bisher mehr fantasievolle, klein- und mittelformatige Linoldruckgrafiken und experimentelle Druckgrafiken in teilweise collagierten Mischtechniken bekannt. Darin verarbeitete sie oft motivisch figürliche Darstellungen unterschiedlichster Art. Diese Linoldrucke hatte sie bereits meist auf industriell gefertigten, bunt gemusterten Geschenk- oder Schrankpapieren hergestellt und ­dabei ganz bewusst auf edle Bütten- oder Japan-Papiere verzichtet. Doch jetzt – unter dem mehrdeutigen Begriff „Stangenware“ greift sie beherzt zu Pinsel und Spachtel, verwendet die unterschiedlichsten Farbmaterialien und Malgründe, die wiederum nicht jedem als gebräuchlich gelten. Gewöhnliche IndustrieVerpackungskartons, unbehandelte Baumwoll-Säcke bis hin zu rohen Leinwänden aus industrieller „Stangenware“, oder anders formuliert: aus Massenproduktion“.

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Was bewegt die Künstlerin dazu – und was will sie damit uns Betrachtern sagen? Nun – Conny Wischhusen verriet mir ihren Leitsatz aus ihrer persönlichen Erfahrung: „Wenn du suchst, hast du keine Zeit zum Finden!“ – in einer Umkehrung des bekannten Satzes „Wer sucht, der findet!“ Das interpretiere ich mal so: Die Themen, die Conny Wischhusen bewegen, die ­finden zu IHR – durch Informationen, dem Erleben und Wahrnehmen des Geschehens in ihrem Leben und dem Leben um sie herum, in der globalen Welt. Wir entdecken eine minimalisierte, abstrakte Darstellungsform von stangenartigen oder röhrenförmigen Gebilden auf teilweise monochromen Farbgründen unterschiedlicher Intensität. Wischhusen benutzt dazu mal Farbpaletten mit reinen, leuchtenden Farben, und mal die dumpferen, erdigen Töne. Sie benutzt teilweise sogar ein stangenartig schmales Bildformat zur Steigerung der Bildaussage. Aber können wir Conny Wischhusens dargestellte Stangen-Gebilde wirklich so einfach einordnen? Sind diese teils verformten, länglichschmalen Flächen mit ihren merkwürdigen Abschattierungen überhaupt „gegenständlich“? Führt sie uns mit ihren Titeln vielleicht sogar absichtlich in eine falsche Richtung? Dürfen wir ihren „Stangen“ trauen? Da biegt sich etwas in die eine oder andere Richtung, verzweigt sich oder durchdringt sich sogar, endet irgendwo. Wegweiser oder Endstation? Vielleicht mit einem scharfen Messer herausgeschnittene Teile eines Irrgartens? Eines Irrweges, auf dem wir uns befinden? Wir Menschen ordnen Linienführungen zu, zumindest in der westlichen Welt auf Grund unserer Schreib- und Lesegewohnheiten von links nach rechts. Nach rechts empfinden wir als weiterführend. Nach links: zurückführend. Nach oben und schräg rechts: aufsteigend. Nach oben links und schräg links: abweichend, abkehrend. Eine Linie von unten links nach oben rechts geführt, empfinden wir als positiv, erfolg­reich ansteigend. Nicht ohne Grund hat die Deutsche Bank in ihrem Logo den blauen Schrägbalken so gesetzt – als Symbol für Wertsteigerung und positive Entwicklung – na ja, na ja… Als Stangenware bezeichnen wir industrielle Massenware in genormten Formaten und Mengen produziert, und nicht unbedingt eine individuell hergestellte Hand­ arbeit, die wir in der Kunst als ein Original bezeichnen. Vieles an den Arbeiten von Conny Wischhusen könnte darauf hinweisen, dass sie unter Verwendung von speziell industriell hergestellter Massenware für ihre Malgründe in recycelter Form ­diese wieder durch individuelle, künstlerische Bearbeitung und Ausformung zu jeweils einem einzigartigen Original, einem Unikat gestaltet – und dass das ihr ­A nliegen und Motivation ist, uns darauf aufmerksam zu machen! Damit wir vielleicht zurückfinden und ein Gefühl wiederentdecken für die Originalität und Individualität in unserer „Wegwerfgesellschaft“ der Massen- und Überproduktion.

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„Stangenware“, im Englischen „goods off the peg“ – Waren von der Stange – ist etwas, was in statistisch erfassten Größen und Mengen nach festgelegten Normen hergestellt uns angeboten wird. Funktioniert allerdings gut, wenn das Individuum diesen Normen entspricht, den verordneten modischen Trends folgt, Sinn und Nützlichkeit erkennt und wünscht. Also eine Art „Pars pro toto“? – Ein Teil [steht] für das Ganze? Bei Karl Marx bildet das „Pars pro toto“ ein Prinzip des Warenfetischismus: Der Prozess menschlicher Arbeit wird im Warenfetischismus durch sein isoliertes Resultat, also die auf dem Markt in Erscheinung tretende Ware ersetzt, und dadurch verschleiert. Die sozialen Prozesse und Verhältnisse, die mit ihrer Herstellung verknüpft waren, sieht man der fertigen Ware nicht mehr an, wie z. B. heute vor allem bei den in den Billig­ ländern produzierten Waren … Aber damit entferne ich mich jetzt ganz sicherlich zu weit von den Intentionen der Künstlerin und ihrem Werk … Conny Wischhusen bewegt sich als Künstlerin in der ­sogenannten Abstrakten Kunst, die eine Sammelbezeichnung für nach 1900 in Erscheinung getretene Kunstrichtungen des 20. Jahrhunderts ist. Abstrakte Kunst verwendet die bildnerischen Gestaltungsmittel teils noch vom Gegenstand her abstrahierend, oder teils völlig losgelöst von Natur und realen Gegenständen als rein gegenstandslose Kunst. Werke der ersteren abstrakten Kategorie zeigen noch abstrahierte, verwesent­ lichte, auf eine Essenz verdichtete Gegenstände, Figuren und Räume, in die sich Conny Wischhusen künstlerisch insbesondere mit ihren Linolarbeiten einreihen lässt und jetzt mit ihrer „Stangenware“ sich einer späteren Kategorie in neuer Sichtweise nähert. Werke der letzteren Kategorie bedienen sich autonom der visuellen, künstlerischen Mittel, ohne jeden Gegenstandsbezug. Seit ihren Anfängen hat Abstrakte Kunst in immer neuen Varianten, Stilrichtungen und Zusammenhängen weltweit ihren Platz in der Kunstszene behauptet. Conny Wischhusen hat ihren ganz eigenen Weg gesucht und wie man sieht, gefunden, auch in ihren eigenen neuen Varianten, die für mich doch immer in einem erkennbaren Zusammenhang stehen. In ihren Macharten dürfen wir auch eine Form der wegweisenden Kunst sehen – die wegführt von Verschwendung dinglicher Ressourcen durch Wiederverwertung – hinführt zu reduzierter Ausschöpfung wertvoller Naturmaterialien. Das ist nicht nur gut so, sondern das sieht dann bei Conny Wischhusen auch noch richtig gut aus.

Und damit, liebe kunstinteressierte Leser, entdecken und ergründen Sie selbst, was die Künstlerin Ihnen mit ihrer Kunst anbietet. Conny Wischhusen lädt Sie mit ihren originalen Werken dazu herzlich ein. Vor kurzem formulierte ein Kunstkritiker zum Abschluss seiner Rede: „Bilder sprechen ihre eigene Sprache – wehe, wenn sie losgelassen!“ Da kann ich nur noch hinzufügen: „Fangen Sie sich eins ein – treten Sie in einen Dialog, bevor es ein anderer tut.“

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|  Acryl auf Pappe  |  55 x 70 cm

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„Bilder sprechen ihre eigene Sprache – wehe, wenn sie losgelassen!“ „Die genannten Beispiele zeigen dabei die enge Verzahnung und gegenseitige Durchdringung der verschiedenen Quellen, die die Künstlerin zu ihren vielgestaltigen und experimentierfreudigen künstlerischen Werken anregen.“ (Steffen Liebsch)

Acryl auf Pappe  |  55 x 70 cm  |

Acryl auf Pappe  |  55 x 70 cm  |

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|  Acryl auf Pappe  |  55 x 70 cm

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„Die Kunstwerke von Conny Wischhusen sprechen eine klare Sprache.“ (Friedo Stucke)

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|  40 x 40 cm

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Acryl auf Leinwand  |  35 x 100 cm  |

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10 x 100 cm  |


35 x 100 cm  |

35 x 100 cm  |

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„Da biegt sich etwas in die eine oder andere Richtung, verzweigt sich oder durchdringt sich sogar, endet irgendwo. Wegweiser oder Endstation? Vielleicht mit einem scharfen Messer herausgeschnittene Teile eines Irrgartens? Eines Irrweges, auf dem wir uns befinden?“ (Ernst Matzke)

|  Acryl auf Leinen  |  76 x 54 cm

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Acryl auf Leinen  |  78 x 75 cm  |

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„Wenn du suchst,

hast du keine Zeit zum Finden!“

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Acryl auf Leinen  |  78 x 75 cm  |

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Acryl auf Leinen  |  78 x 75 cm  |

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„Wenn du suchst, hast du keine Zeit zum Finden!“ Suchen bedeutet für mich eine Form von konsumieren. Beim „Kunst machen“ kann ich nicht konsumieren, sondern ich muss mich treiben lassen und Neues finden! Wenn ich mich auf neue Formen und Farben einlassen will, kann ich das nur, wenn ich frei bin. Und frei sein kann ich nur, in dem ich nicht suche, sondern finde!

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Acryl auf Pappe  |  55 x 70 cm  |

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Acryl auf Pappe  |  55 x 70 cm  |

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Acryl auf Pappe  |  55 x 70 cm  |

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Acryl auf Pappe  |  55 x 70 cm  |

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Acryl auf Pappe  |  55 x 70 cm  |

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„Conny will nicht dem entsprechen, was erwartet wird. Ihre Zeit der Konvention ist für immer vorbei.“ (Dr. B. Hergesell, Ausstellung: Höhen und Tiefen, Altes Fundamt Bremen, 2010)

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Conny Wischhusen Atelier: Am Dobben 117 28302 Bremen Einzelausstellungen: 2016 2014 2012 2011 2009

Galerie des Amtshauses, „Stangenware“, Bad Bederkesa Abdrift, „Drucksachen II“, Bremerhaven, Galerie Display „ Drucksachen“, Köln Kunstverein Humboldt-Schlüter, „Scheinwelten“, Bremen KunstRaum, Bremerhaven

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl): 2016 „Couleurs en Loire“, Chaumont sur Loire, Frankreich „panopticon“, GAK, Bremen „EURO-Projekt“, Galerie Hartung, Köln „Zum Leben erweckt“, Fischkai 57, Bremerhaven 2015 „Couleurs en Loire“, Chaumont sur Loire, Frankreich „Scheitern und …“ Symposium mit anschl. Präsentation, Misselwarden „Boden/Bildung“, Re-Art Ilienworth 2014 „Art on the road“, Asbeck und Spanien „Akzente“, Produzentengalerie „Artikel 5“, Aachen „Geschnitten & Gedruckt“, Schlachthof, Bremen „Frauen sehen Männer“, Galerie auf Zeit, Bremerhaven „Strömungen“, Galerie der Stadtscheune, Otterndorf 2013 „Kunst35“, Galerie auf Zeit, Bremerhaven „saints & sinners“, Galerie Kunststück, Berlin „be8lich“, Rickies Workshopgalerie, Riedlingen, „Prima Klima“ – Galerie Display, Köln – Müllverbrennungsanlage, Düsseldorf – Umweltministerium NRW, Düsseldorf 2012 „Plattform 18:50“, BWK-Blumenthal 2010 „Höhen und Tiefen“ Altes Fundamt, Bremen 2007 – 2015 „Lange Nacht der Kultur“, Wilke-Atelier, Bremerhaven 2005 – 2009 „Kunst statt Leerstand“, Bremerhaven Projekte (Auswahl): Seit 2015 „AtelierGalerie eins eins 7 “, Am Dobben 117 in Bremen 2016 „ich sehe was, was du auch schon gesehen hast“, Präsentation in Bremerhaven 2015 „ich sehe was was du nicht siehst“, Wallerie, Bremen 2013 Grafiken zu „UnZeit“, Gedichtband von Eberhard Pfleiderer, Sujet-Verlag, Bremen 2009 – 2012 Mitbegründerin und Öffentlichkeitsarbeit der Galerie „KunstRaum“ in Bremerhaven Mitgliedschaften: KünstlerInnengruppe Kunst 3 5 Wilke-Atelier Campact

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Aus der Presse

BILD, 05. 03. 2016 – Künstler locken ab jetzt ins „Fischkai 57“ Künstlerin & Kuratorin Conny Wischhusen stellt ihr Werk „­Stangenware“ aus (Fotos: Verena Hornung)

Nordsee-Zeitung, 08. 03. 2016 – Bremer Künstlerin stellt im Amtshaus aus Conny Wischhusens Werke entstehen aus recycelbarem Material – „Stangenware“ als einzigartiger Stil (Foto: Scheiter)

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Impressum Herausgeberin: Conny Wischhusen  |  © 2016 Am Dobben 117 28203 Bremen 0177 68 68 294 info@connywischhusen.de www.connywischhusen.de Gestaltung: Ulrich Graf-Nottrodt Bremen www.graf-nottrodt.de


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AtelierGalerie Conny Wischhusen Am Dobben 117 28203 Bremen 0177 68 68 294 info@connywischhusen.de www.connywischhusen.de

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„Wenn du suchst, hast du keine Zeit zum Finden!“ www.connywischhusen.de

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