Issuu on Google+

5 2011

Tradition in Alt-Oer Ein Kaffee mit dem Kiepenkerl Wandern in Waltrop Durch den Schleusenpark

Rudolf Riepe tanzt Twist. Seite 20


Kreuzkirche Die Zahnärzte an der Kreuzkirche

An der Kreuzkirche 1 | 44623 Herne | Telefon 0 23 23 / 5 10 94

Dr. Frank Böcker

Gemeinschaftspraxis der Zahnärzte

Sprechzeiten

Dr. Frank Böcker Laserspezialist (DGL) Dr. Sabine Gehlen Laserspezialist (DGL) Cornelia Busche Laserspezialist (DGL)

MO bis FR 8 bis 1330 Uhr MO und DO 15 bis 19 Uhr DI und FR 15 bis 18 Uhr

Dr. Sabine Gehlen

Praxisschwerpunkte Implantologie | Ästhetische Zahnheilkunde Funktionsanalyse und Schmerztherapie Cornelia Busche

Von Anfang an dem Fortschritt verschrieben Kompetenz durch Erfahrung • 21 Jahre Erfahrung in der Implantologie • 18 Jahre Erfahrung in der Hartlasertherapie • 25 Jahre Erfahrung mit vollkeramischen Restaurationen, Verblendschalen (Veneers), Inlays u.a. • Eigene separate Prophylaxepraxis

• Hartlasergeräte für alle Anwendungen • Photodynamische Therapie zur schonenden und effektiven Parodontitis-Therapie • DVT-Betreiber/DVT in der Praxis

• Eigenes Zahnlabor seit 25 Jahren • Laserfluoreszenz-Technik zur Karies-Früherkennung

• 3D-Röntgen (DVT)und Implantatversorgung aus einer Hand

• Anästhesiemittel-Applikationsgeräte für das nahezu schmerzfreie Spritzen

• Patienten-Informationsveranstaltungen zur Implantologie

• Elektronische Kiefergelenkmessung

Alles aus einer Hand – Implantate vom Experten von Dr. Frank Böcker, geprüfter Experte der Implantologie In der Implantologie ist der medizinische Fortschritt in jeder Behandlungsphase spürbar. Zum einen revolutioniert eine neue Röntgentechnik die Vorgehensweise. Hierbei handelt es sich um die digitale Volumentomographie. Dies ist eine dreidimensionale Bildgebungstechnik, die extrem hochauflösend ist und uns ein körperliches Abbild der knöchernen Strukturen des Kopfes liefert. Das Revolutionäre bei der Technik ist die geringe Röntgenbelastung. Die Röntgenaufnahmen sind maßstabsgerecht und können am Computer vermessen werden. Die Implantate werden am Computer in der Planungsphase virtuell platziert. Eine Implantatversorgung kann somit zuverlässig und ex-

akt geplant werden. Zuverlässige Implantatlösungen können Patienten mit problematischen Knochen- und Zahnsituationen angeboten werden, denen sonst diese Möglichkeit verwehrt bleibt.Zum anderen hat eine der schonendsten Vorgehensweisen Einzug in die Implantologie gehalten. Die Schleimhaut wird dabei nicht mehr großzügig aufgeschnitten, sondern punktgenau gestanzt. Dank der vorausgegangenen Planung und des behutsamen Eingriffes erfolgt nun das Einsetzen des Implantates. Einer prothetischen Versorgung steht nun nichts mehr im Wege. Bei der Implantatplanung –basierend auf einer DVT-Aufnahme- wird nichts mehr dem Zufall überlassen.

+++ +++ +++ +++ +++

aktuell aktuell aktuell aktuell aktuell

+++ +++ +++ +++ +++

aktuell aktuell aktuell aktuell aktuell

+++ +++ +++ +++ +++

aktuell aktuell aktuell aktuell aktuell

aktuell

+++ +++ +++ +++ +++

Besuchen Sie unsere Patientenveranstaltung zum Thema „Implantologie“. Erfragen Sie bitte die aktuellen Termine in unserer Praxis. Oder besuchen Sie unsere Internetseite. Dort finden Sie auch die Termine für die in Kürze anstehenden Veranstaltungen.

w w w. z a h n a r z t p r a x i s - h e r n e . d e


Editorial

Foto: Thorsten Janfeld

Liebe Leserinnen, liebe Leser, das Jahr begann bei uns in der LiVe-Redaktion mit positiven Neuigkeiten und Veränderungen: Die LiVe-Familie bekommt Zuwachs. Zu unserem bisherigen Partner, dem Medialen Vertrieb der Sparkasse Vest, gesellt sich in diesem Jahr das Medienhaus Bauer mit seinen Tageszeitungen in Datteln, Waltrop, Oer-Erkenschwick, Marl, Herten und Recklinghausen. Die Vorteile für Sie, liebe Leserinnen, liebe Leser: Künftig erscheinen vier Magazine im Jahr. 70.000 Exemplare werden direkt mit den Tageszeitungen verteilt. 20.000 weitere Magazine erhalten Sie weiterhin über die bekannten Verteilstellen in Ihrer Stadt. Die Reportagen bleiben, wie sie immer waren: nah am Menschen, im Vest verwurzelt und mit großem Nutzwert für Sie. Von Pflege bis Fitness, von Ehrenamt bis Demenz. Tipps zu Freizeit, Gesundheit und Lebenslust. Ergänzt werden die Magazine jeden Montag durch eine LiVe-Seite in Ihrer Tageszeitung. Heidi Meier, sympathisch-kompetente Redakteurin aus dem Medienhaus Bauer, verstärkt seit März die LiVe-Redaktion in Herten. Mit Einfühlungsvermögen, Engagement und Erfahrung hat sich die 49-Jährige in unser Team, das LiVe-Konzept und die tägliche Arbeit eingebracht. Wie immer wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Durchblättern und Lesen. Erfreuen Sie sich an dieser neuen Ausgabe des Magazins und begleiten Sie LiVe jede Woche in Ihrer Tageszeitung. Das nächste Magazin erscheint am 16. Juli. Bis dahin eine schöne Zeit und vor allem Gesundheit.

Otto Lerchenmüller Herausgeber

Geburtsstunde des gemeinsamen Babys LiVe – Lebensfreude im Vest: Mit dabei waren die Paten (v. l.) Matthias Müller (Caritas), Harry Junghans (AWO), Michael Wiese (Diakonie im Kreis), LiVe-Verkaufsleiter Carsten Dingerkus, Peter Geburek, stellvertretender Chefredakteur des Medienhauses Bauer, Medienberater Michael Hamdorf, Anette Shaw (Diakonie im Kreis), LiVe-Redaktionsleiter Oliver Mau, Verwaltungsleiterin Marianne Wissing, Magazinherausgeber Otto Lerchenmüller, Peter Korte, Leiter des Fachdienstes für Senioren­angelegenheiten im Kreis, sowie die Redakteurinnen Heidi Meier und Sophia Immohr.

mederi Ltd. Fachkrankenpflege  Palliativpflege/ Intensivpflege  Parenterale Ernährung  Grund- und Behandlungspflege  Pflege auch an Sonn- und Feiertagen

24-Stunden-Rufbereitschaft

Sieben Sitze, elektrische Schiebetüren und zahlreiche Assistenzsysteme. Da mußte ja früher oder später ein zweites Lenkrad her. Der neue Sharan ist groß bis ins kleinste Detail und muss sich dabei nicht wundern, dass er direkt aufs Siegertreppchen fährt. Für Volkswagen gewann er das Goldene Lenkrad 2010* in der Kategorie Vans und hat dadurch bewiesen, dass sein familienfreundliches Raumangebot genauso überzeugend ist wie sein beeindruckendes Design. Am besten, Sie erleben ihn einfach selbst bei einer Probefahrt. Weitere Informationen erhalten Sie bei uns.

Autohaus

Dümmer Weg 234 - 45772 Marl

 3 56 87

GmbH & Co . KG

Das Auto.

Carl-Duisberg-Straße 65, 45772 Marl Tel. 0 23 65/95 90-0, www.zschoerper.de

5|2011 LiVe 3


5 2011 Impressum

Christine Gruska ist ausgebildete Glückstrainerin. Seite 6

LiVe – Lebensfreude im Vest Herausgeber: Otto Lerchenmüller Verlag und Redaktion: Bessere Umwelt Verlagsgesellschaft mbH Lise-Meitner-Straße 11, 45699 Herten Tel. 0 23 66 / 88 70 9-0, Fax 0 23 66 / 88 70 9-19 redaktion@live-vest.de LiVe – Lebensfreude im Vest, eine Kooperation zwischen der Besseren Umwelt Verlagsgesellschaft mbH und dem Medienhaus Bauer Themenpartner und redaktionelle Begleitung in den zehn Vest-Städten und den Verbänden: AWO Unterbezirk Münsterland-Recklinghausen Caritasverband für das Dekanat Herten e. V. Diakonisches Werk in Recklinghausen e. V. Kreisverwaltung Recklinghausen Redaktionsrunden in den zehn Städten im Vest DRK Stadtverband Herten e. V. SDK Kirsch GmbH Redaktionsleitung: Oliver Mau Verantwortliche Redaktion: Sophia Immohr, Susanne Höltken Schlussredaktion: Elke Künne Mitarbeiter dieser Ausgabe: Florian Adamek, Christoph van Bürk, Matthias Erfmann, Birgit Frey, Susanne Höltken, Sophia Immohr, Tobias Kindel, Christian Kuck, Otto Lerchenmüller, Oliver Mau, Heidi Meier, Bianca Munker, Stephanie Pohl Matthias Schmeing, Dr. Ramona Vauseweh, Victor Wolf Fotos: Florian Adamek, Christoph van Bürk, Bubu Dujmic, Matthias Erfmann, Birgit Frey, Ramona Hoffmann, Sophia Immohr, Thorsten Janfeld, Christian Kuck, Oliver Mau, Bianca Munker, Matthias Schmeing, Marco Stepniak, Dr. Ramona Vauseweh, Victor Wolf Titelfoto: Marco Stepniak Gestaltung: Jens Valtwies Gesamtherstellung : Haidhausen-Verlag Grafik.PR.Werbung GmbH Niederlassung Herten Anschrift wie Verlag und Redaktion Anzeigenverwaltung: Medienhaus Bauer, Verlag J. Bauer KG Kampstraße 84 b, 45772 Marl, Tel. 0 23 65 / 1 07 12 01 anzeigen@haidhausen-verlag.de www.medienhaus-bauer.de ISSN: 1868-6079 LiVe – Lebensfreude im Vest erscheint viermal jährlich. Ausgabe April 2011

4 LiVe 5|2011

Wilhelm Röttger ist Kiepenkerl. Seite 12

Künstler Ralph Herrmann begutachtet alte Kunstwerke und Fundstücke. Seite 9


Inhalt

Udo und Gabi Rüping entspannen beim kreativen Malen für Menschen mit Demenz. Seite 33

Editorial

3

Zuhören können gehört dazu

6

Alter Krempel oder doch echte Kunst?

9

Gute Laune im Auftrieb

10

Ein Kaffee mit dem Kiepenkerl

12

Schnipp-Schnapp per Mausklick

15

Das Thema: Liebe

17

Ein neuer Anfang

18

Tanztee? Aber bitte mit Twist und Rock ’n’ Roll …

20

Vier Paare erzählen

24

Liebe – in guten wie in schlechten Zeiten

28

Nacktbadestrand – offene Worte über Sex

30

Männerprobleme

32

Pinselstriche gegen das innere Gefängnis

33

Blitzlicht

35

Glück gehabt

36

Einsatz für echte Experten

38

Manchmal muss ich die Notbremse ziehen

42

Schmuck für eine Powerfrau

44

Von Inseln, Schleusen, Fahrgastschiffen

46

Hier ist nichts umsonst

50

5|2011 LiVe 5


Aus alt wird neu

Zuhรถren kรถnnen gehรถrt dazu Ludger Ahmann hilft seit zehn Jahren bei Haushaltsauflรถsungen. Text und Fotos von Florian Adamek. 6 LiVe 5|2011

In der Umwelt-Werkstatt findet Altes zu neuen Besitzern (o.). Ludger Ahmann sichtet das Geschirr im Schrank (r.). Das ElefantenQuartett ziert noch die alte Anrichte.


Es ist dunkel in der kleinen Wohnung, die Rollläden lassen sich nicht nach oben ziehen. „Rollladensperre“, sagt Ludger Ahmann. An diesem Frühlingstag bleibt es düster in den Räumen. Wilhelmine Ruthoff schaltet das Licht ein. Alles ist tipptopp. Drei Zimmer, Küche, Bad. „Die Ärztin hat aber gesagt, dass das jetzt nicht mehr klappt in einer eigenen Wohnung“, sagt die 78-Jährige. Sie meint ihren Lebensgefährten Anton. „Anton hatte einen Schlaganfall“, erzählt die Dame unerschüttert. Und dass ihr Freund jetzt intensiv gepflegt werden muss. Deshalb hat Wilhelmine Ruthoff bei der Umwelt-Werkstatt der Diakonie angerufen, deshalb ist jetzt Ludger Ahmann da. „Wir schauen uns die Sachen an und

machen eine Liste mit den Dingen, die wir mitnehmen können“, sagt der gelernte Schreiner. „Einer muss sich ja kümmern“, sagt Wilhelmine Ruthoff, sie hat die Dinge in die Hand genommen – und der sympathische Mann von der Diakonie nickt. Seit zehn Jahren kümmert sich Ludger Ahmann um Haushaltsauflösungen, seit zehn Jahren macht er diese Vorbesuche, um sich ein Bild von der Situation vor Ort zu machen, von den Gegebenheiten. „Man weiß nie, was einen erwartet“, sagt der 52-Jährige. Gemeint ist damit die Spanne zwischen vierter Etage ohne Aufzug bis zur tiefen Trauer. Dazwischen liegen alle Dramen und Geschichten, die das Leben schreiben kann. Ludger Ahmann kennt viele dieser Geschichten.

„Zuhören können gehört dazu“, sagt der Vater einer achtjährigen Tochter. Heute erfährt er davon, dass die lebensfrohe Frau Ruthoff bereits Urgroßmutter ist und in den Fünfzigerjahren in der Weberei Limper gearbeitet hat. „Ich komme gut über die Runden mit meiner Rente und meiner eigenen kleinen Wohnung“, erzählt sie, während sich das Leben ihres Antons irgendwie aufzulösen droht. Die vier Wände im Hertener Süden halten die Geschichte des 82-Jährigen nur noch notdürftig zusammen. Die Familienfotos. Der Geruch. Die Einrichtungsgegenstände verlieren aber schon in wenigen Tagen ihre Historie, ihre Einzigartigkeit in dieser Zusammenstellung. Die Schrankwand aus Nussbaum mit den quadratischen Intarsien wird vom

Fettentfernung durch Ultraschall - die Kavitation - sanfte Alternative zur Fettabsaugung - unblutig - schmerzfrei

sofort messbare Resultate z. B. an Bauch, Po, Hüfte, Oberschenkel (Reiterhosen), Rücken, Wade, Knie in Kombination mit gezielter Hautstraffung durch Radiofrequenzwellen. High-Tech für Ihre Schönheit! Wir beraten individuell und erstellen maßgeschneiderte Beauty-Programme! Erleben Sie das reactivia-feeling: Individuell kombinierbare Angebote für Sie unter einem Dach:

Beauty, Wellness, Ernährungscoaching, Medical-Fitness

da: Wir sind für Sie - 18.30 Uhr, 0 9.3 . Fr + o. M r .30 - 18.30 Uh Di., Mi., Do. 13

UHDFWLYLD

Herner Straße 57c - 45657 Recklinghausen Telefon 0 23 61 / 18 18 53 - www.reactivia.de 5|2011 LiVe 7


Wilhelmine Ruthoff zeigt, was ihr Lebensgefährte noch im Keller verstaut hat. Hier liegen noch einige Werkzeuge.

Wohnzimmer-Prunkstück zum Ladenhüter. „Ein schönes Stück“, erkennt Ludger Ahmann, „aber den können wir nicht mitnehmen“, fügt er freundlich an. Das gute Geschirr ist noch drin. Das makellose Porzellan für Sonn- und Feiertage, immer besonders vorsichtig behandelt. Das Schlafzimmer? Der Möbelfachmann der Diakonie legt die Stirn in Falten. Weißer Schleiflack, tiefste Sechzigerjahre. „Nein, leider nicht. Den Spiegelschrank, der ist okay.“ Die Diakonie holt die Dinge ab, bei denen die Aussicht besteht, dass sie in der Umwelt-Werkstatt noch einmal verkauft werden können. So geht es Raum für Raum. Textilien, klar. Hausrat, sicherlich. Und dann noch der Keller. „Den unterschätzen viele“, weiß der sympathische Mann. Nach eineinhalb Stunden ist seine Aufgabe erledigt, er hat alles gesehen und

gehört, seine Liste zusammengestellt. Die grelle Frühlingssonne blendet. „Man braucht immer etwas Zeit, um sich wieder zu sammeln“, sagt Ludger Ahmann – auch nach zehn Jahren. Die Dunkelheit in den Wohnungen, die vielen Geschichten, die Schicksalsschläge. Und die Frage: Was bleibt von einem erfüllten Leben, wenn die Wohnung leer ist, ausgeräumt. „Das beschäftigt einen schon.“ Die Geschichten werden nicht mehr erzählt, die einzelnen Möbel sind verstreut oder entsorgt und haben ihren Kontext, ihren Zusammenhang verloren. „Das wird dann bei uns alles gemischt und aus­ einandersortiert“, sagt Ludger Ahmann. Die Kleidungsstücke werden geprüft, das Porzellan mit Preisschildern versehen und in die Regale geräumt, die Lampen in der Ausstellung aufgehängt.

Die alten Geschichten erzählen diese Gegenstände dann nicht mehr, aber vielleicht bekommt der Spiegelschrank schon bald eine zweite Chance. Eine neue Geschichte mit anderen Menschen, die dann so beginnt: „Den haben wir mal in der Umwelt-Werkstatt gekauft und ...“

INFO & TIPPS Diakonisches Werk im Kirchenkreis Recklinghausen e. V. Umwelt-Werkstatt Herten Ludger Ahmann Langenbochumer Straße 385 a 45701 Herten-Westerholt Tel.: 02 09 / 96 17 10

Altenwohn- und Pflegeheime - Sicher und gut versorgt Matthias-Claudius-Zentrum Oer-Erkenschwick mit Tagespflege, Kurzzeitpflege, Café Oer-Erkenschwick-Therme Halluinstr. 26 45739 Oer-Erkenschwick Tel. 02368 694-0 www.diakonie-kreis-re.de

8 LiVe 5|2011

Haus Abendsonne mit Kurzzeitpflege/ Tagespflege Auf dem Graben 8 45657 Recklinghausen Tel. 02361 9537-0

Haus Simeon mit Kurzzeitpflege Elper Weg 89 45657 Recklinghausen Tel. 02361 9301-0 Theodor-Fliedner-Haus mit Kurzzeitpflege Annastraße 22 45701 Herten Tel. 0209 361527-0


Fundstücke

Ralph Herrmann begutachtet alte Fundstücke, die auf Dachböden, in Kellern oder als Erbstücke gefunden werden.

Alter Krempel oder doch echte Kunst? Auf manch einem Dachboden schlummert ein Schatz – Künstler Ralph Herrmann begutachtet diese Fund­stücke. Text und Fotos von Bianca Munker. Beim Aufräumen hat man es entdeckt – das Landschaftsgemälde, das einst bei Oma über dem Sofa hing. Jahrzehntelang ist es in Vergessenheit geraten und plötzlich wieder aufgetaucht. Ist das Bild ein echtes Kunst-

werk oder doch „nur“ alter Krempel? Ralph Herrmann weiß darauf eine Antwort. Der Künstler begutachtet solche Fundstücke seit Jahren in einer Galerie. Diesen Service bietet er jetzt auch online über den

Ruhr-Lippe-Marktplatz der Sparkasse Vest Recklinghausen an. „Es gibt Leute, die haben schon eine echte Druckplatte von Rembrandt auf einem Trödelmarkt gekauft und dann als Kaffeekannen-Untersetzer benutzt“, berichtet er und lacht. Auch wenn nicht jedes Schnäppchen vom Flohmarkt ein echter Monet, Picasso oder van Gogh ist, lohnt es sich, die Bilder von Ralph Herrmann unter die Lupe nehmen zu lassen. „Ich kann grundsätzliche Dinge, wie das Alter des Werkes und seine Qualität, bestimmen“, sagt der Maler. Zudem erklärt er, um welche Art von Kunstwerk es sich genau handelt. Ist das hübsche Porträt eine Radierung oder eine Zeichnung? Eine Reproduktion oder ein Original? Oder woran erkenne ich die Auflage eines Kunstdruckes? Fragen, die der Fachmann beantwortet. Nur etwas fällt ihm schwer: „Ich kann keine Wertbestimmung durchführen“, gesteht Ralph Herrmann. Manchmal sind die Besitzer darüber enttäuscht. „Ich sage den Leuten dann: Seien Sie einfach zufrieden, es ist ein gutes Bild!“ Wer einen solchen Dachbodenfund als Grundstein für eine Kunstsammlung nehmen möchte, ist auf www.ruhr-lippemarktplatz.de richtig. Auf dem Onlinemarktplatz der Sparkasse Vest gibt Ralph Herrmann in seiner Kolumne Sammlern Tipps. „Die beiden wichtigsten Ratschläge sind: Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und kaufen Sie die Werke am besten direkt beim Künstler.“

INFO & TIPPS Ralph Herrmann Hertener Straße 173 45659 Recklinghausen Tel.: 0 23 61 / 18 39 75 Details zu Kunst im Vest: www.ruhr-lippe-marktplatz.de

5|2011 LiVe 9


Wassersport

Gute Laune im Auftrieb Freitagmorgens begeben sie sich mit John Denver auf die „Country Roads“. Eine ungewöhnliche über­flutet, trotzdem komfortabel überdacht. Aber diese Damen und zwei Herren sind alles andere Schuhe, laufen ohne Boden unter den Füßen, joggen, kommen aber kaum vorwärts. In der Tragluftder Weg das Ziel. Und spielt Wasser die tragende Rolle. Deshalb ist der Boom von Aquafitness-Kursen Schwimmverein Gladbeck 13 alles mit einem Augenzwinkern sehen. Text und Fotos von Christoph Brigitte Schneider steigt selbst mit ins Wasser. „Das ist ein gutes Zeichen. Dann wird es nicht ganz so anstrengend“, witzelt Regina Opper. Wenn es sonst schwierig wird mit der Koordination, weil sie gleichzeitig mit den Beinen grätschen, aber mit den Armen nach vorne boxen sollen, dann wird Übungsleiterin Schneider gerne nachgesagt, sie habe womög10 LiVe 5|2011

lich schlecht geschlafen. Sie nehmen Poolnudeln in die Hand, aber sich selbst immer gerne auf die Schippe. Das gehört eben zum guten Ton. Der gute Ton von Brigitte Schneider allerdings muss durchdringend sein, da bei den Aquajoggern ebenso ein Schwätzchen dazugehört. Deshalb schauen sie regelmäßig über den eigenen Beckenrand: touren

mit dem Fahrrad, schieben eine laute Kugel beim Bowling oder strampeln mit Tausenden anderen Aquajoggern durch den Fühlinger See bei Köln. Blickfangend mit knallroten Mützen und kleinem rosa Prosecco-Bötchen im Schlepptau. Vielleicht ist dies ja das Geheimnis, warum das Wandern, Boxen, Drehen und Wenden im nassen Element so beliebt


Mit Poolnudeln in den Händen und Beinschwimmern (o.) am Fuß hat die Aquafitnessgruppe um Übungsleiterin Brigitte Schneider (l. M.) Auftrieb im Wasser.

Landstraße: nur 50 Meter kurz, als gewöhnlich. Sie wandern ohne halle des Gladbecker Freibads ist ja ungebrochen. Zumal sie beim van Bürk. sind. Wie das Wasser an den Rand plätschert und seicht-sonnige Musik aus dem Lautsprecher, hat es etwas von Traumschiff oder Club-Urlaub. Die Wohlfühlatmosphäre macht sich mit einem Lächeln in den Gesichtern breit, und zwar nachhaltig. „Man fühlt sich hinterher richtig befreit, spürt den Körper im besten Sinn“, schwärmt Marlies Siebert beim Frühstück

im Vereinsheim und malt mit den Händen einen Kreis um sich herum. „Und wir wissen, dass wir uns ein gutes Frühstück verdient haben“, schiebt Regina Opper hinterher und beißt genüsslich ins Marmeladenbrötchen. Die gute Laune hat Auftrieb, bei der Gymnastik sorgen für den Auftrieb so genannte Beinschwimmer. Gut eingeschnürt schwebt es sich besser durchs Wasser. Die Vorteile: Die Bewegungen sind gelenkschonend, drei Frauen sind nach einer Hüftoperation auch dank des Trainings wieder in Tritt gekommen. Im Wasser wiegt der menschliche Körper nur zehn Prozent seines eigenen Gewichts, erfährt aber einen höheren Widerstand als an Land. Der erhöhte Druck sorgt für eine ständige Massagewirkung. Das regt

Durchblutung und Stoffwechsel an, davon profitieren Haut und Bindegewebe. Die Problemzonen lassen grüßen. Aquafitness ist vor allem Frauensache. Bei diesem Sport für jedermann hat beim SV 13 jedenfalls bislang nur ein Mann durchgehalten. Charly Menzel ist passionierter Läufer und Radfahrer und arbeitet sich zum Ausgleich durchs Wasser. Verstärkung bekommt er ab und zu von Michael Plywacz, dem Freund von Brigitte Schneiders Tochter Linda. Der 23-Jährige hat anfangs „zwar etwas Schwierigkeiten gehabt, das Gleichgewicht zu halten“, trabt mittlerweile aber gerne mit den älteren Ladys durchs Freibadwasser. „Hier geht es immer lustig zu. Wenn wir nicht hier sind, verpassen wir was“, erzählt das junge Paar. Brigitte Schneider erklärt, dass die Beinschwimmer einen so starken Auftrieb haben, dass man vor allem eine gerade Haltung einnehmen muss. „Sonst liegt man plötzlich wie ein Marienkäfer auf dem Rücken im Wasser.“ So ist es Charly Menzel bei seinen ersten Gehversuchen ergangen, was stets für Erheiterung in der aquajoggenden Damenwelt sorgt – die Anekdote verfolgt den Mann noch immer auf Schritt und Tritt. Ebenso wie die Witzchen, mit denen einige Herren der Schöpfung über diesen „Frauenklub“ Charly Menzel zu sticheln versuchen. Aquafitness wird gerne belächelt, Männer in Aquafitness-Gruppen noch lieber. Bis mal einer still und heimlich verriet: „Du, das hab ich in der Kur auch gemacht. Das ist ja gar nicht schlecht.“

INFO & TIPPS Schwimmverein Gladbeck 13 Schützenstraße 120 45964 Gladbeck Tel.: 0 20 43 / 2 11 13 www.sv13.de

5|2011 LiVe 11


Die Tradition weiterleben

Ein Kaffee mit dem Kiepenkerl Wilhelm Röttger ist ein echtes Oerer Original. Text und Fotos von Ramona Vauseweh.

Wilhelm Röttger (M.) hat seine Neffen mit seiner Leidenschaft angesteckt. Heute sind Tassilo Enderle (l.) stellvertretender Vorsitzender und Jochen Röttger (r.) Schriftführer im Heimatverein.

Blauer Leinenkittel, rotes Halstuch, die Füße in Holzschuhen und die Mütze auf dem Kopf. Auf der Schulter natürlich die Kiepe, Tragekorb aus Weidenruten. Auf Wunsch hat unser Gastgeber besondere Kleidung angelegt. Sein verschmitztes Lächeln unterstreicht die Wirkung. „Das ist die traditionelle Tracht der westfälischen Kiepenkerle“, erklärt Wilhelm Röttger. Der Verein für Orts- und Heimatkunde OerErkenschwick habe diese Kleidung vor 20 Jahren zur Vereinstracht erkoren. 12 LiVe 5|2011

„Das tragen wir nicht alle“, wehrt der 75-Jährige ab, „nur der Vorstand, und nur zu besonderen Anlässen.“ Fürs Stadtfest, zu Jubiläen, „oder wenn uns Feuerwehr, Schützen und andere Vereine einladen“, setzt er die Liste fort. Wir sitzen in der geräumigen Wohnküche seines Elternhauses. Ein uriger Fachwerkbau am Rand der Haard, umgeben von schlanken Laubbäumen. Draußen hohe Büsche, in denen sich Meisen tummeln. Hier ist der Älteste von sechs Brüdern aufgewachsen, „da war das

Haus noch viel kleiner und das Dach zur Straße hin reichte fast bis zum Boden“, hat Wilhelm Röttger in Erinnerung. Der Vater war Kötter wie alle hier in „Siepen“ – so nannten die Anwohner die Gegend einst. Selbstversorger und zudem in der Holzwirtschaft beschäftigt. Eigenes Land, 13 Morgen, zwei Rinder, ein paar Schweine und Geflügel dazu. „Man hatte als Junge schnell mal die Kuh am Band zum Hüten“, weiß Wilhelm Röttger noch genau. Einsamer war es früher hier, aber


nie langweilig. „Wir Kinder haben in Haus und Hof geholfen.“ Kaum Zeit fürs Pinnchenkloppen oder Spiele mit dem selbst­ gebastelten Lumpenball. Und bis heute jede Menge zu tun. Nach fast vier Jahrzehnten bei den Chemischen Werken Hüls ist Wilhelm Röttger längst im Ruhestand. Und dennoch weiter Kötter wie einst der Vater. 15 Hühner wollen versorgt, der Garten bewirtschaftet werden. Über sein Engagement im Verein und in der Gemeinde St. Peter und Paul mag der Oerer gar nicht so recht reden. „Da ist man als junger Mensch einfach so reingewachsen“, sagt der gelernte Schreiner schlicht. Sein Grundsatz: „Man kann nur in der Gemeinschaft etwas erreichen.“ Seit langem gehört der Ruheständler zum Team, das den Seniorenkreis der Gemeinde organisiert. „Einmal im Monat treffen wir uns, erst eine gemeinsame Messe, anschließend Geselligkeit: Kaffee, Kuchen, Klönen.“ Mal eine Spielerunde, „mal laden wir jemanden für einen Vortrag ein“. In diesem Jahr gehe es wieder mit 30 Senioren nach Wangerooge, erzählt Wilhelm Röttger. „Meine Schwägerin Adelheid organisiert die Fahrt, ich fahre als Betreuer mit.“ Im Heimatverein ist er Beisitzer. Und Mitglied „seit Jugendtagen, der Onkel hat mich damals mitgenommen“. Seine Neffen hat Wilhelm Röttger ebenfalls auf den Geschmack gebracht: Tassilo Enderle ist als stellvertretender Vorsitzender, Jochen Röttger als Schriftführer aktiv. Von den Vereinsaktivitäten hatten es dem kleinen Willi damals die Burgenfahrten besonders angetan. Diesen Ausflug gibt es nach wie vor, „mehr als 75 Fahrten hat es bisher gegeben“, rechnet er nach. Ziel für Tagesfahrten ist inzwischen auch sein Fachwerkhaus am Waldrand. Wilhelm Röttgers Gäste: Jugendgruppen aus Werne. Mit Pfarrer Klaus Martin Niesmann von der katholischen Pfarrgemeinde St. Christophorus ist er befreundet, „seit

Wilhelm Röttger ist ein echter westfälischer Kiepenkerl. Die traditionelle Tracht passt wie angegossen.

5|2011 LiVe 13


KKRN Katholisches Klinikum Ruhrgebiet Nord GmbH Gertrudis-Hospital Westerholt

KKRN Katholisches Klinikum Ruhrgebiet Nord GmbH Gertrudis-Hospital Westerholt

DieChirurgie Chirurgie Gertrudis-Hospital Die amam Gertrudis-Hospital setztauf aufminimal-invasive minimal-invasive Verfahren, setzt Verfahren, also also schonende Eingriffe. schonendechirurgische chirurgische Eingriffe. In der Inneren Medizin liegt der Schwerpunkt auf In der Inneren Medizin liegt der Schwerder Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen punkt auf der Behandlung von Magen-DarmundChirurgie Herz-Kreislauf-Leiden. Die am Gertrudis-Hospital

Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Leiden.

setzt auf minimal-invasive Verfahren, also arbeiten Im Bauchzentrum am Gertrudis-Hospital Im Bauchzentrum amEingriffe. Gertrudis-Hospital schonende chirurgische Internisten und Chirurgen in einem Team zusammen.

arbeiten Internisten und Chirurgen in einem In Medizin liegtsteht der Schwerpunkt auf Fürder dieInneren Abteilung Geriatrie neben der BehandTeam zusammen. der Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen lung akuter Krankheiten der Erhalt oder der Wiederund Herz-Kreislauf-Leiden. erwerb der Selbständigkeit im Vordergrund. Für die Abteilung Geriatrie steht neben Angeschlossen ist eine geriatrische Tagesklinik. Im am Gertrudis-Hospital arbeiten derBauchzentrum Behandlung akuter Krankheiten der Erhalt

Internisten und Chirurgen einem Team Schwer erkrankte Patienteninder behandeln wirzusammen. auf oder der Wiedererwerb Selbständigkeit unserer Palliativstation. im Vordergrund. Angeschlossen ist der eineBehandFür die Abteilung Geriatrie steht neben

geriatrische Tagesklinik. lung akuter Krankheiten Erhalt oder Pflegebeder WiederDarüber hinaus bietet dasder Krankenhaus erwerb derund Selbständigkeit im Vordergrund. dürftigen pflegenden Angehörigen die MöglichSchwer erkrankte Patienten behandeln wir auf Angeschlossen ist eine geriatrische Tagesklinik. keit der Kurzzeitpflege an. Die Spielgruppe KITA unserer Palliativstation. steht allen KindernPatienten von 0 bisbehandeln 12 Jahren in Schwer erkrankte wir auf Westerholt und Umgebung offen. Darüber hinaus bietet das Krankenhaus Pflegeunserer Palliativstation. bedürftigen pflegenden Angehörigen Darüber hinausund bietet das Krankenhaus PflegebeGertrudis-Hospital Westerholt die Möglichkeit der Kurzzeitpflege an.Möglichdürftigen und pflegenden Angehörigen die Kuhstraße 23 · 45701 Herten Die der Spielgruppe allen Kindern Telefon 0209 61910 KITA keit Kurzzeitpflege an.steht Die Spielgruppe KITA Telefax 0209 6191109 von 0allen bis 12 Jahren steht Kindern vonin0 Westerholt bis 12 Jahrenund in westerholt@kkrn.de Umgebung offen. Westerholt und Umgebung offen. Gertrudis-Hospital Westerholt Kuhstraße 23 · 45701 Herten Telefon 0209 61910 Telefax 0209 6191109 westerholt@kkrn.de

14 LiVe 5|2011

Das urige Fachwerkhaus von Wilhelm Röttger ist ein beliebtes Ziel von Tagesfahrten. Über dem Fenster ist noch die Inschrift zu lesen.

dieser in unserer Gemeinde eine Vertretung übernommen hatte“. An solchen Tagen ist viel los in seinem Häuschen, „28 junge Leute hatte ich vor ein paar Tagen hier“, erzählt der Gastgeber, „die waren ganz brav“, lobt er im gleichen Atemzug. Seine Kiepe macht Pause in der Diele, jetzt ist sie leer und leicht. Gefüllt wird der Tragekorb wieder zur nächsten Veranstaltung. Gebäck und Schnaps vom Kiepenkerl und den Blaukitteln des Heimatvereins, „der Erlös ist immer für einen guten Zweck bestimmt“.

INFO & TIPPS Verein für Orts- u. Heimatkunde e. V. Oer-Erkenschwick Vorsitzender Hubert Gährken Tel.: 0 23 68 / 5 24 85 Alle Informationen zu den Veranstaltungen des Vereins per Mail bzw. Newsletter über jochen.roettger@ heimatverein-oe.de


Arbeiten am Computer

Schnipp-Schnapp per Mausklick Die Leidenschaft von Diethart Berg und Wolfgang Soick ist die digitale Filmbearbeitung. Text und Fotos von Bianca Munker. Der spannendste Moment für jeden großen Regisseur? Der Augenblick, wenn sein neues Werk zum ersten Mal über die Leinwand flimmert. Wie werden die Zuschauer reagieren? Sekunden werden zu Stunden, Schweißperlen sammeln sich auf der Stirn des Filmemachers, sein Atem wird immer schneller und dann endlich – der erlösende Applaus setzt ein. Ähnliche Anspannung erleben auch Diethart Berg (69) und Wolfgang Soick (71) regelmäßig. Sie führen zwar keine

Millionen teuren Produktionen vor, sondern „nur“ ihre privaten Urlaubsvideos, aber auch ihr Premierenpublikum ist anspruchsvoll. „Ich zeige jeden Film zuerst meiner Frau Ursula“, erklärt Diethart Berg, „sie ist kritisch und berät mich, wenn die Musik mal nicht so gut passt.“ Der Hertener hat seit Jahren ein großes Hobby: das Bearbeiten von Videos. Diese Leidenschaft teilt er mit Wolfgang Soick aus Oer-Erkenschwick. Die beiden Senioren haben sich im „Computerclub 50plus“

des „Haus Haard“ kennen gelernt. Hier treffen sich PC-Interessierte einmal im Monat zum Erfahrungsaustausch. Zu Hause machen sie sich dann ans Werk und das heimische Arbeitszimmer verwandelt sich in ein Schnittstudio. Für einen rund 20-minütigen Film investieren die beiden Tüftler bis zu 100 Arbeitsstunden. Kein Wunder, denn die einzelnen Szenen oder auch Fotos müssen mithilfe eines speziellen Programms auf den Rechner importiert und in die richtige Reihen5|2011 LiVe 15


folge gebracht werden. Dann werden die Filmabschnitte digital nachbearbeitet, Überblendungen ausgewählt, Titel eingeblendet und der Film mit Musik unterlegt. „Die Rohaufnahmen sind für einen Außenstehenden uninteressant“, sagt Wolfgang Soick. „Erst nach der Bearbeitung entsteht ein richtiger Film. So kann ich meine Eindrücke mit anderen teilen.“ Die einzelnen Szenen schauen sich die beiden wieder und wieder an, um sie in die richtige Reihenfolge zu bringen oder auf die Sekunde genau zu schneiden. „Bei der Nachbearbeitung erlebe ich die Reise noch einmal“, schwärmt Diethart Berg. So holt sich der Rentner die große weite Welt immer wieder in sein Einfamilienhaus in Westerholt. Filmabschnitte von den Bergs vor der berühmten „Golden Gate Bridge“ in San Francisco (USA) oder wunderschöne Landschaftsaufnahmen aus Neuseeland sorgen für Fernweh im Arbeitszimmer. „Jeder Film ist eine neue Herausforderung“, gesteht Wolfgang Soick, „aber wir Älteren haben ja auch genügend Zeit.“ Auch nach der hundertsten Arbeitsstunde macht Diethart Berg seine Tätigkeit vor dem Rechner noch große Freude. „Die Bearbeitung ist ein Hobby, das den Geist fordert.“ Zehn Werke hat er schon fertiggestellt. Bei seinem Bekannten Wolfgang seien es stolze 30 bis 40. „Ich habe auch alte Schmalfilmaufnahmen umgewandelt“, berichtet er. Seinen ersten Ferienfilm habe er vor fast 55 Jahren noch mit einer richtigen Schere geschnitten. Diese Zeiten sind längst Vergangenheit, heute wird der Schnitt digital mit nur einem Mausklick gemacht. Aber etwas ist geblieben: „Durch die Filme bleiben die Erinnerungen wach.“ Ein kleiner Schritt für ein Kind, aber ein unvergessliches Erlebnis für die Eltern – deshalb liebt Wolfgang Soick ganz besonders die Aufnahmen, auf denen seine beiden Kinder ganz wackelig zum ersten Mal die Füßchen voreinander setzen. Als 16 LiVe 5|2011

Wolfgang Soick und Diethart Berg (v. l.) sitzen gemeinsam am PC und bearbeiten ihre Urlaubsvideos.

stolzer Papa hat er das natürlich filmerisch festgehalten. Hat Diethart Berg denn einen Lieblingsfilm? „Ja, den über unsere Reise nach Neuseeland.“ Und Wolfgang Soick? „Eindeutig Mauritius. Die Natur ist fantastisch und die Menschen freundlich“, erinnert er sich. „Mauritius“, wiederholt Diethart Berg und seine Augen leuchten auf, „da wollte ich auch mal hin.“ Falls der reiselustige Hertener schon bald auf die Trauminsel im Indischen Ozean fliegt, ist eines jedenfalls sicher: Er bringt reichlich Material für einen wundervollen Urlaubsfilm mit.

INFO & TIPPS Computerclub 50plus Heimvolkshochschule Haus Haard Haardgrenzweg 338 45739 Oer-Erkenschwick Tel.: 0 23 68 / 9 14 90 www.extraline.de www.haus-haard.de


Das Thema: Liebe

Das Thema: Liebe „Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich“, sagte einst Hermann Hesse. Er hat Recht! Unser Schwerpunkt­ thema „Liebe“ beweist es Ihnen. Denn selbst in schwersten Zeiten schafft es die Liebe, ein wenig Glück in unsere Herzen zu bringen. So wie bei Alfred und Margrit Thum, die bereits 60 Jahre verheiratet sind. LiVe – Lebensfreude im Vest zeigt Ihnen, wo man einen neuen Partner finden kann und wie im Vest geliebt wird. Fotograf Christian Kuck hat für Sie das „Liebesglück“ mit seiner Kamera eingefangen. Vier Pärchen erzählen von Herzklopfen und Verliebtsein. Lassen Sie sich anstecken!

Inhaltsverzeichnis Ein neuer Anfang Tanztee? Aber bitte mit Twist und Rock ’n’ Roll Vier Paare erzählen Liebe – in guten wie in schlechten Zeiten Nacktbadestrand - offene Worte über Sex Männerprobleme

Seite 18 Seite 20 Seite 24 Seite 28 Seite 30 Seite 32 5|2011 LiVe 17


Das Thema: Liebe

Diplom-Pädagogin Birgit Schoppmeier-Krügener gibt Tipps zum Thema Trennungen und Neuanfang.

Ein neuer Anfang Der Trennungsschmerz zerreißt das Herz, lähmt den Körper. Und doch ist er der Anfang nach dem Ende. Beginn eines neuen Lebensabschnitts und nötige Seelenreinigung, bevor eine neue Liebe beginnen kann. Diplom-Pädagogin Birgit Schoppmeier-Krügener spricht über Trennung und den neuen Anfang. Text von Stephanie Pohl, Fotos von Marco Stepniak.

Wir haben von Beratern und Institutionen einige Körbe bekommen. Dabei wollten wir „nur“ einen fachkundigen Gesprächspartner finden, der praxisnah etwas zum Thema „Trennung“ zu sagen weiß. Idealerweise hatten wir uns Tipps gewünscht, wie Betroffene mit der problem­ beladenen Situation umgehen können. „Nee, so richtig ist das nicht unser Feld“, lautete nur 18 LiVe 5|2011

eine der Absagen. Schließlich stellte sich Birgit Schoppmeier-Krügener von „pro familia“ in Recklinghausen unserem Anliegen. Auch wenn die Leiterin dieser Beratungsstelle einschränkte: „Schwerpunkt sind insbesondere Fragestellungen rund um Schwangerschaft, Sexualität und Familienplanung. Das Thema Trennung ist dabei immer wieder auch ein Teil dieser Beratungen.“

Im Gespräch mit Birgit SchoppmeierKrügener wird ganz schnell klar: DIE Blaupause, DIE Checkliste existieren nicht, um eine Trennung zu bewältigen. Zu unterschiedlich sind die Fälle. Zu komplex die Ausgangssituationen. Zu dramatisch der Anfang nach dem Ende. Die DiplomPädagogin, übrigens als Systemische Paarund Sexualtherapeutin ausgebildet, macht


die „Ungleichzeitigkeit“ für die Tragik im Trennungsprozess verantwortlich: „Der Partner, der geht, hat sich schon länger damit beschäftigt, konfrontiert dann mit einer schon gefallenen Entscheidung. Deshalb ist der andere Partner in der Regel überrascht. Hatte keine Chance, sich darauf einzustellen. Reagiert geschockt, ist wütend. Selbstzweifel kommen auf. Zumindest ein Lebensentwurf gerät durcheinander. Es schmerzt die Unmöglichkeit, auf die Entscheidung der Trennung noch Einfluss nehmen zu können.“ Eine Option, nach einer vollzogenen Trennung den Schmerz in Grenzen zu halten, ist nach Meinung der Beraterin die Mediation. Die 52-Jährige erläutert: „Dahinter verbirgt sich eine Methode, bei der unter Anleitung eines neutralen Beraters alle einzelnen Schritte ausgehandelt werden. Es kann um emotionale Fragen bis hin zu wirtschaftlichen Vereinbarungen gehen. Auch um Regelungen, wie die Zukunft der Kinder aussehen soll.“ Eine Ehe kann beendet sein, die Elternschaft nicht. Wichtig sei, dass sich die Partner freiwillig in den Mediationsprozess begeben und

beide den Ergebnissen zustimmen können. „Es geht um Einsicht, nicht um Rechthaberei. Es gibt keine Verlierer.“ Nach einer Trennung herrschen diese Varianten vor: Die einen haben die Nase erst mal voll. Wunden sind noch zu frisch. Die neue Freiheit eröffnet andererseits Chancen für eigene Freuden und Bedürfnisse. Andere sehnen sich nach einer neuen Beziehung. Das können halbgare Liebeleien, flüchtige Affären sein. Das kann die seriöse Suche nach der ganz großen Liebe sein. Wann ist man eigentlich „reif“ für einen neuen Partner? Dazu Birgit Schoppmeier-Krügener: „Das muss für mich abgeschlossen sein. Ich muss das Gefühl haben, etwas Neues beginnen zu können. Auch die Intensität der früheren Partnerschaft kann diese Entscheidung beeinflussen. Aber auch die Tatsache, ob die Trennung unfair verlaufen ist.“ Nichts kann eine neue Be­ ziehung in der ersten Zeit so sehr belasten wie eine noch nicht verarbeitete Trennung. Wie sag ich’s meinem Kinde, wenn ein neuer Partner in mein Leben tritt? Unproblematisch erscheint es, wenn die Kinder

erwachsen sind. „Einfach den Kindern mitteilen, dass man nicht mehr alleine leben will“, so Birgit Schoppmeier-Krügener. Erwachsene Kinder begleiten diese Phase häufig mit Sympathie. Mitunter ist es sogar entlastend. Sie brauchen sich weniger um den alleinstehenden Vater oder die verlassene Mutter zu kümmern. Ist doch ein neuer Mensch der aktuelle Mittelpunkt im Leben des Elternteils.

INFO & TIPPS pro familia Beratungsstelle Springstraße 12 45657 Recklinghausen Tel. 0 23 61 / 2 67 01 Internetportale: www.profamilia.de www.partnerschule.de www.familienhandbuch.de Bücher: „Trennung als Aufbruch“ von Mathias Jung „Wenn der Partner geht“ von Doris Wolf

5|2011 LiVe 19


Das Thema: Liebe

Rudolf Riepe twistet auf dem Tanzparkett in der Stadtmühle.

Tanztee? Aber bitte mit Twist und Rock ’n’ Roll … In der Stadtmühle in Haltern am See treffen sich jeden Sonntag rüstige Senioren zum Tanztee. Wer öden Walzer, Schunkel-Schnulzen und Langeweile erwartet, wird enttäuscht. Text von Tobias Kindel, Fotos von Marco Stepniak.

20 LiVe 5|2011


Die Lichtorgel verbreitet ihr buntes Farbenfeuerwerk, die Discokugel dreht sich, und aus den Boxen schallt Lou Begas „Mambo No. 5“. Die Tanzfläche in der Stadtmühle Haltern ist gut gefüllt, und Heinz legt mit seiner Gitta eine flotte Sohle aufs Parkett. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn Heinz nicht schon 81 Jahre alt wäre und Gitta 74! Zusammen kommen sie auf 155 Jahre, aber beim Tanzen scheint das Pärchen das Alter zu vergessen. Wie frisch Verliebte gleiten sie über die Tanzfläche. Er im hellblauen Hemd mit Krawatte, sie im schwarzen Kostüm mit Blümchenmuster. „Wir lieben die flotten Tänze, wir wollen keinen Walzer“, erzählt die Flaesheimerin. Vor 16 Jahren lernte sich das Paar beim sonntäglichen Tanztee in der Stadtmühle kennen – und lieben.

Der Tanztee der Stadtmühle ist ein Phänomen: Auf dem Parkplatz stehen Autos aus Recklinghausen, Gelsenkirchen und Münster. Weit über die Stadtgrenzen hinaus ist das Tanzlokal bekannt, die jüngsten Gäste sind 30, die ältesten über 90 Jahre alt. Gut 200 bis 300 Leute lockt die Veranstaltung jeden Sonntag zwischen 15 und 20 Uhr in die Stadtmühle. „Manche stehen aber schon um 14 Uhr vor der Tür, denn sie wollen immer am gleichen Tisch sitzen. Unsere Stammgäste sagen sogar Bescheid und melden sich ab, wenn sie in den Urlaub fahren“, erzählt Chefin Frauke Sternfeld. Die Faszination des Tanztees erklärt die 46-Jährige mit den kurzen blonden Haaren so: „Tanzen und Musik erzeugen positive Schwingungen, das macht sich auch bei der Gesundheit bemerkbar. Die Leute kommen hierher, um

Gute Freunde: Wilfried Zimmermann (70) und Gisela Prott (49) treffen sich oft zum Tanzen.

sich in angenehmer Atmosphäre zu treffen.“ Die Kleidung der Gäste ist extravagant und schick: Die Herren sitzen fast alle mit Hemd und Krawatte am Tisch, die Damen tragen Kostüme, Kleider oder Blazer. „Es ist durchaus konservativ hier, aber im positiven Sinne. Hier kennen die Gäste noch Anstand und Sitte. Uns Frauen wird in den Mantel geholfen, der Stuhl wird zurecht­ gestellt. Wo findet man so etwas denn noch heutzutage?“, fragt die Geschäftsführerin. Ihr Mann Dirk Sternfeld ergänzt: „Das ist die alte Schule, aber die ist eben doch nicht out! Gerade die Frauen wollen in unserer 5|2011 LiVe 21


FAHRRADHAUS



Der Fachhändler für

Elektro-Fahrräder der Marken

FLYER • RALEIGH GAZELLE • WINORA VSF FAHRRADMANUFAKTUR KREIDLER FALTER • SIMPLON RABENEICK Barkhausstraße 54 - 45768 Marl Telefon 0 23 65 /14317 www.fahrradhaus-mueller.de

Rechtsanwälte & Notar

Voß, Bruns & Riepenhoff Notar und Fachanwalt für Familienrecht

Hans-Gerd Voß

Tätigkeitsschwerpunkte: Scheidungs- und Unterhaltsrecht Vermögensauseinandersetzung · Erbrecht

Fachanwalt für Verkehrsrecht

Wolfgang Bruns

Tätigkeitsschwerpunkte: Verkehrsunfallrecht Miet- und Pachtrecht · Strafrecht

Fachanwalt für Arbeitsrecht

Hans-Bernd Riepenhoff Tätigkeitsschwerpunkte: Kündigungsschutz · Betriebsratsvertretung Sozial- und Rentenrecht

Rechtsanwältin

Serap Bayraktar Tätigkeitsschwerpunkte: Familienrecht · Mietrecht

Kurt-Schumacher-Str. 8-10 45699 Herten Tel. 0 23 66 / 5 49 40 Fax 0 23 66 / 54 94 11 www.recht-herten.de info@recht-herten.de 22 LiVe 5|2011

Chefin in der Stadtmühle: Frauke Sternfeld (l.) hat das Tanzlokal erst vor wenigen Wochen

modernen Zeit gerne noch mit viel Anstand behandelt werden.“ Erst vor einigen Wochen übernahm Frauke Sternfeld die Stadtmühle vom Vorbesitzer. Ihr Mann muss schmunzeln, wenn er daran denkt. „Eigentlich wollten wir uns hier in Haltern zur Ruhe setzen. Wir haben uns schon in der Nähe ein Häuschen gekauft. Aber ich war Zeit meines Lebens Unternehmer, ich kann nicht ohne Aufgabe sein“, erzählt der Gelsenkirchener. Die Wände im Innenraum wurden neu gestrichen, jetzt erstrahlt alles im edlen Rot, das passt harmonisch zum dunkelbraunen Holz im Tanzraum. Auch die Aussicht ist einzigartig: Aus dem Wintergarten fällt der Blick direkt auf den Halterner Stausee, auf dem glitzernden Wasser hält das Fahrgastschiff „Möwe“ seinen Winterschlaf. „Im Sommer ist die Aussicht noch besser, den Biergarten wollen wir entsprechend weiter ausbauen“, erzählt Dirk Sternfeld von seinen Plänen. Auf der Tanzfläche schwoft der 62-Jährige mit Ulla und Mia. Die beiden kommen fast jeden Sonntag aus dem Ruhrgebiet

nach Haltern, nur um beim Tanztee dabei zu sein. Ulla wippt mit dem Fuß, sie wartet auf das nächste flotte Lied. „Nur weil ich 70 Jahre alt bin, gehöre ich doch nicht zum alten Eisen. Der Discjockey soll mal ein bisschen flottere Musik machen, damit wir ein bisschen zappeln können.“ Sie muss selber laut lachen über das Wort zappeln. Die 70 Jahre sieht man ihr nicht an, ihre weiße Bluse ist mit modernen Ornamenten verziert, die Brille ist fesch und die blonden Haare sind kurz und frech geschnitten. Dieses Jahr feiert Ulla goldene Hochzeit, und kurz huscht ein Schatten über ihr Gesicht. „Mein Ehemann ist schwer krank. Aber ich bin fast jeden Sonntag hier, es ist für mich Erholung. Mein Mann lässt mich gehen, weil er weiß, dass mir hier nichts passieren kann“, erzählt sie. Auch ihre Freundin Mia bestätigt das: „Das ist eben kein billiger Anmach-Schuppen, sondern mehr wie ein eigenes Wohnzimmer mit netten Leuten. Frauen werden hier mit Respekt behandelt.“ Gerade deswegen findet mancher hier auch die Liebe seines Lebens. So wie Klaus


übernommen. Ihr Mann Dirk animiert die Gäste und fordert Ulla und Mia zum Tanz auf.

aus Dortmund. Seine grauen Haare sind ordentlich gescheitelt, er trägt ein kariertes Sakko mit einem roten Einstecktuch und eine gestreifte Krawatte. Der 68-Jährige trennte sich vor fünf Jahren von seiner Frau, wollte aber danach nicht alleine alt werden. „Bei Frauen guck ich zuallererst, ob sie blond sind“, sagt er und lacht laut. In der Stadtmühle fiel ihm eine hübsche Dame auf. „Mir gefiel ihr Aussehen und ihre Figur. Wir haben zusammen getanzt und siehe da: Wir kannten uns längst! Vor zwanzig Jahren sind wir uns mehrfach in Wesel begegnet. Damals habe ich aber nur mit ihrer Freundin getanzt. Heute sind wir zusammen, und das mit ihrer Freundin kriege ich natürlich fast täglich aufs Brot geschmiert …“ Die Chefin Frauke Sternfeld schmunzelt: „Die Liebe hört doch nie auf! Das fängt mit 16 Jahren an und ist mit 100 Jahren noch nicht vorbei …“ Und die Lust zu tanzen vergeht offenbar auch nie. Rudolf Riepe jedenfalls liebt Rock ’n’ Roll und Twist. Als die Musik fetziger wird, stürmt er auf die Tanzfläche. Er

twistet bis runter auf die Knie, wirbelt über das Parkett wie ein Derwisch. Und das mit 68 Jahren! „Ich bin mit meiner Frau Marianna jeden Sonntag hier. Tanzen ist Sport, das hält gesund. In den Fernsehsessel setzen kann ich mich später ja immer noch.“ DJ Rally freut sich über die rüstigen Tänzer. Er kennt die Musikwünsche der Gäste ganz genau: „Ich spiele alles, was tanzbar ist, aber nichts mit BallermannNiveau“, erklärt der Discjockey. Und Dirk Sternfeld lacht: „Hier sind einige sehr gute Tänzer dabei. Erst spricht man am Tisch über Krankheiten, und wenn der DJ einen Twist spielt, stürmen alle auf die Tanzfläche!“

INFO & TIPPS Die Stadtmühle Zu den Mühlen 60 45721 Haltern am See Tel.: 0 23 64 / 16 90 27 www.diestadtmuehle.de

5|2011 LiVe 23


Das Thema: Liebe Wollen wir nicht auf die Schnelle heiraten? Ăœber eine Zeitungsannonce haben sich Agnes (84) und Siegfried (82) Denninghaus vor 36 Jahren kennen gelernt. Dann ging alles ruckzuck, und bereits nach drei Monaten heirateten der Bergmann und die Reinigungskraft. Seit zweieinhalb Jahren wohnen sie im Pflegezentrum Hohbrink in Recklinghausen.

24 LiVe 5|2011


Die Ehe gibt einer Beziehung einen Rahmen Doch so weit denken die beiden 19-J辰hrigen noch nicht. Aktuell stehen f端r Nicole Twardzik und Moritz Immohr die Abiturpr端fungen im Mittelpunkt. Seit der f端nften Klasse sind sie in einer gemeinsamen Stufe auf dem Willy-Brandt-Gymnasium in Oer-Erkenschwick. In eineinhalb Jahren Beziehung haben sie schon viel zusammen erlebt, wie einen Urlaub auf Malta.

5|2011 LiVe 25


Jeden Tag den Moment neu leben Auch nach zwei Jahren Zusammensein kehrt bei Katrin Borgmann (27) und Lars Daehnicke (33) keine Beziehungsroutine ein. Sie haben sich 端ber einen gemein足 samen Freund kennen gelernt. Beide arbeiten im Schichtdienst, er als Montagearbeiter bei Opel und sie als Hebamme im St. Rochus-Hospital in Castrop-Rauxel. Der Umzug in eine gemeinsame Wohnung steht kurz bevor.

26 LiVe 5|2011


Im Alter erlebt man alles intensiver Rita Hölter (58) und Karl-Heinz Schmidt (66) haben sich über das Internet vor rund neun Monaten kennen gelernt. Schnell stand der Entschluss fest, zusammenzubleiben. Den Luxus der Freizeit und Freiheit im gemeinsamen Ruhestand haben die beiden noch nicht ganz realisiert. Oft fragen sie sich: „Wann ist der Urlaub eigentlich vorbei?“

5|2011 LiVe 27


Das Thema: Liebe

Liebe – in guten wie in schlechten Zeiten Seit über 60 Jahren sind Alfred und Margrit Thum verheiratet. Jetzt geht es seiner Frau gesundheitlich schlechter. Und obwohl er selbst 80 Jahre alt ist, pflegt Alfred sie zu Hause. Text von Tobias Kindel, Fotos von Marco Stepniak. Vorsichtig hilft Alfred Thum seiner Frau Margrit aus dem Sessel. Die beiden wollen einen kleinen Frühlingsspaziergang machen. Doch Margrit kann nicht mehr richtig laufen, muss in einen Rollstuhl gesetzt werden. Die 79-Jährige hat Probleme mit der Hüfte und ihrem Fuß. Ihr Mann – selbst stolze 80 Jahre alt – hilft ihr, wo er kann. Seit über 60 Jahren sind die beiden verheiratet. Und Alfred liebt seine Frau – in guten wie in schlechten Zeiten … „Sie lag sehr schlimm im Krankenhaus, sollte schon ins Pflegeheim gebracht werden. Aber ich habe gesagt, meine Frau kommt da 28 LiVe 5|2011

nicht hin. Ich hole sie wieder nach Hause. So lange, wie ich kann, versorge ich sie. Das ist doch klar“, sagt der 80-Jährige und seine Frau lächelt zu ihm rüber. Unterstützt wird er dabei vom Pflegedienst, der täglich bei den beiden vorbeischaut. Das Ehepaar Thum wohnt im betreuten Wohnen der Caritas Gladbeck in einem eigenen kleinen Haus. Es ist hell und offen, ebenerdig und seniorengerecht eingerichtet. Die Türen sind breit, die Durchgänge barrierefrei und im Badezimmer gibt es Haltestangen zum Aufstehen. „Sogar einen kleinen Garten haben wir hier“,

sagt Alfred. „Jetzt im Alter hab ich endlich ein eigenes Haus“, lacht er. Seine Frau ist praktisch rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Margrit weiß, was sie an ihrem Alfred hat. Sie sagt: „Er hat schon viel mitgemacht mit mir. Hätte er mich damals doch bloß stehen gelassen.“ Doch ihr Mann lacht nur und tut diesen Einwand mit einer raschen Geste ab. Die beiden blicken zurück auf ein spannendes und bewegtes Leben. Alfred lehnt sich auf der Couch zurück und erzählt mit einem Blitzen in den Augen von vergangenen Tagen. Obwohl sein Haar


Halten immer zusammen: Margrit und Alfred Thum sind glücklich verheiratet.

grau ist und das Gesicht faltig, lächelt er dabei immer noch so schelmisch wie ein kleiner Junge. Wenn er beispielsweise von seinen unzähligen Fluchten aus der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) berichtet. Schon als 15-Jähriger musste er kurz nach dem Krieg aus der DDR fliehen. „Ich habe damals Frisör gelernt. Plötzlich hieß es: Alfred, die Polizei sucht dich, die wollen dich zum Verhör holen. Da bin ich – jung, wie ich war – in den Westen geflohen.“ Sein Weg aus Sachsen bis ins Ruhrgebiet war sehr abenteuerlich: Über Leipzig, Hannover, Borkum, Aurich und Emden führte sein Weg, bis er schließlich im Ruhrgebiet ankam. „Unter Tage“ landete er nicht, sondern bei der Gelsenberg Benzin AG in Gelsenkirchen Horst. „Das war nach dem Krieg von Bombenangriffen völlig

zerstört, ein Trümmerhaufen. Als Maurer habe ich da damals angefangen“, erzählt er. Für 62 Pfennig in der Stunde malochte er, lebte mit 24 Mann in einem Zimmer. 1948 – da war Alfred 17 Jahre alt – lernte er seine jetzige Frau kennen. Sie war erst 16. Beide wissen noch genau, wo sie sich das erste Mal trafen. Das ist immerhin schon mehr als 60 Jahre her. „Ich war mit einigen Kollegen im Kino, und auf dem Rückweg sahen wir auf der Straße einige hübsche Mädchen“, sagt Alfred. „Sie war auch dabei“, fügt er hinzu und deutet auf seine Frau. „Einen Tag später habe ich sie wiedergesehen. Sie schaute aus dem Fenster, und als ihre dunklen, schwarzen Augen leuchteten, war es um mich geschehen.“ Liebevoll guckt er zu Margrit rüber. „Ich habe nur gedacht, der hat aber schöne schwarze Haare“, lacht sie. Was war das lustigste Erlebnis in der gemeinsamen Ehe? „Wir sind anfänglich oft umgezogen. Bei einem Umzug wurden meine Fische im Aquarium einfach gekocht. Jemand hatte es auf den Ofen gestellt und vergessen“, erzählt Alfred lachend. Was ist das Geheimnis ihrer langen Ehe? Alfred überlegt kurz. „Man muss auch mal zurückstecken können. Nicht immer alles übel nehmen“, sagt er. Seine Frau mischt sich ein: „Ich knurr schon mal eher als er.“ Alfred lacht und sagt: „Stimmt, ich war immer schon eher der ruhigere Ausgleich. Was aber ganz wichtig ist: Man kann sich mal zanken, aber abends vor dem Schlafengehen muss man sich immer einen Gute-Nacht-Kuss geben!“

INFO & TIPPS Seniorenberatung Stadt Gladbeck Fritz-Lange-Haus Friedrichstraße 7 45964 Gladbeck Tel.: 0 20 43 / 99 27 75

5|2011 LiVe 29


Das Thema: Liebe

Nacktbadestrand – offene Worte über Sex Autorin Elfriede Vavrik ist am 19. April Gast bei den Hertener Gesprächen. Die 81-Jährige hat mit ihrem Buch „Nacktbadestrand“ für viele Schlagzeilen gesorgt. Wir haben für Sie eine kleine Leseprobe. Foto von Bubu Dujmic.

Elfriede Vavrik gibt mit 79 Jahren ihre Buchhandlung auf. Als ihr zu Hause die Decke auf den Kopf fällt und sie wegen Schlafstörungen einen Arzt konsultiert, will dieser ihr keine Tabletten verschreiben. „Suchen Sie sich lieber einen Mann“, rät er ihr. In ihrem Alter? – Kurzerhand setzt Elfriede Vavrik den Rat um. Die Erlebnisse hält die heute 81-Jährige in ihrem Buch „Nacktbadestrand“ fest. Provokant, teils sehr direkt und komisch schreibt Vavrik über ihren abenteuerlichen Weg zurück ins Liebesleben. Dabei nimmt die Österreicherin oftmals kein Blatt vor den Mund und beweist: Sexualität ist keine Frage des Alters. „Eine Achtzigjährige stürzt sich ins Sexleben und schildert 30 LiVe 5|2011

ihre Erfahrungen ohne alle Hemmungen“, trifft es eine Rezension der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf den Punkt. Beim Schreiben inspirierte Vavrik die Kolumne „Pandoras Box“ im Männermagazin „Wiener “ zum Schreiben der erotischen Kurzgeschichten und des authentischen Berichts. Bei den nächsten Hertener Gesprächen haben Sie die Möglichkeit, die Autorin kennen zu lernen. Am 19. April liest sie im Forum der Rosa-Parks-Schule Herten, FritzErler-Straße 2, aus ihrem Buch. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr. Bürgerfunkmoderatorin Ruth Heine diskutiert im Anschluss mit der Bestsellerautorin. Einen kleinen Vorgeschmack gibt es schon jetzt. Lesen Sie selbst!

INFO & TIPPS Veranstalter: Haidhausen-Verlag GmbH Agentur AufEwald Lise-Meitner-Straße 11 45699 Herten www.haidhausen-verlag.de Sponsoren: Sparkasse Vest in Herten Schettler Unternehmungen Pflegeeinrichtungen Kirsch KG Rosa-Parks-Schule Hotel am Schlosspark Medienpartner: LiVe, wm.tv www.hertener-gespraeche.de


[…] Ich lud ihn in meine Wohnung ein. Wir stiegen in sein Auto und fuhren zu mir. Es war natürlich klar, worauf das hinauslaufen würde. Ich kochte Kaffee und wollte ihn fragen, ob er schon einmal etwas mit einer älteren Dame wie mir gehabt hatte. Stattdessen machte ich ihm ein Kompliment über sein dichtes Haar. Er nahm einen Schluck Kaffee und griff mir mit den Fingerkuppen hinters Ohr. »Ich bin ja glücklich«, sagte er, »und meine Frau ist auch glücklich, glaube ich. Aber etwas fehlte mir immer. Dir fehlt auch etwas, nicht?« »Das kann man so sagen.« »Bin ich der erste jüngere Mann für dich?«, kehrte er die Frage um, die ich selbst stellen wollte. »Ja«, antwortete ich. Es gefiel mir, dass er die Initiative ergriff. »Ich bin also so etwas wie eine Jungfrau«, sagte ich. »Du musst aufpassen. Wer weiß, ob ich noch weiß, wie das geht.« »Man verlernt es nicht«, lachte er und küsste mich auf die Wange. Wie Autofahren, dachte ich. Autofahren hatte ich während des Winters nicht

verlernt. Aber mit jemandem schlafen? Nach vierzig Jahren? Sex? Was ist der Maßstab dafür, dass man gut darin ist? Wenn er glücklich macht? Mich hat er mit ganz wenigen Ausnahmen nie glücklich gemacht und auch bei diesen Ausnahmen nicht richtig. Folglich konnte ich es nie. Folglich nützte es nichts, dass man es nicht verlernt. Ich wollte noch etwas Zeit vergehen lassen, ehe wir das Schlafzimmer betreten würden. Ich fragte ihn noch ein wenig nach seiner Familie. Und jetzt fragte ich ihn auch, ob er öfter zu anderen Frauen gehe. Er verneinte. Dass er auch unerfahren sei in dieser Sache, lachte er. »Ich bin eigentlich ganz treu, aber seit einem Jahr bin ich irgendwie unglücklich. Und jetzt habe ich es nicht mehr ausgehalten«, sagte er. »Und ich bin immerhin keine Konkurrenz für deine Frau«, sagte ich. »Langfristig.« In meiner ersten Ehe hatte mein Mann, der ebenfalls Unternehmer gewesen war, aber nicht besonders erfolgreich, überhaupt keine Zeit für mich gehabt. Ich weiß nicht, ob er eine Geliebte hatte, es inte-

ressierte mich auch nicht besonders. Er war oft auf Reisen. Und wenn er da war, schlief er kaum mit mir. Ich hatte ein sehr vertrautes Verhältnis zu einem seiner Freunde, der hauptberuflich Tänzer und nebenbei Amateur­boxer war. Sein Körper war beeindruckend schön gebaut und herrlich durchtrainiert. Wir kannten uns viele Jahre lang, ich kannte auch seine Frau und ihren gemeinsamen Sohn. Als er mir dann eines Abends den Spiegelsaal zeigte, in dem er seine Choreographien einübte, fielen wir übereinander her. Ich war damals dreißig, und es war das erste Mal, dass ich ein männliches Glied sah. Mein Mann hatte sich immer nur auf mich gelegt, und was unten passierte, hatte ich bestenfalls fühlen können. Kaiserin Maria Theresia soll sich darüber beschwert haben, dass man dabei nicht stricken kann. Mit dem Tänzer war es das erste Mal, dass es mir Spaß machte, ich hatte damals zum ersten Mal etwas wie einen Höhepunkt. Dabei hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits zwei meiner drei Söhne geboren. […]

5|2011 LiVe 31


Das Thema: Liebe

Männerprobleme Was tun, wenn der Mann im Mann versagt? – Eine Frage, die meist nur hinter vorgehaltener Hand thematisiert wird. Jetzt können Sie sie vertraulich per Telefon mit Experten besprechen. Wenn es im Bett nicht mehr klappt, kann das eine Beziehung sehr belasten, besonders wenn nicht darüber geredet und nach Abhilfe gesucht wird. Doch welche Hilfen gibt es überhaupt? Welche Ursachen stecken dahinter? Und was hilft? Fragen, die Sie alle vertrauensvoll an Fachleute am Telefon oder per E-Mail stellen können. Bei einer Telefonaktion des Medienhauses

32 LiVe 5|2011

Bauer am 21. April beraten drei Experten zwei Stunden in Sachen „Erektile Dysfunktion“ – so der medizinische Ausdruck für Erektionsstörungen. Dr. Patrick Faber (r.), Facharzt für Urologie am Prosper-Hospital in Recklinghausen, Dr. Jörg Schewe (l.), Urologe aus Marl, und Dr. Jürgen Budde (M.), Dermatologe aus Marl, befassen sich seit langem intensiv mit diesem Thema.

INFO & TIPPS Experten via Telefon & E-Mail Leitungen nur geschaltet am 21. April, 10 bis 12.30 Uhr Servicenr.: 0 18 02 / 99 88 77 (6 Cent pro Gespräch aus den deutsch. Festnetz)

telefonaktion@medienhausbauer.de


Kreatives Malen

Udo Rüping zeichnet konzentriert Gesichter. Seine Frau Gabi schaut ihm über die Schulter.

Pinselstriche gegen das innere Gefängnis Rastlos läuft Udo Rüping umher, unruhig, stets getrieben, als wäre er gefangen in einem Käfig. Was er tatsächlich ist: Udo Rüping leidet an Demenz und ist eingeschlossen in einer verlustreichen Welt. Beim kreativen Malen für Menschen mit Demenzerkrankung und ihre Angehörigen sitzt er dann bei der Caritas fast ununterbrochen am Tisch und zeichnet konzentriert. Text und Fotos von Christoph van Bürk. Seit Ingrid Töpper von der Demenzberatung der Caritas Datteln dieses Malen anbietet, haben die Rüpings in der Familienbildungsstätte einen Ruheraum gefunden. Wenn das Gedächtnis schwindet – schleichend, aber unaufhaltsam –, fühlen sich Demenzkranke fremd und fremdbestimmt. Der Verlust von Erinnerungen und Fähigkeiten macht Angst. Die Orientierung schwindet, die Anspannung wächst. Udo

Rüping fehlt sogar die Sprache. Bis auf ein „Kontrabass“, wenn ihm seine Frau das Kinderlied von den drei Chinesen vorsingt, kommt kein Wort über seine Lippen. Mit dem Malen bekommt er wieder eine Möglichkeit, sich auszudrücken. Der Kurs der Caritas ist zudem für seine Frau Gabi ein Schonraum, denn unter Anleitung von Kunstdozent Wolfgang Büse malen auch die Angehörigen. So sind sie

für ihre demenzkranken Partner, Eltern oder Geschwister in deren Nähe und können gleichsam selbst entspannen. Pflege bei Demenz stürzt Angehörige in ein Dilemma: Sie erleiden den schleichenden Verlust eines geliebten Menschen, der sich in seiner wachsenden Unsicherheit zunehmend an sie klammert, und verlieren gleichzeitig ein selbstbestimmtes Leben. „Ich bin ganz auf ihn fixiert und muss mich um ihn 5|2011 LiVe 33


kümmern wie um ein Baby“, erzählt Gabi Rüping vom 24-Stunden-Einsatz zu Hause. Rasieren, anziehen, Windeln wechseln und ihren Mann immer wieder stoppen in seinem Bewegungsdrang. Die Demenz isoliert auch die Angehörigen. Ebenso berichtet Anneliese Sporea von ständiger Sorge. Bei ihrem Mann Manfred ist die Demenz bei weitem nicht so weit fortgeschritten wie bei Udo Rüping, „doch die Angst, dass ihm etwas passiert, ist einfach da“. Angehörige leiden nicht nur unter der Trauer, sondern sind oft gereizt und selbst ausgebrannt. Deshalb ist der Kurs der Caritas auch für die Gesunden eine wichtige Entspannung. Gabi Rüping kann abschalten, mit Genuss und Muße malen, Landschaften in warmen Farben. Und sie kann sich austauschen mit Menschen, die ihr Schicksal teilen. „Das Ziel ist nicht das Bild, sondern das Handwerkliche“, erklärt Kunstdozent Wolfgang Büse. Alle seien Künstler und sollten einen Treffpunkt finden, der ihnen etwas gibt. Die Demenzkranken können ihre gesunden Fähigkeiten mobilisieren, sie sollen nicht an den permanent präsenten Verlusten hängen bleiben. „Wie

Wolfgang Büse zeigt ein fertiges Bild. Der Kunstdozent leitet den Kurs.

in allen Partnergruppen wollen wir so ein Stück Normalität leben und den Menschen vermitteln: ‚Ihr könnt noch was!‘ Im Malkurs ist alles richtig. Das gibt Sicherheit und Selbstbestätigung“, sagt Ingrid Töpper. Wolfgang Büse bringt lebensbejahende Motive wie Blumen oder Landschaften als Vorlage mit, aber auch solche aus der Arbeitswelt, die Schlüssel sein können zur Vergangenheit der Dementen. Die Ausstellung am 11. September im Foyer des St.-VincenzKrankenhauses wird das bezeugen. Sie wird Anknüpfungspunkte zeigen, die präsenter sind als der Alltag. Bilder aus dem Berg- und Stahlbau zum Beispiel. Manfred Sporea hat sich für ein Fußballmotiv entschieden.

Hat er früher selbst gespielt? „Ja, in Erkenschwick. Im Sturm. Rechter Flügel, linker Flügel, Mittelstürmer“, erzählt er begeistert und lässt mit Funkeln in den Augen die glorreichen alten Zeiten bei der traditionsreichen Spielvereinigung aufleben. Udo Rüping ist unruhiger geworden, muss immer wieder aufstehen, ehe er weiterzeichnet. Vor allem Gesichter, klare Konturen mit dem Stift statt mit Pinsel und Farbe. „Im Beruf hat er viel mit Menschen zu tun gehabt“, sagt seine Frau Gabi. „Er war Justizvollzugsbeamter.“ Ob er die Gesichter von früher im Kopf hat – keiner weiß das. Er steckt in seinem eigenen Gefängnis. Aber wenn er malt, sind die Gitterstäbe seiner Krankheit verschwunden.

INFO & TIPPS Demenzberatung der Caritas Datteln Kirchstr. 29, 45711 Datteln Tel.: 0 23 63 / 56 56 20 www.caritas-datteln.de

Sie möchten Ihre fen? Immobilie verkau Vielleicht kennenauch Wir verkaufen

wir schon den Käufer Wir verkaufen auch Ihre Immobilie! Ihrer Immobilie!

Tel. 0 23 66 – 305 200 Ihre Immobilie!

Wirwww.heeks-immo.de verfügen über langjährige www.heeks-immo.de Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Berufsbetreuern.

Tel. 0 23 66 – 305 200

Häusliche Pflege in guten Händen Diakoniestation Recklinghausen • Telefon 10 20 10 • www.diakonie-recklinghausen.de 34 LiVe 5|2011

 0 23 66 - 305 200 www.heeks-immo.de


Blitzlicht

Eine rechts, eine links … Bei Christa Koslowsky (73) und Gudrun Becker (61) dreht sich derzeit alles um farbenprächtige Wollknäuel. Die beiden kreativen Recklinghäuserinnen arbeiten seit Wochen emsig an geringelten Mützen, witzigen Schläuchen und auffälligen Umhängen. Damit werden sie bei der Frühlingsaktion „Krim – bestrickend schön“ Bäume, Geländer, Pfeiler und Laternen in der idyllischen Recklinghäuser Altstadt verschönern. Die gelernten Erzieherinnen mit der riesigen Leidenschaft für Handarbeit stricken im wahrsten Sinne des Wortes mit der heißen Nadel, denn zum verkaufsoffenen Abend in der Krim am 7. Mai m��ssen die bunten Maschen fertig sein. „Wir haben richtig Spaß an der Aktion und möchten auch anderen Leuten damit eine Freude bereiten“, sind sich Christa Koslowsky und Gudrun Becker einig. „Als wir den Pfeilern in der Münsterstraße kleine Mützen zur Probe aufgesetzt haben, haben schon alle Passanten geschmunzelt …“

Hilfe für Rheumakranke Wer mit Rheuma leben muss, braucht Unterstützung, aber auch Eigeninitiative. Die Deutsche Rheuma-Liga NRW bietet Raum für beides. Die Ehrenamtlichen in den Arbeitsgemeinschaften der Deutschen Rheuma-Liga NRW unterstützen und beraten auch in Ihrer Nähe. In Castrop-Rauxel, Datteln (Foto), Dorsten, Recklinghausen und Waltrop engagieren sich Ehrenamt­ liche für Rheumakranke im gesamten Vest. www.rheuma-liga-nrw.de oder Tel.: 02 01 / 82 79 70

Über 75 Jahre im Dienste Ihrer Gesundheit

Vertrauen · Kompetenz · HornHeide Deutschlands größtes Hauttumorzentrum Hauttumorzentrum Hornheide - Münster an der Fachklinik Hornheide Dorbaumstraße 300 · 48157 Münster · Telefon: 0251-3287-0 · Fax: -299 · E-Mail: htz@fachklinik-hornheide.de www.hauttumorzentrum.ms · www.fachklinik-hornheide.de

5|2011 LiVe 35


Wohlfühlen

Glück gehabt Christiane Gruska trainiert das Glücklichsein. Text von Stephanie Pohl, Fotos von Bianca Munker. Daraus lässt sich doch eine prima Frage für eine TV-Quizshow entwickeln: Ein Junge kommt von der Schule heim. Auf die Frage der Mutter, was denn dort los gewesen sei, antwortet Magnus: „Ich hab heute Glück gehabt.“ Die Frage: In welcher Stadt wohnt der Bub? Ist es Oer-Erkenschwick, Berlin, Heidelberg oder Recklinghausen? Ganz einfach. „Heidelberg“ ist die richtige Antwort. Dort an der Willy-Hellpach-Schule steht das Unterrichtsfach „Glück“ auf dem Stundenplan. Das Lernziel: Die Jugendlichen sollen empfänglich für Glücksmomente sein und sich Wege für ihr eigenes dauerhaftes Glück suchen können. „Das ist großartig und müsste an unseren Schulen ebenfalls gelehrt werden“, schwärmt Christiane Gruska. Die 48-Jährige setzt sich beruflich mit dem Phänomen „Glück“ auseinander. Sie ist ausgebildete Glückstrainerin. Übrigens die einzige ihrer Profession im Kreis Recklinghausen, wie sie sagt. Bis auf das Engagement im Naturschutz und das Hobby Samba-Musikerin verlief das Leben der gebürtigen Hertenerin zunächst recht konventionell. Architekturstudium, in einem Architekturbüro gearbeitet, zuletzt in einem Bauordnungsamt. Dann 2006 las sie das Buch „Mary. Die unbändige, göttliche Lebenslust“. In einer Literaturbesprechung ist festgehalten: „Vor36 LiVe 5|2011

sicht! Dieses Buch enthält ein Glücksvirus, das beim Lesen unbeabsichtigt aufgenommen werden kann. Dieses Virus ist hochinfektiös und nicht heilbar.“ Christiane Gruska hat sich zweifelsfrei angesteckt. Über die Symptome sagt sie: „Einfach nur genial dieses Buch. Da steht auf wenigen Seiten hintereinander geschrieben, wofür ich vorher Jahre gebraucht habe.“ Sie gab den sicheren Beruf im öffentlichen Dienst auf. Stattdessen entschied sie, dem Glücksgeheimnis auf die Spur zu kommen und die Erkenntnisse anderen zu vermitteln. An zehn Wochenenden ließ sie sich als Glückstrainerin ausbilden. Darauf aufbauend qualifizierte sich Christiane Gruska zusätzlich als „Positiv Fühlen“Trainerin. Was sind die Grundlagen der Ausbildung? „Es sind Erkenntnisse aus der Verhaltens-, Gehirn- und Glücksforschung. Es geht immer darum, eigene Emotionen zu beherrschen und dabei das persönliche Glücksempfinden im Alltag zu steigern. Menschen neigen häufig dazu, auf den Mangel zu gucken. Sie schauen nicht darauf, was sie haben. Im Glückstraining übe ich mit den Klienten, die Wahrnehmung aufs Positive zu richten.“ Die Trainingseinheit, wie läuft die ab? Ein Glückstraining ist ein Einzelgespräch. Es dauert zwei Stunden. „Nachdem wir

Christiane Gruska strahlt übers ganze Gesicht. Die Glückstrainerin ist passionierte SambaMusikerin.


uns kennen gelernt haben, spreche ich mit dem Klienten zunächst über das Thema, das ihn zu mir geführt hat. Im Gespräch erarbeiten wir gemeinsam die bestmögliche emotionale Lösung. Das Ergebnis integrieren wir mit einfachen Übungen in das Leben, damit die Ziele möglichst leicht und mühelos umgesetzt werden können.“ In den „Positiv Fühlen“-Kursen wird in Kleingruppen gearbeitet. Die Gretchenfrage, die sich aufzwingt: „Hand aufs Herz, Frau Gruska. Sind Sie als Profi unentwegt glücklich?“ „Nein“, gesteht sie. Ab und an ist die Glücksschmiedin auch mal nicht gut drauf. „ Das hält aber nicht lange an. Ich hab mich zum Beispiel von der Disziplin Fettnapf-Zielspringen verabschiedet. Ich steigere mich auch nicht mehr in schlechte Gefühle hinein.“ Wobei diese allerdings grundsätzlich wichtig seien: „Sie machen mich darauf aufmerksam, dass ich irgendetwas nicht gut finde. Ich muss prüfen, ob was geändert werden sollte, um die Situation zu verbessern. Nie muss man in schlechten Gefühlen verharren.“ Das Internet-Wissensportal „Wikipedia“ zeugt übrigens davon, wie Fragen nach dem Glück bewegen. Das Wort eingegeben, erscheinen 24.700.000 Treffer. Einer davon ist dieser Satz von Erich Kästner: „Das Glück ist keine Dauerwurst, von der man täglich eine Scheibe herunterschneiden kann.“ Christiane Gruska hadert mit der Weisheit des Schriftstellers. Sie kontert: „Doch! Jederzeit kann ich schneiden. Ich muss mich nur dazu entscheiden, zu schneiden ...“

Verlassen Sie sich auf uns: Kein Zusatzbeitrag 2011 + 2012 Kann Ihre Krankenkasse das auch? Kommen Sie jetzt ganz einfach zu uns.

INFO & TIPPS Christiane Gruska Achtenbecksweg 7 b 45699 Herten Tel. 0 23 66 / 58 46 03 www.glueck-l-ich.com

Servicenummer

0800 222 12 11

www.bkkvorort.de 5|2011 LiVe 37


Im Ausland unterwegs

Einsatz für echte Experten Auf die faule Haut legen? Nichts für Menschen wie Ulf-Christoph Tobler und Johannes Pelz. Die beiden gehören zu den mehr als 9.000 ehrenamtlichen Fachkräften, die sich vom Senior Experten Service (SES) ins Ausland vermitteln lassen. Text und Fotos von Ramona Vauseweh.

Ulf-Christoph Tobler, Jg. 1943, Marl, Hotelkaufmann und Geschäftsführer, Senior Experte seit 2002, bisher im Einsatz in Bolivien, Bulgarien, Kasachstan, Indonesien, Litauen, Madagaskar, Rumänien, u. a.

38 LiVe 5|2011

Eine tolle Chance Je ärmer das Land, desto wunderbarer die Menschen. Das ist Ulf-Christoph Toblers Eindruck. In zwanzig Einsätzen für den SES hat er seine tatkräftige Unterstützung im Hotelfach angeboten. Von reibungslosen Abläufen in der Kü-

che über die Aufgaben an der Rezeption bis hin zum Tischeindecken lässt sich jede Menge Wissenswertes vermitteln. Der Profi hat sogar dabei geholfen, eine Hotelfachschule aufzubauen. Die Herausforderung dabei: Keiner wisse, was einen vor Ort erwarte. „Manchmal sind nicht einmal Messer,


Es gibt viele gute Gründe abzunehmen -Noch der wichtigste Grund ist ihre Gesundheit. mehr GruppeNkurse Noch mehr GruppeNkurse Noch mehr GruppeNku Jetzt Jetzt auch mit einzelbetreuung

auch mit einzelbetreuung

Jetzt auch mit

einzelSeine Motivation? „Ich möchte mein betreuung Wissen weitergeben, solange es geht“, ist die spontane Antwort, „Kontakt zu www.gesundheit-herten.de Menschen hält mich jung.“ Jeder Aufentwww.gesundheit-herten.de Starten Sie mit uns in ein leichtereswww.gesundheit-herten.de Leben Starten Sie erfolgreichen mit uns in ein leichteres Leben nach dem Ernährungskonzept Starten Sie mit uns in ein leichteres Leben Starten Sie mit uns in ein leichteres Leben halt sei eine wunderbare Chance, neue nach dem erfolgreichen Ernährungskonzept von “Leichter leben in Deutschland”. nach dem erfolgreichen Ernährungskonzept nach dem erfolgreichen Ernährungskonzept von „Leichter leben in Deutschland“. von “Leichter leben in Deutschland”. von “Leichter leben in Deutschland”. Länder und Kulturen kennen zu lernen, • 1/4 Million Teilnehmer bundesweit • 71/2 kgMillion Gewichtsverlust Schnitt • 1/4 Million Teilnehmer bundesweit • 1/4 Million Teilnehmer bundesweit Teilnehmer im bundesweit findet Ulf-Christoph Tobler.• 7 kg ErGewichtsverlust war bei im Schnitt•••ohne Diät und ohneim Hunger 7 kg Gewichtsverlust Schnitt • 7 kg Gewichtsverlust im Schnitt • ohne Diät und ohne Hunger • ohne Diät und ohne Hunger •Weitere ohne DiätInfos und ohne Einheimischen zum Ramadan zu Gast, im Hunger Internet oder in Ihrer Beraterapotheke Weitere Infos im Internet oder in Ihrer Beraterapotheke Weitere Infos im Internet oder in Ihrer Beraterap in Tadschikistan zum Frühlingsfest eingeladen, „im kasachischen Aktau hat Ewaldstraße 7 * 45699 Herten Kaiserstraße 62 * 45699 Herten man für uns Experten eine Ewaldstraße kleine 7Auf* 45699 Herten Kaiserstraße 62 * 45699 Herten Ewaldstraße 7 * 45699 Herten Kaiserstraße 62 * 456 Tel. (02366) 3 59 17 Tel. (02366) 13 94 Tel. (02366) 3 59 17 Tel. (02366) 13 94 Tel. (02366) 3 59 17 Tel. (02366) 13 führung mit Gesang und Modenschau NÄCHSTER KURSBEGINN: 17.05.2011 veranstaltet“. Der SES kümmert sich um Dolmetscher, die aus dem Englischen in die Landessprache übersetzen, „ich mache auch gerne viele erklärende Zeichnungen an der Tafel“. Doch ganz ohne Stolperstei ne vergeht kaum eine Tour. Besonders unangenehm war die Autopanne in der  Steppe Nordkasachstans bei minus 35     Grad, „in Taschkent wurde ich sogar verhaftet“, erzählt der Reisende. Ein unvergessliches Erlebnis dagegen „die einsame Radtour durch den heißen Süden Madagaskars, die ich nach einem Einsatz unternommen habe“. Viele Freundschaften sind bei den Einsätzen entstanden. „Nur wenige Freunde können eine Reise nach

  

Ulf-Christoph Tobler (l.) neben einem Einheimischen zu Gast auf dem Frühlingsfest in der Nähe von Ayni/Tadschikistan.

Gabeln oder Tischtuch vorhanden – man muss improvisieren können“, sagt der Experte gelassen. Von Schlafsack bis Luxussuite, von Hirseeintopf bis FünfGänge-Menü habe er alles erlebt. „Kein Geld und wir sollen das Restaurant auf Vordermann bringen – das ist der Kitzel, der mir stets aufs Neue Spaß macht!“

Deutschland bezahlen“, bedauert der Experte. „Aber ich sitze daheim fast jeden Abend am PC oder am Telefon – so bleiben wir in Verbindung.“ Und der Kontakt zu den SES-Kollegen tut gut: „Es sind ganz tolle Menschen dabei.“ Weitere erfolgversprechende Einsätze in der Zukunft: „Immer wieder gerne!“ 5|2011 LiVe 39


Johannes Pelz, Jg. 1950, Dorsten, Industriekaufmann, Leiter Logistik, Betriebswirt, Senior Experte seit 2005, bisher im Einsatz neben Schulungen in Deutschland in Albanien, Bulgarien, Paraguay, Usbekistan.

Auf Erfahrung kommt‘s an Als er noch klein war, waren Auslandsreisen viel zu teuer. Nun fährt Johannes 40 LiVe 5|2011

Pelz in ferne Kontinente, um seine Berufserfahrung weiterzuvermitteln. Maschinen für eine günstigere Produktion besorgen, Obst und Gemüse haltbar verpacken, Zutaten beschaffen, Rezepte variieren – „Volleipulver statt frische Eier, denn in Paraguay ist der Sommer heiß“, nennt der Fachmann nur ein Beispiel. Seine Arbeit als kaufmännischer Leiter einer Schulmensa lässt nur kurze Touren von vier Wochen zu, „bevor ich wieder abreise, erarbeiten wir einen Maßnahmenkatalog für die kommende Zeit“. Von daheim hält der Experte dann via Internet Kontakt:

„Wenn ich einen Auftrag übernommen habe, zeige ich vollen Einsatz!“ Zur Vorbereitung gehört stets eine gründliche Recherche online und in der Bibliothek. Englisch kann Johannes Pelz fließend, ein bisschen Spanisch und Portugiesisch dazu. Für Usbekistan habe er sich ein paar Brocken Russisch angeeignet, erzählt er, „und wenn gar nichts anderes mehr geht: Ich bin ein begnadeter Schauspieler“. Seine Sprachkenntnisse hält er per Chat und EMail fit. „Durch meine Einsätze kann ich langjährige Chatfreunde in ihrer Heimat besuchen.“


INFO & TIPPS Der SES ist die Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit. Er vermittelt ehrenamtliche Fachleute aus mehr als 50 Branchen. 9.106 Senior Expertinnen und Experten sind registriert. Mehr als 23.000 Einsätze in 160 Ländern wurden in 27 Jahren durchgeführt. Aufenthaltsdauer: in der Regel vier bis sechs Wochen, höchstens sechs Monate. Durchschnittsalter der reisenden Fachkräfte: 67 Jahre. Frauenanteil: 13 Prozent. Kontaktdaten Buschstraße 2, 53113 Bonn Postfach 22 62, 53012 Bonn Gundi Crombach Tel.: 02 28 / 26 09 0-75 g.crombach@ses-bonn.de www.ses-bonn.de

Johannes Pelz mit Marktfrauen und deren Familien auf dem Basar in Xiva. So lernt er schnell Leute kennen.

Vor Ort knüpft der offene Reisende schnell neuen Kontakt. Die Marktfrauen von Xiva (Usbekistan) seien ganz fasziniert gewesen, einen Fremden kennen zu lernen, hat Johannes Pelz festgestellt. „In Südamerika konnte ich am Wochenende mit dem Juniorchef meiner Einsatz­ firma die Wasserfälle von Iguazú besu-

Preisträger des Vestischen Unternehmenspreises 2009

www.pflegeeinrichtungen-kirsch.de Wohn- & Pflegezentrum Gertrudenau Herten - Scherlebeck Tel. 0 23 66 / 945 - 0 Wohn- & Pflegezentrum Auguste Victoria Marl - Hüls Tel. 0 23 65 / 69 89 - 000 Wohn- & Pflegezentrum Bartholomäus Marl - Polsum Tel. 0 23 65 / 69 99 - 000 Wohn- & Pflegezentrum Hohbrink Recklingh. - Hochlar Tel. 0 23 61 / 30 60 - 000 Ambulanter Pflegedienst Kirsch Tel. 0 23 66 / 945 - 308 Tagespflege “Mittelpunkt Mensch” Marl - Hüls Tel. 0 23 65 / 69 89 - 540

chen“, nennt er eins der Highlights seiner Fahrten, „in Usbekistan hatte ich sogar Familienanschluss.“ In Deutschland ist Johannes Pelz seit drei Jahren in einem Schulprojekt des SES aktiv. „Ich bin bei einer Dorstener Hauptschule Bewerbungshelfer und Ausbildungspate.“ Außerdem bildet er die Jugendlichen im Umgang mit dem Computer aus, „da können manchmal auch die Lehrer noch was lernen“, schmunzelt er. Jetzt heißt es aber erneut den Rucksack packen: „Anfang April geht es zu einem Einsatz nach Indien.“ 5|2011 LiVe 41


Vorgestellt

Nikola Ottkowski (r.) hört zu und hilft Betroffenen, in schwierigen Situationen nicht den Mut zu verlieren.

Manchmal muss ich die Notbremse ziehen Nikola Ottkowski ist bei der AWO in Marl zuständig für die Beratungsstelle „Demenz und Pflege“. Text und Fotos von Bianca Munker.

  

 42 LiVe 5|2011

Halb Herten ist im Schlosspark auf den Beinen, kein Wunder bei dem schönen Frühlingswetter. Auch Nikola Ottkowski fährt hier mit ihrem Sohn Simon (13) eine Runde auf dem Fahrrad. Sie genießt die warmen Sonnenstrahlen in vollen Zügen – denn in ihrem Berufsleben dreht sich alles um den Schatten, den Schatten des Vergessens. Nikola Ottkowski arbeitet in der Beratungsstelle für Demenz und Pflege in der AWO Marl. „Viele Leute, die zu mir kommen, wissen gar nicht, was sie tun sollen. Sie haben erst kürzlich die Diagnose erhalten, dass ihr Ehepartner oder die Eltern an Alzheimer oder Demenz leiden, und sind mit dieser Situation völlig überfordert. Ich gebe konkrete Hilfestellungen, zum Beispiel beim Ausfüllen von Anträgen auf eine Pflegestufe, und gebe Tipps im alltäglichen Leben“, berichtet Nikola Ottkowski. Aber nicht nur die Beratung gehört zu ihren Aufgaben. „Ich bin stolz darauf, einen Gesprächskreis für Angehörige, in dem sie sich austauschen können, ins Leben gerufen zu haben“, sagt sie und ihre Augen strahlen. Das Demenzcafé bietet zudem seit fast sechs Jahren den Betroffenen und ihren Verwandten Abwechslung durch gemeinsames Spielen, Geschichten hören und Musizieren. „Ich finde es gut, wenn die Familienmitglieder auch mal richtig Spaß haben!“ In ihrem hellen Beratungszimmer an der Barkhausstraße hängen bunte Bilder an den Wänden. Schöne Erinnerungen an Unternehmungen mit Betroffenen und deren Familien. Eine alte Dame mit einem Karnevalshut lacht fesch in die Kamera. „Die meisten Menschen auf den Fotos sind mittlerweile verstorben“, erzählt die Diplom-


Bei schönem Wetter drehen Simon und Nikola Ottkowski eine Runde auf dem Rad.

Sozialwissenschaftlerin und klingt dabei nachdenklich, „das ist schon sehr traurig, denn ich kenne die Leute meistens jahrelang. Viele Angehörige engagieren sich aber ehrenamtlich nach dem Tod ihrer Lieben weiter in der Betreuung von Erkrankten.“ So arbeiten derzeit 13 Freiwillige in den drei anerkannten Betreuungsgruppen im Philipp-Nicolai-Haus. Besonders traurig macht es sie, wenn jüngere Leute an der Krankheit leiden. „Das ist schon erschreckend“, erklärt die 42-Jährige. Doch die düsteren Geschehnisse versucht sie, zu verarbeiten. „Man gerät fast an seine Grenzen“, gesteht die Mutter eines Sohnes und blickt aus dem Fenster, „es gab schon Menschen und Situationen, die ich kaum vergessen konnte. Doch wenn ich merke, dass diese Themen mein erster Gedanke nach dem Aufwachen sind, ziehe ich schnell die Notbremse.“ Der Aus-

Testen Sie uns!

tausch mit den Kollegen steht dann an erster Stelle. Einen wichtigen Ausgleich findet die gelernte Krankenschwester, die ihre Ausbildung im Elisabeth Krankenhaus in Recklinghausen-Süd gemacht hat, in ihrer Freizeit. Die erste Geige spielt sofort nach Feierabend Sohn Simon, der wie einst seine Mama das Hittorf-Gymnasium in Recklinghausen besucht. „Wir unternehmen viel an der frischen Luft, aber einmal im Monat gucken wir uns gemeinsam ein Museum oder ein Schloss an.“ Langeweile ist für Nikola Ottkowski ein Fremdwort, dafür sorgen neben Simon ihre drei Neffen und die beiden Töchter ihres Lebensgefährten Peter. „Bei uns ist ganz schnell die Stimmung von einem Kindergeburtstag, wenn auf einmal zwölf Kinder durch die Wohnung toben“, verrät sie. Gerne arbeitet sie auch in ihrer kleinen grünen Oase.

CITY FITNESS GMBH & CO. KG HUBERTUSSTR. 26 45657 RECKLINGHAUSEN www.city-fitness-re.de

„Simon ist der Grund, warum ich mit dem Gärtnern angefangen habe. Irgendwann war es mir einfach zu langweilig, meinem kleinen Sohn beim Burgenbauen zuzugucken, deshalb habe ich Blumenbeete um den Sandkasten herum angelegt“, sagt die Hobbygärtnerin. Und dann gibt es noch eine große Leidenschaft – das Zelten. Früher ist sie durch Thailand und Amerika gereist, heute sind ihr die Ziele einer Reise nicht mehr so wichtig. „Mir geht es hauptsächlich darum, Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Ich war mal eine richtige Abenteurerin und habe einiges von der Welt gesehen. Hätte ich das nicht gemacht, würde ich heute vielleicht denken, ich hätte was verpasst.“ Hat Nikola Ottkowski denn noch einen großen Traum? „Ich lebe schon jahrelang in einer WG, und ich träume von einem Wohnprojekt auf einem Bauernhof.“

INFO & TIPPS AWO in Marl Nikola Ottkowski Barkhausstraße 46 45768 Marl Tel.: 0 23 65 / 60 41 22 n.ottkowski@awo-msl-re.de

FRAUENFITNESS VICTORIASTR. 39 45772 MARL Tel. 02365/501015 www.onlywomen-fitness.de

5|2011 LiVe 43


Existenzgründung

Schmuck für eine Powerfrau Karin Duscha wagte den Sprung in die Unternehmensgründung. Text von Stephanie Pohl, Fotos von Marco Stepniak.

Augenzwinkernd bezeichnet sie sich als „spät berufene“ Existenzgründerin. Karin Duscha (60) hat sich erst in einem Alter selbstständig gemacht, wo andere schon mal über ihr künftiges Rentnerdasein nachdenken. Im Alter von 58 Jahren wagte die Recklinghäuserin den Sprung ins Unternehmerleben. Keineswegs freiwillig. Arbeitslosigkeit bahnte den Start in die Selbstständigkeit. „Einschließlich meiner kaufmännischen Ausbildung hatte ich vorher 43 Jahre als Angestellte gearbeitet. Teilweise in leitender Funktion“, berichtet die Singlefrau, die außerdem zwei pädagogische Studien erfolgreich abgeschlossen hat.

Ihr Weg sei beispielhaft für manche Karriere, „wo sich systembedingt die Spirale unaufhörlich nach unten dreht“. Ohne verbittert zu sein, fast verständnisvoll, beschreibt und analysiert Karin Duscha die Entwicklung: „Zuletzt war ich bei einem Träger der Jugendberufshilfe beschäftigt. Solche Arbeitgeber hangeln sich von Projekt zu Projekt. Sie müssen Ausschreibungen gewinnen. Jahresverträge und Lohndumping sind vorprogrammiert. Als ich zuletzt auf zwanzig Prozent meines Gehaltes verzichten sollte, reichte es mir. Mir war gleichzeitig klar, dass ich damit weder den Anstellungsträger noch meinen Arbeitsplatz hätte retten können.“ Sie ging.

Was wäre, wenn ...?

Schon

gehört?

mit Aufstehhilfe, Drehscheibe und gelenkschonender Hochlagerung

Antworten auf nie gestellte Fragen!

Tel. 0 23 61-9 04 04 26 www.audium-hoersysteme.de

44 LiVe 5|2011

Gesund sitzen – Komfort genießen! Sessel nach Maß

Besser hören sieht man heute zum Glück nicht mehr. Dank der fast unsichtbaren Hörgeräte von Audium.

Audium | Kampstraße 68 45657 Recklinghausen

Dreißig arbeitslose Tage folgten. Diesen Monat nutzte die alleinerziehende Mutter einer studierenden Tochter, um sich zu orientieren: „Ich hab im Internet recherchiert, viele Informationsangebote für Existenzgründer genutzt, Messen besucht. Habe mich in Netzwerken getummelt. Mir wurde klar, was ich aufgrund meiner Qualifikation will und was ich mir finanziell leisten kann. Einen Kredit wollte ich mir nicht ans Bein binden. Wer hätte einer 58-jährigen Frau schon Geld für eine Firmengründung gegeben? Es lief bei mir auf eine Vertriebstätigkeit hinaus.“ Beim „Dortmunder Herbst“ in den Westfalenhallen habe es dann „klick gemacht“, wie sie sagt. Die Unternehmer-Aspirantin entschied sich, Vertriebspartnerin für einen Magnetschmuck-Hersteller zu werden. „Weil er edel aussah, handwerklich ordentlich gearbeitet, preislich erschwinglich war. Und weil man Magnetschmuck eine Wohlfühlwirkung nachsagt. Ich lieh mir zunächst einige Schmuckstücke, spürte aber nichts von angeblichen Wirkungen. Anders bei meiner Freundin Margrit. Sie litt an einer Fraktur. Die Magnete linderten spürbar

AUDIUM

4. Hörforum am 10. Mai 2011 um 17:00 Uhr im Festsaal des Residenz Hotel, Am Festspielhaus, Josef-Wulff-Str. 75 Recklinghausen

Die erste Adresse für gutes Hören

Eintritt frei!

Profitieren Sie von unserer langjährigen Kompetenz. Wir beraten Sie gern zu Hause. Infos unter 02361-22402! GUT BERATEN – BESTENS BETREUT! Herner Straße 24 45657 Recklinghausen Tel. 02361-22402 www.wohltat.de


Für Jung und Alt: Karin Duscha (l. M.) zeigt die Kollektion des Magnet­schmucks. Christina (r.) probiert eine Kette an.

können.“ Ihre eindeutige Botschaft: „Ich würde es auf jeden Fall wieder machen und empfehle anderen Frauen, genauso mutig zu sein.“ Zur Wahrheit gehöre allerdings, dass zumindest in der Anfangsphase mitunter sieben Tage in der Woche gearbeitet werden müsse.

INFO & TIPPS

Aktuelle Infos zum Thema Existenzgründung bietet der Kreis Recklinghausen in seinem STARTERCENTER an. www.kreis-re.de

Zwei deutsch-türkische Märchenbücher Neu erzählt von Yücel Feyzioğlu

Ab sofort im Buchhandel

ISBN 978-3-9808547-1-9

Powerfrau bin ich natürlich ungeduldig. Ich muss aber anerkennen, dass in jede Betriebsgründung auch zeitlich investiert werden muss. Jetzt stabilisiert sich das Geschäft. Ich genieße es längst, von zu Hause aus arbeiten, mir die Zeit einteilen und eine Reihe netter Leute kennen lernen zu

ISBN 978-3-9808547-2-6

ihre Beschwerden, wie sie glaubhaft berichtete. Inzwischen bekomme ich zahlreiche solcher Rückmeldungen. Sei es bei Kopfschmerz, Rückenproblemen oder Arthrose.“ Ihr Fazit fällt so aus: „Es hat sich nicht so schnell so positiv entwickelt, wie ich es mir vorgestellt und gewünscht habe. Als

Karin Duscha Tel.: 0 23 61 / 2 15 13 www.duscha-energetix.de

5|2011 LiVe 45


Wandern am Wasser

Impressionen am Schiffshebewerk (im Uhrzeigersinn): ein Fachwerkhaus am Ende der LukasbrĂźcke, ein Enterich am Anleger, Pfau in Gelb an einer Hauswand an der ProvinzialstraĂ&#x;e und ein Schiffsheck am historischen Hebewerk. 46 LiVe 5|2011


Franz-Christian, Samsara und Dinki haben nichts zu tun. Entspannt dümpeln sie in der Marina im dunklen Kanalwasser. Genau wie die anderen kleinen Boote. Angenehme Ruhe in Blau, Rot und sehr viel Weiß. Ein Entenpaar hockt am Anleger. Es ist bewölkt, ein milder, trüber Tag hat begonnen. Der Park zwischen Rhein-Herne- und Dortmund-Ems-Kanal braucht keinen Sonnenschein, er steckt bei jedem Wetter voller Farben. Sandwege dicht am Wasser, Ausblicke in längst vergangene Jahrzehnte.

Ufer Boote und dahinter die historische Siedlung für die damaligen Angestellten des Hebewerkes. Hinter der Wegbiegung dominiert die Lukasbrücke den Kanal. Stahlfachwerk mit grünlichem Anstrich, davor das Geländer des Fußgängerüberwegs in knalligem Rot. Auf der anderen Seite Jahrhundertwendearchitektur, grau und hell abgesetzt, die Jahreszahl am Dachfirst, darunter lächelt still ein steinernes Gesicht. Kontrastprogramm links und rechts der Brücke, auf der größten der drei Inseln

Ein Schmuckpfeiler mit Gold­ ornament am Alten Hebewerk.

Von Inseln, Schleusen, Fahrgastschiffen Eine farbenfroher Fußmarsch durch den Schleusenpark Waltrop. Text und Fotos von Ramona Vauseweh.

Trutzig wacht das alte Betriebsleiterhaus hinter dunklen Tannen. Abgerundetes Dach, schmale Fenster und dickes Mauerwerk. Daneben filigran und erhaben das historische Hebewerk, errichtet 1899 und Mittelpunkt des angrenzenden Industriemuseums. „Einen Höhenunterschied von fast 14 Metern konnte die Konstruktion überbrücken“, erfahren wir in der Ausstellung, „außer Betrieb ist die Anlage erst seit 1969.“ Zeit für Wissenswertes über das Bauwerk, seine Technik und das oft mühsame Leben der Binnenschiffer und ihrer Familien – gelungener Abschluss für einen Spaziergang über die Kanalinseln. Zwischen Hebewerk und Wohnhaus, zwischen Hecken und Gartenzaun, hat unser Fußweg um die südliche der Inseln begonnen. Auch am gegenüberliegenden

begegnen sich Fachwerk und Jugendstil. Weißgetünchtes Holz stützt Backstein, die Fensterläden lassen das Licht herein. Daneben Holzschuppen und ein leicht verwilderter Bauerngarten. Auf der anderen Straßenseite Stuckverzierungen aller Art: Ein gelber Pfau spreizt sein Gefieder, Blüten, olivgrüne Ranken und violette Ornamente betonen Fenster und Türen. Unten am Kanal führt der Weg die Böschung entlang. Markierungen verraten, an welcher Stelle der Wasserstraße wir uns genau befinden. Schnurgerade verläuft der Dortmund-Ems-Kanal. Förderanlagen, Rohre, Kühltürme und Schlote. Bei der Ruhrzink GmbH und im VEBA Kraftwerk wird fleißig gearbeitet. Dann die nächste Anlegestelle. Regenbogen, Nixe, Christine und mehr – Boote träumen auch hier, doch es

geht bunter zu. „Schau mal, ein Schiffchen ist sogar bewohnt!“ Mit Blumenkübeln und Gartenmöbeln hat es sich der Besitzer an Deck gemütlich gemacht. Ein paar Wellen weiter schaut der Nachbau eines Wikingerschiffs mit seinem goldenen Drachenkopf zu uns herüber. Dem Angler sind wir wohl zu laut. Er packt zusammen und zieht davon. Jetzt erhebt sich vor uns die alte Schachtschleuse wie eine Burg. Mächtiger Sandstein in Stufen, die beiden Türme schützt ein gewölbtes Kupferdach. Wo früher Wasser floss, kann man jetzt wandern. Die alte Schleusenkammer ist trockengelegt, hoch ragen die Backsteinmauern auf. Im Mauerwerk zeigen sich Poller und die eisernen Angeln der einstigen Tore in den früheren Schleusenkammern. 5|2011 LiVe 47


Die Balustrade der historischen Schleuse mit dem Reichsadler in Blau.

Ein Blick zurück lohnt sich. Die Holzverkleidung zwischen den Türmen ist farbenfroh bemalt. Ein alter Reichsadler in strahlendem Blau, orange Fische und die gekrönten Wappen von Westfalen und Hannover mit ihren weißen Rössern leuchten herüber. Wir bleiben stehen, schauen, staunen, knipsen. Ein Jogger kommt uns entgegen, stoppt und wartet, bis das Foto fertig ist. „Mit mir im Bild sieht das nicht aus“, meint er und lacht ein wenig außer Atem.

Leistungsmerkmale unseres Hauses: v Altengerechte Wohnungen mit Balkon v oder Terrasse v TV-Sat.-Anlage, Telefon v Zimmernotruf 24 Std. v Bistro im Foyer v Bademöglichkeit und Whirlpool v Friseur und Fußpflege v Wintergarten v regelm. Apartementreinigung v Waschen der persönlichen Wäsche Wir leisten ohne Zuzahlung: v Hauswirtsch. Versorgung v Ganzheitl. Pflege, unabhängig von der Pflegestufe v Betreuung dementiell Erkrankter v Tag- und Nachtbereitschaft unseres Pflegedienstes 48 LiVe 5|2011im Haus

Unser Weg durch die alte Schleuse führt bergan, den Sportsfreund schluckt das Tor derweil wie ein riesiges Maul. Ach, der Angler wieder! Diesmal sind wir ganz leise und laufen in weitem Bogen an ihm und seiner möglichen Beute vorbei. Das Café an der Provinzialstraße habe erst ab 12 Uhr geöffnet, klärt uns die Mitarbeiterin im Kassenhäuschen der Ausstellungshalle am Neuen Hebewerk auf. „Museumsrundfahrten starten am Alten Hebewerk“, heißt es dann. Der Kapitän biete eine kleine und

Die Wahl eines Senioren- und Pflegeheimes und die Übergabe der Betreuung eines lieben Menschen in die Obhut anderer ist immer schwer. Das Seniorenzentrum Rosengarten ist ein modernes Haus, das alternativ Betreuten Wohnens mit hotelähnlichem Charakter am Rande vom Stadtzentrum, am Stadtgarten der Ruhrfestspielstadt Recklinghausen. Dieses seit 2002 bestehende Haus mit über 40 Appartements für eine oder zwei Personen in den Größen von 30 – 75 m² zu Preisen ab 1250,- E mit einem integrierten ambulanten Pflegedienst macht es möglich, Patienten und Bewohner wie in einem Heim zu betreuen, ihnen aber die Unannehmlichkeiten eines Heimes – insbesondere die Enge und Preise – zu ersparen. Die Möblierung erfolgt nach den Wüschen der Bewohner mit ihren eigenen Möbeln. Die Appartements verfügen über einen Balkon oder eine Terrasse. Darüber hinaus hält das Seniorenzentrum Rosengarten weitreichende Dienstleistungen bereit, die von den Bewohnern nach Wunsch und Bedarf in Anspruch genommen werden können, ohne gesondert in Rechnung gestellt zu werden. Unsere Preise verstehen sich inkl. aller Nebenkosten wie Strom, Wasser, Gas und 4 Mahlzeiten am Tag sowie aller Getränke. Seniorenzentrum Rosengarten Service GmbH Dorstener Staße. 102a, 45657 Recklinghausen, Tel. 02361/582870 Fax 02361/5823277, www.rosengarten-seniorenzentrum.de Haben Sie Interesse an einer Wohnung in einem unserer Häuser oder möchten einen Besichtigungstermin oder ein Beratungsgespräch, dann vereinbaren Sie ganz unverbindlich einen Termin mit Herrn Dunker.

eine große Tour an – „die dauert zwei Stunden und geht bis ins Münsterland“. Einen Plan des Schleusenparks bekommen wir mit auf den Weg, dann stehen wir draußen im Wind. „Na, habt ihr euch verlaufen?“ Ein Spaziergänger in senffarbener Jacke kommt heran. Der ältere Herr kennt sich aus und empfiehlt uns den Weg Richtung Osten, „umrundet den äußersten Zipfel der Insel“, rät er, „hinter den Bäumen kommt eine kleine Brücke, von da habt ihr einen tollen Ausblick auf das Alte Hebewerk“ – und er hat Recht. Stolz erheben sich die Pfeiler der Anlage in den grauen Himmel, vereinzelt lässt ein Sonnenstrahl die goldenen Verzierungen aufblitzen. Der Pfad führt den Kanaldamm hinunter und es wird ländlich. Eine Baumgruppe, ein verputztes Haus, Schrebergärten mit Lauben, ganz in der Nähe kräht ein Hahn. Sattgrüne Wiesen begleiten den asphaltierten Weg, in der Ferne grasen wollige Rinder. Der Radfahrer im Rennoutfit, die junge Mutter auf Rollerblades mit Kinderwagen, selbst die Spaziergänger mit ihren Hunden – alle sind schneller als wir. Wir haben es nicht eilig und nutzen die Gelegenheit für einen Museumsbesuch.

Kaiserstraße 143 45699 Herten Telefon: 0 23 66 - 3 23 72 Fax 0 23 66 - 3 83 38 www.fliesen-gappa.de


INFO & TIPPS Die Tour durch den Schleusenpark, Länge ca. 2 km Hin & weg: Bus 231 von Recklinghausen Hbf bis Kanalstraße (Altes Hebewerk) – Parkplatz Am Hebewerk

Essen & Trinken: M. Kortmann Café Restaurant Zum Neuen Hebewerk 2, 45731 Waltrop, Tel.: 0 23 63 / 6 23 86

Ihre bürgernahe Pflege vor Ort

Papachristos Griechisches Restaurant Provinzialstr. 19, 45731 Waltrop, Tel.: 0 23 63 / 7 21 34

Schauen & Staunen: Westfälisches Industriemuseum Altes Schiffshebewerk Henrichenburg Am Hebewerk 2, 45731 Waltrop, Di. bis So. von 10 bis 18 Uhr Erw. 3,50 Euro, Kinder bis 16 Jahren 2 Euro

Sachsenstraße 154 Telefon 0 23 61 / 8 43 53 45665 Recklinghausen

Martin Siering Inhaber

Ulrike Siering

Pflegedienstleitstung

Ausstellungshalle „Neues Schiffshebewerk Henrichenburg“ Erw. 2,10 Euro, Kinder 1,10 Euro Museumsrundfahrt Anlegestelle Altes Hebewerk von Ostern bis Oktober, Erw. ab 6 Euro, Kinder bis 12 Jahren ab 4 Euro. An einer Schiffsrundfahrt kann nur teilnehmen, wer den Museumseintritt entrichtet hat.

Haidhausen-Verlag

Die Kreativen von der Zeche

Grafik PR Werbung GmbH

Die Agentur AufEwald

Lise-Meitner-Str. 11 | 45699 Herten | Tel.: 0 23 66 / 8 87 09-0 | www.haidhausen-verlag.de 5|2011 LiVe 49


Einsatz für Bedürftige

Hier ist nichts umsonst Mehr als 40 Helfer engagieren sich für Menschen mit geringem Einkommen. Text und Fotos von Matthias Erfmann.

„Den Laden kennst du“, sagt Reinhard Menke. „Da, wo früher Aldi war.“ Klar, mit der Beschreibung kann jedes Kind aus Waltrop, das heute auf die 40 zugeht, etwas anfangen. Dortmunder Straße 130. Irgendwann entsprachen die Räume im Norden der Stadt nicht mehr den modernen Verkaufskonzepten, und dann stand das Ladenlokal lange leer. Seit Januar 2010 können an der Dortmunder Straße 130 in Waltrop wieder Lebensmittel gekauft werden. Allerdings nicht von jedermann. Das Geschäft ist kein Geschäft. Den Mitarbeitern ist es ein Anliegen zu helfen. An der Dortmunder Straße 130 hat im Januar „Der Laden“ eröffnet. „Uns gibt es seit 2005“, erklärt Margret Grabowski. Gemeinsam mit Heiner Fehlker und einem schnell wachsenden Kreis von 50 LiVe 5|2011

HelferInnen hat sie das Projekt damals unter dem Dach der St. Marien Kirche, schräg gegenüber vom heutigen Ladenlokal, gegründet. Schnell wuchs die Zahl der Engagierten. „Heute sind wir weit mehr als 40 Personen, die sich kümmern, dass der Laden läuft“, sagt Heiner Fehlker. Im Laden können Menschen, die nachweislich am Existenzminimum leben, haltbare Lebensmittel zu etwa zehn Prozent des üblichen Ladenpreises erwerben. Rasch wächst auch die Zahl derjenigen, die das Angebot, im Laden einkaufen zu können, annehmen. Wobei das Wort „annehmen“ die Lebensumstände verharmlost. „Ob Arbeitslosengeld-II-Empfänger oder Rentnerin, immer mehr Menschen sind auf die Lebensmittel aus dem Laden angewiesen,

um mit dem wenigen Geld, das ihnen zur Verfügung steht, über die Runden zu kommen“, macht Reinhard Menke deutlich. Im Laden kann nicht jeder einkaufen. „Wir prüfen zuvor die Bedürftigkeit“, sagt Margret Grabowski. Wer am Existenzminimum lebt, bekommt für den Laden einen Einkaufsausweis. In Abhängigkeit von der Personenzahl, die im jeweiligen Haushalt lebt, können dann haltbare Grundnahrungsmittel und Hygieneartikel im Laden erworben werden. „Jeder Kunde wird während seines Einkaufs von einem ehrenamtlichen Helfer begleitet“, ergänzt Heiner Fehlker das Konzept. Insgesamt lebt der Laden von Spenden. „Das fängt bei der günstigen Miete für die Räumlichkeiten an“, sagt Margret Grabow-


Margret Grabowski (l.) und Renate Michael (M.) räumen Regale im Laden ein. Pastoralreferent Heiner Fehlker (r.) kann dank einer Spende eine Blume verschenken.

ski. „Bei Rewe und Edeka konnten wir von Anfang an Körbe für Lebensmittelspenden aufstellen“, erinnert sich die 68-Jährige, die dafür sorgt, dass die Regale an den Verkaufstagen gefüllt sind. Geldspenden sind zudem ein wichtiger Bestandteil dafür, dass das Sortiment des Ladens an der Dortmunder Straße 130 dauerhaft einen Teil des Grundbedarfes der „Kundschaft“ decken kann. Vom gespendeten Geld kauft Margret Grabowski gezielt bestimmte Produkte zu. „Wir sind anders als ‚die Tafeln‘, sagt Grabowski. Dabei ging es nicht darum, anders zu sein, sondern ein Konzept auf die Beine zu stellen, das von ehrenamtlichen Helfern dauerhaft getragen werden kann. Nach dem provisorischen Start in den Räumen der St. Marien Kirche, einem vorübergehenden

Gastspiel in den Räumen von St. Ludgerus, ist der Laden nun an der Dortmunder Straße und unter dem organisatorischen Dach der Caritas angekommen. Das Engagement der zahlreichen Helfer aus den verschiedenen Gemeinden Waltrops stimmt Margret Grabowski optimistisch. „Wir haben bis heute etwa 180 Ausweise ausgestellt“, sagt Heiner Fehlker. Die Zahl bedürftiger Personen, die sich dahinter verbirgt, liegt deutlich höher. „Und die Tendenz ist steigend.“ Um Menschen mit dem Laden dauerhaft helfen zu können, ist die Initiative auch in Zukunft auf Spenden in jeglicher Form angewiesen. „Wir freuen uns über jede helfende Hand“, sagt Reinhard Menke, denn der Bekanntheitsgrad des Ladens an der Dortmunder Straße 130 werde wohl auch in Zukunft eher zu- als abnehmen.

INFO & TIPPS Der Laden Heiner Fehlker Dortmunder Straße 130 45731 Waltrop Tel.: 0 23 09 / 9 14 14 www.derladen-waltrop.de Öffnungszeiten: Jeden 1. Donnerstag im Monat (13.30 bis 16 Uhr) jeden 3. Freitag im Monat (9 bis 12 Uhr) Spendenkonto: Caritasverband Waltrop/Oer-Erkenschwick „Der Laden“ Volksbank Waltrop, Kto.-Nr.: 5 404 102, BLZ 426 617 17

5|2011 LiVe 51


BEWUNDERNDE BLICKE INKLUSIVE. DER NEUE RANGE ROVER SPORT.

Der neue Range Rover Sport – ist einer der führenden Luxus-SportsTourer SUV, ideal für echte Individualisten. Dafür sorgen unter anderem das neue Ausstattungsprogramm Autobiography Sport sowie Motoren für jeden Fahrstil, vom 3,0-Liter-V6-TwinturboDiesel mit 155 kW (211 PS) bis zum Land Rover V8 Supercharged Benziner mit 375 kW (510 PS).

LEASINGANGEBOT (Bsp. Range Rover Sport 3.0 TDV6): Monatliche Rate 499,00 ¤* Anzahlung 11.239,00 ¤ Leasinglaufzeit 36 Monate Gesamtfahrleistung 60.000 km

Verbrauchs- und Emissionswerte: Kraftstoffverbrauch in l/100 km: außerorts 10,7–8,1, innerorts 21,8–11,2, kombiniert 14,9–9,2; CO2- Barpreis beim Händler 55.800,00 ¤** Emission in g/km: 348–243. Alle Angaben wurden nach dem Messverfahren RL 80/1268/EWG ermittelt.

AUTOHAUS WOLF MARL Schweriner Straße 1 • 45770 Marl

Tel. 02365 1004-13 • Fax 02365 1004-30 E-Mail: g.redlich@auto-wolf.de • www.auto-wolf.de

RANGE ROVER SPORT

* Zuzüglich monatlich 5,89 ¤ (inkl. Versicherungssteuer) für die GAP-Versicherung und zzgl. einmaliger Überführungskosten (950,00 ¤). ** Gegenüber der unverbindlichen Preisempfehlung der Land Rover Deutschland GmbH bei einem vergleichbaren Serienmodell. Ein Angebot der Land Rover Bank.


LiVe - Lebensfreude im Vest 2011/05