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Freude schenken Besuch bei Oma und Opa Das Thema Gesichter des Ehrenamtes

Nachtw채chterin im Altm체hltal: Historikerin Dr. Ute J채ger


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Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

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mit Heinz-Josef Bzdega verlässt nach über 45 Jahren einer der führenden Köpfe die Sparkasse Vest Recklinghausen. Der gebürtige Hertener war über 20 Jahre Mitglied des Vorstands. Ab Januar 2011 ist der 62-Jährige Pensionär. Auch für uns, die Macher von LiVe – Lebensfreude im Vest, war der Bergmannssohn von Anfang an ein treuer und verlässlicher Partner. Er war es, der unsere Partnerschaft mit dem Medialen Vertrieb der Sparkasse vorangetrieben und ihr letztendlich auch den Ritterschlag verliehen hat. Durch seine Initiative haben Vereine, Verbände und Ehrenamtliche die Möglichkeit, ihre Angebote, ihre Arbeit und ihr Engagement kostenlos auf dem Ruhr-Lippe-Marktplatz der Sparkasse Vest präsentieren zu können. Die gemeinsame Pressekonferenz fand im Oktober 2009 statt. Das Herz von Heinz-Josef Bzdega, ein Mann mit ausgeprägtem betriebswirtschaftlichem Sachverstand, schlägt seit jeher fürs Ehrenamt. Das wussten Dr. Elisabeth Nilkens und Hertens damaliger Bürgermeister Klaus Bechtel, als sie den gebürtigen Distelner für die Hertener Bürgerstiftung als Schatzmeister gewinnen wollten. Das hat sich auch Hartmut Haverkamp vor rund zwölf Jahren zunutze gemacht, als er für den Verein der Freunde und Förderer der Neuen Philharmonie Westfalen e. V. seinen Nachfolger als Geschäftsführer suchte. Und in Heinz-Josef Bzdega, selbst Gründungsmitglied seit 1994, den geeigneten Kandidaten fand.

Jüngst hat der Förderverein „Orangerie im Schlosspark Herten“ den Rentner-Aspiranten für sich eingenommen. Der 62-Jährige sagt: „Mein ehrenamtliches Engagement verstehe ich nicht als Last. Im Gegenteil, es war stets eine großen Ehre für mich.“ Wir wünschen ihm alles, alles Gute. Und Ihnen allen viel Spaß beim Durchblättern und Lesen dieser LiVe – Ausgabe.

Ein Banker mit Ehrenamtsgen: Sparkassen-Vorstandsmitglied Heinz-Josef Bzdega geht in den Ruhestand.

Otto Lerchenmüller Herausgeber

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4 2010 Impressum

Margarete Ockenga ist Vorsitzende im Förderverein des Römermuseums Haltern. Seite 36

Herausgeber: Otto Lerchenmüller Verlag und Redaktion: Bessere Umwelt Verlagsgesellschaft mbH AufEwald Lise-Meitner-Straße 11, 45699 Herten Tel. 0 23 66 / 88 70 9-0, Fax 0 23 66 / 88 70 9-19 redaktion@live-vest.de ISSN: 1868-6079 Kooperationspartner und thematische Unterstützung: AWO Unterbezirk Münsterland-Recklinghausen Caritasverband für das Dekanat Herten e. V. Diakonisches Werk in Recklinghausen e. V. DRK Stadtverband Herten e. V. Kreisverwaltung Recklinghausen www.ruhr-lippe-marktplatz.de Pflegeeinrichtungen Kirsch e. Kfm. Redaktionsrunden in den Städten Verantwortliche Redaktion: Susanne Höltken, Oliver Mau Schlussredaktion: Renate Da Rin, M.A. Mitarbeiter dieser Ausgabe: Hans-Jürgen Abenath, Joachim Bachmann, Christoph van Bürk, Matthias Erfmann, Birgit Frey, Andrea Hamm, Stefanie Hasler, Susanne Höltken, Sophia Immohr, Tobias Kindel, Svenja Küchmeister, Christian Kuck, Otto Lerchenmüller, Oliver Mau, Verena Reimann, Matthias Schmeing, Dr. Ramona Vauseweh Fotos: Hans-Jürgen Abenath, Joachim Bachmann, Christoph van Bürk, Matthias Erfmann, Birgit Frey, Andreas Hub, Sophia Immohr, Christian Kuck, Oliver Mau, Matthias Schmeing, Marco Stepniak, Dr. Ramona Vauseweh, Victor Wolf Gestaltung: Jens Valtwies Gesamtherstellung und Anzeigen: Haidhausen-Verlag Grafik.PR.Werbung GmbH Niederlassung Herten Anschrift wie Verlag und Redaktion anzeigen@haidhausen-verlag.de Anzeigenverwaltung: Marianne Wissing, Tel. 0 23 66 / 8 87 09 16 Mitarbeiter: Dr. Hans-Georg Geißdörfer, Michael Hamdorf, Rolf Mecking, Dagmar Pascheke

LiVe – Lebensfreude im Vest kann auch abonniert werden. Aboservice: Die bessere Umwelt Verlagsgesellschaft mbH Sedanstraße 14, Gartenhaus, 81667 München, Fax 0 89 / 48 09 05 19 Zwei Ausgaben inkl. Versandkosten 12 Euro Ausgabe Dezember 2010

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Max und Jan machen Wochenendurlaub bei ihren Großeltern. Seite 26

Alina Meyring macht ein Freiwilliges Soziales Jahr im St.-Barbara-Heim. Seite 44


Inhalt

Rehana Boota (18, l.) und Fadja Mostafa (19, M.) wollen das Fachabitur Sozialarbeit machen. Seite 30

Editorial

3

Weihnachten im Altmühltal

6

Das Ehrenamt

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Ein Preis für den Kreis

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Da stößt man an seine Grenzen

13

Das ist ein Stück meines Lebens

15

Ein Dankeschön für die aktivsten Freiwilligen

16

Geschichten, die Sinn machen

17

Mehr Freiräume, weniger Bürokratie

18

Die AWO und Oma sind eins

19

Mir macht es Freude, anderen zu helfen

21

Starthilfe für Engagierte

22

Das Spendenforum

23

Besuch bei Oma und Opa

26

Freude bei Tag und Nacht

28

Die Heime brauchen mehr Muslime

30

Nachrichten für die Ohren

33

Ihr gutes Recht

35

Der Kopf des Drusus

36

Wandern, da wo der Winter wohnt

38

Ein Hahn zum Schmusen

42

Schnupperjahr

44

Geschichte(n) en Blog

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Urlaub in der Heimat

Wintertraum im Altmühltal Natur und Kultur, Genuss und Gesundheit – der Naturpark im Herzen Bayerns hat Angebote für alle Lebenslagen. Besonders beschaulich präsentiert er sich gerade jetzt. Text von Susanne Höltken. Die ersten Flocken tanzen vor dem Fenster, der Drucker spuckt Plätzchen­ rezepte aus, da macht die Mailbox „pling!“. Ob ich spontan eine Reisereportage übernehmen könne, „Weihnachten im Altmühltal“. Mmmh, könnte ich schon. Bin ja schließlich Naturparkführerin und hier zuhause. Andererseits: vier Seiten? Meine Heimat in vier Seiten zu packen? Das wird eng. Und lieber Himmel, wo fängt man da bloß an? Am besten am Anfang, meinen Sie? Keine gute Idee. Selbst wenn man nicht bei Adam und Eva 6 LiVe 4|2010

beginnt, sondern erst bei den Dingen, die man hier sehen, greifen, bestaunen kann, ist das immer noch eine ganze Menge. 150 Millionen Jahre Zeitreise, das müssen Sie im Naturpark Altmühltal schon einkalkulieren. Damals schaukelte hier der Nautilus sanft durchs Jurameer. Wer seinen letzten Atemzug getan hatte, sank auf den Grund, wurde zugedeckt mit einer feinen Algendecke, auf der sich wiederum Kalkschichten absetzten. Als sich das Wasser zurückzog, war der wichtigste Exportschlager des noch lange nicht geborenen Altmühl-

tals bereits angelegt: die berühmten Solnhofener Platten, heute ein „must“ in den feinen Häusern von Bel Air. Aber nicht nur Hollywoodgrößen stehen auf unseren sogenannten „Juramarmor“ – vor allen Dingen Touristen (und da ganz besonders die Kinder) sind gar nicht mehr zu bremsen, wenn man sie mit Hammer und Meißel in den Besuchersteinbruch schickt. Feine Haarsterne, eingeschlossene Ammoniten – dass einer gar nichts findet, gibt es nicht. Gut, nicht jeder fördert einen Archeopteryx zu Tage. Vom berühmten „Urvogel“, einer tauben­


großen Übergangsform vom Flugsaurier zum Vogel, wurden erst zehn Exemplare gefunden. Eine besonders schöne Versteinerung finden Sie im Juramuseum auf der Willi­ baldsburg in Eichstätt, einem fantastischen Naturkundemuseum. Jetzt will natürlich jeder den elften Urvogel finden. Sie auch? Heben Sie sich das für den Frühling auf. Ich hab’s, wir folgen einfach der Altmühl auf ihren gut 220 Kilometern durch Deutschlands drittgrößten Naturpark. Dabei schlängelt sie sich gemütlich durch fünf der sieben bayerischen Regierungsbezirke, durch acht Landkreise und unendlich viele verschiedene Mundarten. Die Sie alle verstehen können, wenn Sie sich ein bisschen Mühe geben. Dafür können Sie relativ mühelos eine der beliebtesten Radlerstrecken Deutschlands bestrampeln, der Altmühltal-Radweg folgt dem mit vier Kilometern pro Stunde langsamsten Fluss

Wirklich schneesicher ist das Altmühltal nicht. Derzeit aber gilt: Langlauf und Rodel gut!

Bayerns. Aber jetzt radeln? Heben Sie sich das für den Sommer auf. Oder wir folgen dem Altmühl-Panoramaweg, der es bundesweit grundsätzlich auf Spitzenplätze der einschlägigen Wander-Hitlisten schafft. Da ist allerdings ein bisschen Kondition gefragt. Berg und Tal sind angesagt, Flusslandschaften und Höhenzüge der Juraalb im Wechsel. Mein Lieblingsstück ist das letzte: Wenn man oberhalb der Weltenburger Enge entlangwandert, wo die Donau sich durch gewaltige Kalkriffe zwängt, und der Blick dann auf Kloster Weltenburg fällt, wie es so gelassen ruht auf einer Kiesbank an der Donau, da geht einem das Herz auf. Die Kombination

Bier (älteste Brauerei der Welt) und Barock (hinreißende Asam-Kirche) ist typisch für Bayern – und meines Erachtens unschlagbar. Aber heben Sie sich das für den Herbst auf. Wissen Sie was: Ich sage Ihnen einfach, was wir demnächst mit unserem Besuch aus NRW machen. Nach mehreren Stunden Fahrt wollen unsere Gäste meistens erst mal ein bisschen laufen. Einfach mal raus an die Luft, am besten zur Gungoldinger Wacholderheide. Wenn Sie Glück haben, liegt kein Schnee (ich weiß, alle wollen weiße Weihnachten), denn dann reichen ein paar Sonnenstrahlen, um einen einzigartigen Duft zu erzeugen. Wer den wilden Thymian einmal gerochen hat in dieser merkwürdig leeren Landschaft, wird das nie mehr vergessen. Trockenrasen, wie es ihn nur noch auf 0,2 Prozent der bayerischen Staatsfläche gibt – was ein Jammer ist, denn er ist ein Hotspot der Artenvielfalt. 187 Pflanzenarten auf der Roten Liste leben dort. Klar, dass man im Naturpark darauf achtet, diese Landschaftsform zu erhalten – was nur mit Hilfe tierischer „Määäh-Maschinen“ geht. Weil unsere Schäfer von ihrem Einkommen ein Auskommen haben sollen, beschließen wir spontan, diesen Berufszweig zu subventionieren – Altmühltaler Lamm ist eine Spezialität, die es locker mit den Kollegen aus der Provence aufnehmen kann. Beim alten Wirt in Gungolding sollte eines auf der Karte stehen. Gut gestärkt könnten wir uns am nächsten Tag aufmachen zu einem Geschichts­ erlebnistag. Wir fahren in die römische Provinz. Na ja, eigentlich sind wir mittendrin in Raetien. Und Spuren der spinnerten Römer gibt es hier entlang des Limes reichlich. Als „Einstieg“ wählen wir Weißenburg, weil dort alles so praktisch beieinanderliegt. Wir besichtigen also die Reste des Kastells Biriciana, versetzen uns in den stattlichen Resten der Römertherme (virtuell) in den Badetag eines römischen Soldaten und gehen anschließend auch gleich noch ins 4|2010 LiVe 7


Römermuseum, wo die Kinder begeistert Lichtsignale von Wachturm zu Wachturm senden. Den Rundgang durch die wundervolle alte Reichsstadt verkneifen wir uns und fahren weiter nach Treuchtlingen. Dort gibt es neben den Resten einer „villa rustica“ samt entsprechender Funde im Volkskundemuseum auch die Altmühl-Therme – keine historische, sondern eine wohltuend moderne. Während wir in fluoridhaltigem Heilwasser auf Wellness machen, toben die Kinder nebenan im Wellenbad ... Eigentlich wäre das genug Programm für den Tag, aber ich wette, dass ich meine Mädels nicht nach Hause kriege, bevor wir uns im Treuchtlinger Stadtschloss (da wurde Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim geboren, Sie wissen schon, der Wallenstein’sche) nicht die Märchenausstellung ansehen. Heute fahren wir ins untere Altmühltal, nach Berching am berühmten MainDonau-Kanal. Wir begehen die komplett erhaltene Stadtmauer und genießen den Blick auf das mittelalterliche Stadtbild – um hier ein Ritter­spektakel zu drehen, müsste man nur ein paar Straßenschilder abmon-

tieren. Traumhaft. Eine gut erhaltene Stadtmauer gibt es auch elf Kilometer weiter, in Beilngries. Wir laufen an ihr entlang und erforschen, wer in den jeweiligen Türmen

Weißenburg hat eine promovierte Nachtwächterin: Historikerin Dr. Ute Jäger.

... weil Gemeinschaft gut tut!

wohl mal gelebt haben mochte. Bei einigen liegt der Job der kommunalen Bediensteten praktisch auf der Hand: Bettelvogt-, Sauhüter- oder Wasserschöpferturm. Aber wer wohnte im Bad- oder im Seelennonnenturm? Sehen Sie selbst …! Schade, dass der Adventsmarkt schon vorbei ist. Aber in den meisten Städten des Naturparks finden Weihnachtsmärkte nur an Wochenenden statt, und das auch nicht an jedem. Egal, wir gehen essen und haben ein Problem: das gastronomische Angebot. Zu klein? Nee, riesig! Die Wahl fällt einem schwer, aber für Gäste aus „Preussen“ (nehmen Sie es nicht persönlich, darunter werden bei uns alle subsumiert, die nördlich des Mains das Licht der Welt erblickten – meine Kinder sind auch welche …) muss es natürlich regionale Küche sein. Wir könnten jetzt noch nach Kottingwörth fahren, zu einer fantastischen Wehrkirche … Aber Kirche machen wir morgen. Denn Kirchen gibt es viele in Eichstätt. Schon im 30-jährigen Krieg wurden hier sechs von elf Gotteshäusern zerstört, dabei hatte Eichstätt da grade mal 5.000 Einwoh-

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ner. Dass der Bischof hier lange Zeit auch weltlicher Herrscher (Fürstbischof) und damit entsprechend einflussreich/vermögend war, erzählen viele stolze Bauten und Plätze. Wir sehen uns natürlich zuerst den Dom an. Er besteht aus diversen Bauabschnitten, hat romanische, gotische und barocke Elemente und ist vor allem eins: schön. Nicht überladen, nicht protzig, sondern hell, freundlich, mit vielen kleinen Kostbarkeiten, die einem die Stadtgeschichte viel näher bringen, als es Jahreszahlen je vermögen. Für die Kinder das Größte: die liebevoll gestaltete Krippe mit reichlich Schafen und Hirtenbuben. Wir bummeln noch ein wenig durch die kleinen Gassen und besuchen die Gruft der Hl. Walburga, der Schwester des Bistumsgründers Willibald. Im Klosterladen erbitten wir ein Fläschchen jener kostbaren Flüssigkeit, die unter Walburgas Schrein aus dem Fels tropft. Votivtafeln bezeugen hunderte von WunStatue aus „Juramarmor“: Der Hl. Willibald, Gründer des Bistums Eichstätt.

Wir sagen das, was andere denken. Start Kartenvorverkauf: Samstag, 27. November 2010, 10 Uhr, Glashaus Herten, Hermannstraße 16, 45699 Herten.

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dern, die die Äbtissin vollbracht haben soll. Wer kann schon sagen, was daran ist? Überhaupt, die Kirche. Ob man nun an einen Gott glaubt oder an gar nichts, es ist nicht zu übersehen: Die Kirche hat diesen Landstrich geprägt wie niemand sonst, Werte geschaffen, Traditionen geprägt. Und, Skandale hin oder her, war und ist sinnstiftend hier im Altmühltal, nach wie vor

Naturpark Altmühltal Notre Dame 1 85072 Eichstätt Tel.: 0 84 21 / 9 87 60 Fax: 0 84 21 / 98 76 54 www.naturpark-altmuehltal.de

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engagieren sich viele, viele Christen in den Gemeinden. Selbstverständlich gehen auch wir zur Christmette. Die Auswahl reicht von Kindermetten bis zum Pontifikal-Gottesdienst mit Bischof Gregor Maria im Dom. Naturnahe Alternative: Man schließt sich um 23 Uhr am Ziegelhof einer Eichstätter Wallfahrergruppe an. Die pilgert mit Fackeln und Laternen über die einsame

Jurahöhe und durch einen dichten, dunklen Wald nach Buchenhüll. Das kleine Dorf mit der schönen Wallfahrtskirche begeht um Mitternacht den Gottesdienst. Nach der Christmette trifft man sich im Wirtshaus gegenüber, wo die dampfenden „Mettenwürste“ auf den Tisch kommen. So war es früher schon – und warum sollte man grade das ändern? Ich geh jedenfalls mit. Sie auch?

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Das Thema

Das Ehrenamt Sie sind die Helden des Alltags: Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Sie arbeiten im Hospiz, kümmern sich um die Nachbarin oder trainieren die Jugend im örtlichen Fußballverein. Ohne bürgerschaftliches Engagement könnten viele Vereine, Institutionen oder auch deshalb seit 2001 einen Bürgerpreis für ehrenamtliche Arbeit. Marl belohnt außerordentliches Engagement mit der Ehrenamtskarte. Vereine und Verbände haben in den vergangenen Jahren zu weiteren Ehrungen angeregt. Unternehmen unterstützen bürgerschaftlichen Einsatz mit Ausschreibungen. Freiwilliges Engagement ist längst nicht mehr wegzudenken.

LiVe – Lebensfreude im Vest zeigt im Schwerpunktthema, wie es um das bürgerschaftliche Engagement bestellt ist.

Ein Preis für den Kreis S. 12 Da stößt man an seine Grenzen S. 13 Das ist ein Stück meines Lebens S. 15 Eine Stadt sagt Danke S. 16 Geschichten, die Sinn machen S. 17 Mehr Freiräume, weniger Bürokratie S. 18 Die AWO und Oma sind eins S. 19 Mir macht es Freude, anderen zu helfen S. 21

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Text und Foto: Christian Kuck

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Ein Preis für den Kreis Erstmals wurde der Vestische Preis für Menschen mit Ideen vergeben – LiVe -Mitarbeiterin Ramona Vauseweh sprach mit Landrat Cay Süberkrüb.

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Landrat Cay Süberkrüb.

LiVe: Sie haben die Preisvergabe selbst vorgenommen. Woher kommt Ihr Interesse am Ehrenamt? Cay Süberkrüb: Nur als Gemeinschaft kommen wir weiter. Ehrenamtlicher Einsatz bereichert unsere Gesellschaft. Zusammenhalt und Solidarität, Zuwendung und Fürsorge sind nötiger denn je. Was liegt da näher, als die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, die ihren Mitmenschen Tatkraft und Energie, Vertrauen und Zuwendung zur Verfügung stellen, mit einem Preis auszuzeichnen? LiVe: Das Motto der Ausschreibung lautete „Völkerverständigung und interkultureller Dialog“ – wer wurde ausgezeichnet? Cay Süberkrüb: Ausgezeichnet haben

wir Ruziye Malkus. Sie kümmert sich seit mehr als 30 Jahren um die Integration von Migranten in Castrop-Rauxel. Margaryta Bondarenko wurde für ihre kreative Idee, unentgeltlich Konzerte und Musikdarbietungen für Senioren und Kinder zu organisieren, geehrt. Dem Flüchtlingsrat in Herten haben wir den Vestischen Preis für Menschen mit Ideen für die nachhaltige Wirkung seiner Arbeit überreicht. Er setzt sich für die Rechte von Flüchtlingen und Asylsuchenden ein und informiert die Öffentlichkeit über deren Lebenssituation. LiVe: Welche Bedeutung hat der Einsatz der Preisträger? Cay Süberkrüb: Alle Preisträger haben ihre Fähigkeiten und Kenntnisse in den Dienst ihrer Mitmenschen im Kreis Recklinghausen gestellt. Ihre ehrenamtliche Arbeit hat eine wichtige Vorbildfunktion. Es geht ja auch darum, in Zukunft Menschen für ein Ehrenamt zu gewinnen und zu begeistern. LiVe: Seit zehn Jahren gibt es den Bürgerpreis des Kreises Recklinghausen – jetzt wurde die Auszeichnung neu konzeptioniert: Was hat sich verändert und warum? Cay Süberkrüb: Neben einer Wür­ digung der klassischen Formen des Ehrenamtes wollen wir vermehrt junge Menschen in ihrem Engagement für andere bestärken. Daher ist langjähriges ehrenamtliches Engagement nicht unbedingt zwingend erforderlich. Noch eine Veränderung: Der Vestische Preis für Menschen mit Ideen steht unter einem Jahresmotto. Die thematische Eingrenzung setzt bewusst einen Unterschied zu anderen Ehrenamtspreisen.


Da stößt man an seine Grenzen

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wei Freunde begleitete Werner Schmitz in ihrem Sterbeprozess. Tief bewegende Erfahrungen, die ihn zum ehrenamtlichen Engagement in der Sterbebegleitung führten. Bereits zu seiner Arbeitszeit als Schlosser in Scholven hatten ihn Mitarbeiter oftmals als Ansprechpartner für Rat und Hilfe in schwierigen Situationen gesucht. Doch in der Sterbebegleitung wurde er mit Erlebnissen konfrontiert, bei denen er an seine eigenen Grenzen stieß und selbst auf Hilfe angewiesen war. Unterstützung fand er im Hospizverein Marl. Sein Umfeld reagierte anfangs mit Unverständnis. „Im Hospizverein? Warum tust Du Dir das an?“ bekam der 61-Jährige oft zu hören. Schmitz weiß aus Erfahrung: Wie wichtig Sterbebegleitung wirklich ist, begreifen viele erst, wenn sie selbst in Familie oder Bekanntenkreis mit dem Tod konfrontiert werden. Weil Schmitz während seiner Ausbildung zum Sterbebegleiter Kontakt zum Philipp-Nicolai-Haus in Marl fand, arbeitet er auch sporadisch in dem Alten- und Pflegeheim mit, in dem sich auch seine Frau ehrenamtlich engagiert.

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Text und Foto: Christian Kuck

Werner Schmitz (61) engagiert sich ehrenamtlich in der Sterbebegleitung im Hospizverein Marl.


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LiVe: Einige Städte des Kreises haben ehrenamtliches Engagement bisher mit einem Preis gewürdigt. Was kann da eine weitere, kreisübergreifende Auszeichnung bedeuten? Cay Süberkrüb: Ob die ehrenamtlich Aktiven vom Kreis Recklinghausen, einer Stadt oder einer Initiative ausgezeichnet werden, ist am Ende nicht entscheidend. Alle Auszeichnungen für ehrenamtlich Aktive im Kreis Recklinghausen zeigen, welches Potenzial im Vest steckt. Wir wollen den Ehrenamtlichen zeigen, dass ihr Einsatz gewürdigt wird. Genauso bedeutend wird es auch künftig sein, die Vor12:52 bildfunktion derer herauszustreichen, die sich unentgeltlich für andere Menschen engagieren. LiVe: Wie kommt man in die Auswahl, wie meldet man sich beziehungsweise sein Projekt an? Cay Süberkrüb: Vor den Sommerferien wird auf das jeweilige Jahresmotto des Vestischen Preises mit Berichten in den Medien, mit Plakaten und Flyern aufmerksam gemacht. In den Flyern sind Meldeformulare, die man mit einem jeweiligen Vorschlag an mich schicken kann. Die Vorschläge werden gesammelt, dann trifft die Jury ihre Auswahl. Jeder, der im Kreis Recklinghausen lebt, kann Vorschläge für Preisträger machen. LiVe: Fiel die Auswahl der Preisträger schwer? Cay Süberkrüb: Die Jury hat sich die Auswahl der Preisträger wahrlich nicht leicht gemacht. Wir haben im Kreis Recklinghausen eine Vielzahl Gruppen und Initiativen, die sich für Völkerverständigung und den interkulturellen Dialog einsetzen. Es wurde gründlich recherchiert, um ein umfassendes Bild über die Einsendungen zu bekommen. Gute Vorschläge gab es viele – viel mehr, als man auszeichnen kann. Dieser Preis wird natürlich immer stellvertretend für alle anderen ehrenamtlich

Engagierten im Kreis Recklinghausen vergeben. LiVe: Wann wird der Preis das nächste Mal verliehen? Wie wird dann das Motto lauten? Cay Süberkrüb: Die nächste Verleihung wird im September 2011 stattfinden. Das neue Motto lautet „Ökologie und Umweltschutz“. Vor den Sommerferien im kommenden Jahr werde ich die Menschen im Kreis Recklinghausen bitten, mir Vorschläge für Menschen im Vest zu machen, die sich hier besonders engagieren. Wer in den Kategorien „kreative Idee“, „dauerhaftes Engagement“ oder „nachhaltige Wirkung“ mit ehrenamtlichen Aktivitäten und Aktionen glänzt, kommt in die engere Auswahl. LiVe: Zum Schluss etwas Persönliches: Wo engagieren Sie sich zurzeit ehrenamtlich? Cay Süberkrüb: Ich bin bereits seit Jahren Mitglied in einigen Vereinen und Verbänden. Besonders habe ich mich in der Arbeiterwohlfahrt als Vorstandsmitglied viele Jahre ehrenamtlich engagiert. Heute bin ich als Vorsitzender des Arbeitskreises der Vestischen Heimatvereine, im Beirat des Jüdischen Museums Westfalen, als Mitglied im Naturpark Hohe Mark und in der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald tätig. LiVe: Vielen Dank für das Gespräch.

INFO & TIPPS Landrat Cay Süberkrüb Kreisverwaltung Recklinghausen Kreishaus Kurt-Schumacher-Allee 1 45657 Recklinghausen Persönliche Referentin: Monika Gnip Tel.: 0 23 61 / 53 34 17 www.kreis-re.de


Das ist ein Stück meines Lebens

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ie Mutter von Siegfried Baldauf lebte elf Jahre im Julie-Kolb-Seniorenzentrum. Er besuchte sie täglich und begleitete sie bei Ausflügen. Nach dem Tod der Mutter wurde er 1993 gefragt: „Bleibst Du uns erhalten?“ „Warum nicht?“ dachte sich der ehemalige Elektriker im Bergbau. „Nur zu Hause rumsitzen, das ist nichts für mich.“ Als Vorsitzender des Bewohnerbeirats ist er zusammen mit 15 Ehrenamtlichen längst Bindeglied zwischen Heimverwaltung und Bewohnern: „Das ist manchmal ein Vollzeitjob.“ Denn hinzukommen Ausflüge in den Zoo, ins Phantasialand, zum Kemnadersee, alle 14 Tage zum Kegeln, Sommerfest, Oktoberfest, Elsässischer Abend ... Oft macht Baldauf Werbung für das Ehrenamt im Bekanntenkreis, denn viele der Ausflüge könnten ohne ehrenamtliche Unterstützung schlicht nicht stattfinden. 228 Bewohner hat das Seniorenzentrum, Baldauf kennt sie fast alle: „Wir sind eine große Familie.“ Ein Leben ohne sein Ehrenamt kann sich der 69-Jährige nicht vorstellen: „Das ist keine Arbeit. Das macht mir Spaß. Das ist ein Stück meines Lebens.“

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Text und Foto: Christian Kuck

Siegfried Baldauf (69) ist Vorsitzender des Bewohnerbeirates im Julie-Kolb-Seniorenzentrum in Marl.


Das Thema

Ein Dankeschön für die aktivsten Freiwilligen Als einzige Kommune im Vest honoriert Marl bürgerschaftlichen Einsatz mit der Ehrenamtskarte. Text und Foto von Ramona Vauseweh. Von Montag bis Donnerstag steht Karin Wiczorek* an der Essensausgabe der Suppenküche und sorgt für Nachschub. Neben einer warmen Mahlzeit und frischem Obst gibt es immer ein Lächeln und ein paar freundliche Worte. Angesprochen auf ihr Engagement reagiert die 58-Jährige erstaunt: „Ich mach‘ das doch gerne“, sagt sie resolut. Für solchen und ähnlichen unbezahlten Einsatz vergibt die Stadt Marl seit einem Jahr die Ehrenamtskarte – ein Dankeschön für die aktivsten unbezahlten Freiwilligen. 50 Prozent Rabatt auf Kurse in der Musikschule oder der Marler Insel (Volkshochschule der Stadt), in der Stadtbibliothek, im Hallenbad, bei städtischen Kulturveranstaltungen. Nicht zu vergessen die Vergünstigungen in weiteren Städten, die beim Projekt Ehrenamtskarte NRW mitmachen. „Das Vorbild stammt aus Hessen“, erklärt Gudrun Josler von der Stadt Marl. In der Bunastadt ist die Ehrenamtskarte seit 2009 flächendeckend eingeführt. Die Anforderungen sind hoch. Wichtige Kriterien: regelmäßiger Einsatz, gebunden an einen Verein oder eine Organisation. Mindestens fünf Stunden pro Woche oder 250 im Jahr und bereits zwei Jahre oder länger dabei: „Die Karte ist für Menschen, die sich in besonderem Maße engagieren.“ Ausgegeben wurden bisher 53 Karten. Freiwillige, die sie verdient hätten, gäbe es weit mehr! In Marl ist das bürgerschaft16 LiVe 4|2010

Altenhilfekoordinatorin Gudrun Josler.

250 Karten stehen zur Verfügung. Sind alle im Umlauf, „wird der 251ste Antrag trotzdem angenommen“, verspricht Gudrun Josler, „die nächste Karte gibt es, sobald wieder eine frei ist.“ Denn die Vergünstigung ist befristet auf zwei Jahre. Ehrenamtlicher und Karte kommen unkompliziert zueinander: Antrag ausfüllen und die Bestätigung der Organisationen einholen: „Wenn sich jemand in der Jugendarbeit, im Sportverein und in seiner Kirchengemeinde engagiert, wird das zusammengerechnet.“ Erste Erfahrungen zeigen, dass die Karte von ihren Inhabern durchschnittlich einmal im Monat genutzt wird. In Marl unterstützen inzwischen auch ein Küchenstudio, eine Gaststätte, eine Parfümerie und eine Versicherung die Aktion. * Name von der Redaktion geändert

liche Engagement sehr hoch (zum Engagement Aktion Deutschland mehr S. 18). „Angebote wie beispielsweise ‚Die Tafel‘ würde es ohne Ehrenamtliche gar nicht geben“, sagt die Altenhilfekoordinatorin, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Aber viele, die starken Einsatz zeigen, hielten das einfach für selbstverständlich, weiß sie. Dennoch: „Die Karte hat einen hohen symbolischen Wert, sie wird als Auszeichnung verstanden“, hat die Mitarbeiterin der Stadt festgestellt. Die hilfsbereiten Marler freuen sich, dass ihr Engagement wahrgenommen wird.

INFO & TIPPS Ehrenamtskarte Marl Ingrid Prothmann Sozialamt Creiler Platz 2 45765 Marl Tel.: 0 23 65 / 99 23 74 www.marl.de Ehrenamtskarte Nordrhein-Westfalen: www.ehrensache.nrw.de


Geschichten, die Sinn machen

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rgendwas musst du machen.“ Aber etwas Sinnvolles sollte es sein. Da kam der Presseaufruf von Jochen Geukes (Seniorenbüro der Stadt Herten) gerade richtig. Märchenerzähler wurden gesucht und der passende Lehrgang dazu angeboten. Die Zielgruppe für diese ehrenamtliche Tätigkeit sollten Menschen in Seniorenheimen und Demenzkranke sein. Auf dem Lehrgang lernte die energiegeladene Vor­ruheständlerin dann Karla Reinbach-Richter kennen. Die Idee für ein „Märchen-Duo“ war geboren. Nun sind sie zu zweit unterwegs und erfreuen unter anderem die Bewohner der Hausgemeinschaft St. Barbara mit ihren Besuchen. Dreimal im Monat für rund zwei Stunden widmen sie sich voll und ganz ihren Zuhörern. Dabei kann die Rollenverteilung allerdings schnell mal wechseln. Die beiden Ehrenamtlerinnen kommen oftmals aus dem Staunen nicht heraus, was die Heimbewohner, angeregt durch die Märchen und Geschichten, so alles aus ihrem Leben zu erzählen haben. Zusätzlich ist Gerda Gieskes noch ehrenamtlich auf dem Hof Holz in Gelsenkirchen aktiv, ein Begegnungszentrum für Menschen mit und ohne Behinderung. Und als sei das noch nicht genug, engagiert sie sich in einer ZWAR-Gruppe (zwischen Arbeit und Ruhestand).

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Text und Foto: Christian Kuck

Gerda Gieskes (63) ist Märchenerzählerin.


Das Thema

Mehr Freiräume, weniger Bürokratie

Engagementforscher Professor Dr. Thomas Olk.

LiVe: Freiwilliger Einsatz für andere – ist das zurzeit ein Trend? Prof. Dr. Thomas Olk: Das bürgerschaftliche Engagement in der Bundesrepublik nimmt leicht zu. Im Jahr 1999 engagierten sich 34 Prozent der Bevölkerung, inzwischen sind es 36 Prozent. Das sind mehr als 23.000.000 Menschen. Besonders hoch ist der Einsatz in den Bereichen Sport, Schule und Bildung, Soziales, Kirche und Religion. Weitere 30 Prozent der Bevölkerung sind bereit, sich unter bestimmten Bedingungen zumindest in Zukunft zu engagieren – es wartet also jede Menge Potenzial! Teilweise gibt es Leute mit drei und mehr Aufgabenbereichen, die sogenannten „Intensiv-Engagierten“. 18 LiVe 4|2010

Wie viele Menschen engagieren sich wo, wann und warum freiwillig und unentgeltlich für gemeinnützige Zwecke? Was treibt sie an, was könnte ihren Einsatz erleichtern? Zahlen, Daten und Fakten zum Thema liegen inzwischen vor. Seit 1999 erarbeitet Infratest Sozialforschung München regelmäßig eine Erhebung zum Thema, den Freiwilligensurvey. Bereits seit den 1980er Jahren ist die Engagementforschung einer der Arbeitsschwerpunkte von Prof. Dr. Thomas Olk. LiVe-Mitarbeiterin Ramona Vauseweh sprach mit dem Wissenschaftler von der Universität Halle-Wittenberg über Entwicklungen, Chancen, Motive und Motivationen für bürgerschaftliches Engagement.

LiVe: Wo ist in Deutschland das stärkste Engagement zu verzeichnen? Prof. Dr. Thomas Olk: Am höchsten ist das Engagement in ländlichen Regionen im Umfeld einer Metropole, also in Kleinstädten. Das Leben und die Strukturen sind dort noch überschaubar. Eher wenig freiwilliger Einsatz findet sich dagegen in großen Städten wie Hamburg und Berlin. Ähnlich ist es in ausgeprägt ländlichen Gegenden mit hoher Arbeitslosigkeit, starker Abwanderung und schlechten wirtschaftlichen Bedingungen. LiVe: Lassen sich weitere Tendenzen nennen? Prof. Dr. Thomas Olk: Am stärksten engagiert sind junge Leute im Alter bis

24 Jahren – 37 Prozent der Bevölkerung sind ehrenamtlich aktiv. Großes Engagement findet sich auch bei den sogenannten jungen Alten in den Lebensjahren zwischen 60 und 69. Eher schwach ist das Engagement insgesamt in den Bereichen Politik und Justiz. Männer engagieren sich etwas stärker als Frauen. Diese Zahlen kommen zustande, weil in allen Bereichen, auch Vereine und Politik, gemessen wird. Frauen setzen sich mehr im sozialen Bereich ein und holen derzeit auf. LiVe: In welchen Bereichen geht es einfach gar nicht mehr ohne Ehrenamtliche? Prof. Dr. Thomas Olk: Die Tafelbewegung wird fast vollständig von Frei-


Die AWO und Oma sind eins

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is 1987 arbeitete Gerti Weichert als Altenpflegerin im Elisabeth-Brune-Seniorenzentrum in Gladbeck: „In das Ehrenamt bin ich einfach so reingerutscht.“ Ganz und gar unspektakulär fasst sie ihre vielfältigen ehrenamtlichen Aktivitäten in dem knappen Satz zusammen: „Man kümmert sich und ist Ansprechpartner.“ Zentraler Ort ihres Kümmerns ist die dem Elisabeth-Brune-Seniorenzentrum angegliederte Begegnungsstätte. Auf dem Programm der mittlerweile 80-Jährigen stehen, neben den organisatorischen Tätigkeiten im Vereinsvorsitz, eine Handarbeitsgruppe, ein Spieletreff, Basare für den guten Zweck, die Planung von Ausflügen und Reisen und vieles mehr. „Die AWO und die Oma sind eins“, das ist auch ihren Enkelkindern nicht entgangen. Aber dafür, dass sie nicht zu kurz kommen, ist gesorgt: „Der Dienstag und der Mittwoch ist für die Familie da.“ Alles nur eine Frage der Organisation. Und dafür hat Gerti Weichert ein Händchen. Momentan versucht sie ihre Nachfolge vorzubereiten. Doch das hören die Vereinsmitglieder nicht gerne: „Wenn Du gehst, wird es nicht mehr so, wie es war.“ Diese Anerkennung und das Miteinander bedeuten Gerti Weichert viel: „Mir hat das Ehrenamt auf meinem Lebensweg sehr geholfen.“

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Text und Foto: Christian Kuck

Gerti Weichert (80) ist seit 1980 Vorsitzende des AWO-Ortsvereins Gladbeck-Rentfort.


Das Thema

willigen getragen. Auch im Umweltund Sportbereich ist das Engagement gewaltig. Im Kulturbereich wird ein großer Anteil ehrenamtlich geleistet, man denke nur an die Chöre. Manche Institutionen und Organisationen bestehen fast nur aus Ehrenamtlichen. Auch eine regionale Versorgung mit Brandschutz wäre ohne die Freiwilligen Feuerwehren nicht machbar. Im Sozialbereich dagegen ergänzen sich Ehrenamtliche und Hauptamtliche. LiVe: Warum übernehmen Menschen ehrenamtliche Aufgaben? Prof. Dr. Thomas Olk: Hauptsächlich möchten Ehrenamtliche einfach etwas mit anderen zusammen tun. Es geht auch um Spaß an der Aufgabe: Man sucht sich eine Tätigkeit, die man gerne macht. Ehrenamt und Hobby können sich durchaus überschneiden. Dazu kommt Interesse an den Inhalten und der Wunsch, die Gesellschaft dabei im Kleinen mitzugestalten. Besonders bei jungen Leuten wird aus politischer Dis­ tanz dabei ein Engagement im Kleinen. LiVe: Wie kann man – als Kommune, Stadt oder Bundesland – Anreize für ehrenamtliches Engagement schaffen und Menschen entsprechend sensibilisieren? Prof. Dr. Thomas Olk: Ganz wichtig: Infrastruktur schaffen! Ehrenamt braucht Anlauf- und Informationsstellen, Freiwilligenbörsen, Kontaktbüros. Das besonders als Drehscheibe für gelungene Öffentlichkeitsarbeit, als Ausgangspunkt für intensiven Kontakt zur Politik vor Ort und um verschiedene Akteure – Unternehmen, Schulen und andere – mit den Ehrenamtlichen zusammenzubringen. Der Knackpunkt ist dabei bisher die Finanzierung: Oft lösen sich solche Stellen, auch wenn sie erfolgreich gearbeitet haben, wieder auf, weil das Geld fehlt. Überschaubare 20 LiVe 4|2010

Einzelprojekte werden bisher eher finanziert. Einrichtungen, die eine gewisse Beständigkeit bieten müssten, haben das Nachsehen. LiVe: Wie werden Preise, Ausschreibungen und die Vergaben von Fördermitteln von den Ehrenamtlichen wahrgenommen? Prof. Dr. Thomas Olk: Alle diese Angebote werden als deutliche Wertschätzung angesehen. Das zeigt sich nicht zuletzt an den vielen Bewerbungen. Ganz neu ist übrigens der Deutsche Ehrenamtspreis. Er wurde zum ersten Mal am 5. Dezember 2009 vergeben. LiVe: Wie und wo beschäftigen sich Politik und Verwaltung mit dem Thema Ehrenamt? Prof. Dr. Thomas Olk: Das Thema hat es längst bis in den Bundestag geschafft. 2002 legte eine Enquête-Kommission auf Bundesebene Handlungsempfehlungen vor. An der Umsetzung arbeitet inzwischen der Unterausschuss Bürgerschaftliches Engagement im Bundestag. LiVe: Was hat sich seitdem getan? Prof. Dr. Thomas Olk: Ein gutes Beispiel für positive Veränderungen ist der verbesserte Versicherungsschutz. Einige Länder, darunter auch NordrheinWestfalen, haben inzwischen mit den Versicherungsgesellschaften Absprachen getroffen. Ehrenamtliche erhalten nun einen entsprechenden Versicherungsschutz während ihrer Tätigkeit über die Organisation. LiVe: Lassen sich weitere Maßnahmen empfehlen, um Menschen für ein Ehrenamt zu begeistern? Prof. Dr. Thomas Olk: Bürgerschaftliches Engagement braucht mehr Öffentlichkeit. Ein positives Bild in den Medien verstärkt Anerkennung der freiwilligen Arbeit. Genauso bedeutsam wäre eine zunehmende Entbürokratisie-

rung: Statt Steine in den Weg zu legen, müssten für Ehrenamtliche mehr Freiräume geschaffen werden. LiVe: Haben Sie neben Ihrer Arbeit Zeit für ehrenamtliches Engagement? Prof. Dr. Thomas Olk: Ich bin Vorsitzender des Sprecherrates des Bundesnetzwerkes Bürgerschaftliches Engagement und Vorsitzender des Vorstandes der Stiftung Bürger für Bürger (Berlin). Dazu kommen Juryarbeit, zum Beispiel für den Deutschen Ehrenamtspreis und das Gelsenwasser-Generationenprojekt (Lesen Sie dazu auf Seite 22). LiVe: Wir danken für das Gespräch.

INFO & TIPPS Prof. Dr. Thomas Olk Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg Philosophische Fakultät III – Erziehungswissenschaften Institut für Pädagogik Franckeplatz 1, Haus 6 06099 Halle/Saale Tel.: 03 45 / 5 52 38 00 Mail: thomas.olk@paedagogik. uni-halle.de Alle Ergebnisse der Repräsentativerhebung zu Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftlichem Engagement über die Webpräsenz des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: http://www.bmfsfj.de Stichwort „Freiwilligensurvey“ Mehr zum Deutschen Engagementpreis: http://www.deutscherengagementpreis.de


Mir macht es Freude, anderen zu helfen

Ü

ber eine Maßnahme des Arbeitsamtes kam Sascha Wellenkamp zum Seniorenbüro in der Begegnungsstätte des Elisabeth-Brune-Seniorenzentrums in Gladbeck. Ein Jahr lang hatte er die Möglichkeit, einen für ihn ganz neuen Arbeitsbereich kennenzulernen. Dabei gehörten auch Verwaltungsaufgaben und Kundenbetreuung, wie Einkaufshilfen und Gartenarbeiten, zu seinem Tätigkeitsbereich. Jetzt hat der 29-Jährige wieder eine Festanstellung als Lagerist gefunden, bleibt drei seiner Kunden aber trotzdem treu. Ehrenamtlich. Sascha freut sich über die Abwechslung, die netten Kollegen und die Zufriedenheit seiner ehemaligen Kunden: „Ich helfe gerne.“

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Text und Foto: Christian Kuck

Sascha Wellenkamp (29) ist einfach so hängengeblieben.


Das Thema

Starthilfe für Engagierte Das Gelsenwasser Generationenprojekt unterstützt Ideen mit Wirkung. Text und Foto von Ramona Vauseweh. Felix Wirtz.

Ob Kinder oder Senioren, Vereine oder Individualisten, Kita oder Kirchengemeinde, Migranten oder Ureinwohner: Viele Menschen haben zündende Ideen, die Generationen zusammenrücken lassen. Mit ihrem Generationenprojekt verspricht die Gelsenwasser AG Unterstützung. „Oft fehlt es nur an etwas Kapital, um ein Projekt an den Start zu bringen“, sagt Felix Wirtz. Das Unternehmen stellt jährlich 500.000 Euro zur Verfügung. 200 Projekte können so pro Jahr mit bis zu 2.500 Euro gefördert werden. „Generationsübergreifend heißt dabei nicht zwingend, dass Acht- und Achtzigjährige etwas zusammen machen“, erklärt der Leiter der Unternehmenskommunikation den Grundgedanken. Wer sich bewerben will, muss eine ausführliche Beschreibung verfassen. Weitere Kriterien: „Das Projekt sollte neue Aspekte bieten und Menschen über seine Dauer hinaus zusammenbringen.“ In Castrop-Rauxel haben Alt und Jung gemeinsam einen Garten angelegt – heute Raum für Entspannung und Begegnung. Der SV Horneburg 1948 e. V. hat ein kleines Fußballfeld gestaltet, auf 22 LiVe 4|2010

dem sich nun Sportfreunde jeden Alters zum Turnier treffen. „Besonders schön sind Projekte, über die man spricht“, sagt Felix Wirtz, „so lassen sich weitere Menschen zu eigenen Ideen animieren!“ Das Unternehmen hofft nicht nur auf Nachahmer in Sachen Ehrenamt, „wir wollen auch weitere Stifter und Sponsoren auf den Plan rufen.“ Seit Anfang 2008 besteht das Förderangebot der Gelsenwasser AG – Laufzeit bis 2011. Unterstützt wird das Projekt vom Städte-Netzwerk NRW. Bei den Bewerbungen hat sich ein Stadt-LandGefälle herausgestellt. „Aus ländlichen Regionen erhalten wir weniger Anträge“, sagt der Gelsenwasser-Mitarbeiter. „Die dortigen Strukturen bringen Alt und Jung noch eher zusammen.“ (weitere Tendenzen und Trends zum Thema finden Sie auf S. 18) Der Jury fällt die Entscheidung oft schwer: „Vieles ist toll organisiert und trifft genau den Kern!“ 407 Projekte wurden inzwischen ausgewählt: „Die Allerbesten werden auf unserer Webpräsenz als Projekt des Monats vorgestellt.“ In Haltern knüpfen KiTa-Kinder Kontakte bei Besuchen in der Tagespflege. Ruheständler keh-

ren an die Werkbank zurück, um Schüler auf den Berufseinstieg vorzubereiten. Über Altersgrenzen hinweg werden Musicals vorbereitet, Theater gespielt, Kochen gelehrt und gelernt – der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Anträge sind nur online möglich, dafür aber jederzeit. Wer jetzt noch überlegt, ob sein Projekt förderfähig ist: „Einfach anrufen, wir helfen gern!“

INFO & TIPPS GELSENWASSER AG Jennifer Gwiasda Willy-Brandt-Allee 26 45891 Gelsenkirchen Tel.: 02 09 / 70 84 56 www.gelsenwasser.de Städte-Netzwerk NRW e. V. Catrin Boss Nicolaistraße 3 59423 Unna Tel.: 0 23 03 / 96 93 13 www.netzwerk.nrw.de/


Die gute Idee

Das Spendenforum Auf dem virtuellen Ruhr-Lippe-Marktplatz erhöht jeder Besucher den Betrag. Text von Tobias Kindel, Fotos von Marco Stepniak.

Die Sparkasse Vest gibt Spenden ein Forum! Auf dem Onlineportal www.ruhr-lippe-marktplatz.de gibt es bis zum 24. Dezember ein neues Spendenforum. Es ermöglicht Nutzern des virtuellen Marktplatzes, schnell und unkompliziert für lokale Projekte zu spenden. „Die Sparkasse zeigt seit Jahren soziales Engagement, und das über die Bereitstellung von Spenden hinaus. Mit diesem neuen Projekt, das Fundraising-Tage, die sparen & spendenfunktion der bonus & more-Karte und weitere Einzelmaßnahmen ergänzt,

wollen wir verdeutlichen, dass es sinnvoll ist, sich hier auf lokaler Ebene für Hilfsprojekte einzusetzen. Das hat auch den Vorteil, dass man sich selbst vor Ort überzeugen kann, wo das Geld hinfließt und wofür es genutzt wird“, sagt Gerhard Jendrzey. Er ist bei der Sparkasse Vest Recklinghausen der Abteilungsleiter „Medialer Vertrieb“. Auf der Homepage stellen sich drei Einrichtungen aus dem Kreis vor. Ihre Arbeit, ihre Ziele und die konkrete Verwendung der Spende werden übersichtlich und unkompliziert präsentiert. Der Besucher kann über einen Button auf der Homepage für die

Für gemeinsame Spendenaktion auf dem Ruhr-Lippe-Marktplatz in einem Boot (v. l.): Barbara Lau (Hof Feuler), Christoph Lauer (Hof Wessels), HeinzJosef Bzdega (Sparkasse Vest), Jan Hindrichs (Hermann-Schäfer-Stiftung) und Gerhard Jendrzey (Sparkasse Vest).

einzelnen Projekte abstimmen. Wer die meisten Stimmen auf sich vereint, erhält die meisten Spenden. Der Clou: Jeder Besucher auf der Seite erhöht den Spendenbetrag automatisch um einen Cent! Auch eine Direktspende an eines der drei Projekte ist möglich. „Das funktioniert ganz komfortabel“, erklärt André Klein vom Medialen Vertrieb. „Durch das Klicken auf den Knopf Direktspende öffnet sich das OnlineBanking-Formular der Sparkasse und man kann ganz einfach einen Überweisungsträger ausfüllen.“ Datenschützer 4|2010 LiVe 23


müssen keinen Alarm schlagen! „Uns geht es nicht darum, irgendwelche Daten zu erfassen. Wir sammeln keine Informationen, werten nichts aus. Die Spenden stehen einzig und alleine im Vordergrund“, betont Gerhard Jendrzey. Eines der geförderten Projekte ist der „Hof Wessels“ in Herten. Unter der Träger-

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schaft der Hertener Bürgerstiftung werden hier vor allem Jugendliche unterstützt, die einen erhöhten Förderbedarf haben. „Das umfasst junge Menschen, die eine Behinderung haben, die keinen Schulabschluss schaffen, oder Menschen, die schon lange ohne Arbeit sind“, erklärt Christoph Lauer, der pädagogische Leiter und

Geschäftsführer des Hofes. Ursprünglich war der Hof im Jahre 1999 gekauft worden, um den schlechten Arbeitsmarktperspektiven der ehemaligen Bergbaustadt Herten entgegenzuwirken. Mittlerweile schaffen hier Jugendliche, die auf dem sonstigen Arbeitsmarkt keine Chance hätten, ihre Ausbildung. Koch, Beikoch oder Bäcker – nur


Hausnotruf. Lange gut leben.

ein Teil der Berufe, die junge Menschen auf dem Hof Wessels erlernen können. Ebenfalls vorgestellt wird die „Heinrich-Schäfers-Stiftung“ unter der Träger­schaft der Hertener Caritas. Das Geld der Spendenaktion geht an den Kinderfonds der Stiftung. Dieser wirkt Kinderarmut entgegen und unterstützt Kinder aus sozial schlechter gestellten Familien in vielfältiger Weise: Sie erhalten Unterstützung beim Kauf von Schulmaterialien und einen Zuschuss zum Mittagessen in der Offenen Ganztagsschule. Dritter Partner des Spendenforums ist der „Hof Feuler“ in Marl, ein Therapiezentrum, in dem behinderten Menschen vor allem durchs Reiten geholfen wird. Hier wird das Pferd als Krankengymnast, Pädagoge und sogar Psychotherapeut eingesetzt. Im Jahre 1999 wurde das Therapiezentrum „Hof Feuler“ eröffnet. Mit 18 Therapiepferden werden jede Woche 330 Patienten therapiert. Eine wichtige Lebenshilfe hoch auf dem Rücken der Pferde. Die Spenden benötigt der Hof für die Anschaffung von zwei neuen Therapiepferden. Surfen Sie los für den guten Zweck – Ihre Spende ist nur einen Mausklick entfernt … Und das Beste kommt zum Schluss: Im nächsten Jahr geht das Spendenportal in eine neue Runde. Gemeinnützige Einrichtungen, die gerne auf dem virtuellen Marktplatz vorgestellt und durch das Spendenportal unterstützt werden wollen, wenden sich an die Redaktion LiVe - Lebensfreude im Vest, Telefon: 0 23 66 / 8 87 09 11.

(v. l.): Gerhard Jendrzey und HeinzJosef Bzdegavon der Sparkasse Vest haben das Spendenportal initiiert. Christoph Lauer vom Hof Wessels, Barbara Lau vom Hof Feuler und Jan Hindrichs von der Hermann-SchäferStiftung hoffen auf Spenden.

Hausnotrufzentrale für den Kreis Recklinghausen INFO & TIPPS

02366 1815-120

Virtueller Online-Marktplatz der Sparkasse Vest Recklinghausen www.ruhr-lippe-marktplatz.de Hof Wessels Langenbochumer Straße 341 45701 Herten Tel.: 0 23 66 / 88 72 77 www.hofwessels.de Pflegeverein für behinderte Menschen e. V. im Therapiezentrum Hof Feuler Linder Weg 44 45770 Marl Tel.: 0 23 65 / 6 99 96 10 www.pbm-marl.de Hermann-Schäfers-Stiftung c/o Caritasverband Herten Hospitalstraße 11 - 13 45699 Herten Tel.: 0 23 66 / 49 25 46 63 www.caritas-herten.de

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Freude schenken

Besuch bei Oma und Opa 26 LiVe 4|2010


Regelmäßig schlafen Max (9) und Jan (7) bei ihren Großeltern. Ein Wochenendurlaub für die Brüder. Mit Opa Winfried (62) wird in der Garage gebastelt. 4|2010 LiVe 27


Freude bei Tag und Nacht 28 LiVe 4|2010


Oma Heidi (57) ist f체r den gem체tlichen Teil zust채ndig: Basteln am Nachmittag, Vorlesestunde zum Schlafengehen und am Sonntag ein Spaziergang zum Bauernhof. 4|2010 LiVe 29


Lebenswirklichkeit

Willi Salbreiter hört ältere Türken immer wieder sagen: „In Deutschland sehne ich mich nach der Türkei, in der Türkei habe ich Sehnsucht nach Deutschland und nach meinen Kindern und Enkelkindern.“

Die Heime brauchen mehr Muslime In Deutschland altern Menschen, die nicht hier geboren wurden oder Eltern haben, die aus anderen Ländern zugewandert sind. Der Bevölkerungsanteil von Migranten über 60 Jahren nimmt stark zu. Weder die Gesellschaft noch die Migranten sind darauf vorbereitet. LiVe-Mitarbeiter Christoph van Bürk sprach darüber mit dem Sozialpädagogen Willi Salbreiter, Leiter des Fachdienstes Integration, Migration und Gemeinwesenarbeit der Caritas in Recklinghausen. LiVe: Herr Salbreiter, Kumpel Anton und Kumpel Ali haben zusammen unter Tage malocht, sitzen aber nicht zusammen im Altenheim und genießen gemeinsam ihren Lebensabend. Warum leben so gut wie keine Migranten in den Heimen? Willi Salbreiter: Menschen mit Migrationsgeschichte haben meist keine Informationen über häusliche Pflege, Pflegegeld 30 LiVe 4|2010

und die Wirklichkeit eines Altenheims. Der Großteil der älteren Migranten im Vest ist türkischer Herkunft, also muslimischen Glaubens, und sehr traditionell eingestellt. Probleme lösen sie gemeinsam in der Großfamilie. Es existiert eine Selbstverständlichkeit, dass die Alten zu Hause von der Familie gepflegt werden. Das macht es den Wohlfahrtsverbänden schwer, überhaupt zu be-

raten. Auch Scham spielt eine Rolle: Wenn jemand wüsste, dass eine Familie einen Elternteil ins Heim gibt, befürchten sie, dass die anderen denken: „Die schieben den ab!“ LiVe: Viele Menschen scheinen immer noch anzunehmen, Migranten kehrten im Alter in ihr Herkunftsland zurück. Wie sieht die Lebenswirklichkeit von Migranten im Rentenalter aus?


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Willi Salbreiter: Die ersten Zuwanderer haben sich selbst und wurden immer als Gastarbeiter gesehen, die nur ein paar Jahre bleiben, und sie haben eigentlich immer das Gefühl vermittelt bekommen, dass sie nicht dazugehören. Andererseits halten sich die türkischstämmigen Bürger durchschnittlich seit 25 Jahren in Deutschland auf, die haben sich hier ganz anders entwickelt als in der Heimat. Deshalb ist für viele alte Migranten gar nicht endgültig geklärt, wie und wo sie leben wollen. Ich höre ältere Türken immer wieder sagen: „In Deutschland sehne ich mich nach der Türkei, in der Türkei habe ich Sehnsucht nach Deutschland und nach meinen Kindern und Enkelkindern.“ Was diese Alten aber tun und welche Bedürfnisse sie haben, darüber gibt es kaum Studien. LiVe: Welche Barrieren und Probleme hat der Migrant, die der deutsche Senior nicht hat? Willi Salbreiter: Die Sprachbarriere, den anderen kulturellen Hintergrund und die Religion. Sprachkurse hat es für die erste Generation der Gastarbeiter nie gegeben. Ein paar Brocken wie Bagger oder Hammer reichten ja aus. Die Deutschen heute altern langsamer, sie sind aktive und fitte Alte. Migranten im Ruhrgebiet waren meist als Hilfsarbeiter im Bergbau tätig. Ihre Arbeit war niedrig bezahlt, körperlich schwer. Altersarmut ist bei Ausländern viel häufiger, und: Sie sind wirklich alt! Sie sind oft im wahrsten Sinne des Wortes verbraucht. Deshalb benötigen sie viel häufiger und intensivere Pflege. LiVe: Müssen sich Menschen aus einem fremden Kulturkreis in der letzten Lebensphase mit dem Zwang zur Integration abfinden oder sich die Pflegeeinrichtungen öffnen, weil Deutschland auch immer Einwanderungsland war und ist? Willi Salbreiter: Beide Seiten sind auf beides nicht eingerichtet. Den Heimen fehlt es an Möglichkeiten oder manchmal an der Bereitschaft, religiöse Bedürfnisse

zu unterstützen. Von Heimbewohnern und Mitarbeitern ist mitunter zu hören: „Die sollen sich anpassen.“ Dabei haben wir in Deutschland eine Vielfalt von Menschen, und ich hoffe, wir kommen alle einmal dahin, das als Bereicherung zu empfinden. Ich habe mal das multikulturelle Seniorenzentrum in Duisburg besucht: eine tolle Atmosphäre. LiVe: Altenhilfe muss also kultursensibler werden? Willi Salbreiter: Natürlich gibt es in der Pflege von Migranten einiges konkret zu beachten. Sich bei Hausbesuchen von Muslimen die Schuhe auszuziehen, dass Pflege gleichgeschlechtlich geleistet werden muss oder dass nicht jede muslimische Frau einem fremden Mann die Hand geben möchte. Das sollte allerdings nicht unnötig überhöht werden. Es gibt keine Probleme, wenn man sensibel darauf achtet, wie man mit Menschen umgeht. Interkulturelle Kompetenz ist für mich schlichtweg Teil des Sozialverhaltens. LiVe: Was bedeutet das für Wohlfahrtsverbände und Pflegedienste? Willi Salbreiter: Sie müssen sich interkulturell öffnen. Von den 454 Pflegemitarbeitern der Caritas in Recklinghausen haben 145, also ungefähr 30 Prozent, einen Migrationshintergrund. Die kommen aus zehn verschiedenen Nationen. Was machen wir aus diesem Potenzial? – Wenig. Wir nehmen sie nicht als Fachleute für Migrationsgeschichte wahr. Ich plädiere dafür, Migranten und ganz speziell Muslime einzustellen, um deutlich zu machen: Wir sind für euch da, und wir können das auch. Wer zum Beispiel an Demenz leidet, fällt auch in die alte Sprache zurück. Solche Menschen erreichen Sie nicht auf Deutsch. LiVe: Wie erreicht man überhaupt alte Migranten? Willi Salbreiter: Indem man Pflegekurse und Infoabende anders organisiert, andere Krankheitsbilder von Migranten

Die Chirurgie am Gertrudis-Hospital setzt auf minimal-invasive Verfahren, also schonende chirurgische Eingriffe. In der Inneren Medizin liegt der Schwerpunkt auf der Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Leiden. Im Bauchzentrum am Gertrudis-Hospital arbeiten Internisten und Chirurgen in einem Team zusammen. Für die Abteilung Geriatrie steht neben der Behandlung akuter Krankheiten der Erhalt oder der Wiedererwerb der Selbständigkeit im Vordergrund. Angeschlossen ist eine geriatrische Tagesklinik. Schwer erkrankte Patienten behandeln wir auf unserer Palliativstation. Darüber hinaus bietet das Krankenhaus Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen die Möglichkeit der Kurzzeitpflege an. Die Spielgruppe KITA steht allen Kindern von 0 bis 12 Jahren in Westerholt und Umgebung offen. Gertrudis-Hospital Westerholt Kuhstraße 23 · 45701 Herten Telefon 0209 61910 Telefax 0209 6191109 westerholt@kkrn.de

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Rehana Boota (18, l.) und Fadja Mostafa (19, M.) besuchen die elfte Klasse des Hans-Böckler-Berufskollegs in Marl und wollen das Fachabitur Sozialarbeit machen.

wahrnimmt und darauf eingeht. Demenz wird in einigen Kulturkreisen ja noch als Geisteskrankheit oder Strafe Gottes angesehen. Auch die persönliche Ansprache ist wichtig. Wohlfahrtsverbände müssen dahingehen, wo die alten Migranten oder deren Angehörige sind. Warum nicht einmal einen Pflegekurs in der Moschee anbieten? LiVe: Altern und Migration, das hat auch eine ökonomische Dimension. Sind Senioren mit Migrationshintergrund die Zielgruppe der Zukunft?

Willi Salbreiter: Migranten über 60 Jahre sind die am schnellsten wachsende gesellschaftliche Gruppe. Gleichzeitig existiert im Vest ein Überangebot an stationären Plätzen – Tendenz steigend. Wir werden demnächst Probleme haben, diese Plätze zu belegen. Allein aus ökonomischen Gründen müssten wir längst auf diese Zielgruppe gekommen sein, und es passt ohnehin ins christliche Menschenbild, hilfsbedürftige Menschen, egal welchen Glaubens und welcher Nationalität, zu unterstützen.

INFO & TIPPS Haus der Caritas Ansprechpartner: Willi Salbreiter Mühlenstraße 27 45659 Recklinghausen Tel.: 0 23 61 / 5 89 00 www.caritas-recklinghausen.de

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Vom Hörensagen

Impressionen aus dem Studio: Moderator Dirk Langenbach feilt an der Moderation, ist aber zugleich auch für die Technik und das Archivieren der Sendung zuständig.

Nachrichten für die Ohren Mit Herz und Stimme dabei: Ehrenamtliche erstellen die Kreisreport-Blindentonbandzeitung. Text und Fotos von Ramona Vauseweh. Achtung, Aufnahme läuft! Die grüne Lampe leuchtet. Im winzigen Studio ist heute Dirk Langenbach dran mit der Moderation. Beim Einsprechen von Nachrichten, Texten und Tipps wird er unterstützt von Gerda Friedrich, Angelika Neef und Ursula Trecker. Damit sich keiner den Mund fusselig redet, steht nebenan eine Kiste Wasser bereit. Hier sitzt auch Ulrike Agresti und bedient die Regler am Mischpult. Die 34-Jährige gehört seit 14 Jahren

zum Team der Ehrenamtlichen, das die Kreisreport-Blindentonbandzeitung produziert. Aufnahmen für Blinde – für die Managerin im Onlinemarketing von klein auf nichts Fremdes: „Meine Oma war sehbehindert. Sie hat gerne Hörspiele gehört.“ Die Technik stammt vom Vorläufer. Lange wurde im Studio des Kreishauses an der Kurt-Schumacher-Allee das Kreisecho für Blinde produziert. „Als die Arbeit 1994 aus Kostengründen eingestellt wurde, ha-

ben Ehrenamtliche diese Aufgabe übernommen“, erzählt Gerda Friedrich (69). So brauchen Blinde und stark Sehbehinderte weiterhin nicht auf ihre Tonbandzeitung zu verzichten. 30 Freiwillige hatten sich anfangs auf einen Aufruf in der Lokalpresse gemeldet. Inzwischen ist das Team zu fünft. Und bestens aufeinander eingespielt. Alle 14 Tage finden sich die Amateur­ redakteure im Studio ein, um eine neue Aufnahme zu erarbeiten. 4|2010 LiVe 33


Die 69-Jährige und Gerda Friedrich sind vom ersten Tag an dabei. Dirk Langenbach war schon als Student beim Kreisecho tätig: „Ich kannte bereits so viele der Hörer, das verbindet!“ sagt er. Der Kontakt ist eng, Redakteure und Hörer kennen sich zumeist persönlich. „Alle zwei Jahre veranstalten wir ein Treffen.“ Im Bochumer Zoo sind sie gewesen, haben eine Vorlesestunde in einer Eisdiele organisiert, das Schiffshebewerk und das Umspannwerk besichtigt. „Unsere Hörer freuen sich, wenn sie die Macher ihrer Zeitung nicht nur hören, sondern auch fühlen können“, beschreibt Angelika Neef diese Unternehmungen. „Die meisten Abonnenten der Blindenzeitung sind ältere Leute“, erklärt sie. Für neu Interessierte verschickt das Team gern eine Probekassette – Anfrage genügt. Für die heutigen Sendeinhalte ist Dirk Langenbach verantwortlich. Zeitgeschehen, Reportagen, Berichte über Sport, Politik und Kultur, aber auch Klatsch und Infos zu Kursen gehören zum Programm. Per Mail bekommen die freiwilligen Redakteure außerdem den Blindenpressedienst. Grundsätzlich

Das Redaktionsteam der Kreisreport-Blindentonbandzeitung: (v. l.): Dr. Gerda Friedrich, Angelika Neef, Ulrike Agresti, Dirk Langenbach. Die Fünfte im Team, Ursula Trecker, war am Tag des Fototermins krank.

gilt: „Was alle interessiert, das interessiert Blinde ebenfalls“, sagt Dirk Langenbach. Kleine Versprecher? Kein Problem. Klar passiert das schon mal, denn: „Bei uns ist alles live!“ betont das Team. Die Hörer finden das in Ordnung, wissen alle. So kommt alles ganz natürlich rüber, „und ein kleiner Schnitzer kann durchaus lustig sein“, da ist sich die Redaktion einig. Rund vier Stunden Studioarbeit stecken in der Produktion einer Ausgabe. Im Schrank liegt ein kleines Aufnahmegerät für alle Fälle, „manchmal produzieren wir daheim“. Ist die neue Aufnahme im Kasten, wird sie vervielfältigt. Immer sieben Kopien gleichzeitig lassen sich über die Kopierstraße anfertigen, „30 Minuten dauert das jeweils“. Die frischen Aufnahmen werden für den Versand in ihre stoßsicheren Hüllen

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zurückgepackt. Adresskarte umdrehen, und fertig ist die Tonbandzeitung für einen neuen Versand. Mehr als 380 Kassetten haben die Amateurredakteure inzwischen eingespielt. Durch das ehrenamtliche Engagement ist das einstige Thema horrende Hörergebühren längst vom Tisch. Für nur zehn Euro Jahresbeitrag kommt die Tonbandsendung portofrei ins Haus.

INFO & TIPPS KreisreportBlindentonbandzeitung Dr. Gerda Friedrich Tel.: 0 23 61 / 2 40 82 Angelika Neef Tel.: 0 23 63 / 6 10 56

Karl-Pawlowski -Altenzentrum Windhorststraße 10-19 45665 Recklinghausen Tel.: 0 23 61 / 4 30 22

Mitten im Leben. Haus am Ginsterweg Alten- und Pflegeheim im Ev. Johanneswerk Ginsterweg 31 44577 Castrop-Rauxel Tel.: 0 23 05 / 9 23 40 -0

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Ev. Johanneswerk e.V. Region Ruhrgebiet Nord - Münsterland Hirtenstr. 5-7 . 44652 Herne Tel.: 0 23 25 / 58 71 95 -0 Fax: 0 23 25 / 58 71 95 -9 www.johanneswerk.de

Kompetenz und Innovation, dafür steht das Ev. Johanneswerk als führender Anbieter in der Altenarbeit. Unsere Einrichtungen stellen sich auf die veränderten gesellschaftlichen und individuellen Bedürfnisse ein. Für die zunehmende Zahl der Menschen mit Demenzerkrankung haben viele der Häuser Wohnbereiche, die sich auf die besonderen Anforderungen in diesem Bereich eingestellt haben. Für Menschen, die ihren Lebensabend gerne so selbständig wie möglich verbringen wollen, bietet das Ev. Johanneswerk Wohnprojekte in der quartiersnahen Versorgung, Kurzzeitpflegeplätze oder das Leben in Wohngruppen innerhalb einer stationären Einrichtung an .


Rat und Service

SOZIETÄT

V O L K E N B O R N & M AT T H E I S

§

N OTA R I AT · R E C H T S A N W Ä LT E Amtsgerichte · Landgerichte · Oberlandesgerichte

Ihr gutes Recht Keine anteilige Zahlung des 13. Monatsgehalts

Anspruch auf Weihnachtsgeld

Regelt ein Prozessvergleich, dass der Arbeitnehmer für einen bestimmten Zeitraum noch Arbeitsvergütung ausgezahlt bekommt, ist ein 13. Monatsgehalt davon nicht erfasst. Das geht aus einem Urteil des Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg hervor. Ein Tischler schloss mit seinem Arbeitgeber im Rahmen eines Kündigungsschutzprozesses einen gerichtlichen Vergleich, der regelte, dass der Arbeitgeber die Arbeitsvergütung von fünf Monaten ausbezahlen würde. Mit dem Vergleich sollten sämtliche Ansprüche aus dem beendeten Arbeitsverhältnis erloschen sein. Vom Arbeitgeber forderte der Tischler dennoch die anteilige Zahlung des tarifvertraglich geregelten 13. Monatsgehalts in Höhe von 1.532,02 Euro. Das Arbeitsgericht Berlin und das Landesarbeitsgericht BerlinBrandenburg wiesen die Klage ab.

Zahlt ein Arbeitgeber mehrere Jahre Weihnachtsgeld, ohne eine Bindung für die Zukunft auszuschließen, kann der Beschäftigte von einer dauerhaften Verpflichtung ausgehen. Eine unklare Klausel kann das Entstehen des Anspruchs nicht hindern. Ein Diplom-Ingenieur erhielt von seiner Arbeitgeberin in den Jahren 2002 bis 2007 jeweils ein Weihnachtsgeld in Höhe eines Bruttomonatsverdienstes. Bei der Zahlung wurde kein ausdrücklicher Vorbehalt erklärt. Die Arbeitgeberin verweigerte im Jahr 2008 wegen der Wirtschaftskrise eine Zahlung unter Hinweis auf eine Klausel im Arbeitsvertrag mit folgendem Inhalt: „Soweit der Arbeitgeber gesetzlich oder durch Tarifvertrag nicht vorgeschriebene Leistungen, wie Prämien, Zulagen, Urlaubsgeld, Gratifikationen, Weihnachtsgratifikationen, gewährt, erfolgen sie freiwillig und ohne jede rechtliche Verpflichtung. Sie sind daher jederzeit ohne Wahrung einer besonderen Frist widerrufbar.“ Der Ingenieur klagte erfolgreich auf Zahlung des Weihnachtsgeldes für 2008. Das Bundesarbeitsgericht hielt die verwendete Klausel für unklar und nicht eindeutig formuliert.

Quelle: LAG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 26.11.2010 Aktenzeichen: 8 Sa 446/10

Quelle: BAG, Urteil vom 08.12.2010 Aktenzeichen: 10 AZR 671/09

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Der Kopf des Drusus Dank des Fördervereins Römermuseum steht mehr als ein Foto im Regal. Text von Andrea Hamm, Fotos von Marco Stepniak.

Margarete Ockenga beschreibt gern eine der zahlreichen Hilfsaktionen des Vereins, als dessen Vorsitzende sie seit 1998 agiert. Eine detailgetreu nachgearbeitete Rüstung, Modelle des Wohnalltags, der antiken Schiffshäuser oder einer Kaserne – dass man beim Gang durch das Römermuseum in Haltern am See auf Spuren trifft, die das Leben im Heereslager am Nordrand des römischen Reiches lebendig werden lassen, ist auch der Arbeit des Fördervereins zu verdanken. 1991 wurde der Förderverein gegründet – „als klar war, dass das Römermuseum nach Haltern kommt“, erinnert sich Margarete

Ockenga. Die Halteranerin ist von Anfang an dabei, der Direktor des Gymnasiums sprach sie damals an, ob sie nicht mitmachen wolle. Er suchte engagierte Mitstreiter für seine Vereinsidee und wusste ihren Einsatz in der Schulpflegschaft zu schätzen. Aus Begeisterung für Kunst, Kultur und den heimischen Museumsstandort war sie sofort bereit – und wurde 1991 Mitglied Nummer 7. Im November 1993 wurde das Museum am Standort des einstigen Heereslagers eröffnet und der „Verein der Freunde und Förderer des Westfälischen Römermuseums Haltern e. V.“ war für seine Arbeit bereits gut aufgestellt. Wo


Das Seniorentelefon!

Wissenswertes unter dem Dach des Römermuseums: Der Förderverein unter Vorsitz von Margarete Ockenga macht‘s möglich.

öffentliche Gelder nicht ausreichen oder nicht schnell genug verfügbar sind, unterstützen die Förderer die Museumsaktivitäten. Dazu zählen neben Vorträgen, Konzerten, Tagungen und Sonderausstellungen auch die alle zwei Jahre stattfindenden Römertage. Dann führen Gruppen rund um das Museum an der Weseler Straße Exerzierübungen, Geschütze und Arbeiten aus ihrem Alltag vor. Sie wollen das oft beschwerliche Leben der Legionäre fern der Heimat so authentisch wie möglich nachstellen. „Es gibt vieles, was man tun kann!“ Margarete Ockenga weiß, wovon sie spricht: Die gelernte Diplom-Kauffrau hat das Knowhow, um die Finanzen des 270 Mitglieder starken Vereins mit Weitblick einzusetzen.

Eine Arbeit, die ihr Spaß macht, wie die Vereinsvorsitzende mit sympathisch offenem Lächeln betont: „Es liegt mir schon am Herzen, dass dieses kleine Museum etwas hat, was sonst nicht möglich ist.“ Die große Herausforderung für die nächsten Jahre und ein echter Herzenswunsch ist der geplante archäologische Park im Außenbereich des Römermuseums.

Tel60 Telefonieren im Alter

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INFO & TIPPS Verein der Freunde und Förderer des Westfälischen Römermuseums Haltern e. V. Margarete Ockenga Weseler Straße 100 45721 Haltern am See Tel.: 0 23 64 / 9 37 60 www.foerdervereinroemermuseum.de

Der Seniorentarif

Unbegrenzte Orts- und Ferngespräche in das dt. Festnetz keine Anschlussgebühr bis 31.01.2011 Sie behalten Ihre alte Rufnummer

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*Anbindung erfolgt über Mobilfunk. Mindestvertragslaufzeit 24 Monate. Weitere nutzungsabhängige Verbindungsengelte für z.B. Telefonate zu Mobilfunk-, Auslands-, Sonderrufnummern und SMS.

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Natur und Erholung

Wandern, da wo der Winte Ein frostiger Rundgang um den Stimberg. Text und Foto von Ramona

Hausnotrufdienst Mahlzeitdienst Haushaltshilfen Seniorenreisen Fahrdienste, u. v. a.

Kreisverband Recklinghausen e.V. Am Polizeipräsidium 1 45657 Recklinghausen Tel. 0 23 61 / 93 93 -0 ∙ Fax: -11 www.kv-recklinghausen.drk.de 38 LiVe 4|2010

Mit dem kalten Wind kamen die Wolken. Dann, plötzlich und über Nacht, hat früher Schnee die Hügel der Haard berührt. Frostharter Boden, am Wegesrand Blätter wie verzuckert. Immergrüne Nadelbäume und kahle Wipfel mit zartem Weiß. Die Sonne hält sich versteckt. Einsame Pfade? Oh nein – im Winterwald warten viele Begegnungen. Walker eilen des Wegs, ein Spaziergänger mit drei Hunden kommt uns entgegen. Die Reifen von Trekkingrädern haben dunkle Muster in den Schnee gezeichnet. Später Vormittag, Zeit zwischen grau und blassblau. Wir sind vom Haardgrenzweg in den Wald abgebogen und wollen zum Stimberg. Gleichmäßiger Atem hinter uns. Eine Joggerin mit guter Figur überholt wortlos, dunkler Sportdress und rote Mütze für ei-

nen Moment und schnell hinter der nächsten Biegung verschwunden. Das nächste Treffen auf schneegerändertem Pfad: Zwei Wanderer laufen zielstrebig vorbei. Daunenjacken, feste Schuhe, viel Gepäck. „Wohin geht’s denn?“ Überrascht drehen sich die beiden um: „Wir laufen die Rucksäcke ein“, scherzen sie schlagfertig. Dunkles Gehölz, dorniges Dickicht, Zapfen im Schnee. Für einen Augenaufschlag bevölkert eine Schar Kohlmeisen den Pfad. Die beiden Kaninchen im Unterholz haben unsere Schritte gehört. Gespitzte Löffel, dann sieht man von beiden nur noch die weiße Blume in der Ferne verschwinden. Zur Linken riesige Holzstapel, in leuchtenden Farben markiert. Jahresringe berichten von den vergangenen Wintern. Manchmal geben feste Bohlen


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Vauseweh. Halt am Hang, wie Treppen sehen sie von Weitem aus und erleichtern die leichte Steigung. Sanft schlängelt sich der Wanderweg A7 zwischen den Stämmen zum Stimberg hinauf. Eine rot-weiße Barke, wir überqueren eine Asphaltstraße. Sie führt direkt auf den Gipfel hinauf. Wer nicht allzu gut zu Fuß ist: Der Stimberg, mit 153,8 Metern die höchste Erhebung der Haard, ist von einem kleinen Wanderparkplatz unterhalb über diese Straße zu erreichen. Oben ragt ein Sendemast in den blassen Winterhimmel. Er gehörte zunächst zur ehemaligen Radarstation der Bundeswehr. Seit 2006 gehört das Gelände der Entwicklungsgesellschaft der Stadt Oer-Erkenschwick und die Bundesnetzagentur betreibt den Sendemast.

Kurz vor dem Gipfel wölben sich stille Felsgesichter aus dem Waldboden. Grau in Grau, manchmal bemoost, manchmal mit Erde überzogen. Teufelssteine werden diese markanten Sandsteinfelsformationen genannt. Dornengestrüpp, noch vor ein paar Wochen lockten hier an Brombeersträuchern reife Beeren und rotes Laub leuchtete herbstlich. Ein Holzgeländer begrenzt den sandigen Pfad, zur Rechten geht es steil hinab. Früher wurde der Berg als Steinbruch genutzt. „Das Gestein ist besonders hart“, weiß Jochen Röttger. „Bereits im Mittelalter haben die Menschen hier Material für den Hausbau beschafft“, gibt der Schriftführer des Vereins für Orts- und Heimatkunde OerErkenschwick Auskunft. „Bei alten Bauten im Vest kann man davon ausgehen,

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dass sie aus diesem Material errichtet worden sind“, nimmt er an. „Früher stand hier am Berg auch eine alte Potthütte – eine Töpferei – daneben“, erklärt unser sachkundiger Oer-Erkenschwicker. „Die Menschen buddelten nach braunkohleartigem Brennmaterial“ – und haben es direkt vor Ort verwertet. Der Pfad gabelt sich, wir wandern Richtung Süden. Mit krächzendem Schrei meldet ein Eichelhäher unser Kommen. Wer den Pfad verlässt und sich zwischen die Stämme wagt: Ein paar hundert Meter jenseits des Weges wartet einer der Feuer-

ich habe in 15 Jahren nur einmal eins gesehen!“ Wir begegnen nur geflügelten Waldbewohnern. Manchmal tut sich eine Lichtung auf. Moose und Grasbüschel dicht auf dicht. Ein Grünspecht sucht hier nach Futter. Die halbe Wiese gräbt er dabei um. Wieder Wanderer unterwegs: „Schau, ein Kleiber!“ Der kleine Kletterer mit dem schwarzen Augenstreifen verschwindet hinter einem Stamm. „Und wie heißt dieser Vogel?“ Opa-Enkel-Tag am Waldrand. Jung und Älter streifen den Weg entlang. Das Rotkehlchen, das der kleine Entdecker gesehen hat, hockt in gebührendem Abstand

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wachttürme des Waldgebietes. Eine solide Konstruktion aus Stahl und Holz, fast 40 Meter hoch. Im Winter sind die Türme nicht besetzt. Schwindelfreien, die einen Rundblick über den Wald wagen wollen, empfiehlt Albert Oelmann vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW: „Man kann bis zu fünf Metern unterhalb der Plattform der Feuerwächter hinauf und in die Region gucken.“ Der Forstbetriebsbeamte kennt sich gut aus in seinem Revier. „Außer Hasen und Kaninchen bekommen aufmerksame Spaziergänger hier durchaus schon mal Damwild, Rehwild wie auch Füchse zu Gesicht“, kündigt er an. Wildschweine leben auch in den Tiefen des Waldes. „Aber selbst

auf einem Baumstumpf. In Windeseile erobert ein dunkles Eichhörnchen den Rasen. Woher hat der Wipfelakrobat denn die Haselnuss? Wer so niedlich aussieht, wird ganz sicher in einer nahegelegenen Siedlung durch die kalte Jahreszeit gefüttert. Im südlichen Wald vermehrt Laubbäume. Über blauschwarzer Landschaft in der Ferne die Windräder des Windparks Börste zwischen den Tannenwipfeln. Helle, fröhliche Stimmen nähern sich. Eine Schar kleiner Reiter in bunten Jacken erobern den Hohlweg. Ab und an ein Blick auf die Wanderkarte. Wo geht’s weiter? Wagen wir einen Abstecher Richtung Westen, können wir uns unterwegs aufwärmen. Draußen weißer Putz, dunkles Fachwerk


Unsere Leistungen : Ambulante häusliche Alten- und Krankenpflege: Grundpflege (z.B. Körperpflege, Hilfe bei der Nahrungsaufnahme) Behandlungspflege (z.B. Verbände, Medikamentengabe, Zuckertests, Blutdruck-Kontrollen, Einreibungen, Kathederpflege)

Die drei Wandertouren in der Übersicht.

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und grüne Fensterläden. Am Jägerzaun ruhen sich alte Wagenräder aus. Durch bunte Butzenscheiben dringt gedämpftes Licht in die Gaststube bei „Mutter

Wehner“ und ein fröhliches Feuerchen prasselt im Kamin. Noch wärmer wäre es nur im Maritimo Sauna-Wellness-Resort gegenüber des Waldes.

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Tiere in der Therapie

Krankenschwester Mariola Breitzmann hat mit Englischen Zwergkämpfern eine Tiertherapie im Waltroper St.-LaurentiusStift eingerichtet.

Ein Hahn zum Schmusen Mariola Breitzmann arbeitet in der Psychiatrischen Abteilung des St.-Laurentius-Stifts mit gefiederten Therapeuten. Text und Foto von Joachim Bachmann. Pferde und Delphine sind in der Tiertherapie keine Seltenheit. Aber Hühner? Mariola Breitzmann, Leiterin der Station 4, kann sich noch ganz genau an die ersten Reaktionen auf ihre Idee erinnern, eine gefiederte Familie für ihre Psychiatrische Abteilung des St.-Laurentius-Stifts in Waltrop anzuschaffen. „Und dann war 2006 die Zeit, als die Vogelgrippe in Deutschland aufkam“, er42 LiVe 4|2010

innert sich die 49-Jährige. Dass es sich bei der ausgewählten Rasse um Moderne Englische Zwergkämpfer handelt, hat sie eher beiläufig erwähnt. „Denn die sind – was ihr Name nicht vermuten lässt – besonders zutraulich, lieb und geradezu auf Menschen fixiert“, erklärt Mariola Breitzmann und nimmt Hahn Caesar in die Hand. Der lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und sieht sich neugierig um. Auch die anderen Hüh-

ner kommen aus dem kleinen Haus heraus und mustern die Besucher. „Die Tiere haben in der Therapie die Aufgabe, entspannend zu wirken und Ängste beim Kontakt zu Therapeuten und Mitpatienten zu überwinden“, berichtet Breitzmann. Und so macht sich jeden Morgen eine kleine Gruppe der Station mit Wasser, Körnern, Äpfel und anderen Leckereien auf den Weg zum Stall, um die gefiederten Lieblinge zu versorgen. Nur sonntags ist Diättag. Denn dann sind viele Patienten am Besuchstag nicht da und die Tiere zehren von ihrem Vorrat an Wasser und Körnern. Längst hat sich die Therapie mit Hühnern herumgesprochen, hält Schwester Mariola Vorträge über ihr Projekt in anderen Krankenhäusern und Einrichtungen. Wie gut das Federvieh den Bewohnern der Station tut, haben viele im Gästebuch der Station vermerkt. „Ich freue mich auch über die Hühner, die das Ganze noch lebendiger machen“, schreibt Katja Dörrmann (Name geändert). „Ich hoffe und wünsche mir, dass das noch lange erhalten bleibt.“

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Mit der Kamera dabei

Ein Jahr zur Probe

„Erst einmal ein Jahr arbeiten“, das stand für Alina Meyring nach Realschule und Fachabitur fest. Die Richtung war klar. Eine Tätigkeit im sozialen Bereich sollte es sein. LiVe-Fotograf Christian Kuck hat die 18-Jährige dabei begleitet. 4|2010 LiVe 43


Ein neuer Tag beginnt ...

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Ein Freiwilliges Soziales Jahr bot sich für Alina Meyring als Orientierungsphase für die spätere Berufswahl an. Von der Tante kam der Tipp: Die Hausgemeinschaft St. Barbara in Herten. Ein stationäres Angebot des Caritasverbandes für demenzkranke Menschen. „Man muss die Dinge nicht für, sondern mit den Menschen machen“, gilt als Leitsatz für die Mitarbeiter in der Hausgemeinschaft. Sie sind Begleiter, Unterstützer und Ermöglicher der Demenzkranken.

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„Ich probiere es einfach mal“, dachte sich Alina. Nach kurzer Eingewöhnungsphase in ihrem neuen Tätigkeitsfeld fand sie für sich heraus: „Es ist richtig schön, den Menschen zu helfen und in Alltagssituationen beizustehen.“ 46 LiVe 4|2010

Heute ist Markttag


Auf Alina warteten viele Arbeiten, die in jedem anderen Haushalt auch anfallen, doch in diesem Jahr mit einer besonderen Herausforderung. Tisch eindecken, Wäsche waschen und zusammenlegen, Einkaufen gehen, Mittagessen kochen ... Immer gemeinsam mit den Bewohnern. Feinfühlig abgestimmt auf Möglichkeiten und Stimmungslage der Demenzkranken in der Wohngemeinschaft. 4|2010 LiVe 47


Mensch, 채rgere dich nicht 48 LiVe 4|2010


Begegnungen auf Augenhöhe, ein wertschätzendes Gespräch. Das sind hilfreiche Stützen für Demenzkranke. Sätze wie aus einem Lehrbuch. Was sich in der Theorie einfach anhört, erfordert im Alltag viel Ruhe und Selbstreflexion, um sich stets auf die Stimmungslage des Gegenübers einzulassen. Nach einem ereignisreichen Jahr weiß Alina Meyring: „Immer Ruhe bewahren, die Menschen erzählen lassen. Denen tut das gut, wenn jemand da ist, der einfach nur zuhört.“ Die Erfahrungen, die Alina gemacht hat, haben sie in ihrem Berufswunsch bestärkt: Anfang Oktober begann ihre Ausbildung bei der Caritas zur examinierten Altenpflegerin. 4|2010 LiVe 49


Ruhrpott-Historie

Geschichte(n) en Blog Kumpel, Tauben, Nachbarschaft – Hans Frackowiak erzählt aus seinem Leben im Vest. Text und Fotos von Ramona Vauseweh.

„Werkstatt“ nennt er sein kleines Arbeitszimmer. Fröhlich ertönt Radiomusik, der Rechner läuft und Tastatur und Maus liegen bereit. Onlineshoppen, Chatten oder Surfen im Netz? Nichts dergleichen! Hans Frackowiak schreibt Geschichte. Episoden aus seiner Kindheit, Erlebnisse aus seiner Zeit als Bergmann, Beobachtungen aus seiner Heimatstadt Castrop-Rauxel. Die heiteren stets mit einer Pointe zum doppelt Schmunzeln, die nachdenklichen mit einem Ende, das berührt. Den Rechner brachte Sohn Andreas ins Haus. „2004 war das“, erinnert sich Hans Frackowiak. Aus gesundheitlichen Gründen konnte der sportliche Ruheständler seinen Hobbys nicht mehr recht nachgehen. Mit dem Computer hatte der 80-Jährige sich schnell angefreundet. „Ein bisschen wusste ich schon vorher, welche Tasten man da so drücken muss“, meint er mit

Der wohl älteste Blogger des Ruhrgebiets: Hans Frackowiak vor seinem heimischen PC in Castrop-Rauxel.

Das Wohl des Patienten - das höchste Gesetz!

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Zu den üblichen medizinischen Leistungen bieten wir Ihnen auch Haushaltsdienstleistungen an.

Unsere Leistungen sind für Sie kostenlos, alles wird von Krankenkassen und Sozialämtern bezahlt.

Wir sind für Sie im gesamten Kreis Recklinghausen und in Gelsenkirchen tätig.

Tel.: 02368 - 908077 Mobil: 0176-85188888 amica-pflege@web.de

Werkstraße 25 45739 Oer-Erkenschwick


einem Augenzwinkern. Und er hat eine Regel, an die er sich eisern hält: Nicht länger als eine Stunde pro Tag vor dem Bildschirm: „Ich will ja kein Junkie werden!“ Auf die Idee mit dem Blog hat der Sohn den Vater drei Jahre später gebracht. Und gleich seine technische Unterstützung angeboten. „Du hast doch schon immer so schön von früher erzählt!“ bekam Papa Hans zu hören. Warum das Ganze nicht mal online? Es gibt so viel zu berichten: Was „Hansiken“ mit seinem Opa erlebt hat, Jugendstreiche und von der großen Liebe. Der ehemalige Bergmann schildert den Arbeitsalltag auf dem Pütt und erzählt Erlebnisse aus seiner Heimatstadt Castrop. Beispielsweise von seiner Zeit bei der ersten Jugendmannschaft des VfR Rauxel, der Grubenfahrt zusammen mit seiner Frau, den angstvollen Stunden verschüttet unter Tage. Aber auch die düsteren Jahre des Nationalsozialismus und die Not in der Nachkriegszeit sind Thema für den vermutlich ältesten Blogger Deutschlands. „Wie kannst du dir das alles merken?“ fragt eine seiner Leserinnen. Hans Frackowiak hat seine ganz eigene Arbeitsweise. Die Inspiration zu seinen Geschichten kommt ihm im Liegen. „Wenn ich mich zum Mittagsschläfchen hinlege, lasse ich mein Leben an mir vorüberziehen“, verrät er. Da kann ganz fix die eine oder andere Erinnerung zur kleinen Geschichte werden. Die erste Inspiration wird grob in einer Kladde notiert. Inzwischen ist Hans Frackowiak bei der vierten Kladde. Handschriftliches füllt die Seiten, Korrekturen darüber, darunter, am Rand. Denn nun kommt die Feinarbeit. „Anschließend liest mein Sohn nochmal drüber“, sagt der Blogger, „wenn er die Geschichte freigibt, geht es ans Tippen im Zwei-Finger-Suchsystem“. Morgens schaut Hans Frackowiak nach Mails und natürlich, wer seine Blogeinträge kommentiert hat. Dann ein kurzer Blick

auf die Zugriffsstatistik: Zwischen 15 und 25 Leser suchen die Seite täglich auf, weiß er. Und so manche verewigen sich mit einem Kommentar. Das Schöne am Blog: die Resonanz. Natürlich ehemalige Castroper – „einer davon lebt jetzt in den USA und freut sich, wenn er mal was aus der Heimat lesen kann“. Leser aus dem Schwarzwald, Bremerhaven, dem Erzgebirge hat er ebenfalls. Und: „Einer hat zu meiner Jugendzeit gleich ums Eck gewohnt.“ Inzwischen gibt es Stammleser. Die lesen und melden sich recht regelmäßig. Bauer Curti ist so einer. Oder Brunhilde, die die eine oder andere Geschichte aus dem Blog dann gerne mal in ihrem Seniorenclub zum Besten gibt. Mit der Erlaubnis des Autors, versteht sich. Wer einmal angefangen hat, auf dieser Webpräsenz zu stöbern, klickt sich von Episode zu Episode. Geschichte mit persönlicher Note, Hans Frackowiak formuliert knapp, klar und ehrlich. Eine Autobiografie in Buchform? Nichts für den Autor der Castroper Geschichten. „Ein Buch ist irgendwann fertig, also würden da immer Geschichten fehlen“, da ist er sicher, denn ihm werden noch jede Menge mehr einfallen. Recht bald will er wieder „Lesefutter“ einstellen. Mit dabei: eine Begebenheit zu einem weiteren seiner Hobbys, der Seidenmalerei. Zum Computern kann er Senioren nur ermutigen: „Damit kann man in jedem Alter anfangen“, findet Hans Frackowiak. Meist gibt es eine jüngere Generation, die gerne weiterhelfe, da ist er überzeugt. Und: „VHS-Kurse für Senioren gibt es schließlich auch – alles halb so schwer, das kapiert man schon!“

Preisträger des Vestischen Unternehmenspreises 2009

Wohn- & Pflegezentrum Gertrudenau Herten - Scherlebeck Tel. 0 23 66 / 945 - 0 Wohn- & Pflegezentrum Auguste Victoria Marl - Hüls Tel. 0 23 65 / 69 89 - 000 Wohn- & Pflegezentrum Bartholomäus Marl - Polsum Tel. 0 23 65 / 69 99 - 000

Wohn- & Pflegezentrum Hohbrink Recklinghausen - Hochlar Tel. 0 23 61 / 30 60 - 000 Ambulanter Pflegedienst Kirsch Tel. 0 23 66 / 945 - 308 Täglich - 24 Stunden erreichbar Tagespflege “Mittelpunkt Mensch” Marl - Hüls Tel. 0 23 65 / 69 89 - 540

INFO & TIPPS Hans Frackowiak www.castroper-geschichten.de

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LiVe - Lebensfreude im Vest  

LiVe - Lebensfreude im Vest wird herausgegeben von Otto Lerchenmüller, Haidhausen-Verlag GmbH

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