Issuu on Google+

Q A F IE ÜBERD ZEIT


ÜBERZEIT www.überzeit.ch | info@überzeit.ch 1. Ausgabe, April 2013


Diese Seiten bieten ungewohnte Gedanken über eine Zeit, in der die einen Überzeit arbeiten, während Arbeitslose über Zeit, nicht aber über ausreichend Mittel verfügen. Nicht nur deshalb finden wir, dass es höchste Zeit ist, sich darüber Gedanken zu machen, wie wir diese Zeiten überwinden können.


Vorwort Wer sich mit dem aktuellen Zustand der Welt nicht einfach abfinden will und die Verhältnisse, in denen Hungersnot und Überproduktion, Armut und Reichtum, Umweltzerstörung und technologischer Fortschritt nebeneinander existieren, gar kritisiert, wird immer wieder mit den gleichen Einwänden und Fragen konfrontiert. Weil uns viel daran liegt, dass die Welt nicht bleibt wie sie ist, haben wir uns vorgenommen, die am häufigsten gestellten Fragen kurz und möglichst einfach zu beantworten. Das Resultat ist diese kleine Broschüre. Es ist nur ein vorläufiges Resultat, denn wir haben vor, mit unserem Projekt weiterzufahren. Falls dir also weitere Fragen auf dem Herzen liegen oder du mit den Antworten nicht einverstanden bist, schreib uns!

Hinweise zum Lesen: Zur besseren Lesbarkeit der Texte verwenden wir abwechslungsweise die weibliche und männliche Schreibform. Selbstverständlich sind jeweils beide Geschlechter gemeint. Am Ende der Broschüre befindet sich ein Glossar, in welchem die wichtigsten Begriffe kurz erklärt werden. Neue Fragen sowie Ergänzungen zu den Bestehenden werden auf unserer Website www.überzeit.ch veröffentlicht.


04

Inhaltsverzeichnis 06

Ich werde von meiner Arbeitgeberin nicht ausgebeutet – ich habe doch faire Arbeitsbedingungen?

07

Mein Arbeitgeber muss doch auch arbeiten, um Geld zu verdienen?

08

Die Arbeitgeberin trägt das ganze Risiko. Sie muss dafür sorgen, dass sie nicht Pleite geht. Daher ist es doch recht, dass sie mehr verdient als wir?

09

Mein Arbeitgeber ist doch ein guter Kerl, behandelt mich anständig und sorgt dafür, dass ich mich an meinem Arbeitsplatz wohl fühle?

10

Ich mache meinen Job gerne und verdiene genügend Geld, um mir ein schönes Leben zu gestalten. Ich bin doch ganz zufrieden.

11

Ich gehe gerne arbeiten, bei der Arbeit kann ich mich doch selber verwirklichen?

12

Früher war die Arbeit viel härter und die Arbeitsbedingungen schlechter. Dem Kapitalismus verdanken wir doch diese Fortschritte?

13

Dank dem Kapitalismus haben wir einen hohen Lebensstandard. Ist das nicht super?

14

Wenigstens habe ich noch meinen Job. Es gibt sicher viele, die froh darum wären?

15

Ich bin froh um die Konkurrenz. Die senkt doch die Preise?

16

Es sind doch die Konsumentinnen, die bestimmen was produziert wird und in den Laden kommt?

17

Ich trage Nike-Schuhe und esse im McDonalds, da kann ich doch nicht den Kapitalismus kritisieren?


05

18

Es sind doch wir Bürgerinnen der reichen Länder, welche die Menschen in der ‹Dritten Welt› ausbeuten?

19

Den Menschen in Afrika geht es noch viel schlechter. Da müssen wir doch froh sein, dass bei uns niemand verhungert?

20

Der Mensch ist egoistisch, faul, gierig. Er ist wie er ist, das gehört zum Wesen des Menschen.

22

Die raffgierigen Managerinnen sind doch schuld an unserer schlechten Wirtschaftslage, da gehört es sich doch nicht, dass sie auch noch so hohe Boni kriegen?

23

Der Staat sind doch wir alle?

24

Der Staat ist doch eine grosse Gemeinschaft von Menschen, die sich zusammenschliessen?

25

Demokratie ist das beste politische System. Wir können doch abstimmen und wählen?

27

Wir haben doch einen funktionierenden Sozialstaat, welcher dafür sorgt, dass niemand verhungert und dass es allen gut geht?

28

Staat, Gesetze und Polizei braucht es doch, damit die Gewalt nicht überhand nimmt?

30

Was wollt ihr denn?

31

Was kann ich jetzt konkret tun, um etwas zu verändern?

32 Glossar


06

Ich werde von meiner Arbeitgeberin nicht ausgebeutet – ich habe doch faire Arbeitsbedingungen?

Eine Arbeitsstelle bekommt nur, wer mehr einbringt, als sie kostet. Weil wir Arbeiterinnen jene sind, die in der Produktion den gesamten Wert herstellen und nur einen Bruchteil von diesem Wert in Form von Lohn erhalten, herrscht zwischen den Arbeitgeberinnen und uns Arbeiterinnen ein Ausbeutungsverhältnis. Wir Arbeiterinnen backen den gesamten Kuchen, von dem uns die Arbeitgeberinnen nur ein winziges Stück abtreten. Der ganze Wert, der in einer Produktion hergestellt wird, kommt durch die Arbeit zustande. Wir stellen also nicht nur den Wert her, den wir für unsere Indienstnahme bekommen, sondern auch den Mehrwert, welchen die Arbeitgeberinnen einsacken. Dieses Ausbeutungsverhältnis ist in unserer Zeit allerdings verschleiert: Anders als etwa im Feudalismus, als die Herrschenden ihre Untertanen für alle offensichtlich von den Früchten ihrer Arbeit enteigneten, macht es heute den Anschein, es werde mit dem Lohn die geleistete Arbeit bezahlt und nicht die Verfügung über die Arbeitskraft. ‹Ausbeutung› ist kein moralischer Begriff, denn sie hat nichts mit ethischen Grundsätzen und besonders unfairer Behandlung zu tun, sondern mit der Aneignung fremder Arbeit. Dass wir ausgebeutet werden, können wir zum Beispiel daran sehen, wie die Arbeitgeberinnen unsere Arbeit an die Kundinnen verrechnen: Ein Servicemonteur verrechnet einer Kundin 125 CHF1 pro Stunde, sein Stundenlohn beträgt aber nur 27.70 CHF2. Die Differenz von 97.30 CHF pro Stunde und Monteur gehört der Arbeitgeberin. 1  Regielohnansätze Servicemonteur 2012, suissetech (Arbeitgeberverband in der Gebäudetechnik) 2  GAV Gebäudetechnik 2012, Mindestlohn im sechsten Jahr nach Lehrabschluss


07

Mein Arbeitgeber muss doch auch arbeiten, um Geld zu verdienen?

Im Kapitalismus gibt es in der Regel zwei Arten, um an Geld zu kommen. Die einen haben Eigentum, das ihnen ermöglicht, eine Produktion in Gang zu setzen, von der sie leben können. Dies sind die Kapitalisten, welche nur eine kleine Minderheit der Menschen ausmachen. Alle andern müssen ihre Arbeitskraft verkaufen, um an Geld zu kommen. Das sind wir Arbeiter, die das grosse Mehr der Menschen bilden. Bei der Produktion sind die Kapitalisten auf uns Arbeiter angewiesen, weil wir den Wert durch unsere Arbeit herstellen, von welchem die Kapitalisten leben und mit dem sie ihr Kapital vermehren. Die Kapitalisten müssen keine Lohnarbeit verrichten, um an Geld zu kommen. Sie lassen uns für sich arbeiten. Solange wir in einem System leben, in dem wir nur mit Geld Bedürfnisse befriedigen können, sind wir leider darauf angewiesen, unsere Arbeitskraft zu verkaufen, also ausgebeutet zu werden. Wer genug Eigentum, bzw. Kapital hat, muss nicht mehr arbeiten, wenn er nicht will. Diese Leute können den ganzen Tag Golf spielen und werden dabei trotzdem immer reicher, weil sie ihr ‹Geld arbeiten lassen›. Das heisst natürlich in der Realität, sie lassen Menschen für sich arbeiten, denen sie weniger zahlen, als sie ihnen einbringen – uns! Wir Lohnarbeiter bekommen zum Dank dafür, dass wir unsere Arbeitgeber reich machen, grade so viel Geld, dass es uns zum Leben und für vier Wochen Ferien pro Jahr reicht. Im Unterschied zum Geld der Kapitalisten vermehrt sich unser Geld jedoch nicht – es ‹arbeitet› nicht und wir müssen immer aufs Neue arbeiten gehen, um es zu verdienen.


08

Die Arbeitgeberin trägt das ganze Risiko. Sie muss dafür sorgen, dass sie nicht Pleite geht. Daher ist es doch recht, dass sie mehr verdient als wir?

Das grösste Risiko der Arbeitgeberinnen besteht darin, dass sie ihr Eigentum verlieren könnten, bzw. dass ihr Unternehmen Konkurs geht. Damit wäre die Arbeitgeberin zu einer Arbeitnehmerin degradiert und müsste ihre Arbeitskraft – wie wir alle – verkaufen. Sie könnte nicht mehr von der Arbeitskraft anderer leben. Das ist hart, aber keine Arbeitsstelle im Kapitalismus ist sicher, schon gar nicht die von uns Arbeitnehmerinnen. Das Risiko einer Entlassung besteht immer und übt auch einen entsprechenden Druck auf uns Arbeitnehmerinnen aus. Noch bevor die Arbeitgeberinnen Konkurs gehen, spüren das viele Arbeitnehmerinnen an ihrem eigenen Leib. Kurzarbeit, Lohnsenkungen und Stellenabbau stehen an. Spätestens wenn die Pleite nicht mehr abgewendet werden kann, stehen die Arbeitnehmerinnen gemeinsam mit ihrer Arbeitgeberin auf der Strasse. Es ist bezeichnend, dass sich manche Arbeitgeberinnen nach dem Konkurs ihres Unternehmens lieber umbringen, als ein Leben zu führen, das an Lohnarbeit gebunden ist, wie wir Arbeitnehmerinnen das tun müssen. Die meisten Kapitalistinnen ziehen es dann doch vor, ihrer letzten Habseligkeiten wie Ländereien, Schlösser und die liebgewonnene Rolls-Royce-Sammlung einige Monate vor der Pleite an nahe Familienangehörige zu verschenken, statt diese dem Konkursamt zu überlassen.


09

Mein Arbeitgeber ist doch ein guter Kerl, behandelt mich anständig und sorgt dafür, dass ich mich an meinem Arbeitsplatz wohl fühle?

Die Arbeitgeber sind in der Regel daran interessiert, dass wir Arbeiter motiviert sind und gerne arbeiten. Dies jedoch nicht aus purer Menschenliebe, sondern weil sie sich dadurch produktivere Arbeiter versprechen. Der Zweck jeder kapitalistischen Produktion ist es, Gewinn zu machen. Bei Veränderungen am Arbeitsplatz steht nicht das Wohl der Arbeiter im Vordergrund, sondern der Profit. Erfolgreiche Konzerne wie Google stellen beispielsweise ihren Arbeitern längst Fitnessräume, kostenloses Essen und Zeit für eigene Projekte während der Arbeitszeit zur Verfügung. Was wie eine unnötige, edle Geste aussieht, stellt sich als profitsteigernde Strategie heraus. Google kann in der Konkurrenz mit Fachkräften punkten und Mitarbeiter an sich binden. Pausen und Fitness steigern zudem die Effizienz in kopflastigen Jobs.


10

Ich mache meinen Job gerne und verdiene genügend Geld, um mir ein schönes Leben zu gestalten. Ich bin doch ganz zufrieden.

Es kann sein, dass du mit deiner Arbeitssituation zufrieden bist – aufgrund der Tätigkeit, des Arbeitsklimas, den Mitarbeitenden usw. Doch dies ändert nichts daran, dass du ausgebeutet wirst. Es spricht auch nichts gegen das Arbeiten an sich. In jeder Gesellschaft ist Arbeit notwendig. Doch die Bedingungen für die Arbeiterinnen im Kapitalismus sind alles andere als günstig: Viel Stress, Überlastung, Rivalität, Bevormundung, wenig Freizeit, knapper Lohn und vieles mehr sind die Regel. Ausbeutung ist in einem Lohnarbeitsverhältnis eine Tatsache, auch wenn du dich persönlich nicht dafür interessierst. Welche Arbeitsbedingungen du vorfindest, kannst du nicht bestimmen; sie hängen von den Kalkulationen der Arbeitgeberinnen, der Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt und anderen kapitalistischen Sachzwängen ab. Deine momentane Zufriedenheit lebt von einem Vergleich mit dem Schlechteren. Weil du vielleicht mehr verdienst als andere und im Gegensatz zu anderen einen Job hast, den du einigermassen magst, kommst du darauf, dass du ganz zufrieden sein kannst, wie du in den herrschenden Verhältnissen vorankommst. Aber mal ehrlich: Wenn weniger Arbeit nicht materielle Einbusse bedeuten würde, würdest du nicht auch weniger arbeiten wollen? Wenn du wählen könntest, möchtest du nicht auch mehr Zeit haben für eigene Interessen, Familie oder Freunde? Wäre es also nicht besser, wenn die Befriedigung deiner Bedürfnisse nicht von deinem Lohn abhängig sind?


11

Ich gehe gerne arbeiten, bei der Arbeit kann ich mich doch selber verwirklichen?

Unter Selbstverwirklichung wird allgemein die Realisierung der persönlichen Wünsche und Sehnsüchte verstanden und damit die Entfaltung der individuellen Möglichkeiten und Talente. Wenn du arbeiten gehst, kannst du nicht selber bestimmen, was du den ganzen Tag lang – zusammen mit anderen und in Konkurrenz mit ihnen – machst; du erledigst die Arbeit, die dir aufgetragen wird. Unter Umständen kannst du, in einem festgelegten Rahmen, zwischen verschiedenen Möglichkeiten und Mitteln wählen, wie du das dir vorgegebene Ziel erreichst. Um deine Wünsche und Sehnsüchte geht es dabei nicht, sondern um die Interessen deiner Arbeitgeber. Falls diesen die Art und Weise nicht passt, wie du eine Aufgabe erledigst, musst du deine Arbeitsweise ändern oder du verlierst deine Stelle. Mit der freien Entfaltung individueller Talente hat dies nichts zu tun. Dass dein Arbeitsplatz nicht zum Reich der Selbstverwirklichung gehört, kann gerade in einem System nicht erstaunen, wo der Zweck der Produktion – aus Geld mehr Geld zu machen – in der Konkurrenz durchgesetzt werden muss.


12

Früher war die Arbeit viel härter und die Arbeitsbedingungen schlechter. Dem Kapitalismus verdanken wir doch diese Fortschritte?

‹Fortschritt› gibt es in dieser Wirtschaftsweise nur, wenn daraus Kapital geschlagen werden kann. Selbst wenn es Hilfsmittel gibt, die die Arbeitsbelastung verringern, werden diese nur eingesetzt, wenn es der Profitsteigerung dient. Wenn zum Beispiel neue Maschinen menschliche Arbeitskraft ersetzen, wird für die Arbeiterinnen, die ihre Stelle nicht verlieren, der Arbeitstag nicht kürzer und die Belastung nicht geringer. Der ‹Fortschritt› dient nicht der Entlastung, sondern immer der Produktivitätssteigerung. Offensichtlich wird dies auch da, wo noch immer Billiglohnarbeiterinnen anstrengende Handarbeit verrichten, obschon es moderne Technologie gäbe. Der Einsatz von Maschinen lohnt sich hier eben (noch) nicht. Ebenfalls werden umweltfreundlichere Produktionsmethoden nicht umgesetzt, obwohl sie längst entwickelt wären. Wenn es im Vergleich zu früher bessere Arbeitsbedingungen gibt – wie zum Beispiel kürzere Arbeitszeiten – sind diese durch Arbeitskämpfe errungen oder von Kapitalistinnen aus eigennützigen Gründen gewährt worden. Überlastete Arbeiterinnen neben Arbeitslosenheeren zeigen offensichtlich: ‹Fortschritt› ist hier kein Fortschritt für die Menschen sondern fürs Kapital.


13

Dank dem Kapitalismus haben wir einen hohen Lebensstandard. Ist das nicht super?

Die kapitalistische Gesellschaft produziert intensiver als je eine zuvor. Waren können dank maschineller Hilfe in einer schier unfassbaren Geschwindigkeit und Anzahl hergestellt werden. Jedoch erfolgt dieser Prozess unter einer kritikwürdigen Voraussetzung: Den Produzierenden gehört nichts von dem, was sie selber herstellen. Die Produkte sind Eigentum der Kapitalisten, an welche die Produzierenden nur kommen, wenn sie sie kaufen. Vieles was hergestellt wird, kommt nicht an die Menschen, die es brauchen, weil diese es nicht bezahlen können, oder weil es nicht den Massstäben von Kapital und Konkurrenz entspricht. Dann wird es weggeworfen oder gar nicht erst produziert. Dies wird zum Beispiel bei Lebensmittelläden ersichtlich, die bis kurz vor Ladenschluss Brot aufbacken, damit auch jeder Kunde ein Brot kaufen kann und nicht zur Konkurrenz geht. Das führt dazu, dass massenweise Brot weggeworfen wird. Andere Lebensmittel finden den Weg in die Läden gar nicht, da sie nicht den Massstäben der Grossverteiler entsprechen: Zu grosse Kartoffeln und zu krumme Gurken sind nur die bekanntesten Beispiele. Bei einer weltweiten Überproduktion von Nahrungsmitteln verhungern locker 40 000 Menschen pro Tag. Zehntausende weitere sterben an den Folgen von behandelbaren Krankheiten.1 Die Medikamente für ihre Behandlung werden gar nicht erst produziert, da diese Menschen eh kein Geld haben, um die Medikamente zu bezahlen. Es geht noch weiter: Mit Patenten wird sogar verhindert, dass Generika auf den Markt kommen, die die Leute eher bezahlen könnten. Für die allermeisten Menschen, auch in Europa, wäre ein höherer Lebensstandard möglich, würde nicht nach kapitalistischen Massstäben produziert. 1  Jean Ziegler, UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung


14

Wenigstens habe ich noch meinen Job. Es gibt sicher viele, die froh darum wären?

Für uns, die wir dazu gezwungen sind, unsere Arbeitskraft zu verkaufen, ist es finanziell besser einen Job zu haben, als von Beiträgen der Arbeitslosenkasse zu leben. Denn die Beiträge betragen nur 70 Prozent oder 80 Prozent (mit unterhaltspflichtigen Kindern) des vorherigen Lohns und schon dieser Lohn reichte in der Regel nur knapp bis zum Ende des Monats. Ob wir jedoch einen Job haben oder nicht, können wir nicht selber entscheiden. Das entscheiden die Arbeitgeberinnen – nach den Kriterien des Profits. Da helfen uns weder Ausbildung noch Anstrengung und Anstand viel: Finden die Arbeitgeberinnen zum Beispiel auf einem anderen Erdteil für sie bessere Bedingungen vor, verlagern sie die Produktion dorthin. Oder vielleicht rationalisieren sie durch den technischen Fortschritt unsere Arbeitsplätze weg, weil es dadurch möglich ist, billiger und mehr – mit weniger Leuten – zu produzieren. Oder der Arbeitsplatz geht verloren, weil das gesamte Unternehmen in der Konkurrenz untergeht. So kommt es auch im ‹Aufschwung› regelässig zu Massenentlassungen – ganz zu schweigen von Zeiten der ‹Krise›. Aber auch wer über einen Job verfügt, ist nicht gut bedient. Die vorherrschenden Arbeitsbedingungen richten sich nicht nach unseren Bedürfnissen, wie einer guten Versorgung oder sinnvollen Arbeitsteilung, sondern nach den Kriterien des Profits. Das heisst für uns, dass wir möglichst intensiv und lange arbeiten müssen – also unter Verausgabung unserer Kräfte, Verschleiss des Körpers usw. Das führt dazu, dass Bauarbeiterinnen beispielsweise ihr Pensionsalter nicht selten als Invalide – oder gar nicht – erreichen und Leute, die dem Stress im Büro nicht mehr gewachsen sind, vor lauter Überanstrengung ein Burnout kriegen. Während die einen also unter zunehmendem Arbeitsdruck leiden, leiden Massen von Arbeitslosen daran, dass sie keine Arbeit bzw. zu wenig Geld haben. Für das Proletariat ist im Kapitalismus mit oder ohne Arbeit nichts Gutes drin.


15

Ich bin froh um die Konkurrenz. Die senkt doch die Preise?

Die Konkurrenz hat nicht zum Zweck uns günstige Produkte zu bringen. Im Gegenteil: Das Senken der Preise ist ein Mittel der Kapitalisten um sich in der Konkurrenz zu bewähren. Sie senken die Preise, um mehr Marktanteile zu bekommen, also mehr Kaufkraft auf sich zu ziehen. Damit dies gelingt, müssen die Kapitalisten versuchen, billiger produzieren zu lassen als die Konkurrenz; ihre Produktionskosten also unter den gesellschaftlichen Durchschnitt zu senken. Dazu müssen sie die Produktivität steigern bzw. Kosten sparen. Das geht zum Beispiel durch die Anschaffung neuer Maschinen, mit denen Lohnkosten gespart werden können. Tiefe Preise bedeuten folglich, dass für die Produktion von Waren wenig ausgegeben wurde. Mit anderen Worten: Billige Arbeitskräfte mögen das beste Mittel für die Kapitalisten in der Konkurrenz sein, aber sicher kein taugliches Mittel um die Kaufkraft der Lohnarbeiter zu erhöhen.


16

Es sind doch die Konsumentinnen, die bestimmen was produziert wird und in den Laden kommt?

Die Marktwirtschaft ist eben keine Bedarfswirtschaft. Der Bedarf, also die Produkte, die wir wollen, wird nicht gesellschaftlich an Hand der Bedürfnisse festgelegt und die Produktion danach geplant. Klar wird auch im Kapitalismus geplant, aber es plant immer nur jedes einzelne Unternehmen für sich. Ob das Unternehmen erfolgreich geplant hat, zeigt sich erst am Markt: Es entscheidet sich daran, ob die Leute die Ware auch kaufen – und zwar ausschliesslich zu einem Preis, bei dem für das Unternehmen ein Gewinn raus schaut. Denn der Gewinn ist der Grund dafür, dass produziert wird, und ohne Gewinn kann im Kapitalismus langfristig nicht weiter produziert werden. Die Bedürfnisse der Konsumentinnen werden von den Kapitalistinnen ausgenutzt, um damit Profit zu machen, und nur dann berücksichtigt, wenn damit Profit gemacht werden kann. Was nicht gewinnbringend ist, wird nicht produziert und kommt erst recht nicht in den Laden, auch wenn das Bedürfnis danach vorhanden ist. In Afrika verhungern Kinder nicht, weil sie nicht das Bedürfnis nach Essen verspüren, sondern weil es sich für die Kapitalistinnen nicht lohnt, ihren Hunger zu befriedigen. Für die Planung der Kapitalistinnen sind die Konsumentinnen ein wichtiger Faktor, diese sollen die Waren ja schlussendlich auch kaufen. Die Kapitalistinnen sind also interessiert zu wissen, für was die Konsumentinnen bereit sind, ihr Geld auszugeben, und wieviel davon. Deshalb betreiben sie Marktforschung. Dabei können zahlungsfähige Konsumentinnen durchaus das Angebot beeinflussen, wenn sie massenweise bestimmte Produkte nachfragen. Nur: Wenn man bestimmen will, was und wie produziert werden soll, muss man schon bei der Produktionsweise selber ansetzen, und nicht als Verbraucherin im Laden zwischen den Produkten auswählen, die einem die Kapitalistinnen zu vorgegebenen Preisen hinstellen lassen.


17

Ich trage Nike-Schuhe und esse im McDonalds, da kann ich doch nicht den Kapitalismus kritisieren?

Die kapitalistische Produktion ist mittlerweile fast in jedem Winkel der Welt angekommen und es ist unmöglich, sich dem kapitalistischen Alltag zu entziehen, ohne sich grössten Entbehrungen auszusetzen. Es gibt Unternehmen, welche ihre Arbeiter besonders schlecht behandeln oder rücksichtslos mit der Umwelt umgehen, aber kapitalistisch produzieren müssen sie alle. Denn wenn ein Unternehmen nicht genügend Profit macht, wird es vom Markt gedrängt. Dieser Profit beruht auf dem Wert, den die Arbeiter schaffen, denen nur einen Bruchteil davon als Lohn ausgezahlt wird. Somit beutet jedes Unternehmen seine Arbeitskräfte aus, egal ob ‹Fairtrade› oder nicht. Dabei zwischen ‹gut› und ‹böse› zu unterscheiden, macht wenig Sinn, denn McDonalds ist schlussendlich nichts anderes als die erfolgreichere Variante des kleinen Burgerladens um die Ecke. Auch Letzterer ist darauf angewiesen, genügend Profit zu machen, um in der Konkurrenz bestehen zu können – sogar wenn er Bio-Burger verkauft. Es ist nicht möglich, sich durch den Boykott einzelner Unternehmen, dem Kapitalismus zu entziehen. Vielmehr kommt dieser Boykott einer persönlichen Gewissensberuhigung gleich; denn, dass man mit dem Boykott bestimmter Unternehmen an den kapitalistischen Verhältnissen nichts ändert, weiss auch jeder, der mit dem Satz «Aber, wenn es doch alle tun würden...» argumentiert.


18

Es sind doch wir Bürgerinnen der reichen Länder, welche die Menschen in der ‹Dritten Welt› ausbeuten?

Es ist schon komisch, dass, die Lohnabhängigen hierzulande auch noch für die Ausbeutung verantwortlich sein sollen, weil sie sich eine günstige Aubergine, 2-Franken-Socken aus pakistanischer Baumwolle, ein Velo aus Taiwan und ein neuen billigen Flachbildschirm aus China kaufen. Was sollen sie denn sonst tun? Auch noch auf das bisschen ‹Luxus› verzichten? Teurere Produkte kaufen, damit sie auf andere gänzlich verzichten müssen? Der Lohn ist beschränkt und auch wenn er – zum Beispiel mittels Lohnkämpfen – ab und zu erhöht werden kann, wird er von den Kapitalistinnen bestimmt. Genauso wie der Ort der Produktion, was für Produkte in die Regale kommen und zu welchen Preisen. Da nützt auch die ‹Konsumentenmacht› wenig, wenn die Lohnabhängigen mit beschränktem Budget nicht bestimmen, sondern nur auswählen können, zwischen dem was die Kapitalistinnen zu den jeweiligen Preisen in die Regale stellen lassen. Ob in den sogenannten ‹reichen Länder› oder in der ‹Dritten Welt›: Es sind nicht die Konsumentinnen, welche bestimmen können was produziert wird und unter welchen Bedingungen jemand zu leben und zu arbeiten hat. Es sind die Kapitalistinnen, welche uns Arbeiterinnen ausbeuten und bestimmen mit welchen finanziellen Verhältnissen wir klarkommen müssen.


19

Den Menschen in Afrika geht es noch viel schlechter. Da müssen wir doch froh sein, dass bei uns niemand verhungert?

Es ist ziemlich zynisch, in einer Welt, in der es eine enorme Überproduktion an Nahrungsmitteln gibt, zu postulieren, man solle froh sein, dass man nicht verhungert. Dass es vielen Menschen in Afrika und weiteren Kontinenten so schlecht geht, ist eine unsägliche Tragödie. Während Tag für Tag zehntausende von Menschen verhungern, werden anderswo Berge von Nahrungsmittel weggeworfen oder zu Biodisel verarbeitet. Es gibt nicht zu wenig Nahrung für die Menschen in Afrika, sondern die Erzeugung und Verteilung der im Überfluss produzierten Nahrung unterliegt der kapitalistischen Logik. Die Menschen in Afrika haben zwar das Bedürfnis nach Nahrung, jedoch nicht das Geld, diese zu bezahlen, um so dieses Bedürfnis zu befriedigen. Weil sich das Kapital nicht nach Bedürfnissen richtet, müssen diese Menschen verhungern!


20

Der Mensch ist egoistisch, faul, gierig. Er ist wie er ist, das gehört zum Wesen des Menschen.

Dass Menschen nicht per se egoistisch, faul oder gierig sind, ist offensichtlich. Dazu braucht es nur einen Blick in die unterschiedlichsten Tätigkeiten der Menschen. Da gibt es welche, die x Stunden freiwillige Arbeit leisten um zum Beispiel ältere Menschen zu pflegen, andere schuften Tag für Tag von morgens bis abends für Lohn und noch andere besitzen fast nichts und teilen dennoch alles. Wer behauptet, der Mensch sei so in seinem Wesen, geht von einem Bild des Menschen aus und sucht sich dann in den unterschiedlichsten Tätigkeiten Beweise dafür. Wer zum Beispiel sagt: «Der Mensch verhält sich egoistisch, weil er in seinem Wesen egoistisch ist.», nennt als Grund für eine Tätigkeit die Tätigkeit selbst. Er sieht ab von den Gründen, welche die Leute dafür haben, sich so oder anders zu verhalten. Es ist eine ziemlich billige Tour, bestimmte Verhaltensweisen erklären zu wollen ohne sich mit Gründen dafür zu befassen. Nicht selten schaffen es Leute sogar, mit einem Menschenbild die herrschenden Verhältnisse zu legitimieren/entschuldigen. Wieso wir uns täglich am Kapitalismus abarbeiten müssen, versuchen wir in anderen Fragen zu beantworten; es aber mit «Die Menschen sind halt gierig» zu rechtfertigen, liegt uns fern. Viel mehr lässt sich aus den kapitalistischen Verhältnissen erklären, wieso Menschen als egoistisch, faul oder gierig betrachtet werden. In einer Gesellschaft, in der sich alle ständig in Konkurrenz zu einander befinden (sei es bei der Arbeit, bei der Wohnungssuche oder sonst wo) liegt es nahe, dass jeder erst mal schaut, dass er sein Interesse durchsetzten kann. Tut er dies nämlich nicht, geht er als Konkurrenzverlierer aus der Situation hervor, landet zum Beispiel beim Sozialamt, kriegt die niedriger bezahlte Arbeit, die schlechtere Wohnung usw. So erstaunt es nicht, dass sich Menschen sogenannt


21 ‹egoistisch› verhalten. Und weil wir in Konkurrenz leben, gibt es auch immer Verlierer. Diesen wird dann schnell nachgesagt, dass sie faul und somit selber schuld an ihrer Lage seien. Dabei ist es Resultat der Konkurrenz, dass jemand zum Beispiel gerade nicht von einem Kapitalisten gebraucht wird. Auch ist die ‹Gier› der Manager eine Konsequenz aus den kapitalistischen Verhältnissen. Der Inhalt ihrer Arbeit besteht darin, das Unternehmen so zu managen, damit dieses immer und möglichst viel Profit erzielt. Nur nebenbei bemerkt: Wäre es tatsächlich das ‹Wesen des Menschen›, solche ‹schlechten› Eigenschaften zu haben, würde die Menschen diese nicht kritisieren bzw. zu verhindern versuchen. Es ist darum auch nicht unser Anliegen, das ‹Wesen der Menschen› zu ändern – wir wollen die Verhältnisse ändern.

DER MENSCH IST DES MENSCHEN WOLF...?


22

Die raffgierigen Managerinnen sind doch schuld an unserer schlechten Wirtschaftslage, da gehört es sich doch nicht, dass sie auch noch so hohe Boni kriegen?

Seit die sogenannte ‹Finanzkrise› in den Medien mehr oder weniger omnipräsent ist, sorgen die Managerinnen mit ihren sehr hohen Löhnen für Empörung. Es ist verständlich, dass sich Viele daran stören, wenn einige Wenige während eines Jahres Löhne und Boni beziehen, welche wir Arbeiterinnen während unseres ganzen Lebens nicht verdienen werden. Managerinnen haben die Aufgabe, dem Unternehmen, bei dem sie angestellt sind, zum Erfolg zu verhelfen. Sie müssen dafür sorgen, dass sich das von den Kapitalistinnen eingesetzte Geld auch als Kapital bewährt, sich also vermehrt. Ihr Gehalt mag ein Ausweis für die Grösse und den Erfolg des Unternehmens sein, das sie managen. Es wird aber gezahlt, damit die Managerinnen – die Funktionärinnen der Kapitalistinnen – ihre Aufgabe gewissenhaft im Sinne der Eigentümerinnen erledigen. Sie müssen die Arbeit anderer möglichst rentabel organisieren. Die Boni und hohen Löhne sind also Folge aus der Konkurrenz der Unternehmen und ihrem Zweck, Kapital zu vermehren. Tiefere Managerlöhne würden an diesem Zweck auch nichts ändern, es bliebe einfach mehr fürs Kapital übrig. Das ‹gierige› und ‹inkompetente› Managerinnen Schuld an der schlechten Wirtschaftslage seien, lebt vom Ideal, das System würde ohne Krisen funktionieren, wenn ‹die da oben› ihre Sache nur richtig machen würden (und dann gäbe es wohl auch an ihren Löhnen nichts auszusetzen?!). Krisen sind im Kapitalismus aber systemisch, das heisst: Gerade wenn die Managerinnen ihre Aufgabe richtig machen, führt das zum Beispiel zu Überproduktion von Waren und/oder zu entsprechenden Kreditoperationen.


23

Der Staat sind doch wir alle?

Nein, der Staat sind nicht wir alle. Bürgerinnen eines Staates sind eben gerade nicht der Staat, sondern das Volk, das regiert wird. Der Staat ist die institutionalisierte Herrschaft über ein Volk auf einem bestimmten Gebiet. Dass der Staat Herrschaft bedeutet, ist für viele Menschen nicht so offensichtlich, weil in einer Demokratie, wie es sie hierzulande gibt, nicht ein einzelner Mensch an der Spitze sitzt, der durchgreift. Regiert wird über Ämter und durch verschiedene Personen. Dabei kommt es gar nicht so sehr drauf an, wer ein bestimmtes Amt ausführt, denn welche Aufgaben er zu erfüllen hat, wird durch die Gesetze festgelegt. Grundlage für die Gesetze und die ganze Rechtsordnung eines Staates ist die Verfassung, auf welche sich eine Herrschaft beim Regieren ihres Volkes stützt. Und diese hat es in sich. Sie setzt die kapitalistische Produktionsweise als Existenzgrundlage für alle fest und setzt somit jeden in die Gegensätze von Käuferin–Verkäuferin, Arbeiterin–Kapitalistin, Mieterin–Vermieterin, usw. Ausweichen kann dem niemand,und so ist jeder darauf festgelegt, aus dem Geld zum machen, das er hat, sei es Eigentum oder nur die eigene Arbeitskraft. Mit Gewalt, also mit Polizei und Justiz, wird die Verfassung durchgesetzt. Sie grundlegend zu ändern ist beinahe unmöglich, denn was ihr widerspricht – nicht verfassungskonform ist – wird verboten.


24

Der Staat ist doch eine grosse Gemeinschaft von Menschen, die sich zusammenschliessen?

Welchem Staat man angehört, ist nicht eine Sache, die man entscheiden kann. Wo man geboren wird, kann man sich nicht aussuchen, und ob man irgendwo das Bürgerrecht bekommt, genauso wenig. Schon bevor man auf der Welt ist, ist man Untertan des jeweiligen Staates und seinen Gesetzen unterworfen. Es ist ein hoheitlicher Gewaltakt, der die Menschen zu Schweizer, Deutschen, Chinesen, Südafrikanern oder Argentiniern macht. Von einem freiwilligen Zusammenschluss, wie man das etwa zum Betreiben einer Sportart macht, kann beim Staat definitiv nicht die Rede sein. Auch ist es ein Irrglaube, zu denken, die Bürger eines Landes würden wegen ihrer Kultur oder Sprache ein Volk bilden. Oder wieso gehören die Romands nicht zu Frankreich? Oder wieso bilden nicht alle spanisch-sprechenden Läder in Südamerika eine Nation? Oder was hast du mit UBS-CEO Sergio P. Ermotti gemeinsam? Habt ihr nicht eine ganz andere ‹Kultur› und habt doch beide den Schweizer Pass? Bei all den unterschiedlichen Menschen eines ‹Volkes› bleibt nur eine einzige Gemeinsamkeit: Sie unterliegen derselben Staatsmacht.


25

Demokratie ist das beste politische System. Wir können doch abstimmen und wählen?

Im Vergleich zu anderen politischen Systemen wird die Demokratie gerne als lobendes Beispiel für ein System aufgeführt, in dem die Menschen eine ‹echte› Möglichkeit zur Mitbestimmung haben. Es mag sein, dass die Demokratie im Vergleich zur Monarchie oder zur Diktatur ganz gut dasteht – von einem System, in dem wir selbst bestimmen, wo es langgeht, ist sie aber meilenweit entfernt. Die Wahlmöglichkeiten, die sich uns in der Demokratie bieten, bewegen sich etwa auf dem Niveau derer eines Schafs, das wählen darf, ob es Gras oder Heu fressen will, aber nicht entscheiden kann, ob es geschlachtet wird oder nicht. Die Hürden zur Veränderung sind selbst in der Schweiz, die mit der direkten Demokratie als sehr partizipativ gilt, extrem hoch: Eine Volksinitiative muss erst mal zugelassen werden, also mit der Verfassung vereinbar sein. Dann muss die vorgegebene Anzahl Unterschriften gesammelt und die Abstimmung gewonnen werden. Weil die allermeisten Bürgerinnen das Vorankommen ‹ihrer› Nation zu ihrem persönlichen Anliegen machen, denken sie erst mal für das Wohl des kapitalistischen Betriebes, von dem sie abhängig sind. So entscheidet sich dann auch eine ‹mündige› Schweizer Bürgerin für das, von dem sie sich das Beste für ihre Nation erhofft. Da kennt sie lauter ‹wirtschaftliche Sachzwänge›, denen ihre Stimme gerecht werden muss. Ist eine Volksinitiative angenommen, heisst das noch lange nicht, dass diese auch umgesetzt wird. Alle paar Jahre werden die Bürgerinnen einer Demokratie aufgefordert , ihre Stimme abzugeben – abzugeben an eine Person, welche in der Regierung über das Tun und Lassen im Alltag der Leute bestimmt. Dass sich die Regierenden dabei


26

nicht an den Interessen von uns kleinen Leute orientieren, sondern im Namen der Nation und ihres Erfolges handeln, wollen nur die Wenigsten wahrhaben. Sie geben sich schon damit zufrieden, gefragt zu werden, von wem sie regiert werden wollen. Eines ist bei jeder ‹Mitbestimmung› klar: An den Grundsätzen, wie im Kapitalismus produziert wird oder an den Verhältnissen zwischen Arbeit und Kapital – kurz, an allem, was sich dringend ändern sollte – daran wird keine Abstimmung und keine Wahl je etwas ändern. Wie auch? Die Politikerinnen, die wir wählen, die Verfassung und die Gesetze, die wir ändern könn(t)en, sie alle sind Teil des Staats – desselben Staats, der die oben genannten Verhältnisse schafft, sie ins Recht setzt und mit allen Mitteln verteidigt – wenn es sein muss auch auf Grundlage des Notstandsgesetzes1.

1  Art. 185 Schweizerische Bundesverfassung


27

Wir haben doch einen funktionierenden Sozialstaat, welcher dafür sorgt, dass niemand verhungert und dass es allen gut geht?

Wenn es in einer Gesellschaft, die von Überproduktion von Lebensmittel nur so strotzt, für positiv gehalten wird, dass niemand verhungert, ist das nicht gerade ein Lob für diese Verhältnisse. Dass es nicht einmal im blühenden Kapitalismus eine Selbstverständlichkeit ist, dass niemand am Hungertuch nagen muss, zeigt sich fortwährend und speziell bei Wirtschaftskrisen. Das macht klar, dass Versorgung der Leute kein kapitalistischer Standpunkt ist. Die sozialen Einrichtungen des bürgerlichen Staates (AHV, IV, Pensionskassen, Krankenkassen usw.) sind kein ein Geschenk des Staates an seine Bürger, sondern gesetzlich geregelte Zwangssolidarität. Dass will heissen: Lohnabhängige sind verpflichtet, einen Teil ihres Lohnes in eine Kasse einzuzahlen, der dafür eingesetzt wird Menschen, die das Kapital nicht (mehr) als Arbeitskräfte braucht, am Leben zu erhalten. Das zeigt, dass der Lohn eines Lohnabhängigen niemals reicht, soviel zu sparen, um nach 40 oder 50 Jahren Arbeit selbst den Lebensunterhalt zu bestreiten. Es ist dann auch nicht die Menschenliebe, die den Staat veranlasst, solche Einrichtungen zu betreiben, denn er hat ein ganz anderes Interesse, wenn er schaut, dass seine Bevölkerung nicht ausstirbt. Arbeitslose Menschen dienen ihm als Reservearmee. Dass heisst, sie werden so erhalten und betreut, dass sie jederzeit wieder als Arbeitskräfte eingesetzt werden können – wenn das Kapital denn den Bedarf hat. Zudem dient eine Reservearmee dazu, das Lohnniveau zu drücken. Arbeitslose lassen sich oftmals für einen tiefen Lohn einstellen, denn ohne Arbeit sind sie wirtschaftlich und sozial noch schlechter gestellt. Neben der Funktion als Reservearmee hat der Staat noch andere Interessen, Arbeitslose zu betreuen. Sie sind wie alle anderen Bürger die Basis seiner Macht, die sie als Wähler legitimieren sollen. Auch sollen sie als Soldaten ihren Dienst leisten oder für die Reproduktion des Volkes , sprich die Zeugung und Betreuung von Kindern sorgen. So lässt sich dann auch ein Volk besser regieren, das bei Arbeitslosigkeit nicht gleich verwahrlost und keinen Aufstand macht. Es ist offensichtlich, dass nicht alle Nationen einen gleich funktionierenden Sozialstaat haben. Wie fest ausgebaut diese sind, liegt in die Kalkulation der jeweiligen Regierung. So kann es sein, dass Staaten ihre Leute verarmen lassen, weil sie nicht als Reservearmee taugen, da das Kapital niemals eine solche Menge an Menschen als Arbeitskräfte brauchen kann.


28

Staat, Gesetze und Polizei braucht es doch, damit die Gewalt nicht überhand nimmt?

Die Gewalt in unserer Gesellschaft hat meist einen materiellen Grund. Insgesamt fielen im Jahr 2011 73 Prozent der Straftaten gegen das Strafgesetzbuch unter die Kategorie ‹Vermögensdelikte›, also beispielsweise Diebstahl und Raub. Rechnet man noch die Delikte ‹Hausfriedensbruch bei Diebstahl›, ‹Fälschung von Geld› und ‹Fahrzeugentwendung-/diebstahl› hinzu, kommt man sogar darauf, dass 93.5 Prozent aller ‹Gewalttaten› aus materiellen Gründen begangen wurden.1 Gewalt lässt sich daher auch nicht durch Verbote oder Bestrafungen aus der Welt schaffen, denn die Ursache liegt meistens in den Gegensätzen, welche der Konkurrenz im Kapitalismus entspringen. Erst durch eine Veränderung des Wirtschaftssystems entfallen die meisten Gründe für Gewalttaten. Wenn die Menschen gemeinsam für die Bedürfnisbefriedigung produzieren, werden beispielsweise Raub und Diebstahl überflüssig. Die mächtigste Gewalt in der heutigen Welt geht nicht von Individuen aus, sondern von Staaten. Ein Staat setzt seine Interessen und Gesetze mit Gewalt durch. So gewährt ein Staat beispielsweise das Recht auf Eigentum, welches die Arbeiterinnen und die Kapitalistinnen trennt. Durch dieses wird eine Ausbeutung der Arbeiterinnen erst möglich – kein Wunder also, dass der Staat seine Gewalt braucht, um das Recht auf Eigentum zu schützen. Auch Kriege werden meist aufgrund von sich überschneidenden Staatsinteressen geführt. Der Staat hat das Gewaltmonopol über sein Gebiet, damit er die wirtschaftliche Funktionalität ebendieses schützen kann. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die meisten Straftaten ohne Staat und Kapital wegfallen würden, denn ohne Privateigentum kann es auch kein Eigentumsdelikt mehr geben. Wenn wir nicht mehr gezwungenermassen gegeneinander arbeiten müssen, wie dies die kapitalistisch notwendige und von Staat durchgesetzte Konkurrenz verlangt, können wir ohne diese Gegensätze leben und miteinander statt gegeneinander produzieren. 1  Zahlen aus der polizeilichen Kriminalstatistik 2011 der Schweiz.


29

Was ist nun aber mit den Gewalttaten, welche keinen materiellen Hintergrund haben?

Von den übrigbleibenden 6.5 Prozent Straftaten können einige ebenfalls aus den hiesigen Verhältnissen kommen. So sind etwa 3 Prozent Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz. Das Handeln mit Drogen hat selbstverständlich ebenfalls einen materialistischen Hintergrund; die kollektive ‹Selbstbetäubung› an Wochenenden oder gar unter der Woche ist teilweise ein Fluchtversuch vor dem unschönen Alltag – grösstenteils übrigens legal. Auch Tötungsdelikte oder Körperverletzungen können aus den hiesigen Verhältnissen entstehen. Allerdings wird es das Paradies auf Erden wohl nie geben; was wir aber können, ist möglichst alle Gegensätze aus der Welt schaffen – was im derzeitigen Wirtschaftssystem nicht möglich ist, da es auf diesen Gegensätzen beruht. Der Staat ist auch nicht geschaffen zur Bekämpfung dieser restlichen 6.5 Prozent Gewalttaten. Denn dafür bräuchte er weder eine Armee, noch eine Polizei dieser Grösse. Der Staat hält die Menschen auch nicht von Straftaten ab, denn sonst bräuchte er kein Strafgesetzbuch. Die Bestrafung schafft die Gründe der Gewalttaten nicht aus der Welt, sie kann höchstens in die ‹Berechnung› der Menschen einfliessen; dann denkt sich etwa einer: «Ich begehe diese Straftat nicht, da mir das Risiko, dass ich erwischt werde, zu hoch ist.» Um Gewalttaten zu verhindern, muss man die Gründe möglichst aus der Welt schaffen – alles andere ist ein ewigwährender Kampf gegen Windmühlen.


30

Was wollt ihr denn?

Wir wollen eine Wirtschaft, die sich an den Bedürfnissen der Menschen und nicht am Profit orientiert. Wir nennen das mal Bedarfswirtschaft. Die Bedarfswirtschaft hat gleich mehrere Vorteile. Die Menschen erhalten für (viel) weniger Arbeit mehr Gebrauchsgüter: Einerseits weil viele Arbeiten, wie solche im Finanzsektor, bei Versicherungen, oder im Verkauf überflüssig werden und sich diese Leute auch an der Produktion beteiligen könnten – ebenso wie die heutigen Arbeitslosen. Andererseits kann man sich ohne Konkurrenz die Überproduktion – welche heute im Müll landet – ersparen. Durch die Verminderung der Überproduktion sowie durch den Einsatz der Wissenschaft unter dem Aspekt der Ökologie – statt dem der Profitmaximierung – ist ein weiterer wichtiger Vorteil der Bedarfswirtschaft angesprochen: Die Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit wird zum unmittelbaren Kriterium der Produktion. Weitere wichtige Faktoren wie die Arbeitsbedingungen, Hierarchien und Arbeitsverteilung würden sich verbessern. Wenn wir die nötige Arbeit für das, was wir brauchen, unter uns aufteilen, wird es nämlich überflüssig, dass es solche gibt, die andere kommandieren und dass es solche gibt, die sich krankschuften; und es gibt auch keinen Grund mehr, die Arbeit nicht möglichst angenehm zu gestalten.


31

Was kann ich jetzt konkret tun, um etwas zu verändern?

Alleine etwas zu verändern ist schwierig, aber mit einer Masse kannst du viel erreichen. Wenn du also wirklich etwas bewirken willst, dann organisiere dich. Dazu brauchst du Menschen, die deine Kritik an diesem System teilen und die Welt verändern wollen. Ein revolutionäres Bewusstsein zu entwickeln ist ein Prozess, der durch theoretische Bildung (Diskussionen, Vorträge, Bücher usw.) sowie durch Aktionen (Demos, Solidaritätskundgebungen, Streiks usw.) stattfindet. Zudem sprich mit deinen Freundinnen, Arbeitskolleginnen oder der Familie. Schaffst du es, ihnen Denkanstösse zu geben, ihnen aufzuzeigen welche Schäden der Kapitalismus an Mensch und Natur verursacht, ist dies bereits ein grosser Schritt. Werden sie dadurch selber aktiv, sind wir der Veränderung einen Schritt näher. Auch durch gezielte Aktionen können wir Aussenwirkung erzielen und versuchen unsere Inhalte zu vermitteln. Eine weitere Möglichkeit ist das Intervenieren bei vorhandenen Bruchstellen, zum Beispiel, wenn Arbeiterinnen Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen erzwingen oder Verschlechterungen verhindern (wollen). Dabei ist wichtig, dass wir uns mit den Menschen auseinandersetzen und klar dafür eintreten, dass wir dieses System nicht verbessern wollen, sondern es Überwinden müssen, um einer bedürfnisorientierten Welt Platz zu machen.


32

Glossar Arbeit: Ist eine bewusste, schaffende Tätigkeit des Menschen. Um den Menschen zu erhalten, ist in jedem System und zu jeder Zeit Arbeit nötig. Im Kapitalismus ist die Arbeit aber zum Nachteil der Menschen organisiert, die sie verrichten – nämlich als →Lohnarbeit.

Arbeiter: Siehe Proletarier.

Arbeitgeber/Kapitalist: Kapitalist ist nicht, wer viel verdient, ein schickes Auto oder teure Anzüge hat oder will. Ein Kapitalist wird dadurch definiert, dass er seine Arbeitskraft nicht an andere verkaufen muss, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er lebt von Grundrente oder dem Mehrwert, den →Lohnarbeiter schaffen.

Ausbeutung: Ausbeutung ist die Aneignung der Arbeitskraft und der daraus resultierenden Produkte, welche über die notwendige Arbeit zur Erhaltung der Lebens- und Arbeitskraft der →Arbeiterin hinausgeht. Ausbeutung ist demnach das Einsacken fremder Mehrarbeit und der daraus resultierenden Mehrprodukte durch die →Kapitalistin. Wenn 1 Stunde und 45 Minuten täglich für das Erschaffen des →Wertes, der dem →Lohn entspricht, notwendig sind, die Arbeiterin aber 8 Stunden arbeitet, so hat sie 6 Stunden und 15 Minuten Mehrarbeit geleistet. Oder in Franken ausgedrückt: Wenn ihr Stundenlohn 27.70 CHF beträgt, sie also 221.60 CHF pro Tag verdient, ihre Chefin der Kundin aber 125 CHF pro Stunde verrechnet, also 1000 CHF pro Tag, beginnt nach rund 1 Stunde und 45 Minuten die Mehrarbeit. Weil das Produkt dieser Mehrarbeit der Kapitalistin gehört, wurde die Arbeiterin ausgebeutet. Somit hat Ausbeutung nichts mit moralisch verwerflichen Arbeitsbedingungen oder besonders schwerer körperlicher Leistung zu tun.

Eigentum: Ist ein staatlich garantiertes Verfügungsrecht über Dinge (z.B. Produktionsmittel, geistiges Eigentum und in früheren Zeiten sogar Menschen). Der Staat setzt das Recht auf Eigentum mit Gewalt durch. Für die Menschen bedeutet dies: wer Eigentum hat, hat die Verfügung darüber, wer das Eigen-


tum nicht hat, ist davon ausgeschlossen. Das Entscheidende dabei ist nicht der Besitz von Gebrauchsgütern wie einem Kopfkissen oder einem Fahrrad. Die Härte des Eigentums kommt da zur Geltung, wo manche über ganze Landstriche oder riesige Fabriken verfügen und andere davon ausschliessen.

Geld: Ist in der kapitalistischen Gesellschaft das allgemeine Tauschmittel – Ausdruck des →Werts überhaupt. Das heisst, mit genügend Geld kann man alles kaufen. Geld ist also das Zugriffsmittel schlechthin. Mit ihm hat man den Zugriff auf das Eigentum anderer. Das heisst jedoch gleichzeitig, dass wer kein oder nicht genügend Geld hat, nicht an Waren kommt, egal was sein Bedürfnis ist.

Kapital: Ist eine Geldsumme, welche von ihrem Besitzer, dem →Kapitalisten, investiert wird, um vergrössert zurückzukehren. Kapital wird nicht zum privaten Konsum oder zur Schatzbildung gebraucht, sondern ‹angelegt›, um aus →Geld mehr Geld zu machen. Geld an sich ist also genausowenig Kapital wie ein grosses Auto. Erst wenn Geld dazu eingesetzt wird, sich zu verwerten, also mehr zu werden, ist Geld Kapital.

Kapitalist: Siehe Arbeitgeber.

Lohn: Ist jene Summe →Geld, welche →Arbeiterinnen für den Verkauf ihrer Arbeitskraft bekommen – nicht für den Wert, den sie herstellen. Der →Wert dieser Arbeitskraft wird, wie bei jeder anderen →Ware, bestimmt durch die zur Produktion und Reproduktion (z.B. Hausarbeiten, Erholung, Lebensmittel) notwendigen Arbeitszeit und durch ein historisches (z.B. Entwicklungsstand, Naturverhältnisse) und moralisches (z.B. Klassenkampf) Element.

Lohnarbeit: Ist die →Arbeit, welche entlöhnt wird. Sie ist im Kapitalismus notwendig, damit Gewinn realisiert werden kann (Produktion von →Waren, die am Ende mehr →Wert haben als am Anfang), oder die Voraussetzungen dafür geschaffen werden (z.B. Verkauf von Waren oder Sicherstellung von Zahlungsverkehr). Die meisten Menschen auf der Welt sind →Proletarier und deshalb auf Lohnarbeit angewiesen.

Lohnarbeiter: Siehe Proletarier.

33


34 Managerinnen: Sind die Funktionärinnen der →Kapitalistin. Ihre Aufgabe besteht darin, dafür zu sorgen, dass aus dem →Geld ihrer Kapitalistin mehr Geld wird, z.B. durch die Optimierung von Arbeitsabläufen oder Rationalisierung. Deswegen lässt sich die Kapitalistin diese entscheidende Funktion auch so einiges kosten. Erfolgreiche Managerinnen werden oft selbst Kapitalistinnen.

Profit: Ist das Ziel und Ergebnis des erfolgreichen kapitalistischen Produktionsprozesses. Die Aussicht auf Profit ist der Grund, warum überhaupt produziert wird. Der Profit ist Teil des Mehrwerts, den die →Arbeiter schaffen.

Proletarier/Arbeiter/Lohnarbeiter/Lohnabhängige: Sind im doppelten Sinne frei: Die sind keine Sklaven oder Leibeigene und haben kein →Eigentum an Produktionsmitteln. Das bedeutet, dass sie ihre Arbeitskraft gegen →Lohn an einen →Kapitalisten oder an den Staat verkaufen müssen, um ihr Leben finanzieren zu können.

Ware: Ist die spezifische Form der Produkte, welche im Kapitalismus hergestellt werden. Sie sind Dinge und Dienstleistungen, die neben ihrem praktischen Nutzen auch einen Tauschwert/Preis (→Wert) haben. Die einen müssen sie kaufen, bevor sie sie brauchen können, die andern wollen sie nicht selber gebrauchen, sondern lassen sie nur produzieren, um sie zu verkaufen. Das bedeutet, dass nur hergestellt wird, was Gewinn bringt und dass es nur die Leute benutzen können, die genügend Kaufkraft haben.

Wert: Jede →Ware hat einen Gebrauchswert, also eine Nützlichkeit. Ein Stuhl dient z.B. zum Sitzen, ein Bett zum Schlafen. Neben diesem Gebrauchswert hat eine Ware aber auch einen (Tausch-)Wert. Gegen diesen Wert ist die Ware mit einer anderen zu tauschen. Dieser Wert kommt durch die notwendige →Arbeit für die Herstellung zustande, die menschliche Arbeitskraft schafft also den Wert. Jedoch ist nicht die tatsächliche Arbeitszeit massgebend, sondern die in der Gesellschaft durchschnittlich notwendige. Wenn manche für die Herstellung einer Ware länger brauchen als andere, haben ihre Waren deswegen nicht mehr Wert. Der Wert ist nichts Natürliches an Dingen, sondern der Ausdruck bestimmter gesellschaftlicher Verhältnisse. Im Kapitalismus werden Waren produziert und getauscht; dieser Tausch wird mit →Geld abgewickelt.


35


ÜBER UNS... Wir wollen unsere Kritik, Erklärungen und Gedanken zur kapitalistischen Gesellschaft mit anderen teilen. Wir fragen uns, was das für Verhältnisse sind, in denen es neben Hungertoten ständige Überproduktion gibt.

Wir wollen wissen, wieso Menschen und Natur trotz des technischen Fortschrittes so viel Schaden erfahren.

Wir setzen uns mit den Gründen für BurnOuts bei den einen und Arbeitslosigkeit bei den andern auseinander. Wir wollen Menschen anregen, sich mit dem gesellschaf tlichen System, in dem wir leben, auseinanderzuse tzten.


Diese Seiten bieten ungewohnte Gedanken über eine Zeit, in der die einen Überzeit arbeiten, während Arbeitslose über Zeit, nicht aber über ausreichend Mittel verfügen.

Nicht nur deshalb finden wir, dass es höchste Zeit ist, sich darüber Gedanken zu machen, wie wir diese Zeiten überwinden können.


FAQ