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April 2014

Magazin über Menschen, Quartiere und Ideen aus der Überseestadt

ÜBERHAUPT REPORTAGE: 24 STUNDEN ZWISCHEN WESER UND WALLE SEITE 10

ÜBERFLIEGER FILMREIFE MUSIK – KOMPOSITIONEN VOM EUROPAHAFEN SEITE 16 AKTUELLES, TERMINE UND DER ENTDECKERPLAN FÜR DIE ÜBERSEESTADT!


Künstlerfachmarkt Bremen

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INHALT MOIN ZUSAMMEN! Dreieinhalb Jahre, 14 Ausgaben insgesamt – unser ÜberseeMagazin wird so langsam erwachsen. Und wer altert, der braucht ab und an auch mal ein kleines Facelift. Also haben wir unserem Magazin ein wenig die Falten glatt gezogen und hier und da was weggenommen. Ergebnis: eine komprimiertere Ausgabe, die aber nach wie vor viele Geschichten aus Bremens jüngstem Ortsteil bereithält. Dass Veränderung und Wandel nichts Schlechtes sein müssen, das zeigt die Überseestadt jeden Tag selbst. Auch für die vierte Auflage unserer alljährlichen Serie der 24-Stunden-Reportage haben wir genügend Menschen angetroffen, die uns einen Einblick in ihren Alltag gewährten. Welche Sportlerträume am Europahafen gefertigt werden, wer über die Köpfe der Bremer schwebt und was nachts an der Hotelrezeption passiert – all das erfahren Sie ab Seite 10. Die Anbiethalle kennt fast jeder Überseestädter. Doch wer wusste, dass im selben Gebäude nicht nur Fisch gebraten, sondern auch Musik für Fernsehdokumentationen, Kurz- und Spielfilme komponiert wird? Einen Einblick ins wohl ungewöhnlichste Musikstudio Bremens gibt es ab Seite 16.

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ÜBERSICHT TIPPS UND TERMINE VON MITTE APRIL BIS MITTE JULI 2014

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ÜBERBLICK AKTUELLES AUS DER ÜBERSEESTADT

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ÜBERSIEDLER NEU IN DER ÜBERSEESTADT

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ÜBERLEBT HINTER HISTORISCHEN FASSADEN – VOM WEINLAGER ZUM BÜROHAUS

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ÜBERHAUPT 24 STUNDEN ZWISCHEN WESER UND WALLE – DIE ÜBERSEESTADT-REPORTAGE

Seite 16

ÜBERFLIEGER FILMREIFE MUSIK – ANDRÉ FELDHAUS KOMPONIERT FÜR FERNSEHEN UND KINO

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ÜBERREDET INTERVIEW MIT DEN BETREIBERN DES HAFENREVUETHEATERS, CLAUDIA GEERKEN UND ULRICH MÖLLMANN

Zudem natürlich wie gewohnt News, Termine und vieles mehr aus der Überseestadt. Wir wünschen eine angenehme Lektüre – am besten im Freien an der Weser! Ihr Übersee-Team

Impressum: Herausgeber: Daniel Günther Redaktion: DIALOG Public Relations, Daniel Günther e.K., Altenwall 24, 28195 Bremen, redaktion@ueberseemagazin.de, Telefon: 0421.32 88 110, www.dialog-pr.com Design: kraska – gestaltung, kontakt@kraska.net, www.kraska.net Druck: Druckhaus Breyer GmbH Anzeigeninformationen finden Sie im Internet unter www.ueberseemagazin.de Auflage: 15.000 Die Ausgabe 2/2014 erscheint im Juli 2014. Titelbild: Jack Kraska, www.kraska.net

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TERMINE

Mai 03.05.2014, 10 Uhr Stoffmarkt Holland Rund um den Europahafen Über 45 Teilnehmer bieten eine große Auswahl an Stoffen, Kurzwaren, Schnittmustern, Schablonen und Textilfarben. Der Eintritt ist frei. www.stoffmarktholland.de

05.04. bis 13.07.2014 Aufbruch in die Utopie Kulturkirche St. Stephani Die Ausstellungsreise »Aufbruch in die Utopie – Auf den Spuren einer deutschen Republik in den USA« blickt mit Kunst und Aktionen auf die wechselvollen Geschichten der Auswanderer. Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 - 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. www.aufbruch-in-die-utopie.net

09.05. bis 29.06.2014 Wild Boys GOP Varieté Bremen Eine prickelnde Show voller artistischer Höhepunkte. Spielzeiten: Mi. & Do. 20 Uhr, Fr. & Sa. 18 & 21 Uhr, So. 14:30 & 17:30 Uhr. Preise: 21 bis 37 Euro. www.variete.de 10.05.2014, 10 - 15 Uhr Gratis Comic Tag Logbuch Jeder Besucher darf sich drei Gratis-Comics aus den nur für diesen Tag produzierten Heften aussuchen. Eintritt frei. www.logbuchladen.de

Juni

Foto: Gröpelingen Marketing

20.04. und 21.04.2014, 10 Uhr Ostereiersuche im Dunkeln Alte Stauerei Beim SchwarzLichtHof sind zusätzlich zum Minigolf-Angebot zehn leuchtende Eier versteckt. Die glücklichen Finder erhalten einen frischen Crêpe im Bistro gratis. Eintritt: 7,50 Euro (erm. 6,50 Euro). www.schwarzlichthof.de

27.04.2014, 11 - 18 Uhr Weserwege – Bremer Fährtag mit Verkaufsoffenem Sonntag u.a. Europahafen/Holz- und Fabrikenhafen Zum Auftakt der Fährschiffsaison lässt Hal över die Schiffe auf der Weser für die Bremer kreuzen. Zusätzlich zu den Fährfahrten gibt es über 50 Angebote an Land – von Führungen bis zu Mitmach-Aktionen. Zudem lockt ein Verkaufsoffener Sonntag von 13 - 18 Uhr in die Überseestadt. Alle Informationen unter 0421.619 77 27 sowie www.kultur-vor-ort.com 30.04.2014, 23 Uhr Tanz in den Mai SOHO Club Bremen Neben vielen kleinen Überraschungen lockt das DJ Lineup mit: Marco Fricke, Jimmy Deroy, Nik Pryce, Tobias Meisner & Matish. Eintritt: 10 Euro. www.soho-bremen.de

05.06.2014, 10 Uhr Du kannst mi mol diddeln! – Was der Bremer an der Kaje schnackt … Treffpunkt: Hafenmuseum Speicher XI, Museumsshop Auf einem amüsanten Rundgang durch das Hafenmuseum lernen die Besucher typische Begriffe der bremischen Hafensprache kennen, erfahren, wo diese herstammen und wie sie verwendet wurden. Dauer: 60 Minuten. Preis: 10 Euro inkl. Kaffee. Anmeldung unter: 0421.30 38 279 www.hafenmuseum-speicherelf.de 12.06.2014, 20:15 Uhr Liebe, Last und Fracht HafenRevueTheater Das Stück spielt im Bremer Hafen der 1950er – zu einer Zeit, als Männer noch echte Kerle sein durften. Mittendrin Theodor, nach langer Seefahrt zurück an Land, für den die Suche nach seiner ewigen, großen Liebe beginnt. Preis: 24,40 Euro (erm. 22,20 Euro). Tickets unter: 0421.36 36 36 www.hafenrevuetheater.de 13.06.2014, 18 Uhr Rundgang: Vom Holzhafen zum Schuppen 1 Treffpunkt: Waller Stieg, Holz- und Fabrikenhafen Das Kulturhaus Walle informiert auf diesem Rundgang über die Geschichte des Quartiers, die neuesten Entwicklungen und das Wohnen am Wasser. Preis: 5,50 Euro (erm. 4 Euro). Informationen unter 0421.38 87 078 www.kulturhauswalle.de

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15.06.2014, 11 - 18 Uhr Sommermarkt Vor dem Speicher XI Saisonale Produkte sowie Gewürze, Marmeladen und weitere Köstlichkeiten laden zum Probieren und Kaufen ein. Freie Parkplätze stehen auf dem benachbarten Großmarkt ausreichend zur Verfügung. www.grossmarkt-bremen.de

Juli 06.07.2014, 11 - 18 Uhr Speichermarkt Vor dem Speicher XI Kunst – Kultur – Lebensart: ein kleines Bühnenprogramm, ein stilvolles gastronomisches Ambiente und dazu circa 100 Aussteller mit ausgefallenem Angebot. www.grossmarkt-bremen.de 13.07.2014, 11 - 18 Uhr Stadtteilfest Walle Vegesacker Straße Zwischen Eisdiele und Waller Ring entsteht eine Flaniermeile mit abwechslungsreichem Musikund Kulturprogramm, privatem Flohmarkt und großem Kinderprogramm. www.kulturhauswalle.de

Foto: CityInitiative/Jonas Ginter

April

Foto: Frank Schaub

Foto: Manuela Demmler/Sammlung Dr. Pawlik

ÜBERSICHT Tipps und Termine von Mitte April bis Mitte Juli 2014

18.05.2014, 10 - 18 Uhr Bürgerfest zum European Maritime Day Am Europäischen Tag der Meere findet ein großes Bürgerfest auf dem gesamten Gebiet vom Europahafen bis zur Schlachte statt. Die Veranstaltungen in der Überseestadt umfassen unter anderem eine Maritime Forschungsmeile mit 10 Forschungsinstitutionen und ein »Open Ship« mit drei Forschungsschiffen am Weserbahnhof, informative Rundgänge durch die Überseestadt sowie stündliche Bustouren mit dem Emma-Bus der BTZ. Um 14:30 Uhr startet ab Anleger 13 zudem eine Hafenrundfahrt mit der Gräfin Emma, auf der die Besucher alles über die Uferrandbebauungen erfahren. Sämtliche Angebote sind kostenlos. Alle Informationen unter: www.bremen-city.de

HER MIT IHREN TERMINEN! Sie wissen von einer interessanten Veranstaltung mit Bezug zur Überseestadt oder richten diese selber aus? Dann senden Sie uns Ihren Terminhinweis an: redaktion@ueberseemagazin.de


Unternehmensgruppe

N E W

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E N E R G Y


PROJEKTE

ÜBERBLICK Aktuelles aus der Überseestadt GESUCHT UND GEFUNDEN: NEUES BRANCHENVERZEICHNIS

Neben dem Segelschiff »Alexander von Humboldt«, welches wohl bald in der Überseestadt als Restaurantschiff festmacht, wird auch der Zweimaster »Eldorado« vom 25. April bis zum 4. Mai 2014 im Europahafen anlegen und Tagesfahrten für Familien, Vereins- oder Firmengruppen bis zu 36 Personen auf der Weser anbieten. Die »Eldorado« wurde einst als Fischerboot in Oostende gebaut und hat sich dank liebevoller Pflege und Runderneuerung in 2012 zu einem modernen Schiff mit großzügiger Lounge an Deck, Salon und stilvoller Bar gemausert. Laut Eigner und Veranstalter der Tagesfahrten, SailingAway24, gleicht eine mehrstündige Ausfahrt mit der »Eldorado« einem »Kurzurlaub unter weißen Segeln«. Dieser kostet 59,50 Euro pro Person. Kinder bis 14 Jahre zahlen 42,50 Euro. Die Abfahrtszeiten ab Marina Europahafen variieren und liegen zwischen 10 und 19 Uhr. Informationen über die genauen Termine, Fahrzeiten und Buchungsmöglichkeiten erhalten Interessierte unter: 0471.92 65 092.

Frei nach dem Motto »Vorbeugen ist besser als heilen« lädt die Stiftung Bremer Herzen zu einem Betriebssport-Turnier ein. Im Rahmen der dritten Bremer Herztage stellen sich Teams bestehend aus Arbeitskollegen, Freunden, Bekannten und Familie am 16. Mai einer bunten Mischung von Sportstationen bei WerderSports im Schuppen 1. Die Gewinner werden tags darauf im Haus Schütting am Marktplatz durch den Bremer Senator für Gesundheit, Dr. Hermann Schulte-Sasse, gemeinsam mit dem Präses der Handelskammer, Christoph Weiss, geehrt. Die Herzolympiade besteht aus sechs zu absolvierenden Disziplinen. Neben den Olympiastationen gibt es außerdem noch die Möglichkeit, ein Soccer-Diplom zu erwerben und an Yoga- und TaeBo-Kursen teilzunehmen. Moderiert wird die Veranstaltung von Christian Stoll, dem Stadionsprecher von Werder Bremen. www.bremer-herzen.de

Innovative und neue Arbeitswelten zeichnet der vom Magazin FOCUS und dem Businessnetzwerk XING vergebene New Work Award aus. Mehr als 200 Unternehmen hatten sich im vergangenen Jahr für diesen Preis beworben. Zehn haben es in die Endrunde geschafft und sich der Abstimmung durch die Netzgemeinde gestellt. Die Unternehmensgruppe team neusta aus dem Schuppen 1 erreichte mit ihrer Campusidee den 2. Platz. Unternehmensgründer und Ideengeber des Campus, Carsten Meyer-Heder, nahm die Auszeichnung Anfang des Jahres entgegen. Besonders gewürdigt wurde der Netzwerkgedanke und die vielfältigen Kooperationen zwischen festangestellten Mitarbeitern, Freelancern aus dem co-working-Areal und Gründern im start-up-Programm, die auf dem Campus möglich sind. www.team-neusta.de

GOLDEN-CITY-CROWDFUNDINGKAMPAGNE LÄUFT GUT AN Binnen 21 Tagen erzielte die Crowdfunding-Kampagne für den diesjährigen Erhalt der temporären Hafenbar in der Überseestadt bereits über 5.000 Euro. Mehr als 150 Unterstützer gaben Beträge zwischen fünf und 1.000 Euro und erhielten als Dankeschön Kühlschrankmagneten, Foto- und Geschichtsbücher, Kapuzenpullis und Veranstaltungstickets für die neue Golden-CitySaison. Initiatorin Frauke Wilhelm und ihr Team riefen Anfang März zu der Aktion auf, die noch bis zum 27. April läuft. Nur wenn das Ziel von 9.999 Euro erreicht wird, werden die gespendeten Beiträge für die Eröffnung der Hafenbar am 18. Mai verwendet, ansonsten muss das Geld zurückgegeben werden. Mehr zu Spendenmöglichkeiten unter www.startnext.de/goldencity

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SCHUPPEN 3 GEHT IN DIE AUSSCHREIBUNG

Foto: Wolfgang Kundel/WFB

Foto: www.ueberseestadt-bremen.de

ZWEI SCHIFFE FÜR DIE ÜBERSEESTADT

STIFTUNG BREMER HERZEN LÄDT ZUR HERZOLYMPIADE

Foto: Xing

In der Bremer Überseestadt ist ein bunter Strauß an Unternehmen, Einzelhändlern, Kultureinrichtungen sowie Gastronomie ansässig. Wer ein bestimmtes Hotel oder Geschäft sucht, wird nun mit nur wenigen Klicks im neuen Online-Branchenverzeichnis fündig. In 14 Kategorien können sich Unternehmen über den Marketingverein Überseestadt e.V. eintragen lassen. Nach und nach baut sich so ein umfassender Katalog zur hiesigen Unternehmenslandschaft auf. Ein Eintrag ist für 9,90 Euro pro Monat buchbar. Darin enthalten sind Kontaktdaten, Logo sowie ein kurzes Profil. www.ueberseestadt-bremen.de

TEAM NEUSTA MIT NEW WORK AWARD GEEHRT

Mit dem Schuppen 3 an der Nordkaje des Europahafens steht ein Gebäude samt Grundstück zum Verkauf, das eines der letzten seiner Art und Größe in der Überseestadt ist. Diente der rund 400 Meter lange und bis zu 58 Meter breite Schuppen einst zur Lagerung von Stückgut, soll er nun neuen urbanen Nutzungen zugeführt werden. So sind sowohl Büro- und Einzelhandelsflächen als auch Wohnungen vorgesehen, die sich aber architektonisch in die bestehenden Hafenstrukturen einfügen sollen. Das gesamte Areal, das die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH nun im Auftrag der Stadtgemeinde Bremen veräußert, umfasst über 35.500 Quadratmeter. Alle Informationen und die Ausschreibungsunterlagen gibt es unter www.wfb-bremen.de/de/wfbausschreibungen


Foto: WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH

PROJEKTE

NEUE ZEITMASCHINE FÜR DAS INFOCENTER ÜBERSEESTADT

vom Speicher XI bietet die neue Zeitmaschine verschiedene Möglichkeiten, die Überseestadt multimedial zu entdecken. Zudem kann auch die Panoramatour durch die Überseestadt angeklickt werden. www.ueberseestadt-bremen.de

SCHLACHTEVERLÄNGERUNG WIEDER GEÖFFNET

Da die Zeitmaschine im Infocenter Überseestadt nicht mehr aktuell war, gönnte die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH ihr eine Runderneuerung. Seit einigen Wochen können Besucher der Dauerausstellung über die Überseestadt im Infocenter die neue, digitale Zeitmaschine nutzen. Per großem Touchscreen lässt sich das Gestern, Heute und Morgen des Quartiers erkunden. Anhand von historischen Bildern, Filmen und einer 360-Grad-Live-Webcam mit Blick

Rund 20 Monate war die 250 Meter lange Weserpromenade zwischen GOP Varieté und der Straße Stephanitorsbollwerk gesperrt, nun ist der Fahrrad- und Fußweg wieder geöffnet. Grund für die Sperrung waren Bauarbeiten und die Anpassung an die neuen Anforderungen des Hochwasserschutzes. Zudem werden die Neubauten in diesem Bereich nach und nach bezogen. Mitte März hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG AG ihren Bürobetrieb im »WQ1« aufgenommen und belegt knapp die Hälfte der zur Verfügung stehenden Flächen. Im Erdgeschoss des Gebäudes eröffnet der Betreiber des

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QUARTIER »HAFENKANTE« WÄCHST WEITER Die WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH und die Entwicklungsgesellschaft Hafenkante GmbH & Co. KG haben einen Vertrag über weitere Grundstücksankäufe an der »Hafenkante« abgeschlossen. 64 Wohnungen sind bereits bezugsfertig. Sie entstanden im ersten Bauabschnitt des Quartiers in der nordwestlichen Überseestadt. Insgesamt sollen auf diesem rund vier Hektar großen Bauabschnitt 300 Wohneinheiten und ein etwa 16.000 Quadratmeter großes Zentrum für Energie und Umweltschutz (Zeus) entstehen. Im Rahmen dieses Zentrums wird unter anderem der Abwasserentsorger hanseWas-

• Gesundheitskurse- und reisen (bis zu 300 Euro im Jahr) • Reiseschutzimpfungen (Kostenübernahme zu 100 Prozent) • Wahltarife (bis zu 600 Euro im Jahr) • Osteopathie (bis zu 390 Euro im Jahr) • Alternative Arzneimittel (bis zu 120 Euro im Jahr) • 60 Euro Prämienausschüttung • und, und, und ...

Rufen Sie an unter: 0421 43551-93 www.atlasbkkahlmann.de

benachbarten Chilli Club Bremen voraussichtlich im Mai 2014 das italienische Restaurant »VaiVai«. Darüber hinaus verlegte der Windenergiedienstleister wpd seine Firmenzentrale mit rund 250 Mitarbeitern in die benachbarten Gebäude »Luv« und »Lee«.

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PROJEKTE

ÜBERBLICK Aktuelles aus der Überseestadt

ser Bremen GmbH bis Ende 2015 in einen 5.000 Quadratmeter großen Neubau an der »Hafenkante« einziehen. www.bremen-hafenkante.de

100 BREMER HÄUSER IN BUCHFORM Die Bremer Zeichnerin und Illustratorin Isa Fischer hat ihr neues Buch »100 Bremer Häuser – hausgezeichnet« veröffentlicht. Es vereint 100 architektonische Zeichnungen, die in den vergangenen Monaten entstanden sind: typische Bremer Häuser, bekannte Sehenswürdigkeiten und auch besonders markante Gebäude aus der Überseestadt. Alle Entwürfe sind zunächst mit Feder und Tusche gezeichnet und dann aquarelliert worden. Fischer  hat das Buch über ihren Spieleverlag Duplio  selbst  herausgegeben. Es ist in ausgewählten Bremer Buchläden erhältlich. Die genauen Bezugsquellen erfahren Sie unter www.hausgezeichnet.info

ÜBERSIEDLER Neu in der Überseestadt

ANKERMIETER IM »WEINKONTOR« Das neue »Weinkontor« in der vorderen Überseestadt bekommt Zuwachs: Die TTS Marine Systems GmbH hat im Oktober 2013 als erster Großmieter einen langjährigen Mietvertrag für rund 2.700 Quadratmeter unterschrieben. Die TTS Marine Systems GmbH mit rund 100 Mitarbeitern zählt zu den führenden Unternehmen im Bereich der Planung und Lieferung von Schiffs- und Yachtausrüstungen und wird im kommenden Juni in die Büroräume einziehen. Die Justus Grosse Projektentwicklung GmbH investiert fast 15 Millionen Euro in die Sanierung des »Weinkontors«. In dem sechsstöckigen Gebäude mit insgesamt rund 12.000 Quadratmetern Fläche, einem aktiven Paternoster und vielen bodentiefen Fensterfronten werden Büroflächen ab 100 Quadratmetern ab Mitte 2014 bezugsfertig sein. www.ttsgroup.com

NEUE ADRESSE FÜR DAS HAUPTZOLLAMT

Foto: Birgitta Rust – Piekfeine Brände

PIEKFEINE BRÄNDE AUSGEZEICHNET

Auf der diesjährigen Destillata in Salzburg konnte »Birgitta Rust – Piekfeine Brände« die unabhängige Fachjury mit ihren edlen Erzeugnissen überzeugen. In diesem Jahr zeichneten die Experten sowohl ihren Haselnussgeist, der ein Jahr im Bourbonfass gelagert wurde, als auch ihren Selleriegeist mit Silbermedaillen aus. Mit ihrem Sanddornbrand punktete Rust ebenfalls und gewann Bronze. Auf der Destillata, der größten und wichtigsten Edelbrandprämierung Europas, werden jährlich die Besten aus der Edelbrand-Szene geehrt. 2014 nahmen 183 Destillerien aus 11 Nationen mit knapp 1.700 Produkten teil. www.br-piekfeinebraende.de

Seit Ende März sitzen die knapp 252 Mitarbeiter fast aller Einheiten des Hauptzollamtes Bremen unter einem Dach. Der Grundstein für das energiesparende Gebäude mit roter Klinkerfassade wurde bereits im September 2012 gelegt. Lange hatte das Zollamt nach einem geeigneten neuen Standort gesucht, bis die Wahl auf den Neubau gegenüber dem Schuppen 1 fiel. Der Zoll mietet die rund 5.200 Quadratmeter Nutzfläche für vorerst 15 Jahre von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die die Räume wiederum von der STRABAG Real Estate aus Niedersachsen angemietet hat.

FESTMACHEN AM SPEICHER XI Unter dem Titel »Am Speicher XI – Festmachen«  haben  sich  das Hafenmuseum Speicher XI, die Speicherbühne, das Restaurant Port, der SchwarzLichtHof, das HafenRevueTheater und die Energieleitzentrale/BLG-Forum zusammengeschlossen. Gemeinsam vermarkten sie  ihre Angebote für Veranstaltungen, Tagungen, Firmen- und private Feiern. Dafür haben sie verschiedene Pakete geschnürt, die als Anreiz dienen und nach individuellen Wünschen angepasst

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werden können. Die »Festmacher« bieten Räumlichkeiten für Veranstaltungen von 10 bis 2.000 Personen rund um den und in dem Speicher XI an. Ein besonderes Highlight: Auch Kapitänshochzeiten können angefragt und organisiert werden. www.amspeicherxi.de

EIN ZUHAUSE FÜR SPIELWAREN Zwischen Speicher XI und Rolandmühle vertreibt die NK-Trading GmbH Spielwaren, Geschenkartikel, Partyartikel sowie Bettwäsche und Kindergeschirr. Geschäftsführer Niels Kanert begann 2005 damit, hochwertiges Spielzeug aus China nach Deutschland zu importieren. Unter dem Markennamen »Nika Fun« vertrieben Kanert und sein Team die Spielwaren zunächst im Online-Shop, nun aber auch via Lagerverkauf am Holzhafen. Das Unternehmen legt größten Wert auf einwandfreie Qualität und sicheres Spielzeug ohne Schadstoffe. Der Spielwaren-Lagershop ist montags bis freitags von 8:30 bis 17:30 Uhr geöffnet. www.nk-trading.biz

ROCK ‘n‘ ROLL IM SCHUPPEN 1 Der Schuppen 1 war bisher vornehmlich als Zentrum für Automobilkultur und Mobilität bekannt. Seit kurzem bietet jedoch genau hier das Geschäft Four Aces Outfits aus Rock’n’Roll Zeiten an. Vor allem Vintage- und Oldstyle-Liebhaber kommen bei dem Angebot aus hochwertigen Textilien, Schuhen, Accessoires und Haarpflegeprodukten auf ihre Kosten. Ergänzt wird das an die 1930er bis 1960er Jahre angelehnte Sortiment von Ersatzteilen und Zubehör für Ford Flathead Motoren. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags von 13 bis 19 Uhr und samstags von 11 bis 17 Uhr. www.four-aces.com

HER MIT IHREN NEWS! Sie haben auch etwas zu melden? Dann nehmen Sie das Übersee-Magazin in Ihren Presseverteiler auf oder sprechen Sie uns an. Ihre News senden Sie bitte via Mail an: redaktion@ueberseemagazin.de


GESCHICHTE SERIE

ÜBERLEBT

Kulturhaus Walle Brodelpott Tel.: 0421.388 70 78 www.kulturhauswalle.de www.digitales-heimatmuseum.de

Hinter historischen Fassaden Fotos: Justus Grosse Projektentwicklung GmbH/Bildarchiv Brodelpott

Vom Weinlager zum Bürohaus

Das »Weinkontor« im Früher-Heute-Vergleich. In der historischen Aufnahme von Anfang der 1950er Jahre gut zu erkennen, wie weit der Europahafen noch vor der Verfüllung für die RoRo-Anlage stadtwärts reichte. Wo heute der Hilde-Adolf-Park, ragten damals Schiffsmasten in die Höhe.

An der Straße Auf der Muggenburg im Kaffeequartier der Überseestadt gesellt sich zur Zeit eine weitere Großbaustelle zum generellen Bauboom: Direkt gegenüber des Muggenburg-Bunkers wird das insgesamt 12.000 Quadratmeter große Gebäude der ehemaligen Weinfirma Reidemeister & Ulrichs von der Justus Grosse Projektentwicklung GmbH für fast 15 Millionen Euro saniert. Das Gebäude gehört im Gebiet zu den letzten mit historischer Bausubstanz der 1950er Jahre. Dort, wo einst Wein gelagert wurde, werden bald etliche Bürolofts zur Verfügung stehen. Schon 1831 wurde die Firma Reidemeister & Ulrichs durch den Zusammenschluss zweier Weinhandlungen gegründet und ist heute ein traditionsreiches Importhandelshaus für Wein und Spirituosen der gehobenen Klasse. Seit 2005 gehört die Firma zur Bremer Eggers & Franke Gruppe. Bereits

seit 1857 ist auch die Familie Bömers eng mit der Geschichte des Unternehmens verbunden, nachdem Heinrich Wilhelm Bömers Teilhaber wurde. In ihrer über 180-jährigen Geschichte konnte die Firma erheblich expandieren, unterschiedliche Lagerstätten – auch am damaligen Freihafen – ausbauen und sich besonders im Bereich des Umschlags von Qualitätsweinen aus Frankreich einen Namen machen. WEINTANKSCHIFFE IM EUROPAHAFEN

auch mit einem eigenen Weintankschiff. Neben dem zunehmenden Import hochwertiger Weine kam auf der Muggenburg die Weinbrennerei hinzu und das Gelände wurde im Laufe der Jahre ausgebaut. Es ist also nicht übertrieben zu behaupten, dass dieses denkmalgeschützte Haus ein gutes Stück bremische Hafengeschichte verkörpert. Das sehen auch die neuen Eigentümer so: Auch nach der Sanierung sollen viele kleine historische Details im Gebäude und die Außenfassade erhalten bleiben. Der Name der Immobilie: »Weinkontor«.

Der Zweite Weltkrieg mit seinen Folgen war ein Rückschlag für das familiengeführte Unternehmen, aber schon Anfang der 1950er Jahre ging es wieder bergauf: In Europahafennähe, an der Muggenburg, wurde 1951 das neu errichtete Gebäude mit Büro- und Lagerflächen bezogen und schon 1953 wurde eine neue Hafenanlage zum Löschen von Weintankschiffen in Betrieb genommen, bald

Cecilie Eckler-von Gleich (61): Der Bremer Westen ist ihr Zuhause. Schon immer interessiert an der Geschichte des Bremer Hafens, schrieb sie das Buch »Die alten Hafenquartiere: »Alter Westen« und Muggenburg 1860-1945«.

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EUROPÄISCHE UNION

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LEITTHEMA

ÜBERHAUPT

24 Stunden zwischen Weser und Walle Die Überseestadt-Reportage

Wir können es einfach nicht lassen. Bereits drei Mal haben wir uns von morgens bis tief in die Nacht auf die Lauer gelegt, um Menschen und ihre Arbeitsplätze in der Überseestadt vorzustellen. Und auch die vierte Auflage unserer 24-StundenReportage zeigt schnell: Überseestadt ist nicht nur kreativer Bürostandort, nicht nur Industriegebiet, nicht nur Ziel von Freizeitausflügen – sie ist alles gleichzeitig. Eben ein buntes Quartier, das von der Vielfalt seiner Bewohner lebt. Verbringen Sie mit uns einen ganz normalen Tag im Bremer Westen.

08:35

In der Anfangszeit wurde bei Reishunger noch komplett per Hand abgefüllt. Mittlerweile hat Melanie Buschmeyer hierfür einige technische Hilfsmittel.

08:35 UHR: REISABFÜLLUNG IN DER LAGERHALLE

11:07

Marcel Eckhoff programmiert seit seinem vierten Lebensjahr und startet nun mit einer eigenen Software durch. Dafür tauschte er das Home Office im heimischen Schwarme, Landkreis Diepholz, gegen das Gemeinschaftsbüro bei WeserWork.

Eine unscheinbare Tür mitten auf dem weitläufigen Großmarktgelände. Nichts deutet darauf hin, dass sich hinter ihr 22 der erlesensten Reissorten der Welt verbergen. Auf 450 Quadratmetern stapeln sich Kisten und meterhohe Regale, zwischen denen mehrere Damen umherwuseln. Eine von ihnen: Melanie Buschmeyer. Per Pedal und mit viel Augenmaß bedient sie eine riesige Abfüllanlage beim Start-upUnternehmen Reishunger. Täglich vier Stunden ist sie mit Abfüllung, Versiegelung und Kennzeichnung der Reispakete beschäftigt. Kiloschwere Säcke zu wuchten ist dabei keine Seltenheit. »Anfangs war die körperlich schwere Arbeit schon anstrengend, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran«, so Buschmeyer, die auch als zertifizierte Yogalehrerin tätig ist. Ob Basmati aus Indien, Roter Bioreis aus der französischen Camargue oder kanadischer Wildreis – aus 13 Ländern und von ausgesuchten Bauern kommt das kleine Korn in die Hansestadt. Mit der eigenen Marke versuchen die Reishunger-Macher dem allgemeinen Seite 10

Irrglauben »schmeckt immer gleich, ist immer weiß« entgegenzuwirken. »Mittlerweile geht jeder aus dem Team mit einem persönlichen Einkauf nach Hause, vor allem die, die Supermarkt-Reis nicht mehr sehen konnten«, erzählt Melanie Buschmeyer. Und auch die Kundschaft honoriert das sortenreine Angebot: 150 bis 200 Online-Bestellungen erreichen Reishunger an guten Werktagen. Veganer und Allergiker schicken teils sogar Dankes-Mails, da sie zu fast allen Mahlzeiten auf den Reis aus Bremen zurückgreifen. Insgesamt stehen die Zeichen hier voll auf Wachstum: Aus ursprünglich zwei Firmengründern wurden binnen drei Jahren zwölf Mitarbeiter. Und demnächst geht es in ein neues Zuhause auf dem Großmarktgelände – die derzeitige Lagerhalle ist einfach zu klein geworden. 11:07 UHR: CO-WORKING AM EUROPAHAFEN Ein neues Arbeitsumfeld, genau das bietet auch das Projekt WeserWork. Schreibtisch, Stuhl und WLAN stehen hier bereit, Laptop und Handy bringen die Mieter – Tages-, Monats- oder Jahresnutzer – selbst mit. 60 Plätze bieten die modernen Büroräume, knapp 15


LEITTHEMA

Fotos: kraska – gestaltung

davon sind derzeit mit einem bunten Branchenmix aus Personal- und Unternehmensberatung, Werbung, Fotografie oder auch IT belegt. Netzwerke knüpfen, Synergien nutzen – das sind die Hauptvorteile, die sich die Co-Worker vom Gemeinschaftsbüro versprechen. »Die meisten von uns waren vorher im Home Office organisiert. Doch zum einen fehlten Impulse von außen, zum anderen drohen dort zu viele Ablenkungen. Da kann das Kaffee kochen schon mal ausarten«, grinst Marcel Eckhoff. Der BWL’er und Webentwickler tüfftelt seit 2,5 Jahren an einer neuartigen Branchensoftware für Reinigungsfirmen, die Mitte des Jahres online gehen soll. Seine Hündin Luri scheint die Gesellschaft im Büro ebenso zu genießen wie ihr Herrchen und begrüßt jeden Neuankömmling in freudiger Erwartung einer Streicheleinheit. Der Trend zum Co-Working schwappte vor ein paar Jahren aus den USA nach Deutschland, wo es um die 250 solcher Projekte gibt. Der einmalige Clou in der Überseestadt: eine Kombination aus TeilzeitBüro und Inklusion. Menschen mit Handicap wie der Sehbeeinträchtigte Marco Kreuzgrabe unterstützen die Co-Worker als fest angestellte Servicekraft: Anrufnotizen, Kopien, Postversand oder Catering – all das managt er. Einziges Hilfsmittel: eine BildschirmLupe. »Eine ganz selbstverständliche Zusammenarbeit, im Alltag spürt man Marcos Beeinträchtigung kaum«, sagt der 38-jährige Eckhoff, den dieser Inklusionsansatz auch persönlich zum Nachdenken angeregt hat: »Warum nicht auch Menschen mit Handicap in meinem Unternehmen anstellen? Zum Programmieren ist dies ohne weiteres möglich.« 13:40 UHR: IN DER GLÄSERNEN MANUFAKTUR Auf der anderen Seite des Europahafens wird hingegen neben einem scharfen Auge auch jede Menge Körpereinsatz benötigt. Der Geruch von gelötetem Metall liegt in der Luft und Hammerschläge hallen durch die Räume. Wenn irgendwo auf der Welt Trophäen im Basketball, Segeln oder der Formel 1 in die Höhe gereckt werden, dann kommen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit von hier: Koch & Bergfeld Cor-

13:40 pus. Auch die Träume eines jeden Fußballers werden hier geschmiedet, ob DFB-Pokal, Meisterschale oder Champions League-Cup. Becher, Schalen, Tabletts, Besteck und vieles mehr ergänzen das Portfolio. Kemal Budev arbeitet gerade an seinem Lieblingsobjekt: der Goldenen Kamera. »Sie besteht aus insgesamt 30 Teilen, eine anspruchsvolle Kleinstarbeit.« Rund eine Arbeitswoche steckt in einem Exemplar, 20 Stück macht er davon im Jahr. Der 23-Jährige ist seit fünf Jahren Silberschmied, hat hier schon seine Ausbildung absolviert. »Fingerfertigkeit, Augenmaß und Geduld«, das müsse man für den Beruf mitbringen. »Und eine vorausschauende Planung aller Arbeitsschritte – was dran ist, geht nur schwer wieder ab«, ergänzt Budev. Anfangs etwas Besonderes, mittlerweile Routine für den FC Bayern-Fan: Wenn ein Großauftrag seines Lieblingsklubs für die Pokalvitrine des vereinseigenen Museums ansteht. »Einige Trophäen habe ich sicher länger in der Hand gehabt als so mancher Spieler«, grinst der Syker. Feilen, schleifen, bohren, polieren – was ist so reizvoll an seinem Job? Für Kemal Budev ganz klar: »Zu sehen, was man geschaffen hat, die Abwechslung und der Mix aus Kreativität und Handwerk.«

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Kemal Budev entdeckte über ein Praktikum bei Koch & Bergfeld Corpus seine Leidenschaft für den Beruf des Silberschmieds. »Fast alle meiner Kollegen haben auch hier gelernt«, sagt er.


LEITTHEMA

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Foto: kraska – gestaltung

Kreativ und handwerklich begabt, das sind auch Thomas Beck und Thomas Gerlach. Nicht von ungefähr zieren das Logo ihrer Künstlergemeinschaft Doppelpack ein sich kreuzender Pinsel und Hammer. Sie entwerfen via Airbrush-Technik konzeptionelle Wand- und Objektgestaltung für Bowlingbahnen, Tagungsräume, Restaurants, Automobile, Banken oder Parkhäuser. »Unser Ziel ist es, Räume für ihre Nutzer mit Wohlgefühl auszustatten«, erklärt Beck, gebürtiger Bremer. Zu Dispersions- oder Latexfarben gesellen sich aber mehr und mehr auch Holz und Metall als Werkstoff – ob der Kulissenbau für die Tatortverfilmung oder das Rednerpult im Stile einer Rakete.

Ein Bremer Doppelpack: Thomas Gerlach (links) und Thomas Beck. Vor einem Jahr zogen sie vom »Weinkontor« in den Schuppen 1. In einem solchen Wandtattoo stecken 4 bis 5 Tage Arbeit.

Seit 1999 arbeiten die beiden »Doppelpacker« im Duo zusammen und ergänzen sich blendend: »Während ich meinen Seelenfrieden habe, wenn ich mit Stöpseln in den Ohren tagelang ins Malen vertieft bin, begibt sich mein umtriebiger Partner auf die Suche nach etwas Neuem, sobald er eine Sache bis zur Perfektion beherrscht«, grinst Thomas Gerlach. Die Leidenschaft für ihr Tun ist beiden aber gleichermaßen anzumerken. Wenn Beck von Projekten spricht, ist das Wörtchen »geil« das am häufigsten gebrauchte. Nachtschichten sind auch keine Seltenheit. »Wenn ich meine Familie nicht hätte, würde ich mir wahrscheinlich ein Bett hier reinstellen«, so der 43-jährige Beck. Die Umsetzung und Premiere ihrer Arbeiten vollführen die beiden Bikerfreunde mit Vorliebe bei laufendem Betrieb vor Publikum. »Direktes Feedback ist uns extrem wichtig, denn für die Leute machen wir ja das Ganze.« 21:55 UHR: IM VARIETÉ AM WESER-TERMINAL Elisabeth Schmidt beschreibt den Auftritt vor LivePublikum so: »Jedes Mal aufs Neue alles richtig zu machen, das ist die Herausforderung.« Lampenfieber hat die 20-Jährige keines mehr, eine gesunde Grundanspannung fördere aber die Konzentration. Und die braucht sie auch: Meterhoch schwebt sie an weißen Tüchern über die Bühne im GOP Varieté Bremen, nur gesichert durch eine am Boden liegende Matte. Seitdem sie sechs Jahre alt ist, lebt die Weimarerin für die Akrobatik. Mit 14 Jahren ging sie an die Staatliche Artistenschule Berlin, um sich zur Schwungtuchartistin ausbilden zu lassen. Schmidt stand schon auf Bühnen in den USA, China oder Südafrika, »aber als die Anfrage vom GOP kam, musste ich nicht lange überlegen. Das Varieté ist Künstlern weltweit ein Begriff.«

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Zwei bis drei Stunden Training täglich müssen schon sein, um Kraft und Technik aufeinander abzustimmen. Am meisten Spaß machen Elisabeth Schmidt dabei die »Abfaller«, bei denen sie plötzlich in die Tiefe stürzt und erst kurz vor dem Bühnenboden stoppt. »Ein Adrenalinkick«, grinst sie, »besonders hier in Bremen, das mit die größte Deckenhöhe aller GOP-Standorte hat.« Acht Vorführungen der Show »Back to Base« gibt es pro Woche. Und die besondere Kombination aus Comedy und Akrobatik – von der Schlangenfrau bis zum Zweiradkünstler – scheint bei den Bremern anzukommen. Showübergreifend kamen seit der Eröffnung im letzten September circa 70.000 Menschen in die Überseestadt, auch heute war das Haus wieder mit 396 begeisterten Besuchern ausverkauft.


LEITTHEMA

Foto: GOP Varieté

Elisabeth Schmidt in Aktion und kurz nach ihrem Auftritt. Welche Einlagen sie in die GOP-Show einbaut, kann sie individuell entscheiden. »Heute habe ich einen neuen Trick zum ersten Mal ausprobiert«, erzählt die 20-Jährige.

21:55 00:42 UHR: AN DER HOTELREZEPTION Nur ein paar Schritte weiter, nebenan im Steigenberger Hotel, eine andere Szenerie. »Können wir spontan noch ein Zimmer buchen?«, »Rufen Sie mir doch bitte ein Taxi«, »Hätten Sie wohl einen Stadtplan für mich?«, »Bitte vergessen Sie den Weckanruf morgen früh nicht«. Man muss nur kurz neben Nachtportier Amgad Abdel-Moniem stehen, um die Vielfalt seines Aufgabengebiets zu erahnen, das zwischen Schaltzentrale und »Mädchen für alles« variiert. Der gebürtige Ägypter studierte Soziologie, kam der Liebe wegen nach Deutschland und ist seit 2001 in der Hotellerie tätig. Zum Team des 4-Sterne-Superior-Hauses am Weser-Terminal zählt er seit der Eröffnung 2013.

wegen angeblichem, benachbartem Partylärm nicht in den Schlaf kam und androhte am nächsten Tag nicht fliegen zu können. Da ist diplomatisches Geschick und Menschenkenntnis gefragt. »Mittlerweile merke ich auf den ersten Blick, welcher Gast Wert darauf legt mit seinem Doktortitel angesprochen zu werden und welcher Prominente auf Starallüren verzichtet.« Der Rhythmus zwischen Tages- und Nachtschicht sei zwar gewöhnungsbedürftig, »aber ich mache meinen Job dennoch aus vollem Herzen.« Das nimmt man dem stets lächelnden Mann sofort ab. Kurz darauf sind wir in eines der 137 Zimmer eingecheckt. Trotz benachbarter Eisenbahnbrücke und Hochstraße verbringen wir eine ruhige und erholsame Nacht. Am nächsten Morgen genießen wir das Frühstück inklusive Weserblick. Dabei fehlt eigentlich nur eines: Milchreis. Es ist 8:30 Uhr, vielleicht schauen wir noch kurz bei Reishunger vorbei.

Von 22:30 Uhr bis 7 Uhr morgens geht die Schicht, manchmal auch etwas länger. »Es gibt einfache Nächte, dann wieder welche ohne ruhige Minute mit allerlei Anekdoten«, so Abdel-Moniem. Der 39-Jährige berichtet vom falschen Feueralarm in der Silvesternacht, bei dem aufgrund des entsprechenden Alkoholgenusses einige tief schlafende Gäste nur mit Mühe von den Zimmern »befreit« werden konnten. Oder dem Piloten, der

Bastian Korte (29): Hielt die Replik des Champions League-Pokals in seinen Händen und hat selbige seitdem nicht mehr gewaschen.

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Ein Lächeln auf den Lippen und stets ein offenes Ohr – egal zu welcher Uhrzeit. So erleben die Gäste Amgad Abdel-Moniem im Bremer Steigenberger Hotel.


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André Feldhaus komponiert für Fernsehen und Kino

Rechner, Mischpult, ein paar Instrumente und viel Inspiration und Kreativität – mehr braucht André Feldhaus nicht, um seine Musikstücke zu verfassen.

Er nennt sich selbst »einen überzeugten Überseestädter der ersten Stunde«: Zehn Jahre ist es jetzt her, dass sich der Filmkomponist André Feldhaus mit seinem Studio im Hafenhaus Eins am Europahafen niedergelassen hat, und seitdem hat sich Einiges verändert in seiner Nachbarschaft. Im Inneren des Gebäudes dagegen, das spürt der Besucher sofort beim Eintreten, atmet noch jeder Raum Geschichte. Für fast 90 Fernsehdokumentationen, Kurz- und Spielfilme hat Feldhaus bisher die Musik geschrieben – ein Großteil davon ist hier im Hafenhaus entstanden. Es ist nicht eines dieser seelenlosen und hochglanzpolierten Studios, in denen wichtig aussehende Menschen an Reglern drehen und selbst nicht wissen, wie man ein Instrument spielt. André Feldhaus arbeitet mit Herz und Leidenschaft und setzt dabei auf Handarbeit. Computer gibt es bei ihm natürlich auch, und die Hälfte des riesigen Arbeitstisches wird von einem Mischpult in Beschlag genommen. Darüber hinaus liegen oder stehen im Hauptraum und in der kleinen Kammer nebenan Seite 16

aber von der Gitarre bis zum Klavier auch diverse echte Instrumente. »Ich versuche bei jedem Projekt einige von ihnen zu spielen«, erläutert der 38-Jährige. »Unterstützt wird das dann durch die Rechner. Am Ende machen beide Parts ungefähr die Hälfte aus.« Aktuell läuft auf einem der Bildschirme ein Film, in dem kalifornische Strände und Surfer zu sehen sind – eine dreiteilige Dokumentation über die »Winde der Welt«, die auf Arte ausgestrahlt werden soll. Die Aufgabe der Regisseurin für diese Szene: Feldhaus soll kalifornisches Lebensgefühl mit etwas Bedrohlichem unterlegen, denn es geht in dem Abschnitt um die gefährlichen Santa-Ana-Winde, die häufig Zerstörungen mit sich bringen. »Beim ersten Mal lasse ich einen Film meistens nur an mir vorbeiziehen, um ein Gefühl für die Menschen und die Situationen zu bekommen«, sagt Feldhaus. »Dann fange ich an zu improvisieren, bis sich daraus etwas entwickelt. Und oft hat der Filmemacher natürlich auch schon relativ konkrete Vorstellungen davon, wie er es haben möchte.«


PORTRAIT

FRÜH ÜBT SICH, WER KOMPONIST WERDEN WILL Zur Musik kam der gebürtige Münsteraner im Alter von sechs Jahren, als ihn seine Eltern zum Klavierunterricht schickten. »Von Anfang an war ich eher Improvisator als Notenblattspieler«, erinnert er sich. »Ich habe praktisch schon komponiert, seit ich die ersten Tasten gespielt habe.« Trotz seiner Begeisterung für die Musik widmete er sich später anderen Themen und studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Germanistik und Anglistik in Bochum, Liverpool und Bremen. »Ich interessiere mich für so viele Dinge, dass ich auch andere Bereiche abdecken wollte«, erzählt er. Das Komponieren verlor er aber nie aus den Augen und schrieb schon während des Studiums erste Stücke für Kurzfilme. In Bremen richtete er sich schließlich ein, weil ihm die Größe der Stadt und die Mentalität der Menschen hier gefallen. Es dauerte nicht lange, bis heimische Regisseure auf ihn aufmerksam wurden und ihm Aufträge für regionale Filme verschafften. Davon ausgehend streckte er seine Fühler auch nach Hamburg, Berlin und Köln aus. Mit Erfolg: Inzwischen hat Feldhaus die Musik für bekannte Dokumentationen wie »Der Pakt mit dem Panda: Was uns der WWF verschweigt« und »Oh Tannenbaum – Die Jagd nach der Nordmanntanne« komponiert, voriges Jahr kam sein erster Kinospielfilm »Nordstrand« hinzu. GUTE FILMMUSIK KANN MENSCHEN GLÜCKLICH MACHEN Die besten Ideen kommen dem 38-Jährigen nachts. Vor allem, wenn der Zeitdruck groß wird, schließt er sich oft bis in die frühen Morgenstunden in seinem Studio ein und verlässt es erst dann, wenn die Arbeit getan ist. Momentan sei er mit verschiedenen interessanten Projekten beauftragt, berichtet Feldhaus. »Aber es bleibt ein ständiges Auf und Ab. Wer nicht mit Leerläufen leben kann, für den ist das nichts.« Wer auf dem Markt bestehen wolle, müsse in seiner musikalischen Stilistik breit aufgestellt sein und dabei bestenfalls einen persönlichen Stil haben, um nicht austauschbar zu sein. Er selbst setzt da auf griffige Melodien und die eher leisen Töne, die minimalistisch daherkommen und gut ins Ohr gehen. »Im Idealfall können wir mit unseren Kompositionen Menschen glücklich machen und sie berühren.« Denn das ist es letztlich, was für ihn gute Filmmusik ausmacht: dass sie ihr Publikum emotional mitreißt.

Der 38-jährige Komponist vor dem sogenannten Hafenhaus 1. Er und weitere Mitbewohner machen sich stark für den Erhalt des Gebäudes.

Beruflich könnte es durchaus so weitergehen, findet der Komponist und ist froh, dass er genau das machen kann, was er sich immer gewünscht hat. Was seine berufliche Heimat am Europahafen angeht, ist er dagegen nicht so guter Dinge: »Es nagt an mir, dass das Hafenhaus vielleicht abgerissen werden soll, um hier teuren Wohnraum zu schaffen.« Er und seine Nachbarn könnten sich dann die Mieten nicht mehr leisten, sagt er. »Wir Kreativen werden Opfer eines Verdrängungsprozesses – und dabei waren wir es, die das Gebiet damals überhaupt erst kultivierbar gemacht haben.« Die entscheidende Frage sei aus seiner Sicht, ob sich Bremen die bisher hervorragend funktionierende Durchmischung in der Überseestadt weiterhin leisten wolle. Falls nicht, wird André Feldhaus wohl schweren Herzens seine Zelte hier abbrechen und nach Berlin ziehen. »Wenn ich es mir hier nicht mehr leisten kann, muss ich gehen. Viel lieber würde ich aber bleiben.«

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Anne-Katrin Wehrmann (37): Sieht gerne Filme und hat sich fest vorgenommen, dabei in Zukunft mehr auf die Musik zu achten.

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INTERVIEW

ÜBERREDET

»Rustikal, hemdsärmelig, echt Walle«

Interview mit den Betreibern des HafenRevueTheaters, Claudia Geerken und Ulrich Möllmann

Vocalartisten, Minigolffreunde und Theatermacher – Claudia Geerken und Ulrich Möllmann sorgen für viel Belebung im Bremer Westen.

An der Cuxhavener Straße, schräg gegenüber vom Speicher XI, betreiben die beiden bühnenerprobten Allroundtalente Claudia Geerken und Ulrich Möllmann den SchwarzLichtHof. In der alten Stauerei können alle Freizeitsport- und Kulturinteressierte entweder auf eine Partie Minigolf im Dunkeln vorbeischauen oder das neue HafenRevueTheater besuchen. Frau Geerken, Herr Möllmann, das HafenRevueTheater feierte im September 2013 seine Eröffnung. Wie kam es zur Gründung? Möllmann: Die Idee, ein Theater zu machen, gab es schon lange. Eigentlich so lange, wie wir auf der Bühne stehen. Zumindest seitdem wir uns mit unserer Künstler-Agentur, den Vocalartisten, selbstständig gemacht haben. Das war im Jahr 2002. Aber bisher hatten wir nie das Geld, um es für ein Theater aus dem Fenster zu werfen. Das haben wir erst jetzt (lacht). Geerken: Als wir uns selbstständig machten, haben wir oft gedacht, dass es ja schon schön wäre, nicht immer nur herum zu touren, sondern auch mal sesshaft an einem Ort zu spielen, am liebsten in einem eigenen Theater. Aber finanziell ist das natürlich immer ein Risiko. Man verdient meistens nicht viel, sondern gibt mehr Geld aus. Jetzt konnten wir unseren Traum in den Räumen der alten Stauerei realisieren. Wie viele Personen arbeiten am Theater? Möllmann: Wir rekrutieren unsere Schauspieler über unsere Künstler-Agentur. Wir haben zwischen 15 und 50 freie Mitarbeiter, das hängt immer ein wenig von der Auftragslage ab. Im Moment sind wir im festeren Stamm etwa 20 Personen. Das sind dann alles Profis? Möllmann: Ja, das ist uns auch sehr wichtig. Das ist unser Anspruch. Unsere Schauspie-

ler haben bundesweite und teilweise sogar internationale Bühnenerfahrung und sind in der Lage, Höchstleistungen zu bringen. Der Bremer will die Identifikation mit seiner Stadt und mit seinem Umfeld haben. Das muss aber intelligent und hochwertig umgesetzt werden – so ähnlich wie beim Ohnsorg­ Theater. Und spielen Sie selbst auch noch mit? Geerken: Ja, das kommt vor. Wir haben aber auch viel Organisatorisches zu tun.

»Der Bremer will die Identifikation mit seiner Stadt« Wie viele Stücke wurden bisher im Theater aufgeführt? Geerken: Hier waren es vier. Wobei wir natürlich noch mehr Stücke parat haben. Eines haben wir extra für die Überseestadt geschrieben. Es heißt »Liebe, Last und Fracht« und führt zurück in das Bremer Hafenleben der 1950er Jahre. Möllmann: Wir waren mit den drei anderen Stücken bereits im Rahmen unserer Agentur auf Tournee. Wir konnten natürlich bei »Liebe, Last und Fracht« mehr Ausstattungsverliebtheit bei der Inszenierung betreiben, weil das Stück immer an einem Ort aufgeführt wird. Das ist auch mal eine schöne Erfahrung. Wie war die Resonanz seit der Eröffnung? Geerken: Super! Besonders das neue Stück kommt beim Publikum gut an. Die Gäste besuchen uns mittlerweile auch von außerhalb. Möllmann: Wir machen natürlich auch fleißig Werbung und versuchen, die Bremer auf unser Angebot aufmerksam zu machen. Besonders das spezielle Ambiente unseres Theaters spricht sich herum. Natürlich funktioniert das nicht von heute auf morgen.

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Wenn wir ausverkauft sind, haben wir 90 Gäste. Bei zwei Aufführungen im Monat sind das 180 potenzielle Empfehlungen. Wie komme ich denn an Tickets? Möllmann: Über Nordwest Ticket. Die Karte kostet 21 Euro, ermäßigt 19 Euro. Das ist im Rahmen des gesamten Bremer Theaterumfeldes natürlich recht günstig. Das passt zum Charakter des Hauses. Wie würden Sie den Charakter denn in drei Worten beschreiben? Geerken: Rustikales, hemdsärmeliges, Waller HafenRevueTheater. Möllmann: Wir haben mit der dazugehörigen Spelunkenbar und dem Aufenthaltsraum auf jeden Fall eine stilechte Hafen-Atmosphäre schaffen können, die unsere Besucher begeistert. Warum ist gerade der Standort Überseestadt gewählt geworden? Geerken: Das war Zufall und gleichzeitig einfach. Als sich die Chance ergab, die Räumlichkeiten der alten Stauerei für unsere Idee des »SchwarzLichtHofes« zu übernehmen, haben wir nicht lange überlegt. Dann ging alles ganz schnell. Und es war eine gute Entscheidung. Thematisch passt unser HafenRevueTheater wohl nirgends besser hin. Sie glauben also an die Innovationskraft der Überseestadt? Möllmann: Ich kenne auch kritische Stimmen. Aber ich denke, alle, die anderer Meinung sind, waren noch nie wirklich hier. Das Quartier ist zum einen recht groß und vielgestaltig und zum anderen wächst es beinahe wöchentlich. Das hier ist der Bremer Ortsteil, wo wirklich am meisten passiert.

Line Rettschlag (29): Ist bekennender Fan von Hemdsärmeligkeit und freut sich schon jetzt auf einen Besuch in der »Spelunkenbar«. 


Fotos: Irene Neumann Fotografie

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