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über.morgen

www.uebermorgen.at | Jahr 2, Ausgabe 7 | Fr 30.4.2010 | Kostenlos

die kritisch-unabhängige Studierenden-Zeitung

? Weiß

Cover: AXT, jaae

Wer wählt weiss?

Wer warum kein Kreuzerl macht S. 4 Foto: centrodemedios.org

BOLOGNA, Ya Basta! Die Uni brennt auch in MAdrid S 7

Foto: Caratello

Obdach für Obdachlose. Ein Besuch im P7 S. 10

Foto: jaae

Squat Barcelona. Ein Erster Schritt S 12


über.inhalt

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über.inhalt

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Was kostet die Welt?

über.ich

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Über die Kunst des Entscheidens

über.thema

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Wer wählt weiß? Wer warum kein Kreuzerl macht

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Kornblumenkranz ist Bundespräsidentin. Babsi holt Österreich heim

über.kurioses

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Die Superbewerbung zum Ausschneiden

über.bildung

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Bologna, ya basta! Die Uni brennt auch in Madrid

Impressum In Kürze Demokratie ist auch ein weißer Stimmzettel

über.foto: Fucking Hell Protest im Mai: Bochum Der letzte Raum. Universität fordert Schlüssel zur Aula zurück

Was kostet die Welt? Das ist eine Frage, die selbst wir nicht be­ antworten können. Aber dafür können wir eine andere beantworten und zwar, wie viel eine Zeitung kostet: Sie kostet Geduld, viele Stunden intensives Diskutieren, Schreiben, Flyern, Austeilen. Sie kostet Telefonieren, Anheuern, Raum suchen, Laptops ständig ein- und auspacken und den Kaffee mit den Freund_innen absagen. Und sie kostet Geld, damit sie gedruckt wer­ den und auch über.mor­gen noch rauskom­ men kann: Und zwar in einer Auflage, die garantiert, dass auch ihr eines unserer be­ gehrten Exemplare in die Hände bekommt. Eure Spende sichert nicht nur das regelmä­ ßige Erscheinen der über.morgen sondern – wir sind ja nicht so – auch ein paar Tipps, die wir euch nicht vorenthalten wollen. Einen dieser Tipps, stellen wir euch nun, kosten­ los, gra­tis aber hoffentlich nicht umsonst vor:

über.denken

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www.uebermorgen.at - Die kritische Studierendenzeitung jetzt auch online

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Die rechten Werte für Europa Stimmen des Hochschuldialogs kommentiert: Ausbildung für wenige

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Obdach für Obdachlose. Ein Besuch in der Wiener Anlaufstelle für Wohnungslose

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Freiheit für die Wiener Wiesen

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Squat Barcelona. Ein erster Schritt innerhalb des Systems

über.kitsch&kultur

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Schnellzug „Österreichische Fotografie“ fährt ein

über.graus

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Die Sendung mit dem Graus: Demagogie

über.reste

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Hund der Woche

über.politik

Stimmen des Hochschuldialogs: AG Mittwoch

Geschichten aus dem Audimax: Mein erstes Mal Der Bill auf‘m Monsterbike durch die Prärie Sudokus Sudereck

Nachdem ihr die druckfrische über.morgen gelesen habt, könnt ihr mit ein wenig Kör­ pereinsatz und Kreativität aus ihren zerfled­ derten, abgegriffenen und zerknüllten Seiten richtige Kunstwerke schaffen. Und das geht so: Einfach die Seiten in sämtliche Körper­ öffnungen stecken, unter die Arme oder Fü­ ße klemmen, auf den Kopf stellen, ... – der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Und schon habt ihr eine „One Minute Sculp­ ture“ nach Erwin Wurm kreiert. Wichtig: Das Ganze fotografisch dokumentie­ ren und an morgenartikel@gmail.com schi­ cken. Das spektakulärste Kunstwerk bringen wir in der nächsten Ausgabe! [red]

spenden@uebermorgen.at Konto: 00074753235 | BLZ: 60000 (PSK) Zweck: über.morgen Alle Einlagen gehen ausschießlich zuguns­ ten des Vereins (Druckkosten).

Impressum Medieninhaber & Herausgeber: Verein zur Förderung studentischer Eigeninitiativen. 1170 Wien. Taubergasse 35/15. Tel.: +43664 558 77 84, Homepage: http://www.uebermorgen.at; Redaktion: Verein zur Förderung studentischer Eigeninitiativen. 1170 Wien. Taubergasse 35/15; Redaktionelle Leitung: Matthias Hütter; Herstellerin: Druckerei Fiona, www.fiona.or.at; Herstellungsund Erscheinungsort: Wien; Layout: jaae; Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach §44 Abs. 1 Urheberrechtsgesetz: © Verein zur Förderung studentischer Eigeninitiativen. Dem Ehrenkodex der österreichischen Presse verpflichtet.


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über.ich

Über die Kunst des Entscheidens aus Desinteresse, aus Faulheit, aus Verant­ wortungsflucht oder einfach nur aus politi­ scher Dummheit heraus.

„Demokratie ist diejenige Staatsform, die sich am wenigsten gegen ihre Gegner wehrt. Es scheint ihr tragisches Schicksal zu sein, dass sie auch ihren ärgsten Feind an ihrer eigenen Brust nähren muss“, schreibt der Rechtswissenschaftler Hans Kelsen im tur­ bulenten Jahr 1932.

Dann gibt es da noch die berüchtigte Schar der „Weißwähler“, welche zwar, wohl aus schlechtem Gewissen heraus, oberfläch­ lich ihre demokratiepolitische Verantwortung wahrnehmen, sich aber durch Entscheidungs­ flucht in der Wahlzelle eben vor jener drü­ cken, und nirgendwo ihr Kreuzerl machen.

Waren in den frühen 1930er-Jahren diese „Feinde“ noch leichter auszumachen – natio­ nalsozialistischer Totalitarismus, Kommunis­ mus, ständisch-katholischer Autoritarismus – so gestaltet sich die Lage heute um vie­ les diffiziler.

Die Leute gehen nicht mehr wählen, sei es

Und das Schöne an der Demokratie: Wer vor lauter Unzufriedenheit wirklich nicht weiß, wen oder was er wählen soll, kann noch immer selbst politisch aktiv werden – bringt mehr als Suderantentum, denn auch das bedeu­ tet Demokratie: „Sich einbringen“. Wenn man also mit den bestehenden Ver­ hältnissen unzufrieden ist, dann bleibt noch immer der Weg des Widerstandes, des Ein­ spruches, den man nicht zuletzt auch in Form von Protesten auf die Straße tragen kann. Oder überhaupt neue Ideen schaffen und in die Politik bringen, zum Beispiel in Form ei­ ner Parteigründung. Wer aber schweigt – und hierzu zählen die Nichtwähler ebenso, wie die sich selbst De­ mokratiebewusstsein vorgaukelnden Weiß­ wähler – stimmt zu, und darf sich hinterher nicht beschweren;

Foto:DVIDSHUB

Wir leben in einer gefestigten Demokratie, es gibt einen rechten, nationalen Rand, den man zwar als reelle politische Macht nicht überbewerten, aber auch in seiner demagogi­ schen Gefahr nicht unterschätzen darf, aber ansonsten stellt sich die Frage: Wo sind sie jetzt, die „Feinde“? – Der wohl ärgste „Feind“ der modernen Demokratie, der sich an ihrer wohlig-warmen Brust mittlerweile zu einem präpubertären Riesenbaby herangesäugt hat, ist die Lethargie:

Was anderes aber, als das Sich-für-eine-po­ litische-Richtung-entscheiden, ist Demokra­ tie? Demokratie heißt eben genau das: „Sich entscheiden“, staatsbürgerliche Verantwor­

tung wahrnehmen, auch wenn man dieser oder jener Meinung einer Partei oder eines Kandidaten nicht auf jeder Linie zustimmen will oder kann.

meint euer über.ich

Protest im MAI: Kleindemo

NEUES VON DER ÜBER.MORGEN

Maispace im brut

Am 7. Mai wird wieder eine Kleindemo stattfinden. Wie immer geht es nur um die kleinen Probleme auf der Welt: Krieg, Welthunger, Wassermangel, Terrorismus, Weltwirtschaftskrise, Klimawandel, Total­ überwachung und so weiter.

Die über.morgen wird ab jetzt jeden letzten Freitag im Monat erscheinen. Wer Lust hat mitzumachen: Redaktionssitzung ist immer am ersten Montag im Monat um 19 Uhr im WUK, Stiege 5, alle interessierten Neulin­ ge oder Wiedereinsteiger_innen sind herz­ lich willkommen. Und eine neue Homepage gibt’s auch: www.uebermorgen.at

Am 1. Mai versammeln sich die Kreativen Wiens im brut zu einem Treffen. Das The­ ma dieses Jahr: Die Solidarität unter Kre­ ativen – es geht um faire und solidarische Lebensbedingungen in Wien angesichts der heutigen Dienstleistungs- und Me­ diengesellschaft. Mehr Infos und die Mög­ lichkeit zur Anmeldung findet ihr unter: http://maispace.at/

Mehr Räume für studierende? Die Universität Wien lädt Studierende zu ei­ nem „Ideenwettbewerb“, um das „Raumange­ bot für studentische Nutzung zu verbessern“. Gleichzeitig forderte sie die Schlüssel zur, von Studierenden selbstverwalteten, Aula am Universitätscampus zurück.

KÜRZE

IN

Mehr Infos zu Ort und Zeit findet ihr unter http://kleindemo.wordpress.com.

Protest im Mai: Plenum

UPDATE WKR-BALL

Am Mittwoch, 12. Mai, wird ab 18.00 Uhr das nächste Plenum der Unibrennt-Bewegung stattfinden. Der Ort wird noch bekanntge­ geben. Informationen auf www.unsereuni. at und auf Facebook.

Bei fast allen Teilnehmer_innen der WKRBall-Demo sind Strafverfügungen wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz eingelangt. Im Februar waren 673 Personen angezeigt worden.

PROTEST IM MAI: Bochum Von 25. bis 30. Mai findet der European Edu­ cation Congress in Bochum statt. Geplant sind Workshops, Diskussionen und andere partizipative Kommunikationsformen. Mehr Informationen findet ihr auf Seite 7 und un­ ter www.educationcongress.eu. NEUE Bundespräsidentin Mit sagenhaften 74,88% hat Barba­ ra Kornblumenkranz die Bundesprä­ sidentschaftswahl gewonnen. Mehr zum eisernen Siegeszug der strammen Nieder­ österreicherin findet ihr auf Seite 5.


über.thema

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Wer wählt weiSS? WER WARUM KEIN KREUZERL MACHT

Schon im Vorhinein steht fest: Eine zweite Amtszeit ist unserem amtierenden „HBP“ Heinz Fischer wohl nicht mehr zu nehmen. Der FPÖ–rechtsaußen-Kandidatin Barbara Rosenkranz und dem „Die Christen“-Kandidaten Rudolf Gehring werden keine realen Chancen auf den Sieg zugerechnet. Nicht nur ÖVP-Anhänger_innen werden einen leeren Wahlzettel in die Urne werfen. Weiß wählen – ein Signal der Unzufriedenheit? Oder doch Ausdruck eines mangelnden demokratischen Bewusstseins? „#weißwaehler - weil keiner der Kandidaten meinen Vorstellungen entspricht. Das kleins­ te Übel zu wählen ist keine Alternative“ – ei­ ne der ganz wenigen Meldungen, die man auf der socialweb-Plattform „twitter“ erhält, wenn man sich mittels einer kurzen Umfra­ ge nach potentiellen Weißwähler_innen bei der anstehenden Wahl umsieht. Nicht wirk­ lich repräsentativ natürlich – trifft sich doch auf „twitter“ eine kleine und politisch inter­ essierte community. Doch auch in „politik­ nahen“ Kreisen ist Weißwählen eine Option. Am häufigsten genannte Gründe: Der schon im Vorhinein feststehende Wahlausgang, das fehlende Angebot an Kandidat_innen und einen generelle Skepsis gegenüber der Sinnhaftigkeit des BundespräsidentschaftsAmtes. 6.355.620 Personen sind dieses Mal wahlberechtigt – Experten, wie OGM-Mei­ nungsforscher Wolfgang Bachmayer, rechnen neben den Weißwähler_innen auch mit einem regelrechten Absturz der Wahlbeteiligung. Ausgangspunkt der Weißwähler-Diskussion war die indifferente Haltung der bürgerlichen Mitte. Die ÖVP stellte keinen eigenen Kan­ didaten auf, und konnte sich auch kurz vor dem Urnengang auf keine einheitliche Linie festlegen. Im Zuge des Wahlkampfs riefen

dann mancherorts die Konservativen offen zum Weißwählen auf, wie beispielsweise die niederösterreichische ÖVP. Weißwählen sei eine akzeptable Möglichkeit hieß es da, in Ermangelung einer entsprechenden Ge­ genkandidat_in wäre es das einzige Mittel, um gegen die Positionen des „linken“ Heinz Fischer und der im rechtsextremen Fahr­ wasser gesehenen Barbara Rosenkranz zu protestieren. Derartige Proklamationen zeigen durchaus Wirkung: die Hälfte der potentiellen ÖVP Wähler_innen könnte gänzlich auf ihr Stimm­ recht verzichten, so Bachmayer. Andernorts wird aber ein durchaus starker Zuspruch der konservativen Wähler_innenschichten für Fischer erwartet, weniger für den exzentri­ schen Christen Rudolf Gehring. Nach einer längeren Diskussion haben sich nun auch die Grünen zu einer offiziellen Wahlempfeh­ lung für Heinz Fischer durchgerungen. Eher überraschend kommt da für viele die Ankün­ digung des grünen Nationalratsabgeordne­ ten Peter Pilz, der aufgrund von Aussagen Fischers in der ATV Diskussionssendung „Am Punkt“ verlautbaren ließ, er werde „Hi­ Fi“ sicher nicht wählen. Auf die Moderato­ ren-Frage, ob er im Falle eines geplanten

Minarett-Baus für eine Bürgerbefragung sei, zeigte sich Fischer zustimmend. Für Pilz ist eine solche Haltung nicht tragbar. Andere grüne Urgesteine, wie Alexander Van der Bellen und Freda Meissner-Blau hinge­ gen rufen zu Fischers Wahl auf und unter­ stützen den amtierenden Präsidenten im Unterstützungskomitee. „Ich unterstütze ihn, weil ich als traditionell bürgerlicher Wähler Heinz Fischer für die einzig logische Wahl halte“, so Van der Bellen. Und eben auch für ÖVP-Spitzenpolitiker_innen, wie den frühe­ ren 2. Nationalratspräsident Heinrich Neis­ ser oder die Tiroler Ex-Landesrätin Elisabeth Zanon, ist es wichtig das Wahlrecht wahr­ zunehmen. Auch Barbara Rosenkranz wies während ihres Wahlkampfs unermüdlich da­ rauf hin, wie wichtig es nicht nur für die An­ hänger_innen der Freiheitlichen sei, dieses Mal zur Wahl zu gehen. Schließlich gehe es doch um eine Wertefrage, versuchte Ro­ senkranz die Wahl wiederholt als politische Richtungsentscheidung hochzustilisieren. Doch auch hier prophezeit die Meinungs­ forschung wenig Chancen: Rund ein Drittel der FPÖ-Wähler_innen könnte gar nicht für Rosenkranz stimmen, so das OGM Institut. [wr]

AUCH ein WEISSEr STIMMZETTEL IST DEMOKRATIE K

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Weiß (bzw. ungültig) wählen ist demokra­ tisch. Wer absichtlich ungültig wählt macht klar, dass er mit keiner der angebotenen Alternativen zufrieden ist, sich nicht einmal für ein „kleineres Übel“ entscheiden kann. Weiß wählen darf niemals mit nicht wählen gleichgesetzt werden. Wer nicht zur Wahl geht, demonstriert eine Geringschätzung der Demokratie, wer einen weißen Stimm­ zettel in die Urne wirft, eine Geringschätzung der Kandidat_innen. „Weiß wählen“ hat den gleichen Aufwand wie eine gültige Stimme. Wer weiß wählt, muss zur Wahl gehen und die Kandidat_innen kennen. Weiß wählen hat

den gleichen demokratiepolitischen Gehalt wie eine gültige Stimme. Es ist unser Wahl­ modus, der uns etwas anderes vorgaukelt, weil die Möglichkeit fehlt „eindeutig absicht­ lich“ ungültig zu wählen. Die Entscheidung für das „kleinere Übel“ sollte Demokrat_innen bei der vergangenen Präsidentschaftswahl nicht schwer gefallen sein. Rosenkranz – Gehring – Fischer, wenn Teile der ÖVP bei dieser Auswahl aufrufen weiß oder gar nicht zu wählen, kann das zu Recht kritisiert werden. Angesichts von Ex­ tremist_innen sollten Demokrat_innen zu­ sammenstehen. Den leeren Wahlzettel grundsätzlich zu ver­

teufeln, bedeutet aber, den Menschen eine Entscheidungsmöglichkeit wegzunehmen. In einer Demokratie darf die Zustimmung zu eine_r Kandidat_in nicht erzwungen werden. Wer keine Entscheidung für eine_n Kandi­ dat_in treffen kann, muss das zeigen dür­ fen. Auf der Straße und auf dem Wahlzettel. Weiß wählen ist demokratisch. Das „kleine­ re Übel“ wird für viele Menschen von Wahl zu Wahl größer. Auch für mich. Wenn es einmal so groß geworden ist, dass ich es nicht mehr wählen kann, dann werde ich das auch zeigen. Mit einem weißen Stimmzettel. [jaae]


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über.thema?

Kornblumenkranz ist Bundespräsidentin

Babsi holt Österreich heim Die prachtvolle Angelobung ist vorbei, die jubelnden Massen am Heldenplatz sind verschwunden und Frau Kornblumenkranz sitzt jetzt endlich in der Hofburg, bereit, ihr Bestes zu geben, um Österreich zu helfen.

Endlich ist sie da, und schon hat sie gute Maßnahmen ergriffen, das Asylsystem, wel­ ches vorher ein totales Durcheinander war, endlich richtig und total zu reformieren. Den neuen Initiativverordnungen zufolge ist es ab sofort illegal, arm und ein Asylwerber zu sein.

neuen ‚Slogans‘, frischen Wind in das po­ litische Leben gebracht. Ihre Leitsprüche:

Alle Asylwerber müssen schnellstmöglich abgeschoben werden: Damit hat Kornblu­ menkranz auf einen Schlag das so brennende Asylproblem gelöst. Denn: Alle Asylanwerber sind straffällig, ergo müssen sie alle abge­ schoben werden! Nicht nur das, der Flugha­ fen Wien-Schwechat boomt wie noch nie: Die österreichische Abschiebungs-Flotte, betrie­ ben von Ryanair, wartet darauf, Ausgewie­ sene in ihr richtiges Land zu transportieren. Österreich macht auch, dank einer findigen Geschäftsidee von Ryanair, gute Geschäft damit. Der Deal: „If you can fit more than 100 passengers in a plane, we’ll fly 5 for free!“, der Werbeslogan: „FLUSH–FLEE–FLIT–FLY!“

Dieser neue Dynamismus müsse auch Aus­ wirkungen auf die anderen Politiker haben. Seit rund sechzig Jahren schon, erklärt Korn­ blumenkranz, würden die heimischen Poli­ tiker nur herumfaulenzen, ohne gute Arbeit für das Volk zu leisten. Deswegen hat Korn­ blumenkranz alle nicht FPÖ-Politiker auf un­ befristete Kur auf die Saualm geschickt. Die Politiker, so Kornblumenkranz, seien da oben so glücklich, dass sie gar nicht wieder weg wollten. Auf der Alm würden sie viel Zeit in der frischen Luft verbringen und auch lernen, billig zu leben, was die Wähler, die zu oft von Spesenskandalen und Ähnlichem gehört hät­ ten, auch freuen würde, so die Präsidentin.

Natürlich beschweren sich die Sozigut­ menschenbestialzionisten, aber, wie Korn­ blumenkranz selbst erklärt: „Es kann nicht erwartet werden, dass Österreich für Leu­ te, die gar nicht dinarisch sind, Steuergeld verschwendet. Und ich mache sowieso nur, was ich in der Schule und von meinem Mann gelernt habe.“

Auch im Bereich der „Grenzfrage“ hat Korn­ blumenkranz, im Vergleich zu der Herumdrü­ ckerei ihres Vorgängers, sofort gute Arbeit geleistet. Trotz Protests der Gagesüchtigen­ fettkatzenkonzernbonzen hat sie die Ostgren­ ze geschlossen und das Bundesheer auf der Grenze stationiert, um einen ‚saufenden Vor­ hang‘ gegen Kriminelle und Wochenenddie­ be zu errichten. Obwohl diese kühne Lösung gewisse Probleme mit den Lebensmittelim­ porten verursacht, ist sie dennoch zuver­

Kornblumenkranz hat also in kurzer Zeit, mit einer Reihe von dynamischen und (richtig)

Montage: Jaae

* Wir lernen was wir wollen! * Walhalla statt Allah! * Neue Präsidentin - alte Werte!

sichtlich, dass die Österreicher bereit sind ‚zurück zum Ursprung‘ zu gehen. Es hätten sich schon tausende Leute bei ihr gemeldet, um ihre Begeisterung auszudrücken, stän­ dig Radieschen und Kaiserschmarrn essen zu dürfen, so Kornblumenkranz im Interview. Aber die Gefahr für Österreich sei noch nicht vorbei! Die fremden Elemente im Ausland, die den spulwurmartigen, internationalisti­ schen Finanzlobbyismus repräsentieren wür­ den, schmiedeten mit ihren Verbündenten in der EU ihre bösen Pläne, Österreich in ihr to­ talitaristisches Weltsystem einzubinden, so Kornblumenkranz. „Die sehen es wohl nicht gern, dass eine patriotische Frau, die Öster­ reich liebt, Präsidentin ist“, fügt sie hinzu, und würden ihr Bestes geben, sie als erste Frau im Staat zu stürzen. Das internationa­ le Hochfinanznetzwerk würde sogar ihren Vorschlag ablehnen, allen gebürtigen Öster­ reichern drei Monate Urlaub pro Jahr, einen sicheren Arbeitsplatz, unbegrenzten Schnit­ zelkonsum und ein goldenes Klo zu schen­ ken, so Kornblumenkranz bestürzt. Nur sie, Kornblumenkranz, könne mit dem Schwert der Wahrheit und der Fackel der Vernunft, diese hinterlistigen Angriffe auch in Zukunft abwehren, damit Österreich ös­ terreichisch bleibe, plädiert sie zum Schluss der Interviews. Der begeisterte Autor dieses Artikels wünscht ihr noch 1000e Jahre der Arbeit für das Volk in ihrem verantwortungsvollen Amt. [holt]

Montage: Jaae


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über.kurioses

DIE Superbewerbung zum Abschreiben! Jung, heiß auf Karriere, Lebenslauf mit Traumdaten, sucht prestigeträchtige, dynamische Firma für eine gemeinsame Zukunft - Mache es auch befristet oder am Telefon! Komme frisch aus der Eliteuni und habe alles zu bieten, was sich eine anspruchsvolle Firma so wünscht - und noch mehr! Habe hervorragende Noten, bete aber nicht alles nach, was die Pro­ fessor_innen mir beibrachten. Bin jedenfalls ganz Ihrer Meinung hinterfrage alles, äußere konstruktive Kritik, beschädige dabei aber niemals Ihr Selbstbewusstsein. Habe in Rekordzeit studiert, aber trotzdem zahlreiche Zusatzqualifikationen erworben:

schieden gegen jegliche Menschenrechtsverletzungen aussprechen; * Produzieren höchste Qualität zu Tiefstpreisen durch maximale Ef­ fizienz und clevere Lösungen; * Sind natürlich immer bestrebt, Qualität und Effizienz stetig weiter zu verbessern, um durch gemeinsame Anstrengung, Teamgeist und maximalen individuellen Einsatz ambitionierte Ziele zu erreichen;

Humanitäre Hilfe, ehrenamtliche Vereinsarbeit, zahlreiche Praktika im weit entfernten Ausland, aber nicht zu viele, Jobs mit Lohnhö­ he unter Mindestlohnniveau, vom Schwierigkeitsgrad und Enga­ gement her aber auf Unternehmensführungsebene angesiedelt, Sprachkurse, Soft-Skills, hochinteressante Hobbies, alles, was den Horizont erweitert, habe aber selbstverständlich dennoch ein äu­ ßerst klares Profil mit den nötigen Umwegen, Ecken und Kanten, welche genau in Ihre Anforderungsmuster passen. Wie Sie sehen also ungewöhnlich hoher IQ und EQ, aber die nötige Bescheiden­ heit und Demut, auch ohne Bezahlung Ihre Konferenzeinladungen zu kopieren, höchste Karriereambitionen und Potential (der Begriff High Potential erscheint mir angemessen, High Performer höchst adäquat), hingegen keinerlei Absicht oder Möglichkeit, Ihnen Ihre Position streitig zu machen.

* Bieten eine verlässliche Position mit maximaler Flexibilität, die Sie natürlich auch von Ihren Mitarbeiter_innen verlangen, mit Mitarbei­ terboni und flexiblen Leistungsschemata und Mitarbeiterbeteiligung für verlässliches Engagement mit verlässlichem Einsatz in einem internationalen, dynamischen Umfeld.

Mit maximaler Erfahrung für mein junges, dynamisches, ambitio­ niertes Alter habe ich unzählige, höchst attraktive Angebote aus­ geschlagen, um mich Ihnen darzubieten, geduldig, beharrlich und unbezahlt, mit jederzeit kündbarem Vertragsverhältnis oder ganz ohne, denn Sie:

Denn Ihrer ist der Lebenslauf und das Motivationsschreiben und das Vorstellungsgespräch, denn ich schreibe nicht über mein Le­ ben, sondern lebe für den Lebenslauf, denn so lernte ich es und so wird es bleiben.

* Sind auf der internationalen Bühne präsent und erfolgreich und hal­ ten sich an einen strengen ethischen Kodex, während Sie sich ent­

Ich stelle alle mir zur Verfügung stehenden Mittel, meinen sportli­ chen Körper, meinen klaren Verstand, kreativen Geist, gutherzige, demütige, kämpferische und durchsetzungsfähige Seele, bes­ te Gesundheit und all meine übersprühende Lebensenergie in Ih­ re Dienste, auf dass ich Ihnen im unsicheren wie im langfristigen Beschäftigungsverhältnis, in Krisen wie in Konjunkturschüben, in unbezahlten Praktika wie zu Zeiten der Gewinnausschüttung stets zur Seite stehen kann.

Mit freundlichen Grüßen Ihr Superpraktikant [apa]

FUCKING HELL Dass es in Oberösterreich einen Ort namens „Fucking“ gibt, dürfte bereits vielen an Skurrilitäten interessierten Menschen bekannt sein. Dass in diesem Ort in Zukunft aber auch eine Bierbrauerei beheima­ tet sein wird, eher nicht. Nach der Prüfung durch das europäische Markenamt steht nunmehr auch der Name des neuen Bieres fest: „Fucking Hell“, wobei die Brau­ erei mit „Hell“ die Farbe des Bieres bezeichnet haben will. Genau dieser Argumentation wollte man anfangs nicht so recht glauben, da Markennamen generell nicht blasphemisch oder abfällig sein dürf­ ten. Mit dem Verweis des Brauereiunternehmens auf den Firmensitz im Ort Fucking aber war die Sache vom Tisch. Und so wird man in Zukunft mit einem zunehmenden Schimpfwort­ gebrauch in der Stammkneipe rechnen müssen – na dann prost! [mahu]


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über.bildung

Bologna, ya Basta! Die Uni brennt auch in Madrid

Madrid, Wien. Anfang April kam es in Madrid zu Demonstrationen gegen den Bologna Prozess. Anlass war ein Treffen der europäischen Bildungsminister_innen, da Spanien derzeit den EU-Ratsvorsitz innehat. Beteiligte aus ganz Europa waren dazu auf­ gerufen worden, auch in Madrid mit zu de­ monstrieren. Neben den zahlreichen Spaniern nahmen ca. 50 internationale Studierende teil. Die „Bologna Fucking Up Group“ schätzt die Bewegung als sehr positiv ein und fasst zu­ sammen, dass die Aktionswoche gut gelaufen sei. Obwohl der Gegengipfel selbst ohne Ver­ haftungen auskam, wird gerade von der Fest­ nahme eines Gruppenmitglieds während der Aktionen berichtet. (Solidaritätserklärungen an: bolognaburnsmadrid@gmail.com) Foto: centrodemedios.org

Ein Netzwerk aus Vollversammlungen spa­ nischer Universitäten und studentischer Ge­ werkschaften - die „Bologna Fucking Up Group“ (Anspielung an die Bologna Fol­ lowing Up Group) - organisierte von 8.-14. April eine Woche lang einen Gegengipfel mit Workshops, um Alternativen zu Bologna zu diskutieren. Dabei wurde in dem besetzten Institut der Philosophie eine Unterkunft für international und national angereiste Studie­ rende eingerichtet.

12. April - die erste Demonstration führt von der Straße Atocha in die Innenstadt Mad­ rids bis hin zum Bildungsministerium. Am nächsten Tag werden vor den Hotels der Mi­ nister_innen Menschenketten gebildet, um diese an einem Treffen zu hindern. Bereits nach einer halben Stunde werden die fried­ lichen Blockaden von der Polizei beendet, es gibt jedoch keine Verhaftungen oder Ver­ letzten. In der Innenstadt entsteht daraufhin ein Verkehrschaos.

Protest im MAI: Bochum In Barcelona trafen sich am 17. und 18. April, nach Paris und Wien, zum dritten Mal inter­ nationale Student_innen, um den European Education Congress vorzubereiten, welcher von 25.-30. Mai 2010 in Bochum/Deutsch­ land stattfinden wird. Tagungsort war die freie Universität La Rimaia im Herzen Bar­ celonas, die neben einer Bibliothek, einem HackLab, diversen anderen Projekten auch Tagungsstätten anbietet. Dieser Kongress soll bildungsinteressierte Menschen aus ganz Europa zusammenbrin­ gen, um sich über Erfahrungen und Ideen auszutauschen, Netzwerke zu spannen und von einander zu lernen. Um ein Maximum an Interaktion zwischen den Teilnehmer_innen zu erreichen, werden

bei diesem Kongress Vorlesungen auf ein Minimum reduziert. Das Hauptaugenmerk wird auf Workshops, Diskussionen und an­ dere partizipative Kommunikationsformen gelegt. Da das (Miss-)Verhältnis zwischen aktiven Lehrenden und passiven Lernen­ den eines der Grundprobleme im aktuellen Bildungssystem darstellt, sind alle Teilneh­ mer_innen dazu aufgerufen, Themen ihres In­ teresses selbst einzubringen. Bildung braucht Partizipation. Partizipation braucht Bildung. Nähere Informationen befinden sich auf der Homepage www.educationcongress.eu. Al­ le, die teilnehmen wollen, werden gebeten sich dort anzumelden, um die Organisati­ on im Vorfeld zu erleichtern. Von Österreich wird vorraussichtlich auch eine gemeinsame Fahrgelegenheit organisiert werden.

Nach den Protesten wird vor allem die Be­ deutung der internationalen Netzwerkbildung betont. Die Bewegung sei bisher beson­ ders mit Leuten aus Portugal zusammen­ gewachsen.

„Ohne Wien wäre Madrid nicht möglich gewesen.“ Mitglieder der „Bologna Fucking Up Group“ waren einen Monat zuvor zu den Anti-Bolo­ gna-Protesten nach Wien gereist. Hier hat­ ten sie gute Eindrücke mitgenommen, und waren vor allem über das Organisationsni­ veau und die Koordination der Aktionen be­ geistert gewesen. Im Nachhinein bilanziert die „Bologna Fucking Up Group“, dass die Proteste in Madrid nicht jene Ausmaße von Wien erreichten. Die bescheidenen Erwar­ tungen hätten sich aber erfüllt. Bologna, ya basta! [ger, lalü]

Eindrücke „Es war uns eine besondere Freude, einen Monat nach dem Bologna-Gipfel in Wien unsere Kolleg_ innen und Freund_innen in Spanien zu unterstützen. Täglich fanden Rechtshilfe-, Bezugsgruppen-, und Blockade-Workshops statt, welche in eini­ gen Teilen von den Wiener Workshops adaptiert worden waren, und einen kleinen Einblick in die staatsrepressionistischen Maßnahmen anderer Länder boten. Beim Diskutieren legten alle Beteiligten eindeutig mehr Durchhaltevermögen und Zuhörfähigkeit an den Tag als in Wien. Alles in allem ein wunderbar-übersichtlicher Ge­ gengipfel mit viel Kommunikation, Sonne und all­ gemeiner Freude am Mitgestalten.“ [chic@s]


über.bildung

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Der letzte Raum

Universität fordert Schlüssel zur Aula zurück Am Montag, 26. April, forderte die Universität Wien den Schlüssel zum letzten von den Studierenden der Protestbewegung Unibrennt selbstverwalteten Raum, der Aula am Universitätscampus, zurück. und geraucht, sowie übernachtet worden. Elke Weinlechner vom Raum- und Ressour­ cenmanagement und Herbert Dagott, Si­ cherheitschef der Universität Wien, wollten den Schlüssel um 15.30 von der Vertrags­ unterzeichnerin übernehmen. Vor etwa 70 Studierenden wurden sie von der Studen­ tin zu einem Gespräch mit den Anwesen­ den aufgefordert. Foto: Martin Juen

Dem war eine einseitige Kündigung des „Nut­ zungsvertrags“ zwischen Universität und ei­ ner einzelnen Studentin vorausgegangen.

Weinlechner und Dagott lehnten dies ab und verließen die Aula wieder – ohne den Schlüs­ sel. Die Studierenden begannen daraufhin Pläne für die weitere Nutzung der Aula zu er­ arbeiten. Außerdem wurde ein offener Brief formuliert, in dem das Rektorat zum Dialog aufgefordert wird.

Die Kündigung wurde mit einem Bruch des Vertrags durch die Studierenden begründet. In der Aula seien Partys gefeiert, gekocht

In Zukunft sollen die Zeiten von 9 bis15.00 Uhr ruhig als Lernphase, zwischen 15 und 19.00 Uhr für Gruppentreffen und

Workshops, sowie ab 19.00 Uhr mit frei­ er Gestaltung genutzt werden. Zur Koordi­ nation des Programms wurde die Adresse baula.programm@gmail.com eingerichtet und auch ein partizipativer Online-Kalen­ der soll entstehen. Jeden Donnerstag gibt es bei schönem Wetter vor der Aula Essen von der VoKü. Die Kündigung des „Nutzungsvertrags“ der Aula durch die Universität kam unmittelbar, nachdem das Projekt „Student Space“ vor­ gestellt wurde. Um „das Raumangebot für Studierende zu verbessern“ soll ein „Ideen­ wettbewerb“ gestartet werden. „Erst erklären sie öffentlich, wir sollen mitge­ stalten dürfen und dann wollen sie uns den einzigen Raum, den wir wirklich selbst ver­ walten können, mit fadenscheinigen Begrün­ dungen wegnehmen“, kritisiert eine Studentin. [jaae]

www.uebermorgen.at

Die Kritische Studierendenzeitung jetzt auch Online Endlich ist es soweit: www.uebermorgen.at geht online, mit vielen Funktionen, die wir uns selbst schon lange gewünscht haben, darunter eine Kommentarfunktion und eine Karte unserer Auflageorte. Ab Mai wird die über.morgen einmal im Mo­ nat, jeweils am letzten Freitag, erscheinen. Am ersten Montag jedes Monats wird eine Redaktionssitzung stattfinden. Zeit und Ort werden auf der Homepage veröffentlicht. Wenn du daran interessiert bist, bei uns mit­ zuarbeiten, bist du herzlich eingeladen, vor­ bei zu kommen. Auf www.uebermorgen.at wird eine Auswahl der gedruckten Artikel veröffentlicht. Wir in­ teressieren uns für deine Meinung, deshalb können über eine Kommentarfunktion di­ rekt Kritik und Lob, Vorschläge und Anre­ gungen geäußert werden. Auch inhaltliche Diskussionen zu den Themen der Artikel sind erwünscht. Zusätzlich findest du natürlich auch alle an­ deren Kontaktadressen online – ob du einen Leser_innenbrief schreiben willst oder gan­

ze Artikel, ob du beim Verteilen helfen oder uns mit deiner Spende unterstützen willst. Um dir den Weg zur nächsten gedruckten über.morgen zu erleichtern bieten wir eine Google-Karte mit all unseren Auflageorten. Du findest die über.morgen hoffentlich in ganz Wien, an diesen Orten kannst du dir aber sicher sein, dass die aktuelle Ausgabe aufliegt. Hast du ein Stammlokal, in dem du die über.morgen auflegen kannst (und das auch regelmäßig und verlässlich tust), dann melde dich bei uns und wir tragen es in die Karte ein. Die über.morgen lebt von unser aller Mitarbeit. Wie bisher kannst du dir selbstverständlich auch alle Ausgaben der über.morgen (und der Morgen) komplett als PDF herunterladen. über.morgen bleibt weiter kostenlos - aber

wir sind auf deine Mitarbeit und deine Spen­ den angewiesen. Wir hoffen auf deine Un­ terstützung, auf dass es noch viele weitere Artikel geben wird! Zu guter Letzt - wenn du immer auf dem Laufenden bleiben willst, registriere dich für unseren Newsletter. Damit bekommst du al­ le Neuigkeiten bequem in deine Mailbox. Die neue Homepage der über.morgen ist ab sofort unter www.uebermorgen.at erreichbar, die Redaktion unter redaktion@uebermorgen.at und die Betreuer der Website unter webmaster@uebermorgen.at. Für deine Le­ ser_innenbriefe haben wir die Email-Adresse leser_in@uebermorgen.at eingerichtet, wenn du Fragen zu Spenden hast wende dich an spenden@uebermorgen.at. [jaae]


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über.denken

Die Rechten Werte für EUROPA Foto:Wikicommons

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Das Schlagwort „Werte“ dominierte über weite Strecken den hinter uns liegenden Wahlkampf. Der skurril anmutende Christ Rudolf Gehring sieht derer sowieso zu wenig in Österreich, der amtierende und zukünfti­ ge „HBP“ Fischer mühte sich ab, seine an­ tifaschistischen Grundwerte klarzumachen, und im Endspurt vom großen Potential an Nicht- oder Weißwähler_innen möglichst viele zu einer Stimmabgabe zu bewegen. Auch Barbara Rosenkranz, die neben Fischer den Wahlkampf dominierte, beschwörte „ih­ re“ Werte: „Familie, Heimat, EU, Sicherheit“ war in fetten Lettern auf ihren Wahlplaka­ ten zu lesen, ein guter Teil davon jedoch

zierte das Konterfei von Parteichef Stra­ che – von dem böse Zungen behaupten, er hätte seine Kandidatin – aufgrund des starken Gegenwindes, auch von katholi­ scher Seite – fallen gelassen. Der stram­ men Niederösterreicherin wird es natürlich nicht gelingen, den Wahlgang als eine Rich­ tungsentscheidung in ihrem Sinne hochzu­ stilisieren. Viel eher ist diese Wahl ein Test, inwieweit Positionen der extremen Rechten bei den Wähler_innen greifen. Man wartet ei­ nigermaßen gespannt auf ihr Abschneiden. Analysen und Interviews in den Medien gingen meist völlig am Kern der Sache vorbei. Man beschränkte sich auf stereotypes Wiederho­ len der VerbotsgesetzteGeschichte und gab der Kandidatin reichlich Gelegenheit, sich als Kampagnen-Opfer darzustellen, ihre Hinter­ gründe abzumildern und Anschuldigungen zu beschwichtigen. Ihr Mann sei bitteschön aus der Debatte herauszuhalten, und au­ ßerdem unbescholten, betonte Rosenkranz wiederholt. Bei ihrer Abschlusskundgebung am Ballhausplatz waren Horst Jakob Rosen­ kranz samt Lederjacken und Lodenmantel

tragender Entourage vor Ort, wie selbst die „Zeit im Bild“ berichtete. Allein durch ihre Kandidatur ist rechtsextremes Gedanken­ gut wieder ein Stück salonfähiger geworden. Die konservative Mitte übt sich in taktischer Zurückhaltung – und gibt sich fallweise der FPÖ-Kandidatin gegenüber aufgeschlossen. Im europäischen Ausland ist man längst auf das Rosenkranz-Thema aufmerksam gewor­ den. “Reich mother on the march in Hitler‘s homeland”, war etwa im Londoner The Inde­ pendent zu lesen, “’We want to preach of the Holy German Reich,’ sings candidate who swears she’s no Nazi”, wird in der renom­ mierten britischen Times Rosenkranz’ Auftritt bei einer Sonnwendfeier 2008 zitiert. Europa blickt dieser Tage nicht nur auf uns und die hiesige Rechte – auch das Nachbarland Un­ garn rückt nach rechts. „Jobbik“ und die ge­ waltbereite „Ungarische Garde“ marschieren weiter auf Erfolgskurs. Europa im Krisenjahr 2010 – der Blick ist nach rechts gerichtet. [wr]

AUSBILDUNG FÜR WENIGE K O M M E N T A R Von „Wettbewerb“, „Perfor­ mance“, „Ausbildung“, „Mittel­ maß“ und „Effizienz“ schreibt Monika Gamper in ihrem Kom­ mentar zur Serie „Stimmen des Hochschuldialogs“. Die Protes­ te der Studierenden sind an der Bildungsexpertin der Industri­ ellenvereinigung offensichtlich spurlos vorbeigegangen. Dem „Industrieland Österreich“ mangle es an „Absolventinnen und Absolventen naturwissen­ schaftlicher und technischer Stu­ dienrichtungen“, weil 60 Prozent der Studienanfänger_innen nur 10 Prozent der Studienrichtun­ gen wählen. Um diesen „Wett­ bewerbsnachteil“ auszugleichen sei es daher „unerlässlich, Zu­ gangregelungen einzuführen“.

Wir bräuchten eine „Topaus­ bildung“, die Politik müsse die Studienwahl der Studierenden „besser steuern“, die „vorhande­ nen Mittel“ müssten „bestmöglich für die Ausbildung junger Men­ schen“ eingesetzt werden. „Mit­ telmaß“ werde im „Wettbewerb“ nicht mehr reichen. Eine „Aufga­ ben- und Performance-Analyse“ und mehr „Effizienz“ seien „drin­ gender denn je“. Nach über vier Monaten Hoch­ schuldialog hat die Industriel­ lenvereinigung die Forderungen der unibrennt-Bewegung immer noch nicht realisiert (geschweige denn verstanden), es stellt sich die Frage, wie viel „Dialog“ in den Räumen des Wissenschafts­ ministeriums stattgefunden hat. Gamper reduziert die Hochschul­

bildung auf „Ausbildung“ und versteckt die altbekannten For­ derungen der Wirtschaft, nach Steuerung der Studierendenströ­ me und kürzeren Studienzeiten, hinter hochtrabenden Formulie­ rungen – „Wettbewerbsfähigkeit“, „Performance-Analyse“ und „Ef­ fizienz“ werden da beschworen. Vergessen wir, dass noch vor ein paar Monaten 50.000 Menschen gegen genau diese Tendenzen auf die Straße gegangen sind, und dass verschiedenste Expert_in­ nen (auch im Hochschuldialog) die Steuerbarkeit von Studieren­ denströmen für unmöglich erklä­ ren. „Ausbildung für wenige, und zwar wie WIR wollen,“ scheint das Credo von Frau Gamper zu sein. Es erstaunt, dass die Industri­ ellenvereinigung nicht einmal

in einem Gastkommentar in der über.morgen kompromissbereite - ob nun ehrlich gemeinte oder nicht - Töne anschlägt. Für die Diskussionen im Hochschuldia­ log verspricht das nichts Gutes. [jaae]

Der Gastkommentar von Monika Gamper wurde in Ausgabe 6/2010 veröffentlicht. Nachzulesen unter www.uebermorgen.at.

S t i m m e n d e s H o c hs c h u l d i a l o g S K O M M E N T I E R T : MONI K A GAM P E R


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über.politik

Obdach für Obdachlose

Ein Besuch in der Wiener ANLAUFSTELLE FÜR WOHNUNGSLOSE „Anläuten musst!“, ruft die junge Frau, die vor dem Haus in der Pazmanitengasse 7 eine Zigarette raucht. Ein Summerton ist zu hören. „Klack“ – die Tür ist offen.

Ein Mann im Warteraum versteckt sich hin­ ter seiner Österreich-Zeitung, ein anderer tippt unablässig an seinem Handy herum. Die Frau neben ihm starrt ins Leere. Bei den Hilfesuchenden liegt das Verhält­ nis Mann-Frau bei etwa 75 zu 25. Ein Drit­ tel davon sind Jugendliche zwischen 18 und 30 Jahren.

Krisenintervention ohne Voranmeldung Dem jungen Mann mit Che Guevara T-Shirt, der bisher nervös im Gang auf- und abge­ gangen war, dauert das Warten zu lange: „Ich geh jetzt und hol mir meinen Zauber­ trank ab. Meinen Rucksack lass ich hier.“ Der strenge Blick einer Sozialarbeiterin kann ihn dann aber doch umstimmen. Er nimmt Platz und wartet. Viele Menschen sind aufgrund ihrer psychi­ schen oder körperlichen Verfassung nicht in der Lage, Termine, nach denen sie sich bei anderen Hilfseinrichtungen richten müssen, einzuhalten. „Bei uns ist das anders. Das P7 zeichnet

sich durch seine Niederschwelligkeit aus. Das heißt, dass hier jeder unangemeldet vor­ beikommen kann“, erklärt Erich Steurer. Der Leiter des P7 hat sein Büro im 1. Stock. Ei­ ne steile Wendeltreppe führt nach oben. Am Ende des Ganges ist sein Büro. Steurer hat Ringe unter den Augen und trägt einen Drei-Tage-Bart. Im vergangenen halben Jahr waren er und sein Team immer wieder an die Grenze ihrer Möglichkeiten gestoßen. Das P7 ist die ganze Woche über geöffnet. Hier trifft die Post von über 800 Personen ein, die keine fixe Wohnadresse haben. Andere kommen hierher, weil sie Hilfestellung beim Amts- und Behördenverkehr brauchen. Im Monat sind es etwa 200 Neuzugänge. Ten­ denz steigend.

Foto: Caratello

Das P7 ist eine Service-Einrichtung der Ca­ ritas im zweiten Wiener Gemeindebezirk. Die Adresse hat der Einrichtung den Namen ge­ geben. Im vergangenen halben Jahr besuch­ ten pro Tag etwa 100 Menschen das P7 - die meisten in der Hoffnung, einen Notschlaf­ platz zu erhalten.

reichische Staatsbürgerschaft. Die Caritas unterstützt aber nur Obdachlose mit öster­ reichischem Pass.

„Täglich am Limit birgt für die Mitarbeiter die Gefahr der Überlastung“, erzählt Steurer.

Letztendlich ist es aber gelungen, 90 Schlaf­ plätze für diese Menschen einzurichten. Die Plätze stehen ihnen bis Ende April zur Ver­ fügung.

400 Betten werden über das P7 verwaltet. Und das muss sehr genau erfolgen. „Es ist für die Betroffenen äußerst unangenehm, wenn abends in der Notschlafstelle zwei Menschen vor demselben Bett stehen.“

„Hätte es die Audimax-Besetzung nicht ge­ geben, wäre die Öffentlichkeit auf diese Men­ schen nicht aufmerksam geworden.“

Hilfe für Obdachlose aus dem Ausland

Nun sind Verhandlungen zwischen der Ca­ ritas und dem Fond Soziales Wien am lau­ fen. Das Ziel ist es, permanente Schlafplätze für nicht-österreichische Obdachlose ein­ zurichten.

Als vor Weihnachten das Audimax geräumt wurde, hat man die Obdachlosen, die dort Unterschlupf gefunden hatten, hierher ge­ schickt. Die meisten von ihnen hatten keine öster­

Bedarf an weiteren Wohnungen ist immer vorhanden. „Aber“, so Steurer, der lang­ sam und überlegt spricht, „man kann Wien ein sehr gutes Zeugnis ausstellen, was das Bemühen betrifft, Wohnungen zur Verfü­ gung zu stellen.“ Im Warteraum haben sich inzwischen mehr Menschen eingefunden, als Sitzplätze vor­ handen sind. Rodmilovic Nemaja, der neben seiner Kolle­ gin hinter dem Empfangsschalter sitzt, leis­ tet hier seinen Zivildienst ab.

Foto: Martin Juen

Er betätigt den Schalter, der die Tür öffnet: „Klack“- Der Raum wird langsam voll. Ob es Personen gibt, für die er die Tür nicht öffnet? „Nur wenn Leute aufgrund ihrer Aggressivität Hausverbot haben, dann machen wir nicht auf. Aber das kommt selten vor.“ [masc]


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über.politik

FREIHEIT FÜR DIE WIENER WIESEN Eine Wäscheleine ist für Wäsche da, eine Bratpfanne zum Braten und der Volksgarten fürs Volk – zum Entspannen, in der Sonne liegen und Picknicken? Weit gefehlt! Denn das „Volk“ darf den Garten nur sittlich auf den Wegen schlendernd bewundern. Das Liegeverbot in den Wiener Parks ist schon beinahe so alt wie die Parks selbst. Allerdings wurde es 1997 mit dem Argument „Die Menschen sollen sich in unseren Parks wohlfühlen“ abgeschafft.

für Unverständnis gesorgt.

Das gilt aber nicht für die Bundesgärten: Im Burggarten, Volksgarten, am Helden- und am Theresienplatz ist es nach wie vor verboten, sich auf die Wiese zu setzen.

Ziel der Gruppe ist es, durch verschiedene Aktionsformen die „Freiheit auf den Wiener Wiesen zurückzuerkämpfen“. Am Samstag, den 17.04., gab es zu diesem Zweck eine Kundgebung mit anschließendem Protest­ spaziergang.

Damit dieses Verbot auch eingehalten wird, hat die Stadt Wien private Security-Firmen beauftragt, Sitzende von den Wiesen zu vertreiben. Das vorgebrachte Argument: Vandalismus, vor allem das Ausreißen von Blumen, müsse verhindert werden. Die Frage, ob nun sitzen­ de Menschen eher dazu neigen, an Blumen zu reißen, als Gehende, sei dahingestellt. Die Tatsache jedenfalls, dass bei einigen der schönsten Wiesen Wiens das Betreten ver­ boten ist, hat vor allem bei jüngeren Leuten

So wurde die Facebookgruppe „Freiheit für die Wiener Wiesen!“ gegründet, die inzwi­ schen stolze 8.781 Mitglieder aufweist.

Das Wetter war günstig für die Demonstrant_ innen, und die Parks waren den ganzen Tag voll von Picknickdecken, sich sonnenden Menschen und Gitarrenmusik. Abzuwarten bleibt, ob die Stadt Wien den Unmut ihrer Bewohner_innen bemerkt hat, und ihn wichtiger nimmt als das makellospoetische Bild eines leeren Burggartens, das den Tourist_innen natürlich nur durch das Liegeverbot ermöglicht wird. [jarr]

Eindrücke „Dass die Leute hier im Park sitzen, das ist voll­ kommen ok. Ist es denn überhaupt verboten?“ Der 39-jährige Techniker Dieter Griehsnig mit der verspiegelten Sonnenbrille blickt über die Garten­ anlage: „Wozu die Grünflächen, wenn das Sitzen darin verboten ist?“ Laura Korn, 22 Jahre alt, sitzt auf einer Parkbank im Schatten. Auch sie weiß nichts vom Verbot, die Wiese zu betreten: „Wenn die Leute einfach nur so rumsitzen, keinen Dreck hinterlassen und nicht rumgrölen ist das doch in Ordnung.“ Norma­ lerweise sitzt die Studentin auch lieber im Gras, auf einem Liegetuch. Aber heute muss sie arbei­ ten. Lächelnd hält sie einer Passantin einen Wer­ beflyer entgegen. „Völliger Schwachsinn, das zu verbieten“, stellt Wolfgang Turner fest, „solange keine Blumenar­ rangements zertrampelt werden, gibt’s da nichts zu verbieten!“Von den Securities hält er gar nichts:„Letzten Sommer im Volksgarten kam so ein blöder Bua von der Security und hat tatsäch­ lich die Leute von der Wiese vertrieben.“ Turner schüttelt den Kopf, „Ich war perplex. Wenn er das [masc] mit mir macht, kleb’ ich ihm eine.“

EIN dialog in der KRISE GASTKOMMENTAR Der Hochschuldialog. Vertreter_ innen des BMWF, Studierende und verschiedene Sozialpart­ ner (WKÖ, IV, ÖH u.a) kommen zusammen, diskutieren über Bil­ dungspolitik und erarbeiten im Anschluss ein Empfehlungspa­ pier mit Konsenspunkten. Soweit die Theorie. Doch in der Praxis gestaltet sich dieses Vorhaben zunehmend schwieriger. Während sich in den Arbeitsforen die Teilnehmer_innen einig sind, dass die Hochschulen ausfinan­ ziert gehören und auch die Stu­ dienwahl optimiert werden muss, gehen die Meinungen bei der STEP und den Zugangsbeschränkun­ gen auseinander – ein Konsens ist nicht möglich. Die Diskussionen werden zunehmend schwieriger

S t i m m e n

und zeitweise scheint es keinen Fortschritt und somit auch kei­ nen Sinn mehr in den Arbeits­ foren zu geben: Die Gespräche drehen sich im Kreis, die Orga­ nisation einzelner Arbeitsforen scheint planlos zu sein. UNIKO und FPÖ haben den Hochschul­ dialog verlassen. Doch nach einem Tief in den letzten Wochen waren die Ar­ beitsforentermine im April wieder produktiv, was uns motiviert wei­ terzumachen, um doch noch Ver­ änderungen bewirken zu können. Die Teilnahme an den einzelnen Arbeitsforen ist eine gute Mög­ lichkeit zur Vernetzung mit ver­ schiedenen Sozialpartnern, denn die bildungspolitischen Themen und Probleme sind nach den Ar­ beitsforen im Juni nicht abge­ schlossen.

d e s

Wir wollen weiterhin gemeinsa­ me Kritik formulieren, die dann an das BMWF weitergegeben wird. Wir wollen langfristige Konzep­ te erarbeiten, die nicht einfach wieder unter den Tisch gekehrt werden können. Einen ersten Schritt machte letzte Woche ein runder Tisch, zu welchem Kurt Grünewald, Bildungssprecher der Grünen geladen hatte und bei dem auch die Rektoren an­ wesend waren. Die allgemeine politische Lage macht es schwierig, eine Aufsto­ ckung des Budgets zu erreichen und auch der Wille der Politik et­ was zu verändern, scheint nicht vorhanden zu sein. Bei Unver­ mögen und Problemen der Um­ setzbarkeit seitens der Politik hilft es dann auch nicht weiter einen Konsens zur Budgetauf­

H o c hs c h u l d i a l o g s :

stockung im Hochschuldialog gefunden zu haben. Doch gerade in Krisensituatio­ nen wäre es wichtig in verschie­ dene Bereiche, und gerade den Bildungsbereich, zu investieren.

Die AG Mittwoch ist die für den Hochschuldialog zuständige Arbeitsgruppe der Bildungsprotestbewegung.

AG

MITT W OC H


über.politik

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SQUAT BARCELONA Ein erster Schritt innerhalb des systems

In Barcelona gibt es seit Jahren eine besonders aktive Szene von Hausbesetzer_innen. Unzählige unbewohnte Gebäude werden als Veranstaltungsräume, Gemeinschaftszentren oder auch einfach Wohnräume revitalisiert.

FOTO: jaae

In einem dieser Häuser durfte ich für zwei Wochen mitleben und habe eine andere Form der Besetzung kennengelernt, als ich von Audimax, C1 und den anderen Hörsä­ len in Österreich kannte: Verschlossene Tü­ ren statt offener Freiräume, Hausrenovierung statt stundenlanger politischer Diskussio­ nen. Hinein kommt nur, wer gekannt wird und alle helfen mit. „La Guattla“ (die Wachtel) haben die 12 Be­ wohner_innen ihr neues Zuhause getauft. In drei Monaten haben sie in der kleinen, leer­ stehenden Holzfabrik, in unmittelbarer Nä­ he der berühmten Fuentes Mágicas, Zimmer gebaut, eine Küche eingerichtet und zu Le­ ben begonnen. Manches ist fertig, vieles noch eine Baustelle. Die ersten 72 Stunden sind bei Besetzun­ gen in Barcelona am kritischsten. Um sie zu überstehen, ist es üblich, bei Nacht ein­ zusteigen und sich zu verbarrikadieren – Schlösser werden ausgetauscht und Fenster zugemauert. Danach müssen zumindest ein­

mal die Gerichte eingeschaltet werden, ein Prozess, den die Besetzer_innen in die Län­ ge zu ziehen wissen.

revitalisiert und die Nachbar_innen mobili­ siert werden. Dazu wird tagelang Schutt ge­ schaufelt, eine Bühne und eine Bar gebaut.

Strom und Wasser wurden in La Guattla il­ legal wieder angeschlossen, ein Boiler sorgt für Warmwasser und auf einem Gasherd wird gekocht. Zweimal im Monat besprechen sich die Bewohner_innen. Putz- und Koch-, An­ wesenheits- und Dumpster-Pläne werden erstellt. Jeden Tag wird gemeinsam zu Mit­ tag und zu Abend gegessen.

„Eine gute Beziehung zu den Nachbarn ist am Wichtigsten. Ohne geht es nicht,“ betont César. Sätze wie diese hört man immer wie­ der. Auch viele andere besetzte Häuser bie­ ten Nachbarschaftszentren, Kostnix-Läden oder ähnliche Projekte.

„Das System ermöglicht uns das Besetzen. Es produziert so viel im Überfluss, dass auch viel weggeschmissen werden muss. Squat­ ting kann nur ein erster Schritt innerhalb des Systems sein“, sagt César, einer der Beset­ zer_innen. Die Bewohner_innen von La Guattla kom­ men aus Spanien, Portugal, Frankreich und der Elfenbeinküste. Sie sind zwischen 17 und 35 Jahre alt. Einige studieren, andere arbeiten. Den oder die „typische_n Beset­ zer_in“ gibt es nicht. La Guattla wurde aus einem sehr konkre­ ten Grund besetzt. Die Stadt lässt die Nach­ barschaft, in unmittelbarer Nähe zahlreicher Tourismusattraktionen, verwahrlosen, um die Einwohner_innen zu vertreiben und Hotels bauen zu können, erzählt César. Die Besetzer_innen wollen nicht tatenlos zu­ sehen. Mit „La Niu de la Guattla“ – „Das Nest der Wachtel“ – einem sozialen Zentrum im Keller des Hauses, soll die Nachbarschaft

Allgemein ist die Beziehung zwischen Be­ setzungen und der Stadt sehr positiv. Viele kleine „Supermercados“ und Marktverkäu­ fer_innen geben freiwillig unverkaufbare Le­ bensmittel ab. Gedumpstert wird hier nicht direkt aus den Mülltonnen. Von kleinen Wohnungen bis zu fünfstöcki­ gen Häusern findet man Besetzungen in Barcelona in jeder Größe. Die Besetzer_in­ nen teilen Know-How und Arbeitskräfte und treffen sich regelmäßig auf Partys oder ein­ fach zum Abendessen. Besetzt wird in Barcelona von den verschie­ densten Menschen, aus den verschiedensten Gründen. Viele teilen aber einen gemeinsa­ men Anspruch, einen Anspruch der manch­ mal unerfüllbar scheint. „Man will mit den Squats die Stadt verän­ dern“, sagt César, während wir vom Dach des Hauses Barcelona überblicken, „und dann sitzt man hier oben und sieht auf die Stadt. So groß, es ist manchmal schon de­ primierend.“ [jaae]

Fotos: Jaae


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über.kitsch&kultur

Schnellzug „Österreichische Fotografie“ fährt ein Collagenhaft zeichnet die Galerie WestLicht in der Ausstellung „Blickwechsel – Österreichische Fotografie Heute“ die aktuelle österreichische Kunstfotografieszene nach. Von allem ein wenig, aber nichts konkret, könnte das Motto lauten.

Sie geht damit der Frage nach, ob und in­ wieweit sich Schmerz verbildlichen lässt. Der Betrachter ist in seiner Rolle als Voyeur gefangen und kann nichts dagegen tun. Nur zusehen. Dieses Projekt heißt „Rings“ und stammt von Roberta Lima. Sie ist eine der 20 Künstler_innen, welche momentan in der Ausstellung „Blickwechsel – Österreichi­ sche Fotografie Heute“ in der Wiener Gale­ rie WestLicht einige ihrer Werke ausstellen. Inhaltlich widmet sich die Ausstellung vor al­ lem der Kunstfotografie. Neben altbekann­ ten Vertreter_innen wie Erwin Wurm oder Helmut und Johanna Kandl wird vor allem jungen Kunstschaffenden die Möglichkeit

M EIN

gegeben, ihre Werke auszustellen. Die Nachwuchskünstler_innen kommen groß­ teils von der Universität für Angewandte Kunst und der Akademie der bildenden Künste. Die Kuratorinnen Elsy Lahner und Eva Schle­ gel wollen mit der Ausstellung keinen „Ge­ samtüberblick österreichischer Fotografie, sondern vielmehr einige gezielte Blicke und Blickwinkel“ ermöglichen.

Foto: Roerta Lima

Eine junge Frau durchbohrt ihre Arme mit Nadeln. Dadurch entstehen Löcher, wel­ che die Ösen halten werden. Durch diese Ösen fädelt sie ein rosa Band, und am unte­ ren Ende wird das Band zu einer hübschen Schleife gebunden. Das Ganze dokumen­ tiert sie, oder viel mehr ihre Helfer_innen, mit einer Kamera.

Auch habe man sich beim Zusammenstel­ len der Ausstellung vor allem auf den „insze­ nierten Blick“ spezialisiert. Mit den gezielten Blickwinkeln gehen die Kuratorinnen jedoch so weit, dass von den meisten Künstler_innen nur sehr wenige Bilder ausgestellt werden.

Die Ausstellung lässt ein Gefühl aufkommen, welches auch entsteht, wenn man mit einem Schnellzug eine unbekannte und varianten­ reiche Landschaft durchfährt. Als Besucher_ in hat man den Eindruck, dass einem etwas vorenthalten wird. Dennoch finden sich un­ ter den Werken der 20 Fotograf_innen eini­ ge ausdrucksstarke und interessante Bilder. Der Gesamteindruck ist jedoch etwas mager.

Nach dem Besuch macht sich so etwas wie Ratlosigkeit breit, da man soviel und doch irgendwie nichts gesehen hat. Die Vielfalt der gezeigten Werke macht es nahezu un­ möglich, sich auf eine oder einen Künstler_ in einzulassen.

Die Ausstellung ist noch bis 16. Mai 2010 in der Galerie WestLicht, Schauplatz für Foto­ grafie, zu sehen. Des Weiteren kommt von jedem der Ausstellenden ein Werk zur zwei­ ten WestLicht Foto Auktion, welche am 29. [sud] Mai stattfindet.

ERSTES

M AL

Jakob erzählt heute von seiner ersten Übernachtung im besetzten Audimax, frühmorgendlichen Abstimmungen und Interviews. Die ersten Warnungen kommen über Twit­ ter, dann läutet auch das Pressehandy. „Räu­ mungsgefahr!!! Kommt alle ins Audimax!“ Ich bin schon dort und beschließe zu blei­ ben. Für mich die erste Übernachtung im besetzten Hörsaal. Im Presseraum herrscht reges Treiben, Pläne für den Fall der Räumung werden geschmie­ det. Wen rufen wir an? Was darf auf keinen Fall zurückbleiben? Kontaktlisten werden von den Wänden entfernt und Rechtsinfor­ mationen verteilt. Die Nacht ist lang, bald gibt es nicht mehr viel zu tun. An Schlaf ist trotzdem nicht zu denken. Ein Live-Interview im Radio um 2.00 Uhr. Hin und wieder besorgte Aktivist_innen, auf der Suche nach verlässlichen Informati­ onen. „Wir sind noch da,“ mehr wissen wir auch nicht. Um 3.30 Uhr sitze ich mit neuen Freunden

im Audimax. Hin und wieder wird getwit­ tert, sonst passiert nicht viel. Auf den Raum verteilt etwa 150 Menschen. Elektronik-Mu­ sik dröhnt aus den Boxen. Auch hier schläft fast niemand.

Geschichten aus dem Audimax Basisdemokratie um vier Uhr früh Ich kann mich nicht erinnern, wer damit an­ gefangen hat. Doch plötzlich eine Abstim­ mung. Um 4.00 Uhr morgens. Party-Musik oder klassische Musik? Wir sind müde, der Schädel dröhnt, keine Frage: Wir wol­ len Klassik. „Das ist Bach,“ meint eine Frau neben mir.

Kurz darauf verstummt die Musik wieder. Ei­ ne junge Studentin fordert vom Podium die Wiederholung der Abstimmung: „Wir brau­ chen Party-Musik, damit wir wach bleiben!“ Neue Argumente, neue Abstimmung, glei­ ches Ergebnis. „Machen wir ein bisserl Klassik und stim­ men dann noch mal ab,“ schlägt die junge Frau vor. Der DJ schaltet sich ein. Basis­ demokratie hat gesprochen, wir spielen ab jetzt Klassik! Irgendwann ist die Nacht vorbei. Die ersten Journalist_innen kommen um zu sehen, ob wir noch da sind. Ein Reporter vom ORF in­ terviewt mich: „Eure Forderungen hängen hier an der Wand. Reiche Eltern für alle, das kann ja gar nicht erfüllt werden?“ Hat er mich das wirklich gefragt? Ich bin zu müde. Ich geh nach Hause. [jaae]


über.graus

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Die Sendung mit dem Graus

HEUTE: De·ma·go‘gie

Foto: sup, tas

Kennt ihr nicht? Erklär ich euch! Die alten Griechen be­ zeichneten begnadete Redner als Demago­ gen. Weil diese Leute es erfolgreich verstan­ den, das Volk zu be­ einflussen.

Heute ist dieser Begriff keine Ehrenbezeichnung mehr. Vielmehr bezeichnet er Menschen, die Leute durch unlautere Praktiken beeinflussen. Zum Beispiel in­ dem sie ihnen Halbwahrheiten verkaufen, oder Zusammenhänge konstruieren, die so nicht bestehen. Man könnte diese Menschen auch als Lügner bezeichnen, aber da­ mit wären wir schon beim Vereinfachen und somit selber nicht bes­ ser als die so genannten Demagogen – und deshalb lassen wir das. Demagogie hat also etwas mit Politik zu tun. In der Politik geht es sehr oft darum, Wahlen zu gewinnen. Und wenn nun eine Partei Wähler von sich überzeugen möchte, dann passiert es, dass sie zum Mittel der Demagogie greift. Vor allem, wenn sie keine Lösungsansätze für anstehende Prob­ leme hat, keine überzeugenden Zukunftsvisionen und auch sonst ein eher dünnes Parteiprogramm aufweist. Da wird dann Wahres völlig übertrieben oder fahrlässig vereinfacht. Das, was man erreichen will, wird als die Sache aller Gutgesinn­ ten dargestellt. Und Kritiker werden gerne als „Vaterlandsverräter“ oder „Nestbeschmutzer“ bezeichnet. Überhaupt wird die eigene Vorgehensweise, um ein Problem zu lösen, die Parteilinie also, als die einzig mögliche hingestellt. Der Wahlkampf-Auftakt war für die FPÖ-Präsidentschaftskandidatin eher schwach. Der alte Hans, König im Kronen-Land, forderte von ihr eine öffentliche Stellungnahme zum Verbotsgesetz. Und sie tat, was verlangt wurde. Eine angehende Präsidentin unter der Knute eines Medien-Moguls? – Klingt bedenklich, ist es auch! Und um davon und von anderen Unzulänglichkeiten abzulenken, ging die FPÖ rasch zum Angriff auf den Fischer Heinz über. Wir erinnern uns: Demagogie beinhaltet, Wahres völlig übertrieben, oder fahrlässig vereinfacht darzustellen. Und so geschah es, dass man ihm mit der aufgewärmten „Sieg Heil“-Geschichte Sympathi­ en zum NS-Regime unterstellen wollte. Und seine diplomatischen Kontakte zu Nord-Korea nutzte man, um ihn politisch als „links­ link“ einzuordnen – ein Linkslinker „Sieg Heil“-Rufer also. Klingt seltsam, ist es auch! Und schon war es geschehen. Während die einen den Fischer Heinz verteidigten, bezeichneten ihn die anderen als unwählbar. Von an­ stehenden Sachthemen und der politischen Ausrichtung der FPÖKandidatin, war erfolgreich abgelenkt worden. Tun kann man gegen diese Art der Demagogie eigentlich nicht viel – außer ignorieren und, wenn es sein muss, einen Metadiskurs star­ ten, indem die Funktionsweise von Demagogie aufgezeigt wird. Und das hat Euer Graus hier versucht.

[masc]

DER BILL AUF‘M MONSTERBIKE DURCH DIE PRÄRIE DIE Popgruppe der 10er Jahre rockte am 30. März in Wien. Die über. morgen-Kulturkritikerin war ohne Scherz live dabei: Beim Rausgehen treffe ich eine Freundin, die in der Stadthalle ar­ beitet. Als sie mich sieht, beginnt sie aus voller Brust zu lachen: „Darf ich das allen erzählen?“ - Klar darf sie. Ich bin bei Tokio Hotel gewesen. Ich habe mir um 38 Euro eine Kar­ te gekauft. Andere haben 6 Tage lang im Stadthallenpark gecampt, warum weiß ich nicht. Vielleicht ist Bill einmal vorbei gelaufen oder eines dieser Mädchen und Jungen, die wirklich fast wie Bill aussehen. Ich bin eine dreiviertel Stunde nach Einlassbeginn gekommen, ha­ be 300 Meter gewartet, und bin mit einem gelben Armband ganz vorne vor dem Wellenbrecher gestanden. Ja gestanden. Bei Tokio Hotel wird nicht gedrängelt. Es wird nicht gepogt, es wird nicht getanzt. Die Menschen schreien, weinen und schauen. Schon zwei Stunden vor dem ersten Intro. Ich bin weder bei den Popcorn, noch bei der Schoko-Theke, noch am Klo auch nur eine Sekunde lang angestanden. Am Merchandisestand habe ich mich nett mit der Verkäuferin unterhalten, die mir erzählt hat, dass sie mehr Ansturm erwartet haben und vielleicht mehr Verkäu­ fe. Der hohe Anteil Erzieher und -innen kauft anscheinend seinen Kindern nach der teuren Karte nicht mehr so gern noch das T-Shirt um 22 Euro oder das Supermega-Schmink-Überraschungs-Pack um 30 Ösen. Und doch: Die 4000 Menschen des Tokio Hotel-Publikums haben in der Halle auf ihren Plätzen Tokio Hotel-Leuchtstäbe und Tokio Hotel-Flaggen in den kleinen und großen Händen und eine Stunde auf den Beginn gewartet. Die Vorband vom Tonband besteht aus Radiohead, den Nine Inch Nails und Nirvana. Im Publikum sind viele Mädchen als Bill oder Tom verkleidet. Der Hype ist so leicht über­ tragbar auf andere Personen, Gegenstände, sogar Sätze! Bill kommt beim zweiten Lied so nah, dass man die überschmink­ ten Augenringe in seinem wunderschön glatten, perfekt proporti­ onierten Jungen-Gesicht sehen kann und meine Schwester meint – anscheinend doch zu laut - „Also, wie ein richtiger Mann sieht er echt nicht aus“, oder war‘s doch ein ironisch-affektiert gekreisch­ tes „Der sieht ja aus wie‘n Mädchen!“? Jedenfalls drehen sich ob dieses Angriffs auf die Vorbilder der modernen Männlichkeit vor uns zwei 13-jährige Mädchen mit „TH“-Herzen auf den bitterbö­ sen Wangen um und wollen sich vergewissern, ob wir „eh“ Bill auch so fesch finden. Natürlich! Ich würde ja auch „Ja“ sagen, wenn er mich fragen würde, ob ich mit ihm schlafe. Aber... Als das Konzert beginnt (eine Roboter-Ufo-Kugel in metall-grau öffnet sich wie ein Spielzeug-Ei, und der Inhalt der Überraschung ist klar: die Kante Gustav drischt aufs Schlagzeug ein, der ruhi­ ge Georg pendelt in sich gekehrt an seinem Bass herum, Tom mit Dauerorgasmus-Gesicht zupft wenige Zentimeter vor seinem viel benutzten Penis die Gitarrensaiten und in der Mitte, einem Micha­ el Jackson/David Bowie-Konglomerats-Gott gleich: Bill), riecht das Mädchen vor mir schon ziemlich nach Hat-lange-im-Stadthallen­ park-gewartet-kleinem-Mädchen-Schweiß, aber ich sag nichts, sie weint ja so schon. Fazit: Jederzeit wieder! Juhu! Mein Pathos-Herz hat einen Seelen­ [cgal] freund gefunden. Endlich einer, der mich versteht.


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über.reste ! tire

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der Woche

Wer nimmt sich der kleinen, blauen Erde an? Ganz tollpatschig benimmt sie sich in letzter Zeit. Sie rüttelt und schüttelt sich und verwüstet somit das eine oder andere Epizentrum. Stubenrein ist sie auch nicht gerade, spuckt sie ja manchmal ein wenig Asche in die Atmosphäre. Aber vielleicht findet sich ja eine gute Seele, die sich endlich wieder ein wenig um diesen launischen Planeten kümmert.

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Schwirigkeitsgrad: Mittel

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Man soll­ te mei­ nen, der Stand der Medizin wäre hierzulande so weit fortgeschritten, dass zumindest kleine­ re Krankheiten für Ärz­ te kein Problem darstellen sollten. Aber lenken wir un­ seren Fokus mal genauer auf die „Götter in Weiß“: Ein Gang zur Hautärztin. Patient vor der Untersu­ chung: „Frau Doktor, ich habe da einen Ausschlag im Gesicht, könnten Sie sich das mal anschauen?“ Ärztliche Diagnose, nach der Untersuchung: „Sie haben vermut­ lich einen Ausschlag im Gesicht...“ – Herzlichen Dank. Dann der Zahnarzt. Hier gilt generell: Drei Ärzte, vier Meinungen. Lässt du dir vom ersten ei­ ne Krone einsetzen, reißt der zweite sie wieder heraus und will ein Implantat montieren. Der dritte ist vollkommen entsetzt ob seiner zwei unfähigen Kollegen und bricht beim Blick auf den „verpfuschten“ Zahn beinahe in Tränen aus. Das größte Übel sind allerdings Allgemeinärzte. Man geht mit einem Schnupfen hin und kommt mit demselben Schnupfen, drei Allergi­ en, einer verbogenen Nasenscheidewand und Magentropfen heraus – von der Firma, die witzigerweise auch überall in der Praxis ihre Poster und Werbebroschüren verteilt hat. Vertrauenerweckend. [arr]

SUDERECK

:

DIE

Schwirigkeitsgrad: SCHWER


7/2010: Wer wählt weiss?  

Die neue über.morgen setzt sich mit "Weiß wählen" auseinander und arbeitet die vergangene Bundespräsident_innenwahl satirisch auf. Berichte...

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