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Januar 2013


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Januar 2013 INHALT

Geschichte Die tamilische Diaspora

Genozid Menschenrechtssitzung in Genf

Aktuell Tamilen protestieren wieder

Events Heldentag

Inland Masterarbeit

International TYO

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Geschichte Die tamilische Diaspora Die ersten Tamilen kamen 1983 in die Schweiz, das heisst, dass Sie nun genau 30 Jahre in der Schweiz leben. Obwohl die tamilische Diaspora eines der grössten Migrantengruppe, in der Schweiz, darstellt, ist vielen der wirkliche Grund für diese zahlreiche Migrationen nicht bewusst.

Viele kennen die Tamilen als ruhige und fleissige Mitmenschen und wären sicher froh, wenn Sie mehr über diese Menschen erfahren könnten. Daher wollen wir Ihnen in unserer ersten Ausgabe zum 30 jährigen Jubiläum der tamilischen Diaspora in der Schweiz, die tamilische Diaspora ein wenig näher bringen.

1983 war der Pogrom des «Schwarzen Juli», der den Beginn des Bürgerkrieges in Sri Lanka markiert. Genau in diesem Jahr kamen auch die ersten Tamilen in die Schweiz, dies zeigt deutlich, dass die Tamilen als politische Flüchtlinge, dem Krieg in Ihrer Heimat, entfliehen mussten und Schutz in Ländern wie die Schweiz suchten.

Als Ihr Aufenthaltsstatus dann geregelt war, hatten Sie schon eine Familie und mussten für das finanzielle Wohl der Familie in der Schweiz als auch für das Wohl der Familienmitglieder in Sri Lanka sorgen, diese Situation zwang Sie zu einer Erwerbstätigkeit ohne Ausbildung. Dies ist der Grund wieso viele Tamilen der 1. Generation die Landessprache nicht gut beherrschen.

Sie kamen mit der Hoffnung, dass der Bürgerkrieg in Sri Lanka schnell ein Ende finden wird und Sie dann wieder in Ihre Heimat zurückkehren können. Doch mit den Jahren merkten Sie, dass es doch nicht so schnell ein Zurück gibt, daher holten Sie auch Ihre Familien in die Schweiz und bauten sich ein Leben hier auf. Da der Aufenthaltsstatus lange Zeit unklar war, lebten Sie mit dem Gewissen, dass Sie heute oder morgen die Schweiz verlassen müssen, daher sahen Sie nicht ein, dass es wichtig ist die Landessprache zu erlernen.

http://www.tyo.ch/de/index.php?option=com_content&view=article &id=85:schwarzer-juli&catid=42:nachricht&Itemid=104

Im Jahr 2006 gab es zunehmend Waffenstillstandverletzungen, ab diesem Zeitpunkt gab es die nächsten Migrationswellen der Tamilen in der Schweiz, welche im Jahr 2008/2009 ihren Höhepunkt erreichte. Dies ist auf die Kriegsende im Mai 2009 zurückzuführen, welche mehrere Tausend Menschenleben kostete. Danach hat die Migrationswelle wieder abgenommen, dennoch kommt es bis heute noch vor, dass Tamilen als Asylsuchende in die Schweiz kommen und hier den Schutz suchen. Dies zeigt, dass die Lage in Sri Lanka, trotz dem offiziellen Kriegsende, nicht vielversprechend ist für die tamilische Minderheit in Sri Lanka.


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Die Fortschritte der zweiten Generation machen es deutlich, dass der Wille zum Lernen bei der tamilischen Diaspora sehr stark vorhanden ist. Eine Studie im Kanton Zürich, die im Jahr 2010 durchgeführt wurde, zeigt, dass die tamilischen Kinder im Kanton Zürich, in Bildung, unter den fremdsprachigen Kindern, am besten abschneiden. Genauer ausgedrückt machen mehr als 10 Prozent der tamilischen Kinder eine Mittelschule, über 40 Prozent schaffen die Sek A und nur knapp 10 Prozent sind in der Sek C. (http:/www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/DeutschsprachigeKinder-sind-in-Zuerich-erstmals-in-derMinderheit/story/17143539)

Das Tellerwäscher-Image hat sich mehr und mehr in den Hintergrund gezogen, da man jetzt auch in anderen Berufsfeldern eine Vielzahl an Tamilen antrifft. Auch an den Hochschulen sind mehr und mehr tamilische Studenten anzutreffen. Der ruhige Tamile, der keinen Widerstand geäussert hat, hat auch angefangen seine Meinungen zu äussern, dies zeigt sich vor allem darin, dass die tamilische Diaspora nun auch eine Partizipation in der schweizerischen Politik gefunden hat.

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So sind etwa, vor allem Jugendliche Tamilinnen und Tamilen, Mitglieder verschiedener Parteien, in einigen Kantonen sitzen auch bereits Tamilen im Kantonsrat, im Jahr 2011 konnte auch die erste Partizipation eines Tamilen an den Nationalratswahlen verzeichnet werden. (http://www.admin.ch/ch/d/pore/nrw11/list/cand/LU_4_cand.html)

Dies sind einige Beispiele, die zeigen, dass die tamilische Diaspora, im Bereich der Integration, auf grünen Zweigen läuft. Wir hoffen, dass wir mit diesem kurzen Bericht, über die tamilische Diaspora, einige offenen Fragen von Ihnen klären konnten und freuen uns Ihnen in weiteren Ausgaben, die tamilische Gemeinschaft näher bringen zu dürfen.


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Genozid Menschenrechtssitzung in Genf Im März 2012 forderte der Uno-Menschenrechtsrat in Genf eine Aufklärung der mutmasslichen Kriegsverbrechen in Sri Lanka. Die von den USA eingebrachte und von der EU unterstützte Resolution wurde mit 24 zu 15 Stimmen angenommen. Dabei enthielten sich acht Mitgliedstaaten des Rates ihre Stimme. Zahlreiche Minister und andere hohe Regierungsvertreter Sri Lankas waren eigens nach Genf gereist, um die Annahme der Resolution zu verhindern.

Die Sri Lankische Regierung schränkte die Nahrungsund Medikamenten-abgabe an die Tamilen ein. Eine grosse Menge starb folglich an Hunger und Verblutung. Das Gremium zählt diese stattgefundenen Misshandlungen zu Kriegs-verbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit.

Auf diese Fakten beruhend, brachte die USA die Resolution ein, mit der Forderungen die LLRC (Lessons learned and reconsiliation commitee) Die Resolution bezieht sich auf den Bericht vom Uno- umzusetzen. Expertengremium von Sri Lanka. Darin wird berichtet, dass über 40'000 Menschen, in den letzten fünf Im Oktober 2012 wurde die 18. Uno-Sitzung für Monaten des Bürgerkrieges in der Sicherheitszone, von Menschenrechte in Genf gehalten. Darin erstattete Sri Sri Lankas Armee getötet wurden (Die Regierung Lanka Bericht über, aus eigener Initiative umgesetzten selbst räumte 8000 Tote ein). Über 300’000, die und umsetzenden, Projekte, wie z.B die Freilassung der versuchten aus dieser Zone zu flüchten, wurden in in den Internierungslagern festgehaltenen Menschen. Internierungslagern eingeschlossen, wo sie mehr Leid wie Vergewaltigung und Misshandlung ertragen Doch Länder wie die USA, Deutschland und Schweiz mussten. zeigten sich damit nicht zufrieden.

Kurze Zeit später verkündete die UNO selbst in ihrer Schutzfunktion gescheitert zu sein: - Den Notbedürftigen wurde keine Hilfe geleistet - Die Anzahl der Getöteten wurde minimalisiert - Uno- Generalsekretär hätte gemäss Art.99 direkt eingreifen können.


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Aktuell Erstmals seit dem Kriegsende protestierten Tamilen wieder. Polizei und Armee griffen ein, 20 Menschen wurden verletzt Sri Lankas Polizei und Armee haben am Mittwoch, den 28.11.2012, in Jaffna im Norden des Landes einen Protest tamilischer Studenten niedergeschlagen und dabei Berichten zufolge mindestens 20 Demonstranten verletzt. Es war der größte Protest, seit Regierungstruppen die Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE oder Tamil Tigers) nach einer brutalen Offensive im Mai 2009 militärisch besiegt haben. Bereits am Dienstag hatten Soldaten und Polizisten Schlafsäle der Universität von Jaffna gestürmt und nach verbotenen Materialien durchsucht. Einige Studenten hatten offenbar versucht, den „Tag der Märtyrer“ zu begehen.

Bei diesem Eingriff wurden vier Studenten verhaftet, nur einer wurde einige Tage später freigelassen. Daraufhin protestierten Tamilen auf der ganzen Welt um die Freilassung der Studenten. Diese Situation zeigt, dass der Konflikt zwischen der Mehrheit und der Minderheit in Sri Lanka nicht gelöst ist.


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Events Heldentag Jedes Jahr gedenken die Tamilen am 27.11. den gefallenen Rebellen und Bürgern, die im Bürgerkrieg in Sri Lanka Ihr Leben lassen mussten. Am 27.11.1982 fiel der erste Kämpfer, sein Name war Shankar, von diesem Tag an mussten die Tamilen viele Opfer geben, mit der Hoffnung, dass Sie eines Tages die Freiheit geniessen können. Jede Tamilin und jeder Tamile hat in diesem Krieg mindestens einen seiner nahestehenden Personen verloren. Deshalb nimmt sich jede Tamilin und jeder Tamile, egal wo auf der Weltkugel er auch lebt, am 27.11. die Zeit um an diesen nationalen Heldentag, Ihre Helden zu gedenken.

Auch in diesem Jahr haben mehrere Tausend Tamilinnen und Tamilen an diesen Anlass, der im Forum Fribourg durchgeführt wurde, teilgenommen. Mit Kerzen, die man vor den errichteten Grabmäler stellte, einte man sich mit den Seelen der Gefallenen. Tanzaufführungen und Theaterstücke, die die Situation in Sri Lanka in Erinnerungen riefen, vervollständigten diesen Tag.


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Inland Politische Identitätssuche in der Diaspora nach der LTTE – Junge tamilische Erwachsene der Zweiten Generation Masterarbeit Monika Hess

Geographisches Institut, Universität Zürich

Die Niederlage der LTTE im Mai 2009 und das Ende des langjährigen Bürgerkriegs in Sri Lanka löste eine neue Dynamik in der tamilischen Diaspora-Politik weltweit aus; beispielsweise wurden neue politische Initiativen lanciert aber auch eine neue Präsenz der zweiten Generation in tamilischer Politik wurde beobachtet.

Die Studie zeigt auf, dass unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft der Sri Lanka in der zweiten Generation bestehen. Für einige war die Idee eines eigenen tamilischen Staates Tamil Eelam sehr wichtig. Die Ergebnisse der Arbeit deuten darauf hin, dass der Wunsch nach Tamil Eelam nicht durch den Wunsch in dieses Land zurückzukehren zustande kommt. Vielmehr ist Tamil Eelam wichtig, ihre Herkunft als zentrales Merkmal der Identität als zweitGeneration-TamilInnen zu bekräftigen. Sie identifizieren sich nicht mit‚ Sri Lanka’ als ihre zweite Heimat, sondern mit‚Tamil Eelam’. Andere aber, haben die Fortsetzung des Strebens nach einem eigenen tamilischen Staat vehement

In diesem Zusammenhang untersucht meine Masterarbeit die Motivation und Gründe weshalb junge Erwachsene der zweiten Generation in der Schweiz sich in tamilischer Politik engagieren, oder aber, weshalb sie von tamilischer Politik fernbleiben. Ziel war aufzuzeigen, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten innerhalb der zweiten Generation wie auch zwischen den Generationen bezüglich ihren politischen Visionen für Sri Lanka bestehen.

Ich führte mit 13 jungen Erwachsenen zwischen 18 und 30 Jahren Interviews, darunter befanden sich sowohl AktivistInnen der neuen politischen Initiativen in der Schweiz (SCET und Tamil Diaspora) als auch Personen, die in keener politischen Gruppierung direkt aktiv sind. Weiter sprach ich mit Experten und nahm an Manifestationen beobachtend teil.

kritisiert. Sie haben die Zukunftsvorstellung eines multikulturellen Sri Lanka. Für sie sind Beispiele der friedvollen Koexistenz von Tamilen und Singhalesen wichtige Referenzen. Sie haben auf ihren Reisen nach Sri Lanka solche positiven Erlebnisse gehabt. Die Idee des friedvollen Zusammenlabens verschiedener ethnischer Gruppen innerhalb eines Landes ist aber auch vom Beispiel der Schweiz geprägt. Die Arbeit ist auf Englisch, wer Interesse hat kann sich bei mir gerne melden (monihess@hotmail.com).


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International TYO Der tamilische Jugendverein TYO (Tamil Youth Organisation) ist nicht nur national in der Schweiz, sondern auch international präsent. TYO ist in der Schweiz, im vereinigten Königreich, in Kanada, Neuseeland, Dänemark, Schweden, in den vereinigten Staaten, Deutschland, Frankreich, Australien, in der Niederlande und in Italien tätig. Die jeweiligen Jugendvereine führen lokale Projekte durch, bei grösseren Projekten wird auch international koordiniert. In unseren kommenden Newslettern werden wir sie über einzelne Projekte aus den anderen Ländern genauer informieren. Das bietet Ihnen die Möglichkeit zu sehen wie gut wir weltweit vernetzt sind.


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Liebe Leserinnen und Leser Sie haben gerade die erste Ausgabe von REACH gelesen. REACH ist der Newsletter vom tamilischen Jugendverein TYO, damit wollen wir die tamilische Gemeinschaft, unsere Kultur und unsere Problematik der schweizerischen Gesellschaft näher bringen. REACH wird viermal im Jahr erscheinen, wir hoffen, dass es informativ sein wird und wünschen ihnen viel Spass beim lesen.

Vielen Dank.

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Meinung vertreten Als tamilische Jugendliche der Schweiz, haben wir die ultimative Aufgabe die Anderen, wie auch uns selbst, über das Leid der Tamilen aufzuklären. Verständnis ist entscheidend und mit Verständnis kommt die Erkenntnis, welches der wichtigste Schritt auf dem Weg zum Fortschritt ist.

TYO beitreten Unsere Türen stehen immer für neue Mitglieder offen, die eine Änderung für die Tamilen auf der ganzen Welt bewirken wollen. Als eine Organisation, der die Interessen der tamilischen Jugendlichen am Herzen liegt, bietet TYO den tamilischen Jugendlichen in der Schweiz die Möglichkeit ein Netzwerk aufzubauen, mitzuwirken und auch ihre Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen weiterzuentwickeln.

An eine Beteiligung interessiert?

www.facebook.com/SwissTYO

www.tyo.ch chadmin@tyo.ch

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