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E R MO S Y TO S S LE


E WWW.TOY2ART.COM


INHALT SNEAKERS NR 4

ÂťOUTSIDE THE BOXÂŤ What goes around comes around

ÂťEditor‘s ChoiceÂŤ Wir behalten: Element Omar Hi

8 18

PUMP UP, AIR OUT Der aufblasbare Sneaker wird 20 – ein Interview mit Paul Litchfield

20

4

IMPRESSUM Editors Pascal Prehn prehn@sneakers-magazine.com m: 0151 / 161 330 26

Publisher Monday Publishing GmbH Kamekestr. 20–22 50672 KÜln

Andreas GrĂźter grueter@sneakers-magazine.com m: 0179 / 395 74 62



Crooked Tongues im Interview

Geschäftsfßhrer Stefan Dongus Holger von Krosigk

Graphic Richard StrauĂ&#x; strauss@sneakers-magazine.com

    

THE FOOTHILLS PROJECT SUPREMEBEING Damian Quinn spricht

t: 0221 / 945 267 22 f: 0221 / 945 267 27 www.sneakers-magazine.com

Contributors Andi Zimmermann Nada Carls Lydia Heckl Katja Vaders Dirk MĂśnkemĂśller Nina Trippel Renko Heuer Clemens Dyckmans Dirk Vogel

Alle Rechte vorbehalten



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Artwork Olek Ollanski raws

Advertising Pascal Prehn

LUK9189 090911 Lacoste SNEAKER 206x264_4.indd 1

Editorial Coordinator Holger von Krosigk

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Photographers Alexander Basile Robert Eikelpoth Michael Breyer Adam Sello Peter Zembol Wolfgang Haag

KICKS ON THE ROCKS

PUMA SUEDE

PUMP UP AIR OUT

SUPER SHOES

FETISCH "

FOOTHILLS  

SUPREMEBEING  

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11/09/2009 12:21

Cover-Sneak: Puma, Modell „Suede“ Foto: Robert Eikelpoth & Michael Breyer

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ÂťSNEAK BOUTIQUEÂŤ 32 Hot as hell, aber trotzdem auf Eis

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Inhaltsverzeichnis

CITY CHECK: BARCELONA

Katalanische Sneakerkultur von Trust Nobody bis Munich Footwear

PUMA SUEDE Die Geschichte einer Legende

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60

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ONETRUESAXON Casual taking over

SPERRY TOP-SIDER Walking on Water

RETHINKING THE COOL Laufen auf grünen Sohlen

»STREET SNEAKS« Live from Cologne

DESIGN YOUR OWN Reebok Customizing Deluxe

LACOSTE

Ein Interview mit Mark Goodwin

UNDEFEATED X ADIDAS Ein Interview mit James Bond

AZITA

Frankfurt Style Armada

72 76

110

SURVIVAL OF THE FRESHEST KangaROOS, Super Shoes 112

SAILING INTO THE NIGHT Unterwegs mit Segelschuhen

116

82 88 90 92 94

LACING TECHNIQUE Footbag-Schnürung

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Editorial

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LIEBE LESER, mit der nunmehr vierten Ausgabe von Sneakers beenden wir unseren ersten Zyklus und wollen einen Blick zurück wagen. Das war passiert: Drei Kölner Turnschuhenthusiasten beschließen nach einer durchgefeierten Nacht, gemeinsame Sache zu machen und den bis dato rein theoretischen Diskurs um ein eigenes Sneakermagazin endgültig in die Praxis umzusetzen. Als die schließlich rechtzeitig zur Winter-Bright 09 von der Druckerei angeliefert wird und kurz darauf die ersten Reviews und Leserbriefe folgen, ist das ein bisschen wie Weihnachten und Ostern an einem Tag. Und nun die Nummer Vier, die mit einem mittlerweile deutlich verstärkten Team an Schreibern, Fotografen und Illustratoren unter dem Arbeitstitel „how many coops can you take?“ entstand. Denn seien wir ehrlich, wer hat beim Wer-mit-Wem-Spiel zwischen Brands,

Künstlern und Designern heute überhaupt noch den Überblick? Täglich werden uns Meldungen über neue Kollabos um die Ohren gehauen und – seien wir weiter ehrlich – viele sind in ihrer zumindest scheinbaren rein marketingpolitisch gesteuerten Wahllosigkeit belanglos und landen völlig zurecht als Durchläufer schneller auf den Grabbeltischen der Outlet-Stores als ein mäßig begabter Gymnasiast K-o-l-l-a-b-o-r-a-t-io-n buchstabieren kann. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, desillusioniert uns diese Entwicklung nicht, schafft sie doch einen neuen Rahmen, der von einer zukünftig wieder inhaltlicheren Auseinandersetzung und bewussterem Kicks-Diggen geprägt sein dürfte, als dies vielleicht in den vergangenen zwei Jahren der Fall war. Zum Einjährigen haben wir uns unter anderem einen Ausflug nach Barcelo-

na gegönnt, uns auf die zwielichtigen Spuren des echten, sprich sexuell motivierten, Sneakerfetischismus begeben, haben mit Reebok Pumps Erfinder Paul Litchfield über 20 Jahre individuell einstellbares Luftkammern-System gesprochen, Damian Quinn von Supremebeing über die Ideen und Ideale hinter dem Label ausgequetscht und uns an der fulminanten Rückkehr von Kangaroos Supershoes und unseren ewigen Old School Lieblingen Puma Suede erfreut. Und was gibt es sonst noch? Natürlich wie immer Kicks, Kicks, Kicks! In diesem Sinne viel Spaß beim Lesen und nicht vergessen: stay sneaker. Die Redaktion


S I X PA C K F R A N C E C O L L E C T I O N D E S I G N E D B Y A K R O E

Premium Footwear & Apparel Collection available at: germanyslFTYEIGHTsENERGYsKICKZsHARLEMsLEGANGs LATTEWIEHOSEsHIPHOPVINYLsTERRAXsUNIONSQUAREsALLIKE austriasSTILLADENsALTONsSANDER switzerlandsZIANBOUTIQUE dcshoes.com


Outside The Box

SNEAKER TOKYO BY SHOES MASTER Zum fünfjährigen Bestehen hat sich das japanische Shoes Master Magazine mit dem 180-seitigen Machwerk „Sneakers Tokyo – the past, the present, and future of Sneakers culture in Tokyo“ selbst ein kleines Denkmal gesetzt. Neben einem reichlich bebilderten Rückblick auf die eigene Geschichte sowie aktuellen Features zu u. a. Mad Foot und Converse gibt es ausführliche Interviews mit Nike’s very own Fraser Cooke, adidas’ Kazuki Kuraishi sowie Ausnahmedesigner, Musiker, Part-Time Schauspieler und Hans-Dampf-in-allen-Gassen Hiroshi Fujiwara. Perfekt für Tokyobesucher nicht nur die englische Übersetzung sondern auch der umfangreiche Hauptstadt-Shoppingguide. Kostenfaktor via umständlichem Import: 993 ¥ + Porto – oder gleich für 19 Euro bei The Good Will Out in Köln holen. WWW.MPCY.CO.JP 8

WECHSELWILD.COM Are Belts the new Sneakers? Wahrscheinlich nicht, aber dennoch wissen wir natürlich die stilistischen Raffinessen und „customizischen“ Möglichkeiten gut gearbeiteter Gürtel durchaus zu schätzen. Nach Yummy Industries und dem legendären Wildstyle-Belt von Kid73 macht sich mit Wechselwild.com jetzt ein weiteres Label auf, dem originären Hüftband per individuellem Treatment neues Leben einzuhauchen. Die hochwertigen, in Deutschland handgefertigten Lederstyles kommen dabei in verschiedenen Farben und Längen und sind mit großformatigen Schnallen versehen, die per magnetischem Wechselbild nach eigenen Vorlagen individuell bestückt werden können. Wenn du deinen Freund oder deine Freundin schon immer für alle sichtbar an die kurze harte Leine nehmen wolltest, solltest du hier schleunigst zuschlagen. Das durchnummerierte Starter-Set kostet 50 Euro. WWW.WECHSELWILD.COM

ZILLION KIMONO LACES Wie weit man die Liebe zum ausgefuchsten Detailfetischismus treiben kann, beweist der in Japan lebende Franzose David Guarino. Mit seinem Label Zillion präsentiert er in aufwendiger Handarbeit hergestellte Laces aus alten Kimonostoffen, die nicht nur traditioneller asiatischer Handwerkskunst mit den Mitteln der Pop-Moderne neues Leben einhauchen, sondern selbst den runtergerocktesten Kicks wieder etwas vom Glanz alter Tage zurückgeben. Und weil Stil immer seinen Preis hat, schlagen die in einer hochwertigen Holzbox verpackten Schuhriemen pro Paar denn auch mit 15,- Euro zu Buche. WWW.EVERYTHINGISAREMIX.COM


POINTER Mit den Styles seiner neuen „Handmade in Portugal“-Serie empfiehlt sich Pointer nicht nur einmal mehr als großer Connaisseur in Punkto Qualität und Traditionsarbeit, sondern reißt auch stilistisch die Grenzen zwischen Streetwear und High-Fashion nachhaltig ein. Die aus hochwertigem Leder gearbeiteten Boatshoe-Modelle kommen sowohl im Men- als auch Women-Shape und sind wahlweise als Low-, Mid- oder Hi-Tops beim ausgesuchten Premium-Kicksdealer deiner Wahl erhältlich. Kostenfaktor: Zwischen 130 und 150,– Euro.

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WWW.POINTERFOOTWEAR.COM

DAYMON GREULICH Daymon Greulich ist unser Mann der Stunde. Nicht nur hat es der umtriebige Australier mit seinen Artworks geschafft, das Thema Poster-Art um einige atemberaubende Facetten zu erweitern, neben den klassischen Konzertplakaten ist er seit einigen Jahren auch in Sachen Sneaker-Kunst unterwegs. Einen guten Überblick über sein Schaffen bekommt ihr auf seiner Website, auf der ihr auch Offset- und Digitaldrucke für 25 bzw. 110 Australische Dollar erwerben könnt. Mehr zu Daymon und seinen Arbeiten in der nächsten Ausgabe. WWW.DAYMONART.COM

PIKE BROTHERS Hotrodding goes Denim. Mit dem klassischen, auf alten 50er Jahre Webstühlen gearbeiteten 11 oz. Oldschool-Jeansmodell Roamer beweisen die Münchener Speed-Demons von Pike Brothers sowohl Sinn für hochqualitative Traditionsarbeit als auch ein feines Händchen für die richtigen Details. So wurde zugunsten eines authentischen 40’s Looks auf Ziernähte, Pre-Washings und ähnlichen Schnickschnack komplett verzichtet, dafür aber mit extra schweren Garnen und groben Verriegelungen den Tec-Errungenschaften der frühen post-WW2 Ära gehuldigt. Kombiniert mit den richtigen Classic-Kicks definitiv das Beste, was man derzeit in Sachen Denimstyle finden kann. Preis: 109.90 Euro. WWW.PIKEBROTHERS.COM


Outside The Box

OKAY & OKAY X CARSTEN FOCK Was passieren kann, wenn ein fashion-affiner Künstler auf ein Berliner DJane-Team trifft, dokumentiert das „Okay is not Okay“-Projekt von Nadine Schrader und Sarah Beckhoff aka Okay & Okay und Carsten Fock. Basierend auf einer Fake-Tour entwarf der Maler und langjährige Bernhard Willhelm Intimus für das discogestählte Duo ein beidseitig bedrucktes Shirt, das die ex-Scala/Berlin-Locals unter dem Motto „The Cult of Romance“ nicht nur kreuz und quer über den Erdball jagt, sondern auch äußerst vorteilhaft kleidet. Das auf 100 Stück limitierte Tee ist ab sofort für 52,- Euro bei WoodWood, Berlin, Azita, Frankfurt oder direkt über Okay & Okay erhältlich. WWW.MYSPACE.COM/OKAYANDOKAY 10

MEDICOM TOYS X TAKASHI MURAKAMI Der neueste Streich des um Querfrontentum und Lust am stilistischen Bruch nie verlegenen japanischen Designerns Takashi Murakami ist eine Zusammenarbeit mit Medicom Toys, für die er jetzt eine Vinyl-Figur entwarf. Basierend auf einem Charakter aus dem gleichnamigen Film von Regisseur Shinohara Tetsuo (u. a. auch „Karaoke Terror“) kommt „Inochi“ in insgesamt fünf auf je 200 Stück limitierten Versionen mit aufwändig gestalteter Schuluniform und abnehmbarem Rucksack. Der vorläufige Pre-Release Preis wird derzeit auf ruinöse 1.500 $ beziffert. WWW.MEDICOMTOY.CO.JP

OLEK Die Kölner Olek-Maschine rollt wieder. Parallel zum Release seiner aktuellen und hiermit noch einmal wärmstens empfohlenen 9-Track CD „Der eisige Hauch“ (www.myspace.com/schwarzmatt) hat unser heimischer Lieblings-Multiplayer jetzt endlich auch ein neues Shirtdesign an den Start gebracht. Das Printmotiv ist einem Meldezettel nachempfunden, wie er vom BGS und der Bahn benutzt wird, um Graffitis an Doppelstockwagen festzuhalten. Die in insgesamt vier Farben erhältlichen Tees sind auf je 15 Stück limitiert und kommen zwecks individueller Schadensaufnahme mit je drei farblich abgestimmten OTR 260 Paintlinern. Für 24,90 Euro wahlweise im Dedicated-Store oder über WWW.GRAFFITI-MAGAZINE.NET


Rubriktitel

SNEAKERS X AKOMPLICE SNEAKERS Kollabo Tees Pt. 2. Nachdem uns der erste Stock der SNEAKERS x LookyLooky Shirts in kürzester Zeit aus den Händen gerissen wurde, haben wir für die Nachzügler nicht nur eine limitierte second Edition drucken lassen, sondern in Zusammenarbeit mit den mächtigen Graph-Rocky Mountaineers von Akomplice auch gleich noch einen weiteren Style an den Start gebracht. Das doppelseitig bedruckte Tee ist nicht mehr und nicht weniger als 100 % A-C-E und sollte in den kommenden Wochen bei uns erhältlich sein. Einfach für das Release-Date und genauem Preis immer mal wieder bei www.sneakers-magazine vorbeischauen. WWW.AKOMPLICE-CLOTHING.COM

SHOE GOO Die Sohlen bestehen aus mehr Loch denn Rubber, aber du kannst dich dennoch nicht von deinen Lieblingskicks trennen? Was seit 1974 Generationen von Skatern geholfen hat, ihre Sneaker vor der drohenden Verschrottung zu retten, kann auch dich wieder zu einem glücklicheren Mann machen. Mit Shoe Goo, dem Flüssiggummi aus der Tube, hast Du mit ein wenig handwerklichem Geschick die Möglichkeit, dir eine wieder komplett wasserfeste und auch sonst durchgängig refunktionalisierte Sohle zu modellieren, die selbst härtesten Belastungsproben standhält. Die klebstoffähnliche Masse einfach in mehreren Schichten auftragen, je nach Schadensgröße mit dünner Gummimatte unterstützen und über Nacht aushärten lassen. Der Klassiker ist in jedem guten Skatestore für nicht mehr als 10,- Euro erhältlich. WWW.ECLECTICPRODUCTS.COM

KEDS Special dedication to the girls or women and childen first? Nachdem Vans, Nike, Converse und Co. in Sachen individueller Sneaker-Gestaltungsangeboten bereits seit geraumer Zeit steil vorlegen, bietet jetzt auch Keds die Möglichkeit, seine Lieblingskicks online zu customizen. Warum das hauseigene Keds-Studio allerdings seine Pforten lediglich für Frauen und Kinder geöffnet hat, bleibt wohl vorerst das Geheimnis des Labels. So oder so ist ein Besuch auf jeden Fall empfehlenswert. WWW.KEDS.COM

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Outside The Box

SNEAKER FREAKER X AIAIAI Auch die Kollegen von der australischen Konkurrenz werden nicht müde, Kollabostyles jenseits der puren Sole-Lehre rauszubomben. Jüngster Streich der umtriebigen Sneaker Freaker Crew ist ein limitiertes, multikompatibles Earbuds-Set, das in Zusammenarbeit mit den Kopenhagener Soundtüftlern von AIAIAI entwickelt wurde. Basierend auf den Farben der klassischen Magazin-CI kommen die hochwertig verarbeiteten grüngrau gesprenkelten Ohrstöpsel mit verschiedenen Aufsätzen in schicker Röhrenverpackung. Kostenfaktor im hauseigenen Online-Store: 60,- $. WWW.SNEAKERFREAKER.COM

MADE OF JAPAN

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BY ONITSUKA TIGER Das Warten hat am Ende. Seit Anfang September ist das bereits seit geraumer Zeit angekündigte „Made of Japan“-Magazin zum 60. Geburtstag von Onitsuka Tiger endlich in einer einmaligen Auflage von weltweit 10.000 Stück im Handel. Auf 260 Seiten arbeitet sich ein internationales Team ausgesuchter Fotografen, Journalisten und Künstler über Interviews, Features und Bildstrecken an den Bruchstellen und Schmelzpunkten der Euro-Asiatischen Kulturachse ab und zeichnet so Geschichte und Einflüsse des Labels nach. Das Heft kommt zweisprachig in Englisch und Japanisch und ist u.a. bei Colette/Paris, Selfridges/London und SPRMRKT/Amsterdam für 14,95 Euro erhältlich. Als Sahnehäubchen wird zudem das ultralimitierte Magazin/Sneaker/T-Shirt „Onitsuka Tiger 60 Year Pack“ released, von dem wir ein Set verlosen. Einfach den Namen des Onitsuka Tiger Gründers zusammen mit eurer Schuh- und T-Shirtgröße unter dem Stichwort „Gewinnen oder verlieren“ an contact@sneakers-magazine.com schicken. WWW.ONITSUKATIGER.COM

BOXFRESH Wer befürchtete, die Briten von Boxfresh würden in der kalten Jahreszeit mit allzu dünnen Sohlen patzen, sieht sich mit Blick auf die ab sofort erhältlichen Fall/Winter-Styles schnell eines Besseren belehrt. Neben einer klettverstärkten Hi-Top Variante des „Sparko“ stehen eine ganze Palette Casual-beseelter soon-to-become-Classics Modelle auf dem Programm deren Optiken von schlichten Sneaker vs. Boot Transformationen bis hin zu ultraleichten quasi-Wanderstiefeln reichen. Die Preise liegen je nach Modell zwischen 100,- und,- 150 Euro. Ebenfalls neu ist die Frauenlinie, die allerdings erst ab kommenden März in die Läden kommt. Watch out! WWW.BOXFRESH.CO.UK


Outside The Box

COLLABO OF THE ISSUE Freshjive X Etnies Plus

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Fashion goes sneaker, daher ist es nur logisch, dass immer mehr Klamottenfirmen mit Schuhmarken zusammenarbeiten – wie auch in diesem Fall. Freshjive gehört ganz ohne Frage zu den Gründungsvätern dessen, was wir heute als Streetwear kennen. 1989 von Rick Klotz als textiler Arm seines Flyer-Art Imperiums in Los Angeles gegründet, durchlief das für seine charakterfeste Querdenkerhaltung berühmt-berüchtigte Label die komplette Schule des D.I.Y. und war bis in die späten neunziger Jahre aus keinem Elektroclub, keinem Punkrockschuppen und von keiner SkateSession wegzudenken. Nachdem es eine ganze Weile recht still um die Kalifornier geworden war, sind sie seit einigen Saisons wieder gut im Rennen und haben jetzt – vielleicht als letzter Akt vor dem für 2010 angekündigte Freshjive De-Branding – in Zusammenarbeit mit Etnies einen limitierten Chukka-Boot an den Start gebracht. Ein dazugehöriges Interview mit Rick Klotz findet ihr auf www.sneakers-magazine.com.


ONITSUKA TIGER feiert dieses Jahr seinen 60. Geburtstag: Für eine japanische Marke ein symbolträchtiges Ereignis von hohem kulturellem Stellenwert, da im Verständnis der Japaner damit der erste Lebenszyklus endet. Diese Ansicht beruht auf dem Zodiac-Kalender mit seinen 12 Tierkreiszeichen und den 5 Elementen, die einen 60-Jahre-Zyklus ergeben. Grund genug, dem Zodiac-Thema sowohl in der Sneaker- und Textilkollektion als auch in einer 1 m großen Schuhskulptur, dem ZodiacRaceschuh, besondere Beachtung zu schenken. Auf der außergewöhnlichen, Japan nachempfundenen „Schuhinsel“ erwacht das legendäre Rennen der Tiere um die Aufnahme in den Zodiac-Kalender wieder zum Leben. Mehr Infos und den wunderbaren Film zum Rennen findest du unter onitsukatiger.com.


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BREAD & BUTTER

THE BERLIN FILES REVISITED Nach mehrjährigem freiwilligen Exil in Barcelona fand die Bread & Butter Tradeshow Anfang Juli endlich wieder in Berlin statt und nahm die Hauptstadt wie erwartet im Sturm. Vor der Kulisse des historischen Flughafens Berlin-Tempelhof präsentierten mehr als 567 Aussteller aus so ziemlich jedem modischen Segment – darunter fast alle großen sowie einige ausgesuchte Independent-Sneakerplayer – drei Tage lang ihre aktuellen Kollektionen. Neben dem regulären Stylecheck besonders interessant war der Flea-Market auf dem ehemaligen Rollfeld, in dessen Rahmen einige der international führenden Streetwear- und Kicks-Stores (u.a. Azita/Frankfurt, Overkill/Berlin, LimitEDitions/Barcelona, Reed Space/New York) nicht nur limited Editions sowie Items aus dem persönlichen Fundus für den guten Zweck verkauften, sondern auch das auf je 100 Pieces pro Colorway limitierte und mittlerweile längst vergriffene Asics GT II x Bread & Butter „Salmon & Butter“ Package anboten. Bis zur nächsten Bread & Butter, die zwischen dem 20. und 22. Januar über die Bühne geht, hier noch einige Moodpics. www.breadandbutter.com


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Editors’ Choice

Footwear awarded by »The Upper Soleciety«

ELEMENT OMA HI by Mike Kershnar

CALIFORNIAN FORMLINES

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Der vom US-amerikanischen Künstler, „Elemental Awareness“-Aktivisten und Element Advocate Mike Kershnar gestaltete Oma Hi ist ein Schuh mit vielen Geheimnissen. In Form- und Farbsprache auf den ersten Blick durchaus offensiv und extrovertiert, offenbart erst eine intensivere Auseinandersetzung mit den mannigfaltigen Detailarbeiten den bodenständigen, naturverbundenen Charakter des Kicks. Und genau hier, in den feinen, von der Kunst der Indianer und Aborigines inspirierten stilistischen Brüchen, liegt seine wahre Schönheit, die sich so wohltuend von den stringent geplanten, glatten Oberflächen der Sneakermoderne abhebt.


BRITISH KNIGHTS ORIGINALS

SINCE 1983


PUMP

UP, AIR 20

OUT Der aufblasbare Sneaker wird 20 – zum Geburtstag begeben wir uns zusammen mit Paul Litchfield, dem Erfinder des KultSystems, auf historische Spurensuche

Text: Andreas Grüter


Kickhead

R

eebok Pump ist einzigartig. Nicht weil es rein technisch kaum ein vergleichbares System gibt. Auch nicht wegen des nach zwei Dekaden immer noch unveränderten Anfass- und Ausprobierdrangs jedes Betrachters. Und auch nicht weil der Luftkammer-Clou schon lange ein Kultobjekt ist. Einzigartig ist vor allem die Kombination aus all diesen Facetten. Denn kein anderes System aus dem Performance-Bereich hat ohne jede Adaption die Lifestyle-Sphären so gut erobert wie der Pump.

Hallo Paul. Ihr habt ja ziemlich viel zu tun hier am Stand. Genießt du den Trubel, oder ist die Messe eher stressig für dich? Haha, es gibt für eine Company sicherlich weitaus Schlimmeres als einen gut besuchten Stand. Was mich persönlich angeht, so genieße ich es durchaus, auch einmal im Rampenlicht zu stehen. Normalerweise beschäftige ich mich ja als Vice-President Reebok Advanced Concepts eher mit der Lösung nüchterner Technikfragen. Da ist so ein Messebesuch eine willkommene Abwechslung.

The Pump ist gerade 20 Jahre Pump mit anderen Technoalt geworden, also mittlerweile logien wie Nike Air oder dem Teenageralter entwachsen. adidas Torsion zu vergleichen, Kannst du dich als stolzer Vater funktioniert nicht. Es ist noch an die Geburt erinnern? wie mit den berühmten Na klar, die war ja auch Äpfeln und Birnen, wobei die alles andere als einfach. Die Äpfel im Fall Reebok nicht achtziger Jahre waren für die vom Baum fallen, sondern Sportschuhindustrie wirkmit einem eingebauten lich ein Jahrzehnt des AufFallschirm dahingleiten würbruchs. Fast alle Brands den. Denn Reebok präforschten wie verrückt an sentierte 1989 gleich zwei neuen Funktionalfeatures Technologien. Der Aufpumpund übertrafen sich dabei Mechanismus war schließmit Erfindungen – teils weglich nur für den Halt im weisend und teils völlig Schuh zuständig, Dämpfung absurd – aber die Geschichte war eine Angelegenheit für war halt noch nicht gedas ebenfalls neue Hexaliteschrieben, deshalb war das System – und nur das Rennen um die wirklich würde man eigentlich mit nachhaltigen Techniken auch Air und Torsion vergleinoch völlig offen. Nike hatte ja chen. Den Claim der Einbereits 1979 sein Air-System „Ja, es stimmt tatsächlich, ich hatte diese Idee führungskampagne, „Pump auf den Markt gebracht, adidas Up, Air Out“, konnte man mit den Luftkammern an einem Wochenende im arbeitete mit Nachdruck am in seiner Zweideutigkeit April 1988 und eine Woche später stand der erste Torsion-Launch, es gab verkaum missverstehen. Und Prototyp.“ schiedenste Strap- und auch wenn das Air-System Sohlenansätze und das alles Paul Litchfield natürlich nicht vom Markt war für uns natürlich ein gefegt wurde, avancierte immenser Ansporn, etwas Pump nach einer kurzen wirklich Revolutionäres an den Start zu bringen, etwas, das Gewöhnungsphase schnell zum Kult. Das Übertragen Reebok auch als Label völlig neu definieren sollte. des Performance-Gedankens auf die Straße war damals völlig neu. Einen Michael Chang Schuh abends in den Was euch ja letztlich auch gelungen ist. Die Legende besagt, dass Club anzuziehen, ist als würde man mit professionellen die Zeit von der Idee bis hin zum ersten Prototypen nur wenige Wochen betrug. Fußballschuhen einkaufen gehen. Die Performance des Pump beim Feiern ist übrigens ebenfalls on point. Das 20-jährige Jubiläum startet am 20. November und dann geht es mit jeder Menge Parties, special Make-Ups, Releases und Veranstaltungen so richtig rund. Um dem Phänomen Pump schon vorher Tribut zu zollen, haben wir auf der Bread & Butter die Gelegenheit genutzt und Paul Litchfield am sehr gut besuchten Reebok-Stand ein paar Fragen gestellt.

Die Idee bestand eigentlich darin, für ein Basketball Pro-Modell ein ebenso simples wie effektives System zu entwickeln, das sich den individuellen Bedürfnissen seines Trägers genau anpasst. Wir haben Anfangs vor allem mit Straps experimentiert, waren aber mit den Resultaten nicht sonderlich zufrieden. Irgendwann sind wir auf der Suche nach neuen Inspirationen über Luftpolster-Produkte aus der Medizinindustrie gestolpert und die haben uns wirklich die

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Kickhead

Augen geöffnet. Luft kann im Schuh sehr fest und schützend wirken und zugleich den Tragekomfort immens erhöhen. Aber um auf deine Frage zurückzukommen: Ja, es stimmt tatsächlich, ich hatte diese Idee mit den Luftkammern an einem Wochenende im April 1988 und eine Woche später stand der erste Prototyp. Die Schuhe sind dann schließlich 1989 erstmals auf der Münchener ISPO vorgestellt worden. Wie waren denn die Reaktionen?

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Sehr unterschiedlich. Viele Leute haben uns ausgelacht und für völlig verrückt erklärt. Aber gleichzeitig sah man sie dann an unserem Stand verstohlen an der Pumptechnik herumspielen. Diejenigen, die den Schuh anprobierten, waren sofort begeistert und dennoch reichte es in der ersten Saison gerade einmal für den Verkauf von knapp 10.000 Schuhen weltweit – und das ist in unserem Business und vor allem gemessen am Aufwand im Vorfeld nicht gerade viel. Wir hatten uns wesentlich mehr erhofft, zumal die Optik von den Gestaltern der Bostoner Designschmiede Design Continuum noch einmal komplett zeitgemäß überarbeitet wurde. Erst als Basketballer wie Dennis ‚DJ’ Johnson, Dominique Wilkins und Dee Brown total auf den Schuh abgingen und den Pump bei Spielen und in Interviews unglaublich pushten, wussten wir, dass da noch was Großes folgen würde. Als Foot Locker schließlich damit begann, die Styles in ihr Programm aufzunehmen, explodierten die Verkaufszahlen. Wie würdest du denn das Pumpsystem aus heutiger Sicht bewerten. Immer noch state of the art oder legendär, aber technisch längst outdated? Definitiv immer noch state of the art. Wir haben ja nie aufgehört, zu forschen und zu entwickeln. Die aktuellen Modelle sind technisch verdammt weit von unseren ersten Entwürfen entfernt. Es geht uns eben nicht darum, eine Legende zu sein, die sich irgendwann selbstverliebt in ihrem Status verliert, sondern darum, mit neuen und verbesserten Features stets eine nachhaltige Relevanz zu gewährleisten. Wir können in Sachen Pump also auch in Zukunft noch eine Menge erwarten? Definitiv, wobei wir wirklich harte Perfektionisten sind. Solange ein Produkt nicht absolut rund und ausgereift ist, wird es nicht auf den Markt gebracht. Wir wollen keine Versprechen machen, die wir später nicht halten können.

Mehr als nur Marketing-Gag: das Pump-System von innen


Interview: Jeroen Smeets

CROOKED TONGUES DER WEG ZUM FOOTHILLS PROJEKT

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W

ir schreiben es nicht zum ersten Mal, aber es stimmt: Kollaborationen haben ihren Reiz verloren, spätestens seit Firmen sie bewusst als MarketingTool einsetzen. Hier und da gibt es aber eine Ausnahme. Meistens dann, wenn sich jemand traut, neue Wege zu gehen. Ein solcher Weg, eher ein Trampelpfad eigentlich, ist das Foothills Projekt – und dass die führende Sneaker-Website Crooked Tongues darin involviert ist, dürfte wohl niemanden verwundern. Vor zehn Jahren haben Crooked Tongues (CT) aus dem Nichts die angesagteste und erfolgreichste Website im Bereich Sneaker an den Start gebracht: crookedtongues.com. Pünktlich zum Jubiläum haben wir uns mit den Machern Gary Warnett und Charlie Morgan zusammengesetzt, um über die Geschichte von CT, die Sneakerszene und das Foothills Projekt zu sprechen. Aber immer mit der Ruhe, fangen wir erst mal mit den Basics an.

der alles um Skateboarding und Graffiti ging. Mir ging es da nicht unbedingt nur um den physischen Akt, sondern die ganze Welt drumherum, also Mode, Design, Fotografie und Film. In der Ära vor dem Internet waren diese Subkulturen nicht so greifbar wie heute, man kam nur durch genaues Beobachten an sie heran, oder vielleicht noch über kleinste Schnippsel

Habt ihr irgendwelche komischen Gelegenheitsjobs gemacht, bevor ihr bei CT gelandet seid? G: Hmmmm, zu viele, um sie hier aufzuzählen. Qualitätskontrollen für Red Stripe Beer und Preise verhandeln – für Reinigungsarbeiten nach Selbstmorden auf Bahngleisen. Letzteres könnte man durchaus als “odd job” bezeichnen. Außerdem habe ich im Lager bei Champion Sports gearbeitet und Regale gepackt. Alles in allem also eine super Vorbereitung für diese Industrie.

C: Bei mir ging es nicht ganz so pointiert zu wie bei Gary. Unterrichten war für mich eine komische Sache. Kids etwas beizubringen, die kaum jünger waren als ich, all das an einem ziemlich reichen Ort mit Sprößlingen reicher und berühmter Eltern. Außerdem habe ich mal ein paar Wochen in einem TK Maxx gearbeitet, nur um herauszufinden, wie deren Vertrieb funktioniert. Damals konntest du alles bei denen finden, Haze Dunks “Der verrückteste Ort, an dem ich je gearbeitet und und und. Aber das war habe? Crooked Tongues. Rockstar-Status in ziemlich öde und ich packte Cary und Charly, was gibt zwei Wochen lang nur ReJapan, Millionärs-Yachten, Bordelle in Moskau, es über euren Background zu gale voll. Ehrlich gesagt ist Thai BBQs und natürlich Schuhe designen.“ sagen? CT der verrückteste Ort, an G: Der größte Teil meines Gary Warnett dem ich je gearbeitet habe. Lebens bestand eigentlich Rockstar-Status in Japan, darin, mich in Filme und Millionärs-Yachten, Bordelle Hip-Hop reinzusteigern. in Moskau, Thai BBQs und Dann habe ich noch Kommunikatiin den Mainstream-Medien. Das alles natürlich Schuhe designen. onswissenschaften studiert, was mich hat in mir irgendwie eine Leidenschaft Was hat euch damals überhaupt angeaber nicht gerade weitergebracht für dieses ganze DIY-Ding geweckt. trieben, Crooked Tongues zu starten? hat. An der Uni entschied ich dann, Ich ging dann auf eine weiterführenMusik-Journalist zu werden. Gut de Schule mit starkem Medienfokus, G: Eigentlich war es ein Ableger vom war ich nicht, aber landete trotzdem wo ich zum Glück ziemlich früh an Spine Magazin. Ich arbeitete damals irgendwann bei Spine, heute die Videokameras und das Internet kam. nicht vollzeit dort, sondern steuerte Schwester-Website von CT. Man sollte Ich lernte dort ein paar Basics in Sanur hier und da schlechte Reviews bei. vielleicht dazu sagen, dass Musikjourchen HTML und mogelte mich damit Das war im Jahr 2000. Das ganze OG nalisten eigentlich frustrierte Musiker durchs Studium – als „Spezialist“ in Spine Team war total süchtig nach sind – und Sneakerjournalisten sind Sachen “neue Medien”. Was ich eiSneakern und wir hatten Features frustrierte Musikjournalisten. So ende- gentlich machen wollte, waren Filme. über Kukunis und Air Max Plus auf te ich schließlich bei CT. Aber die kollaborativen Aspekte, die der Seite. Das und der Zugang zu damit einhergingen, waren in meinen einer Tonne von Vintage-LagerbestänC: Hmmm, eine vergeudete Jugend, in Augen immer nervig. den führte schließlich zur Idee, eine

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Was ist das Einzigartige an CT – heute wie früher? G: Im Jahr 2000? Englischsprachige News, Features und Artikel, und natürlich ein Online-Store für Großbritannien. Die großen Marken beobachteten uns gespannt, weil sie nicht sicher waren, wie man dieser wachsenden Herde von “Sneakerheads” etwas verkaufen konnte (Ich mag das Wort „Sneakerhead“ übrigens überhaupt nicht) und machten sich Notizen. Und wo wir schon bei Konzernen sind, damals war alles noch sehr unschuldig – bevor die ganze Industrie explodierte. Es gibt natürlich auch Blogs dort draußen, wie Hypebeast oder Highsnobiety, die sich recht intensiv mit Sneakern auseinandersetzen. Wenn man erster sein will, kann man nur verlieren. Daher versuchen wir, diese Dinge in einen kulturellen Kontext zu stellen, Geschichten zu erzählen und wenn nötig auch Kritik zu äußern. Davon gibt es leider nicht genug dort draußen. Und ohne Kritik driften die Dinge oft ins Mittelmaß ab. Der Laden ist mittlerweile auch gewachsen, mit einem größeren Lager, richtigen Konten und so weiter. Mit dem Store wollen wir richtig durchstarten.

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Seite nur über Sneaker zu machen. Man muss sich auch vor Augen halten, dass englischsprachige Seiten zu der Zeit noch eine Seltenheit waren. C: Hinter CT steckt die große englische Schulhoftradition, noch besser sein zu wollen als alle anderen. Ihr seid in euerer Zeit bei CT sicher über ein paar ganz schön wertvolle Sneaker gestolpert, oder? G: Ich muss wirklich sagen, dass ich keinerlei Interesse an finanziellen Werten habe, wenn es um Schuhe geht. Mir geht es um sentimentale oder ganz offensichtliche Dinge, wie zum Beispiel wenn 576er und Clydes mit meinem Namen darauf gemacht werden. Abgesehen davon irgendwelche

Goateks, die ich zu Uni-Zeiten wollte, aber mir nie leisten konnte. Ich traue mich immer noch nicht, die zu tragen, auch wenn sie nicht viel wert sind. Und dann natürlich alle möglichen Blazers und Half Cabs, die ich schmerzhaft eingelaufen habe, damit sie passen. Oh, und natürlich alle SMU‘s, in die ich involviert war. C: Wertvoll in meinen Augen? Alles, was ich nicht haben konnte, als ich jünger war und mir aus dem Grund später holte. Oder wie Gary sagt, die Schuhe, in deren Entstehung man selbst involviert war. Hinsichtlich Wiederverkaufswert natürlich die Hyperstrikes und wirklich limitierten Modelle, die ich über die Jahre den Marken irgendwie abgaunern konnte.

C: Damals sah CT gut aus, man konnte Sachen lesen, die man nicht wusste und es war professionell insofern, als dass es regelmäßig von einer Redaktion upgedated wurde. Jetzt sind wir vielleicht einfach noch ein bisschen professioneller. Ein ziemlich umfangreicher Store, ein super Forum und gute Fotos. CT ist sehr informationslastig, ob es um Produkte, Backgrounds oder Kultur geht. Woher bekommt ihr eure Informationen? G: Wir sind Informationsjunkies und machen unsere Hausaufgaben. Und wir sind recht stolz darauf, kaum Pressemitteilungen zu benutzen, abgesehen für Zahlen, Drop Dates und das ganze langweilige Zeug. Alles in allem wissen wir ein paar Dinge über Schuhe, über all die verwandten Kulturen und so weiter. Man muss auch bedenken, dass es nur eine sehr kleine Redaktion gibt, eigentlich nur mich, Charlie,


Niranjela und Russ, der Mann, der CT ursprünglich an den Start gebracht hat. C: Die vergeudete Jugend erweist sich hier und da als recht nützlich. Wie wählt ihr eure Themen aus? G: Wir stehen mit den Marken in Verbindung. Ab und an haben wir ein Auge zugedrückt und Schrott gefeatured, weil wir ihnen einen Gefallen tun wollten – aber das haben wir bereut. Auf der anderen Seite kann ich immerhin behaupten, bei Marken im Büro Schuhe abgeholt zu haben, mit der expliziten Ankündigung, sie komplett zu verreißen – und niemand hat sich beschwert. Ab und zu suchen wir uns auch was komisches raus, nur um Diskussionen im Forum oder auf Twitter anzustacheln. Wir kriegen keine Schmiergelder oder so, daher können wir ruhig kritisch sein. Aber ich schreibe lieber über etwas, woran ich glaube. C: Persönliche Beziehungen. Ein Teil eures Zehnjährigen Jubiläums ist eine Reihe von Kollabos. Unter anderem das és Foothills Projekt. Wie ist das entstanden? G: Das ganze Foothills Projekt ist Anfang 2007 entstanden, weil wir gelangweilt waren, dauernd nur Makeups von bestehenden Schuhen zu machen. Wir wollten ein komplett neues Upper designen. Tom Henshaw von Soletech in Großbritannien ist ein guter Freund und Seelenverwandter. Er wollte was machen und hat bei uns és Fans offene Türen eingerannt. Als és 1995 an den Start ging, war das Teil dieser zweiten Welle experimenteller Designs auf dem Markt. Vor allem der Koston und Barbier waren der Hammer. Wir waren einfach die Standardfarben zu dem Zeitpunkt satt und sprachen darüber, wie cool es wäre, einen Schuh von Grund auf neu zu designen und sich völlig auszutoben. Und Tom lachte uns nicht mal aus, sondern war offen für die Idee.

Das Design sieht anders aus als alles, was es momentan dort draußen gibt. Wie kam es dazu? G: Wir saßen mit zwei Freunden zusammen, Ajoy und Greg, beides großartige Schuhdesigner. Was wir zeichnen können, ist ja begrenzt und die beiden wissen alles über Ergonomie, Passform und so weiter. Wir hatten einen Stapel von geilen Schuhen auf dem Tisch liegen, von untergegangenen Zoom Runners bis hin zum damals neuen és Scale. Wir wussten, was wir wollten – eine „Technologie”, die sich am Ende zum „wraparound tongue fit“ entwickelte. Passt zu unserem Namen! Und wie gesagt, CT basiert irgendwie darauf, über verrückte „love/hate“ AlphaProjekt-Modelle wie den Kukini zu berichten, also wollten wir in die

konnte. Dann haben wir uns mit den Sales-Typen unterhalten, mit Leuten aus dem Vertrieb, waren mit der Crew essen und alle waren total begeistert, neue Wege zu beschreiten. Der einzige Kompromiss war, dass wir keine völlig neue Sohle designten, sondern eine speziell abgeänderte und noch nicht releaste Midsole nahmen. Am Ende waren da so viele Leute involviert – Ajoy, Greg, Rick, Tom, Matt, Pierre natürlich – der „man in charge“ – Don, Brenda, Brian, Steven, Russ und Seb. Was dürfen wir von eurem 10-jährigen Jubiläum noch alles erwarten? G: Gute Frage. Eine Menge. Schuhe, Parties und Apparel. Wir bringen gerade ein paar schöne Projekte für 2010 ins Rollen. Grüße an das Sole Technology Team und danke für diese fantastische Chance!

„Das Foothills Projekt ist Anfang 2007 entstanden, weil wir es langweilig fanden, dauernd nur Makeups von bestehenden Schuhen zu machen. Wir wollten ein komplett neues Upper designen.“

Richtung gehen. In dieser Phase hatte és auch ein paar Basketball-inspirierte Schuhe draußen. Eher in die verrückte Richtung zu gehen, war also durchaus sinnvoll. Rick Marmolijo, übrigens ein unglaublicher Designer, hatte das sofort raus. C: Das war alles nur ein Unfall und wir wollten, dass es aussieht wie der ganze andere Shit. Wie lange hat der komplette Prozess bis zum fertigen Schuh gedauert? G: Über zwei Jahre insgesamt. Alles fing mit E-Mails an, dann ging es ins Sole Tech Headquarter in Kalifornien, gegen Ende 2007, um alles zu präsentieren. Die Jungs waren ziemlich offen und enthusiastisch, was das Projekt anging. Wir haben uns das STI-Lab angeschaut, verschiedene KonzeptModelle unter die Lupe genommen, um zu sehen, wie weit man gehen

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SUPREMEBEING

DAMIAN

QUINN SPRICHT Protokoll: Pascal Prehn, Fotos: Dominic Marley


Label Portrait

W

enn klassisches Schuhhandwerk auf Sneakerkultur trifft, entsteht Spannung – vor allem wenn „limitiert“ sich auf 150 handgemachte Schuhe pro Style bezieht. Wir haben dem Streetwear- und Sneakerlabel einen Besuch in Cambridge abgestattet und Footwear Director Damian Quinn nach seiner Philosophie gefragt.

verdienen (sorry, ich kann euch leider nicht sagen womit), verdiente 30.000 Pfund und zog nach Barcelona, um handgemachte Sneaker zu machen – für alle die, die mich danach fragten. Das tat ich dann in meinem Schlafzimmer für ein Jahr. Meine Kunden waren alle möglichen Leute, die ich am Wochenende traf. Ich machte ungefähr 50 Stück, etwa ein Paar pro Woche und bekam dafür was auch immer die Leute mir zahlen wollten. Manchmal ein paar Jeans, manchmal einfach nur eine gute Party. Dann heiratete ich meine wunderschöne aber total durchgeknallte Frau, bekam meine Tochter Cian und musste einen richtigen Job finden. Ich fand eine kleine Fabrik in Barcelona, die schon 60 Jahre lang Sneaker per Hand machte, mit nur fünf Mitarbeitern auf engstem Raum (checkt mal www.mates.es).

Supremebeing wurde 1999 gegründet und ist mittlerweile mehr als ein Geheimtipp. Besonders sind nicht nur die Produkte, sondern der besondere Spirit, der bei dem ganzen Projekt mitschwingt. Es geht um Menschen, die ihre Kunst lieben, ihre Musik und natürlich auch ihre Freunde. Es ist eine Familie von Freunden, darunter Designer, Maler, Illustratoren oder Musiker – Denker und Macher, die Inspirationen suchen und inspirierende Dinge tun. Die Range von Supremebeing ist noch sehr limitiert, denn man bekommt das Label noch nicht überall. Overexposure ist auch nicht im Sinne der Macher, denn sie sehen alles gelassen – magst du die Sachen, sind sie für dich gemacht. Wenn nicht, dann eben nicht. Noch „Es ist kein Zufall, dass 80 % aller großen Sneamehr über die Philosophie ker nur Wiederholungen von Silhouetten aus von Supremebeing haben wir in einem einzigartigen der Zeit vor den 90er Jahren sind. Es liegt daran, Gespräch mit dem Footdass diese Schuhe von Schuhmachern mit Liebe wear Designer der Marke und Sachverstand gemacht wurden und nicht erfahren. Für SNEAKERS von Produktdesignern mit einem Briefing vom erzählt er aus seinem Leben – Damian Quinn in Marketing- Executive.“ seinen eigenen Worten. Die Anfänge – „tausche Sneaker gegen Jeans“ Ich habe in Leeds Geschichte und Jura studiert, aber eigentlich nur Party gemacht und auf Kosten des Staats Schuhe gekauft. Irgendwann habe ich mich dann entschlossen, das zu tun, was ich liebe – Schuhe machen. Ich wollte das Handwerk lernen und selbst Schuhe herstellen. Dann bin ich zurück nach London gezogen, habe mich bei Cordwainers in Hackney beworben – ein Schuhdesign und Produktions-College. Ich war ein Jahr lang dort und lernte, Schuhe von Grund auf selbst zu machen. Nach einem Jahr hatte ich dann einen Gehirntumor, der mich natürlich im Schuhe machen „leicht“ bremste und aus der Bahn warf. Nach neun Monaten wurde er dann entfernt, dann verbrachte ich noch weitere neun Monate damit, Geld zu

Ich verbrachte eineinhalb Jahre damit, zu schneiden, zu nähen, Stoffmuster auszuwählen und so weiter. Ich war ganz normaler Angestellter bei dieser Firma. Dann kam ich zurück nach Cambridge, traf einen befreundeten Sneakerhead, der eine Streetwear-Firma kannte – Supremebeing. Ich traf den Geschäftsführer, zeigte ihm ein paar handgemachte Sneaks und er fragte mich, ob ich nicht Schuhe für das Label machen könnte. Die erste Kollektion machte ich komplett per Hand in Barcelona und zeigte sie auf der B&B 2006 – so fing das an.

„Bringt die alte Schule zurück“ Meine Einflüsse liegen vor allem in der Vergangenheit. Das sind die Sachen, die ich in meiner Jugend liebte – also Nike, adidas, Puma, Reebok, Onitsuka, Cons oder Vans zum Beispiel. Ich meine, zu wissen, warum diese Marken so erfolgreich waren. Von 1890 bis 1980 waren dort einfach leidenschaftliche Schuster am Werk. Das waren Leute, die vom Sport inspiriert waren und nach praktischen Lösungen für die spezielle Beanspruchung suchten, denen Athleten bei ihrem Sport ausgesetzt waren. Bill Bowerman, Adi Dassler, Rudi Dassler, Paul van Doren, Joseph William Foster, Kihachiro Onitsuka oder Marquis M Converse waren solche Pioniere. Seither ist das Schuhmacher-Handwerk in den Händen der Marketing-Typen.

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Label Portrait

Es ist kein Zufall, dass 80 % aller großen Sneaker nur Wiederholungen von Silhouetten aus der Zeit vor den 90er Jahren sind. Es liegt daran, dass diese Schuhe von Schuhmachern mit Liebe und Sachverstand gemacht wurden und nicht von Produktdesignern mit einem Briefing vom Marketing- Executive. Ich will den Designern der großen Firmen überhaupt nichts streitig machen, aber es ging früher einfach nur um den Schuh und den Kunden. Bringt die alte Schule zurück! Die Running- und B-BallShapes der 70er und 80er Jahre stechen die neuen Schuhe komplett aus. Das ist nur meine bescheidene Meinung, sonst nichts. Was Schuhe angeht, ist es immer hart, einen Sneakerträger aus seinen Sneakern zu bekommen. Aus dem Grund versuche ich das eigentlich konstant. Ich mache Highheels für meine Frau, wenn ich Zeit dafür habe. Irgendwann mache ich eine Kollektion daraus, bis dahin ist es wahrscheinlich nur eine Ablenkung. 30

Faktor Qualität – über die Tugend Geduld Aber es ist nicht so, dass mich Sneaker langweilen. Im Gegenteil! Ich liebe Sneaker, das ist meine Leidenschaft! Ich trage sie seit 20 Jahren, ausschließlich. Aus genau dem Grund wollte ich schauen, ob ich einen Schuh designen könnte, den meine anderen Sneakerhead-Freunde beim Feiern tragen würden. Das ist viel mehr eine Herausforderung als auszuprobieren, ob man noch so einen Hightop mit Cupsole an einen Fan von Hightops mit Cupsole verkaufen kann. Unser Freund Inja (www. injamusic.com) ist ein Toaster und MC in China, er macht Hip-Hop. Ich habe ihn noch nie in was anderem als Sneaks gesehen – und er rockt meine Schuhe. Das ist schon mal ein Anfang. Ich mache Schuhe, an die ich selbst glaube und von denen ich denke, dass meine Freunde sie anziehen würden. Wenn du auch so denkst, cool. Wenn nicht, kein Problem. Qualität ist ein großer Faktor. Wenn es nicht jedes Jahr immer besser werden würde, dann müsste ich glaube ich aufgeben und Priester werden oder so. Ich habe das Handwerk von vielen dieser Leute in den Firmen gelernt. Es ist wirklich eine Kunst. Handgemachte traditionelle Schuhe erfordern unglaublich viel Können. Das ist sehr zeitintensiv und man muss sehr genau arbeiten,

damit alles passt. Das ist ja auch der Grund, warum sie 2000 Pfund oder mehr dafür verlangen. Geduld ist nicht unbedingt meine Tugend, und die Vielzahl von Prozessen dabei fordert mich immer wieder von Neuem. Das Prinzip Intuition Ich designe Schuhe immer nach meiner Intuition. Ich mache, was mir gerade in den Sinn kommt. Ich habe irgendwann herausgefunden, dass zu viel Nachdenken über das, was der Rest der Welt tut, einem schadet. Es beeinflusst die Arbeit negativ und nimmt dir einen Teil der Urheberschaft weg. Designe einfach was du liebst und selbst tragen würdest, glaube daran und verändere ständig alles. Es ist wie Vater sein. Wir sind dazu geboren, unsere Kinder nach unserer Intuition großzuziehen. Meinst du wirklich, man kann ein besserer Vater sein, wenn man alle Bücher auf dieser Welt auswendig kann? Es ist eine konstante Evolution – natürlich und ohne soziale Hindernisse. Die Ruhe nach dem Erschaffen Fehler sind auch kein Problem. Fehler sind der Weg zum Erfolg, also sind sie an sich schon wertvoll. Klar, billige Philosophie, meint meine Frau, aber immerhin. Es gibt ein paar Styles, die mich nachts anspringen ... Irgendwie als ob du mit der gut aussehenden Mutter deiner Freundin im Bett erwischt wirst. War vielleicht anfangs eine gute Idee, aber irgendwie doch nicht so recht. Das mit den Schuhen muss auf jeden Fall passen – es ist die Voraussetzung, bevor ich mich auf irgendwas anderes voll konzentrieren kann. Dinge zu erschaffen beruhigt mich – also je mehr ich erschaffe, desto ruhiger werde ich und desto weniger stresst mich meine Frau. Die Zukunft sieht auf jeden Fall super aus – auch mit Supremebeing. Wir haben gerade das Go bekommen, in einer tollen Fabrik in Thailand herzustellen. Die haben den Original Reebok Klassik und Princess (UK Heritage) gemacht. Dort einen Runner und Basketball-Sneaks zu machen ist eine große Sache für uns und wir haben acht Jahre gebraucht, um überhaupt dort produzieren zu können – wegen Minimalmengen und Kapital. Das ist der Hammer und wir freuen uns. – Damien Quinn


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Sneak Boutique

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Boxfresh Fold JN Trim eS Foothills x Crooked Tongues

Lacoste Storm

Pantofola d´Oro Pesaro II Low Polo


adidas „ObyO“ Kazuki 7Hole

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KICKS ON THE ROCKS Fotos: Robert Eikelpoth & Michael Breyer

One True Saxon Tatting


Sneak Boutique asics gel lyte III

DC W´S Manteca 2 MID SE

Etnies Perry Mid B4BC

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Gravis Tasha

DC Spruce HI DC W`S Rebound HI

asics gel lyte III


Onitsuka Tiger Saiko Runner

adidas Forum Mid Def Jam Ghostface Killah Onitsuka Tiger X-Caliber

Clae Diego

Reebok Ex-O-Fit Hi Strap

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Vans AVIII PRO-Keds Royal HI


Converse CHUCK TAYLOR HI X PATTA X LE LE

Converse PRO LEATHER 76 HI X PATTA X LE LE

Sneak Boutique

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HUB Footwear Kingston

37 Reebok BB4600 HI

Clae Thompson

Creative Recreation Cesario

Y3 Blue Hayworth mid II

Pantofola d’Oro Tamarro Mid Piceno


asics geyl lyte III

asics gel lyte III

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adidas „ObyO“ ZX8000 DB

New Balance CM1500 WB


Reebok ERS 2000 „Solebox“

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Reebok Phase II

Reebok Phase II

Saucony Jazz O


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Keds Classic Champion

Keep The Homer


Sneak Boutique

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Keds Classic Champion

Keep The Nuss


Converse Fast Break 2 HI Gourmet „Il Cinque“

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Forfex Sex Studs Hi Cut Clae Russel


Sneak Boutique Reebok EX-O-Fit HI „Basquiat Edition“

StampD LA Salt ‚n‘ Peppa

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Puma „Guillermo Vilas“


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Puma Suede „The Big One“


Sneak Boutique Fred Perry x Raf Simons

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Lanvin Boat


Sneak Boutique Puma Guillermo Vilas

Clae Russel

46 PF Flyers Bob Cousy Hi

KSwiss Tennis Classic

Reebok Freestyle HI Wonderwoman

Converse Jack Purcell

Supremebeing HI2/3


Pantofola d´Oro 1886 De Martino Media

adidas „80S WHIZ Limited“

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Lakai Select Belmont

Gourmet Nove Hunter

Supremebeing HI 2/1

Supra Vaider


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adidas Consortium Series rod laver vintage


Sneak Boutique

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Onitsuka Tiger Himalayan Tiger


Lanvin Dockshoes

Dunlop Superstar 100

Etnies Edwards

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Dipper NSW Pointer Hopkins

Pointer Benson


Sneak Boutique

Creative Recreation Select Dicoco

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HUB Footwear Kingston

Creative Recreation Select Ponti

Onitsuka Tiger Tsunahiki


Lanvin Tennis Velcro

Onitsuka Tiger Tsunahiki

Fred Perry

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Lacoste TY Xuan

New Balance M670 PRO-Keds Royal Flash


Sneak Boutique

Pantofola d`Oro Modena Mid

Boxfresh Fold JN Khike

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Boxfresh Sparko HI

Boxfresh Sparko HI velcro


Boxfresh Sparko Hi Velcro Boxfresh Folt JN Trim

Boxfresh Amber

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Boxfresh Folt JN Trim

One True Saxon Butty

Boxfresh Sparko HI Suede


Sneak Boutique

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Frozen Skateboard Footwear

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Sneak Boutique Puma Lift Racer

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adidas „ObyO“ Kazuki


City Portrait

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City Portrait

BAR

CEL ONA

Barcelona ist für eine Million Dinge bekannt. Von Essen über Kultur und Musik bis hin zu Design, Mode oder Architektur, die katalanische Metropole hat ihre Fähnchen fest in die jeweiligen Landkarten gesteckt. Modisch gesehen sowieso schon immer „on point,“ ist Barcelona natürlich auch in Sachen Sneaker eine Ansage. Irgendwann setzte dieses Bewusstsein ein. Der Hype kam und man erinnerte sich daran, welche Schuhe man vor zehn Jahren trug und staunte, welche Künstler plötzlich Kollabos mit Schuhfirmen machten. Ja, wir schreiben das Jahr 2009 und Barcelona ist mit einer soliden und gesunden Sneakerszene am Start – mit gut sortierten Shops, Magazinen, Events, Expos, Kollabos und vielem mehr ... wie wir auf den folgenden Seiten beweisen möchten. Text: Julio/Fotos: Roger Ferrero

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City Portrait

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TRUST NOBODY Fünf Jahre ist Trust Nobody nun solide im Business und mittlerweile eine der angesehensten (Skate-)Boutiquen im Markt. „Street Cred” ist das Zauberwort und mit diesem Motto haben es die Jungs aus dem Nichts zu einem Dreh- und Angelpunkt in ihrer City geschafft. Wer nach Barcelona reist, kommt um einen Besuch bei Trust Nobody nicht herum. SNEAKERS wollte herausfinden, warum das so ist. Carrer dels Tallers, 1 08001 Barcelona www.trustnobody.es


Store Profile

Hi Alex, du bist einer der Köpfe hinter Trust Nobody. Erzähle unseren Lesern doch etwas über deinen Background. Sneaker und Mode spielen seit ich denken kann eine zentrale Rolle in meinem Leben. Wenn man größer wird, fängt man an, sich als Person neu zu definieren. Und irgendwann steht alles, was man gemacht hat und woran man glaubt, egal ob Sport, Kunst oder Musik, für dieses neue “Ich”. Weißt du, wenn man hier bei Trust Nobody mit Leuten wie Carlos (der Besitzer des Ladens) zusammenarbeitet, realisiert man, dass es nicht nur ums Geschäft geht, sondern um einen Lifestyle – und in der Hinsicht haben einige andere Leute in diesem Zirkus nicht viel vorzuweisen. Trust Nobody ist ein sehr starker Name. Wie ist er überhaupt entstanden?

heutzutage wählerisch sein. Kleidung ist auch wichtig, und da haben wir Edwin und Nudie Jeans, Carhartt, Stone Island und Acronym und Streetwear-Brands wie Crooks & Castles, The Hundreds, Staple oder Foreign Family. Ihr habt ein paar angesagte Künstler nach Barcelona gebracht, darunter Gabriel Urist, Methamphibian, Nash, Craig Wetherby oder Dave White. Demnach habt ihr einen ganz guten Namen da draußen. Was ist euer Geheimnis? Harte Arbeit ist immer ein Schlüssel zum Erfolg. Trust Nobody ist eine große Family, wir versuchen, unseren Freunden dort draußen zu helfen und sicherzustellen, dass alles so gut wie möglich wird. In diesem Business geht nichts über Beziehungen, ob zu Brands,

Der Name ist die Identität der Firma. Er schwirrte schon immer irgendwo bei Carlos im Kopf herum und zeigt ganz gut, wie wir im täglichen Leben und im Business mit Dingen umgehen. Wenn man die ganze Zeit von dieser Welt umgeben ist, in der alles um Äußerlichkeiten geht, merkt man, wie leer das Geschwätz der Leute ist. Egal ob es um neue Projekte, irgendwelche Gerüchte oder sonst etwas geht. Trust Nobody ist die Antwort darauf. Oder wie Biggie sagte: “Number three: never trust nobody”. Was kann man bei Trust Nobody finden, das es sonst nirgends gibt?

oder? Kannst du mehr darüber erzählen? Das ist eines dieser Projekte der Grupo LTW. Reversible war der kleine Spross der Firma, aber ist innerhalb von zwei Jahren so schnell gewachsen. Wir vertreiben einige Streetwear Companies hier in Südeuropa. Dazu zählen Foreign Family, Crooks & Castles oder Rock Smith. Wir geben auch die spanische Version der Magazine Frank 151 und Sneaker Freaker heraus, beraten als Agentur ein paar der wichtigsten Marken und organisieren Events wie Outerspace und so weiter. Was denkst du über die Sneakerszene in Barcelona? Die Sneakerszene ist in den letzten fünf Jahren sehr schnell gewachsen. Was anfing wie eine Sekte, ist mittlerweile ziemlich normal geworden. Man muss nur mal die Ramblas runterlaufen und merkt, dass es eine ziemlich solide Sneakerszene gibt. Das sind die Früchte langjähriger Arbeit, zum Beispiel von den Sneaker Freaker Jungs oder von 24Kilates. Wir erreichen diese Dinge, weil wir nicht verkaufen wollen, wir wollen unser Klientel erziehen und ihnen zeigen, wohin sich der Markt bewegt. Wie spürt ihr die allgemeine Rezession?

„Wenn man die ganze Zeit von dieser Welt umgeben ist, in der alles um Äußerlichkeiten geht, merkt man, wie leer das Geschwätz der Leute ist. Trust Nobody ist die Antwort darauf. Oder wie Biggie sagte: “Number three: never trust nobody”.

Wir haben einen guten Bestand an Skateschuhen und viele Accounts, die man nur bei uns findet. Vans Syndicate, Etnies Plus oder Supra NS. Wir haben auch den größten Nike SB Account im Land, also landet zweifelsohne jeder Drop und QS in unseren Regalen. Was Sportswear angeht, konzentrieren wir uns auf Retros und Kollabos, die eine Bedeutung für uns haben. Man muss

Künstlern oder Vertretern. Wenn man jedem auf die Füße tritt und nur Scheiße erzählt, kommt man in diesem Dschungel nicht sehr weit. Ihr arbeitet mit Reversible zusammen,

Die ist überall ziemlich tough und wir sind natürlich keine Ausnahme. Es ist eine weltweite Krise, die jede Form von Business in irgendeiner Form trifft. Das Ganze hat aber auch eine bereinigende Wirkung und zeigt auf lange Sicht jedem seinen Platz. Danke für das Interview, Alex. Letzte Worte?

Danke für dieses Interview und ich bin froh, dass ihr unsere Arbeit supportet. Wegen Leuten wie euch wachen wir jeden Morgen auf und arbeiten hart für das, woran wir glauben.

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BCN STORE CHECK 64

LIMITEDITIONS Die Jungs von LimitEDitions sind alte Hasen im Geschäft. Der Laden war einer der ersten Stores in Spanien, die sich auf limitierte Sneaker spezialisiert haben und ist mittlerweile weltweit bekannt. Das Sortiment ist eher „unlimited“ als „limited“ und wartet auf Sneaker-Connaisseure wie euch. Calle del Duc de la Victòria 8 08640 Barcelona www.limiteditions.org


City Portrait

24KILATES Dieser Laden in Downtown El Borne hat es mit atemberaubenden Kollabos mit New Balance zu internationaler Anerkennung gebracht. Marken wie Saucony, Kilo Goods, Stüssy, adidas oder X-Large wissen, warum sie hier vertreten sind – und wenn ihr etwas auf euch haltet, seid ihr ebenfalls irgendwann bei 24Kilates am Start. Carrer del Comerç 29 08003, Barcelona www.24-kts.com

OPIUM BARCELONA Dieser Sneaker Store gehört zu Opium Paris und ist auf Nikes spezialisiert. Wer Jordan Brand auf dem Einkaufszettel hat, ist hier definitiv an der richtigen Adresse. Natürlich Tier Zero und Quickstrike Account, ist Opium ganz weit vorne, wenn es um katalanischen Sneakerism geht. Carrer del Pi, 11 08002 Barcelona www.opiumstore.com

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HACKNEY Gracia ist eine dieser familiären Gegenden, in denen man sich gerne mal verirrt, um neue Orte zu finden. Wir erlauben uns, noch einen sehenswerten auf die Liste zu setzen: Hackney. Aus dem ehemaligen Skateshop ist ein cleaner und netter Streetwear- und Sneakerstore geworden. Und auch hier gilt: Ein Besuch ist Pflicht ... Travessera De Gràcia 164 08012 Barcelona, Spain www.hackneyshop.com

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TAC-TIC Was Skateshops angeht, ist dieser hier einer der Pioniere überhaupt. Er findet sich hinter den Gemäuern der Universität, unweit des Plaza Universidad. Hier gibt es ein gutes Sortiment an Skatemarken von DC bis Vans und natürlich jede Menge Streetwear sowie Hardgoods. Die Jungs hinter Tac-Tic wissen, was sie verkaufen. C/ Enric Granados 11 08007 Barcelona http://www.tacticsurfbcn.com

BOB SNEAKERS Ein kleiner Laden auf einer kleinen Straße, der ein paar wunderbare Geheimnisse birgt, die gerne Bekanntschaft mit euren Füßen machen würden. Bob Sneakers ist übrigens offizieller JB Classics Dealer. Jeder Kenner wird hier etwas nach seinem Geschmack finden. C/ Ramelleres 24 08001 Barcelona http://bobsneakersdealer. blogspot.com


City Portrait

BCN ORIGINAL: MUNICH SNEAKERS wirft einen Blick auf die katalanische Kultmarke MUNICH – ein Interview mit Xavier Berneda

Besonderem. Man ist anders, man fühlt sich gut und ist stolz, Schuhe von uns zu tragen. Es ist definitiv Ausdruck von Lifestyle. Wie kam Munichmyway zustande? Auch wenn es Nike Bespoke ähnelt, sind die Möglichkeiten noch vielfältiger – man kann sogar die Farbe der Sohle bestimmen. In unserer Gesellschaft geht es immer mehr darum, alles “a la carte” zu bestellen. Bei MUNICH stehen besondere Bedürfnisse und Geschmack sowieso im Vordergrund, daher wollten wir etwas anbieten, was Leuten erlaubt, alles exakt nach dem eigenen Geschmack zu designen. Von der Farbe über die Materialien, die Oberflächen und Sohlen bis hin zu den kleinsten Details.

Xavier, Munich war lange Zeit nur in Spanien erhältlich. Wo gibt es euch jetzt überall? Mittlerweile sind unsere wichtigsten Märkte Spanien und Italien. Außerdem verkaufen wir in Frankreich, England, Holland, Belgien und einigen anderen Ländern.

in Katalonien. Wir haben immer noch unsere Fabrik in Capellades und werden dort weiterhin produzieren. MUNICH ist in Barcelona verwurzelt und momentan können wir uns den Luxus einfach leisten. Kann man in Zukunft auch in den Flagship Stores seine eigenen Schuhe designen? Momentan noch nicht, aber das ist eine dieser Dinge, die uns unsere Fabrik in Barcelona gestattet. Jemand kommt zu uns, entwirft seinen Schuh und zwei Stunden später kann er unser Gebäude verlassen – in seinem eigenen Modell. Wann wird das Ganze in Deutschland möglich sein? Munichmyway ist bereits auf der ganzen Welt zugänglich. Wer auch immer ein Paar haben möchte, kann es sich online zusammenstellen und wir liefern es überall hin. Was hat es mit eurer FußballConnection auf sich? MUNICH und Fußball scheinen untrennbar zu sein ... Noch bevor wir mit Mode anfingen, war MUNICH schon ein Begriff in der Sportwelt – vor allem im Fußball. Viele Leute tragen heute Munich, weil es sie an ihre Kindheitstage erinnert und sie die Schuhe in jungen Jahren beim Handball oder Fußball trugen.

Was hat es mit dem Namen auf sich? Er weist doch ein paar dezente Parallelen zu unserer bayerischen Landeshauptstadt auf, oder? Unsere Marke gibt es seit 1939. Damals, also nach dem spanischen Bürgerkrieg, trug sie erstmals den Namen meiner Familie, also Berneda. 1964 war ein wichtiges Jahr für uns, weil wir das heutzutage zentrale Symbol für uns, das X, einführten. Gleichzeitig wurde die Marke von BERNEDA in MUNICH umbenannt. Wir wollten internationaler sein und unser Image verändern.

Was ist besonders an Barcelona? Was hat diese Stadt, was andere nicht bieten können?

„In unserer Gesellschaft geht es doch immer mehr darum, alles „a la carte“ zu bestellen. Munichmyway erlaubt es den Leuten auch bei uns, alles exakt nach dem eigenen Geschmack zu designen.“

Würdest du MUNICH als Performance-Marke oder als Lifestyle-Marke bezeichnen? Ich würde sagen, dass MUNICH auf jeden Fall in Richtung Lifestyle geht. Jeder, der ein Paar trägt, sucht nach etwas

Warum werden eure Schuhe immer noch in Spanien oder Portugal hergestellt? Sind die Kosten nicht immens? Ihr habt doch sogar Produktionsstätten in Barcelona selbst, oder? Wir produzieren seit unseren Anfängen

Barcelona ist ein Fixum in der internationalen Modewelt. Die besten Marken aus aller Welt wollen hier präsent sein – egal ob es um Architektur, Mode, Design oder Kunst geht. Die Menschen schauen hier nach Produkten, die etwas Besonderes darstellen, oder die es sonst nirgendwo anders gibt.

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SNEAKER

EXPO BARCELONA Holzkisten so weit das Auge reichte und geballte Turnschuhgeschichte von 1970 bis heute – das Highlight der Outerspace Tradeshow war in diesem Jahr ohne Zweifel die Sneaker Expo. Bekannte Sammler aus ganz Europa zeigten ihre Schätze, mit dabei unter anderem Henrik “Artoo” Kürschner, Marco Colombo, Julia “Sneakerqueen” Schoirer, Lars “Kelle” Vetter oder Tim “Tony Spelling”. Adidas und Nike dominierten die Show mit geballter Vintage-Mania, aber auch abseits von drei Streifen und Swooshes gab es Markenvielfalt – von Reebok über Converse und New Balance bis hin zu Vans und Airwalk.


City Portrait

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COLLECTOR‘S

CHECK:

JULIO

„ICH BIN KEIN

SNEAKERHEAD“

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City Portrait

A

uch wenn Julio in Barcelona geboren und aufgewachsen ist, dauerte es eine ganze Weile, bis er wieder zu seinen Wurzeln zurückkehren sollte. Zwischendurch lebte er in New York, Boston und London und ließ dabei die Liste der gesurften Couches schier endlos werden. Julio betreibt den Trust Nobody Store, arbeitet für Reversible und ist für den spanischen Sneaker-Freaker-Blog zuständig.

Fangen wir mit deiner Geschichte an. Seit wann bist du Sneakerhead? Um ehrlich zu sein, so blöd sich das anhört, ich würde mich nicht so bezeichnen – ich bin kein Sneakerhead. Ich habe natürlich seit dem ersten Tag eine Leidenschaft dafür, klar. Als kleines Kind hatte ich immer Agassis, Barkleys oder AJs an – ein Teil meiner Persönlichkeit irgendwie. Als Skateboarding für mich wichtiger wurde, waren dann Guy Marianos von Axion oder den Kostons von éS angesagt. Die Ästhetik hat für mich schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Für einen Nicht-Sneakerhead besitzt du aber schon eine ziemlich krasse Sammlung, oder nicht?

Denim, Shirts, Brillen, Platten und so weiter. Okay, ich verstehe. Denkst du, dass dein “Appetit” etwas nachgelassen hat? Nicht so wirklich. Es kommt jede Saison geiles Zeug. Auch wenn man eine Menge Müll kommen und gehen sieht, erlebt man Comebacks einiger schöner Klassiker. Und mir stockt bei einigen großartigen Kollabos immer noch der Atem. Vans Syndicate X S/Double beispielsweise – ein Schlag ins Gesicht eines jeden, der Kollabos tot glaubte. Aber was das Kaufen angeht, habe ich einen Gang zurückgeschaltet. Man muss auch wählerisch sein, wenn die Kreditkarte nicht von Coca Cola gesponsert ist oder man kein extra Crib nur für seine Schuhe hat.

nicht jede Woche 10 Modelle wieder ausgegraben und jedem davon 10 Colorways gegeben. Aber wie gesagt, es gibt immer ein paar Leute dort draußen, die es richtig machen. Wie würdest du die Szene in Barcelona beschreiben? Es ist nicht wie in NYC oder Berlin, wo die Dinge in Sekunden ausverkauft sind. Teilweise ist das ein Vorteil, denn es ist die einzige Stadt, in der Quick Strike und Zero Drops ein paar Monate halten. Aber wenn man durch die Stadt läuft und auf die Schuhe schaut, weiß man, was abgeht. Die Szene ist stark und gesund. Was hat es mit deiner Sammlung auf sich? Worum geht es dir? Die meisten trage ich wirklich. Vielleicht nicht sofort, aber irgendwann. Ich mag immer noch viele Sachen von Nike SB, die Blazer zum Beispiel. Ich habe Tonnen von Vans, Airmax, 90er Jahre retro Basketballschuhe, New Balance und so weiter. Ich bin nicht wirklich Vintageverrückt, auch wenn ich mehr als hundert Paare besitze. Die Vorstellung, Schuhe nicht tragen zu können, macht mich manchmal fertig. Als ich meine Carnivores bekam, hielt ich es nicht aus, dass die Sohle noch neu aussah. Also bin ich einfach damit zum Supermarkt gegangen – es war wie ein Zwang. Ich gebe keine 600,- Euro für einen AJ VI Infrared aus, wenn ich ihn nicht rocken kann. Top 5?

Klar, das will ich auch gar „Die Vorstellung, Schuhe nicht tragen zu können, · Nike Air Revolution Hi (OG) nicht bezweifeln. Meine macht mich verrückt. Ich gebe keine 600,– Euro Schuhe „besetzen“ die Hälfte · Nike Air Max 2 CB34 (OG) für einen AJ VI Infrared aus, wenn ich ihn nicht meines Hauses und ich bin · Nike Air Max 95 (Neon) täglich von Sneakern umge- rocken kann.“ www.girlsgotlimits.com · Nike Air Raid (live together ben. Ich sage nur, dass ich play together) die Bezeichnung nicht mag, · Vans Half Cab (erster Syndivor allem wenn ich diese cate Release) selbsternannten “Sneakerheads” vor mir Die Dinge verändern sich. habe. Ich spiele dasselbe Game, aber in Klar, vor nicht einmal sechs Jahren bist Last words? einer unterschiedlichen Liga. Ich will es du in einen Sneakerladen gekommen Mach‘ was du willst – kaufen, verkaufen, mit Kicks oder Drops nicht übertreiben. und da gab es vielleicht zwei Schuhe, die lagern, doppelt kaufen, verkaufen, zerEs geht mir auch nicht nur um Schuhe, besonders waren. Da gab es nicht eine stören, lieben – es sind nur Schuhe. sondern um die ganze Palette: Schuhe, Zillion Kollabos und die Marken haben

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Brand Profile

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Text: Nina Trippel

WALKING ON WATER 2009 sind Segelschuhe auch aus der Sneakerszene längst nicht mehr wegzudenken. Hat man früher vor allem verwöhnte BWL-Studenten im lachsfarbenen Polohemd samt Stehkragen damit in Verbindung gebracht, sind sie heute nicht nur salon-, sondern auch „streetfähig“. Grund genug, sich mal genauer mit dem Original zu befassen, denn das hat Geburtstag – 75 Jahre Sperry Top-Sider.


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er Mensch kann auf dem Mond rumlaufen – aber das hat nicht viel mit der Wirklichkeit namens Alltag zu tun. Und den daraus resultierenden Problemen. Die stellen sich meist ziemlich simpel dar und die Lösung mitunter ebenso, doch um zu dieser zu gelangen, bedarf es eines schlauen Kopfes, der sich mit Wissensdurst, Innovationsdrang und Erfindergeist an die Arbeit macht. Eine jener Personen war im Jahr 1935 Paul Sperry aus dem US-amerikanischen Connecticut. Der leidenschaftliche Hobbysegler sah sich immer wieder mit dem gleichen Problem konfrontiert: Wie kann man bei Nässe auf einem Boot sicher stehen und gehen? Denn eins ist beim Wassersport nicht zu vermeiden – Wasser. Ein einfaches Problem und sehr viele Lösungsversuche. Sogar mittels einer rauen Farbschicht für das Deck versuchte sich Sperry dem Ganzen anzunähern. Dabei lag und lief ihm die Lösung direkt zu Füßen: mit vier Pfoten und ohne Probleme, sich auf einer rutschigen Eisfläche zu bewegen. Und das lag vor allem an der praktischen Profilsohle, mit der das Tier namens Hund serienmäßig ausgestattet ist. Ein Spaziergang an einem Wintertag an einem zugefrorenen See veranlasste den US-Amerikaner zu einer eingehenden Untersuchung seines Cocker Spaniels und führte ihn mit seinen neu gewonnen Untersuchungsergebnissen über das Pfoten-Profil direkt in die heimische Bastelwerkstatt. Dort setzte er das Gesehene um und kam nach einigen Versuchen zu folgendem Ergebnis: ein feines Profil, das mittels Rasierklinge in eine Gummisohle eingeritzt wird. Das Prinzip funktionierte bestens und tut es bis heute. Die feinen Kerben leiten die Feuchtigkeit unterhalb des Schuhs zu den Seiten hin ab, und sorgen so für Halt. Der Boat Shoe war geboren und wurde auf den Namen „Sperry Top-Sider“ getauft.

Und so heißt das Modell bis heute, denn die Probleme des einen Seglers sind auch die des anderen. Und so wurde der Schuh zum Coup, der Coup zur Marke und die zur Firma mit weltweitem Erfolg. In den 1980er Jahren wurde der Boat Shoe dann auch jenseits der Küste zum beliebtem Schuhwerk und eroberte von New England aus die Herrenmode. Inzwischen ist der Schuh zum Boot ein

Klassiker – auch für die Damen, und steht für die von Sportswearelementen beeinflusste, US-amerikanische Mode. Im Laufe der Jahre wurden viele weitere Schuhe für Wassersport und Alltag entwickelt und heute ist Sperry Teil des Global Player-Unternehmens Rite Corporation, zu dem auch bekannte Marken wie Keds oder Saucony gehören. Der Sperry Top-Sider 2-Eye A/O, wie das Ursprungsmodell hieß, aber, blieb über die Jahre hinweg fast unverändert. Und genau das macht ihn zum Lieblingsstück. Aber Stillstand herrscht deswegen noch lange nicht. Sperry hat sich dem Spirit der Straße geöffnet und interpretiert seine Klassiker zeitgemäß im Flannelhemdmuster oder mit neuartigen Materialien wie gewachstem Canvas. Segeln und Streetstyle hat noch nie so gut zusammengepasst. Im Gegensatz zu innovativen Sportschuhen mit komplizierten Konstruktionen ist das Prinzip simpel: robustes,

mitunter geöltes und damit wasserfestes Leder schließt den Fuß, wie bei einem klassischen Mokassin, in einem großen Stück ein und sorgt so für Anpassung an die individuelle Fußform und hohen Tragekomfort durch wenige Nähte. Der Oberfuß wird mit einem flachen Schnittteil und nach außen verlaufender dicker Naht abgedeckt und mit einem auffälligen Garn zusammengenäht. Ein rundlaufendes, dickes Lederband und eine kleine Schnürung oberhalb der LaschesorgenfürStabilitätund Halt. Die Profil-Gummisohle ist, klassischerweise und passend zum Segelsport, in Weiß gehalten, damit auf dem empfindlichen Bootsdeck keine dunklen Abriebspuren zurückbleiben. Dank weiterentwickelter Materialzusammensetzung hinterlassen aber auch dunkle Sohlen mittlerweile keine Spuren mehr. Im Jahr 2010 darf runder Geburtstag gefeiert werden und auch im Alter von beachtlichen 75 Jahren ist der Sperry TopSider die perfekte Ausrüstung für den stilvollen Segler, Wassersportler im Allgemeinen, sowie alle, die sich im maritimen Sport-Style zeigen wollen. Zum Jubiläum, als Sonderedition im Rahmen der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2010, gibt es den Klassiker 2-Eye A/O, mit typischer Zwei-Ösen-Schnürung, nun aus Leder in den Farben Braun und Beige, sowie als leichte Leinenvariante in drei Farben. Der Look bleibt lässig, sportlich, schick und dabei so einfach und gut wie eh und je. Und was gut ist, kommt nie aus der Mode: Happy Birthday und auf viele weitere Jahre stilvollen ÜberWasser-Gehens.

www.sperryTop-Sider.com

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Text: Andreas Grüter Fotos: Wolfgang Haag

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RETHINKING

THE COOL

UNTERWEGS AUF GRÜNEN SOHLEN


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ungerlöhne, Tierhautverarbeitung, Umweltverschmutzung – war man als Sneakerhead und politisch denkender Mensch bislang leider viel zu häufig dazu gezwungen, seine kritische Haltung zugunsten der geliebten Treter vor der (Schuhschrank-)Tür zu lassen, so hat sich in den vergangenen Jahren eine alternative Kickskultur etabliert, die es in Sachen Style, Design und Qualität auch ohne fragwürdige Produktionsbedingungen durchaus mit den Großen aufnehmen kann. Auf den folgenden Seiten stellen wir Euch einige der wichtigsten Labels der neuen grünen Sneakerwelle vor.

VEGETARIAN SHOES

MACBETH

Glaubt man Robin Webb, dann ist der Weg vom Art-College zur Schusterei gar nicht so weit. Was 1990 als one-pair-only Experiment des Briten begann, hat sich in Vegetarierkreisen längst zu einem absoluten Klassiker gemausert. Neben den regulären Halbschuh- und Stiefelserien ist mittlerweile auch eine Sneakerlinie mit im Programm, die jenseits einiger fragwürdiger Outdoor-Ausreißer nicht nur betont Oldschool kommt, sondern auch im Skateboard-Härtetest verdammt gut abgeschnitten hat. Produziert wird ausschließlich bei ausgesuchten Herstellern in Europa – darunter in Großbritanniens ältester, 1881 gegründeter Kooperative.

Wenn Du nach cruelty-free Sneakern mit Punk- und Indiewurzeln suchst, dann ist Macbeth genau die richtige Adresse für dich. Das 2002 vom Blink-182 Sänger Tom DeLonge im Kalifornien gegründete Label bietet zu 70 Prozent rein vegane Kicks, die nicht nur mit einer ganzen Reihe an freundschaftlich verbandelten Kunst-, Skate-, Surf- und Band-Kollabos mit u.a. Mike Dirnt (Green Day), Hunter Burgan (AFI), Alkaline Trio und Bloc Party sowie engen Verbindungen zu Peta 2 und weiteren Tierrechtsorganisationen punkten, sondern auch stilistisch leger jegliche Hippieklischees umgehen. Mit dem „Vegan Skateshoe of the year 2007“-Award in der Tasche arbeitet man derzeit am endgültigen 100-Prozent vegan Status sowie am Ausbau der Custom-Footwear Linie „Studio Projects“. Produziert wird in China.

www.vegetarian-shoes.co.uk

www.macbethfootwear.com

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KOMODO Zwar vor allem für seine nachhaltigen Fashionstyles aus Hanf, Bambus und Bio-Baumwolle bekannt, bietet das 1986 gegründete britische Label Komodo bereits seit geraumer Zeit auch ein umfangreiches Sortiment an rein veganen und sowohl ökologisch als auch fair-produzierten and gehandelten Trainern mit hohem Designanspruch. Die Schuhe werden komplett aus Canvas und recyceltem Reifengummi in Fabriken in Bali, Kathmandu, Nepal, Indien und Vietnam handgefertigt, wobei gute Bezahlung, umfangreiche Weiterbildung und ein hoher Sozialstandard ebenso zum hauseigenen guten Ton gehören wie die bereits seit Jahren laufende finanzielle Unterstützung der Free Tibet Campaign. Um die Produktion auch für den Konsumenten transparent zu machen, hat man sich zudem den Richtlinien der holländischen NGO „Made-by“ unterworfen.

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www.komodo.co.uk

BLACKSPOT

SIMPLE

Swoosh mit Kreis überpinseln und den roten „Kick-Corporate-Ass“-Punkt vorn auf die Sohlenspitze malen. Keine Frage, der klassische „Blackspot“ und der wesentlich casuallastigere „Unswoosher“ zählen nicht nur zu den legendärsten Coups der umtriebigen Culture Jammer von Adbuster, sondern beweisen auch fünf Jahre nach ihrer Einführung, dass Sneakerliebe und politisches Bewusstsein wunderbar Hand in Hand gehen können. Die Produktion der veganen Kicks erfolgt unter unabhängigem Monitoring in einer traditionsreichen portugiesischen Schuhmanufaktur, deren Sozialleistungen, Löhne und Urlaubstage deutlich über dem lokalen Niveau liegen. Verarbeitet werden 100prozentiges Bio-Hanf ohne chemische Zusatzstoffe, nahezu komplett biologisch abbaubares Gummi und wiederverwertete Autoreifen.

Surfen und Sneakerism gehen bei Simple Hand in Hand. Kein Wunder, schließlich ist das Label nicht nur im kalifornischen Santa Barbara beheimatet, sondern hat sich, ganz in der naturverbundenen Tradition des Soulsurfens, auch einer möglichst nachhaltigen Fusion von Business und Umweltschutz verschrieben – und das bereits seit 1991. Die ebenso dezent wie detailreich gehaltenen Kicks werden nahezu vollständig aus einem Mix aus recycelten Teppichen, Autoreifen, Fahrradschläuchen, Papier und Plastik und unbehandelten Naturfasern wie Bambus, Kork, Hanf, Seide, Kokosnuss und Baumwolle hergestellt. Wildledertrainer kommen komplett Öko-zertifiziert. Neben Zusammenarbeiten mit dem Surffotografen Joe Curren hat man vergangenen Sommer gemeinsam mit dem legendären Surflabel „The Ryde“ einen limitierten, Typo-bedruckten Oldschool-Styler an den Start gebracht.

www.adbusters.org/campaigns/blackspot www.simpleshoes.com


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IPATH

ETHLETIC

Soulful urban Skate Hippies from the 5th Dimension. Als die Kalifornier von IPath 1999 damit begannen, nachhaltig produzierte und ökologisch korrekte Rollbrett-Footwear an den Start zu bringen, betraten sie nicht nur absolutes Neuland, sondern wurden auch von der restlichen Konkurrenz eher milde belächelt denn wirklich ernst genommen. Heute, knapp zehn Jahre später, hat man sich mit einem umfangreichen Sortiment an ebenso robusten wie erfrischend dezent gehaltenen Hanf- und Öko-Baumwoll Sneakern sowie Teamridern wie etwa Bob Burnquist längst zu einer festen Größe in der Szene gemausert – weitgehende Engagements im Musik- und Streetart-Bereich inklusive. Irie dis.

Ethletics sind top-cleane Traditionalisten mit einer tiefgrünen Seele. Die wahlweise als Lo- oder Hi-Top erhältlichen Kicks der seit über 30 Jahren international agierenden Fair-Deal-Trading überzeugen nicht nur durch extrem smarte no-frills Oldschool-Optiken, sondern haben es auch geschafft, als weltweit erste Footwear über die gesamte Liefer- und Produktionskette, d. h. von den Natur-KautschukPlantagen und Bio-Baumwollfeldern über die Herstellung in Pakistan bis hin zum Verkauf, durchgängig ökologisch zertifiziert zu werden. Dass dabei sämtliche Fair-TradeStandards eingehalten und zudem mit einem gremiengesteuerten Prämiensystem u.a. Gemeinschafts- und Weiterbildungsprojekte, Kantinen und Wasserleitungen finanziert werden, versteht sich bei so viel Engagement eigentlich von selbst.

www.ipath.com

www.ethletic.com

VEJA Bereits jetzt Klassiker weit über die Genregrenzen hinaus sind die „Made in Brasil“-Kicks der Franzosen von Veja. Dabei wurden nicht nur von Anfang an alle Glieder der Materialbeschaffungs-, Produktions- und Logistikkette unter ökologischen, Fairtrade und Arbeitsrechtsgesichtspunkten optimal aufeinander abgestimmt, sondern auch in Sachen Design ganze Arbeit geleistet. Das Upper besteht je nach Modell aus organischer Baumwolle oder Öko-Leder während die Sohle aus Naturkautschuk gefertigt wird. Definitiv ganz weit vorn. www.veja.fr

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Street Sneaks

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SNEAKS 82

LIVE FROM COLOGNE „Never let your shoes run faster than your feet“ besagt eine alte schottische Binsenweisheit. Da heutzutage das Überholen der eigenen Schuhe allerdings weder mit noch ohne Schnürung oder Pump-Technologie so leicht möglich ist, konnten wir Kölns Upper Soleciety lange genug anhalten, um einen kurzen Sneakers-Test durchzuführen. Here we go! Fotos: Andi Zimmermann

JAN LANGENHORST, 18 – ONITSUKA TIGER Beruf(ung)? Musik, Gitarre, feiern Modell? Onitsuka Tiger Why, why, why? Ich habe nur ein Paar Sneaker und insgesamt zwei Paar Schuhe – dieser hier ist also 50% davon.


TAMER TEKER, 21 – BOXFRESH Beruf(ung)? Ich studiere Maschinenbau. Mode ist mir wichtig, aber ich mag es klassisch. Modell? Boxfresh Wieso? Ich trage normalerweise Vans, aber als ich den Boxfresh im Web gefunden habe, musste ich ihn haben.

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CHRISTINA BERGER, 18 – REEBOK Beruf(ung)? Ich bin Schülerin. Insgesamt habe ich nur acht Paar Schuhe. Ich würde gerne später mal im Theater arbeiten. Modell? Reebok Warum? Keine Ahnung.


PATRICK SAUERMANN, 21 – NIKE AIR MAX LIGHT Beruf(ung)? Skateboarder & Einzelhandelskaufmann, Sneaker tragen auf dem Abiball meiner Freundin. Modell: Nike Air Max Light Warum und so? Ich habe so 30-40 Paar, viele Nikes. Der Air Max ist einfach super gefedert.

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RAPHAEL HÖFNER, 21 – POINTER Beruf(ung)? Allroundtalent, Stylist Modell? Pointer Der Grund? Eigentlich trage ich immer Lederschuhe, Pointer sind eine Ausnahme.


DAMIAN QUINN AT WORK.

MENS & WOMENS APPAREL & FOOTWEAR : WWW.SUPREMEBEING.COM : BORN AND RAISED IN ENGLAND DISTRIBUTED BY ICC DISTRIBUTION BVBA : T 0032 (0)93244616 : WWW.ICCDISTRIBUTION.EU


CREATING

THE BRAND Text: Dirk Mönkemöller

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FLAEK – DIE WOHL ERSTE PLATTDEUTSCHE SNEAKERMARKE DER WELT

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ür ihre Bachelorarbeit im Studiengang Mediendesign haben die zwei Sneakerheads Oliver und Sven die Turnschuhmarke »flaek« entwickelt – und zwar mit allem Pipapo. Neben Logo und Marketingkonzept hat sich das Duo sogar die Mühe gemacht, zwei Musterexemplare ihres ersten Modells »kaalen hi« herstellen zu lassen. Über das Blog „creatingthebrand. de“, der jetzt auf flaek.com umgeleitet wird, konnten User übrigens den kompletten Prozess bis hin zum fertigen Schuh nachvollziehen – wächst da etwa gerade eine neue deutsche Sneaker-Brand heran? Wir haben nachgefragt.

Wie kam die Idee für die Bachelorarbeit? Im Grunde war es schon seit jeher unser Traum, irgendwann mal einen eigenen Schuh zu gestalten – kein ID-Schuh, sondern wirklich was eigenes. Wir hatten in vorigen Semestern schon einige Projekte gemeinsam gestaltet, in denen wir immer wieder das Thema Sneaker aufgegriffen haben. Als dann klar war, dass wir unsere Abschlussarbeit auch als Gruppenarbeit abliefern können, musste es einfach ein eigenes Sneaker-Label sein.


Wofür steht »flaek« als Name und wofür steht die Marke?

Was sind die weiteren Pläne für »flaek«?

Der Name »flaek« kommt aus dem Plattdeutschen und bedeutet »ein einseitiges, auf dem Boden stehendes Wetterschutzdach«. Zum einen verwenden wir Plattdeutsch, weil unser erster Schuh »kaalen hi« von einem Schuhmacher in Oldenburg traditionell handgefertigt wurde, zum anderen weil die Idee zu dem Schuh dort bei Bier aus grüner Flasche entstand. »kaalen« ist demnach auch plattdeutsch und bedeutet »Kohle« – in Anlehnung an das Obermaterial des Schuhs. Was unsere »Markenphilosophie« sehr beeinflusst hat, ist unsere Blogger-Tätigkeit bei sneakerized.com. Als Fans diskutieren wir fast täglich mit anderen Sneakerheads über Schuhe – und so wollten wir auch bei unserer »Marke« weitermachen. Die Transparenz, die uns persönlich bei vielen Marken fehlt, war uns von Anfang an sehr wichtig. Die Entscheidung, das gesamte Projekt öffentlich über ein Blog zu dokumentieren, war einer der wichtigsten Schritte in diese Richtung. Sicherlich wird man nicht auf jeden Kommentar oder Tweet antworten können, aber man kann es zumindest versuchen. Das Feedback, das wir bisher bekommen haben, hat uns auf jeden Fall sehr geholfen und motiviert.

Wirkliche Pläne gibt es bisher noch nicht. Im Moment haben wir mit der Abschlussarbeit noch zu viel im Kopf, um uns ernsthaft Gedanken darüber zu machen, wie es weiter geht – schließlich haben wir erst im Juni gestartet. Wir werden jedoch alles daran setzen, irgendwann zumindest eine kleine Serie produzieren zu können.

Welche Aspekte sind euch bei den Schuhen selbst wichtig? In erster Linie geht es uns um reduziertes, zeitloses Design und hochwertige Verarbeitung. Bei der Materialauswahl haben wir bewusst auf solche gesetzt, die man – wenn überhaupt – nur sehr selten bei Sneakern zu sehen bekommt. Das verwendete Leder ist vermutlich teurer als die gesamten Produktionskosten manch anderer Sneaker, aber das war uns schon sehr wichtig, genauso wie die Produktion in Deutschland.

EURE AKTUELLE SNEAKER-TOP-5? Oliver: · flaek kaalen hi (was für eine Überraschung) · Nike Blazer SB Elite Lance Mountain · Clae Russel (der Filz Russel im Herbst wird der Hammer!) · adidas Consortium Grand Slam Colredt · adidas Handball 5 Plug

Wie ist denn diese inländische Produktion abgelaufen? Für uns als Gestalter waren bestimmte Aspekte im Produktionsprozess selbstverständlich, mit denen jedoch von technischer Seite ganz anders umgegangen wird. Das Wichtigste und auch Schwierigste war die Kommunikation während der Produktion. Da uns circa 900 Kilometer von unserem Schuhmacher trennen, konnten wir nicht mal schnell vorbei schauen, um uns die Zwischenstände anzusehen. Wir haben ganz schön gezittert, bis wir den fertigen Schuh in den Händen hielten.

FLAEK KAALEN HI

Sven: · flaek kaalen hi · Gourmet l¹due canvas zipper · adidas Kegler Super · adidas ZX 8000 Goodfoot · adidas Consortium ZX 90 DQM

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Your Style

MY REEBOK?

Und so sieht es aus, wenn Designprofi Rolland Berry in die Tasten haut ...

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REEBOK. 88

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er Sneakermarkt erlebt momentan eine Metamorphose. Hält man sich vor Augen, wie viele Marken schon jetzt individuell angefertigte und gepimpte Schuhe anbieten, blickt man wohl in eine Zukunft “a la carte”. Den großen Unterschied machen daher vor allem die Ausgangsmodelle und natürlich die Modifikationsarten. In beiden Fällen liegt Reebok momentan ziemlich weit vorne. In den Segmenten Sport, Men, Women und Kids wählt man zwischen Klassikern und neuen Modellen und hat daher die Wahl zwischen Schuhen wie dem Voyage,

Ventilator oder Ex-O-Fit und neuerdings auch dem legendären Pump Fury. Untergliedert in die Schuhbereiche „Hauptseite“, „Sohle“, „Top“ und „Hinten“, kann man diverse Details selbst bestimmen. So kann man alleine die Sohle in drei verschiedenen Bereichen individuell einfärben. Beim Obermaterial hat man vor der Farbwahl verschiedenste Materialien zur Auswahl – von Wildleder über Lackleder bis hin zu Nylon. Die Wahrscheinlichkeit, ohne Absprache zwei identische Reeboks zu designen gleicht demnach wohl einem 5er im Lotto.


Hier das Ausgangsmaterial – all white. Man kann aber auch mit Inspirationen von Reebok anfangen.

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Und hier die Reebok Pump Fury SNEAKERS MAG Edition in der ultralimitierten Stückzahl – 1 Paar worldwide.


KICKHEAD:

MARK

GODWIN 90

Interview: Pascal Prehn

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it den richtigen Leuten zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Projekte machen – was sich anhört, wie die goldene Universalformel ist ungefähr das, was Mark Goodwin in den letzten fünf Jahren bei Lacoste gemacht hat. Durch Collabs mit Atmos, Sneaker Freaker oder Kidrobot hat er nicht nur Lacoste in eine begehrte Lifestyleschmiede verwandelt, sondern auch für Licht im immer trüber werdenden Kollabo-Gewässer gesorgt. Anlass genug, den ex-adi ins Kreuzverhör zu nehmen.

Hi Mark, fangen wir mit einer einfachen Frage an: Was trägst du gerade an den Füßen? Heute sind das ein paar Pallana Samples aus unserer Frühjahrs-Kollektion 2010. Erzähl‘ uns doch mal was über deinen Background – wer, wo, was, warum? Eines Tages sah ich eine Stellenausschreibung für einen „Tech Rep“ bei adidas in England. Ich bewarb mich und blieb acht Jahre dort. Ich fing also an, der Retail Staff zu erklären, wie Schuhe und Bekleidung funktionieren. Dann wechselte ich zu Sales und von dort zu Fashion Sales. Vor fast fünf Jahren bekam ich dann bei Lacoste die Chance, im Produktmanagement zu arbeiten. Heute bin ich „international category manager strategic trend“. Du hast ein paar eindrucksvolle Kollabos an den Start gebracht. Wie kam denn die Connections zustande? Haben die Leute dich einfach angehauen?

Nein, nicht wirklich – das wäre auch zu einfach gewesen! Das hat sich bei jedem anders entwickelt. Manche haben wir kontaktiert, andere sind zu uns gekommen. Aber man bekommt eigentlich schon in der ersten Unterhaltung ein Gefühl dafür, ob das Projekt am Ende funktioniert. All die Firmen, Händler und Leute, mit denen wir bislang zusammengearbeitet haben, waren sehr kooperativ und es gab kaum Komplikationen. Die meisten Koops und Special Editions liefen über den Missouri 85 – warum? Ich denke, weil der Missouri der erste Schuh war, der half, die Kollektion richtig zu positionieren und uns im Markt Credibility verschaffte. Es hat auch was damit zu tun, wie Sneaker Freaker auf das Thema reagierte. Aber jetzt, wo du es erwähnst, insgesamt waren es nur vier Koops mit diesem Schuh – SF, Kidrobot, Shoes-Up und die Croc Mythology Missouri Albino. Wir versuchen auch immer Kollaborationen zu verwirklichen, um


Kickhead

neue Styles auf den Markt zu bringen. Die nächsten Releases werden daher einige andere Silhouetten hervorbringen. Der Missouri wird im nächsten Jahr sein wohl verdientes Sabbatical einlegen und 2011 gestärkt zurückkommen!

die Marken, diese Schuhe auf den Markt zu bekommen. Limitiert ist einfach kein Verkaufsargument mehr. Die Konsumenten haben die aufgeblasenen Preise satt und das ökonomische Klima wirkt sich dann auch nicht gerade positiv aus.

Was ist in deinen Augen die stärkste Kollabo bislang? Für mich ist es der Sneaker Freaker Missouri und die Koop mit Solebox. Was sagst du?

Sprechen wir über die Zukunft – was steht an? In nächster Zeit wird es Projekte mit Sneakersnstuff, Married to the Mob,

Das ist eine schwierige Frage, weil sie alle eine ziemliche Wirkung in der Entwicklung unserer Footwear-Linie hatten. Ob sie uns halfen, neue Märkte zu schaffen, wie die Collabs mit Atmos und Mita in Japan, ob sie neues Terrain durch die Zusammenarbeitet mit verschiedenen Companies ermöglichten, wie Kidrobot, oder ob es um die Beziehungen zu wichtigen Händlern ging, wie Solebox, Colette, Sneakersnstuff oder ARC. Wenn ich eine wählen müsste, würde ich Sneaker Freaker Missouri antworten. Es war der erste für mich und der Türöffner überhaupt. Viele Sneakerheads langweilen sich, weil so viele Kollaborationen auf den Markt geworfen werden. Du kommst aber immer mit neuen Ideen, wie zum Beispiel mit dieser Geschichte über die Cafés in Paris. Wie kam das zustande?

der Sneakerhead als auch der modebewusste Typ trägt. Wie viele Leute arbeiten denn in eurem Design-Team? Insgesamt arbeiten an allen Kollektionen ungefähr 15 Designer, wovon aber nur zwei an den Trend-Kollektionen arbeiten. In Deutschland gibt es ein paar ziemlich talentierte Leute, die Customs machen. Wir bekommen immer Bilder von verrückten Schuhen. Champate, zum Beispiel, mixt verschiedene Styles, Schuhe und Materialien. Das ist auf jeden Fall eine Inspiration für uns. Wir arbeiten momentan an einem Projekt mit einem britischen Customizer namens Nash Money. Im nächsten Jahr könnt ihr die Ergebnisse sehen. Wie ist der Lacoste Style von morgen?

„Limitiert ist einfach kein Verkaufsargument mehr. Die Konsumenten haben die aufgeblasenen Preise satt und das ökonomische Klima wirkt sich dann auch nicht gerade positiv aus.“

Wir saßen im Team zusammen und brainstormten für die neue Kollektion. Eine unserer Designerinnen, Rachele, bekam die Aufgabe, ein Themenpaket rund um die Stadt Paris zu schnüren. Sie kam dann auf diese Idee mit den Cafés! Würdest du zustimmen, dass die Kunden immer kritischer werden, was limitierte Modelle angeht? Ich denke, der Markt ist ziemlich übersättigt davon. Es gab viel zu viele Limited Editions in den letzten Jahren, und die meisten davon bei denselben Händlern. Es ist deswegen immer schwieriger für

Morgen? Keine Ahnung, wer weiß das schon? Ich glaube, der Trend der etwas schlichteren, edleren Sneaker wird noch eine Weile bei uns bleiben. Ich denke aber, dass es Einflüsse aus dem Bereich Outdoor Footwear geben wird. Und welchen Weg wird Lacoste langfristig einschlagen? Das ist top secret.

LimitEdition in Barcelona und mit einem englischen Drum ’n’ Bass Plattenlabel geben. Ich habe ein paar Samples der neuen SS2010 Kollektion im Büro. Die sehen weniger sportlich als vielmehr “highclass” aus. Ein neuer Weg für Lacoste? Ich freue mich, dass du dass so empfindest. Wir haben uns für PremiumMaterialien entschieden um dem Konsumenten ein hochwertiges Produkt zu bieten. Wir wollen ein “Lacoste” Feeling transportieren, das hoffentlich in einem geschliffenen Style endet, den sowohl

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ADIDAS

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X

JAMES BOND Interview: Pascal Prehn

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ndefeated – der Name ist Programm. Ob wegen der unzähligen wie unschlagbaren Kollaborationen, den Kreativ-Stützpunkten in Städten wie LA, Tokio oder Las Vegas oder des legendären Billboard Projects, der Store ist weltweit eine Ansage. In Zusammenarbeit mit adidas und David Beckham bringt Undefeated nun die ObyO Kollektion in die Läden, zu der wir Designer-Legende James Bond auch gleich befragt haben.

James, wie bist du eigentlich in der Sneakerindustrie gelandet? Naja, mein Dad hatte in den 70er Jahren einen Store namens “Kicks and Lids” in Philadelphia. Ich bin mit ihm früher immer beim Vertrieb einkaufen gegangen. Das war der familiäre Hintergrund. Ansonsten habe ich meinen Partner, Eddie Cruz, beim Barbecue kennen gelernt. Wir hatten gemeinsame Freunde und es hat gleich „geklickt“. Und er Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Früher war Undefeated ein Sneaker- und FashionStore, aber es ist weit mehr daraus geworden – eine Marke mit eigener Klamottenlinie. Wie kam das alles zustande? Wir hatten das Glück, erfolgreich mit all den Marken zusammenzuarbeiten. Aber wirkliche Freiheit im Business bedetutet eben, dass man sein


Kickhead Schicksal selbst in die Hand nimmt. Wir waren ja die ganze Zeit von anderen Firmen und Designern abhängig. Das war schon cool, aber wenn du das nächste Level erreichen willst, musst du deine eigene Marke und Identität schaffen.

Du machst schon eine ganze Weile das Billboard Projekt. Dabei präsentiert ihr Street Artists in einer völlig neuen Umgebung – auf einer riesigen Werbetafel. Sind neue Projekte in der Richtung in Planung, vielleicht Undefeated Züge, Busse oder ähnliches?

Du hast zusammen mit adidas kürzlich eine ziemlich interessante Kollabo mit David Beckham and den Start gebracht. Habt ihr euch zufällig in LA getroffen oder wie funktioniert eine Coop auf diesem Level?

Ja, gibt es, aber die sind noch nicht spruchreif. Ich muss aber dazu sagen, dass ich niemals etwas tun würde, nur um Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Identität unserer Marke ist immer oberste Priorität.

Ja, wir haben uns in LA getroffen. Seine Frau Victoria war eine Kundin von uns und kam mit Damon Dash rein, als sie in LA war, um ein paar Undefeated Sachen für David zu kaufen. Als er dann nach LA zog, trafen wir uns schließlich und gingen in die Planung.

Zum Schluss die entscheidenste aller Fragen: die besten Schuhe, die du je anhattest? Handgemachte John Lobbs – auf meiner Hochzeit.

Wer hatte die Idee für den NEON ZX? Bei der Farbe müssen einige Leute eine Sonnenbrille aufsetzen, oder? Naja, es gab eine ziemliche Nachfrage nach Trainers. Da der Großteil der Kollektion farblich eher ruhig gehalten ist, wollten wir ein bisschen Spaß in die Sachen bringen, was uns damit auch gelungen ist. Wir haben die Idee eigentlich gemeinsam entwickelt. Wie früh im Voraus plant ihr eigentlich die ObyO Line oder andere Koops? Viele andere Marken haben ja „Trend Consultants“ für die Farbgebung und Materialien ... Wir haben gerade Herbst 2010 hinter uns gebracht. Ich glaube, es ist am besten, wenn man einfach das macht, was man mag und was einen interessiert. Alles andere ist viel zu konstruiert. Was bedeutet Design für dich? Eine visuelle Story. Subtile Elemente erzählen deine Geschichte als Individuum. Persönlichkeit steckt in jedem Detail. Ganz egal, ob du als Architekt oder Kellner arbeitet, man erkennt dich in deiner Arbeit.

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Store Profile

AZITA

STREETWEAR? WHAT STREETWEAR? Fotos: Sabrina Weniger

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Text: Andreas Grüter

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ack, way back, als E-Commerce noch nicht unser Leben regierte und Streetwear noch kein von der Industrie akribisch durchkodiertes Genre, sondern vor allem ein auf Textil gedrucktes persönliches Statement war, hieß es für die richtigen Styles oft genug, Reisen durch die halbe Republik auf sich zu nehmen. Hin zu kleinen Läden, von denen man irgendwo gelesen oder gehört hatte und deren Namen sich, magischen Formeln gleich, wie von selbst in die Synapsen einbrannten. Ein Diggertum, das aus heutiger Sicht vielleicht antiquiert erscheinen mag, das aber gerade aus seiner, für nicht Eingeweihte kaum fassbaren Untergrundhaltung fast täglich neue Einflüsse und stilistische Novitäten mit sich brachte. Der Frankfurter Azita-Store repräsentiert mit einem handverlesenen Mix aus 24/7 All-Area Straßenkleidung, Hi-End Fashion, Kunst und Accessoires seit 2005 zwar vor allem die modische Hypermoderne, kommt aber mit seiner „First Rule: No Rules!“Attitüde letztendlich doch wieder genau dort an, wo alles angefangen hat. So ist es auch nur konsequent, wenn auch sicher provokativ, wie Azitas very own Teimaz Shahverdi das endgültige stilistische Ende der Streetwear-Zunft herbeisehnt. „Streetwear ist hoffentlich


bald tot. Danach kommt Casual Fashion.“ Vielleicht ist es der DIY-Gedanke aus mehr als einer Dekade Skateboarding, der bei Azita zum Tragen kommt. „Was Skaten angeht. Ja, es hat mich komplett beeinflusst und geprägt“, sagt Teimaz. „Ich habe mich dadurch mindestens zehn Jahre lang täglich zehn Stunden auf der Straße bewegt, mich mit Tausenden von verschiedenen Leuten unterhalten und auseinander gesetzt, habe gelernt, aus eigener Kraft Fotos und Videos zu machen und letztendlich, ohne es wirklich bewusst wahrzunehmen, auch mich zu vermarkten. Ich denke, alles was ich heute bin und tue, ist der Schule von damals geschuldet.“ Dass er dennoch mit der Skateboardindustrie im nächsten Satz aufräumt, ist nicht untypisch: „Gleichzeitig empfinde ich Skaten heute als krass langweilig. Der klassische Skateshop ist tot. Fashion ist zwar auch nervig, aber zumindest werden dort noch neue Akzente gesetzt, an denen sich die Skateindustrie dann bedient. Leider – ich habe das früher anders empfunden.“ Dass Azita, schon allein wegen des Neben- und Miteinanders von u.a. DC Shoes, A.P.C., Alife NYC, Bless, Comme des Garcons, Minimarket, Raf Simons, Surface to Air, WoodWood, Bernhard Willhelm, Penfield sowie einer Serie eigener und in Kollaborationen entwickelter Shirt- und Fixed Gear-Projekte kaum der klassischen Streetwear-Butze entspricht und auch architektonisch mit einem cleanen, und komplett durchdachten Interieurdesign gegen jedes Genreklischee vorgeht, ist dabei vielleicht nur konsequent. Was aber muss ein Label tun, um im Shop-Rooster aufgenommen zu werden? „Das kann ich dir eigentlich gar nicht so pauschal beantworten. Es muss sich einfach cool, gut und richtig anfühlen und auch menschlich alles passen. Ich biete ja auch nur Ware an, hinter der ich selbst stehen kann und ich glaube die Kunden – übrigens ein bunter, szeneübergreifender Mix aus 25+ Leuten beiderlei Geschlechts – wissen es durchaus zu schätzen, dass ich nicht stillstehe, sondern immer versuche, mit neuen Brands zu experimentieren.“ Das ist übrigens auch der Grund, warum Azita direkt um die Ecke des Stores jetzt

auch einen Buchladen mit einer sehr guten Auswahl an Publikationen aus den Bereichen Musik, Kunst, Architektur und Mode eröffnet hat. Und was geht bei Azita in Sachen Sneakern? Neben diversen Regulars und Klassikern von New Balance, Nike, Asics, Puma, Reebok, Onitsuka Tiger, DC und Alife NYC hat man immer auch jede Menge limitierter Editionen wie die Nike x A.P.C All Court Premium-Serie, den Solebox x Puma R698, das New Balance x Alife Rivington Club 1300 Set oder den Asics x Patta Parra am Start. Ganz aktuell ist der hauseigene Azita x Onitsuka Tiger X-Caliber GT Kollabo Schuh, der den klassischen Running-Style nicht nur auf eine grauschwarz gefärbte Asphaltreise schickt, sondern auch gleich noch die passenden, ebenfalls grauschwarzen Kniestrümpfe hinterherschießt. „Wichtig war uns, nicht das x-te Old School Original mit ein paar knalligen Farben oder Grafiken lediglich rein modisch aufzuarbeiteten sondern einen zeitlosen, aber nach wie vor aktuellen Schuh mit modernsten Performancematerialien wieder zu einem auch technisch zeitgemäßem Standing zu verhelfen. Wir haben übrigens komplett auf unser Logo auf dem Upper verzichtet, weil wir auf geliehene Authentizitätsmerkmale keine Lust hatten. Dass es sich um eine Kollaboration handelt, sieht man nur im Schuhinneren. Mich spricht so was einfach wesentlich mehr an.“

Azita Münzgasse 10 60311 Frankfurt/Main +49 (0)69 219 79 644 www.azitastore.com Öffnungszeiten: Mo – Sa. 12.00 bis 19.00 Uhr

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Four Stores

RETAIL DIAMONDS ZAPATERIA (WIEN)

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www.zapateria.at

Kirchengasse rockt – und das vor allem im 7. Bezirk in Wien. Dort befindet sich Vienna‘s finest in Sachen Sneaker- und Streetwearkultur, durchgestylt mit rotem Fußboden und (Turn-)Schuhwerk von erlesenen Marken wie Creative Recreation, Havaianas, Hummel, Lacoste, Gola, Fly London, Nike, adidas und etlichen mehr. Dazu gibt es stylischen Street-Zwirn von Threadless, Yackfou, No Star und einigen lokalen Wiener Designern. Die Besitzer der Zapateria – David Rüb und Severin Rogl – tun Ihr Bestes, dem Sneaker-Gourmet seine Kaufentscheidung durch reichhaltige Auswahl zuerst möglichst schwer und dann durch freundlich-kompetente Beratung möglichst leicht zu machen. Virtuell rockt die Zapateria ebenfalls, und das nicht nur durch die köstliche Rubrik „Ugly Sneaker of the Week“ – checkt unbedingt das dazugehörige Blog. Doors Open: Mo – Fr: 11:00 – 19:00 Uhr Sa: 11:00 – 18:00 Uhr

Kirchengasse 26 1070 Wien 043 / 192 355 85

HALL ELEVEN (STUTTGART)

www.halleleven.de

Hall Eleven Stuttgart ist längst mehr als nur ein Skateshop. Denn zum einen ist es vielmehr DER Skateshop in Stuttgart überhaupt, zum anderen deckt das Sortiment an Sneakern die volle stilistische Bandbreite ab. Eine Institution in Sachen Skateboardkultur ist der Laden am Rande der Stuttgarter Fußgängerzone schon seit vielen Jahren, was auch das mit klangvollen Namen wie Lem Villemin oder Phil Anderson bespickte Team Tag für Tag eindrucksvoll untermauert. Der minimalistisch gestaltete Shop hat natürlich weit mehr als nur Fußkleid zum Rollbrettfahren zu bieten und glänzt mit einem riesigen Angebot, das von Nike SB über Emerica, Vans, Etnies, Lakai oder DVS bis hin zu adidas alles abdeckt, was Rang, Namen und vor allem Style hat. Doors Open: Mo – Fr: 11:00 – 19:00 Uhr Sa: 11:00 – 18:00 Uhr

Eberhardstr. 61 70173 Stuttgart 0711 / 236 51 95

MEHR FOTOS VON DEN STORES FINDET IHR AUF WWW.SNEAKERS-MAGAZINE.COM


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Four Stores

RETAIL DIAMONDS GRAND STORE

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(ZÜRICH)

www.grandism.com

Das Geheimrezept für einen top Sneakerstore umfasst viele Ingredienten. Vom guten Ladenkonzept über den durchdachten Brand Mix bis hin zur freundlichen Beratung von Leuten, die ihr Handwerk verstehen, sollte alles stimmen – und das tut es bei Grand im Grandism-Stil. Beherbergt in der Traugottstraße im ehemaligen Industriequartier Escher-Wyss, bietet der Laden exklusive Streetwear und Kicks-Kultur. Beim „Namedropping“ entgleiten uns an dieser Stelle Wörter wie Original Fake, Visvim, Idiom, Futura Laboratories, Alife, Nike Tier Zero, adidas oder New Balance. Zugleich ist Grand auch ein Streetart-Treffpunkt und kann mit angegliederter „Grand Cellar Gallery“ (Kreis 5) stolz behaupten, Künstlern wie Jeremy Fish, Will Barras, Marok oder Jono Wood eine Plattform geboten zu haben. Grandism wird hier also definitiv groß geschrieben. Doors Open: Mo – Fr: 11:00 – 19:00 Uhr Sa 11:00 – 18:00 Uhr

Traugottstraße 9 8005 Zurich 041 / 439 603 901

AMEN STORE (MÜNCHEN)

www.amen-store.com

Als angesagter Laden im nicht minder angesagten Glockenbackviertel stattet der Amen Store Münchens Upper Soleciety mit Shoe-Couture und Streetwear vom Feinsten aus. Amens „Who‘s Who“ der Bekleidungs-Abteilung beinhaltet Marken wie Wasted German Youth, Wemoto, Powley, Yum Yum oder Sixpack, während das Turnschuhsegment mit Nike, adidas, Alife, Clae, Supra oder Djinns auffahren kann. Aufgeregte Anwohner alarmierten wegen Verdachts auf Prostitution sogar schon die Polizei. Grund hierfür war jedoch nicht das skandalös-gute Sneaker-Sortiment, sondern der überdimensionale „FUCK ME LIKE THE WHORE I AM“ Spiegel, den zwar die Putzfrei aus moralischen Gründen nur ungern reinigt, ihr aber für 4500,Flocken erstehen könnt. Doors Open: Mo – Sa: 11:00 – 20:00 Uhr

Corneliusstraße 1 80469 München 089 / 990 185 88

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NOW I WANNA SNIFF SOME SHOE

Illustrationen: Ollanski

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urch die internationale Schwulenszene und das Internet geistert bereits seit geraumer Zeit ein Phänomen, das bei „normalen Sneakerfans“ wohl eher eine Mischung aus Faszination und Ekel hervorrufen dürfte: Bei Youtube, in verschiedenen Foren und Kleinanzeigen finden sich immer mehr User, die ihre sexuelle Vorliebe für stylische Turnschuhe, getragene Sportsocken und (stinkende) Füße propagieren. Was zunächst abwegig und bizarr anmutet, hat offensichtlich eine stetig wachsende Fangemeinde. Gibt es also eine Art Sneaker-Fetisch im eigentlichen Sinne? Sneakers sprach mit Ali Lyck, der in Berlin das Pornolabel „Sneaker Sex“ betreibt (im Web unter www.sneakersex. net) und sich der Produktion von speziell auf die Szene zugeschnittenen Filmen verschrieben hat.

Sneakers: Seit wann gibt es deine Produktionsfirma und wie bist du darauf gekommen, Sneaker-Pornos zu machen?

rumlaufen, stehen da auch sexuell drauf. Als ich meine ersten Gehversuche in der homosexuellen Szene machte und erzählte, dass ich gerne mal an Socken oder Füße ran möchte, waren die meisten geschockt. (lacht) Heute muss ich meist gar nicht mehr viel erklären. Sneakers: Wie viele Filme verkauft ihr und wie sieht es mit eurer Konkurrenz aus? Ali Lyck: Unsere Filme haben eine Auflage von 1.000 Stück (für Deutschland und Europa). Wir sind nicht die einzigen, die Sneakersex-Filme machen, aber sicherlich die professionellsten. Es gibt noch andere Produzenten, die auf diesen Zug aufgesprungen sind, aber es ist bei der Arbeit wichtig, dass du authentisch bist. Und das bin ich, weil Sneaker eben mein Fetisch sind. Sneakers: Gutes Stichwort. Kannst du versuchen zu erklären, was den Fetisch ausmacht? Und ist er eher Männern vorbehalten?

Ali Lyck: Absolut. Ich denke, dass 99 % aller Fuß- und Ali Lyck: Eigentlich bin ich Schuhfetischisten MänKameramann und drehe ner sind. Ich habe mich Dokumentationen fürs natürlich intensiv mit dem Fernsehen. Im Jahr 1998 Thema auseinandergesetzt habe ich dann aufgrund und mit sehr vielen Gleichmeiner eigenen sexuel„Schicke mir mit nächster Gelegenheit Deine gesinnten gesprochen. Ich len Vorliebe angefangen, glaube, dass das eine sehr letzten, neuen schon durchgetanz-ten SchuSneakersex-Filme zu devote Fantasie ist. Grundhe, von denen du mir schriebst, dass ich produzieren - vor allem, weil sätzlich beinhaltet sie, sich es damals noch keine bzw. nur wieder etwas von dir habe und an mein jemandem unterzuordnen, nur schlechte Pornos in dem Herz drücken kann.“ und zwar unter das allerunBereich gab. terste des Körpers: die Füße. Sneakers: Wie groß ist die (Aus einem Brief von J.W. Goethe an Natürlich spielt da auch der seine Geliebte Christiane Vulpius) Szene? Sind Sneaker ein Geruch eine Rolle. Zudem rein schwuler Fetisch oder haben Turnschuhe und wird er auch von Heteros praktiziert? weiße Socken ein sehr jugendliches Image, das ebenfalls mitschwingt. Es geht einfach darum, von einem jungen, Ali Lyck: Sneaker waren vor zehn Jahren in der Schwulencoolen Typen fertig gemacht zu werden, sich unterzuordszene überhaupt kein Thema und relativ verpönt, weil sie nen und gewissermaßen „gezwungen“ zu werden, ihm die als prollig galten. Bis man entdeckte, wie geil eine prollige Schuhe auszuziehen und die Socken und Füße zu lecken. und rotzige Attitüde sein kann. Heteros praktizieren das auch, stehen aber in dem Bereich eher auf Lack und Leder. Sneakers: Bei meiner Recherche habe ich ziemlich obskure Bei den Schwulen hingegen ist Sneakersex immer mehr Dinge gefunden. Auf Youtube gibt es z.B. einen Film, in auf dem Vormarsch. dem jemand in Reebok-Sneaker auf einer Pizza rumtrampelt… Ist das Quatsch oder tatsächlich Teil des Fetischs? Sneakers: Liegt das vielleicht daran, dass Sneaker in den letzten Jahren zu einer Art Lifestyleobjekt avanciert sind? Ali Lyck: (lacht) Es gibt bestimmte Randbereiche, die ich auch noch nicht so ganz verstanden habe. Man nennt das Ali Lyck: Ja, natürlich. Das bedingt sich gegenseitig. Aber „trampling“ und „stomping“. Dabei geht es darum, mit nicht alle Jungs, die in der Schwulenszene mit Sneaker möglichst geilen Turnschuhen irgendetwas zu zertreten,

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z.B. Plastikspielzeug oder eben Essen, und dadurch eine Art Power auszustrahlen. Es gibt da so einen Franzosen (seine Filme sind bei Youtube unter dem Username Selestomp zu finden. Anm. der Autorin), in dessen Streifen trampeln irgendwelche Jungs auf einer Pizza rum und er isst das Resultat dann von den Sohlen ab. Das ist natürlich auch eine extrem devote Geschichte. Selbst mir als eingefleischtem Fetischisten bleibt manches ein Rätsel. Obwohl ich mir gar nicht sicher bin, ob ich wirklich ein Schuhfetischist im eigentlichen Sinne bin. Ich bezeichne das eher als Vorliebe. Ich kann den Schuh nicht ganz losgelöst sehen, sondern brauche einen coolen Typen dazu, der drin steckt. Die Sneaker werden also eher in ein Sexspiel eingebunden – wie bei den Heteros z.B. Strapse oder High Heels. Bei uns sind es dann halt verschwitzte Tennissocken. 104

Sneakers: Mir ist aufgefallen, dass zum SneakerFetisch immer ein extrem stylischer Schuh gehört. Ali Lyck: Ja, das muss ganz klar ein Markenschuh sein. Die meisten Schwulen stehen auf Nike, teilweise auch auf adidas. Dann gibt es die Fraktion, die auf Skaterschuhe abfährt, so fette, klobige Dinger. Ich bewege mich in der NikeGruppierung: Die BWs, die 90er- und die silbergoldenen 97er-Modelle oder die Airforce – das sind Schuhe, die mich anmachen. Das liegt aber vor allem daran, dass Jungs auf der Straße, die ich sexy finde, solche Schuhe tragen. Sneakers: Was ist mit Chucks? Die sind doch in punkto Geruch unschlagbar, oder? Ali Lyck: Ja, allerdings, weil man in diesen Schuhen extrem schwitzt. Aber die finde ich uninteressant, weil sie so einen Öko-Punk-Charakter haben, der mich persönlich nicht anmacht. Sneakers: Was ich nicht ganz begreife: Was ist denn nun das geile an Sneaker-Mauken? Ich meine… Die riechen doch eigentlich eher unangenehm, oder? Ali Lyck: Es kommt darauf an. Es gibt Schwule, die auf extrem eingetragene Socken stehen und teilweise eine Woche ihre Schuhe nicht ausziehen und sogar in ihnen schlafen. Naja… Wenn ein Typ sich vor mir die Schuhe auszieht und mir steigen die Tränen in die Augen und zwar nicht vor Begeisterung, sondern weil sich meine Schleimhaut dagegen wehrt, dann geht mir das zu weit. Das Thema Füße polarisiert eh sehr stark. Es gibt Leute, die das total geil finden und der andere Pol findet es eher eklig. Aber gerade das ist Teil der devoten Fantasie.


Sneakers: Wie funktioniert die Szene? Wie finden sich Gleichgesinnte? Ali Lyck: Gayromeo.com (ein internationales Schwulenportal, ähnlich wie Facebook, Myspace etc., Anm. der Autorin) ist ein guter Versuch. Allein in Berlin sind täglich mehrere tausend online, die etwas mit dem Thema Sneaker-Fetisch zu tun haben. Dazu gibt es natürlich diverse Events, aber das Thema ist inzwischen derart mainstreamig, dass du in ganz normale Clubs oder Bars gehen und dort Gleichgesinnte kennen lernen kannst. Sneakers: Und wie geht’s mit deinem Pornolabel weiter? Ali Lyck: Das Pornobusiness ist für mich eher ein Hobby. Wenn ich zwei Produktionen hintereinander gedreht habe, merke ich, dass mir die Ideen ausgehen. Daher ist es ein eher langwieriger Prozess, einen Film zu konzipieren, auch was das Casting angeht. Die Leute wollen ja schließlich immer wieder neue Gesichter und vor allem neue Füße sehen.

Text: Katja Vaders

Oliver Lück, aka Ali Lyk, fing 1987 als Kameraassistent an, drehte aber schon ein Jahr später seinen ersten Dokumentarfilm. Seit 1993 ist er als Kameramann in seiner eigenen Produktionsfirma, Luxure Filmproduktion, tätig und versorgt die Fetischszene mit Sneakersex in bewegten Bildern.

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Text: Dirk Vogel

PUMA

SUEDE DER ECHTE KLASSIKER KEHRT ZURÜCK 106


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er Puma Suede gilt als DER klassische Schuh aus dem Hause Puma. Wie wenige andere Sneaks schlägt der schlichte Wildlederschuh die Brücke zwischen Sport und Style, zwischen Funktionalität und zeitloser Eleganz. Lange Jahre war der Kult-Sneaker nur als Remake erhältlich. Im Juli brachte Puma den Suede im Rahmen der „Puma Archives“Kollektion wieder im Original-Schnitt von 1968 heraus. Man stelle sich vor: Coca-Cola verliert ihr Rezept – weg! Einfach nicht mehr aufzufinden! Natürlich wollen die Leute weiter Cola trinken, also kommt behelfsmäßig eine neue Coke auf den Markt, vom Rezept her so nah wie möglich am Original gemischt. Aber der Geschmack ist einfach nicht der gleiche, das merken die Fans sofort. So ähnlich war das auch beim Puma Suede, dem 1968 erschienenen Basketball Sneaker des internationalen Sportlifestyleunternehmens aus Herzogenaurach. Schon sehr früh entwickelte sich der Schuh zur Style-Ikone und erfreut sich bei Breakdancern, BMXern, Skateboardern, Punk-Rockern und Rappern bis heute großer Beliebtheit. Was jedoch nur wenige Puma-Fans wussten: Der Suede war längst nur ein „Nachbau“, denn die original Schablonen und Gussformen – in der Branche „Tooling“ genannt – waren bereits gegen Mitte der Achtziger Jahre archiviert worden. Dementsprechend weisen Neuauflagen wie die Suedes der seit 2005 erschienenen Yo! MTV Raps Serie – mit Farben und Mustern von Rap-Ikonen der gleichnamigen Fernsehsendung – viele kleine, aber feine Unterschiede auf. Sie sind unter anderem breiter geschnitten und haben eine höhere Außensohle. „Es kann immer mal passieren, dass die Originalformen von älteren Modellen irgendwann kaputt oder verloren gehen, oder – wie in diesem Fall – archiviert werden und dadurch nicht mehr verfügbar sind“, erklärt Helmut Fischer, Head of Sport Marketing, PR, Media and Marketing Services, Germany. „Man kann einen Schuh dann zwar aus alten Katalogen oder Broschüren rekonstruieren, aber der Schnitt ist oft einfach nicht derselbe.“

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Ein glücklicher Fund Vor einem Jahr änderte eine unverhoffte Entdeckung die Lage: „Wir haben in einer unserer Fabriken in Asien ein weiteres intaktes Tooling des original Suedes gefunden“, sagt Helmut Fischer. „Der Suede wurde ja früher in aller Welt produziert, nicht nur in Europa.“ Dank dem Fund konnte die Marke mit dem geschwungenen Streifen den verloren geglaubten Schuh als 1:1 Originalversion neu auflegen: Der Suede ist jetzt als erstes „True Original“ der „Puma Archives“-Kollektion wieder auf dem Markt – und zwar ausschließlich in Europa. Welche Philosophie steckt hinter den Puma Archives? „Es geht darum, Produkte, die eine lange Geschichte und einen gewissen Lebenszyklus hinter sich haben, wieder neu zum Leben zu bringen“, erklärt Helmut Fischer. „Bei den True Originals geht es weiterhin darum, die Schuhe möglichst unverändert und originalgetreu zu produzieren.“ Der neue/alte Suede weist neben original Farben und dem gleichen Wildleder – auf Englisch „Suede“ (daher der Name) – New Colorways: Coming Spring/Summer 2010


dolf Dassler zu und wollte den ersten niedrig geschnittenen Basketball-Schuh mit seinem Namen darauf“, erinnert sich Helmut Fischer, bereits seit 34 Jahren beim Unternehmen. Mit seiner sympathischen Ausstrahlung und Ausnahmeleistungen als Pointguard war der 2,10m große Clyde Frazier die perfekte Marketingfigur für ein Massenpublikum: „Kein anderer Athlet verstand es besser, sportliches Können und Style zu verbinden“, schrieb der amerikanische Sport-Blogger Atillathehun101 kürzlich über Frazier. Von Anfang an bewarb Puma den Clyde gleichzeitig als Sportund Modeschuh, mit Slogans wie “Clyde is wearing Pumas to Play. And for Play.” Eine andere Werbung spielt auf Clydes Rekord-Talent im Ball abnehmen an: „I steal for a living.“ Die Image-Werbung kam an, und die Fans trugen den Schuh millionenfach, nicht nur beim Sport. Oft behaupten Sneaker-Magazine und andere Medien, der Clyde und der Suede seien vom Aussehen her identisch, oder es handle sich um den gleichen Schuh – was jedoch nicht stimmt: „Der Clyde ist breiter geschnitten und hat im Gegensatz zum Suede keine Stitchings in der Außensohle. Außerdem liegt der Form Strip beim Clyde enger an und ist nicht so wellig wie beim Suede. Der Suede hat auch ein Logo an der Ferse und der Clyde nicht.“

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Alles Original

auch weitere feine Details auf: „Das Original war vorne spitzer und hatte eine etwas niedrigere Außensohle. Dem sind wir zu 100 Prozent nachgekommen.“ Weiterhin ist der Sock-Liner im Inneren des Schuhs „jetzt wieder im All-Over Logo Print voll bedruckt, und der Form Strip und die Schrift unter dem Logo sind auch wieder wie früher.“

Eine ereignisreiche Geschichte „Wie viele andere Klassiker hat auch der Suede als reiner Basketballschuh angefangen, ähnlich wie der Converse Allstar oder der Dunk“, sagt Fischer. Aber schon bald entwickelte der 1968 erschienene Wildleder-Schuh eine Eigendynamik und avancierte zum Mode-Objekt. Einen großen Beitrag leistete ein prominenter Schuh, für dessen Design der Suede seinerzeit Pate stand: Der Puma Clyde, der 1973 erschienene Profi-Schuh des legendären Basketballspielers Walter “Clyde” Frazier von den New York Knicks. „Frazier kam damals von sich aus auf [Puma-Gründer] Ru-

Der Startschuss für den Re-Launch des Puma Suede fiel mit der Vorstellung auf der Bright Tradeshow in Frankfurt am 13. Juli. „Wir wollen den Suede in Europa sehr limitiert und originalgetreu halten“, sagt Helmut Fischer. „Die kommenden drei Saisons über wird es keine farblichen Updates geben, dafür bringen wir jetzt Farben, die es lange nicht gab, wie Lila und Gelb oder die ‚Beastie Boys’-Farben Schwarz und Rot.“ Stichwort „Beastie Boys“ – mit welcher Einstellung verbindet Puma den Schuh eigentlich? „Der Suede ist auf jeden Fall mehr als nur ein Basketball-Schuh. Man findet ihn in allen Szenen, vom Hip-Hop bis Punkrock ist er weit und breit vertreten. Man sieht auch Mütter im Suede einen Kinderwagen über die Straße schieben, oder einen Gitarristen in einer Hardcore-Band auf der Bühne stehen. Diese Art von Popularität bei einem breiten Publikum hat dem Schuh über die Jahre immer wieder enorme Aufmerksamkeit beschert und echte Akzente gesetzt.“ Eine etwas abgedrehtere – und vielleicht durch den ein oder anderen missglückten Headspin hervorgerufene – Theorie hat der japanische Breakdancer XBlade 321 zu bieten: „Pumas enthalten Plutonium, das geht durchs Nervensystem direkt ins Gehirn und verschafft mehr Kreativität, Stärke, Beweglichkeit und Ausdauer.“


SPORT UND STYLE: WALT „CLYDE“ FRAZIER In der Geschichte der National Basketball Association (NBA) gilt Walt „Clyde“ Frazier von den New York Knicks als Ausnahmetalent. Der 1945 in Atlanta geborene Pointguard brach mit Schnelligkeit und Ballgefühl sämtliche Punktrekorde seiner Zeit und verhalf den Knicks zweimal zum Meistertitel: Erstmals 1970 im legendären Finale gegen die LA Lakers – Clyde holte 36 Punkte, 19 Assists und 7 Rebounds – und ein zweites Mal 1973. Fotos aus dieser Zeit zeigen den jubelnden Frazier oft bei Breakdance-Einlagen auf dem Parkett des Stadions – vielleicht schon ein Vorgeschmack auf die vielen Breaker und B-Boys, die in den Achtzigern auf den Clyde abgingen.

Ob das mit der Radioaktivität wirklich stimmt, bleibt zu bezweifeln. Aber eine lange Lebensdauer erwartet sich Puma vom neu aufgelegten Suede auf jeden Fall: „Ich glaube, der Suede wird einen langen Lebenszyklus haben und die nächsten acht bis zehn Jahre sicher auf dem Markt sein. Da spielen natürlich viele Faktoren mit rein und es gehört auch Glück dazu. Aber das Feedback von den Kunden stimmt bis jetzt.“

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Auf WWW.SNEAKERS-MAGAZINE.COM findet ihr ein Interview mit Helmut Fischer, Head of Sport Marketing, PR, Media and Marketing Services, Germany. Er traf Clyde Frazier im Jahr 2006 persönlich.


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ONE TRUE

SAXON KEEPIN’ THE SOLE IN CASUAL Text: Andreas Grüter Fotos: Dominic Marley

So verschroben die Briten mitunter auch sein mögen, in Sachen Fashion wurde auf der Insel stets ein Höchstmaß an stilistischem Sachverstand bewiesen und Nottingham’s very own ONETrueSaxon bildet da keine Ausnahme. 2000 als High-Class Casualbrand an den Start gegangen, setzte man getreu des Mottos „Don‘t dress like a ‚dude‘ or a ‚swell‘; nor carry a little poodle dog – a man‘s glory is his strength and manliness – not in aping silly girls” neben hochwertigen Jacken und Hosen von Anfang an auch auf eine extrem detailverliebte Footwear Range, die bis heute Attribute traditioneller Brown-Shoes mit Elementen der Sneakerkultur verbindet. Im Vorfeld der neuen Kollektion, die ab Januar dank neuer Vertriebsstruktur endlich auch wieder verstärkt in deutschen Läden erhältlich sein dürfte, sprachen wir mit Footwear Product Manager Paul Arnett über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Labels.

Hallo Paul. Kannst du dich bitte kurz vorstellen? Ja gerne. Mein Name ist Paul Arnett, ich bin 43 Jahre alt und beschäftige mich seit meinem 16. Lebensjahr mit Schuhen. Ich habe das ganze Footwear-Business nicht an der Universität oder so studiert, sondern von der Pike auf als Handwerk erlernt. Man kann sagen, meine Uni waren die Schustereibetriebe meiner Heimatstadt Northampton. Ich bin seit drei Jahren bei ONETrueSaxon und habe vorher unter anderem für Ben Sherman und Base London gearbeitet. Während „Casual“ in Resteuropa eine rein modische Stilistik beschreibt, steht der Begriff in Großbritannien für eine komplette Subkultur, die eng mit Fußball, Musik und Mode verknüpft ist. Wie sehr seid ihr mit der Szene verbunden? Sehr eng. Die drei Jungs, die das Label gegründet haben, sind, wie auch alle anderen, die hier arbeiten, große Fußball-Fans und wirklich manisch, wenn es um modische Detailarbeiten geht. Alle drei haben sich übrigens über ihren Job bei Paul Smith kennen


gelernt und Paul Smith ist auch neben Labels wie Stone Island eine wirklich nachhaltige Inspiration für uns. Er kommt wie wir aus Nottingham, steht auf hochwertiges Detail- und Qualitätshandwerk und war früher lange in der Northern Soul Szene unterwegs, die wiederum ziemlich eng mit der ganzen Casual-Geschichte verknüpft ist. Ihr seid von Anfang an sowohl mit Bekleidung als auch mit Schuhen durchgestartet, oder?

Kunden auch überhaupt nicht funktionieren. Wenn die echte Sneaker wollen, kaufen sie die Originale, also zum Beispiel adidas „Samba“ oder Nike „Tennis“. Das sind Leute, die sich wirklich obsessiv mit Stil, Funktionalität, Design, Qualität und Ursprung auseinandersetzen, Casuals halt. Teilweise gleicht das fast nerdigem Briefmarkensammeln. Aber hey, ich

es klingeln und hoffen, dass jemand zu Hause ist. Ich liebe es, nach diesen ganz besonderen Dingen zu stöbern und davon haben wir im Laden eine ganze Menge. Aftershave vom ältesten britischen Produzenten für Rasierzubehör etwa oder die wunderbaren Brady Bags, die ihren Ursprung im Angeln haben. Das ganze Sortiment wurde mit viel Herzblut zusammengetragen und wird den Besuchern natürlich auch ausführlich erklärt.

Na ja, der Schwerpunkt lag in den ersten Jahren ganz eindeutig auf den Textilien. Schuhe gab es natürlich auch, aber das Team war damals wirklich klein und du weißt, wie aufwendig es ist, wirklich gute Footwear zu produzieren. So richtig durchgestartet sind wir damit erst vor drei Jahren, als ich in die Firma kam. Wir sind hier übrigens insgesamt nur neun Leute, was die Arbeit ziemlich familiär macht. Wie eng ist das Schuhdesign denn an die textilen Entwürfe gekoppelt?

“Unser Shop funktioniert ein bisschen wie das Sehr eng. Bekleidung und Footwear müssen zwar auch Label. Er liegt in einer kleinen Seitenstraße und unabhängig voneinander du musst danach suchen, um ihn zu finden und funktionieren aber wir wenn du dann endlich vor der Türe stehst, heißt legen sehr großen Wert daes klingeln und hoffen, dass jemand zu Hause ist.“ rauf, dass der ONETrueSaxon Stil sich wie ein roter Faden durch die komplette Kollektion zieht. Jeder, der unsere Textilkollektion liebt, sollte sich finde es fantastisch und würde mir auch mit den Schuhen identifizieren wünschen, dass es mehr solcher Typen können. gibt. ONETrueSaxon passt da, so wie wir arbeiten, wirklich perfekt rein. Eure Footwear bewegt sich irgendwo zwischen Sneaker und Casual-Schuh. In eurem Laden in Nottingham verkauft Plant ihr zukünftig mehr in Richtung ihr neben euren eigenen Kollektionen klassischer Kicks zu gehen? auch einige andere Label. Hattet ihr keine Lust auf einen Monostore; oder wie Nein, überhaupt nicht. Wir fühlen uns kam es dazu? in unserer Nische absolut wohl. Wenn ich unseren Stil definieren müsste, Unser Shop funktioniert ein bisschen würde ich sagen, wir sind das Beste wie das Label. Er liegt in einer kleinen aus Oldschool Sneaker und Desert Seitenstraße und du musst danach suBoot-Style. Klassische Kicks an den chen, um ihn zu finden und wenn du Start zu bringen, würde bei unseren dann endlich vor der Türe stehst, heißt

Was steht für euch in den kommenden Monaten an? In Kürze kommen unsere ersten Kollabo-Schuhe an den Start, die wir zusammen mit 7Inch aus Kopenhagen entwickelt haben und auf längere Sicht planen wir definitiv auch eine Zusammenarbeit mit einem traditionellen Schuhmacher. Die Idee, Sneakersohlen mit einem handgefertigten Upper zu kombinieren, also Althergebrachtes quasi zu re-modernisieren, brennt uns schon lange unter den Fingernägeln. Auf lange Sicht hoffe ich, dass sich ONETrueSaxon Footwear zu einem zeitlosen Klassiker entwickelt, ähnlich vielleicht Doc Martens oder Clarks.

www.onetruesaxon.com

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SURVIVAL

OF THE FRESHEST 30 JAHRE SUPERSHOES


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s lebe die natürliche Selektion: ein Schuh, ein Känguru und der Rest ist Sneakergeschichte. Die hatte schon die eine oder andere Mutation zu verzeichnen, als ein gewisser Bob Gamm daherkam und in den späten 70ern des letzten Jahrhunderts dem aufrecht gehenden Menschen klarmachte, in welchem entscheidenden Punkt man dem australischen Beuteltier nachsteht. Seitdem gibt es den Schuh mit der Tasche – eine modifizierte Adaption in der Evolution des Sneakers, an der auch Darwin sicher seinen Spaß gehabt hätte. Gespannt betrachten wir hier einige (r)evolutionäre Highlights der Labelhistory: KangaROOS feiert seinen 30. und lässt seine wohlbehütete Überraschungskollektion aus dem Beutel. Doch vorweg ein bisschen History Repeating.

Es begann alles relativ pragmatisch, als Bob Gamm, seines Zeichens Architekt, passionierter Jogger und Basketballer, 1979 das US-Label KangaROOS gründete. Wie viele andere Lauffreunde war er genervt von der Frage „wohin mit dem Haustürschlüssel?“ und ließ sich für das allererste Modell, der superleichte Laufschuh ROOS Combat, zur Lösung mit der kleinen Tasche inspirieren. Diese sollte von nun an alle Designs folgender Modelle zieren und auch das Corporate Design des Labels prägen. Noch im selben Jahr

gewann Laufkoryphäe Henry William Rodgers aka Bill Rodgers mit seinen Combats den Boston City Marathon und toppte die eigene Bestzeit und gleichzeitig den amerikanischen Rekord mit unglaublichen 2:09:27. Im Gegensatz zu anderen Logo-Labeltierchen namhafter Sneakerbrands ist das Känguru ein sympathischer, wenig aggressiver, wenn nicht sogar niiiiiedlicher Zeitgenosse. Der Schuh mit Gimmick kommt jedem auch nur latent basketballaffinen 80s Kid als „KangaROOS - SuperShoes!“ in Erinnerung, der sich vom Performanceschuh in diversen Sportresorts zum fashionable Straßenschuh mauserte. KangaROOS machte anfangs irgendwie einige Dinge anders als die Konkurrenz: im Gegensatz zu Mitbewerbern aus der Lauf- und Basketballschuhszene feuerte KangaROOS keine dicken Budgets in den Werbeofen. Stattdessen setzte die Marke damals innovativ und geschickt auf die Ausstattung von Testimonials und erfolgreichen Größen populärer Sportarten – heute gehört genau das standardmäßig zum MarketingRepertoire. KangaROOS baute damit eine ganz eigene Hall of Fame mit ROOS-tragenden Helden der damaligen Zeit auf. Gerade einmal ein Jahr verging von der Idee zur Realisierung und schließlich bis zum Hype: 1980 verkaufte sich der Combat in den USA unglaubliche 700.000 Mal pro Monat. Gramm profitierte beim erfolgreichen Abverkauf der Laufschuhe von der Euphorie der weltweiten Joggingwelle und wurde zu diesem Zeitpunkt überraschend Inhaber der am schnellsten wachsenden Firma der USA. Und gleichzeitig bescherte er zigtausend Joggern (schwitz-)freie Hände. Und während sich die Welt weiter im Joggingfieber erhitzte, setzte sich der Beute(l)zug von KangaROOS 1983 im Basketball fort: der legendäre ROOS Sky Walker eroberte die NBA, ein Klassiker unter den Basketball Boots. Mit Ankle Strap, farbiger Außensohle und selbstverständ-

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lich mit Tasche, verhalf einer seiner prominentesten Träger, NBA-Legende Clyde „The Glide“ Drexler, dem Hi-Top zur Popularität über die Sportarenen hinaus und machte ihn zum Must-Have der 80er Jahre Street Couture. Drexler holte als Teamplayer des 92er Dream-Teams bei den Olympischen Spielen in Barcelona Gold und darf sich seit 1996 zu den 50 besten NBA-Spielern aller Zeiten zählen.

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Gamm sah sich nach fünf Jahren „Original Shoes with Pockets“ von der Tatsache konfrontiert, dass besonders der Laufschuhmarkt hart umkämpft war. Er wollte das Image aufpolieren und ROOS vom Mainstream Gimmick-Schuh zum konkurrenzfähigen Profilaufschuh wandeln. Er startete den Versuch, sich zwischen Air, Torsion, Disc, Pod, Pump, Kinetic, Wedge, Gel, Hydroflow zu etablieren und holte sich dafür Verstärkung in Form des ehemaligen Nike-Designers Ray Tonkel. Es entstand Dynacoil, ein patentiertes und von der NASA getestetes Energierecycling- und Dämpfungssystem für die Sohle. Das später von diversen Mitbewerbern übernommene Konzept schaffte es, sich in der ersten Liga innovativer Laufschuhsysteme zu etablieren. Als IrgendwieAlleskönner produzierte KangaROOS also Schuhe im Laufsport, Basketball und Baseball wie auch im Hockey, Tennis und in der Leichtathletik. Im Football entstand eine besondere und bis heute anhaltende Freundschaft zwischen Känguru und Bär: Als die Chicago Bears 1986 das erste und einzige Mal den Superbowl XX gewannen, waren es vor allem William „The Fridge“ Perry und Walter Payton, die den ROOS Bear Lo und Bear Hi trugen. Wenn auch nicht ganz so erfolgreich wie die Chicago Bears in den USA, so punkteten kurze Zeit später einige junge Pfälzer im weit entfernten Deutschland: Das Basketballteam des TSV Speyer von Coach Günter Glasauer stieg 1988/89 von der Regionalliga in die 2. Bundesliga auf und bekam das erste Teamsponsoring von KangaROOS – ein absolutes Highlight in der noch jungen, deutschen Basketballgeschichte. Ausgestattet mit Trikots und den ROOS Slam Dunks (kombiniert mit heißen SuperShorts und den besten denkbaren (Gesichts-)Frisuren, wurden sie zu dieser Zeit wie kleine Stars gefeiert.

Heute feiert KangaROOS den einstigen Football Superstar Payton mit dem re-issued ROOS Sweetness im Rahmen der jetzt erscheinenden, limitierten Jubiläumskollektionen Heritage Lines. Und auch die ehemaligen Pfälzer Basketballidole können sich über eine Neuauflage ihres ersten gesponserten Slam Dunks freuen. Als wären sie nie wirklich weg gewesen, präsentiert KangaROOS 2009 sämtliche ihrer populärsten Modelle der 80er in spannenden Neuauflagen: Über 30 Designs wie Combat, Trap, Suede, Game, Sky Walker, Dazzle oder Revenge bekommen mit neuen und ursprünglichen Farbkombos einen freshen Anstrich verpasst. Damit würdigt KangaROOS seine unvergessenen Helden wie auch den wichtigsten Teil der Unternehmensgeschichte. „Ich glaube, die Zeit ist reif dafür. Der Markt braucht Neues, aber auch gutes Altes!“ erklärt Bernd Hummel. Er ist der größte Lizenznehmer von KangaROOS und vertreibt die SuperShoes in Deutschland sowie in 20 weiteren Ländern. „1981 habe ich KangaROOS mit einem kleinen Messestand auf der New York Shoe Show entdeckt: ‚Introducing the first Athletic Shoes with Pockets!‘“ Seitdem steuert er aus dem beschaulichen, ebenfalls pfälzischen, Pirmasens die hoppelnde Sneakerherde europaweit und verkauft heute über 2 Millionen Paar Schuhe pro Jahr. Auch die Core-Sneakerszene ist dabei, KangaROOS wieder verstärkt für sich zu entdecken. Eine Annäherung mit Sammlernerds, Turnschuhdinosauriern und deren skeptischen Nachfahren könnte es nämlich auf der Sneakermesse SNEAKERNESS am 10. Oktober in Wien geben: Hier launcht KangaROOS ein auf 50 Stück limitiertes und mit Sneakerness-Logo gelabeltes ROOS Modell. „Mit den Heritage Lines antworten wir auf eine große internationale Nachfrage nach ursprünglichen Designs der Marke. Wir werden diesen eingeschlagenen Weg fortsetzen und auch mit Neuentwicklungen von Sneakern ergänzen“, antwortet Hummel auf die Frage nach dem Jetzt und Bald. „Just don’t call it a Comeback!“ heißt das Motto, das sich neben Michael Schuhmacher und LL Cool J auch KangaROOS auf die Fahne geschrieben hat und das eigentlich nur bedeuten kann, dass es weiter nach vorne geht: Adaption und Modifikation – ganz im Sinne der Sneaker Evolution.


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SAILING INTO THE

NIGHT EINE FOTOGRAFISCHE SEGELSCHUH-REISE VON

ALEXANDER BASILE

Sperry


Marc O‘Polo

Lacoste


TImberland

Keep

Timberland Boot Company

Sperry Sperry

Sebago

Sperry


Sebago

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adidas ZX Boat

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Vans

Sperry

Sperry

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Timberland

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Marc O‘Polo


Sperry


CHANGING

CANVAS

Text: Andreas Gr端ter Fotos: Schiko

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www.lebeat.de „Customizing“ fand für den Graffiti-Künstler André Kniepkamp früher meistens auf Hauswänden statt. Heute überträgt er seine Kunst gerne mal auf andere Leinwände, und so kann es – neben Treibholz – gerne auch mal ein Sneaker sein. Was ihn daran reizt, Acrylstifte von Molotow zum Einsatz kommen, erklärt uns der 35-Jährige selbst.

Hallo André. Kannst du dich bitte kurz vorstellen? Okay, mein Name ist André Kniepkamp, ich bin 35 Jahre alt, wohne in Köln und wenn ich nicht gerade als freier MotionDesigner für diverse Kunden arbeite, fotografiere ich viel, arbeite an Illustrationen und dem, was man so landläufig „Streetart“ nennt. Ich bin zudem seit mehr als 15 Jahren in Sachen Graffiti unterwegs, habe das aber als Familienvater mittlerweile ziemlich eingeschränkt. Man muss sein Glück ja nicht überstrapazieren. Du hast Streetart erwähnt. Wie ist deine Herangehensweise ans Sujet? Mich interessiert die Arbeit mit Materialien, die man überall finden kann und denen man normalerweise eher wenig Beachtung schenkt. Derzeit male ich viel auf Treibholz, was vielleicht damit zu tun hat, dass ich als Surfer das Meer und alles, was damit zu tun hat, liebe. Für mich ist das ein bisschen wie Miniatur-Graffiti. Was den Style angeht, so versuche ich die Leute immer zum Schmunzeln zu bringen. Ich bin ein hoffnungsloser Ren & Stimpy Fan und dieser ganz spezielle Humor schlägt bei meinen Artworks sicherlich mit durch. Hast du dabei spezielle Vorlieben in Sachen Technik? Eigentlich nicht. Ich experimentiere gerne mit verschiedensten Materialien – seien es nun Lacke, Tuschen, Marker oder Acrylfarben. Wichtig ist, dass die Qualität der Ausrüstung stimmt. Man muss die Farben sauber mischen können, sie müssen auf möglichst vielen Untergründen halten und sie sollten lösungsmittelfrei sein. Mittlerweile bemalst du ja auch Schuhe. Wie ist es dazu gekommen? Haha, das weißt du doch fast besser als ich. Ihr habt mich doch ausfindig gemacht und mir ein Paar Reeboks zum Bemalen in die Hand gedrückt. Ihr habt mich angefixt und jetzt häng’ ich an der Sohlen-Nadel. Aber gut, ich finds super. Aber im Ernst, als Grafiker mit einem Faible für diesen ganzen Street-Lifestyle gibt es einfach einige Dinge, von denen man immer träumt. Bei mir gehörte neben der Gestaltung eines Skate-, eines Snow- und eines Surfboards auch immer die Bearbeitung eines Schuhs dazu. Ich habe insgesamt vielleicht zehn Paar Kicks, bin also überhaupt kein Sammler oder so, aber ich trage die Dinger seit Ewigkeiten und natürlich haben sie in meinem Leben eine besondere, wenngleich auch zumeist funktionale, Bedeutung. Die ganze Szene find ich allerdings extrem inte-

ressant – ich bin grade dabei eine für mich noch völlig neue Subkultur zu entdecken. Du bemalst Schuhe auch gerne mit Acrylstiften von Molotow. Kannst du uns kurz sagen warum? Ich kannte die Stifte natürlich schon vom Graffiti, aber über die Schuhnummer habe ich die noch mal von einer anderen Seite kennen gelernt. Es ist einfach insgesamt ein perfektes System. Sie decken supergut, was schon mal ein killer Feature ist. Die Farbauswahl ist breit gefächert, sie sind lösungsmittelfrei, ergiebig und man kann sie nachfüllen und Mienen austauschen – eigentlich alles, was man braucht. Und was sind deine Lieblingskicks? Okay, wichtig ist mir grundsätzlich, dass meine Schuhe schlicht, robust und vegan sind. Meine Lieblingssneaker sind definitiv Oldschool-Vans und Chucks. Zudem mag ich Ethletics und finde Ipath und Simple auch ziemlich interessant. Ich trau’ den meisten großen Firmen in Sachen Nachhaltigkeit und sozialen Standards nicht wirklich über den Weg und versuche derzeit mehr über kleine, fair produzierende Labels herauszufinden. Was steht für dich in der Zukunft an? Nach Ausstellungen in Hamburg und Köln klappt es in absehbarer Zeit hoffentlich auch mit einer Schau bei den Düsseldorfern von Slowboy oder auch im Ausland. Zudem möchte ich mich parallel zu der Arbeit an bewegten Bildern auch weiterhin intensiv mit Illustration und Characterdesign beschäftigen.

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TIMBERLAND

SAILING

REDUX 126

Wenn ein durch und durch klassischer Schuhstyle durch die Mangeln der Custom-Moderne gedreht wird, können genau zwei Dinge passieren: Entweder der Coup geht gnadenlos in die Hose und hinterlässt jede Menge verbrannte Erde oder das Resultat ist so atemberaubend, dass es in kürzester Zeit neue Trends setzt. Wie geschehen im Falle vom Timberlands „Design your own Boatshoe“-Projekt. Hand aufs Herz, wer aus der internationalen Sneakerszene hätte vor ein Paar Jahren auch nur einen Pfifferling auf Timberland’s Segelschuh Kollektion gesetzt? Bis auf einige wenige ausgewiesene Experten wohl niemand, schließlich

galten die Schnürer als der Inbegriff des sohlengestärkten Konservativismus und mithin als absolut passé. Wie sehr sich die Zeiten mittlerweile geändert haben und wie sehr lieb gewonnene Klischees heute durch komplett neue stilistische Realitäten quasi links überholt werden, beweist das Label jetzt zum 30. Jubiläum des Timberland Boatshoes auf www.timberland.com. Hier kann man nicht nur Farbe und Materialbeschaffung jeglicher Upper-Elemente seiner Sailing Footwear einzeln auswählen, sondern auch so ziemlich alle anderen Details – angefangen bei der Zunge bis hin zu den Laces, Sohlen, Nähten und Ösen – individuell bestimmen. Und das für gleich vier handgefertigte Modelle. Awesome!


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Rubriktitel

LACING TECHNIQUE

MIT MR. LACY

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Die einfachste und effektivste Art, Schuhe zu customizen ist nicht der Griff nach Teppichmesser, Lackstift und Co., sondern eine neue Schnürsenkel-Kombo. Eine etwas weniger bekannte, aber dafür umso stylischere präsentieren wir euch an dieser Stelle wieder zusammen mit Mr. Lacy – embrace your lace(s)!

Schuh: DC Xander Sixpack


„FOOTBAG LACING“ Diese Lacing-Methode hat eine ziemlich prägnante Optik, deren funktionaler Sinn sich auch „non-natives“ ziemlich schnell erschließt, wenn man den Zweitnamen dieser Technik kennt – „Hacky Sack Lacing“. Denn Hacky-Sack-Spieler benutzen sie oft, um den vorderen Teil des Schuhs zu öffnen und somit das Kontrollieren des Balls zu vereinfachen. Aber auch Menschen, die keinen Hang zu Miniaturbällen haben, können wir das „Footbag Lacing“ empfehlen. Es gibt verschiedene Versionen, aber typisch sind die langen, geraden Stücke, die den vorderen Bereich nach außen ziehen.

Contact Mr. Lacy Germany: info@familydistribution.de // Mehr Laces und Farben: www.mrlacy.com

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Die Laces laufen quer über den Schuh und kommen durch das dritte Loch von unten hoch.

Jetzt laufen beide Enden geradewegs nach unten und gehen in das zweite Loch von unten.

Beide laufen jetzt von Neuem runter und kommen durch die untersten Löcher hoch.

Nun verlaufen Sie außen schnurstracks nach oben und werden in das vierte Löcherpaar von unten gefädelt.

Die Enden überkreuzen sich und kommen dann von unten durch das nächste Paar.

Einfach Schritt 5 wiederholen, bis man oben angekommen ist – Hacky Sack Olé!


ANDY CHIU

STEVEN VOGEL

SKISM

Blog Attack

U

nd schon wieder befreit Sneakers Magazine zum Schluss berüchtigte Turnschuhträger aus der Einöde ihrer Blogosphäre und fragt in Turnschuh-Dingen nach – wir bringen virtuelle Meinungen aufs Papier. Here we go ...

STEVEN VOGEL 130

WWW.THEWICKEDKINGSBLOOD. TUMBLR.COM/ Lieblingsmodell der Sekunde? Oh, schwierig! Im Moment wechsele ich ständig zwischen Converse Chuck Low und Vans Eras. Alltime Faves? Converse Chucks in Schwarz.

STEFAN BATSCH AKA SKISM WWW.ARTSCHOOLVETS.COM/ BLOGS/SKIS Lieblingsmodell der Sekunde? Vans Authentic in leuchtendem Zitronengelb. Zum Herbst wird es jedoch der Etnies Plus Sly2 Mid grey sein. 3 Alltime Faves?

Welche Farbe geht bei Schuhen gar nicht?

Vans: Authentic, Classic Slip-On, Old Skool Pro.

Alles, was neon- oder pastellfarben oder ähnlicher Mist ist.

Welche Farbe geht bei Schuhen gar nicht?

Welche Non-Sneaker sind legit?

Geht nicht, gibt‘s nicht. Hängt alles vom Reststyling ab.

Doc Martens, 3 hole in Schwarz und 8 hole in suede/brown. Clarks Desert Boots.

Welche Non-Sneaker sind legit?

Wie viel Geld würdest du maximal für ein Paar Sneaker ausgeben? Kommt drauf an, aber bei 150,- Euro ist meine Schmerzgrenze ganz klar erreicht. Wer müsste einen coolen Schuh tragen, damit du ihn DESHALB nicht holen würdest? Kanye West und die meisten MTV Rapper an sich. Wie viele Schuhe besitzt du? Ich sammle nicht, daher meistens so zwischen 10 und 15 Paar pro Saison. Wieviel Prozent davon trägst du? 100 %. Schlussworte? Weniger Collabs bitte! Und wir brauchen mehr gute Sneakerläden in Deutschland, die auch Zugang zu den tollen Editions aus Asien haben. Nichts nervt mehr als Schuhe auf Blogs zu finden, die es hier dann überhaupt nicht oder nur 10 mal gibt.

Es gab mal weiße Dries van Noten, für die wär‘ ich gestorben. Desert Boots gehen auch und einige Modelle von Jil Sander ebenso. Wie viel Geld würdest du maximal für ein Paar Sneaker ausgeben? Ich bin kein Sneaker-Nerd, der sich teure Japan-Kacke in die Vitrine stellt. Wenn mich ein Schuh wirklich triggert läge meine Grenze bei 500,– Euro. Wer würde einen Schuh untragbar machen? Der erste der mir in den Sinn kam, war Stefan Raab. Ich verabscheue ihn und seine Art. Wie viele Schuhe besitzt du? Etwa 60 Paar. Wie würde dein Custom-Modell aussehen? So schlicht wie möglich. Schlussworte? Ihr seid doch alle krank.

ANDY CHIU WWW.HYPEBEAST.COM/BLOG/ ANDYCHIU Lieblingsmodell der Sekunde? adidas Zeitfrei :-) Alltime Faves? AJ III / AJ I / adidas Gazelle / Puma Clyde / Visvim FBT / Air max 1 Welche Farbe geht bei schuhen gar nicht? Geht nicht gibts nicht – kommt immer auf die Kombo an Welche Non-Sneaker sind legit? Visvim FBT LHAMO Wie viel Geld würdest du maximal für ein Paar Sneaker ausgeben? 1000,- Euro Wer müsste einen coolen Schuh tragen, damit du ihn DESHALB nicht holen würdest? I don‘t hate ... Wie viele Schuhe besitzt du? Ich zähle nicht mehr regelmässig, aber es dürften so um die 300 bis 350 Paare sein. Deine persönliche Tragequote? 15% etwa – da ich nicht die Freiheit habe, das anzuziehen wonach mir gerade ist ;-) Schlussworte? They said you can‘t because they couldn‘t. Chase your dreams.


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Sneakers Issue Nr. 4  

Issue 4 - Puma Suede and more!

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