turi2 edition #8, Das große Buch vom Erfolg: Was Menschen, Medien und Marken stark macht.

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L wie Lobbyistin: Emilie Bourgoin

» Niemand erwartet von einem Supermarkt, dass er Politik macht «

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ie trägt weder schwarze Aktenkoffer in verrauchte Hinterzimmer, noch flüstert sie Politikern bei geheimen Treffen Gesetzesentwürfe ins Ohr. Als Grundprinzipien ihrer Arbeit nennt sie: „Transparenz, Dialog und Offenheit.“ Emilie Bourgoin ist also nicht unbedingt das, was man sich unter einer Lobbyistin vorstellt. Selbstverständlich ist sie als Leiterin Public Affairs der Rewe Group auch Lobbyistin, sagt Bourgoin. Darüber möchte sie sprechen, mit so vielen Menschen wie möglich. Das Bild von den Aktenkoffern und dem Flüstern, die Vorbehalte: Das kommt vom Unwissen, glaubt sie. „Je weniger die Leute wissen, desto eher haben sie das Gefühl, wir hätten etwas zu verstecken.“ „Public Affairs“ bedeutet: politische Kommunikation. Für Bourgoin bedeutet das: eher Kommunikation als Politik. „Meine Aufgabe ist es, mir zuerst ein Gesamtbild zu machen, eine Stimmungslage zu erspüren und eine erste Einschätzung für die Kollegen abzugeben. Gleich danach kommt der Vorschlag für einen Plan, eine Strategie.“ Dazu muss sie nicht nur die Fachgruppenpositionen der Ministerien kennen. Sondern auch die Haltung der Industrie, der Lieferanten, Verbraucherverbände, Gewerkschaften, Kirchen, NGOs, Elternverbände – „übrigens alles Lobbyisten“, sagt Bourgoin und lacht, „aber die gelten als die Guten.“ In der Broschüre einer Verbraucherzentrale hat sie einmal eine Liste mit Gesetzen gesehen, die von dieser beeinflusst worden waren. „Bei uns wäre der Aufschrei darüber groß“.

Politiker, sagt Bourgoin, können nicht wissen, wie Unternehmen arbeiten. „Also müssen wir es ihnen erklären. Wir füttern die Politik mit Wissen und Fakten über unsere Branche.“ Umfragen zeigen, was die Menschen sich wünschen, etwa beim Thema Tierwohl. „Wir können sagen, ob sie auch bereit sind, dafür zu zahlen.“ Der größte Teil von Bourgoins Job ist der Aufbau und die Pflege von Netzwerken. Sie will politische Entscheider und Experten aus den Rewe-Fachgruppen themenbezogen zusammenbringen. Daher arbeitet sie bewusst am Rewe-Hauptsitz in Köln, nach Berlin oder Brüssel reist sie jede Woche von dort. Das halten nicht alle so. „Es gibt noch diese Blase, in der sich die Leute voneinander ernähren“, sagt Bourgoin. Die Lobbyisten alter Schule, die sich mit Politikern auf einen Kaffee treffen, zufällig Unterlagen auf dem Tisch liegen lassen. „Das würde nicht zu uns passen.“ Sie hat keinen Bundestagsausweis, wenn sie kommt und mit Politikern spricht, meldet sie sich offiziell bei den Büros an. „Politiker reden auch mit anderen und wir reden mit allen“: Positionen und Argumente von Rewe bleiben die gleichen, egal, wer einem gerade gegenübersitzt. Bourgoins Arbeit soll bewusst politisch neutral sein. Sie ist Französin, ihr Mann Türke, ihre beiden Kinder sind in Deutschland aufgewachsen. Als sie Pegida im Fernsehen marschieren sah, fragte ihre achtjährige Tochter: „Müssen wir jetzt weg?“ Niemand erwartet von einem Supermarkt, dass er Politik macht, sagt Bourgoin. „Aber: Wenn es um Grundwerte einer Gesellschaft geht,

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