turi2 edition #15 – Menschen, Medien und Marken in Bewegung

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Talking on sunshine: Jana Pareigis im Gespräch mit Elisabeth Neuhaus

schwarzer Menschen in Deutschland gedreht und bist dafür 2016 durch die Republik gereist. Was hast du beim Dreh über Deutschland gelernt? Total interessant fand ich mein Interview mit Indira Paasch, einer schwarzen Frau, die in der DDR aufgewachsen ist. Dort wurde immer vom „antifaschistischen Schutzwall“ gesprochen, trotzdem gab es Rassismus. Für mich als Westdeutsche war es krass, zu hören, wie ungefiltert diese tiefsitzenden rassistischen Stereotype, diese Ressentiments, in der DDR nach außen getragen wurden. Und über dich? Mir ist klar geworden,

wie wichtig es war, dass ich mich mit dem Thema beschäftigt habe. Der Film war für mich eine Form des Empowerments: Es ist wichtig, sich mit Leuten auszutauschen, die dasselbe erlebt haben wie man selbst. Auch, um Strategien für den Umgang mit solchen Anfeindungen miteinander zu teilen. Auf dem Filmplakat bist du zweimal zu sehen, einmal mit glatten Haaren, einmal mit Locken. Wann wird die erste Moderatorin bei „heute“ mit Afro vor der Kamera stehen? Mal sehen. Das wird wahrscheinlich noch dauern. Ich persönlich trage beides, mal lockig, mal glatt. Bei der Arbeit trage

ich sie aktuell glatt, auch aus praktischen Gründen. Mir ist es wichtig, die Wahl zu haben. Warum hat es bis zum Auftreten der ersten schwarzen Moderatorin bei „heute“ eigentlich bis 2021 gedauert? Die „heute“-Moderator*innen machen die Sendung in der Regel sehr lange, viele Jahre und Jahrzehnte. Das heißt, es gibt nicht viele Wechsel. Petra Gerster war über 20 Jahre da. Es gibt eine Million schwarze Menschen in Deutschland. Ich sage gar nicht, dass jede Sendung von einer schwarzen Person moderiert werden muss. Es geht eher darum, niemanden mit den richtigen Qualifikationen

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auszuschließen. Es gab auch in den 50ern schon Frauen, die die Nachrichten hätten moderieren können. Die haben einfach nur die Möglichkeit nicht bekommen. Genauso ist es mit Menschen aus Einwandererfamilien heute. Ich wünsche mir, dass wir da in den Medien offener hingucken und künftig keine Schere mehr im Kopf haben.

Video-Tipp:

Jana Pareigis im Videofragebogen über Bewegung unter turi2.de/koepfe