turi2 edition #15 – Menschen, Medien und Marken in Bewegung

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»Ich finde es schön, ein volles Bücherregal zu haben und Jahre später noch Sonnencreme und Sand zwischen alten Seiten zu finden«

Schützt du dich durch deine weitgehende Social-Abstinenz ein Stück weit selbst – etwa vor Hassnachrichten? Ich halte mich von diesen toxischen Kommentaren gerne fern. Wenn Leute mich trotzdem rassistisch oder sexistisch beleidigen, wird geguckt, ob es justiziabel ist. Wenn ja, geht das ans Justitiariat des ZDF. Darauf kann sich die Person dann einstellen. Ich gehe da aber nicht in Diskussionen rein. Denn es gibt einen bedeutenden Unterschied zwischen Kritik und Hass. Die Leute sind teilweise echt enthemmt.

Ist das ein Social-MediaPhänomen? Nein, für mich als schwarze Frau ist das null neu. Den Rassismus, den wir jetzt in den sozialen Medien sehen, habe ich mein ganzes Leben lang auf der Straße erlebt. Ich habe nicht das Gefühl, dass das mehr geworden ist. Er ist jetzt einfach sichtbarer. Die Leute haben das sonst zu einem in der U-Bahn gesagt. Warum rennen junge Leute heute lieber zu TikTok als zu „heute“ oder der „Tagesschau“? Das weiß ich nicht. Aber wir holen sie zurück! Ich

meine, jede Generation hat ihr Medium. Bei mir war es der Fernseher. Ich würde mich aber freuen, wenn ich mehr jüngere Leute dazu holen würde – und das nicht auf Kosten der älteren. Für mich ist es ein Ansporn, die Nachrichten so zu formulieren, dass sie für alle Menschen interessant sind. Sollte es in einer idealen Welt nicht anders sein: das Interesse der Jugend an Nachrichten und dem Weltgeschehen größer als an Make-up- und Tanz-Videos? Ich weiß nicht, ob ich so pauschal über die jüngere

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Generation sagen würde, dass sie unpolitischer ist. Fridays for Future zum Beispiel ist die größte Jugendbewegung seit Jahrzehnten. Dass Hunderttausende Jugendliche auf die Straße gehen, hat man lange nicht gesehen. Was Make-up-Tipps angeht: Wenn wir unsere Eltern fragen, was sie damals gemacht haben, dann fanden das deren Eltern auch teils unpolitisch und unmöglich, zum Beispiel, wenn es darum ging, welche Musik sie gehört oder welche Kleidung sie getragen haben. Ich glaube, man muss gucken, dass man keine Arro-