turi2 edition #15 – Menschen, Medien und Marken in Bewegung

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Geschichte geschrieben. Was ist Ihr Lebensmotto? „Umparken im Kopf“ war einfach eine gut gemachte Kampagne, danke nochmal an das hervorragende Team. Meine Weltanschauung ist: Das Glas ist halb voll und nicht halb leer. Ich habe starkes Urvertrauen, dass am Ende alles gut wird, und sonst ist es noch nicht das Ende. Sie führen Douglas mit Riesenschritten ins digitale Zeitalter. Kommen da alle mit? Der Anspruch, alle mitnehmen zu wollen, ist aus meiner Sicht im Ansatz falsch. Denn es wird immer Menschen geben, die für sich persönlich und damit auch berechtigt sagen: „Das ist nicht meine Reise.“ Dann ist es auch nicht schlimm, wenn man getrennte Wege geht. Das gehört dazu und ist Teil der Transformation. Warum muss Douglas sich überhaupt so stark transformieren? Weil jede erfolgreiche Unternehmensstrategie an den Bedürfnissen und Wünschen der Kunden ausgerichtet sein muss. Als ich mir vor vier Jahren den Beauty-Markt angesehen habe, war klar erkennbar, dass sich das Kaufverhalten dramatisch geändert hat. OnlineShopping war bereits extrem beliebt, hatte ein starkes Momentum – und diesen Shift vom stationären ins Online-Geschäft hat Corona noch verstärkt. Hat der stationäre Handel in Ihren Plänen überhaupt noch Platz? Selbstverständlich, die Beauty-Branche wird keine reine Online-Branche

»Der Anspruch, bei einer Transfor­mation alle mitnehmen zu wollen, ist aus meiner Sicht im Ansatz falsch«

werden. Die Kunden wollen wissen: Wie riecht der Duft, wie ist der Lippenstift? Aber es wäre total falsch gewesen, die Augen zu verschließen vor dem grundsätzlichen Wandel. Wir konnten nicht sagen, wir optimieren nur das, was wir haben. Nein, wir mussten uns auf die Reise machen und ein digitales Unternehmen werden. Der Hashtag #forwardbeauty steht für die Digitalisierung. Forward, weil wir als Marktführer in Europa nach vorn gehen wollen. Beauty, weil das die Quintessenz unseres Geschäfts ist, unser Markenkern.

und unserer Beratung stärken wir die individuelle Persönlichkeit und ermutigen, sie jeden Tag zu leben. Das heißt, eine Welt ohne Douglas... ...wäre ärmer, weil ein Stück weit Schönheit fehlen würde. Schönheit hat mit Wohlbefinden zu tun und mit Selbstbewusstsein. Wenn ich morgens in den Spiegel sehe und mich schminke oder mich bedufte oder meine Haut pflege, dann macht das etwas mit mir. Danach fühle ich mich besser, starte selbstbewusster in den Tag, bin glücklicher. In diesem Sinne geht für uns auch Schönheit mit Gesundheit einher – wir bieten heute eine breite Palette an medizinischer Kosmetik und Gesundheitsprodukten und denken ernsthaft über eine Douglas-Apotheke nach.

Klingt ein bisschen nach „Zurück in die Zukunft“. Das wäre zu einfach. Wir haben einen kompletten Perspektivwechsel geschafft. Wir sind heute Europas größte BeautyPlattform mit einem stationären Geschäft. Und eben kein stationärer Händler mit gutem E-Commerce. Das war gestern.

Das ist die neue Haltung von Douglas? Nicht nur von Douglas. Unsere Marktforschung hat ergeben, dass gerade die junge Generation nicht mehr danach urteilt, wie jemand geformt ist, wie das Gesicht aussieht, die Haut. Heute zählt, wie sich jemand verhält und was er ausstrahlt. Attraktivität hat heute viel damit zu tun, wie jemand handelt und wie glücklich und authentisch jemand ist.

Was sagt der neue Slogan „Let’s do beautiful“? Der Slogan hat einen zweiten Teil: „For a world where everyone feels seen, heard and valued.“ Wir wollen damit sagen: Es gibt nicht das eine Schönheitsideal, sondern wir lieben die Diversity. Und mit unserem Sortiment

Mit über 114.000 Followinnern bei Linked-in stellen Sie viele männliche CEOs wie Tim Höttges, Ola Källenius und Christian Klein in den Schatten. Nur Herbert Diess hat mehr. Wie machen Sie das? Das hört sich an, als ob weiblichen CEOs das nicht

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gelingen würde. Den Kanal habe ich übrigens erst bei Douglas gestartet. Es geht auf dem Account um Themen, die mir persönlich wichtig sind: digitale Transformation, Frauen in Führungspositionen, Diversity und der Blick auf weibliches Gründertum. Und natürlich um Douglas. Mehr als 100.000 Follower sind für mich Ansporn und Verpflichtung zugleich. Es gibt mir die Möglichkeit, den Ton selbst zu setzen, etwas einzuordnen oder gelegentlich zu korrigieren. Zwischen „posten“ und „posen“ liegt nur ein t. Was macht für Sie den Unterschied? Darüber nachzudenken, welchen Post könnte ich jetzt machen, um gut dazustehen, finde ich komplett falsch. Das habe ich nie gemacht. Natürlich entwickle ich nicht jeden Post selbst. Aber ich achte sehr darauf, dass es um Inhalte geht und eine Formulierung, hinter der ich stehe. Es geht kein Post raus, den ich nicht redigiert habe. Wo spüren Sie die größte Veränderung in Ihrer neuen Rolle als CEO? Ob ich ein Vorstandsressort leite oder als CEO ein Unternehmen führe, ist etwas anderes. Vorher habe ich ein Fachgebiet verantwortet, plötzlich bin ich für alles in der letzten Verantwortung: Finanzen, IT, Logistik, Personal. Wie viel Last bedeutet das? Über die Jahre bin ich erfahrener und sturmerprobter geworden. Aber die Corona-Krise brachte schon sorgenvolle Monate mit sich. Wer mir sagt,