turi2 edition #14 Social Media

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Keine besten Freunde: FacebookCEO Mark Zuckerberg (links) 2016 neben Springer-Boss Mathias Döpfner

Der Spatz in der Hand Facebook macht’s wie Google und zahlt für die Verbreitung von Verlags-Inhalten. Endlich, sagen die einen. Andere finden, das Netzwerk kauft sich viel zu billig frei

Fotos: Screenshots, Picture Alliance (2)

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ass das linke Blog Netzpolitik.org und Springer, der Verlag von „Bild“ und „Welt“, medienpolitisch auf derselben Seite stehen, passiert selten. Bei der Bewertung von Facebook News trifft aber genau das zu. Eine Milliarde Euro verteilt auf drei Jahre bietet das soziale Netzwerk aus Übersee teilnehmenden Verlagen für die Veröffentlichung von deren Inhalten auf Facebook – in einem neuen NewsKanal für Qualitätsjournalismus. Bisher nimmt der von Mark Zuckerberg gesteuerte Konzern Inhalte von Medien kostenlos entgegen und belohnt sie nach eigener Aussage mit Reichweite – je nach Laune des Algorithmus mal mit mehr, mal mit weniger. Bei Facebook News macht das Netzwerk nun endlich das, was Verlage und Verleger-Verbände überall auf der Welt schon lange fordern: Es gibt einen Teil der Werbeeinnahmen, die es mit der Verteilung der Inhalte erzielt, an die Urheberinnen zurück. Wenn es nach den Verfechterinnen des vom Springer-Verlag erfundenen Leistungsschutzrechts geht, ist das natürlich zu wenig. Die mit dem Einsammeln der Gebühren beauftragte Corint Media, die bisher als VG Media firmierte, sagt, dass Facebook lediglich zehn Prozent der Gebühren an die Verlage überweist, die den Verlagen laut Leistungsschutzrecht eigentlich zustehen. Konkrete Zahlen kennen freilich nur Facebook und die Verlage. Und die – unter anderem Holtzbrinck und Gruner + Jahr sowie die „FAZ“ und die „taz“ – schwei-

gen, wohl auf Wunsch von Facebook. Zudem wird kolportiert, dass Verlage, die bei Facebook News mitmachen, zumindest während der in der Regel dreijährigen Vertragslaufzeit darauf verzichten, Ansprüche aus dem Leistungsschutzrecht geltend zu machen. Springer und Burda als große Verfechterinnen der Regulierung der Netzwerke winken da natürlich ab. Aber auch der Regionalzeitungsriese Madsack ist nicht mit dabei. Technisch erfährt Facebook über eine Schnittstelle bei den Verlagen von neuen Inhalten auf deren Websites. Was im Qualitäts-News-Stream oben steht, entscheidet ein Algorithmus, die Klicks auf die Überschriften landen direkt bei den Verlagen. Und das ist auch der einzige Unterschied zu Google News Showcase. Auch der Such-Konzern zahlt Verlagen rund um die Welt für drei Jahre eine Milliarde Euro für deren Inhalte, um sie in einen neuen NachrichtenSchaukasten in der Google News App zu stellen. Hier dekorieren die Verlage ihre Schaufenster aber noch selbst. Allerdings ist das Verlags-Schaufenster in der App gut versteckt, was die Feigenblatthaftigkeit des Programms unterstreicht. Ob allzu viele Klicks auf den Seiten der Partner-Medien landen, darf bezweifelt werden. Facebook und Google öffnen ihre Taschen vor allem, um eine harte Regulierung zu vermeiden. Bleibt zu hoffen, dass es Facebook besser gelingt als Google, die frisch lizensierten Verlagsinhalte als Aushängeschilder einzusetzen – für Facebook und für die Verlage.

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