turi2 edition #13: Agenda 2021

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Vorstandsebene: Katja van Doren setzt sich mit Heike Turi auseinander

liert. Aber wir treiben als Unternehmen die Energiewende voran. Aus der Stromerzeugung mit Kohle und der Kernenergie steigen wir aus – das ist beschlossene Sache. Über die Hälfte unseres Konzernergebnisses kommt schon heute aus erneuerbaren ­Energien wie Sonnen-, Wind- und Wasserkraft. 85 Prozent unserer Investitionen erfüllen die Kriterien für grüne Investitionen. Hilft der Druck, den die Generation Greta macht? Ja, aber wir müssen die richtige Balance hinbekommen. In Deutschland beruht unser Wohlstand auch auf einer gesicherten und bezahlbaren Energieversorgung – und auf einer Industrie, die sich genau darauf verlassen kann. Diesen Aspekt dürfen wir nicht außer Acht lassen. In der Diskussion

mit meinen Kindern sage ich: Messt uns an unseren Taten. Welche sind das? Wir haben mit der Bundesregierung einen Vertrag zum Ausstieg aus der Braunkohle. Wir haben einen klaren Fahrplan, wie wir aus der Steinkohle rausgehen. In Deutschland sind unsere beiden letzten Blöcke Ende Dezember geschlossen worden. In Großbritannien sind wir komplett aus der Kohle raus, in den Niederlanden gehen wir von der Kohle zur Biomasse. Nicht zu vergessen: Wir haben heute im Vergleich zu 2012 gut 50 Prozent unseres CO2-Ausstoßes reduziert, bis 2030 werden es 75 Prozent sein. Wir können deshalb guten Gewissens sagen, dass wir 2040 klimaneutral sein werden. Einer Ihrer Werbeslogans lautet: „Die klügste

Art, mit Gegenwind umzugehen.“ Trifft der die Lage? Ja. Wir kommen von der fossilen Energie, jetzt sind die Segel in Richtung erneuerbare Energien gesetzt. Das bringen wir auch kommunikativ rüber. Die jüngsten Umfragen belegen, dass man uns Klimaschutz und Nachhaltigkeit zutraut. Wir tun alles, um den Wind in die richtige Richtung zu lenken und Rückenwind zu bekommen.

mit Strom aus erneuerbaren Energien mittels Elektrolyse und dann zu den Abnehmern transportiert werden, also vornehmlich Industrieunternehmen, die ihre Prozesse dekarbonisieren müssen, dabei aber im internationalen Wettbewerb stehen. Die Rahmenbedingungen sind also entscheidend. Aber ich bin zuversichtlich: Wir sind mit vielen Unternehmen in Kontakt, und die Politik will das Thema sichtbar vorantreiben.

Liegt im Wasserstoff die Zukunft? Das unterschreibe ich sofort. Bei RWE beschäftigen sich mittlerweile über 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Thema. Schon heute treiben wir rund 30 Projekte in den Niederlanden, Deutschland und Großbritannien voran. Richtig ist auch, es gibt bei der Technologie noch viel zu tun. Zunächst muss Wasserstoff „grün“ produziert werden, also

Werden wir bald mit wasserstoffbetriebenen Autos durch die Gegend düsen? Dekarbonisierung durch grünen Wasserstoff sehen wir vor allen Dingen bei der Schwerindustrie, im Flug- und beim Schwerlastverkehr. Autos lassen sich besser direkt mit Strom antreiben – ohne den Umweg über Wasserstoff.

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