turi2 edition #13: Agenda 2021

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Schritt halten: Als Kind schwärmt Jaff ihren kurdischen Verwandten in Briefen von Rolltreppen vor. Deutschlernen – für sie damals „ganz normal“

Sham, wenn du dein Leben bis hierher in einen Newsletter packen würdest, was stünde drin? Wahrscheinlich wäre der erste Teil meine Kindheit in Kurdistan. Ich bin dort geboren und bis in die zweite Klasse gegangen. Dann ging es mit meiner Familie nach Deutschland. Das wäre der zweite Teil: Schule, Gymnasium, Bachelor und Master in Nürnberg. Der dritte Teil

wäre Berlin. Hier habe ich bis vor Kurzem in der Politischen Kommunikation eines Konzerns gearbeitet. Mitten in der Pandemie habe ich gekündigt. Ehrlich? Um einen sicheren Job hätten dich viele Selbstständige wahrscheinlich beneidet. Klar, finanziell musste ich mir keine Sorgen machen. Aber die Arbeit wurde mir irgendwann zu einseitig.

Und das ausgerechnet im Chaos-Corona-Jahr. Die Pandemie ist schuld! Ich dachte: Krass, so vieles kann sich ändern von heute auf morgen. Ich habe mich gefragt, ob ich wirklich die ganze Zeit diesen Konzernjob machen will. Es war keine schlechte Arbeit. Aber man sagt ja, bei einem Job, den man gerne macht, schaut man nicht auf die Uhr. Ich habe sehr oft auf die Uhr geschaut.

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Im ersten Lockdown dachte ich dann: Die Welt da draußen ist sowieso gerade total verrückt. Da kann ich es auch versuchen. Es war die richtige Zeit für mich. Da gehört viel Mut zu, oder? Irgendwie schon. Heute würde ich mich auch als mutig bezeichnen. Vor einem Jahr noch nicht. Mein Leben war lange