turi2 edition #13: Agenda 2021

Page 155

Google und Co. Wann kommt endlich eine Mediathek für ARD und ZDF? Wir sind auf dem Weg: Wir verlinken aufeinander, wir haben den gemeinsamen Login. Darüber, wie weit die Zusammenarbeit noch gehen wird, ist noch nicht endgültig entschieden. Wir beim RBB haben mit der Zusammenarbeit mit dem ZDF ganz exzellente Erfahrungen gemacht, wir machen ja das „Mittagsmagazin“ zusammen – in derselben Technik, aber mit unterschiedlichen Redaktionen. Beim „Morgenmagazin“ arbeiten ARD und ZDF noch wie vor fast 30 Jahren. Da könnten wir uns überlegen, ob wir das vielleicht ähnlich machen. Brauchen wir wirklich ARD und ZDF? Ja, wir brauchen beide. Besser kann es einem Land doch gar nicht gehen: Wir haben zwei verlässliche, gute, kluge Systeme, die unterschiedlich geprägt sind. Die ARD ist regional bestens aufgestellt und vernetzt – da macht uns keiner was vor. Und das ZDF macht auch ein exzellentes Programm, das muss man gar nicht kleinreden. Wie weit sind RBB und ARD bei der Gleichstellung von Frauen? In den einzelnen Sendern ist es sehr unterschiedlich, beim RBB halte ich es für vorbildlich, und in der Intendanten-Riege kommt demnächst Katja Wildermuth dazu, was ich sehr schön finde, denn dann haben wir dort ein fast ausgewogenes Verhältnis.

Hier beim RBB arbeiten fast 50 Prozent Frauen und in den ersten vier Hierarchie-Ebenen haben wir mit 48,8 Prozent Frauenanteil ein fast ausgewogenes Verhältnis. Wenn ich Führungskräfte suche, suche ich immer die besten Köpfe – und möglichst Frauen. Gruner + Jahr-Chefin Julia Jäkel hat geschrieben, dass sie die Home-OfficeZeit als Rückfall in alte Rollenbilder erlebt hat: Die Frauen kümmern sich um die Familie, die Männer sitzen in der Video-Konferenz. Meine Erfahrung ist eine andere. Bei uns gab es auch viele Männer, die ausgefallen sind, weil die Frauen in einer mehrstündigen Schalte saßen. Das muss aber nicht heißen, dass die Beobachtung falsch ist. Vielleicht liegt es daran, dass bei uns in etwa gleich viele Männer und Frauen arbeiten – auch in Führungspositionen – und die haben zu Hause genauso gearbeitet wie im Sender. Sie sind Mitglied bei ProQuote – warum? Ich war jahrelang überall die erste oder die einzige Frau und habe gedacht, wir Frauen beißen uns schon durch. Bei mir gab es Männer wie Frauen, die gesagt haben: „Der Kleinen trauen wir das zu.“ Dafür bin ich zwar total dankbar, aber es war zum Teil auch Zufall. Und weil es so nicht sein sollte, brauchen wir die Quote. Sie ist eine Krücke: nicht schön, aber sie hilft. Wenn man gehen kann, kann man sie ja zur Seite legen.

Diversität hat noch mehr Dimensionen: Wie selten arbeiten im RBB Arbeiterkinder, Migrant*innen oder CDU-Wähler*innen? Welche Partei sie wählen, frage ich die Leute nicht, wenn ich sie einstelle. Auch nicht, ob und in welche Kirche sie gehen. Ich freue mich, dass wir inzwischen mehr Menschen mit Migrationshintergrund vor der Kamera sehen. Aber das muss in den hierarchischen Ebenen noch weitergehen. Und der Hochschulabschluss darf auf Dauer kein entscheidendes Kriterium sein, der Beruf der Eltern ist es schon heute nicht mehr. Was tun Sie für mehr Diversität? Wir haben ein Diversity Management eingerichtet, eine Gruppe von Leuten, die sich genau darum kümmert. Sie veranstalten interne und externe Workshops, bieten konkrete Beratung, laden Experten ein, achten aber auch auf Barrierefreiheit oder geschlechtergerechte Sprache. 2022 wollen Sie den ARDVorsitz übernehmen. Was haben Sie sich dafür vorgenommen? Ich habe Interesse angemeldet, mehr noch nicht. Wenn die Intendantenrunde zustimmt, dann bespreche ich die Pläne zuerst mit meinen Kolleginnen und Kollegen, dafür haben Sie sicher Verständnis. Seit der Wiedervereinigung 1990 standen erst zwei OstIntendant*innen an der Spitze der ARD, Sie wären die dritte. Haben die

155 · turi2 edition #13 · Agenda 2021

»Was hier passiert, ist neu für uns alle. Wir sind eine Lerngemeinschaft« Ost-Sender den richtigen Stellenwert in der ARD? Zunehmend, ja. Vielleicht gab es mal Zeiten, in denen man lauter trommeln musste. Aktuell sehe ich aber nicht in erster Linie ein Ost-WestProblem. Wobei wir es als Hauptstadtsender auch leichter haben: Wir sind wahrscheinlich der einzige Sender, auf den die ganze Republik einmal am Tag blickt. ARD-Chef*innen haben für ihre eigenen Sender nur noch wenig Zeit. Was nehmen Sie sich bis 2022 für den RBB vor? Die Content-Boxen und der Spatenstich für unser digitales Medienhaus sind die wichtigsten Vorhaben. Außerdem bauen wir unsere Regional-Berichterstattung in Brandenburg weiter aus. Gerade in Zeiten, in denen Verlage leiden, Zeitungen eingestellt oder Redaktionen zusammengelegt werden, wollen wir mit mehr Landeskorrespondenten weiter in die Fläche gehen, dahin, wo die Menschen sind. Welche Schlagzeile wünschen Sie sich für 2021? „Das ist so gut, das muss vom RBB sein.“