turi2 edition #13: Agenda 2021

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Baustellen-Begehung: Der neue Newsroom des RBB ist „wahrscheinlich der größte Wandel seit der Fusion von ORB und SFB“, findet Patricia Schlesinger

wirklich Sorgen macht, sind solche Vorkommnisse: Mitarbeitende werden zu Hause angerufen und es heißt: „Wir wissen, wo deine Kinder zur Schule gehen.“ Oder wenn es Handgreiflichkeiten gibt. Das ist leider alles vorgekommen. Wie hat Corona den RBB verändert? Die Arbeit ist durch Corona für viele Kolleginnen und Kollegen schwieriger geworden. Es macht mich glücklich, dass ich trotzdem eine so große Motivation erlebe. Die Mitarbeitenden im Programm und in der Produktion

tragen die größte Last, weil sie unter schwierigen Bedingungen deutlich mehr Programm machen müssen als in normalen Zeiten, dazu kommt die Angst vor Ansteckung. Ich glaube, Corona hat unseren Kompass im Sender und in der Gesellschaft noch mal zurechtgerückt in den Fragen: Was ist uns wichtig? Welche Kultur wollen wir haben? Wie wollen wir leben? Was sind Ihre Antworten? Wir müssen zwar kein Geld verdienen, aber wir müssen uns immer wieder fragen, für wen wir

unser Programm machen. Machen wir den richtigen Journalismus? Bieten wir die richtige Unterhaltung an? Gerade in Zeiten, in denen die Räume enger werden, Kinos, Theater und Museen geschlossen sind, müssen wir den Raum erweitern. Unsere Haltung muss sein, den Raum groß zu machen. Ich finde, das gelingt uns bisweilen ganz gut. Viele finden ARD und ZDF nicht kritisch genug. Das kommt darauf an, wo Sie hingucken: „Tagesschau“, „Tagesthemen“ und „RBB24“ sind Nachrichtensendungen, die es

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ganz mit Rudolf Augstein halten: „Sagen, was ist.“ Die Meinungsmagazine in der ARD, wie „Kontraste“, „Panorama“ oder „Monitor“, zeigen schon das ganze Bild. Und in unserer Reihe „Wir müssen reden“ kommen nicht nur alle Seiten zu Wort, sondern auch ins Gespräch. Da fragt etwa ein Fitnessstudio-Besitzer, warum er schließen muss, obwohl er alles tut, damit seine Kundinnen und Kunden sich nicht anstecken – und Berlins Regierender Bürgermeister antwortet. Ich finde, dass wir als Berichterstatter, aber auch als Menschen