turi2 edition #13: Agenda 2021

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Welle geben wir Menschen und Meinungen Raum, die Zweifel äußern. Wir sagen jedoch nicht: „Wir nehmen die Krankheit nicht ernst.“ Das ist ein Standpunkt, den man keinem vernünftigen Menschen empfehlen kann. Kann man mit CoronaLeugnern diskutieren – oder soll man es lassen? Wie kann man mit Menschen diskutieren, die denken, Corona-Impfstoffe würden aus Föten gemacht? Was soll man den Leuten sagen, die behaupten, die Pandemie sei harmloser als ein Schnupfen? Ich glaube aber, dass es wichtig ist, um die Menschen zu kämpfen, die man noch erreichen kann. Sonst droht der Gesellschaft eine schleichende Vergiftung, die bleibt. Steigt die Zahl der Menschen am politischen Rand, mit denen nur noch schwer zu reden ist? Diese Menschen gab es schon immer. Mein sehr schlauer Kollege Sascha Lobo hat mal gesagt, dass wir sie seit der Erfindung der neuen Medien nur deutlicher sehen. Ich habe das noch selbst erlebt bei Familienfeiern in Deutschland: Da gab es den einen Onkel, der stand der NPD nah. Den hat man aber, wenn überhaupt, nur alle zwei Jahre gesehen und sich dann kopfschüttelnd abgewendet. Was mir Sorgen bereitet, ist, dass dieses Schreien von den Rändern viel größere Resonanzräume findet als früher, so dass man manchmal das Gefühl hat, dies beherrsche den Diskurs. Wobei Diskurs schon das falsche Wort ist. Denn Diskurs bedeutet, sich

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