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Newsletter

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Carl von Linde-Akademie, Munich Center for Technology in Society (MCTS) Technische Universität München

Liebe Studierende, liebe FreundInnen und Förderer der Carl von Linde-Akademie, mit der Gründung der Carl von LindeAkademie setzte die Technische Universität München 2004 ein wichtiges Signal: Es reicht in Zukunft nicht mehr aus, hochspezialisiert in Technik- und Naturwissenschaften zu sein. Fachübergreifende Grundlagen aus Geistes- und Sozialwissenschaften sind unverzichtbar, damit die AbsolventInnen einer TU auf die moderne Arbeits- und Lebenswelt vorbereitet werden. Den Gebrauch der Online -Medien und des Internets muss man der heutigen Jugend nicht mehr beibringen. Welche politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozesse laufen aber dahinter ab? Wie hängen die Disziplinen der Ingenieur- und Naturwissenschaften zusammen? Was sind ihre gemeinsamen Grundlagen? Damit sind wir mitten in der Philosophie der Carl von Linde-Akademie. Die fachübergreifende Kompetenzen vermitteln wir, Dank einer großzügigen Donation der Linde Group und mit Unterstützung der TUM, in zahlreichen Veranstaltungen und mit Unterstützung von Dozentinnen und Dozenten, die ihre vielfältige Erfahrung aus den großen Wissenschaftsorganisationen, aus Unternehmen und Medien in die Universität tragen. Ich wünsche dem Team der CvL-A weiterhin kreative und erfolgreiche Arbeit. Ad multos annos!

Datenintensive Wissenschaft: Auf dem Weg in die „schöne neue Welt“? Ihr Gesellenstück war die Wiederwahl Barack Obamas. Nun sind die Informatiker und Statistiker, die mit ihren Datenbanken und Algorithmen entscheidend zum Gelingen der demokratischen Wahlkampagne beigetragen haben, auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Ein Streifzug durchs Internet zeigt, dass ihre Dienste viel gefragt sind, von der nächsten Senatorenwahl bis zum Kundenmanagement von Casinos. Die Idee dahinter ist so überraschend wie einfach: Wahlen zu gewinnen sei letztlich nicht viel anders als erfolgreich Kühlschränke zu verkaufen oder Casinobesucher zum Pokerspielen zu animieren. Googles ehemaliger Vorstandsvorsitzender Eric Schmidt investiert auch in eines der Start-ups. Er sieht die jungen Leute als eine Avantgarde von „people scientists“, die mit wissenschaftlichen Methoden untersuchen, wie Menschen auf Wahlmöglichkeiten reagieren. Manche mag dies an Aldous Huxleys schöne neue Welt erinnern. Andere argumentieren, dass der einzelne Wähler endlich aus seiner Anonymität heraustrete und mit seinen Wünschen direkt angesprochen werde. Warum aber gilt das nicht auch für den Spieler im Casino? Ist es etwa verwerflicher, wenn jemand sein Geld beim Roulette ausgibt als wenn er sein Kreuzchen bei Obama setzt? Systematisch können diese Fragen nur durch eine Analyse des Begriffs sozialer Kontrolle und des Gegenbegriffs der Freiheit beantwortet werden. Das Beklemmende an Huxleys schöner neuer Welt besteht ja letztlich darin, dass die Menschen nicht mehr frei über ihr Leben entscheiden können, wenn sie auch scheinbar harmonisch und zufrieden zusammenleben. Es ist der feine Unter(Fortsetzung auf Seite 2)

Inhalt Prof. Dr. Klaus Mainzer Direktor des MCTS

Internationale Studienbesuchswoche bei ProLehre ......................................................... 2 Fächerübergreifend Promovieren am MCTS ................................................................... 4 Programm „Selbstkompetenz stärken“ ............................................................................. 5


Neu an der CvL-A

Dr. Nadine Schlomske-Bodenstein Seit Oktober 2013 arbeitet Nadine Schlomske-Bodenstein als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei ProLehre. Dort ist sie zusammen mit Annette Spiekermann und Alexandra Strasser für den Themenschwerpunkt Prüfungen zuständig. Zuvor war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Friedl Schöller-Stiftungslehrstuhl für Unterrichts- und Hochschulforschung tätig. Neben der Forschung im Rahmen ihres Dissertationsprojekts (2008-2013) lehrte sie an der Berufsschule für Gesundes und Soziales Jena im Fachbereich Pädagogik und Heilerziehungslehre (2009-2011). Nadine Schlomske-Bodenstein studierte Erziehungswissenschaft, Kognitionswissenschaft und Anglistik an der AlbertLudwigs-Universität in Freiburg i. Breisgau. Nach ihrem Abschluss als Magister Artium (M.A.) arbeitete sie am Lehrstuhl für Schulpädagogik und Didaktik am Institut für Erziehungswissenschaft an der Friedrich-SchillerUniversität Jena (2008-2012).

Anne Fleischmann Seit November 2013 ist Anne Fleischmann Mitarbeiterin bei ProLehre und dort gemeinsam mit Christine Gluth, Caroline Hein und Andreas Fleischmann für das Multiplikatorenprogramm an der TU München zuständig. Von 2011 bis 2012 war Frau Fleischmann als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Personalentwicklung (Hochschuldidaktik) am KIT angestellt. Darüber hinaus war sie freiberuflich für das Jugendamt Karlsruhe, sowie für die Hochschule Karlsruhe Technik und Wirtschaft tätig. Neben ihrem Masterstudium der Pädagogik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und einem Bachelorstudium der Pädagogik mit Ergänzungsfach Betriebspädagogik an der Universität Karlsruhe (TH) erwarb sie folgende Zusatzqualifikationen: Ausbildereignungsprüfung (ADA), Baden-Württemberg Zertifikat für Hochschuldidaktik.

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(Fortsetzung von Seite 1)

schied, hin und wieder aus freien Stücken den Kitzel des Glücksspiels zu genießen oder in die Spielsucht gedrängt zu werden. Eine freie Entscheidung ist selbstbestimmt und wägt sorgfältig zwischen den verschiedenen Möglichkeiten im Lichte selbstgesetzter Interessen ab. Daraus lassen sich die kritischen Punkte ableiten. Zum einen unterscheiden die Algorithmen nicht, ob sie jemanden überzeugen oder mit psychologischen Mechanismen manipulieren und damit die Selbstbestimmtheit unterhöhlen. Zum anderen wird selektiv Information an den Entscheider herangetragen, so dass ein

wohlinformiertes, überlegtes Abwägen nicht stattfinden kann. Was die Regulierung betrifft, wird einmal mehr deutlich, dass die herkömmlichen Prinzipien des Datenschutzes den neuen Informationstechnologien nicht gerecht werden. Dies gilt beispielsweise beim Recht auf informationelle Selbstbestimmung, weil nunmehr die Auskunftsbereitschaft einiger auch alle anderen vorhersagbar machen kann. Man wird von politischen Parteien bis zu Zigarettenherstellern und Casinobetreibern in Zukunft im Detail festlegen müssen, wer welche Daten erheben und mit welchen anderen Daten verknüpfen darf. Wolfgang Pietsch

Internationale Studienbesuchswoche ProLehre rief und Europa kam: Lehrende von Irland bis Bulgarien, von Schweden bis Portugal tauschten sich fünf Tage lang mit uns über Lehren und Lernen an der Hochschule aus. Zu Nikolaus kehrten sie heim, hoffentlich so reich beschenkt wie wir. Der Studienbesuch widmete sich der Frage, wie die Kompetenz- und Lernergebnisorientierung, die dem Bologna-Prozess zugrunde liegt, so umgesetzt werden kann, dass die Qualität der Lehre nachhaltig verbessert wird und Lehrende wie Lernende fit für die Zukunft gemacht werden. Die EU hat diesen Austausch mit 13 Lehrenden aus 11 Ländern gefördert, um die Zusammenarbeit beim Thema lebenslanges Lernen zu stärken. Die unterschiedlichen nationalen Praktiken und die damit verbundenen Traditionen und Philosophien sollen Denkanstöße liefern, wie die notwendigen Veränderungen gestaltet werden können, von denen sich jeder – auf seine Weise – herausgefordert sieht. Fünf Tage haben wir intensiv über hochschuldidaktische Projekte und Angebote diskutiert. Wir haben Strategien verglichen und analysiert, Methoden bewertet und ausprobiert und nach Möglichkeiten gesucht, die neuen Ideen umzusetzen und dabei weiter zusammenzuarbeiten. Natürlich

gab es auch Gelegenheit, München und die TU kennenzulernen. Am wichtigsten war aber die persönliche Begegnung: Gäste und Gastgeber wuchsen zusammen, sodass am Ende der Abschied richtig schwerfiel. Was bleibt ist eine gewisse zufriedene Erschöpfung sowie ein Gefühl der

Begrüßung der Gäste im Vorhoelzer Forum

Dankbarkeit – und das Wissen, dass eine gemeinsame Vision (nicht nur) von Lehren und Lernen in Europa möglich ist, wenn wir uns offen und neugierig begegnen, wohlwollend, aber ohne Scheu, zu hinterfragen und hinterfragt zu werden. Rudolf Aichner, Christine Gluth


Lehrstuhl für Philosophie und Wissenschaftstheorie

Newsticker

Neuronale Netze, Big Data und Robotik

Vortragsreihe „TUM Frontiers in Science and Technology“

Der Lehrstuhl für Philosophie und Wissenschaftstheorie beschäftigt sich in der Forschung mit Grundlagen und Zukunftsperspektiven von Wissenschaft und Technik. Schwerpunktmäßig geht es um komplexe Systeme in Natur, Technik, Wirtschaft und Gesellschaft, das Paradigma der Selbstorganisation, der Chaostheorie, der Künstlichen Intelligenz und des Künstlichen Lebens.

Am 16. Oktober 2013 sprach Prof. Dr. Dirk Helbing (Swiss Federal Institute of Technology Zurich) über „Global vernetzte Risiken und wie wir sie beantworten können“. Der Vortrag fand im Rahmen der Vortragsreihe „TUM Frontiers in Science and Technology“ statt, die aktuelle Spitzenforschung der Ingenieur-, Natur- und Humanwissenschaften vorstellt.

Ein deutsch-amerikanisches Forschungsprojekt, gefördert durch die National Science Foundation (NSF) der Vereinigten Staaten, beschäftigt sich mit der Philosophie von biologisch inspirierten Computernetzen (CNN = Cellular Nonlinear/Neural Networks) und ihrer gesellschaftlichen Integration. Computernetze und Gehirne sind Beispiele von komplexen Systemen, in denen die Zusammenwirkung vieler Elemente in Nanogröße („technische oder biologische Neuronen“) zu effektiven, aber auch chaotischen Wirkungen führen kann. 2013 hat Klaus Mainzer mit dem TUM Distinguished Professor Leon Chua (UC Berkeley) ein Buch über die CNN-Netzwerke publiziert (Local Activity Principle, Imperial College Press: London). Das NSF-Projekt betrachtet auch die gesellschaftlichen Konsequenzen solcher Computernetze und sieht eine Kooperation des MCTS mit dem John J. Reilly Center for Science, Technology and Values der University of Notre Dame (Indiana) vor. Ein Highlight im April 2014 ist die Einladung durch das international renommierte Steklov Mathematical Institute der Russischen Akademie der Wissenschaften. Auf der interdisziplinären Konferenz „Philosophy, Mathematics, Linguistics: Aspects of Interaction“ in St. Petersburg wirkt Klaus Mainzer im Programmkomitee mit, hält eine Keynote und leitet eine Panel-Diskussion über Komplexität. Ein aktueller Schwerpunkt von Klaus Mainzer betrifft die methodischen Grundlagen und gesellschaftlichen Konsequenzen der Big Data Technologie. Dazu schrieb er 2013 ein Buch unter dem Titel „Die Berechnung der

Welt. Von der Weltformel zu Big Data“ (C.H. Beck 2014). Zum Thema

13. Münchner Wissenschaftstage

Die Berechnung der Welt (C.H. Beck 2014)

Big Data nahm er im Juni an einer Podiumsdiskussion im Bayerischen Fernsehen und bei der MEDICA (Düsseldorf) im November teil; im September hielt er einen Vortrag bei der Carl Friedrich von WeizsäckerGesellschaft und gab zahlreiche Rundfunkinterviews. Die Big DataTechnologie wird auch bei Massive Open Online Courses (MOOC) weltweit in der Lehre eingesetzt. Klaus Mainzer war zu diesem Thema als Keynote auf dem Beijing Forum 2013 der Peking University eingeladen. Ferner war und ist der Lehrstuhl an Forschungsprojekten der humanoiden Robotik (z.B. CoTeSys, EUProjekt über RoboLaw) und der Infrastrukturrobotik (BMBF) beteiligt. Weitere Beispiele in 2013 waren die Mitarbeit im Advisory Board der Stiftung Neue Verantwortung (Berlin) zum Thema Robotik, die Podiumsdiskussion zur Robotik in der Hochschule für Film und Fernsehen (München) im April und das Fernsehinterview mit ARTE zum Thema „Was ist ein Cyborg? Ab wann werden wir Cyborgs?“ (Januar 2014). Klaus Mainzer

Wie sieht unsere Gesellschaft in zwanzig, fünfzig oder hundert Jahren aus? Wie verändern nationaler und globaler demografischer Wandel unser Land und unsere Welt? Mit diesen Fragen befassten sich vom 16. bis 19. November 2013 auf den 13. Münchner Wissenschaftstagen mehr als 300 Spitzenwissenschaftler und Experten. Mit dabei waren auch Prof. Dr. Klaus Mainzer mit dem Vortrag über „Risiken und Chancen soziotechnischer Systeme“ und Dr. R.Z. Bengez mit dem Marktstand „Wird uns die Welt zu komplex?“.

TUM Adventsmatinee Einen stimmungsvollen Einklang in den Advent bot die TUM Adventsmatinee, die am 1. Dezember in der Philharmonie im Gasteig stattfand. Unterstützt wurden die Musiker des Sym-

phonischen Ensembles München unter der Leitung von Carl von Linde-Akademie Dozent Felix Mayer erstmalig von dem neu gegründeten TUMChor – die Stimmen der TUM. An der Orgel glänzte wieder Prof. Dr. Wolfgang A. Herrmann, Präsident der TU München. Das abwechslungsreiche Programm beinhaltete dieses Mal Stücke von Mendelssohn, Brahms und Auszüge aus Wagners Tannhäuser.

www.mcts.tum.de/philwiss

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Veranstaltungen

Munich Center for Technology in Society

Montag, 13. Januar 2014, 18:15–20:00 Uhr Vortragsreihe „Technik & Ethik“

Fächerübergreifend Promovieren

Mein Roboter handelt moralischer als ich? Ethische Aspekte einer Technikfolgenabschätzung der Servicerobotik

Mit seiner Gründung hat das Munich Center for Technology in Society (MCTS) auch das Promotionsrecht erhalten. Das integrative Forschungszentrum, das im Rahmen der Exzellenzinitiative 2012 entstanden ist, untersucht die Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

Prof. Dr. Michael Decker, Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS), Karlsruhe TUM Stammgelände, Hörsaal 2.300

Dafür arbeiten Philosophen, Wissenschaftstheoretiker, Technikhistoriker, Ethiker und Sozialwissenschaftler zusammen mit Ingenieur- und Naturwissenschaftlern in fünf Forschungsprojekten, den MCTSLabs. Aus und in diesen interdisziplinären Projekten werden Promotionen generiert und gefördert. Die Themengebiete der MCTSLabs sind: x Erfolgsfaktoren und Barrieren technischer Großprojekte (LEAP) x Der Umgang von Wissenschaft, Technik, Medizin und Gesellschaft mit Fehlern, Nichtwissen, Kontingenz und Irrtum (MICE) x Strategien nachhaltiger Wasserwirtschaft (Sustainable Water Management) x Medizinische Prognostik und ihre zukünftige Entwicklung (From Prognosis to Predictive Medicine) x Soziotechnische Systeme, Robotik und demographischer Wandel Ein direkter Transfer aus den MCTSLabs in die Lehre ist durch die Lehrveranstaltungen der Professoren, wissenschaftlichen Mitarbeiter und Promovenden gewährleistet. Am MCTS können vier verschiedene Doktorgrade erworben werden: Dr. rer. pol., Dr. oec. publ., Dr. phil. und Dr. rer. soc. Dabei ist das Besondere, dass die Doktoranden zugleich am MCTS und an einer Fakultät der TUM angebunden sind. Aktuell umfasst die Promotionsliste 16 Personen. Ab 01.01.2014 werden sie im neuen MCTS-Graduiertenzentrum betreut. Ein Beispiel für fachübergreifendes Promovieren ist die promovierte Informatikerin Sabine Thürmel, die 2013 in Philosophie über das Handlungskonzept von Menschen, Robotern und Softwareagenten promoviert wurde. Ihr Betreuer, Klaus Mainzer, ist auch als Do-

Montag, 20. Januar 2014, 18:15–20:00 Uhr Vortragsreihe „Technik & Ethik“

Roboter, Menschenwürde und die Idee des Posthumanen Prof. Dr. Dr. Eric Hilgendorf, Ordinarius für Strafrecht und Rechtsphilosophie, JuliusMaximilians-Universität Würzburg TUM Stammgelände, Hörsaal 2.300

Montag, 20. Januar 2014, 18:30–20:30 Uhr acatech Informationsabend

acatech-Aktivitäten an der TUM am Beispiel der Nanoelektronik Dr. Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender Infineon Technologies AG Prof. Dr. Peter Russer, TU München und weitere Referenten TUM Stammgelände, Hörsaal 0602, Theresianum

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zent im Graduiertenzentrum der Informatik tätig. Ein weiterer Doktorand ist Maximilian Ott, der zugleich seit dem 01.10.2013 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Philosophie arbeitet. Nach seinem BWL-Diplom studierte er Philosophie, Mathematik und Germanistische Linguistik an der LMU. Jetzt promoviert Maximilian Ott am MCTS bei Klaus Mainzer über den Irrtum. In ständiger Rücksicht auf Immanuel Kant will er dabei drei Fragen ins Auge fassen: 1) Was ist der Irrtum? 2) Wie ist der Irrtum möglich? 3) Wie ist Irrtumserkenntnis möglich?

Maximilian Ott promoviert am MCTS

Damit soll der Versuch gestartet werden, dieses eher stiefmütterlich behandelte Thema in der Philosophie neu zu beleuchten. Denn dort wo die Philosophie über den Irrtum nachdenkt, stößt man immer wieder auf den Versuch, den Irrtum endgültig zu vermeiden. Maximilian Otts These wendet sich gegen die negative Auffassung des Irrtums und stellt den Versuch dar, ein neues Verständnis des Irrtums zu schaffen. Begünstigt wird dieses Projekt insbesondere durch die Interdisziplinarität des Munich Center for Technology in Society. Simone Müller www.mcts.tum.de/doctorate


Coaching für Studierende

Neu an der CvL-A

Selbstkompetenz stärken

Kirsten Alexander

„Das Coaching hat mir die Werkzeuge in die Hand gegeben, um wieder mehr auf meine eigenen Leistungen vertrauen zu können.“ (Studentin der Elektrotechnik im 4. Semester) Im Studium ist es wie im echten Leben: Es läuft nicht immer alles rund. Viele Studierende kommen mit sehr guten Abiturnoten an die TU München. Doch sie machen bisweilen eine bittere Erfahrung: sie fallen durch Prüfungen. Das ist für die meisten von ihnen ein ganz neues Erlebnis, denn in der Schule lief‘s immer glatt. Und schnell kommt dann die Angst hinzu, nicht mehr mithalten zu können in der Dynamik des nächsten Semesters, den Berg der neu anstehenden und der aufgestauten Prüfungen nicht mehr bewältigen zu können. Einige beginnen dann, nur noch zu lernen, sich jede Freizeit zu verbieten, kein Wochenende. Das Ergebnis ist oft ein „Überlernen“: in den Klausuren schaffen sie es nicht, das Wissen aufs Papier zu bringen. Gedanken und Formeln schwirren ihnen durch den Kopf, ohne dass sie sich auf die eigentliche Fragestellung konzentrieren können. Andere fangen an, die Pflichten zu schieben. Auf den ersten Blick eine elegante Lösung. Denn wenn ich nicht genug gelernt habe, erwarte ich auch keine Meisterleistungen von mir. Dann ist eben der „Faulpelz“ in mir schuld, nicht ich! Auf Dauer wirkt sich dieses

In Workshops und Einzelberatungen finden Studierende individuellen Lösungen.

Verhalten fatal aus. Der Pflichtenberg wird immer höher. Genau hier setzt das Programm „Selbstkompetenz stärken“ der Carl

von Linde-Akademie an und sorgt zusammen mit der Lernkompetenz von ProLehre dafür, dass Misserfolge im Studium nicht das Schlusswort haben. In Workshops und Einzelberatungen suchen Studierende ihre individuellen Lösungen, um ihr Studium zu einer Erfolgsgeschichte werden zu lassen. Während die Lernkompetenz ihren Fokus auf Lernmethoden und techniken legt, steht beim Selbstkompetenz-Team die Beschäftigung mit der eigenen Persönlichkeit im Vordergrund. Die Workshops enthalten einen hohen Anteil an Selbstreflexion, um die eigenen Lernblockaden, das Aufschiebeverhalten oder die Versagensangst zu verstehen und bewältigen zu können. Moderne Coaching-Methoden helfen, den Studierenden in kurzer Zeit die entscheidenden Werkzeuge für die eigene Selbstkompetenz in die Hand zu geben. Themen, die im Workshop nicht ausreichend behandelt werden können, klären die Studierenden in einem Einzelcoaching. Aus der Kombination aus Einzelberatung und Gruppencoaching entstehen wertvolle Impulse für die erfolgreiche Gestaltung des Studiums. Das Projekt „Selbstkompetenz stärken“ leistet einen wichtigen Beitrag, damit Studierende auch in schwierigen Situationen Ihre Studier- und Arbeitsfähigkeit erhalten, ihre Kompetenzen einbringen und weiterentwickeln und ihr Studium erfolgreich abschließen. Wenn wir Mails erhalten, in denen uns Studierende erleichtert und glücklich berichten, dass sie das Semester bewältigt oder die letzte angstbesetzte Klausur geschafft haben, wissen wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Bettina Hafner

Seit September 2013 ist Kirsten Alexander nach ihrem Musikstudium an der Hochschule für Musik und Theater München, sowie einem Studium der Musiktherapie in Heidelberg mit Zusatzqualifikation Psychotherapie (HPG) und mehrjähriger Tätigkeit in unterschiedlichen Fachrichtungen des als Coach und Therapeutin im Projekt „Selbstkompetenzen stärken“ tätig. Intensive Fort- und Weiterbildung im therapeutischen, pädagogischen sowie musikalischen Bereich ermöglichen es ihr dabei, in der Begleitung von Studierenden individuelle und vielfältige Angebote zu einem ganzheitlichen Ansatz zusammenfließen zu lassen.

Dr. Hajo Greif Am 1. Oktober 2013 hat Hajo Greif (AAU Klagenfurt) sein zweijähriges Erwin-SchrödingerFellowship am MCTS angetreten. Am Lehrstuhl für Philosophie und Wissenschaftstheorie der TU München arbeitet der Wissenschafts- und Technikphilosoph an seinem Forschungsprojekt „From Artificial to Ambient Intelligence“. Seine Interessenschwerpunkte liegen dabei insbesondere auf: x models of the environment in Artificial Intelligence research and related fields, x naturalistic theories in the philosophy of mind and language, from Teleosemantics to the Extended Mind, x ethical and policy issues in the information society. Weitere Informationen über Hajo Greif und sein Forschungsprojekt finden Sie unter http:// wwwu.aau.at/hgreif.

www.mcts.tum.de/selbstkompetenz

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Bayerische Akademie des Schreibens

Veranstaltungen

Geschichten über die Macht

Dienstag, 21. Januar 2014, 18:30–20:00 Uhr Vortragsreihe „Highlights der Forschung. TUM Emeriti of Excellence“

Das gesellschaftliche, politische, oft auch das private Leben ohne Intrigen und Machtspiele? – Unvorstellbar. Aber wie fühlt es sich an, im Inneren der Macht zu sein? Was verändert sich in einem selbst und um einen herum? Dominieren Gefühle des Verlusts oder einzigartige Rauschzustände? Die angesprochenen Probleme sollten Studierende nicht etwa wissenschaftlich erforschen, sondern literarisch beschreiben – als Bewerbungsaufgabe für die Bayerische Akademie des Schreibens (BAdS). In dieser Weise stellten sich der Machtfrage auch mehrere Studierende der TUM, drei davon erfolgreich, so dass diesmal ein Wirtschaftsmathematiker, eine Informatikerin und eine Umweltingenieurin an einem der exquisiten Kurse der BAdS teilnehmen können. Die Bayerische Akademie des Schreibens ermöglicht es jungen Autorinnen und Autoren, die Potentiale des eigenen Textes zu erkennen, neue Wagnisse einzugehen, sich des Handwerks zu versichern sowie Erwartungen und Bedingungen des Literaturbetriebs kennenzulernen. Angeboten werden u.a. Seminare für Studierende der Universitäten Bamberg, Bayreuth, Erlangen, Regensburg, LMU und TUM. Diese Unis haben sich mit dem Literaturhaus München zusammengeschlossen, um jährlich zwei parallele Kurse für Studierende anzubieten, unterstützt vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Geleitet wird der Kurs Erlangen/TUM/ Bamberg von dem Schriftsteller Rainer Merkel (Lichtjahre entfernt 2009, Das Unglück der anderen. Kosovo, Liberia, Afghanistan 2012, Bo 2013) und der Lektorin Doris Plöschberger (Suhrkamp Verlag). Im März 2014 sind die Teilnehmer zu Gast an der Carl von Linde-Akademie. Dann gibt es zum dritten Mal die Gelegenheit, einen renommierten Autor und seine Texte bei einer öffentlichen Lesung

an der TU München kennenzulernen. Nach Christoph Peters (2012) und Katja Lange-Müller (2013) liest am 7.3.2014 Rainer Merkel aus seinem Werk. Rainer Merkel studierte Psychologie und Kunstgeschichte und lebt in Berlin. Von 2008 bis 2009 arbeitete er für Cap Anamur im einzigen psychiatrischen Krankenhaus Liberias. Dort spielt auch sein aktueller Roman „Bo“, der drei Jugendliche aufeinandertreffen lässt: den dreizehnjährigen Benjamin, der plötzlich allein ohne Pass und Gepäck auf dem Flughafen von Morovia steht, die verwöhnte Brilliant aus der Upperclass und den

Vom abrufbaren Einzeltropfen zum Rapid Manufactoring – Beiträge der TU München Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Joachim Heinzl, Ehemaliger Ordinarius für Feingerätebau und Mikrotechnik, TU München TUM Stammgelände, Raum 5.170 (Vorhoelzer Forum)

Mittwoch, 22. Januar 2014, 18:30–20:00 Uhr Vortragsreihe „Global Voices“

China – neue technische und wirtschaftliche Weltmacht Wanjin Zhu, Generalkonsul, München Jiqiang Dai, Konsul für Bildung, München Chang Tsao, Lektor und Bereichsleitung Chinesisch, Sprachenzentrum TUM TUM Stammgelände, Raum 5.170 (Vorhoelzer Forum) Rainer Merkel: Bo (S. Fischer Verlag)

blinden Waisen Bo. Sie erleben eine abenteuerliche „Reise durch die afrikanische Welt und das Erwachsenwerden, eine rasante Road-Novel in unsere unbekannte Gegenwart“ (Fischer Verlag). Und damit wären wir wieder bei den Machtfragen. Zwischen drei Jugendlichen aus unterschiedlichen Schichten und Kulturen, zwischen Entwicklungshelfern und Hilflosen, zwischen der so genannten ersten und dritten Welt. Und dem großen Abenteuer Literatur. Fred Slanitz

Newsletter 01 – Januar 2014 Herausgeber: Prof. Dr. Klaus Mainzer Redaktion: Bettina Hafner, Simone Müller, Maximilian Ott, Fred Slanitz Abbildungen: wenn nicht anders angegeben, MCTS

Dienstag, 11. Februar 2014, 18:30–20:00 Uhr Vortragsreihe „Highlights der Forschung. TUM Emeriti of Excellence“

Die große Linqu Studie: Kann Magenkrebs verhütet werden? 200.000 Chinesen nehmen an der größten Präventionsstudie teil Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Meinhard Classen, Ehemaliger Ordinarius für Innere Medizin, Klinikum rechts der Isar der TU München Prof. Wei-Cheng You, Peking University School of Oncology Klinikum rechts der Isar der TU München, Ismaninger Str. 22, Hörsaal Pavillon

Carl von Linde-Akademie Munich Center for Technology in Society (MCTS) Technische Universität München Arcisstraße 21, 80333 München http://www.mcts.tum.de

CvL-A Newsletter 01  

Newsletter der Carl von Linde-Akademie der TU München (TUM), Ausgabe 01, Januar 2014

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