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07/08  |  Nr. 401

Neue Rektorin

Neue Städte

Neue Flugobjekte

Einzigartiges Profil: Über ihre Visionen zur Zukunft der Technischen Universität Dortmund sprach Prof. Ursula Gather mit der UnizetRedaktion.

Das Ruhrgebiet: Auf dem Weg vom Problemfall zur Pilotregion. Ein Standpunkt von Städteplanerin und Architektin Prof. Christa Reicher zur Stadterneuerung

Zum Semester-Auftakt entwarfen und konstruierten Architekturstudierende „Flughäuser“ aus Pappe und Klebstoff. Vorgeführt wurden sie auf dem ersten inoffiziellen Flug-Tag.

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Von der Forscherin zur Wissenschaftsmanagerin Prof. Ursula Gather tritt zum 1. September ihr Amt als neue Rektorin der TU Dortmund an.

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ach der einstimmigen Wahl des Hochschulrates und der Bestätigung durch den Senat am 31. Mai wird Prof. Ursula Gather die neue Rektorin der Technischen Universität Dortmund. Als erste Frau wird sie zum 1. September ihr Amt antreten und dem jetzigen Rektor Prof. Eberhard Becker folgen. Mit Prof. Gather wurde eine Statistikerin gewählt, die seit zehn Jahren einen interdisziplinären Sonderforschungsbereich in Dortmund führt und bereits als Prorektorin, Senatorin und Dekanin wirkte. Sie wurde 1986 von der RWTH Aachen nach Dortmund berufen und erhielt mit 34 Jahren den mit damals 850.000 DM dotierten Alfried Krupp von Bohlen und HalbachPreis.

entspricht, die mit diesem Amt verbunden sind. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und bin sicher, dass sich die TU Dortmund unter Frau Gathers Leitung weiter hervorragend entwickeln wird.“

Erfahrene Forscherin und Wissenschaftsmanagerin

Ursula Gather mit überwältigender Mehrheit gewählt Die Wahl fand erstmals nach der neuen Grundordnung der TU Dortmund statt. Der Entscheidung ging das Verfahren einer Findungskommission voraus, die aus Mitgliedern von Hochschulrat und Senat bestand. Aus einer Reihe externer und interner Bewerber schlug die Kommission dem Hochschulrat nur eine Kandidatin vor, die von diesem am 30. Mai einstimmig gewählt wurde. Nachdem Prof. Gather dem Senat ihre Vorstellungen präsentiert

Erste Gratulanten: Prof. Ernst Rank (Vorsitzender des Hochschulrats), Prof. Manfred Bayer (Vorsitzender der Rektorfindungskommission) und Rektor Prof. Eberhard Becker (v.l) freuten sich über die Bestätigung von Prof. Ursula Gather als neue TU-Rektorin.

hatte, bestätigte dieser sie mit überwältigender Mehrheit. Ursula Gather will das neue Motto der TU „Mensch und Technik“ mit Leben füllen, kooperative Spitzenfor-

schung stärken und die Rolle der TU in der Technologieregion Dortmund weiter ausbauen. Der Vorsitzende des Hochschulrats der TU Dortmund, Prof. Ernst Rank

zur Wahl: „Der Hochschulrat ist glücklich, mit Prof. Ursula Gather eine Rektorin gefunden zu haben, die in ausgezeichneter Weise den sehr hohen Anforderungen

Erster Preis: Student der Kulturwissenschaften entwickelt neues Logo für die „Universitätsallianz Metropole Ruhr“

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ufschwung“ heißt das vom TU-Studierenden Axel Kopp entworfene Logo für die „Universitätsallianz Metropole Ruhr“. Mit seiner Idee konnte er sich in einem Ideenwettbewerb gegen 81 Konkurrenten durchsetzen und wird dafür von der Stiftung Mercator mit 2000 Euro belohnt. Zeitgleich startete außerdem das Projekt „Ruhr Campus Online“, das ab dem kommenden Semester dafür sorgen soll, dass Lehrveranstaltungen Studierenden aller Allianz-Universitäten offen stehen. Ziel der UAMR ist es, Synergien zu nutzen und den gemeinsamen Wissenschafts- und Forschungsstandort national und international zu stärken. Das von Axel Kopp entworfene Logo stellt dies nach Meinung der Jury am besten dar. Der Preisträger betont mithilfe dreier blauer Bausteine sowohl die Eigenständigkeit der Universitäten, als auch mit der

nach oben offenen Kurve ihre Verbundenheit und exzellenten Zukunftsaussichten. Doch nicht nur das neue Logo soll die Verbundenheit zwischen den RuhrgebietsUniversitäten zum Ausdruck bringen. Projekte wie „Ruhr Campus Online“ werden nun realisiert und füllen die Allianz so mit Leben. Dann können Studierende von allen drei Universitäten an Veranstaltungen im UAMR-Hochschulverbund live und über das Internet teilnehmen und somit aktiv bei der Vernetzung der AllianzHochschule mitwirken. (uta). Dr. Bernhard Lorentz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stiftung Mercator, Prof. Elmar Weiler, Rektor der Ruhr-Universität Bochum, Prof. Eberhard Becker, Rektor der TU Dortmund, Axel Kopp, Gewinner des Ideenwettbewerbs, Prof. Ulrich Radtke, Rektor der Universität Duisburg-Essen (v.l.)

www.tu-dortmund.de/unizet | redaktion.unizet@tu-dortmund.de

Ursula Gather, C4-Professorin und Leiterin des Instituts für Mathematische Statistik und Industrielle Anwendungen, ist eine erfahrene Forscherin und Wissenschaftsmanagerin. Gemeinsam mit Medizinern arbeitet sie an der Verbesserung von Alarmsystemen auf Intensivstationen. Sie hatte Gastprofessuren an der Yale University, in Melbourne und Lille inne, ist stellvertretende Vorsitzende des Senats des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und in Vorständen diverser Wissenschaftsorganisationen. So ist sie die Vorsitzende des Fachkollegiums Mathematik der Deutschen Forschungsgemeinschaft, im Council des International Statistical Institutes, im Executive Committee der Bernoulli Society und Vorsitzende des Fördervereins des Mathematischen Forschungsinstituts Oberwolfach. Ursula Gather wurde in Mönchengladbach geboren, ist mit einem Unternehmer verheiratet und Mutter zweier Söhne. (Unizet)

Die MS Wissenschaft, das Matheschiff, ankert vom 6. bis zum 9. Juli im Dortmunder Stadthafen unterhalb des alten Hafenamtes. Geöffnet ist die Ausstellung an Bord des 105 Meter langen Binnenfrachtkahns täglich von zehn bis 19 Uhr. In den Ausstellungsbereichen Natur, Technik, Mensch und Geist zeigen über 30 interaktive Exponate auf rund 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche, wie oft man Mathe im täglichen Leben begegnet und dass die Anwendungsmöglichkeiten nicht bei der Lösung von Problemen in Industrie und Wissenschaft aufhören. Manchmal kommt es sogar vor, dass die Mathematik selbst in der Kunst und Musik den Takt vorgibt. Zusätzlich können sich alle Besucher auf viele Mathespiele, interessante Filme und tolle Bühnenshows freuen und dabei immer fleißig mitforschen. Für Fragen stehen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereit.


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unizet | Campus und Leben

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Die Besten nach Dortmund holen! Die zukünftige Rektorin Prof. Ursula Gather im Gespräch mit Unizet Frau Prof. Gather, in wenigen Wochen werden Sie von der Forscherin zur Wissenschaftsmanagerin. Wie werden Sie diesen Wechsel vollziehen? Durch meine Aufgaben in Forschungsverbünden und Gutachtergremien habe ich mich in den letzten Jahren parallel zur Forschung schon zu großen Teilen mit Wissenschaftsmanagement beschäftigt. Jetzt wird sich die Gewichtung völlig verlagern, aber ich möchte die Forschung nicht ganz aus den Augen verlieren und einige junge Dokorandinnen und Doktoranden zu Ende betreuen. Wenn die Zeit reicht, werde ich auch gern weiterhin im Sonderforschungsbereich mitarbeiten. Überzeugt haben Sie die Findungskommission, den Hochschulrat und den Senat mit Ihrer Konzeption zur Zukunft unserer Hochschule. Können Sie dieses erläutern? Unsere Hochschule mit ihrem besonderen Profil ist in der Tat einzigartig. Wir haben große Stärken in den Natur- und Ingenieurwissenschaften einerseits sowie in den Kultur- und Bildungswissenschaften andererseits. Hinzu kommt, dass wir

von einem Technologiepark umgeben sind, der der Größte in ganz Deutschland ist. Es gibt keine andere Hochschule, um die sich 300 High tech-Unternehmen angesiedelt haben. Das sind Pfunde, mit denen können und sollten wir wuchern. Konkret stelle ich mir vor, dass wir die technischen und bildungswissenschaftlichen Fächer in echter kooperativer Forschung zusammenbringen. Wir könnten gemeinsame Forschungsanträge stellen. Um an die Spitze zu kommen, müssen wir unser Bestes geben. Und mit „wir“ meine ich alle Hochschulangehörigen, die Studierenden ebenso wie die Mitarbeiter in Forschung und Verwaltung. Wenn wir hier die besten Forschenden und Lehrenden haben, werden auch unsere Studierenden profitieren und beispielsweise den neuesten Forschungsstand in ihrem Fach mitbekommen, egal ob in den Ingenieuroder Kulturwissenschaften. Wie wollen Sie die Besten nach Dortmund holen? An erster Stelle steht, dass wir unsere eigenen guten Leute durch optimale Rahmenbedingungen halten. In den Fakultäten, die ein Alleinstellungsmerkmal und

gute Arbeitsbedingungen haben, konnten Rufe von anderen Hochschulen fast immer abgewehrt werden. Aber auch Familienfreundlichkeit oder Partnerkarrieren sind ein wichtiges Thema. Wenn man eine gute Kollegin oder einen guten Kollegen halten oder gewinnen möchte, sollten wir versuchen, dessen Partner auch am Ort zu beschäftigen. Exzellenten Wissenschaftlern sollten wir den „roten Teppich“ ausbreiten und ihnen sehr deutlich machen, dass wir sie hier haben möchten. Viele Frauen an dieser Hochschule freut es, dass sich erstmals eine kompetente Frau für das Rektoramt durchsetzen konnte. Ist ihre Hoffnung berechtigt, dass die Förderung von Frauen künftig noch mehr in den Fokus gerückt wird? Der Anteil an Frauen in Spitzenpositionen ist immer noch gering. Es ist sogar so, dass in jeder Karrierestufe der Anteil sinkt. Das ist bedauerlich, und wir sollten dem unbedingt entgegenwirken. Dazu gehört natürlich für Frauen, aber auch für Männer, dass sie ihre Kinder gut betreut wissen. Denn das unmittelbare Umfeld tut sich gelegentlich leicht mit dem Wort

Weiterbilden auch im Sommer Auch in der vorlesungsfreien Zeit ist das Zentrum für Weiterbildung eine gute Adresse für Angehörige der TU Dortmund, die sich auf den unterschiedlichsten Gebieten fit machen wollen. So gibt es im September Kurse zu Themen wie „Verhandlungstraining – erfolgreicher mit einem kooperativen Argumentationsstil“ oder „Verständlich schreiben – Schriftsprachlicher Ausdruck“. Auch der Datenschutz am Arbeitsplatz ist in den Weiterbildungsangeboten enthalten. Die Datenschutz-Kurse werden für Sekretariate und Administratoren angeboten. Entspannung für den ganzen Körper steht dann bei „Tai Chi Chuan“ auf dem Programm. Im Seminar lernen die Teilnehmer ganzheitliche Gesundheitsübungen und schulen ihr Körperbewusstseins als Hilfestellung zur Professionalisierung des beruflichen Handelns, Mitverantwortung und Selbständigkeit. Für Spracheninteressierte bietet das Zentrum für Weiterbildung eine Vielzahl von Kursen, darunter Programme in Französisch und Englisch, sowie Spanisch und Chinesisch. (jsk) Weitere Informationen finden Sie im Internet: www.zfw.tu-dortmund.de.

„Rabenmutter“. Manchmal behindert einen aber auch die eigene Mauer im Kopf. In unserer Fakultät lösen wir dieses Problem auf dem kleinen Dienstweg. Hier sind zur Zeit drei Babys, und die stören absolut nicht. Im Gegenteil: Ich sehe darin für alle Beteiligten einen Gewinn. Im September werden Sie offiziell Ihr Amt antreten. Steht das gesamte Rektorat schon? Ja, es wird ein komplettes Rektorat geben, und ich stelle es sehr bald dem Hochschulrat und dem Senat vor. Wir werden mit einem schlanken Team starten, das aus mir als Rektorin, dem Kanzler und nur noch drei Prorektoren besteht. Durch die Gründung des „IT & Medien Centrums“ ist ein Prorektor für Medien nicht mehr unbedingt erforderlich. Schlanker und effizienter hätte ich auch gern die Sitzungskultur an unserer Hochschule. Da sollten wir uns knappen Zeitbudgets anpassen und nicht unbedingt für jede Kleinigkeit große Gremien tagen lassen, sondern gewisse Entscheidungskompetenzen auch auf andere Ebenen verlagern. (Interview: Angelika Willers)

Im Portrait: UAMR-Innenrevisor Hermann Millhoff durchleuchtet Finanzen und Vorgänge

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ergeweise Akten sind von Hermann Millhoff und drei weiteren Kolleginnen und Kollegen von der RuhrUniversität Bochum und der Universität Duisburg-Essen zu durchforsten und Geschäftsprozesse zu analysieren, um im Rahmen der gemeinsamen Innenrevision den „Schwachstellen“ im tagtäglichen Hochschulbetrieb auf die Spur zu kommen. Das Team wird sich auch in Zukunft darum kümmern, dass die RuhrgebietsUniversitäten sachgerecht mit dem Geld umgehen, welches ihnen zur Verfügung steht. Millhoff überprüft, er bewertet, gibt Empfehlungen und deckt – wenn es denn sein sollte – vielleicht auch mal ein schwarzes Schaf auf, immer im Dienste der drei Leitmotive der neuen Stabsstelle: Ordnungsmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit. Seit 1972 ist Hermann Millhoff an der Technischen Universität tätig, hat viele Bereiche der Hochschulverwaltung durchlaufen und weiß so, wovon er redet, wenn er in seinen Revisionsberichten Schwachstellen aufzeigt und/oder Empfehlungen zur Verbesserung oder Reorganisation gibt. Millhoff ist ein Fachmann auf seinem Gebiet und in Bezug auf die

TU Dortmund; die gegenseitige Mithilfe durch die Innenrevisoren und -revisorinnen der Partnerhochschulen der Universitätsallianz Metropole Ruhr ist aber trotzdem erwünscht und erforderlich, gerade wenn es um die Erweiterung des Blickwinkels auf die eigene Institution geht. So werden Prozesse von Außenstehenden vielleicht anders wahrgenommen und bewertet, der Austausch und die Kooperation helfen allen Beteiligten, so Millhoff: „Wir können zwar das Rad nicht neu erfinden, aber nach dem Motto „Best Practice“ lernen wir von- und miteinander und wollen Synergieeffekte nutzen.“ Seit dem 1. Februar dieses Jahres betreiben die drei Hochschulen der Universitätsallianz Metropole Ruhr die gemeinsame Innenrevision, um die internen Abläufe im Zuge der Finanzautonomie weiter zu verbessern. Hermann Millhoff, mit der Stabsstelle Innenrevision, ist dem Kanzler unterstellt und arbeitet in vielen verschiedenen Bereichen, jedoch immer mit der Vorgabe, den Einsatz der personellen und finanziellen Ressourcen der Hochschule zu optimieren, die Geschäftsprozesse zu verbessern und Misswirtschaft und Korruption vorzubeugen. (jsk)

Abschied und Neues Am 31. Mai 2008 hat der Senat der TU Dortmund Frau Professor Ursula Gather zur zukünftigen Rektorin gewählt. Dass die Wahl auf Frau Professor Gather als meine Nachfolgerin gefallen ist, freut mich sehr. Die Universität wird von einer kenntnisreichen, erfahrenen und tatkräftigen Persönlichkeit geführt werden, die die Herausforderungen der Zukunft mit Elan anpacken wird. Ich möchte auch auf diesem Wege herzlich gratulieren und für die Zukunft alles Gute wünschen. Ich persönlich werde jetzt mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus dem Amt des Rektors ausscheiden. So sehr ich die Jahre als Rektor genossen habe, dabei die Universität intensiv kennen gelernt und viele interessante Menschen getroffen habe und insgesamt die Jahre als Rektor nicht missen möchte – so freue ich mich nun auch auf die Möglichkeit, das Leben der nächsten Jahre freier gestalten zu können, so wie es mir viele Ruheständler unserer Universität mit Zufriedenheit schildern. Als Emeritus werde ich der Technischen Universität Dortmund eng verbunden bleiben und mit großem Interesse die weitere Entwicklung der Universität verfolgen. Ich bedanke mich bei allen, die meinen Weg begleitet haben, besonders den Prorektoren meiner drei Rektorate, vielen Menschen innerhalb und außerhalb der Universität, den vielen Mitarbeitern der Verwaltung, die ich hilfsbereit und kenntnisreich kennen gelernt habe, Professorinnen und Professoren sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in allen Bereich der Universität sowie nicht zuletzt allen Studierenden, die die Universität zu dem machen, was sie ist. Ich wünsche der Universität alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft, und Frau Gather ein herzliches „Glück auf!“


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unizet  |  Lernen und Lehren

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Thema für Studium fundamentale steht: Beschleunigung und Stillstand

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eit dem 19. Juni steht es fest, das Jahresthema zum Studium fundamentale im akademischen Jahr 2008/09: Unter dem Titel „Von maximaler Beschleunigung und dem Umgang mit Stillstand“ werden sich erstmalig alle 16 Fakultäten an der Ringvorlesung im Studium fundamentale beteiligen. In den einzelnen Veranstaltungen werden Vortragende das Jahresthema in Bezug zur Leitidee der Technischen Universität Dortmund setzen und damit Beiträge zu Mensch und Technik leisten.

Im Rahmen der Baukonstruktion 2–Lehrveranstaltung organisierte Prof. Paul Kahlfeldt vom Lehrstuhl Grundlagen und Theorie der Baukonstruktion mit den Architekturstudierenden des zweiten Semesters den ersten inoffiziellen „Flugtag“ der TU Dortmund auf dem Campus Süd. Zum Semesterauftakt waren die Studierenden aufgefordert, aus Pappe und Klebstoff ein Flughaus zu entwerfen und zu konstruieren. Ziel war es, dieses Flug-Haus zu präsentieren und mit Beschleunigungskraft und Thermik über eine Distanz von fünf Metern fliegen zu lassen. Darüber hinaus war eine Mindestaufenthaltdauer in der Luft gefordert. Es galt, Gestaltung und technische Fähigkeiten zu kombinieren und zwischen ihnen abzuwägen. Entstanden sind verschiedenste Modelle aus mutigen Ideen und waghalsigen Konstruktionen. Nicht alle Flug-Häuser überwanden die fünf Meter Marke, andere überraschten durch ungeahnte luftakrobatische Fähigkeiten; frei nach dem Motto, dabei sein ist alles. Lehrende und Studierende hatten gleichermaßen Freude an diesem Flugspektakel. (Fakultät)

Die Erstellung des Lehrangebots für das kommende Wintersemester ist noch nicht abgeschlossen. Ein kurzer Aufriss, welche Möglichkeiten der Auseinandersetzung das Jahresthema in Ringvorlesung und Begleitseminaren ermöglicht, mag die erste Neugier befriedigen: Ausgehend von einer kollektiven Lebenserfahrung, dass das Leben stetig schneller wird und Zeit eine kostbare Ressource ist, ist es keine steile These zu behaupten: Wir leben in einem Zeitalter der Beschleunigung. Geteilt sind jedoch die Meinungen darüber,

ob Beschleunigung durchweg positive oder negative Effekte auf das Leben der Menschen hat. Wenn Menschen die Beschleunigung ihrer Lebens- und Arbeitswelt zunehmend als Belastung wahrnehmen, Beschleunigung gar als krank machend empfinden, wäre es nur konsequent, Prozesse zu entschleunigen oder zum Stillstand zu bringen. Können wir uns dies jedoch „leisten“? Sind wir nicht auf Beschleunigung angewiesen? Verspricht sie uns nicht Fortschritt, Wohlstand und ein gutes Leben in der Zukunft? Es drängen sich daher Fragen nach den Bedingungen, unter denen Beschleunigung stattfindet und ob der Mensch überhaupt Einfluss auf Beschleunigung und deren Effekte nehmen kann, auf. Aber auch Beschleunigungsprozessen sind Grenzen gesetzt. Wie gehen wir mit ihnen um? Diese und weitere Fragen werden in der Ringvorlesung, welche im Winter- und im Sommersemester jeweils viermal stattfinden wird, von den 16 Fakultäten beispielhaft thematisiert. In jeder Veranstaltung werden zwei Vortragen-

de aus verschiedenen Fakultäten sich mit einer Fragestellung, die sie aus dem Jahresthema ableiten und für ihre wissenschaftliche Tätigkeit von Interesse ist, beschäftigen und miteinander und mit den Studierenden diskutieren. Das Studium fundamentale ist somit ein Angebot, die Möglichkeiten und Grenzen interdisziplinärer Zusammenarbeit in Form von gelebtem Dialog von und mit profilierten Wissenschaftlern der TU Dortmund zu erfahren. Es zielt darauf ab, Studierende zu befähigen, sich mit anderen, Fachfremden, über die eigene Fachkultur zu verständigen, das Eigene im Kontext des Anderen sehen und einordnen zu können. Das Studium fundamentale wird Denkanstöße liefern und wer sich auf diese einlässt, wird sich ein tiefer gehendes Verständnis für Problemstellungen, Erkenntnisinteressen und Lösungsansätzen der eigenen Fachdisziplin wie für andere Wissenschaftskulturen erarbeiten. (Nadine Carina Mang) Kontakt: Nadine Carina Mang, Ruf: 755-7248.

Total Global: Stasi-Knast, bulgarische Philharmonie und Oregon Studierende der Technischen Universität Dortmund in der Welt unterwegs Amerikanisten auf den Spuren der ehemaligen DDR Man hört zwar immer, dass es in der DDR auch ein „normales“ Leben gegeben hat, aber richtig etwas vom alltäglichen Leben dort bekam man einfach nicht mit“, erzählt Ryan Flaherty, seines Zeichens Austauschstudierender aus den USA und einer der Teilnehmer der –AmerikanistikExkursion im Mai. Vier Tage lang ging es für acht amerikanische, sechs deutsche und eine moldawische Studierende nach Bautzen, Dresden und Berlin, um die Rezeption amerikanischer Kultur in der DDR hautnah zu erleben. Organisiert wurde die Fahrt von Sibylle Klemm vom Institut für Anglistik und Amerikanistik im Rahmen ihres Seminars zu den Kulturbeziehungen zwischen der DDR und den USA. In zahlreichen Vorträgen und Gesprächen mit Zeitzeugen konnten die Teilnehmer der Exkursion dann viele interessante Informationen sammeln. Das kam sowohl den deutschen als auch den ausländischen Studierenden zu Gute, die so Details über das Leben in der DDR und vor allem über die Beziehungen und Sichtweisen zu den USA lernen konnten. Schon am ersten Tag war das Programm sehr abwechslungsreich gestaltet. Nach einer eindrucksvollen Führung durch die Gedenkstätte „Stasi Knast“ in Bautzen folgte ein Vortrag über Hip-Hop, in dem der Leipziger Amerikanist Leonard Schmieding auf die Rezeption der amerikanischen Hip-Hop Kultur in der DDR einging. Besonders anschaulich wurde das Thema in dem anschließenden Film „Here We Come“ über die Breakdance Szene in der DDR dokumentiert. Als nächster Punkt stand ein Besuch der Karl-May-Gedenkstätte in Dresden auf dem Programm. Hier erhielt die Gruppe durch das Gespräch mit Ger-

hard Fischer, einem versierten Vertreter der Indianistikgruppen, einen Eindruck von dem Enthusiasmus mit dem dieses Hobby in der DDR gepflegt wurde. Zum Abschluss in Berlin konnten die Studierenden mit Experten und Zeitzeugen, so etwa Victor Grossman, ein Amerikaner der seit den 1950er Jahren in Ostberlin lebt, über den Alltag und die Ursachen für den Zusammenbruch der DDR sowie das Verhältnis zu den USA diskutieren. „Auf diese Weise wurde das im Kurs erarbeitete Wissen über das USA-Bild in der DDR – vom Klassenfeind Nr.1 bis zum gelobten Land – vertieft und die Begegnung mit Kommunisten von früher und heute forderte nicht selten zur Überprüfung der eigenen Ansichten heraus,“ erklärt Sibylle Klemm. Besonders erfreulich war für die Dortmunder Dozentin die großzügige Unterstützung, die sie für ihre Exkursion erhielt. So beteiligte sich die Gesellschaft der Freunde der Universität Dortmund genauso wie das Akademische Auslandsamt und das Institut für Anglistik und Amerikanistik als Sponsoren und machten damit die Fahrt in die neuen Bundesländer für viele Teilnehmer und Teilnehmerinnen erst möglich. Ryan Flaherty hat zusammen mit ein paar anderen Studierenden noch ein paar Tage in Berlin an die Amerikanistik-Reise angehängt. Zurückblickend findet er, dass die Exkursion ein voller Erfolg war: „Wir konnten uns alle endlich mal ein Bild vom Leben in der DDR machen – das war eine tolle Erfahrung.“ (jsk)

Musikwissenschaftler in Bulgarien auf Entdeckungsreise 20 Studierende und fünf Hochschullehrer des Instituts für Musik und Musikwissenschaft der Fakultät 16 unternahmen vom 12. bis 17. Mai eine Exkursion nach Bulgarien. Kontakte zwischen dem Musikinstitut und der Faculty of Arts der Neofit Rilski-Universität in Blagoevgrad bestehen seit 2003, als der Komponist und Musiktheorielehrer Prof. Filip Pavlov Gambrinus Fellow an der Universität Dortmund war. 2005 nahmen Prof. Mechthild v. Schoenebeck und Dr. Dietrich Helms auf Einladung von Filip Pavlov als Referenten an einem musikwissenschaftlichen Kongress in Shumen teil und knüpften dabei

die Verbindungen nach Bulgarien enger. Die diesjährige Exkursion war eine Entdeckungsreise in mehrfacher Hinsicht. Der Sound der berühmten bulgarischen Frauenchöre oder Bartóks Tänze in bulgarischen Rhythmen sind vielen Musikern hierzulande bekannt. Einen herausragenden Universitätschor und eine hochprofessionelle Folklore-Tanzgruppe nebst landestypischem Instrumentalensemble live zu erleben war jedoch ein unvergleichlicher Eindruck. Mit dem Chorleiter und dem Choreographen dieser Ensembles selbst arbeiten zu dürfen begeisterte die Dortmunder Studierenden. Kunst ist harte Arbeit – diese Erkenntnis konnte man hier buchstäblich am eigenen Leibe gewinnen.Alle fünf Hochschullehrer hielten vor den bulgarischen Kollegen einen Vortrag aus ihren Arbeitsgebieten. Das Erstaunen der dortigen Professoren und Studierenden über die Bandbreite der Lehrenden des hiesigen Musik-Instituts war groß. Hier tun sich vielfältige Perspektiven für einen wissenschaftlichen und künstlerischen Austausch zwischen

den beiden Universitäten auf. Ein Ausflug zum Kloster Rila und ein Besuch der Hauptstadt Sofia nebst Konzert der bulgarischen Nationalphilharmonie untermauerten den Eindruck eines Landes mit reichem Kulturerbe und großem Engagement für Musikleben und musikalische Ausbildung. Die krassen sozialen Gegensätze, die seit dem Zusammenbruch des Sozialismus sowjetischer Prägung und im Zuge der Globalisierung in Bulgarien aufgebrochen sind – 70% der dortigen Bevölkerung gelten als arm –, sind auf den Straßen in erschütternder Weise greifbar. Den Entwicklungen, die sich aus der EU-Mitgliedschaft ergeben werden, sieht man mit gemischten Gefühlen entgegen. Für die bulgarischen Universitäten, die den gleichen Qualitätskriterien unterworfen sind wie die deutschen, sind deshalb Kontakte zu Universitäten anderer europäischer Länder besonders wichtig. In Gesprächen mit den Kollegen in Blagoevgrad wurden ein gemeinsames künstlerisches EU-Projekt sowie die Initiierung eines offiziellen Austauschprogramms

Nur eines von vielen Zielen der Musik-Exkursion: Das im 10. Jahrhundert erbaute Rila-Kloster

diskutiert. Beides wird demnächst auf den Weg gebracht. Die Exkursion wurde von der Gesellschaft der Freunde der Universität Dortmund mit einem großzügigen Zuschuss finanziell unterstützt (Text: Mechthild von Schoenebeck, Foto: Britta Möllering))

Raumplaner informieren sich in den USA über Wachstumsgrenzen Anfang Mai besuchte eine Studierendengruppe des sechsten Semesters der Fakultät Raumplanung die Stadt Portland in Oregon (USA), um sich bei einer Reihe von Experten vor Ort über die Urban Growth Boundary (städtische Wachstumsgrenze) zu informieren. Seit den 1970er Jahren wird dieses Planungsinstrument in der Region Portland sehr erfolgreich eingesetzt, um die mittlerweile schon typische amerikanische Zersiedelung der Stadtregion zu verhindern. Einer der Interviewpartner war der Dekan der Nohad A. Toulan School of Urban Studies and Planning der Portland State University. Das Bild zeigt den Dekan Ethan Seltzer mit den Studierenden sowie der Beraterin Tanja Hühner (Fachgebiet Versorgungs- und Entsorgungssysteme) und dem Betreuer Dirk Drenk (Fachgebiet Gewerbeplanung). Die Studierendengruppe befasst sich seit dem letzten Wintersemester mit der Frage, wie die Flächenneuinanspruchnahme im Ruhrgebiet eingegrenzt werden kann. Mitte Juli 2008 werden die Studierenden einen Abschlussbericht vorlegen, der Handlungsempfehlungen für das Ruhrgebiet zur Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme unter Berücksichtigung des amerikanischen Planungsinstruments Urban Growth Boundary geben wird. (Text: Dirk Drenk, Foto: Daria Stottrop)


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unizet  |  Kultur und Gesellschaft

Initiative Wissenschaftsjournalismus Experten vernetzen Redakteure, Wissenschaftler und Medien in Aus- und Weiterbildung

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enn Forscher Neuland betreten, müssen gut ausgebildete Journalisten die Menschen mit auf die Reise nehmen. Genau das ist es, was Holger Hettwer und Franco Zotta mit ihrer Arbeit für die „Initiative Wissenschaftsjournalismus“ erreichen wollen: eine unabhängige und qualitativ hochwertige wissenschaftsjournalistische Berichterstattung, die für jedermann gut zu verstehen ist. Getragen wird die Initiative von der Robert Bosch Stiftung, dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und der BASF SE. Die drei Stiftungen fördern das Aus- und Weiterbildungsprogramm in den nächsten vier Jahren mit rund zwei Millionen Euro. Der Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus, an den die Initiative angebunden ist, wird dazu beitragen, dass in Zukunft Praxis und Lehre noch enger zusammenarbeiten können. „So kann die Uni das von uns gemeinsam zusammengetragene Material ihren Studierenden zur Verfügung stellen,“ sagt Holger Hettwer, „und wir können die Studien für unsere Weiterbildungsangebote nutzen.“ Hervorgegangen ist die „Initiative Wissenschaftsjournalismus“ aus dem „Qualifizierungsprogramm Wissenschaftsjournalismus.“ Fünf Jahre lang waren Bertelsmann Stiftung, Volkswagen Stiftung und BASF SE darum bemüht, Weiterbildungsangebote und Vernetzungsmöglichkeiten für Wissenschaftsjournalisten und solche, die es einmal werden wollen, aufzubauen. 2007 endete das Programm. Seit Anfang 2008 gibt es die neue „Initiative Wissenschaftsjournalismus“, die im Erich-Brost-Haus sitzt und zur TU gehört. Teil der „Initiative Wissenschaftsjournalismus“ ist einerseits ein umfassendes Weiterbildungs-

programm für Wissenschaftsredakteure und freie Autoren. „Ziel dieser Seminare ist es, Teilnehmer aus einer ganz bestimmten Region mit Wissenschaftlern und Leitmedien dieser Region zu vernetzen“, weiß Hettwer. Die Vernetzung von Journalisten, Wissenschaftlern und Medien – allerdings deutschlandweit – steht auch im Mittelpunkt der „Wissenswerte“ in Bremen. Auf dieser Konferenz, die seit 2004 im November regelmäßig 400 bis 500 Interessierte anlockt, können sich die Teilnehmer an drei Tagen in Sessions, Workshops und Paneldiskussionen austauschen. Doch die Initiative richtet sich mit ihrem Angebot nicht nur an bereits etablierte Wissenschaftsjournalisten. Sie fördert

auch junge Nachwuchstalente, denen sie eine fundierte Ausbildung ermöglicht.„Wir haben in den letzten Jahren immer wieder festgestellt, das die Rekrutierungsmechanismen vieler Redaktionen teilweise bizarr sind“, meint Hettwer. Er und sein Kollege Franco Zotta wollen Nachwuchstalenten deshalb die Chance geben in die Redaktionen zu gelangen und sich somit zu etablieren. Dafür gibt es seit 2004 ein spezielles Mentoringprogramm. Junge Absolventen der Natur- und Technikwissenschaften lernen zunächst in einem zweiwöchigen Intensivkurs die journalistischen Grundlagen. Dann absolvieren sie zwei jeweils dreimonatige Praktika in Wissenschaftsredaktionen, zum Beispiel der dpa, der Welt, den VDI nachrichten oder dem ZDF. Abschließend müssen

sie sich dann noch drei Monate lang in einer freien Recherchephase beweisen. „Die Chancen für unsere Absolventinnen und Absolventen stehen sehr gut“, betont Hettwer, „mehr als die Hälfte bekommt direkt im Anschluss an ihre Ausbildung einen festen Job oder ein Volontariat.“ Im September dieses Jahres geht es wieder los. Dann nämlich beginnen wieder die nächsten jungen Talente ihre Ausbildung. (uta) Kontakt: Susanne Barbknecht, Initiative Wissenschaftsjournalismus, ErichBrost-Haus, Otto-Hahn-Straße 2, Campus Nord, Ruf: 755 6968, E-Mail: holger. hettwer@tu-dortmund.de, franco.zotta@ tu-dortmund.de, Internet: www.initiativewissenschaftsjournalismus.de

Die „Initiative Wissenschaftsjournalismus“ ist seit dem 1. Januar Teil der TU Dortmund: Holger Hettwer, Sonja Hunscha und Franco Zotta (v.l.)

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In der UNIZET Nr. 399 (05/2008) S. 5 wird unser Buch über die zweitausend Jahre alten jüdischen Schriftrollen vom Toten Meer vorgestellt (O. Betz – R. Riesner, Verschwörung um Qumran? Jesus, die Schriftrollen und der Vatikan, Knaur Taschenbuch 77993, 2007). In dieser Vorstellung heißt es: „Die Mehrheit der Forscher geht davon aus, dass es sich um eine jüdische Religionsgruppe aus Essen handelt“. Diese Behauptung wird zwar möglicherweise den Umsatz unseres Buches im Ruhrgebiet steigern, aber kaum die Forschung revolutionieren. Der Satz ist ebenso lustig wie unsinnig. Die frühjüdische Sondergruppe der Essener, deren Namen vom aramäischen „die Frommen“ herzuleiten ist, hat bedauerlicherweise nichts mit der Ruhrmetropole zu tun. Prof. Rainer Riesner, Institut für Evangelische Theologie, Im Frühjahr 2007 fand in Dortmund der Bundeskongress der Kunstpädagogik statt. Vertreterinnen und Vertreter des Faches aus der Schulpraxis, Forschung und Lehrerausbildung diskutierten aktuelle Inhalte der Kunstund Bildvermittlung. Der nun vorliegende Tagungsband fasst ausgewählte Beiträge des Kongresses zusammen und geht zugleich über sie hinaus, indem innovative und zum Teil kontroverse Positionen der Kunstpädagogik vorgestellt werden. Das Buch ist eine anschauliche Einführung in den aktuellen Stand ihrer Debatte und Inhalte. Klaus-Peter Busse / Karl-Josef Pazzini (Hrsg.). (Un)Vorhersehbares lernen: Kunst-Kultur-Bild Norderstedt 2008 (Dortmunder Schriften zur Kunst. Studien zur Kunstdidaktik Band 6) Gestaltung: Frank Georgy (kopfsprung.de) Kongressfotografie: Ole Dunkel Zeichnungen: Katharina Tewes 556 Seiten, zahlreiche Abbildungen Preis: 29,90

Vom Sprachwissenschaftler zum Journalisten: Alumnus Tim Bauszus ist seit Oktober Volontär.

Salut au Monde: Whitman-Woche in Dortmund

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r hat sich schon Zeit gelassen für sein Studium. 11 Semester für den Bachelor, das wäre auch schneller gegangen, denn der Studiengang Angewandte Sprachwissenschaften ist eigentlich auf sieben Semester angelegt. Aber Tim Bauszus wollte die Möglichkeiten des Studiums richtig nutzen. Deshalb ist er im Sommer 2003 auch erstmal für eineinhalb Jahre in die USA gegangen – obwohl laut Prüfungsordnung nur ein halbes Jahr vorgeschrieben war. Aber Tim Bauszus findet: „Ein Semester bringt nichts. Deshalb habe ich mich für ein Jahr beworben.“ Gelandet ist er dann schließlich an der University of Utah in Salt Lake City. „Eigentlich wollte ich ja an die Küste“, gibt er zu. Doch am Ende war die Wüste

vielleicht die bessere Alternative, denn „so habe ich Amerika richtig kennen gelernt.“ Und nicht nur das. Tim Bauszus nutzte seinen Auslandsaufenthalt auch, um für längere Zeit aus Dortmund raus zu kommen. „Ich bin hier groß geworden und habe hier direkt nach dem Abi angefangen zu studieren, da wollte ich irgendwann mal länger weg.“ Mittlerweile ist er aber wieder im Ruhrgebiet angekommen und wird hier in nächster Zeit auch bleiben, hat er doch erst im Oktober als Volontär bei den „Ruhr Nachrichten“ angefangen. „Für mich ist das perfekt gelaufen. Zwei Wochen nach Vorlesungsende war mein erster Arbeitstag.“

Ein Leben als Sportredakteur Seither sitzt Tim Bauszus in der Lokalredaktion Witten, wo er für den Sport verantwortlich ist. Einen Job, der ihm viel Spaß macht. „Ich treibe mich zwischendurch ganz gerne mal auf Sportplätzen herum“, sagt er. „Das ist immer eine gute Möglichkeit, in die Sportszene zu kommen und als Insider dabei zu sein, ohne selbst auf ähnlich hohem Niveau zu spielen.“ Den Einstieg ins Berufsleben hat der Dortmunder Alumnus gut gemeistert. Einzig an die regelmäßigen Arbeitszeiten musste sich Tim Bauszus gewöhnen. „Das war schon eine Riesenumstellung, vor allem weil ich jetzt einen völlig anderen Terminplan als meine ehemaligen Kommilitonen habe“, stellt er fest. „Ich bin abends eben nicht vor sieben, halb acht zu Hause.“ Trotzdem hält er den Kontakt zu seinen einstigen Mitstudierenden. „Dadurch, dass ich ja nach wie vor in Dortmund wohne, sehen wir uns

immer noch regelmäßig“. Im Studium hat der 26-jährige vor allem eins gelernt: den Umgang mit Texten und Menschen. „Mit der Zeit habe ich einen viel geschulteren Blick für Texte bekommen und ein Gefühl für Sprache entwickelt“, zieht er sein Resumée. Das journalistische Handwerk hat er allerdings nicht an der Uni vermittelt bekommen. Dafür hat er diverse Praktika absolvieren müssen. „Wichtig ist es ja auch mal in einen Medienbetrieb einzutauchen, den Arbeitsrhythmus und die Arbeitsweisen kennen zu lernen, und so was geht an der Uni nicht“, meint der Nachwuchsjournalist. „Mein Studium war zwar schon sehr praxisorientiert und ich musste während des Grundstudiums auch ein vierwöchiges Praktikum machen“, erinnert sich Tim Bauszus, das sei aber trotzdem zu wenig. Darum hat er sich immer wieder selbst um Praktika bemüht. So war er während des Studiums drei Monate bei rp-online – der Internetausgabe der „Rheinischen Post“ – sowie bei der dpa. Zusätzlich hatte er schon damals gute Kontakte zu den „Ruhr Nachrichten“. Nach einem Praktikum in der Lokalredaktion Castrop-Rauxel hat er eine Stelle als freier Mitarbeiter bekommen. „Ich habe neben dem Studium fünf Jahre als freier Mitarbeiter für die Dortmunder Sportredaktion gearbeitet“, betont er, „und so habe letztendlich auch mein Volontariat bekommen.“ Trotzdem könnte er sich vorstellen nach dem Volontariat nochmals zu studieren. „Es kann ja immer passieren, dass ich auf dem Arbeitsmarkt ein oder zwei Jahre überbrücken muss. Dann würde ich mich einschreiben und nebenbei „frei“ arbeiten.“ (uta)

an stelle sich vor: sieben Tage Blockseminar für 34 Studierende – 17 aus Dortmund und 17 aus neun weiteren Ländern (Brasilien, Frankreich, Großbritannien, Israel, Italien, Österreich, Polen, Türkei, Vereinigte Staaten) – dazu fünf Lehrende (aus Deutschland, Frankreich, Italien und den USA), inklusive Workshops und einer internationalen Konferenz. Ermöglicht hat das Walt Whitman (1819-1892), einer der bekanntesten aber auch subversivsten Autoren der Weltliteratur, in dessen Namen die erste internationale „Whitman-Woche“ als Kooperationsprojekt der Dortmunder Amerikanistik und der „Transatlantic Walt Whitman Association“ vom 16.. bis zum 22. Juni organisiert wurde. In „Salut au Monde!“, ein frühes lyrisches Manifest der Globalisierung, richtet Whitman enthusiastische lyrische Grüße an seine Leserinnen und Leser in der ganzen Welt. Diese interkulturelle Orientierung war ein wichtiges Thema des Seminars – von der Frage der Übersetzungen bis hin zur Bedeutung des vermutlich bekanntesten U.S.-amerikanischen Dichters für die internationale Lyrik durch die Entwicklung des reimlosen und freirhythmischen Gedichts. Ein solcher innovativer Geist prägte auch die Atmosphäre des Seminars. Dadurch, dass ausländische Teilnehmer bei ihren Dortmunder Kollegen wohnten

und mit ihnen Stadt und Region erforschten, wurden sie zu dem, was bei Whitman „Camerados“ heißt – Menschen, die gerade ihre Unterschiede zur Grundlage vertieften Verstehens machen. Ed Folsom von der University of Iowa, einer Partneruniversität Dortmunds, ist der international renommiertester Whitmann-Kenner. Der ehemalige Dortmunder Fulbright-Professor betonte, dass Dortmund von der „Transatlantic Walt Whitman Association“ als erster Standort der Whitman-Woche ausgewählt wurde, weil man hier viele und gute Erfahrung mit interkulturellen Seminaren habe und „weil wir die Dortmunder Studierenden als besonders aufgeschlossen und innovativ kennen“. Die Erfahrung hier sei eine gute Grundlage für weitere Whitman-Wochen in Tours, Rom, Stettin und São Paulo in den kommenden Jahren. Die studentischen Teilnehmer scheinen auch andere Botschaften mitgenommen zu haben. Im Sinne der Forderung Walt Whitmans „Viel Widerstand – wenig Gehorsam!“ wollen sie, wie in einer Reaktion auf das Seminar zu lesen ist, ihre Erfahrungen in ein Netzwerk einbringen, um ihre hier erworbenen Kompetenzen des „anarchischen Miteinanders“ verschiedener Kulturen auch anderen Whitman-Interessierten mitzuteilen. (Fakultät)


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BMBF-Forschungsprojekt will funktionalen Analphabeten im Berufsalltag helfen

Juniorprofessorin erforscht Hochschule

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icheres Auftreten und ein sicherer sprachlicher Umgang sind oft Voraussetzungen für eine erfolgreiche Job-Bewerbung. Wenn Bewerber und Bewerberinnen zwar lesen und schreiben können, aber im Umgang mit der Sprache in Wort und Schrift so unsicher sind, dass sie fachliche Texte nur sehr langsam aufnehmen können und der erhoffte Berufs- oder Ausbildungseinstieg in weite Ferne rückt. Experten sprechen in diesen Fällen von funktionalem Analphabetismus. Den Betroffenen fällt es schwer, Zusammenhänge in Texten zu erkennen, obwohl sie lesen und schreiben können. Meist geht das Defizit Hand in Hand mit einem schlechten allgemeinen Kommunikationsverständnis. Daraus ergeben sich, oft bei einem Bewerbungsgespräch für eine Ausbildungsstelle, Probleme für die Betroffenen. Die Fakultät Rehabilitationswissenschaften greift gemeinsam mit dem Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) Dortmund diese Probleme mit einem neunen Forschungsprojekt bei der Wurzel. Gefördert wird das Projekt „Chancen in der beruflichen Bildung und Rehabilitation durch Kommunikationstraining“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Prof. Horst Biermann ist an der TU Dortmund verantwortlich für die wissenschaftliche Begleitung des Projekts mit dem Ziel, junge Erwachsene zu befähigen, berufliche, soziale und gesellschaftliche Situationen zu bewältigen. Das Kommunikationstraining soll dabei die Möglichkeit bieten, den Einzelnen individuell zu fördern. So können Probleme in Gruppen, aber auch in Einzelsitzungen, angegangen

tismus leiden, können so lernen, wie man sich in bestimmten Situationen richtig artikuliert, wie man diskutiert und argumentiert. Dabei wird immer auch das eigentliche Ausbildungsziel, das berufliche Handeln in diversen Arbeitssituationen im Auge behalten. So wird den Teilnehmern zum Beispiel das richtige Surfen im Internet erklärt, damit sie Suchseiten wie google effektiv nutzen können.

Angewandte Forschung

Schwer lesbar: Funktionale Analphabeten haben in Beruf und Alltag oft Probleme.

werden. „Dabei geht es nicht nur speziell um Sprachförderung, sondern um Kommunikationsförderung im Allgemeinen“, so Prof. Biermann. Kommunikation, die nicht nur im beruflichen Alltag, sondern auch im sozialen Umfeld eine wichtige Rolle spielt, soll trainiert werden. Diejenigen, die unter funktionalem Analphabe-

Die Technische Universität Dortmund wird aber nicht nur im Vorfeld des Projekts an der Thematik des funktionalen Analphabetismus arbeiten, sondern auch während der Umsetzung der Ergebnisse dem CJD Dortmund zur Seite stehen. Prof. Biermann und sein Team werden die Arbeit der Pädagogen im Jugenddorf wissenschaftlich begleiten und können so auch die Ergebnisse direkt in die Forschung übertragen. Seit April dieses Jahres befindet sich das BMBF-Projekt in der Entwicklungsphase und ist vor allem auf Nachhaltigkeit ausgelegt, da durch die enge Verzahnung von Grundlagenforschung, angewandter Forschung und Intervention durch die direkte Umsetzung im CJD Dortmund viele Bereiche abgedeckt werden können. Ein besonderer Aspekt der Nachhaltigkeit besteht zudem darin, dass der Transfer des gesamten Projekts in einen BA-Studiengang der TU erfolgen soll. (jsk) Kontakt: Horst Biermann, Ruf: 755-2941 Peter Pisecki (CJD), Ruf: 6560227

Perspektive: Industrielle Einfacharbeit DFG-Forschungsprojekt fördert Forschung zu Arbeit mit geringer Komplexität.

D

ie deutsche Forschungsgemeinschaft fördert ab Frühjahr 2008 am Lehrstuhl Wirtschafts- und Industriesoziologie (Prof. Dr. Hartmut Hirsch-Kreinsen) der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät ein Forschungsprojekt, das die Entwicklungsperspektiven industrieller Einfacharbeit in Deutschland untersuchen wird. Einfache Arbeit wird als Tätigkeit verstanden, die eine geringe Komplexität aufweist, kaum größere Anforderungen an die Beschäftigten stellt und deren Ausführung nur begrenzte Qualifikationen voraussetzt. Im Mainstream der Forschung und der öffentlichen Debatte wird seit geraumer Zeit die Auffassung vertreten, dass dieser Arbeitstypus angesichts des Konkurrenzdrucks der Globalisierung und generell steigender Anforderungen an Qualifikationen und Wissen der Erwerbstätigen nurmehr eine Restgröße bei der Entwicklung der Erwerbsarbeit in Deutschland darstelle. Lediglich im Servicebereich findet sich Einfacharbeit in größerem Umfang. Ausgehend von ersten empirischen Eindrücken soll im geplanten Projekt hingegen die These überprüft werden, dass Einfacharbeit auch im industriellen Sektor unter spezifischen Bedingungen eine stabile Entwicklungsperspektive für Industriearbeit darstellt.

Projekt wird qualitativ und quantitativ gestützt Das Forschungsprojekt stützt sich auf eine Kombination qualitativer und quantitativer Erhebungsmethoden. Bei den qualitativen Methoden werden Fallstudien in Unternehmen aus verschiedenen Industriebranchen und Experteninterviews ausgewertet. Die quantitative Untersuchung soll auf verfügbare statistische

Datensätze zurückgreifen. Zielsetzung des Projektes ist es, einen empirisch fundierten und differenzierten Beitrag zur Debatte um den wirtschaftlichen Strukturwandel und die Entwicklungstendenzen von Industriearbeit zu erarbeiten. Im Einzelnen soll die empirische Analyse zeigen, ob und in welchem Ausmaß Einfacharbeit auftritt, auf welche Sektoren sie sich bezieht und in welchen Branchen, Betriebsgrößen und möglicherweise Regionen sie stattfindet. Soweit möglich, sollen dabei auch internationale Bezüge hergestellt werden. Mit der Zielsetzung des Projektes verbindet sich darüber hinaus eine arbeitsmarktpolitische Pers-

pektive: Es sollen die Chancen für niedrig qualifizierte Erwerbstätige im industriellen Bereich herausgearbeitet werden. Zugespitzt, es geht um die Chancen von „Low-Skill“-Arbeit in einem „High-Skill“und „Hightech“-Land wie Deutschland. Die DFG fördert das Projekt für einen Zeitraum von drei Jahren. Dem Projektteam gehören Prof. Hartmut Hirsch-Kreinsen, Dr. Jörg Abel sowie ein weiterer Sozialwissenschaftler an. Externer Kooperationspartner ist der renommierte Arbeitsmarktforscher Dr. Werner Dostal. Kontakt: Dr. Jörg Abel, joerg.abel@tudortmund.de

Auf der Suche nach Perspektiven der Einfacharbeit: Prof. Hartmut Hirsch-Kreinsen (vorn), Dr. Peter Ittermann (rechts) und Dr. Jörg Abel (stehend).

-Learning und Computer-gestütztes kollaboratives Lernen (CSCL) am Hochschuldidaktischen Zentrum erhält Unterstützung durch die Juniorprofessorin Isa Jahnke. Die Wissenschaftlerin verbindet Forschung, Lehre und Beratung zum Thema soziotechnische Communities und didaktische Szenarien für den Einsatz neuer Medien in Lehre und Hochschule interdisziplinär, in dem sie Sozialwissenschaften und Informationstechnologie integrativ betrachtet.

wissen­schaftlichen Begleitforschung für das vom Bundesministerium für Wissenschaft und Innovation geförderte WissensMedia-Projekte, E-GovernmentCommunities und soziotechnische Prozessmodellierung tätig. (HDZ) Kontakt: Juniorprofessorin Isa Jahnke, Ruf: 755-7843. Email: isa.jahnke@tudortmund.de

Von 2001 bis 2004 war Isa Jahnke im Fachbereich Informatik als wissenschaftliche Mitarbeiterin beschäftigt. Sie hat dort die InPUD-Community zur Unterstützung eines guten studierförderlichen Umfelds mit ins Leben gerufen, untersucht und weiterentwickelt. Dies war auch Gegenstand ihrer Promotion mit dem Thema „Die Dynamik von Rollen beim Wissensmanagement: Anforderungen an Soziotechnische Anforderungen an Communities und Organisationen (erschienen im DUV, 2006). Im Anschluss ging Isa Jahnke an die Ruhr-Universität Bochum an das Institut für Arbeitswissenschaft, Lehrstuhl Informationsund Technikmanagement. Dort war sie unter anderem in der

Manager-Finale: Vier Physiker sind die besten Strategen

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er hat das Zeug für die Chefetage? Der technisch versierte Ingenieur, der kaufmännisch geschulte Betriebswirt oder doch der theoretische Physiker. Dies war die zentrale Frage bei dem gemeinsam von ThyssenKrupp und dem Lehrstuhl für Controlling der TU Dortmund angebotenen Planspielwettbewerb. Die Finalrunde an diesem Wochenende im Campustreff sollte darauf eine Antwort geben. Mehr als 300 Studenten aller Dortmunder Hochschulen aus den verschiedensten Fachrichtungen waren angetreten, um ihr unternehmerisches Geschick zu beweisen. Jedes Team aus vier bis sechs Studenten leitete einen international tätigen Produktionsbetrieb. Für dieses Unternehmen waren wichtige Entscheidungen in den Bereichen Beschaffung, Marketing, Finanzen, Produktion und Personal zu treffen. Die Studenten erfuhren dabei wie die verschiedenen Betriebsbereiche ineinander greifen. Von den 66 Teams aus der Hauptrunde haben sich die sieben besten Gruppen für die Finalrunde im ThyssenKrupp Manager Cup qualifiziert. Im Endspiel dabei waren zwei Teams aus Studierenden der Fachrichtung Physik und jeweils ein Team der Fächer Elektrotechnik, Logistik, Wirtschaftsmathematik, Wirtschaftsingenieurwissenschaft und Wirtschafts-

wissenschaft. Gewonnen hat eine Physiker-Gruppe, bestehend aus Christoph Bruckmann, Robert Molo, Christoph Keutner und Thorsten Krause. Mit nach Hause nehmen dürfen die Sieger einen Scheck in Höhe von 2.000 Euro. „Damit können wir vier alle immerhin ein Semester die Studienbeiträge bezahlen“, freute sich Robert Molo vom Siegerteam. Außerdem bekommen alle Erstplatzierten einen Praktikumsplatz im Hause ThyssenKrupp garantiert. Aber auch die anderen Teams der Finalrunde gingen nicht leer aus. Die Zweitplatzierten, ein Team aus Wirtschaftsingenieuren und Logistikern erhielten einen Geldpreis in Höhe von 1.000 Euro, das dritte Team aus den Wirtschaftswissenschaften 500 Euro und alle weiteren Teams der Finalrunde noch 250 Euro. Insofern hatte der Sponsor Prof. Rolf Reppel, Mitglied des Vorstandes der ThyssenKrupp Services AG, bei der Preisverleihung weit mehr als nur Urkunden zu verteilen. Aber auch der veranstaltende Lehrstuhl für Controlling von Prof. Andreas Hoffjan hatte Grund zur Freude. Infolge der sehr großen Resonanz bei den Studierenden wird ThyssenKrupp die Förderung verlängern und auch im nächsten Sommersemester alle Studierenden Dortmunder Hochschulen zur Unternehmenssimulation einladen. Wir sind gespannt, ob die Physiker ihren Titel verteidigen können. (Fakultät)

Prof. Rolf Reppel (ThyssenKrupp Services), das Siegerteam Robert Molo, Christoph Keutner, Thorsten Krause und Christoph Bruckmann sowie Prof. Andreas Hoffjan (TU Dortmund) (v.l.)


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Das Ruhrgebiet: Auf dem Weg vom Problemfall zur Pilotregion Ein Standpunkt von Christa Reicher

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uf dem Flug nach Amman stoße ich beim zufälligen Blättern in der Airline-Zeitschrift von Royal Jordanien auf den Beitrag „Industrial Revolution“, eine äußerst beeindruckende Schilderung des Strukturwandels im Ruhrgebiet, von der montanindustriell geprägten Region auf dem Weg ist zu einer schillernden Kulturregion. Der Autor lädt den internationalen Leserkreis zu einem viel versprechenden Besuch in unsere Region ein. Und dies während wir Architekten und Planer die Phänomene der Schrumpfung, der Verlandschaftung von Stadt und der Städterung von Landschaft beklagen. Das Ruhrgebiet hat – früher als ähnlich strukturierte Regionen – einen Paradigmenwechsel vollzogen und gute Voraussetzungen dafür geschaffen, dass es in vieler Hinsicht im nationalen und internationalen Kontext als Experimentierraum für neue Strategien gehandelt wird. Schrumpfung und Wachstum liegen hier nahe beieinander, selbst innerhalb der einzelnen Städte stoßen diese

Christa Reicher lehrt seit 2002 Städtebau und Bauleitplanung an der Fakultät Raumplanung. Die Architektin und Stadtplanerin hat sich intensiv mit Stadterneuerung, Stadtteilentwicklung sowie mit Stadt- und Landschaftsgestaltung beschäftigt und präsentiert mit ihren Fakultätskollegen am 10. Juli im Museum am Ostwall ein neues Buch „StadtPerspektiven Positionen und Projekte zur Zukunft von Stadt und Raum“. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr.

gegensätzlichen Entwicklungen vielfach unmittelbar aufeinander. Erfolgreiche Qualifizierungsstrategien, wie die der Stadt Gelsenkirchen, über eine Aufwertung des öffentlichen Raum Impulse für die Stadtentwicklung zu liefern, oder wie die der Stadt Dortmund, über attraktive Wasserlagen auf ehemaligen Industriebrachen Stadtentwicklung zu betreiben, werden als Vorzeigeprojekte im Stadtumbau gehandelt. Über solche kommunalen Projekte hinaus gilt das Ruhrgebiet als europäische Pilotregion für regionale Kooperation. Initiiert durch die IBA Emscher Park und den Forschungsverbund Städteregion Ruhr 2030 werden Masterpläne und Flächennutzungspläne über die kommunalen Grenzen hinweg aufgestellt.

städtischen Räumen leisten kann. Diese Erkenntnisse lehren uns vieles: Die Voraussetzung für eine erfolgreiche Qualifizierungsstrategie ist ein differenziertes Verständnis von einer neuen Urbanität, ebenso wie eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Regionalisierung von Stadtentwicklung. Eine reine Fokussierung von Planung auf die „Hardware“, also den gebauten Raum, reicht heute und zukünftig nicht mehr aus, um Qualitäts-

ziele umzusetzen. Die „Software“, also kulturelle Nutzungen oder auch neue Nutzungskombinationen, trägt entscheidend zu einem attraktiven Stadtraum bei. Beides muss einhergehen mit einer entsprechenden Partizipation und Kommunikation, seien es Moderationsverfahren, Marketing- oder Brandingstrategien, die es schaffen, die Zukunftsbilder bei den Akteuren und Menschen zu verankern. Wenn also das Versprechen des Autors,

Das Ruhrgebiet tritt die Herausforderung als Kulturmetrople an. Mit der Ernennung zur europäischen Kulturhauptstadt RUHR 2010 tritt erstmalig eine ganze Region die Herausforderung als Kulturmetropole an. Damit verbunden ist der Anspruch, nicht nur räumliche Qualifizierungsstrategien zu verfolgen, sondern auch Kultur als Motor für Stadt- und Regionalentwicklung unter Beweis zu stellen. Spätestens seit dem Tag, an dem das Centre Pompidou mehr Besucher nachweisen konnte als der Eiffelturm, zählen Kultur- und Museumsbauten zu ökonomischen Impulsgebern städtischer Planung. Diejenigen, die zu IBA-Zeiten die erfolgreichen Ausstellungen in der Kokerei Zollverein in Essen oder im Gasometer in Oberhausen miterlebt haben, können einschätzen, welchen Beitrag Kultur zu einer Aufwertung von

Das Eckige muss ins Eckige! Professor Weigand zeigte, dass Fußball und Mathematik doch zusammen gehören.

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o titelten vor einigen Monaten viele Tageszeitungen und übernahmen damit eine Äußerung des Vorstandsvorsitzenden von Bayern München, Karl Heinz Rummenigge, der die Aufstellung der Mannschaft durch den ehemaligen Mathematiklehrer Ottmar Hitzfeld kritisierte. In der Tat ist Fußball keine Mathematik, doch Fußball ohne Mathematik ist nur schwerlich vorstellbar. Man denke an die Äußerung, die dem ehemaligen Profi Stan Libuda zugeschrieben wird, dem man eine Gehaltserhöhung um ein Drittel angeboten hatte, wenn er in Schalke bleiben und nicht zum Erzrivalen Borussia Dortmund wechseln würde: „Also, ein Drittel ist mir nicht genug, ein Viertel müsste es schon sein.“ Ob man ihm daraufhin ein Fünftel mehr angeboten hat, ist nicht überliefert – vermutlich nicht, sonst wäre er nicht zum BVB gewechselt.

Vortrag standesgemäß in zwei Halbzeiten eingeteilt Ähnliche Beispiele, die verdeutlichten, dass man sehr viel Mathematisches in den Fuballberichten der Zeitungen finden kann, hatte Prof. Hans-Georg Weigand anlässlich der Veranstaltung ‚Was hat Mathematik mit Fußball zu tun‘ zuhauf mitgebracht. Am 5. Juni nahm er die Zuhörer in der gut gefüllten Rotunde des Museums für Kunst- und Kulturgeschichte mit in die bunt schillernde Welt der Fußball(er)-Mathematik. Sein kurzweiliger Vortrag im Rahmen des Veranstaltungsprogramms des Instituts für Entwicklung und Erforschung des Mathematikunterrichts der Fakultät für Mathematik war in zwei Halbzeiten unterteilt.

dass sich ein Besuch in der Region der „Industrial Revolution“ im Jahre 2010 lohnen wird, eingelöst werden soll, dann sind auch wir als Technische Universität Dortmund aufgefordert, diesen Qualifizierungsprozess konstruktiv mitzugestalten. Dies gelingt am Tatkräftigsten, wenn wir die disziplinbezogene Grenzziehung hinter uns lassen und uns gemeinsam auf den Weg machen.

Zunächst befasste er sich unter anderem damit, wie viele verschiedene Ergebnisse es bei einem Fußballspiel gibt, warum Tornetze häufig eine Sechseckstruktur aufweisen und wie ein Platzwart am besten und schnellsten die Linien auf das Spielfeld zeichnen kann. Wie bei einem richtigen Fußballspiel gab es in der Halbzeitpause ein Expertengespräch. Als Ehrengast wurde der ehemalige BVB-Profi Knut Reinhard interviewt. Der 297malige Bundesligaspieler hatte nach Abschluss seiner Karriere nach ei-

gener Aussage die Wahl, entweder Busfahrer beim BVB zu werden oder zu studieren. Er entschied sich zu Letzterem und nahm an der TU ein Studium für das Grundschullehramt mit den Fächern Sport und Mathematik auf. Momentan absolviert er als Lehramtsanwärter an der Grundschule „Kleine Kielstraße“ seine Referendarzeit. Der sympathische zweimalige Deutsche Meister und Championsleaguesieger lernte nach eigener Aussage auch während der zweiten Halbzeit des Vortrages,

wie die Zuhörer, noch Einiges hinzu: Wie viele verschiedene Möglichkeiten es gibt, einen Fußballschuh zu schnüren, warum Fußbälle (meist) aus Fünf- und aus Sechsecken bestehen, und was der neue Fußball der Europameisterschaft, der „Europass“, mit einem Würfel zu tun hat. Am Schluss berechnete der Würzburger Mathematikdidaktiker Weigand, zugleich Bundesvorsitzender der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik, wer Europameister werden würde. So endete eine hundertprozentig gelungene Veranstaltung, wobei wir wieder bei der Mathematik der Fußballer wären. Ingo Anderbrügge, der – anders als Libuda – von Dortmund nach Schalke wechselte, kommentierte ein Tor, das er auf Vorlage von Marc Wilmots erzielt hatte, einmal wie folgt: „Das Tor gehört zu 70% mir und zu 40% dem Wilmots.“ (Fakultät)

Das Institut für Entwicklung und Erforschung des Mathematikunterrichts (IEEM) beteiligt sich intensiv am Rahmenprogramm der MS Wissenschaft, die für einige Tage im Dortmunder Stadthafen ankern wird. Am Eröffnungstag, dem 6. Juli, präsentiert das Institut von 10 bis 17 Uhr auf dem Parkplatz „Altes Hafenamt“ viele interessante Exponate, die den Besucherinnen und Besuchern spielerisch den Umgang mit Mathematik näher bringen sollen. Neben dem Mathekoffer und dem KIRA-Quiz gibt es eine Kuhstallsimulation und viele mathematische Blickfänge zu erkunden.

Die MS Wissenschaft, das Matheschiff, ankert vom 6. bis zum 9. Juli im Dortmunder Stadthafen unterhalb des alten Hafenamtes. Geöffnet ist die einzigartige Ausstellung an Bord des 105 Meter langen Binnenfrachtkahns täglich von zehn bis 19 Uhr. In den Ausstellungsbereichen Natur, Technik, Mensch und Geist zeigen über 30 interaktive Exponate auf rund 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche, wie oft man Mathemathik im täglichen Leben begegnet und das die Anwendungsmöglichkeiten nicht bei der Lösung von Problemen in Industrie und Wissenschaft aufhören. Manchmal kommt es sogar vor, dass die Mathematik selbst in der Kunst und Musik den Takt vorgibt. Zusätzlich können sich alle Besucherinnen und Besucher auf viele Mathespiele, interessante Filme und tolle Bühnenshows freuen und dabei immer fleißig mitforschen und ausprobieren. Für alle Fragen stehen auf dem Matheschiff außerdem junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Ausstellungslotse bereit, die den großen und kleinen Gästen gerne weiterhelfen. Das Matheschiff ist ein Projekt von Wissenschaft im Dialog im Rahmen des Jahres der Mathematik. Die MS Wissenschaft ist seit Mai bundesweit unterwegs und macht in Dortmund ihren mittlerweile achtzehnten Zwischenstopp. (jsk)


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ehlendes Interesse der Schülerinnen und Schüler an naturwissenschaftlichen Fächern sowie die mangelnde Bereitschaft, naturwissenschaftliche oder technische Ausbildungen oder Studiengänge aufzunehmen, sind Probleme, mit denen nicht nur Deutschland zu kämpfen hat. Der drohende Mangel an Naturwissenschaftlern und Technikern beschäftigt weltweit die meisten entwickelten Länder. Die Lösung dieses Problems wird von vielen Ländern als eine Schlüsselherausforderung gesehen, denn die Wettbewerbsfähigkeit des Landes sowie die Funktionsfähigkeit der gesellschaftlichen und sozialen Systeme stehen auf dem Spiel. Unter der Thematik „Promoting Successful Science Education – The Worth of Science Education Research“ kamen etwa 100 Chemie- und Naturwissenschaftsdidaktikerinnen und -didaktiker aus über 20 Ländern zusammen, um Lösungsansätze zu diskutieren, die ihren Ausgangspunkt im fruchtbaren Zusammenspiel fachdidaktischer Forschung mit erfolgreicher Unterrichtspraxis in den naturwissenschaftlichen Fächern haben.

Symposium kehrt zu seinen Dortmunder Wurzeln zurück Das Symposium hat eine lange Tradition. Es wurde im Jahre 1981 von Prof. HansJürgen Schmidt in Dortmund begründet und findet nunmehr im Wechsel zwischen den Universitäten Dortmund und Bremen statt. Nachdem das Symposium zuletzt 2006 an der Universität Bremen stattfand, kehrte es im Mai 2008 zu seinen Dortmunder Wurzeln zurück und wurde von Prof. Bernd Ralle mit seinem Team organisiert. Die Erwartungen an die Beiträge der international renommierten Referentinnen und Referenten aus den verschiedenen Bereichen der Naturwis-

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Lösungen für internationale Probleme 19. Chemie- und Naturwissenschaftsdidaktisches Sommersymposium

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums diskutierten über mögliche Vebesserungen in der Naturwissenschafts-Didaktik.

senschaftsdidaktik waren hoch. Es sollten Wege aufgezeigt werden, wie chemisch-naturwissenschaftliche Themen auch für diejenigen Schülerinnen und Schüler besser zugänglich gemacht werden können, die keine einschlägige Karriere anstreben. Andererseits sind aber auch gerade diejenigen Schülerinnen und Schüler zu einer vertieften Beschäftigung mit Naturwissenschaften und Technik zu motivieren, die zu den Leistungsstärksten gehören: Ein Gordischer Knoten? In den Tagungsbeiträgen wurden in diesem Zusammenhang unter anderem Fragen angesprochen wie z.B. Welche Strategien muss die Fachdidaktik verfolgen, um effektiv zu Verbesserungen der Lehrund Lernprozesse in den Naturwissenschaften allgemein und in der Chemie im Besonderen beizutragen? Wie können die

fachdidaktischen Forschungsergebnisse in den verschiedenen Naturwissenschaften möglichst wirkungsvoll in den Lehrprozess der Fächer integriert werden? Auf welche Weisen können erfolgreiche Modellversuche zur Verbesserung der Lehr- und Lernprozesse nachhaltig in der Praxis implementiert werden? Welche effektiven und nachhaltigen Wege existieren, fachdidaktische Forschungsergebnisse in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern in naturwissenschaftlichen Fächern nutzbar zu machen? Welche Forschungsfelder haben für die naturwissenschaftlichen Fachdidaktiken die größte Zukunftsbedeutung? Der Gordische Knoten konnte zwar nicht ganz zerschlagen werden, aber in den Diskussionen kristallisierte sich ein Schwerpunkt markant heraus: Wie gehen wir in Forschung und Praxis mit der Realität der

Lernervorstellungen und des „conceptual change“ um? Erfolgreiches Lehren und Lernen von Naturwissenschaften bedeutet immer auch die Berücksichtigung dessen, was in den Köpfen der Lerner bereits vorhanden ist. Es wurden viele interessante Lösungsansätze dargestellt, wobei wohl erst deren kluge Verbindung das Potenzial haben dürfte, nachhaltige Veränderungen in der Schulpraxis einzuleiten. In diesem Zusammenhang zeigte es sich, dass der Qualitätsbegriff im Kontext naturwissenschaftsdidaktischer Forschung vor dem Hintergrund der oben berichteten Problemlage nicht allein über einen hohen Standard an quantitativ empirischer Methodik definiert werden kann. Vielmehr scheint sich im Bereich der Naturwissenschaftsdidaktik international ein Qualitätsmerkmal herauszubilden, welches sich daran orientiert,

effektive und konkrete Wege für bessere Lehr- und Lernprozesse aufzuzeigen und gleichzeitig dafür Sorge zu tragen, dass deren Implementation in die Praxis auch tatsächlich bewerkstelligt wird. Wie auch schon in den vergangenen Symposien wurde betont, dass die derzeitige Lehrerbildung sowie die Erwartungen und inhaltlichen Ansprüche an einen Unterricht in den Naturwissenschaften dringend auf den Prüfstand gehören. So wurde z.B. hinterfragt, ob die aktuell gängigen Standards wirklich für alle Schülerinnen und Schülern gleichermaßen geeignet sind, ein Verständnis für naturwissenschaftliche Fragestellungen zu entwickeln, oder ob nicht besser ein abgestuftes Programm anzubieten sei, welches sich deutlich im Inhalt und im Niveau der Behandlung der abstrakteren Thematiken unterscheidet. Für die Lehrerbildung wurde angeregt, dem Lernprozess der Studierenden mehr Aufmerksamkeit zu schenken, um ihnen die eigenen Lernschwierigkeiten zu verdeutlichen. Nur so lasse sich eine entsprechende Sensibilität der angehenden Lehrkräfte für die Probleme von Schülern wecken. Ein Buch mit den Beiträgen vom Sommersymposium erscheint im September. (Fakultät)

Tagungsbeiträge: Reinders Duit (Kiel), Gustav Hellden (Kristiansstad, SWE), Astrid Bulte (Utrecht, NL), Maik Walpuski (Essen), Avi Hofstein und Rachel Mamlok-Naaman (Rehovot, IL), Peter Labudde (Basel, CH), Ingo Eilks (Bremen), Miia Rannikmae (Tartu, EE), John Gilbert (Reading, GB), Rupert Genseberger (Utrecht, NL), Martin Goedhart (Groningen, NL), Hae-Ae Seo (Busan, KOR), Carmen Fernandez (Sao Paolo, BR), John Oversby (Reading, GB), Ilka Parchmann (Oldenburg) und Thomas Bremkes (Dortmund)

SPRING-Absolvent besucht seine Alma Mater als Regionalminister der Zentralregion Ghanas

Laserlicht als neues Kühlmittel für Halbleiter?

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or 13 Jahren bestellte Nana Ato Arthur einen Container und bereitete sich auf die Rückreise in sein Heimatland Ghana vor. Er hatte gerade das erste Jahr des internationalen Studienganges SPRING an der Fakultät Raumplanung der Technischen Universität Dortmund abgeschlossen. Jetzt kam er wieder, diesmal als Regionalminister mit Zuständigkeit für die Zentralregion Ghanas. Als Delegierter seines Landes hatte er an der UN-Biodiversitätskonferenz in Bonn teilgenommen. „Als ich die Einladung nach Bonn bekam, hatte ich sofort den Wunsch, einen Abstecher nach Dortmund zu meiner alten Universität zu machen. Und ich wollte mit den SPRINGStudenten von heute sprechen.“

25 Studierende aus 16 verschiedenen Herkunftsländern, aus Asien, Afrika und Lateinamerika, hörten gespannt zu als der SPRING-Absolvent seinen Weg von der Universität Dortmund zum Ministerposten in Ghana rekapitulierte. „Fühlen Sie sich denn mehr als Planer oder als Politiker“, will einer der Studenten wissen. „Eindeutig als Politiker“, antwortet Nana, ohne zu zögern, „aber ich kann wie ein Planer denken, ich weiß, was ich von meinen Planern und meinen Beamten erwarten muss. Und das hilft mir.“ Der Politiker muss Nana Ato Arthur schon immer im Blut gesteckt haben. Damals 1994, als die Wahl zum Klassensprecher von SPRING anstand, da gab es zwei Kandidaten, einen Philippino und eben Nana. In

Sprach an alter Wirkungsstätte mit aktuellen SPRING-Studierenden: Nana Ato Arthur (4. v. l .).

seinem Jahrgang waren 13 Asiaten und zwölf Afrikaner. „Ich hatte mein Erststudium als Bauingenieur in China absolviert, da konnte ich mit den Chinesen in ihrer Sprache sprechen. Und die wählten mich natürlich auch.“

Denken an globale Verantwortung „Wie geht Ghana mit seinem Energieproblem um?“ will ein Student wissen. Nana wiegt bedenklich den Kopf, es ist ihm anzusehen, wie die zwei Seelen, die des Planers und die des Politikers, in seiner Brust miteinander ringen: „ Ich komme jetzt aus Bonn von der Biodiversitätskonferenz. Da denke ich an unsere globale Verantwortung. Als Planer weiß ich, wir müssen mehr in erneuerbare Energien stecken. Unsere Planer haben ein Programm für mehr erneuerbare Energien und für Kernenergiegewinnung vorbereitet. Das Geld dafür war schon im Budget. Aber was sollen wir tun? Jeden Tag steigen die Rohölpreise. Die Leute erwarten von uns stabile Spritpreise. Im Dezember sind Wahlen. Also müssen wir als Regierung das Geld in Subventionen für Benzin und Diesel stecken. Um alternative Energien kümmern wir uns nach den Wahlen.“ Und verschmitzt fügt er hinzu: „Als Planer denke ich über den Wahltermin hinaus. Manche Themen, über die ich heute nicht öffentlich reden kann, die überlasse ich einfach einem meiner Spitzenbeamten.“ Sprach’s und riet den Studierenden von heute, hart zu arbeiten und gute Planer zu werden. Für Nana Ato Arthur stand als nächster Termin ein Gespräch mit Integrationsminister Armin Laschet in Düsseldorf an. (Einhard Schmidt-Kallert)

enn Laser Material beleuchten, wird es normalerweise deutlich wärmer. Laserstrahlen werden daher zum Beispiel zum Schneiden von Stahlplatten, zum Schweißen oder auch als Skalpell eingesetzt. Dieser Effekt lässt sich jedoch auch umkehren. Wenn man dafür sorgt, dass das bestrahlte Material bei der Frequenz des Laserstrahls dessen Licht gerade noch nicht absorbiert, sondern noch ein wenig mehr Energie (der Photonen, wie Physiker die Lichtteilchen nennen) dazu notwendig ist, „holen“ sich diese Photonen die noch fehlende Energie aus der Schwingungsenergie der Atome des Materials. Solche Schwingungsenergie entspricht einer Zitterbewegung der Atome, die man auch Temperatur nennt und die damit etwas verringert wird: Das Material wird gekühlt. Ein Wissenschaftler-Team vom Lehrstuhl für Experimentelle Physik III der Technischen Universität Dortmund hat jetzt in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Angewandte Festkörperphysik der RuhrUniversität Bochum erstmals eine detaillierte Versuchsstudie zu diesem Prozess in Halbleiter-Nanostrukturen durchgeführt. Auf dieser Basis könnte es möglich sein, eine vibrationsfreie Kühlung von Halbleitern zu entwickeln. Im Besonderen bestimmten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die optimale LaserWellenlänge als Funktion der Temperatur und stellten fest, dass die Kühlleistung jedes Laserstrahls mit der Temperatur der Probe zunimmt, analog zu konventionellen Kühlsystemen. Das Einstellen der Grenzenergie im Material, die etwas über der Photonenenergie liegen muss, erfolgt bei der Herstellung

von Gallium-Arsenid-Schichten, die in Aluminium-Gallium-Arsenid-Schichten eingebettet sind. Die Dicke der GalliumArsenid-Schicht, in der Regel wenigen Dutzend Atomlagen, bestimmt diese Energie. Diese so genannten „Quantum Wells“, die auf eine Atomlage genau hergestellt werden können, sind auch in neuesten Halbleiter-Lasergenerationen anwendbar. Mit der Technologie kann daher sowohl der sendenden Laser als auch das zu kühlende Material hergestellt werden, wobei sogar eine Lösung auf demselben Chip möglich ist. Die Studie wurde an der TU Dortmund von Dr. Soheyla Eshlaghi, Wieland Worthoff und Prof. Dr. Dieter Suter sowie von Prof. Dr. Andreas D. Wieck von der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt und in der aktuellen Ausgabe der Physical Review, einer der ältesten und angesehensten Fachzeitschriften in der Physik, veröffentlicht. (Unizet) Kontakt: Dr. Soheyla Eshlaghi. Ruf: 755-3652. Email: soheyla.eshlaghi@tudortmund.de


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Weiterbildung: Wissen managen auf Chinesisch

Preisverleihung: Zukunft der Arbeit

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iele Unternehmer stehen vor dem Problem, Wissensflüsse zwischen verschiedenen Ländern koordinieren zu müssen. Wie können sie sicherstellen, dass die richtigen Informationen zwischen Ihrem Standort in Deutschland und ihrem Kooperationspartner, z.B. im chinesischen Raum, schnell und effizient fließen? Wie können Wissensflüsse zwischen den beiden Partnern so organisiert werden, dass keine Missverständnisse entstehen? Diese und andere Fragen werden in der Weiterbildung „Interkulturelles Wissensmanagement“ behandelt, das die Technische Universität Dortmund und die Hong Kong Polytechnic University gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund anbieten. Unternehmen können durch die Einführung von Wissensmanagement ihr Wissen als eine entscheidende wirtschaftliche Unternehmensressource effizienter nutzen – auch über Unternehmens- oder Ländergrenzen hinweg. Die Generierung von Wissen, seine Organisation und Verbreitung können sich aber von Kultur zu Kultur erheblich unterscheiden. Interna-

tionale Kooperationen und unterschiedliche kulturelle Hintergründe verlangen einen angepassten Umgang mit Wissen. Genau hier setzt das Weiterbildungsangebot an. Das Programm richtet sich vor allem an Geschäftsinhaber und leitende Angestellte mittelständischer und großer Unternehmen, die den Wissenstransfer zwischen chinesischen bzw. deutschen Tochterunternehmen managen oder dies für die Zukunft planen. Teilnehmer können z. B. Wissensmanagementbeauftragte sein, aber genauso Mitarbeiter aus den Bereichen Personal, Projektmanagement, Innovations- und Chance Management. Das Programm findet vom 23. bis 25. Oktober in Dortmund und vom 1. bis 9. November in Hongkong statt. Die Teilnahmegebühr beträgt 4.500 Euro inklusive Flug und Hotel. Die Teilnehmerzahl beträgt mind. 13, max. 20 Personen. Anmeldeschluss ist der 1. September. Kontakt: Heike Fischer, Frauke Reininghaus, Ruf: 755-6625 oder -6630, www. ikwm.de, ikwm.zfw@tu-dortmund.de

Studentinnen erhalten RWEStipendien in Männerdomäne

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ie RWE Energy AG unterstützt ab diesem Sommersemester zwei Studentinnen des Wirtschaftsingenieurswesens der TU Dortmund mit Stipendien. Theresa Noll und Anna Koch erhalten bis zum Ende ihres Studiums 500 Euro pro Monat als Unterstützung durch den Energieversorger. Beide studieren die Vertiefungsrichtung „Europäisches Energiemanagement“ an der Technischen Universität. Ziel des Stipendienprogramms, mit dem RWE pro Jahr 16 Studierende unterstützt, ist die Förderung junger akademischer Nachwuchskräfte in technischen und naturwissenschaftlichen Studiengängen. Zusätzlich zur Stipendiensumme bietet RWE den Studierenden daher die fachliche Kooperation mit Mentoren aus dem Unternehmen, die Unterstützung bei Fach- und Diplomarbeiten sowie Pra-

Freunde der Universität Dortmund lobten Wettbewerb aus. m Rahmen der Feierlichkeiten zu ihrem 50-jährigen Jubiläum ehrte die Freundegesellschaft die Gewinnerinnen des Wettbewerbs „Zukunft der Arbeit“. Annette Franke und Melanie Biewald konnten sich mit Ihren Ausführungen gegen die Konkurrenz durchsetzen. Melanie Biewald von der Fakultät Rehabilitationswissenschaften beeindruckte die Fachjury mit ihrer Arbeit „Herausforderungen und Strategien für soziale Organisationen“ und zeigte die wichtige Rolle auf, die Nonprofit-Organisationen derzeit spielen und zukünftig in der Arbeitswelt spielen werden. Auch für den hohen Stellenwert des Qualitätsmanagements in der Ausbildung der Fachleute für Wohlfahrtswesen brach sie eine Lanze und erhielt dafür den Beifall der interdisziplinären Jury ebenso wie den der Festgäste. Die zweite Preisträgerin, Annette Franke vom Lehrstuhl für Soziale Gerontologie, überzeugte die Jury mit ihren Ausführungen zum Thema „Neue Kompetenzen braucht das Land – Der Arbeitsmarkt im sozialen Wandel“. In ihrer Arbeit beschrieb sie anhand vier gesellschaftlicher Trends (z.B. Demographischer Wandel) den Arbeitsmarkt von Morgen und die nötigen Anpassungen mit

Hilfe neuer sozialer und kommunikativer Kompetenzen, da sie neben den formalen Qualifikationen an Bedeutung immer mehr zunehmen. Beide Preisträgerinnen wurden jeweils mit einem Geldpreis in Höhe von 3.000 Euro ausgezeichnet und

Dr. Georg Kottmann (Jury-Vorsitzender und im Vorstand der Freundegesellschaft), Annette Franke, Prof. Bodo Weidlich (Vorsitzender der Freundegesellschaft) und Melanie Biewald (v.l.)

The „Fulbright Act“: Den Frieden durch Bildung in die Welt tragen

xiserfahrung durch Hospitationen und Tätigkeiten als Werkstudentinnen. Durch die von der RWE Energy AG geschaffenen Voraussetzungen verfügen die Studentinnen schon mit Beendigung ihres Hochschulstudiums über einen umfassenden und fundierten theoretischen und praxisorientierten Hintergrund und können so bestens vorbereitet in die anspruchsvolle Arbeitswelt von morgen einsteigen. Prof. Christian Rehtanz, Inhaber des Lehrstuhls für Energiesysteme und Energiewirtschaft der TU und betreuender Hochschullehrer von Theresa Noll und Anna Koch, freut sich nicht nur, dass zwei seiner Dortmunder Studierende sich durchsetzen konnten, ihm ist es genauso wichtig, „ dass es in dieser eher männlich dominierten Branche zwei Frauen sind, die durch Ihre herausragende Fachkompetenz glänzen konnten!“

Heidrun Schirmer (Referentin im Bereich Führungskräfte/ Personalentwicklung der RWE Energy AG ), Prof. Dr. Michael Laskowski (Experte im Bereich Netz für das Thema Forschung und Entwicklung, RWE Energy AG), Anna Koch, Theresa Noll und Professor Christian Rehtanz (Lehrstuhl für Energiesysteme und Energiewirtschaft, Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik) (v.l.).

stellten ihre Themen während der Feierstunde im Audimax dem interessierten Publikum, unter ihnen auch der Minister für Innovation, Wissenschaft und Technologie des Landes NRW, Prof. Andreas Pinkwart, vor. (jsk)

Witwe Harriet Mayor Fulbright, die sich auch über den Tod ihres Mannes hinaus mit großer Begeisterung für die internationale Verständigung diesem Vermächtnis verschreibt.(Wi)

Info

Dr. Gerlinde Schlicker (Mitte) umrahmt von Harriet Mayor Fulbright (r.) und Beate Eichenberg von der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt

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ies ist das Credo der FulbrightKommission mit Sitz in Berlin, die in Zusammenarbeit mit dem „Council for International Exchange of Scholars (CIES) in Washington regelmäßig Aufenthalte in den USA organisiert. Zielgruppe sind unter anderem auch Experten aus Hochschulen und Ministerien, die im internationalen Bereich tätig sind. Mit dabei von der TU Dortmund war in diesem Jahr Dr. Gerlinde Schlicker, stellvertretende Kanzlerin und Leiterin des Dezernates für Akademische, internationale und Rechtsangelegenheiten. Schon seit einigen Jahren organisiert die Kommission das „Seminar for German Administrators in International Education“. Ziel dieser Veranstaltung ist es, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das amerikanische Hochschulsystem, vor allem was die Themen Alumni, Fundraising, Career Service und Internationalisierung betrifft, näher zu bringen. 21 Bildungsexpertinnen und drei Bildungsexperten aus ganz Deutschland flogen im Frühjahr dieses Jahres zunächst nach Washington D.C., anschließend nach Carlisle in Pennsylvania und zuletzt nach New York. Insgesamt sechs Universitäten an der amerikanischen Ostküste hat Gerlinde Schlicker kennen gelernt. Am meisten beeindruckt hat sie das Dickinson College in Pennsylvania. „Der Präsident William G. Durden hat es geschafft, dieses kleine College in der Provinz innerhalb weniger Jahre zu einer führenden Universität zu machen.

„Gerade für den Bereich Fundraising und Alumni-Arbeit bekamen wir gute Anregungen“, sagt Gerlinde Schlicker. Wichtig sei aber, das amerikanische System nicht einfach zu kopieren, sondern an die eigenen Bedürfnisse und Gegebenheiten anzupassen. Während ihrer Reise hat sich Gerlinde Schlickers Vermutung bestätigt, dass die amerikanischen Eltern, die ja schließlich das teure Studium finanzieren, bei der Entscheidung für einen Studienaufenthalt ihrer Kinder in Deutschland besonders großen Wert auf individuelle Betreuung legen. Wichtig ist ihnen auch der Kontakt zu den Hochschulen. Auf diese Bedürfnisse geht das Akademische Auslandsamt der TU Dortmund schon seit vielen Jahren durch entsprechende Programme ein. Ein weiteres Plus sei die Sicherheit, die die deutschen Hochschulen den amerikanischen Studierenden vor Ort bieten können. „Ich kann nur jedem empfehlen, sich bei der Fulbright-Kommission in Berlin für ein solches Programm zu bewerben!“ Dieses Fazit zieht Gerlinde Schlicker aus ihrem zweiwöchigen Aufenthalt in den USA. „Die Organisation durch Charlotte SecuriusCarr und Kerstin Klopp-Koch von der Fulbright-Kommission und Maria S. Bettua, Jamie Sharp und Lucia Cucinotta vom CIES war so hervorragend. dass sie uns in kürzester Zeit das höchstmöglichste Maß an Kontakten und Informationen über amerikanische Hochschulen vermittelt hat. Dieses Engagement offenbarte sich mir auch in meiner Begegnung mit der

J. William Fulbright brachte 1946 ein Gesetz in den Kongress der USA, das später der „Fulbright Act„ genannt wurde. Dieses Gesetz beinhaltete, dass der Gewinn aus dem Verkauf überschüssiger US-Militärausrüstung dafür eingesetzt wird, den internationalen akademischen Austausch zu fördern. Am 28. März 1945 führte er zuvor aus: „International education exchange is he most significant current project designed to continue the process of humanizing mankind to the point, we would hope, that men can learn to live in peace.“

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unizet 07/08