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ist, dass der Pilot ja auch heil wieder herunterkommen will“, grinst Chris. Trotzdem hat der Pilot für Notfälle einen Rettungsschirm an seinem Gurtzeug.

Es ist sensationell. Konzentriert steuert Chris zwischen den Berghängen hindurch und über die Gondeln der Nebelhornbahn hinweg. Außer dem rauschenden Fahrtwind und einem gelegentlichen leichten Rascheln des Schirmes ist nichts zu hören. Unter uns erspähe ich eine Gämse. Sie scheint den Flugverkehr hier zu kennen, würdigt uns keines Blickes. Das Berg-

panorama rückt noch näher. Hochvogel, Höfats und weiter westlich der markante Grat des Hohen Ifens. Vor einem Bergrücken „warten“ wir auf warme Aufwinde, die uns nach oben bringen sollen. Die Wettergötter sind uns wohl gesonnen und tragen uns hoch in den blauen Himmel. Die Griffe der Steuerleinen werden mir in die Hände gedrückt: „So, jetzt steuere du mal, rechts ziehen, links nachgeben“. Ich fliege.

Spiralen und Wingovers Mit atemberaubenden Spiralen und Wing overs geht es das letzte Stück in die Tiefe, die Welt dreht sich um uns. Es ist ein wenig wie Achterbahn fahren. Angst habe ich mit Chris nicht eine Sekunde. Natürlich könne man auch gemächlich hinunterschweben, aber so mache es halt richtig Spaß, lacht er. Die Erdinger Arena kommt näher und der Landeplatz an der Oybele-Halle ist in Sicht. „Also wir versuchen auf den Füßen statt auf dem Po aufzukommen, das schaut einfach schöner aus“, flachst Chris, „wer zuerst im Kuhfladen steckt.“ Kurz aufrichten und wir landen elegant auf den Füßen. Den Kuhfladen trifft Chris. Eine perfekte, punktgenaue Landung. Wenn ich jetzt nach oben schaue, die farbigen Punkte am blauen Himmel sehe, kann ich es kaum fassen, dass ich eben selbst noch einer von ihnen war. Für mich steht fest: Das war nicht das letzte Mal! Konzentriert bereitet Chris den Schirm für den Flug vor.

Allgäu Wirtschaftsmagazin

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BILDER: SUSANNE PINN

Warten auf die Thermik Auf knapp 2000 Meter sind wir an der Station Höfatsblick. Hier schnalle ich normalerweise meine Skier an und gleite gemütlich mit Bodenhaftung ins Tal. Doch heute sind da keine Bretter an den Füßen und Stöcke, die mir Balance geben. Stattdessen geht es mit an ein paar erschreckend fadenscheinig aussehenden Seilen, an einem Stoffschirm hängend, in die Tiefe. Sorgfältig legt Chris den Schirm aus und kontrolliert die Leinen. Wie viel man denn wiegen dürfe, um mitzufliegen, frage ich skeptisch. „Für dich reicht es gerade noch“, meint er grinsend. Wirklich beruhigt mich das ja nicht. Kurze Einführung. Einhängen. Warten? „Auf den richtigen Wind“, sagt Chris. Noch bevor ich mir Gedanken über das Bevorstehende machen kann, scheint der passende Augenblick gekommen und ich höre „Go, go!“ Meine Beine setzen sich wie von selbst in Bewegung – und wir sind in der Luft. „Jetzt kannst du es dir gemütlich machen“, höre ich von hinten. Jedes mulmige Gefühl ist verschwunden. Ich fliege. Mit Worten lässt sich dieses erste Mal nicht wirklich beschreiben. Begeisterung. Ehrfurcht. Grenzenlose Freiheit. Mit dem Boden verschwinden der Alltag, die Realität und jegliches Zeitgefühl.

Allgäuer Wirtschaftsmagazin 2/2017  

Mit einer Auflage von 11.900 Exemplaren erreicht das Allgäuer Wirtschaftsmagazin ca. 54.000 Leser pro Ausgabe im bayerischen und württemberg...

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