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Editorial|

Juli 2015

Liebe Leserinnen, liebe Leser, welches ist wohl der wichtigste Standortfaktor für Unternehmen, sich in einem der Allgäuer Landkreise niederzulassen? Liegt es am Bergblick oder ist es vielmehr die Höhe der Gewerbesteuer und die Anbindung an das überregionale Verkehrsnetz? Die Allgäu GmbH befragte jüngst Betriebe im Unter-, Ober- und Ostallgäu sowie im Landkreis Lindau nach ihrer Standortzufriedenheit und stellte fest: entscheidendes Kriterium ist die Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften. Gleichzeitig wird die Fachkräftesituation im gesamten Allgäu als besonders schwierig eingestuft. Unzufrieden sind vor allem Betriebe im Ostallgäu. Sie gaben ihrem Landkreis für diesen Punkt nur die Note 3,5.

TITEL: Tororider GmbH, Kaiser, Gehring, Spielberg, Christ, Karg, Maucher

So spiegelt sich in unserer Region ein deutschlandweiter Trend: Unternehmen beklagen einen Mangel an Fachkräften. Wer nicht zu den Top-Arbeitgebern gehört, muss bei der Gewinnung von qualifizierten Mitarbeitern auf die hauseigene Aus- und Weiterbildung setzen. Doch auch bei den Azubis zeichnet sich ein düsteres Bild: 50 Prozent der Ausbildungsverantwortlichen gaben in einer im März veröffentlichten Studie an, bei der Suche nach geeigneten Bewerbern Probleme zu haben. Gerade im Ostallgäu waren von 935 Ausbildungsstellen im September 2014 noch 169 unbesetzt – das ist fast jeder fünfte Ausbildungsplatz. Von diesen Zahlen alarmiert, beschloss daher der Landkreis, eine Koordinierungsstelle „Berufsorientierung“ einzurichten. Das Ostallgäu steht in seinem Bestreben, Fachkräfte vor Ort auszubilden und zu halten, nicht alleine da. So arbeitet die Stadt Kempten seit einiger Zeit erfolgreich am Projekt „Zukunft bringt‘s“, das Bildungsübergänge erleichtern und den Fachkräftebedarf der Wirtschaft decken soll. Rund fünf Millionen Euro hat die Stadt

Allgäu Wirtschaftsmagazin

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dafür in den letzten Jahren ausgegeben. Doch auch Kempten tut dies nicht uneigennützig: 2006 erreichten 20 Prozent seiner Schulabgänger keinen Schulabschluss. Das waren die schlechtesten Zahlen in ganz Bayern, und sie alarmierten die Stadtoberen. Denn auch unter den Städten und Landkreisen spitzt sich die Konkurrenz um die besten Köpfe zu. Man kann – muss aber nicht – die Dramatik fehlender Fachkräfte ganz pragmatisch betrachten. So äußerte sich der Leiter des ifo-Zentrums für Bildungsökonomik Ludger Wößmann in der Wirtschaftswoche: „In einer Marktwirtschaft gibt es niemals einen ,Mangel‘, sondern nur falsche Preise“, stellte er fest. Wäre der Bedarf an Fachkräften tatsächlich höher als beispielsweise an Akademikern, „müssten die Betriebe eben höhere Löhne für Ausbildungsberufe zahlen.“ Sind auch Sie dieser Ansicht? Wir freuen uns, Ihre Meinung kennenzulernen. Besonderes Augenmerk gilt dabei unserer neuen Reihe „Pro & Contra im Allgäu“, in der wir Themen beleuchten, die rund um den Wirtschaftsstandort Allgäu diskutiert werden. Wie begegnen Sie den Herausforderungen der Zukunft? Das aus erster Hand zu erfahren, ist immer einen Blick ins Allgäuer Wirtschaftsmagazin wert.

Ihre

Angelika Hirschberg Redaktion

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Allgäuer Wirtschaftsmagazin_03_2015  

Der TT- Verlag veröffentlicht jedes Jahr 6 Ausgaben des Allgäuer Wirtschaftsmagazins. Mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren pro Erscheinun...