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NEWSLETTER – 12 / 2012 Liebe Mitglieder, Spender, Paten, Helfer und Freunde des TSS, für Euer Vertrauen in unsere Arbeit, Eure großartige Unterstützung und sehr gute Zusammenarbeit danken wir Euch von ganzem Herzen und wünschen Euch besinnliche Weihnachtsfeiertage und ein gesundes, erfolgreiches Jahr 2013.

Wie unser kleiner IDEFIX auf unserer diesjährigen Weihnachtskarte, suchen noch 7 weitere spanischen Hunde, MILO, LUCKY, PIPA, CLOE, MARIE, LAURA und ALMA eine Pflege-/ Endstelle. Während IDEFIX bereits Spanien verlassen konnte und in Süddeutschland auf „FamilienIdefix auf Wolke „7“

Idefix beim Arbeiten im Seniorenheim

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Idefix hat alles im Blick


NEWSLETTER – 12 / 2012 fang“ geht, haben seine anderen 7 Freunde ihr Ticket ebenfalls schon eingelöst. Es sind allesamt niedliche, kleinwüchsige Hunde mit einem faszinierenden Charakter.

Fahrt nach Cordoba Während meinem letzten Besuch, Anfang Dezember erlebte ich Dinge, die mir noch heute zu schaffen machen. Ich schreibe diese nun nieder, um sie besser verarbeiten zu können. Die Reise begann etwas chaotisch, denn gegen 3.30 Uhr erhielt ich per SMS die Mitteilung, dass mein Flug nach Malaga über Zürich aufgrund des starken Schneefalls annuliert werden musste. Über Berlin Tegel ging es dann doch mit 3 Stunden Verspätung in Richtung Spanien. Ein völlig klarer Himmel ermöglichte mir eine sagenhafte Sicht. Mit dem Mietfahrzeug ging es dann in Richtung Córdoba weiter. Kurz vor der Ankunft – ca. 15 km vor Córdoba Stadt – lief eine Galga mit einem kleinen Podenco entlang der Autobahn. Ich prägte mir sämtliche Sträucher ein, um Patri gleich nach zu informieren. Im Innersten hoffte ich, dass die beiden Hunde die Straßenseite nicht wechseln mögen. Zwei auf einer Wellenlänge: Patri (Vorstand von „Galgos del Sur“ in Cordoba) und Gugu

Um 18 Uhr war ich bei Patri zuhause angekommen. Noch bevor ich mein Zimmer aufsuchte, packten wir alle Gegenstände (Leinen, Geschirr, Halsband, Decken, Fangleine, Käse- und Wurstscheiben) zusammen und machten uns mit Patri´s Freundin Carmen auf den Weg zur Autobahn. Mittlerweile war es dunkel geworden und wie zu erwarten, waren die Hunde verschwunden. Gegen 22 Uhr verließen wir diesen Ort und beendeten unser Vorhaben. Ich konnte an diesem Abend fast nichts mehr essen, zu groß war die Sorge. Am nächsten Morgen gegen 9 Uhr fuhren wir zu viert an die Stelle zurück und nur knapp 2 km weiter sahen wir die beiden wieder. Patri verließ die Autobahn und wir fuhren auf einem Landweg die Strecke zurück. Seite 2 von 13


NEWSLETTER – 12 / 2012 Unsere Frenchbull-Hündin „DAYSA“ (die wir 4 Wochen zuvor aus der Tötung geholt hatten) war mit dabei. Wir erblickten die beiden wieder, als sie sich unter einem großen Strauch versteckt hielten. Während Carmen und José auf der einen Seite stehen blieben, kam ich von der anderen. Dick mit Wurst bepackt und zitternd vor Angst und Aufregung

Frenchbull-Hündin DAYSA

kletterte ich über den Wildzaun, machte mich ganz klein. Große Augen beobachteten mich, ich legte mich ganz flach auf den Boden, beschwichtigte mit einem abgewendeten Blick, so vertieft, dass ich die schnell vorbeifahrenden Autos nicht mehr bemerkte. Für mich waren es gefühlte Stunden, die ich da lag, die Hunde fütterte und mich Zentimeter für Zentimeter an sie heranrobbte. José war ebenfalls schon sehr nah an die beiden herangekommen, die Galga sprang auf, José griff sie am Bein und ich konnte sie fassen. Ganz ruhig legten wir ihr Halsband und Geschirr an und hoben sie zu Carmen und Patri über den Wildzaun. Die kleine Podenca entwischte uns durch ein Kanalrohr. Die Galga nannten wir „IVY“. Wir fuhren weiter zu unserer „Residence“, um nach

IVY erschöpft kurz nach der Rettung

unseren anderen Wind- und Kleinhunden zu sehen. IVY zeigte sich freundlich, sie legte sich erschöpft in die Sonne und schlief.

IVY unter Artgenossen in der Residenz

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NEWSLETTER – 12 / 2012 Wir versorgten all unsere anderen Hunde und gegen 16 Uhr gab es Mittagessen bei RINA´s Pflegefrauchen Carmen. Auf dem Nachhauseweg sahen wir erneut die kleine Podenca. Sie war mittlerweile zu einer Tankstelle gelaufen. Obwohl sie bis zu diesem Vormittag mit IVY unterwegs war, gelang es uns nicht, sie ins Auto zu locken. Nach 1,5 Stunden vereinbarten wir mit dem Tankstellenbesitzer, er möge noch am Abend eine Lebendfalle (die wir ihm später vorbeibrachten) aufzustellen und die kleine Hündin anzufüttern. IVY kam an diesem Abend nicht mehr die Treppe zu Patri´s Wohnung hoch. Je später der Abend wurde, umso schlechter lief sie. Wir hatten für Montag einen Tierarzttermin vereinbart, um sie durchchecken zu lassen. IVY wurde geröntgt. Ihre Kniescheibe war gebrochen. Sie wurde zunächst kastriert und die Knie-OP wird auf Ende des Jahres

IVY nach ihrer Operation

verschoben.

Rehala Wir blieben bei ihr, bis sie eingeschlafen war und machten uns danach auf den Weg in die Rehala von Córdoba-Stadt – also dorthin, wo Jäger und Galgueros ihre Hunde halten. Von einer hohen Mauer umgeben, empfängt uns ohrenbetäubendes Gebell. Durch den tagelangen Regen ist der Weg durch die Anlage ein einziges Matschloch. Er ist dreckig und es stinkt nach Urin und Kot. Im ersten Zwinger sehe ich den schneeweißen Podenco Ibicenco, geschätzte 50 Hunde. Unkastrierte Rüden und Hündinnen, dazwischen halbwüchsige Junghunde. Podenco Ibicenco – eine Zuchtecke in der Rehala

Keinen Kontakt zu Menschen, nur Seite 4 von 13


NEWSLETTER – 12 / 2012 unter sich. Sie trauen mir nicht, wenn ich mich nähere, weichen sie in die hintere Ecke des Zwingers. Dann kommt eine Art herunter gekommene Gartenkolonie. Verrostete Schüsseln, zerkaute Plastiktüten, eine Hand voll freilaufende kleine PodencoMischlinge, Hundeanhänger und immer das laute Gebell. Dunkle Verschläge mit Brettern zugenagelt, ermöglichen es mir fast nicht, zu erkennen, was sich

Das ehemalige Fabrikgebäude ist heute die Rehala vom Podenco Andaluz

dahinter verbirgt. Kleine Hunde an Ketten, die nur knapp stehen können, in drei „Etagen“ übereinander untergebracht. Ängstliche Blicke, verstörte Gesichter, apathische Lebewesen mit Mangelerscheinungen an ihren Knochen, weil ihnen das Sonnenlicht fehlt. In mir zieht sich alles

Podenco Ibicenco – gehalten in einer Holzkiste…

zusammen, erkenne ich nicht den Sinn, Lebewesen so zu halten. Wir treffen drei Jäger ganz am Ende der Anlage. Wie Hirten stehen sie da, sind warm in alte Kleider eingepackt und haben ihre langen Stöcke dabei. Zitternde Galgos und Podencos, jeglichen Alters und Geschlechts, rennen um uns herum, wagen es kaum,

… oder an einer kurzen Kette ohne Tageslicht.

näher zu kommen. Wir gehen in die Hocke, um Vertrauen zu betteln. Bitter kalt ist es, ich zittere wie all die Hunde um mich herum. Ich frage, ob ich fotografieren dürfte und kann jetzt Aufnahmen aus dem Innern der Schuppen machen. Während die einen Hunde darum bitten, die Tore zu öffnen, sitzen andere völlig gebrochen auf ihrem Seite 5 von 13


NEWSLETTER – 12 / 2012 Lehmboden und warten….warten auf irgendetwas. Ihre Augen sind leer, ich kann es nicht beschreiben. Patri hält einen guten Kontakt zu den Jägern. Sie ist eine der wenigen Spanierinnen, die kranke und alte Galgos herausnehmen kann, bevor die Jäger zu anderen Methoden greifen. An diesem Tag nehmen wir FARAON mit (er trägt den Namen des Zigeunerkönigs). FARAON ist ca. 13 Jahre alt, er kam als Welpe zu dem Jäger, war ihm ein treuer Gefährte. Doch seit 2 Jahren plagt ihn ein Geschwür an der Vorderpfote. Es ist aufgebrochen und es schmerzt. Die anderen Galgos lecken an seiner Wunde und schützen ihn vor der Kälte, ein Bild zum Weinen. Total ausgekühlt verlassen wir nach 2 Stunden die Rehala mit einem weiteren Galgo …und lassen hunderte andere Hunde zurück. Was für ein Wahnsinn!

Körperpflege unter Galgos…

Wir holen IVY bei Valentin, dem Tierarzt, ab und stellen ihm gleich noch FARAON vor. Eine Gewebeprobe soll Klarheit über das Geschwür bringen, damit wir ihn operieren lassen können. FARAON lebt jetzt in der „Residence“. Er leidet fürchterlich und wir hoffen sehr, mit diesen Zeilen einen Gnadenbrotplatz für einen sehr lieben Rüden zu finden. Galgo FARAON bei Patri

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NEWSLETTER – 12 / 2012 Unser Projekt „Tierheim“ Am Dienstag besuchen wir wieder Grundstücke für unser Tierheimprojekt. Eine Finca in einem Olivenhain wird uns vor der Nase von einem anderen Käufer weggeschnappt. Wir sind enttäuscht, doch wir geben nicht auf! Patri mit FARAON vor unserem Wunschobjekt

Tötungsstation Wir besuchen die Tötungsstation, um uns die 6 Galgos anzuschauen, die am Vortag abgegeben wurden. Wir fotografieren sie, gehen mit ihnen zu den Katzen (die ebenfalls auf ihre Spritze warten) und bitten die Mitarbeiter um 10 Tage Aufschub, bis wir wieder freie Plätze in der „Residence“ haben.

Anstelle die Tiere über den Winter zu füttern, geben viele Jäger ihre Hunde in der Tötungsstation ab…

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… und schneiden bei manchen zuvor den Chip heraus.


NEWSLETTER – 12 / 2012 Ich nehme noch eine kleine Hündin mit, der ich den Namen „Salina“ gebe. Sie darf zu mir in Pflege kommen, wenn die Quarantänezeit vorüber ist. Sie möchte gleich mit mir, doch das geht nicht. Ein komisches Gefühl beschleicht mich….zurecht. 7 Tage später schreibt mir Patri, dass Salina über die Regenbogenbrücke ging. Ich will es nicht wahrhaben…

SALINA – leb´ wohl!

Am Spätnachmittag machen wir kurz Rast an einer Schnellstraße. Mit einem Sandwich in der Hand sitzen wir in der Sonne, da taucht plötzlich eine kleine Hundenase auf. Das Sandwich ist ab jetzt nicht mehr für uns, es ist unser Lockmittel und nach 25 Minuten ist die kleine Hündin in Sicherheit… “Susa“ haben wir sie genannt und wir fahren an diesem Tag das dritte Mal nach Ecija (einfache Strecke 60 km), um „Susa“ dort unterzubringen. Um 19.30 Uhr fahren wir nach Córdoba zurück. Zwei Autos vor uns sehen wir im Scheinwerferlicht etwas durch die Luft wirbeln. Ein junger Galgomischling liegt jetzt mitten auf der Straße. Wir halten an, der Hund trägt eine Kette. Sie atmet

SUSA in Sicherheit

noch, aber sie blutet aus dem Darm. Patri zieht sie an den Straßenrand, wir streicheln sie, reden ihr ruhig zu…sie hört auf zu atmen. Freud und Leid sind so nah beieinander, ich empfinde Schmerz, bei dem was ich tu.

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NEWSLETTER – 12 / 2012 Am Mittwochmorgen verlasse ich Córdoba mit einem noch schwereren Herzen als nach meinem ersten Besuch Mitte November.

Eine Bitte… Wer die Möglichkeit hat, möge uns bei den nächsten „Einsätzen“ begleiten. Meine Hochachtung gilt Patri und ihren Freunden von „Galgos del Sur“. Neben ihrem Vollzeitjob, Familie und eigenen Hunden und Katzen (darunter viele Handicaphunde) nimmt sie sich täglich noch die Zeit für die Hunde in Ecija, macht Fahrdienste in die ca. 80 km entfernte Tierklinik, bereitet Hunde für Transporte und Flugpaten vor, versorgt verletzte Tiere. All diese zusammengefassten Erlebnisse gehören zu Patri´s Leben und ich würde Viel dafür geben, sie besser unterstützen zu können.

Meine nächste Reise ist schon geplant und ich danke meinem Mann für die finanzielle Unterstützung und meiner Nichte Anja, die auf unsere Hunde zuhause aufpasst, obwohl sie gerne mitkommen würde.

Wir haben noch viel vor, packen wir´s an! Danke euch allen für eure Unterstützung.

Euer TSS-Team.

…die nachfolgenden reizenden und kleinwüchsigen Junghunde kommen schon bald in Süddeutschland auf Pflegestellen und suchen liebe Familien, ein stets gefülltes Näpfchen und ein weiches Körbchen. Es sind allesamt Hunde für Hundeanfänger.

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NEWSLETTER – 12 / 2012

CLOE

LARA

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NEWSLETTER – 12 / 2012

LUCKY

MARIE

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NEWSLETTER – 12 / 2012

ALMA

MILO

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NEWSLETTER – 12 / 2012

PIPA

Und natürlich unser kleiner IDEFIX von der Seite 1…

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TSS Newsletter 12-2012  

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