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VERDICHTEN

Diese Publikation analysiert ausgewählte Lowrise-Siedlungen hinsichtlich der Effizienz ihrer Ausnutzung, Belegungsdichte und Flächenverhältnisse. Im Vordergrund stehen hierbei – neben den architektonischen Qualitäten – das Verhältnis der Zahlenergebnisse in Bezug auf Grundrisstypologie, Wohnungsschlüssel, Siedlungsstruktur, Erschliessungslogik und die Qualität von privaten und öffent­ lichen Aussenräumen. verDICHTen ist gleichsam Nachschlagewerk für Interessierte und Planungs­ instrument für Behörden, Bauherrschaften, Architekten und Architektinnen, die sich mit Fragen der Siedlungsplanung, Wohnqualität und Effizienz auseinandersetzen.

ISBN 978-3-03863-002-9

VERDICHTEN

Für eine nachhaltige Raumentwicklung gilt es angesichts der stetig wachsenden Bevölkerung bestehende Siedlungsstrukturen zu verdichten. In der aktuellen Diskussion über Dichte liefert die Lowrise-Bebauungsform einen wichtigen Beitrag: Mit ihren zwei- bis viergeschossigen Häusern und privaten Gärten bieten Lowriser einen ähnlich hohen Grad an Individualität wie Einfamilienhäuser, benötigen aber lediglich einen Bruchteil der Landressourcen. Darüber hinaus verfügen sie über kollektiv genutzte Aussenflächen wie Strassen, Gassen und Plätze.

INTERNATIONALE LOWRISE-WOHNSIEDLUNGEN IM VERGLEICH

INTERNATIONALE LOWRISE-WOHNSIEDLUNGEN IM VERGLEICH

VER DICHT EN INTERNATIONALE LOWRISE-WOHNSIEDLUNGEN IM VERGLEICH Martina Desax, Barbara Lenherr, Reto Pfenninger (Hrsg.)

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INHALTSVERZEICHNIS

07

Prof. Reto Pfenninger VORWORT

09

Martina Desax WIE DICHT (WEITER)BAUEN?

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Barbara Lenherr LOW-RISE HIGH-DENSITY: ANTI-MODERN ODER ZUKUNFTSWEISEND?

HÖFE INNEN – PLÄTZE AUSSEN Klare Unterscheidung von privater Sphäre und Siedlungsgemeinschaft, idealistische Züge 22

TUSCOLANO III, A. Libera, 1954

28

CAÑO ROTO, J. L. Iñiguez de Onzoño / A. Vázquez de Castro, 1959

34

IN DEN GARTENHÖFEN, U. Löw / T. Manz, 1960

40

LUDWIG-WINDTHORST-STRASSE, R. Gieselmann, 1961

46

ALBERTSLUND SYD: ATRIUMHÄUSER, Fællestegnestuen Arkitekter, 1966

52

GARTENSTADT PUCHENAU I, R. Rainer, 1968

58

MÜHLEBODEN, U. Löw / T. Manz, 1970

64

WOHNPARK KETTWIG, E. Berning, 1972

70

DE KASBAH, P. Blom, 1973

76

QUINTA DA MALAGUEIRA, Á. Siza Vieira, 1977

82

LEONFELDNERSTRASSE, R. Rainer, 1988

88

RIED W2, Atelier 5, 1990

94

WOHNANLAGE TAMARISKENGASSE, R. Rainer, 1992

100

GARTENSTADT PUCHENAU II, R. Rainer, 1995

110

WATERHOEVES, OeverZaaijer, 2002

116

DE GROTE HOF, Rapp+Rapp, 2007 REIHEN – IN GRUPPEN Vergleichsweise pragmatische Anordnung, gemäss Grundstück

122

HANSAVIERTEL: ATRIUMHÄUSER, A. Jacobsen, 1957

128

TONTTUKALLIO, T. Korhonen / J. Laapotti, 1959

134

HALEN, Atelier 5, 1961

140

VED BELLEVUE BUGT, A. Jacobsen, 1961

146

ALBERTSLUND SYD: REIHENHÄUSER, Fællestegnestuen Arkitekter, 1966

152

LOCUST STREET TOWNHOUSES, L. Sauer, 1969

158

PENN’S LANDING SQUARE, L. Sauer, 1970

164

PARK HILL VILLAGE ST. BERNARDS, Atelier 5, 1970


170

GRAND UNION CANAL WALK HOUSING, N. Grimshaw, 1988

176

SIMMERINGER HAIDE, F. E. Kneissl, 1991

182

WIETHESTRASSE, Fonatti & Hempel / Weiser & Baldass / H. Gerngross, 1994

188

KALVERSTRAAT, Oving Architekten, 1994

194

PRINSENPARK, van Sambeek & van Veen, 1996

200

BORNEO SPORENBURG, Köther Salman Koedijk, 1996

206

BORNEO SPORENBURG, K. Christiaanse, 1998

212

BORNEO SPORENBURG, R. van der Donk, 1998

218

BORNEO SPORENBURG, MAP Architects, 2000

224

CITÉ MANIFESTE, ARM Architecture, 2005

230

CITÉ MANIFESTE, Block Architectes / Duncan Lewis Scape, 2005

236

CITÉ MANIFESTE, Lacaton & Vassal, 2005

242

CITÉ MANIFESTE, Shigeru Ban / J. de Gastines, 2005 STAPELN – VERSETZT ODER VERSCHRÄNKT Raffinierte Schnittlösungen

248

TERRASSENHÄUSER, F. Stucky / R. Meuli, 1960

254

ULLERNAASEN, A.-T. Friis / M. Friis, 1964

260

CASA GIALLA ORSELINA, L. Snozzi / L. Vacchini, 1965

266

DIAGOON, H. Hertzberger, 1971

272

MÜHLEHALDE, team 2000, 1971

278

THALMATT I, Atelier 5, 1974

284

MARQUESS ROAD, Darbourne & Darke, 1977

294

BORNEO SPORENBURG, FARO Architecten, 1998 KOMPAKT IM BLOCK Grossform, geschlossen nach aussen, innen weich

300

SKÖNSTAVIK, A. Kandell, 1960

306

NEXUS WORLD HOUSING, OMA, 1991

312

TRAVIATAGASSE, R. Abraham, 1991

318

TRAVIATAGASSE, C. Pruscha, 1991

324

WOHNARCHE ATZGERSDORF, W. Stelzhammer, 1999

330

LIQUID SKY – DAS TIEFE HAUS, Pentaplan, 1999

336

HET FUNEN BLOK K, NL Architects, 2010 REIHEN – IN FREIER FORM Bauen mit der Topografie, «organisch»

342

KINGOHUSENE, J. Utzon, 1960

348

FREDENSBORGHUSENE, J. Utzon, 1963

354

LORRAINE, Atelier 5, 1976

360

SELDWYLA, R. Keller U.A., 1981 ANHANG

368

Herausgeber

368

Analysen

369

Bildnachweise

370

Quellenangaben

374

Auswertung Dichte und Flächenverbrauch


VORWORT

Vor rund vier Jahren, im Frühlingssemester 2012, arbeiteten unsere Masterstudierenden an einer inte­gralen, Lehre und Forschung verknüpfenden Semesterarbeit mit Schwerpunkt «Siedlung». Untersucht werden sollte die Leistungsfähigkeit der Bebauungsform low-rise high-density, von Siedlungen also, die auf wenigen Geschossen insgesamt eine hohe Dichte aufweisen. Mit der Arbeit wollten wir einen Beitrag zur aktuellen Diskussion um das revidierte Raumplanungsgesetz für einen haushälterischen Umgang mit dem Boden leisten. Die Auswertungen lieferten den Studierenden das Fundament für ihre eigenen Entwurfsarbeiten, die es im Anschluss an die Analyse zu entwickeln galt. Sowohl die Analysearbeiten als auch die Entwurfs­ projekte wurden nach Semesterende in zwei umfangreichen Semesterdokumen­ tationen zusammengefasst: dem Siedlungsatlas – low rise high density. Eine syste­matische Auswertung von 60 beispielhaften Siedlungen und Projekte – low rise high density. 25 Siedlungsprojekte für die Glatttalstadt. Zu Beginn des Semesters beschäftigten wir uns damals mit Beispielen historischer Städte wie dem antiken Pompeji, der mittelalterlichen Stadt in Europa und der Medina nordafrikanischer Städte, aber auch mit verwandten Entwürfen der klassischen Moderne – den Gartenstädten und Werkbundsiedlungen. Für unsere Analysen richteten wir das Augenmerk aber auf Siedlungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa entstanden sind, ergänzt durch einige westlich geprägte Wohnformen in den USA und Japan, denn es ging in erster Linie darum, innerhalb einer räumlichen, gesellschaftlichen und zeitlichen Einheit einen aussagekräftigen Vergleich machen zu können. Kriterien für die Auswahl der Siedlungen waren Folgende: einheitlich geplante und gestaltete Siedlungsform ,  maximal vier- bis fünfgeschossige Baukörper,  private Aussenräume / Wohnungseingänge, die direkt an den öffentlichen Raum gebunden sind. Darüber hinaus sollte unabhängig von der Siedlungsgrösse entweder ein beispielhafter oder ausgefallener Lösungsansatz vorliegen, eine interessante Wohntypologie und schliesslich eine architekturgeschichtliche Anerkennung. Von den über hundert Siedlungen wählten wir schliesslich sechzig für die Analyse aus, wobei auf eine ausgewogene typologische und geografische Zusammenstellung geachtet wurde. Dennoch ist die Sammlung weder vollständig noch wissenschaftlich angelegt. Unser Anspruch war vielmehr, einen möglichst breiten Überblick über eine Bebauungsform zu geben, die heute in unserer zersiedelten Landschaft wieder vermehrt zur Anwendung empfohlen wird. So etwa von Bund und Kantonen, deren eine Botschaft der Raumordnungspolitik die Siedlungsentwicklung nach innen ist. Das Raumordnungskonzept im Richtplan des Kantons Zürich unterscheidet beispielsweise fünf Handlungsräume: Stadtlandschaft, urbane Wohnlandschaft, Landschaft unter Druck, Kulturlandschaft und Naturlandschaft. Zwei davon standen im Fokus der VORWORT

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studentischen Arbeiten am Institut Architektur der FHNW: die urbane Wohnlandschaft und die Landschaft unter Druck. Diese Agglomerationsräume in den Vororten unserer Städte sind grösstenteils anonyme Konglomerate ohne räumlich-spezifische Ordnungen. Die etwas in Vergessenheit geratenen bodennahen Wohnformen mit ihren öffentlichen und spezifisch privaten Bereichen sollten Ausgangslage sein, dem zersiedelten Aussenraum seine individuellen und kollektiven Potenziale wieder zurückzugeben. Dazu berücksichtigten die Entwurfsarbeiten Siedlungsformen mit einer Ausnutzungsziffer von mindestens 1,0 – die gewählten niedriggeschossigen Bebau­ungen überzeugen dabei durch ihre Effizienz, ihre bauliche Dichte, ihre Aussenraumqualität und Urbanität. Diese Bebauungsform liefert einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Diskussion über Dichte in der Agglomeration und versteht sich als Alter­native zu konventionellen, eher uninspirierten Geschosswohnungsbauten mit ihren unspezifischen Freiräumen. Die Aktualität der Semesterthematik zeigte sich im Anschluss an die Arbeiten: In Zusammenarbeit mit dem Amt für Raumplanung des Kantons Zürich konnte die Wanderausstellung Dichte begreifen konzipiert werden. Sie zeigt die vielfältigen Spielräume hinter dem Schlagwort «Verdichtung» auf und geht der Frage nach, wie sich Lebensqualität und Dichte in unterschiedlichen Siedlungstypen vereinbaren lassen. Neben Einfamilienhäusern, Geschosswohnungsbauten und Hochhäusern zeigt die neu eingeführte Kategorie «low-rise high-density» eine leistungsfähige und beliebte Siedlungsform, welche – gleichermassen in der Stadt und auf dem Land – als Alternative zu den gängigen Bebauungs­mustern verstanden werden kann. Die Semesterdokumentation Siedlungsatlas – low rise high densitiy wurde nun über­arbeitet und durch zwei vertiefende Aufsätze ergänzt. Entstanden ist verDICHTen. Internationale Lowrise-Wohnsiedlungen im Vergleich. In Form einer professionell aufgearbeiteten Publikation sollen Thema und Analysen nun eine breitere Öffentlichkeit ansprechen. Das Buch ist gleichsam gedacht als Nachschlagewerk für Interessierte und Planungsinstrument für Behörden, Bauherrschaften, Architektinnen und Architekten, die sich mit Fragen der Siedlungsplanung, Wohnqualität und Effizienz auseinandersetzen. Nicht zuletzt will es einen Beitrag leisten zur aktuellen Diskussion um eine innere Verdichtung, indem es Möglichkeiten aufzeigt, wie Zwischenräume innerhalb der bestehenden Stadt- und Agglomerationsstruktur qualitätvoll und identitätsstiftend nachverdichtet werden könnten. Reto Pfenninger

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WIE DICHT (WEITER)BAUEN?

Martina Desax

Bauvisiere, Krane, Bagger – seit Jahren wächst die Schweiz nicht nur sichtbar in die Fläche, sondern auch in die Höhe. Nicht nur das stetige Bevölkerungswachstum, sondern auch wirtschaftliche Prosperität, der damit verbundene Wohlstand und die steigenden Ansprüche an das eigene Zuhause lassen den Wunsch nach mehr Wohnraum manifest werden. Lag der Pro-Kopf-Anteil an Wohnraum Anfang der 1980erJahre noch bei 34 Quadratmeter, so liegt er heute bei 45 Quadratmeter. 1 «Zersiedlung stoppen!», und etwas konkreter «Siedlungsentwicklung nach innen», heisst es dazu auf politischer Ebene. Die Zweitwohnungs­ini­tiative, das Raumkonzept Schweiz, die Annahme des revidierten Raumplanungsgesetzes oder die verschiedenen Agglomerationsprogramme des Bundesamts für Raumplanung (ARE) fordern alle einen bewussten Umgang mit der Schweizer Landschaft mit dem Ziel, hauptsächlich innerhalb der bestehenden Siedlungsgebiete zu bauen und Neueinzonungen restriktiv zu behandeln.2 / Abb. 1 Die aktuelle Umfrage der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) 3 zeigt jedoch auf, dass nur 30 Prozent der 1200 Befragten gerne in einer grösseren Stadt leben wollen. Präferiert wird von 67 Prozent die Kleinstadt und 37 Prozent fühlen sich in den Agglomerationsgemeinden wohl. Mit 72 Prozent möchte der Grossteil der Befragten zwar ländlich in einem Dorf wohnen, fordert gleichzeitig jedoch die Anbindung an den öffentlichen Verkehr und das Strassennetz. Viele dieser Vorlieben werden in der Kleinstadt eingelöst. Zudem können in solchen regio­ nalen Zentren mit einer überschaubaren, menschengerechten Massstäblichkeit in der Fläche wie in der Höhe wichtige Faktoren für eine gelingende Entwicklung berücksichtigt werden: die Akzeptanz einer dichten

Abb. 1 / Aufforderung zur Akzeptanz der Hässlichkeit Kunstprojekt von Merlin Bauer in Köln. (Foto: Anne Pfeil, Zürich)

Bebauung, der sinnbringende Umgang mit dem Bestand und mit Freiflächen, eine klare Trennung von Privat­ besitz und öffentlichen Zonen, erreichbare Naturräume, ein ausgebautes Strassennetz und funktionierender öffentlicher Verkehr wie auch eine ausreichende Infrastruktur. Dennoch: «Wie die gebaute Umwelt bewahrt, weiterentwickelt und umstrukturiert werden soll, ist eine Herausforderung  – sie betrifft uns alle.»4 Welche Qualität ist gefragt? Gerade weil die bauliche Verdichtung uns alle betrifft, ist sie eine Art Pandorabüchse. Die Frage nach der Qualität spannt ein weites Feld auf; subjektive Faktoren etwa, wie sie die Soziologie untersucht, sind genauso relevant wie auch objektive Kriterien, die im Rahmen der Gesetzgebung oder Planung berücksichtigt werden

1 Helmut Stalder, «Dichter heisst besser», in: Beobachter extra, Heft 18 / 2015, Verdichtung und Wahrheit. Rezepte für gut genutzte Räume. 2 Informationen zu den verschiedenen Bereichen unter www.zweitwohnungsinitiative.ch und www.are.admin.ch. 3 Raumansprüche von Mensch und Natur. Synthesebericht des WSL Programms, Red. Silvia Tobias, WSL Berichte 35, Birmensdorf 2015. 4 Kantonales Amt für Raumentwicklung Zürich, Wanderausstellung Dichte begreifen, 2014–2015, www.are.zh.ch.

WIE DICHT (WEITER)BAUEN?

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müssen. Dass der Erfolg von baulicher Verdichtung eng mit (urbaner) Qualität verknüpft ist, war auch dem Schweizerischen Nationalfonds bewusst, als im Jahr 2012 das nationale Forschungsprogramm «NFP 65 – Neue urbane Qualität» ausgeschrieben wurde.5 Als Ausgangslage wurde festgehalten, dass sich das Wachstum der Städte nicht begrenzen lässt und daher vor allem in der Agglomeration kontrolliert und unter den Zielen einer neuen urbanen Qualität gelenkt werden müsse. Räumlich-bauliche Qualitäten spielen dabei genauso eine wichtige Rolle wie sozial verträg­ liche und nutzungsbezogene Dichten, kurze Wege in der Stadt und ein sorgfältiger Umgang mit wertbeständigen Materialien sowie nicht zuletzt die besondere Erlebnisqualität und Raumgeborgenheit im Spannungsfeld von Stadt und Agglomeration. «Mit dem Umbau der Agglomeration zu stadtgewordenen Quartieren lässt sich das alte Postulat zur Versöhnung von Öko­ nomie und Ökologie in der Stadtentwicklung endlich erfüllen»,6 ist sich der Präsident der Leitungsgruppe des NFP 65, Jürg Sulzer, sicher. Abb. 2 Doch zunächst zurück zum Versuch, die Qualität dichter Wohnformen greifbar zu machen: Urbane Qualität beinhaltet verschiedene Dimensionen von Dichte. «Die Bebauungsdichte bezeichnet das Verhältnis der Wohnfläche zur Grundfläche, die Einwohnerdichte benennt die Anzahl Bewohner pro Grundfläche und die Wohnungsdichte beziffert die Anzahl Wohnungen pro Grundfläche. Die Intensität der Beziehungen zwischen den Bewohnern eines Quartiers wird als soziale Dichte bezeichnet.» 7 Egal, ob ein Quartier linear mit Reihenhäusern, flächig mit Hofhäusern oder räumlich durch Grossformen mit Übergang zur Vertikalen verdichtet wird – bei allen Ansätzen ist ein hoher Grad an Flexibilität und Varianz ausschlaggebend für die Akzeptanz durch die Bewohner. Steigende Bewohnerzahlen bedingen ausreichende Freiflächen – egal ob im städtischen öffentlichen

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Abb. 2 / Dichtes Basler Innenstadtquartier Jazz Campus, Buol & Zünd Architekten, Basel. (Foto: Georg Aerni, Zürich)

Kontext oder in den eigenen vier Wänden. Verschie­ dene Abstufungen von Öffentlichkeit und Privatheit – öffentliche Strassen, Gassen und Plätze, private Gärten, die Wegführung durchs Haus und in die Wohnung – sorgen für eine individuelle und gleichzeitig kollektive Identität im Aussenraum. Auch wenn die Belegungsdichte hoch ist, ermöglicht die bewusste Schaffung und Gestaltung von Schwellenbereichen eine aktive Entscheidung hinsichtlich ihrer Nutzung und Freigabe. 8 Die Freiheit, sich auch auf engstem Raum noch entscheiden zu können, macht – neben architektonischen und städtebaulichen Prämissen – einen wesentlichen Bestandteil von Wohnqualität aus. Schaut man gebaute Beispiele aus der Vergangenheit an, lässt sich fest­ stellen, dass gerade in den Städten die Gründerzeitquartiere mit homogenen Blockrändern und hoher Dichte als Wohnorte begehrt sind. Hier funktioniert die Welt, weil die baulichen Vorgaben klar lesbar sind, die individuelle Ausgestaltung trotz seriellem Ansatz möglich ist und die Grundrisse der Wohnungen genügend Freiräume bieten – erst recht unter Abnahme der ursprünglichen Belegungsdichte.


Abb. 2 / Marcus Garvey Park Village in Brownsville Brooklyn NY 1973–1976, Kenneth Frampton (Foto: Karen Kubey, New York)

die einen Überblick über inzwischen realisierte Projekte lieferte. Abb. 2 Louis Sauer: «Diversity is life» Im Schatten der New Yorker Experimente wirkte in Philadelphia bereits seit den frühen 1960er-Jahren ein anderer Städtebauer im Bereich der dichten Low-riseSiedlungen: Louis Sauer, Master-Schüler von Louis Kahn und ebenfalls geprägt von Giancarlo De Carlos Ideen, mit denen er sich während des CIAM-Sommerkurses 1956 in Venedig konfrontiert sah. Schon in seinen frühesten Bauten als selbstständiger Architekt lotete Sauer die Möglichkeiten im sozialen Wohnungsbau aus. Seine Vorträge und Vorlesungen an diversen amerika­ nischen Universitäten trugen Titel wie «An architect’s experience working on the streets for urban renewal» oder «High density court house architecture». 1968 gründete er das Architektur- und Planungsbüro Peoples Housing, Inc., das sich auf die Entwicklung von Projekten für ökonomisch und physisch benachteiligte soziale Gruppen spezialisierte. Louis Sauer ärgerte sich über die begabten und berühmten amerikanischen Architekten, die seiner Meinung nach lediglich fürs «Museum»

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beziehungsweise für die Marktelite bauten und sich nicht für die Wohnbedürfnisse der normalen Bevölkerung zu interessieren schienen. Dass er, Louis Sauer, sich gerade dies zum obersten Ziel seiner Arbeit als Architekt gemacht hatte, ist vielleicht auch der Grund, weshalb er es nie ins Scheinwerferlicht der Toparchi­tekten schaffte. Seinen Bauten fehlt das Spektakuläre, sie zeichnen sich vielmehr aus durch eine gewisse Selbstverständlichkeit und Bodenständigkeit. Ähnlich wie die Mitglieder des Team X distanzierte er sich entschieden von den Prinzipien der Funktionalisten, insbesondere davon, den Baukörper vom Boden zu lösen. Seine Aufmerksamkeit galt, im Gegenteil, ihrer Verbindung oder konkret der Verortung: Die Gebäude sollen zusammen mit dem Aussenraum, den Strassen, Wegen, Gärten und gepflasterten Plätzen ein verwobenes Ganzes bilden. Die Natürlichkeit dieses Bestrebens hob er heraus, indem er architektonische Prozesse mit biologischen Abläufen verglich. «Diversity is life»,4 lautete sein Credo, wobei diese grösstmögliche Variantenvielfalt vor allem die Erdgeschossnutzung betraf: Ateliers, Galerien und Shops wechseln sich ab mit bepflanzten Höfen und kleinen öffentlichen Gärten. Zwar sind die


Grundrisse von der Funktion ausgehend bis ins kleinste Detail optimiert und auch die Platzierung der Bauvolumen folgt einem strengen Raster, Sauer spielt aber mit Abweichungen, Brüchen, Öffnungen und Annäherungen, die als Ausnahmen im sonst strengen Schema gerade deshalb an Gewicht gewinnen. Sie ermöglichen viel­ fältige Bezüge und schaffen eine Atmosphäre, die jener historischer Städte nachempfunden ist. Auch seine städtebaulichen Ideen veranschaulichte Sauer mit einem Beispiel aus der Biologie: Analog der Zellteilung während des Wachstums sollen Städte, deren Dichte ein unüberschaubares Mass anzunehmen droht, in mehrere kleinere Zentren gesplittet werden. In der Zeit zwischen 1961 und 1979 realisierte Louis Sauer zahlreiche Bauten vorwiegend an der Ostküste der USA, wobei insbesondere die townhouses, die er im Zuge der Stadterneuerung von Society Hill in Philadelphia plante, die intensive Beschäftigung mit dem Thema low-rise high-density illustrieren. Abb. 3 Ab 1979 unterbrach Sauer seine praktische Arbeit und widmete sich zehn Jahre lang zu hundert Prozent der Ausbildung junger angehender Architektinnen und Architekten, um diese für den künftigen Kontext ihrer Arbeit zu sensibilisieren. Dass heute so viel über Louis Sauer bekannt ist, verdanken wir Antonino Saggio, der ihn 1982 als Student in dessen Masterkurs «Wohnungsbau» an der Universität Pittsburgh kennenlernte und ihn sechs Jahre später an der Universität Rom zum Thema seiner Doktorarbeit machte.5 An die Öffentlichkeit gelangten seine Recherchen 1997 als Saggio, nun selber Professor, zu einer Veranstaltung des International Laboratory of Architecture and Urban Design (ILAUD) nach Venedig eingeladen wurde, um einen Vortrag zum Thema «Territory & Identity» zu halten. Die Verbindung zu Louis Sauer bestand darin, dass ILAUD 1973 von Giancarlo De Carlo gegründet wurde, demselben Architekten also, der in Venedig bereits den CIAM-Sommerkurs geleitet

Abb. 3 / Penn’s Landing Square, Society Hill in Philadelphia 1968–1970, Louis Sauer (Foto: James Kruhly, Philadelphia)

hatte. Saggio sah Venedig, vielleicht deshalb, als Wiege der Entwicklung von niedriggeschossigen, hochver­ dichteten Siedlungen und nahm dies zum Anlass, seinen Vortrag der Arbeit Louis Sauers zu widmen. Im Rahmen dieses Vortrags stellte Saggio vier Prinzipien 6 auf, die dem Konzept von dichten Flachbausiedlungen zugrunde liegen und sowohl die bauliche Dichte und die Geschossigkeit als auch den Bezug der einzelnen Wohnungen zum öffentlichen und privaten Aussenraum definieren. 7 Die dezentralisierte Stadt Solch amerikanisch-europäische Verflechtungen im Bereich des verdichteten Siedlungsbaus waren in der Regel Einzelfälle, nach dem Zweiten Weltkrieg ist jedenfalls keine einheitliche Entwicklung über die

4 Stefano Gulmanelli, «Louis Sauer and the dream of Suburbia», in: Domus No 916, Juli 2008. 5 Antonino Saggio, Un Architetto Americano Louis Sauer, Rom 1988. 6 siehe Beitrag Martina Desax, Abschnitt Wohnen, S. 12 7 Antonino Saggio, «Absorbing Venice. Low-rise High-density Housing by Louis Sauer», unter: https: /  / l ouissauer.files.wordpress.com / 2014 / 0 3 / a bsorbing-venice12.pdf (letzter Zugriff 1.2.2016).

LOW-RISE HIGH-DENSITY: ANTI-MODERN ODER ZUKUNFTSWEISEND?

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22


Ort Via Selinunte, Rom (I) Fertigstellung 1954 Wohneinheiten Häuser 126

Wohneinheiten Unité 30

Typenvielfalt 1 Grundtyp mit Variationen

Typenvielfalt 1 Grundtyp

Anzahl Geschosse 1

Anzahl Geschosse 4

TUSCOLANO III Adalberto Libera, Rom (I) Um einen trapezförmigen Park breitet sich die eingeschossige Patio-Siedlung mit Pultdächern aus. Je vier L-förmige Häuser bilden eine Einheit mit innen liegendem, ummauertem Hof. Einer der Grundrisse ist jeweils nach aussen gekehrt: Hier wird der private Hof zum halböffentlichen Garten, an dessen Ecke das Grundstück betreten wird. Ebenso liegen die Hauseingänge der anderen drei Häuser an den Ecken der Vierereinheit. Der Zugang zur Siedlung wird durch ein Eingangsportal markiert, wobei ganz Tuscolano III autofrei ist. Unter dem Eingangsgebäude findet sich eine Einstellhalle. Die Wege und Grünflächen dienen als Begegnungszonen, die Häuser und ihre Höfe sind introvertiert angelegt. Der viergeschossige Riegel der Unité schiebt sich in die mittige Grünfläche und durchbricht die Ordnung der Vierergruppen. Auf Stelzen gebaut, finden sich auf drei Geschossen Kleinstwohnungen, die zur sozialen Durchmischung der Anlage beitragen sollen.

TUSCOLANO III

Kenndaten N Siedlungsname L'unità d'abitazione orizzontale Ort Rom, It Fertigstellung 1950-1954 ArchitektIn Adalberto Libera, Rom Arch. Masterplan '' Anzahl Wohneinheiten 156 (126 bodennahes Wohnen)

Situation 1:10 0 00

Situation 1:10'000 Vogelschau

HÖFE INNEN – PLÄTZE AUSSEN / TUSCOLANO III

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75% 100%

Privater Aussenraum Infrastrukturfläche (Laden, AEH, Schule etc.) Öffentlicher Aussenraum, Erschliessung

Flächen (%)

37'000 m2

Flächen (m2) effektiv

14'007 m2

0 m2

16'222 m2

10'320 m2

6'090 m2

Öffentlicher Aussenraum, Parkplatz Auto 2'215 m2

5'835 m2

0 m2

100%

38%

0%

44%

16%

6%

28%

16%

0%

Öffentlicher Aussenraum, Grünfläche / Wasser

Gebäude darunter liegend Gebäude, heute abgebrochen

AUSWERTUNG FLÄCHENVERHÄLTNISSE Flächenbezeichnung 0 % 25 % 50 % 75 % 100 % Flächen (%) Flächen (m2) effektiv Perimeter Siedlung

100 % 37 000 m2

Private Wohnfläche GF [beheizt]

38 % 14 007 m2

Private Wohnfläche (Kellerraum, Kaltraum etc.)

0 %

0 m2

Privater Aussenraum

16 % 6090 m2

GF nach SIA 416

44 % 16 222 m2

Infrastrukturfläche (Laden, AEH, Schule etc.)

6 %

2215 m2

Öffentlicher Aussenraum, Erschliessung

28 % 10 320 m2

Öffentlicher Aussenraum, Grünfläche

16 % 5835 m2

Öffentlicher Aussenraum, Parkplatz Auto AZ1: GF [beheizt] / Perimeter

= 0,38

AZ2: GF [SIA416] / Perimeter

= 0,44

24

0 %

0 m2

Perimeter Siedlung

50%

Private Wohnfläche, Kellerraum, Kaltraum etc.

Private Wohnfläche

25%

Private Wohnfläche, GF [beheizt, inkl. Konstr.]

GF [warm] Private Wohnfläche Kellerraum, Kaltraum, etc. Privater Aussenraum

0%

Perimeter Siedlung

Infrastrukturfläche

(Laden, AEH, Schule, etc.) öffentlicher Aussenraum Erschliessung öffentlicher Aussenraum Grünfläche öffentlicher Aussenraum Parkplatz Auto

Auswertung Flächenverhältnisse

Flächenbezeichnung

Perimeter Siedlung

Private Wohnfläche

GF [warm] Private Wohnfläche Kellerraum, Kaltraum, etc. Privater Aussenraum

GF nach SIA 416

Infrastrukturfläche

(Laden, AEH, Schule, etc.) öffentlicher Aussenraum Erschliessung öffentlicher Aussenraum Grünfläche öffentlicher Aussenraum Parkplatz Auto

AZ1: GF [warm] Perimeter = 0.38

GRUNDRISS EINGANGSGESCHOSS


GRUNDRISS OBERGESCHOSS

N N

Grundriss Grundriss Obergeschoss Obergeschoss

Mst. 1:2'00

Mst. 10m 1:2'00

50m 50m

10m

N 50m

Grundriss Obergeschoss

10m

Mst. 1:2'000

Schnitt A-A

Schnitt A-A Schnitt A-A

SCHNITTE Schnitt A–A

Schnitt B–B

HÖFE INNEN – PLÄTZE AUSSEN / TUSCOLANO III 

25


Schema Siedlung SCHEMA SIEDLUNG Schema Siedlung

2 1 2

Schema Siedlung

1

Wohneinheit Typ 1 Schnitt Mst. 1:250 Wohneinheit 1m Typ 1 Schnitt Mst. 1:250 1m

5m

5m

2

WOHNEINHEIT TYP 11 SCHNITT Wohneinheit Typ 1 Schnitt Mst. 1:250 1m

5m

N

Wohneinheit Typ 1 Eingangsgeschoss Wohneinheit Typ 1 Mst. 1:250 Eingangsgeschoss

5m

N

1m

1 Weg Mst. 1:250 2 Eingang 3 Küche 1m 5m 4 Essbereich 5 Wohnbereich 1 Weg 6 Zimmer 2 Eingang7 Bad, WC 3 Küche 8 privater Aussenraum Garten 4 Essbereich 9 privater Aussenraum Balkon / Terrasse 5 Wohnbereich 10 Keller 6 Zimmer11 Technik 7 Bad, WC 12 ... Wohneinheit Typ 1 8 privater13 Aussenraum Garten ... Eingangsgeschoss 9 privater Aussenraum Balkon / Terrasse 10 Keller 11 Technik 12 ... 13 ... Mst. 1:250

2

N

1m

6

3

2 3

WOHNEINHEIT TYP 1 EINGANGSGESCHOSS

2 6 6

7 6

4/5

6

6 6

7

6

3

7

5m

4/5

1 Weg 2 Eingang 3 Küche 4 Essbereich 5 Wohnbereich 6 Zimmer 7 Bad, WC 8 privater Aussenraum Garten 9 privater Aussenraum Balkon / Terrasse 10 Keller 11 Technik 12 ... 13 ...

8

8

6

6

6 8

2

8 9

6

1

8

3 8

4/5 4/5

4/5

6

7

3

6

1

6

2

1

3

67

6

6

6

2 8

8

6

6

2

6

6

8 6 7

2 3

9

7

3

7

3

6

7

6 1

6 8

6 9

6

2 1

8

7

3

6 2

7

6 8 6

2

6

3

4/5

26

23

7

1


WOHNUNGSSCHLÜSSEL

Wohneinheiten

Anzahl Wohneinheiten

Wohneinheiten

Anzahl Wohneinheiten

Private Wohnfläche Wohneinheiten Anzahl Wohneinheiten 156 (GF beheizt) Private Wohnfläche 1 - 1.5 Zimmer-Whng. Studiowohnung

(GF beheizt) Private Wohnfläche (GF beheizt) 156 1 - 1.5 Zimmer-Whng. Studiowohnung

156 0

2 - 2.5 Zimmer-Whng.

0 30

3 - 3.5 Zimmer-Whng.

30 64

1–1,5-Zimmerwohnung, Studiowohnung 0 2 - 2.5 Zimmer-Whng. 3 - 3.5 Zimmer-Whng. 2–2,5-Zimmerwohnung 30 4 - 4.5 Zimmer-Whng.

Wohnungsschlüssel Wohnungsschlüssel

64 22

4 - 4.5 Zimmer-Whng. 5 - 5.5 Zimmer-Whng. 3–3,5-Zimmerwohnung 64

22 40

5 - 5.5 Zimmer-Whng. 6 und mehr Zimmer-Whng.

40 0

4–4,5-Zimmerwohnung 22 6 und mehr Zimmer-Whng.

0

5–5,5-Zimmerwohnung 40 6-und-mehr-Zimmerwohnung 0

WOHNEINHEIT TYP 2 SCHNITT

Wohneinheit Unité Typ 2 Wohneinheit Unité Schnitt Typ 2 Schnitt 1m

Mst. 1:250 5m

1m

5m

Mst. 1:250

Ebene Eingang Ebene Eingang

Wohneinheit Typ 2 (2) Wohneinheit Typ 2 (2) Eingangsgeschoss Eingangsgeschoss

N N

Mst. 1:250 1m

Mst. 1:250 5m

1m

5m

WOHNEINHEIT TYP 2 OG 1 1 1 Weg, Strasse 2 Eingang 3 Küche 4 Esszimmer, Essbereich 5 Wohnzimmer, Wohnbereich 6 Zimmer 7 Bad, WC 8 Privater Aussenraum, Garten / Vorplatz

2 2

3/4 3/4 7 7

6 6

HÖFE INNEN – PLÄTZE AUSSEN / TUSCOLANO III 

27


52


Ort Gartenstadtstraße, Melicharweg und weitere, Puchenau bei Linz (A) Fertigstellung 1968 Wohneinheiten 238 Typenvielfalt 5 Grundtypen mit Variationen Anzahl Geschosse 1–4

GARTENSTADT PUCHENAU I Roland Rainer, Wien (A) Die Gartenstadt Puchenau ist das Resultat einer langjährigen Forschungsarbeit: Für den «verdichteten Flachbau» wurde die ideale Mindestparzellengrösse, die sparsamste Erschliessung und optimalste Energienutzung gesucht. Die Erkenntnisse und die Prämissen der Gartenstadtbewegung schlugen sich in Puchenau I mit 235 Wohneinheiten und einige Jahre später in Puchenau II mit 760 Wohneinheiten genauso nieder wie die Ergänzung der Innenräume durch uneinsehbare private Aussenräume oder ummauerte Gartenhöfe, niedrige Bebauungsweise und der Schutz von Grünräumen. Die Gartensiedlung Puchenau I fällt gegen Süden leicht zur Donau hin ab. Sie setzt sich aus drei eingeschossigen Atriumhaustypen, zweigeschossigen Reihenhäusern und viergeschossigen Mehrfamilienhäusern im Norden zusammen. Jede Wohneinheit ist von einer 1,80 Meter hohen Mauer umschlossen, was enge, verkehrsfreie Gassen generiert. Die Erschliessungsstrassen und Parkplätze befinden sich im Westen und Osten am Rand der Bebauung. Eine weitere Erschliessungsstrasse führt von Norden her zur Siedlungsmitte.

Situation 1:10 0 00

HÖFE INNEN – PLÄTZE AUSSEN / GARTENSTADT PUCHENAU I

53


GRUNDRISS EINGANGSGESCHOSS

Perimeter Siedlung Private Wohnfläche, GF [beheizt, inkl. Konstr.] Private Wohnfläche, Kellerraum, Kaltraum etc. Privater Aussenraum Infrastrukturfläche (Laden, AEH, Schule etc.) Öffentlicher Aussenraum, Erschliessung Öffentlicher Aussenraum, Grünfläche / Wasser Öffentlicher Aussenraum, Parkplatz Auto Gebäude darunter liegend Gebäude, heute abgebrochen

AUSWERTUNG FLÄCHENVERHÄLTNISSE Flächenbezeichnung 0 % 25 % 50 % 75 % 100 % Flächen (%) Flächen (m2) effektiv Perimeter Siedlung

100 % 55 297 m2

Private Wohnfläche GF [beheizt]

53 % 29 015 m2

Private Wohnfläche (Kellerraum, Kaltraum etc.)

2 %

1073 m2

Privater Aussenraum

27 % 14 646 m2

GF nach SIA 416

55 % 30 238 m2

Infrastrukturfläche (Laden, AEH, Schule etc.)

0.3 %

150 m2

Öffentlicher Aussenraum, Erschliessung

2 % 1120 m2

Öffentlicher Aussenraum, Grünfläche

10 % 5928 m2

Öffentlicher Aussenraum, Parkplatz Auto AZ1: GF [beheizt] / Perimeter

= 0,53

AZ2: GF [SIA416] / Perimeter

= 0,55

54

6 %

3030 m2


GRUNDRISS OBERGESCHOSS

SCHNITT Schnitt A–A

HÖFE INNEN – PLÄTZE AUSSEN / GARTENSTADT PUCHENAU I 

55


SCHEMA SIEDLUNG

WOHNEINHEIT TYP 1 SCHNITT

Eingangsgeschoss

7

WOHNEINHEIT TYP 1 EINGANGSGESCHOSS

2 3 6

9

6

1 Weg, Strasse 2 Eingang 3 Küche 4 Esszimmer, Essbereich 5 Wohnzimmer, Wohnbereich 6 Zimmer 7 Bad, WC 8 Privater Aussenraum, Garten / Vorplatz

6

4/5

8 7

8

2

6 6

3 9

7

6

8

6

4/5 8

6

56

7


WOHNUNGSSCHLÜSSEL Wohneinheiten Anzahl Wohneinheiten Private Wohnfläche (GF beheizt) 238 1–1,5-Zimmerwohnung, Studiowohnung 0 2–2,5-Zimmerwohnung 64 3–3,5-Zimmerwohnung 40 4–4,5-Zimmerwohnung 120 5–5,5-Zimmerwohnung 14 6-und-mehr-Zimmerwohnung 0

WOHNEINHEIT TYP 2 SCHNITT Obergeschoss

Eingangsgeschoss

7

WOHNEINHEIT TYP 2 OG / EINGANGSGESCHOSS

6

6

6

7 7

6 6 3

8

5

76 6

8

6 6

4 2

1

3 3 8 8

7 7 4 4

8 8

5 5

2 2

HÖFE INNEN – PLÄTZE AUSSEN / GARTENSTADT PUCHENAU I 

11

57


58


Ort Im Mühleboden, Therwil (CH) Fertigstellung 1970 Wohneinheiten 39 (ursprünglich geplant 86) Typenvielfalt 2 Grundtypen mit Variationen Anzahl Geschosse 1

MÜHLEBODEN Ulrich Löw und Theodor Manz, Basel (CH) Die eingeschossige Wohnanlage aus Atriumhäusern wurde auf einer ehemaligen Ruralfläche neben dem Mühlebach gebaut. Reihen- und Doppelreihenhäuser mit Gartenhöfen und Flachdächern sind dicht angeordnet; der Eingangshof bildet jeweils einen Puffer zwischen öffentlichem und privatem Aussenraum. Die Grundrisse reichen von 4,5 bis 6,5 Zimmern, wobei die Wohnbereiche jeweils gegen Westen oder Süden orientiert sind. Die Fusswege der Siedlung öffnen sich bisweilen zu Plätzen. Erschliessungsstrassen und Parkplätze finden sich auf drei Seiten entlang der Bebauung, im Westen fliesst der Mühlebach. Die Siedlung wurde komplett im kostengünstigen Loma-System gebaut, bei welchem die Schalungssteine mit Isolierbeton gefüllt sind.

ATRIUMSIEDLUNG MÜHLEBODEN

Kenndaten N

Siedlungsname Mühleboden Ort Therwil bei Basel, CH Fertigstellung 1970 ArchitektIn Ulrich Löw und Theodor Manz, Basel Arch. Masterplan '' Anzahl Wohneinheiten 39 gebaut (86 geplant)

Situation 1:10 0 00 Situation 1:10'000 Vogelschau

HÖFE INNEN – PLÄTZE AUSSEN / MÜHLEBODEN

59


GRUNDRISS EINGANGSGESCHOSS

Perimeter Siedlung Private Wohnfläche, GF [beheizt, inkl. Konstr.] Private Wohnfläche, Kellerraum, Kaltraum etc. Privater Aussenraum Infrastrukturfläche (Laden, AEH, Schule etc.) Öffentlicher Aussenraum, Erschliessung Öffentlicher Aussenraum, Grünfläche / Wasser Öffentlicher Aussenraum, Parkplatz Auto Gebäude darunter liegend Gebäude, heute abgebrochen

AUSWERTUNG FLÄCHENVERHÄLTNISSE Flächenbezeichnung 0 % 25 % 50 % 75 % 100 % Flächen (%) Flächen (m2) effektiv Perimeter Siedlung

100 % 16 700 m2

Private Wohnfläche GF [beheizt]

37 % 6115 m2

Private Wohnfläche (Kellerraum, Kaltraum etc.)

0 %

0 m2

Privater Aussenraum

32 % 5278 m2

GF nach SIA 416

41 % 6828 m2

Infrastrukturfläche (Laden, AEH, Schule etc.)

4 %

713 m2

Öffentlicher Aussenraum, Erschliessung

18 % 3032 m2

Öffentlicher Aussenraum, Grünfläche

3 % 497 m2

Öffentlicher Aussenraum, Parkplatz Auto

6 %

AZ1: GF [beheizt] / Perimeter

= 0,37

AZ2: GF [SIA416] / Perimeter

= 0,41

60

1065 m2


Grundriss Eingangsebene (Erdgeschoss) Grundriss Eingangsebene N (Erdgeschoss) N

Mst. 1:2'000

50m

10m Mst. 1:2'000

50m

10m

Perimeter Siedlung Private Wohnfläche Perimeter GF [warm]Siedlung Private Wohnfläche Kellerraum, Kaltraum, etc. Private Wohnfläche Privater Aussenraum GF [warm] Private Wohnfläche Infrastrukturfläche Kellerraum, Kaltraum, etc. Privater Aussenraum (Laden, AEH, Schule, etc.) öffentlicher Aussenraum Infrastrukturfläche Erschliessung öffentlicher Aussenraum (Laden, AEH, Schule, etc.) Grünfläche Aussenraum öffentlicher öffentlicher Aussenraum Erschliessung öffentlicher Aussenraum Parkplatz Auto Grünfläche öffentlicher Aussenraum Parkplatz Auto 1.58 m2 1.87 m2

1.58 m2 1.87 m2

Schnitt A-A Schnitt A-A

SCHNITT Schnitt A–A

Auswertung Flächenverhältnisse Auswertung Flächenverhältnisse Flächenbezeichnung

0%

25%

50%

75% 100%

Perimeter Siedlung Flächenbezeichnung

0%

25%

50%

75% 100%

Private Wohnfläche Perimeter Siedlung GF [warm] Private Wohnfläche Private Wohnfläche Kellerraum, Kaltraum, etc. GF [warm] PrivaterWohnfläche Aussenraum Private Kellerraum, Kaltraum, etc. GF nachAussenraum SIA 416 Privater Infrastrukturfläche GF nach SIA 416 (Laden, AEH, Schule, etc.) öffentlicher Aussenraum Infrastrukturfläche Erschliessung (Laden, AEH, Schule, etc.) öffentlicher öffentlicher Aussenraum Aussenraum Grünfläche Erschliessung öffentlicher öffentlicher Aussenraum Aussenraum Parkplatz GrünflächeAuto öffentlicher Aussenraum Parkplatz Auto Perimeter = 0.36 AZ1: GF [warm]

Flächen (%)

Flächen (m2) effektiv

100% (%) Flächen

16'700 m2 Flächen (m2) effektiv

37% 100%

6'115 16'700m2 m2

0% 37%

0 m2 m2 6'115

32% 0%

5'278 0 m2 m2

41% 32%

6'828 m2 m2 5'278

4% 41%

713 6'828m2 m2

18% 4%

3'032m2 m2 713

3% 18%

497 m2 3'032 m2

6% 3%

1'065m2 m2 497

6%

1'065 m2

= 0.36 AZ1: AZ2: GF GF [warm] [SIA416]Perimeter Perimeter= 0.41 AZ2: GF [SIA416] Perimeter= 0.41

HÖFE INNEN – PLÄTZE AUSSEN / MÜHLEBODEN 

61


SCHEMA SIEDLUNG

Schema Siedlung

Schema Siedlung 1

Schema Siedlung 1

2 1

1 2 1 2

Wohneinheit 1 Typ 1 Schnitt Mst. 1:250 Wohneinheit 1m 5m Typ 1 Schnitt Mst. 1:250 Wohneinheit 5m 1m Typ 1 Schnitt Mst. 1:250

WOHNEINHEIT TYP 1 SCHNITT 1m

5m

Ebene Eingang

Ebene Eingang

Eingangsgeschoss

Wohneinheit Typ 1 (4 Eingangsgeschoss

Ebene Eingang

1

/2)

Wohneinheit Typ 1 WOHNEINHEIT TYP 1 Eingangsgeschoss EINGANGSGESCHOSS Wohneinheit Typ 1

N

(4 1/2)

Mst. 1:250

N

1m

5m

(4 1/2)

1 Weg Mst. 1:250 Eingangsgeschoss 2 Eingang 1m 5m 3 Küche 4 Essbereich 5 Wohnbereich 1 Weg Mst. 1:250 6 Zimmer 2 Eingang 7 Bad, WC 3 Küche 1m 5m 8 privater Aussenraum4 Garten Essbereich 9 privater Aussenraum5 Balkon / Terrasse Wohnbereich 1 Weg 10 Keller 6 Zimmer 2 Eingang 11 Technik 7 Bad, WC 3 Küche 12 ... 8 privater Aussenraum Garten 4 Essbereich 13 ... 9 privater Aussenraum Balkon / Terrasse 5 Wohnbereich 10 Keller 6 Zimmer 11 Technik 7 Bad, WC 12 ... 8 privater Aussenraum Garten 13 ... 9 privater Aussenraum Balkon / Terrasse 10 Keller 11 Technik 12 ... 13 ...

N

1 Weg, Strasse 2 Eingang 3 Küche 4 Esszimmer, Essbereich 5 Wohnzimmer, Wohnbereich 6 Zimmer 7 Bad, WC 9 Privater Aussenraum, Balkon / Terrasse 11 Technik 12 Parkierung, Carport

3

9

3

9

1 11

6

7

6

9

6

711 6

4/5

2

11 1

4/5

2 3

6

9

1

6

62

4/5

2

7 7

7 7

6 6

9 9

6


WOHNUNGSSCHLÜSSEL Wohneinheiten Anzahl Wohneinheiten Wohneinheiten

Wohnungsschlüssel

Anzahl Wohneinheiten

Private Wohnfläche (GF beheizt) 39 Private Wohnfläche

39

(GF beheizt) Wohneinheiten Anzahl Wohneinheiten 1–1,5-Zimmerwohnung, Studiowohnung 0 1 - 1.5 Zimmer-Whng. Studiowohnung

Wohnungsschlüssel

0 Private Wohnfläche 2 - 2.5 Zimmer-Whng. 2–2,5-Zimmerwohnung 0 39 0 (GF beheizt) 1 -- 3.5 1.5 Zimmer-Whng. Zimmer-Whng. Studiowohnung 3 3–3,5-Zimmerwohnung 000 2 -- 4.5 2.5 Zimmer-Whng. Zimmer-Whng. 4

0

15 4–4,5-Zimmerwohnung 15 3 - 3.5 Zimmer-Whng. 5 - 5.5 Zimmer-Whng.

0 5

4 und - 4.5mehr Zimmer-Whng. 5–5,5-Zimmerwohnung 5 6 Zimmer-Whng. 15 19

5 - 5.5 Zimmer-Whng.

6-und-mehr-Zimmerwohnung 19 5 6 und mehr Zimmer-Whng.

19

Wohneinheit Typ 4 Schnitt Wohneinheit Typ 4 Schnitt

WOHNEINHEIT TYP 2 SCHNITT

Mst. 1:250 1m

5m Mst. 1:250

1m

5m

Ebene Eingang

Eingangsgeschoss

Ebene Eingang

WOHNEINHEIT TYP 2 EINGANGSGESCHOSS

Wohneinheit Typ 4 (4 Eingangsgeschoss

1

/2)

N

Wohneinheit Typ 4 (4 Eingangsgeschoss

1

/2)

Mst. 1:250

N

1m

5m Mst. 1:250

1m

3

9

4/5

2 3

9

1

5m

4/5

2 6

11

6

1 6

11 12 12

6 7 7

7 7

9

6 9 6

HÖFE INNEN – PLÄTZE AUSSEN / MÜHLEBODEN 

63


70


Ort Jacques Perkstraat / Zwavertsweg, Hengelo (NL) Fertigstellung 1973 Wohneinheiten 184 Typenvielfalt 3 Grundtypen mit Varianten Anzahl Geschosse 2–4

DE KASBAH Piet Blom, Amsterdam (NL) Inspiriert von der nordafrikanischen Architektur bildet sich De Kasbah aus 184 teilweise miteinander verbundenen Mietshäusern, die allesamt auf Pfeilern stehen. Das Erdgeschoss bleibt frei von privater Nutzung, generiert dadurch Begegnungs- und Ladenflächen sowie Parkplätze. Ein zentraler Platz bildet den Kern der Anlage, die umstehenden Häuser sind als wiederkehrende Elemente gesetzt; innerhalb lassen sich die kleineren Wohn­ einheiten nach Bedarf miteinander kombinieren. Der Gesamteindruck soll wärmend sein – Klinkerfassaden und Ziegeldächer bestimmen die privaten Wohnbereiche, das öffentliche Erdgeschoss und die dazugehörigen Stelzen sind hell gestrichen.

Situation 1:10 0 00

HÖFE INNEN – PLÄTZE AUSSEN / DE KASBAH

71


110


Ort Koxwater  und weitere, Ypenburg (NL) Fertigstellung 2002 Masterplan MVRDV, Rotterdam (NL) Wohneinheiten 128 Typenvielfalt 9 Grundtypen Anzahl Geschosse 2–3

WATERHOEVES OeverZaaijer architectuur en stedebouw, Amsterdam (NL) Auf flachem Terrain, dreiseitig von Kanälen umgeben, liegen die Waterhoeves. In sieben Blöcken sind 120 Einfamilienhäuser untergebracht, in weiteren zwei Blöcken mit je vier Häusern sind 48 Zimmer für Menschen mit speziellen Bedürfnissen reserviert. Der architektonische Entwurf basiert auf der Typologie von Reihenhäusern, welche zu einem Blockrand mit Orientierung auf den Innenhof zusammengefügt wurden. Der gemeinschaftlich genutzte Innenhof enthält die Zugänge der unterschiedlich gebauten Häuser – ihre Individualität wird an der Dachlandschaft ablesbar. Die gegen aussen gerichteten Fassaden sind aus dunklem, rotbraunem Klinker, die hofseitigen Mauern in einem Grün gehalten, welches eine optische Verbindung zur Vegetation der Innenzone herstellen soll. Zwischen den Grossformen – ausserhalb der Höfe – finden sich die Parkplätze.

Situation 1:10 0 00

HÖFE INNEN – PLÄTZE AUSSEN / WATERHOEVES

111


116


Ort Zonnehof, Nootdorp (NL) Fertigstellung 2007 Masterplan Palmbout Urban Landscapes (Frits Palmboom), Rotterdam (NL) Wohneinheiten 246 Typenvielfalt 3 Grundtypen mit Variationen Anzahl Geschosse 3–4

DE GROTE HOF Rapp+Rapp, Amsterdam (NL) Palmbout Urban Landscapes haben im Jahr 1994 den Masterplan Ypenburg vorgelegt: Bis 2010 sollte ein ehe­ maliger Militärflugplatz mit 11  000 Häusern überbaut werden. Die Fläche von 600 Hektar erstreckt sich über die Gemeindegebiete von Den Haag, Nootdorp, Pijnacker und Rijswijk. Als Hauptstruktur definieren Palmbout die öffentlichen Räume und Wege und weisen innerhalb der Struktur die Wohn- und Geschäftszonen aus. Für die Bebauung wurden verschiedene Teilpläne erstellt – De Grote Hof gehört zum Teilplan «De Venen». Rapp+Rapp haben für De Grote Hof eine klare, strenge Architektur gewählt: Die Polarität zwischen der intimen Atmosphäre niederländischer Höfe und der offenen Landschaft wird aufgenommen. So sind die Privatgärten aller vier Bebauungsformen gegen aussen angelegt, damit im Innern der Grossformen gemeinschaftlich genutzte Höfe möglich werden. Die vier Wohnhöfe werden mittig von einer Infrastrukturfläche zusammengehalten. Diese besteht auf Erd­ geschossniveau aus einer riesigen Einstellhalle, ab erstem Obergeschoss aus einer öffentlichen Grünfläche mit Kinderspielgeräten und Parkbänken. Die Wege sind autofrei, die gesamte Siedlung grenzt sich mit einer Art Wassergraben von der Umgebung ab.

Situation 1:10 0 000

HÖFE INNEN – PLÄTZE AUSSEN / DE GROTE HOF

117


134


Ort Halen, Herrenschwanden (CH) Fertigstellung 1961 Masterplan Atelier 5, Bern (CH) Wohneinheiten 79 Typenvielfalt 2 Grundtypen mit Variationen Anzahl Geschosse 3

HALEN Atelier 5, Bern (CH) Das junge Atelier 5 entwarf Halen – fasziniert von der Berner Altstadt mit ihren Lauben, Innenhöfen und Dach­ terrassen – als dichte Wohnsiedlung mit 79 Häusern. Der Anspruch, mit dem Bauland ökonomisch umzugehen, führte zu einer städtischen Anlage mit zentralem Platz und klar hierarchisierten Wegen. Die Architektur sollte Lebensraum für verschiedenartige Leute und somit Rückzugsmöglichkeiten im privaten Innen- und Aussen­ bereich ermöglichen. Auf einer terrassierten Waldlichtung oberhalb der Aare stehen dreigeschossige, südwärts orientierte Häuser von zwei unterschiedlich breiten Typen. Von der Siedlungsstrasse aus erreicht man über einen Laubengang jeweils einen Patio, der vor der Küche liegt. Das interne Treppenhaus gliedert das Erdgeschoss in Küche, Bad, WC und Wohnzimmer mit Balkon. Der Garten liegt eine Terrassenstufe weiter unten und wird entweder über eine Sambatreppe oder vom Untergeschoss her erreicht. Die Gärten sind ummauert und werden hangabwärts von einer Pergola begrenzt. Im Unter- und Obergeschoss befinden sich die Privaträume, im Obergeschoss je nach Haustyp zusätzlich eine Terrasse. Die gesamte Anlage ist bis auf die zentrale Strasse verkehrsfrei. Eine Einstellhalle liegt im Zentrum der Siedlung.

Situation 1:10 0 00

REIHEN – IN GRUPPEN / HALEN

135


GRUNDRISS EINGANGSGESCHOSS

Perimeter Siedlung Private Wohnfläche, GF [beheizt, inkl. Konstr.] Private Wohnfläche, Kellerraum, Kaltraum etc. Privater Aussenraum Infrastrukturfläche (Laden, AEH, Schule etc.) Öffentlicher Aussenraum, Erschliessung Öffentlicher Aussenraum, Grünfläche / Wasser Öffentlicher Aussenraum, Parkplatz Auto Gebäude darunter liegend Gebäude, heute abgebrochen

AUSWERTUNG FLÄCHENVERHÄLTNISSE Flächenbezeichnung 0 % 25 % 50 % 75 % 100 % Flächen (%) Flächen (m2) effektiv Perimeter Siedlung

100 % 20 665 m2

Private Wohnfläche GF [beheizt]

73 % 15 241 m2

Private Wohnfläche (Kellerraum, Kaltraum etc.)

16 %

Privater Aussenraum

40 % 8370 m2

GF nach SIA 416

92 % 19 070 m2

Infrastrukturfläche (Laden, AEH, Schule etc.)

3 %

3309 m2

520 m2

Öffentlicher Aussenraum, Erschliessung

51 % 10 598 m2

Öffentlicher Aussenraum, Grünfläche

21 % 4376 m2

Öffentlicher Aussenraum, Parkplatz Auto AZ1: GF [beheizt] / Perimeter

= 0,73

AZ2: GF [SIA416] / Perimeter

= 0,92

136

6 %

1139 m2


GRUNDRISS OBERGESCHOSS

SCHNITT Schnitt A–A

Schnitt B–B

Schnitt C–C

REIHEN – IN GRUPPEN / HALEN 

137


SCHEMA SIEDLUNG

WOHNEINHEIT TYP 1 SCHNITT

Obergeschoss

Eingangsgeschoss

Untergeschoss

WOHNEINHEIT TYP 1 OG / EINGANGSGESCHOSS / UG

1 Weg, Strasse 2 Eingang 3 Küche 4 Esszimmer, Essbereich 5 Wohnzimmer, Wohnbereich 6 Zimmer 7 Bad, WC 8 Privater Aussenraum, Garten / Vorplatz 9 Privater Aussenraum, Balkon / Terrasse 10 Keller 11 Technik

6 6

6 6

6 6

2 2 1 1

4/5 4/5

3 3

8 8

7 7

11 11

10 10 7 7

138

9 9

6 6 6 6

8 8


WOHNUNGSSCHLÜSSEL Wohneinheiten Anzahl Wohneinheiten Private Wohnfläche (GF beheizt) 79 1–1,5-Zimmerwohnung, Studiowohnung 0 2–2,5-Zimmerwohnung 0 3–3,5-Zimmerwohnung 0 4–4,5-Zimmerwohnung 0 5–5,5-Zimmerwohnung 79 6-und-mehr-Zimmerwohnung 0

WOHNEINHEIT TYP 2 SCHNITT

Obergeschoss

Eingangsgeschoss

Untergeschoss

WOHNEINHEIT TYP 2 OG / EINGANGSGESCHOSS / UG

6 6 6 6

7 7

6 6

2 2 1 1

7 7

8 8

11 11

3 3

4/5 4/5

6 6 10 10

9 9

8 8

6 6

REIHEN – IN GRUPPEN / HALEN 

139


182


Ort Wiethestraße, Wien (A) Fertigstellung 1994 Masterplan Franco Fonatti & Helmut Hempel, Wien (A) Wohneinheiten 90 Typenvielfalt 3 Grundtypen mit Variationen Anzahl Geschosse 3–4

WIETHESTRASSE Franco Fonatti & Helmut Hempel, Heinz H. Weiser & Georg Baldass, Heidulf Gerngross, Wien (A) Die Siedlung Wiethestraße mit insgesamt 90 Wohnungen ist aufgeteilt in drei Baufelder, die von unterschied­ lichen Planungsbüros bebaut wurden. Der Masterplan sowie eines der Bauprojekte stammen von Franco Fonatti & Helmut Hempel. Ihre 31 Wohneinheiten im Westen werden durch die nord-süd-verlaufende Erschliessungsachse bedient, welche den öffentlichen Aussenraum und die Siedlungsstruktur prägt. Die T-förmigen Reihenhäuser reagieren auf die leicht abfallende Topografie und verfügen mit ihrem Splitlevel über insgesamt sieben Ebenen. Der östliche Siedlungsteil ist über autofreie Wege zugänglich und besteht aus zwei Typen von dreigeschossigen Reihenhäusern. Jene im Nordosten vom Büro Heinz H. Weiser & Georg Baldass sind gruppenweise mit nordsüdlicher beziehungsweise ost-westlicher Orientierung angeordnet. Heidulf Gerngross hat das Baufeld im Südosten gestaltet: Zwei Stränge nehmen einerseits 21 Reihenhäuser, andererseits in der Mitte der Anlage zwei Doppelhäuser und ein Einzelhaus auf; die Erschliessung erfolgt zusätzlich intern über die beiden Einstellhallen im Osten. Die Häuser verfügen über Galerien, Oberlichter und Dach­terrassen sowie jene in der Reihe über zweiseitig angeordnete Gärten.

Situation 1:10 0 00

REIHEN – IN GRUPPEN / WIETHESTRASSE

183


188


Ort Kalverstraat, Groningen (NL) Fertigstellung 1994 Wohneinheiten 40 Typenvielfalt 2 Grundtypen (Reihenhäuser) und Geschosswohnungen Anzahl Geschosse 3

KALVERSTRAAT Oving Architekten, Groningen (NL) Entlang eines Bahndamms steht die massive Blockrandbebauung mit 31 Reihenhäusern im Eigentum, darin enthalten sind sechs Sozialwohnungen und drei Wohngruppen für Behinderte. Die Strassenseite richtet sich gegen den Bahndamm und ist – auch im Sinne des Lärmschutzes – als massive Wand aus rotem Klinker gestaltet. Durchbrochen wird sie durch rhythmisch gesetzte Einschnitte auf Höhe der beiden Obergeschosse sowie durch die liegenden Fenster und die Eingangstüren im Erdgeschoss. Zur Hofseite hin wechselt die Materialisierung von Klinker zu Holz, die Fassade ist durchfenstert und das zweite Obergeschoss springt zugunsten einer Terrasse zurück. Die Wohneinheiten sind nordwest-südost-orientiert und werden durch eine Erschliessungsstrasse im Nordwesten bedient. Parkplätze finden sich vor der Siedlung entlang der Strasse.

Situation 1:10 0 00

REIHEN – IN GRUPPEN / KALVERSTRAAT

189


200


Ort Ertskade / J.F. Van Hengelstraat, Amsterdam (NL) Fertigstellung 1996 Masterplan West 8, Rotterdam (NL) Wohneinheiten 24 Typenvielfalt 1 Grundtyp mit 1 Variation Anzahl Geschosse 3

BORNEO SPORENBURG Köther Salman Koedijk Architecten, Amsterdam (NL) Die Stadt Amsterdam hat im ehemaligen Hafengebiet eine neuartige Wohnzone mit 100 Wohnungen pro Hektar ermöglicht. West 8 erstellte den Masterplan, der für die gesamte zweiteilige Hafeninsel Borneo Sporenburg unter anderem ebenerdige Wohnungszugänge vorsieht. Verschiedene Architekturbüros waren in die Neugestaltung involviert. Als Teil des übergeordneten Masterplans funktionieren die 24 Reihenhäuser sowohl in- als auch extrovertiert. Sie leben vom städtischen Charakter an der Erschliessungsstrasse und der offenen, unverbauten Lage am Rand des ehemaligen Hafenpiers. Die Patiohäuser sind nord-süd-orientiert und mit dem Rücken zueinander gesetzt, im Innern spannen sie zusätzlich einen Hof auf. Jeweils zwei Höfe werden seitlich von einer transluzenten Verglasung begrenzt: So bleiben sie privat, die Wohngeschosse erhalten aber zusätzliches Tageslicht. Eingezogen in den Grundriss findet sich im Erdgeschoss der private Parkplatz.

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REIHEN – IN GRUPPEN / BORNEO SPORENBURG

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Ort Passage des Lauriers, Mulhouse (F) Fertigstellung 2005 Masterplan Ateliers Jean Nouvel, Paris (F) Wohneinheiten 14 Typenvielfalt 2 Grundtypen Anzahl Geschosse 2

CITÉ MANIFESTE Lacaton & Vassal, Paris (F) Die Societé mulhousienne des cités ouvrières (SOMCO) hat im Jahr 1853 die erste Arbeitersiedlung in Frankreich realisiert. Nach englischem Vorbild entstand die Cité Manifeste mit 200 Wohneinheiten. Zum 150-jährigen Jubiläum beauftragte die SOMCO Jean Nouvel mit der Entwicklung eines Masterplans für die ehemalige Schoettlé-Fabrik im Osten der historischen Siedlung. Hochwertige Reihenhäuser mit Garten sollten zu Mietbedingungen herkömmlicher Sozialwohnungen erstellt werden. Auf dem flachen Grundstück planten vier junge Architekturteams sowie Jean Nouvel insgesamt 60 Wohnungen. Alle Büros wählten einen eher traditionellen Reihenhaustyp mit einem Zuschnitt von zwei bis fünf Zimmern und direktem Zugang von aussen. Südlich der Siedlung befindet sich eine öffentlich nutzbare Grünfläche. Lacaton & Vassal gestalten ihre 14 Reihenhäuser als zweigeschossige Lofts. Die betonierte, drei Meter hohe Stützen-Platten-Struktur im Erdgeschoss wird quer zu den Wohneinheiten von drei lang gezogenen Tonnengewölben bekrönt. Technik und Aussehen der Siedlung orientieren sich am Gewächshaus: Die Hülle im Obergeschoss ist aus Stahl, die Wände sind aus transparentem und gewelltem Polycarbonat. Zwei Drittel der im Scheitelpunkt 4,50 Meter hohen Räume sind isoliert und beheizbar, ein Drittel funktioniert als Wintergarten. Jede Wohnung verfügt über zwei unterschiedlich grosse Wohnflächen – jeweils eine grosse im Obergeschoss und eine kleine im Erdgeschoss oder umgekehrt. Die Ebenen sind durch eine Stahlwendeltreppe verbunden. Der private Garten ist von einem Maschendrahtzaun eingefasst, entlang der Strasse finden sich Parkplätze.

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REIHEN – IN GRUPPEN / CITÉ MANIFESTE

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Ort Rinikerstrasse, Umiken  (CH) Fertigstellung 1971 Wohneinheiten 42 Typenvielfalt 3 Grundtypen Anzahl Geschosse 1

MÜHLEHALDE team 2000: Scherer, Stickler + Weber, Zürich (CH) und Metron AG, Brugg (CH) Hans Ulrich Scherer legte mit seiner «Vision Brugg 2000» ein Projekt vor, das für den gesamten Jurasüdfuss vom Aargau bis nach Biel Terrassenhäuser vorsah. Die Siedlung Mühlehalde ist Teil dieser Vision, für deren Realisierung das Architekturbüro Scherer, Stickler + Weber eine Arbeitsgemeinschaft mit der Metron AG eingegangen ist. In einer ersten Bauetappe wurden zwischen 1963 und 1966 drei mal drei eingeschossige Wohneinheiten aufeinandergestapelt (Typ 1). Nach der Initiierung weiterer Bauetappen mit gleichem Grundtyp und Variationen starb Scherer und Metron übernahm die Verantwortung für die Realisierung. Die Mühlehalde wurde aus rohem Beton gefertigt. Grosse Fenster, Kupferabdeckungen, Terrassen und viel Grünraum runden das Bild ab. Die Erschliessung erfolgt über einen Schräglift, der an drei Stationen hält. Von da aus erfolgt über ein oder zwei Treppen nach oben oder unten die Erschliessung der einzelnen Wohnungen. Die Wohnungsgrundrisse sind grosszügig gestaltet, die Raumhöhen unterschiedlich hoch. Neben der eigenen Terrasse verfügen die Wohneinheiten zusätzlich über einen seitlich angelegten Garten. Alle Einheiten sind – entsprechend dem Hanggefälle – südwärts orientiert, der Parkplatz liegt unterhalb der Terrassensiedlung an der Erschliessungsstrasse.

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STAPELN – VERSETZT ODER VERSCHRÄNKT / MÜHLEHALDE

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Ort 4–11 Kashiihama, Higashi, Fukuoka (JP) Fertigstellung 1991 Masterplan Arata Isozaki, Tokio (JP) Wohneinheiten 24 Typenvielfalt 2 Grundtypen Anzahl Geschosse 4

NEXUS WORLD HOUSING OMA (Rem Koolhaas), Rotterdam (NL) Ausserhalb vom Stadtzentrum Fukuoka liegt der Bezirk Kashi, für den Arata Isozaki den Masterplan erstellt hat. Die ursprünglichen Häuser wurden abgerissen, neu dominieren die beiden 120-Meter-Hochhäuser Isozakis das Zentrum. Die restliche Bebauung wurde auf maximal fünf Geschosse limitiert. Auf Einladung Isozakis entwickelten ein japanisches und fünf europäische Architekturbüros verschiedenartige Projekte. OMA formulierte einen westlichen Blick auf japanische Wohntraditionen und integrierte verschiedene Kontraste in ihre 24 dreigeschossigen Häuser: Sie sind geschlossen und öffnen sich, sind hoch und leicht und funktionieren gleichermassen privat und öffentlich. Zwei bauliche Einheiten stehen am Kopf einer Stichstrasse und bergen je drei Reihen mit vier verschiedenartigen Häusern. Das Erdgeschoss ist als partiell durchfensterter Sockel ausgebildet, drei interne Wege erschliessen die Hausreihen. Hinter jedem Hauseingang liegt ein mit weissen Kieseln ausgelegter Hof, von wo eine Treppe zu den Individualräumen im ersten Obergeschoss und zu einer Reihung von Wohn- und Essraum sowie einem traditionell japanisch organisierten Raum (mit verschiedenartigen Trennelementen) führt. Ebenso öffnet sich hier ein privater Aussenraum. Das Dachgeschoss ist grosszügig belichtet, das Dach selber unterschiedlich geschwungen und bandartig ausformuliert. Die beiden oberen Geschosse werden von einer Lochfassade aus grobem Mauerwerk umfangen, was die Gesamtheit der zwölf Häuser als Grossform lesbar macht.

Situation 1:10 0 00

KOMPAKT IM BLOCK / NEXUS WORLD HOUSING

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Ort Traviatagasse / Pfarrgasse / Kolpingstraße, Wien (A) Fertigstellung 1991 Masterplan Raimund Abraham, New York (USA) Wohneinheiten 36 Typenvielfalt 1 Grundtyp Anzahl Geschosse 4

TRAVIATAGASSE Carl Pruscha, Wien (A) Mitten im Inzersdorfer Gewerbegebiet liegt eine Art Festung, die sich von ihrer Umgebung abwendet. Raimund Abraham hat für sein städtebauliches Konzept eine radikale Klarheit gewählt: Elemente wie Stadtmauer, zwei Torbauten, perspektivischer Platz, Strassen und Gassen prägen das geschlossene Wohnviertel. Sehr unterschiedlich geformte Reihenhäuser von vier Architekturbüros gestalten das Gebiet im Westen, Norden, Osten und im Zentrum, gegen Süden bleibt die Anlage zur Kolpingstraße hin offen. Die Haupterschliessung und Parkplätze finden sich im Westen der Siedlung, die internen Wege sind autofrei. Im Zentrum der Anlage findet sich das Baufeld von Carl Pruscha. Die schachbrettartig gesetzten und ummauerten Atriumhäuser sind kreuzförmig erschlossen und formen vier Blöcke mit jeweils neun Häusern. Das Erdgeschoss dient der hausinternen Nutzung als Atelier, Büro, Abstellraum, das erste Obergeschoss nimmt die Schlafräume und Terrasse auf, darüber liegt das Wohngeschoss mit einem Aufstieg zur Dachterrasse. Diese ermöglicht im Gegensatz zum introvertiert funktionierenden Grundriss einen Rundblick in die Landschaft.

Situation 1:10 0 00

KOMPAKT IM BLOCK / TRAVIATAGASSE

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Ort Hauchsvej und weitere, Helsingør (DK) Fertigstellung 1960 Wohneinheiten 60 Typenvielfalt 2 Grundtypen, jeweils gespiegelt Anzahl Geschosse 1

KINGOHUSENE Jørn Utzon, Kopenhagen (DK) Jørn Utzons Kingohusene sind das Ergebnis eines Wettbewerbs für günstigen Wohnungsbau im Jahr 1953. Die Gemeinde Helsingør stufte den Entwurf als sinnstiftend ein – weil sie darin das Potenzial sah, den damals wenig verdienenden Hafenarbeitern und Lehrern ihren Traum vom eigenen Haus mit Garten zu einem erschwinglichen Preis zu ermöglichen. Die 60 Häuser sind in der hügligen Landschaft eingebettet; sie erhalten und unterstreichen den Landschafts­ charakter und bilden zugleich eine urbane Form mit Strassenraum, Plätzen, Höfen und Grünräumen. Jede Hauseinheit ist auf einer quadratischen Fläche angelegt. Der Wohnbereich besetzt winkelförmig zwei Seiten, die beiden anderen Seiten werden von Mauern begrenzt, die den privaten Innenhof aufspannen. Alle Hauseingänge sind von den Erschliessungsstrassen her zugänglich, jedem Grundriss ist ein Parkplatz eingeschrieben.

Situation 1:10 0 00

REIHEN – IN FREIER FORM / KINGOHUSENE

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VERDICHTEN

Diese Publikation analysiert ausgewählte Lowrise-Siedlungen hinsichtlich der Effizienz ihrer Ausnutzung, Belegungsdichte und Flächenverhältnisse. Im Vordergrund stehen hierbei – neben den architektonischen Qualitäten – das Verhältnis der Zahlenergebnisse in Bezug auf Grundrisstypologie, Wohnungsschlüssel, Siedlungsstruktur, Erschliessungslogik und die Qualität von privaten und öffent­ lichen Aussenräumen. verDICHTen ist gleichsam Nachschlagewerk für Interessierte und Planungs­ instrument für Behörden, Bauherrschaften, Architekten und Architektinnen, die sich mit Fragen der Siedlungsplanung, Wohnqualität und Effizienz auseinandersetzen.

ISBN 978-3-03863-002-9

VERDICHTEN

Für eine nachhaltige Raumentwicklung gilt es angesichts der stetig wachsenden Bevölkerung bestehende Siedlungsstrukturen zu verdichten. In der aktuellen Diskussion über Dichte liefert die Lowrise-Bebauungsform einen wichtigen Beitrag: Mit ihren zwei- bis viergeschossigen Häusern und privaten Gärten bieten Lowriser einen ähnlich hohen Grad an Individualität wie Einfamilienhäuser, benötigen aber lediglich einen Bruchteil der Landressourcen. Darüber hinaus verfügen sie über kollektiv genutzte Aussenflächen wie Strassen, Gassen und Plätze.

INTERNATIONALE LOWRISE-WOHNSIEDLUNGEN IM VERGLEICH

INTERNATIONALE LOWRISE-WOHNSIEDLUNGEN IM VERGLEICH

VER DICHT EN INTERNATIONALE LOWRISE-WOHNSIEDLUNGEN IM VERGLEICH Martina Desax, Barbara Lenherr, Reto Pfenninger (Hrsg.)

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verDICHTen. Internationale Lowrise-Wohnsiedlungen im Vergleich  

Für eine nachhaltige Raumentwicklung gilt es, angesichts der stetig wachsenden Bevölkerung bestehende Siedlungsstrukturen zu verdichten. In...

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Für eine nachhaltige Raumentwicklung gilt es, angesichts der stetig wachsenden Bevölkerung bestehende Siedlungsstrukturen zu verdichten. In...

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