Kein Stil. Ernst Keller – Lehrer und Pionier des Swiss Style

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Ernst Keller, circa 1940 [3]


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Ernst Keller mit seinem Hund, circa 1940 [4]



19 Die Frage nach dem Dazwischen: Ausgangslage und Herangehensweise Meike Eckstein Keller gilt als Begründer des Swiss Style. Sein eigenes Schaffen jedoch ist weniger bekannt. Betrachtet man Ernst Kellers Werk, ist dieses divers. Formell ist es keinem bestimmten Stil zuzuordnen. Manches wirkt spröde oder angestaubt. Es zeigen sich zwei konträre Pole: Einmal Keller als Begründer des Swiss Style, auf der anderen Seite seine strengen und unzugänglichen Entwürfe. Wie passt dies zusammen? Wie konnte dieser Gestalter zum Pionier einer ganzen visuellen Bewegung werden? Diese beiden – zunächst nicht zu vereinbaren – Pole sind Ausgangslage der Recherche. Sie eröffnen Fragen nach dem «Dazwischen». Wie kommt es von Kellers Entwürfen zum Swiss Style? Die Antwort zu dieser Frage ist in Kellers Didaktik zu suchen, denn irgendetwas Besonderes muss Keller seinen Schülerinnen und Schülern nahegebracht haben. Wie also gestaltete Keller seinen Unterricht? Welche Aufgabenstellungen gab es? Was hat Keller seinen Schülern vermittelt? Wie hat er sie arbeiten lassen? Was mussten diese selbst erarbeiten? Was hat die Schüler inspiriert? War es nur ihr Lehrer Keller? Gab es zu diesem Zeitpunkt noch anderes Inspirierendes an der Kunstgewerbeschule Zürich? Was hat Keller selbst inspiriert? Wie war sein eigener Werdegang im Hinblick auf ein didaktisches Konzept, das er weitergeben konnte? Was schliesslich machte Keller zum Begründer des Swiss Style? Oder gab es andere Motive für diese Bewegung? Bleibt Keller irgendein Lehrer, der seine Schüler zur rechten Zeit am rechten Ort unterrichtet hat? Ziel dieser Publikation ist es, den Grafiker in seiner Rolle als Lehrer zu erfassen und somit das Dazwischen zu verstehen. Die Aussage, dass Keller am Anfang der Schweizer Grafik stand, findet ihren Ursprung bei Willy Rotzler.9 Rotzler gehört als Kunstkritiker und Kulturschaffender zu den prägnanten Persönlichkeiten der Schweizer Kulturlandschaft. Er war ausserdem zur aktiven Zeit Kellers selbst Lehrer an der Kunstgewerbeschule Zürich und Leiter des im gleichen Gebäude ansässigen Museums für Gestaltung. Rotzlers Aussage erhält dadurch einen besonderen Stellenwert. Er verfügte nicht nur über hervorragende Kenntnisse der Kunstszene, sondern war auch Zeuge von Kellers Schaffen und seiner Lehre an der Kunstgewerbeschule. Rotzlers Einschätzung wird von Philip Meggs, dem Verfasser des amerikanischen Standardwerks für Grafikdesign, übernommen und kommt so insbesondere im angelsächsischen Raum in Umlauf.10 Alle weiteren Artikel, die Keller als Begründer des Swiss Style benennen, nehmen Bezug auf Meggs.11 In diesen kurzen Abschnitten ist Keller nie Subjekt, sondern wird stets im Zusammenhang mit seinen 9 10 11

Willy Rotzler, «Ernst Keller. The Pioneer of Graphic Design», in: Graphis 184, 1976, S. 118–129. Philip B Meggs, A History of Graphic Design, New York 1983, S. 380. Z.B. Stephen J. Eskilson, Graphic Design. A New History, London 2007; Friedrich Friedl et al., Typographie: wann, wer, wie, Köln 1998; William Purcell, Josef Müller-Brockmann, London 2006.

Graphis 184, 1976 Artikel von Dr. Willy Rotzler zu Ernst Keller: Der Begründer der Schweizer Graphik [8]

Philip B. Meggs, A History of Graphic Design (1983, 1st edition) [9]


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40 Es ist signifikant, dass Vorboten einer neuen, innovativen Entwicklung immer in der ausklingenden Spätzeit der Epoche davor entstanden. So widersprüchlich das erscheinen mag, aber der Jugendstil bereitete die Moderne vor. Was Henry van de Velde, die Wiener Secession oder die britischamerikanische Liberty-Bewegung erreicht und realisiert haben, hatte formal nichts mit dem nachfolgenden Rationalismus der Moderne zu tun, aber trotzdem entstanden die Theorien, Konzeptionen und Denkweisen der Moderne in den Jahren zuvor. So ähnlich können wir uns die Wirkungszeit von Hermann Delitsch und Walter Tiemann vorstellen, die auf offene, aufmerksame und sensible Menschen wie Ernst Keller gewirkt haben. Für den etwa zwanzigjährigen Ernst Keller muss sowohl die Auslandsreise an sich als auch die Begegnung mit wichtigen Persönlichkeiten einen prägenden Eindruck hinterlassen haben.

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Es scheint, dass Keller die Zeit in Leipzig gemocht hat. Dort hat er auch seine spätere Frau getroffen, 1920 haben die beiden in der Schweiz geheiratet. Es ist ebenso nachvollziehbar, dass Keller zu Beginn des Ersten Weltkriegs zurück in die Schweiz musste. Es ist überliefert, dass die Werkstatt für deutsche Wortkunst mangels Aufträgen 1916 schliessen musste. Ob Kellers Rückkehr in die Schweiz freiwillig oder widerwillig geschah, können wir nicht abschätzen. Was er aber bei seiner Rückkehr vorfand, ist bekannt. Die Kriegszeit in Zürich war geprägt von der Präsenz wichtiger Intellektueller, vor allem Deutscher, aber auch von Personen russischer oder generell internationaler Herkunft. In Zürich befanden sich zu dieser Zeit so unterschiedliche Persönlichkeiten wie James Joyce, Lenin oder Thomas Mann. Für die Interessen von Keller vielleicht wichtiger, auch wenn wir darüber nichts wissen, könnte die Präsenz der Dada-Bewegung gewesen sein, die Zürich einige Jahre nachhaltig provoziert hat.

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Zurück in die Schweiz. Der Erste Weltkrieg

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Plakat Zentralheizungsfabrik und Terma AG, Bern; Wettbewerb ausgeschrieben vom Werk, Organ des Schweizer Werkbundes, 1915; 1. Preis Ernst Keller [37]

Zurück aus Leipzig musste Keller seinen Militärdienst leisten, denn es war auch in der Schweiz Kriegszeit. Nach dem obligatorischen Aktivdienst, wie der Militärdienst in Kriegszeiten genannt wird, finden wir Keller für eine Weiterbildung wieder an der Gewerbeschule Aarau, wo er schon zu seiner Lehrzeit war. Hier treffen wir auf eine besondere Persönlichkeit: Robert Hunziker (1876–1951), ein Pädagoge, Gestalter, Maler, der ein bewegtes Leben zwischen Aarau, Paris und München hinter sich hatte und so mit den verschiedensten künstlerischen und kreativen Kreisen in Kontakt gekommen war.21 Auch hier gibt es keine direkten Hinweise, aber Hunziker muss Einfluss auf Kellers Entwicklung gehabt haben. Keller wäre sonst mit dem Wissen und der Erfahrung von Leipzig nicht an die Schule in Aarau zurückgekehrt. 21

Historische Gesellschaft des Kantons Aargau 1958, Biographisches Lexikon des Aargaus 1903–1957, Aarau 1958, S. 384f.


41 1915 gewann Ernst Keller einen Plakatwettbewerb für die Zentralheizungsfabrik und Terma AG in Bern, der von der Zeitschrift Das Werk, dem Organ des Schweizerischen Werkbundes, ausgeschrieben wurde. Im Heft 12 von 1915 wird berichtet, dass 68 Entwürfe eingesandt wurden.22 In einem weiteren Artikel aus der Berner Woche wurde der Wettbewerb ebenfalls gewürdigt: «An diesen haben junge Kräfte wacker mitgeholfen; so sind neben den bestbekannten Namen Schweizerischer Graphiker zum erstenmal graphische Arbeiten von Max Kopp, Helene Roth, Margrit Benteli, Arnold Brügger, Otto Morach, Paul Valloton, E. Keller, Ernst Morgenthaler, E. Rupprecht, Heinrich Weber, Luise Weitnauer, Johanna Fülscher bekanntgegeben worden.»23 In der Folge, 1916, tritt Keller dem SWB, dem Schweizerischen Werkbund, bei. Es ist anzunehmen, dass er dazu eine entsprechende Empfehlung, was üblich war, brauchte. Da hat ihm sicher die Prämierung beim WerkWettbewerb geholfen, den er gegen namhafte Konkurrenz gewonnen hatte. Die Aufnahme in den Werkbund ist somit auch eine Anerkennung seiner Leistungen und Keller wurde Teil der etablierten Gestalterszene. 1918 beruft Alfred Altherr senior (1875–1945) Keller an die Kunstgewerbeschule Zürich und ab 1920 übernimmt er die Verantwortung des Kurses für angewandte Graphik, aus welchem später die Fachklasse für Graphik entsteht.24 Wir wissen, dass Keller sich in Lokalen wie dem Select oder dem Odeon aufgehalten hat, und diese Orte waren zu jener Zeit «Umschlagsplatz» für neue Ideen und Konzepte, aber auch für revolutionäre Ideen –25 von Dada bis zum Monte Verità, dem Anarchismus und der neuen Psychologie. Persönlichkeiten von C.G. Jung bis Wolfgang Pauli oder von Albert Einstein bis James Joyce haben sich hier mit «schrägen» Künstlern wie Tristan Tzara, Sophie Taeuber-Arp, Jean Arp, Hugo Ball und anderen getroffen und ausgetauscht. Zürich war zu diesem Zeitpunkt ein Ferment der avantgardistischen, kreativen Welt. Dieses Umfeld muss auf Ernst Keller einen nachhaltigen Eindruck gemacht haben. Es ist aus heutiger Sicht schwierig, sich ein solches, auch kontradiktorisches Zusammenleben von so vielen neuen, innovativen Ideen an einem so überschaubaren Ort wie Zürich vorzustellen. In diesem Umfeld muss man Keller sehen, der in Leipzig ganz neue Konzepte kennengelernt hat und der sicher sehr wach auf dieses pulsierende Leben reagierte.

22 Dr. Hans Bloesch, «Das Ergebnis der 1. Folge der Werkwettbewerbe», in: Das Werk: Architektur und Kunst, Heft 12, 1915, S. 199f. 23 Hermann Röthlisberger, «Einiges über die Werk-Wettbewerbe», in: Berner Woche, Heft 24, 1916, S. 280. 24 Brief an Herrn E. Keller vom 23. März 1920, Direktion der Gewerbeschule der Stadt Zürich, gezeichnet Der 1. Direktor: Altherr. Sammlung Petignat. 25 Gemäss Aussagen von Jacques Plancherel und Hans Ulrich Steger in den Interviews 2009.

Alfred Altherr sen. (1875–1945) war ein Schweizer Architekt, Möbel- und Raumgestalter. Von 1912 bis 1938 war er Direktor der Kunstgewerbeschule und des Kunstgewerbemuseums Zürich. Er war Initiant der Gründung des Schweizerischen Werkbundes SWB 1913 und auch dessen erster Direktor [38]


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Kunstgewerbeschule Zürich

Um die Arbeit von Ernst Keller entsprechend einschätzen zu können, ist es notwendig, das Umfeld und die Entwicklung der Kunstgewerbeschule Zürich – seiner neuen Wirkungsstätte ab 1918 – und das kulturelle Umfeld in Zürich während und nach dem Ersten Weltkrieg zu betrachten. Die 1878 gegründete Kunstgewerbeschule – das Kunstgewerbemuseum wurde erstaunlicherweise schon 1875 eröffnet – war im Zuge der Modernisierung der Schweiz die Nachfolgeinstitution der sogenannten Zeichenschule, die in der ersten Industrialisierung entstand.26 Die Schule, die sich auf die Tradition der Kunstgewerbeschulen in Deutschland, Österreich und vor allem die Arts-and-Crafts-Bewegung in England berief, konzentrierte sich vorerst auf die Ausbildung der klassischen gewerblichen Berufskenntnisse.27 Bemerkenswert ist, dass die Kunstgewerbeschule schon 1887 einen Vorkurs einführte. In der Zeit zwischen 1900 und 1904 war man sich klar darüber geworden, dass die Institution nicht mehr den Bedürfnissen der Zeit entsprach und leitete einen radikalen Reformprozess ein. So wurden für die Position des Direktors 36 Kandidaten, vor allem internationaler Herkunft, evaluiert. Man kann sich vorstellen, wie komplex dieser Prozess angesichts der damaligen Kommunikationsmöglichkeiten war. 1906 wurde Jules de Praetere (1879–1947) als neuer Direktor der Schule und des Museums ausgewählt.28

Jules de Praetere (1879–1947), Direktor der Kunstgewerbeschule Zürich von 1906 bis 1911 und später Direktor der Gewerbeschule Basel sowie Gründer der Schweizer Mustermesse Basel und deren erster Direktor [39] Atelier der Fachklasse für Graphik im Gebäude des Landesmuseums in Zürich [40] Seite 43 Brief von Alfred Altherr sen. an Ernst Keller mit dem Angebot, die Stellvertretung als Fachlehrer für den graphischen Unterricht zu übernehmen [41]

Jules de Praetere – Schüler von Henry van de Velde – war ein belgischer Maler, Kunsthandwerker, Kunsthistoriker, Kunstpädagoge und Verleger. Von 1902 bis 1905 lehrte er an der Werkunstschule in Krefeld. Zudem gehörte Jules de Praetere zum Werkbund-Ausschuss, der für das zur Gründung verfasste Manifest Denkschrift verantwortlich war.29 Während der kurzen Zeit seiner Leitung und Verantwortung an der Kunstgewerbeschule Zürich (1906–1911) hat de Praetere eine rigorose Reorganisation durchgeführt, deren Resultat eine Neustrukturierung aller Disziplinen war. Diese innovative Struktur bildet, in grossen Linien, die heutigen Felder der verschiedenen Gestaltungskompetenzen ab. So sagte de Praetere: «anstelle einer pseudoakademischen Erstarrung einer Zeichen- und Ornamentierungsschule soll die Kunstfertigkeit des Schülers entwickelt werden und sein technisches Können in den Dienst von Schönheitsformen gelegt werden»30. Auch unter de Praetere wurde der 1887 eingeführte Vorkurs weiterentwickelt und hiess

26 27 28 29 30

Leza M. Uffer, «Kunstgewerbeschulen», in: Historisches Lexikon der Schweiz, Bern 1998–2010, online unter: http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D10408.php (zuletzt abgerufen am 13.6.2017). Peter Meyer, Schweizerische Stilkunde. Von der Vorzeit bis zur Gegenwart, 5. Auflage, Zürich 1944, S. 204. Hans Peter Schwarz, «Der Wandel als Prinzip», in: Schwarz 2007, S. 93. Deutscher Werkbund, «Geschichte», online unter: http://archiv.deutscher-werkbund.de/geschichte. html (Link zu: «Das Gründungsmanifest des DWB, 1907», zuletzt abgerufen am 6.6.2017). Hans Peter Schwarz, «Der Wandel als Prinzip», in: Schwarz 2007, S. 93.


43 [41]


46 1860

1870

1880

1890

Edward Johnston, geboren in San José, Uruguay

1900

Florence Kingsford Cockerell, geboren in Canterburry UK

studiert an der Central School of Arts & Crafts in London

1910

Schrift für London unterrichtet an der Central School of Arts & Crafts und am Royal College of Art Vortrag in Dresden

studiert Medizin in Edinburgh, später Schrift und Kalligrafie

arbeitet für Ashendene Press

Eric Gill, geboren in Brighton UK

studiert an der Central School of Arts & Crafts in London

studiert an der Central School of Arts & Craf in London Berat

Stanley Morrison, geboren in Wanstead UK Peter Behrens, geboren in Hamburg DE

reist nach Ägypten Ausstellung im Louvre in Paris und publiziert beendet Echnaton-Text

studiert in Karlsruhe, später Düsseldorf und München

Leiter Gründung Architekturbüro Mitarbeit AEG (bis 193 Kunstgewerbeschule Düsseldorf

studiert an der lehrt ab 1905 Central School of Arts in Düsseldorf & Crafts (Assistenz Johnson)

Anna Simons, geboren in München DE

studiert an der Badischen Akademie in Karlsruhe

Emil Rudolf Weiß, geboren in Lahr DE

ab 1914 Professur in München

lehrt an der Malschule des Folkwang-Museum Buchgestaltung für S. Fischer und Schaffste lehrt an der Berliner Kunstgew

Fritz H. Ehmcke, geboren in Hohensalza DE

Ausbildung als Lithograf in Berlin

Paul Renner, geboren in Wernigerode DE

studiert Malerei in Berlin, München gründet Schule für Illustration und Karlsruhe und Buchgewerbe, München

gründet Steglitzer Professor an der Werkstatt Berliner Kunstgewerbesc lehrt an der Kunstgewerbeschule Düsseldorf

Johannes Weidenmüller, geboren in Leipzig DE

gründet Werbewerkstatt Vorlesungen Handelsho 1911-14 Enst Keller arbe

O.H.W. Hadank, geboren in Berlin DE

studiert bei ab 1911 eigene Agentur Emil Doepler, Kunstgewerbemuseum Berlin

stu Lei der

Jan Tschichold, geboren in Leipzig DE Gründung Deutscher Werkbund

Gründung Schweizer Werkbund

Ba Lei Wa

Vo ab László Moholy-Nagy, geboren in Ungarn

studiert Recht in üb Budapest Wi Herbert Bayer, geboren in Haag am Hausruck AT

Gründu Magazin Van Doe Piet Zwart, geboren in Zaandijk NL

studiert an der Kunstgewerbeschule Amsterdam

arbeitet als Möbelgestalter

Jules de Praetere Alfred Altherr sen Direktor Sophie Tae Wilhelm K

Gründung der Kunstgewerbeschule der Stadt Zürich

ab 1906 Angewandte Graphik Leitung Eduard Stiefel, später Johan ab 1916 Otto Ba

Einführung Vorkurs Ernst Keller, geboren in Villigen

Ausbildung als Lithograf in Aarau

1910–1914 in Leipzig bei J. Weidenmüller

ab 19


47 1920

1930

1940

1950

1960

1970

ondon Transport Eric Gill wird Johnstons Assistent sden

ng im Paris endet Karriere (Krankheit) Schrift Perpetua Schrift Gill Sans Schrift Joanna und An Essay on Typography Schrift Times New Roman für Times -Zeitung

Berater für & Crafts Monotype Corp. Berater für The Times

o is 1938)

in

lehrt an der Kunstgewerbeschule Zürich (bis 1921)

Schrift Weiß-Lapidar Museums Aufnahme in die affstein Preußische Akademie Schrift Weiß-Antiqua stgewerbeschule

lehrt an der Kunstgewerbeschule Zürich (bis 1921) leitet Bund Deutscher Gebrauchsgrafiker erbeschule eldorf

lehrt an der Hochschule der Bildenden Künste München Verlag Walter C.F.Hirth und C.H.Beck

lehrt an der Frankfurter Kunstschule Werbegrafik und Typografie Leitung der Meisterschule für Buchdrucker, München Schrift Futura erscheint emigiert in die Schweiz

publiziert zehn Aufsätze zur Werbelehre elshochsschule publiziert Anbietlehre (Marketing) r arbeitet bei Weidenmüller

entur HDK

studiert an der Leipziger Akademie der Künste

Professor in Berlin an den Vereinigten Staatschulen für freie und angewandte Kunst Emigration gründet Wettbewerb Die schönsten publiziert in die Schweiz Schweizer Bücher Die neue Typografie arbeitet für Penguin Books in London Schriften: Zeus, Transito, Saskia

Bauhaus Weimar Bauhaus Bauhaus Berlin Dessau Leitung Mies van der Rohe Leitung Leitung Hannes Mayer Walter Gropius

Gründung der hfg ulm Leitung Max Bill

Schrift Sabon

Leitung Tomás Maldonando

Vorkurs bis 1923 Johannes Itten ab 1923 Josef Albers und Moholy-Nagy ab 1925 Werkstatt Druck und Reklame

Berufung an das Bauhaus Emigration Leiter des n übersiedelt nach publiziert Grundsätzliches New Bauhaus zur Typografie st Wien, später Berlin in Chicago studiert Leiter Leiter am Werkstatt Werbeagentur Bauhaus Druck Dorland (Berlin)

Emigration in die USA

arbeitet für CCA Container Corporation of America

arbeitet für Atlantic Richfield Company

Van Doesburg ündung De Stijl Alphabet agazin gestaltet von n Doesburg und Huszár ab 1921 Mitglied von De Stijl arbeitet als Gastdozent Grafiker für NKF am Bauhaus

arbeitet als Industriedesigner für Bruynzeel wurde 1944 interniert

rr sen. Direktor Johannes Itten, Direktor ie Taeuber-Arp bis 1929, Otto Morach bis 1953 Willy Guhl bis 1960 elm Kienzle bis 1951 Hans Finsler bis 1957 Elsie Giauque bis 1971

Johann B. Smits bis 1920 tto Baumberger

ab 1918 Hilfslehrer ab 1920 Lehrer der Grafikklasse

Hans Fischli, Direktor Walter Binder bis 1976 1956 Leitung Leitung bis 1977 J. Müller-Brockmann Rudolf Bircher 1956 Pensionierung

1968 Ernst Keller stirbt in Zürich


54 1916

Ausstellungsplakat, Kunstgewerbemuseum Zürich [50]

Plakat, Schoop & Co., Zürich [55]

Ausstellungsplakat, Gewerbeschule Zürich [51]

1917

1920

Ausstellungsplakat, Gewerbeschule Zürich [52]

Plakat, Uhren Beyer, Zürich [53]

Ausstellungsplakat, Kunstgewerbemuseum Zürich [56]

Signet und Anzeige, E. Osswald Kolonialwaren, Zürich, ca. 1920 [57]

Plakat, Bliss, Zürich [54]


55 1921

Ausstellungsplakat, Kunstgewerbemuseum Zürich [58]

Ausstellungsplakat, Kunstgewerbemuseum Zürich [64]

Signet, C. Schwander Malerarbeiten, Zürich, Jahr unbekannt [69]

1923

1922

Plakat, Kaller Hüte, Zürich [59]

Ausstellungsplakat, Kunstgewerbemuseum Zürich [60]

Plakat, Tapetenhaus Kordeuter, Zürich [61]

Ausstellungsplakat, Gewerbeschule für Frauen und Mädchen, Winterthur [62]

Ausstellungsplakat, Gewerbemuseum Winterthur [63]

Ausstellungsplakat, Gewerbemuseum Winterthur [65]

Ausstellungsplakat, Gewerbeschule Zürich [66]

Ausstellungsplakat, Kunstgewerbemuseum Zürich [67]

Ausstellungsplakat, Gewerbemuseum Winterthur [68]

Anzeige, A.Welti-Furrer AG, Zürich, Jahr unbekannt [70]


69 Plakatgestaltung Es sind hauptsächlich Plakate für Ausstellungen, mehrere für die Kunstgewerbeschule oder das Museum. Auch ein paar kommerzielle Plakate sind bekannt, wie für Bekleidung und Accessoires, Druckereien oder Uhren. Wenn wir diese frühe Werkgruppe als Gesamtes betrachten, dann zeichnen sich diese Arbeiten mit Ausnahmen (Bliss Kleidung) durch einen der Zeit gemässen, konventionellen Stil aus. Seriöses Handwerk, aber nicht unbedingt eine innovative Kreativität charakterisieren diese Arbeiten. Die Beweggründe, die zu seiner Berufung durch Alfred Altherr senior an die Kunstgewerbeschule führten, sind nicht bekannt. Aus späteren, überlieferten Aussagen konnten wir ableiten, dass sich Keller sehr stark mit konzeptionellen Fragen auseinandergesetzt hat. Es könnte sein, aber das bleibt Spekulation, dass er sich durch sein solides Handwerk, aber auch durch sein konzeptionelles Denken profiliert hat.53 Die zeitgemäss-konventionelle Periode, wenn wir das Œuvre Kellers auf einer Zeitachse betrachten, kann bis in das Jahr 1925 beobachtet werden. Ab dem Jahr 1926 änderte sich der Stil seiner Arbeiten radikal. Die Plakate für Jelmoli, Das neue Heim, aber auch die Spitzen- und Leinenstickerei zeugen von einer neuen Eigenständigkeit und vor allem taucht der Aspekt der Reduktion und der Verdichtung auf. Für Heiri Steiner (1906–1983) war Keller ein «ungestümer, kraftvoller, fast archaisch sich gebärdender Zeichner»54. Weiter beschreibt Steiner, dass Keller seine Inspiration nicht im Industriellen suchte, sondern sich an den «handwerklichen Meistern, den Buchdruckern, den Holzschneidern, den Schriftschneidern des 16. Jahrhunderts» orientierte, «um die Frische der Arbeit […] neu zu finden, und damit die neue Form».55 Ein weiterer Schüler von Keller, Heinrich Binder (1911–1999), sieht in der Arbeit Kellers «in allem dieselbe Besessenheit […] auf der Suche nach einer formal endgültigen Lösung. Wie sehr Form und Inhalt in seinen Werken zu einem wurde […]»56. Diese zwei überraschenden Elemente, die Orientierung an klassischen Vorbildern, um Neues zu schaffen, und die direkte Verknüpfung von Form und Inhalt, scheinen Argumente zu sein, welche die Veränderungen in seinen Arbeiten um das Jahr 1925 erklären können. 1925 wurde Ernst Keller in seiner Lehrtätigkeit bestätigt und zum Hauptlehrer ernannt. Es könnte durchaus sein, dass die Anerkennung seiner Person in Verbindung mit einem neuen Selbstverständnis steht. Eine solche Interpretation wird durch die Betrachtung seiner Arbeiten klar bestätigt. Seine «Handschrift» verändert sich parallel zur Bestätigung und Anerkennung seiner didaktischen Tätigkeit. 53 Brief an Herrn E. Keller vom 23. März 1920, Direktion der Gewerbeschule der Stadt Zürich, gezeichnet Der I. Direktor: Altherr. Sammlung Petignat. 54 Heiri Steiner, «Erinnerung an Ernst Keller 1924–27», in: Kunstgewerbemuseum der Stadt Zürich (Hrsg.), Ernst Keller. Graphiker. 1891–1968. Gesamtwerk, Zürich 1976, S. 22. 55 Ebd. 56 Heinrich Binder, «Ernst Keller – dem Lehrer und Freund», in: Kunstgewerbemuseum der Stadt Zürich 1976, S. 20.

Katalog zur Retrospektive von Ernst Keller im Kunstgewerbemuseum Zürich, 2. Mai bis 13. Juni 1976 Ausstellungskonzept: Heinrich Binder, Dr. Hansjörg Budliger, Max Caflisch, Jost Hochuli, Heinrich Kümpel, Peter Obermüller, Werner Wälchli Kataloggestaltung: Heinrich Kümpel Ausstellungsgestaltung: Heinrich Kümpel und Alfred Aebersold [180]


70

Augusto Giacometti (1877–1947), zwischen 1894 und 1897 Ausbildung zum Zeichenlehrer an der Kunstgewerbeschule Zürich. Er gehörte zu den ersten Künstlern des 20. Jahrhunderts, die ungegenständlich arbeiteten. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit hat Giacometti auch ein grosses Œuvre angewandter Arbeiten realisiert [181]

Vom Künstler zum Gestalter

Willy Rotzler beschreibt die Philosophie von Keller, wie wir heute sagen würden, folgendermassen: «Damit hat Ernst Keller stets alles Kunstgewerbliche zu vermeiden vermocht, weil er nie künstlerische Stilmittel rein äußerlich auf die konkrete werbegraphische Arbeit übertrug. Was seinen […] Stil ausmacht, ist eine vollständige Anverwandlung der gestellten Aufgabe und ein Suchen nach einer Lösung von innen her, aus der Sache heraus.»57 Darin unterscheidet sich Kellers Arbeit eindeutig von der bis dahin sehr verbreiteten Künstler-Grafik. Um diesen Sachverhalt zu vertiefen, ist ein Exkurs in die Entwicklung des Berufsfeldes des Grafikers notwendig. Als spezialisierter Beruf für die Gestaltung von visuellen Artefakten mit der Funktion der Vermittlung definierter Botschaften an interessierte Zielgruppen ist er seit den 1920erJahren etabliert. Durch die Industrialisierung bedingt entsteht bereits im späten 18. und dann vor allem im 19. Jahrhundert die Notwendigkeit der Information und Kommunikation. Da es für die Realisierung solcher Botschaften keine Spezialisten gab, haben sich hauptsächlich Künstler, insbesondere Maler solchen Aufgaben gestellt. «Maler beispielsweise fanden es nicht nur interessant, sondern lebenswichtig, Plakate zu entwerfen statt Bilder zu malen, also aus der Atelier-Isolation hinaus in die Gemeinschaft zu treten»58. Was diese Arbeiten charakterisiert, ist die Handschrift ihres Urhebers. Die zu vermittelnde Botschaft wurde im Stil von Henri de Toulouse-Lautrec oder Augusto Giacometti visualisiert. Diese Tradition vertraten auch Gestalter wie Edward Johnston, William Morris oder Henry van de Velde, die sich vorerst als Künstler verstanden. Ein Selbstverständnis zur Gebrauchsgestaltung entsteht vor allem in Deutschland durch Projekte wie AEG oder auch die Lehre in Düsseldorf durch den Architekten Peter Behrens. Ein wichtiger Impuls kam zudem vom Deutschen Werkbund, der 1907 gegründet wurde. Obwohl diese Pioniertaten auf den Anfang des 20. Jahrhunderts zurückgehen, war die sogenannte Reklamekunst bis nach dem Ersten Weltkrieg und darüber hinaus erfolgreich und populär. Die lithografierten Plakate in der Nachfolge Ferdinand Hodlers von Fritz Burger, Emil Cardinaux, Burkhard Mangold, Carl Moos, Eduard Stiefel oder Otto Baumberger59, den beiden Vorgängern Ernst Kellers an der Kunstgewerbeschule, waren äusserst beliebt. Die Arbeiten Ernst Kellers nach 1925 standen in klarem Kontrast zu ebendieser Reklamekunst. Sein Verständnis, dass nicht ein bestimmter Stil, sondern die Analyse respektive die Lösung des gestellten kommunikativen Problems die gestalterischen Mittel bestimmt, ist unterschiedlich zum 57 Willy Rotzler, «Ernst Keller und die Schweizer Graphik», in: Kunstgewerbemuseum der Stadt Zürich 1976, S. 14f. 58 Ebd., S. 11. 59 Bernd Evers / Anita Kühnel, Ein Jahrhundert im Weltformat: Schweizer Plakate von 1900 bis zur Gegenwart, Berlin 2001.


74

[184]

Seine Entwürfe fertigte Keller alle in der gleichen Grösse (ca. A5) an. Diese Entwürfe waren nicht nur als Layout gedacht, sondern waren Vorlagen für die Vergrösserung auf dem Lithografiestein. Entwurf und Plakat für das Warenhaus Jelmoli Zürich, 1924


75 [185]


90 [201] Keller nimmt in diesem Plakat das Thema Schriftbild auf, das von verschiedenen Kalligrafen immer wieder interpretiert wurde. Dabei ist die Herausforderung zwischen der Lesbarkeit des Textes und dem Eindruck des Gesamtbildes abzuwägen

Plakat Bel Ricordo für das Kunstgewerbemuseum Zürich, 1949


91


98 sen: «Auf seinem Arbeitstisch lagen Beigen von Entwürfen mit scheinbar geringfügigen und für einen Außenstehenden kaum wahrnehmbaren Änderungen: die Stellung eines Fußes, einer Hand, auch nur ein Finger war verändert […]. Rücksichtslos gegen sich selbst flogen die zerknüllten Entwürfe in die Ecke, wo der gußeiserne Ofen stand, und halfen mit, winters sein Atelier zu wärmen.»67 Es ist überliefert, dass Keller am Plakat für das Museum Rietberg (1953) auch nach seiner Realisierung noch relativ lange weitergearbeitet hat. Es scheint, dass er mit dem Resultat nicht wirklich zufrieden war und so hat er sich immer wieder damit beschäftigt, um nach besseren Lösungen zu suchen. Die handwerkliche wie die intellektuelle Auseinandersetzung mit der gestellten Aufgabe in Verbindung mit der Hingabe und der Ausdauer, alle denkbaren Variationen eines Details auszuprobieren, sind die Voraussetzung für eine nachhaltige Lösungsfindung. Das galt zu Kellers Zeiten, aber ist heute genauso aktuell. Der grosse Unterschied besteht in den technischen Mitteln; damals war alles Handwerk und dadurch der Entwurfsprozess entsprechend aufwendig. Umgekehrt hat der Widerstand des komplizierten Arbeitsprozesses dazu geführt, dass sich der Gestalter langsam dem Lösungsziel nähern musste, was zu einer intensiveren Auseinandersetzung geführt hat und sich somit auf die Qualität der Lösung auswirkte. Ein korrekter Entwurfsprozess impliziert eine vertiefte Auseinandersetzung, um zu effektiven und eigenständigen Lösungsansätzen zu gelangen – das galt damals wie heute und die modernen Hilfsmittel stellen dabei nicht a priori einen Vorteil dar. Betrachten wir die Arbeiten von Keller zwischen 1925 und 1940, so beobachten wir, dass neben seinen Plakaten und Drucksachen viele Projekte in Zusammenarbeit mit Architekten und für Ausstellungsgestaltungen entstanden. Beschriftungen, Leitsysteme und Zifferblätter für Uhren im öffentlichen Raum waren neue Betätigungsfelder. Diese Projekte haben erneut auch die intensive Beschäftigung mit Schrift erfordert. Die Beschriftung der Perronanlagen, des Leitsystems, im Gebäudeinneren sowie des Postbüros für die Bahnhöfe Enge (1925–1927) und Wiedikon (1925–1928) waren die ersten Projekte in diesem Bereich.68 Diese beiden Projekte verbindet eine versal-geometrische Sans-Serif-Schrift. Das klare Schriftbild fügt sich selbstbewusst und organisch in die Architektur der Gebäude ein. Die noch heute bestehende Beschriftung des Bahnhofs Wiedikon in Zürich zeigt eine Variante von geometrischen Sans-Serif-Schriften, die Keller entworfen hat [207]

1927 folgte ein kommerzielles Projekt, das neben der Beschriftung des markanten Gebäudes von Samen Mauser auf der Zürcher Ratshausbrücke einen Gesamtauftritt – ein eigentliches Designprogramm – umfasste. Auch hier basierte das System auf einer Schrift, die Aussenkennzeichnung, Innenbeschriftung, Fahrzeuge und Anzeigen wie Drucksachen organisch 67 68

Heinrich Binder, «Ernst Keller – dem Lehrer und Freund», in: Kunstgewerbemuseum der Stadt Zürich 1976, S. 20. Mattern 2009.


99 verband. Die Schrift besitzt einen ähnlichen Duktus wie die für die schon erwähnten Bahnhöfe, ist aber leichter ausgestaltet. Charakteristisch ist das breite offene M der Versalschrift. Bei der Aussenbeschriftung des Gebäudes wurde die Leuchtschrift, die 1937 die ursprüngliche, gemalte Schrift ersetzte, über den Schaufenstern spationiert und leicht gekippt und neigt sich dadurch zum Betrachter. Eine Serie von Illustrationen vervollständigte das Programm. Diese Abbildungen von schematisch dargestellten Blumen verbanden das Ladengeschäft mit der externen Kommunikation und charakterisierten stimmungsvoll den gesamten Auftritt. Für die Schweizer Abteilung an der Internationalen Presseausstellung in Köln (1928) zeichnete Keller eine neue Sans-Serif-Schrift, die gegenüber ihren Vorgängerversionen zusätzlich verfeinert wurde. Als formale Eigenheiten erkennen wir die offene Form des G sowie die eigenständige Ausformulierung der Umlaute. Neben den den Auftritt prägenden Schriftelementen wurde unter der Mitarbeit von Schülern eine ganze Anzahl von Schautafeln gestaltet. Diese informativen Darstellungen in Verbindung mit einer plakativen Typografie verliehen der Ausstellung ihren didaktisch-informativen Charakter. Zwischen 1930 und 1933 entstanden die Schrift und das Beschriftungskonzept für den Neubau der Kunstgewerbeschule und des Kunstgewerbemuseums an der Ausstellungsstrasse in Zürich. Für Ernst Keller, als Teil des Lehrkörpers, war dieses Projekt sicher ein persönliches Anliegen. Das neue Gebäude, von den Architekten Adolf Steger und Karl Egender geplant, war für die Schule ein wichtiger Schritt und der Umzug vom Landesmuseum in eines der damals modernsten Gebäude der Schweiz hatte auch einen grossen symbolischen Wert: Er bedeutete den Nachvollzug der Ideen der Kunstgewerbeschule und vervollständigte die modernen Theorien mit einem entsprechenden Umfeld. Keller ging für das Projekt wieder von der Schrift aus und entwickelte seine Serifenlose weiter. Der für das Schul- und Museumsgebäude entworfene Schriftsatz war etwas feiner und leichter als die vorangegangenen und umfasste jetzt auch die gemeinen Buchstaben. Ein weiteres Charakteristikum ist die Ausprägung der Rundform (O, U, G, C usw.). Die von Keller realisierte Schrift für das 1933 errichtete Gebäude der Architekten Adolf Steger und Karl Egender wird noch heute im renovierten Bau für das Leitsystem eingesetzt. Die Schrift wurde von Prof. Rudolf Barmettler, Dozent für Schrift und Typografie an der Zürcher Hochschule der Künste, in einem Projekt mit Studierenden rekonstruiert und digitalisiert. So ist 2002, also 69 Jahre nach der Verwendung im Gebäude an der Ausstellungsstrasse 60, aus einer Arbeit von Keller ein Schriftprogramm mit dem neuen Namen «Square» entstanden.69 69

Schriften Square und Rektorat; siehe dazu Beitrag auf S. 234.

Beispiel der für die Beschriftung der Kunstgewerbeschule Zürich entwickelten Schrift (s. dazu auch den Beitrag von Rudolf Barmettler auf Seite 234) [208]


104 [212]

[213 a–d]


105 [215] Das Erscheinungsbild von Samen Mauser ist als eigentliches Gestaltungssystem aufgebaut. Neben dem Logo, damals Signet genannt, hat Keller ein Schriftprogramm konzipiert und mit den eigenständigen Illustrationen eine eigentliche Bildsprache dazu gestaltet

[214]

[216, 217]


108

Ernst Keller was a giant in the panteon of great Swiss graphic designers. [222]

Zitat: Paul Giambara, in: 100 Years of Illustration and Design, online unter: giam.typepad.com/100_syears_of_ illustration/2007/12/swiss-designer.html

A BCDEF GHIJK L MNOP QR S T U V W X Y Z abcde f ghijk lmnopqr s t u v w x y z ,;.:?! /( )=+-* % & 0123 4 56789


109 [223]

Der Gebäudekomplex der Kunstgewerbeschule Zürich wurde von den Architekten Adolf Steger und Karl Egender von 1930 bis 1933 entworfen und realisiert. Für die Beschriftung und das Leitsystem für das Museum und das Schulgebäude hat Ernst Keller eine eigene Schrift gestaltet. Zu diesem Zweck hat er früher entstandene Schriften weiterentwickelt und im Unterschied zu diesen auch die gemeinen Buchstaben gezeichnet. Das so entstandene Schriftprogramm wurde zu einem integralen Bestandteil dieses Baudenkmals aus den 1930er-Jahren und wurde auch nach der Rennovation 2016 beibehalten (s.a. Schriften Square und Rektorat, Seite 234)


128 und andere Kolleginnen und Kollegen an der Kunstgewerbeschule Zürich gemein hatten, war genau diese Kombination zwischen Lehrauftrag und konkretem Praxisbezug. Es scheint dies ein durch Alfred Altherr senior eingeführtes Prinzip zu sein. Auch in den Gesprächen mit ehemaligen Schülern kamen immer wieder seine Projekte zur Sprache, über die er berichtet hatte oder welche die Schüler auf den Plakatsäulen bewundert haben. In einigen Fällen, etwa bei der Ausstellung Pressa in Köln oder beim Wappenrelief der Rentenanstalt, wurden auch Schüler direkt involviert. So erinnert sich Jacques Plancherel, wie er Keller bei der Realisierung der Gipsmodelle für die Kantonswappen helfen durfte. In der Kriegszeit zwischen 1940 und 1945 ging die Produktion Kellers naturgemäss stark zurück. Ernst Keller war auch im Zweiten Weltkrieg im sogenannten Aktivdienst und hatte dadurch nur beschränkt Zeit für Aufträge und Lehre. Projekte, die aus dieser Zeit bekannt sind, umfassen fast ausschliesslich Plakate und Arbeiten für die Stadt Zürich (Siegel, Urkunden, Beschriftungen usw.), die er seit 1925 kontinuierlich ausführte. Während seines Aktivdienstes im Zweiten Weltkrieg hat Ernst Keller eine sogenannte Soldatenmarke in drei Farben sowie Münzen (5-FrankenWehranleihe) und Plakate für eine Lebensmittelaktion der Schweizerfrauen gestaltet. Eine Plakatserie zwischen 1940 und 1945 behandelt Themen wie Heimatabend, Arbeitsdienst und den sogenannten Anbauplan. Der Auftraggeber ist hier nicht bekannt, aber es muss sich um eine öffentliche Stelle, vermutlich den Bund oder den Kanton handeln. Zwei Plakate des Kunstgewerbemuseums, gegen Ende des Krieges entstanden, fallen besonders auf: «Chinesische Steinabklatsche» und «Afrikanische Kunst». Beide Plakate verwenden Illustrationen und sind durch eine sehr eigenständige Typografie charakterisiert. Beim ersten Plakat ist schön zu beobachten, wie Keller mit der gezeichneten Schrift umging und diese durch elegante Ligaturen auszeichnete.

Auch im Militärdienst war Ernst Keller Grafiker und gestaltete eine sogenannte Soldatenmarke [263]

Zu erwähnen sind die ersten Plakate der Winterhilfe 1946 sowie verschiedene Arbeiten für das Rote Kreuz. Verblüffend, aber irgendwie ästhetisch verwandt mit den China- und Afrika-Plakaten ist die Affiche gegen die Zahntechniker-Initiative. Dieses Plakat spricht durch seinen suggestiven Appellcharakter an. Am Anfang der Nachkriegsphase von Ernst Kellers Œuvre steht das schon erwähnte Plakat für das Museum Rietberg, das Keller zwar zur Realisierung freigegeben hatte, von dem er aber anscheinend nicht vollständig überzeugt war. Unter den verschiedenen Plakaten dieser Periode sind insbesondere folgende zu erwähnen: das Zürcher Kantonalschützenfest (1947), Pferd und Mensch (1956) und Plakate für die Internationale Ruderregatta (1968). Besondere Themen behandelten die Plakate «Bel Ricordo», ein Wettbewerb für gute Schweizer Reiseandenken (1949), der Medientitel


129 «Chamäleon» (1956) für das Organ des Verbandes Schweizerischer Grafiker VSG und ähnliche Entwürfe von Schriftzügen für seine Enkelin oder das Ruderboot seines Sohnes. Ab etwa 1950 intensivierte sich die Arbeit wieder. Es entstand eine ganze Anzahl Logos oder Signete. Darunter für Odoardo Fries – Südfrüchte en gros, Bucher, Wollgan, Veterinaria oder den Schweizerischen Buchhändler-Verein. Diese Arbeiten sind vor allem durch die Suche nach der essenziellen Form und die starke Vereinfachung geprägt. Die undatierte Arbeit «Papier en gros» für die Firma Burkhardt & Hauser an der Schöntalstrasse 5 in Zürich, die aus dieser Nachkriegsperiode stammen muss, fällt besonders auf. Das haushohe, geometrische P und der typografische Fries, der als Schriftband die beiden Fassaden verband, vermittelte Klarheit und Grosszügigkeit gleichermassen. Leider war es nicht möglich, weitere Aspekte dieses Projekts zu finden, denn diese Firma besteht schon seit Längerem nicht mehr. Man kann nur spekulieren, was für ein Gestaltungsprogramm mit diesen spektakulären Elementen zustande kommen hätte können. Parallel zu seinen kulturellen und kommerziellen Arbeiten hat Ernst Keller zeitlebens immer wieder Arbeiten im sakralen Bereich geschaffen. Es waren das vorerst Grabsteine, etwa die Grabplatten für die Familien von Steiger (1925–1954), der Grabstein für Karl Walser (1943) oder für seinen Kollegen Wilhelm Kienzle (1958). Ab Mitte der Fünfzigerjahre kamen verschiedene Reliefs, Wandgestaltungen und Wandteppiche für protestantische Kirchen dazu. Es handelte sich dabei um Auftragswerke, die zu einem grossen Teil durch Elsie Giauque und Käthi Wenger, die Kolleginnen aus der Textil- und Modeklasse der Kunstgewerbeschule, initiiert wurden. Verschiedene Wandteppiche oder Altardecken wurden so gemeinsam realisiert. In diesen Arbeiten können wir die Bravour von Keller in seinen Schriftkompositionen bewundern. Neben eher traditionellen Realisierungen finden wir äusserst moderne Lösungen. Hervorzuheben sind darunter der Wandteppich in der evangelischen Kirche Schwamendingen (1955), die Textwand in Gold in der evangelischen Kirche Rapperswil sowie die Schriften in der Abdankungskapelle auf dem Friedhof Weinfelden (1958).

Dreidimensionale Arbeiten finden wir in Kellers Œuvre seit 1926 und in der Nachkriegszeit kam eine ganze Serie von Arbeiten im sakralen Bereich dazu [264]


138


139

[278]

Das definitive Resultat, wie es vom Regierungsrat des Kantons Glarus verabschiedet wurde, und wie es in der Publikation Ăźber die Wappen der Eidgenossenschaft und der Kantone eingetragen ist Seite 138: Begleitbrief und Dank von Ernst Keller zum Abschluss des komplexen Projekts fĂźr die Gestaltung des Glarner Kantonswappens [277]


168 [310 a–h]


169 [311 a–h]


172 [313]


173 [314]


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[329]

Säntisfahrt der Fachklasse Graphik, September 1942 ist der Titel einer Publikation, welche die Schüler von Ernst Keller für ihn realisiert haben. Alle haben einen Text oder eine Illustration beigesteuert und nach Aussage von Jacques Plancherel hat Rudolf Specker die Publikation gedruckt. Im Impressum finden wir den folgenden Text: «Herrn Keller gewidmet von den Schülern der Fachklasse, in Dankbarkeit für die schönen Reisetage. Oktober 1942.»

Seite 185 [330]


185


188

Walter Käch (1901–1970) Grafiker, Schriftgestalter

Walter Käch besuchte die Fachklasse für Grafik von Ernst Keller und schloss diese 1921 ab. Zu dieser Zeit übernahm Keller gerade die Fachklasse und es unterrichteten auch international bekannte Schriftgestalter wie Fritz Helmuth Ehmcke, Anna Simons und Rudolf von Larisch an der Kunstgewerbeschule Zürich. Nach der Ausbildung wurde Käch Assistent von Fritz Helmuth Ehmcke an der Kunstgewerbeschule in München. Zwischen 1925 und 1929 war Käch Lehrer für freies Entwerfen und Holzschnitt an der Kunstgewerbeschule Zürich und von 1940 bis zu seiner Pensionierung 1967 unterrichtete er Schrift. Neben seiner Lehrtätigkeit arbeitete er als freischaffender Grafiker und entwarf unter anderem Plakate wie City (1925), Die farbige Stadt (1926), Form ohne Ornament (1927) oder Signete für City Druck (ca. 1940) und die Schweizer Verkehrszentrale (1933).

1

1 Porträt [331] 2 Schreibvorlage als Neujahrs- karte verschickt, 1963 [332] 3 Plakat, 1932 [333] 4 Plakat, 1940 [334] 5 Katalog, 1951 [335] 6 Plakat, 1927 [336] 7 Signet, Schulhaus Herrliberg, 1967 [337] 8 Vorlage aus dem Werk Rythmus und Proportion in der Schrift, Seite 28, 1956 [338] 9 Mit Kreide an die Wandtafel geschriebene Vorlagen [339] 10 Beschriftung, Theater am Hechtplatz, 1959 [340]

Das zentrale Anliegen von Walter Käch aber galt der Kalligrafie und der Schrift. So hat er ganzen Generationen von Schweizer Gestaltern die Gesetzmässigkeiten der Schrift vermittelt. Dies nicht nur Gestaltern, sondern an der Gewerbeschule auch Malern und Konditoren. Ein Luxus, den sich die Gewerbeschule in Zürich leistete, indem sie einen der berühmtesten Kalligrafen mit dieser Aufgabe betraute. Walter Käch hat fundamentale Publikationen wie Rhythmus und Proportion in der Schrift (1956) sowie Schriften; geschriebene und gezeichnete Grundformen (1949), verfasst. Für seine Erforschung der Capitalis monumentalis und seine grundlegenden Erkenntnisse über deren Entstehung und Technik hat Käch internationale Anerkennung erlangt. 2

Quelle: Dr. Mark Buchmann (Hrsg.), Walter Käch, Schriftgrafiker und Lehrer, Ausstellungskatalog, Kunstgewerbemuseum der Stadt Zürich, Zürich 1973.


189

3–6

7,8

9,10


190 1

Richard Paul Lohse (1902–1988) Grafiker, Maler, Autor

Richard Paul Lohse wuchs in Zürich in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen auf. Sein Wunsch war es, Maler zu werden und in Paris zu studieren. 1918 begann er aber eine Lehre als Reklamezeichner in der Agentur Max Dalang. An der Kunstgewerbeschule Zürich besuchte er die Kurse von Ernst Keller und war somit einer seiner ersten Schüler. Lohse absolvierte 1922 die Abschlussprüfung mit Bravour. Auch in der Folge arbeitete er weiter bei Max Dalang, wo er Hans Neuburg und Anton Stankowski kennenlernte. 1930 machte er sich in einer Ateliergemeinschaft mit Hans Trommer selbstständig. Neben seiner Tätigkeit als Grafiker realisierte Lohse freie malerische Arbeiten und gründete 1937 zusammen mit Leo Leuppi die «Allianz, Vereinigung moderner Schweizer Künstler». 1939 arbeitete Lohse für die Landesausstellung in Zürich und begann auch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Escher Wyss. In den späten 1940er-Jahren gestaltete er die Zeitschrift Bauen+Wohnen und war redaktioneller Mitarbeiter. Etwa zur gleichen Zeit begann die Zusammenarbeit mit der Firma Wohnbedarf. Von 1958 bis 1965 war er zusammen mit Hans Neuburg, Josef Müller-Brockmann und Carlo Vivarelli Herausgeber und Redaktor der Zeitschrift Neue Grafik. Lohse war einer der wichtigsten Schweizer Gestalter und Pionier in der systematischen Anwendung von Rastersystemen. Zudem war er als Autor und Redakteur tätig und sein Buch Neue Ausstellungsgestaltung von 1953 wurde zum Standardwerk. Richard Paul Lohse war ein international anerkannter Gestalter und sicher einer der wichtigsten Schweizer Künstler des 20. Jahrhunderts.

2

3


191 4

1 Porträt [341] 2 Buchumschlag, 1938 [342] 3 Diagonalordnung aus heller Gleichung und Kontrast, 1956/1975, Öl/Leinwand 120×120 cm [343] 4 Plakat, 1964 [344] 5 Titelblatt, 1954 [345] 6 Plakat, 1950 [346] 7 Broschürentitel, 1960 [347] Quellen: Richard Paul Lohse-Stiftung (Hrsg.), Richard Paul Lohse. Konstruktive Gebrauchsgrafik, Ostfildern-Ruit, 1999

5–7


206 Josef Müller-Brockmann (1914–1996) Grafiker, Autor Josef Müller-Brockmann begann eine Lehre als Grafiker, die er aber abbrach, und lernte von 1932 bis 1934 als Volontär bei Ernst Keller in der Fachklasse für Grafik an der Kunstgewerbeschule Zürich. Seine Ausbildung vervollständigte Müller-Brockmann mit dem Besuch verschiedener Vorlesungen an der Universität Zürich. Ab 1934 arbeitete er als selbstständiger Gestalter. Für die Landesausstellung 1939 in Zürich realisierte er den Ehrenpavillon der Schweizer Universitäten und die Darstellung der Kunstgeschichte der Schweiz und des Sektors «Physik und Medizin» für die ETH Zürich.

1

1 Porträt [410] 2 Gestaltungsprobleme des Grafikers, 1961 [411] 3 Rastersysteme, 1981 [412] 4 Plakat, 1960 [413] 5 Erscheinungsbild, 1958 [414] 6 Anzeige, 1965 [415] 7 Plakat, 1951 [416] 8 Plakat, 1958 [417] 9 Plakat, 1960 [418] Quellen: Kerry William Purcell, Josef Müller-Brockmann, London 2006 Josef Müller-Brockmann, Mein Leben. Spielerischer Ernst und ernsthaftes Spiel, Baden 1994

Zwischen 1950 und 1972 gestaltete Müller-Brockmann unzählige Plakate für die Konzerte der Tonhalle Zürich, die nachhaltig die internationale Plakatgestaltung beeinflussten. Mit seiner Agentur beriet er wichtige Unternehmen wie IBM, Weisshaupt, Rosenthal und die Schweizerischen Bundesbahnen, um nur einige zu nennen. Von 1956 bis 1960 übernahm Müller-Brockmann die Leitung der Grafikklasse an der Kunstgewebeschule Zürich und publizierte in dieser Zeit das Standardwerk der Gestaltungsausbildung Gestaltungsprobleme des Grafikers. Ebenfalls 1956 gründete er zusammen mit Lohse, Neuburg und Vivarelli das stilbildende internationale Designmagazin Neue Grafik, viele der Beiträge firmieren sie gemeinsam mit LMNV. Müller-Brockmann war auch ein produktiver Autor und verfasste diverse Bücher zur Geschichte der Visuellen Kommunikation und zu Rastersystemen. Er repräsentierte die Schweizer Gestaltung weltweit mit Vorträgen und seiner Lehrtätigkeit an der hfg Ulm und als Gastdozent an den Designschulen von Tokio und Osaka. 2,3


207

4,5

6

7–9


224 Fred Troller (1930–2002) Grafiker, Maler, Plastiker Fred Troller absolvierte die Fachklasse für Grafik von Ernst Keller an der Kunstgewerbeschule Zürich und schloss 1950 ab. 1961 emigrierte Troller nach New York, wo er zu Beginn für den Filmproduzenten Louis de Rochemont arbeitete. In den 1960er-Jahren wurde er Design Director der Geigy Chemical Corporation. Für Geigy USA realisierte Troller eine grosse Anzahl von Projekten – von Verpackungen zu Plakaten und von Anzeigen bis zu grossflächigen Bildern für die Geigy-Produktionsstätten. Mit diesen Arbeiten beeinflusste Troller die amerikanische und speziell die New Yorker Graphic-Design-Szene nachhaltig.

1

1 Porträt [483] 2 Anzeige, 1963 [484] 3 Wanddekoration, Sandoz-Wander Inc., East Hannover, N.J. [485] 4 Anzeige, 1963 [486] 5 Poster, ca. 1965 [487] 6 Malbuch, 1964 [488]

1986 gründete er sein eigenes Studio Troller Associates und spezialisierte sich auf die Entwicklung von Corporate-Design-Programmen. Er realisierte umfangreiche Projekte für IBM, Exxon, General Electric und American Airlines. Fred Troller übte auch eine intensive Lehrtätigkeit aus und hielt Vorlesungen und Kurse an der Cooper Union, der School of Visual Art und der Rhode Island School of Design. Von 1988 bis 2000 war er Vorstand des Design Departments der Alfred University in New York. .

Quellen: «Fred Troller. 1930–2002», in: Graphic Design Archiv Online, RIT Libraries, Rochester Institute of Technology, online unter: https://library.rit.edu/gda/designers/fred-troller (zuletzt abgerufen: 16.6.2017) 2 Steven Heller, «Fred Troller, 71, Champion of Bold Graphic Style», in: New York Times vom 24. Oktober 2002.


225 3

4–6


226

Lora Lamm (1928) Grafikerin, Illustratorin

Lora Lamm besuchte an der Kunstgewerbeschule Zürich den Vorkurs und danach die Fachklasse für Grafik von Ernst Keller. Sie legte ihre Abschlussprüfung 1951 ab. Nach ersten Erfahrungen in einer Werbeagentur in Zürich übersiedelte Lamm 1953 nach Mailand, wo sie anfangs im bekannten Studio Boggeri und anschliessend als Verpackungsgestalterin bei der Firma Motta Panettone Milano arbeitete.

1

1954 holte Max Huber Lora Lamm in die Werbeabteilung des berühmten und eleganten Mailänder Warenhaus la Rinascente, dessen Art Director sie 1958 wurde. In der Folge verantwortete Lora Lamm eine grosse Anzahl von Projekten und Kampagnen für la Rinascente, die als stilbildend für die Grafikszene dieser Zeit anerkannt wurden. Sie arbeitete in Mailand auch als freie Mitarbeiterin für Elisabeth Arden, Pirelli, Niggi, Latte Milano und weitere. 1963 kehrte Lamm nach Zürich zurück und wurde Partnerin in der Werbeagentur von Frank C. Thiessing. Die Agentur arbeitete für renommierte nationale und internationale Kunden und gestaltete prägnante Plakate für Cynar, Loden Frey oder die Ausstellung Das Phänomen Davos.

2


227

3

1 Porträt [489] 2 Plakat, 1976 [490] 3 Plakat, ca. 1960 [491] 4 Plakat, 1963 [492] 5 Plakat, 1957 [493] 6 Plakat, 1960 [494] Quellen: Lora Lamm, Nicoletta Ossanna Cavadini, Lora Lamm. Grafica a Milano 1953–1963. Graphic design in Milan 1953–1963, Ausstellungskatalog Centro Culturale Chiasso, Cinisello Balsamo 2013 Interview mit Lora Lamm vom 11. Mai 2011

4–6


236 2,3

1

1

1

1 Originaltafeln und Fragmente der ursprßnglichen Beschrif tung von 1933 [521–523] 2 Detail der Beschriftung, nach der Sanierung 2017, mit der Schrift Rektorat auf der typischen Sprenkelmuster- Tapete [524] 3 Beschriftung im Eingangs- bereich, 2017 [525] 4 Das Schriftprogramm Rektorat mit seinen 14 Schriftschnitten [526]


187 5

Ernst Keller – Kein Stil

237

If there is such a thing as ‹Swiss graphics›, it is Rektorat Hairline Rektorat Hairline

certainly due to Ernst Keller. When he took Rektorat Thin Rektorat Thin

over the newly formed graphics class at the Rektorat Light Rektorat Light

Kunstgewerbeschule (School of Arts and Rektorat Regular Rektorat Regular

Crafts) in Zurich in 1918, at the age of only 27, Rektorat Medium Rektorat Medium

the graphic design profession in Switzerland Rektorat Bold Rektorat Bold

was still in its infancy. As a result of the Rektorat Heavy Rektorat Heavy

strict design standards he set as a teacher, Rektorat Text Heavy Rektorat Text Heavy

and of the influence exerted by his own Rektorat Text BoldBold Rektorat Text

pioneering work, particularly in the poster, Rektorat Text Medium Rektorat Text Medium

in symbols and lettering, a generation of Rektorat Text Regular Rektorat Text Regular

graphic designers grew up in Switzerland which Rektorat Text Light Rektorat Text Light

was later to give the country a leading Rektorat Text Rektorat Text ThinThin

place in the international graphic design scene. Rektorat Text Hairline Rektorat Text Hairline Zitat: Walter Herdeg in Graphis 184, 1976 Text: Walter Herdegg in Graphis 184, 1976


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