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Jahresbericht

Schule in Bewegung

18 19


Rudolf Steiner Schule Solothurn RSSS

Allmendstrasse 75

CH-4500 Solothurn

RUDOLF STEINER SCHULE SOLOTHURN

Telefon 032 622 41 12

www.steinerschulesolothurn.ch

info@steinerschulesolothurn.ch

Kurzbiografie 1977

Eröffnung mit 65 Kindern, auf vier Schuljahrgänge und einen Kindergarten KG verteilt;

Ausbau bis 9. Klasse

1983

Ergänzung durch das 10. Schuljahr

1992

Mitgründung der Regionalen Oberstufe Jurasüdfuss ROJ mit 11. und 12. Schuljahr,

in enger Zusammenarbeit mit den Schulen Biel und Langenthal

2005

Ausbau Oberstufe zur Mittelschule Regio Jurasüdfuss ROJ: 11. und 12. Schuljahr als

integrative Mittelschule IMS; 10. bis 13. Schuljahr als Fachmittelschule FMS

2011

Kauf Allmendhof und damit Erweiterung des Schulgeländes um 1,2 ha.

Heute

Schuljahr 18/19: 1 Kindergarten, 1. bis 12. Klasse, ergänzt mit 1 Eltern-Kind-Gruppe und 2 Spielgruppen;

Schulergänzende Kinderbetreuung «Schuki» (Tagesstruktur) Mo–Do: Mittagstisch und Nachmittag

(ausser Mi und Fr Nachmittag); Schulküche «Cibus» Mo–Do: Mittagessen für Kinder und Erwachsene;

157 Schülerinnen und Schüler aus 109 Schulfamilien, 25 Lehrpersonen in Teil- und Vollpensen.

Jahresbericht 18/19 der Rudolf Steiner Schule Solothurn RSSS, Schweiz Redaktion: Ursula Remund • Lektorat: Kathryn Frank Wir bedanken uns bei allen, die Texte und Bilder beigesteuert haben, für die erfreuliche Zusammenarbeit. Grafik / Layout: Flavia Travaglini & Lukas Märki, www.travamaerk.ch • Auflage: 1000 Exemplare Diese Schulmitteilung wurde mit freundlicher Unterstützung der Weleda AG gedruckt.


Liebe Leser und Leserinnen Das Jahr 2019 ist für alle Steiner Schulen und ihre Kindergärten weltweit ein ganz besonderes, da sich die Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart zum 100. Male jährt. Vieles hat sich seither geändert in den Schulen und auf der Welt! So ist heute z. B. Stenographie für uns ein Fremdwort, wie vor hundert Jahren für die damalige Generation Medien und Informatik Fremdwörter waren.

Inhaltsverzeichnis Vorschule – Gruppen für Kleinkinder und Eltern 4 Spielgruppe – Kinder, Kinder sein lassen 5 Kindergarten – Das freie, fantasievolle Spiel ... 6 Carnaval des animaux – Klassenübergreifendes Eurythmieprojekt zu Waldorf 100 7 1. und 2. Kl. Gemeinsam unterwegs 8 3. Kl. ... viel zum Merken 9

Es gibt in diesem Jubiläumsjahr globale, länderspezifische, regionale und lokale Aktivitäten. An einigen davon haben auch wir uns beteiligt. So hat jede der über tausend Waldorf und Steiner Schulen eine von den Schülerinnen und Schülern gestaltete Postkarte verschickt – wir haben ganz viele aus aller Welt bekommen! Am Grossanlass in der Schweiz, den Hermes Olympischen Spielen, hat unsere 4./5. Klasse teilgenommen. Sie berichtet darüber auf ihrer Klassenseite. Regional haben die Steiner Schulen des Kantons Bern und Solothurn einen Anlass in Bern organisiert. Unsere Klassen haben sich auf dem Münsterplatz mit hunderten Schülerinnen und Schülern aus der Region zusammengefunden und ausgetauscht. Mehr für die Erwachsenen war das Nachmittagsprogramm im Rathaus mit Vorträgen, Präsentationen, Austausch und Begegnungen. Der Höhepunkt für uns in Solothurn war das klassenübergreifende Eurythmie-Projekt zu Camille Saint-Saëns «Carnaval des animaux». Zahlreiche Fotos dieses Anlasses finden Sie in dieser neuen Ausgabe von «Schule in Bewegung». Liebe Leserinnen und Leser, wir freuen uns, Ihnen wieder einen bunten Einblick in unsere Schule zu gewähren! Es ist beeindruckend und berührend, zu sehen, wie die Kinder zuerst aus den Familien hinaus in eine Gruppe Gleichaltriger bis hin zur 12. Klasse gehen, und dann auf ihre Schulzeit zurück – und auf ihren weiteren Weg vorausblicken. Viel Vergnügen bei der Lektüre!

4. und 5. Kl. Die Hermes Olympischen Spiele 10 6. Kl. Sternschnuppen in Ces 12 7. Kl. Was die Rechtschreiberegeln mit einer Wüstenkarawane zu tun haben 14 8. Kl. Die Jugendfeier - ein Schwellenübertritt 16 9. Kl. Zwanzig neue Nasen im Pavillon 17 10. Kl. Der Schritt ins Langzeitpraktikum 18 11. Kl. Ganz neu zusammengewürfelt 20 Three Nationalities – one Igloo 21 12. Kl. Was wir mitnehmen nach zwölf Jahren 22 Theaterprojekt «Chocolat» 24 Schwerpunkt Jugendalter Unsere Jugend ... 25 Schülerrat 25 Informatikunterricht 26 Schulführungskonferenz SFK 27 Lehrpersonen und Unterstützung 2018/2019 29 Qualitätsentwicklung 30 Abschied, Dankeschön und Neubeginn

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Naturlädeli 34 Bücherantiquariat 35 Verwaltungskreis VKR 2018/2019 36 Mandatsgruppen 36 Was wäre, wenn ... 37 Sommerspielfest «Spiel mit!» 38

Ursula Remund

Agenda 2018/2019 52


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Vo rs ch u l e > G r u p p en f ü r K l ei n k i n d e r u n d El te r n

Von der Kraft der Vorbilder

Ann-Sophie Schramm Kindergärtnerin

Marina Suter Kindergärtnerin

Als erfahrene Kindergärtnerinnen wissen wir, wie zentral Rituale, Rhythmus sowie die Wiederholung sind. Die Kindergartenkinder orientieren sich daran, und es gibt ihnen Sicherheit und Halt. Nach den Osterferien sind wir mit der Eltern-Kind-Gruppe gestartet und durften bereits am zweiten Nachmittag erleben, dass der Rhythmus und die Rituale auch für die ganz kleinen Kinder wichtig sind, was uns sehr berührte. Ein neunzehn Monate alter Junge kommt hinein gesprungen und weiss genau, wo seine Lieblingsspielsachen vom letzten Mal zu finden sind. Er freut sich riesig und beginnt gleich damit zu spielen. Selbst die Rituale, die wir angelegt haben, fruchten bereits nach dem zweiten Mal. Die kleinen Kinder wissen genau, dass wir bei den Kissen starten und aus dem roten Buch singen. Mittlerweile helfen sie mit, die Bücher zu verteilen und wieder einzusammeln.

Doch das tollste Ritual, das wir für die Kleinen haben, ist wohl das Händewaschen vor dem Zvieri. Sobald das Zvieri vorbereitet ist, stehen schon alle Kinder vor dem Becken, um die Hände zu waschen. Kaum sind sie an der Reihe, helfen sie mit und halten ihre kleinen Hände über die Schüssel. Das Schwierigste am Ganzen ist, dass sie mit dem Händewaschen gar nicht mehr aufhören wollen. Selbst das Erinnerungsvermögen, das die Kleinen schon mitbringen, ist faszinierend. Ein sechzehn Monate altes Mädchen liebt unsere Perlenketten und legt sich alle um den Hals und will keine mehr weggeben. Ein Junge erinnert sich das nächste Mal daran und bringt ihr eine Kette nach der anderen - einfach schön.

Die Arbeit mit den kleinen Kindern jeden Dienstagnachmittag ist wunderbar und sehr spannend – sie lernen jedesmal wieder etwas Neues. Wir freuen uns sehr, die Eltern-Kind-Gruppe leiten zu dürfen und hoffen, dass noch mehr Kinder und Eltern den Weg zu uns finden. Ann-Sophie Schramm, Marina Suter

Mehr Informationen zu unserem vorschulischen Angebot erhalten Sie im Schulsekretariat


Sp i el g r u p p e

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Kinder, Kinder sein lassen Seit März dieses Jahres habe ich die Spielgruppe «ZwärgeRiich» von meiner Vorgängerin übernommen, zuerst als Vertretung. Nun aber werde ich ab Sommer meine erste eigene Spielgruppe leiten. Ich freue mich sehr, in diese Aufgabe hineingerutscht zu sein. Ich sehe mich nun als Begleiterin der Kinder auf einem Stückchen Ihres Lebensweges. Freya Kuehn Gruppenleiterin

Mir ist es ein grosses Anliegen, die Kinder, Kinder sein zu lassen. Ebenso ist es mir ein grosses Anliegen, dass sich alle, die mit Kindern zu tun haben, bewusst werden, was es heisst, dass ein Kind bis zu seinem siebten Lebensjahr ganz Sinnesorgan ist. Es saugt überall alles auf, was es mit seinen Sinnen wahrnimmt. Es ahmt seine Umwelt nach und ist noch ganz offen und äusserst aufnahmefähig. Es sieht im Erwachsenen stets ein Vorbild. Diese Tatsache lädt dem Erziehenden eine grosse Verantwortung auf. Deshalb sollten wir zum Beispiel auf eine kindgerechte Sprache achten.

Der Morgen in der Spielgruppe läuft so ab, dass die Kinder eins nach dem anderen ankommen. Bis alle da sind, lasse ich ihnen Zeit für das Freispiel. Jeder Tag hat seinen bestimmten Ablauf. Wiederholung gibt Sicherheit und Vertrauen. Wenn dann alle angekommen sind, beginne ich mit Liedern, Versen, Hand- und Fingerspielen und kleinen Geschichten. Jeden Dienstag wird bei uns gebacken. Die Kinder dürfen eins nach dem anderen zu mir an den Tisch kommen. Dort steht eine Schüssel mit warmem Wasser. Nun singen wir: Hände waschen, Hände waschen, ja das ist so schön! Anschliessend bekommt jedes seine Backschürze angezogen, und wir machen uns daran, den Teig kräftig zu kneten, zu klopfen, zu ziehen, zu stossen … und schon bald erfüllt ein herrlicher Duft den Raum!

Am Freitag ist unser Draussentag und Naturtag. Nach dem Freispiel, wenn alle Kinder da sind, steigen wir in die Regenhose und die Gummistiefel und ziehen uns wetterentsprechend warm an. Fahren wir heute wieder Schiffchen? Ja, wir fahren tatsächlich Schiffchen auf dem Allmendhof! Die Kinder verbinden sich hier mit der Natur. Sie dürfen sich dreckig machen, sie dürfen mit Stöcken spielen, sie dürfen sich raufen und in die Pfützen springen. Und wie sich alle freuen, sich ins Stroh fallen zu lassen, oder die Schnecken zu sammeln und zu beobachten, wie jedes Schneckchen langsam, ganz langsam die Fühler raus streckt und streckt – und schwupps wieder einzieht. Manche Kinder kochen feine Süppchen, andere bauen Zwergenhäuser und wieder andere schaukeln, machen Feuer und entdecken, was es sonst noch so gibt. Ich habe mich mit der Spielgruppe auf einen neuen Weg begeben. So wie die Kinder, lerne auch ich viel Neues. Herzliche Grüsse aus dem Zwergenreich

Freya Kuehn


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K i n d erga r ten

Das freie, fantasievolle Spiel ist das Herzstück der Waldorfpädagogik im Kindergarten In der Erziehung gibt es eine Zauberformel: Rhythmus und Rituale. Diese beiden zusammen erleichtern einer erziehenden Person so manche Alltagssitua­ tionen. Rhythmus. Bei einem rhythmischen Tagesablauf hat alles seinen geregelten Ablauf, alles seinen bestimmten Ort, seine bestimmte Art und Weise und ist Tag für Tag gleich, regelmässig und verlässlich. So fällt das Aushandeln und Diskutieren weg, und es erspart allen viele nervenaufreibende Auseinandersetzungen. Rhythmus verknüpft mit schönen Ritualen macht diesen lebendig und nicht schematisch und spricht so das kindliche Gemüt und die Willensfreude an. Um einen rhythmischen Tagesablauf gestalten zu können, müssen sich die erziehenden Personen überlegen, was die

wesentlichen Vorgänge an jedem Tag sind, welche Reihenfolge der Vorgänge sinnvoll ist und zu welchen Zeiten wo und was stattfinden soll. Rhythmus muss eingeübt werden, Tag für Tag genau gleich. Ein neuer Rhythmus braucht vier Wochen, bis er gefestigt ist. In der Wiederholung liegt die Kraft. Ann-Sophie Schramm Kindergärtnerin

Rituale. Rituale beseelen das Kind und geben ihm Sicherheit. Auch erleichtern Rituale den Alltag. Sie können bei Übergängen, z. B. vom Spielen zum Aufräumen, die Unsicherheiten überwinden und den Wechsel in ein schönes Erlebnis verwandeln. Rituale mit Liedern und Sprüchen sprechen den Geist und das Herz der Kinder an. Rituale mit liebevollem Körper- und Augenkontakt, z. B. beim Trösten, Begrüssen, Gute-Nacht-Sagen usw., sprechen die ganze Persönlichkeit des Kindes an, geben ihm Halt, Ge-

borgenheit und machen es selbstsicher. Das Wichtigste bei den Ritualen sind das Gemeinsame von Kind und Erwachsenem und das immer Wiederkehrende. Der Kindergartenalltag ist rhythmisch mit Ritualen durchgestaltet, alles ist jeden Tag und jede Woche gleich. Die Kinder wissen genau, was worauf folgt, ohne dass ich etwas sagen muss. Ein Spruch oder ein Lied führt über zum Backen, Zeichnen, Malen, Aufräumen etc. Eine hospitierende Person, die sich mit unserer Pädagogik nicht auskennt, staunte und sagte danach, ich hätte den Kindern nie eine Anleitung gegeben oder gesagt, was sie machen sollen, und trotzdem hätten sie alles gemacht, was sie sollten. Sie verstehe nicht, wie das gehe, und sei sehr beeindruckt. Ann-Sophie Schramm


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Klassenübergreifendes Eurythmie-Projekt zu Waldorf 100: Carnaval des animaux Camille Saint-Saëns

Wir hatten uns entschieden, dieses Jahr – nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem «Waldorf 100»-Jubiläum – mit einem besonders künstlerischen Projekt an die Öffentlichkeit zu treten, dem «Carnaval des animaux» von Camille Saint-Saëns. Wir brachten dieses Stück in eurythmischer Darstellung auf die Bühne unter Beteiligung aller Klassen und des Lehrerkollegiums.

Es ist Montag. Noch fünf Tage bis zu den Aufführungen! Die Schulgemeinschaft trifft sich jeweils nach der Pause im Theatersaal, um den Carnaval des animaux zu üben. Die Klassen sind gespannt auf die anderen Klassen und sehr aufgeregt. Bei der ersten Probe geht aus Sicht der 1. und 2. Klasse viel schief, und bei den anderen war alles perfekt! wird danach im Klassenzimmer behauptet. Das dem nicht so war, das haben die Kinder im Verlaufe der Woche erfahren.

ten Auftritt: Die wilden Esel stürmen auf die Bühne. Diesen Auftritt finden die Kinder gelungen, fast werden sie etwas übermütig. Schon wieder heisst es umziehen, diesmal die Kängurumützen und die mit Sugus gefüllten Säckchen. Dass die Kinder die Bühne betreten, während vorne noch eine Aufführung läuft, und sie sich an der Seite bereits wunderbar positionieren, das werde ich erst später auf dem Video sehen. Dann kommt schon der letzte Auftritt vor dem Finale: die Kuckucks. Mit diesem Auftritt sind sie später gar nicht zufrieden. Der Frust vergeht schnell, denn bald steht das grosse Finale an. Stolz zeigen die Kinder nochmal eines ihrer Tiere, dann kommt die Extrarunde durch den Saal, aussen um den Konzertsaal herum und wieder auf die Bühne. Alle Schüler und Schülerinnen rennen zwischen den spalierstehenden Schwänen hindurch und begeben sich wieder auf ihre Plätze. Wunderbar die Musik des Orchesters und der Applaus des Publikums!

Am Donnerstag und Freitag übten wir im Konzertsaal auf der richtigen Bühne, die Aufführungen kommen näher und die Anspannung steigt. Bei der Generalprobe mögen die Kinder fast nicht still sein hinter der Bühne.

Am Ende des Abends darf ich ganz viele glückliche, aber müde Kinder verabschieden. Es scheint, als ob sie in diesen drei Stunden alle mindestens einen Kopf grös­ ser geworden sind.

Ganz andere Kinder begegnen mir am Abend: Aufgeregt und angespannt sind sie zwar immer noch, aber sie sind auch ruhig und freudig. Sie bereiten sich auf ihre Auftritte vor, schauen, dass sie alle Requisiten in ihrem Kartonkistchen bereitliegen haben. Und los geht’s!

Das Kollegium widmet sich all den Aufgaben, welche nach einer solch intensiven Woche anstehen. Als alles aufgeräumt und wieder an die Schule zurückgebracht worden ist, ist auch hier Feierabend.

Marc Schluep, ein Schulvater, hat die beiden Aufführungen fotografisch festgehalten, und diese Fotos dienen nun als Illustration des diesjährigen Jahresberichts «Schule in Bewegung».

Die Intensivwoche – Blick hinter die Kulissen

Nach dem ersten Auftritt kommen die Löwen von der Bühne. Nicht alles läuft nach Plan, einige sind etwas verunsichert ... Aber schon geht es weiter mit dem nächs-

Einen herzlichen Dank an alle, welche dieses Projekt durch ihre fleissige Mithilfe ermöglicht haben! Magdalena Röösli


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1.  u n d 2 .  K la ss e

Gemeinsam unterwegs Seit den Sommerferien sind die 1. und die 2. Klasse gemeinsam unterwegs. Wir haben stürmische Zeiten erlebt, etwa zu Beginn des Schuljahres. Damals war für die 1. Klasse noch so vieles ganz neu und für die 2. Klasse schon so vieles ganz klar. All die kleinen Handzeichen, Flötenmelodien und Regeln, welche sich im ersten Schuljahr mit der 2. Klasse eingespielt hatten, mussten nun auch der neuen 1. Klasse erklärt werden. Bald kam wieder die Buchstabengeschichte für die 1. Klasse und die 2. Klasse übte sich im Schreiben der Buchstaben und kleinen

Texten. Manchmal war die Buchstabengeschichte so spannend, dass auch die Zweitklässler ihren Stift hinlegten und zuhörten. Ein tolles Leseheft hat den Weg in die Pulte gefunden: «Die ganze Welt ist kunterbunt» steht auf der Titelseite geschrieben, und die Kinder haben die kleinen Geschichten mit viel Freude gelesen. Die Zahlen liessen uns auch dieses Jahr nicht in Ruhe. Mit unseren vier Rechnungszwergen übten wir

fleissig die vier Grundoperationen und haben sogar gelernt, wie wir im Kreis unendlich weiter rechnen können, wenn diese vier Zwerge die richtigen Zahlen nehmen. Ein sehr wichtiger Teil für die Kinder sind die gemeinsamen Spielzeiten, sei es in der Pause oder am Naturtag im Wald. Bei diesen Gelegenheiten geniessen sie das freie Spiel und tauchen richtig in ihre Geschichtenwelt ein. Da sind sie dann Pferde und Reiter, Räuber und Polizisten, Waldarbeiter, Einhörner, Jäger und vieles mehr. Einmal an unserem Waldplatz angekommen und durch das Znüni gestärkt, verschwinden die Kinder im Wald und kommen manchmal erst wieder hervor, wenn wir wieder den Rucksack für den Heimweg packen müssen. Für mich ist es eine Freude, die Kinder in ihrem freien Spiel zu beobachten und sie von einer ganz anderen Seite zu erleben als im Klassenzimmer. Magdalena Röösli

Magdalena Röösli Klassenlehrerin


3 .  K la ss e

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… viel zum Merken Dieses Jahr hat der Stolti viel mehr auf die Uhr geschaut. Wir hatten jetzt gar nicht mehr so viel Pause. Kaum hat das Spielen so richtig Spass gemacht, mussten wir auch schon wieder rein. Spielen macht mir nämlich am meisten Spass in der Schule. Mit den anderen zusammen denken wir uns oft Geschichten aus und dann spielen wir das. Ich könnte solche Sachen den ganzen Morgen machen, aber das geht eben nicht. Ich verstehe ja schon, dass wir etwas lernen müssen. Aber das

Achim Stoltenberg Klassenlehrer

ist halt dann nicht immer so lustig. Manchmal machen wir coole Sachen, zum Beispiel malen oder basteln. Malen ist eigentlich mein Lieblingsfach – besonders, wenn wir uns etwas ganz Eigenes ausdenken können. Der Stolti liest dann manchmal vor. «Kalle Blomquist» finde ich mega spannend. Handarbeiten und Turnen macht auch Spass, besonders wenn wir für Ballspiele draussen auf der Wiese sind. Am Anfang müssen wir aber immer um den ganzen Schulhof rennen. Das ist nicht so toll. Jedenfalls bin ich aber schneller als der Stolti! Morgens ist es eigentlich immer gleich: Erst dieses Gedicht, das wir immer sagen, und dann müssen wir noch «sprechen üben». Dabei können wir doch alle schon sprechen! «Laut und deutlich» muss es dann immer sein. Und dann kommt meistens noch Singen. Im Landhaus haben wir einen Kanon gesungen und so lustige Sachen dazu gemacht. Am Anfang wollten wir das gar nicht aufführen, aber der Stolti wollte unbedingt.

Am wenigsten mag ich das Üben von den Zahlenreihen. Das machen wir fast jeden Morgen und ich kann mir das einfach nicht merken. Die 2er- und die 3er-Reihe, die gehen ja noch, aber die anderen finde ich zu schwierig. Ich habe lieber, wenn wir etwas schreiben. Zum Glück dürfen wir dabei auch immer wieder eigene Geschichten erfinden. Ich habe mir eine Tiergeschichte ausgedacht mit einem Bären und einem Hasen, die dann Freunde werden, und die schreibe ich jetzt immer weiter. Der Lehrer will halt, dass wir es dann auch richtig schreiben können. Aber es gibt ja so viele Worte – wie kann man sich denn das bloss alles merken? Achim Stoltenberg


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4 .  u n d 5 .  K la ss e

Die Hermes Olympischen Spiele Jedes Jahr treffen sich die 5. Klassen der Steiner Schulen einer Region, um zusammen die Hermes Olympischen Spiele durchzuführen. In diesem Jahr war es etwas anders, weil die Steiner- und Waldorfschulen auf der ganzen Welt Waldorf 100: Learn to change the world feiern. Deshalb wurden die olympischen Spiele nicht regional, sondern national durchgeführt. Alle 5. Klassen reisten nach Aesch bei Basel an die Birs­eckschule. Auch wir waren mit dabei!

Sara Frank Klassenlehrerin

Thomas Reumer Klassenlehrer

Wir wussten schon einige Wochen im Voraus, dass wir uns auf die Hermes Olympischen Spiele vorbereiten sollten. Im Turnunterricht bei Herrn Reumer haben wir Speerwerfen, Seilziehen und den 1 km langen Marathon geübt, im Epochenunterricht erlernten wir das Bogenschiessen und im Malunterricht entstanden bei Frau Frank Stoffgürtel mit Lorbeerblättern und goldenen Götterzeichen. Für das Abendprogramm haben wir mit der Klasse den griechischen Tanz Sirtaki einstudiert und für die Eröffnung übten wir einen Kreistanz, der dann mit 500 Schülern und Schülerinnen in drei riesigen Kreisen getanzt wurde. Wir standen alle mit unserem Gepäck am Bahnhof in Solothurn und sahen den Zug einfahren. Wir waren sehr aufgeregt und gespannt, wie die nächsten Stunden wohl sein würden. Im Zug trafen wir schon andere 5. Klassen, es war eine sehr fröhliche Stimmung. Als wir in Aesch aus dem Zug stiegen, schauten wir auf eine grosse grüne Wiese. Überall standen Zelte und Tische schön angeordnet herum. Auf dem Gelände angekommen, zeigte uns ein Mitarbeiter das Gelände und verteilte uns die weissen T-Shirts, die wir gleich überzogen. Nach einem Geländelauf, bei dem wir an einem Posten auch unseren erlernten Kreistanz

tanzten, folgte eine Ansprache und dann ein gemeinsames Abendessen. Während des Abendprogramms wurden wir musikalisch von einem Trio begleitet, das Balkanmusik spielte. Alle drei Musikerinnen sind ehemalige Schülerinnen der Birsecker Schule. Wir tanzten, lachten und hatten sehr viel Spass an diesem Abend. So lernten wir auch andere Schülerinnen von anderen Schulen kennen. Als das Abendprogramm vorüber war, durften wir noch hundert Himmelslaternen steigen lassen. Das war mega eindrücklich, wie alle hundert roten Laternen durch den dunkelblauen Nachthimmel segelten!


4 .  u n d 5 .  K la ss e

Nach einer unruhigen Nacht standen nun die sportlichen Disziplinen auf dem Programm. Alle Kinder aus allen Schulen wurden aufgeteilt und es galt, unterschiedliche Disziplinen zu gewinnen: zu zweit Ringen, Weitsprung, Schnelllauf, Wagenrennen mit Kindern an Stelle von Pferden, Speerwurf, Steinstossen und «Stein ins Ziel», Seilziehen, Bogenschiessen, Marathon und das Geschicklichkeitsspiel «Holzringe». Unsere Klassenlehrerin, Frau Frank, betreute die Gruppe «Pallas Athene», die so viele Punkte sammeln konnte, dass sie am Schluss den ersten Platz erreichten. Die Götter und Göttinnen durften am Ende noch weisse Tauben fliegen lassen. Das war ein schöner Moment, als die Tauben in den blauen Himmel aufstiegen. Das waren wunderbare zwei Tage!

Ambra, Lora, Johanna, Liza, Rea

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6.  K la ss e

Sternschnuppen in Ces Nachdem wir uns in der 4. und 5. Klasse gut in der Schweiz mit ihren Gemeinden, Kantonen, Flüssen, Seen und Bergen auskennen lernten, befassten wir uns anfangs 6. Klasse mit der Himmelsgeografie. Wir lernten den Polarstern zu finden und seine nächsten Sternbilder. Wir bastelten uns einen Quadranten, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich die alten Seefahrer und Entdecker Orientierungshilfen suchten.

Elisabeth Stoltenberg Klassenlehrerin

Unser Lager in Ces im Tessin war daher ideal, da es dort keinen Strom und somit auch kein elektrisches Licht gab. Es wurde stockdunkel! Es leuchteten nur noch die Planeten und Sterne. Einzelne Kinder sahen hier ihre ersten Sternschnuppen. Diese Abende und Nächte liessen uns ganz ehrfürchtig werden … Eine Sechstklässlerin schreibt: Erster Tag: (…) Als wir dann oben auf 1'450 m. ü. M. angekommen waren, konnten wir unsere Zimmer einrichten und es uns gemütlich machen. Die Kochgruppe musste sofort kochen, da wir alle sehr Hunger hatten. Die Spätzli und Würstli waren sehr gut. Nach dem Essen spielten wir Volleyball (…) Dann kamen die

gen wir alle mit unseren Matten zum Volleyballfeld, um dort Sterne zu schauen, und dann auch dort zu übernachten. Ich sah nicht nur Mars, Krebs, Saturn, Wega, Schwan, Drache, Kassiopeia, den Grossen und den Kleinen Wagen und den Polarstern, sondern auch sechs Sternschnuppen. Dann erzählte Frau Stoltenberg noch eine Geschichte, aber von der hörte ich nicht mehr viel (…) ersten Sterne (…) Als erstes sahen wir den Mars, dann die Wega und dann den Saturn. Den Jupiter fanden wir erst später (…) Als es dann mehr Sterne hatte, sahen wir den mächtigen Schwan, den Grossen Wagen, die Kassiopeia, den Polarstern und den Kleinen Wagen. Dann mussten wir ins Bett und ich schlief ganz schnell ein (…) Zweiter Tag: Wandertag in Ces: Ich hatte eine wunderschöne Nacht und bin am Morgen ganz frisch aufgewacht. Es gab schon sehr bald Nutellabrötchen und wunderbar frische Milch (…) Nach dem Nachtessen gin-


6.  K la ss e

In diesem Lager war nachts und tagsüber immer viel los. Wir spielten viel, wie z. B. «Schiitli um» oder «Gemsch». Und wir bauten eine Sonnenuhr und mussten diese jede Stunde mit dem Kompass neu einstellen und anzeichnen. Als wir «Nansens Kampf im treibenden Eis des Nordpols» lasen, konnten wir uns ein wenig besser vorstellen, wie er im Juli 1893 mit Hilfe der Sonnenbewegung und der Gestirne als einer der ersten versuchte, den Nordpol zu erforschen. Er war schlussendlich abenteuerliche drei Jahre unterwegs. Wir forschen nun weiter in der Physik und auch auf dem Land in die verschiedensten Richtungen … Und das ist – zumindest für uns – wohl ebenso spannend! Elisabeth Stoltenberg

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7.  K la ss e

Was die Rechtschreibregeln mit einer Wüsten­ karawane zu tun haben In der Geschichtsepoche hörten wir von den Seefahrern und Entdeckern, die mutig in See stachen, um neue Welten zu entdecken. Wie diese Seefahrer gehen die 7. Klass-Kinder in ihrem Leben auf Entdeckungsreise. Die Kindheit ist vorbei, darum geht es auf zu neuen Ufern: neugierig, übermütig, auch unsicher und manchmal voller Angst. In der Geografieepoche entdeckten wir gemeinsam einen fremden, unbekannten Kontinent: Afrika. Unglaublich vielfältig sind dort die Klima- und Vegetationszonen, von den Wüsten bis zum tropischen Regenwald und zum polaren Klima auf der Spitze des Kilimandscharo. Entsprechend vielfältig sind in diesen Lebensräumen Fauna und Flora und die Lebensweisen der Menschen. Grosse Teile Afrikas sind unwirtlich, ja geradezu lebensfeindlich. Die Wüsten sind sehr trocken und tagsüber höllisch heiss, und der Regenwald, der üppiger nicht mehr sein kann, ist auch die grüne Hölle. Menschen können darin kaum leben. Und doch hörten wir von den Berberstämmen, die am Rand und in der riesigen Sahara leben und sie mit ihren Karawanen durchqueren. Wir hörten ihre Musik, die uns etwas von der Stimmung in der Wüste vermittelte. Und wir hörten von den San, den Buschmännern, die in der grössten Sandwüste der Erde, der Kalahari, als Jäger unterwegs sind. Wir hörten von den kleingewachsenen Menschen im Dickicht des Regenwaldes, die noch immer abwertend Pygmäen genannt werden. Und wir lernten die verschiedenen Arten von Savannen kennen: Je nachdem wie viele feuchte und trockene Monate im Jahr vorherrschen, verändert sich

die Landschaft, was sich auch auf die Lebensform der Menschen auswirkt.

Matthias Lüthy Klassenlehrer

Am nächsten kamen wir Afrika, als der aus Togo stammende Joel Equagoo zu uns kam. Er brachte Trommeln mit, und mit ihm haben wir gesungen und getanzt. Wenn du kein Gerät zum Musikhören hast, dann machst du die Musik selber. Singen und Tanzen ist selbstverständlicher Teil meines Alltags. Es war für uns eindrücklich, mit Joel so kraftvoll und natürlich zu singen, gerade weil die Schülerinnen und Schüler in einem Alter sind, in dem viel Unbefangenheit verloren geht. Am Morgen, wenn wir aus unseren Hütten kommen, singen wir zum Dank für den neuen Tag Baba alua osche. Das erinnerte uns ein bisschen an unseren Morgenspruch, und für einen Moment lang bekam dieser eine neue und tiefere Bedeutung. Unser Entdecken von Afrika war die eindrücklichste Epoche in diesem Schuljahr und Joel das Highlight. Dass auf die Entdecker die Eroberer folgten und mit welchen aktuellen Problemen Afrika heute zu kämpfen hat, das alles darf noch bis in die Oberstufe warten. Ein Dreizehnjähriger wacht wie in einem anderen Land auf und die Welt ist ihm irgendwie fremd. Da hilft ihm das Denken, wieder eine Brücke in die Welt zu bauen, so wie es nach dem Rubikon, der ebenfalls ein tiefer Einschnitt in der kindlichen Entwicklung ist, die Schönheit der Welt und Dinge gewesen ist. Wenn so vieles im Leben in Bewegung kommt, wenn Veränderungen und Aufbruch im Leben anstehen, geben zum Beispiel Regeln Sicherheit und Halt, weil sie so wohltuend klar und immer gleich sind. Wo immer möglich suchten wir in der 7. Klasse nach Regeln und Gesetzen, versuchten sie zu verstehen und wollten sie jetzt auch lernen. In der Physikepoche lernten wir das Hebelgesetz kennen, leiteten davon die Balkenwaage ab und suchten immer wieder das Gleichgewicht, indem wir sie mit mehr oder weniger Gewicht ausbalancierten – genau so, wie das im Leben nun ständig eine Herausforderung ist. In der Algebra lernten wir Rechengesetze kennen; nicht alle waren für uns neu, aber jetzt war plötzlich ein grösseres Verständnis möglich. Auch in den Gleichungen begegneten wir wieder der Balance, nämlich dass beide Seiten immer gleich sein müssen, wenn wir Operationen ausführen, um die Unbekannte bestimmen zu können. Und im Deutschunterricht ging es um die Rechtschreiberegeln.


7.  K la ss e

Das Ziel, praktisch fehlerfrei Schrei­ben-Können, tönte für uns alle super. Wir bemerkten, dass wir mit dem Füller und nicht mit dem Fühler schreiben, dass die Hasen fressen und nicht fresen und dass man Hasen nicht mit zwei s schreibt, wenn die putzigen Tiere gemeint sind. Wir lernten die Regeln kennen, welche dahinterstecken. Die anschlies­sende Lernkontrolle fiel etwa so aus, wie das sehr oft in einer Klasse läuft: Ein Teil der Klasse hatte sich gewissenhaft vorbereitet und zeigte ihr neu erworbenes Wissen und Können. Ein anderer Teil schnitt mässig ab, und ein paar wenige konnten praktisch keine Punkte holen. Was jetzt? Ist das einfach normal und wir gehen zum nächsten Thema? Nein, alle sollten es lernen und anwenden können, darum vereinbarten wir eine Wiederholung der Lernkontrolle. Das Ergebnis war dann etwa das Gleiche wie beim ersten Mal. Und jetzt? Die Erfolgreichen wurden gelobt und die anderen dazu aufgefordert, sich nun auch dafür zu interessieren und diese Regeln zu lernen, weil das nur mit Interesse und nichts mit Intelligenz oder Können zu tun hat. Die dritte Lernkontrolle zeigte ein deutlich besseres Ergebnis, aber noch immer beherrschten nicht alle in der Klasse diese Rechtschreiberegeln. Das löste eine lebhafte Diskussion über den Sinn dieser Regeln aus. Die erfolgreichen Jugendlichen wollten auf gar keinen Fall eine weitere Lernkontrolle schreiben, was auch völlig verständlich war. Einig waren wir uns, dass viele Menschen praktisch fehlerfrei schreiben können, ohne zu wissen, dass nach einem kurzen Vokal zwei Konsonanten folgen müssen, und wenn nur einer folgt, dieser deshalb verdoppelt werden muss. Dass aber ein k mit ck und ein z in

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der deutschen Sprache zu tz verdoppelt wird, dass aber nach einem Doppellaut in der Regel der Konsonant gar nicht verdoppelt wird ... Darum beantworteten wir die Frage, ob diese Regeln denn so wichtig sind, einstimmig mit Nein. Und doch ist es ein gutes Gefühl, wenn wir etwas ganz genau wissen und beherrschen, weil wir tatsächlich so lange geübt haben, bis wir es können. Es ist fatal, wenn wir uns ein Ziel vornehmen und nicht alles dafür tun, es zu erreichen, und zu früh aufgeben, bevor wir es erreicht haben. Kolumbus musste weiter segeln, auch als sein Vorhaben, westwärts nach Indien zu gelangen, schon längst keine lustige Seefahrt mehr war. Und die Beduinen auf ihren Karawanen-Reisen durch die unvorstellbaren Weiten der Sahara konnten auch nicht einfach aufgeben, nur weil sie merkten, dass es kein Spaziergang war. Darum gaben wir mit diesen Rechtschreiberegeln auch nicht auf und versuchten es noch anders. Diejenigen SchülerInnen, die sie schon beherrschten, brachten ihr Wissen nun noch den anderen bei. Und das funktionierte bestens. Es war ein wichtiger Moment und ein gutes Gefühl, als Klasse etwas gemeinsam geschafft zu haben und abschliessen zu können. Wir haben auch den Beweis erbracht, dass wir alle solche Regeln lernen können und dass es nichts mit Intelligenz zu tun hat. Wenn es nicht auf Anhieb gelingt, sind dafür ganz andere Gründe entscheidend. So haben wir in der 7. Klasse viel Neues kennengelernt und viel mit- und voneinander gelernt. Matthias Lüthy


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8 .  K la ss e

Die Jugendfeier – ein Schwellenübertritt

Thierry Fink Klassenlehrer

Der freie Religionsunterricht unserer Schule bringt ein christlich-religiöses Element in die schulische Bildung unserer Kinder. In der Unterstufe beinhaltet der Unterricht ganz altersgemäss vor allem biblische Erzählungen und Legenden. In der Mittelstufe dann eher Biographien, andere Religionen, philosophische und ethische Fragen und in der achten Klasse dann immer mehr auch Fragen über sich selbst. Wer bin ich? Was sind meine Überzeugungen und Ideale? Neben dem Unterricht gibt es auch noch die Sonntagshandlung. Diese besteht aus zwei Teilen: einer Einführung meist mit einer Geschichte und einer kultischen Zeremonie vor einem Altar. Die Sonntagshandlung besuchen alle Altersstufen gemeinsam. Höhepunkt und Abschluss der religiösen Bildung an unserer Schule ist dann die Jugendfeier gegen Ende der achten Klasse. Viele Kulturen kennen einen Ritus, um den Übergang von der Kindheit ins Jugendalter zu zelebrieren und ein solcher soll auch die Jugendfeier sein. In der Form ist sie einer Sonntagshandlung sehr ähnlich, die Texte sind aber andere. Während der freie Religionsunterricht von vielen Kindern besucht wird, zeigt sich bei der Sonntagshandlung das Phänomen der zunehmend leeren Bänke wie bei den traditionellen Konfessionen. Die Frage, die uns als

Schule natürlich bewegt, ist, ob eine kultische Handlung grundsätzlich nur noch ganz wenigen Eltern und Kindern ein Bedürfnis ist, oder ob einfach die Form nicht den Bedürfnissen entspricht. Erfreulicherweise ist die Jugendfeier aber immer noch recht beliebt, und das ist nicht selbstverständlich. Während der Pubertät beginnen die Jugendlichen in ihrer Spiritualität sehr individuelle Wege zu beschreiten. Sie können zu den Formulierungen der Handlung nicht ohne weiteres eine tiefere Beziehung herstellen. Über die Teilnahme an der Jugendfeier entscheiden die Kinder selber, und dennoch nehmen durchschnittlich etwa zwei Drittel einer Klasse daran teil. Es ist, als würden sie doch irgendwo tief im Innern nach dem, was ihnen im Kultus entgegenkommt, suchen. In diesem letzten Schuljahr hat Gerwin Mader den Religionsunterricht in der 8. Klasse gestaltet und damit die Kinder zur Jugendfeier hingeführt. Das ganze Jahr über waren die Feier, ihr Inhalt und ihr Sinn immer wieder ein Thema. Intensiv hat sich die Klasse dann eine Woche vor der Feier in einem zweitägigen Lager in FlüeliRanft vorbereitet. Da beschäftigten sie sich mit Bruder Klaus, mit den Inhalten der Jugendfeier, aber am meisten mit sich selber und der Frage, die sie noch ihr ganzes Leben lang begleiten wird: Wer bin ich? Thierry Fink


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Zwanzig neue Nasen im Pavillon

Alexandra Steinmüller Klassenbetreuerin

Was ist eigentlich angenehmer: Die grössten unter den kleinen Schülern zu sein oder die kleinsten unter den grossen?

meinen konnte die 9. Klasse aufblühen und ist gewappnet für die nächste Stufe. Amon Staub

Der Wechsel vom Sich-Gross-Fühlen im Mittelstufengang zum von den Grossen im Pavillon gemustert werden als «die Kleinen» ist schon für einige Klassen ein harter Fall. Auch für unsere jetzige 9. Klasse stand dieser Wechsel an. Ihren Start und einige der Aufgaben, die neu auf sie zukamen, haben eine Schülerin und ein Schüler der 9. Klasse hier nun selbst in Worte gefasst. Alexandra Steinmüller

Die Schülerfirma Zur 9. Klasse gehört natürlich immer eine Schülerfirma, auch A-Team genannt. Schon früh wurde fleissig gearbeitet, denn die Klasse nahm sich vor, mehr Geld als andere zu verdienen. Der Grund: eine Reise nach Berlin. Dadurch, dass Alexandra Steinmüller die Reise plante, sassen wir schon bald im Flieger. Thomi Reber begleitete die Klasse. Vier wundervolle Tage konnte die 9. Klasse in Berlin verbringen, bis es wieder nach Hause ging. Zurück hiess es dann aber voll an die Arbeit. Doch im Allgemeinen arbeiten alle gut und diese Erfahrung mit einer eigenen Firma macht Spass.

Der Schulstart Die 9. Klasse ist trotz der Umstellung souverän und ohne grosse Probleme in das Jahr gestartet. Die neue Umgebung wurde schnell verändert. So wurde zum Beispiel das Klassenzimmer bunt angemalt – ein Pausenraum wurde lanciert. In diesen Räumlichkeiten ist es nun für die Oberstufe möglich, ihre Mittagspause zu verbringen. Auch schulisch hatte die 9. Klasse an den neuen Lehrern und Lehrerinnen Spass. Doch die Jugendlichen merkten, dass jetzt ein anderer Wind weht. Aber im Allge-

Amon Staub

Das Betriebspraktikum Wir wurden kurzfristig ins Berufsleben eingeführt. Zwei Wochen lang mussten wir in einem selbst gewählten Betrieb arbeiten. Es war eigentlich fast alles dabei vom Architekten bis zum Bühnenbeleuchter im Theater. Wir lernten den Berufsalltag kennen und auch Verantwortung tragen.

Wir sollten uns einen Beruf auswählen, bei dem wir uns auch vorstellen könnten, diesen auszuüben. Ein Schüler beginnt jetzt eine Lehre im selben Betrieb, wo er das Praktikum absolviert hat. Für mich selbst war der Beruf, den ich ausgewählt hatte, zwar nichts, aber man konnte viele Erfahrungen und Eindrücke sammeln. Sophie Mühleisen

Das Bauernpraktikum Im Bauernpraktikum war es etwa gleich wie im Betriebspraktikum. Nur übten wir diesmal alle den gleichen Beruf aus, aber jeder in einem anderen Betrieb. Wir konnten sehen, woher das Gemüse oder das Fleisch in den Läden stammt und wie viel Arbeit in Wirklichkeit dahinterstecken kann. Drei Wochen lang halfen wir jeweils auf einem Hof mit. Auch hier erlebten wir den gesamten Alltag mit. Man half ernten, misten, Gemüse zurecht machen und alles, was auf einem Hof halt sein muss. Ich denke, jeden hat dieses Praktikum geprägt. Auch in diesem Praktikum konnten wir viele Erfahrungen sammeln und werden sie vielleicht selber mal anwenden können. Sophie Mühleisen


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10. Klasse – der Schritt ins Langzeitpraktikum*  

Sara Frank Klassenbetreuerin

Die 10. Klasse begegnet zum ersten Mal dem sogenannten Langzeitpraktikum, also einem Praktikum über fünf Monate am selben Ort: Dies absolvieren unsere IMSSchülerInnen in der 10., 11. und 12. Klasse während jeweils zwei Tagen in der Woche. Diese Praktika gehen über ein eigentliches Schnuppern hinaus: Die Ziele des Konzepts sind nicht nur das Kennenlernen eines Berufs oder eines Betriebs, sondern grundlegende Lebenserfahrungen machen zu können im Zusammentreffen mit Lehrmeistern, Mitarbeiterinnen, langweiligen und sinnvollen Aufgaben, dem Gefühl, «wirklich» gebraucht zu werden, für etwas zu kämpfen und – zum Beispiel im Bewerbungsprozess – für sich selbst hinstehen zu müssen. Aber lesen Sie selbst: Eine Auswahl an kurzen Zitaten aus der 10. Klasse sollen am konkret Erlebten zeigen, was das Praktikum bei unseren Jugendlichen ausgelöst hat. David Horisberger

In meinem Langzeitpraktikum habe ich viel erlebt und gelernt. Mir wurde so viel Vertrauen geschenkt, dass ich an einem Abend den ganzen Gardemanger- und Patisserie-Posten übernehmen durfte. Das Schönste war, dass ich einfach willkommen war und ich mich wohlfühlen durfte. Ich freue mich sehr auf die nächsten Jahre und bin glücklich, so ein gutes Team gefunden zu haben. Die 10. Klasse hat sich nur schon wegen des Langzeitpraktikums für mich gelohnt. Noela, Restaurant Salzhaus

Die Arbeit in der Metzgerei war sehr anstrengend, da man die ganze Zeit etwas zu tun hatte und ich so immer im Laufschritt unterwegs war. Es gab Arbeiten, die ich sehr gerne verrichtete, wie z. B. Speckwürfel schneiden, es gab aber auch Aufgaben, die ich nicht leiden konnte, wie z. B. im Tiefkühler Hackfleisch herrichten. Dieser authentische Einblick in die Arbeitswelt war eine Erfahrung, die sich für mich gelohnt hat, auch wenn ich später kein Fleischfachmann werden möchte. Jonathan O., Metzgerei Fischer

Ich lernte die Arbeit eines Zimmermannes und teilweise auch die des Dachdeckers näher kennen. Die Arbeit gefiel mir sehr gut, vor allem auch die Zeit auf dem Dach, die lustigen, sympathischen Mitarbeiter und die abwechslungsreiche Woche. Es war ein sehr kurzweiliges und erfahrungsreiches halbes Jahr!» Liam, Schiess & Fuchs Holzbau


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Auch wenn ich schon immer Lehrerin werden wollte, hat mir mein Langzeitpraktikum nochmals aufgezeigt, wie sehr ich das wirklich anstrebe! Nach schlechten Erfahrungen als Schülerin in der Staatsschule, konnte ich im Schulhaus Brühl sehen, dass es auch anders geht. Elena, Schulhaus Brühl

Ich habe mein Langzeitpraktikum bei einem Glaser absolviert. Mir hat es so gut gefallen, dass ich mich nach dem Praktikum für eine Lehrstelle im selben Betrieb beworben habe. Im August beginne ich die Lehre als Glaser EFZ. Catalin, Glas Atelier Boder

Dank dem ganzen Prozess mit selbständiger Bewerbung, wenig verschwendeter Zeit mit unnötigen Schulfächern und der herausfordernden, abwechslungsreichen und coolen Arbeit mit sympathischen und hilfsbereiten Menschen, war dieses Praktikum das lehrreichste meiner Schulkarriere. Lukas, JUMP TV

Im Praktikum als Metallbauer habe ich gelernt, richtig zu arbeiten, und dass die richtige Arbeit durchaus Freude bringen kann. «Richtig arbeiten» ist für mich, sich auf eine Arbeit einzulassen und dasjenige an der Arbeit zu finden, was einem Freude macht. Pascal, Sutter Schmiede AG

Ich wusste von Anfang an, dass ich nicht Kindergärtner werden möchte. Doch da ich bis zum Praktikumsbeginn keine andere Stelle gefunden hatte, wurde es trotzdem eine gute Erfahrung, die ich aus dem Kindergarten der Steiner Schule Solothurn mitnehmen darf; auch wenn es mir letztlich bestätigt hat, dass die Arbeit mit Kindern momentan nicht in meinem Interesse liegt. Jonathan B., Kindergarten

Das Langzeitpraktikum in einem Polymechaniker-Betrieb hat mir sehr gefallen. Ich wurde mit der heutigen Technik und ihrer Präzision konfrontiert, was sehr beeindruckend war. Ich lernte mich in eine Gruppe von Menschen, die ich nicht wirklich kenne, einzufügen und mit ihnen eine möglichst tolle Zeit zu haben und schlussendlich eine win-win Situation zu erzielen. Laurin, Camec

* Informationen zu den Langzeitpraktika und ihrem pädagogischen Hintergrund in unserer IMS (10.-12. Klasse) finden sie unter: www.steinerschulesolothurn.ch/unser-angebot/oberstufe

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Ganz neu zusammengewürfelt Zu Beginn des Schuljahres war die Spannung gross unter den 11.-Klässlern: Wie sind die «Neuen», sind es interessante Leute, was bringen sie mit, schaffen wir einen Neustart? Bald zeigte sich: Jeder hat seine individuelle Geschichte, ob fremd oder bekannt, und das gegenseitige Kennenlernen nahm seinen Lauf.

Peter Keim Klassenbetreuer

Begeistert folgte der junge Kern der Klassengemeinschaft Ende September der Anfrage des Vereins «Nahkultur» für ihr Projekt «Building Walls Breaking Walls»: Trockenmauern bauen auf dem Grenchenberg gemeinsam mit israelischen, irischen und palästinensischen Jugendlichen für eine Woche. Es folgten weitere Initiativen: ein Filmabend für die Oberstufe, das erste Fotostudio am Bazar der Steiner Schule und die Teilnahme am Jugendprojekt im Gantrisch (vgl. Seite 21). Inzwischen hatte die Klasse erfolgreich verschiedene Hürden im gemeinsamen Tun überwunden und war zu einem selbstbewussten Team zusammengewachsen. Neben den schulischen und ausserschulischen Begegnungen in der Klasse, haben die Jugendlichen viele Erfahrungen in ihren Praktika gesammelt. Peter Keim

Alexandra Steinmüller Klassenbetreuerin

Durch das Langzeitpraktikum bei Radio Chico in Lyss bekam ich einen besseren Einblick in das Berufsleben und kann nun besser einschätzen, was ich später einmal machen will. Ich habe wirklich vieles dazu gelernt, was man nur durch persönliche Erfahrungen lernt. Ich bin jetzt sicherer, was ich später einmal werden will. Joel Ich konnte im Langzeitpraktikum bei Cardiofit in Solothurn viel lernen. Ich hatte viel mit Menschen zu tun aus

verschiedenen Altersgruppen, ich sah mal von einer anderen Seite den Sport und lernte auch viel über die Gestaltung eines Trainingsplanes. Ich hatte sogar das Glück durch mein Praktikum ehemalige Olympiateilnehmer zu treffen. Stefan Sieben Schüler und Schülerinnen – und doch sind wir eine Klasse. Anfangs dachte ich, eine Klasse mit «nur» Sieben sei etwas ganz Komisches. Ich wurde aber schnell vom

Gegenteil überzeugt. Wir sind sieben völlig unterschiedliche Schüler und Schülerinnen, und doch können wir gut zusammenarbeiten, und es ist eine harmonische Stimmung vorhanden. Lernen, wie der andere reagiert und was er zu einer Situation sagt, ist eine tolle Erfahrung. In einer Klasse mit wenigen Schülern und Schülerinnen kann es auch gut mal vorkommen, dass man nur zu zweit oder sogar alleine ist. Dies ist komisch, zugleich aber auch interessant. Es gab Unterricht, bei dem wir mit einer anderen Klasse zusammengeschlossen wurden. Es war cool, dennoch waren wir uns immer einig, dass es immer noch cooler ist, wenn nur wir als Klasse Unterricht haben. Mit einer kleinen Klasse kannst du natürlich auch viel mehr bewegen, z. B. nahm fast die ganze Klasse an einem Internationalen Projekt auf dem Grenchenberg teil. Janina Ich habe in meinen Praktika Verschiedenes gelernt: Im Langzeitpraktikum beim Theater Orchester Biel TOBS, dass mir die Arbeit mit Technik gefällt und im Sozialpraktikum, dass mir Pflegejobs nicht gefallen … Miro


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Three Nationalities – One Igloo Three boys from Switzerland of the 11th class of the Rudolf Steiner School went to the 2100 meters high Gantrisch near Bern. It was a camp in the Swiss mountains, but there were also kids from other countries. 24 different people, with different cultures between 16-18 years old spent together a whole week with snowy activities. First the eight Swiss people picked up the eight Israeli kids from the Basel airport. Later the eight Irish arrived. Everybody learned something new about the life of the others, and everybody ate food from each country. Stefan from Solothurn reported: The food was excellent! Most participants had never seen snow before in their life, so they could jump in the snow for the first time. Once they were snowhiking up the mountain and wore snow shoes. What else they did, you can read in this article about three nationalities in one igloo. Anouk (17)

Let us hear from the participants directly: From 24th February to 2nd March, me and seven others from my school went to a youth exchange camp in Gantrisch. We met at the train station in Solothurn and then drove to the Basel Airport. We picked up the Irish and the Israeli and then drove to Gantrisch. We started talking to some of the Irish pretty early on the trip there. It was easy to start a conversation because they were about the same age as us. On Monday we started by playing games to get to know each other. In the afternoon we had something called Snow Olympics in teams of three (one from each country). After dinner we had our small presentation about Switzerland where we told them about our history and some other things. On Tuesday we went hiking, ate Israeli food and heard about their culture and habits. On Wednesday we built three Igloos and there were always at least two groups of three people (one from each country) taking a walk and answering questions like what they do on the weekend, where they think they’ll be in 10 years and so on. Twelve people slept in the Igloos on that day. On Thursday there was a two hour «session» organized by each country. We played a couple of games on the Irish part, built snow sculptures in the Swiss part and got to be alone and think a little in the Israeli part. One Sheperd's pie later the Irish told us about why they don’t like the British and that they brought Christianity to Switzerland. On Friday the Israeli and the Irish went skiing and we went cross-country skiing. I didn't like it because I wasn't good at it and it started snowing half an hour after we started

which stopped our skis from sliding. One broken ski and a few hours later we returned our stuff and went home. Because it was the last evening there was a small party with music and snacks. We got up really early on Sunday and took the bus to the airport in Basel where the Irish had to catch their flight to Stuttgart. We then brought the Israeli to their hotel in Basel and drove home. I really enjoyed the experience and I made some good friends. I am very happy and grateful for this chance to meet new people from other countries. I re­ commend it to everybody who likes to speak English, make new friends and learn something new about the world. Miro (17)

From front to back: Stephan, Joel, Miro, in the back Christian, also from Switzerland

And Joel (17) adds: For me it was a good experience, too. I learned a lot of new things and we had a wonderful time. I met a lot of new people and made new friends. As we presented to each other our home countries we learned many new things about Israel and Ireland. I would recommend such a youth exchange to everybody! It’s a wonderful experience where you can meet new people and learn many new things … and everybody was funny and nice. The experience was very special for us because, although we have snow every year in Switzerland, most people don’t experience it like we did in the «Gantrisch winter camp». For example, we built three igloos in which we slept in or we went hiking with snow boots. And for some of the foreigners it was all a completely new experience in a wintry Switzerland. Stefan remembers: And the weather was beautiful, I could wear a T-Shirt!


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Was wir mitnehmen nach zwölf Jahren Vieles gibt es zu berichten aus den vergangenen Jahren unserer Schulzeit. Da stellt sich die Frage, was davon es wert ist, berichtet zu werden. Die Erlebnisse, äussere wie innere, die Gefühle, gute wie schlechte, oder die Erfahrungen, prägende wie belanglose? Vermutlich eine endlos lange Liste der möglichen Erzählungen, die in ihrem Kern jedoch alle nicht sehr tiefgründig zu sein scheinen und überdies auf jede andere Klasse an diesem Punkt der gemeinsamen Reise zutreffen könnte.

Mir stellt sich also die Frage: Was genau macht diese, unsere Klasse im Spezifischen und Individuellen zu dem, was sie heute ist? Was ist bezeichnender als alles andere für unsere Gemeinschaft? Selbstverständlich werden sich die Geister scheiden, es bleibt mir nur, meine eigene Sichtweise zu erläutern. Nun, im Rückblick auf unsere Zeit, sticht mir vor allem anderen die langatmige, im Effekt dann jedoch gewaltige Entwicklung unseres Klassenbewusstseins ins Auge. Das Resultat davon mag uns erst jetzt auffallen und dadurch wie eine Folge des näher rückenden Endes wirken, welches sich in letzter Zeit heranbahnen wird. Doch bin ich überzeugt, dass dazu jeder einzelne Schritt der Vergangenheit beigetragen hat und nichts Vergleichbares auf andere, kürzere Weise hätte entstehen können. Jedes Individuum, jede Tat und jedes Ereignis, welches jemals unsere Klasse betroffen, verändert oder gestaltet hat, brachte uns genau an diesen Punkt der Einigkeit, an dem wir heute zumindest partiell stehen. So ist es unser verzweifelter Kampf, im Einzelnen und im Alleingang, Grösse zu erreichen, den wir nun lange genug geführt haben, der uns schlussendlich vor Augen geführt hat, dass es einzig und allein das gemeinsame Miteinander ist, welches uns zu einem wahrhaftigen Gefühl der Grösse erheben kann, dem Gefühl der Grösse, aus einem zusammengewürfelten Haufen Einzelpersonen über einen steinigen, kräftezehrenden und zeitverschlingenden Prozess eine harmonische Einheit des Wir erschaffen zu haben. Und ist es am Ende nicht genau das, was der heutigen Welt fehlt? Ein stärkerer Wille, für das grössere Wohlergehen aller zu handeln, anstelle eines ständigen Versuches, sich gegenseitig zu übertrumpfen. Til Haller, 12. Klasse 2019


Die Skizzen und Ölbilder entstanden im Mai 2019 auf der zweiwöchigen Abschluss- und Kulturreise in Belgien.

Was Sie gerade lesen, ist der Versuch, eine Sache grosser Komplexität in Worte zu fassen. Der Weg der Schule, die Reise des Wachstums. Dies soll eine Art Rückblick sein auf die schulische Laufbahn eines Steinerschülers, zugleich auch ein Ausblick in die Zukunft. Zusammenzufassen, abzuschlies­ sen, sollte nicht eine Aufzählung von erlernten Kompetenzen sein. Vielmehr möchte ich berichten von der Schule, von einer Berührung, einer Art lehrenden Inspiration, welche etwas bewegen konnte in mir. Sie liess eine Idee in mir wachsen, welche nicht durch einen strikten Zwangsglauben eingeschränkt wurde. Eine Haltung, eine Weise, das Leben zu betrachten, die zum Denken und Handeln anregte. Auf meinem Weg an der Steiner Schule waren es bewusste sowie unbewusste Momente und Zeitabschnitte, welche mich zu dem Menschen machten, der ich jetzt bin. Es wäre mir nun möglich, konkrete Konzepte anzusprechen. Vielmehr möchte ich jedoch davon schreiben, was die Steiner Schule bewirken kann, in Bezug auf das Ganze, sich ausbreitend auf alle Ebenen des Seins. Mir scheint, die wichtigste Erkenntnis ist, dass mit diesem Abschluss der 12. Klasse, der Steiner Schule überhaupt, der Weg noch lange nicht zu Ende ist. Wer ich nun bin, meine Identität, wurde stark geformt durch meinen schulischen Weg. Was ich jedoch lernte durch die Waldorfpädagogik, macht ein Stehenbleiben, ein Isolieren und Konservieren dieses jetzigen Ichs unvorstellbar. Gelehrt wird nämlich Selbstständigkeit und Selbstreflexion, ohne den Verlust einer starken Verbundenheit zum Umfeld. Es ist nun also mein erstrebenswertes Ziel, mich zu bewegen, zu integrieren in mein Umfeld und in die Welt, Teil zu werden des Ganzen,

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ohne meine inneren philosophischen Grundsätze zu vernachlässigen, und somit zu wachsen. Mich auf eine Reise zu begeben durch das Leben, bewusst von allem um mich, gleichzeitig fokussiert auf mein Selbst. Dies soll keineswegs der Weg eines Egoisten sein, denn Hilfsbereitschaft und Offenheit zur Veränderung wurden mir vermittelt, bereits als junger Schüler. Damals war eine Wertschätzung dessen schwer, nicht immer konnte ich mich dankbar zeigen. Doch was mir durch grösste Liebenswertigkeit gegeben und beigebracht wurde, hat für mich nun, als erwachsener Mensch, einen enormen Wert. Diese Grundsätze, welche in der Unterstufe oft spielerisch und aktiv thematisiert wurden, konnte ich später tiefgründig verstehen und wertschätzen. Genau dies ist es, was zu einer riesigen Dankbarkeit für eine Kindheit an der Steiner Schule führte. Als Erinnerung ist diese nämlich geprägt von Leichtigkeit und Freude. Dahinter verbirgt sich jedoch eine unglaubliche Weisheit, deren volle Bedeutung sich erst später offenbart. Als 12. Klasse schliessen wir unsere Schulzeit ab. Nun, an einer von vielen Weggabelungen des Lebens, stehen wir alle vor einer Entscheidung. Hier trennen sich unsere Wege. Wir folgen alle unserem freien Willen zum Fortschritt, zur Bewegung. Bewusst treten wir individuelle Reisen an in die Zukunft. Es ist die Vergangenheit, welche uns lehrte, diese Herausforderung zu meistern. Rudolf Steiner schrieb: «Frei ist der Mensch, insofern er in jedem Augenblick seines Lebens sich selbst zu folgen in der Lage ist.» Wanja Gerber, 12. Klasse 2019


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1 2 .  K lass e T h eater p ro j ek t

Chocolat Theater der 12. Klasse Rudolf Steiner Schule

Kulturm

28./29. Juni, 20 Uhr 30. Juni, 2019, 17 Uhr

Solothurn

Plätze reservieren unter:

www.steinerschulesolothurn.ch

Thomas Reber Klassenbetreuer

Alexandra Steinmüller Regiearbeit


S chwe r p u n k t J u g e n da l te r

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Unsere Jugend: To be or not to be – or to be totally different? Diese Jugend von heute – wie ist sie denn nun? Jeden Tag im Austausch mit Jugendlichen der Klassen 9 bis 12 sollte ich sie doch langsam greifen können. Warum habe ich das Gefühl, dass die Jugend von heute sich so sehr von meiner Jugend unterscheidet? Wenn ich an die Jugendlichen in unserer Schule denke, sehe ich sie von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt, in sich gekehrt, überdreht, kommunikativ, egoistisch, sozial, etc. Eine enorme Bandbreite an Individualitäten, Charakteren, Persönlichkeiten. In der 12. Klasse wanderten unsere Gedankengänge im Deutschunterricht von den Literaturepochen zu den Kulturepochen und zum heutigen Zeitgeist. Ein wenig provokativ meine Aussage: Ihr als Generation Z ernährt euch bewusst, achtet auf die Umwelt, auf Nachhaltigkeit, ihr demonstriert für das Klima, aber den grossen Revolutionsgeist spüre ich doch nicht. Warum seid ihr so angepasst und brav? Richtigen Widerspruch erntete ich mit dieser These nicht. Eine Schülerin antwortete ein wenig resigniert: Es ist doch alles schon mal da gewesen, was sollen wir denn noch Neues erfinden und schaffen? Jedes gute Musikstück, jede Moderichtung, jede Kunstströmung, alles wiederholt sich doch nur, was können wir denn noch ausrichten in dieser Welt? Im Jugendbarometer der Credit Suisse 2018 werden Jugendliche im Alter von 16-25 der Länder Brasilien, USA, Schweiz und Singapor miteinander verglichen. Die Jugend zeigt sich dabei ähnlich wie in der Shell Jugendstudie 2015 als brav und angepasst. Im Ländervergleich der Persönlichkeiten der Jugendlichen zeichnet sich die Schweizer Jugend besonders durch ihre Verträglichkeit aus. Danach folgen die Persönlichkeitsmerkmale Gewissenhaftigkeit und Offenheit. Ihre Vorstellungen für ihr Leben sind vor allem geprägt von sozialen Bedürfnissen. Während Karriere machen nur für 37 % äusserst oder sehr wichtig ist, spielt das Leben geniessen mit 78 % eine weitaus wichtigere Rolle. Ein eher düsteres Bild der Zukunft haben in der Schweiz dabei weniger als 10 % der befragten Jugendlichen. Zusammengefasst sind laut Jugendstudie 2018 bei den Interessen der Jugend nach wie vor das Smartphone und Internet mit seinen Kommunikationsmöglichkeiten hoch im

Kurs. WhatsApp ist der Austauschkanal schlechthin. Facebook hingegen verliert zunehmend an Wichtigkeit. Allerdings entstehen für die Jugendlichen mit der neuen Digitalisierung der Arbeitswelt hohe Unsicherheiten. Diese Generation nutzt aber auch die Digitalisierung für ihr neues Wertebild, ein Beispiel dafür sind Sharing Plattformen. Sharing Plattformen passen zur Generation Y, da sie das Moderne mit Nachhaltigkeit und echter solidarischer Gemeinschaft verknüpfen. Brands, Autos, feste Strukturen rücken in den Hintergrund, in der Zeit der Individualisierung wird die Peer-Group zu einer wichtigen Institution für den Jugendlichen. Der gesellschaftliche Megatrend der Millennials ist die Individualisierung. Vielleicht konnten wir früher so unangepasst, unkooperativ und egozentrisch sein, weil wir der Generation unserer Eltern Vernunft, Reife und Gewissen zugetraut haben? Haben die Jugendlichen von heute das Gefühl, dass die Rolle der Verantwortung schon so stark von der Jugend besetzt werden muss, weil wir es nicht auf die Reihe gebracht haben? Vielleicht haben sie Recht. Alexandra Steinmüller

Schülerrat Seit einiger Zeit gibt es an unserer Schule einen Schülerrat, in dem die Jugendlichen der 9. bis 12. Klasse die Themen besprechen, die alle Oberstufenklassen angehen. Hier ein kurzer Erfahrungsbericht eines Schülers aus der 10. Klasse: Am Anfang meiner Amtszeit als Mitglied des Schülerrates – dessen Zweck einerseits aus dem Vortragen und Besprechen der Traktanden, die die einzelnen Klassen ihren Gesandten (je zwei pro Oberstufenklasse, die von den Schülern und Schülerinnen gewählt werden und mindestens ein halbes Jahr im Amt sind) mitteilen, und andererseits aus dem Anhören der Fragen aus dem Lehrerkollegium, dem Vorstellen ebenjener Fragen in den Klasse und dem Rückbesprechen der Antworten im Schülerrat besteht – wollte ich nur

in ebenjenem kleinen Kreise mit von der Partie sein, weil ich hoffte, ich könne mich dadurch um ziemlich viele Schulstunden manövrieren. Doch schnell merkte ich, dass die ohnehin schon kurzen Besprechungen (bei denen es unter anderem um Themen wie die Erhaltung oder Verbesserung des Cibus, die genaue Auslegung der hiesigen Kleiderordnung, den Gebrauch und zuerst die Einführung des neuen Oberstufenraumes, die allgemeine Sauberkeit der Waschräume oder die Ausführung eines Ski- oder Schlitteltages ging) von vielen Lachern gespickt sind, so dass es sich, auch ohne den Ausfall der sowieso wenigen Schulstunden, mehr oder weniger gelohnt hat, sich zur Wahl zu stellen. Lukas Inniger


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S chwer p u n k t: J u g en da l ter

Informatikunterricht in der 9. und 10. Klasse

Leonhard Euler Informatik- und Förderunterricht

Mein Name ist Leonhard Euler, ich gebe in einem Teilzeitpensum Förderunterricht und Informatik an der Rudolf Steiner Schule Solothurn. Nach zwölf Jahren Steiner Schule und dem Abschluss des KVs mit BMS nahm ich an einem Programmierwettbewerb teil und kam so als Quereinsteiger in die Informatik. Ich arbeitete als Programmierer bei der UBS und bin heute bei der Planzer AG, bei der ich ebenfalls in einem Teilzeitpensum angestellt bin. Berufsbegleitend studierte ich an der anthroposophischen Akademie in Dornach und schloss meine Ausbildung zum Klassenlehrer und Förderpädagogen vor drei Jahren ab.

In der Beobachtung eines Objekts liegt die geistige Erfassung einer Sache. Als Informatiklehrer geht es mir um das Verständnis von technischen Systemen. Dabei handelt es sich vor allem um elektrische Systeme. Können wir diese erfassen, verstehen wir auch die heutigen Helferlein wie Smartphones, Tablets und Computer, die wir tagtäglich brauchen. Schauen wir in die Zukunft, so sehen wir, dass viele Prozesse, die früher manuell erledigt wurden, digitalisiert werden. Die Digitalisierung erfolgt nach den Regeln der Computertechnik. Diese Regeln können am besten erfasst werden, indem man das Programmieren erlernt. Ein Programm kann nicht mehr, als die Programmbefehle erlauben. Die Jugendlichen können dies erfahren, wenn sie Programmieraufgaben lösen. Wollen wir jedoch einen Computer verstehen, müssen wir in die Anfangszeit der Computer zurückreisen. Konrad Zuse entwickelte in den 1930er-Jahren den ersten Computer, der nach modernen Prinzipien aufgebaut war. Dieser Computer funktionierte mit Schaltprozessen, in denen Relais verwendet wurden. Mit dem Bau von eigenen Logik-Gattern aus Relais, Widerständen und Leuchtdioden, haben wir im Informatikunterricht die Schaltkreise konstruiert, die wir für einen Computer benötigten. Der Computer konnte dann binäre Zahlen (0 und 1) zusammenrechnen. Es erforderte viel Genauigkeit, diese Gatter zu erstellen. Oft stellten wir auf dem Steckbrett fest, dass es einfach nicht funktioniert, wenn man Fehler in der Schaltung hat. Die Fehlersuche konnte dann langwierig und mühsam werden. Die Schülerinnen und Schüler haben dadurch erfahren, dass die Digitaltechnik mit Mathematik viel gemeinsam hat: Es gibt nur eine Lösung.

1-Bit Computer

Mit den Gattern bauten wir dann zuerst einen 1-Bit-Computer und dann einen 2-Bit-Computer. Der Computer war damit in der Lage, zweistellige Binärzahlen zusammenzurechnen. Ganz nebenbei lernten wir so auch die Prinzipien für das Zusammenrechnen von Binär- und das Umwandeln von Dezimal-Zahlen.

2-Bit Computer

Bei dieser Aufgabe ging es mir als Lehrer darum, dass sich die Jugendlichen in dieser nichtrealen Computerwelt mit etwas Echtem beschäftigen können. Es gibt Prozesse, die man sichtbar machen kann, die wir mit unseren physischen Sinnesorganen beobachten können. Es machte Spass, vom Anwender eines Computers zu dessen Schöpfer zu wechseln. Da ist keine Zauberei dabei, sondern es ist einfach ein menschengemachtes Werkzeug. In der 10. Klasse konzentrierten wir uns auf den Bau eines eigenen Computers. Dieser Raspberry-Computer, ein Unix Rechner, der von der Universität Cambridge entwickelt wurde, hat alle Möglichkeiten, die wir im Schulbetrieb brauchen. Der Raspberry-Rechner führte uns durch den Informatikunterricht. Wir formulierten ein Ziel, das wir mit diesem Computer erreichen wollten, und arbeiteten uns dann von Problem zu Problem vorwärts. Der Computer war der rote Faden des Schulstoffes. Befehle wurden dabei aufgeschrieben und Probleme im Epochenheft dokumentiert. Es sollte ein praktischer Bezug zum Computer gelebt werden. Die Arbeit mit einem UNIX-Betriebssystem ist etwas anspruchsvoller und deshalb ab der 10. Klasse geeignet. Im Serverbereich wird hauptsächlich auf UNIX-Betriebssystem gesetzt. In den Klassen davor arbeiten wir auf unseren Microsoft-PCs im Computerraum. Diese Umgebung kennen die meisten Jugendlichen auch schon. Rudolf Steiner sagte einmal, dass die Maschinen uns das Rechnen abnehmen und uns dadurch am Denken hindern. Das Denken umfasst heute aber auch das Sich-Vorstellen dieser digitalen Prozesse. Können wir sie verstehen, so können wir sie in unserer Vorstellung weiterdenken. Computer haben in der Zwischenzeit in einem erheblichen Mass unser Leben erobert. Als Schule müssen wir uns mit dem Leben befassen, und da gehört die Informatik sicher auch dazu. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Fragestellungen und Problemen auseinander, deren Lösungen nicht auf Vorrat gelernt werden können. Dies fördert das eigenständige Denken und ein selbständiges Handeln. Leonhard Euler


S ch u l f ü h r u n g sko nfe re n z SFK

In ruhigen Gewässern Im Sommer 2018 haben zum ersten Mal seit unserem Aufbau einer eigenen integrativen Mittelschule IMSSchülerinnen und -Schüler ihren Abschluss gemacht und nach der 12. Klasse die Schule verlassen. Für uns war das der Anlass, auf die Aufbauphase zurückzublicken. Im Rahmen der jährlich stattfindenden externen Evaluation haben David Horisberger, Thomi Reber und Alexandra Steinmüller, die die Aufbauarbeit massgeblich geleistet und die IMS-Leitung innehaben, von den vergangenen Jahren berichtet. Das Kollegium konnte nochmals im Überblick wahrnehmen, was für eine enorme Arbeit geleistet wurde: Lehrpläne, Konzepte, Praxislernen, Projekte, Prüfungsreglemente, Übertrittsbestimmungen – alles musste diskutiert, erarbeitet, mit den anderen IMS-Schulen in der Schweiz abgestimmt und verschriftlicht werden. Es war ein Moment des Dankes und der Wertschätzung für diesen grossen Beitrag für unsere Schulentwicklung. Natürlich haben die drei IMSLeiter und -Leiterinnen auch darauf geschaut, was noch weiterentwickelt und verbessert werden muss. Mit Sorge beobachten wir weiterhin die Schülerzahlen in unserem Kindergarten. Wir haben leider sehr wenig Kindergartenkinder. Als Massnahmen haben wir die Öffentlichkeitsarbeit für diesen Bereich verändert und ausgebaut und monatlich einen offenen Kindergartennachmittag angeboten. Diese Möglichkeit, ganz unver-

bindlich in den Kindergarten hineinzuschauen und mit der Kindergärtnerin zu sprechen, wurde gut genutzt! Zudem wurde im Rahmen einer Dialogischen Konferenz (ein Treffen von Kollegium, Verwaltungskreis und Elternforum) beschlossen, das Schulgeld für den Kindergarten zu senken. Leider müssen wir jetzt am Ende des Schuljahres feststellen, dass diese Massnahmen noch nicht den gewünschten Effekt brachten. Da die Schulführungskonferenz SFK unser Delegationsund Entscheidungsorgan ist, nehmen diese Bereiche immer einigen Raum ein. Die Übergaben von Aufgaben an Einzelne oder Gruppen will beraten und beschlossen werden. Die Aufgaben sind durchaus verschieden und reichen von der Vergabe einer Klassenführung über die Delegation in den Verwaltungskreis, die Verantwortung für die Schulführung, die Bestimmung eines neuen Rechnungsführers der Einfachen Gesellschaft bis zur Pflege des Zeugnisarchivs. Zudem wird über die Aufnahme von neuen Kolleginnen oder Kollegen in der SFK entschieden. Insgesamt schauen wir auf ein ruhiges Jahr zurück, das geprägt war von einer sehr guten Stimmung im Kollegium und einer schönen Zusammenarbeit. Ursula Remund

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S ch u l f ü h r u n g sko nferen z SFK

Leitung Schulführungskonferenz: Achim Stoltenberg, verantwortlich für den pädagogischen Bereich Aufgaben: Leitung der wöchentlichen Schulführungskonferenz, Prozessführung, Personalgruppe

Ursula Remund, verantwortlich für den organisatorischen Bereich Aufgaben: Leitung der wöchentlichen Schulführungskonferenz, Prozessführung, Vertretung im Verwaltungskreis, Aufnahmen, Impulsgruppe «Wege zur Qualität», Personalgruppe, Delegierte ARGE, Delegierte Interessengemeinschaft Bern/Solothurn, Redaktion Jahresbericht und Schulpost, Sekretariat

Hinten, von links: Anu Meylan, Hans-Ueli Fischbacher, Alexandra Steinmüller, Thomi Reber, Danièle Hirt, Ann-Sophie Schramm, Donald Schlup, David Horisberger Mitte von links: Elisabeth Stoltenberg, Sara Frank, Thomas Reumer, Matthias Lüthy, Freya Kuehn, Jeannine Reinmann, Ernst Ryser Vorne von links: Achim Stoltenberg, Ursula Remund, Jacqueline Mani, Magdalena Röösli, Leonhard Euler, Peter Keim Es fehlen: Michaela Forster, Martina Geiger, Thierry Fink


S ch u l f ü h r u n g sko nfe re n z SFK

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Lehrpersonen und Unterstützung 2018/2019 Bettina Dübi Schulärztin (bis Dez. 2018)

Schulsekretariat

Leonhard Euler Förderunterricht und Informatik

Michaela Forster, Ursula Remund

Thierry Fink 8. Klasse, Physik, Naturwissenschaften

Ursula Remund: Schulpost

Hans-Ulrich Fischbacher Chor, musikalische Eurythmiebegleitung, Schwerpunktfach Musik

Finanzsekretariat

Sara Frank 4./5. Klasse, 10. Klasse Betreuung, Englisch

Donald Schlup

Martina Geiger Biologie, Chemie Priska Grimm musikalische Eurythmiebegleitung

Hauswartung

Danièle Hirt Französisch

Ernst Ryser

David Horisberger Geografie, Geschichte, Physik, Turnen, Musik, Chor Schwerpunktfach Recht, Staat, Wirtschaft

Cibus Küche und Mittagstisch

Peter Keim 11. Klasse Betreuung, Eurythmie, Werken

Erika Kälin, Rita Stampfli, Anja Hänggi

Matthias Lüthy 7. Klasse, Turnen, Französisch, Werken, Chor Gerwin Mader Religion

Schuki Schulergänzende Kinder­

Jacqueline Mani Englisch, Förderunterricht, Religion

betreuung

Ann-Dominik Meylan Bildnerisches Gestalten, Kunstgeschichte,

Magdalena Röösli (Leitung),

Schwerpunktfach Kunst

Ann-Sophie Schramm

Thomas Reber 12. Klasse Betreuung, Chemie, Informatik, Physik und Anwendungen der Mathematik, Schwerpunktfach Mathematik

Spielgruppe

Jeannine Reinmann Handarbeit, Weben

Andrea Kuyateh, Freya Kuehn

Thomas Reumer 4./5. Klasse, Gartenbau, Werken Magdalena Röösli 1./2. Klasse

Eltern-Kind-Gruppe

Ernst Ryser Projekte, Handwerk

Ann-Sophie Schramm, Marina Suter

Ann-Sophie Schramm Kindergarten Allmend Donald Schlup Religion Nina Seth Heileurythmie Alexandra Steinmüller 9./11. Klasse Betreuung, Deutsch, Kunstgeschichte, Wirtschaftskunde, Schwerpunktfach Pädagogik, Soziales und Psychologie Stöckli Laura Englisch Stöckli Thomas Englisch Achim Stoltenberg 3. Klasse, Turnen, Religion, Englisch, Französisch Elisabeth Stoltenberg 6. Klasse, Eurythmie, Handarbeit, Religion


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Q ua l i t ät s ent wi ck l u n g

«Wege zur Qualität» – zu den neuen Grundlagen des Verfahrens Ein Qualitätsverfahren, das sich am lebendigen Geschehen einer Schule orientiert, wird selbst in Bewegung sein wollen und müssen. «Wege zur Qualität» – das Verfahren, mit dem unsere Schule seit bald 20 Jahren arbeitet – hat im vergangenen Jahr seine Grunddokumente neu überarbeitet und herausgegeben. Diese Dokumente und der Umgang damit sollen hier kurz vorgestellt werden. 1999 wurde das Verfahren «Wege zur Qualität» erstmals im sogenannten Arbeitshandbuch auch für Schulen veröffentlicht. Vorher war es für die Heilpädagogik und die Sozialtherapie ausgearbeitet und dargestellt worden (und weiter gibt es Versionen für medizinische Einrichtungen und Altersheime). Inzwischen haben sich im Schulbereich die meisten Rudolf Steiner Schulen in der Schweiz und viele Waldorfschulen in verschiedenen Ländern angeschlossen. Dieses ursprüngliche Arbeitshandbuch ist nun abgelöst worden durch einen Verfahrensüberblick (der schon vorher als Ergänzung zum Handbuch existierte, nun aber neu gestaltet wurde). Dieser neue Verfahrensüberblick bildet die nun gültige Referenzgrundlage des Verfahrens. In ihm sind alle zwölf Gestaltungsfelder dargestellt, und zwar so, dass er nebst seiner Funktion als Darstellung des ganzen Verfahrens auch als Umsetzungsund Arbeitsinstrument dienen kann.

Der Aufbau des Verfahrensüberblicks folgt einer Anordnung in fünf Schritten: 1. Zielrichtung des Gestaltungsfelder, d.h. welchen Beitrag leistet das Kräftefeld zur Gesamtgestaltung der Schule; oder etwas technischer ausgedrückt: wie wirkt z. B. die «Eigenverantwortung» (Feld 2) oder das «Vertrauen» (Feld 5) als Qualitätsfaktor. Jakob Fuchs

2. Wirkung und Bedeutung: hier wird ausgeführt, was in der Schule und ihrem Umfeld veranlagt und erreicht werden kann, wenn gezielt und nachhaltig mit den Kräften im jeweiligen Feld gearbeitet und gestaltet wird (Wirksamkeit). 3. Wege zur Sozialgestaltung: In diesem Teil werden die wichtigsten Gestaltungselemente einer Organisation beschrieben, welche sich als praktische Konsequenz aus dem Verständnis des jeweiligen Gestaltungsfeldes ergeben. Also mit welchen Aktivitäten und Massnahmen die gewünschte Wirkung erzielt werden kann. So wird es zum Beispiel im Feld «Eigenverantwortung» wesentlich sein, die Zuständigkeiten klar zu regeln und die Dynamische Delegation wirksam anzuwenden. Oder dass in Feld 1 «Aufgabenstellung» ein Leitbild erarbeitet und zur verbindlichen Grundlage für alle Beteiligten und für die ganze Schule wird. – Zu diesem Teil des Verfahrensüberblicks gibt es inzwischen für die einzelnen Felder


Q ua l i t ät s e nt w i ck l u n g

verschiedene Arbeits- und Umsetzungshilfen; zudem sind weitere Instrumente in Erarbeitung, die kontinuierlich zur Verfügung gestellt werden. 4. Möglichkeiten der Evaluation: das Element der Reflexion und Evaluation der Wirkungen und Ergebnisse aller Handlungen und Bemühungen ist zentral; hier werden mögliche Fragen nach der Wirksamkeit der Arbeit aufgelistet, die jede Schule an sich selbst stellen kann. 5. Schliesslich werden auch die Grundvoraussetzungen für eine Zertifizierung genannt. Wenn eine Institution wünscht, sich die qualitativ wirksame Anwendung von «Wege zur Qualität» formal bescheinigen zu lassen, so bietet die stiftungseigene Confidentia (Gesellschaft zur Stärkung der institutionellen Eigenverantwortung) auf der Grundlage eines nachhaltigen Auditprozesses eine eigenständige Zertifizierung an, welche öffentlich geltend gemacht werden kann. In diesem fünften Abschnitt werden die unerlässlichen Mindestanforderungen in der Verfahrensanwendung genannt. Zwei weitere Grunddokumente, auf die an dieser Stelle allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt eingegangen werden kann, sind ebenfalls im Verlauf des vergangenen Jahres erneuert, resp. neu erarbeitet worden. Einerseits sind das die Prozessstufen, die eine wesentliche Hilfe für die Prozessgestaltung in den einzelnen Gestaltungsfeldern und -bereichen sind. Andererseits hat «Wege zur Qualität» einen eigenen Rückkoppelungsprozess entwickelt, der den standardisierenden KVP (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess mit seinen Soll-Ist-Abgleichen) zum Kontinuierlichen Entwicklungsprozess KEP weiterentwickelt hat. Dieses Dokument enthält auch eine Darstellung von drei Zieldimensionen, die den Zielbegriff gerade für die Arbeit mit Menschen («Beziehungsdienstleistung») notwendig differenziert in Entwicklungsziele, Richtziele und Erfüllungsziele – was auch für das sogenannte «Führen mit Zielen» eine wesentliche Erweiterung des Zielbegriffs und seiner Anwendung darstellt. Mit der Herausgabe der drei neuen Grunddokumente soll das Verfahren besser zugänglich sein und die konkrete Umsetzung weiter gefördert werden. In der Anwenderwerkstatt für Schulen und in Vertiefungsseminaren wird kontinuierlich mit ihnen gearbeitet und einzelne Aspekte und Anwendungsbereiche gezielt und fallbezogen thematisiert. Jakob Fuchs Stiftung Wege zur Qualität Mitglied der Impulsgruppe an der Schule

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Pers o na l > A bs ch i e d, Da n ke s ch ö n u n d N eu b e g i n n

Auf Wiedersehen ... Lieber Donald

Bettina Dübi

Vor 23 Jahren, an meinem ersten Schultag im August 1996, hat auch deine Zeit als Lehrer an dieser Schule begonnen. Acht Jahre warst du unser Klassenlehrer, du hast uns empfangen, als wir noch in Kinderschuhen steckten und uns nach einer tollen Abschlussreise in die Oberstufe entlassen. Der Weg dazwischen war nicht immer einfach für dich, denn wir waren eine lebendige Klasse, und auch die vermeintlich braven Mädchen konnten Streiche spielen, dich im Sternkundelager schminken oder dich mit Kopfhörern ärgern, obwohl keine Mediengeräte mitkommen durften. Als ich meine ehemaligen Mitschüler fragte, welche Erinnerung sie an dich haben, hörte ich Folgendes: Mich hat er oft mit dem Fahrrad nach Langendorf hochgeschoben, wenn ich zu müde war, um hochzugehen. Er hat riesige Mengen an Äpfeln gerüstet. Er war eine Art Vater für die Klasse mit einem Herz, das manchmal fast zu gross war. Ich mag mich daran erinnern, dass er Gipfeli mitgebracht hat für die Kinder, die nachsitzen mussten.

Mit Leib und Seele war Bettina Dübi Schulärztin. Sie hat alle Kindergartenkinder kennengelernt, bevor sie vom Kindergarten in die 1. Klasse übertraten. Auch mit den Kindern der 2. Klasse hatte sie viel zu tun, weil sie sehr aktiv bei den Entwicklungsbeobachtungen mitgeholfen hat. Dazu gab es immer eine ganze Reihe von Kindern, die ihre medizinische Unterstützung brauchten und bei Bettina Dübi wunderbar aufgehoben waren. Lange war sie auch Mitglied in unserer Fördergruppe und stand dem Kollegium bei allen medizinischen und entwicklungspsychologischen Fragen beratend zu Seite. Es war ein grosses Geschenk, jemanden mit so einer Fachkompetenz, mit so viel Herzblut und Verbundenheit mit der Anthroposophischen Medizin und mit unserer Schule wie Bettina Dübi als Schulärztin zu haben. Seit letztem Winter hat Bettina Dübi nun eine andere Herausforderung angenommen. Wir danken dir, liebe Bettina, von Herzen für alles, was du für die Schule geleistet hast! Ursula Remund

Vor einiger Zeit hast du dich entschieden, von Solothurn und der Schule wegzuziehen. Nach den vielen Jahren, die du mich und viele andere junge und ältere Menschen so wohlwollend mit deinem Riesenherz begleitet hast, hast du es verdient, dass nach fast drei Klassenzügen und den vielen Engagements in unserer Selbstverwaltung nun etwas Ruhe in dein Leben einkehrt. Du hast sicher genug Menschen um dich herum, die sich freuen, wieder mehr Zeit mit dir verbringen zu können. Wir danken dir für all das, was du im Grossen und Kleinen für uns getan hast und wünschen dir von Herzen alles Gute! Magdalena Röösli

Andrea Kuyateh hat unsere Spielgruppe mit viel Einsatz und Hingabe anderthalb Jahre lang geführt und hat sie im Frühling 2019 an Freya Kuehn übergeben. Mit ihrer wachen und einfühlsamen Beobachtungsgabe hat Andrea jedes Kind in seiner Besonderheit und Individualität wahrgenommen und liebevoll begleitet. Liebe Andrea, wir danken dir ganz herzlich und wünschen dir alles Gute auf deinem weiteren Weg. Jacqueline Mani

... weitere helfende Hände Viele Jahre war Rita Stampfli unsere gute Fee im Cibus! Unzählige leckere Menus hat sie gezaubert und alle hungrigen Esser und Esserinnen so zuvorkommend und freundlich bedient, dass es immer eine Freude war, ins Cibus zu gehen. Im Frühling 2019 hat sie nun eine neue Herausforderung angenommen. Wir danken von Herzen für das langjährige Engagement und wünschen für die Zukunft alles Gute! Einige Kolleginnen und Kollegen haben uns für das Schuljahr 18/19 mit kleinen Pensen unterstützt: Carola Glaser hat den Chor der 4., 5. und 6. Klasse geleitet und Musik in der 6. Klasse unterrichtet. Gerwin Mader hat den Religionsunterricht in der 8. Klasse übernommen und hat die meisten Jugendlichen durch die Jugendfeier begleitet. Thomas und Laura Stöckli schliesslich verantworteten den Englischunterricht in der 11. und 12. Klasse. Sorgfältig haben sie die 12. Klässler auf die Abschlussprüfungen vorbereitet und sie erfolgreich durch die Prüfungen geführt. Dankenswerterweise wird uns Laura Stöckli weiterhin unterstützen. Sara Frank übernimmt den Englischunterricht in der 11./12. Klasse, und Laura Stöckli begleitet sie. Vielen herzlichen Dank an euch alle für eure Unterstützung und euer Engagement! Ursula Remund


Pe r s o na l > A bs ch i e d, Da n ke s ch ö n u n d N eu b e g i n n

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Willkommen Freya Kuehn

Andrea Roggo

Ich bin in Hildesheim (DE) in einer grossen Gärtnerei aufgewachsen. Dort durfte ich meine Kindheit umgeben vom Duft der Blumen verbringen. Eingeschult wurde ich in die Freie Waldorfschule in Hildesheim. Als ich dort in der 6. Klasse war, teilten mir meine Eltern mit: Wir ziehen bald in die Schweiz. Seit November 2003 lebte ich im Kanton Zürich, besuchte in Winterthur, ganz kurz in Wil und anschliessend in Wetzikon die Rudolf Steiner Schulen. Nach zwei Jahren als Praktikantin im Unispital in der Abteilung Wochenbett und Gebärsaal und als Logistikerin, verbrachte ich zwei weitere Jahre in einer Schreinerei. Da wurde der Wunsch nach einer eigenen Familie immer grösser, und schon bald gebar ich unsere erste Tochter! Mit ihr entstand unser Wunsch nach einem Eigenheim. Vorerst waren wir aber sieben Monate mit dem Fahrrad unterwegs, nun zu viert! Wir und unsere zwei Töchter fuhren fast um Europa herum, von Wetzikon nach Schweden, doch nirgends fühlten wir uns Zuhause, konnten wir ankommen und sein. Schliesslich mussten wir (inzwischen zu fünft) letzten Sommer aus unserer bisherigen Wohnung ausziehen. Nur deshalb ist es letzten Sommer – kurz bevor unsere Tochter in den Kindergarten in Wetzikon gehen sollte – endlich soweit gekommen, dass wir in Mümliswil unser Haus, unsere Baustelle fanden, wie wir es uns so sehr gewünscht hatten. Na sowas, nun ist unsere erste Tochter also in den Kindergarten der Rudolf Steiner Schule in Solothurn gekommen. Wir lebten gemeinsam in einer Scheune, im Wohnwagen, und nun ist unser Haus bald einzugsbereit. Eine sehr intensive Zeit, die uns begleitet. Seit März 2019 habe ich zudem die Verantwortung für die Spielgruppe kurzfristig übernommen, bin eingesprungen. Nun werde ich bald meine erste eigene Spielgruppe begleiten und leiten! Ich freue mich sehr auf die mir anvertraute Aufgabe, auf all die unterschiedlichen Kinder, die leuch‑ tenden und begeisterten Kinderaugen, und auf das, was wir gemeinsam erleben! Für mich sehr wichtig ist auch, dass wir draussen sein dürfen, wollen, können, müssen! Sehr dankbar bin ich, den Allmendhof mit den Kindern besuchen zu dürfen. Die Kinder haben dort die Möglichkeit, Erde, Wasser, Feuer, Luft und Licht kennenzulernen. Sie dürfen sich dreckig machen, dürfen planschen, dürfen ans gefährliche Feuer, sie dürfen merken, dass es heiss ist, sie haben die Möglichkeit, Schnecken zu beobachten, sich langsam, sicher und behütet zu entwickeln. Ich freue mich, auf das was kommen mag!

Ich habe als Erstausbildung das KV im Treuhandbereich vor über 20 Jahren abgeschlossen. Nebenberuflich arbeite ich als klassische Tierhomöopathin. Seit 13 Jahren bin ich mit Silvan verheiratet, und unser Sohn besucht zurzeit den Kindergarten in der Steiner Schule Solothurn. Ich freue mich auf spannende Jahre im Finanzsekretariat.

Anja Hänggi Ich bin in einer Grossfamilie auf dem Bauernhof aufgewachsen. Nach meiner kaufmännischen Ausbildung habe ich Sozialpädagogik studiert und sechs Jahre in sozialen Institutionen mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Mich interessieren alle Aspekte von Lebensmitteln, einerseits das Entstehen im Garten oder auf dem Feld, das Verarbeiten in der Küche oder auch das Verkaufen in unserem Bioladen. Seit meiner Kindheit geniesse ich die Gemeinschaft anderer und bin es gewohnt, gemeinsam etwas zu erarbeiten. Nun bin ich Schulmutter von vier Kindern, unser Jüngster kommt dieses Jahr in den Kindergarten. Ich freue mich sehr, als Köchin im Cibus den Alltag unserer Kinder mit meiner Leidenschaft, dem Kochen, zu verbinden.

Florence Marian Französisch: eine Sprache, mit der ich in Genf aufgewachsen bin. Eine Sprache, die in vielen Ländern der Welt gesprochen wird. Die Geschichte, Literatur und Kunst Frankreichs begeistern mich, als Ethnologin, Malerin und Sprachlehrerin. So freue ich mich auf die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern sowie mit dem Kollegium.

Christine Wagner Als ich mich vor sechs Jahren nach einem Schnupperkurs entschloss, in die Ausbildung in künstlerischer Sprachgestaltung bei amWort in Dornach einzusteigen, wollte ich zunächst etwas Neues, einfach so, zur eigenen Freude, beginnen. Ein Jahr später ergab sich dann die Gelegenheit, zusätzlich den Ausbildungsgang Therapeutische Ausbildung zu belegen – ich ergriff sie! Nun, fünf Jahre später, ist das Ziel soweit erreicht, dass ich sowohl therapeutisch wie auch künstlerisch-pädagogisch mit der Sprachgestaltung arbeiten kann. In Form eines Praktikums habe ich während dem letzten Schuljahr bereits an zwei Vormittagen pro Woche mit einzelnen Kindern förderpädagogisch/sprachgestalterisch und therapeutisch gearbeitet. Die Jahre der Erfahrung als Lehrerin und Förderlehrerin sind eine wunderbare Grundlage, um, erweitert durch die Kunst der Sprachgestaltung, auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse bei Kindern – aber auch bei Erwachsenen – einzeln, in Gruppen oder mit einer Klasse, einzugehen. So freue ich mich, weiterhin an der Schule mitwirken zu dürfen. Gerne empfehle ich den Artikel über die Sprachgestaltung zur Lektüre, der im letzten Schulkreis (Sommer 19) erschienen ist, um sich ein differenziertes Bild über die Ziele und Möglichkeiten von Sprachgestaltung machen zu können.


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N at u r lä d el i

Viel Grund zum Feiern! Vor 35 Jahren wurde das Lädeli aus einer Elterninitiative gegründet 1984 wird es erstmals in unseren Unterlagen erwähnt. Alles begann damals mit einer Grossbestellung Mehl und Körner in Bioqualität für die Menschen der Schulgemeinschaft. Seither hat sich unser Angebot doch ein wenig erweitert! Im Naturlädeli finden sich: Lebensmittel, Kosmetikprodukte, Kinderkleider, Wolle und Garne, Kunstkarten und Bücher, Papeterieartikel und noch vieles mehr. Seit 13 Jahren wird der Laden als Verein verwaltet. In den Vereinsstatuten steht unter anderem: Die ideelle Grundhaltung richtet sich nach dem Leitbild unserer Schule. Der Vereinszweck besteht im Verkauf von Produkten auf biologischer oder biologischdynamischer Basis. Der Gewinn geht an den Schulverein. An diese Eckpfeiler halten wir uns.

Präsidentin Christina Borer Arbenz Naturlädeli-Team: Baba Rosskamp, Marianne Kaiser, Elisabeth Marti, Stefanie Thomet, Christina Borer Arbenz, Ania Diamantis, Susanna Beer, Tanja Birke. Es fehlen: Petra Lutz, Chantal Thaler, Maria Felder

Täglich Brot ... entstanden aus einer Notlage Als uns letztes Jahr die Nachricht von der Bäckerei VEBO erreichte, dass diese künftig nicht mehr in Bioqualität produzieren wird, wurden wir im Team stark gefordert, nach Lösungen zu suchen. Wo in der Nähe gibt es Biobäckereien? Namhafte Produzenten geben ihr Biolabel ebenfalls ab. Andere sind in der Umgebung Zürich und noch weiter weg. Es wird gegoogelt und herumtelefoniert, und jede Person, die sich in Bioprodukten auskennt, wird angefragt. Schliesslich ein Lichtblick: Innovative Biobäuerinnen oder ein Bioholzofenbeck sind unser Hoffnungsträger. Doch unsere bescheidenen Bestellmengen und die zusätzlich auf uns

zukommenden Lieferkosten lassen auch diese Idee platzen. Wir sitzen erneut zusammen. Da auch das Cibus Brot benötigt, entscheiden wir uns schlussendlich, die Sache selber in die Hände zu nehmen. So erarbeiten wir ein Konzept. Und ... siehe da, es funktioniert! Nur Dank unseren unermüdlichen, fleissigen Backfrauen steht tagtäglich ein kleines Sortiment an frischen Biobackwaren auf dem Ladentisch. Maria Felder ist die Sauerteigspezialistin und liefert auch regelmässig etwas Süssgebäck. Barbara Rosskamp ist bereits an der ganzen Schule bekannt für ihre feinen Laugenbrezel. Ebenfalls steht von ihr täglich ein feines Angebot an Broten bereit. Ich selber probiere mit kleinen Gebäcken Abwechslung in den Lädelialltag zu bringen. Wieder einmal mehr hat sich gezeigt, dass mit gutem Willen und freudigem Einsatz vieles möglich werden kann ... Ressort Brot Elisabeth Marti Agrò


B ü ch e r a nti q ua r iat

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Bücherantiquariat Noch vor einigen Jahren war das Bücherantiquariat gleichsam in Kisten verpackt und in Kellern und Garagen gelagert. Die Bücherschätze wurden nur am Flohmarkt, am Spiel mit! Fest und am Bazar hervorgeholt. Das war jeweils eine mühsame Schlepperei. Auch war es schwierig, die Übersicht über die vorhandenen Bücher zu behalten. Das ist heute ganz anders! Seit gut drei Jahren befindet sich das Bücherantiquariat auf dem Gelände der Schule, dort, wo einst Ernst Ryser seine Werkstatt hatte, in Nachbarschaft zum Naturlädeli.

Unsere pflanzengefärbten Biogazetücher und Schafwolle Da wir schon länger auf der Suche waren, wie wir auch unsere Gazetücher natürlich gefärbt und in Bioqualität anbieten können, fragten wir die zwei Frauen der Wollgruppe an. Edith Hänggärtner und Christine Schor färben seit Jahren in aufwändiger Arbeit die Wolle selber, die sie für ihre wundervollen Filzfiguren, die sie jedes Jahr für den Bazar so liebevoll und einzigartig herstellen, brauchen. Nun konnten wir in den letzten Sommerferien eineinhalb Wochen an ihrem Projekt teilnehmen und dabei unsere Biogazentücher mitfärben. Das Wetter war uns zum Glück gut gesinnt. Für alle war dies eine neue Erfahrung, und niemand von uns wusste, wie sich die Gazen beim Färben verhalten werden. So war das Endprodukt eine Überraschung für uns alle. Da viele Faktoren zusammenspielten, auch solche, die wir noch nicht kannten, gab es bei den Gazetüchern spannende, lustige Farbtupfer. Die zwei Woll-Filz-Färberfrauen gehören mitunter nun auch zu unserem erweiterten Lädeliteam. Ressort Gazetücher Susanna Beer

Mit Hilfe von Susanna Beer und André Steiner wurde der Raum gestrichen und so hell und wohnlich gemacht. Vom verstorbenen Solothurner Antiquar und Historiker Paul Feser konnte ich etliche Gestelle erben. So sind die Bücher nun gut versorgt, thematisch geordnet und für alle zugänglich. Das Angebot ist gross und vielfältig und beinhaltet u.a. Literatur von Rudolf Steiner, Kinder- und Jugendbücher, Märchen- und Sagenbücher, Biografien, Romane, Krimis und vieles mehr – und das zu sehr günstigen Preisen! Ich bin dankbar dafür, dass das Bücherantiquariat mit Hilfe des Naturlädeliteams, welches auch die Kasse führt, nun unter der Woche während der Lädelizeiten geöffnet ist. Der Erlös aus den verkauften Büchern geht an die Rudolf Steiner Schule. Viel Freude beim Stöbern!

Martin Arbenz

Öffnungszeiten: Mo – Fr von 8 bis 12 Uhr Buchbestellung: buch@steinerschulesolothurn.ch Tel: 032 622 42 74


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Ver wa l t u n gsk reis V K R

Verwaltungskreis VKR 2018/2019

Mandatsgruppen Bazarteam Michelle Aebi (Teamleitung), Bettina Dübi, Anja Hänggi, Peter Keim (Kollegium), Daniel Teicher Baukommission Axel Grupp (Leitung), Ernst Ryser (SFK), Tom Schmidli, Bruno Ziegler

Dimitrios Diamantis Präsident Koordination

Bettina Dübi Protokoll

Marcel Ziörjen Kassier, Finanzen Elternbeitragsgruppe

Baugruppe Geri Inniger, Ernst Ryser, Michael Siegfried, Thomas Eglin, David Klee Spiel mit!-Fest Berit Ducommun und Martin Schor (Leitung), Michelle Aebi, Stefan Felder, Anja Hänggi, Eveline Lah, Daniel Meier, Daniel Peter, Daniel Teicher Elternbeitragsgruppe Donald Schlup, John van den Bremen, Marcel Ziörjen

Anja Hänggi Eltern­ engagements

Ursula Remund Vertreterin SFK Aufnahmegruppe WzQ

Ernst Ryser Baukommission Vertreter EG

Elternforum Michelle Aebi, Bettina Eglin, Anja Hänggi, Erika Kälin, Janin Teicher, John van den Bremen Gruppe Schulhausreinigung Karyna da Silva (Putzkontrolle), Cornelia Müller (Putzpläne), Ernst Ryser (Hauswart), Claudia Stuber (Rechnungen) Gönnerverein Eigenständiger Verein Philipp Christen (seit Herbst 2018), Maria Felder (seit Herbst 2018), Kathryn Frank, David Klee, Brigitta Maria Röösli-Huber (Präsidentin), Rita Sampfli, Andreas und Cordula Stocker (bis Frühling 2019).

Donald Schlup Vertreter EG Personalfonds

Benjamin Wepfer Interne Kommunikation

Naturlädeli Eigenständiger Verein Susanna Beer, Tanja Birke (Co-Leitung), Christina Borer Arbenz (Co-Leitung), Elisabeth Agro Marti, Ania Diamantis, Maria Felder, Anja Hänggi (bis Frühling 2019), Petra Lutz, Barbara Rosskamp, Ann-Sophie Schramm (bis Frühling 2019), Chantal Thaler Heyn, Stefanie Thomet Wepfer


Ve r wa l t u n g sk reis V K R

Was wäre, wenn ... Was wäre, wenn wir im Jahresbericht auf das kommende Schuljahr blicken, statt uns Rechenschaft abzulegen, was wir als Schulgemeinschaft im vergangenen Schuljahr geleistet haben? Was wäre, wenn wir als Verwaltungskreis versuchen würden, immer nur in die Zukunft zu schauen, ohne die Vergangenheit zu reflektieren? Was wäre, wenn unsere Schule erst morgen gegründet würde? Welche Entscheide würden wir fällen, welche Grundlagen müssten da sein, bevor wir mit gutem Gewissen unsere Kinder dieser Schule anvertrauen würden? Als Schule müssen wir immer wieder nach vorne blicken, um im Heute die Weichen für das Morgen stellen zu können. Nichtsdestotrotz nutze ich gerne die Gelegenheit des Jahresberichts, um auf das abgeschlossene Schuljahr zurückzublicken und uns bewusst zu machen, welche Themen wir im Verwaltungskreis bewegt haben und mit welchen Ergebnissen wir einen aktiven Beitrag für unsere Schule geleistet haben. Als Verwaltungskreis sind wir im Auftrag des Lehrerkollegiums verantwortlich für die finanzielle Sicherung des Schulbetriebs. Demzufolge stellt sich für uns im Jahresverlauf auch immer wieder die Frage, wie wir die vorhandenen Mittel für den laufenden Schulbetrieb einsetzen, in welchen Bereichen wir heute für das Morgen investieren wollen. Wir sind uns bewusst, dass wir unsere Entscheide so fällen müssen, dass wir sie unserer Schulgemeinschaft gegenüber rechtfertigen können. Aus diesem Grund nutzen wir die Generalversammlungen auch für Meinungsbildungstraktanden oder für weitreichende Entscheide.

So konnten wir im Rahmen der Budget-Generalversammlung vom 25. Juni 2019 formell das Leitbild unserer Schule und auch das Budget für das kommende Schuljahr freigeben lassen. Nebst unseren Schulliegenschaften an der Allmendstrasse besitzt unser Schulverein auch eine Liegenschaft an der Bourbakistrasse, in der früher unser zweiter Kindergarten einquartiert war. Durch den Wegfall des zweiten Kindergartens stellte sich uns in den vergangenen Jahren immer wieder die Frage, ob wir als Schule diese Liegenschaft behalten sollen oder ob wir sie veräussern sollen. Unter der Leitung der Baukommission wurde ein Gutachten über den Wert der Liegenschaft erstellt, Optionen der Nutzung ausgearbeitet und im Rahmen einer Dialogischen Konferenz entschieden, diese zu veräussern, bzw. den Verkauf durch die GV freigeben zu lassen. Obwohl die Liegenschaft derzeit gewinnbringend vermietet werden kann, sind wir gemeinsam zum Schluss gekommen, dass wir die durch den Verkauf freiwerdenden Mittel lieber in die Gebäude investieren, die wir für den aktuellen Schulbetrieb benötigen, also in die Liegenschaften an der Allmendstrasse. An der Budget-GV wurde auch dieser Entscheid – entsprechend der Empfehlung der Dialogischen Konferenz – einstimmig gefällt und die Freigabe für den Verkauf erteilt. Als Verwaltungskreis schauen wir immer wieder zurück auf unsere Geschichte, sei es die lange zurückliegende oder das abgeschlossene Schuljahr. Wenn wir mit Respekt und Achtung auf unsere Vergangenheit zurückblicken, sind wir in der Lage, die Weichen für unsere Zukunft richtig zu stellen. Es braucht also nicht nur den Blick in die Zukunft, sondern auch den Blick in die Vergangenheit. Dimitrios Diamantis

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S o m m erspi el fe s t

Das «Spiel mit!» Sommerspielfest - wie Unglaublich, aber wahr: Bereits zum 20. Mal findet in diesem Jahr das «Spiel mit!» Sommerspielfest statt. Da ist es doch an der Zeit zurückzublicken und die Anfänge zu beleuchten. Wir haben deshalb ein Gespräch mit Bruno Gähwiler organisiert, er war damals im Organisationskomitee aktiv dabei und kann sich noch sehr gut erinnern. Das Interview führte Daniel Teicher. Bruno erscheint mit einem grossen, roten Ordner. Daniel: Hallo Bruno, schön, dass du dir Zeit nimmst! Bruno: Hallo! Sehr gerne, ich bin nun schon einige Jahre nicht mehr dabei und habe seit deinem Anruf versucht, mich in die Zeit zurückzuversetzen. Darum habe ich auch den Ordner dabei, darin sind sämtliche Protokolle der ersten Sommerspielfeste abgelegt. Daniel: Kannst du bitte erzählen, weshalb es das «Spiel mit!» Sommerspielfest überhaupt gibt? Bruno: Damals gab es die Tradition, dass die Eltern der 2. Klasse jedes Jahr ein Sommerfest auf dem Schulareal organisierten, für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte. In einem Jahr wurde es dann in die Vorstadt verlagert, einfach, um einmal etwas anderes auszuprobieren. Daniel: In die Solothurner Vorstadt, also öffentlich? Bruno: Ja, genau. Im kleinen Park hinter der Gewerbeschule. Und alle waren begeistert. Es gab viele Gäste und interessante Gespräche, da unser Sommerfest sehr publikumswirksam war. Schnell waren wir uns einig, das zu wiederholen. Als unsere Familie in der 2. Klasse war, bin ich im OK Sommerfest 2000 für die Bewilligung zuständig gewesen. Doch dann gab es ein grosses Problem. Daniel: Oje! Ein Problem, und dann sogar ein grosses? Bruno: Auf dem Dornacherplatz war eine grosse Baustelle vorgesehen und unser Festplatz war grösstenteils als Parkplatz eingeplant. Ich hatte Sicherheitsbedenken und beantragte eine Sperrung. Der zuständige Stadtpolizist fürchtete sich aber vor den Reaktionen der Gewerbler, keine Parkplätze an einem Samstag, und schlug daher den Schanzengraben vor. Daniel: Jetzt wird es aber spannend.

Bruno: Ja, das OK hatte daraufhin einen Vor-Ort-Termin und die anfängliche Skepsis hat sich dabei sofort gelegt. In Gedanken hatten wir da bereits die ersten Spiele und die Aufteilung des Festgeländes vor Augen. Auch ist uns bewusst geworden, dass dies nun die Chance auf noch mehr Öffentlichkeit war, wir den Menschen einen wundervollen Tag bieten wollten und dass dies auch mit grösserem Aufwand verbunden sein würde. Daniel: Wie hat sich das geäussert? Bruno: Unser Organisationskomitee traf sich jetzt sehr regelmässig und wir bildeten Ressorts für die verschiedenen Themenbereiche. Daniel: Zum Beispiel? Bruno: Kulinarik, Spiele, Infrastruktur… Daniel: … das ist heute noch so! Bruno: Dann hat es sich doch über all die Jahre bewährt (freut sich). Aus­serdem begannen wir jetzt, für das Fest im Jahr 2000 die gesamte Schule mit einzubeziehen, für die 2. Klasse allein wäre das nicht zu stemmen gewesen. Daniel: Was waren die Renner am ersten «Spiel mit!»? Bruno: Ich glaube, dass Harassenklettern, Wasserrutschbahn, Zwergenbeiz und Sinnesgärtli damals und auch heute noch sehr hoch in der Gunst des Publikums stehen. Die Schule erhielt extrem viele positive Reaktionen nach dem «Spiel mit!», selbst die Stadt Solothurn hat uns ermutigt, weiterzumachen. Zur damaligen Zeit gab es nur wenige Anlässe, die spe-

ziell auf Kinder und Familien ausgerichtet waren. Die stetig steigenden Besucherzahlen der darauffolgenden Sommerspielfeste waren ein deutlicher Beweis dafür. Mittlerweile wurde das Konzept sogar von einer lokalen Bank kopiert, möchte ich meinen … (Bruno schmunzelt) Daniel: Dein persönliches Fazit damals? Bruno: Die friedliche Stimmung, das fröhliche Miteinander und die glücklichen Kinderaugen hatten mich persönlich überzeugt, dass sich der gros­ se Aufwand ganz sicher gelohnt hat. Ausserdem waren wir wirklich ein Spitzenteam, welches das «Spiel mit!» weiterhin in den kommenden Jahren vorbereitet hat. Unsere OK Sitzungen waren legendär, wir trafen uns privat, besprachen die Themen rund um das Fest, kochten häufig gemeinsam und hatten es einfach gut zusammen. Daniel: Was ist dir noch in Erinnerung geblieben? Bruno: Anlässlich des Schuljubiläums konnten wir durch persönliche Beziehungen den bekannten Seiltänzer David Dimitri gewinnen. Er sollte seine Kunst bei einem Seilspaziergang von der Mauer der St. Ursenbastion zur Reithalle zeigen, ein absoluter Höhepunkt. Damit vor den Augen der Kinder kein Unglück geschieht, war abgemacht, dass David Dimitri eine Sicherung benutzt, für ihn ein doch eher ungewöhnlicher Umstand. Wir alle waren sehr gespannt und aufgeregt, er wurde mit Pauken lautstark angekündigt, und als er auf dem Seil erschien, bekam ich fast einen Herzstillstand – irgendwie hatte er es ge-


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alles begann ... schafft, ohne Sicherung loszugehen. Trotz meiner Schweissausbrüche schaffte er absolut routiniert die Seilstrecke, und alle Besucher waren restlos begeistert. Daniel: Das hört sich wirklich toll an! Auch wenn deine Begeisterung verzögert einsetzte. Bruno: Zum Glück sind wir von gros­sen Unfällen verschont geblieben und es herrschte immer eine friedliche Stimmung. Selbst das Wetter zeigte sich meist sehr spielfreudig, zumindest fanden sich immer genügend wetterfeste Besucher. Grundsätzlich war das «Spiel mit!» oft genug für wenige mit viel Aufwand verbunden, und damit meine ich nicht nur das OK. Würden alle Familien einen Beitrag leisten, könnte der Aufwand auf mehr Schultern verteilt werden und der Spassfaktor steigt zusätzlich, weil noch mehr daran teilhaben. Ein Patentrezept, wie man das organisieren kann, habe ich leider nicht. Ich wünsche euch diesbezüglich eine breitere Unterstützung der Familien, auch für den zweiten, grossen Schulanlass, den Bazar vor der Adventszeit. Daniel: Vielen Dank, Bruno! Deinen letzten Punkt kann ich bestätigen: Wer sich aktiv beteiligt, hat Riesenspass, lernt immer wieder neue Leute kennen und fühlt sich gut dabei, etwas für Kinder und Familien zu tun. Danke für das Gespräch, ich fand es total interessant und du bist ein toller Gesprächspartner. Alles Gute dir! Bruno: Sehr gerne, Adieu und hoffentlich bis bald. Solothurn, im Mai 2019

20. Sommerspielfest «Spiel mit!» Am Samstag, 24. August 2019 geht es wieder los: Mitmachen, Erleben, Geniessen! Ab 10 Uhr im Schanzengraben beim Baseltor in Solothurn, bei jedem Wetter erwartet euch ein volles Programm: • Spiele für Klein und Gross, Abenteurer und Lässige, allein oder mit Freunden • Herausforderungen und Spass • Köstlichkeiten für jeden Geschmack: kleine Snacks, üppige Menüs, gluschtige Desserts, gesunde Beilagen, kühle und heisse Getränke • Zirkus Pitypalatty zeigt atemberaubende Vorführungen und lädt ein zum Mitmachen • Informatives rund um die Rudolf Steiner Schule Solothurn Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und die ganze Schule fiebert dem «Spiel mit!» entgegen.

Wir freuen uns auf euch! Das Organisationskomitee: Leitung, Finanzen: Berit Ducommun, Martin Schor Infrastruktur: Daniel Peter, Daniel Meier Spiele, Dekoration: Michelle Aebi Kulinarik, Getränke: Anja Hänggi, Stefan Felder Sponsoring: Eveline Lah Werbung, Grafik: Daniel Teicher

1 ›› Besucht uns auf Facebook: facebook.com/SpielMitSommerspielfest/ (oder Code scannen) und ladet eure Freunde ein. 2 ›› Verteilt Flyer und Plakate – ab Ende Juni im Sekretariat und im Lädeli gratis verfügbar 3 ›› Auf der Homepage und bei Facebook findet ihr Flyer zum Verschicken per E-Mail, WhatsApp

Danke an alle!

MitSommerspielfest/ facebook.com/Spiel

Wenn ihr das «Spiel mit!» bekannter machen möchtet, gerne mehr Details erfahren möchtet oder das Sommerspielfest einfach und gerne unterstützen wollt:


agenda 2019/2020 Sommerspielfest «Spiel mit!» im Schanzengraben

24. August 2019, 10 – 19.00 Uhr

Kleiderbörse im Schulhaus 14. September 2019, 9 – 12 Uhr 12. Klasstheater «The Great Gatsby» im Kultturm Solothurn 26./27./28. September 2019

Bazar Schulgelände, Allmendstrasse 75 23. November 2019, 9 – 18 Uhr 24. November 2019, 10 – 17 Uhr Tage der offenen Türen Freitag, 24. Januar 2020, 8 bis 11.40 Uhr, offene Türen in allen Klassen Kindergarten: 8 bis 9. 30 Uhr. 11. und 12. Klasse ab 8.30 Uhr Infoabend für Interessierte: 19 Uhr Samstag, 25. Januar, 9 bis 12 Uhr, Workshop: Einblicke in die Waldorfpädagogik

Präsentation Abschlussarbeiten 12. Klasse 22. Februar 2020, 10 Uhr

Frühlingsschulfeier im Landhaus Solothurn, 6. März 2020, 19 Uhr 8. Klasstheater 19./20./21. März 2020, 19.30 Uhr Diplomfeier 12. KlassE 3. Juli 2020, 10 Uhr

Programmänderung vorbehalten, aktuelle Infos auf der Schulwebseite

Rudolf Steiner Schule Solothurn Allmendstrasse 75, 4500 Solothurn Weitere Informationen: www.steinerschulesolothurn.ch info@steinerschulesolothurn.ch Telefon 032 622 41 12

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Rudolf Steiner Schule Solothurn 2019  

Jahresbericht 2018/2019

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