Fountain 3

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Jennifer Allen, Anne von der Heiden, Jörg Heiser, Nikolaus Hirsch, Martin Hochleitner

legen müssen. Das Bild des Schmetterlings verliert sich, wenn der Tag zu Ende geht und die Nacht hereinbricht, es wird dunkel, nichts ist mehr zu sehen und in meiner Vorstellungskraft, in meiner Imagination folge ich ihm aber weiter. Also, die Schmetterlingsfachleute, die Archivare und Sortierer vertreten ihre Sichtweise der Skulptur und des skulpturalen Schaffens. Sie sind eigentlich meiner Ansicht nach Zoologen geworden, die Grenzen und Ordnung in ihrem Gegenstand herstellen und festlegen wollen. Die, die sich den Skulpturen, also dem skulpturalen Schaffen ohne Netz nähern, lassen sich auf ein Abenteuer ein. Sie profitieren nicht von den Rastern der Jäger, sie haben auch keinen festen Gegenstand, aber zu diesen möchte ich uns gerne zählen. Danke. Martin Hochleitner: Ich möchte aus der kuratorischen Praxis heraus argumentieren und sprechen. Es ist so, dass wir in der Landesgalerie in den späten 1990er Jahren einen Schwerpunkt zum Thema Skulptur hatten. Es handelte sich um eine Reihe von Projekten, bei denen es beispielsweise um schwerelose Skulptur ging, oder um Zeitskulptur. Und dann gab es einen Schnitt – in den letzten 10 Jahren habe ich vor allem fotografische Ausstellungen gemacht. Das Phänomen war, dass dann viele gesagt haben: „Die Landesgalerie ist ein Fotomuseum geworden“. Ich habe dem massiv widersprochen, indem ich gesagt habe, dass es dabei nicht um die Frage des Mediums geht, sondern um das, was ich in der Fotografie, wie in der Skulptur ganz explizit verankert sehe: den Aspekt des Ikonografischen, aber auch den einer neuen Ästhetik. Heute ist in einem Vortrag eine Arbeit von Manfred Pernice vorgestellt worden, die bei „Skulptur Projekte Münster“ 2007 zu sehen war. Das ist eine Arbeit, die die Begrifflichkeit um Skulptur sehr gut trifft. Überhaupt stellt sich bei Münster natürlich schnell der Skulpturbegriff, weil es so explizit unter diesen Titel gesetzt ist,

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vielleicht aber auch, weil durch die zeitliche Distanz der „Skulptur Projekte Münster“, die ja alle zehn Jahre stattfinden, immer wieder bestimmte Begrifflichkeiten in der Konzeption, in der Rezeption, in der Wirkung von Kunst sehr gut ablesbar werden und ich glaube, wir werden uns alle sofort einig, dass in den 1980er Jahren der Begriff des Ortsbezugs das zentrale Moment war, und 1997 waren sehr, sehr viele Projekte mit dem Aspekt der Dienstleistung verbunden. Als ich dann diesen Pavillon von Manfred Pernice gesehen habe, sah ich das zunächst auch als eine Form der Architektur und Definition von öffentlichem Raum. Es hat auch für viele Betrachter so funktioniert. Es war sozusagen einerseits dieser Aspekt des Ortsbezugs aus den 1980er Jahren sehr stark impliziert und andererseits auch der Aspekt der Dienstleistung aus den 1990er Jahren. Pernices Arbeit aus 2007 wiederum brachte eine vielfältige Referenzebene ins Spiel. Ich glaube, dass sich die skulpturalen Praktiken in den 2000er Jahren sehr stark diesem Spielen mit Referenzen geöffnet haben, und das würde ich auch als ganz explizites Moment meiner kuratorischen Annäherung an skulpturale Arbeiten sehen. Das war das Thema der Referenz. Das zweite war das des Modells. Eine programmatische Ausstellung, die ich als ganz charakteristisch gesehen habe, war Archisculptures. Über die Beziehungen zwischen Architektur, Skulptur und Modell, von Stefan Berg 2001 im Kunstverein Hannover kuratiert. Hier wurde die Schnittstelle von Architektur, Skulptur und Modell sehr präzise gefasst. Ich würde diese beiden Ebenen – Referenz und Modell – als sehr charakteristisch für diese letzten zehn Jahre sehen. Jörg Heiser: Was „Referenz“ angeht: Laufen wir dann aber nicht Gefahr, uns zu verheddern im Referenzsystem? Wo ist die Dringlichkeit? Gibt es da irgendwelche Anhaltspunkte, lassen die sich formulieren – Widerstandseffekte, das „Einfangen“ von Traumata etc. – , die es


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