Fountain 3

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Werbung

Körper schafft, die sehr viele Körperkategorien vereinen. Wir haben hier so einen Arschmund, der sozusagen gleichzeitig scheißt und spricht, der ausscheidet und Liebe gibt und verschiedene Körperfunktionen miteinander verbindet, so das die Differenz zwischen dem, was die verbale Ausscheidung und die anale Ausscheidung angeht, auf eine provokative Art und Weise aufgehoben wird. Dadurch inszeniert Szapocznikow einen Diskurs zwischen den Körpern, in dem auch die Differenz zwischen meinem und deinen Körper und den verschiedenen Öffnungen die wir normalerweise benutzen, um uns zueinander in ein Verhältnis zu setzen, verwischt wird. Das klingt jetzt erst mal bizarr. Aber eigentlich wissen wir alle wie das geht, wenn sich die Differenz-Kategorien aufheben, weil wir den Fetischismus immer noch praktizieren. Wenn ich mir hier zum Beispiel diese Werbung von Prada anschaue ist es ganz klar, dass wir eigentlich nicht genau wissen, ist die Frau die Flasche oder ist die Flasche die Frau? Also, was bekomme ich jetzt, wenn ich mir die Infusion d´Iris besorge? Krieg ich dann die Flasche und werde ich zu dieser Frau? Das heißt: Ist die Frau dann in der Flasche oder macht die Flasche die Frau erst zu dem was sie ist? Dieser magische Zirkel, in dem Prada steht, ist eigentlich ein animistischer Zirkel, wo die Beziehung zwischen Dingen und Personen letztendlich aufgehoben wird. Dabei stellt sich eine Form der Aura her, die gleichzeitig im Objekt und in der Person wohnt. Ich würde behaupten, dass jemand wie Szapocznikow genau auf dieser Ebene begriffen hat, wie ein Fetisch funktioniert, wie ein Fetisch spricht. Das ist eine Skulptur, die gleichzeitig auch eine Lampe ist. Also die man anguckt, die aber gleichzeitig auch selber leuchtet,

Darstellung von Orpheus

wo sich ein Kopf mit verschiedenen Köpfen verbindet und das Ding und die Person auf eine provokante Art und Weise miteinander verschmelzen; Das Ding konnte man damals kaufen als Lampe. Es ist ein sehr, sehr gesprächiger Fetisch, der weiß, wie diese Magie der Verschmelzung funktioniert und dabei sämtliche ontologischen Kategorien aushebelt. Hier hat man, ja wie soll man das nennen, eine Penis-Bananen-Brust-Lippe. Das kennt man aus dem Fetischismus: Ein JuJu kann, glaube ich, auch verschiedene Sachen machen. Er kann mich unsichtbar machen und auch kugelsicher, es können verschiedene Funktionen kombiniert werden. Es ist also sozusagen eine fetischistische Logik, die hier in der Skulptur sehr praktisch und aktiv angewendet wird. Interessanterweise existiert dieser Animismus und diese Idee der Kommunikation, die ontologische Theorien aushebelt, auch im Herzen unserer eigenen Tradition. Das ist eine Abbildung von Orpheus. Wir kennen das, Orpheus hatte viel Stress mit Eurydike und hatte auch andere Fähigkeiten. Der Mann ist der Sohn von Kalliope und Apollo. Kalliope ist die Muse für Mathematik, Philosophie und Seiteninstrumente, er konnte also ziemlich gut Seiteninstrumente spielen. Das hatte zur Wirkung, dass ihm nicht nur Tiere zugehört haben, sondern auch Pflanzen und Steine, wie man hier sieht. Das heißt, viele Apollo-Motive sind eigentlich frühe Meditationen über die Wirkung von Kunst, die versuchen darzustellen, was es denn eigentlich bedeutet, wenn Kunst affiziert, wenn sie mit uns spricht. Ein klassisches Motiv, das die Wirkung von Kunst erklärt, ist dieses merkwürdige Gespräch, bei dem die künstlerische Äußerung Brücken schlägt zwischen verschiedenen

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